Datum: 02. Januar 2009 06:14
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 09. Januar 2009 06:10
Zwar polemisch ausgeführt, dennoch einen grundsätzlichen Dissenz
ansprechend, liest man in „Erwachet!" vom 8. 1. 1949:
„Die Kremation oder Feuerbestattung ist
bekanntlich den Katholiken streng untersagt. Wer z. B. die Verbrennung für
sich angeordnet hat, kann die Sakramente, auch in der Sterbestunde, nicht
empfangen. Kein Priester darf einer Kremation beiwohnen.
Begründet wird dieser Standpunkt unter andern damit, daß die Kremation eine
Unsitte sei, die das christliche Empfinden und die natürliche Pietät gegen die
Verstorbenen verletze, daß sie nicht dem Beispiel Christi und der ersten
Christen entspreche, ferner etwas Brutales und Gewaltsames an sich habe und
als heidnischer Brauch, der von den Gegnern der Kirche propagiert werde,
abgelehnt werden müsse. Jedoch wird zugegeben, daß kein biblisches Gebot gegen
die Feuerbestattung besteht.
Eigentümlich ist die katholische Auffassung immerhin schon. Gegen die
Verbrennung von toten Körpern läuft man Sturm, verwirft sie als unschön,
widernatürlich, brutal, unchristlich und heidnisch. Da fragt man sich zu
Recht: Wo sind denn alle diese Erwägungen und Bedenken geblieben zur Zeit der
Inquisition, wo die katholische Hierarchie nicht etwa tote, sondern lebende
Körper zu Hunderten und zu Tausenden dem Flammengrab übergab? Wurden hier
keine christlichen Gefühle verletzt, wie etwa das der Nächstenliebe? Wo,
fragen wir, gab denn Christus das Beispiel, das zu solchem Handeln
berechtigte?
Wo bleibt ferner die Folgerichtigkeit, wenn man dem katholischen Standpunkt
über die Feuerbestattung die katholische Lehre vom Fegfeuer gegenüberstellt?
Wenn das rasche Verbrennen eines Leichnams zu solchen Bedenken Anlaß gibt,
wievielmehr sollte sich da das katholische Gewissen gegen die Fegfeuer- und
Höllenlehre erheben, wonach die Seelen bei Bewusstsein entweder zeitlich oder
ewig in der Flammenpein zu schmachten haben. Ist nicht eine Inquisition, eine
Fegefeuer- und Höllenlehre tausend Mal unschöner, widernatürlicher, brutaler,
unchristlicher und heidnischer als die Kremation, gegen die überhaupt keine
biblischen Einwände vorgebracht werden können?
Man vergleiche ergänzend auch noch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,1568,1568#msg-1568
------------------------------------
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. Januar 2009 03:20
Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sind bekanntlich ein
föderalistischer Bundesstaat. Einer dieser Bundesstaaten: Alaska. In der "Wachtturm"-Ausgabe
vom 15. 1. 1949 wird über einige nordamerikanische Bezirksversammlungen der
Zeugen Jehovas, des Jahres 1948 berichtet. Zwar wurde Alaska erst 1959 als 49.
Bundesstaat in die USA aufgenommen. Allein dies will bezüglich der Zeugen
Jehovas überhaupt nichts besagen. Pflegen sie doch generell auch außerhalb der
USA missionarisch tätig zu sein
1876 wurde dort von den Presbyterianern eine erste Missionarsschule gegründet.
Dieser Fakt verdeutlicht schon mal. Das Christentum war noch nicht, wie
andernorts, bereits seit Jahrhunderten ansässig. Seine Ureinwohner waren denn
mit Sicherheit keine Christen. Tatsächlich entdeckten die Europäer diese
klimatisch unwirtliche Gegend erst im Jahre 1741. Spektakulär dann auch der
Erwerb Alaskas für 7,2 Millionen US-Dollar von Russland im Jahre 1867. Seit
jenem Jahr datiert dann der US-amerikanische Einfluss dort. Noch heute wird
die ansässige Bevölkerung auf etwas mehr als eine halbe Million Einwohner
beziffert. Also ein sehr dünn besiedeltes Land, trotz seiner großen
geographischen Ausdehnung.
Inwieweit dort die christlichen Kirchen, außer den schon genannten
Presbyterianern, Fuß fassten, entzieht sich der näheren Kenntnis. Mutmaßlich
aber haben sie dort sicherlich nicht solch eine ausgeprägte Infrastruktur
aufbauen können, wie dass in den eigentlichen USA der Fall ist.
Noch in anderer Beziehung sind die USA eine Hochburg. Eine Hochburg des
Freimaurertums, der "Religion" ("Religion" in Anführungsstrichen) der
Highsociety von vorgestern. Soweit es Europa betrifft, Fürsten, Könige,
Philosophen, zu ihren Mitgliedern zählend. Ähnliches, mit Abwandlungen auch in
den USA. Selbst USA-Präsidenten (Warren G. Harding) waren Freimaurer.
Geschichtlich bedingt, bestehen besonders zwischen der katholischen Kirche und
den Freimaurern starke Spannungen. Meint die Catholica, doch ihren partiellen
Machtverlust in Europa, etwa den Verlust des Kirchenstaates in seiner
ursprünglichen Ausdehnung, auch den Freimaurern anlasten zu können. Und so
etwas, verzeiht die Catholica nie!
Auch andere Kirchen waren bekanntlich auf die von C. T. Russell gegründete
Religion nicht sonderlich gut zu sprechen. Als Russell anfing, verfügte seine
Bewegung natürlich noch nicht über einen umfänglichen Immobilienbestand, wie
das heutzutage der Fall ist. Wollte man eine größere Versammlungsstätte
nutzen, war man darauf angewiesen entsprechende Räumlichkeiten anzumieten. Die
Kirchen sagten zu solchen Ansinnen (damals und heute) erst mal generell nein:
Damit reduzierte sich schon mal das Angebot für die Bibelforscher/Zeugen
Jehovas beträchtlich.
Sonderlich wählerisch konnten sie daher nicht mehr sein. Und so ergab sich der
bekannte Umstand, dass die Freimaurer, die auch ihren eigenen "Strauß" mit den
Kirchen auszufechten hatten, in beachtlichem Umfange als Vermieter von
Räumlichkeiten (gegen klingende Münze), auch für die Bibelforscher tätig
wurden.
Offenbar bestand eine ähnliche Situation auch in Alaska. Liest man in der
genannten WT-Ausgabe auch davon, dass der öffentliche Vortrag, anlässlich der
1948er Bezirksversammlung, dort in einem Freimaurer-Tempel stattfand.
Überbewerten indes, sollte man diesen Fakt nicht. Andernorts haben Jehovas
Zeugen ihre Versammlungen auch schon mal in öffentlichen Schulgebäuden oder
Sportstadien und ähnliches durchgeführt. Auch dadurch sind sie dort nicht etwa
zu einer "Volkshochschule" oder „Sportverein" mutiert. Das sind sie mit
Sicherheit nicht. Ähnliches gilt auch für das Beispiel Freimauer-Tempel in
Alaska.
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 23. Januar 2009 06:38
Dem Thema Rassentrennung in den USA widmet sich „Erwachet!" in seiner
Ausgabe vom 22. 1. 1949. Laut Untertitel machen „offenkundige
Benachteiligungen die Freiheits-Versprechungen lächerlich".
Diverse Beispiele dafür werden genannt. Ein Unterabschnitt in diesem Artikel
ist dann überschrieben:
„Wie sich die Religion hierzu stellt".
In ihm wird ausgeführt:
„Eine Rundfrage unter Geistlichen von
Oklahoma ergab, daß einige für, andere gegen die Absonderung in den Kirchen
waren. Manche Kirchenverbände ersuchten ihre Mitglieder, diesen Brauch
abzuschaffen. Sollte es aber in Birmingham (Alabama) geschehen, daß ein Weißer
durch eine Tür, die nur für Farbige bestimmt ist, in eine Kirche eintritt, so
wird er verhaftet, selbst wenn es sich um einen Senator der Vereinigten
Staaten (z. B. Glen Taylor) handelt.
Ein religiöser Pressedienst brachte am 13. Mai 1948 folgende Notiz aus
Columbia (S. C.): 'Völlige Rassentrennung ist der Wille Gottes' und muß
beibehalten werden, wurde von der Generalkonferenz der Methodistenkirche des
Südens erklärt … 'Der allmächtige Gott hat es in seiner unendlichen Weisheit
für gut befunden, von Anfang her die Rassen abzusondern, und wir sind
ernsthaft der Auffassung, daß dem Willen Gottes durch das Beibehalten einer
völligen Trennung zwischen den weißen und den schwarzen Rassen am besten
gedient wird.'"
Abschließend kommentiert „Erwachet!" dazu:
„Die Rassenbenachteiligung ist nicht
ausschließlich 'Amerikas Dilemma'. Südafrika, Indien, Australien sind nur
einige weitere Beispiele. Tatsächlich haben mindestens vierzig Mitgliedstaaten
der Vereinigten Nationen ihre eigenen Rasseprobleme; und die volle Lösung
dieser Probleme ist all den menschlichen Regierungen nicht gelungen, auch den
demokratischen nicht.
Das lenkt uns erneut auf die unbestreitbare Wahrheit, daß nur die
theokratische Herrschaft alles beseitigen wird, was mit Rassenhaß und
Rassenbenachteiligung zusammenhängt - jene Herrschaft, bei der Christus Jesus
als Friedefürst über gerechtigkeitsliebende Menschen 'aller Nationen'
regiert."
Also wie gehabt: Orientierung auf Hoffen und Harren; auf den „Sankt
Nimmerleinstag".
Geflissentlich indes vermeidet es „Erwachet!" zu erläutern, wie denn das
praktische Verhalten der Zeugen Jehovas in diesen Fragen war. Denn das diese
Fragestellung auch an ihnen nicht vorübergehen würde, ist offenkundig.
Zitiert sei noch aus der deutschen „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 1. 1949 der
nachfolgende Passus.
„Im Bezirk Nr. 2, der sich im südlichen
Teil der Vereinigten Staaten befindet, bestehen Farben- oder Rassenprobleme,
denen die Königreichsverkündiger andernorts nicht gegenüberstehen. Hallen und
Säle werden nicht vermietet, wenn sich eine gemischte Zuhörerschaft einfinden
möchte. Indes verursachte die trennende Kraft, welche die alte Welt
hoffnungslos zersplittert, keine Uneinigkeit an dieser Bezirksversammlung der
Zeugen Jehovas. Allerdings mussten wir uns um den Saal mieten zu können, den
Vorschriften anpassen, wonach die weißen und die farbigen Geschwister in
verschiedenen Teilen des Saales sitzen mussten."
Herbert Stroup etwa, notierte dazu schon in seiner 1945 in New York
erschienenen Dissertation (später als Reprint erneut verlegt):
„In der Geschichte der Bewegung hat der
Führer der Gesellschaft einmal farbige Zeugen ausdrücklich aufgefordert, sich
nicht um Posten als Pioniere zu bewerben: 'Der Grund dafür ist der, dass nach
unserer Erfahrung Farbige weniger gebildet sind als Weiße - viele von ihnen
haben nicht genügend Wissen um aus der Lektüre unserer Literatur Nutzen zu
ziehen. Unsere Schlussfolgerung basiert daher auf der Annahme, dass Literatur,
die an eine Versammlung von Farbigen verteilt wird, weitgehend verschwendet
wäre, nur bei einem ganz geringen Prozentsatz wären gute Ergebnisse zu
erwarten.' Watchtower vom August 1928"
Man beachte als weitere Beispiele die Jahrbuchberichte.
Bereits im "Bibelforscher-Jahrbuch 1928" (S. 97) konnte man lesen:
"Der Herr hat uns auch seinen Segen
deutlich gezeigt, dass es nach seinem Willen war, dass für unsere farbigen
Geschwister in Amerika ein besonderer Zweig des Werkes aufrecht erhalten wird.
Es geschieht dies nicht, um einen Unterschied zwischen Christen zu machen,
weil jene farbig sind, sondern weil es uns so eine bessere Gelegenheit bietet,
auch die zu erreichen, die ein Vorurteil haben. Es gibt durchaus keinen Grund,
warum sich die farbigen Geschwister nicht mit ihren weißen Brüdern zum
gemeinsamen Studium versammeln sollten. Aber wenn es sich um öffentliche
Vorträge handelt, ist es viel besser für die Zuhörerschaft, wenn eine Trennung
aufrecht erhalten wird."
Oder etwa in dem USA-Bericht des 1933er Jahrbuches.
In selbigen eigens ein eigener Abschnitt „Andersfarbige Zeugen" überschrieben.
Darin wird die faktisch auch betriebene eigene Rassentrennung mit den Vokabeln
„geschönt" „den Verhältnissen
anzupassen". Oder auch dass
„die andersfarbigen Zeugen besonders dazu
bestimmt worden, unter Andersfarbigen zu arbeiten."



[Hinweis Stroup, auch Rogerson (S. 81), zitieren den Englischsprachigen
'Wachtower' vom August 1928 zum Thema. Eine 100prozentige 1 zu 1 Übersetzung
und Übernahme, im deutschen Wachtturm" gab es damals noch nicht. Ergo ist die
fragliche Passage im deutschen WT des Zeitraumes 1928, so nicht nachweisbar.
Diese Feststellung ist deshalb auch angebracht, dieweil Rolf Nobel in seinem
Buch „Die Falschspieler Gottes", in einer Passage den Eindruck erweckt, als
gäbe es die fragliche Passage auch im deutschen WT, womit er falsch liegt,
dieweil die Unterschiede zwischen der Englischsprachigen und der deutschen
Ausgabe nicht beachtend.
Das ist dann aber nur die formale Seite. Auf der inhaltlichen Seite sieht es
schon erheblich anders aus. Beleg dafür auch jene Aussage aus der deutschen
Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 10. 1929 (S. 311) die in ihrer
Tendenz inhaltlich sich auf demgleichen Niedrigstniveau bewegt, wie die
ebenfalls verabschauungswürdige Euthanasie-Thesen-Kolportierung der
zeitgenössischen WTG

Kolportierung von Euthanasie-Thesen durch die WTG
Euthanasie und Rassismus, waren auch und besonders ideologische
Merkmale des Nazismus.
Die heutige WTG als Evolutionsgegner beliebt ja besonders auch den
Sozialdarwinismus (in Worten) zu geisseln. In der Praxis indes, ihn selbst
allerkräftigst zu praktizieren. Es ist was dran an der These, Nietzsche, der
tote Gott müsse dadurch ersetzt werden, sich selbst zum Gott zu erklären.
Nazis diese Detailthese Nietzsches besonders aufgreifend und extensiv in die
Praxis umzusetzen. Wie gesagt, da ist was dran.
Wahrlich bin ich kein Freund der Catholica. Aber das anerkenne ich. Sie war
eine der wenigen Stimmen zur Nazizeit, die sich, unter auch erheblicher
persönlicher Gefährdung, dieser nazistischen Grundthese entgegenstellte. Wenn
die berüchtigte T4-Aktion zu Nazizeiten, letztendlich nach einiger Zeit,
klammheimlich wieder abgeblasen werden musste, dann kann die Catholica, sich
zu Recht, auch ihren Anteil daran zugute halten.
Und dann vergleiche man dazu die auf dem Nazilevel liegende Aussage aus der
genannten deutschen GZ-Ausgabe vom 15. 10. 1929]
Nun hat man wohl im Falle der USA zu registrieren. Der Name Martin Luther
King etwa, steht dafür. Die dortigen Rassisten mussten zurückstecken. Eher
unfreiwillig, aber sie mussten es. Das dies ein harter Kampf war, liegt auch
auf der Hand. Und da stellt sich schon die Frage.
Und, wo stand in der Zeit des Kampfes die WTG?
Wie verhielt sie sich? Darüber aber gibt dieser „Erwachet!"-Artikel keine
Auskunft.
Die Sachlage war doch so, dass die WTG in ihren Versammlungen auch partielle
Rassentrennung betrieb. Das die „Kastanien aus dem Feuer holen" lassen,
überlies sie wieder einmal anderen.
Wenn die WTG auch in ihrem Artikel, zeitgenössische kirchliche Stimmen aus den
USA zitiert, welche die Rassentrennung befürworteten, dann zeigt der Finger,
mit dem sie da auf andere zeigt, letztendlich auf sie selbst auch mit zurück.
Natürlich wusste man in Brooklyn zu der Zeit, auch im Rückblick auf die eigene
Geschichte. Soziale Unterklassen sind das Ursprungs-Potential der ersten
WTG-Generation. Insofern will auch jener Artikel sich nicht mit den
Benachteiligten „anlegen". An Lippenbekenntnisse für deren Interessen mangelt
es also nicht.
Indes „Sonntagsreden" - und tatsächliches Verhalten, pflegen nicht selten
„zwei linke Schuh" zu sein. Auch im Falle der WTG-Religion.
Siehe auch
Parsimony.20202
Parsimony.22640
Parsimony.22761
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 02. Februar 2009 05:16
In Euphorie schwelgt der Jahrbuch-Bericht der im "Wachtturm" vom 15. 2.
1949 partiell nachgedruckt wurde. Insbesondere interessiert hier der
Deutschland-bezügliche Teil. Schwere Gewitterwolken, vornehmlich politischer
Art, lagen seit 1948, synchron auch als beginnender kalter Krieg bekannt, in
der Luft. Konnte 1947 noch mit Genehmigung der SMAD eine Kongreßähnliche
Veranstaltung auch in Magdeburg veranstaltet werden; so scheiterten ähnliche
Planungen für das Jahr 1948 schon im Vorfeld. Kategorisch sagten die Sowjets "Njet".
Da tat sich für die Zeugen Jehovas die Chance auf, in der Westberliner
Waldbühne, ein geeignetes Tagungsgelände zu bekommen und das sogar kostenlos!
Durch Verzicht auf die Erhebung regulärer Mietgebühren, wurde schon mal von
den politisch Verantwortlichen im Westen dokumentiert, wohin man die Zeugen
Jehovas mit dem "Zuckerbrot" zu leiten gedachte. Von den Sowjets hatten sie ja
eher nur die Peitsche kennengelernt. Die Rechnung dieses politischen Kalküls
sollte denn auch noch aufgehen, wie ein, zwei Jahre später, mit aller
Deutlichkeit sichtbar wurde.
Auf die Mentalität der Anhängerschaft abgestimmt, kamen politische Komponenten
in ihrer Weltsicht nur als "Wirken des Herrn" vor. Auch der Bericht über die
deutschen Kongresse des Jahres 1948, deren es zwei gab (neben Berlin noch
Kassel) trieft nur so vor "Wunder des Herrn:"
Ein paar Zitate aus der genannten WT-Ausgabe:
"Während der Dauer dieses Dienstjahres
hielt die Not in Deutschland auf jedem Gebiet des Lebens an, ja sie erreichte
Höhepunkte, die - besonders in der Ostzone - durch keinerlei Erscheinungen
während einer Zeit des Krieges überboten wurden. … Es ist unvorstellbar, was
die große Lebensmittelspende von 22.000 Care-Pakten und die gewaltige
Kleidersendung von 220 Tonnen unter den bedürftigen, von langanhaltenden
Entbehrungen wirklich stark mitgenommenen Geschwistern an Freude und
Segensströmen bewirkte!"
Hier mag es schon angebracht sein, diesen WT-Bericht einmal kurz zu
unterbrechen. Auf 29.172 (Höchstzahl 36.526) beziffert die WTG ihre
Durchschnittsverkündigerzahl in Deutschland des Jahres 1948. Schon diese Zahl
macht deutlich, dass da durchaus nicht jeder in den Genuss "eines"
Care-Paketes kam. An anderer Stelle ist ersichtlich, dass deren Verteilung
auch nicht etwa nach Familienanzahl organisiert war. Es gab diverse Fälle, wo
einzelne Familien mit besonders für die WTG-Aktiven, mehrere Pakete erhielten.
Um so größer war die Masse jener, die überhaupt nichts erhielten!
Das dies letztendlich nur ein Instrumentarium war, um dem Esel die berühmte
Mohrrübe vor die Nase zu halten, wird auch daran deutlich, wenn man weiter in
diesem Bericht liest, dass man die ansteigenden Verkündigerzahlen sehr wohl in
diesem Kontext einordnete, wenn man verklärt dazu kommentierte:
"Dass Jehovas Zeugen in Deutschland im
Begriff sind, ihren Dank auf dem rechtmäßigsten Wege, durch treuen Dienst und
erhöhte Anstrengungen abzustatten."
Zu den vermeintlichen "Wunder des Herrn" überleitend liest man dann im WT:
"Da kam die Währungsreform und Entwertung
des deutschen Geldes. Sie begann im Westen und stoppte nahezu alle Geschäfte
und wirtschaftlichen Planungen in Westdeutschland. Unsere etwa bis zur Hälfte
gediehenen Vorabeiten wurden jedoch fortgesetzt um beide Bezirksversammlungen
aufrechterhalten. Der Herr tat Wunder. Alle Arbeiten in Kassel waren bis zur
Stunde des Beginns der Versammlung beendet. Statt des Dauerregens trat
pünktlich am Freitag morgen Sonnenschein ein, und angesichts der nicht aus dem
Staunen kommenden Bürger Kassels hielten Jehovas Zeugen auf der ausgedehnten,
festlich geschmückten Wiese ihre größte Zusammenkunft ab, die jemals in
Deutschland stattfand. 16.400 Verkündiger und Mitverbundene waren gekommen. …"
Damit hatte man sich selbst bescheinigt: "Wir sind wieder wer".
Sicherlich, ein psychologisch wichtiges Stimulans.
Wie aber sah es bezüglich der zweiten Veranstaltung in Berlin aus? Dazu liest
man:
"Inzwischen verdunkelten sich die
politischen Wetterwolken, die über Berlin hingen, immer mehr. Dort hatte kurz
nach der im Westen vollzogenen Währungsreform das gleiche Geldmanöver in der
Ostzone einen Zwiespalt unter den Besatzungsmächten hervorgerufen und eine
Hungerblockade über den weitaus größten Teil der Millionenstadt Berlin gelegt.
Die russische SMA (Sowjetische Militär-Administration) hatte unsern
anfänglichen Wunsch und Antrag, unsere Bezirksversammlung in Leipzigs
Messehallen zu veranstalten, abgelehnt, während uns im britischen Sektor
Berlins die schöne 'Waldbühne' … angeboten und für drei Tage zur freien
Verfügung gestellt worden war. Als die Tage der Zusammenkunft herbeigekommen
waren, befand sich die politische Spannung über Berlin auf dem Höhepunkt.
Lichtstromzufuhr in die Westsektoren war unterbrochen und der Verkehr der
großen Stadt ins Stocken geraten. Die Versorgung der 2.000.000 Menschen mit
Nahrung durch die 'Luftbrücke' von amerikanischen Großflugzeugen mußte unter
immer größeren Schwierigkeiten erfolgen.
Da geschah das zweite Wunder des Herrn. Wieder mußte das bis zum Donnerstag
abend anhaltende schlechte Wetter weichen, und am Freitag morgen die Eröffnung
der Bezirksversammlung für Ostdeutschland zu gestatten. 16.265 Menschen aus
allen Teilen der Ostzone hatten durch alle Widerstände und Schwierigkeiten
politischer, wirtschaftlicher und verkehrstechnischer Art sich den Weg nach
Berlin gebahnt und sich versammelt … inmitten des politischen Wirrwarrs. … Mit
hungrigen Mägen, doch vor Freude glänzenden Augen saßen sie in dem riesigen
Freilicht-Theater."
Der "Wachtturm" versäumt es allerdings hinzuzufügen, was denn wohl dabei
die "glänzenden Augen" verursacht habe. Der "wundersam und rechtzeitig
beendete Dauerregen" wird es wohl nicht gewesen sein. Das Stimulans war
anderer Art. Es sollte sogar noch als Kongressmotto ein Jahr später in großen
Buchstaben am dem Rasen jenes Amphitheater lesbar sein:
"Es ist später als du denkst!"
Das war es doch was die zeitgenössischen Zeugen Jehovas beflügelte. Das war es
doch, was noch im Jahre 1950 einen Friedrich Adler kommentierend zu seinem
eben vernommenen Gerichtsurteil (lebenslänglich) sagen ließ:
"Sie meinen wohl ein Jahr!"
Es waren in der Tat betrogene Betrüger, die sich da in der Waldbühne
versammelt hatten!
Die Jahrbuchzahlen aus der Neuzeit über die einzelnen Länder sind ja geläufig.
Da ist es mal nicht uninteressant einen Vergleich anzustellen, wie es denn
kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges aussah. Aus der genannten WT-Ausgabe
einige Durchschnittsverkündigerzahlen des Jahres 1948 (in Klammern die gleiche
Zahl für das Jahr 1947)
USA 72.945 (67.680)
Argentinien 927 (679)
Australien 3.503 (3.284)
Belgien 1.177 (876)
Brasilien 1.077 (648)
Großbritannien 14.676 (12.149)
Chile 191 (137)
China 25 (9)
Dänemark 3.260 (2.724)
Deutschland 29.172 (15.856)
Finnland 2.610 (2.281)
Frankreich 2.627 (2.184)
Griechenland 2.238 (1.891)
Türkei 12 (6)
Kanada 12.603 (11.224)
Kuba 4.352 (3.199)
Mexiko 4.711 (4.125)
Niederlande 4.190 (3.764)
Nigeria 5.511 (3.710)
Norwegen 992 (799)
Österreich 1.286 (751)
Philippinen 3.589 (2.471
Polen 9.048 (6.334)
Rumänien 1.992 (1.990)
Rußland 8.000 (3.498)
Schweden 3.231 (2.894)
Schweiz 1.660 (1.512)
Südafrika 4.440 (3.843)
Njassaland 4.918 (3.542)
Nordrhodesien 9.873 (6.114)
Südrhodesien 3.599 (2.572)
Tschechoslowakei 1.581 (1.257)
Ungarn 1.346 (989)
Zypern 59 (37)------------------------------
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 09. Februar 2009 06:49
Auf den politisch als britische Kronkolonie verwalteten Bermudainseln,
verzeichneten Jehovas Zeugen im Jahre 2008 eine Durchschnittsverkündigerzahl
von 447. Immerhin entspricht dies einem Verhältnis von 1 zu 142 zur übrigen
Bevölkerung. Also ein Wert der "besseren" Art. (Jene Verhältniszahl war
dort auch schon mal besser. Im Jahre 2002 betrug sie 1 zu 131).
Immerhin
lief dort nicht immer alles glatt für die Zeugen Jehovas. So gab es dort nach
1945 Kampagnen, die auf ein Verbot hinzielten. Die zogen sich zwar einige Zeit
hin, fanden dann aber am 26. 9. 1948 einen vorläufigen Höhepunkt, mit der
Ausweisung von zwei WTG-Missionaren. 19 lange Monate sollen diese
Auseinandersetzungen laut "Erwachet!" vom 8. 2. 1948 gedauert haben. Auf
WTG-Seite wurden da alle Register der Öffentlichkeitsbeeinflussung eingesetzt.
Offenbar aber doch nicht mit ausreichendem Erfolg, denn nur dass zählt
letztendlich.
Analog zu ähnlichen Auseinandersetzungen, auch in den USA, wurden die Zeugen
Jehovas dabei verbal in die "linke Ecke" gestellt. Verständlich schon, dass
sie sich als verleumdet ansahen. Und man meint auch den eigentlichen Urheber
all dieser Schwierigkeiten wahrzunehmen, wenn "Erwachet!" kommentiert:
"Den heulenden Wolf erkennt jedermann
schon an seiner Stimme. Als darum von 'Roten' und 'Kommunisten' geheult wurde,
hörte jedes kundige Ohr aus diesem Gebell der Freiheitsfeinde sofort heraus,
dass es jenen Kehlen entsprang, deren Geheul auch in anderen Teilen der Welt
auf 'rot' abgestimmt ist, nämlich den Kehlen der Katholischen Aktion."
Als im Interesse der Zeugen Jehovas liegend zitiert dann "Erwachet!"
unter anderem noch das Votum:
"'Dieser Versuch, die Zeugen (Jehovas) in
Verruf zu bringen', so bemerkte 'The Berrmuda Recorder', nimmt sich
einigermaßen wie die augenblickliche Kommunismus-Hysterie in den Vereinigten
Staaten aus. Wir hoffen wirklich, dass der Kommunistenschreck nicht in solchem
Maße zu uns dringt, wie das dort der Fall ist.'"
Mit der Ausweisung der WTG-Missionare zurück nach Großbritannien, nahm
dies auch dort die Formen einer politischen Kontroverse an. Es ist davon
auszugehen, dass der damit erzeugte Gegendruck, die Früchte für die
"Katholische Aktion" höher hängen ließ.
Da die WTG, wieder einmal glaubt die Catholica als eigentlich potenten Gegner
ausgemacht zu haben, nutzt man die Chance um in der gleichen "Erwachet!"-Ausgabe
noch eine gezielte "Abrechnung" abzudrucken. Es macht sich ohne Zweifel gut,
wenn man sich da als "Freiheitskämpfer" verkaufen und den Gegner das Stigma
finsterster Reaktion anhängen kann. Zu dem von "Erwachet!" noch zitierten
Votum ist zu sagen, dass es in der Zeit vor dem zweiten Vatikanischen Konzil
der Catholica in der Tat zutreffend war. Dann trat aber eine Wende ein.
Abgesehen von einigen katholischen Randgruppen, zu denen offenbar auch der
Robin de Ruiter zuzurechnen ist, repräsentiert es nicht mehr die offizielle
Position der heutigen Catholica. Beziehungsweise wagt es der jetzige Papst
noch nicht, die Position dieser Randgruppen, auf allen Ebenen durchzuboxen.
Noch nicht ...
"Erwachet!" schrieb noch:
"Das offizielle Organ der Gesellschaft
Jesu in Rom, 'Civilta Cattolica' ging in seiner Nummer vom April 1948 auf
Proteste gegen die Freiheitseinschränkungen für die spanischen Protestanten
ein und legte erneut den römisch-katholischen Standpunkt in Sachen der
Religionsfreiheit dar. Diesen Artikel gab die amerikanische Zeitschrift 'The
Christian Century' in ihrer Nummer vom 23. Juni 1948 wie folgt wieder:
'In der Überzeugung, dass sie auf Grund ihrer göttlichen Vorrechte die einzig
wahre Kirche ist, muß die römisch-katholische Kirche das Recht auf Freiheit
für sich allein in Anspruch nehmen, weil nur die Wahrheit ein solches Recht
besitzen kann, niemals der Irrtum. Was andere Religionen betrifft, wird die
Kirche sicherlich niemals das Schwert ziehen, aber sie wird verlangen, dass
jenen anderen keine gesetzmäßige Möglichkeit geboten wird, eine Irrlehre zu
verbreiten. In einem Staat mit mehrheitlich katholischer Bevölkerung wird die
Kirche demzufolge verlangen, dass dem Irrtum die legale Existenz versagt
bleibt, und dass bei tatsächlichem Vorhandensein religiöser Minderheiten diese
nur de facto existieren, ohne Gelegenheit zum Ausbreiten ihrer
Glaubensanschauungen zu bekommen. Wenn jedoch die tatsächlichen Verhältnisse,
entweder wegen feindlicher Einstellung von Regierungsseite oder wegen der
Stärke der andersdenkenden Gruppierungen eine vollständige Anwendung dieses
Grundsatzes unmöglich machen, dann wird die (katholische) Kirche für sich alle
möglichen Zugeständnisse beanspruchen und sich - als dem kleineren Übel -
darauf beschränken, die de jure-Tolerierung anderer Kultformen gelten zu
lassen.
In manchen Ländern werden die Katholiken genötigt sein, volle
Religionsfreiheit für alle zu fordern, und werden sich damit abfinden, zu
einem Zusammenleben mit anderen gezwungen zu sein, obwohl rechtmäßig nur ihnen
gestattet sein sollte, dort zu leben. Damit gibt die Kirche jedoch nicht die
These auf, die ihr gebieterisches Gesetz bleibt, sondern paßt sich lediglich
de-facto-Verhältnissen an, die bei praktischen Angelegenheiten berücksichtigt
werden müssen. …"
Die unsterblichen Irrtümer von Papst Benedikt
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. Februar 2009 05:34
Es ist eher eine Passage der nebensächlichen Art. Dennoch verdient jener
Satz im "Wachtturm" vom 15. 2. 1949 einmal beleuchtet zu werden. Nachdem
ausgeführt wurde, der Papst hätte das Jahr 1933 zum "heiligen Jahr" erklärt,
kommentiert der WT:
"Dies aber verschafft der Welt kein
Licht, denn erklärte der Papst nicht auch das Jahr 1933 als ein heiliges Jahr
und sagte, dass eine 'Welle der Religion' steigen und die Nationen in Frieden
und die Wohlfahrt hineingetragen werde'? Die Geschichte zeigt, dass der Papst
ein falsches Licht emporgehalten hat, denn statt in den Frieden und die
Wohlfahrt hineingetragen zu werden, wurde die Erde durch Hitler in den zweiten
Weltkrieg hineingezogen …"
Nun kann man sich in der Tat auf den Standpunkt stellen, der Papst hat
sich mit seinem 1933er "heiligen Jahr" grundlegend verkalkuliert. Dennoch
greift eine solche Sichtweise zu kurz. Da muss man doch wohl die Tradition der
katholischen Kirche insgesamt, mit ins Blickfeld nehmen. Und zu deren
Tradition gehört es nun mal, gewisse Äußerlichkeiten zu "verkaufen".
Egal ob es sich um den "heiligen Rock" im Dom zu Trier handelte, dessen
provokative Ausstellung dann noch bewirkte, dass sich eine Protestbewegung
formierte (in die Geschichte eingegangen als "Deutschkatholizismus"). Oder
eben um ein vermeintliches "heiliges Jahr". Auch den Zeugen Jehovas dürfte
doch wohl geläufig sein, dass Jesus nach christlicher Tradition 33 Jahre alt
wurde. So gesehen war 1933 ein Jubiläumsjahr. Sollte der Papst jenes Jahr
wirklich verstreichen lassen, ohne es symbolhaft zu nutzen? Das zu erwarten,
wäre doch wohl etwas blauäugig.
Gut, die "frommen Wünsche" des Papstes wurden nicht Realität. Und was ist mit
den "frommen Wünschen" der Zeugen Jehovas, namens Endzeit-Naherwartung?! Die
sind doch genauso, wenn nicht noch viel öfter, gescheitert. Sich da in die
Pharisäerbrust zu werfen, wie es der WT tut, dafür besteht wahrlich kein
Anlass.-----------------------------
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 23. Februar 2009 06:27
Das die katholische Kirche in Polen eine Macht war und ist, dürfte
hinreichend bekannt sein. Wenn man die Kirchenpolitik der verschiedenen
osteuropäischen Länder in ihrer kommunistischen Phase miteinander vergleicht,
ist derjenige der sich damit beschäftigt, immer wieder erstaunt, welche
(relative) Privilegien jene Kirche doch in Polen hat. Vielleicht mit am
herausragendsten die kirchliche Universität in Lublin. Eine gesamte
Universität in kirchlicher Trägerschaft - das wäre wohl in keinem anderen
kommunistischen osteuropäischen Land denkbar gewesen.
Des einen Freud - des anderen Leid. Jene übergroße Machtstellung der Catholica
sollten dort auch noch die Zeugen Jehovas zu spüren bekommen. Wenn letztere,
Anfang der 1990er Jahre auch durch ihre Streikbrecherdienste bei den von der
Solidarnosc inszenierten Streiks in Erscheinung getreten sind, dann muss man
wohl auch nach den Wurzeln einer solchen Entwicklung fragen. In der "Erwachet!"-Ausgabe
vom 22. 2. 1949, gab es schon zeitgenössisch einen umfänglichen Bericht über
Polen. Aus ihm sei nachstehend einiges zitiert:
"… Zwei 'Erwachet!'-Korrespondenten, die
Gelegenheit hatten, gut anderthalb Jahre lang in Polen umher zu reisen, wollen
sich nun bemühen, auf Grund eigener Anschauung ein richtiges Bild über gewisse
Verhältnisse in diesem Lande zu vermitteln.
In ihrer Nummer vom 27. Februar 1948 enthielt die Zeitung 'The Catholic
Chronicle' von Toledo, Ohio, USA einen Artikel mit der Überschrift 'Polnische
Rote finanzieren 'Jehova'-Agenten, wo es unter anderem hieß:
Warschau. - Die atheistische Regierung Polens finanziert Sekten wie die Zeugen
Jehovas, um das Volk zu entkatholisieren. 'Wachtturm'-Reisende klopfen mit
Schmähschriften gegen die Kirche die Privatwohnungen ab. An Sonntagen werden
auch Vorträge veranstaltet, die den Katholizismus angreifen und den
Kommunismus verherrlichen … Als nächstes setzen sie sich für den
Glaubensübertritt ein. Schließlich bieten sie Geldbeträge an, um zum Beitritt
anzureizen. Diese Bestechung wird als 'Wohltätigkeit' getarnt.'
Zuerst einmal werden alle einsichtigen Polen, die im Lande selbst leben, ohne
weiteres zugeben, dass die katholische Kirche dort nicht verfolgt wird, und
dass man ihr sogar ihre Vorrechte beläßt. Polen ist zu mehr als 90%
katholisch, und der starke Einfluß, den dieses System auf allen Lebensgebieten
ausübt, wird von der Regierung berücksichtigt. Darum ist ihm von Staats wegen
volle Bewegungsfreiheit eingeräumt. Das mit dem Vatikan abgeschlossene
Konkordat vom Jahre 1925 ist allerdings aufgehoben, und trotzdem ist das
jetzige Regime der Kirche sehr entgegengekommen.
In einem Interview, das Staatspräsident Bierut dem bekannten Schriftsteller
Ksawery Pruszynski gewährte, heißt es unter anderem:
'Der beste konkrete Beweis dafür, dass der Staat gute Beziehungen zur Kirche
wünscht, liegt im Status der kirchlichen Besitztümer. Diesen Status
(Rechtsstellung) haben auch private katholische Schulen der Unter-, Mittel-
und Oberklassen, darunter auch eine katholische Universität mit theologischer
Fakultät, der vom Staate volle öffentliche Rechte verliehen sind. Ferner
gehört hierzu die katholische Presse mit mehreren Organen. Schließlich ist in
den staatlichen Schulen der Religionsunterricht durch Religionslehrer ein
Pflichtfach, sofern die Eltern des Kindes nichts dagegen haben.
Wir fügen noch hinzu, dass die Geistlichkeit ihren Grundbesitz, vor allem die
Landgüter behalten durfte, trotz Bodenreform. In anderen Ländern wurde von
einer solchen Reform gewöhnlich die Kirche in erster Linie betroffen. Klöster
und Religionsinstitute die aus dem Gebiet jenseits des Bug evakuiert werden
mußten, haben von uns einen Sitz in den neuerworbenen Gebieten zugewiesen
erhalten.
Unsere Armee hat ihre Feldprediger; ihre Fahnen werden von Priestern
eingeweiht; sie beginnt den Tag mit einem religiösen Lied und beim
Morgenappell und geht Sonntags zur Kirche.
Der Rundfunk eröffnet bei uns sein Programm mit einem religiösen Lied und
überträgt Predigten und die Kulthandlungen in der Kirche. Wir glauben nicht,
dass Sie das in vielen Ländern finden werden. Und das geschieht in einem
Lande, dessen Regierung der Vatikan hartnäckigerweise nicht anerkennt. - Aus 'Wieczor
Warszawy' (Warschauer Abend), 24. Nov. 1946.
Trotz der unvorstellbaren Wohnungsnot sind Wiederherstellungsarbeiten an
beschädigten katholischen Kirchen schon jetzt staatlich bewilligt und an
vielen Orten bereits durchgeführt worden, während die Menschen in ihren
zertrümmerten Städten noch in Höhlen hausen.
Das Verhalten der Kirche in der Kriegszeit. Auch hierüber sprach sich
Staatspräsident Bierut im oben erwähnten Interview aus, und zwar wie folgt:
'Für unsere Mißstimmung gegenüber der Kirche liegen zweierlei Gründe vor. Der
erste ist sehr unangenehm, wir nennen ihn aber offen: die Deutschenliebe des
Vatikans. Während des Krieges und in der Zeit der schwersten Verfolgung, die
der polnischen Nation je widerfuhr, warteten wir vergeblich auf den Einspruch
des Heiligen Stuhls. Wenn er seine Stimme vernehmen ließ, so geschah dies
gewissermaßen beiläufig, zufällig, behutsam; sie wurde unseren schweren Leiden
und der deutschen Verbrechen nicht gerecht.
Heute hört man die gleiche, jedoch viel stärkere Stimme sich für das
unterdrückte Deutschland einsetzen, sogar in solchen Fällen, die nur wenig
Barmherzigkeit verdienen, wie bei dem Henker von Warthegau. -
Die zweite Ursache für unsere Mißstimmung liegt in gewissen Kreisen unserer
eigenen Geistlichkeit und ihrer betrüblichen Neigung, die Kanzel für eine
politische Kriegführung zu missbrauchen. Vielen Polen ist noch gut in
Erinnerung, wie die katholische Kirche in der Kriegszeit ihre Sympathien für
das Hitlerregime erkennen ließ, sich aber wenig um die furchtbaren Leiden des
polnischen Volkes kümmerte. Der Klerus war ja stets bereit, zur Förderung
seiner eigenen Interessen mit irgendwem zusammenzugehen. Jetzt soll es auch in
Polen, wie in der Tschechoslowakei, ein paar katholische Priester geben, die
der kommunistischen Partei angehören.
Hier ist noch auf die Beziehungen hinzuweisen, die Geistliche zu den
faschistischen Freischaren unterhielten, die von ihren Waldverstecken aus in
verschiedenen Gegenden Polens Mord- und Raubzüge unternahmen. Verschiedene
solcher Banden unterstehen der Führung eines katholischen Priesters, der
seinen Mordbrennern für ihre Untaten die Absolution erteilte. So schrieb die
Zeitung 'Robotnik' (Der Arbeiter) in ihrer Nummer vom 9. Januar 1947:
'Unlängst verurteilte das Militärgericht in Warschau den Priester Jurkiewicz
von Kierski zum Tode, weil er eine Terroristenbande organisiert und
Todesurteile über die 'Ungehorsamen' seines Pfarrkreises ausgesprochen hatte.
…
Bei den Gerichten laufen noch verschiedene Fälle solcher Art.
Das Munitionslager des Bande des Priesters Jurkiewicz befand sich in der
Pfarrkirche.
In der Kirche von Drohiezyn entdeckten die Sicherheitsbehörden ein ganzes
Arsenal von Kriegsausrüstung der 'Hamer'-Bande. Eine Kirche in Klimantow
diente als Speicher für das Raubgut, das sich die verheerende NS-Bande im
ganzen Umkreis aus Geschäften und staatlichen Institutionen verschafft hatte."
Nach dieser Beschreibung der Situation der katholischen Kirche, kommt
"Erwachet!" dann auf die Zeugen Jehovas zu sprechen. Insbesondere wird
herausgearbeitet, welcher Widerstand ihnen entgegengesetzt wird. Zum Beispiel
mit der Angabe:
"Am 1. Juli 1948 wurden Verkündiger aus
der Gruppe Piotrkow Trybunalski der Zeugen Jehovas, als sie in den Städten
Moszczenice und Gujkowice die Menschen guten Willens zu einem öffentlichen
Bibelvortrag einluden, von einer größeren Anzahl dortiger Einwohner überfallen
mit Besen und Holzschuhen geschlagen, mit Seinen beworfen und mit Wasser
übergossen. Vier von ihnen wurden verletzt, einer davon verlor das
Bewusstsein. Die Bürgermiliz sah zu, verhaftete keinen der Angreifer und
gewährte den Verkündigern nicht die notwendige Hilfe.
In Piotrkow Trybunalski wurden die Schreiber dieses Artikels und einige andere
am 5. September 1948 nach Abschluss einer Kreisversammlung der Zeugen Jehovas
von einer Rotte fanatischer, irregeleiteter Katholiken verprügelt. Man hatte
ihnen aufgelauert, um die 'Bischöfe', wie man diese Leiter der Veranstaltung
nannte, zu erwischen. Zwei der Zeugen Jehovas wurden bewußtlos geschlagen. Die
Sicherheitsbehörden verhafteten einige der Angreifer, die sich nun - wie
erwartet wird - bald vor Gericht zu verantworten haben werden.
Bei solchen Kreisversammlungen geschieht es fast stets, dass die Geistlichkeit
eine Rotte ihrer Anhänger aufstachelt, die Veranstaltung zu stören und
möglichst zu sprengen. In der Stadt Gorzow erzwang im Oktober 1947 ein
fanatischer Pöbelhaufen den vorzeitigen Abschluss einer solchen Zusammenkunft,
indem er mit Ziegeln und Steinbrocken die Saalfenster einschlug und gewaltsam
einzudringen suchte, so dass die Eingänge mit einer Barrikade aus Tischen und
Stühlen versperrt werden mußten. Den Raufbolden, unter denen sich ein Priester
befand, gelang es, ein gerichtliches Nachspiel zu vermeiden.
Unter sehr schwierigen Umständen wurde vom 2. bis 4. Juli 1948 in der
katholisch gemachten Stadt Lublin die Bezirksversammlung der Zeugen Jehovas
abgehalten. In besonderen Predigten hatte die Geistlichkeit ihre Pfarrkinder
im voraus auf diese Veranstaltung hingewiesen und gesagt, Jehovas Zeugen
kämen, um die Kirchen zu zerstören, und sie würden zu den Leuten in die
Wohnungen kommen, um dort die religiösen Bilder zu beseitigen. Hiergegen
sollten die Gemeindeglieder eine Abwehrstellung beziehen. Infolge dieser
Irreführung warteten Gruppen katholischer Männer und Frauen schon am Bahnhof
auf die ankommenden Zeugen Jehovas, um über sie herzufallen. Einige wurden
direkt nach dem Verlassen des Bahnhofes verprügelt, andere waren auf dem Weg
zur Versammlung Angriffen ausgesetzt. Am ersten Tage gab es so viele
Schlägereien, dass die Bürgermiliz und das Amt für öffentliche Sicherheit dem
Kongreßkomitee mitteilten, sie übernähmen keine Gewähr für die Sicherheit
derer, die eventuell am zweiten und dritten Tag eine Predigttätigkeit von Haus
zu Haus ausüben wollten. Später, als diese Unruhestifter merkten, dass ihre
Pläne für diese beiden Tage durchkreuzt worden waren, machten sie Überfälle
auf Jehovas Zeugen daheim und im Versammlungssaal.
Bei zwei Familien wurde die Wohnungseinrichtung teilweise zertrümmert, und
einige von ihnen erlitten Verletzungen. Vor gewissen Häusern, wo Zeugen
Jehovas wohnten, mußte die Miliz die ganze Nacht hindurch Wache halten.
Während des öffentlichen biblischen Vortrags in Lublin hatte die Miliz alle
Hände voll zu tun, die gegnerischen Zusammenrottungen an verschiedenen Plätzen
in Schach zu halten. Sie hatten Feuerwehruniformen an und zerstreuten eine
feindliche Menge beim Versammlungslokal mit einem Wasserstrahl. Nach Schluß
mußten sie die abreisenden Zeugen Jehovas in größeren Trupps durch die Straßen
nach dem Bahnhof geleiten. Auch dabei kamen noch Steinwürfe und gräßliche
Beschimpfungen vor, wie die Schreiber dieses Artikels es selbst erlebten. …"
In Reaktion darauf berichtet "Erwachet!" dann:
"Am 18. Februar 1948 reichten Jehovas
Zeugen an das Innenministerium und an das Amt für öffentliche Sicherheit in
Warschau ein Memorandum ein, worin folgendes aufgezählt war:
60 Fälle von Folterungen mit tödlichem Ausgang, 226 Fälle gräßlicher
Mißhandlung, 256 Fälle von Plünderungen, eine Anzahl gegen sie ausgesprochene
Todesurteile, Verwüstung von Wohnungseinrichtungen, Brandstiftungen,
Steinigungen, tätliche Beleidigungen und Drohungen. Und damit waren nicht etwa
alle, sondern nur die markantesten Fälle von Übergriffen aufgezählt, die sich
römisch-katholische Fanatiker seit Beendigung des zweiten Weltkrieges
gegenüber den Zeugen Jehovas erlaubt haben"
Weiter verwahrt sich "Erwachet!" gegen die Unterstellung, als würden die
Zeugen Jehovas von den Kommunisten finanziell unterstützt, und bezeichnet dies
als eine nicht sachgerechte Verleumdung. Die Hauptklage fasst man dann in den
Worten zusammen:
"Bis jetzt behandelt das gegenwärtige
Regime in Polen die Zeugen Jehovas nicht als gesetzlich anerkannte
Glaubensgemeinschaft oder Konfession. Es gibt in Polen rund zwölf religiöse
Glaubensrichtungen, einschließlich der römisch-katholischen, die bis auf eine
oder zwei alle vom Staat anerkannt sind. Jehovas Zeugen … kämpfen seit 1945 um
die gesetzliche Anerkennung. Schon oft sind Abordnungen von ihnen auf den
Amtsstellen in Warschau vorstellig geworden. Doch nehmen die Behörden auch
jetzt noch den Standpunkt ein, dass Jehovas Zeugen lediglich auf Grund der
Verfassung geduldet sind.
Alle Religionsgemeinschaften haben ihre Kirchen oder anderen
Versammlungsstätten, wo sie ihre Gottesdienst abhalten, ohne von Beamten oder
Privatpersonen gestört zu werden. Manche von ihnen, vor allem die
römisch-katholische Kirche, dürfen für ihre religiösen Veranstaltungen sogar
den Rundfunk benutzen, während es den Zeugen Jehovas bisher (gleiches)
verwehrt blieb …
Die meisten Religionsgemeinschaften in Polen erhalten gutes Druckpapier in
annehmbaren Mengen zugeteilt, um ihre Zeitschriften herausgeben zu können. Die
katholische Hierarchie erhält Papierzuteilungen für rund sechzig verschiedene
Zeitschriften, die das Land mit religiösen Überlieferungen und mit Propaganda
gegen die Zeugen Jehovas überschwemmen. Jehovas Zeugen hingegen müssen sich
damit begnügen, jede Nummer des für die Gruppen-Studien in den
Versammlungssälen und für die Heimbibelstudien bei den Menschen guten Willens
benutzten 'Wachtturms' auf Vervielfältigungsapparaten herzustellen...."
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 02. März 2009 07:02
"Dies sind nur Beispiele davon, wie
sich die organisierte Religion auf der ganzen Erde mit weltlichen
Angelegenheiten befaßt, und in der Schlacht von Harmagedon wird sie wie ein
Baum umgehauen und im Feuer zu Asche verbrannt werden."
Das ist die Quintessenz dessen, was der "Wachtturm" (wieder einmal)
glaubt seinen Lesern freudestrahlend offerieren zu können. Sicherlich hat er
damit die Befindlichkeit seiner Klientel erreicht. Sich von der Politik als
"fernstehend" zu verkaufen, macht sich immer dann gut, wenn man zu
registrieren hat, dass ein politischer Weg in die Sackgasse geführt hat.
Zu einer Zeit, wo die Zeugen Jehovas noch nicht "Körperschaft des
öffentlichen Rechts" werden wollten, kritisierte man beispielsweise massiv
die katholische Kirche. So auch in der WT-Ausgabe vom 1. März 1949. Was
hatte die Catholica denn getan?
Nun, sie hatte zeitweilig mit den Wölfen geheult. Da gibt es nichts zu
beschönigen. Was aber ist denn der gewaltsame Kampf der Zeugen Jehovas, um
den KdöR-Status in der Gegenwart gewesen. Im Prinzip doch ähnlich gelagert.
Auch die Catholica sagte doch der Sache nach nur; wer uns nützt ist unser
Freund. Und wer uns schadet ist unser Feind. Auf genau dem gleichen
materiell orientierten Level ist auch die Leitung der Zeugen Jehovas
angelangt. Lediglich mit dem Unterschied, dass die Geschichte der Catholica
etliche Jahrhunderte länger dauerte; und sich in diesem Zeitraum einiges an
kritisierenswertem angesammelt hat.
Aber die Weichen, für den gleichen abschüssigen Weg sind auch bei den Zeugen
Jehovas mittlerweile so gestellt. Nachstehend noch ein paar Zitate, wie sich
im Jahre 1949 der abschüssige Weg der Catholica laut WT vom 1. 3. 49
darstellte:
"Im Jahre 1870 weigerte sich der Papst,
sich mit dem König von Italien zu einigen. Am 20. September jenes Jahres
erbrachen die Truppen Italiens ... die Mauern der Stadt und drangen in Rom
ein. Am nächsten Tag erließ Kardinal Antonelli einen diplomatischen Protest
gegen die italienische Besetzung Roms. Mehrere Tage später fügte der Papst
seinen eigenen Protest hinzu. ... Dann wurde am 2. Oktober eine
Volksabstimmung veranstaltet, und von den 167.548 Stimmen waren 133.681 für
die Vereinigung Roms mit dem Königreich Italien. ... Trotz allen Bemühungen
des Königs Victor Emanuel, friedliche Beziehungen mit dem Papste
herzustellen, verharrte Pius IX. unnachgiebig auf seinem hartnäckigen
Protest wider den demütigenden Wechsel der Dinge. ... Im Jahre 1922 ergriff
Mussolini die Macht in Rom ... Im Jahre 1929 wurde der Vertrag zwischen den
zweien unterzeichnet, wodurch der Papst wiederum als weltlicher Herrscher
eingesetzt und ihm als Herrschaftsbereich die Vatikanstadt gegeben wurde.
... Mussolinis ehrgeiziges Streben ging darauf hinaus, ein großer Kriegsherr
zu werden; und er sprach von der Demokratie Amerikas als von einem
'verwesenden Leichnam', und unter Pius XI. arbeitete die römisch-katholische
Organisation mit ihm zusammen und unterstützte seine Bestrebungen. Als er
seinen blutigen Eroberungsfeldzug gegen die armen Schwarzen von Abessinien
zu unternehmen begann und einen Krieg führte, in welchem viele Menschen ums
Leben kamen, unterstützten der Papst und das katholische Religionssystem
Mussolini und 'segneten' seine mörderischen Angriffe. Ebenso 'segnete' in
späteren Jahren, während des Eroberungsfeldzuges gegen Albanien und gegen
die demokratischen Nationen im zweiten Weltkriege, die römisch-katholische
Geistlichkeit Italiens die faschistischen Legionen Mussolinis doch mit dem
Schlußergebnis welches nun der ganzen Welt bekannt ist."
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 09. März 2009 04:12
In der "Erwachet!"-Ausgabe vom 8. März 1949 meint die WTG Martin Luther
als Kronzeugen für ihre Auffassung in der Seelenlehre bemühen zu können.
Auszugsweise zitiert, meint man sagen zu können:
"Die meisten Protestanten haben
vergessen, welche überaus wichtige Lehre Martin Luther entdeckte, als er
sich einem ehrlichen Bibelstudium zuwandte. Nämlich die Lehre, dass die
Seele von Natur aus keineswegs unsterblich ist, und dass sie ewiges Leben
nur auf Grund des Glaubens und des Glaubensgehorsam erlangen wird."
Man meint weiter, die besonders in der katholischen Kirche verbreitete
Lehre einer weiterlebenden Seele, heidnischen Ursprüngen zuordnen zu können.
Luther zitiert man mit den Worten:
"Die Toten sind ohne Bewusstsein. Sie
ruhen, ohne die Tage oder Jahre zu zählen; aber wenn auferweckt, wird es
ihnen sein, als ob sie kaum einen Augenblick geschlafen hätten. Sie liegen
in tiefer Ruhe und schlafen bis zum Tage des Gerichts, und wissen nicht, wo
sie sind..."
Einen Autor namens Blackborn zitiert man dann noch, der bezüglich
Luther meinte, er trete "für die
Lehre vom Seelenschlaf ein und benutzte diese Lehre dann zur Widerlegung des
Fegfeuers und der Heiligenverehrung. An diesem Glauben hielt er bis zum
letzten Augenblick seines Lebens fest. Luther stand klar und einwandfrei auf
Seiten derer, die den Seelenschlaf gelten lassen."
Nicht hinzugefügt in der genannten Ausführung wird allerdings, wie denn
die Reaktion der kirchlichen Konkurrenz auf solche Positionen ist. Zwar mag
Luther (und die Zeugen Jehovas) da eine mittlere Position eingenommen haben.
Indem sie einerseits vom Seelenschlaf reden; andererseits auf eine
Auferstehung hoffen. Eine Auferstehung, ohne vorhandenen "Kern" einer Seele
(wenn man es mal so nennen darf), dürfte dann doch wohl eher einer Art
"Neuschöpfung" entsprechen. Das wiederum mit dem Auferstehungsglauben in
Übereinstimmung zu bringen, fällt nicht jedem leicht.
Zudem belegt die
Katakomben-Praxis in der Frühchristlichen Phase , wie man sich
damals dass mit der Auferstehung vorstellte. Die in den Katakomben
gestapelten Leichen, sollten in dieser Lesart, wieder neu belebt werden
(Wundersamerweise).
In dieser Konsequenz haben auch etliche kirchliche Kreise (eben mit Ausnahme
der Zeugen Jehovas), eine Feuerbestattung etwa, konsequent abgelehnt.
In der Praxis ist es denn auch so gewesen; dass etliche jener, die einmal
"A" sagten; irgendwann auch "B" sagten. Anders formuliert. Wer akzeptiert,
dass es mit dem Tode erst einmal aus ist, keine Seele weiterlebt, der geht
vielleicht auch soweit, die christliche Auferstehungslehre gleichermaßen
zurückzuweisen.
Dem trat die Catholica mit ihrer Variante der Seelenlehre entgegen. Wer
weiterlebende Seelen voraussetzt, dem fällt es leichter eine
Auferstehungslehre damit zu verbinden. Insofern kann man der katholischen
Seelenlehre durchaus eine größere Plausibilität zuerkennen. Da die Zeugen
Jehovas sie aber nicht anerkennen, ergab sich nicht selten aus katholischer
Sicht der Vorwurf an die ZJ-Adresse. Sie gleichem einem, der ein Klavier
erst in Stücke zerschlägt und trotzdem glaubt, darauf noch Musikstücke
spielen zu können.
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. März 2009 06:23
Als im 16. Jahrhundert, die Spanier jenes Gebiet in Mittelamerika eroberten,
dass heute als Mexiko bekannt ist, und in ihren Windschatten die
katholischen Missionare agierten, da hatten sie zwar allerlei Pläne. In der
Regel jedoch Pläne der selbstsüchtigen Art.
Die indianischen Kulturen der Mayas und Azteken wurden gewaltsam unterdrückt
und offenbar erfolgreich versucht, der dortigen Bevölkerung den katholischen
Glauben aufzuotroyieren. Immerhin zählen sich noch heute dort rund 90% der
Gesamtbevölkerung nominell zur Catholica, und dies trotz des Umstandes, dass
es in Mexiko auch scharfe antireligiöse Wellen gab.
Aber wie schon der deutsche Sozialdemokrat (und vormalige jüdische Rabbiner)
Jakob Stern in seiner lesenswerten Schrift "Halbes und Ganzes Freidenkertum"
aus dem 19. Jahrhundert herausgearbeitet hatte, (partiell editiert in einer
Neuausgabe im Alibri-Verlag) ist Religionskritik von der Warte der "oberen
Zehntausend" aus, zum Scheitern verurteilt. Religionskritik die nicht in
gebührendem Maße soziale Komponenten berücksichtigt; Religionskritik welche
den Kerngedanken negiert, dass Religion soziale Wurzeln hat, negiert oder
nur Lippenbekenntnisse zollt. Ein solches "Freidenkertum" mündet
"bestenfalls" in elitäre, sich selbst belobhudelnde Zirkel der
"Highsociety". Genau dieser Fall ist auch in Mexiko eingetreten.
Die dortigen Religionskritiker kann man also unterm Strich, geschichtlich
gesehen, "vergessen". Die Catholica hat das Feld behauptet. Es reichte der
Catholica offenbar, nominelle Mitglieder zu haben. Volksbildung - nicht ihr
Thema. Und so hatte noch in den 1940er Jahren Mexiko eine
überdurchschnittlich hohe Analphabetenrate. Noch heute registriert man
dergestalt Nachwirkungen dessen, dass die staatliche Schulpflicht in Mexiko
lediglich 6 Jahre beiträgt; ein niedriger Wert im Vergleich gesehen.
Zeugen Jehovas sind nicht gerade als überdurchschnittlich "Bildungsfördernd"
bekannt. Allein in Mexiko hatten auch sie ein Problem. Wie soll man einen
Analphabeten dazu bewegen WTG-Literatur zu lesen? Diese Quadratur des
Kreises konnten selbst sie nicht lösen. Und so entschlossen sie sich denn
tatsächlich, in Mexiko Alpabetisierungskurse anzubieten. Selbstredend auf
der Grundlage der WTG-"Literatur". Denn "selbstlos" waren die Zeugen noch
nie. In der "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 3. 1949 feiern sie sich denn auch
gebührend, ob dieser Großtat. Das sie diese ihre Investition in zwischen mit
Zinzeszins wieder zurückkassieren konnten, machen auch die
Jahrbuchstatistikzahlen über Mexiko deutlich 1938 wurde ihre Zahl dort auf
309 beziffert. 1948 waren es dann 4.711.
Und im Jahre 2007 gar 639.320 was einem Verhältnis von 1 zu 165 zur übrigen
Bevölkerung entspricht
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 23. März 2009 03:30
Im Kommentar zur "Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 2. 1954 wurde schon einmal
auf die Auseinandersetzungen eingegangen, die sich nach 1945 in der
katholisch dominierten kanadischen Provinz Quebeck ergeben hatten. Man
kann dazu auch vergleichen
ForumsarchivA59
Darüber hinaus gibt es auch an anderer Stelle in den
WTG-Veröffentlichungen einige Hinweise auf diesen Disput. So beispielsweise
in der "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 3. 1949. Letzterer Bericht ist
dahingehend besonders interessant, als er einen Einblick in ein akutes
Gerichtsverfahren vom 15. 11. 1948, sozusagen relativ zeitsynchron
ermöglicht. Jener Artikel schließt denn auch mit der Angabe, dass beim
Redaktionsschluss das Verfahren noch nicht beendet sei.
Man findet in ihm also durchaus einige Anhaltspunkte, die seitens der WTG
bei späteren redaktionellen Überarbeitungen lieber unter den Tisch fallen
gelassen wurden.
Berichtet wird, dass zu einem aktuellen Gerichtsverfahren, selbst der
WTG-Anwalt Covington, damals noch personengleich WTG-Vizepräsident,
angereist war. Natürlich ist der Artikel nicht "wertfrei". Er vertritt sehr
wohl parteiisch die WTG-Sicht. Aber er erlaubt zumindest ansatzweise, auch
einen Einblick in die Sicht der Gegenseite.
Die Gegenseite brachte vor, dass sie es als Provokation bewerte, wenn in der
nach ihrer Lesart, zu 95% katholisch geprägten Provinz Quebeck, die
Veröffentlichungen der WTG verbreitet wurden, die in ihrer Sicht, den
Tatbestand der Beleidigung des religiösen Empfindens der Katholiken erfüllen
würden. Als Beweisgegenstand wurde besonders auf die aggressive
WTG-Flugschrift über "Quebeck's loderndem Hass" und das
Rutherford-Buch "Feinde" abgestellt.
Über den Part des Staatsanwaltes in diesem Verfahren berichtet "Erwachet!":
"Er gebrauchte das Buch 'Feinde'.
Erklärte sich Herr Covington damit einverstanden, wenn dieses Buch die
römisch-katholische Hierarchie als zur Hure der Offenbarung gehörig
hinstellt?" Wie nicht anders zu erwarten bejahte
Covington diese Frage.
Weiter fragte der Staatsanwalt:
"Hielt er es für recht, eine solche Lehre in einer Provinz zu verbreiten,
deren Bevölkerung zu 95 bis 100% katholisch ist?" Auch
diese Frage bejahte Covington, der es denn auch nicht verabsäumte, dem
ganzen das Mäntelchen angeblichen "göttlichen Auftrages" überzuhängen.
Zitat:
"Es wurde betont, dass diese
Verurteilungen des Katholizismus dem Urteil Gottes entsprechen und Jehovas
Zeugen dies lediglich im Gehorsam gegen Gottes Gebot bekanntmachten."
Einen vermeintlichen Sieg glaubte die Gegenseite auch damit erringen zu
können, dass sie es den Zeugen Jehovas absprach, eine "Religion" zu sein.
Begünstigend kam für diese Argumentation hinzu, dass die zeitgenössischen
Zeugen Jehovas selbst diese These vertreten hatten, die erst in den 1950er
Jahren wieder revidiert wurde. Soweit war es aber damals noch nicht. Damals
galt noch, dass Zeugen Jehovas selbst mit Plakaten umhängt durch die Straßen
marschierten auf denen zu lesen war: "Religion sei ein Gimpelfang". Die
"Feinheiten" dabei, dass man das in eigener Lesart "wahre Christentum" nicht
als Religion bezeichne, dürften mit Sicherheit bei dem Zufallsbeobachter
solcher Zeugenmärsche, nicht angekommen sein. Der registrierte doch
lediglich, da lehnt eine Gruppe pauschal Religion ab.

Ein weiterer Fallstrick des Staatsanwaltes:
"Sie sagen doch, der Teufel sei der
Herrscher der jetzigen Welt; ist demnach dieser Gerichtshof hier Ihrer
Meinung nach vom Teufel?"
Mit gewundenen Worten sucht Covington sich aus dieser Schlinge zu
lösen. Es könnte ja sein, dass der Gerichtshof auch eine Urteil fälle, das
nicht im Widerspruch zu "Gottes Geboten" stehe. Dann sei er
selbstverständlich nicht vom Teufel. Man sieht, Covington hat sein
Advokatenlatein beherrscht!
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Vor Sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 02. April 2009 02:54
Bekanntlich wird seitens der Zeugen Jehovas die Lehre
einer "unsterblichen Seele" abgelehnt. Besonders die katholische Kirche ist
es wohl, die im Gegensatz dazu, diese Lehre nach wie vor aufrecht erhält.
(Belege dafür auch in einem für dem 4. April
vorgesehenen Beitrag). Seitens der Zeugen Jehovas
wird nun unterstellt, dass sei eine Lehre heidnischen Ursprunges. Lang und
breit wird dieses Thema auch in der "Wachtturm"-Ausgabe vom 1. April 1949
ausgewalzt. Vielleicht ein paar Kernsätze daraus, bezüglich des
unterstellten heidnischen Ursprunges. Der WT meint:
"Sie (die Verfechter der Lehre einer
unsterblichen Seele) werden auf den heidnischen griechischen Philosophen
Pythagoras hinweisen, der im Jahre 608 v. Chr. geboren wurde und lehrte, ein
jedes Menschengeschöpf habe eine Seele, die von seinem Fleischesleib
getrennt und verschieden und unsterblich sei und von einem fleischlichen
Körper in einen andern übergehen könne."
Weiter laut WT:
"Anderthalb Jahrhunderte später
erschien ein anderer griechischer Philosoph, Sokrates, der im Jahre 468 v.
Chr. geboren wurde und durch seinen hervorragendsten Schüler, durch Plato,
die Theorie von der 'Unsterblichkeit der Menschenseele' dem Volke
mundgerecht machte. Um den Schein einer biblischen Stütze zu haben, damit
den Lehren Platos gefolgt werden könne, mögen römisch-katholische Theologen
auf die Bücher 'Die Weisheit Salomos' oder 'Ekklesiastikus' (oder: Jesus,
der Sohn Sirachs) hinweisen. Um zu zeigen, dass die Wörter 'unsterblich',
Unsterblichkeit, unverweslich, Unverweslichkeit schon vor Christus und
seinen Aposteln vorkommen."
Dies sei aber in WT-Lesart kein Argument, da
genannte Bücher nicht in den heute gängigen offiziellen Bibelkanon
aufgenommen wurden, und als "apokryph" bezeichnet werden. Mit diesem
Schlagwort hat sich dann das Thema für den WT fürs erste erledigt.
Als Hintergrund, weshalb es zu dieser Übernahme
"heidnischer Lehren" in WT-Sicht, durch die katholische Kirche kam, meint
der WT als Beleg, auf eine eher der Rubrik "katholische Publikumsschriften"
zuzuordnenden Ausführung verweisen zu können. Dazu liest man:
"In einem Frage- und Antwortebuche, auf
dessen Titelseite wir lesen, es sei ein 'Expose über Jehovas Zeugen', gaben
die römisch-katholischen Priester, welche es verfaßten, auf die Frage: 'Ist
es eine offenbarte Lehre, dass die Seele des Menschen unsterblich sei?'
folgende Antwort:
'Der Bericht im 1. Buches Moses über die Erschaffung des Menschen beweist
es. Gott ist unsterblich und kann nicht sterben. Er hat den Menschen in
seinem Bild und Gleichnis erschaffen. Doch gleichen unsere Leiber Gott im
Aussehen keineswegs und sind sterblich. Daher befindet sich das eigentliche
Bild Gottes in unserer Seele, und es gleicht Gott durch die Unsterblichkeit
…"
Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass
hierbei in der Argumentation in hohem Maße mit Zirkelschlüssen gearbeitet
wird. Aber das ist ja ohnehin ein Charakteristikum der Religion. Lediglich,
dass jede Variante selbiger glaubt, ihre spezielle Form von Zirkelschlüssen,
müsse es wohl sein.
In der gleichen WT-Ausgabe findet sich, in WT-Vokabular
verpackt, auch der Erlebnisbericht einer 71jährigen Zeugin Jehovas, die in
Schweden zwanzig Jahre lang Übersetzungsarbeiten für die WTG aus dem
Englischen in Schwedische machte. In einigen Nebensätzen gewinnt man da
durchaus interessante Einblicke.
Etwa wenn sie über ihre eigene Biographie anmerkt:
"Dann gefiel es dem Herrn, mir den Weg
zum unentgeltlichen Besuch des nicht sektiererischen Ausbildungsheim für
Missionare in London von Dr. Grattan Guiness zu öffnen."
Schon hier muss man Widerspruch anmelden. "Nicht
sektiererisch" meint diese Dame, sei das Wirken des Herrn Guiness gewesen.
Das kann man bestenfalls dahingehend gelten lassen, als Guiness,
ideologisch, auf einer ähnlichen Wellenlänge schwamm wie Russell.
Dazu kann man vergleichen "Geschichte der Zeugen Jehovas. Mit Schwerpunkt
der deutschen Geschichte" S. 91 f.
Dann wird noch ein Brief zitiert, den diese Dame
an den WTG-Präsidenten Knorr richtete. In ihm findet sich auch der Satz:
"Nie dachte ich damals, dass die
Botschaft noch vor Harmagedon dorthin (nach Westafrika) gelangen würde. Du
weißt, Bruder Knorr, dass es dem Herrn um jene Zeit nicht gefallen hatte,
uns weiter als bis 1914 blicken zu lassen."
Jenen Satz sollte man sich in der Tat auf der
Zunge zergehen lassen; ist er doch ein Musterbeispiel dafür, wie ein
ideologischer Bankrott, im nachhinein zum "Wirken des Herrn" verklärt wird.
Russell und Rutherford, auf Besuchsreisen auch in Schweden Station machend,
lernte diese Dame dann auch dort noch persönlich kennen.
Bemerkenswert auch der Kommentar, den sie dabei Rutherford angedeihen ließ:
"Ich erinnere mich immer
noch, wie ängstlich bestrebt er war, auf den Herrn zu warten, damit alles im
Einklang mit dem Willen des Herrn geschehe. Besonders war dies der Fall, als
er im Jahre 1925 hier war.
Ich werde den Tag nie vergessen, als ein Wechsel im Büro hier eintrat, und
wie dankbar wir Jehova waren, alle, die in dieser Sache auf ihn gewartet
hatten.
Ich sagte zu Bruder Rutherford: 'Ich kann nicht sehen, wie wir hier auf
diese Weise noch länger weitergehen können.' Ich mußte ihm eine Liste von
all den Artikeln geben, die im amerikanischen Wachtturm erschienen, aber den
Freunden vorenthalten worden waren und nicht in den schwedischen Wachtturm
kamen; und diese las Bruder Rutherford am Kongress in Örebro allen
Anwesenden vor, und noch am selben Tage kam der Wechsel."
Auch hier wiederum ein Beispiel, wie handfeste
Interessengegensätze in dieser Beschreibung verniedlichend dargestellt
werden. Noch am selben Tage kam der Wechsel. Das bedeutete nichts anderes,
dass die vormalige Führungscrew in Schweden, die wohl noch auf der Linie von
Russell weiter segelte, von Rutherford "achtkantig" aus ihren Stellungen
hinausgeworfen wurden. Erfahrung diesbezüglich hatte er ja schon einige.
Dies war mit Sicherheit nicht der erste, und nicht der letzte diesbezügliche
Fall.
-----------------------------------
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 09. April 2009 04:25
„Die Evolutionisten sind rückständig" titelt „Erwachet!" in seiner
Ausgabe vom 8. 4. 1949. Besonders kirchliche Kreise, welche auch -
teilweise - einen Spagat in Richtung Evolutionstheorie versuchen, finden
da das besondere Mißfallen von „Erwachet!".
„Erwachet!" muss zwar einräumen. Es gäbe auch Biologen, welche mit der
Evolutionstheorie kokettierten. Aber das ficht „Erwachet!" - wie zu
erwarten, nicht sonderlich an. Und liest man jenen Artikel im Detail,
gewinnt man auch nicht den Eindruck einer Detail-Auseinandersetzung,
sondern eher das verkünden eines „ex cathedra Grundsatzes". Für den aber
die Evolutionstheorie nur bestätigendes Beiwerk ist. Nicht jedoch die
Hauptstütze dieses hochgehaltenen Dogmas.
Und dieses Kerndogma lautet dann in der Lesart von „Erwachet!" so:
„Entgegen ihrer Meinung, ganz auf der
Höhe der Zeit zu stehen, sind die Evolutionisten hinter dem aufrüttelnden
Zeitgeschehen der jetzigen 'letzten Tage' derart weit zurück, daß sie so
veraltet wirken."
Das Dogma der „letzten Tage" ist also der Kern. Die Frage Evolution
oder nicht, das dem untergeordnete „Beiwerk". Insofern argumentiert die
WTG unredlich, arbeitet mit Taschenspielertricks.
Nun mag man in Sachen Evolution in der Tat eine gewisse Unsicherheit haben
(des „sowohl als auch möglich sein"). Dann wäre es aber angemessen auf
diese Kernpunkte einzugehen. Das Dogma der „letzten Tage" hat dabei den
Wert eines überflüssigen Kropfes.
„Die Entwicklungslehre wurzelt in heidnischen Religionen" meint
„Erwachet!".
Unter anderem wurde dazu ausgeführt:
„Sie wurde schon im fünften
Jahrhundert vor Christus verbreitet. Als 'Vater der Entwicklungsidee' hat
man den griechischen Philosophen Empedokles (493 - 435 v. Chr.)
bezeichnet. Auch Aristoteles vertrat diese Theorie, ja sie wurde allgemein
von den griechischen Philosophen gepredigt. Folgende Darlegungen der
'Encyclopedia Americana', Band 10, Seite 606, Ausgabe von 1942, lassen
erkennen, wie viele Grundbegriffe dieser - heute allerdings abgegriffenen
und abgeschliffenen - Theorie im Entwurf schon vor zweitausenddreihundert
Jahren vorlagen:
Empedokles … glaubte, daß der Ursprung des Lebens durch Selbstentstehung
[Urzeugung] zu erklären ist, und er glaubte, daß es keine gleichzeitige
Hervorbringung verschiedenartiger Lebensformen gegeben hat. Zuerst
entstand das pflanzliche Leben, das Tierleben hingegen erst nach einer
langen Reihe von Versuchen; aber der Ursprung der Organismen war ein ganz
allmählicher Vorgang. 'Alle Organismen gingen aus dem Zufallspiel hervor,
das die beiden großen Naturgewalten mit den vier Elementen trieben. So
traten die Tiere anfänglich nicht als vollständige Einzelwesen in
Erscheinung, sondern als Köpfe ohne Hals, Arme ohne Schultern, Augen ohne
die Augenhöhlen. Infolge des Triumphes der Liebe über den Haß begannen
diese Einzelteile einander zu suchen und sich zu vereinigen, aber rein
zufällig. So entstanden aus diesem wirren Spiel der Körper alle Arten
unbeabsichtigter, außergewöhnlicher Wesen.' Diese unnatürlichen
Erzeugnisse starben jedoch rasch aus, weil sie sich nicht fortpflanzen
konnten. Nach dem Aussterben dieser Mißbildungen entstanden andere Formen,
die sich zu erhalten und zu vermehren vermochten. Wenn man will, kann man
also in den Gedankengängen des Empedokles den Keim zur Theorie vom
Überleben der Tüchtigsten, von der Zuchtwahl, erkennen.
Aristoteles (384 - 322 v. Chr.), der größte unter den griechischen
Naturphilosophen … Die Natur, sagt er, ist in ständigem Fortschreiten
mittels allmählicher Verwandlungen vom Unvollkommensten zum Vollkommensten
… Der Mensch ist der Höhepunkt eines langen, ständigen Aufstieges … Im
ganzen genommen, lieferten die Griechen in mehr oder weniger unfertiger
Form die Idee von einer Ausmerzung der Entwicklungs-Mißgriff, und demgemäß
die Idee vom Überleben der Tüchtigsten, die Idee vom Sichanpassen der
Einzelteile."
Und mit mißbilligend erhobenen Zeigefinger notiert „Erwachet!"
weiter:
„Wenn Wissenschaftler die
Evolutionstheorie schlucken können, dann die Geistlichkeit erst recht.
Dementsprechend beteiligen sich ordinierte Diener der Christenheit und des
Judentums voller Verzückung am religiösen Gesang der Wissenschaft. Bei
ihrer langen Übung im Zurechtstutzen heidnischer Lehren, wie der
'Dreieinigkeit', der 'unsterblichen Seele', dem 'Fegfeuer' und der
'Hölle', bringen sie das bestimmt auch mit dem heidnischen Evolutionsdogma
fertig. Die 'Catholic Encyclopedia' Band 5, Seiten 654, 655 Ausgabe von
1909, sagt unter 'Evolution':
Sie stimmt mit der christlichen Auffassung vom Weltall vollkommen überein;
denn die Heilige Schrift sagt uns nicht, in welcher Form die jetzigen
Arten von Pflanzen und Tieren ursprünglich von Gott erschaffen worden
sind. Schon im Jahre 1877 erklärte Knabenbauer, 'daß von seiten des
Glaubens nichts gegen die Annahme einzuwenden ist, daß alle Pflanzen- und
Tierarten von wenigen Grundformen herkämen'. (Stimmen aus Maria Laach,
XIII, Seite 72) … Inwieweit ist die Evolutionstheorie auf den Menschen
anwendbar? - Daß Gott bei der Bildung des menschlichen Körpers von
naturgemäßen, evolutionären Erstursachen Gebrauch gemacht haben mag, ist
per se nicht unwahrscheinlich und wurde als Gedanke schon von St. Augustin
vorgebracht [Augustinus von Hipp, 354-430 n. Chr.].
Im Jahre 1930 wurde von einer Konferenz anglikanischer Bischöfe in Lambeth
die Annahme einer Resolution berichtet, welche besagte, daß 'die Evolution
als ein Vorgang schöpferischer Entwicklung, der sich mit der christlichen
Theologie vertrage, hingenommen werde.' Der bekannte protestantische
Theologe S. Parkes Cadman erklärte: 'Im Bibelbericht spiegelt sich der
primitive Zustand der damaligen Zeit; Darwins Erklärung kommt mir als die
großartigste vor, die ich je gehört habe.' Dr. Albert E. Ribourg stellte
die Behauptung auf: 'Der Glaube an eine schöpferische Entwicklung legt
edlere Vorstellungen von Gott nahe, als eine unvermittelte, zeitbegrenzte
Erschaffung; denn jener Glaube hilft uns verstehen, daß Gott allezeit in
seiner Welt ist und sie entwickelt und vervollkommnet.'
Bischof Barnes von Birmingham predigte in der Westminster-Abtei: 'Darwins
Behauptung, daß der Mensch vom Affen abstamme, hat in mehr als einem
halben Jahrhundert den kritischen Untersuchungen standgehalten;
zunehmendes Wissen und sorgfältige Forschung haben ihre Richtigkeit nur
bestätigt. Die Geschichten von Adams und Evas Erschaffung und von ihrer
ursprünglichen Unschuld und ihrem Fall sind für uns Volkssagen geworden.'
Für das Judentum äußert sich die 'Jewish Encyclopedia' Ausgabe von 1910,
Band 5, Seite 281, das Verhältnis der jüdischen Religion zur
Evolutionstheorie sei 'nicht notwendigerweise feindlich und abweisend'."
Derart siegesgewiß ist es wohl nur konsequent, wenn „Erwachet!" in
seiner Ausgabe vom 22. 2. 1949 auch die nachfolgende Meldung für
weitergebenswert hielt:
„Noahs Arche gefunden?
Vor einigen Jahren hieß es, ein russischer Flieger habe beim Überfliegen
des Berges Ararat ein gegen das Ufer eines Gletschersees gestrandetes,
gewaltiges Schiff gesichtet. In den entsprechenden Nachrichten hieß es,
daß es sich um die Arche Noahs handle. Der Bericht erfuhr aber keine
weitere Bestätigung, obwohl er wiederholt und auch ausgeschmückt wurde.
Die neuesten Nachrichten über die Arche auf dem Gebirge Ararat kommen nun
aus Istanbul durch die Associated Press, in einer Notiz vom 13. November
1948.
Die Meldung berichtet über versteinerte Reste eines Objektes, die den
Überbleibseln eines Schiffes gleichen und hoch oben auf dem Berge Ararat
gefunden wurden. Diese waren für Jahrhunderte verborgen und kamen nun
letzten Sommer ans Licht, zufolge des ungewöhnlich warmen Wetters, das
einen alten Mantel von Schnee und Eis wegschmolz. Viele Bauern der Dörfer
am Fuße des Berges erklommen die Stelle um die versteinerten Überreste zu
sehen;
sie erzählten dann aufgeregt, daß es sich um ein Schiff handle. - Doch
diese und andere Berichte über Noahs Arche stoßen bei Wissenschaftlern auf
Skepsis und lassen sie leider immer noch kühl.
Nun haben die Arche Noah-Storys in der WTG-Religion (wohl nicht "nur"
in dieser) mittlerweile Tradition
Schon in der frühen WTG-Publikation "Beröer-Buch" findet man einen
Euphorie-Bericht dazu. Etwa wenn da auch zu lesen ist:
Die "Chicago-Tribüne" vom 13. August
1883 brachte ein Telegramm von London, aus Konstantinopel sei der Bericht
gekommen, daß eine türkische Kommission auf dem Berge Ararat die Arche
entdeckt habe - mit Gletschereis bedeckt. Das Innere der Arche sei in
Kammern von 15 Fuß Höhe eingeteilt.
1975 hingegen, wollte dasselbe "Erwachet" (Ausgabe vom 22. 12. 75)
nichts mehr von der früheren Vollmundigkeit in Sache Arche Noah wissen.
Etwa wenn es nun 1975 schrieb:
"Selbst wenn man überzeugend
nachweisen könnte, daß dieses Holz über 4 300 Jahre alt ist, daß es aus
der Zeit Noahs stammt, wäre das dann ein Beweis dafür, daß es ein Stück
von der Arche ist? Zur Zeit Noahs gab es zweifellos außer der Arche auch
andere Bauwerke aus Holz (Luk. 17:26-28). Trümmer davon konnten von dem
Wasser, das die Erde überschwemmte, weite Strecken mitgeführt werden, ja
bis an den Ararat. Noch fehlt es an überzeugenden Beweisen dafür, daß die
Holzstücke vom Ararat von der Arche Noah stammen. ...
Diese Organisation hat der Awake!-Redaktion ein 20 × 25 cm großes
Schwarzweißfoto von der Arche überlassen. Bei diesem Bild handelt es sich
um eine Vergrößerung. Ist es ein überzeugender Beweis? Die Vergrößerung
wurde von sieben Berufsfotografen untersucht. Fünf von ihnen sagten, daß
das verschwommene Bild nicht vom Originalnegativ, sondern von einem Abzug
davon stamme, der offensichtlich retuschiert worden sei. Das sei vor allem
geschehen, um den Eindruck hervorzurufen oder zu verstärken ...
Das alles sollte man erwägen, bevor man den Behauptungen, die
veröffentlicht worden sind, Glauben schenkt. Indizien dürfen noch lange
nicht als Tatsachen betrachtet werden. Aber es gibt noch etwas Wichtigeres
zu bedenken. Was ist das? Man darf nicht vergessen, daß der Apostel Paulus
erklärte, Christen würden durch Glauben, nicht durch Schauen wandeln (2.
Kor. 5:7)."
Indes Elementen der „heiligen Einfalt" kann man auch weiterhin in der
WTG-Religion benennen. Etwa, wenn sie in einem neueren Video ziemlich
genau meint zu wissen, wie denn die Arche ausgesehen haben soll. Solche
bildlichen Darstellungen sind ja nicht unbedingt zwingend. Angepasst an
das Level ihrer Anhängerschaft, präsentiert die WTG dennoch solch eine.

Tja, dass liegt dann wohl auf derselben Ebene wie (beispielsweise) die
WTG-Euphorie in Sachen Pyramide zu Gizeh.
An der ergötzten sich ja die frühen WTG-Narren auch über alles.
„Nach Tisch" mussten dann dieselben Narren auch noch einräumen:
Das war wohl nichts ...
(wieder einmal).
Die Gegenposition dazu hatte schon der von Russell als namentlicher Gegner
georte Thomas Paine formuliert, wenn letzterer unter anderem auch schrieb:
Man nehme der Genesis den Glauben,
daß Moses deren Verfasser war, worauf allein der sonderbare Glaube, daß
dieselbe das Wort Gottes sei, beruht hat, und es bleibt von der Genesis
nichts übrig, als ein namenloses Buch voll Märchen, Fabeln und
überlieferter oder erfundener Abgeschmacktheiten oder unverschämter Lügen.
Die Geschichten von Eva und der Schlange und von Noah und seiner Arche
sinken herab auf gleiche Stufe mit den arabischen Märchen, ohne daß
erstere ebenso unterhaltend sind, und die Erzählung von Menschen, welche
vor ... Iahren lebten, wird ebenso fabelhaft, wie die Unsterblichkeit der
Riesen in der Götterlehre.
Da ja nun der ominöse Berg Ararat auch genannt wurde, sei denn mal
aus der verstreuten Literatur (Neuwinger) dazu unter anderem auch dieses
zitiert:
Zum Beispiel an „Albrecht Bengel zu
erinnern, der zu Ende des 18.. Jahrhunderts die Wiederkunft Christi für
das Jahr 1836 voraussagte, ohne die Gefahren zu erkennen, die derartige
Theologastereien heraufzubeschwören imstande sind. Viele schwäbische
Familien verließen damals Haue und Hof und zogen mit Kind und Kegel zum
Ararat, um des Wunders teilhaftig zu werden, und das Ende vom Lied waren
bittere Armut und unsagbares Elend.
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. April 2009 02:04
Klagend notiert der "Wachtturm" (15 April 1949):
"Tatsächlich ist eine Anzahl von
Christen ermattet, weil Gott im Herbeiführen der Schlacht von Harmagedon
und im Vernichten aller Feinde und im Einführen der tausend Jahre des
Friedens und der Gerechtigkeit scheinbar so langsam vorgegangen ist. So
sind sie denn abgefallen vom emsigen Dienste Gottes Jehovas und von der
Verkündigung der Botschaft seines Königreiches."
Was wäre wohl die WTG-Führungscrew ohne die ständig "aktualisierte"
Endzeit-Naherwartung? Sie wäre ein Nichts. Genau dieser Aspekt ist es
doch, vergleichbar der Möhre die dem Esel vor die Nase gehalten wird und
die er doch nicht bekommt. Und so setzt man denn auch in dieser
WT-Ausgabe alle Register in Bewegung, um die "Ermattenden" möglichst neu
hochzuputschen. Weil das aber nicht immer im gewünschtem Umfange
gelingt, gilt auch das besondere Augenmerk dahingehend, möglichst
Neukonvertierungen zu erreichen. Jene Neuen sind ja noch nicht in dem
Umfang von Ermattungsanfällen betroffen, wie jene die den Brooklyner
Rattenfängern schon etwas länger gefolgt sind.
Auch das muss man sagen. Es besteht sehr wohl ein sozialer Nährboden
dafür. Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg ohnehin. Aber auch in der
Gegenwart werden die Entwurzelten nicht weniger. Sie werden eher mehr.
Das sind die Brutsümpfe in denen der WTG-Mückenschwarm so recht zur
Entwicklung gelangen kann. Wer im laufe der Zeit kritisch werden sollte,
der wird vor die glasharte Alternative gestellt. Entweder er marschiert
im bisherigen Trott weiter (grundlegende Voraussetzung dafür: Eigenes
Denken ist an der Garderobe abzugeben). Oder er läuft Gefahr den
sozialen Ächtungsmechanismen der WTG ausgesetzt zu sein.
Die WTG ist sich der Schärfe dieser Waffe sehr wohl bewusst und setzt
sie auch entsprechend ein. Gelingt es dann gar noch ein paar Unbedarfte
Neuzugänge zu gewinnen, läuft das Geschäft um so besser. Gerade diese
Neuzugänge haben dann ja auch die Chance, sofern auf WTG-Kurs
schwimmend, relativ schnell "Karriere" in dieser Organisation zu machen.
Damit kann man dann die "Ermatteten", noch zusätzlich in de Ecke
drängen.
Falls man wissen will, wie menschenverachtender Kapitalismus in seiner
Reinkultur funktioniert. Bei der WTG-Organisation hat man da ohne
Zweifel ein besonders aussagekräftiges Veranschaulichungsbeispiel!
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 23. April 2009 04:29
Griechenland, im zweiten Weltkrieg mit von deutschen Truppen besetzt,
hatte auch danach eine bewegte Geschichte. Als Reaktion auf die
deutsche Besetzung bildeten sich Widerstandsgruppen. Anrainende
kommunistische Staaten aus der Zeit nach 1945 (Albanien, Bulgarien,
Jugoslawien), suchten den kommunistisch orientierten Widerstand in
Griechenland zu stärken. Aber auch die Westmächte. Anfangs besonders
Großbritannien, suchten den "Fuß in der Tür" Griechenlands zu
behalten. Dabei sah es für die Briten düster aus. Ihre politischen
Gegenspieler hatten zeitweise fast (bis auf wenige Gebiete) die
Majorität in Griechenland. In dem Moment griffen die USA ein, bekannt
auch als
"Truman-Doktrin" .
Die Zurückdrängung der kommunistisch orientierten Kräfte dauerte Jahre
und zog sich bis Ende der 1940er Jahre hin. Faktisch herrschte der
Bürgerkrieg.
Jede Bürgerkriegsseite nahm für sich in Anspruch, in dem von ihr
beherrschten Gebiet, Rekrutierungen für's Militär vorzunehmen. Und in
den Sog dieser Auseinandersetzungen gerieten auch die Zeugen Jehovas,
mit ihrem Grundsatz der Wehrdienstverweigerung.
Ihre politischen Gegner fackelten nicht lange und schreckten auch
nicht vor Todesurteilen zurück. Zwar konnten die westlich orientierten
Kräfte, dank den USA, letztendlich das Feld beherrschen. Aber in der
Wehrdienstfrage waren sie genauso rabiat, wie ihre politischen
Gegenspieler. Hinzu kam der Umstand, dass 97% der griechischen
Bevölkerung, nominell zur Griechisch-orthodoxen Kirche gehört.
Letztere war und ist, alles andere als "gut" auf die Zeugen Jehovas zu
sprechen. Sie konnte es beispielsweise erreichen, dass der Besitz von
nur zwei gleichen Ausgaben einer Zeugen Jehovas-Zeitschrift, als
gerichtlich strafwürdiger Proselytismus gewertet wurde. Das sagt dann
ja wohl schon einiges über das dortige Intoleranzklima aus.
Die "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 4. 1949 ist im besonderen dem Thema
Griechenland, und der Beleckung der eigenen Wunden durch die Zeugen
Jehovas dort, gewidmet.
Man vergleiche thematisch auch:
Griechenland
Das Buch von Reppas
Und da „der Apfel nicht weit vom Stamm zu fallen pflegt", darf man
getrost auch die Geschehnisse, der im besonderem Maße im Mittelalter,
gleich nach dem Islam kommend, steckengebliebenen Orthodoxen Kirche,
etwa in Georgien, auch diesem Kontext zuordnen.
Siehe unter anderem:
Parsimony.509
Parsimony.7228
Parsimony.7284
Parsimony.22488
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 02. Mai 2009 06:25
Bereits in der "Wachtturm"-Ausgabe vom 1. Mai 1949, machte die WTG die
Vorankündigung für ihren "Internationalen Kongress" vom 30. 7 - 6. 8. 1950 in
New York. Also mehr als ein Jahr im voraus.
Erklärte Zielstellung dabei war es auch, möglichst viele Besucher aus anderen
Ländern mit anzulocken. Dies war die erste größere "Heerschau" seit die WTG
unter der Administration von N. H. Knorr stand. Davor gab es eigentlich, mehr
oder weniger, nur regionale Veranstaltungen.
Zwei weitere solcher Mammutveranstaltungen in New York (1953 und 1958) sollten
noch folgen. Danach wurde wieder mehr auf regionale Veranstaltungen gesetzt;
zumal solche Mammutveranstaltungen, mit dem zwangsläufigem System von
Simultanübersetzungen der Vorträge, eher in den Bereich der Zumutungen
einzuordnen sind.
Aber das kennt man ja auch von anderen Diktaturen, die da bei ihren
Nationalfeiertagen große Defilees vor der Führungscrew abhalten lassen.
Offenbar konnte auch die religiöse Diktatur der Zeugen Jehovas, dieser
Versuchung nicht entsagen.




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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 09. Mai 2009 03:34
Es ist ein Lieblingsthema der Religionen; auch der Zeugen Jehovas. Die Kritik
an der Evolutiontheorie. So, beispielhaft auch in der "Erwachet!"-Ausgabe vom
8. Mai 1949 nachlesbar, unter der Überschrift: "Fehlende Bindeglieder fehlen
immer noch".
Man kann sich der darin vorgetragenen Kritik sicherlich nicht entziehen. Wer
anerkannt, die Kritik ist fundiert, der muss weiter fragen. Welche
Konsequenzen werden daraus abgeleitet. Für die Religionen, das ist schon mal
klar, der Schöpfungsglaube.
Es geht aber weiter, und das beweist die Kritik an der Evolutionstheorie
keinesfalls, dass die Religionen diesem Schöpfer auch in der Gegenwart noch
aktives Handeln zuschreiben.
An diesem Punkt muss allerdings gesagt werden, so schlüssig ist das offenbar
nicht. Am Beispiel Zeugen Jehovas auch deutlich. Ursprünglich mal
adventistische Endzeiterwartungen fortschreibend, im Sinne des
"Zeitgewinnens", habe sich dann die eigenen diesbezüglichen Theorien als
genauso brüchig und spekulativ erwiesen als die ihrer Vorgänger. Ihr Gott ist
offenbar aus seinem "Mittagsschlaf" immer noch nicht erwacht. Weder zu Zeiten
des ersten, noch des zweiten Weltkrieges, noch beim Holocaust und vielem
ähnlichem mehr. Man kann, wenn man will, dann einen Schritt weiter gehen und
das Bonmot bemühen "Gott ist tot".
Dies beinhaltet ja auch, dass man einen Schöpfergott als Option, nicht
grundsätzlich ausschließt. Wenn Menschen sterben müssen, warum soll das nicht
auch für diesen Gott zutreffend sein?!
Jetzt beginnt automatisch der große Zirkelschluß der Religionen: Es kann nicht
sein, was nicht sein soll. Sie setzen somit ihr Wunschdenken mit der Realität
gleich.
Letztendlich stochern alle im Nebel. Egal ob Evolutionisten oder Religionisten.
Für beide gilt: "Nichts genaues weiss man nicht".
Die Frage nach dem Woher und Wohin ist sicherlich eine interessante Frage.
Immer wieder aufs neue werden sich einige darüber die Köpfe zerbrechen;
letztendlich jedoch aus dem Hypothesenstadium (mit all seinen Risiken) nicht
herauskommen. Der Überlieferung nach soll der Astronom Laplace auf die Frage
Napoleons, warum in seinem System Gott nicht vorkomme geantwortet haben:
"Sir, ich bedurfte dieser Hypothese nicht".
Sehr zum Schrecken der Religionsvertreter, die eben von dieser Hypothese
leben. So gilt es denn immer auch die Auswirkungen der entsprechenden Thesen
zu sehen.
http://www.bbaw.de/akademie/kalender/BiographienNew/Laplace.htm
Wer sich darauf versteht, die Erde ist und bleibt ein Jammertal, der wird mit
Sicherheit eines erreichen; dass sie es auch tatsächlich bleibt. Er erfüllt
somit seine eigene Prophezeiung selbst. Es ist somit ein hoher Preis, der für
diese religiöse Weltsicht gezahlt wird. Meines Erachtens, ein zu hoher Preis!
Thematisch siehe auch:
Laplace
Parsimony.19242
Parsimony.20158
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Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. Mai 2009 06:07
Zwar begann die Geschichte der jetzigen Zeugen Jehovas mit C. T. Russell, der
adventistische Thesen übernommen und modifiziert hatte. Der Höhepunkt seiner
Bewegung war ohne Zweifel mit dem Jahre 1914 erreicht, dem man zufieberte.
Danach ging es peu a peu erstmal abwärts. Noch ließ sich die Mehrheit mit
Vertröstungen hinhalten. Aber vertröstete Hoffnungen vermögen nur eine
begrenzte Zeit wirksam sein. Als Russell dann 1916 verstarb, war der Zeitpunkt
erreicht, wo mancher der vormaligen Russell-Aktivisten ernsthaft darüber
nachdachte, nunmehr seinen "eigenen Laden" aufzumachen. Die orientierungslos
gewordenen boten jeder ihre eigene "Orientierung" an, die in der Regel nicht
mit der anderer konform ging.
Die Weltkriegsverhältnisse waren widrig. Es blieb kaum Zeit zum Luft holen,
geschweige denn größere organisatorische Anstrengungen zu realisieren. Das war
letztendlich der "Platzvorteil", den Russell's ungeahnter Nachfolger dann auch
ausspielte. Als der dann gar noch den siebenten Band der "Schriftstudien" auf
den Markt bringen ließ, war die "Stunde der Wahrheit" gekommen. Die
potentiellen selbsternannten Nachfolger Russells mussten sich entscheiden.
Ordnen sie sich dem "neuen König" unter, oder eben nicht.
Ein beträchtlicher Teil von ihnen entschied sich für die zweite Variante. Und
die konnte Rutherford dann in der Tat dauerhaft abschreiben. Hinzu kam, dass
er selbst, zumindest zeitweise, in der Weltkriegssituation die Mauern eines
Gefängnisses von innen kennenlernte. Es ist dem "Wachtturm" daher durchaus
dahingehend zuzustimmen (WT 15. 5. 1949), dass 1919 als das eigentliche
Gründungsjahr der jetzigen Zeugen Jehovas angesehen werden muss; denn erst da,
hatte Rutherford die Zügel wieder fest in der Hand. Symbolisch demonstriert
auch auf dem Kongress Cedar Point, September 1919, wo er die rund 7.000
Anwesende auf seinem Kurs einschwörte. Das war die eigentliche Keimzelle.
Und noch etwas ist bemerkenswert. Nicht in den USA ging es mit dieser
Organisation zu jener Zeit voran. Gemessen an der Größe des Landes, dümpelte
man dort eher so vor sich hin. Das sollte sich zu Zeiten Rutherford's auch
nicht mehr wesentlich dort verändern. Die eigentlichen Zuwachsraten wurden im
vom Krieg und Inflation gebeutelten Europa, besonders in Deutschland,
erreicht.
Hier, nur hier, ging es mit dieser Organisation, vor 1933 nennenswert
aufwärts. Auch hier das gleiche Bild. Die alten Russellianer hatten sich aus
dieser Organisation mehr oder weniger verabschiedet. Wer jetzt in der
Organisation war, war dies zum überwältigenden Teil erst nach 1919.
Dann noch jener ideologische Schwenk, um die Endzeit-Naherwartung aufrecht zu
erhalten. Nach 1925 wagte man es lange Jahre nicht mehr, konkrete Daten direkt
und unverblümt auszusprechen. Man zog da eher die indirekte Variante vor. Das
herumreiten auf den vermeintlichen "Zeichen der Zeit" gehörte auch,
selbstverständlich, weiter zum Standardrepertoir und wird es wohl zeitlebens
in dieser Organisation weiterhin gehören.
Jetzt aber der Trick, dass man 1935 erklärte, wer danach zu dieser
Organisation hinzustoße, bekomme nur noch eine "irdische Hoffnung". Die
"himmlische Hoffnung" überließ man, kalendarisch bestimmt, den alten
Veteranen. Und da diese Stichtaglösung bewirkt das deren Zahl immer geringen
wird, kann man dem einfältigen Volk auch so eine Endzeiterwartung
"unterjubeln". Und so notiert denn der "Wachtturm" in seiner zitierten
Ausgabe, dass deren Zahl im Jahre 1949 schon auf 25.395 zurückgegangen sei. In
späteren Jahren reduzierte sich diese Zahl weiter.
So erfüllt man vermeintliche "Prophezeiungen" selbst. Und das wird auch
weiterhin so sein.
Das „Wort zum Tage von der WTG"
Re: Vor sechzig Jahren / Eine kleine Auswahl!
geschrieben von:
X ~ mysnip
Datum: 16. Mai 2009 12:08
Zitat:
Drahbeck
... Dann noch jener ideologische Schwenk, um die Endzeit-Naherwartung
aufrecht zu erhalten. Nach
1925wagte man es lange
Jahre nicht mehr, konkrete Daten direkt und unverblümt auszusprechen.
Man zog da eher die indirekte Variante vor. Das herumreiten auf den
vermeintlichen "Zeichen der Zeit" gehörte auch, selbstverständlich,
weiter zum Standardrepertoir und wird es wohl zeitlebens in dieser
Organisation weiterhin gehören. ..
WTG-Buch
1925
Das vollendete Geheimnis
S. 10, 261, 393, 451, 496, 586
,,Wir glauben, daß alle wahrhaft Geweihten,
welche dieses Buch lesen und wertschätzen, die Worte des Meisters, ,Das
Reich der Himmel ist nahe gekommen!' in
den Ohren klingen werden wie helle Trompetentöne in klarer Morgenluft ... "
http://www.manfred-gebhard.de/7010.HTM
,,Gottes Wort hingegen verurteilt ungerechte
Regierungen der Erde als tierisch, selbstsüchtig, bedrückend, und erkennt
nur ein ,Königreich' als von Gott verordnet an, nämlich das Königreich, daß
bald
auf der ganzen Erde errichtet werden soll ..."
http://www.manfred-gebhard.de/7261.HTM
,,Des Herrn Weisheit sieht, daß die
Zeit der
Auflösung der jetzigen ungerechten und gottlosen Systeme
gekommen ist."
http://www.manfred-gebhard.de/7393.HTM
,,Die Apokalypsis [Enthüllung, Offenbarung] ist
nahe
gekommen. Siehe Offb. 16:15."
http://www.manfred-gebhard.de/7451.HTM
,,Die Wiedergeburt der Welt ist
nahe
gerückt."
http://www.manfred-gebhard.de/7496.HTM
,,Gott sagt, daß er dafür sorgen wird, daß sie
nicht mehr so sprechen werden, denn nahe
vor der Tür steht die Zeit der Drangsal, das Königreich Gottes und die
Erfüllung aller Prophezeiungen."
http://www.manfred-gebhard.de/7586.HTM
Re: Vor sechzig Jahren / Eine kleine Auswahl!
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. Mai 2009 13:07
------------------------------
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 23. Mai 2009 05:35
Griechenland, im zweiten Weltkrieg mit von deutschen Truppen besetzt,
hatte auch danach eine bewegte Geschichte. Als Reaktion auf die deutsche
Besetzung bildeten sich Widerstandsgruppen. Anrainende kommunistische Staaten
aus der Zeit nach 1945 (Albanien, Bulgarien, Jugoslawien), suchten den
kommunistisch orientierten Widerstand in Griechenland zu stärken. Aber auch
die Westmächte, anfangs besonders Großbritannien, suchten den "Fuß in der Tür"
Griechenlands zu behalten. Dabei sah es für die Briten düster aus. Ihre
politischen Gegenspieler hatten zeitweise fast (bis auf wenige Gebiete) die
Majorität in Griechenland. In dem Moment griffen die USA ein, bekannt auch als
"Truman-Doktrin".
Die Zurückdrängung der kommunistisch orientierten Kräfte dauerte Jahre und zog
sich bis Ende der 1940er Jahre hin. Faktisch herrschte der Bürgerkrieg.
Jede Bürgerkriegsseite nahm für sich in Anspruch, in dem von ihr beherrschten
Gebiet, Rekrutierungen für's Militär vorzunehmen. Und in den Sog dieser
Auseinandersetzungen gerieten auch die Zeugen Jehovas, mit ihrem Grundsatz der
Wehrdienstverweigerung.
Ihre politischen Gegner fackelten nicht lange und schreckten auch nicht vor
Todesurteilen zurück. Zwar konnten die westlich orientierten Kräfte, dank der
USA, letztendlich das Feld beherrschen. Aber in der Wehrdienstfrage waren sie
genauso rabiat, wie ihre politischen Gegenspieler. Hinzu kam der Umstand, dass
97% der griechischen Bevölkerung, nominell zur Griechisch-orthodoxen Kirche
gehört. Letztere war und ist, alles andere als "gut" auf die Zeugen Jehovas zu
sprechen. Sie konnte es beispielsweise erreichen, dass der Besitz von nur zwei
gleichen Ausgaben einer Zeugen Jehovas-Zeitschrift, als gerichtlich
strafwürdiger Proselytismus gewertet wurde. Das sagt dann ja wohl schon
einiges über das dortige Intoleranzklima aus.
Die "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 4. 1949 ist im besonderen dem Thema
Griechenland, und der Beleckung der eigenen Wunden durch die Zeugen Jehovas
dort, gewidmet.
Siehe auch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,24906,26068#msg-26068
Das wiederholt sich jetzt in der Ausgabe vom 22. Mai 1949. Dazu wird zitiert:
"Durch die Trumandoktrin tat die
amerikanische Regierung im März 1947 ihren Entschluss kund, dem griechischen
Volke ihren Entschluss kund, dem griechischen Volke im Interesse der Wahrung
freier demokratischer Einrichtungen Hilfe zu leisten. Am 12. März 1947 sagte
Präsident Truman dem Gesamtkongress:
'Jeder ausgegebene Dollar wird dazu beitragen, dass Griechenland sich
schliesslich selbst erhalten kann … indem eine gesunde Demokratie blühen
kann."
Im Hinblick auf die eigenen Erfahrungen wird das Erreichen dieser
Zielstellung verneint. Insbesondere wird darauf verwiesen, dass in
Griechenland Todesurteile ausgesprochen wurden, wegen Wehrdienstverweigerung.
Nicht nur dass. Wegen simpler Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas wurden
staatlicherseits rabiate Maßnahmen ergriffen.
Zitat
:
"In Larissa (Thessalien) wurden Jehovas
Zeugen am 15. September 1948 bei ihrem gemeinsamen Bibelstudium verhaftet. Die
ursprüngliche Anklage lautete auf unerlaubtes Zusammenkommen, verurteilt
wurden sie aber am 8. Oktober 1948 auf Grund des Sondergesetzes 509, das sich
gegen die Kommunisten richtet. Sechs Personen erhielten Gefängnisstrafen von 4
bis 15 Jahren.
In Vola (Thessalonich) waren im Juli 1947 bei einem biblischen Vortrag 55
Zeugen Jehovas verhaftet worden. Gegen 14 von ihnen wurde Anklage erhoben … 9
von ihnen erhielten Gefängnisstrafen von neun Monaten bis zu fünf Jahren wegen
unerlaubtem Zusammenkommen.
In Athen erfolgte am 9. Juli 1948 eine Massenverhaftung von 35 Zeugen Jehovas,
die einer Predigt … beiwohnten. Ihr Fall kam am 25. September 1948 vor dem
Militär-Sondergericht in Athen zur Verhandlung."
Als Strafen wurden verhängt
"gegen 22 von den 33 Angeklagten
Gefängnisstrafen von zwei Monaten bis zweieinhalb Jahren … und einer erhielt
eine Geldstrafe von 2.000.000 Drachmen."
Am 11. Februar 1948 ging dann die Meldung über die erste Hinrichtung
eines Zeugen Jehovas in Griechenland, durch die Presse.
Weiter zitiert "Erwachet!":
"Diese Regierung hat sich inzwischen mit
weiterer solcher Blutschuld befleckt. Am 12. Februar 1949 wurde George
Orphanidis von Piräus, der zu Jehovas Zeugen gehörte, von einem Sondergericht
in Nauplia zum Tode verurteilt und am 2. März 1949 hingerichtet. Ausserdem
befinden sich in griechischen Militärgefängnissen noch sechs bereits zum Tode
verurteilte Zeugen Jehovas, über deren schließliches Los eine Berufungsinstanz
zu entscheiden hat. Vier Zeugen Jehovas wurden von Militärgerichten zu
lebenslänglicher Haft verurteilt, und fortlaufend geschieht es, dass viele
andere auf solche Weise für längere Zeit ihrer Freiheit beraubt werden."
Und "Erwachet!" schließt kommentierend seine Berichterstattung mit dem Satz:
"Wenn Griechenland mit ausländischer
Hilfe vor dem Kommunismus gerettet wird, in welcher Verfassung soll dann das
'gerettete' griechische Volk leben?"
Es ist in der Tat so, dass man vorstehende Beispiele nicht primär den USA
anlasten kann.
Maßgeblichen Einfluss auf diese Entwicklung hatte zweifelsfrei die
Griechisch-orthodoxe Kirche. Sie ist als der eigentliche Scharfmacher
anzusprechen. Jahrhunderte echter Demokratie entfremdet, tat und tut sie sich
besonders schwer, mit weltanschaulichem Pluralismus zu leben.
Sie kommt damit in ihrem Intoleranzklima gleich nach dem Islam.
-----------------------------
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 02. Juni 2009 02:47
Nahezu schwelgend inflationär flutscht dem "Wachtturm" (1. Juni
1949)
das Wort Krieg oder Kriegsdienst über die Lippen. Fast meint man
eine Militärtheoretische und nicht eine religiöse Zeitschrift zu lesen. So
belehrt der WT etwa:
"Der Krieg, den die ausgehobenen
Israeliten auskämpften, war ein Theokratischer Krieg, denn er geschah nicht
aus Gehorsam gegen einen Menschen, sondern aus Gehorsam gegen Jehova Gott,
ihren König. So handelten sie denn in ganz buchstäblichem Sinne als die
menschlichen Scharfrichter Gottes an all den heidnischen Nationen, die Gottes
Ratschlüssen im Wege standen."
Verbleiben wir mal einen Moment bei letzterem Satzteil: "die … im Wege
standen". Wer bitte schon soll das für bare Münze nehmen, wer der Politik
einer bestimmten Priesterklasse im Wege steht …
Das ist doch der Kern. Nicht "Gott", sondern sein vermeintliches
"Bodenpersonal" definiert.
Wer diesem Bodenpersonal "im Wege steht", der wird kraft metaphysischer
Verklärung, zum vernichtungswürdigen Feind erklärt.
Es ist sicherlich nichts neues, dass Menschen unterschiedliche Interessen,
nicht zuletzt materieller Art haben, die dann nicht selten kollidieren. In
profane Sprache übersetzt heißt dieser Vorgang Krieg. Besonders übel ist es
jedoch, wenn irdische Kriegsziele metaphysisch verklärt werden. Da macht es
überhaupt keinen Unterschied, ob sich jemand, wie weiland Hitler, auf die
"Vorsehung" oder wie die WTG bei ihrer Kriegsverklärung auf "Gott" beruft. Es
ist in beiden Fällen derselbe stinkend egoistische Humus auf dem solche Blüten
gedeihen.
Scheinheilig betont die WTG weiter, in der Gegenwart könne keine Nation
rechtmäßig für sich in Anspruch nehmen, "Gottes Nation" zu sein. Auch hier
wieder das gleiche Spiel. Die Priesterklasse, in diesem Fall die WTG, nimmt
für sich die Definitionsmacht in Anspruch. Sie setzt sich somit an "Gottes
Statt".
Im übrigen, ruft die WTG, den Umständen angepaßt, sehr wohl zum realen Krieg
auf. Symptomatisch dafür auch der Satz, dass es
"hohe Zeit" sei, "aufzuhören, unsere Hoffnung und
unser Vertrauen in Fürsten zu setzen, seien es religiöse oder politische,
ferner in menschliche nationale und internationale Gebilde, und dagegen Gott
den Glauben, die Hoffnung, das Vertrauen, die Anbetung darzubringen, die ihm
gebühren."
Nüchtern betrachtet ist das nichts anderes als die Kriegserklärung der
WTG-Priesterschaft an den Rest der Welt. Wobei sie wie selbstverständlich
voraussetzt, ihre Irrlehren, seien "Gottes Lehren".
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
X ~ mysnip
Datum: 02. Juni 2009 15
Zitat:
"Wachtturm" (1. Juni 1949)
"Der Krieg, den die ausgehobenen Israeliten
auskämpften, war ein Theokratischer Krieg, denn er geschah nicht aus
Gehorsam gegen einen Menschen, sondern aus Gehorsam gegen Jehova Gott,
ihren König. So handelten sie denn in ganz buchstäblichem Sinne als
die
menschlichen
Scharfrichter Gottes
an all den heidnischen Nationen, die Gottes Ratschlüssen im Wege
standen."
>>>http://www.youtube.com/watch?v=JgPr_ovDbMk
----------------------
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 09. Juni 2009 05:38
Drei Meldungen aus der Rubrik „Wir beobachten die Welt" in „Erwachet! vom
8. 6. 1949 sind zugleich Zeitdokumente der Weichenstellung im Kalten Krieg,
dessen überheiße Phase gerade noch einmal abgewendet werden konnte. Sie
verdeutlichen aber auch, dass die Bahnen des kalten Krieges weiterhin
verstärkt zementiert wurden.
Ohne es ausdrücklich festzustellen, gilt es auch zu registrieren, dass auch
die WTG ihren Part dabei mitspielte. Jedenfalls passte sie sich dem
herrschenden Mainstream westlicher Prägung an. Zwei Meldungen betreffen
politische Sachverhalte. Die dritte streift ein anderes Gebiet.
„Erwachet!" notiert:
„Die Blockade
Berlins fand am 12. Mai ihr Ende. Das bedeutet, wenn auch nicht des Ende des
'kalten Krieges', so doch Waffenruhe an der einen Front. Westberlins
Bevölkerung wird nun vieles erhalten, was sie bisher entbehren musste. Ausser
den wieder aufgenommenen Landtransporten bleibt auch die 'Luftbrücke' weiter
in Betrieb, 'um die Vorräte aufzufüllen'. 1.500.000 Tonnen Waren sind in den
letzten zehn Monaten von den amerikanischen und britischen Transportflugzeugen
nach Berlin geschafft worden, darunter 950.000 Tonnen Kohle! Auch die
Gegenblockade der Westmächte fiel am 12. Mai dahin, so dass die deutsche
Ostzone die dringend benötigten Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse und
anderes erhalten kann. Auf den 23. Mai ist nach Paris eine
Aussenministerkonferenz der vier Grossmächte einberufen, bei der sich Ost und
West wieder gemeinsam über Deutschland beraten wollen.
Eine Verfassung für Westdeutschland
ist vom Parlamentarischen Rat in Bonn am 8. Mai mit 53 gegen 12 Stimmen
angenommen worden. Die Beratungen über dieses Verfassungswerk hatten Anfang
September 1948 begonnen. Ein ursprünglicher Entwurf, gegen den die drei
Militärgouverneure der Westmächte Einspruch erhoben, erfuhr gewisse
Abänderungen, besonders nach der Richtung, dass die Gewalt der einzelnen
Länder gegenüber der Bundesgewalt gestärkt wurde. Einleitend werden
persönliche Grundrechte gewährleistet, wie sie anderswo in einer 'Bill of
Rights' verankert sind. Diese Verfassung kann später ohne Schwierigkeit auf
ganz Deutschland ausgedehnt werden. Deutschland wird darin als Bundesrepublik
bezeichnet. Die Landesfarben sind wie die der Weimarer Republik:
Schwarz-Rot-Gold.
Eine merkwürdige Vokabel verwendet „Erwachet!" in seiner Ausgabe vom 8.
6. 1949 auch noch:
„Freud-Sekte".
Nun ist das wohl so mit den Stigmatisieren zu einer „Sekte". Keiner der so
Titulierten schätzt das sonderlich, was denn auch in diesem Falle gilt. Und
die entsprechende Artikelüberschrift gibt sich auch eher neutral, wenn
getitelt wird „Legen sie sich auf die Couch".
Man kann diesem Artikel auch nicht absprechen, eine relativ sachliche
Information zu vermitteln. Dennoch kommt die eigene Auffassung zum Thema der
Abhandlung eben auch in dem Begriff „Sekte" zum Ausdruck. Man wähnt sich also
überlegen, nicht der Erkenntnisse dieser „Sekte" bedürfend. Aber bilde sich
jeder seine eigene Meinung dazu. Nachstehend ein paar der Infos, die auch
„Erwachet!" vermittelte:
„... Die Psychoanalyse ist eine Erfindung
Siegmund Freuds. Seine Theorie geht dahin, dass Erinnerungen, die vom
Bewusstsein als zu schmerzlich abgelehnt werden, ins Unterbewusstsein
verdrängt würden. Solche Verdrängung mache den Menschen geistig und körperlich
krank. Werde der Patient aber gezwungen, sich die schmerzliche Gefühlsbewegung
oder Erfahrung ins Gedächtnis zurückzurufen, so befreie ihn das von seinem
Empfinden der Schuld oder der Angst oder der Minderwertigkeit, und er könne
gesunden. Um nun das Unterbewusstsein wie in einer Falle zu fangen, liess
Freud seine Patienten sich auf eine Couch legen, wo sie ihren Gedanken und
ihrer Zunge freien Lauf lassen sollten, während er ausserhalb ihres
Blickfeldes dabei sass und zuhörte. So gelang es ihm, wie er sagte, nach
Monaten oder manchmal auch erst nach Jahren, die seelische Wunde ausfindig zu
machen, die angeblich das Grundübel für die Beschwernisse seines Patienten
bildete. Dieses Verfahren nannte er Psychoanalyse.
Durch die Vokabel „angeblich" bringt die WTG schon ihre Distanziertheit
zum Ausdruck, welche sich dann bis zum Kampfbegriff „Sekte" fortsetzt.
Ein Kritikaspekt aus der Sicht von „Erwachet" stellt auch die Aussage dar:
„Durch Behandlung vieler Patienten
gelangte Freud zu der Überzeugung, dass der Ursprung von Neurosen
(Nervenerkrankungen) ohne Ausnahme in irgendeinem geschlechtlichen Erlebnis
der Jugendzeit zu suchen sei, ja dass solche seelischen Verletzungen sogar bis
in die Kindheit zurückreichten. Zufolge der gesellschaftlichen Moralschranken
hätten sich die geschlechtlichen Triebe damals aus der Sphäre des Bewussten
ins Unbewusste flüchten müssen und später kämen sie in Form neurotischer
Symptome wieder zum Vorschein. Freuds Psychologie baut sich auf dem
Geschlechtsleben auf und stellt die menschliche Natur in ein ziemlich übles
Licht. Manche Psychiater schlucken zwar, als brave Freud-Jünger, diese Pille
von der Allherrschaft des Geschlechtlichen, andere hingegen wenden sich gegen
solche Auffassungen als schmutzig, geil und anstössig, und manche lehnen das
psychoanalytische Vorgehen überhaupt ab. Andere, die sich ihm verschrieben
haben, möchten es an Stelle Gottes und Christi zum Retter der Welt machen."
„An Stelle Gottes und Christi", auch damit, nebst der im Kontext prüden
WTG-Sexuallehre zu sehenden Kritikaspekt, bringt die WTG auch ihre
Distanziertheit zum Ausdruck. Selbige wurde von ihr später noch eindeutiger
dahingehend spezifiziert. Ein Christ hätte - ihrer Meinung nach - eigentlich
keinen Grund die Dienste eines Psychiaters in Anspruch zu nehmen. Wer es
dennoch tue erkläre ja damit den Bankrott der WTG-Ideologie, da man ja (vermeintlicherweise)
in einem „geistigen Paradies" lebe, und da könne eben nicht sein, was nicht
sein soll.
Man vergleiche zu der letzten Meldung, thematisch etwa auch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,27984,27984#msg-27984
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. Juni 2009 03:04
Dem Thema "Auferstehung" und den damit verbundenen, sich widersprechenden
Theorien, widmet sich die "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. Juni 1949 im besonderen.
Erst mal eine Bestandsaufnahme vornehmend notiert der WT:
"Auch die ganze nichtjüdische Welt
dachte, die Auferstehung der Toten sei unglaubwürdig, oder hatte überhaupt nie
so etwas gehört. "
Das interpretiert der WT dahingehend:
"Dem war so, weil Nicht-Juden an die
falsche Lehre von einer der Menschenseele anhaftenden Unsterblichkeit
glaubten. Sie dachten, dass diese Seelen etwas Nicht-Materielles,
Intelligentes sei, das im menschlichen Körper wohne und durch diesen handle,
bis der Tod den Leib überwältige, und dass sie darauf den Körper verlasse, um
ihr bewusstes Dasein anderswo weiterzuführen."
Weiter wird in diesem Zusammenhang die Frage gestellt
"warum eine Auferstehung der Toten
überhaupt notwendig sei, wenn doch die Seele gar nicht sterbe?"
Weiter wird im Blick auf die Konkurrenz notiert:
"Es ist viel darüber spekuliert worden,
wie die Auferstehung dieser Toten vor sich gehen werde. Wir denken an einen
Vortrag, den im Jahre 1891 ein sehr gelehrter presbyterianischer Geistlicher
vor einer Zuhörerschaft in der Stadt Brooklyn gehalten hat und über den in der
öffentlichen Presse berichtet worden ist. Er suchte zu erklären, dass die
Auferstehung in einem Zusammenbringen und Wiederbeleben all der Gebeine und
Sehnen und all des Fleisches und der Haut usw. bestehe, aus denen je
menschliche Körper bestanden haben, unbekümmert, ob sie durch Feuer zerstört
worden seien oder im Grabe oder sonstwie zerfielen. Jawohl, unbekümmert, ob
gewisse Teile davon durch Chirurgen entfernt oder durch Unfälle zerstört oder
von Fischen, Vögeln oder Raubtieren verschlungen wurden, oder ob sie verwest
seien und als Düngemittel in verschiedene Früchte, Gemüse, Grasland usw.
übergegangen und so immer und immer wieder umgewandelt und von andern lebenden
Geschöpfen assimiliert worden seien."
Auch dieser Theorie erteilt der WT eine Absage.
Auch in den eigenen Reihen registriert der WT dann noch eine paar nicht
"Rechtgläubige". Über sie wird ausgeführt:
"In den Tagen, da Charles T. Russell
Präsident der Watch Tower Bible & Tract Society war, wurde von einem an der
Wahrheit interessierten Manne der Gedanke angedeutet, die Auferstehung werde
durch sogenannte Metempsychose oder Seelenwanderung (Übersiedlung der
Menschenseele) stattfinden. Seine Ansicht war, die Seele eines Verstorbenen
werde in den menschlichen Leib eines Kindes verpflanzt, das einem Ehepaar
geboren werde … Demzufolge verfocht jener Befürworter der Seelenwanderung die
Ansicht, Johannes der Täufer sei buchstäblich der Prophet Elia gewesen, der
aus den Toten zurückgekommen sei."
Wie man sieht, dass Spektrum der diesbezüglichen Spekulationen ist
ziemlich breit, und eine bezichtigt die andere, nicht "rechtgläubig" zu sein.
Sicherlich ist aber Glauben eine unabdingbare Voraussetzung. Wer diese Art von
Glauben nicht (oder nicht mehr) hat, für den stellt sich das allerdings etwas
nüchterner dar. Derjenige wird sich vielleicht auch mal die praktische Frage
stellen.
Im Fall der Fälle:
Ärzte erachten eine Bluttransfusion als notwendig. Soll ich dennoch mit dem
Kopf durch die Wand rennen und stur an einer dogmatischen Auslegungsform
festhalten, die andere Dogmatiker der gleichen Firma Christentum, so noch
nicht einmal teilen? Ist er verblendet genug, wird er sich für das faktische
Selbstmordkommando entscheiden. So wie es auch Islamisten gibt, die aus
ähnlicher Verblendung sich für Selbstmordkommandos bereit finden.
Das gibt denen, die an den verantwortlichen Schaltstellen sitzen eine
ungeheure Macht, die zu missbrauchen, ihre Bereitschaft dazu, sie schon mehr
als genug unter Beweis gestellt haben. Dennoch muss man den Opfern sagen: Sie
sind betrogene Betrüger.
Rationalem nicht mehr in ausreichendem Maße zugänglich.
Warum? Weil sie mehr vom Leben haben wollen, als letzteres wirklich zu bieten
vermag. Und so verfallen sie in ihrer Gier auch den Flötenspielern der
Christentums, wie weiland die Kinder dem Rattenfänger von Hameln. Sie wollten
"alles" haben. Am Ende haben sie nicht selten, weniger als Nichts bekommen!
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 23. Juni 2009 05:42
Bereits in der "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 2. 1949 ward das Klagelied über die
Verhältnisse in Polen angestimmt. Eine Fortsetzung erfährt dieser Bericht nun
in der "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 6. 1949. Man erfährt nun, dass es zu einem
weiteren Mordfall an einem Zeugen Jehovas gekommen sei. Man liest dazu:
"Ist doch am 21. November 1948 in dem Dorfe Borowianka, Gemeinde Kamyk, Bezirk
Czestochowa, wieder ein Zeuge Jehovas namens Josef Sieja, ermordet worden. …
Die Polizei nimmt oft Protokolle über Misshandlungen von Zeugen Jehovas auf.
Sie werden in den meisten Fällen an die Gerichte weitergeleitet. Jedoch, wenn
es dann zur Verhandlung kommt, steht die Geistlichkeit für ihre Gimpel ein und
verschafft ihnen mehrere Verteidiger. In manchen Fällen werden die Übeltäter
von Schuld und Strafe freigesprochen, während sie in anderen Fällen nur
bedingt verurteilt werden; worauf sie ihr Treiben ungestraft fortsetzen. Bei
solchen Gelegenheiten erscheinen in der Presse nirgendwo Meldungen über das
Unrecht, das Jehovas Zeugen widerfahren ist.
Nach mehrstündiger Beratung des Gerichts wurden über neun Angeklagte folgende
Strafen verhängt:
Pelagia Maruwska, drei Jahre Gefängnis, fünf Jahre Einstellung in den
bürgerlichen Ehrenrechten, 5000 Zloty Gerichtsgebühren;
Antonia Krawczyk, anderthalb Jahre Gefängnis, 2000 Zloty Gerichtskosten;
Konstatyn Jagodzinski, zweieinhalb Jahre Gefängnis (er hatte dem bereits
bewusstlosen Paul Mahuluk einen Schlag auf den Kopf versetzt, Jagodzinski ist
inzwischen im Gefängnis gestorben);
Helena Glowacka, ein Jahr Gefängnis;
Mieczyslaw Langin Hubert, ein Jahr Gefängnis;
Zdzislaw Szarun, ein Jahr Gefängnis;
Janina Rutowicz und Stefan Siurka, je sechs Monate Gefängnis;
und Jan Chruszcz wurde schuldig befunden, aber lediglich seine Mutter für sein
künftiges Wohlverhalten haftbar gemacht.
Die Anwälte der Angeklagten legten Berufung zum Obergericht ein, und so steht
zu erwarten, dass die Angelegenheit demnächst vor dieser Instanz nochmals
aufgerollt wird.
Aus Vorstehendem ist ersichtlich, dass jene, die über Jehovas Zeugen
herfielen, angemessene Strafen erhielten. Jedoch berichtete keine einzige
Zeitung über diesen zweitägigen Prozess, obwohl jeden Tag ein Reporter
anwesend war."
Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 02. Juli 2009 05:28
Wieder mal vor Konservatismus triefend, so muss man wohl die "Wachtturm"-Ausgabe
vom 1. Juli 1949 bezeichnen, die sich dem Hauptthema "Frauen" widmet.
Abwertend schon der WT-Kommentar zu dem kulturellen Brauch des
Muttertages. Dies sei
"törichte Sentimentalität" ,
so der WT.
Ansonsten wird nur wiederholt, was zur Grunddoktrin der WTG gehört. In
deren Augen kann die Welt nur dann in "Ordnung" sein, wenn es Herren
und Knechte gibt. "Selbstverständlich", so der Tenor, haben die
Knechte ihren Status nicht in Frage zu stellen. Der ist "gottgewollt".
Die gesamte Hierarchie käme ja ins Rutschen, sollte an einer Stelle da
"aufgemuckt" werden.
Natürlich brauchen die Herren auch Wasserträger. Wie sollten sie sonst
weiter Herren sein. Das muss dem gläubigen Volke entsprechend
rübergebracht werden. Und da ist die konservative Auffassung in der
Frauenfrage offenbar ein geeignetes Vehikel dazu.
Den Frauen wird gepredigt "schluckt runter - Gott will es so" Zitat:
"Um der Theokratie Jehovas willen
herrscht der Grundsatz der Leitung durch ein Haupt im ganzen
Universum, und dementsprechend müssen alle Geschöpfe Untergebenheit
unter den göttlichen oder Theokratischen Willen lernen."
In diesem Zusammenhang entblödet sich der WT dann auch noch, des
lang und breit über den
"kulturellen Brauch" des Verschleierns, von
Frauen versteht sich, zu reflektieren. Als Begründung dafür wird dann
noch eine antiquierte Bibelstelle herangezogen in der das als
"Achtung vor den Engeln"
interpretiert wird. Das wird dann gar noch als wörtlich zu
verstehen dargestellt: auf dass auch auf dieser Ebene der Aberglaube,
die Verdummung, so richtig gezüchtet werden möge.
Zitat:
"Wer die hier erwähnten Engel
sind, aus Respekt vor denen sich unsere christlichen Schwestern den
obigen Verordnungen unterziehen sollten, ist schon verschiedentlich
erwogen worden. Wenn wir aber einfach den Aufschluss annehmen, den uns
die lautere Heilige Schrift gibt, so scheinen es die ungesehenen
Geistengel zu sein."
Also auch damit versucht die WTG ihre Schäfchen ins Boxhorn zu
jagen, indem sie ihren Konservatismus noch nach Kräften metaphysisch
erhöht. Offenbar ist sich wohl auch die WTG bewusst, dass sie
heutzutage die Verschleierungspraxis nicht mehr generell durchsetzen
kann. Sie muss daher die Einschränkung machen, nur dort anwendbar, wo
es auch andernorts noch üblich ist. Aber an ihrem grundsätzlichen
Anspruch auf die Anwendung von Unterwerfungsritualen, mag sie nicht
verzichten. Dafür steht auch der Satz in der genannten WT-Ausgabe:
"Wenn also in den apostolischen
Tagen an gewissen Orten für Frauen die Sitte herrschte, Haupt und
Angesicht in der Öffentlichkeit zu verschleiern, weshalb beobachteten
sie christliche Frauen? Um nicht einen volkstümlichen Brauch zu
verletzen und Missverständnisse heraufzubeschwören und sich Schande
zuzuziehen? Jawohl, besonders aber, um die Untergebenheit des
weiblichen unter das männliche Geschlecht im Hinblick auf die Engel
anzuzeigen."

Der Aspekt des WTG-Konservatismus kam kürzlich auch in einem anderen
Disput zum Vorschein.
Um zuerst nochmals auf die „Frauenfrage" in WTG-Sicht zurückzukommen.
In soziologischer Hinsicht besteht die überwältigende Mehrheit der
Zeugen Jehovas-Gemeinden aus Frauen. Jedenfalls mehr, als Männern.
Trotzdem sind die Ältestenposten etwa, grundsätzlich Männern
vorbehalten.
Gelegentlich gab es in der jüngeren Vergangenheit auch schon (seltene)
Fälle, wo etwa bei „Standhaft"-Veranstaltungen, ganz vereinzelt,
Frauen gegenüber der säkularen Presse, als SprecherInnen auftraten.
Das sind dann aber wirklich die vereinzelten „Schwalben", die noch
lange keinen Sommer machen.
Der andere angedeutete Streitpunkt betrifft den Aspekt „Apartheid". Es
macht sich ja gut, etwa auf ZJ-Kongress-Veranstaltungen, in Bildern
ein rassisch gemischtes Publikum zu präsentieren.
Als indes in den USA ein Martin Luther King etwa, diesbezügliche
Kämpfe um Gleichberechtigung führte, da jedenfalls (auch dabei) erfuhr
er seitens der WTG nicht den Bruchteil eines Jota an Unterstützung.
Rückblickend gesehen indes, haben sich die von Martin Luther King (als
Beispiel) repräsentierten Kräfte in den USA (relativ) durchgesetzt.
Öffentliche Verkehrsmittel, getrennt nach Rassen benutzbar, dass ist
auch heute in den USA nicht mehr möglich. Es war aber mal (in den
dortigen Südstaaten) sehr wohl möglich.
Diesen Veränderungen der Rahmenbedingungen kann letztendlich auch die
WTG sich nicht entziehen.
Wohl kaum aus eigener Einsicht; aber wohl aus Anpassung an den
Mainstream.
Wer sich von den genannten Kongressbildern blenden lässt, und eben
nicht genauer hinsieht, zeigt lediglich seine eigene Oberflächlichkeit
in der Bewertung relevanter Tatbestände.
Was für die „Frauenfrage" gilt, gilt analog auch für die
„Rassenfrage".
Letztere fand ihre besondere Zuspitzung (Zeit nach 1945, von der Zeit
33-45 lieber in dem Kontext nicht redend) weniger in europäischen
Ländern. Dafür um so mehr in Ländern wie Südafrika und den USA.
Und solange dort die Apartheid-Verfechter das Feld behaupteten, war
auch die WTG-Religion eine, die selbigen keinerlei Schwierigkeiten
bereitete.
Hätten also die Apartheid-Verfechter dort auf Dauer, das Feld
behauptet, hätte auch die WTG-Religion dort auf Dauer nur „Ja und
Amen" dazu gesagt.
Wie ja bereits in der Bibel ein Paulus das Sklaventum als ehernes
Gesetz verteidigte.
Denn der WTG-Hinweis auf das imaginäre „Eingreifen Gottes" am Sankt
Nimmerleinstag, besitzt dabei noch nicht mal den Wert von
Toilettenpapier!
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 09. Juli 2009 05:46
Zwei Kurzmeldungen aus „Erwachet!" vom 8. 7. 1949:
„Gegen Unterdrückungen in Ostdeutschland
sprach sich der evangelische Bischof von Berlin, Dr. Otto Dibelius in einer
Pfingstbotschaft u. a mit den Worten aus:
„Die K5-Abteilungen der sogenanten Volkspolizei ist nichts anderes als eine
Wiedergeburt der Gestapo, die mit den gleichen Methoden arbeitet."
Von kommunistischer Seite sind daraufhin Versuche im Gange, Dibelius zum
Rücktritt zu zwingen."
Da wird man wohl als erstes dazu sagen müssen:
Da hat der Herr Dibelius „den Nagel auf den Kopf getroffen!"
Zweite Kurzmeldung aus dergleichen „Erwachet!"-Ausgabe:
„Bibeln für Japan",
ist das Programm General MacArthurs, des amerikanischen Befehlshabers in jenem
Lande. Er meint, Japan brauche dreissig Millionen Bibeln, damit das Volk zum
Christentum bekehrt werden könne. Die amerikanische Bibelliga will im ersten
Jahr eine Million „Neue Testamente" einführen und ihre Aktion zehn Jahre
fortsetzen. Solche Bibelaktionen, die nicht unbedingt mit sektiererischer
Mitgliederwerbung verbunden sein müssen, schaffen in solchen Ländern die
Grundlage für die Verbreitung biblischer Erkenntnis. Denn auch einem Japaner
wird die biblische Botschaft erst dann wirkungsvoll nahegebracht werden
können, wenn er die Bibel besitzt und sich mit ihrem Inhalt vertraut machen
kann."
Auf den ersten Blick haben diese beiden Meldungen nichts mit einander
gemein. Auf den zweiten (indirekten) Blick schon durchaus einiges.
Was sich da im Falle Japan abspielte, war nichts anderes als der über einen
Umweg vorgenommene Export des „American way of Life" auch in jenes Land. Dem
Bibelexport würden durchaus noch die entsprechenden Missionare folgen.
Zahlenmäßig auch am Beispiel der Zeugen Jehovas belegbar.
Gerne hätten USA-Kreise ähnliches auch beispielsweise in China veranstaltet.
Ansätze dazu gab es auch. Aber die dortigen politischen Rahmenbedingungen,
verurteilten das (bisher) zum scheitern.
Im Falle Deutschland war ein Bibelimport, im engeren Sinne, so nicht nötig.
Die gab es dort aus der Tradition her, schon in ausreichendem Maße. Also
konnten in Deutschland, USA-Kreise gleich zum „Schritt zwei" übergehen, dem
massiven Missionarseinsatz. Und vielfältig ist dabei auch die Begünstigung der
WTG durch die US-Militärregierung in Deutschland nachweisbar.
Wiederum das Beispiel Japan - China aufnehmend. Was in Japan möglich war, eben
weil man dort einen US-Befehlshaber zu sitzen hatte, war eben in China nicht
möglich.
Einen ähnlichen Vergleich kann man auch auf Deutschland übertragen,
dergestalt, dass je länger je mehr, sich hier eine Zweistaatlichkeit
herauskristallisierte. Was in den Westzonen möglich war, war in der Ostzone
durchaus nicht zwangsläufig „gewünscht".
Die zitierte Dibelius-Äußerung und die Reaktionen auf selbige, machten schon
mal deutlich. Wer eine bestimmte „ungeschriebene" Grenze überschreitet, begibt
sich ins Kriegsgebiet. Die WTG war also vorgewarnt. Sie hat diese Warnung in
ihrer Zeitschrift selbst dokumentiert. Das jedoch hinderte US-Kreise nicht
daran, auch um den Preis weiterer Kriegsverluste, ihre Form von Politik auch
in der Ostzone versuchsweise durchzusetzen.
Auf der eigentlichen Politikebene war das sicherlich nicht möglich. Umso
größere Bedeutung erlangten für US-Kreise jene religiösen Narren, namens
Zeugen Jehovas, die sich in ihrer Verblendung als entsprechendes
„Kanonenfutter" zur Verfügung stellten!
Das auch die Zeugen Jehovas mitten in der Politik gelandet sind, wird auch in
der „Erwachet!„-Ausgabe vom 8. 7. 1949, mit einem Bericht über Kanada
deutlich.
Darin wird beklagt:
„Man sollte es zwar nicht meinen, und
doch ist es so, dass Kanada keine schriftliche Urkunde besitzt, die seinen
Bürgern solch grundlegende Rechte wie die Glaubens-, Rede-, Presse- und
Versammlungsfreiheit gewährleistet. Kanadas jetzige Verfassung wurde 1867 vom
britischen Parlament aufgestellt und ist in der Britisch-Nordamerika-Akte
niedergelegt. Dieses Grundgesetz bildet mit seinen Zusätzen im wesentlichen
die rechtliche Grundlage für alle Befugnisse der Regierung und Gesetzgebung
des Bundes und der Provinzen. Diese Verfassung gewährleiste zwar gewisse
Minderheitenrechte, jedoch enthält die Akte keine 'Bill of Rights' mit
ausdrücklichen Garantien für die persönlichen Bürgerfreiheiten."
Zur Änderung dieses Zustandes, griff nun die WTG aktiv in die kanadische
Politik ein.
Dazu berichtet „Erwachet!":
„Im Rahmen dieser Aktion war dem
kanadischen Unterhaus bereits bei einer früheren Gelegenheit, am 9. Juni 1947,
eine Petition mit 500.967 Unterschriften vorgelegt worden …
Auf einem Kongress, den Jehovas Zeugen im Juni 1948 in Kanadas Hauptstadt
abhielten, gab der Präsident der Watch Tower Bible and Tract Society den
Tausenden von Teilnehmern bekannt, dass eine zweite, diesmal noch bestimmtere
Petition im ganzen Lande in Umlauf gesetzt wurde. …
Zur Zeit der ersten Petition war behauptet worden, viele hätten ihre
Unterschrift nicht gegeben, wenn ihnen bekannt gewesen wäre, dass die Aktion
zugunsten von Jehovas Zeugen war. …
Ehe die Einladung erging, die Petition zu unterzeichnen, erhielt jeder
Haushalt ein Flugblatt mit der Überschrift 'Kampf um die Freiheit!' … Von
diesen Flugblättern druckten Jehovas Zeugen 1.490.000 Stück und verbreiteten
sie unter 9.000.000 Einwohnern. … Die anschliessende Sammlung von 625.510
Unterschriften spricht für sich selbst …
Eng mit dieser Petition zusammenhängend, gab die Watch Tower Society, als
weitere Unterstützung dieser Aktion für eine 'Bill of Rights', zwei englische
Broschüren heraus, nämlich 'Die dynamische amerikanische Bill of Rights' und
'Was für eine kanadische Bill of Rights spricht. Von diesen Heften wurden je
10.000 Stück gedruckt und mit einem Begleitbrief an Rechtsanwälte, Richter,
Gesetzgeber, Redakteure, Journalisten, Parlamentsabgeordnete und an Angehörige
freier Berufe im ganzen Lande versandt."
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. Juli 2009 05:50
In der Rubrik "Erfahrungsberichte" des "Wachtturm" vom 15. Juli 1949, liest
man von einem in den USA, der auf seiner Weltanschauungsreise auch mal bei den
Kommunisten Station machte; sich aber letztendlich unbefriedigt wieder von
ihnen abwandte. In seinem Fall kam noch hinzu, dass engere Verwandte von ihm
(seine Schwester und ihr Mann) bereits Kontakt zu den Zeugen Jehovas hatten.
Dies scheint mir bei diesem Fall der entscheidende Aspekt zu sein. Ihnen
gelang es somit, das Unbefriedigtsein mit dem vorherigen Lebensweg in den
WTG-Kanal einzuleiten. Wären diese Umstände, Verwandte schon bei den Zeugen,
so nicht gegeben. Es wäre wohl fraglich, ob es in diesem Fall zur
Konvertierung gekommen wäre. Das dies durchaus kein "Alltagsfall" war, wird
auch durch den Umstand seiner Erwähnung im WT als etwas außergewöhnlichem
hervorgehoben.
Laut WT soll der Betreffende sich euphorisch mit den Worten geäußert haben:
"Im Lichte der Wahrheit habe ich den Kommunismus aufgegeben und Gottes Wort
als die Wahrheit angenommen. Ich habe Marx verworfen und zur Wahrheit der
Bibel gegriffen. Ich danke Gott in Wahrheit für seine führende Hand, die er
mir durch Jehovas Zeugen gnädig gereicht hat."
Es ist unbekannt, ob diese Euphorie indes dauerhaft vorgehalten hat.
Nun ist es vom Prinzip her nicht außergewöhnlich, dass es immer mal
Konvertierungen aus Lagern gibt, die eigentlich nicht zu der klassischen
Anwerbeklientel gehören. So etwas kommt auch heutzutage vor; und dabei geht es
nicht nur die "Einbahnstraße" entlang. Es kann ebensogut auch anders herum
passieren. So gesehen verdient dieser Vorgang keine sonderliche
Aufmerksamkeit. Nicht ganz, muss man ergänzend hinzufügen. Das ganze wurde im
Jahre 1949 veröffentlicht; also in der Hochzeit des politischen kalten
Krieges. Und diesen Zeitrahmen beachtend, stellt das durchaus auch ein
Politikum dar.
Der WT wollte damit auch rüberbringen: Seht, wir besiegen den Kommunismus.
Weitere WT-Kommentare im Ohr, die die katholischen Kirche beispielsweise
vorwarfen, in Sachen Kommunismus ein "zahnloser Tiger" zu sein, ist davon
auszugehen, dass dieser Bericht über den engeren Bereich der Zeugen Jehovas
Beachtung fand. In unterschiedlicher Wertung allerdings.
Für die USA-Falken stand damit einmal mehr fest: Das sind unsere Leute.
Für ihre Gegenspieler indes auf dem europäischen Kontinent, bedeutete dies
auch: Das sind unsere Feinde!
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 23. Juli 2009 05:54
Wenn man nur das DDR-Buch über die Zeugen Jehovas aus dem Jahre 1970 zur Hand
nimmt (Uraniabuch) und dort die Seite 239 aufschlägt, dann bekommt man in der
Tat einen schiefen Eindruck vermittelt. In Reproduktion wird darin die
reißerische Überschrift aus "Erwachet!" vom 22. Juli 1949 wiedergegeben, die
da von einer "letzten Verteidigungslinie der Religion" redet. Für das
Uraniabuch ist es eine "ausgemachte Sache", dass in diesem Kontext auch die
Zeugen Jehovas ein "antikommunistisches Bollwerk" seien.
Nun bestreite ich jedenfalls nicht, dass auch die Zeugen Jehovas eine scharfe
politische Waffe im kalten Krieg gegen den verhassten Osten waren. Sie sind
auch heute noch eine der schärfsten politischen Waffen, wenn es darum geht,
dem Rest der Welt den US-Anspruch beizubringen, dass sie die Weltgeschicke
bestimmen wollen, und zu dieser Bestimmungsbefugnis gehört auch, die
Konservierung ungerechter Strukturen, zum Nutzen des Establishments der USA.
Insofern besteht eher ein formaler, weniger aber ein sachlicher Dissens zu
diesem Detailaspekt des Uraniabuches. Fakt ist aber auch, jenes DDR-Buch
zitierte tendenziös einen "Erwachet!"-Artikel. Liest man nämlich den gesamten
Artikel im Zusammenhang, erschließt sich ein völlig anderer Eindruck.
Denn in der Substanz, berichtet jener Artikel über den Fall des Kardinal
Mindszenty, der just zu dieser Zeit, zeitgenössische Schlagzeilen machte. Man
muss "Erwachet!" zudem bescheinigen, relativ sachlich über den Fall Mindszenty
berichtet zu haben. Insofern erweist sich jener Artikel, als "Beleg" für die
These des Uraniabuches, als ungeeignetes Objekt. Hinzu kommt erschwerend noch,
dass im DDR-Buch nicht die Spur einer Andeutung enthalten ist, jener Artikel
bezöge sich auf den Fall Mindszenty. Der Leser wird also in eine bewusst
falsche Richtung geschickt. Dies muss ausgesprochen werden als nicht
entschuldbar, wie immer man sonst auch zu den Thesen des Uraniabuches stehen
mag.
Nachstehend eine etwas ausführlichere Zitierung des fraglichen "Erwachet!"-Artikels
aus seiner oben genannten Ausgabe:
Die letzte Verteidigungslinie der Religion
Düsteres Sturmesgewölk ballt sich im Osten zusammen. Mit jedem Tag türmt es
sich, unheildrohend, höher empor und senkt sich tiefer drückender auf die
Menschheit herab. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis aufzuckende
Blitzstrahlen in dieses Wolkenmeer die Löcher reißen, aus denen ein Sturm der
Vernichtung herniederprasseln wird. Hiervon haben die Religionen der
Christenheit am meisten zu befürchten. Sie werden bald in die letzte
Verteidigungslinie gedrängt sein. Schon jetzt steht die Religion vor einer
Krise, durch die kommunistische Flut aus dem Osten heraufbeschworen. Wird sie
überleben? Wird sie, um sich zu decken, die Nationen durch ihre Schutzmächte
in den Wahnsinn eines dritten Weltkrieges hineinpeitschen können?
Im Falle des ungarischen Kardinals Mindszenty hat sie dafür gesorgt, dass die
Hysterie riesige Wellen schlug. Ein Wust von Propaganda begrub unter sich die
spärlich gemeldeten Tatsachen. Jetzt, nachdem etwas Abkühlung eingetreten ist,
die wegen der Hysterie sich verflacht haben und die in der Flut zeitweilig
erstickte Urteilskraft wieder zum Leben erwacht, ist es angebracht, die
Tatsachen auszugraben und zu sehen, wie sie sich in dieses Bild von einem
heraufziehenden Sturm und der letzten Verteidigungslinie einfügen.
Der erste Weltkrieg sollte der Welt die Demokratie sichern. Das trat nicht
ein. Der zweite Weltkrieg sollte die Welt vor Diktaturen sichern. Auch das
traf nicht ein. Nun spricht man vielerorts von einem dritten Weltkrieg, als
einzigem Mittel, der Welt die Religion zu sichern. Der Sprengstoff liegt
beisammen, die Zündschnur ist gelegt, das Zündhölzchen schon zum Abstreichen
angesetzt. Nur wenig braucht es noch, damit der Zündfunke aufflammt, die
Zündschnur glimmt und das vernichtende Feuerwerk losgeht. Die Aufregung über
den Mindszenty-Prozess lieferte fast genug Reibung, um einen dritten Weltkrieg
zu entflammen.
Am 29. Dezember 1948 gab die ungarische Regierung Kardinal Mindszentys
Verhaftung bekannt. Die Anklage gegen ihn lautete auf Verrat, Spionage,
Verbrechen mit dem Ziel einer staatlichen Umwälzung und Verkauf von Dollar und
Dollarschecks auf dem Schwarzen Markt. Als Mitschuldige wurden zwölf weitere
Personen verhaftet, darunter acht Priester. Kurz zuvor war Mindszentys
Sekretär, der Priester Zakar, in Haft genommen worden. Der Papst erklärte sich
als "tief betrübt und erschüttert", und alle ungarischen Katholiken, die mit
der Verhaftung des Kardinals etwas zu tun hatten, wurden exkommuniziert.
Die Anklagen stützten sich hauptsächlich auf Dokumente, die der Polizei am 23.
Dezember in die Hände gefallen waren. Man hatte sie in einer Metallhülse
entdeckt, die im Keller des fürsterzbischöflichen Palastes vergraben war. Der
Prozess begann am 3. Februar 1949 und richtete sich gegen sieben von den
insgesamt vierzehn Angeklagten. Fünf hiervon waren Priester, darunter Kardinal
Mindszenty.
Nur Zakar hatte einen Offizialverteidiger; die anderen sechs Angeklagten, auch
Mindszenty, hatten sich ihre Anwälte selbst gewählt. Der Kardinal erklärte, in
den Vorbereitungen zu seiner Verteidigung nie behindert worden zu sein und
stets Gelegenheit gehabt zu haben mit seinem Anwalt in Verbindung zu treten.
Im Prozess stand den Angeklagten das Schlusswort zu.
Auslandskorrespondenten waren einundvierzig zugegen, aus vielen verschiedenen
Ländern. Eine große britische Zeitung schrieb, das Beunruhigende sei nicht
"Mangel an Nachrichten, sondern die Nachrichten selbst." Der Budapester
Gerichtssaal war nicht durch einen "eisernen Vorhang" von der Welt abgesperrt,
und die Zeitungskorrespondenten gaben in einer gemeinsamen Erklärung bekannt,
es sei keinerlei Zensur ausgeübt worden und es treffe auch nicht zu, dass nur
solchen Korrespondenten, die Kommunisten seien oder mit den Kommunisten
sympathisierten, ein Visum erstellt oder der Zutritt in den Gerichtssaal
bewilligt worden wäre. Nur der Berichterstatter der 'Times' von New York und
der United Press unterzeichneten diese Erklärung nicht, der erste, weil er zu
spät zum Prozess zugelassen worden war, und der zweite, weil solche
Erklärungen bei der United Press nicht üblich seien.
Wir übergehen hier die von Mindszenty zugegebenen Schwarzmarkt-Spekulationen
mit ausländischen Valuten und wenden uns dem ernsteren Anklagepunkt zu, der
auf Verrat lautete. Dass der Kardinal ein Gegner des Regimes war, bildete nie
ein Geheimnis. Die Bodenreform hat er energisch bekämpft, schon weil die
katholische Kirche einer der grössten Grundbesitzer des Landes war. Die
katholische Kirche missgönnte den Bauern die ihnen zugemessenen fünf Hald Land
(287 Aren) und beschwerte sich, dass die einem jeden Bischof zugemessenen 100
Hald nicht zum Leben ausreichten! Der Kardinal beeinflusste die Wähler und
suchte Royalisten (die für die Rückkehr der Habsburger sind) in
Schlüsselstellungen des politischen Parteiwesens hineinzubringen.
Mindszenty und die ungarischen Bischöfe widersetzten sich der Verstaatlichung
der Schulen und verurteilten diese Maßnahme in mehreren Hirtenbriefen,
trotzdem die Schulen doch auch so weit stärker unter religiösem Einfluss
blieben, als dies zum Beispiel in den Vereinigten Staaten der Fall ist. Das
Recht, in den staatlichen Schulen durch Priester, Nonnen und andere Lehrer
Religionsunterricht zu erteilen, blieb den verschiedenen Religionen gewahrt,
und die Bezahlung dieser Religionslehrer übernahm der Staat. Das ist weit
mehr, als in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern zugelassen ist.
Die Anklage wegen Verrat stützte sich jedoch auf nichts von alledem, sondern
auf folgendes:
Vor Gericht erzählte der Mitangeklagte Dr. Jusztin Baronyai von einem im Jahre
1947 gefassten Plan für die Ersetzung der jetzigen ungarischen Regierung. Der
Plan ging von mehreren Voraussetzungen aus:
Erstens einem dritten Weltkrieg, zweitens dem Sieg der Westmächte, drittens
dem Einmarsch der Amerikaner in Ungarn, als militärische Besatzungsmacht. Das
politische Vakuum hätte dann der Ausfüllung bedurft. Hierfür hatte Baronyai
einen Plan ausgearbeitet und ihn Mindszenty unterbreitet, der ihn prüfte und
billigte und ihn schließlich in der Metallhülle unterbrachte, die im Keller
seines Palastes vergraben wurde. Der Plan, den Mindszenty im Gerichtssaal
verlas, lautete wie folgt:
"Wenn dieses große Vacuum juris eintritt, wird die allererste, die wichtigste
und die schwierigste Frage sein, ein auf moralischer Grundlage beruhendes
Regime zu finden. Es auf die besiegte Revolution (anderswo mit Bolschewismus
übersetzt) zu gründen, wäre politisch eine Unmöglichkeit. Das Hortyregime
wiederherzustellen, würde neue, unübersehbare Verwicklungen schaffen. Für eine
ruhige Entwicklung gibt es nur eine Möglichkeit. Das Fürstprimat des Landes
ist, mit der hohen Stellung des Fürstprimas (Mindszenty), als einzigem im
Lande durch die Überlieferungen von Jahrhunderten, von beinahe tausend Jahren,
geheiligt. Gemäß den altererbten Gesetzen unserer Nation wird bei Abwesenheit
des Königs die Herrschergewalt dem Fürstprimas in Verwahrung gegeben. Seine
Autorität ist von der öffentlichen Meinung des Landes nie in Frage gezogen
worden. In Not- oder Katastrophenzeiten hat die Nation stets erwartet, dass er
die Initiative ergreife. Heute liegt die außerordentlich glückliche Lage vor,
dass der jetzige Inhaber dieses Ranges Kardinal Jozsef Mindszenty, in den
beiden letzten Jahren, diesen besonders traurigen Jahren unseres nationalen
Lebens, das Prestige des Fürstprimates außerordentlich gehoben hat. Wohl
erstmals in der neueren Geschichte des Landes ist es dahin gekommen, dass
Protestanten - Kalvinisten und Lutheraner -, die auf nationaler Plattform
stehen, in ihm ebenfalls den wahren, prädestinierten Führer der Nation
erblicken. Heute ist die nationale Sehnsucht des ganzen Volkes in ihm
verankert. Auch in der Politik werden nur seine Worte befolgt. Wie der
Metropolit von Athen, scheint er die einzige zuständige Autorität zu sein, und
gleicherweise wäre es zu Beginn einer amerikanischen Besetzung hier seine
Pflicht, die neue Regierung zu ernennen."
Dem war eine Namenliste von Anwärtern auf die Ministerposten beigefügt!
Baronyai gab vor Gericht zu, dass Plan hätte der amerikanischen Gesandtschaft
unterbreitet werden sollen. Wozu? Damit die amerikanischen Besetzungsbehörden
zur gegebenen Zeit Mindszenty mit der Regierungsbildung beauftragten!
Inzwischen drängte der Kardinal die Amerikaner zum Eingreifen und versorgte
sie mit Berichten über die Lage im ganzen Lande. Vor Gericht erklärte er:
"Ich wünschte mit amerikanischer Hilfe einen Wechsel des Regimes
herbeizuführen. Aus diesem Grunde unterhielt ich regelmässige Verbindungen mit
den Budapester Gesandschaften der Westmächte."
Der Streit drehte sich auch um die ungarische Krone, die zur Zeit von der
amerikanischen Armee in Wiesbaden verwahrt wird. Deswegen schrieb Mindszenty
dem amerikanischen Gesandten, Chapin, am 31. August 1947:
"Mein Ansuchen an Sie geht dahin, von Ihrer Regierung die Anweisung zu
erwirken, dass die Krone durch die Armee an den gleichen apostolischen
Machthaber, seine Heiligkeit den Papst, weitergeleitet werde, dessen Vorgänger
im Jahre 1000 St. Stephan mit dieser heiligen Krone beschenkte. Da dies für
unsere Nation eine sehr wichtige Sache ist und Rückgabeforderungen oder ein
militärischer Vormarsch für die Krone verhängnisvoll werden könnten, kann nur
Rom Beruhigung bieten."
Auch Kardinal Spellman schrieb an den amerikanischen Kriegsminister, um die
Rückgabe der Krone an Ungarn zu verhindern. Warum wollte Mindszenty die Krone
haben? Die Antwort finden wir in seinem Geständnis:
"Für die Krönung Ottos (von Habsburg) wünschte ich mit allen Mitteln die
heilige ungarische Krone sicherzustellen. Darum unternahm ich alles mögliche,
um zu verhindern, dass die heilige Krone von den amerikanischen Heeresbehörden
der jetzigen ungarischen Regierung übergeben wird. Von einem militärischen
Vormarsch sprach ich (im Brief an Chapin), weil ich den Ausbruch des dritten
Weltkrieges erwartete."
Sowohl Mindszenty, als auch Zakar, sein Sekretär, sprachen von einer geheimen
Zusammenkunft zwischen dem Kardinal und Erzherzog Otto, die im Juli 1947, als
Mindszenty die Vereinigten Staaten besuchte, in einem Nonnenkloster bei
Chikago stattfand. Dabei wurde die Sache der Royalisten erörtert.
Am 23. Januar 1949, ein paar Tage vor der Gerichtsverhandlung, ersuchte der
Kardinal die amerikanische Gesandtschaft um Hilfe bei einem Versuch, aus dem
Lande zu fliehen, doch wurde dieser Brief abgefangen. Hernach schrieb er an
den Justizminister, dass er die ihm zur Last gelegten Straftaten zugebe,
wodurch, wie es ihm scheine, die Notwendigkeit für eine Gerichtsverhandlung,
soweit es seine Person betreffe, nicht mehr unbedingt vorliege und er darum
bitte, ihn mit Rücksicht auf seine Stellung nicht in den Prozess vom 3.
Februar einzubeziehen. Dieser Versuch, seine kirchliche Würde in die
Waagschale zu werfen und die Mitangeklagten im Stich zu lassen, misslang.
Der Prozess fand statt, und wenige Tage darauf erfolgte die
Urteilsverkündigung: Mindszenty wurde für schuldig erklärt und zu
lebenslänglicher Haft verurteilt; seine sechs Mitangeklagten erhielten
Gefängnisstrafen zwischen drei Jahren und lebenslänglich. Alle, mit Ausnahme
des Priesters Zakor, legten Berufung ein.
Auf dieses Gerichtsverfahren wurden in der westlichen Welt alle nur denkbaren
Schimpfnamen angewendet. Nun sollte man aber meinen, wenn es sich um eine so
offensichtliche Rechtsverdrehung handle, müsste der Gerichtsbefund durch eine
Unmenge von Tatsachen zu widerlegen sein. Aber nach dieser Seite war die
Zeitungspropaganda ebenso schwächlich, wie Mindszentys Verteidigung vor
Gericht.
Gericht über die Religion?
Um die Aufmerksamkeit von Mindszentys politischen Intrigen abzulenken, suchte
vor allem der katholische Klerus den Menschen weiszumachen, der Prozess habe
sich gegen die Religion, überhaupt gegen jede Religion gerichtet.
Beweise? Nichts da, auf solche Nebensachen lässt man sich nicht ein; und wenn
jemand etwas dagegen hat, bekommt er das Etikett "Kommunist" aufgeklebt! So
wird in Bausch und Bogen, hemmungslos, die Anklage erhoben: Russland hat der
christlichen Welt den Krieg erklärt!
Es ist kein Kampf zwischen Katholizismus und Kommunismus, sondern zwischen
jeder Art Christentum und dem gottlosen Kommunismus! Zwischen Christus und dem
Antichrist!
Der Mindszenty-Prozess reiht sich dem Gerichtsverfahren gegen Christus an, und
Budapest ist das Jerusalem des zwanzigsten Jahrhundert! Aber auch hier wieder
genügt dem nüchternen Sinn all diese Schaumschlägerei.
Keineswegs Beweise?
Mindszentys religiöse Tätigkeit wurde für die Anklage überhaupt nicht in
Betracht gezogen, nicht einmal seine herausfordernden Predigten und
Hirtenschreiben. Unter dem katholischen Klerus, wie auch unter der Laienschaft
Ungarns gab es solche, die schon seit einiger Zeit verlangt hatten, der
Kardinal solle sich zurückziehen, weil er ein Übereinkommen zwischen Kirche
und Staat unmöglich mache. Übrigens sind die staatlichen Aufwendungen für die
Religion in Ungarn immer noch höher, als es bei den meisten der grossen
Westmächte der Fall ist.
Mindszenty bezog vom Staat ein dreimal so hohes Gehalt wie der ungarische
Ministerpräsident! Das alles bleibt unberücksichtigt von solchen, die an der
Wahnvorstellung leiden, ein Mann im Priestergewand sei unantastbar und dürfe
auch für Unrecht nicht zur Verantwortung gezogen werden. …
Von protestantischer Seite wäre gegen die Ausschlachtung des
Mindszenty-Prozesses sicher kräftiger protestiert worden, als es geschehen
ist, wenn diese Kreise nicht befürchtet hätten, als Kommunisten verschrieen zu
werden. Immerhin wurde von einigen beklagt, dass mit dieser Sache der kalte
Krieg geschürt werde, und manche erinnerten daran, dass "die beiden grossen
Bedrohungen des Weltfriedens heute die kommunistische Internationale und die
papistische Internationale" sind. Die totalitären Neigungen des Vatikans sind
allzu gut bekannt. In Wirklichkeit ist die römisch-katholische Hierarchie,
mitsamt der ihr hörigen Presse, nicht aufrichtig an der Freiheit für alle
interessiert, sondern nur an der Freiheit für den Katholizismus. …
Die Religion sucht ein "Schwert der Kirche", um den Kommunismus zu durchbohren
und diese Bedrohung ihrer eigenen Existenz zu beseitigen. Sie schürt einen
Kreuzzug. Ihre eigenen Misserfolge aber bedeuten Erfolge für den Atheismus.
Nun ist sie bestürzt über das Sturmesgewölk im Osten und hat dazu alle
Ursache. Sie ist ja so verwundbar
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 02. August 2009 05:26
In beiläufigen Nebensätzen, zugleich aber garniert mit weiterer
Hoffnungshinhaltung, geht die WTG gelegentlich auch mal auf einige dunkle
Punkte ihrer Illusionsgeschichte ein. So etwa auch im "Wachtturm" vom 1.
August 1949.
Das Prinzip des "Hoffen und Harrens" wird dabei bewusst beibehalten. War es
nicht beim anvisierten Termin, dann eben "etwas" später; aber mit Sicherheit
"demnächst", so der WT-Tenor. Das was man dabei notgedrungen auch zugeben
muss, soll so zugleich wieder eliminiert werden. Sicherlich kann man der WTG
bestätigen, dass sie psychologische Taktiken beherrscht.
Da liest man in der genannten WT-Ausgabe auch den beiläufigen Satz:
"Während die Jahre des Ersten Weltkrieges
gegen 1918 vorrückten, dachten Jehovas Zeugen auf Erden, der Weltkrieg werde
direkt in die 'Schlacht von Harmagedon' münden, in welcher Weltanarchie die
Oberhand erhalten würde, wobei eines jeden Hand sich wider seinen Nächsten
erhebe. Unter dem Titel 'der Beginn der Wehen' hiess es in der Kriegsausgabe
des 'Wachtturm' vom 1. August 1915 (engl.):
'Wir sehen das Vorspiel zur grossen Schlacht von Harmagedon. Unser Gedanke
ist, dass Harmagedon selbst das mächtige Erdbeben sein wird, wovon die
Offenbarung spricht (Offb. 16: 16-18). In dieser grossen Revolution und in der
darauffolgenden Anarchie werden alle irdischen Einrichtungen weggefegt werden.
Das Ergebnis des Zornes, Hasses und Streites wäre, wenn man es unbegrenzt
andauern liesse, so schrecklich, dass es die Vernichtung des
Menschengeschlechts herbeiführen würde. Aber um der Auserwählten willen, damit
sie ihre herrliche Herrschaft beginnen können, wird Gott das Gemetzel
verkürzen und sein eigenes Königreich unter Christus und seiner auserwählten
Kirche aufrichten.'
Harmagedon ist im Jahre 1918 nicht gekommen."
Letzteren Satz aufnehmend, ist hinzuzufügen: Nicht "nur" 1918. Die gesamte
innere Geschichte des Christentums von seinen ersten Tagen an, ist doch die
Kultivierung einer Endzeitnaherwartung, die in der erwarteten Form - allen
tatsächlichen Schrecknissen zum trotz - (egal ob Weltkriege,
Pestkatastrophen, Geißlerzüge, 30jährige Kriege und was immer man da an
einschlägiges nennen will). Egal, trotz dieser Widerwärtigkeiten, ist die
Ursprungserwartung nie eingetreten.
Die sich institutionalisierende Kirche "lernte" daraus. Insbesondere ab dem
Zeitpunkt, wo sich eine besoldete Priesterschaft herausbildete. Dann eben ist
im Sinne eines Wortes von Loisy ernst gemacht worden, mit dem Satz:
Anstelle des Reiches Gottes kam die Kirche.
Auch bei den Zeugen wiederholte sich dieses Spiel. Randvokabeln verdeutlichen
es auch.
Etwa wenn man davon redete, nunmehr eine "Neue Welt Gesellschaft" zu sein;
etwa wenn ihre Funktionärsschicht von "Dienern" zu "Aufsehern" avancierten.
Man erinnere sich auch daran, dass Himmler seine KZ-Schergen nie als "Diener"
titulierte, sehr wohl aber als Aufseher. Dann hat man einen keineswegs so
abwegigen Vergleich, wohin der "Hase läuft".
Die Aufseher bestimmen, immer zum Wohle ihrer eigenen Kaste. Ihre Untergebenen
notfalls auch mal "verheizend", egal ob politisch verursacht (Stichworte
Naziregime und DDR, Malawi usw.) oder dogmatisch motiviert
(Stichwort Bluttransfusionsproblematik, Ersatzdienstverweigerung usw.).
Die WTG-Aufseher herrschen wirklich, im negativsten Sinne des Wortes. Sie
sind eine wirkliche Kirchenhierarchie, wie es deren davor schon mehr als genug
gab. Indem diese Grenze, der glasharten Institutionalisierung, der absoluten
Herrschaft von oben nach unten, überschritten wurde, hat auch die Bewegung der
Zeugen Jehovas, wie so viele vor ihnen, und wahrscheinlich auch nach ihnen,
ihre "Unschuld" und Glaubwürdigkeit, endgültig verloren!
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 09. August 2009 04:47
"Erwachet!" vom 8. August 1949 berichtet aus Argentinien:
"Am 3. April unterbrach die Polizei von Buenos Aires einen öffentlichen
Bibelvortrag, den sie vorher genehmigt hatte, mitten in seinem Verlauf,
verhaftete den Redner, einen Bürger der Vereinigten Staaten, und ging daran,
die gesamte Zuhörerschaft von 1200 Männern, Frauen und Kindern ebenfalls zu
verhaften. Der Polizeiwagen brachte in vielen Fahrten eine Gruppe Zuhörer nach
der anderen ins Polizeipräsidium, bis ihm das Benzin ausging, worauf die
übrigen Anwesenden im Versammlungssaal eingeschlossen und polizeilich bewacht
wurden.
Die Polizei hatte am 31. März die vor mehreren Wochen erteilte Genehmigung für
eine dreitägige Zusammenkunft der Zeugen Jehovas in Los Ambassadeurs von
Buenos Aires zurückgezogen. Das Kernstück der Zusammenkunft sollte ein
öffentlicher Vortrag von N. H. Knorr, dem Präsidenten der Watchtower Bible and
Tract Society in Brooklyn (N. Y.) sein.
Die Genehmigung wurde erst einen Tag vor Beginn des angekündigten Kongresses
rückgängig gemacht. Gründe für ihr Vorgehen abzugeben, lehnte die Polizei ab,
genehmigte aber die Abhaltung der Zusammenkunft im Königreichssaal der Zeugen
Jehovas von Buenos Aires, wo schon seit acht Jahren regelmässig Versammlungen
stattfinden. Am Freitag waren 672, am Samstag 772 Teilnehmer zugegen.
Es wurde ein Gesuch gestellt, den öffentlichen Vortrag in Los Ambassadors
abhalten zu dürfen, weil der Königreichssaal zu klein ist, doch lehnte man
dieses Gesuch in letzter Minute ab. Bei der argentinischen Polizei soll es
gang und gäbe sein, etwas erst in letzter Minute rückgängig zu machen oder zu
verweigern, damit es den Veranstaltern unmöglich wird, andere Anordnungen zu
treffen oder Beschwerden einzulegen, die noch rechtzeitig erledigt werden
können. Der Vortrag begann am 3. April nachmittags 4 Uhr. Es waren 1200
Personen zugegen. Zwanzig Minuten vor fünf wurde der Vortrag von der Polizei
unterbrochen. Ohne ein Wort der Erklärung begann man mit dem Abtransport der
Anwesenden auf das Polizeipräsidium. Die Polizisten, deren man 46 zählen
konnte, hatten ihre Revolver gezogen und hielten Tränengasbomben in der Hand.
Den jeweils dreissig Personen, die mit dem Wagen zur Polizei geführt wurden,
untersuchte man vorher die Taschen. Die Polizei merkte bald, dass der
Abtransport aller 1200 Personen die ganze Nacht beansprucht hätte, und ließ
darum zuerst die Frauen mit Kindern gehen und später alle Frauen. Als dem
Polizeiwagen das Benzin ausging, schloss man die verbliebenen Männer im Saale
ein und stellte davor einen Polizeiposten auf.
Auf dem Polizeipräsidium nahm man die Personalien des Herrn Knorr und seiner
engen Mitarbeiter auf und fertigte Fingerabdrücke an, wie das auch mit allen
anderen Eingelieferten geschah, deren Zahl sich schliesslich auf rund 500
belief. Sie mussten sich in einem ungedeckten Hof des Polizeipräsidiums
aufhalten, hatten keine Sitzgelegenheit, hatten seit Mittag nichts zu essen
bekommen und waren der Kälte ausgesetzt. Als Herrn Knorr morgens vier Uhr
weggehen durfte, waren sie immer noch dort.
Die Montagsblätter von Buenos Aires enthielten keine Meldung über die
gewaltsame Beendigung des biblischen Vortrags über die Massenverhaftungen …"
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. August 2009 05:17
Einer bekannten Streitfrage zwischen den Zeugen Jehovas und etlichen anderen
Kirchen, widmet sich die "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. August 1949.
Wieder einmal geht es darum, wie denn ein Jesuanisches Wort "recht" zu
verstehen sei.
"Heute wirst du mit mir im Paradies sein", wie es die Kirchen interpretieren.
Oder "Ich sage dir heute, Du wirst mit mir im Paradies sein."
Streitet man sich da um des Kaisers Bart? Aus der Sicht jener, für die die
Bibel nur ein interessantes Buch, aber nicht "Gottes Wort" ist, sicherlich.
Jene die diese Position nicht zu teilen vermögen, sehen es indes anders. Da
geht es in deren Sicht ans "Eingemachte"; dieweil sich aus der
unterschiedlichen Interpretation, unterschiedliche, weitergehende Folgerungen
ableiten ließen.
Wer dem Standpunkt zuneigt, "heute wirst Du mit mir im Paradiese sein"; für
den ist es durchaus logisch, dass zum Beispiel das Lazarus-Gleichnis wörtlich
zu verstehen sei. Wörtlich verstanden, gäbe es also eine Hölle.
Jahrhundertelang war das dann auch weitgehender Konsens zwischen den
unterschiedlichen Kirchen. Mag sie einiges getrennt haben, in der Regel die
Machtansprüche ihres Führungspersonals. In dieser Detailfrage waren sie doch
wieder einig.
Und da trat nun in der Neuzeit die Bibelforscherbewegung (jetzige Zeugen
Jehovas) in Erscheinung, und kippte dieses Konsens. Große Empörung darüber
allerorts. Einige konnten sich in ihrem "heiligen Zorn", angesichts dieses
"Sakrilegs" gar nicht genug tun. Das ist die kaum verhüllte Vorstufe zum puren
Unglauben, verkündeten sie mit zittriger oder auch lautstarker Stimme.
Exemplarisch studierbar an der mit „Schaum vorm Maul"-Agitation des
katholischen Herrn Schlegel
Das mag mit dem Unglauben mag so sein, oder nicht. Fakt ist, dass hier eine
Detail-Übersetzungsfrage auf den Stand einer Grundsatzfrage erhoben wurde.
Verstehen die einen, jene Aussage wörtlich, so ziehen andere es vor sie
symbolisch zu interpretieren. Also doch der Streit um des Kaisers Bart!
Die symbolischen Interpretierer, in diesem Falle die Zeugen Jehovas, gelangen
dabei aber auf eine immer größer werdende abschüssige, schiefe Bahn.
Ein Beispiel dafür liefert auch vorgenannte WT-Ausgabe, wo man versucht sich
auch mit der in der Bibel enthaltenen Aussage von einer Entrückung in den
dritten Himmel auseinanderzusetzen. Letztendlich hat man dabei schlechte
Karten. Man ist genötigt immer mehr Aussagen, die man durchaus auch
buchstäblich verstehen könnte, zu symbolisieren. So auch diesen "dritten
Himmel", den man nicht buchstäblich, sondern symbolisch glaubt deuten zu
können.
Ob die Verfasser jener Bibelaussagen indes daran geglaubt haben, es würden mal
spätere "Jünger" kommen, die Aussagen die sie als wörtlich verstanden wissen
wollten; symbolisch erklären würden, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.
Das vorwissenschaftliche Weltbild der Bibelschreiber und ihre neuzeitlichen
Symbolik-Ausleger, sind sich so "nah" wie Feuer und Wasser.
Was nun, mag die Rückfrage kommen. Gilt die Symbolik-Auslegung nicht, dann
muss es also doch eine Feuerhölle usw. geben. Die ist aber wissenschaftlich
bis heute im Wortsinne nicht erwiesen. In der Tat, dass ist sie nicht.
Betrogene Betrüger gibt es offenbar auf beiden Seiten dieses Streites!
Re: Vor sechzig Jahren / heute
geschrieben von: Frau von x
Datum: 16. August 2009 13:44
Zitat:
Drahbeck
Einer bekannten Streitfrage zwischen den Zeugen Jehovas und etlichen
anderen Kirchen, widmet sich die "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. August 1949.
...
"Heute wirst du mit mir im Paradies sein", wie es die Kirchen
interpretieren.
Oder "Ich sage dir heute, Du wirst mit mir im Paradies sein." ...
Folgender Text findet sich im WT für die
Öffentlichkeit vom 1.AUGUST S.23:
Kurz vor seinem Tod sagte Jesus zu einem Verbrecher, der wie er am
Sterben war: "Du wirst mit mir im Paradies sein" (Lukas 23:43).
Jemand der sich nicht in der Bibel auskennt
oder keine Neue-Welt-Übersetzung besitzt, weiß nicht, daß es dort genau heißt:
"Wahrlich ich sage dir heute: ...".
Warum wurde der Text nicht korrekt
wiedergegeben oder zumindest durch ... nach den Anführungsstrichen angezeigt,
daß man etwas weggelassen hat?
Bin ich einfach nur kleinlich?
Re: Vor sechzig Jahren / heute
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. August 2009 14:49
Nun, schon seit Russells Tagen, ist ja der WTG bekannt, dass ihre Art der
Interpretation zu Luk. 23, 43 lediglich auf der Interpunktion beruht.
Baut man ein Komma in den Text ein, kann man einen ganz anderen Sinn
herauslesen; als wenn der gleiche Text ohne Komma gelesen wird.
Zudem gab es diese Interpunktion (Zeichensetzung) in den Ursprungstexten ja
gar nicht. Das kam erst alles später auf.
Insofern ist den WTG-Granden sehr wohl bewusst, auf welch schwachen Füßen ihre
These basiert.
Man bedient sich da mit Vorliebe der Hilfskonstruktion, der Sinn des
"göttlichen Planes", wie ihn die WTG verstehen (will) als Gott der
Liebe, könne halt keine Feuerhölle und ähnliches gebrauchen, wovon die
Petrusapokalypse plastisch redete (auch wenn die siegreiche Kirche, selbige
"Petrusapokalypse" mit dem Stigma "apokryph" versah). Jedenfalls wie diese
Schriften (damals) mal neu waren, wurden sie sehr wohl als echt gehandelt,
unter den Zeitgenossen.
Ein Herr H. soll dem vernehmen nach (was dann ja auch praktiziert wurde mit
dem inszenierten Überfall auf den Sender Gleiwitz, am 31. 8. 1939, als Beginn
des Krieges gegen Polen).
Besagter Herr H. soll da ja wohl mal geäußert haben.
Es wird propagandistischer Anlass gegeben werden, und der Sieger wird später
nicht gefragt werden, ob der zu Recht bestand oder nicht.
Es wäre wohl etwas blauäugig zu meinen, dass diese Art von "Philosophie" nur
einem Herrn H. zu eigen wäre.
Das machte schon die siegreiche Kirche der Frühzeit so, mit ihrer
Aussortierung gewisser Schriften als "apokryph".
Aussortierung deshalb, dieweil sie nicht ins Konzept der siegreichen Kirche
mehr passten, und da wurde halt "propgandistischer Anlass" gegeben.
Gelehrige Schüler vorgenannter werden sich nicht in
Detail-Auseinandersetzungen, in Schriften für die Öffentlichkeit aufhalten.
Da wird einfach nur behauptet, und was unbequem unter den Tisch verschwinden
gelassen.
Dann die "Partei", "Kirche" ersatzweise "Leitende Körperschaft", muss ja immer
recht haben.
Passt etwas nicht, wird es halt "passend" gemacht!
Man vergleiche mal (beispielsweise) wie die Menge-Übersetzung Lukas 23,43
wiedergibt:

Und da, wie aus dem Textausriss ersichtlich ist, verweist die
Menge-Übersetzung mittels ** auf eine zugehörige Fußnote.
Selbige sei dann auch noch zitiert:
"Abzulehnen ist die Übersetzung: "Wahrlich ich sage dir (schon) heute: Du
wirst mit mir im Paradiese sen."
Diese Übersetzung verkennt völlig, was mit dem Paradies gemeint ist, nämlich
der Ort, an dem die Gerechten der Vollendung des Reiches Gottes
entgegenharren."
Re: Vor sechzig Jahren / heute
geschrieben von:
X ~ mysnip
Datum: 17. August 2009 23:37
Zitat:
Drahbeck
Nun, schon seit Russells Tagen, ist ja der WTG bekannt, dass ihre Art der
Interpretation zu Luk. 23, 43 lediglich auf der Interpunktion beruht.
Baut man ein Komma in den Text ein, kann man einen ganz anderen Sinn
herauslesen; als wenn der gleiche Text ohne Komma gelesen wird.
Im Buch Geschichte der Zeugen Jehovas erwähnst du interessanterweise
Reinhardt.
http://books.google.de/books?id=dYVWgHsYxJkC&pg=PA39&dq=wahrlich+ich+sage+dir:+du+wirst+mit+mir+im+Paradies+sein&source=
Seine Übersetzung entspricht nicht der Menge-Auslegung.
Zitat:
Man vergleiche mal (beispielsweise) wie die Menge-Übersetzung Lukas 23,43
wiedergibt:

Vegelahn zählt einige Bibeln auf, die dem Sinn der NWÜ
entsprechen.
Reinhardt
,,Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich,
ich sage dir heute:
Mit mir wirst du im Paradies sein."
http://www.bibelarchiv-vegelahn.de/Lukas_23_43.html
Die Volxbibel
,,Eins
kann ich dir heute sicher versprechen:
Du wirst mit mir im Paradies landen!"
Wenn ich mich recht erinnere, fragte mal jemand zu dieser Art von
Interpretation:
Wann hätte Jesus es angesichts des Todes auch sonst versprechen sollen?
Re: Vor sechzig Jahren / heute
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 18. August 2009 05:03
Möglicherweise muss man es auch so deuten, dass in dieser Streitfrage Russell
(und Nachfolger) nicht eigenständig waren.
Schon in adventistischen Kreisen lässt sich ähnliches nachweisen.
E. Rühling etwa, schreibt in seinem im adventistischen Saatkorn Verlag
erschienenen Buch "Am Scheideweg" (S. 166, 167; Zitierung ohne inhaltliche
Bewertung):
"Der Doppelpnkt vor dem Wort 'heute' gibt dem Satz einen ganz andern Sinn. Wir
dürfen nämlich nicht vergessen, daß die Zeichensetzung für die Heilige Schrift
erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts eingeführt wurde. Damals wurde der
Doppelpunkt als Folge der inzwischen ins Christentum eingesickerten Irrlehre
von der Unsterblichkeit der Seele an die falsche Stelle gesetzt und stört nun
das Verständnis der tatsächlich vom Heiland gegebenen Verheißung."
Es waren (und sind) in der "klassischen Theologenzunft" nicht viele, die in
dieser Streitfrage auf der Seite von Russell und Nachfolger stehen.
Reinhardt ist in der Tat einer der Wenigen, auf den das zutrifft.
In einem von seinem Schüler Staehelin herausgegebenen Buch, findet man dann
auch Schriftwechsel zwischen Reinhardt und Russell-Jüngern dokumentiert, wo
genannte Herrschaften sich gegenseitig ihre Hochachtung bekunden.
Zu Reinhardt kann man auch vergleichen:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,26783
04. Mai 2009 03:57
Noch ein N ... Bericht
Dort auch eine Verlinkung zu dem Kapitel im Buch "Geschichte der Zeugen
Jehovas", wo auf Reinhardt weiter eingegangen wird (außerhalb der auch
möglichen Google-Variante).
Re: Vor sechzig Jahren / heute
geschrieben von:
X ~ mysnip
Datum: 18. August 2009 23:18
Zitat:
Drahbeck
Möglicherweise muss man es auch so deuten, dass in dieser Streitfrage
Russell (und Nachfolger) nicht eigenständig waren.
Schon in adventistischen Kreisen lässt sich ähnliches nachweisen.
E. Rühling etwa, schreibt in seinem im adventistischen Saatkorn Verlag
erschienenen Buch "Am Scheideweg" (S. 166, 167; Zitierung ohne inhaltliche
Bewertung):
"Der Doppelpnkt vor dem Wort 'heute' gibt dem
Satz einen ganz andern Sinn. Wir dürfen nämlich nicht vergessen, daß die
Zeichensetzung für die Heilige Schrift erst gegen Ende des 15.
Jahrhunderts eingeführt wurde. Damals wurde der Doppelpunkt als Folge der
inzwischen ins Christentum eingesickerten Irrlehre von der Unsterblichkeit
der Seele an die falsche Stelle gesetzt und stört nun das Verständnis der
tatsächlich vom Heiland gegebenen Verheißung."
Es waren (und sind) in der "klassischen Theologenzunft" nicht viele, die
in dieser Streitfrage auf der Seite von Russell und Nachfolger stehen. ...
Dem rot Hervorgehobenen entspricht ebenso die Auslegung der
Missionszeitschrift vom MHA e.V..
Fundament für ein befreites
Leben - Auf der Suche nach der unsterblichen Seele Nr. 3 2008 S.
22, 23
,,Noch heute im Paradies?"
http://www.hoffnung-weltweit.de//Publikationen/auf-der-suche-nach-der-unsterblichen-seele.pdf
Informationen zum MHA e.V.:
http://www.ekd.de/ezw/42714_informationen_das_missionswerk_historischer_adventisten_eine_neue_splittergruppe.php
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 23. August 2009 06:05
Seinen einleitenden mit "Eingesandt" gezeichneten Artikel gibt "Erwachet!" in
seiner Ausgabe vom 22. 8. 1949 den Titel: "Die Aramco schafft sich ein
Weltreich. Eine Studie über Monopole." Und dieser Abkürzungsname wird dann in
dem Artikel aufgelöst als "Arabian American Oil Co"
Also ums begehrte Erdöl dreht es sich. Und führt man sich den Artikel dann im
Detail zu Gemüte, könnte man fest meinen, einen zeitgenössischen
USA-kritischen Artikel aus einer kommunistischen Gazette zu lesen. Aber eben
nur "fast". So äußert dieser "Eingesandt" unter anderem:
"Und während sie sich um die Zahlung von Einkommenssteuern drückte, brach sie
auch ihr Versprechen, als Gegenleistung für den Schutz, den ihr eigenes Land
ihr gewährte, diesem Land Petroleumprodukte zu einem angemessenen Preis zu
liefern. Mit Hilfe schamloser Lügen überforderte sie die Kriegsmarine der
Vereinigten Staaten im grössten Trubel des zweiten Weltkrieges um mehr als 38
000 000 Dollar für Petroleum, während sie andere Länder, darunter auch das
feindliche Japan, zu niedrigeren Preisen belieferte. Bei alledem darf man
sicher sein, dass es die ARAMCO während ihres rücksichtslosen Aufstieges
niemals an Hurra-Patriotismus fehlen liesse."
In diesem Stil verbreitet sich der "Eingesandt" in diesem Artikel weiter.
Dennoch bleibt ein gewisser fader Rückgeschmack dabei zurück. Zusammenfassbar
in dem Satz. Wieder einmal wird das Rezept verwandt:
"Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass."
Das was der "Eingesandt" da mitteilt, ist wohl kaum als exklusiv zu
bezeichnen. Er bietet allenfalls eine thematisch konzentrierte Presseschau,
wiederholt also nur das, was andere vor ihm schon ausgeführt haben. Dennoch
versäumt es dieser Artikel auch nicht, seinen Lesern zum Artikelende dann noch
eine bestimmte Orientierung mit auf den Weg zu geben. Die liest sich in
"Erwachet!" dann so:
"Solch bedrückende Monopole sind eine Begleiterscheinung des Kapitalismus.
Totalitäre Bedrückung ist eine Begleiterscheinung des Kommunismus. Von keiner
dieser beiden Seiten könnte der Menschheit Hilfe kommen in ihrem Leid. Nur
Jehovas Königreich mit Christus als König, wird die Bedrückten aus ihrer
misslichen Lage befreien."
Man nutzt das alles wieder einmal, als Wasser auf die eigenen Endzeitmühlen.
"Zahlbar" am Sankt Nimmerleinstag!
"Wird die ehrfurchtgebietende Erscheinung des Nordlichts durch ein
Zusammenwirken von Sonnenflecken und Erdstürmen inszeniert?" fragt "Erwachet!"
in dieser Ausgabe weiter, um darauf zu antworten:
"'Morgendämmerung des Nordens' ist die buchstäbliche Bedeutung von 'Aurora
borealis', einem Namen, den man dieser prächtigen, dem Menschen Ehrfurcht
einflössenden Naturerscheinung seinerzeit gab, weil sie gewöhnlich nach Norden
zu beobachtet wurde und weil das am nördlichen Himmel aufglimmende Licht
besonders in den niederen Breiten einer Morgendämmerung ähnlich schien. Jetzt
bezeichnet man dies einfach als 'Nordlicht'. ...
Durch Beobachtung wurde festgestellt, dass die gewaltigen Stürme, die uns auf
der Sonnenoberfläche als Sonnenflecken sichtbar werden, sich in Zyklen von
ungefähr elf Jahren allmählich von einem Minimum zu einem Maximum steigern,
und dass auch das Nordlicht in Zyklen von gleicher Dauer an Häufigkeit
zunimmt, im Gleichmass mit den Sonnenflecken. Offenbar hängen die beiden
Naturerscheinungen miteinander zusammen.
Nach der neuesten Theorie werden von diesen Sonnenflecken aus riesige Mengen
Wasserstoffatome in den Raum geschleudert, etwa wie von einem Vulkanausbruch,
oder vielleicht eher noch dem Wasserstrahl aus einem ungeheuren Schlauch
vergleichbar. Solche Wasserstoffströme spritzen in grosser Zahl von den
verschiedensten Stellen der Sonne aus nach vielen Richtungen. Was dabei die
treibende Kraft ist, bleibe dahingestellt; jedenfalls steht fest, dass die
magnetischen Stürme, von denen die in den mittleren Breiten gesehenen hellen,
wandernden Nordlichter stets begleitet sind, vierundzwanzig bis fünfundzwanzig
Stunden nach der Zeit eingetreten, wo der zugrundeliegende Sonnenfleck den
mittleren Meridan der Sonne durchschritt, also wo der Sonnenfleck in die
Richtung der Erde 'zielte'. Um in dem angegebenen Zeitraum den Weg von der
Sonne bis zur Erde zu durchlaufen, müssen die abgeschossenen Teilchen in der
Sekunde rund 1600 km zurücklegen.
Diese magnetischen Stürme sind nicht zu verwechseln mit den elektrischen, den
Gewittern. Magnetische Stürme können bei ganz wolkenlosen Himmeln vor sich
gehen, ohne dass man etwas sieht, ausser dem Polarlicht. Aber diese Stürme
stören die Fernsprech-, Fernschreib- und Radioverbindungen und verursachen
unregelmässige Abweichungen der Kompassnadel. Deshalb versucht man jetzt, mit
einigem Erfolg, solche Stürme vorherzusagen."
Und dieser "Erwachet!"-Artikel schließt mit der Aussage:
"Früher haben aussergewöhnliche Nordlichter, die doch nur ein Zeichen der
Macht des Schöpfers und seiner Liebe für die Geschöpfe sind, religiösen Leuten
manchmal Angst und Bestürzung eingejagt, weil sie dabei plötzlich auf die Idee
kamen, nun werde der Erdball in Flammen aufgehen ..."
An dieser Darstellung stört eigentlich nur eines. Die zur Schau getragene
"Abgeklärtheit", in der man solche Naturgeschehnisse in diesem Falle zu
verkaufen sich bemüht.
"Früher haben (solche Geschehnisse) ... manchmal Angst und Bestürzung
eingejagt:"
Wirklich "blos früher".
Aus dem Munde der WTG wirkt solch wie Votum wie der Wettkampf zwischen dem
Hasen und dem Igel. Der Haase keucht mit aller Gewalt durch die Furchen, um
sich am Ziele doch immer wieder von seinem Widerpart anzuhören: "Ich bin schon
lange da". Das der Igel dabei mit List und Tücke arbeitete, wird "großzügig"
verschwiegen.
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
X ~ mysnip
Datum: 23. August 2009 20:29
Zitat:
"Erwachet!" vom 22. 8. 1949
"Früher haben
aussergewöhnliche Nordlichter, die doch nur ein Zeichen der Macht des
Schöpfers und seiner Liebe für die Geschöpfe sind, religiösen Leuten
manchmal Angst und Bestürzung eingejagt, weil sie dabei plötzlich auf die
Idee kamen, nun werde der Erdball in Flammen aufgehen ..."
An dieser Darstellung stört eigentlich nur eines. Die zur Schau getragene
"Abgeklärtheit", in der man solche Naturgeschehnisse in diesem Falle zu
verkaufen sich bemüht.
"Früher haben (solche Geschehnisse) ...
manchmal Angst und Bestürzung eingejagt:"
Wirklich "blos früher".
Aus dem Munde der WTG wirkt solch wie Votum wie der Wettkampf zwischen dem
Hasen und dem Igel. Der Haase keucht mit aller Gewalt durch die
Furchen, um sich am Ziele doch immer wieder von seinem Widerpart
anzuhören: "Ich bin schon lange da".
Das der Igel dabei mit List und Tücke arbeitete, wird "großzügig"
verschwiegen.
Die WTG in der Rolle des pfiffigen Igel?
Hier eine Variation der Geschichte.
http://www.youtube.com/watch?v=kw7FI1ooL4A

Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 02. September 2009 05:45
Bereits in der "Erwachet!"-Ausgabe vom 8. August 1949 war ein Bericht über
Argentinien enthalten, der im Detail beschrieb, wie eine beabsichtigte
öffentliche Veranstaltung der Zeugen Jehovas behindert; und nachdem sie
trotzdem begonnen hatte, schließlich polizeilich gesprengt wurde.
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,30601,32859#msg-32859
Unter den dabei Verhafteten befand sich auch WTG-Präsident N. H. Knorr.
Letztere suchte sich nach Kräften zu wehren, durch Einschaltung von
Rechtsanwälten usw. Allein dies konnte nicht verhindern, dass auch er etliche
Stunden sich im Polizeigewahrsam befand, unter entwürdigenden Umständen.
Immerhin gelang es ihm, aufgrund seiner Interventionen, einige Stunden früher
wieder freigelassen zu werden, als die übrigen Verhafteten.
In der "Wachtturm"-Ausgabe vom 1. September 1949 wird auf diese Vorgänge
erneut, und noch ausführlicher eingegangen. Es drängt sich in der Tat der
Eindruck auf, dass da bürgerliche Freiheitsrechte, gemäß westlichen Maßstäben,
gröblichst missachtet wurden. Ihren Frust lässt die WTG dann auch in einer
Bemerkung zum Ausdruck kommen, die den Argentinischen Herrscher Peron mit
Hitler vergleicht.
Auch in Argentinien hatte es die Presse abgelehnt, darüber zu berichten. Das
liest sich im WT so:
"Gemäss Berichten hatten die Montagsblätter in Buenos Aires, die englischen
wie die spanischen, nichts über die Polizeiaktion zu melden. Es wurde uns
gesagt, dass über derartiges nicht Bericht erstattet werde; doch wird es
bestimmt die 1200 Personen, die dem Vortrag beiwohnten, nicht am Reden
hindern. Und wenn 1200 Leute in ganz Argentinien zu sprechen beginnen, werden
die Nachrichten in Umlauf kommen. Es wird interessant sein zu beobachten, ob
Argentinien dem gleichen Muster folge wie Hitler …"
Im Gegensatz zur argentinischen Presse, ging die US-Tageszeitung "New York
Times", in einer kurzen Meldung, doch auf diese Vorgänge ein. Über deren Text
war die WTG alles andere als erfreut. Dies wiederum bewirkte, dass
WTG-Vizepräsident Franz, postwendend eine "Berichtigung" an die "New York
Times" einsandte; allerdings ohne gewünschten Erfolg.
In ihrer vom 28. 4. 1949 datierten Antwort an Franz, schrieb die "New York
Times":
"Geehrter Herr Franz!
Wir schätzen die Aufmerksamkeit und das Interesse, das Sie veranlasst hat, uns
die beigeschlossene Einsendung zu übermitteln, bedauern aber, dass wir davon
nicht Gebrauch machen können.
In Aufrichtigkeit
The New York Times
Briefredaktor"
In der von der WTG kritisierten Meldung der "New York Times" war zu lesen:
"Buenos Aires, 13. April -
Nathan Homer Knorr, Präsident der Wachtower Bible and Tract Society von
Brooklyn, der Herausgeberzweigstelle der Zeugen Jehovas, wurde zusammen mit
einer Zuhörerschaft von mehr als 200 Personen verhaftet, als er hier kürzlich
eine Ansprache zu halten suchte. Die Polizei sagt, dass die erforderliche
Genehmigung für den Vortrag nicht erlangt worden sei.
Mr. Knorr, der jetzt in Rio de Janeiro weilt, und all die andern wurden kurz
nach ihrer Verhaftung wieder freigelassen.
Weder die Polizei noch Mitglieder von Jehovas Zeugen sind begierig, von dem
Vorfall zu sprechen, der sich am Sonntag vor einer Woche ereignete, und die
Presse hat nichts davon erwähnt."
Man wird der WTG konzedieren müssen, dass die Behauptung, auch Jehovas Zeugen
wollten darüber nicht sprechen, eine maßlose Falschdarstellung ist. Se wollten
schon; nur sie bekamen eben keine Tribüne dafür, mit Ausnahme ihrer eigenen
Publikationen.
Vielleicht sollte man dabei aber auch die Größenordnungen noch mit im Blick
haben.
Gemäss eigenen Angaben gab es im Jahre 1945 363 Verkündiger der Zeugen Jehovas
in Argentinien. Zum Zeitpunkt dieses Vorfalles, war deren Zahl dann auf 1149
angestiegen.
Wie bereits zu lesen war, hat die WTG in ihrer Reaktion darauf, dass
argentinische Peron-Regime in die Nähe des Hitlerregimes gerückt. Und da
stellt sich in der Tat die Frage, was für eine Motivation diesem Eklat
letztendlich zugrunde lag. Auch die WTG bemüht sich dieser Frage nachzugehen.
Sie zitiert dazu einige Aussagen, die ihrer Meinung nach zum "Lichtbeschaffen"
geeignet wären. Rückblickend wird man wohl eher meinen, sie beschaffte
Zwielicht.
Bürgerliche Freiheiten hat Argentinien mit diesem Vorfall eklatant mit Füßen
getreten. Das steht außer Frage. Verstand sich indes das Peronregime wirklich
als Kopie des Hitlerregimes? In seinem Selbstverständnis wohl kaum. Noch waren
die rund 1200 damaligen Zeugen Jehovas dort, für das herrschende Regime eine
Splittergruppe, der man wohl kaum intensivere, und vor allem auch
differenziertere Aufmerksamkeit zuwandte. Insofern wiederholt sich, etwas
abgemildert, auch im Falle Argentinien das Hitlersche Prinzip. Und das heißt:
Rasenmähermethode.
Das sind aber meines Erachtens schon die einzigsten Gemeinsamkeiten. Der "Hase
liegt im Pfeffer" wohl eher dahingehend, dass da ein unbestimmtes Gefühl des
Widerspruches gegen US-koloniale Bestrebungen, sich auch an diesem Ort und an
diesem Objekt, sichtbar machte.
Dies wird auch daran deutlich, dass auch die WTG zitiert, das argentinische
Peron-Regime habe erst kürzlich mit der Neuausstrahlung einer Radiosendung in
die USA begonnen. Dazu liest man:
"Peron beginnt mit Kurzwellenreden
Im Programm, das nach den US, ausgestrahlt wurde, sagt er, die 'Stimme' wolle
ehrliche Angaben über Argentinien machen.
Von Virginia Lee Warren
Sondersendung an The New York Times.
Buenos Aires, 11. April -
Juan Peron, Präsident eines Landes, dessen Wirtschaft weitgehend unter der
Regierungsgewalt steht, sang heute Abend das Lob der Privatunternehmung in
einer Radioansprache an die Vereinigten Staaten. Er sagte auch, der Zweck des
neuen täglichen Kurzwellenprogramms bestehe darin 'über die Ergebnisse unseres
harten Kampfes um ein besseres Land und um eine im Interesse ihrer
wesentlichen Pflichten geschlossenere Menschheit ehrlich Bericht zu
erstatten.'
Die Radioansprachen, die unter dem Titel 'Stimme von Argentinien' bekannt sein
sollen, sollten am 1. Mai beginnen; doch heute Abend nahmen sie unerwartet
einen eindrucksvollen Anfang, als sowohl Sefior als Sefiora Peron sprachen."
Als ein weiteres Argentinien-spezifisches Zitat wird im WT noch zitiert:
"Wir fragten uns, welchen Lauf General Juan D. Peron in den kommenden Tagen
einschlagen werde, in Anbetracht seiner Rede, über die im Buenos Aires
'Harald' vom Sonntag, 3. April 1949, wie folgt zu lesen war:
"BÜRGERSTREIT WIRD DEM INTERNATIONALEN KAMPF VORAUSGEHEN"
Präs. Peron über die Frage, wie der nächste Krieg beginne.
Der nächste Krieg wird nicht mit militärischen Operationen beginnen, sondern
in 90 Prozent der Länder, die schliesslich darin verstrickt werden, wird er
mit Streit unter dem Volke selbst beginnen, was mit Leichtigkeit zum
Bürgerkrieg führt. Präsident H. E. Peron sagte gestern in seiner Ansprache an
höhere Offiziere anlässlich der Einführungssitzung ihres Stabstudienkurses …
Er fuhr weiter:
"Es wird die Verantwortung einer Regierung sein, dafür zu sorgen, dass zivile
Streitigkeiten nicht einem Kriege vorausgehen. Dies kann geschehen, indem
Spaltungen unter den Massen vermieden werden, damit ein Land nicht durch Chaos
überwältigt werde.
Die Zeit hierzu ist die Zeit, da Friede herrscht, und es kann bewirkt werden
durch die Harmonie zwischen den bewaffneten Streitkräften und der Regierung."
Aus diesem Grunde, sagte der Präsident, unterstütze er den Gedanken
gemeinsamen Studiums der Vertreter der bewaffneten Streitkräfte und der
Ministerien.
Er hob auch die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit den bewaffneten
Streitkräften des Innern hervor."
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 09. September 2009 07:15
Als Fortsetzungs-Serie aus dem WTG-Buch "Theokratische Hilfe für
Königreichsverkündiger" offeriert "Erwachet!" in seiner Ausgabe vom 8. 9. 1949
dessen 81. Kapitel überschrieben
"Der Kampf der Hierarchie gegen die junge Demokratie."
Genanntes WTG-Buch, Englisch 1945, in Deutsch aber erst 1950 erschienen,
enthält in seinem letzten Abschnitt, welcher "Religion" überschrieben ist, in
begrenzten Umfange, auch gewisse geschichtliche Erkenntnisse darüber.
Selbstredend Interessegeleitet. Und auch in diesem Falle, mit einem starken
antikatholischen Akzent. Wie gesagt, brachte nun "Erwachet!" daraus schon mal
als Vorabdruck, einige dieser Kapitel. Nachstehend dann einige Auszüge aus dem
die katholische Kirche betreffenden WTG-Ausführungen:
"Der Versuch, sieh der heranwogenden protestantischen Bewegung
entgegenzustemmen und die totalitäre Hierarchie wieder sattelfest zu machen,
ging mit Gewalt und mit dem Schwert vor sich, so daß die Welt in eine
vierhundertjährige Periode des päpstlichen Ringens gegen die erstarkende
Demokratie gestürzt wurde.
Der Hierarchie wurde diese Kriegführung hauptsächlich durch den ausdauernden
Eifer der Jesuiten, dieses jüngst ersonnenen "Schwertes der Kirche",
ermöglicht. So fest auch der Protestantismus im Volke verankert war, hatte er
sich doch durch Gezänk über Lehrpunkte verzettelt, während die Kräfte des
Katholizismus unter der Zucht der Jesuiten zu einem Block mannhafter,
streitbarer Kämpfer zusammengefaßt worden waren. ... Der Jesuitenorden ist
eine Kampforganisation von Priestern, die aufs trefflichste ausgebildet wurden
in Verschlagenheit, Betrug, Intrigen, Meuchelmord und in der Kriegführung als
Untergrund- und "Fünfte Kolonne". ...
Sogar die Hierarchie selber wurde in Opfer jesuitischer Machtgier, so daß sich
ein päpstliches Verbot des Ordens notwendig machte, wie es von 1750 bis 1814
in Kraft war. 1814 bewilligte die Hierarchie jedoch eine allmähliche
Wiederherstellung dieses Geheimordens, und im Jahre 1935 hatte er sich zu
einer erstaunlichen Streitmacht von 24.732 bestgeschulten Agenten ausgeweitet.
...
Nach dem Kriege (1919) (kehrten sie, die Jesuiten) zurück. Von da an waren mit
der Ausführung von Plänen für die Ausbreitung des Faschismus und Nazismus in
Europa und der ganzen Welt beteiligt....
1618, begann ein Religionskrieg, der mit vernichtender Heftigkeit dreißig
Jahre lang hin und herwogen sollte, geschürt von der katholischen Hierarchie
in dem vergeblichen Bemühen, die Geburt dessen zu verhindern, was sich nunmehr
zur Demokratie — mit ihrem Glauben an Gottesdienstfreiheit — entwickelt hatte.
Die Blutschuld für den Dreißigjährigen Krieg ruht auf dem Haupte der
Hierarchie....
Schließlich ... am 24. Oktober 1648 wurde in Münster der Westfälische Friede
geschlossen. Die römisch-katholische Hierarchie hat ihn nie als Frieden
anerkannt, sondern ihn all die Zeit hindurch angefochten und zu beseitigen
gesucht. ...
Im weiteren Verlauf ihres Kampfes gegen die erstarkende Demokratie hat die
Hierarchie die Gewissensfreiheit in vielen amtlichen Äußerungen verurteilt.
...
Ein weiteres besonders abscheuliches Beispiel, ein Meisterstreich ist, wie
Hierarchie der amerikanischen Demokratie durch den Bürgerkrieg den Garaus
machen wollte....
Die völlige Bloßstellung dieser mit Haß gegen die Demokratie erfüllten Sekte
ist nur eine Frage der Zeit."
Wie gesagt, dass veröffentlichte die WTG so, erstmals 1945. War man bisher der
Meinung Balzereit's Schrift
"Die größte Geheimmacht der Welt" sei stark antikatholisch
orientiert. Und "vielleicht" hatte der Balzereit damals dafür gar nicht den
offiziellen WTG-Segen, so wird man wohl diese Spekulation, angesichts
vorstehender Ausführungen, wohl endgültig zu Grabe tragen müssen.
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 16. September 2009 03:27
Verpackt in Nebensätzen, die "runtergeschluckt" werden sollen, ohne das tiefer
darüber nachgedacht wird; dass ist die Taktik der WTG, wenn es darum geht,
ihrer Anhängerschaft dogmatische Veränderungen, die sich nicht allein durch
aussitzen oder ausschweigen bewerkstelligen lassen, mitzuteilen.
Ein Beispiel dafür kann man auch in der "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. September
1949 begegnen. Dort kann man auch den dürren Satz lesen:
"Die Geburt des Königreiches erfolgte im Jahre 1914 n. Chr., und danach kam
das Toben der Nationen. Doch offenbarte Gott dieses Zeichen seinem treuen
Volke, seinen Zeugen auf Erden, erst im Jahre 1925, das heißt etwa elf Jahre
nachdem die Wehen und die Tage der Drangsal für Satans Weltorganisation
begonnen hatten."
Diesen Satz sollte man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Kritiker
werden schon zum ersten nicht akzeptieren das "Gott", da etwas "offenbart"
habe. Es wäre schon ein merkwürdiger Gott, der erst elf Jahre nach Beginn,
seinen vermeintlichen "Dienern" wissen läßt, was er denn da so habe beginnen
lassen. Religion lebt ja bekanntermaßen von vermeintlichen "Prophezeiungen".
Wenn man eine "Prophezeiung" erst dann "erkennen" kann, wenn sie eingetreten
sei, dann ist das schon ein merkwürdiger Umstand. Dann ist das nur blanke
Spekuliererei, zu der man wahrlich keiner metaphysischen Erhöhung bedarf.
Aber das kennt man ja beispielsweise auch schon aus der Frühgeschichte der
Adventisten.
Als deren Endzeitdaten 1843/44 in die Binsen gingen, da "erkannten" auch dort
einige "Neunmalkluge", dass alles habe sich in "himmlischen Sphären"
abgespielt.
Genau diese "Technologie" wendet auch die WTG an.
Ihre Ursprungserwartungen für 1914 waren ganz andere, als man sie heute
darstellt. Gen Himmel wollte man fahren; und zugleich sollte auf Erden eine
"irdische Phase" des "Königreiches Gottes" beginnen. Den "Patriarchen", die da
wunderbarerweise "auferstehen" würden, war gar die Rolle von irdischen
Regenten zugedacht. Als dann Anfang der zwanziger Jahre die Rundfunktechnik
spruchreif wurde, entblödete man sich gar, sich vorzustellen, diese
"Patriarchen" würden von Jerusalem aus, ausgerüstet mit vollkommenen
Radiostationen, die Welt regieren.
Schon im Jahre 1914 war das Scheitern der Ursprungserwartungen der WTG
offenkundig. Man half sich fürs erste mit dem hinhalten und vertrösten. Dann
1918 der neue "Lichtblick". 1925 hieß nun jenes Datum, dem man erneut
zufieberte.
Die soziologische Struktur der Anhängerschaft hatte sich ohnehin gravierend
verändert. Schätzungsweise mehr als 90 Prozent der Anhängerschaft in
Deutschland, waren erst nach 1918 zu dieser Organisation hinzugestoßen. Die
1914 Enttäuschungen hatten diejenigen nicht mehr am eigenen Leibe erlebt. Was
sie aber erlebt hatten waren Krieg, Inflation, politische Wirren. Sie griffen
nach jedem Strohhalm der ihnen geboten wurde. Und einer der aktivsten
Strohhalm-Anbieter war wie WTG. Sie fieberten nun 1925 zu. Und das Ende vom
Lied: Wieder Enttäuschung.
Jetzt im Jahre 1925 konnte man die bisherige WTG-Theologie so nicht mehr
weiter gelten lassen. Änderungen waren notwendig. Systematisch eingeleitet.
Die Russellschen "Schriftstudien" mit der alten WTG-Theologie wurden ins
planmäßige Vergessen hineingedrängt. Und damit dass auch so sei, überschwemmte
ihr neuer Guru Rutherford, sie förmlich mit immer neuen Büchern und Broschüren
aus seiner Feder, so dass auch so kaum noch eine Chance zum innehalten und zum
vergleichen gegeben war. Die Rechnung ist aufgegangen.
Und das alles wird dann noch dahingehend verklärt Gott habe erst elf Jahre
später "Neues Licht" gegeben. Zynischer geht es kaum!
Re: Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 23. September 2009 05:24
Das WTG-Buch "Theokratische Hilfe für Königreichsverkündiger" erschien
Englisch 1945 (in Deutsch erst 1950). Schon in der "Erwachet!" Ausgabe vom 22.
September 1949, also vor dem deutschen Erscheinen, wurde auf das darin
enthaltene Kapitel 82 besonders hingewiesen. Letzteres ist insofern
bemerkenswert, als es die zeitgenössische Sicht der politischen Bedeutung der
katholischen Kirche, durch die Zeugen Jehovas, reflektiert.
Nachstehend die Kernaussagen aus diesem Kapitel:
Italien. Als ersten nehmen wir in der Parade der Buhlerstaaten kurz die Heimat
der Hierarchie, Italien, in Augenschein. Dort hat sich der Vatikan durch eine
Vereinigung von Kirche und Staat wiederverheiratet; der jüngste Ehekontrakt,
auch Konkordat genannt, wurde 1929 mit Mussolini unterzeichnet und ist noch in
Kraft. Folgende Auszüge mögen für sich selber sprechen.
Kardinal Gasparri erklärte als persönlicher Vertreter von Papst Pius auf dem
Eucharistischen Kongreß in Salmona, Italien : "Die faschistische Regierung
bildet die einzige Ausnahme in der weltweiten Anarchie von Regierungen,
Parlamenten und Systemen." [Das war vor der Nazideutschland-Zeit des
Katholiken Hitler.] (Daily Herald, London, 15. September 1932)
Am 22. August 1935, dem gleichen Tage, wo der Völkerbund zusammentrat, um über
den faschistischen Angriff auf das hilflose Abessinien zu beraten, meldete der
Osservatore Romano, daß 57 Bischöfe und 19 Erzbischöfe Italiens an Mussolini
gemeinsam das folgende Telegramm abgesandt hätten : "Das katholische Italien
dankte Jesus Christus für die erneuerte Größe des Landes, das durch Mussolinis
Politik erstarkt ist."
Kardinal Schuster von Mailand, ein Freund von Papst Pius XI., soll am 28.
Oktober 1935 erklärt haben : "In diesem Augenblick bringt die italienische
Flagge triumphierend das Kreuz Christi nach Abessinien, um der
Sklavenbefreiung den Weg zu bahnen und ihn gleichzeitig unserer
Missionspropaganda zu erschließen."
Spanien. In Spanien hat die Hierarchie mit fester, blutbefleckter,
tyrannischer Hand gewirkt. 1931 wurde auf gesetzmäßige Weise die Republik
gebildet, deren neue Verfassung dazu ermächtigte, die Trennung von Kirche und
Staat durchzuführen, kirchlichen Besitz zugunsten der Allgemeinheit zu
enteignen und den Volksunterricht den Händen der Geistlichkeit zu entwinden.
Die Hierarchie rächte sich unverzüglich durch Einleitung einer Gegenrevolution
unter der Führung eines ihrer ergebenen Söhne, des Generals Franco, den sie
segnete und als "christlichen Gentleman" bezeichnete. Der von der Hierarchie
entfachte Bürgerkrieg fand seinen Abschluß am 28. März 1939 mit der Übergabe
von Madrid an den "Schlächter" General Franco, der also unter Beihilfe der
Kirche und ihrer ergebenen Söhne Hitler und Mussolini die demokratische
spanische Republik niedergerungen hatte.
Franco ging sofort an die Errichtung eines totalitären Staates, setzte die
Kirche in ihre frühere Stellung wieder ein, gab beschlagnahmten Kirchenbesitz
zurück und legte den Schulunterricht erneut in die Hände der Pfarreien. Die
folgende Anführung ist lehrreich und widerlegt nebenbei die Behauptung der
Hierarchie, Franco habe Spanien vor dem Kommunismus gerettet.
Alexander H. Uhl, Auslandsredaktor des PM, erklärt Augenzeuge : "Bis zum
Ausbruch des Bürgerkrieges war ich ein Jahr lang in Madrid Korrespondent der
Associatet Press. Was ich jetzt schreibe, betrifft Dinge, die ich selber
gesehen habe. Francos Revolution war die Revolution der spanischen
Großgrundbesitzer, der reaktionären spanischen Geistlichkeit, der
monarchistischen Aristokraten und Großindustriellen Spaniens, (gegenüber der
steigenden Flut der Demokratie, die sich seit dem ersten Weltkrieg jeden Tag
stärker und stärker herangewälzt hatte. Der Aufstand Francos und seiner
Generäle richtete sich gegen eine Volksfrontregierung, die sich aus
Republikanern, Liberalen, Gewerkschaftsparteien und Sozialisten
zusammensetzte. Sie wies keinen einzigen Kommunisten auf. Es handelte sich um
eine Regierung, die entschlossen war, Kirche und Staat voneinander zu trennen,
wie es bei uns in den Vereinigten Staaten Fall ist, und das Schulwesen
nichtkonfessionell zu gestalten, wir es auch haben."
Deutschland. Den deutschen Religionskessel hat die Hierarchie stets siedend
erhalten. Sie hat Deutschland immer als "Kirchenschwert" bevorzugt. Man sollte
nicht vergessen, daß der Londoner Vertrag von 1915, der mit dem Königreich
Italien abgeschlossen wurde, den Papst nach dem ersten Weltkrieg von alle
Verhandlungen über den Friedensvertrag ausschloß, weil sein Beziehungen zu den
teutonischen Bundesgenossen zu offenkundig waren. Als der Katholik Hitler 1933
an die Macht kam, unterzeichnete die Hierarchie mit dem Naziregime
unverzüglich ein Konkordat, das noch heute besteht. Weitere Beweise folgen.
Franz von Papen, päpstlicher Kammerherr und Sendbote Hitlers für das Ausland,
erklärte am 14. Januar 1934 im "Völkischen Beobachter" : "Das dritte Reich ist
die erste Macht, welche die hohen Grundsätze des Papsttums nicht nur
anerkennt, sondern praktisch verwirklicht."
"Dr. Edmund A. Walsh, Rektor der Auslandsdienst-Schule bei der Universität
Georgetown [einer Jesuiten-Universität in der Nähe von Washington, D. C.,],
skizzierte heute Abend die deutschen Kriegsziele als eine Wiedererrichtung des
Heiligen Römischen Reiches . . . Dr. Walsh erklärte, er habe Adolf Hitler
sagen hören, das Heilige Römische Reich, das ein germanisches Reich war, müsse
wiederaufgerichtet werden." (Times, New York, 17. Februar 1940)
"Berlin, 27. August (AP). — Ein Treuegelöbnis der deutschen katholischen
Bischofskonferenz von Fulda gegenüber Adolf Hitler soll bei Kriegsende auf den
Kanzeln an die Gläubigen verlesen werden, wie das amtliche D. N. B. heute
bekanntgab. Das Gelöbnis für Hitler ist in Dankesbezeugungen für die deutschen
Truppen eingefaßt und wurde von der Konferenz, die am 22. August zu Ende ging,
beschlossen. Wie die Presseagentur sagt, herrschte auf der Konferenz die
Ansicht vor, daß ,die katholische Kirche in Deutschland den deutschen Truppen
Dank schuldet für ihr siegreiches Vordringen und für die Verteidigung der
deutschen Heimat. Ohne die erfolgreiche Abwendung eines feindlichen Einbruchs
durch die deutschen Streitkräfte hätten die deutschen Katholiken nicht so
ruhig und ungestört ihre kirchliche Arbeit und ihre Seelsorge fortsetzen
können'." (Veröffentlicht im Record von Philadelphia am 28. August 1940)
Japan. Zwischen Japan und dem Vatikan wurden die diplomatischen Beziehungen im
Juni 1942, also nach dem heimtückischen Überfall auf Pearl Harbor,
aufgenommen! Man beachte das Folgende:
Die japanische Times, Tokio, brachte als Meldung : "Vom Vatikan her ist die
Stimme der Gerechtigkeit ertönt. Nie zuvor hat das jetzige Vorgehen Japans in
China außerhalb unseres Landes so von ganzem Herzen Unterstützung gefunden.
Die Bedeutung der Anweisungen des Heiligen Stuhls liegt auch darin, daß es
beinahe vierhundert Millionen Römisch-Katholische gibt, denen das Wort des
Vatikans als Gesetz gilt. Demnach kann gesagt werden, daß beim chinesischen
Zwischenfall ein Viertel der Bevölkerung der Erde auf selten Japans steht. Die
katholische Kirche ist für uns eingetreten und hat uns dringend ersucht zu
kämpfen, um die kommunistische Durchdringung Asiens zu verhindern." Eine von
der United Press registrierte amtliche japanische Rundfunkmeldung vom 9.
Januar 1942 besagte: "M. 0. Daughberty, der irische Erzbischof von Großmanila,
und Bischof Madrigra, der Vertreter des Papstes auf den Philippinen, gelobte
am Donnerstag, sich mit den japanischen Streitkräften von ganzem Herzen für
die Schaffung einer Neuordnung in Ostasicn einzusetzen." (Veröffentlicht im
Courier-Journal, Louisville, Ky.)
"Eine heute abend von der CBS registrierte Berliner Rundfunkmeldung für das
Inland brachte eine Nachricht aus Manila, wonach die von den Japanern
eingesetzte Regierung ,jetzt vom Vatikan anerkannt worden ist'." (Times Union,
Florida, 11. Januar 1944) So hat die Hierarchie die Eroberungen neuzeitlicher
Diktatoren gefördert und als rechtsgültig anerkannt, den Demokratien aber
Ohrfeigen gegeben. Man könnte weitere Beweisstücke beibringen, doch sind die
Tatsachen ohnehin wohlbekannt. Wer unterrichtet ist, wird sich erinnern, daß
Kardinal Innitzer in Österreich zur Feier der Machtübernahme durch Hitler an
seinem Dom die Hakenkreuzfahne der Nazi heraushängte; ferner daß Hitler einem
katholischen Priester, Prälat Tiso, dazu verhalf Staatsoberhaupt der
unterjochten Slowakei zu werden; und auch daß in Polen katholische Priester
den Nazilegionen auf dem Fuße folgten und dem Volke zuredeten, sich der
deutschen Herrschaft zu beugen; und schließlich wird man sich noch daran
erinnern, wie unheilvoll in Frankreich die "Fünfte Kolonne" der Hierarchie
beim Zusammenbruch der Republik tätig war.
Hernach setzte man in Vichy Petain als Strohmann ein, und die Hierarchie lobte
ihn als "guten Marschall". Dem folgte die Einführung antisemitischer Gesetze
im Geiste der Hierarchie. Und wenn wir unser Auge über die politische Bühne in
Kanada, Mexiko, Argentinien und andere Länder der beiden Welthälften gleiten
lassen, stößt es auf dieselben Diktatoren-Intrigen der Hierarchie.
Nachdem sich aber das Kriegsglück den Alliierten zuneigte, begann der wendige
Vatikan im Spätjahr 1944 zu erwägen, daß es wünschenswert sei, politisch
umzusatteln. Bei dieser Gelegenheit machte einer der Kardinale eine
Kehrtwendung gegenüber dem "guten Marschall" Petain und bezeichnete ihn als
einen Mann, der "aller sittlichen und religiösen Überzeugungen bar" sei.
Dieser Kunstreiter-Organisation mag es zwar gelingen, vom totalitären Roß
umzusatteln auf das "demokratische" Friedens-Tier, doch wird sie nicht von
dieser Kreatur wieder herunterrutschen und sich hinter Christus Jesus auf
dessen Pferd des gerechten Krieges schwingen können, wenn er in Harmagedon
gegen die gesetzlose, durch und durch religiöse Welt zu Felde zieht. Sie wird
dann am längsten geritten haben.
Vor sechzig Jahren
geschrieben von:
Drahbeck
Datum: 02. Oktober 2009 05:03
Bereits im "Wachtturm" vom 15. 11. 1946 gab es einen Bericht über
Britisch-Guayana (Man vergleiche den diesbezüglichen Kommentar dazu in dieser
Serie).
Kommentarserie1946
Eintrag vom 16. November 2006 07:14:38: (am Textende)
Damals verhandelte WTG-Präsident N. H. Knorr höchstpersönlich mit den britischen
Kolonialbehörden, um ein Einfuhrverbot für die WTG-Literatur wieder rückgängig
zu machen.
Nun, im Jahre 1949, hatte Knorr auf einem Südamerika-Trip, auch diesem Land
einen erneuten Besuch abgestattet. Sogar eine örtliche Radiosendung berichtete
darüber. Es kam aber für die WTG noch besser. Interviewt wurde Knorr durch einen
Zeugen Jehovas in dieser Sendung.
Das hatte dann schon mal den Vorteil die Gewissheit zu haben, dass eventuelle
kritische Journalistenfragen nicht gestellt wurden. Was will die WTG also mehr?
Das ist es doch, was sie als Idealfall ansieht. Wenn Sie allein bestimmt, was
gefragt und geantwortet werden darf.
Im "Wachtturm" vom 1. Oktober 1949 liest man dazu:
"Am Samstagabend räumte die Radiostation ZFY eine Viertelstunde für ein
Interview ein. Bruder Philips stellte die Fragen, Bruder Knorr antwortete. Die
Fragen behandelten Punkte von besonderem Interesse für Britisch-Guyana, zum
Beispiel den Zweck der Versammlung, die Organisation der Gesellschaft, die
Grösse der Organisation, ob sie irgend welche politischen Ansichten vertrete
usw. Eine Frage lautete, ob der Kommunismus das Werk begünstige.
Aus der Antwort auf diese letztere Frage ging hervor, welch ungünstige
Behandlung Jehovas Zeugen in den kommunistischen Ländern zuteil wird, und dass
in Russland kein Büro der Gesellschaft eröffnet werden konnte. In Jugoslawien,
Rumänien und der Tschechoslowakei seien die Büros geschlossen worden. Viele
Zeugen Jehovas habe man nach Sibirien verschickt. Der Kommunismus sei nicht in
Übereinstimmung mit der Auffassung, dass Gottes Königreich die einzige Hoffnung
der Welt sei."
Interessant an dieser Ausführung ist schon mal, dass es bereits vor dem
DDR-Verbot der Zeugen Jehovas, ähnliche Entwicklungen in anderen osteuropäischen
Ländern gab. Die DDR ist da in der Tat das Schlusslicht gewesen.
Die WTG-Verkündigung sei die einzige Hoffnung der Welt, tönt Knorr weiter. Ist
bekannt diese These. Glaubwürdiger wird sie durch ihre erneute Verkündigung
indes nicht. Auch die kommunistische Ideologie sah sich als "einzige Hoffnung".
Hier prallten in der Tat zwei Totalitätsansprüche frontal aufeinander.
Guayana (vormals Britisch-Guayana) geriet durch die Selbstmordsekte des Jim
Jones im November 1978 erneut in die Schlagzeilen der Weltpresse. Nun mag man
urteilen, Jones wurde durch seine Kritiker in die Ecke gedrängt und hat dann in
Kurzschlussmanier reagiert. Dem mag so sein. Dennoch erregt es schon einiges
Aufsehen, dieses Geschehen. Woher hatte Jones just in diesem Moment, in dieser
abgelegenen Urwaldsiedlung, dass Zyankali für das brauen seines Mordtrunkes?!
Da gilt es in der Tat weiter zu fragen. Da steckt Logistik, Planung hinter.
Zudem, weiß man aus anderen Beispielen; etwa der rechtlosen USA-Kolonie
Guantanamo auf Kuba, dass die USA schon mal außerhalb der Legalität operieren.
Weiter gefragt. Warum ausgerechnet, wanderte die Jim Jones-Anhängerschaft, aus
den hochindustrialisierten USA in dieses wirtschaftlich zurückgebliebene Guayana
aus und siedelte sich zudem noch im tiefsten Urwald an?
Fragen, die zugleich mißtrauisch werden lassen. Eine Antwort darauf kann man
auch in dem 1983 erschienenen Buch von Günter Neuberger und Michael Opperskalski
über die "CIA in Mittelamerika" lesen.
Man liest dort:
"Niemand anderes als der CIA steht hinter diesen grauenhaften Ereignissen. So
war einer der Vertrauten des Sektenführers Jones ein gewisser Philip Blakey, der
im Auftrag des Geheimdienstes im Jahre 1975 - bereits als Tempel-Mitglied - in
Angola, für die konterrevolutionäre Gruppierung UNITA Söldner angeworben hatte.
Einer der engsten Freunde von Jim Jones war ein gewisser Dan Mitrione, ebenfalls
vom CIA. Als Vertreter der Geheimdienst-Organisation Agency for International
Developmenl (AID) hatte Mitrione von 1962 bis 1963 in Brasilien reichlich
Erfahrung gesammelt. Später war der CIA-Spezialist Polizeiberater in der
US-Botschaft in Montevideo, wo er die uruguayischen Polizeikollegen in der
Bekämpfung der Stadtgucrrilla trainierte.
Die CIA-Unterwanderung des People's Temple hatte ihren Grund. Die Sekte war Teil
der CIA-Aktion »MK-Ultra«. So deckte der Berater des in Jonestown ermordeten
US-Kongreßabgeordneten Leo Ryan, J. Holsinger, auf, daß Jim Jones Agent des CIA
war und den Auftrag hatte, im Rahmen dieses »MK-Ultra«-Programms Experimente zu
veranstalten, bei denen Methoden zur Kontrolle des menschlichen Verhaltens
durchgespielt wurden. Dieses Programm hatte der CIA fast 25 Jahre lang
durchgeführt, und es wurde - so die Carter-Regierung -1963 eingestellt. Die
Behauptung entspricht jedoch nicht den Tatsachen. »MK-Ultra« wurde nicht
gestoppt, sondern »privaten Gruppen« übertragen. Eine von ihnen war People's
Temple.
Die fanatisierte Sekte des Jim Jones war ein nahezu ideales Experimentierfeld
für den CIA, der die Kontrolle menschlichen Verhaltens erforschen und
ausprobieren wollte. Dabei wurden unter anderem stark wirkende Rauschgifte wie
LSD getestet, wurden Zwangsarbeit, Schlafentzug, besondere Diät, Gehirnwäsche
und so weiter erprobt. Das Ziel der Experimente bestand darin, Menschen für Mord
und Selbstmord zu »programmieren«.
Als der US-Kongreßabgeördnete Ryan nachzuforschen begann, drohte das
CIA-Experiment an die Öffentlichkeit zu geraten. Als der Abgeordnete am 18.
November 1978 schließlich in Jonestown von Anhängern der Sekte ermordet wurde,
drohte »MK-Ultra« vollends außer Kontrolle zu geraten. So beschloß man, alle
Spuren zu verwischen. Die Jones-Sekte People's Temple wurde »selbstgemordet«.
Über 900 Personen, einschließlich ihres Führers, fielen dem Massaker zum Opfer."
Siehe auch
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,16925,16925#msg-16925
Datum: 02. Oktober 2009 14:39
Datum: 09. Oktober 2009 06:05
Datum: 09. Oktober 2009 11:00
Datum: 16. Oktober 2009 03:02
Wer die Literatur der Verschwörungstheoretiker etwas näher sichtet, in meiner
Sicht ist sie nichts anderes als wie ein halbsäkularisierter Religionsersatz,
ausgerichtet darauf etwas zum Glauben anzubieten. Wer sich mit dieser
unappetitlichen Angelegenheit etwas näher beschäftigt hat, der weiß: Auch die
Zeugen Jehovas wurden schon in dieses Raster hineingepresst.
Besonders in den 1920er Jahren, mit Auswirkungen bis in die Gegenwart, machte
da eine These die Runde, wonach Juden und Freimaurer Finanzier der
Bibelforscher (Zeugen Jehovas) gewesen seien.
Nun kann man nicht in Abrede stellen, dass die WTG da den
antisemitisch-Gläubigen eine Steilvorlage gegeben hat, die von letzteren
postwendend aufgenommen wurde. Soweit es die Großkirchen in diesem Zeitraum
betrifft, waren davon wesentliche Teile gleichfalls antisemitisch angehaucht.
Und sei es nur aus vermeintlich "theologischen" Gründen, wonach in dieser
Lesart, die Juden Mörder Jesu gewesen seien. Das der Antisemitismus dann noch
in säkulare Formen ausuferte, insbesondere durch seine Vermengung mit
rassistischem Ideengut (Herrenmenschen und vermeintliche Untermenschen), ist
dann die andere, noch weniger erfreulichere Seite der Medaille.
Zeitgenössisch unterschieden sich die Bibelforscher davon. Insbesondere
deshalb, weil sie Pionierleistungen für den Philosemitismus vollbrachten (der
theologischen Israel-Verklärung). Das war in den zwanziger Jahren in der Tat
lm Deutschsprachigem Raum, eine Ausnahme von der Regel. Aber auch dabei gilt:
Nichts ist so alt wie der Ruhm von gestern.
Schon Anfang der dreißiger Jahre kippte Rutherford jenes
Bibelforscher-Markenzeichen des Philosemitismus. Vielleicht hat das massive
Sperrfeuer der Antisemiten auf die Bibelforscher seinen Teil zu dieser
Kurskorrektur beigetragen. Der andere Teil dürfte das bemühen Rutherford's
gewesen sein "mit den Wölfen zu heulen".
Deutschland hatte in den zwanziger Jahren prozentual weit mehr WTG-Anhänger,
als wie zur gleichen Zeit in den USA. Nur Blinden konnte es entgehen, dass der
zunehmend mit kräftigen Finanzspritzen hochgehätschelte Nationalsozialismus,
in Deutschland erstarkte. Als eine Morgengabe an jene Rabauk-Antisemiten muss
dieser Rutherford'sche Kurswechsel gesehen werden. Noch bis in den Herbst 1933
(und in Ausläufern auch noch danach), setzte die WTG auf Verhandlungskurs mit
den Nazis. So wie man plötzlich eine "Norddeutsche" und eine "Süddeutsche"
Bibelforschervereinigung aus dem Boden stampfte, in der Sitz und Stimme nur
deutsche Staatsbürger hätten, laut ihrer Satzung, so war auch die
Kurskorrektur in Sachen Philosemitismus angelegt.
In den zwanziger Jahren war das noch anders. Da trompeteten die Antisemiten
lauthals in die Welt hinaus. Die Bibelforscher würden von den Juden und
Freimaurern finanziert. Stichfeste Beweise für diese These, haben sie bis
heute, einschließlich ihrer Nachbeter, nicht geliefert. Jene
Propagandaschlachten waren offenbar nach dem Muster gestrickt: Recht behält,
wer am lautesten schreit. Nicht, wer die besseren Argumente hat. Die WTG hatte
schon zeitgenössisch die Finanzierungs-Unterstellung zurückgewiesen. Mehr oder
weniger ging das im Propagandakrieg unter.
Im "Wachtturm" vom 15. Oktober 1949 kommt die WTG auch darauf zu sprechen. Als
beiläufige Bemerkung verpackt. Ohne auf die Hintergründe, etwa den
Rutherford'schen Kurswechsel, näher einzugehen.
In der genannten WT-Ausgabe liest man:
"Viele Jahre lang sind wir der Rückkehr der Juden nach Palästina mit Sympathie
begegnet, besonders seit der Veröffentlichung unseres Artikels 'Jüdische
Wiederherstellung' im Wachtturm (engl. vom März 1880). Während all der Jahre
seither bis 1932 haben Jehovas Zeugen die Ansicht gehegt, wie sie in der
Christenheit allgemein herrscht, dass sich die
Wiederherstellungs-Prophezeiungen auf den natürlichen Juden und seine Rückkehr
ins buchstäbliche Land Palästina bezögen. Mittels mancher Schriften, die
besonders für jüdische Leser bestimmt waren und unter ihnen verbreitet wurden,
und durch viele öffentliche Vorträge über Themen, die für Juden von Interesse
waren, haben Jehovas Zeugen liebevoll versucht, den natürlichen Juden
behilflich zu sein, den wahren Messias, Jesus Christus zu erkennen und
anzunehmen. Wir sind glücklich zu sagen, dass einige Juden, wenn auch
verhältnismäßig wenige, darauf eingingen.
Wir verneinen die Behauptung, dass wir in all dieser Zeit durch jüdische
Bankiers und jüdische Organisationen unterstützt worden sind."
Datum: 23. Oktober 2009 06:17
Datum: 02. November 2009 03:03