Annotationen zu den Zeugen Jehovas
de Ruiter und Co
1) Schon anderen stieß da etwas auf
2) Der dubiose Herr Friedlmayer
3) Anstelle von Sachinformationen: Polemik
4) Detlef Garbe über de Ruiter
5) Fallbeispiel: Julius Kuptsch und Karl Gerecke
6) "13 Satanische Blutlinien"
7) Schwarzbrauner Sumpf
8) Verschwörungstheorie zwischen Illusion und Wirklichkeit
9) Hetzer
10) Wenn kalter Kaffee zur stinkenden Jauche verkommt
11) Voten aus Diskussionsforen zu de Ruiter
12) de Ruiter's Buch aus dem Jahre 2006
13) "Gequirlte Scheisse"
14) de Ruiter zum Thema Aids
1) Schon anderen stieß da etwas auf
Das
„Jahrbuch für Antisemitismusforschung" veröffentlichte in seinem 7. Jg.
1998 auch einen Aufsatz von Lutz Lemhöfer mit dem Titel: „Schwarz-braune
Verschwörungstheorien. Anmerkungen zum Programm eines 'frommen' Szene-Verlages."
Lemhöfer, katholischer
Referent für Weltanschauungsfragen im Bistum Limburg, ist einer der wenigen
„Feigenblätter", neben vielleicht noch Dietrich Hellmund, der in dem von Hesse
herausgegebenen Sammelband „Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas",
die Chance bekam, auch ein paar kritische Akzente einzustreuen, auf das man
formal sagen kann, nicht nur Lobhudler, sind in diesem Band vereinigt.
So formulierte er etwa dort:
„In dem Film (ZJ-Widerstands-Video)
werden die Zeugen Jehovas als eine durchgängig heldenhaft agierende und
reagierende, völlig einheitliche und einmütige Gruppierung vorgestellt."
Er redet auch von der
„geschönten Darstellung"
anlässlich der Berlin-Wilmersdorfer Veranstaltung von 1933. Seiner Meinung nach
werden die „Kirchen
lediglich als dunkle Folie zur eigenen hellen Selbstdarstellung"
benutzt.
Nun würde ich aus meiner
Sicht dem Lemhöfer allerdings antworten, dass 1933 die Kirchen in der Tat keine
andere Bezeichnung verdienten, als Opportunisten. Ich kann den Schönrednern der
Kirche genauso wenig beipflichten, wie den Schönrednern der Zeugen Jehovas.
Aber immerhin dem Satz von
Lemhöfer kann ich durchaus zustimmen, wenn er schreibt:
„Historische
Selbstdarstellungen einer Gruppe entspringen selten nur dem Interesse,
herauszufinden, wie es denn gewesen sei. Nicht selten dient die Geschichte zur
Legitimation aktueller Forderungen und Ansprüche. Das ist keineswegs nur bei den
Zeugen Jehovas so."
Beipflichten kann ich
Lemhöfer auch in seiner kritischen Replik über den Verlag Anton A. Schmid. Pro
Fide Catholica. Seine Ausführungen im „Jahrbuch für Antisemitismusforschung"
sind relativ allgemein gehalten. Das dieser Verlag auch zwei spezielle Bücher
über die Zeugen Jehovas veröffentlicht hat, wird darin nicht im Detail referiert
oder kommentiert. So will ich den zu diesem Aspekt noch einige Anmerkungen
machen.
2) Der dubiose Herr Friedlmayer
Eines der
Bücher dieses Verlages stammt von einem gewissen Helmut Friedlmayer und
hat den Titel: „Die 'Zeugen Jehovas' Judaisierung des Christentums" (Durach
1993). Der gleiche Verlag bietet von demselben Autor Friedlmayer noch zwei
andere Schriften an, die einem schon vom Titel her zu der Frage Anlass geben,
mit was für Kreisen man es da wohl zu tun hat. Wenn da auf 311 Seiten über
„die Irrlehren im neuen Weltkatechismus" referiert wird. Oder auf 85 Seiten
über den „Ökumenismus-Schwindel" schwadroniert wird.
Ein anderer ebenfalls im
Randspektrum der katholischen Kirche angesiedelter Verlag wusste im Jahre 1969
in einem Buch, worin auch die Zeugen Jehovas mitbehandelt wurden, seine Leser
mit der Kernthese zu beeindrucken: Das Hitler am Nationalsozialismus Verrat
begangen hätte, indem er sich von Gottfried Feder's These von der zu brechenden
Zinsknechtschaft abgewandt hatte. Wäre Gottfried Feder von den Nazis nicht auf
das Abstellgleis geschoben worden - so die Botschaft - wäre der
Nationalsozialismus für diese Kreise eine akzeptable Angelegenheit gewesen;
einschließlich der Antisemitismus, der als ökonomisch notwendig,
heruntergespielt wird. (Vgl. dazu: Heinrich Malzkorn „Divide et impera",
Brüggen/Niederrhein 1969).
Auch in einem weiteren Buch
des Verlages Anton A. Schmid Pro Fide Catholica, und zwar in dem Buch von
Robin de Ruiter „Die geheime Macht hinter den Zeugen Jehovas" (Durach
1995) feiert Gottfried Feder fröhlichen Urstand mit der Erwähnung einer 1988 in
Bogota (in Spanisch) erschienenen Neuauflage (vgl. de Ruiter S. 273).
3) Anstelle von Sachinformationen: Polemik
Wenn man
sich mit der Literatur näher auseinandersetzt, die vor 1945 gegen die
Bibelforscher (Zeugen Jehovas) veröffentlicht wurde, dann beschleicht einem
oftmals über weite Partien ein ungutes Gefühl. Dieses Gefühl lässt sich
vielleicht am besten mit einem Vergleich veranschaulichen. In der Zeit vor dem
Ersten Weltkrieg gab es den Fall des Exjesuiten von Hoensbroech, der dem
Jesuitenorden den Rücken kehrte. Er berichtet, dass er von dem evangelischen
Oberhofprediger Adolf Stöcker das Angebot bekam, seine Erfahrungen in den
Stöcker zugänglichen Presseorganen zu verwerten. Wörtlich schreibt Hoensbroech:
„Nur einmal bin ich um
nicht unhöflich zu erscheinen, seinen Einladungen gefolgt. Stöcker hat von der
ersten Begegnung an einen abschreckenden Eindruck auf mich gemacht. … Das, was
mich bei Stöcker besonders abstieß, war sein … Katholikenhass verbunden mit
unbegrenzter Unwissenheit über Katholisches. … Das war für mein Empfinden
geradezu ekelhaft, dieser Hass, geschürt durch Unwissenheit, aus einem geeichten
Vertreter des Christentums nur so ausströmen zu sehen."
(vgl. Paul Graf v. Hoensbroech „14 Jahre Jesuit", Leipzig 1912, S. 189, 190).
Detlef Garbe hat einmal den
Begriff geprägt, dass etliche der in den 20-er Jahren erschienenen Schriften zu
den Bibelforschern
„eine kirchliche
Variante der völkisch-antisemitischen Schmähschriften darstellen."
(vgl. Detlef Garbe „Zwischen Widerstand und Martyrium", München 1993 S. 70).
Mit Bestürzung muss man es
zur Kenntnis nehmen, dass es solche Elaborate auch noch in der Gegenwart gibt.
Ein Beispiel liefert Friedlmayer in seiner Schrift über die Zeugen Jehovas. Ohne
auch nur der geringsten Spur von kritischer Distanz, zitiert er z. B.
einschlägige berüchtigte Pamphlete aus den 20-er Jahren von Julius Kuptsch,
Fritz Schlegel, Karl Gerecke und andere (vgl. Friedlmayer S. 14).
Wenn man die Argumentation
kennt, mit der Jonak v. Freyenwald beispielsweise, in der Nazizeit gegen die
Zeugen Jehovas polemisierte, dann ist man schockiert, analoge Gedankengänge auch
bei Friedlmayer in kritikloser Zitierung feststellen zu können. Zitat:
„Die ernsten Bibelforscher
sind lediglich Schrittmacher der jüdischen Weltherrschaft. Ihre Prophezeiungen,
Wünsche und Ziele decken sich völlig mit den Wünschen und Zielen anderer
Organisationen, die als jüdisch bekannt sind wie die Zionisten und jüdische
Geheimregierung, deren Programm dargestellt ist in den Protokollen der Weisen
von Zion" (Friedlmayer
S. 14).
Wie kommt nun Friedlmayer
dazu noch heute dem Leser weismachen zu wollen, es gäbe eine „jüdische
Geheimregierung", deren Programm in den „Protokollen der Weisen von Zion"
niedergelegt sei. Ist ihm nicht bekannt, dass die Nazis gleichfalls glühende
Verfechter dieser abstrusen These waren?
Man vergleiche dazu z. B.
Alfred Rosenberg „Die Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische
Weltpolitik", München 1924. Auch Rosenberg stellt darin schon eine
Beziehung zu den Bibelforschern her. Etwa, wenn er äußert:
„Was die Demokratie und
der Marxismus auf politischem, das besorgen die 'Bibelforscher' auf
kirchlich-religiösem Gebiet"
(Rosenberg S. 130).
Rosenberg zitiert und
kommentiert aus den dubiosen „Protokollen der Weisen von Zion". Seine Zitate
machen es schon etwas verständlicher, weshalb rückwärtsgerichtete Kreise diese
„Protokolle" so gerne als „Wahrheit" verkaufen möchten. Etwa, wenn er diese
„Protokolle" mit den Worten zitiert:
„Wir erscheinen
gewissermaßen als die Retter der Arbeiter aus dieser Knechtschaft, indem wir
ihnen vorschlagen, in die Reihen unseres Heeres von Sozialisten, Anarchisten und
Kommunisten einzutreten. Diese Richtungen unterstützen wir grundsätzlich"
(Rosenberg S. 54).
Eine Passage aus den
„Protokollen" macht besonders deutlich, weshalb gerade auch kirchliche (Rand)kreise
sich für diese „Protokolle" interessieren und aktualisiert als „Wahrheit"
anbieten wollen. Diese Stelle lautet nach der Zitierung durch den
Nazichefideologen Rosenberg:
„Auf unser Betreiben hin
wurde die Geistlichkeit der Nichtjuden in den Augen des Volkes herabgesetzt und
jeden Einflusses auf die Massen beraubt. Wenn sie die Massen noch hinter sich
hätten, so läge darin für die Verwirklichung unserer Pläne ein ernstes
Hindernis. Aber ihr Einfluss auf das Volk geht ersichtlich mit jedem Tage mehr
zurück" (Rosenberg S.
117).
Man kann wohl mit
berechtigten Gründen bezweifeln, ob Friedlmayer sich je ernsthaft mit der
Entstehungsgeschichte der „Protokollen der Weisen von Zion" beschäftigt hat.
Jenes Pamphlet wurde von der russischen zaristischen Geheimpolizei Ochrana in
die Welt gesetzt um gegen Aufbegehrungstendenzen im autokratischen Russland zu
polemisieren und einen Buhmann (die Juden) dafür namhaft zu machen. Nach dem
Ersten Weltkrieg entwickelten sie dann ihre Eigendynamik, als Theorie der
„Weltverschwörung".
Worum es Friedlmayer geht,
macht auch der Umschlagtext deutlich. Da ist davon die Rede, dass mit dem Sieg
der Demokratie im Jahre 1918 sich eine antichristliche Weltordnung zu entwickeln
begann. In seiner Lesart seien unter anderem Protestantismus, Freimaurer,
Kommunismus und Zeugen Jehovas, sichtbare Erscheinungen dieses Prozesses.
Wessen Geistes Kind die
Kreise um Friedlmayer sind, macht auch eine weitere abgedruckte Verlagsreklame
deutlich. Da wird ein anderes Pamphlet angepriesen, dass die „Unterminierung
der katholischen Kirche" zum Thema hat. Als ein Markstein dieses Prozesses
wird darin auch das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnet. Auch diese Bemerkung
macht deutlich, dass man es hier mit Kreisen zu tun hat, die wenn möglich, das
Rad der Geschichte zurückstellen möchten.
Mit Befremden muss man es
zur Kenntnis nehmen, dass es noch weitere solcher Protokollegläubige gibt. Einer
von ihnen ist der Holländer Robin de Ruiter. De Ruiter zitiert eine Aussage, die
den Anlass für einen politischen Mord im Jahre 1922 bildete (de Ruiter S. 48).
Antisemiten hatten den
Politiker Walter Rathenau ermordet, weil er einmal einen missverständlichen Satz
von sich gegeben hatte, dass 300 Männer die Welt regieren würden. In der
Interpretation der Antisemiten seien das Juden und Rathenau sei einer von ihnen.
Der Leser erfährt bei de
Ruiter allerdings nicht, dass Rathenau wegen dieser Aussage von Antisemiten
ermordet wurde und das die Mörder sich auch auf die „Protokolle der Weisen von
Zion" beriefen. Er erfährt auch nicht, dass in diesem Zusammenhang der
antisemitische „Deutschvölkische Schutz und Trutzbund" verboten wurde.
Die Schutzbehauptung von de Ruiter in seiner Einleitung, er wolle nicht
antisemitisch argumentieren, wirkt angesichts dieser Sachlage ziemlich formal.
So gehört beispielsweise die
antisemitische Zeitschrift „Hammer" mit zu den von de Ruiter zitierten
Quellen (vgl. de Ruiter S. 72). Aus anderen Passagen wird auch deutlich, dass
dies ebenfalls für das antisemitische „Handbuch der Judenfrage"
zutrifft, dass der gleiche Hammerverlag vertrieb, auch wenn er letzteres nicht
direkt (wohl aber indirekt) zitiert. In seinem Literaturverzeichnis taucht es
jedenfalls auch auf (vgl. de Ruiter S. 273; Autorenname Fritsch, Theodor).
De Ruiter kommt des weiteren
auch auf die „Protokolle der Weisen von Zion zu sprechen" (de Ruiter S. 88) und
meint analog wie Hitler und Konsorten, dass angeblich „alle
Aussagen des prophetischen Autors inzwischen Wirklichkeit geworden"
seien. Seine Thesen hätten noch mehr „Plastizität", wenn er sie mit denen der
Faschisten konfrontiert hätte, die er im übrigen in unerträglicher Weise
bagatellisiert.
Ein makabres Beispiel für
die de Ruiter'sche Verharmlosung des Faschismus ist z. B. seine Behauptung:
„Abschließend muss
noch erwähnt werden, dass viele Kriegsdienstverweigerer unter den Zeugen Jehovas
damals das KZ als den sichersten Ort empfanden. … Sie zogen also das ungewisse
Lagerschicksal trotz all seiner Qualen und Entbehrungen einem vorhersehbaren
Schicksal außerhalb des Lagers vor"
(de Ruiter S. 174).
Solche Thesen verbreitet in
der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1995 ein katholischer Verlag - ohne sich
in irgend einer Form, etwa durch eine Fußnote, davon zu distanzieren.
Bei dieser Aussage beruft
sich de Ruiter auf das Buch von Garbe, von dem er diesen unglücklichen Satz
übernimmt. Allerdings ohne den Kontext zu beachten. Garbe verwendet dieses
Urteil im Zusammenhang mit den Rekrutierungen für die Wehrmacht, die seitens des
Naziregimes auch unter den KZ-Häftlingen vorgenommen wurden und in der Regel bei
den Zeugen Jehovas ergebnislos verliefen. Diese Nichtgewinnbarkeit für die
Wehrmacht interpretiert er als „subjektives Gefühl der Sicherheit."
Man kann darüber streiten,
ob dies eine „glückliche" Formulierung ist. Der Gesamtzusammenhang macht jedoch
eindeutig deutlich, dass Garbe den Zeugen Jehovas keine niederen Motive
unterstellt. Im Gegenteil - er geht in seiner Diktion soweit, kritische Elemente
(bezogen auf die Zeugenleitung) - unterrepräsentiert darzustellen. De Ruiter
macht aus der Feststellung von Garbe eine generalisierende Aussage, die einem
Zerrbild gleichkommt.
Von geradezu skandalöser
Naivität und Unkenntnis diverser veröffentlichter Berichte, zeugt auch die
Bemerkung des de Ruiter:
„Vor dem Ausbruch des 2.
Weltkriegs retteten sich viele Zeugen Jehovas vor dem Wehrdienst aufgrund eines
Gesetzes, demzufolge alle Personen, die wegen staatsfeindlicher Betätigung
gerichtlich bestraft worden waren, nicht zur Wehrmacht eingezogen werden
durften. Viele Zeugen Jehovas profitierten von diesem Gesetz, indem sie etwa
absichtlich auf offener Straße verbotene Publikationen verteilten um eine
entsprechende gerichtliche Verurteilung zu erreichen. Nach Verbüßung einer
kurzen Freiheitsstrafe durften - bzw. brauchten - sie dann keinen Wehrdienst zu
leisten" (de Ruiter
S. 172).
Dies ist eine formale
Betrachtung, die man so nicht stehen lassen kann. Schon weit vor Beginn des
Zweiten Weltkrieges wurden diese „kurzen Freiheitsstrafen" durch die Gestapo
mittels ihrer unbefristet verhängten sogenannten „Schutzhaft" in den
Konzentrationslagern, gegen die keinerlei juristische Schritte möglich waren
„aufgebessert".
Auch bei dieser Aussage
beruft sich de Ruiter wieder auf Garbe. Eine nähere Untersuchung ergibt, dass
Garbe hier lediglich eine Gestapa-Denkschrift aus dem Jahre 1936 zitiert, die
diese Behauptung enthält. Zitat dieser Denkschrift bei Garbe:
„Wenn sie dann mit
Gefängnis bestraft wurden, so erklärten sie nach ihrer Entlassung, dass sie
keinen Wehrdienst ausüben dürften, da sie wehrunwürdig im Sinne des Gesetzes
seien, weil sie wegen staatsfeindlicher Betätigung mit Gefängnis bestraft seien"
(Garbe S. 350).
De Ruiter macht auch aus
dieser Behauptung der Gestapo eine generalisierende Aussage. Reflexionen
darüber, ob eine solche Argumentation etwas genutzt hat, stellt er nicht an.
Auch nicht darüber, dass etliche deutsche Bibelforscher unter allen Umständen
(unabhängig von Detailbegründungen) den Wehrdienst verweigerten.
Sicherlich gab es auch
taktieren, sicherlich lässt sich in Individualfällen, dass schwanken zum
durchhalten einer solchen Position nachweisen. Sicherlich gab es auch Fälle, wo
man durch Untertauchen in den Untergrund versuchte dem Schicksal zu entgehen.
Das sei unbestritten und solche Fälle sind auch mir namentlich bekannt.
Dennoch gilt es auch zu
registrieren, dass verhaftete Wehrdienstverweigerer, sich in der Regel nicht
durch irgendwelche Gegenargumente, die von staatlichen Vertretern, oder in deren
Auftrag auch von Gefängnisgeistlichen usw. vorgebracht wurden, von ihrer Haltung
abbringen ließen.
Wie die Nazijustiz mit den
Bibelforschern umsprang, lässt sich zum Beispiel an den Erinnerungen des
Strafverteidigers Paul Ronge verdeutlichen (Paul Ronge „Im Namen der
Gerechtigkeit", München 1963).
Dessen Bericht wäre
geeignet, dem de Ruiter ins Stammbuch geschrieben zu werden. Als
Pflichtverteidiger hatte er eine Bibelforscherin zu verteidigen. In seinem
Plädoyer führte er unter anderem aus:
„'Vergessen Sie nicht',
sage ich zu dem Richter, 'dass der Mann der Frau Niedowski Soldat ist, er steht
an der Front und tut seine Pflicht. Sie hat zwei Kinder. … Die Arbeit der
Angeklagten erreicht es, dass auch auf ihrem Besitz das Getreide wächst und das
Milch gemolken werden kann. … Hier, diese Frau ist keine Missionarin, diese Frau
ist eine Missionierte."
Ronge berichtet dann, wie
die Angeklagte, abweichend von der Empfehlung ihres Verteidigers, in ihrem
Schlusswort, ihre Situation vermasselte. Der Verteidiger hatte ihr dringend
empfohlen in ihrem Schlusswort nur zu sagen:
„Ich schließe mich meinem
Verteidiger an." Auch
der Richter legte ihr bei seiner formalen Aufforderung zum Schlusswort diese
Floskel schon halb in den Mund. Dennoch hielt sie sich nicht an diese
Empfehlung, sondern sagte gegenüber dem Richter lediglich die Worte:
„Jehova möge sie
erleuchten."
Den weiteren Verlauf
schildert Ronge mit den Worten:
„Nur Torheit hätte mir
Hoffnung geben können. (Höchststrafe) fünf Jahre Gefängnis! Der Richter: 'Die
letzten Äußerungen waren von einer impertinenten Dreistigkeit, wie sie selbst in
diesen staatsfeindlichen Kreisen nicht alltäglich ist. Sie zeigen die
Uneinsichtigkeit, aber auch die Gefährlichkeit der Angeklagten, vor der unser
nationaler Staat gesichert werden muss. Es ergibt sich, dass die Staatsführung
auf dem richtigen Weg ist, wenn sie bei solchen politischen Untermenschen nicht
erst abwartet, bis sie durch Werbung und Bekenntnisse sich strafbar gemacht
haben, sondern sie schon vorher festnimmt'"
(Ronge S. 236, 237, 252).
Ein 1970 in der DDR
erschienenes Pamphlet über die Zeugen Jehovas zitiert de Ruiter auch noch zu
allem Überfluss, da es offensichtlich partiell in seinem Kram hineinpasst. Die
de Ruiter'sche Behauptung indes, für die er als Quelle auf jenes Buch verweist,
wird wohl sein Geheimnis bleiben.
De Ruiter behauptet:
„Weiter ist nachgewiesen
worden, dass der Leiter der Wachtturm-Gesellschaft in Deutschland, Otto Albert
Koetitz, Kontakte und Beziehungen zu den Warburgs hatte"
(de Ruiter S. 149). Bei allen Fragwürdigkeiten jenes DDR-Buches ist jedoch
festzustellen, dass eine These in dieser Form, dort nicht nachweisbar ist.
Aber de Ruiter hat ja auch
in anderer Beziehung,
etliches nur halbgar verdaut.
Es ist schon schockierend feststellen zu müssen, dass jenes DDR-Buch
beispielsweise von amerikanischen Neonazis im gleichem Atemzug mit anderen
fragwürdigen Büchern, wie die von Fetz und Schlegel zitiert wird. Offenbar
bildet seine Nähe zu einschlägigen Verschwörungstheorien den Hintergrund dafür
(vgl. dazu die maschinenschriftliche Dissertationsausgabe von Garbe (Hamburg
1989) S. 719; Fußnote 165). Offensichtlich fühlt sich auch de Ruiter von diesen
Verschwörungstheorien beeindruckt und verwertet sie entsprechend.
Es ist offensichtlich, dass
de Ruiter bemüht ist, die Zeugen Jehovas abzuwerten. Darin stimmt er mit einigen
anderen überein, die auch keine „Freunde" der Zeugen Jehovas sind. Auch der
Schreiber dieser Zeilen rechnet sich auch zu den Kritikern. Es muss aber doch
gefragt werden dürfen, wie weit man da geht. Darf man um der Gegnerschaft als
solche auch alle Grundsätze der Objektivität über Bord werfen? In der DDR wurde
das seiner Zeit so gehandhabt. Aus eigener trüber Erfahrung nimmt man es
vielleicht sensibler als andere zur Kenntnis, dass es auch andere Gegner der
Zeugen Jehovas gibt, deren „Objektivität" gleichfalls einiges zu wünschen
übrigläßt.
Wohin die Reise gehen kann,
verdeutlicht z. B. ein Aufsatz in den „Dachauer Heften" (7. Jg. 1991
Artikel über den „Leuchterreport") . Es ist bekannt, dass im Rahmen des
grenzenlosen Pluralismus des Internet's auch Neonazis hier nachweisbar sind.
Einer ihrer Protagonisten der Deutschkanadier Ernst Zündel,
berüchtigt-bekannt dadurch geworden, dass er beispielsweise die massenhafte
Judenvernichtung in den KZs ableugnete. Dies brachte ihm (unter anderem) im
Jahre 1985 ein Strafverfahren ein, dass von Überlebenden der Nazi
Vernichtungsmaschinerie angestrengt wurde.
Mit Befremden nimmt man es
zur Kenntnis, dass in diesem Verfahren von Zündel auch ehemalige Zeugen Jehovas
zu seiner Verteidigung aufgeboten wurden. Namentlich werden der Schwede Ditlieb
Felderer und der Kanadier Gary Botting genannt. Wenn man die Thesen von de
Ruiter kennt, dann ist man nicht mehr ganz so erstaunt darüber! Man vergleiche
dazu: Ditlieb Felderer
Jener de Ruiter zitiert in
seinem Literaturverzeichnis auch den „Materialdienst" vom 16. April 1937 (de
Ruiter S. 272). Dabei handelt es sich um eine Zeitschrift die noch heute
erscheint. Heutiger Herausgeber ist die „Evangelische Zentralstelle für
Weltanschauungsfragen". In der genannten Ausgabe aus dem Jahre 1937 wurde
konzentriert über die Zeugen Jehovas berichtet. Auch Jonak v. Freyenwald fand
darin seine Würdigung.
De Ruiter distanziert sich
von dem Text dieser Ausgabe nicht. Im Gegenteil, er hält es für angebracht auch
der heutigen Leserschaft diese Ausgabe empfehlen zu können. So sei denn noch ein
Zitat aus jenem „Materialdienst" gestattet, dass zugleich wie ein
Brennglasspiegel die Problemlage verdeutlicht:
„Über die politischen
Ziele der E(rnsten) B(ibelforscher) schreibt Dr. v. Freyenwald in 'Die Zeugen
Jehovas', dass eine Verbindung zu Judentum, Marxismus und Freimaurerei bestehe.
Das Judentum spielt denn auch eine entsprechende Rolle in dem
Weltherrschaftsplan der Sekte. 'Wie auf den Gebieten der Religion und der
Staatspolitik eine vollendete Harmonie der Bibelforscher mit dem Judentum
besteht, so herrscht dieses stille Einvernehmen auch mit dem
klassenkämpferischen Marxismus. Russell und Rutherford predigen den Klassenkampf
ganz ebenso wie der Jude Karl Marx.'"
Abgesehen davon, dass dieses
Zitat einige Überzeichnungen enthält, hat es doch einen substantiellen Kern. Der
Marxismus wollte Veränderungen hervorrufen und ist damit gescheitert. Verändert
hat er in seiner Epochenzeit zwar einiges, aber nicht zuletzt war er ein
extremer Polizeistaat, der sein weiter vegetieren nur mit Polizeitstaatpraktiken
gewährleisten konnte.
Auch die Bibelforscher
(Zeugen Jehovas) lehrten bzw. lehren, dass die bestehende Weltordnung von
Ungerechtigkeiten geprägt ist. Während der Marxismus den Klassenkampf bemühte,
orientieren die Zeugen Jehovas auf der „göttliche Eingreifen". Beide
Gruppierungen sehen sich aber zugleich außerstande, völlige bürgerliche Freiheit
zu gewähren.
Das Korsett das dem
einzelnen angelegt wird, ist eng zugeschnitten. Solange er sich in die
vorgegebenen Anforderungen einfügt läuft alles relativ glatt. Wenn er jedoch
einem unwiderstehlichen „Juckreiz" verspüren sollte, dann spürt er, wie das
starre Korsett ihn daran hindert, sich Linderung zu verschaffen - in beiden
Systemen!
4) Detlef Garbe über de Ruiter
De Ruiter kann man nur sagen: er möge sich wahrlich nicht darauf verlassen, den Dr. Garbe zu seinen "Kronzeugen" umfunktionieren zu können. Ein solch fehlgeleitetes Unterfangen, geht garantiert schief. Hingewiesen sei nur auf Garbe's Beitrag im Hesse-Buch "Am mutigsten waren immer..."
Da rekapituliert Garbe schon bei de Ruiter, "eine eigentümliche Kongruenz" zu einem "Stasi-Propagandawerk" aus der DDR.
Im Detail führt Garbe zu de Ruiter aus:
"Auch dieser konstruiert eine enge Verbindung zwischen der Wachtturm-Gesellschaft und dem US-State Department unter Führung des Ministers und »Hochgradfreimaurers« Cordell Hull. Unter gleichzeitiger Berufung auf die völkisch-antisemitischen Propagandaschriften der 20er und 30er Jahre eines August Fetz oder Julius Kuptsch" wie auch dem DDR-Buch "bedient man sich der alten Verschwörungstheorien, denen zufolge die Zeugen Jehovas von der »Freimauererei« angeleitet werden und »im Dienste des Zionismus« stehen. De Ruiter nennt als Beleg für seine abstrusen Thesen einmal mehr die zum nationalsozialistischen Standardrepertoire gehörenden »Protokolle der Weisen von Zion«.
Und weiter Garbe:
"Vor diesem ideologischen Hintergrund kann es nicht verwundern, daß die Zeugen Jehovas - ebenso wie viele andere NS-Opfer auch - zum Objekt neonazistischer Agitation wurden. So griff das in Kalifornien ansässige »Institute For Historical Review«, das der US-amerikanischen Neonazi-Szene zuzurechnen ist, in einem 1980 unter schwedischer Deckadresse erschienenen Rundbrief die Stellung der Zeugen Jehovas zum »Dritten Reich« an und versuchte die vom NS-Regime ergriffenen Verfolgungsmaßnahmen als Abwehrhandlungen zu rechtfertigen. Ähnlich wie der jüdische Weltkongreß durch seinen Präsidenten Chaim Waizmann im Jahre 1939, habe Watch Tower-Präsident Joseph Franklin Rutherford - so das Pamphlet - schon fünf Jahre zuvor Deutschland den Krieg erklärt. Die Verfolgten werden kurzerhand zu Verfolgern gestempelt."
In seiner dazugehörigen Anmerkungsnummer nennt er dann noch als Quellenbeleg:
"Jehovah's Witnesses Declare War Against Germany!", rh 224, Taby 1980. Auch dieses vom »Institute For Historical Review« herausgegebene Pamphlet stützte sich gleichermaßen auf völkische Quellen der zwanziger und dreißiger Jahre" wie auf das DDR-Buch.
Was Garbe in dieser knappen Anmerkung indes nicht mit ausführt ist der Umstand, dass jenes Pamphlet aus Taby (Schweden) offenbar Personengleich, was seinem Verfasser anbelangt, mit dem unseligen Ditlieb Felderer ist. Zu letzterem habe ich an anderer Stelle schon weiteres ausgeführt. Siehe dazu: http://www.manfred-gebhard.de/Felderer.htm
Man vergleiche auch Garbe's in der Sache sich nur wiederholende Äußerung in: (EZW-Texte Nr. 145 (1999) S. 32):
5) Fallbeispiel: Julius Kuptsch und Karl Gerecke
Also man
kann sagen. Beide stellten direkt bzw. indirekt, durch ihre direkte bzw.
indirekte Gesellschaftskritik den Status quo in Frage und ziehen sich damit die
vehemente Feindschaft jener zu, die Veränderungen der bestehenden Verhältnisse
ablehnen, bzw. darüber hinausgehend, den Blick zurückwerfen und vergangene
Verhältnisse wieder herstellen möchten. Jene Kreise sind zugleich auch die
potentesten Kritiker der Bibelforscher und der Kommunisten.
Dies lässt sich auch an
einigen Protagonisten der zwanziger und dreißiger Jahre verdeutlichen. Ein
markanter Bibelforschergegner, schon in der Weimarer Republikzeit, war der
Deutschchristliche Pfarrer und NSDAP-Mitglied Julius Kuptsch. Über sich
selbst schrieb er einmal am 21. 6. 1936 an den Dr. Jonak (als Reaktion auf die
Zusendung des Jonak'schen Zeugenbuches):
„Mein Urteil, von
dem Sie jeglichen Gebrauch machen können, ist das folgende: Von allen bisher
über die 'ernsten Bibelforscher' oder, wie sie sich jetzt nennen 'Zeugen
Jehovas' veröffentlichten Schriften ist die Schrift von Dr. Hans Jonak von
Freyenwald meiner Kenntnis nach die beste. Jede Zeile in ihr ist zutreffend. Wer
über diese religiös getarnten Werkzeuge und erbärmlichen Judenknechte zur
Aufrichtung der teuflischen Judenweltherrschaft sich unterrichten will, der
greife in erster Linie zu dieser Schrift. Sie bestätigt voll und ganz auch das,
was ich schon 1927 über diese Gesellschaft in meiner Broschüre 'Aufklärung über
die E.B.' schrieb. Daraus sehen Sie, dass wir über die 'Zeugen Jehovas'
vollkommen einer Meinung sind.
Nebenbei bemerke ich, dass ich einer der fanatischsten
Bekämpfer des Judentums bin. Die 'Zeugen Jehovas' sind für mich eine religiös
getarnte Judentruppe, um die noch gläubigen Christen für Judas Weltherrschaft zu
gewinnen, wo die anderen Truppen; die Bolschewiken und die Freimaurerei das
nicht vermögen.
Vielleicht ist es
für Sie auch von Interesse, dass ich im Baltikum eine Zeit lang als Minister den
Kampf gegen den Bolschewismus führte und den Befehl zur Befreiung Rigas für den
Grafen von der Goltz unterschrieb und das ich hier in Deutschland als
überzeugter Nationalsozialist und Versammlungs- und Gauredner seit 1929 für
meinen Führer gekämpft habe und weiter kämpfe. Ich bin in meiner tiefsten Seele
ein überzeugter Christ und zugleich ein überzeugter Nationalsozialist. Heil
Hitler. gez. J. Kuptsch"
(Wiener Library (Tel Aviv) Freyenwald-Collection).
Dieses Selbstzeugnis ist in
mehrfacher Hinsicht aufschlussreich. Zum einen offenbart es, dass die
eigentliche Aversion dieser Kreise in der totalitären Entwicklung der
Sowjetunion zu sehen ist. Das von Kuptsch angeführte Beispiel des Baltikums ist
symptomatisch. Dort hatten im und nach dem Ersten Weltkrieg kommunistisch
orientierte Bürgerkriegskämpfer Tabula rasa mit ihren politischen Gegnern
veranstaltet. Für die davon Betroffenen war das eine traumatische Erfahrung, die
zu einer starken Polarisierung führte und sie antikommunistischen Rattenfängern
vom Schlage eines Hitlers in die Arme trieb.
Desweiteren ist
feststellbar, dass Kuptsch und Konsorten, ihre von ihnen vertretene Variante des
„Christentums" als staatstragende Kulturgrundlage betrachteten. Nun mussten sie
wahrnehmen, dass da eine „Sekte", eben die „Bibelforscher" von sich reden
machte, der eben diese „staatstragende Kulturgrundlage" nicht einen Pfifferling
wert war, die statt dessen versuchte, dass Urchristentum in die Neuzeit
aktualisiert zu übertragen.
Das war so zu sagen die
eigentliche Wurzel des Konflikts. Im Zuge dieser Entwicklung versuchten dann
diese Kreise, ob zu Recht oder nicht, sei jetzt einmal dahingestellt, die
Bibelforscher in die kommunistische Ecke zu stellen. Wie sich das auch im Fall
von Julius Kuptsch verdeutlichen lässt.
Kuptsch meint in
seiner vor 1933 erschienenen Schrift, dass nur der Nationalsozialismus
konsequent die Bibelforscher bekämpfen würde:
„diese Sorte von
heuchlerischen Christentumsfeinden, die das Christentum mit der Bibel in der
Hand bekämpfen."
Er meint behaupten zu können, dass sie
„sich des Wohlwollens der
Juden und Marxisten erfreuen" und ihr Ziel sei, „die Aufrichtung der jüdischen
Weltherrschaft, ähnlich, wie die jüdisch-marxistische Räteherrschaft schon in
Russland aufgerichtet ist"
(Julius Kuptsch „Christentum im Nationalsozialismus", München 1932 S. 34).
Es steht fest, dass
insbesondere die katholische Kirche, keinerlei „Berührungsängste" offenbarte,
wenn es galt in der Zeit der Hitlerepoche nach „Bündnispartnern" im Kampf gegen
die Zeugen Jehovas Ausschau zu halten. Dies lässt sich besonders am Wirken des
Dr. Jonak v. Freyenwald verdeutlichen, der wie kein zweiter, die
katholisch-faschistisch-antisemitische Allianz gegen die Zeugen Jehovas
repräsentierte.
Jonak erwies sich auch (im
Hintergrund) als treibender Motor, als es seinem Schweizer Agenten Boris Toedtli
gelang, die dortige Zeugenführung vor Gericht zu ziehen.
Symptomatisch ist dafür auch
das Schreiben Jonak's an Toedtli vom 17. 6. 1936 indem er ihm
mitteilte: „Die
Herren Schneider und Finke teilten mir mit, dass der Prozess anfangs Juli
stattfindet. Ein genauer Termin sei … nicht festgesetzt worden. … Hat Herr
Fürsprecher (Rechtsanwalt) Ruef bezüglich dieses Verhandlungstages einen
Bescheid vom Gericht bereits in Händen? Ich bitte mir das umgehend mitzuteilen,
da ich ja zu dieser Verhandlung kommen soll und will, obgleich ich bereits
dringendst nach Wien zurückmuss, und mir dieser Termin alles über den Haufen
wirft. Auch meine Pariserreise muss ich dann um einen ganzen Monat verschieben.
Ich bin eigentlich nicht sehr erfreut über dieses rasche Vorgehen des Gerichts,
zumal wir ja außer den theol. Prof. Dr. Gottfried Brunner nicht einen einzigen
Zeugen zur Verfügung haben"
(Freyenwald-Collection).
Inzwischen stand der
Gerichtstermin für den von Toedtli angestrengten Prozess fest. Jonak konnte ihm
dazu am 22. 6. 1936 schreiben:
„Mit besonderer Freude
kann ich Ihnen mitteilen, dass sich die protestantischen Theologen Pfarrer Karl
Gerecke, Pfarrer Julius Kuptsch und Dekan Scheurlen bereits schriftlich bereit
erklärt haben, in Bern zu erscheinen."
Gerecke ist bereits bekannt,
weil er unmittelbar nach dem 1933-er Verbot in einem Memorandum an Hitler vom
August 1933 seine Genugtuung über das Verbot aussprach (vgl. BA R 43 II/179 Bl.
147-201). Was von diesem Gerecke zu erwarten wäre, sollte er vom Berner Gericht
als Zeuge akzeptiert werden, kann man unschwer diesem Memorandum entnehmen.
Darin finden sich auch die
Sätze: „Die
Mordlisten, die Namensregister der Opfer des blutigen Harmagedon, die dem Tode
geweiht waren, waren bei Ausbruch der nationalsozialistischen Revolution schon
aufgestellt" (Ebenda
Bl. 159).
Gerecke behauptet dann
weiter, dass sie als konsequente Fromme
„noch immer auf das
bolschewistische Harmagedon hinsteuern"
müssen. Unter Hinweis auf die Berlin-Wilmersdorfer Erklärung der Zeugen Jehovas
vom Juni 1933, mit dem an die Nazis anbiedernden Satz, dass die rein religiösen,
unpolitischen Ziele und Bestrebungen der Bibelforscher in Übereinstimmung mit
den gleichlaufenden Zielen der nationalen Regierung des Deutschen Reiches wären,
kommentiert er:
„Also im Ernste: unsere
nationalsozialistische Regierung hat 'gleichlaufende Ziele mit den ernsten
Bibelforschern' und strebt, genau wie die Halunken, die 'Ernsten Bibelforscher'
auf ein blutiges, bolschewistisches Morden hin. … Sie sind gefährlicher und
niederträchtiger als alle Marxisten und Kommunisten, die sie voriges Jahr 1932
noch an sich lockten und dressierten auf das große blutige Harmagedon"
(Ebenda Bl. 160,161).
Die Hitlerregierung bekam
somit unmittelbar nach ihrem Zeugen Jehovas-Verbot, von einem „geeichten
Vertreter des Christentums" mit der Berufsbezeichnung „Pastor" bestätigt, dass
sie mit ihrem Verbot auf der richtigen Linie liege. Folgerichtig bekam der
Abgeordnete des Preussischen Landtages, der dieses Memorandum vermittelte, denn
auch postwendend vom Staatssekretär in der Reichskanzlei mitgeteilt:
„Im Auftrag des Herrn
Reichskanzlers beehre ich mich, den Empfang des gefälligen Schreibens vom 21.
August und den beigefügten Anlagen betreffend die Internationale
Bibelforschervereinigung usw. ergebenst zu bestätigen"
(Ebenda Bl. 201).
Diese Ausführungen machen
deutlich, dass Gerecke für den Jonak offenbar ein „würdiger" Gerichtszeuge
gewesen wäre. Auch Garbe hat sich (nur in einer Fußnote - mehr zu diesem Herrn
zu sagen schien ihm offenbar nicht opportun!). Also auch Garbe hat sich mit
diesem Gerecke auseinandergesetzt (vgl. Garbe S. 72). Auch Garbe ist nicht
gerade „glücklich" über diesen „geeichten Christentumsvertreter".
Er versucht ihn eher in die
Ecke des in seiner eigenen Kirche nicht ernst zu nehmenden Sektierers zu
drängen. Ich bewerte den Fall Gerecke allerdings grundlegend anders. Gerecke war
schon etliche Jahre davor in exponierter Weise in Erscheinung getreten. Und was
er schon damals sagte, war durchaus nicht die „vereinzelte" Meinung eines
„Spinners".
Um diesen Gerecke
zu verstehen, sollte man auch sein 1916 in erschienenes Buch „Der Christ und
die Sozialdemokratie" mit heranziehen. Mitten im Ersten Weltkrieg
erschienen, thematisierte es das sich durch den Krieg verschärft abzeichnende
Auseinderdriften zwischen Sozialdemokratie und Kirche.
Offensichtlich hatten
Gerecke und Konsorten schon damals eine Ahnung davon, dass nach dem Krieg eine
„Abrechnung" in Form einer Kirchenaustrittswelle auf sie zukommen könnte. Dem
versucht auch Gerecke gegenzusteuern. Symptomatisch sind in diesem Zusammenhang
auch seine Sätze:
„Mit himmelhohen
Buchstaben schreibt Gott jetzt sein Mene tekel upharsim an die Wand der
Weltgeschichte, und Sie wollen noch immer Patriotismus und Sozialismus
voneinander scheiden? In dem Wahne verharren, der uns die ganze Vergangenheit
verdorben hat, in der der Sozialismus den Patriotismus 'Mordspartiotismus'
gescholten hat? - Gott hat 'gewogen', den Sozialismus der Vergangenheit
'gewogen' und 'zu leicht befunden'"
(Karl Gerecke „Der Christ und die Sozialdemokratie", Braunschweig 1916 S. 103).
An anderer Stelle tätigt
Gerecke dann noch den Ausruf:
„Sei getreu bis in den
Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben, spricht unser Heiland und Treue
bis in den Tod ist in diesem Sinne auch deutsche Heerestreue, die das Mutterland
evangelischer Religion und Kultur verteidigt gegen den rohesten Einfall der
Hölle. Wollte Gott, wir dürften bereits sagen: Deutschlands Krieg ist Gottes
Krieg, und Deutschlands Sieg ist Gottes Sieg - dann hätten wir zum Ausdruck
gebracht, was in Wahrheit der verborgene Gotteswille in diesem Weltkriege ist"
(Ebenda S. 194).
Auf der gleichen Linie liegt
auch seine gleichfalls 1916 erschienene Schrift: „Wir Deutsche im Kampf um
die Ideale. Vortrag gehalten in den Kammersälen in Berlin" (Braunschweig
1916). Auf der Seite 7 kann man darin beispielsweise lesen:
„Mit welchem Bewusstsein
und welchem Gewissen aber sollen unsere Krieger ins Feld ziehen, mit welchem
Frieden im Herzen fürs Vaterland fallen und sterben, wenn eine innere Stimme
ihnen sagt: Ich habe Jesum verleugnet."
Auf der Seite 8 antwortet er
auf seine selbstgestellte Frage:
„Dies ist das Thema, von
dem wir zu reden haben: das Unrecht, dass durch eine eingebildete Wissenschaft
nicht nur an Jesus, sondern zugleich an den Seelen und Gewissen der Völker und
insbesondere des Krieges begangen wird."
Wenn die Bibelforscher
einige Jahre später in ihrer „Anklage gegen die Geistlichkeit" auch den Vorwurf
- ohne konkrete Namensnennung - erhoben, im Ersten Weltkrieg sei durch
Geistliche das Volk in die Schützengräben hineingepredigt worden. Dann könnte
man diesen Vorwurf auch mit Namensnennungen noch ergänzen - zum Beispiel auch
durch Pastor Karl Gerecke!
Nach dem Ersten Weltkrieg
erwies sich Gerecke als wüster Antisemit. Dazu ein Zitat aus seiner
Schrift „Biblischer Antisemitismus":
„Werfet Juda durch die
Propheten hinaus! Der Nichttheologe kennt die Macht der Propheten, der Todfeinde
des nichtswürdigen Judentums nicht. Der alldeutsche
Theologe aber ist
es Euch alldeutschen Brüdern schuldig, Euch in Eurem alldeutschen Sinne:
'Deutschland, Deutschland über alles!' den Arm zu stärken und das Gewissen zu
schärfen. Lasset Euren Alldeutschland aus den Trümmern sammelnden Zorn paaren
mit dem Prophetenzorne! Die eiserne Faust unseres Würgers, der nichtswürdigen
Revolutionsjuden, spürt keiner so hart wie der bibeltreue alldeutsche
Kirchenmann" ( Karl
Gerecke „Biblischer Antisemitismus", München 1920 S. 8).
Es lag in der Konsequenz
einer solchen Geisteshaltung, dass er auch die Bibelforscher als entsprechendes
Angriffsziel erkor. In seiner 1931 erschienenen Schrift „Deutschkritischer
Gottesgeist" kann man die diesbezüglichen Stellen nachlesen. Z. B. seine
Behauptung, Israel habe es verstanden
„den Hass des dummen
Pöbels gegen die bis zum Märtyrertode treue Christenschar aufzustacheln. Eine
ganz vorzügliche Waffe und Kriegskunst (Taktik) hat es da in dem Bolschewismus
erfunden, durch den es Russland zugrunde gerichtet hat.
Den russischen Bolschewismus wird es nach Deutschland nicht
hereinbringen, dafür sind keine Aussichten vorhanden. Aber dafür hat es einen
Ersatz, der bei der haltlosen und blinden deutschen Volksseele noch viel
aussichtsreicher und wirksamer ist als der jüdisch-moskowitische: Das ist der
Bolschewismus der 'Ernsten Bibelforscher'"
(Karl Gerecke „Deutschkritischer Gottesgeist", Leipzig 1931 S. 8).
Im weiteren wirft er den
Bibelforschern dann noch vor, sie
„entfalten die
wundervollste Hetze gegen 'die Geistlichkeit' , die wegen ihres nationalen
Patriotismus, ihrer Vaterlandsliebe , nach der 'ernsten' Darstellung der
jüdischen Bolschewisten mit dem Mammonismus versippt waren und noch heute sind
und die Menschheit 'in die Schützengräben hineingepredigt haben'"
(Ebenda S.9).
Es lag in der Konsequenz
einer solchen „Kanonenpastorkarriere", dem Hitlerregime zugetan zu sein. Wobei
man versucht ist anzumerken, dass die Vorwürfe in seinem Memorandum an Hitler
eher auf ihn selbst zutreffen würden!
Wenn man der Frage nachgeht,
weshalb sich auch der Dekan Paul Scheurlen, damals bekannt als
Verfasser eines seinerzeitigen Standardwerkes über die Sekten; weshalb auch er
sich dem Jonak als Gerichtszeuge zur Verfügung stellen bereit war. Dann wird man
die Antwort darauf auch in der Feststellung finden, dass er gleichfalls
antisemitischen Thesen zugetan war. So schreibt er beispielsweise in der ersten
Auflage seines 1921 erschienenen „Kleinen Sektenbüchleins":
„Aber was schließlich am
meisten auffallen muss, ist die Tatsache, dass Russells unablässige Predigt vom
Weltreich des kommenden jüdischen Messias bis in die einzelnen Züge gewissen
jüdischen Plänen zur Erlangung der Weltherrschaft gleicht. Jedenfalls ist es
nicht unwahrscheinlich, dass es sich bei der Sekte der 'Ernsten Bibelforscher'
um den frivolsten Missbrauch des Gotteswortes zur Irreführung, wenn nicht gar
zur Versklavung unseres deutschen Volkes handelt. Deutsche Christenheit wach
auf!" (Paul Scheurlen
„Kleines Sektenbüchlein", Stuttgart 1921 S. 27).
Wenn Garbe seinem
im Jahrgang 1994 des „Tel Aviver Jahrbuches für deutsche Geschichte"
erschienenen Aufsatz den Titel gab: „Sendboten des jüdischen Bolschewismus.
Antisemitismus als Motiv nationalsozialistischer Verfolgung der Zeugen Jehovas",
dann bin ich geneigt hinzuzufügen:
Richtig festgestellt. Aber
es war nicht „nur" Antisemitismus. Es war gleichzeitig eine Anpassung an den
Zeitgeist, den die kirchlichen Apologeten offenbarten, der bis zur eindeutigen
Kollaboration mit dem Faschismus ausuferte! Eine kritische Reflexion ihres
damaligen Versagens fällt den kirchlichen Apologeten noch heute schwer!
6) "13 Satanische Blutlinien"
Im Jahre
1999 erschien im Verlag Anton A. Schmid Verlagsprogramm Pro Fide Catholica, von
dem de Ruiter ein weiteres Buch mit dem Titel:
"Die 13 satanischen
Blutlinien."
Wieder verbreitet de Ruiter
faschistisches Gedankengut. Wieder sind für ihn die von der russischen
zaristischen Geheimpolizei Ochrana fabrizierten "Protokolle der Weisen von Zion"
"Wahrheit" gleichrangig im Wert der Bibel. Dies sagt er zwar in expliziten
Worten so deutlich nicht. Aber unterm Strich laufen alle seine Ausführungen in
diese Richtung. Zu welchen Absurditäten er sich dabei versteigt, macht auch
seine Behauptung deutlich, die bei einem Autounfall ums Leben gekommene
Prinzessin Diana sei bewusst "ermordet" worden, weil sie der "geheimen
Weltregierung" in die Quere gekommen sei.
Ein anderes Beispiel für die
von de Ruiter verbreiterten Absurditäten ist seine Behauptung (S. 107):
"Viele Forscher
(so ? welche denn?
wahrscheinlich Neonazis)
glauben, dass
Hitler und seine Frau Eva Braun nicht in dem Bunker gestorben sind. … Es war für
Hitler kein Problem, aus Berlin zu verschwinden, als die Russen kamen. Unter
anderem befand sich hinter dem Bücherschrank im Zimmer von Hitler ein
Geheimgang, der zu einem unterirdischen Tunnel führte. Dieser war mit einer
eigenen Straßenbahnschiene ausgestattet."
Er unterstellt weiter, dass „Illuminaten" (Freimaurer) ihm bei der „Flucht"
geholfen hätten.
Wie nicht anders zu
erwarten, wird die faschistische Hetze gegen die Freimaurer bei de Ruiter
wiederholt, mit der Akzentverschiebung, dass es sich bei ihm nicht um eine
säkulare Hetze gegen die Freimaurer handelt. Wohl aber um eine solche in
religiöser Verbrämung. Folgerichtig, lässt er denn auch ein Kapitel (S. 127) mit
der plakativen Überschrift beginnen: "Die Unterminierung der
römisch-katholischen Kirche."
Bei de Ruiter werden die
Geldmagnaten Rothschild und Rockefeller im gleichem Atemzug mit Russell genannt.
Natürlich seien alle in der Lesart von de Ruiter „Freimaurer." Dies erinnert an
jene „Argumentation", wo dem verflossenen DDR-Staat, aufgrund seiner verwendeten
Symbolik von Hammer und Zirkel in seinem Wappen unterstellt wurde, womöglich
auch eine Art "Freimaurerstaat" gewesen zu sein, dieweil Freimaurer sich auch
dieser Symbole bedienen. Naiver geht es schon kaum noch. Wie ist dann zu
erklären, dass in der DDR die Freimaurer gleichfalls nicht zugelassen wurden?
Darauf blieben jener Freimaurerriecher allerdings die Antwort schuldig. Das eben
zitierte, aus dem Internet entnommene Beispiel findet sich so, bei de Ruiter
nicht. Im Prinzip weist jedoch seine Argumentation die gleichen Kriterien auf.
Insbesondere wird von ihm
hervorgehoben, dass die Russellbewegung in der Frühzeit in der Tat etliche
"Geschäftskontakte" zu Freimaurern hatte. Sie nutzte auch Immobilien von
Freimaurern als Versammlungsstätte. Warum wohl? Nun, die Kirchen verweigern in
Vergangenheit und Gegenwart den Bibelforschern/Zeugen Jehovas ihre
Räumlichkeiten. Wenn man also in jener Frühzeit, wo man noch nicht über einen
eigenen umfänglichen Immobilienbestand verfügte, Versammlungsstätten suchte,
konnte man nicht wählerisch sein. Das als Gegenleistung Russell einmal in einer
Rede den Freimaurern dabei etwas zu viel Honig ums Maul geschmiert hat, wird
maßlos überschätzt und überwertet ohne den Gesamtkontext zu beachten.
De Ruiter stellt wieder
einmal abenteuerliche Behauptungen auf ohne auch nur den geringsten Versuch zu
unternehmen, fundierte Quellenbelege für diese Behauptungen zu nennen. Behaupten
kann man im Leben viel. Man kann behaupten "im Himmel ist Jahrmarkt". Allein
eine solche Behauptung hat überhaupt keinen Quellenwert, wenn sie nicht zugleich
auch durch fundierte Quellenbelege abgesichert wird. Das aber hat de Ruiter in
keiner Weise getan. In diesen Kontext ist auch seine Behauptung einzuordnen (S.
67):
"Die Familie Russell
spielte nicht nur eine Hauptrolle im Opiumhandel zu Beginn des 18. Jahrhunderts
und dem frühen Stadium des Mormonentums, sondern war auch für die Gründung des
geheimen Ordens Skull & Bones und der Watchtower Bible & Tract Society (Zeugen
Jehovas) verantwortlich.
Eines der Sicherheitssystems der Illuminaten ist die
Russell-Stiftung. Diese ist die legale Deckorganisation für den Geheimorden
'Skull and Bones'.
Der Skull &
Bones-Orden wurde von William Russell gegründet, der enge Kontakte zu den
damaligen Opium-Syndikaten an der Yale Universität hatte."
Der de Ruiter ist zu fragen,
wer soll denn dieser William Russell sein? Irgendwelche Jahresangaben, von wann
bis wann er gelebt hat, liefert er nicht. Nirgends in der Literatur der Zeugen
Jehovas tauchte je ein William Russell auf. Russells Vater hieß bekanntlich
Joseph L. Russell. Andere männliche Russellnamen sind in der ZJ-Geschichte nicht
bekannt. Wenn der de Ruiter, da also irgendeinen entfernten Verwandten von
Russell im diskriminierenden Sinne bemüht; dann hat diese Aussage den gleichen
Quellen"wert", als wenn ich sagen würde Adam Rutherford, ein fanatischer
Pyramidologe und Joseph F. Rutherford wären identisch. Sie sind es aber nicht.
De Ruiter macht mit Halbwahrheiten „Stimmung". Sein „Niveau" ist mit dem der
klassischen „Milchmädchen" identisch!
7) Schwarzbrauner Sumpf
Wieder einmal besteht Anlass den Namen Robin de Ruiter (alias Apollo Janssen) in den Mund zu nehmen. Ich kann es nicht verhehlen: In meinen Augen ist es schlichtweg ein Skandal, wenn auf der Webseite von kids.e.V. für die verschwörungstheoretischen Schriften dieses Herrn noch unkritische Reklame gemacht wird. Da veröffentlicht also der deutsche Verlag dieses Herrn zwei neue Schriften Bezüglich der einen, kann man im Internet auf geistesverwandten Verschwörungsseiten, folgende Reklame lesen
"Die Ausbreitung der 'Rinder-Seuche' hat
überall auf der Welt große Besorgnis ausgelöst. Bisher ist rätselhaft, welcher
Mechanismus dem Ausbruch der BSE-Erkrankung zugrundeliegt.... Robin de Ruiter
... führt ihn zu dem Schluß: Entscheidende Auslöser von BSE sind vermutlich von
Menschen erzeugte elektromagnetische Wellen. Dabei könnte das so gigantische
HAARP-Projekt der amerikanischen Regierung eine wichtige Rolle spielen.
Obwohl de Ruiter eher ausschließen möchte, daß BSE
absichtlich erzeugt wurde und wird, zeigt er doch schlüssig auf, wie die
erwähnten Drahtzieher nicht nur BSE, sondern auch die Maul- und Klauenseuche und
andere Krankheiten seit geraumer Zeit gezielt dazu benutzen, in der gesamten
westlichen Welt den Bauernstand zu ruinieren, ja sogar die Weltbevölkerung zu
dezimieren."
So ist das also. Nun, ich maße mir nicht an, Ursache und Wirkung in Sachen BSE einschätzen zu können. Ich stelle nur eines fest. Aus dem Munde seriöser Publizisten und Wissenschaftler, habe ich eine solche These bisher nicht vernommen. Nur eben aus jener katholischen Ecke a la de Ruiter.
Sind wir schon wieder soweit, dass theologische Erklärungen einen höheren Stellenwert haben sollen, als die Erklärungen seriöser Wissenschaftler? Ich bin mir bewusst, es gibt etliche, die es so sehen möchten. Ich meinerseits erkläre dazu aber ebenso deutlich. Jene die einst einen Galileo Galilei zum Widerruf zwangen, sind für mich keine Autorität.
Das
zweite Buch von de Ruiter hat den Titel: "Die NATO - Eingreiftruppe des
Großkapitals. Die Kolonisierung Jugoslawiens".
Nun ist es eine
Binsenweisheit, dass gerade Jugoslawien einer der europäischen Krisenherde ist.
Ob die diesbezügliche Politik anderer Staaten immer die richtige ist, kann man
vielleicht auch kritisch hinterfragen. Dennoch, auch in dieser Beziehung sind
katholische Kreise für mich keine Autorität.
Spätestens seit Karlheinz Deschners Buch "Mit Gott und den Faschisten", weiß die Welt, dass eine der dortigen Konfliktursachen eben auch eine katholische Komponente hat. Die faschistische Ustascha in den 40er Jahren, erfreute sich der nachhaltigen Förderung auch durch katholische Kreise. Wenn also der Katholik de Ruiter eine neue Erklärung der jugoslawischen Geschichte offerieren will, dann hat das ganze einen verdächtig apologetischen Beigeschmack.
Aber kommen wir auf den Verlag noch zu sprechen, der in Deutschland die de Ruiter-Bücher verbreitet. Schon ein Blick in sein Titelverzeichnis ist aufschlußreich.Beispielsweise: Friedlmeyer: "Die Zeugen Jehovas. Judaisierung des Christentums"; derselbe "Der Protestantismus. Judaisierung des Christentums".
Was denn nun? Einmal will dieser Autor weismachen "die Zeugen Jehovas würden das Christentum judaisieren" und kaum dass er seine These auf den Ententeich gesetzt, behauptet er das gleiche auch noch pauschal von "dem Protestantismus".
Es ist bekannt, dass die Diözese Augsburg der katholischen Kirche, über diesen Verlag auch nicht sonderlich "glücklich" ist, wie ein diesbezüglicher Rechtstreit dies verdeutlicht. In einer Reklameversendung dieses Verlages kann man denn auch die Sätze lesen:
"Unser langanhaltender und kräftezehrender Kampf für die Erhaltung der katholischen Bekenntnisfreiheit gegenüber der jüdisch-freimaurerisch korumpierten Konzilssekte. ... Wenn wir uns jetzt nicht standhaft wehren, wird es der panökumenistischen, judaisierten Konzilssekte, den 'Neukatholiken' des grundstürzenden 'II. Vatikanischen Konzils', gelingen, den wahren römisch-katholischen Glauben vollends zu verdunkeln! Dann wird sich in absehbarer Zeit überhaupt kein Wahrer Katholik mehr als solcher bezeichnen, als solcher bekennen dürfen."
So, nun weiß man's. Die katholische Kirche, namentlich seit dem II. Vatikanischen Konzil, sei eine "Konzilssekte". Und die Kreise um den deutschen Verlag des Robin de Ruiter sind die "wahren Katholiken".
Johannes Rothkranz, Haus- und Hofautor des Pro Fide Catholica-Verlages (Anton Schmid, Durach), der bekanntlich auch die unseligen Ergüsse eines Robin de Ruiter verlegt. Besagter Herr Rothkranz stellt sich in einem 1989 erschienenen Buch als verhinderter Kirchenlehrer der katholischen Kirche vor. Er sei zwar (1989) nur Diplomtheologe dieser Kirche; aber von seinem Anspruch her, wollte er offenbar durchaus noch "höheres" in dieser Kirche bekleiden. Ob ihm das zwischenzeitlich gelungen ist, wage ich eher zu bezweifeln. Gleichwohl weiß ich es nicht hundertprozentig. Vor Überraschungen kann man ja wohl auch in genannter Kirche nicht "sicher" sein.
In seinem 1989-er Buch attackiert er im Besonderen einen "Berufskollegen" aus der katholischen Kirche namens Hans Urs von Bathasar, der es in besagter Kirche im Gegensatz zu Rothkranz sehr wohl zu "höheren Ehren" gebracht hatte. Eines der Punkte die das Missfallen von Rothkranz erregen, ist das besagter Bathasar mal eine vielleicht als programmatisch einzuschätzende Schrift mit dem Titel "Schleifung der Bastionen" veröffentlicht hatte. Ziemlich am Anfang seiner Laufbahn. Rothkranz bescheinigt ihm nun, dass er diesem programmatischen Titel auch in seiner weiteren Laufbahn treu geblieben sei.
Liest man als einer, der nie eine Sozialisation im Sinne der katholischen Kirche erfahren hat; aber sehr wohl eine Sozialisation im Sinne der Zeugen Jehovas, dann kann man bei etlichen Passagen der Rothkranz'schen Ausführungen, ein müdes, gequältes Lächeln, kaum unterdrücken. Zu den von Rothkranz bei Balthasar bemängelten "Kardinalsünden" gehören wohl unter anderem, dass er Balthasar, sich wohl auch bemüht habe, die kirchliche Dreieinigkeitslehre, die Fegefeuerlehre, die Höllenlehre zu "entschärfen". Nicht das er sie aufgeben wollte. Mitnichten. Nur wohl etwas mehr "dem Zeitgeist" "verständlicher" machen.
Meinen Kommentar zu diesem Unterfangen habe ich schon abgegeben. Es kann einem höchstens ein müdes und gequältes Lächeln abringen. Auch Balthasar bleibt auf halber Strecke stehen.
Was soll das ganze, mag der eine oder andere Frage. Der Katholizismus ist doch hier, oder soll es auch nicht sein: "Thema". Schon richtig. Es ging mir auch nur darum an einem weiteren Beispiel den "Stall" des Robin de Ruiter etwas näher zu verdeutlichen. Ich muss es nochmals wiederholen. Wenn die Kids-Webseite besagtem Ruiter eine unkritische Plattform bietet disqualifiziert sich sich in nicht hinnehmbarer Weise. Dies werde ich immer wieder, bei passender Gelegenheit so mit aussprechen
Noch ein dreibändiges
Opus von Rothkranz, im genannten Verlag sei erwähnt. Dies auch aus dem Grunde,
weil auch de Ruiter auf selbiges empfehlend hinweist.
Der Gesamttitel lautet: "Die kommende 'Diktatur der Humanität'"
Als Untertitel wird für Band 1 genannt "Die geplante Weltdemokratie in der 'City
of Man'"; Band 2: "Die Weltherrscher der Finsternis in Aktion"; Band 3 "Die
vereinten Religionen der Welt im antichristlichen Weltstaat".
Auf einen kurzen Nenner gebracht: Weltverschwörungstheorien pur, werden hier serviert in ihrer speziell katholisch ausgerichteten Variante. Die berüchtigte Antisemitenbibel "Protokolle der Weisen von Zion" verblasst angesichts des Rothkranz-Elaborates fast zur "Bedeutungslosigkeit".
So etwa in Band 1 S. 37 wo er der Freimaurerei bescheinigt sie sei die "Synagoge Satans". Originell ist Rothkranz damit keineswegs. Er plappert bloß nach, was einige Päpste schon vorgeplappert hatten. Nur mit dem Unterschied, dass seine päpstlichen Gewährsmänner, schon lange nicht mehr unter den Lebenden weilen.
In Band 2 S. 64 wird
dann "folgerichtig" auch die berüchtigte Hetzschrift "Protokolle der Weisen von
Zion" hochgelobt.
Nazigutachter Ulrich Fleischhauer, "Experte" anlässlich einen Prozesses um jene
"Protokolle" 1935 in der Schweiz gehört dann auch zu den von Rothkranz bemühten
Gewährsmännern (Band 2 S. 67).
Der heutigen katholischen Kirche ist es in der Regel peinlich bis unangenehm, wenn sie beispielsweise darauf angesprochen wird, dass ihr Schweigepapst Pius XII. auch in der Holocaust-Tragödie bedenklich geschwiegen hat. "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth hatte das auch mal thematisiert. Letzteres Buch fand auch in den Zeugen Jehovas-Zeitschriften eine umfängliche Würdigung; und in diesem Punkte stimme ich ausnahmsweise auch mal mit ihnen überein.
Will man eine Zeitreise unternehmen, lange vor jenem Aspekt der Kirchengeschichte der Catholica, dann wird man mit Rothkranz's Auslassungen "bestens" bedient. Wer sich vorher noch nicht als Gegner der katholischen Kirche sah, der hat die allerbesten Chancen den letzten Rest an Motivation geliefert zu bekommen, mittels des Herrn Rothkranz. Wenn das der offizielle heutige Katholizismus wäre (er ist es nicht), was der Herr Rothkranz da seinen Lesern zumutet; dann kann man dazu nur sagen eine "höllerische" Religion kann man sich kaum für die Gegenwart vorstellen!
Es kommt aber noch "besser". Genanntes Rothkranz'sches Elaborat "Die kommende Diktatur der Humanität", kam wohl auch den oberen der regional zuständigen Diözese Augsburg der katholischen Kirche zu Gesicht. Ihr damaliger Bischof ein Herr Stimpfle. Unangenehm berührt von diesem Ausführungen, entschloss man sich dem herausgebenden Verlag etwas "näher" zu treten. Wie das ganze anfangen, fragten sich jene Kreise wohl. Da kam man auf den "Trichter" zu bemängeln, dass der Verlag Anton A. Schmid als Verlagsmotto publiziert "Pro fide Catholica". Das war dann für die Augsburger offenbar der "Rettungsring". Man forderte diesen Verlag am 21. 2. 1991 per Anwaltsschreiben auf, die Bezeichnung "Catholica" oder katholisch, nicht weiter zu benutzen. Würde dieser Forderung entsprochen wäre alles "gut". Sich sonst inhaltlich mit diesem Verlag auseinanderzusetzen. Nicht die Intention der Diözese Augsburg.
Der genannte Verlag seinerseits stellte sich auf den Standpunkt. Eine juristisch einklagbare Verletzung eines Namensrechtes liege nicht vor. Zumal verwende er den inkriminierten Begriff nur als Motto, nicht aber als Verlagshauptnamen. Und er teilte dies auch den Ausburgern entsprechend mit, die daraufhin "den Schwanz einzogen". Der Justitiar jener Diözese teilte im Dezember 92 dem Verlag mit, er sehe den Fall als abgeschlossen an. Ab 1993 hatte diese Diözese einen neuen Bischof. Der ließ in vorgenannter Sache erst mal alles so, wie es war.
Erst am 2. 3. 1999 gab es einen erneuten Vorstoß in der Sache. Kaum aus eigenem Antrieb. Wohl eher als Reaktion auf von außen kommende Kritik an diesem Verlag. Wieder wurde das Spiel gespielt, nur die Verwendung des Namens "Catholica" oder katholisch, zu beanstanden. Diesmal allerdings, wollte man sich wohl nicht wieder als "zahnloser Tiger" entpuppen. Diesmal, nachdem der Verlag der Aufforderung nicht nachgekommen, erhob man tatsächlich am 19. 7. 1999 gerichtliche Klage. Und siehe da, dass Gericht gab der Diözese sogar recht. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung wurde eine Strafandrohung von 500.000 DM ausgesprochen. Wahrlich kein "Pappenstiel".
Wer hat schon so mir nichts dir nichts eine halbe Million, die er als Strafgeld zahlen könnte? Wohl kaum einer. Auch dieser Verlag nicht. Und so legte er denn verständlicherweise Berufungsklage am 24. 3. 2000 ein. Sie wurde beginnend am 13. 7. 2000 verhandelt. Jetzt musste sich die Diözese allerdings sagen lassen; sie habe nach ihrer zahnlosen Drohung von 1991 übermäßig lange die Dinge schleifen lassen. In der Tat, so ist es. Jene Diözese handelte nicht aus eigenem "Antrieb". Sie wurde getrieben.
Inwiefern? Nun, auch andere lasen die Ergüsse dieses Verlages und fassten sich an den Kopf. So etwas duldet die katholische Kirche! Und sie ließen es nicht dabei bewenden den Frust nur herunterzuschlucken, sondern wurden vorstellig auf durchaus höherer Ebene.
Einer der da wohl besonders aktiv wurde, war da wohl die jüdische Organisation "Jewish Council". Wie man aus diesem englischsprachigem Namen entnehmen kann, hatte dieser Verlag also selbst bis in die USA hinein, schon unangenehmes Aufsehen erregt. Kann sich eine Augsburger Diözese in solcher Situation es weiter leisten, ihre Politik des aussitzens fortzusetzen? Wohl kaum, zu dieser Erkenntnis kam man wohl auch dort. Deshalb diese späte Klage; wieder auf der juristisch wackligen Basis, Verletzung des Namensrechtes, aufgebaut.
Keinerlei öffentliche Exkommunizierungen der Protagonisten dieses Verlages erfolgten je. Keinerlei Kampfschriften nennenswerten Umfanges gegen dieses Verlag, wurden je von der Catholica publiziert. Lediglich ihre krückenlahme Hilfskonstruktion "Verletzung" des Namensrechtes wurde eingesetzt. Wenn diese Forderung erfüllt, könnte dieser Verlag also frank und frei weiter im bisherigen Stil hetzen und Geschichtsklitterungen betreiben. Das wurde eine Diözese Augsburg in keiner Weise berühren.
Es kam, wie es kommen mußte. Die juristische Grundlage der Augsburger Klage erwies sich als brüchig. Zwar bekam Augsburg in seiner Berufungsklage erneut recht. Aber rechtswirksam ist dieses Urteil damit noch lange nicht.
Es wurde schon gesagt. Eine halbe Million DM Strafandrohung pro Übertretungsfall ist wahrlich kein "Pinups". Das kann sich keiner leisten, so etwas hinzunehmen. Da wird bis zum letzten gekämpft. So auch in diesem Fall. Das Ergebnis der Berufungsklage wurde daher deshalb nicht wirksam, weil diesbezüglich Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt wurde. Dessen Entscheidung steht noch aus. Man hätte dieses Ergebnis auch schon vorher erahnen können!
Aber man war ja überhaupt nicht daran interessiert, wirklich "reinen Tisch" zu machen. Man beugte sich lediglich internationalem Druck und das dann noch durch und durch halbherzig.
Über diesen Verlag noch viele weitere Worte zu verlieren erübrigt sich eigentlich. Über seinen Stammautor Rothkranz gab es kürzlich die Meldung. Zitat:
"Der NPD-Kreisverband Sangershausen (Sachsen-Anhalt) kündigte Anfang 2002 verschiedene "Themenabende" an, zu denen unter anderem auch Johannes Rothkranz als Referent eingeladen werde. In Heft 10/2002 des Periodikums Mensch und Maß (Ludendorfferinaner) schreibt Rothkranz zum Thema "Wer steuert den Islam?".
Man vergleiche bezüglich Rothkranz auch:
http://www.trend.infopartisan.net/trd7800/t557800.htm
http://www.h-ref.de/literatur/r/rothkranz/wussten-sie-schon.php
Wer die Kaffeesatzleserei im Bereich Zeugen Jehovas bezüglich angeblicher "unterschwelliger" Bilder kennt, kann bei diesem Verlag übrigens ähnliches" bewundern".
Ein Beispiel für sein "Niveau", auch wie man aus gewissen Alltagsposen, die auch katholischen Würdenträgern unterlaufen, "Freimaurersignale" herauslesen will.
Über solche Spinnereien kann man in der Tat, zur Tagesordnung übergehen. Was man indes nicht übersehen sollte, ist die penetrante Rechtslastigkeit. Ein Beispiel. In einem Flugschrift dieses Verlages wurde gegen den Zitat "jüdischen Historiker Ernst Ludwig Ehrlich" polemisiert. Besagtem Herrn wurde angelastet, dass er am 21. 11. 2000 auf einer Veranstaltung der Katholischen Akademie in Berlin referiert habe. Und aus jüdischer Interessenlage habe er dort das Lob geäußert, dass unter dem Pontifikat Johannes Paul II es zu einem wirklichen Durchbruch beim vorher von starken Spannungen geprägten jüdisch-katholischen Verhältnis gekommen sei. Grund genug, für diesen Verlag, die Alarmsirenen einzuschalten..
Wenn Herr Rothkranz, auch auf der Webseite des kanadischen Neonazi Zundel lobend erwähnt wurde, dann braucht man auch darüber nicht verwundert zu sein. In der eben zitierten Flugschrift dieses Verlages findet man auch eine indirekte Bestätigung dafür. Da wird zwar tief ins Private gegriffen. Allein dennoch, die Argumentation ist bezeichnend.
Einer der offensichtlichen "Jünger" dieses Verlages hatte einen Pfarrer aus der Diözese Augsburg zu sich zum Mittagessen eingeladen. Indes "harmonisch" verlief dieser Besuch wohl nicht. Im laufe des Gespräches ist man dann wohl ziemlich hart aneinander geraten. Und auch in der Nachbetrachtung, ließ man den Fall nicht auf sich bewenden. Beide Seiten "bombardierten" sich mit ihren Vorwürfen.
So zitiert jene Flugschrift:
"Ja, bei der Leugnung zentraler römisch-katholischer Glaubenswahrheiten durch einen seiner 'Pfarrer' war für das Augsburger Neukirchen'ordinariat' höchst bezeichnend keine 'Schmerzgrenze' überschritten worden ... Wohl aber bei der - übrigens bloß angeblichen - 'Bezweiflung' eines 'Dogmas' der zeitgenössischen, bekanntlich von Talmudisten unter Zuhilfenahme des Strafgesetzbuches diktierten Auftragsgeschichtsschreibung!
Frau Oertl stellte sie richtig, sie habe im ihr nun plötzlich zum Vorwurf gemachten Punkt gegenüber Manz lediglich folgendes sinngemäß geäußert: Von noch lebenden und verstorbenen Personen weiß ich, dass bei uns in Deutschland derjenige strafrechtlich verfolgt werden kann, der in Frage stellt, dass es sechs Millionen Juden waren, die zur Nazizeit umgebracht wurden. Eine von gelenkten Politikern der Bevölkerung oktroyierte Zahl, die keine weitere Beweisführung zuläßt. Wissenschaftler, Chemiker, Juristen u. v. a.m., die nach gründlichen Recherchen zu anderen Ergebnissen gelangen und diese veröffentlichen, werden eingesperrt. Weiter erklärte ich auch, dass es nicht nur Juden waren, die in KZs umgebracht wurden, sondern auch Priester, Ordensleute, Autoren u. v. a. m. Wer spricht von den 150 Millionen Menschen, die der Kommunismus forderte? Wo bleiben hier Anerkennung, Entschädigung und Reue dieser Verursacher ihren Opfer gegenüber? Auch habe ich nicht Auschwitz sondern Dachau als Ort genannt, an dem keine Menschen mit Giftgas getötet worden sein sollen.
Doch das brachte den wackeren 'Domvikar' erst recht in Rage
Dann kam er sogleich zum 'Eigentlichen':
'Ihre Ausführungen über die nationalsozialistischen Verbrechen, näherhin den Völkermord an den jüdischen Mitbürgern, verfolgen m. E. eine apologetische Tendenz ... Zum einen ist nicht nachzuvollziehen, wem die Aufrechnung der kommunistischen Opfer in diesem Zusammenhang helfen soll. Sie macht die jüdischen Opfer des deutschen Faschismus nicht lebendig, relativiert höchstens dessen rassistische Gewaltverbechen. Wer kann da von der Schuld durch diesen Verweis entlastet werden, wenn nicht die Mörder von damals? Zum anderen kann die These, dass im KZ Dachau keine Ermordungen durch Giftgas erfolgten, Historiker sprechen exakterweise davon, dass es dort keine Gaskammer gab, wohl nicht die massenhafte Ausrottung durch Gas in anderen Vernichtungslagern vertuschen bzw. mildern."
Offensichtlich sind jene Kreise um den Verlag Anton A. Schmid sehr geläufig im rezitieren neonazistischen Gedankengutes. Das ganze noch kombiniert mit ihrer rückwärtsgewandten Theologie. Und zu allem Überfluss noch begünstigt durch eine Aussitzerdiozese.
Wahrlich kein Ruhmesblatt für die Catholica.
8) Verschwörungstheorie zwischen Illusion und Wirklichkeit
In seinem
Buch "Die geheime Macht hinter den Zeugen Jehovas" stellt de Ruiter auch die
gewagte These auf (S. 74)
"Selbst wenn es vielen
unglaublich klingen mag, die 'Unsichtbaren Oberen' brachten auch Adolf Hitler an
die Macht." In der
Lesart von de Ruiter wären denn diese "Unsichtbaren Oberen" die Freimaurer. Nun
ist de Ruiter nicht der "Erste", der den Freimaurern schlimmes nachsagt.
Namentlich die katholische Kirche und besonders ihr Papst Leo XIII. (1878-1903)
erwiesen sich als wüste Gegner der Freimaurer. Über dessen Enzyklika "Humanum
genus" fand der gleichfalls der katholischen Kirche angehörende Herbert
Vorgrimler, der 1975 ein Buch mit dem Titel veröffentlichte "Kirche und
Freimaurer im Dialog", dass allerdings nicht in dem dubiosen Verlag
erschien, der auch die de Ruiter-Schriften publiziert. Also Vorgrimler fand dazu
nur den Ausruf:
"Die Pflicht zur soliden Information trat demgegenüber in den Hintergrund. Man
kann die Enzyklika 'Humanum genus' mit ihren Behauptungen und mit ihrem
Wortschatz nur gerecht beurteilen, wenn man sie in diesem Zusammenhang sieht.
Auch so bleibt das Rundschreiben noch schlimm genug.
In seinem ersten Teil zeichnet es das bereits bekannte Klischee von der
finsteren Verschwörung gegen die Kirche. Es verwendet dabei ein nicht weniger
fatales anderes Klischee: in der katholischen Kirche ist alles gut, in der
Freimaurerei ist alles schlecht. Die Quellen sind nicht seriöse historische
Werke, sondern antifreimaurerische Propagandaschriften niedrigsten Niveaus."
Nach dem Ersten Weltkrieg waren es dann weltliche Kräfte, die das Thema der
Freimaurerhetze weiter am "kochen" hielten. Besonders ragte unter ihnen der
deutsche Weltkriegsgeneral Erich Ludendorff heraus. Seine wüsten Angriffe
kommentierte Kurt Tucholsky mal mit dem ironischen Satz:
"Hast du Angst Erich?
Bist du bange Erich? Läufst du weg?
Woll'n die Maurer, Erich - und die Jesuiten, Erich, dich erdolchen Erich - welch
ein Schreck!
Die Juden werden immer rüder. Alles Unheil ist das Werk der Freimaurer-Brüder!"
Im berüchtigten "Dritten Reich" hatte die Freimaurerhetze dann weitere
Hochkonjunktur. Folgerichtig fanden sie sich dort auch unter den verbotenen
Gruppierungen wieder. Es nutzte den Freimaurern auch nichts, dass sie im Vorfeld
der erzwungenen Auflösung noch versuchten, die Naziideologen "von rechts" zu
überholen. Die Nazis kannten auch bei ihnen kein Pardon. Auch die Gestapo nahm
sich dieses Themas an. Ein eigenes Freimaurerreferat wurde in ihrer Behörde
gegründet. In ihren Lageberichten sind dann neben den anderen verbotenen
Gruppierungen und Parteien, auch immer die Freimaurer mit aufgeführt (sofern
sich aus aktuellem Anlass irgendwelche Informationen dazu ergaben). Eine Person
der Zeitgeschichte ist in diesem Gestapo-Freimaurerreferat dann noch groß
geworden. Und zwar jener Adolf Eichmann, der später dann noch von jüdischen
Agenten aus Südamerika - der Zufluchtsstätte etlicher hoher Nazis - gekidnappt
wurde, um für seine Verbrechen an den Juden vor ein Gericht in Israel gestellt
zu werden.
In der
Gegenwart ist es eigentlich relativ still geworden, um die Freimaurerhetze. Bis
auf eine Ausnahme. Das sind dann wieder katholische Kreise, in dessen Dunstkreis
offensichtlich auch der de Ruiter agiert.
Aber kommen wir zum
sachlichen Kern zurück. De Ruiter sagt "Unsichtbare Obere" hätten Hitler an die
Macht gebracht oder finanziert. Die These ist nicht neu, jedenfalls was die
Finanzierung Hitlers anbelangt. De Ruiter nennt auch Literatur, wo man diese
These nachlesen kann und die schon kurz nach 1945 auf dem Buchmarkt auftauchte,
nebst neuerer Literatur dieser Gattung. Was soll man dazu sagen? Zum Glück haben
sich auch seriöse Wissenschaftler schon mal mit dieser Frage auseinandergesetzt.
Im 2. Jg. 1954 der "Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte" (S. 586f.)
ging Hermann Lutz dieser Frage nach. Seinen Aufsatz gab er den Titel
"Fälschungen zur Auslandsfinanzierung Hitlers". Lutz vermerkt über eine
Person, die diesbezüglich publizistisch besonders in Erscheinung getreten ist,
dass der Name "Severin Reinhard" in Wahrheit ein Pseudonym sei und das er in
Wirklichkeit Rene Sonderegger heißt.
Im Jahre 1933
veröffentlichte jener Sonderegger in Zürich eine Schrift, die er betitelte
"Die Schweiz im Umsturz?" Darin äußert er über sich selbst (S. 79):
"Ich habe den
italienischen Faschismus aus der Nähe gesehen. Ich muss sogar gestehen, dass ich
ihm nachgelaufen bin. … Er war einfach die Reaktion auf zwei Versager: einen
entarteten Liberalismus und einen unmöglichen Sozialismus."
Auch mit dem Pamphlet
"Protokolle der Weisen von Zion" setzt er sich in dieser Schrift auseinander.
Über sie schrieb er (S. 41):
"Über die 'Protokolle der
Weisen von Zion' habe ich eine besondere Auffassung. Die einen zweifeln nicht an
ihrer Echtheit; die andern bezeichnen sie als bloße Umstellung einer
Schmähschrift auf Napoleon III. Ich mische mich nicht in diesen Streit. Ganz
unabhängig aber von dieser Frage könnte ich mir vorstellen, dass es Juden gibt,
die sich ein Weltreich erträumen, und die diese Träume schriftlich niederlegen,
wie weiland Jules Verne seine ahnungsvollen technischen Phantastereien. Es wäre
auch theoretisch möglich, dass einige 'Weise' an solchen träumerischen Plänen
interessiert wären, und so könnte es geschehen, dass die Lüge wie Wahrheit
aussieht. Da könnte man Alfred Rosenberg dankbar sein, dass er diesen Traum
eines Weltreiches 'entdeckt' hatte."
Im Jahre 1935
veröffentlichte Sonderegger dann im gleichen Verlag eine weitere Schrift
betitelt: "Die Wahrheit über die Judenfrage". Die laut Untertitel
"Beiträge zu den Protokollen der Weisen von Zion" darstellten. In ihr
postuliert er (S.4):
"Solange es Leute gibt,
die aus dem Blut die Wahrheit riechen, solange wird es Leute geben, welche in
diesen Protokollen den Schlüssel zu den Ursachen der Krise suchen werden. Und
weil es internationale Mächte gibt, denen die Weisheit dieses Buches nicht ganz
fremd ist, so wird der Gedankenkurzschluss möglich sein, nach welchem die Juden,
die ja international unter die Völker verteil sind, dass Büchlein verfasst haben
müssen."
Will man ein Resümee dazu
machen, dann kann man sagen, dass Sonderegger damit faktisch auf der Linie von
Hitler lag, der auch in seinem "Mein Kampf" sagt:
"Die Frankfurter Zeitung
stöhne - die Protokolle seien Fälschung. Das aber beweise nur ihre Echtheit"
(S. 337, Ausgabe 1940).
Über Sonderegger vermerkt
der bereits genannte Hermann Lutz dann noch:
"Sonderegger sei 1952 nach
Spanien ausgewandert. Im gleichen Jahr habe er in Buenos Aires seinen
'Spanischen Sommer' in zweiter Auflage herausgebracht. Er hat eine Studie 'Die
Rolle der Warburgs in Deutschland und Europa' in Vorbereitung und will seine
'Finanzielle Weltgeschichte' von 1936 in neuer Bearbeitung vorlegen. Es ist
daher dringend geboten, seine Fälschungen ins rechte Licht zu rücken."
("Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte" 1954 S. 596).
Verwandte auch Lutz
bezüglich Sonderegger (alias Severin Reinhard) die Vokabel das es sich bei ihm
um eine Fälscher handeln würde und ist seine Affinität zu faschistischen
Strukturen auch nicht zu übersehen, so gilt es jedoch festzuhalten, dass auch
von anderer Seite die These ventiliert wurde, Hitler sei maßgeblich auch aus den
USA finanziert worden.
Ich verweise diesbezüglich
beispielsweise auf Karlheinz Deschner. In seiner 1994 erschienenen
Schrift "Was ich denke" schrieb er beispielsweise S. 53-55):
"Geschäfte machte er
(Hitler) mit Rom, mit einem Papst, dessen ganzen Verein er zugleich gedämpft
bewundert und heftig verachtet hat. Machte sie nicht zuletzt mit den USA, und
zwar mit dem scharfen Antisemiten Henry Ford ebenso wie mit führenden jüdischen
Bankhäusern der Wallstreet, besonders dem Bankhaus Kuhn, Loeb & Co. (das über
die Banca d'Italia, Rom, die Bank Mendelson & Co., Amsterdam, u. a. die damals
beträchtliche Summe von 32 Millionen Dollar, 128 Millionen Reichsmark, in
Hitlers Hände leitete).
Die Gelder aus der
deutschen Industrie für ihn waren 1930 stark zurückgegangen. So finanzierte er
seine äußerst aufwendigen Wahlfeldzüge in den frühen dreißiger Jahren, wie
damalige Nachforschungen des preußischen Innenministers Severing ergaben, mit
Geldern 'nur aus dem Ausland, insbesondere aus den USA'. (Die das Kapital
beschaffenden Konferenzen führte Hitler persönlich im Berliner Hotel Adlon mit
dem Bankier Warburg als Treuhänder des New Yorker Bankhauses Kuhn, Loeb & Co.
sowie einer Gruppe der amerikanischen Ölfinanz.) Auch einen großen Teil der
Waffen für SA und SS bezog Hitler aus dem Ausland. Ebenso 1933 Anleihen im Wert
von einer Milliarde Dollar durch ein von dem späteren US-Außenminister und
Adenauer-Freund John Foster Dulles vertretenen US-Bankenkonsortium. Auch danach
noch dauerte die Fürsorge des amerikanischen Großkapitals für Hitler fort, dass
übrigens für Mussolini schon früher gesorgt hatte, besonders durch den bekannten
US-Bankier J. P.
Morgan, einen Nichtkatholiken, dem Pius XI. 1938 einen der höchsten päpstlichen
Orden verlieh. … Die Frage ist, ob es auch ohne den Papst und dessen deutsche
Zentrumsgehilfen so weit gekommen wäre. Ja, ob nicht schon die USA hätten Hitler
verhindern können, hätten sie ihn nicht finanziert. Hätten sie ihn eben
verhindern wollen!
Jedenfalls leisteten
dieselben Wallstreet-Kreise ihm Hilfe, die schon am Ersten Weltkrieg enorm
verdient hatten, weshalb ihnen das Gemetzel auch gar nicht lang genug dauern
konnte; waren es dieselben Wallstreet-Kreise, die schon die Bolschewistische
Revolution und Rote Armee finanziert hatten (über diverse Rothschildbanken in
Paris, London, Petersburg sowie über Leo Trotzki, der mit der Tochter eines ihm
befreundeten Bankiers Giwotowski, verheiratet war); dieselben Wallstreet-Kreise,
die dann auch den Kalten Krieg schürten und wohl am meisten profitierten durch
die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik unter Adenauer. Diese US-Finanzhydra
sprang Hitler bei, und zwar in der einzigen Absicht seine Machtergreifung, seine
Aufrüstung sowie den nächsten Weltkrieg zu ermöglichen und damit für sie selbst
noch riesigere Gewinne als im letzten. Neu ist das alles nicht."
Soweit Karlheinz Deschner
Ich würde meine These zum
vorstehend referierten dahingehend zusammenfassen. Es gibt in der
internationalen Politik in der Tat Zusammenhänge, deren Durchleuchtung einigen
Biedermännern die Maske vom Gesicht reißt. Was ich allerdings vehement bestreite
ist, dass dies sich auf das Schlagwort "Freimaurer" verengen lässt. Wer speziell
nur Freimaurer dafür haftbar machen will, der ist in wissenschaftlich
nachprüfbarer Weise beweispflichtig. Die notwendigen Beweise hat de Ruiter nicht
erbracht. Er ventiliert lediglich alte katholische Ressentiments in
Glaubensbekenntnisart.
Glauben ist indes nicht mit
Wissen identisch!
Für mich hat die Engführung,
diese Vorwürfe nur auf die Freimaurerei bzw. Juden zu beziehen einen faden
Beigeschmack. Wie weiland die Endzeitdaten 1925 und 1975 bei den
Bibelforschern/Zeugen Jehovas, werden auch hier mit der Brechstange
vermeintliche "Prophezeiungserfüllungen" zusammengebogen, die keiner rationalen
Prüfung standhalten. Es geht hier meines Erachtens um eine Art Glaubensersatz.
Die Thesen der Zeugen werden abgelehnt, aber die dafür als Ersatz angebotenen
sind auch nicht viel "besser". Statt des Regens wird die Traufe angeboten!
9) Hetzer!
Walther Rathenau, deutscher Außenminister, jüdischer Abkunft, am 24. 6. 1922 ermordet. Dies sind einige dürre Auskünfte, die man den Lexikas entnehmen kann. Weshalb wurde er ermordet? Einmal passte einigen seine Politik nicht. Namentlich wurde daran Anstoß genommen, dass er den Rapallopakt unterzeichnet hatte, der eine Normalisierung des Verhältnisses zwischen Deutschland und der Sowjetunion vorsah. Zum Vergleich. Die USA weigerten sich noch bis in die dreißiger Jahre hinein, die Sowjetunion diplomatisch anzuerkennen. Deutschland hingegen, selbst durch den Ersten Weltkrieg stark geschwächt, glaubte es sich nicht leisten zu können, gegenüber der Sowjetunion eine gleich aggressive Politik betreiben zu können.
Aber auch das ist klar. Jene politischen Kräften die dem verpatzten "Siegfrieden" nachtrauerten und die zusehends wieder stärker wurden, um letztendlich im Nationalsozialismus aufzugehen. Jene Kräfte hatten nun einen Buhmann; namens Rathenau.
Ihre politischen Aversionen hingegen kleideten sie in irrationales Gedankengut. Jenes Pamphlet, von der zaristischen Geheimpolizei fabriziert und in die Welt gesetzt, dass sich da "Protokolle der Weisen von Zion" nannte und in dem unterstellt wurde, es gäbe "geheime Weltverschwörer", war willkommenes Wasser auf ihre Mühlen.
Rathenau hatte auch eine Vorgeschichte. Schon zu Kaisers Zeiten war er sowohl in Wirtschaft als auch Politik aktiv. Insbesondere ein früher Zeitungsartikel von ihm wurde maßlos ausgeschlachtet. Aus dem eigentlichen Zusammenhang gerissen, wurde besonders eine Passage "hochgekocht", die besagte (sinngemäß), dass es immer eine relativ kleine Schicht ist, die die eigentlichen Geschicke bestimmt. Der Pöbel, anders kann man diese ungebildete Schicht wohl kaum bezeichnen. Der Pöbel schlussfolgerte nun, angeheizt durch gewissenlose Publizisten, auch Rathenau sei einer jener vermeintlich geheimen "jüdischen Oberen" die als "Strippenzieher" fungieren, so wie sie das als Quintessenz aus ihrer Antisemitenbibel "Protokolle der Weisen von Zion" herauslasen.
Einige diese Pöbels, ließen sich dann entsprechend aufgehetzt, zu dem Mordanschlag auf Rathenau hinreißen.
Hetzer, dass ist meines Erachtens das richtige Wort, dass diesbezüglich zu verwenden ist. Hetzer das sind nicht so sehr diejenigen, die den eigentlichen Mordanschlag verübten, dass sind vielmehr ihre publizistischen Wegbereiter.
Auch in der Gegenwart begegnet man noch solchen Hetzern. Einer von ihnen nennt sich "Robin de Ruiter" (alias Apollo Jansen).
Da fand also am 11. 9. 2001 ein analoges Attentat in den USA statt. Das dortige Wahrzeichen World Trade Center fiel in Schutt und Asche und mit ihm viele unschuldige Menschen. Schon nach kurzer Zeit meinte die USA-Regierung einen Hauptverantwortlichen benennen zu können namens Osama bin Laden. De Ruiter registriert nun, da ist ihm zuzustimmen, dass die USA-Regierung ihrerseits diese Tragödie bewusst instrumentalisierte. Das Afghanische Taliban-Regime wurde in der Folge beseitigt.
De Ruiter beschränkt sich aber nicht darauf, die Hintergründe der USA-Politik, beispielsweise, dass die Taliban selbst einst von den USA "gehätschelt" wurden, herauszustellen. Nein, er will mehr. Und zu diesem Zweck ist ihm auch daran gelegen entsprechende Zweifel zu säen. So lässt er in seinem diesem Thema gewidmeten Pamphlet schon auf dem Umschlagtext verkünden:
"Innerhalb der nächsten zwei Stunden sackten die Türme seltsam 'fachgerecht' in sich zusammen, so daß Experten die Flugzeugattacken als alleinige Ursache bezweifeln bzw. ausschließen."
Welche "Experten" das wann und wo und mit welcher Detailbegründung gesagt haben sollen, und wie es um ihre Reputation bestellt ist, fügt er indes nicht detailliert hinzu. Er behauptet einfach. So wie die Ochrana mit ihren "Protokollen" auch einfach bloß behauptet hat. Indes, die zaristische Ochrana hat nicht bloß zum Selbstzweck behauptet. Sie verfolgte sehr wohl ein politisches Ziel. Jene zu desavoieren, die das streng autokratische zaristische Regime zu destabilisieren drohten. Und vor allem dem Pöbel einen Buhmann zum Fraß hinzuwerfen.
Analoges betreibt nun auch de Ruiter. So lässt er schon einleitend wissen:
"Wegen der großen Beteiligung von Menschen an der ... Welt-Verschwörung, die Juden genannt werden, bezeichnen viele Personen die Welt-Verschwörung als jüdisch. Doch dies täuscht, denn es gibt hier eine versteckte Ordnung. Die ... Welt-Verschwörung ist eine religiöse Verschwörung. In ihrem Herzen trägt diese Verschwörung den Satanismus! Es ist wichtig zu wissen, daß die leitenden Familien zu den führenden Satanisten dieser Welt gehören und den Teufel als ihren wahren Gott ansehen!"
So nun weiß der Pöbel "dank" de Ruiter dass es wieder einmal eine neue Art von "Rapollo-Pakt" gebe, den man unbedingt ablehnen müsse. Und er versäumt es auch nicht (wie gehabt) mit dem Finger dabei besonders auf die Juden zu zeigen.
Ein Beispiel für de Ruiters Hetze: So behauptet er (S. 46):
"Es ist bemerkenswert, daß mit der Bekanntgabe des Angriffs auf das World Trade Center durch internationale Medien die 4.000 Juden und Israelis, die in diesen beiden Türmen arbeiteten, beklagt wurden. Nachdem bekannt wurde, daß an diesem Tag fast keiner von ihnen am Arbeitsplatz erschienen war, wurde plötzlich nicht mehr über diese Gruppe gesprochen. Arabische diplomatische Stellen offenbarten der jordanischen Zeitung Al-Watah gegenüber, daß die Abwesenheit der Israelis von ihrem Arbeitsplatz am Tag der Katastrophe ihren Grund in Hinweisen des israelischen Geheimdienst Shabak hatte. Die Zeitung Jordanian al-Watan berichtet unter Berufung auf Informationen aus diplomatischen Kreisen, daß es eine Warnung des Shabak gegeben habe."
Was ist dazu zu sagen? Erstens, die genannten arabischen Zeitungen werden nicht mit der konkreten Ausgabe nachgewiesen, wann dies veröffentlicht worden sei.
Zweitens. Angesichts der Schwere des Vorwurfes wäre es unabdingbar, dass der authentische Text der entsprechenden Zeitungsartikel in Übersetzung mit hinzugefügt worden wäre.
Drittens. Genannte Zeitungen berufen sich "auf Informationen aus diplomatischen Kreisen". Mit anderen Worten. Das "Niveau" der Gerüchteebene wird nicht verlassen.
Viertens. Zu einer gründlichen Recherche würde es auch gehören Namen und Hausnummern jener zu nennen, die da angeblich auf so wunderbare Weise von dem Unglück verschont blieben.
Alle diese notwendigen Voraussetzungen angesichts der Schwere des Vorwurfes, werden von de Ruiter und seinen Gewährsmännern nicht erbracht.
Fünftens. Selbst wenn der israelische Geheimdienst etwas im Vorfeld davon gehört haben sollte, was da arabischerseits geplant war, dann bleibt immer noch die Frage offen. Wie "verdichtet" waren diese Informationen und haben sie wirklich jüdische Beschäftigte aus dem WTC erreicht. Es ist nicht damit abgetan, unbewiesene Behauptungen in den Raum zu stellen. Handfeste Beweise sind gefragt.
De Ruiter ist schon vor seinem jetzigen Osama bin Laden-Buch als antisemitisch angehaucht bekannt. Gerade weil seine "Glaubwürdigkeit" schon im Vorfeld mehr als berechtigt angezweifelt würde, bestände umso mehr dringende Notwendigkeit, hierbei den Boden bloßer Behauptungen zu verlassen. So ist es bemerkenswert dass zu seinen von ihm zitierten Gewährsmännern unter anderem Lyndon B. Rouches gehört. Dessen deutsche Ehefrau Helga Zapp La Rouche gehört bekanntlich zu jenen unter fünf Prozent-Parteien in Deutschland, die da als sogenannte "Neue Solidarität" gelegentlich schon mal versucht haben in den Deutschen Bundestag hineinzukommen. Auch offensichtliche, in den USA stationierte, Neonazi-Seiten im Internet, findet man in seinen Anmerkungsnummern nachgewiesen. Skurill auch ein Foto, dass den Osama bin Laden mit erhobenem Zeigefinger zeigt. Jene Pose wird dann auch prompt so ausgedeutet, als wenn damit "Freimaurersignale" vermittelt würden. Kaffeesatz"niveau".
Walther Rathenau wurde von Mitgliedern einer Geheimorganisation namens "Consul" ermordet. Ihre Lektüre hieß hochgradig "Protokolle der Weisen von Zion". De Ruiter ist auf dem besten Wege sich als analoger "Wegbereiter" zu profilieren.
Da betrieb vor einiger Zeit ein Herr Rolf Fichter aus Gerlingen auch eine Webseite die er w-f-g.de nannte. Derzeit wohl nicht mehr im Netz. Nachstehendes bezieht sich also auf den Zeitpunkt, wo man genanntes noch im Internet lesen konnte.
Vorgegeben wurde es handele sich dabei um eine "Gruppe". Was solche "Gruppen"-Angaben betrifft besteht durchaus Anlass skeptisch zu sein. Da hat sich schon so mancher Einzelkämpfer auch andernorts zur "Gruppe" hochstilisiert.
Das Thema Verschwörungen lies Herr Fichter sich im besonderen angelegen sein. Zu dem von ihm offenbar als Zitierenswert bewerteten gehört auch die Frau Helga Zapp-La-Rouche, mit ihrer zeitweilig auch als Partei in der Bundesrepublik Deutschland aufgetretenen "Bürgerrechtsbewegung Solidarität". Spätestens nach der Lektüre des Buches von Aglaja Beyes-Corleis "Verirrt. Mein Leben in einer radikalen Politorganisation", Freiburg/Br. 1994, habe ich zu der Zitierung solcher Art von "Kronzeugen" meine Vorbehalte. Vorbehalte nicht geringer Art.
In einem offerierten Text, der sich mit dem Rathenau-Attentat befasste (http://www.w-f-g.de/verschwoerung32.html) wird indes nicht reflektiert, dass die Attentäter auch massgeblich durch die Antisemitenbibel "Protokolle der Weisen von Zion" inspiriert wurden. Gleichwohl ist zu konzedieren, dass speziell der politische Hintergrund dieses Attentates darin näher beleuchtet wird. Faktenmäßig. Eine Wertung dieser Fakten hingegen unterbleibt. Das besorgen dann wohl solche Leute wie der Robin de Ruiter, die da meinen alles der "teuflischen Freimaurerei" in die Schuhe schieben zu können. Deren spezielles "Geschäft" es ist, irrationale Nebelvorhänge zu erzeugen.
Meines Erachtens können solche Texte nur eines erweisen. Die knallharte Interessenpolitik der USA und die "Niederwalzung" alles dessen, was den ökonomischen Interessen der USA zuwiderläuft und dies mit allen Mitteln und schon zu Rathenau's Zeiten.
Nachstehend der seinerzeitige Text:
Die Welt hielt den Atem an, als
am symbolträchtigen 24. Juni 1922 um 11h00 der deutsche Aussenminister Walter
Rathenau im offenen Wagen auf dem Weg von seiner Wohnung in das deutsche
Aussenministerium in Berlin von einem ehemaligen Seeoffizier erschossen wurde.
Was war diesem Attentat vorausgegangen?
1922: Walther Rathenau und der Rapallo-Vertrag.
Am 16. April 1922, also fast genau zwei Monate vor seiner Ermordung, überraschte
Rathenau die westalliierten Ententemächte auf der internationalen
Wirtschaftskonferenz in Genua mit einer politischen Bombe. In Anwesenheit des
sowjetischen Aussenministers Tschitscherin präsentierte er der verblüfften
Versammlung das zwischen Deutschland und der Sowjetunion ausgehandelte
Wirtschaftsabkommen von Rapallo. Es beinhaltete den Verzicht der russischen
Seite auf die Reparationszahlungen aufgrund des Vertrags von Versailles.
Im Gegenzug verpflichtete sich Deutschland zur Lieferung wichtiger industrieller
Technologien an die Sowjetunion, was einem Faustschlag ins Gesicht jener
Bankerkreise gleichkam, die sich gerade von jenem Wirtschaftsgipfel eine
Annäherung Englands und Frankreichs an das russische Imperium erhofft hatten.
Das Rapallo-Abkommen versetzte Deutschland darüber hinaus in die Lage, seine
Schulden an die Westmächte zurückzahlen zu können, bei gleichzeitigem Aufbau
intensiver deutsch-sowjetischer Handelsbeziehungen.
Die Rechnung dafür bezahlte Walther Rathenau am 24. Juni 1922!
Der deutsche Gesandte, Harry Graf Kessler, schrieb dazu:
Wer diesen völlig mittellosen Knaben und jungen Leuten das Geld für diese
kostspieligen Vorbereitungen gab, ist, wie der Oberreichsanwalt im Prozess
hervorhob, trotz eingehender Untersuchungen, nicht festzustellen gewesen
(in Walther Rathenau, S.361).
Welches waren aber die damaligen Voraussetzungen? Hierzu ein Ausschnitt aus F.
William Engdahls Buch "Mit der Ölwaffe zur Weltmacht" (S.110-112):
Rathenau wusste sehr wohl, dass die Kosten des verlorenen Weltkrieges allein
schon den Keim einer gefährlichen Inflation gelegt hatten. Im Jahre 1919 war die
Golddeckung der Reichsmark auf die Hälfte des Vorkriegsstandes
zusammengeschrumpft. Die Grosshandelspreise waren laut amtlicher Statistik
kriegsbedingt um 150% gestiegen, die Schwarzmarktpreise um weit mehr. Der Krieg
war in Deutschland anders als in England ausschliesslich durch Kriegsanleihen
der eigenen Bevölkerung finanziert worden. Für Deutschland hatte kein Bankhaus
Morgan Gelder im Ausland aufgetrieben. Deutschland war vielmehr systematisch von
den internationalen Kreditmärkten ausgeschlossen gewesen.....
Erst im Mai 1921 traf sich das Reparationskomitee der Siegermächte, um den
endgültig aus Deutschland einzutreibenden Betrag und die Zahlungsbedingungen
festzulegen. Das Ergebnis war das sogenannte "Londoner Ultimatum". Es legte
fest, dass Deutschland ausser den bereits erwähnten Sachlieferungen noch
Verbindlichkeiten in der für damalige Ohren astronomischen Höhe von 120
Milliarden Goldmark zu übernehmen hatte. Selbst britische Experten, wie John
Maynard Keynes, hielten diese Summe für das dreifache dessen, was Deutschland
mit einiger Wahrscheinlichkeit würde aufbringen können. Hohe Zinsen, Sonderzölle
auf alle Waren und diverse Steuern als Zahlungsgarantien bluteten das Land aus.
Und nun kam der Rapallo-Vertrag. Er allein hätte der deutschen Wirtschaft jedoch
kaum auf die Beine helfen können. Was die westlichen Alliierten an dem Vertrag
wirklich erschreckte, war etwas ganz anderes. Der Vertrag sah nämlich vor, dass
die Deutschen den Sowjets die Industrieanlagen liefern sollten, die sie befähigt
hätten, die Ölfelder von Baku selbst und unabhängig von westlichen Firmen zu
betreiben. Darüber hinaus hatten sich die Deutschen als Gegenleistung
verpflichtet, in ihrem Land ein Netz von Öl- und Benzinlagern sowie Tankstellen
einzurichten, das der Vermarktung sowjetischen Öls gedient hätte. Zu diesem
Zweck hatte man eigens eine Firma, die Deutsch-Russische Petroliumgesellschaft
oder "DEROP" gegründet. Damit hätte sich Deutschland aus dem eisernen Griff der
britischen und amerikanischen Ölkartelle befreien können, die nach Versailles
den deutschen Markt unangefochten beherrschten.
Zwei Tage nach der Bekanntgabe der Rapalloverträge übergaben die westlichen
Alliierten in Berlin ein Protestschreiben. Wenig später, am 24. Juni, folgte die
Ermordung Rathenaus. Die zwei Täter, Erwin Kern und Hermann Fischer, sollen
Angehörige rechtsradikaler Kreise gewesen sein. Das Geschehen unmittelbar danach
erinnert stark an die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy: Der eine
Mörder Rathenaus kam bei der Festnahme, im Laufe eines Schusswechsels mit der
Polizei, ums Leben, der zweite soll unmittelbar nach der Festnahme Selbstmord
begangen haben. Beim Kennedy-Mord wurde erst der angebliche Mörder, Lee Harvey
Oswald, durch den Barbesitzer und CIA-Mitarbeiter Jack Ruby (Anm: Rubinstein)
erschossen, der kurz darauf an galoppierendem Krebs gestorben sein soll.
Rapallo wurde nicht hingenommen: Die französische Regierung nahm einen
geringfügigen Verzug der Reparationszahlungen zum Anlass, ins Ruhrgebiet
einzumarschieren und somit das wichtigste deutsche Industriegebiet zu besetzen.
Deutschland war damit ausserstande, den Rapallovertrag zu erfüllen. Im übrigen
schickten sich Montagu Norman, der Präsident der Bank of England (englische
Notenbank) und sein Freund Harrison, Präsident der amerikanischen Federal
Reserve (US-Notenbank) an, den entscheidenden Gegenschlag gegen dieses
unliebsame deutsch-russische Abkommen auszuführen. Man vergab an die deutsche
Regierung astronomische Kredite zu überhöhten Zinsen, womit die
Reparationszahlungen an die Entente-Mächte abgesichert werden sollten. Man
füllte sich also nicht nur zweimal die Taschen, sondern unterband das Gedeihen
der wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands mit Russland. Oder, steckte noch
eine andere Absicht dahinter?
Denn plötzlich versiegte der künstliche Geldstrom. Das Chaos brach aus.
Es folgte die Geldentwertung. Einige Herren liessen den Börsencrash (1929)
"stattfinden" - und die deutsche Wirtschaft versank in einen historischen
Tiefstand.
10) Wenn kalter Kaffee zur stinkenden Jauche verkommt
"Cui bono" wem nützt es? Diese Frage soll schon die alten Römer umgetrieben haben. Sie stellten sich die Frage besonders dann, wenn sie mit einem Vorgang konfrontiert wurden, der auf den ersten Blick keine leichte Erklärungsvariante zu bieten schien. Dann, so ihre Erkenntnis; möge man das ganze doch etwas "reifen" lassen. Und in diesem Reifungsprozess würde sich auch schon mit herausstellen, wer denn der Nutznießer der auf den ersten Blick etwas verquasten Thesen ist.
Mit seinem 1994 in Deutsch erschienen Buch "Die geheime Macht hinter den Zeugen Jehovas", hatte sich der holländische Autor Robin de Ruiter, nicht nur für die WTG (die ihn noch nie sonderlich ernst nahm. Und die dazu auch keinen berechtigten Anlass hat). Also nicht nur für die WTG hat sich dieser Herr de Ruiter (alias Apollo Janssen) unmöglich gemacht. Es lassen sich auch etwa bei Detlef Garbe, Wertungen über de Ruiter nachweisen, die diesem nicht gerade das "beste" Zeugnis ausstellen; namentlich aufgrund einer gewissen partiellen Rechtslastigkeit.
Auch von Gebhard wurde dieser de Ruiter schon scharf angegriffen. Damit dürfte, abgesehen von einigen Fans aus der Weltverschwörungszene, das Maß an Publizität positiver oder negativer Art, bei diesem Herrn schon erschöpft sein. Weder ein Herr Hubert Roser, noch ein Hans Hesse oder wenn immer vergleichbares man da nennen will, hat diesem Herrn de Ruiter je eine nennenswerte Zeile gewidmet. Vielleicht haben sie mit diesem partiellen Schweigen, gar nicht mal so unrecht. Es ist eigentlich zuviel der nicht verdienten "Ehre" sich mit diesem Herrn weiter zu beschäftigen.
Eine Abschweifung. Was wäre die WTG ohne ihre Harmagedontheorie? Sie wäre so etwas wie der Fisch ohne Wasser. Was wäre der Herr de Ruiter ohne Verschwörungstheorien? Er wäre genauso ein hilfloser Fisch ohne Wasser. Verschwörungstheorien müssen sein, für ihn. Hat er die nicht, so ist er als Publizist, als der er sich ja sieht, nicht lebensfähig.
Vielleicht kann man auch noch sagen. Aus seinen "Lehrlingsjahren" ist der Herr de Ruiter wohl inzwischen heraus. Zwei seiner vormaligen Lehrmeister darf man aber durchaus nach wie vor bei ihrem Namen nennen. Einmal den Fritz Springmeier in den USA (eine "Kapazität" in Verschwörungstheorien), ohne die auch ein de Ruiter ein "Fisch ohne Wasser" wäre. Und zum zweiten den Deutschen Johannes Rothkranz. Letzterer einer der geistigen Köpfe einer obskuren rückwärtsgewandten katholischen Sekte, der "Pro fide Catholica" mit einem diesbezüglichen Verlag, in dem die allermeisten deutschen Elaborate dieses de Ruiter erschienen sind.
Gemäß seinen vorgenannten Ziehvätern, findet man denn auch prompt bei de Ruiter allerlei Verschwörungstheoretisches, was davor schon die Nazis und Vorgänger propagierten. Offenbar ist aber kein kalter Kaffee kalt genug, um nicht immer wieder mal als ungenießbare Jauchebrühe erneut aufgewärmt zu werden. Dieses "Verdienst" dürfen sich die Herren Springmeier und Rothkranz, und in ihrem Gefolge auch ihr "Lehrling" de Ruiter, sehr wohl zuschreiben.
Mit zuletzt (zumindest im Pro fide Catholica Verlag) erschien im Jahre 2001 von besagtem Herrn de Ruiter, dass Büchlein "Der 11. September 2001. Osama bin Laden und die okkulten Kräfte hinter den terroristischen Anschlägen auf die USA". So krude wie der Titel. So krude auch sein Inhalt. Verschwörungstheorie pur! Wenn es auch im Anhang dazu, gewisse Quellenangaben gibt. So war (auch) für diese Schrift schon charakteristisch, dass die entscheidenen, wirklichen tragenden Thesen, unbelegt blieben. Immerhin musste da Herr de Ruiter, seinen katholischen, vorgenannten Sektenkollegen wohl noch dahingehend entgegenkommen, dass da "okkulte Kräfte" noch mit genannt wurden.
Wie soll man es deuten? Ist der Markt dieser katholischen Sektierer für de Ruiter inzwischen zu eng geworden? Wahrscheinlich ist dem so. Dafür spricht auch, dass de Ruiter erstmals, im Oktober 2004, in einem anderen "deutschen" Verlag publizieren konnte. Nun kann man diesen Frankfurter Zambon Verlag, mit Sicherheit nicht in die katholische Sektiererecke stellen. Folgerichtig findet man in dieser neueren Veröffentlichung kaum mehr jene Liebedienerei an die katholischen Traditionalisten von vorgestern, die doch bisher immer noch zu seinem Markenzeichen gehörte. Jetzt konzentriert sich de Ruiter auf das für ihn wesentliche. Und das sind eben die Verschwörungstheorien. Das vormalige katholische Beiwerk, mutiert dabei zu nicht mehr benötigtem Ballast.
Deshalb auch die weiter oben ausgesprochene Vermutung. Jetzt hat er wohl seine Lehrlingsjahre hinter sich gebracht. Sieht man sich das Verlagsprogramm dieses Zambon-Verlages näher an, registriert man eines. Obwohl theoretisch ein "deutscher" Verlag; wäre die Bezeichnung arabisch-islamischer Verlag, vielleicht gar nicht mal so unangemessen. Aber das mit dem "Deutsch" will ja in heutigen Zeiten von "Multikulti", ohnehin nicht viel besagen.
Charakteristisch
vielleicht auch solch ein Titel aus diesem Verlag wie:
Fahdil, Abdul Haq
Arabisch - Mutter der deutschen Sprache?
Schon der genannte Autorenname lehrt. Die allerwenigsten Autoren in diesem
Verlag, kann man schon vom Namen her, dem deutschen Kulturkreis zuordnen.
Auch solche flotte Titel findet man dort vor wie den:
Fini, Massimo
Gegen die(se) Demokratie
Auch das sei nicht unerwähnt. Auch das bietet dieser Verlag an:
Marx, Karl / Engels, Friedrich
Komnist Partisi Manifestosu
Türk
Und auch solchen, sicher nicht uncharakteristischen Titel wie:
Matzouranis, Georg
Man nennt uns Gastarbeiter
Und in diesem
"deutschen" Verlag hat es nun auch Herrn de Ruiter verschlagen. Dort ist er
gleich mit zwei Büchern präsent. Einmal:
Ruiter, Robin de
El 11 de septiembre 2001
Mito y Mentiras
und zum anderen:
Ruiter, Robin de
Der 11. September 2001
Der Reichstag des George W. Bush
Wer nun registriert hat, dass da ja erneut der 11 September 2001 thematisiert wird, hat durchaus richtiges bemerkt. Aber es gibt schon gewisse Unterschiede. Umfasste das 2001er Büchlein zum Thema rund 114 Seiten. So sind 2004 daraus immerhin 245 Seiten geworden. Wurden 2001 noch die "okkulten Kräfte" bemüht; so jetzt 2004 politische Kräfte. Insofern ist schon ein gewisser Quantensprung zu registrieren. De Ruiter macht es 2004 einem auch nicht mehr ganz so leicht, ihn der Unglaubwürdigkeit zu überführen. Er hat inzwischen auch dergestalt hinzugelernt: grundsätzlich keine nachprüfbaren Quellen mehr zu benennen. Das war 2001 noch anders. Mit anderen Worten: Er behauptet nur.
Und sei es, dass es (nur als Beispiel, was er nicht sagt) behaupten würde: "Der Mond besteht aus grünem Käse". Eine Rückfrage, wer sagt das, wo steht das, wie kann das nachgeprüft werden, ist bei de Ruiter schon nicht mehr zulässig. Er schwingt sich damit zum "Glaubenspapst" auf. Man hat seine Thesen einfach runterzuschlucken. Nun mögen einzelne Thesen nicht immer, schon im voraus und grundsätzlich falsch sein. Aber die Chance das zu beurteilen, gewährt de Ruiter nicht.
Er stellt sich also auf denselben Hank'schen Grundsatz (Hank, dass war der mit dem "grünen Käse im Mond"). Weil Hank auch sagte, nach Benutzung der Toilette soll man sich die Hände waschen. Und weil dieses Händewaschen allgemein als richtig anerkannt wird. Aus demselben Grund müsse auch die These desgleichen Autors über den grünen Käse im Mond richtig sein. Genau dieser Sachlage begegnet man nun auch bei de Ruiter 2004.
Cui bono fragten
die Römer. Wem nützt also de Ruiter 2004? Wohl kaum den katholischen
Traditionalisten. Die können "ihren" de Ruiter nun einstweilen vergessen. Aber
die subtile de Ruiter Art, Behauptungen, kombiniert mit Zweifeln (ohne
Begründung für letztere), wird auch in diesem de Ruiter'schen Elaborat bis zum
Erbrechen fortgesetzt.
Jetzt aber stellt sich auch klarer
heraus, wer denn tatsächlicher Nutznießer ist. Schon der gewählte
Buch-Untertitel, der den 11. September 2001 mit dem deutschen Reichstagsbrand
des Jahres 1933 vergleicht, ist nicht blos eine stilistische Floskel. Es ist
Programm. Wie gesagt: Die früher bemühten "okkulten Kräfte" sind jetzt ins
Nirwana verschwunden. Dafür knallharte politische Anklagen an die Adresse der
USA.
Wurden früher noch (auch bei de Ruiter) die ach so schrecklichen Freimauer, die bösen Buben erster Klasse, in der Lesart der Verschwörungstheoretiker bemüht. So sind auch die jetzt bei de Ruiter vollkommen verschwunden. Ihre Rolle nimmt jetzt das USA-Establishment ein.
Ich sagte es schon. De Ruiter macht es einem jetzt erheblich schwerer, ihn der offenkundigen Falschaussage zu überführen. Das aber auch nur aus dem Grunde, weil er sich des Tricks bedient, keine nachprüfbaren Quellen zu benennen, und seine Thesen in der Form einer nicht hinterfragbaren tibetanischen Gebetsmühle präsentiert. Man kommt also nicht umhin, gewissen Thesen einen gewissen Wahrheitsgehalt zuzuerkennen. Auch dieses Votum ist allerdings nur die halbe Wahrheit.
Fachhistoriker werden auch weiterhin bei de Ruiter, sofern sie sich überhaupt mit ihm beschäftigen, was eher nicht der Fall ist, das ungute Gefühl nicht los. Das ist ein Konjunkturschreiberling. Er "bedient" eine vorfindliche Meinung einer bestimmten Klientel, ohne auf das Für und Wider im Einzelfall ausreichend einzugehen. Ihm ist auch die Prokrustesbett-Strategie sehr geläufig. Er zieht und zerrt an etwas, was nicht so recht passen will, bis es endlich doch vermeintlich "passt".
Dem "Schreibkomitee der Zeugen Jehovas" hat man nicht selten in den letzten Jahren den Vorhalt gemacht. Die wirklich "zündenden" Ideen, sind diesen Herren wohl schon lange ausgegangen. Nun die Brooklyner Herren wissen nur zu gut, warum das so ist. Die Geschichte ihrer Auslegungen ist nur zu gut bekannt. Da kann man sich nicht mehr allzu weit aus dem Fenster hängen. Diese Sorgen haben (einstweilen) die Verschwörungstheoretiker, als neue Ersatzreligionslieferer noch nicht. Die holen schon mal den grünen Käse vom Mond herunter. Und für die ist auch der Quantensprung denkbar, den blauem Himmel für rot zu erklären. Mitten in diesem Millieu de Ruiter, nebst Helsing, Jo Conrad und etlichen anderen dieser "Güte". Deren Geschäft boomt, dass muss man ohne Zweifel angesichts ihrer Verkaufszahlen bestätigen. Da könnten ja die Brooklyner Schreibstrategen, fast vor Neid erblassen. Was nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden.
Einige
Stichpunktthesen zu de Ruiter 2004:
Ein durchaus charakteristisches Beispiel für die gezielten Angriffe von de
Ruiter gegen das USA-Establishment, wenn er auf Seite 10 schreibt:
"Dieser brutale Prozess in Form eines Wirtschafts-Weltkrieges wird mit der
harmlos klingenden Bezeichnung 'Globalisierung' getarnt. Er bedeutet in seiner
vorläufigen Konsequenz: Ein paar internationale Banken und multinationale
Konzerne werden die Welt beherrschen, während die einstigen souveränen
Nationalstaaten nur noch die Funktion einer Verwaltungsagentur ausführen."
Für diese These
muss bei ihm aber auch wieder der von Antisemiten 1922 ermordete deutsche
Außenminister Walter Rathenau herhalten, mit einem nachweisbar aus dem Kontext
gerissenenen Zerr-Zitat (das auch mit zu Naziideologie gehörte).
De Ruiter zitiert (sehr wahrscheinlich wörtlich abgeschrieben aus dem Nazibuch
"Handbuch der Judenfrage"):
"Der deutsche Staatsmann Walter Rathenau, einer der Männer, die es im Leben
zu großem Einfluss gebracht haben, bekannte in der 'Neuen Wiener Presse' vom 24.
Dezember 1912:
"300 Männer, die sich untereinander kennen und die selbst ihre Nachfokher
ernennen, sind es, die die Geschicke der Welt leiten. Der Grund ihrer Macht
liegt in ihrer absoluten Geheimhaltung."
Damit ist für de
Ruiter die Kontinuität der vermeintlichen "Drahtzieher im Hintergrund" von
Rathenau bis Bush, schon mal, als nicht hinterfragbarer Glaubenssatz gegeben.
Was es aber noch zum Fall Rathenau relevantes zu sagen gäbe. Das allerdings ist
für de Ruiter schon wieder kein Thema.
Zum Fall Rathenau, kann man beispielsweise in der Wikipedia auch dies lesen:
Am 24. Juni 1922, in Berlin ermordet, deutscher Industrieller und
Politiker.
Erfolgreicher Unternehmer, Politiker und Autor geriet er schnell in den Fokus
der antisemitischen Rechten in der Weimarer Republik. Als Außenpolitiker wollte
er das Deutsche Reich nach der Niederlage im 1. Weltkrieg wieder zu einem Faktor
der europäischen und internationalen Politik machen. Er gilt als Weichensteller
einer deutsch-russischen Aussöhnungspolitik, die mit seiner Ermordung für viele
Jahrzehnte ein jähes Ende fand
Trotz seines Wunsches nach wirtschaftlicher und politischer Annäherung stand
Rathenau der Sowjetunion kritisch gegenüber
Als deutscher Vertreter schloss er am Rande der Reparationskonferenz von
Genua... widerstrebend mit der Sowjetunion den Vertrag von Rapallo zur
gegenseitigen Anerkennung und Zusammenarbeit und zum Verzicht auf Reparationen
ab. Nationalistische und nationalsozialistische Gruppen warfen ihm
"Erfüllungs-Politik" vor und hetzten gegen ihn mit Parolen wie Bringt um den
Walther Rathenau, die gottverdammte Judensau.
Walther Rathenau wurde am 24. Juni 1922 von zwei jungen Offizieren ermordet, die
der rechtsradikalen "Organisation Consul" (OC) angehörten."
Noch ein anderes
Beispiel. Wie ausgeführt sind es diesmal die USA, den die "Spitze" von de Ruiter
gilt. Dazu führt er auch das nachfolgende Verzerrungsbeispiel an:
"Es gibt jedoch keinen Zweifel, dass der Untergang der Lusitana inszeniert
wurde. Die Ladung dieses Schiffes bestand aus Gütern, die für Großbritannien
bestimmt waren und folglich war es auch kein reines Passagierschiff, wie die
Amerikaner behaupten.
Es ist bekannt, dass es Präsident Wilson war, der die Bill of Lading der zum
Untergang geweihten Lusitana in die Archive des amerikanischen
Finanzministeriums verbracht hat. Aus dieser Bill of Lading geht eindeutig
hervor, dass die Lusitana militärische Güter transportierte."
Dazu ist einmal festzustellen. Die Versenkung der Lusitana durch deutsche U-Boote erfolgte bereits 1915. Bis 1917 hingegen zögerten die USA noch, offiziell in den Weltkrieg einzutreten. Wahrscheinlich werden Fachhistoriker den Fall Lusitana erheblich differenzierter bewerten, als das bei de Ruiter der Fall ist. Wiederum gibt es auch hier, dass alles Geschreibsel von de Ruiter total entwertende Faktum zu registrieren. Relevante Behauptungen werden nicht Quellenmäßig belegt. Wo bitte schön, auf welcher Seite in welchem Buch (mutmaßlich aus der rechten Ecke) kann man nachlesen, dass Wilson Akten verschwinden liess?
Noch so ein
banaler Satz bei de Ruiter (S. 33)
"Heute wissen nur noch wenige, dass der ehemalige irakische Präsident
Saddam Hussein einst von den USA gestützt wurde."
Ach ja, wenn das heute nur noch
wenige wissen (wollen), dann ist das allerdings bedauerlich. Dem ist
zuzustimmen. Indes für dieses Wissen bedurfte ich jedenfalls, keines Herrn de
Ruiter. Das konnte auch anderen, welche die politische Lage aufmerksam
beobachten, schon vorher bekannt sein.
In wesssen
"Dienst" indes heute de Ruiter steht, wird schon deutlich mit folgendem
Beispiel, der Seite 68.
Erzeugen von
Zweifel zum "reinwaschen" der Islamisten. Das ist offenbar sein derzeitiges
Hauptgeschäftsfeld.
Symptomatisch ist dafür auch seine These auf Seite 85:
"Wieso wurden in einer ansonsten hochprofessionell geplanten und durchgeführten
Operation von den angeblichen Attentätern Spuren hinterlassen? Die Spurenlegung
"wie bei einer Schnitzeljagd" verfolgt einen offensichtlichen Zweck: Den Islam
als Feindbild aufzubauen. An die Stelle des früheren Feindbildes Kommunismus
sind die "Selbstmordattentäter" des Islam gesetzt worden."
Hier wieder prägnant die de Ruther'sche Technologie. Zweifel erwecken, durch unbewiesene Behauptungen. Keinerlei Beweis für die Behauptung. Man hat das eben deshalb zu glauben, weil es im Sinne von de Ruiter's finanzieller Taschenfüllung nützlich ist. Eine Reflektion des Für und Wider, findet nicht statt.
Das "Schreibkomiteee der Zeugen Jehovas" und de Ruiter sind, was diese Technologie betrifft, durchaus kompatibel!
11) Voten aus Diskussionsforen zu de
Ruiter
Geschrieben von D. am 11. Mai 2003 14:20:00:
Und wieder hat Herr Robin de Ruiter (alias
Apollo Janssen) einen Fan weniger.
Das ich an dem Herrn de Ruiter ob seiner Publikationen, kein gutes Haar lasse,
ist bekannt. Er "glänzte" im deutschsprachigen Bereich unter anderem mit der von
den Amis übernommenen These; angeblich "unterschwelliger Bilder"; wobei sich
einige eilfertig dazu stilisierten, die als "damonisch" zu klassifizieren.
Getreu dem Motto: Und wenn es nichts mehr auszulegen gibt, dann wird eben etwas
untergelegt.
Das Forum des Frank Bechhaus, sicherlich evangelikalen Kreisen gegenüber nicht
ablehnend eingestellt, diskutierte den Bilderaspekt kürzlich wieder einmal. Aus
der dortigen Diskussion erscheinen mir einige Beiträge durchaus bemerkenswert;
daher sollen sie auch an dieser Stelle einmal (auszugsweise) dokumentiert
werden:
Verfasser: Jurek:
Hallo Jürgen!
Entschuldigung, wenn ich mich da noch einmische, auch wenn die Frage an Ottonio
gerichtet
ist. Ich möchte mich nicht an seiner statt vordrängen, aber ich wollte zu dem
Thema auch
etwas erwähnen – aus meiner Sicht.
Ich habe das Buch "Die geheime Macht hinter den Zeugen Jehovas", die sich mit
Bildmaterial auf die spiritistische Bilder und Symbole in der WT-Literatur
bezieht…
Meinerseits meine ich überhaupt nicht, dass etwas davon Absicht gewesen ist, wo
die
Künstler da "versteckte Botschaften" o.d.g. hineinbrachten!
Ich komme aus graphischem Gewerbe. Beschäftigen tue ich mich mit optischen
Täuschungen, und überhaupt mit Licht und Optik. Sozusagen von einfachen
Strichmännchen
durch Rembrand und Druckverfahren, bis hin zur Holographie…
Dass dahinter Absicht ist, dass in WT-Literatur versteckte dämonische Symbole
vorkommen, halte ICH dies für Unfug! Denn in anderen (weltlichen oder auch
katholischen)
Bilderbüchern kommen solche Bilder genauso vor!
Da ist die Phantasie mit den Kritikern der WTO mit ihnen durchgegangen (mMn)!
;-) Oder
waren das UFOs? ;-)
Apropos, dieses von mir erwähnte Buch, beansprucht für sich auf der Seite 13 =
(bin ich
abergläubisch?), dass es gut recherchiert ist. Darin steht: "Alle hier im Buch
aufgeführten
Tatsachen sind mit äußerster Sorgfalt aus über jeden Zweifel erhabenen Quellen
geschöpft.
Ich hoffe, daß dieses Buch allen wahrhaften Nachfolgern Christi nicht nur
nützlich ist,
sondern auch ihre Abwehrkräfte gegen Organisationen wie die Zeugen Jehovas und
dergleichen zu stärken vermag."
…Oder gegen Wahrheit?
Zuerst ist eindeutig dieses Buch schlampig recherchiert (!) = Beispielsweise
wird
unbegründet behauptet auf der Seite 113 (nehmen wir halt was mit "13" ;-) ):
"Den Anhängern [ZJ] wird beigebracht, daß diese Markierung ihnen eine neue
Persönlichkeit verleibt. Es wird nicht ganz deutlich, was die Leitende
Körperschaft mit
dieser Markierung beabsichtigt; es ist aber klar, daß, sobald alle Bürger
gezwungen werden,
das geplante unsichtbares Laserkennzeichen auf Stirn oder Hand zu tragen, die
Zeugen
Jehovas schon auf die Markierung vorbereitet sind."
Solche und ähnliche Märchen gibt da zu Hauft. Ich habe mir nur nicht die Mühe
bei dem
"Schrott" gemacht, was dem Autor noch "nicht ganz deutlich" klar ist! …
Ich denke, wenn man wirklich unvoreingenommen ist, sollte man schon einen
Graphiker mit
Erfahrung mal fragen, ob das Absicht oder Zufall ist.
(Machen wir uns aber damit nicht lächerlich, bitteschön!) ;-)
Soviel erstmal von mir dazu!
Grüße! Jurek
P.S.:
>> Warum ist das noch nie in einer Versammlung zur Sprache gekommen.<
Aufmerksame WT-Leser, haben schon vor Jahren was darüber gelesen! Ich meine, es
war
ein Artikel wohl Mitte November '85 darüber (?) … Altes Hut!
Verfasser: Ottonio
>. Es gibt viele Verbindungen der WTG zu gewissen spiritistischen Praktiken und
Symbolen.
>Ottonio, welche Verbindungen der WTG zu gewissen spiritistischen Praktiken und
Symbolen, hast du gemeint?
Hallo Jürgen,
die von mir angegebene Seite ist vor längerer Zeit von mir geschrieben worden,
aber ich
finde obigen Satz darin nicht wieder. (Falls doch, muss ich es überarbeiten).
Das was Jurek schreibt stimmt rein objektiv mit dem von mir persönlich
Geschriebenem
überein. Auch ich finde, dass man es nicht überbewerten sollte.
Ich gebe zu, dass man zunächst geschockt ist, wenn man das hört. Aber das gibt
sich
wieder. Wie gesagt, die WTG manipuliert auf viel raffiniertere Weise, und das
wirkt sich
selbst auf solche aus, die denken, sie stünden nicht mehr unter ihrer Fuchtel.
Viele
sogenannte befreite "Bibelchristen" inbegriffen.
Ich möchte dir deshalb zur Vorsicht raten, zu deinem eigenen Schutz.
Die WTG schürt "dämonische" Ängste, indem sie nahezu jede Rockmusik, Rapmusik
usw.
ver"teufeln". Es gibt evangelikalische Richtungen, die vor rückwärtsgesprochener
Musik
warnen (Na, dann sing mal "God" (=Gott) mal rückwärts. Humbug!)
Dass solcherart vorgeprägte Menschen dann jederzeit "Dämonen" in vermutlich
harmlosen
"Farbklecksern" sehen, das hat sich die WTG durch ihre Hysterymachung selbst
eingebrockt. ;-)
Man denke an die Gerüchte und Geschichten, die Kreisaufseher nahezu alljährlich
mündlich
weitergeben, in denen sie Musikgruppen, Schriftsteller oder Regisseure aufs
Übelste
verleumden, indem ihnen Spiritismus und Okkultismus angehängt wird.
>ich glaubte zu träumen. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Warum ist
>das noch nie in einer Versammlung zur Sprache gekommen. Sind diese Bildnisse
Zufall,
oder wirklich mit Absicht produziert? Ich kann es kaum fassen!!!
Ob es Zufall oder Absicht ist, kannst nur du für dich selbst entscheiden. Wenn
aber dein
Grundsatz ist: "Im Zweifel für den Angeklagten", dann gilt dies auch für den
Fall, wenn die
WTG andere (Musikgruppen, Schriftsteller, Regisseure) verleumdet.
Denn "wer im Glashaus sitz, soll nicht mit Steinen werfen."
P.S.
Bücher wie "Die geheime Macht hinter den ZJ" usw. lese ich grundsätzlich nicht.
Deren Wahrheitsgehalt entspricht dem Wahrheitsgehalt von Worten von
Kreisaufsehern &
Co.
Grüsse.
Verfasser: Jurek
>>Bücher wie "Die geheime Macht hinter den ZJ" usw. lese ich grundsätzlich
nicht.
Deren Wahrheitsgehalt entspricht dem Wahrheitsgehalt von Worten von
Kreisaufsehern &
Co.<<
Habe ich mir zu Herzen genommen, lieber Ottonio!
Nachdem ich es vor langer Zeit das bestellt hatte (hatte dadurch keine
Möglichkeit gehabt
es zuvor anzusehen), habe ich mir dies angesehen und festgestellt, dass das
weggeworfenes
Geld gewesen ist! :-(
Man macht so seine Erfahrungen damit, und ich hoffe, ich habe meine Lektion
dabei gelernt.
Inzwischen wollte ich es sogar wegschmeißen, aber als objektiver Betrachter, der
auch
damit anderen helfen möchte, verstaub das auf meinem Schrank. Hole es nur
heraus, wenn
ich es brauche (wie z.B. heute)…
Liebe Grüße!
Verfasser: Frank
Hallo Jürgen
>ich glaubte zu träumen. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Warum ist
>das noch nie in einer Versammlung zur Sprache gekommen. Sind diese Bildnisse
Zufall,
oder wirklich mit Absicht produziert? Ich kann es kaum fassen!!!
wenn ich darüber nachdenke, wird mir nicht ganz klar, wofür solche
"unterschwelligen"
Bilder gut sein sollen. Daß jemand durch irgendwelche Muster beeinflußt wird,
die man erst
bei Drehen und genauem Hingucken und etwas Phantasie ausmachen kann, glaube ich
nicht.
Wenn die Bilder Absicht sind, soviel ist klar, spielt derjenige, der sie
eingefügt hat, in jedem
Fall mit der Möglichkeit der Entdeckung.
Motivsuche: Am ehesten könnte ich mir noch vorstellen, daß es sich um Personen
aus der
Illustrationsabteilung handelt, die zwar noch ihren Job machen, aber denen es
letztlich egal
ist, ob sie irgendwann herausgeworfen werden. Und nun gucken, was sie so alles
unterbringen können, ohne aufzufallen. Andererseits glaube ich, daß bei der WTG
die Seiten
der Kritiker durchaus wahrgenommen werden. Und wenn man Hinweise auf solche
grafischen "Scherze" bekommen hätte, dann hätte man den Leuten doch bestimmt auf
die
Finger gesehen?
Zu einem spiritischen Hintergrund paßt es für mich nicht, denn warum sollten
solche Leute
mit der Möglichkeit ihrer Entdeckung kokettieren?
Gruß,
Frank
12) de Ruiter's Buch aus dem Jahre 2006
Sage mir mit wem du umgehst - und ich sage dir wer du bist.
Wendet man diese Erkenntnis auch auf den Herrn de Ruiter an, so ist allein schon
die Verlagsreklame mehr als aufschlussreich, welcher der Verlag der
Ewiggestrigen, der sich zwar sich nicht so nennt (offiziell will er je "Pro fide
catholica" sein), einem weiteren Machwerk des Herrn de Ruiter (in deutscher
Sprache) beilegt. Diese Verlagsreklame mal als Faksimile.

Noch eine weitere Beobachtung. Wissenschaftliche Bibliotheken pflegen zumindest in Auswahl, wichtige (für ein Sachgebiet wichtige) Bücher zu erwerben. Checkt man unter diesem Aspekt mal diesen Verlag durch, was ist von seinen Angeboten dort vorhanden, macht man eine weitere Erfahrung (die man zwar schon vorher erahnen konnte, die aber trotzdem ausdrücklich festgestellt sei). Für wissenschaftliche Bibliotheken ist das Angebot dieses Verlages weitgehend uninteressant. Vielleicht mit einer Ausnahme die noch genannt sei. In Berlin gibt es es an der dortigen Technischen Universität, ein Zentrum für Antisemitismusforschung. Und dieses Institut sammelt in der Tat vieles aus der Nazizeit, was diesem Bereich zuortbar ist (hat vielleicht mit eine der umfänglichsten Sammlungen dazu). Und siehe da. Auch etliches aus dem in Rede stehenden Verlag ist auch dort vorhanden, als so ziemlich einzigster relevanten wissenschaftlichen Bibliothek (ausgenommen vielleicht noch die Deutsche Bibliothek Frankfurt/M./Leipzig). Die aber sammelt aus Gründen angestrebter Vollständigkeit. Nicht aber wie im Falle des Zentrums für Antisemitismusforschung, aus Gründen der Thematik.
Schon allein dieser äußere Umstand schockiert!
Auch das in der Verlagsreklame an oberer Stelle genannte Verteidigungs-Elaborat
über die "Protokolle der Weisen von Zion" spricht Bände. Diese Hetzschrift
verteidigt also dieser Verlag. Und nicht als ein Hetzer ist auch sein Autor
Robin de Ruiter.
In seiner Danksagung findet sich denn unter anderem auch der Name des Fritz
Springmeier, und mich verwundert's nicht, auch des Darek Barefoot. Die
Verschwörungstheoretiker aller Länder haben sich da offenbar gesucht und
gefunden.
Herr Springmeier etwa kommt bei de Ruiter auch mit dem
nachfolgenden Statement zu Wort:
"Dem Forscher Fritz Springmeier zufolge hatte nicht nur Russell, sondern auch
der 1992 verstorbene Präsident der WTG Frederick Franz einen Speisenvorkoster.
Es liegt nahe, daß Russells Speisenvorkoster nicht sonderlich gut aufgepaßt
hatte. Seine treuen Anhänger berichten, Gift in seinem Essen sei die
Todesursache gewesen. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe man den Leichnam
schon unterwegs abtransportiert, um ihn so bald wie möglich einbalsamieren zu
können."
Gerichtsverwertbare Beweise für diese abenteuerliche These, werden, man ahnt es schon, selbstredend nicht geliefert. Es wird einfach behauptet. Der doofe Leser wird das schon "schlucken"!
Um das Maß an unbewiesenen Behauptungen voll zu machen,
behauptet de Ruiter weiter:
"Noch beeindruckender ist der Fall, in dem er (Rutherford) von einem
befreundeten Anhänger öffentlich beschuldigt wurde, ein Kabarett besucht zu
haben, wo nackte Frauen auftraten."
Schon mal da einen Gedankenstrich ziehend. Das Traktat des W. Niemann, indem Rutherford im vorgenannten Sinne beschuldigt wurde, kenne ich zufällig auch. Aber dort ist von "halbnackten" Damen die Rede in einer Aufführung "Artist and Models". Wie man sieht, reicht das de Ruiter offenbar nicht aus. Er legt wert darauf den Bekleidungsumfang weiter zu reduzieren. Wenn er sich schon da, solche sachlich nicht begründete Freiheiten herausnimmt, was soll man dann wohl von seiner übrigen "Glaubwürdigkeit" halten?
Weiter geht es im de Ruiter-Zitat:
"Auch mußte man feststellen, daß Rutherford, obwohl verheiratet, sich eine
ständige Geliebte namens Bonnie Boyd hielt, die mit ihm in der Residenz von San
Diego lebte. Genauso unterhielt er Beziehungen zu Vera Peal, die ihn öfters auf
seinen Europareisen begleitete. Rutherford hatte viele Frauen. Nie verbrachte er
seine Zeit mit seinem Sohn und seiner Ehefrau Mary, die ebenfalls in Kalifornien
wohnten. Bemerkenswerterweise ist auch der Tod des Richters im Jahre 1942 nicht
eindeutig geklärt. Obwohl die Zeugen Jehovas behaupten, er sei eines natürlichen
Todes gestorben, wird daneben von Selbstmord geredet. Zudem erklären manche, daß
er erwürgt aufgefunden, somit ermordet worden sei. Auf dem - überraschenderweise
von seiner ständigen Geliebten Bonnie Boyd unterschriebenen - Totenschein des
Richters ist "Harnsäurevergiftung" als Todesursache angegeben."
Und Herr de Ruiter, wie steht es mit den Beweisen (dokumentarischen Beweisen) für ihre doch sicherlich schwerwiegenden Anwürfe? Danach darf man offenbar nicht fragen. Man hat einfach zu "glauben" was de Ruiter undokumentiert, behauptet.
Dieser Herr Springmeier springt einem bei de Ruiter noch
mehrfach unangemehm ins Auge. Etwa wenn er ihn mit den Worten bemüht:
„Desgleichen zitiere ich den Rechercheur und Autor Fritz Springmeier: 'Es ist
bedrückend, zu sehen, wie oft die psychologischen Methoden der WTG Verwirrung
stiften und sich in einen Alptraum verwandeln. In Zaire, dem früheren Kongo, gab
es in den 20er und 30er Jahren Anhänger der Sekte, die sich 'Watchtower Movement'
(Wachtturm-Bewegung) nannten. Sie hatten offensichtlich die Lehren falsch
interpretiert und meinten, Gott verlange von ihnen, alle Nicht-Mitglieder der
Sekte zu töten.' Viele Menschen wurden daraufhin umgebracht! Die
Wachtturm-Führung in Brooklyn behauptet diesbezüglich, man bringe die Zeugen
Jehovas fälschlich mit den damaligen Praktiken der 'Wachtturm-Bewegung' in
Verbindung. Es erhebt sich jedoch die Frage: Wie kamen die Eingeborenen dieses
afrikanischen Landes zu dieser Zeit dazu, sich den Namen der WTG zuzulegen?"
Da offenbart das Duo Springmeier - de Ruiter wieder einmal seine totale Inkomptenz. Zum Thema „Kitwala" existiert seit 1967 eine profunde Studie von Hans-Jürgen Greschat. Da ist alles bis ins Detail aufgearbeitet. Zudem waren die Mordfälle einer Person zuortbar (Mwana Lesa). Es ist übelste Brunnenvergiftung hieraus pauschalisierte Thesen abzuleiten, wie das seitens des Ignorantenteam Springmeier - de Ruiter der Fall ist.
Kürzlich kam bei einer Podiumsdiskussion, Zeugen Jehovas bezüglich (das zweite Raymond Franz-Buch in deutscher Sprache betreffend) auch das Stichwort Freimaurerei mit hoch. Und die dortigen "Jünger des Robin de Ruiter" hatten mit ihrer Fragestellung offenbar das eine Ziel, diese abstruse These doch möglichst auch aus dem Munde eines Raymond Franz bestätigt zu bekommen. Und welcher Katzenjammer für sie. Raymond Franz tat ihnen diesen Gefallen nicht!
Das alles ficht die Verschwörungstheoretiker und ihre Gurus (in diese Kategorie ordnet sich ja auch de Ruiter mit ein) nicht sonderlich an. Verschwörungstheorie ist eben nur simpler Glaubensersatz, Made Eigenbau mit historischen Wurzeln eben. Und eine dieser historischen Wurzeln ist eben, dass Julius Streicher, vom Internationalen Militargerichtshof im Jahre 1946 zum Tode verurteilt wurde, in seiner Verteidigung für sein Hetzblatt "Der Stürmer" eben auch auf antisemitische Äußerungen von Martin Luther verweisen konnte. Mehr aber noch auf die katholische Kirche, die zeitgenössisch zum Holocaust zu schweigen pflegte (Rolf Hochhuth hat es unter anderem thematisiert). Inzwischen aber haben die antisemitischen Katholiken ihre Sprache wieder gefunden. Und in einem solchen Umfeld publiziert der Herr de Ruiter!
Die wundersame Wandlung der NPD war gelegentlich schon mal das Thema von Politik-Magazinen im Fernsehen. Da gibt es doch das auf den ersten Blick verwunderliche Faktum zu registrieren, dass sowohl "Linke" als auch NPD ein gemeinsam beackertes Feld für sich entdeckt haben. Den Anti-Amerikanismus. Und siehe da. Auch Herr de Ruiter stößt mit in das Horn, indem er schon als Buchtitel wissen läßt. "Die Zeugen Jehovas zwischen US-Politik, Zionismus und Freimaurerei".
Wie das so mit Verschwörungstheorien ist. Sie enthalten in der Regel einen Kern. Der aber ist völlig verzerrt dargestellt und schlimmer noch, mit nicht hinnehmbaren Tendenzen kombiniert. Im Falle NPD: Verklärung des Nazismus. Im Falle "Pro fide catholica" Zurück ins Mittelalter. So die dortige (de facto - nicht de jure) Parole. Und in diesem Sumpf, kocht auch Herr de Ruiter wieder einmal, sein "Süppchen".
Das traurige und bedenkliche dabei ist zudem noch. Er wäre wohl auch für die "Bild-Zeitung" geeignet. Wissenschaftliches Forschen? Nee - das ist nicht "sein Bier". Einfach bloß Schlagzeilen liefern. So macht es doch die "Bild-Zeitung" und so macht es auch ihr gelehriger Schüler Robin de Ruiter. Und schlimmer noch. Es gibt tatsächlich welche (die genannte Franz-Veranstaltung ist auch Beleg dafür), die mit Auseinandersetzungen, die das Bild-Zeitungs-Niveau übersteigen, überfordert sind. Sie mögen tatsächlich nur in den Kategorien der "Bild-Zeitung" zu denken. Und da kommt dann einer wie de Ruiter und holt sich genau auf diesem "Niveau" ab. Das ist das eigentlich tragische an der ganzen Sache.
Noch einige Details zum de Ruiter'schen Elaborat.
So weis er seine Leser beispielsweise mit folgendem zu
"beeindrucken"
"Der Gründer der Vorgänger der Zeugen Jehovas war Charles Taze Russell. Er wurde
am 16. Februar 1852 in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania, geboren. Russell
war Nachkomme der jüdischstämmigen Familie Rössel, die im 17. Jahrhundert in
Deutschland lebte. Die Familie änderte ihren Nachnamen in Russell, als sie nach
Schottland auswanderte. Später übersiedelte sie zusammen mit vielen anderen
Familien nach Irland."
Angeblich soll Duane Magmani diese These auch geäußert
haben. Wo, mit welcher Begründung, bleibt wie so vieles bei de Ruiter im Nebel
hängen.
Wie auch immer. Gerade mit solchen Konstruktionen haben die Nazis etwa, die
Zeugen Jehovas in der Ecke der Juden gestellt. Wenn schon solch anfechtbare
Thesen aufgetischt werden, dann wäre es auch angezeigt, Reflexionen darüber
anzustellen, wie sich denn die Nazis zu Thesen dieser Art verhielten. Das
allerdings, sucht man vergebens bei de Ruiter.
Grundsätzlich hat man beim lesen den Eindruck. De Ruiter konsultiert das Internet. Kaum eine "reißerische" Meldung von "InfoLink" (alt), die er sich entgehen ließ. Im InfoLink (alt) gab es ja auch eine ständige Rubrik "Gerüchte" da schöpft denn auch de Ruiter daraus und dass nicht zu knapp. Wie das so mit Gerüchten ist. Vielfach enthalten sie einen Kern. Nicht selten sogar einen Wahrheitskern. Ihr "Schönheitsfehler" besteht aber darin, dass sie eben nicht ausreichend dokumentenmäßig abgesichert sind. Das sie wohl im Sinne der Meinungsäußerung im Falle eines Gerichtsverfahrens, als zulässig anerkenntlich sind. Jedoch nicht im Sinne einer Tatsachenbehauptung. Tatsachenbehauptungen müssen dokumentenmäßig hieb- und stichfest belegbar sein.
Inwieweit de Ruiter das Gebiet Meinungsäußerung verlassen
und sich auf das Glatteisgebiet Tatsachenbehauptung schon begeben hat, sei jetzt
nicht bewertet. Jedenfalls mangelt es an den Status der Meinungsäußerung kaum
verlassendes, aber aus dem Internet herausgefischtes, bei ihm nicht.
Anders herum formuliert. Wer bereits Internetnutzer ist, braucht de Ruiter
eigentlich nicht. Man kannte das alles ja schon, was er da zum xten Mal neu
auftischt.
Sei es nun, dass Henschel mit Diplomatenpass gereist sein soll. Das die WTG
versuchte in China ein Fuß in die Tür zu bekommen und andere "Erschröcklichkeiten"
mehr.
Beim Thema Freimaurerei lese ich bei de Ruiter (S. 41)
erneut den skandalösen Satz
"Die Logenbrüder erschrecken immer noch, wenn man die Rede auf Gabriel Jogand
Pages, besser bekannt als 'Leo Taxil' bringt ..."
Mit diesem Aspekt hatte ich mich schon vor Jahren, namentlich auch bezogen auf die Person de Ruiter, auseinandergesetzt. Wie man sieht resonanzlos. Vielleicht (das sei eingeräumt) übersteigt diese Auseinandersetzung das sehr begrenzte "Fassungsvermögen" der "Bildzeitungs-Gebildeten".
Auch der von alten und neuen Nazis geschätzte "Schinken" "Occult Theocracy" taucht bei de Ruiter wieder als vermeintliche Beweisquelle mit auf. Wie gehabt.
Der nächste seiner "Streiche" besteht im aufwärmen des Bibelforscherprozesses von 1924 mit seinem Anliegen, die Bibelforscher zu bezichtigen, sie seien "fremdfinanziert" (namentlich von Juden und Freimaurern). Für jeden Forscher, der diesem Namen zu recht trägt, ist der Fall "ausgestanden". Nicht aber wohl für die Bildzeitungs-Überschriften-Duplizierer von der "Güte" eines Robin de Ruiter. Abgestandener Kaffee wird auch nichts deshalb "besser", weil ihn de Ruiter nunmehr anstatt auf einem Elektroherd, als "neuestem Schrei" auf einem zünftigen Katalytofen zu erwärmen sucht. Das Gesöff das dabei herauskommt ist bei beiden Erhitzungsformen: Ungenießbar!
Ein Blick nach dem Iran und nach Palästina zeigt, da ist namentlich in Sachen Israel einiger Sprengstoff vorhanden. Die USA-Politik in Sachen Israel war und ist alles andere als "selbstlos". Die einen verklären Israel biblisch. So auch die frühe WTG-Bewegung. Die anderen wollen es mit dem Koran ins Meer jagen. Metaphysische Verklärungen, gleich in welcher Richtung, sind da alles andere als "hilfreich". Das Neonazis und derzeitige iranische Machthaber sich gegenseitig "entdeckt" haben, pfeifen doch die Spatzen von den Dächern. Das in diesem speiüblen Katzenkonzert nun auch "Pro fide catholica" und de Ruiter mit eine Soloeinlage bietet, macht die ganze Sache auch nicht "besser". Unakzetabel ist sowohl die Ansicht christlichen Dogmatiker die da Israel metaphysisch verklären, weil sie es als vermeintlich wesentliche Stütze ihrer von der WTG gar nicht mal so weit abweichenden Eschatologie benötigen, als auch ihre metaphysisch (und materiellen) Widerparte sowohl im vermeintlich "christlich" wie auch im islamistischen Bereich. Natürlich kann man nachweisen. Die frühe WTG war massiver Zionismusbegünstiger. Und diese Nachweismöglichkeit läßt de Ruiter sich auch nicht entgehen. Der entscheidende Punkt ist aber doch wohl der. Das ist inzwischen Geschichte. Die gegenwärtige Position der WTG zu diesen Fragen ist eine andere. Das aber, müsste dann ebenfalls ausreichend deutlich, mit erwähnt werden. Genau das aber tut de Ruiter nicht. Schon die reißerische Titelwahl dokumentiert dieses Zerrbild. Was haben denn heutige Zeugen Jehovas mit "Zionismus" noch zu tun? Nichts!
Seine dankbare Leser-Klientel aus dem Lager der Neonazis ist doch ohnehin zu wichtigen Relativierungen unfähig. Geschichtskenntnisse bezogen auf die ZJ-Geschichte haben die doch ohnehin nicht. Die "verstehen doch immer bloß Bahnhof". Und dann lesen die so Unterbelichteten bei dem de Ruiter. Aha die "Zeugen sind also Judenknechte". Das ist doch das, was bei denen dann "hängen bleibt". Und das es "hängen bleibt" dafür sorgt schon de Ruiter, da er in der Tat die Fähigkeit hat, auf deren niedrigem "Niveau" zu kommunizieren. Was stört es da diesem Konjunkturschreiberling, das wirklichen Sachkennern bei seinem Zerrbild, immer wieder ein Gefühl überkommt: das des Kotzens!
Das Uraniabuch mit seinen Tendenziositäten, wird von de Ruiter erneut in dem Sinne bemüht. Man fragt sich, hat er überhaupt die weitere deutsche Sekundärliteratur, die nach dem Erscheinen seines ersten deutschen ZJ-Buches noch herauskam, in irgend einer Form zur Kenntnis genommen? Offenbar nicht. Über weite Strecken wiederholt er nur das (etwas modifiziert), was er bereits 1995 sagte.
Zu den "Seichtheiten" gehört im Gefolge von Barefoot und Co, auch die fragwürdigen Ausdeutungen von WTG-Bildern, indem ihnen ein Sinn unterstellt wird, den ihre Zeichner und Publizierer mit Sicherheit nicht hatten. Das ich diesbezüglich eine grundsätzlich andere Meinung als die Genannten habe, ist wohl zur Genüge bekannt.
Eine Kostprobe seiner diesbezüglichen Kaffeesatz-Lesekunst
So schreibt er auf S. 150:
"Auf Seite 59 des Buches 'Offenbarung - Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe'
(1988) sieht man einen 'römischen' Schlüssel mit einem 'E', der mit drei
Stiften, d. h. der Eindringlichkeitsnummer '3' versehen ist; es handelt sich
also um einen 'super-satanischen' Schlüssel."
De Ruiter bietet das dazugehörige Bild nur in schwarz-weiss an (passend zu
seinem Geisteszustand). Wir hatten es hier kürzlich auch in Farbe.

Bilde sich jeder seine eigene Meinung dazu
Um ein abschließendes Wort zu finden. Wen "erreicht" de Ruiter eigentlich mit seiner neuen Schrift? Nun, sicherlich die, welche, ohne auch nur eine Zeile von ihm gelesen zu haben, schon im voraus wussten. Das mit den Zeugen "ist Scheiße auf der ganzen Linie". Sind diejenigen von ihrem "Niveau" her noch "Bildzeitungs-Gebildet" haben sich dann die geeigneten Partner gesucht und gefunden.
Wer indes sich mit diesem fragwürdigen "Niveau" nicht zufrieden gibt. Dem de Ruiter zu "empfehlen" wäre dieselbe Empfehlung wie die zum "Harakiri". Insofern ist de Ruiter zugleich auch ein Prüfstein, wie es denn um die eigene Bildung bestellt ist. Wer sich mit de Ruiter konform sieht. Mit dem indes sehe ich mich nicht konform!
13) "Gequirlte Scheisse"
de Ruiter zum Thema Aids

Er lässt es aber nicht nur bei dieser Karikatur bewenden, sondern
hat auch noch zusätzlichen "erläuternden" Text dazu. Da kann man bei
ihm beispielsweise auch lesen:
"Die Zeitung "The Patriot" von New Dehli schrieb am 4. Juli 1984:
"AIDS ist ein Mittel zur chemisch-biologischen Kriegsführung, das im 'Chemical
Biological Warfare Laboratorium' der Armee der Vereinigten Staaten in
Fort Detrick bei Frederick, Maryland, hergestellt worden ist."
Im New Yorker "Native" wurde der Brief einer anonymen Person
abgedruckt, die angab, im vorgenannten Labor von Fort Detrick
gearbeitet zu haben. Der Briefschreiber behauptete, der Virus sei
Homosexuellen aufgrund eines geheimen Regierungsbeschlusses gezielt
eingeimpft worden, um sie mit AIDS zu infizieren. Das Projekt nannte
sich ihm zufolge "Operation Firm Hand" ("Operation Harte Hand").
Die russische Zeitung "Literatumaja Gazeta" wiederholte am 30. Oktober
1985 die oben zitierten Behauptungen des indischen "Patriot".
Die Regierung der Vereinigten Staaten dementierte natürlich sofort,
indem sie behauptete, es handele sich um antiamerikanische Propaganda.
Wenn jedoch der AIDS-Virus wirklich künstlich im Labor erzeugt worden
war und man die Homosexuellen als Sühneopfer auserkoren hatte, wie
brachte man ihn unter diese Leute?
In dem Buch "Secret & Suppressed. Banned Ideas & Hidden History",
herausgegeben von Jim Keim, erklärt G.J. Krupey, daß sich die Antwort
möglicherweise hinter einer Aktion des Nationalen
Gesundheits-Instituts der USA gegen Hepatitis B verbirgt, die im
November 1978 in New York ihren Abschluß fand."
Das ist so eine These, die der de Ruiter dazu präsentiert. Zwar nicht
auf seinem eigenen Mist gewachsen, gleichwohl kräftigst von ihm
kolportiert.
Es geht dann weiter bei ihm noch mit der Aussage:
"Es kursiert das Gerücht",
(hier ist wohl schon eine Zitatunterbrechung angesagt).
Wann immer Gerüchte auf dem Markt sind, man kann fast darauf warten,
auch de Ruiter wird sie sich zu eigen machen, zumindest präsentieren,
mit vielleicht ein paar abschwächenden Floskeln garniert. Das war es
dann aber auch schon).
Weiter im de Ruiter-Zitat:
"daß viele neue Krankheiten wie z.B. eine neue Art von Tuberkulose,
die resistent gegen Antibiotika ist, eine ganz neue Art von Cholera,
ein neuer, tödlich verlaufender Typ einer Streptokokkeninfektion, das
neue tödliche hämorrhoische Fieber, der "Hantavirus", der kürzlich in
den Vereinigten Staaten aufgetaucht ist, und schließlich AIDS in
Laboratorien entwickelt wurden - nicht nur, um die Menschheit in einem
Zustand der Unruhe und Angst zu erhalten, sondern auch, um das
Bevölkerungswachstum auf unserem Planeten zu reduzieren.
1986 gaben die Experten für Virologie und Mikrobiologie Jacob und
Lilli Segal eine 52-Seiten-Broschüre mit dem Titel "AIDS, ein in den
USA hausgemachtes Übel, nicht eingeführt aus Afrika" heraus, die in
den afrikanischen Ländern englischer Amtssprache verbreitet wurde.
Jacob Segal behauptete später, er habe am 10. Oktober 1986 Besuch von
zwei Agenten des CIA bekommen. Sie sollen sehr besorgt darüber gewesen
sein, daß die AIDS-Herkunfts-Lüge aufgedeckt werden könnte. Das State
Department räumte daraufhin ein, zwei Personen zu
den Segals geschickt zu haben, aber nur, um sie auf die (angeblichen)
Irrtümer ihrer Informationsbroschüre aufmerksam zu machen . . .
Verdächtigerweise entdeckte nur ein Jahr nach dem Beginn der
Nachforschungen über den Ursprung von AIDS der gleiche Dr. Robert
Gallo, der die offizielle Theorie über die Herkunft der Krankheit in
Umlauf brachte, den HIV (Human Immunosuppressive Virus), einen ganz
besonderen Virus, als ihre Ursache.
Es muß hinzugefügt werden, daß dieser Dr. Gallo mit dem Biological
Warfare Labor von Fort Detrick zusammengearbeitet hatte, jenem
Institut also, das die Wiege von AIDS zu sein scheint.
Es gibt Indizien dafür, daß ein AIDS-ähnlicher Virus bereits seit
langem in den Köpfen vieler Wissenschaftler herumgespukt hatte."
Soweit also die "Weisheiten" des Herrn de Ruiter auch zu diesem Thema.
In der heutigen Ausgabe (11. 01. 2010) der "Berliner Zeitung" gibt es
nun einen Artikel zu diesem Thema, von einem Journalisten, welchen ich
ein paar Grade seriöser einschätze.
Dieser wiederum, widerspricht jener (auch vorskizzierten) These, und
sucht sie unter Hinweis auf einen Multiplikator im Pressebereich zu
widerlegen.
Die Hoffnung indes, dass die Unterbelichteten Marke de Ruiter und Co,
sich von dieser Widerlegung beeindrucken ließen. Diese Hoffnung habe
ich in der Tat nicht.
Bei denen ist nämlich wirklich "Hopfen in Malz verloren".
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0111/medien/0007/index.html
"Exzellenz Ludendorff"
Jo Conrad
Der ebenfalls unsägliche Herr Springmeier
Die unsäglichen Protokolle der Weisen von Zion
Zum Thema Illuminaten siehe auch
Parsimony.14723
Impfgegner-Dokumentation
Hank und der grüne Käse im Mond
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,14374,15244#msg-15244 (Eintrag vom 16. 10. 2008)