Kommentarserie Trost" 1940 zusammengefasst
Zitat:
Drahbeck
In Vorankündigung des Rutherford-Buches "Die Rettung", zitiert die "Trost"-Ausgabe vom 1. 1. 1940 schon mal aus ihm. Das alles wird - wer hätte bei der WTG was anderes erwartet? - in einen endzeitlichen Kontext eingeordnet, beispielsweise mit dem Satz:
"Alles zeigt an, daß die Zeit für die Schlacht des großen Tages Gottes, des Allmächtigen, ganz nahe ist."
WT vom 1.JANUAR 2010 S.15,23:
Die Berichte über die Zerstörung in Kanaan machen uns auch insofern Mut, als
sie uns zeigen, was Gott in naher Zukunft tun wird. Wir können ganz
sicher sein, er wird nicht zulassen, dass das Böse das Gute besiegt. Vielmehr
wird er, wie die Bibel belegt, bald eingreifen, um die Bösen zu
vernichten.
Schon bald werden nur Menschen, die Gott für gerecht hält, "die Erde
besitzen".

"... Denn das deutsche Volk ist an die Diktatur verschachert worden
durch ein teuflisches Intrigenspiel.
Was da alles hinter den Kulissen vor sich ging, kann man heute zur Hauptsache
nur ahnen. Die Zeit restloser Enthüllung und Bloßstellung kommt jedoch immer
näher. Das gehört mit zu dem jetzigen Gericht Gottes über Satan und seinen
Anhang. ...
Am stärksten werden die dunklen Machenschaften, die das Volk in Sklaverei und
Verderben verkaufen, durch das Licht der göttlichen Wahrheitsbotschaft
bloßgestellt. Daneben stellen sich die Intriganten aber auch gegenseitig bloß;
denn Satans Haus ist wider sich selbst entzweit und im Zerfall begriffen.
Hierzu gehört, was Fritz Thyssen enthüllt hat.
Dieser Mann war als Vorsitzender des mächtigen Konzerns der "Vereinigten
Stahlwerke" einer der Hauptgeldgeber Hitlers, bevor dieser zur Macht kam. Vor
einigen Monaten floh er aus Deutschland in die Schweiz; und aus einem Brief
von ihm an seine Mitarbeiter veröffentlichte die Basler "Arbeiter-Zeitung" am
31. Januar 1940 die folgenden Auszüge
,,Im Laufe der vielen Jahre, wahrend derer ich das Nazi-Regime beobachten
konnte - und als Staatsrat und Wirtschaftsführer hatte ich reichlich
Gelegenheit dazu - habe ich mit ständig wachsender Besorgnis und zuletzt mit
wahrem Entsetzen eingesehen, welch schweren Fehler ich im Jahre 1932 beging,
als ich zusammen mit den Herren von Papen, von Schroeder, Kirdorf und Krupp
von Bohlen und Halbach es unternahm, die NSDAP finanziell zu sanieren und wir
sozusagen als Garanten für Hitlers gutes Verhalten Deutschland und der Welt
gegenüber die Verantwortung auf uns luden, ihn zur Macht zuzulassen.
Damals genau so wie heute, und seitdem immer, versprach Hitler alles, was wir
wünschten: Herrn von Papen, Macht und Würden, Herrn Krupp Aufträge und Geld,
Berge von Geld. Uns allen insbesondere einen geruhigen Kurs der deutschen
Politik innen und außen; Verständigung mit England; Verständigung mit der
Arbeiterschaft, die durch weitgehende soziale Fürsorge für den Verlust aller
politischen Rechte, die Vernichtung der Gewerkschaften und die Enteignung
ihrer Vermögen entschädigt und mit dem autoritären Regime ausgesöhnt werden
sollte.
Es schwebte uns eine Art christlicher Ständestaat vor, dessen Autorität sich
auf die Kirche - im Westen die katholische, im Osten die protestantische - und
auf das Militär stützen sollte...
Hitler gelobte nun, was mir der wesentliche Punkt war, feierlich und
ausdrücklich, die Rechte der katholischen Kirche nicht anzutasten. Er
wiederholte dieses Gelöbnis in einer mehrstündigen Unterredung mit Monsignore
Kaas, der ihn im Auftrage des damaligen päpstlichen Nuntius Paceli, des
heutigen Papstes Pius XII., und ohne Wissen des Vorsitzenden der
Zentrumspartei, Reichskanzlers Brüning, aufsuchte.
Diese Unterredung führte den Sturz der letzten legalen deutschen Regierung
Brüning herbei und bedeutete den Beginn jener Epoche deutscher und
europäischer Politik, der wir den heutigen, den zweiten Weltkrieg verdanken.
Der katholischen Kirche, besser gesagt, der diplomatischen Meisterschaft des
Nuntius Pacelli, die recht eigentlich der gesamten Politik der letzten Jahre
der Weimarer Republik ihren Stempel aufprägte, gelang der einzige Sieg über
Hitler, das Konkordat, das er noch nicht offen und mit brutaler Gewalt
gebrochen hat. In Wahrheit aber existiert dieses Konkordat von seinem ersten
Tag an nur auf dem Papier ...
Diese Bekenntnisse, von der Basler "Arbeiter-Zeitung" unter der Überschrift
"Pius XII. - als Nuntius - brachte Hitler an die Macht" veröffentlicht, wurden
von der katholischen Presse begreiflicherweise sofort scharf angegriffen und
als unwahr erklärt. Ungenau ist in der Tat an Thyssens Darlegungen das
Folgende:
Nuntius in Berlin war zur Zeit der Reichskanzlerschaft Brünings nicht mehr
Pacelli, sondern Orsenigo; Brüning war damals nicht Vorsitzender der
Zentrumspartei (das war Prälat Kaas), sondern Vorsitzender der
Zentrumsfraktion des Reichstages. Prälat Kaas bestreitet von Rom aus, schon
zur Regierungszeit Brünings mit Hitler konferiert zu haben.
Hier steht Aussage wieder Aussage.
Ob Kaas mehr Glauben verdient als Thyssen, mag jeder für sich beurteilen. Das
an Thyssens Darstellungen tatsächlich als falsch Erkennbare ist jedenfalls
unbedeutend im Verhältnis zu den Hauptpunkten:
I. Zusammen mit Papen und andern katholischen Politikern schwebte Thyssen bei
seinen Plänen die Errichtung eines "christlichen Ständestaates" vor.
2. Zu diesem Zweck trafen diese Katholiken geheime Abmachungen mit dem
Katholiken Hitler, finanzierten seine Bewegung und verbürgten sich in den
deutschen Herrenschichten für Hitlers "Regierungsfähigkeit.
3. Als wesentlicher Punkt galt bei den Abmachungen mit Hitler, die
Machtstellung der katholischen Kirche zu sichern und durch Abschluß eines
Reichskonkordats auszubauen.
4. Eine Unterredung zwischen einem Beauftragten der römischen Kurie und Hitler
hat - nach Thyssens Darstellung - diese Abmachungen besiegelt.
Ob Thyssen eine sympathische Figur ist oder nicht, spielt hier keine Rolle.
Sympathische Figuren hinter den Kulissen zu suchen ist sowieso meist
vergebliche Liebesmühe. Andere Leute als solche von hinter den Kulissen können
aber überhaupt nicht aus der Schule plaudern. Wenn Thyssen spricht, so spricht
immerhin ein Mann, der mit hinter den Kulissen war, als die Freiheit des
deutschen Volkes verschachert wurde. ...
Ist es nun wahrscheinlich, daß Thyssen mit seinem Bekenntnis im wesentlichen
die Wahrheit sagt, oder nicht? Es gibt keine überzeugenden Gründe dafür, daß
seine Enthüllungen erlogen wären; aber viele Gründe sprechen für ihre
Richtigkeit. Das Spiel, das er aufdeckt, stimmt mit dem überein, was in der
vatikanischen Politik in allen fünf Erdteilen zu beobachten ist.
Die Ständestaat-Idee leitet sich aus der Papst-Enzyklika "Quadragesimo anno"
ab, die im Mai 1931 herauskam, zur Zeit jener Intrigen in Deutschland also
noch ziemlich neu und wohl geeignet war, einem katholischen Politiker Vorwand
oder Anreiz zu einem Ränkespiel zu bieten. Mit dem Versuch, diese Idee
praktisch zu verwirklichen, stehen Thyssen, Papen, etc. ja nicht allein da,
sondern katholische Politiker und Würdenträger in aller Welt stehen neben
ihnen.
Auch in katholisch-konservativen Kreisen der Schweiz ist solche Propaganda zu
finden. Praktische Voraussetzung für das Ständestaat-Experiment ist die
Ausschaltung der Demokratie, wie sich in Österreich, Portugal, der kanadischen
Provinz Quebeck (unter Kardinal Villeneuve) etc. gezeigt hat.
Daß die sozialen und allgemein-rechtlichen Zustände im diktatorisch
beherrschten Deutschland von Seiten der katholischen Hierarchie grundsätzlich
bekämpft würden, ist nicht der Fall.
Intoleranz und Inquisition, die gemeinsamen Merkmale des Nazismus,
Bolschewismus und Faschismus, sind in Reinkultur im historischen Papismus zu
finden.
Vatikanische Intrigen zwecks Beseitigung der Demokratie und Einsetzung eines
Diktators sind also nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich und in vielen
Ländern nachgewiesen. (Siehe auch Spanien.) ...
Die nachfolgenden Notizen "Aus der jüngsten deutschen Geschichte" geben einen
Überblick über den etappenweisen Abbau der Freiheit in Deutschland. Thyssen
behauptet nun, schon in Brünings Regierungszeit wären mit Hitler Abmachungen
getroffen worden, ihm zum Einzug in die Reichskanzlei zu verhelfen. Warum soll
man das bezweifeln?
Hätten sonst die Schwerindustriellen damals Millionen über Millionen
Reichsmark für Hitlers Partei aufgewendet, die um jene Zeit so gut wie
bankrott war?
Den Gang der Ereignisse müßte man sich dann wie folgt zusammenreimen:
Brüning, der Führer der katholischen Zentrumsfraktion, war seit März 1930 als
Reichskanzler im Amt. Er hatte durch seine Regierungsmethoden mit dem Abbau
der Demokratie begonnen, wollte aber wahrscheinlich keine offene Diktatur. S.
A. und S. S. wurden während seiner Regierungszeit sogar verboten und
aufgelöst. - Um jene Zeit wurden unter Beteiligung eines Beauftragten des
Vatikans mit Hitler geheime Abmachungen getroffen, wohl ohne daß die meisten
Zentrumsabgeordneten davon etwas wußten und vielleicht ohne, daß sie es damals
gebilligt hätten. Für die vorgesehene Entwicklung mußten nach Brünings
Rücktritt Zwischenregierungen geschaffen werden, einerseits, um das Spiel
hinter den Kulissen nicht zu verraten, anderseits, weil die Position der
Nazigegner noch viel zu stark war. Diese wußten ja, daß Hitler, einmal an die
Macht gelangt, sofort den Rest der Demokratie in Deutschland zerschlagen
würde.
(Auch die katholischen Unterhändler müssen das gewußt haben.) Als Wegbereiter
der absoluten Diktatur diente v. Papen. Er übernahm Anfang Juli 1932 die
Reichskanzlerschaft. Sein gleichzeitiger Austritt aus der Zentrumspartei muß
als Tarnung angesehen werden; denn er zerfiel weder mit dem damaligen
Zentrumsführer Prälat Kaas noch mit dem Vatikan, sondern sein weiteres Wirken
galt im Vatikan als verdienstvoll, was durch die nachherige päpstliche Ehrung,
die ihm zuteil wurde, bewiesen wird.
Papen verfügte sofort die Aufhebung des Verbots der S. A. und S. S. und löste
den Reichstag auf. Die Nazipartei, der der Katholik Thyssen zu viel Geld und
der Katholik Papen wieder zu ihren Terrortruppen verholten hatte, steigerte
bei der nachherigen Reichstagswahl die Zahl ihrer Abgeordneten von 107 auf
230. Dieser Erfolg veranlaßte Hitler, die Kanzlerschaft zu verlangen.
Hindenburg wollte ihm höchstens das Vizekanzler-Amt überlassen. Daraufhin
machten die Nationalsozialisten das Parlament durch ihre Opposition wieder
arbeitsunfähig; es kam erneut zur Auflösung des Reichstags. Diesmal verloren
die Nazis bei der neuen Wahl 15% ihrer bisherigen Mandate, waren also auf
absteigender Linie.
An die Stelle v. Papen trat für knapp zwei Monate General Schleicher als
Reichskanzler - eine nichtssagende Zwischenzeit, die man sich um die
Weihnachtszeit am besten leisten konnte, gerade lange genug, um etwas Ruhe zu
finden für den entscheidenden Schlag.
Anfang Januar 1933 hatten Papen und Hitler in Köln eine Konferenz und stellten
fest, daß der Zeitpunkt für den Großangriff auf die Demokratie und für Hitlers
Machtübernahme gekommen sei. So geschah es dann auch. ...
Tausende von Ermordeten und Gemarterten; Hunderttausende von Gehetzten,
Vertriebenen, Eingekerkerten; Millionen von Trauernden und Entrechteten, und
aber Millionen, die in der ganzen Welt durch solche Greuel gefährdet sind, den
Zusammenbruch aller moralischen Werte beklagen und davor zittern, vielleicht
zu den nächsten Opfern zu gehören - dieses ganze, unübersehbare Meer des
Elends zeigt die schwere, auf all denen lastende Schuld, die das Aufkommen
einer solchen Tyrannei ermöglicht oder begünstigt, und auch derer, die sie
später anerkannt und gestützt haben.
In solcher Weise aus der Vergangenheit belastet zu sein und sich trotzdem in
der Gegenwart als Schiedsrichter unter den Nationen, Hort des Friedens und
Führer zu einer gesegneten Völkergemeinschaft aufspielen zu wollen, ist ein
Widersinn sondergleichen.
Einige Nebenbeteiligte haben sich bereits reinzuwaschen versucht von einer
Schuld, die ihnen auf Grund der Enthüllungen Thyssens zugeschrieben werden
könnte. Für die katholische Zentrumspartei als Ganzes unternahm, der ehemalige
Reichskanzler Dr. Wirth, jetzt in der Emigration lebend, diesen Versuch.
Was er im "Basler Volksblatt" (Ausgabe vom 9. Februar 1940) schreibt,
bestätigt aber nur, daß schon seit 1921 um das Reichskonkordat gefeilscht
wurde, also auch zu einer Zeit, wo Pacelli tatsächlich Nuntius in Berlin war;
und daß dieser Mann später, als vatikanischer Staatssekretär, seine
diesbezüglichen Bemühungen nicht eingestellt hatte, sondern zugunsten dieses
Konkordatsabschlusses auch zu einem sehr gewagten politischen Spiel bereit
gewesen sein wird, kann wohl kaum bezweifelt werden.
Doch ganz abgesehen von all den angedeuteten Intrigen muß der Versuch, das
Zentrum, also den politischen Katholizismus von der Mitschuld an der deutschen
Tragödie reinzuwaschen, schon deshalb scheitern, weil ja neben allen
bürgerlichen Parteien auch das Zentrum dem Ermächtigungsgesetz für Hitler
zugestimmt hat, also mit daran beteiligt war, ihn auf vier Jahre zum
unumschränkten Diktator zu erklären und ihm das deutsche Volk auf Gnade und
Ungnade auszuliefern.
Warum das Reichskonkordat nicht schon im ersten, sondern erst im sechsten
Monat der Regierung Hitlers unterzeichnet wurde, bedarf wohl kaum vieler
Erörterungen.
Erstens hatte Hitler im Anfang Dinge zu tun, die ihm wichtiger waren; er mußte
sich erst einmal fest in den Sattel setzen. Zweitens wäre es gewiß von beiden
Vertragspartnern als politisch unklug angesehen worden, in einem zu reichlich
zwei Dritteln nichtkatholischen Lande dem Vatikan durch einen der ersten
Regierungsakte Konzessionen zu machen, die alle vorhergehenden Regierungen
hartnäckig abgelehnt hatten.
Wurde aber nicht auch dem Vatikan bis zum Juli 1933 in genügend grauenhafter
Weise gezeigt, was der neue Reichskanzler von den Menschenrechten hielt?
Das alles schreckte jene Männer in Rom, die Christus zu vertreten vorgeben,
keineswegs davon ab, den früher eingegangenen politischen Handel jetzt durch
die Unterschrift perfekt zu machen, hatte Hitler doch um jene Zeit bereits
bewiesen, daß er zu Liebesdiensten für die römische Hierarchie immerhin bereit
ist, so z. B. durch die von katholischen Bischöfen verlangte und von den Nazis
prompt durchgeführte radikale Unterdrückung und grausame Verfolgung der Zeugen
Jehovas in Deutschland. ..."
Als Nachsatz zu vorstehendem muss man dann wohl auch folgendes noch anfügen.
Unter dem Titel "I paid Hitler" veröffentlichte der Stahlbaron Thyssen auch
noch im Jahre 1941 ein Buch zum Thema; erschienen in New York (USA).
Hatte man nicht gelesen Thyssen sei Deutscher? Und dann ist in den USA
zeitgenössisch dieses Buch erschienen? Ja sicher, warum soll es denn keine
Übersetzung davon geben. Das ist schon klar. Der Haken an der ganzen Sache ist
nur der. Es gab zeitgenössisch keine deutsche Buchausgabe davon. Und nach 1945
war das für die Stahlbarone offenbar kein Thema mehr. Es gibt zwar nach 1945,
Holländische, Schwedische, Dänische Ausgaben davon. Aber es gibt bis heute
noch kein deutsches Pedant dieser seinerzeitigen 1941er Buchausgabe!
Auch für "Trost" war das Thema Thyssen mit der vorstehenden Zitierung
keineswegs beendet. Es gab in der "Trost"-Ausgabe vom 15. 3. 1940 dann noch
einen "Nachschlag", der auch noch zu Gehör gebracht werden soll. Genanntes
"Trost" schreibt:
"Zu den Enthüllungen Fritz Thyssens über die Intrigen, die Hitler zur Macht
brachten, hat sich auch die KIPA (Katholische Internationale Presse-Agentur),
Fribourg, durch einen Artikel von Dr. M. geäußert. Was darin über die Unschuld
Roms geschrieben steht, ist höchst fadenscheinig und im wesentlichen leicht zu
entkräften. Aber einen Trumpf haben diese Leute doch, und den spielen sie am
Schluß jenes Artikels aus, welcher lautet:
"Und damit wären wir bei der Rolle des Herrn Fritz Thyssen. Er genießt als
armseliger Emigrant unsere Gastfreundschaft. Wir verzichten darum auf einen
weiteren Kommentar. Aber wir sprechen auch die Erwartung aus, der Herr möge
ebenfalls schweigen und nicht Arm in Arm mit den Sozialisten durch 'sachlich
haltlose .Enthüllungen' als Hetzer gegen Papsttum und Kirche auftreten.
Andernfalls erwarten die Schweizer Katholiken, daß Fremdenpolizei und
Preßzensur den Herrn schweizerisch-deutlich zur Ordnung weisen."
Dazu kommentiert das "Trost" seinerseits noch.
"Man wird von Ekel gepackt, wenn man diese Kampfmethoden sieht. Selbst den
katholisch-konservativen "Neuen Zürchen Nachrichten" scheint diese gemeine
Art, als Argument über Wahr oder Unwahr mit Preßzensur und Fremdenpolizei zu
drohen, zu gewagt erschienen zu sein; denn sie veröffentlichten zwar den
ganzen KIPA-Artikel, ließen jedoch den ... Schlußsatz: "Andernfalls erwarten
die Schweizer Katholiken, daß Fremdenpolizei und Preßzensur den Herrn
schweizerisch-deutlich zur Ordnung weisen" aus.
Zitat:
"Einen schmerzlichen Ausgang nahm die anonymisierte Veröffentlichung der Schilderung von Margarete Weiser aus Berlin über den Tod ihres Mannes Ernst. Die Zeitschrift "Trost" meldete 1940, dass "die Zeugin Jehovas Weiser aus Berlin N. O. im Lager ums Leben gebracht" worden sei.
Der Gestapo war es tatsächlich gelungen, ihre Identität zu ermitteln und sie in das Frauen-KZ Lichtenburg zu verschleppen. [50]
Tragische Züge hat auch folgende Episode: Martin Harbeck liess im September 1937 einen authentischen Verfolgungsbericht von Hans Müller aus Pirna in Sachsen über seine Familie, den dieser in Bern abgegeben hatte, beglaubigen und bat ihn, das Untergrundwerk von Sachsen bis Berlin zu übernehmen. Harbeck ahnte damals nicht, dass Müller inzwischen für die Gestapo arbeitete und noch unzählige Glaubensbrüder verraten würde."
Nun was den genannten Herrn Hans Müller anbelangt, kann man dazu
vergleichen:
Die Gebetskunst des Hans Müller
Herrn Wrobel und der WTG insgesamt, muss allerdings als Antwort darauf
gesagt werden. Vor Irrtümern ist niemand gefeit. Auch nicht jene,
welche sich unter "göttlichem Schutz" wähnen.
Zweitens: Schon mit ihren spektakulären Flugblattaktionen der Jahre
1936/37, hat die WTG vor allem eines erreicht: Schlafende Hunde
geweckt! Kaum einer, der da zeitgenössisch solch ein WTG-Flugblatt
erhielt, hat sich als Resonanz darauf, quasi öffentlich mit der
WTG-Religion "solidarisiert". Sofern die Flugblätter nicht im
Altpapier landeten, galt für die überwältigende Mehrheit ihrer
Empfänger der bittere Spruch:
"Lieber Gott mach mich stumm, das ich nicht nach Dachau kumm".
Es gab allerdings, und das ist Aktenmäßig belegbar, etliche Fälle, wo
Empfänger solcher Flugblätter selbige in vorauseilendem Gehorsam der
Gestapo, unaufgefordert ablieferten. Sieht man sich die dabei auch
erhaltenen Begleitschreiben dazu an, hat man nicht selten den
Eindruck, jene Ablieferer wollten vor allem eines: Ihre Karriere im
Naziregime befördern.
Unterm Strich war für die Interessen der WTG, diese Flugblattaktionen
weitgehend wirkungslos. Mehr noch, sie bewirkten die Forcierung der
Verfolgungsmaßnahmen des Naziregimes, was sich auch Dokumentenmäßig
belegen lässt

Man mag solcherlei "Widerstands"aktionen der WTG vielleicht
verständnisvoll bewerten. Politische Weitsicht offenbarten sie mit
Sicherheit nicht. Sie machten die Nazi-Bluthunde erst recht scharf.
Das muss auch zu dem eingangs genannten Wrobel-Zitat gesagt werden. Um
auf selbiges nochmals zurückzukommen:
Was Frau Weise anbelangt bezieht sich das offensichtlich auf die "Trost"-Ausgabe
vom 1. 4. 1940. Dort liest man diesen Sachverhalt betreffend:
Zitat:
"Welche Vorsicht bei Veröffentlichungen erforderlich ist, zeigte sich kürzlich wieder in einem bestimmten Fall. Es war irgendwo berichtet worden, wie ein Zeuge Jehovas in ganz kurzer Zeit aus dem Berliner Polizeipräsidium ins Leichenschauhaus geriet, ganz offensichtlich von der Gestapo umgebracht.
Der hierüber veröffentlichte Bericht nannte keine Namen; die sonstigen Angaben genügten jedoch der Gestapo, zu erkennen, um welche ihrer Untaten es sich handelte. Sie verhaftete daraufhin die Witwe jenes ums Leben gekommenen Mannes, sperrte sie in einem Konzentrationslager in den "Bunker" und behandelte sie so, daß sie nach einem halben Jahre an Entkräftung starb.
Jetzt kann man Namen nennen. Es ist niemand mehr da, an dem sich die Gestapo wegen Veröffentlichung der Wahrheit rächen könnte, und vor allem jenen beiden umgebrachten Zeugen Jehovas, Herrn und Frau Weiser aus Berlin N. O. kann sie nichts weiter anhaben. ..."
"Trost" redet in seinem Bericht davon, der die Gestapo auf die Spur
führende Bericht, sei "irgendwo" publiziert worden. Wrobel hatte
seinen zitierten Text ohne ausgewiesene Fußnoten ins Internet
gestellt. Selbige sollten wohl einer Buchausgabe vorbehalten sein.
Beabsichtigter Herausgeber der Herr Roser, die jedoch aus nicht ganz
klaren Gründen "bislang" wieder abgeblasen wurde und bis heute nicht
erschienen ist.
Neueste These von Roser in einem von ihm in diesem Jahre
herausgegebenen Buche dazu. Nunmehr für etwa 2011 anvisiert. Schauen
wir dann also mal was im Jahre 2011 "passiert". Immerhin bleibt dann
der Umstand bestehen. Doch noch rund ein Jahrzehnt später, als
ursprünglich geplant und (damals) auch schon im Buchhandel
vorangekündigt, dann aber ohne Begründung, wieder abgeblasen wurde.
Siehe auch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,43770,44799#msg-44799
Wenn wir schon mal beim Thema Roser sind, dann auch noch ein paar
Anmerkungen,. zu dem von ihm herausgegebenen Buch "Freiburger Zeugen
Jehovas unter der NS-Diktatur"..
Mein Gesamturteil zu diesem Buch: Enttäuschend!
Die "glorreichen Tage" mögen für Herrn Roser, inzwischen zur
Vergangenheit gehören.
Er ist im Berufsleben eingespannt (Lehrer). Die Zeiten wo ihm eine
universitäre Anbindung es ermöglichte, auch mal eigene
Forschungstätigkeit in relevantem Umfange auszuüben, gehören für ihn
offenbar mittlerweile zur Vergangenheit.
Außer einem eher mageren Vorwort, findet man von ihm selbst denn auch
kaum relevantes in genanntem Buch.
Das Feld beherrschen dort eindeutig erklärte Zeugen Jehovas, die wen
wunderts (?), der Versuchung nicht widerstehen können ein geschöntes
Geschichtsbild,. garniert mit allerlei Lücken, zu präsentieren.
Namentlich Freiburg besaß in der deutschen WTG-Geschichte, unter
anderem auch dadurch Bedeutung, dass die WTG just in dieser Stadt in
den 1920er Jahren einen sogenannten "Pressedienst" installierte. Der
hatte es sich angelegen sein lassen, unter Einschaltung von
Rechtsanwälten, namentlich die zeitgenössische kirchliche Presse, mit
sogenannten "Berichtigungen" zu traktieren, wenn diese nicht im
WTG-Sinne lammfromm berichtet hatte (und letzterer Umstand war ja
ziemlich häufig). Es hätte sich angeboten, dass in einem Buch das
speziell auch die Freiburger ZJ-Geschichte thematisieren will, ein
paar Sätze über dieses WTG-Unternehmen mit verloren worden. Eine
einzige Fehlanzeige ist zu registrieren
Dann gehört zur Freiburger ZJ-Geschichte sicherlich auch der Vorgänger
des Konrad Franke, in der illegalen ZJ-Organisation zu Nazizeiten, der
Dr. Franz Merk.
Der allerdings blieb dann in späteren Jahren nicht mehr WTG-Linientreu.
Dieser Umstand führt dann dazu, dass in dem Buchabschnitt
"Kurzbiographien" dann für Merk offenbar kein Platz mehr ist.
Wie gesagt außer dem Namen Roser als Herausgeber, "glänzt" jene
Schrift schon mal dadurch, dass in der Tat von ihm nichts relevantes
in genanntem Buch enthalten ist. Wieder mal ein gigantischer
Etikettenschwindel!
Exkurs.
Zitat (beispielsweise) aus der Schrift von Konrad Algermissen aus dem
Jahre 1928 über die Bibelforscher (S. 48, 49) (selbstredend findet man
im genannten neueren Roser-Buch nicht den Bruchteil einer Silbe zu
diesen oder ähnlichen Vorgängen)
"1924 gründete (Balzereit) einen eigenen "Pressedienst der
Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher mit dem Sitz in
Freiburg i. B. Johann von Werthstraße 9
Wegen dieses Flugblattes ("Anklage gegen die Geistlichkeit") stand
Balzereit im Februar 1926 wegen Beleidigung vor dem erweiterten
Schöffengericht in Magdeburg. Kläger war das evangelische
Kirchenkonsistorium Pommerns. Der Beklagte wurde sowohl vor dem
Schöffengericht wie auch vor der ersten Strafkammer Magdeburgs als
Berufungsinstanz freigesprochen, weil das Gericht sich auf den
Standpunkt stellte, das die Absicht, die Geistlichkeit zu beleidigen
zu verneinen sei."
Ein Umstand der dann wieder mal Wasser auf die Mühlen der
WTG-"Berichtiger" darstellte.
Noch ein Zitat:
"Das "Evangelische Deutschland"
Nr. 29/1925; 19. Juli
"Vom Kriegspfad der Bibelforscher
Man muß es den Bibelforschern lassen: sie vertreten ihre Sache mit
einem Eifer und eine Zähigkeit, die eines reineren Zieles würdig wäre.
Sie haben nunmehr einen eigenen Pressedienst eingerichtet mit dem Sitz
in Freiburg i. B.
In einem Zirkular an die deutsche Presse und an die Fachzeitungen wird
gesagt, daß Politik, Finanz und als dritte im Bunde die Welt-Religion
in der Aufgabe, Deutschland wieder aufzubauen, versagt haben und die
Bibelforscher protestieren gegen die Politik, welche die Kirchen,
besonders die katholische betreiben. Um die Ziele des Mißbrauchs der
Religion und seine Folgen aufzuzeigen, sei die Anklage gegen die
Geistlichkeit auf der ganzen Erde verteilt worden. Aber der
aufklärenden Arbeit seien, wie zu erwarten war, nicht Umkehr, sondern
Ableugnung, Schmähungen und Mordandrohungen gefolgt, und die
Schriftleitungen werden gebeten, in dem Bemühen, das Falsche solcher
Wege zu beleuchten zu helfen, und einen beigelegten Artikel:
Religionsvertreter drohen mit Mord; zu veröffentlichen. (Der Inhalt
ist durch das hier erwähnte Flugblatt "Anklage gegen die
Geistlichkeit") bereits bekannt)."
In einer unscheinbaren Fußnote kam auch Roser in seinem 1999er Buch
auf diesen dubiosen "Pressedienst" zu sprechen:
"In der Johann-von-Werth-Straße in Freiburg bestand seit 1924 auch
eine Zeitlang ein eigener Pressedienst, »der die Arbeit, die in
Deutschland gegen die Bibelforschersekte
geleistet wird, überwacht und Auskünfte erteilt«.
Es hätte sich ja nun angeboten dass in einem nur Freiburg
thematisierenden ZJ-Buch, jener Aspekt etwas näher vorgestellt wird.
Fehlanzeige!
Zurückkehrend zu Wrobel.
Auch wenn ich die zugehörigen Fußnoten im Wrobel-Text nicht kenne,
unterstelle ich mal. Dieses nebulöse "igendwo" ist das "Zürcher"(Harbeck)-Buch
"Kreuzzug ...". Und dort wohl insbesondere der nachfolgende Passus:
Zitat:
" ... Am Montag, den 14. September, habe ich für meinen Mann Wäsche hingebracht nach dem Polizeipräsidium; da wurde mir die Wäsche zurückgegeben mit dem Vermerk, mein Mann sei nicht mehr hier. Nun wurde ich von Zimmer zu Zimmer geschickt; keiner wußte, wo mein Mann geblieben war. Aber jetzt ahnte ich schon nichts Gutes; ich wußte, hier ist etwas passiert.
Zuletzt wurde ich nochmals nach der Gestapo geschickt. Nun sagte der Beamte, ich soll nach meinem Polizeirevier gehen, die werden mir sagen, wo mein Mann ist.
Jetzt habe ich den Beamten angesehen, und als er so verlegen war, sagte ich:
"Was ist denn bloß hier los; das kommt mir hier alles so komisch vor. Mein Mann lebt wohl nicht mehr?"
Da fing der Beamte an zu stottern, daß er gar nicht sprechen konnte, und die Unterlippe hat gezittert. Nun stotterte er, er sei auf Urlaub gewesen, und nun wisse er nicht Bescheid.
Aber ich raffte jetzt noch meine letzte Kraft zusammen und sagte: "Ich gehe nicht eher von hier fort, bis ich weiß, wo mein Mann geblieben ist."
Nun ist der Beamte nochmals nach zwei Zimmern gegangen, um Bescheid zu holen, aber es war immer dasselbe. Zuletzt sagte er dann:
"Sie haben heute einen unglücklichen Tag gewählt; wären Sie morgen gekommen, ihr Mann ißt heute mit einem Schub fortgekommen, nun sind die Papiere noch nicht zurück, und wir wissen noch nicht, wo er hingekommen ist. Aber gehen Sie nach Hause, ich werde Ihnen einen Beamten schicken mit Bescheid."
Als ich nach l Uhr nach Hause kam, empfing mich meine Nachbarin: ein Polizeibeamter war um 9 Uhr hier, ich möchte nach dem Leichenschauhaus gehen, mein Mann liege da.
Als ich dahin kam, frug ich nun: "Wie ist das
gekommen?"
Da sagte der Beamte: "Er hat sich erhängt", worauf ich erwiderte: "Das glaube ich nicht." Als ich meinen Mann nun sah, lag er so friedlich da. Auf dem rechten Mundwinkel hatte er einen aufgeschlagenen rotbläulichen Fleck, wie ein großes Fünfmarkstück, und einen markierten roten dünnen Streifen um den Hals, der noch nicht einmal bis zu den Ohren reichte.
Aber der Herr weiß alles; und als die Leiche freigegeben wurde, kam der eine Beamte, der bei der Haussuchung dabei war, und brachte den Schein und sagte: "Na, ich bin ja sehr erstaunt.
Ihr Mann sagte noch, er wird sich nicht das Leben nehmen, nun hat er sich doch das Leben genommen." Ich antwortete ihm darauf: "Mein Herr, ich kann das nicht fassen und werde es auch nicht fassen; aber wenn mein Mann aus den
Toten auferstehen wird, wird er mir alles erzählen."
Da war er ganz aufgeregt und sagte: "Es ist ja mein gutes Recht, ich kann ja hingehen und mich erkundigen." Dann sagte er noch:
"An zwei Taschentüchern hat er sich erhängt.' Aber die fehlten bei der Ablieferung der Sachen. Ich weiß aber, mein Mann hat es nicht getan."
Die zeitgenössische Betroffenheit bei diesem Bericht kann man sehr
wohl nachvollziehen. Auch wenn man dem Naziregime vieles anlastet, so
wird man doch einräumen müssen. Fälle der Art spielten sich zwar ab,
aber doch wohl nicht jeden Tag. Und wenn dann die Häscher eine so
detaillierte Beschreibung zu Gesicht bekommen, ist es wohl nicht
sonderlich schwierig, das was noch nicht in dem Bericht gesagt wurde
(namentlich Adressdaten) zu rekonstruieren.
Das konkrete agieren in der Nazizeit war ohne Zweifel mit vielerlei
Risiken verbunden. Vor 1933 legten die Zeugen Jehovas schon großen
Wert aufs Demonstrieren. Sie haben diese Eigenschaft auch nach 1933
nicht abgelegt. Ob sie "klug" handelten mag man indes mehr als
bezweifeln.
Zitat:
"Das Nachstehende schrieb der deutsche Exkaiser in seinem Buch "Ereignisse und Gestalten aus den Jahren 1878 bis 1918" (Verlag K. F. Koehler, Leipzig, 1922). Man wundere sich darum nicht über den selbstgerechten Ton und die einseitige Art der Darstellung, wie es z. B. in der Besprechung des Anteils der Geistlichen am Kriegshaß zum Ausdruck kommt, wo der Exkaiser nur von der unrühmlichen Rolle der Geistlichkeit auf der Gegenseite, nicht aber im eigenen Lande spricht.
Die Begegnung mit dem Nuntius Pacelli, dem jetzigen Papst, ist aber wahrscheinlich richtig geschildert; man wüßte nicht, warum der Exkaiser in dieser Beziehung hätte eine einseitige Darstellung geben sollen.
Aus seiner Darstellung ergibt sich nun, daß der jetzige Papst das ganze "Spiel um den Frieden" schon einmal mitgemacht hat. Man lernt die Argumente kennen, die damals auf ihn besondern Eindruck machten, nämlich: Vermittelt der Papst, so wird ihm das unter Mitwirkung der "dankbaren Welt" zu größerer Macht verhelfen; kommt der Friede aber unter Zwang auf andere Weise zustande, so ist es mit der Machtstellung des Papstes vorbei!
Wenn dieses Argument beim Nuntius Pacelli "durchschlug", wie der Exkaiser schreibt, wie sollte es beim Papst Pacelli nicht durchschlagen?
Man beachte im Nachstehenden: Schon 1917 arbeitete Pacelli an der Wiederherstellung eines Kirchenstaates für den Papst, damit die römische Kurie ungehindert den politischen Vermittler in der Welt spielen könne. Der Exkaiser stellte hierfür wirksame Unterstützung in Aussicht, wenn dem Papst die Friedensvermittlung gelänge.
"Das machte Eindruck auf den Nuntius" schreibt er. Auch als schließlich ein Frieden ohne Mitwirkung des Papstes zustande kam, arbeitete Pacelli weiter an seinen Plänen und brachte sie 1929 durch den Lateranvertrag zum Abschluß; Von dieser neuen Plattform aus geht er nun an die Verwirklichung alter Ziele: die Herbeiführung eines "Friedens" unter den Völkern, der dem Papste mehr Macht verschafft.
Wir lassen nun jenes Kapitel aus den Erinnerungen Wilhelms II. folgen:
Zitat:
Der Nuntius meinte, es werde für den Vatikan schwerhalten, die italienische Regierung dazu zu bekommen, da er ja keine direkte Beziehung zu ihr und keine Einwirkung auf ihre Mitglieder besäße. Vollends eine Einladung zu Besprechungen werde die italienische Regierung sich nie gefallen lassen.
Hier mischte sich der Kaplan in das Gespräch und erklärte einen solchen Schritt des Papstes für völlig ausgeschlossen, da daraus Folgen entstehen würden, die für den Vatikan geradezu gefährlich werden könnten. Die Regierung würde sofort die "Piazza" [die Strasse ...] gegen den Vatikan mobil machen; dem dürfe der Vatikan sich nicht aussetzen. Als ich diesem Einwurf keinen Glauben schenken wollte, ereiferte der Kaplan sich immer mehr. Ich kennte, meinte er, die Römer nicht, die seien, wenn sie aufgehetzt wären, ganz schrecklich; sowie die "Piazza" in Bewegung käme, werde die Lage unangenehm. Dann könne man sich sogar auf einen Sturm auf den Vatikan gefaßt machen, durch den der Papst selbst in große Lebensgefahr kommen könnte. Ich erwiderte, ich kenne den Vatikan doch auch genau; den könnte keine Volksmenge oder "Piazza" stürmen; außerdem habe der Papst eine starke Partei in der Gesellschaft und Volk, die sofort zu seiner Verteidigung bereitstehen werde.
Dem stimmte der Nuntius zu. Der Kaplan fuhr jedoch unbeirrt fort, die Schrecken der "Piazza" auszumalen und die Gefahren für den Papst auf das schwärzeste zu schildern ...
Der Nuntius wendete hier ein, daß es für den Papst schwer sei, etwas greifbar Praktisches für den Frieden zu tun, ohne im weltlichen Italien Anstoß zu erregen und Widerstand zu finden, der. ihn gefährde. Er sei eben leider nicht frei. Wenn der Papst sein eigenes Land oder wenigstens einen eigenen Bezirk besitzen würde, wo er autonom regieren und frei schalten und walten könnte, dann läge die Situation ganz anders; so aber sei er zu sehr vom weltlichen Rom abhängig und könne nicht so, wie er wolle.
Ich bemerkte: Das Ziel, der Welt den Frieden zu bringen, sei so heilig und groß, daß der Papst unmöglich aus rein weltlichen Gründen sich davon abschrecken lassen dürfe, diese für ihn wie geschaffene Aufgabe zu lösen. Gelänge sie ihm, so werde die dankbare Welt gewiß nach dem Frieden seine Wünsche nach Unabhängigkeit bei der italienischen Regierung gern unterstützen. Das machte Eindruck auf den Nuntius, und er meinte, ich hätte doch recht, der Papst müsse in der Frage etwas tun.
Ich machte hierauf den Nuntius auf folgenden Punkt aufmerksam: Der Nuntius werde beobachtet haben, wie die Sozialisten aller Länder sich mit Eifer auf alle mögliche Weise bemühten, die Friedensbestrebungen zu fördern. Der Wunsch nach Frieden nehme in der Welt zu. Die Völker würden immer mehr von ihm durchdrungen, und wenn niemand unter den Regierenden sich fände, seine Hand dazu zu bieten - mein Versuch sei ja leider gescheitert -, dann würden die Völker schließlich die Sache selbst in die Hand nehmen. Das werde, wie die Geschichte beweise, nicht ohne bedenkliche Erschütterungen und Umwälzungen vor sich gehen, von denen die römische Kirche und der Papst nicht unberührt bleiben würden. Was solle ein katholischer Soldat sich denken, wenn er immer nur von den Bemühungen sozialistischer Männer um den Frieden höre, nie aber von einem Versuch des Papstes, ihn aus der Kriegsnot zu befreien. Tue der Papst nichts, dann bestehe die Gefahr, daß der Friede durch die Sozialisten erzwungen werde, und dann sei es mit der Machtstellung des Papstes und der römischen Kirche auch bei den Katholiken vorbei!
Dieses Argument schlug beim Nuntius durch. Er erklärte, daß er diese Auffassung sofort an den Vatikan berichten und sich dafür einsetzen werde, daß der Papst handeln müsse. Höchst besorgt fuhr der Kaplan wieder dazwischen: Der Papst bringe sich dadurch in Gefahr, "la Piazza"
werde ihm zu Leibe gehen! Ich erwiderte darauf: Ich sei ein Protestant, daher in des Kaplans Augen ein Ketzer; trotzdem müsse ich hier folgendes konstatieren:
Der Papst werde von der katholischen Kirche und Welt als "Statthalter Christi auf Erden" bezeichnet. Ich hätte bei meinem Studium der Heiligen Schrift mich ernst und eingehend mit der Person des Heilandes befaßt und mich in sie zu vertiefen gesucht. Nun, der Herr habe jedenfalls niemals Angst vor der "Piazza" gehabt, obgleich ihm kein festungsartiger Bau mit Garden und Waffen zu Gebote gestanden habe; der Herr sei immer mitten in die "Piazza" hineingegangen und habe zu ihr gesprochen und schließlich sei er für diese feindliche "Piazza" in den Kreuzestod gegangen. Und nun solle ich glauben, daß sein "Statthalter auf Erden" Angst haben sollte, eventuell ein Märtyrer nach seines Herrn Vorbild zu werden, um der blutenden Welt den Frieden zu bringen, nur wegen der lumpigen römiscnen "Piazza"? Dazu dächte ich, der Protestant, viel zu hoch von einem römischen Priester, zumal vom Papst. Es könne für ihn nichts Herrlicheres geben, als mit seiner ganzen Person sich für die große Sache des Friedens rücksichtslos einzusetzen, selbst auf die in weiter Feme stehende Gefahr hin, dafür ein Märtyrer zu werden!
Mit leuchtenden Augen ergriff der Nuntius meine Hand und sagte 'tiefbewegt: "Vous avez parfaitement raison! C'est le devoir du Pape, il faut qu'il agisse, c'est par lui que le monde doit etre regagne ä la paix. Je transmettrai vos paroles ä Sa Saintete."
Der Kaplan wandte sich kopfschüttelnd ab und murmelte vor sich hin: "Ah, la Piazza, la Piazza!"
Und in einer Notiz zu vorstehendem Bericht führt "Trost" dann noch redaktionell an:
Zitat:
Deutschland war einst das Schwert der katholischen Kirche. "Interessant war mir, daß der Papst bei dieser Gelegenheit sagte, Deutschland müsse das Schwert der katholischen Kirche werden. Ich wendete ein, daß das alte römische Kelch deutscher Nation doch nicht mehr bestehe, daß die Voraussetzungen andere geworden wären.
Aber er blieb dabei."
Das schrieb der deutsche Exkaiser über seinen dritten Besuch beim Papst im Jahre 1903.
("Ereignisse und Gestalten aus den Jahren
1878-1918", verfaßt von Exkaiser Wilhelm II.,
Verlag K. F. Koehler, Leipzig, Seite 177.) Gewiß sind auch die Nachfolger jenes "Leo XIIl" "dabei geblieben".
Zitat:
... Die Kanaaniter lehnten die Übergabe des Landes in den Besitz des auserwählten Volkes Gottes ab und weigerten sich, auf die Seite des großen Theokraten zu treten. Darum mußten sie vertrieben werden. ...
Israels Kriege gegen die Kanaaniter wurden unter der Anleitung Jehovas Gottes, geführt ...
Josua, dessen Name dasselbe bedeutet wie "Jesus", und der auch Christus Jesus vorschattete, führte derartige Kriege auf Grund des direkten Befehls des großen Theokraten, des allmächtigen Gottes ...
Israel war die einzige Nation der Erde, der von Gott jemals ein Gebiet angewiesen und Vollmacht gegeben wurde, von diesem Gebiet gewaltsam Besitz zu ergreifen. ...
Wenn, sie Kriege führten, geschah es auf Jehovas Befehl, und ihr Gehorsam gegenüber seinem Befehl ...
Derartige Kriege waren gerecht."
Ziemlich kriegerische Töne, die da der Herr Rutherford anschlägt. Er meint
also zu wissen, wann Kriege "gerecht" seien ...
Letzteren Satz, lasse man sich denn doch mal auf der "Zunge zergehen".
Wie tönte einst ein Herr Hitler:
"Es wird propadandistischer Anlass zum Angriff gegeben werden. Der Sieger
werde nicht nach Recht oder Unrecht gefragt."
Worin besteht bei solcherlei Voten eigentlich der Unterschied, zu dem Votum
des Herrn Rutherford? Ach ja, der eine nimmt das Wort "Jehova" in den Mund;
der andere faselt von der "Vorsehung". Ein ziemlich banaler "Unterschied"!
Wie betrifft das uns?
:::
Die Berichte über die Zerstörung in Kanaan machen
uns auch insofern Mut, als sie uns
zeigen, was Gott
in naher Zukunft
tun wird. Wir können
ganz sicher sein, er wird nicht zulassen,
dass das Böse das Gute besiegt. Vielmehr wird er, wie die Bibel belegt,
bald eingreifen, um die Bösen zu
vernichten. ...
Mir wäre es lieber gewesen, Gott hätte Mitleid mit diesen unschuldigen Kindern gehabt und nicht so lange deren Opferung hingenommen. Und die Liebe zu seinen treuen Anbetern glaube ich ihm auch nicht ganz. Für mich ist es mangelndes Vertrauen in die Stärke und Treue ihres Glaubens. Das setzt natürlich voraus, dass die Interpretation der WTG richtig ist und es den Gott der Bibel wirklich gibt.
Zitat:
"Ein merkwürdiger Steinbruch, der da bei Linz in Österreich in Betrieb ist! Wie es scheint, genügen zwölf Monate Arbeit, um auch aus dem gesündesten Menschen eine Leiche zu machen. Wenigstens hat diese Zeit genügt, um August Kraft aus Wien und Otto Buchta aus Brünn zu Tode zu bringen. Sie beide hatten ihrem Gott seit Jahren in aller Treue gedient August Kraft war sogar über fünfundzwanzig Jahre ein treuer Zeuge des Höchsten. Wegen ihrer christlichen Ueberzeugung wurden sie von den Nazis in jenen Steinbruch verbannt, zu Zwangsarbeit unter Aufsicht der üblichen Konzentrationslager-Wachtmannschaften.
Beide Männer, Zeugen Jehovas, waren gesund und sind nun trotzdem nach so kurzer Zeit gestorben, "an Herzschwäche", wie gemeldet wurde."
Zitat:
"Eine Schlappe der Katholischen Aktion auf den Fidschi-Inseln
Auf den Fidschi-Inseln, die zum Britischen Kolonialbesitz gehören, ist seit Jahren ein Kampf um die Redefreiheit im Gange. Schon im Jahre 1932 verhängte man über einen Vertreter der Watch Tower Bible and Trost Society ein Redeverbot. 1936 wurde biblische Literatur dieser Gesellschaft auf Anweisung der Kolonialverwaltung vernichtet, im Juli 1938 ein Verbot verschiedener Schriften und Schallplatten der Gesellschaft erlassen, am 29. März 1939 der bloße Besitz solcher Schriften unter schwere Strafe gestellt. Für ein Gebiet unter britischer Verwaltung sind das ganz ungewöhnliche Maßnahme.
Diese Vorgänge meint man wie folgt interpretieren zu können:
Zitat:
Wie erklären sie sich?
Diese unbritische Drosselung der Freiheit war auf römisch-katholischen Einfluß zurückzuführen. Dieser macht sich besonders in Kolonialverwaltungen immer stärker geltend. In den Kolonien, weit abseits vom Mutterland mit seiner freiheitlichen, den römischen Begriffen schwer angleichbaren Tradition, suchen Sendlinge des Papsttums nach Eroberung von Staatsstellungen zu erreichen, daß unter britischer Flagge papistisch-faschistische Zustände herrschen. So erklärt es sich, daß an solchen Außenposten des britischen Weltreiches oft erbittert um die Freiheitsrechte der Bürger gekämpft werden muß. Auf den Fidschi-Inseln hatte dieser Kampf vollen Erfolg.
Alle Beschränkungen gegen die Watch Tower Society wurden aufgehoben. ...
Weiter geht's mit der Aussage:
Zitat:
In der Nummer vom 13. Dezember 1939 berichtete nun die australische Ausgabe von TROST ("Consolation"), daß der Gouverneur der Fidschi-Inseln dem Vertreter der Watch Tower Society eine Audienz gewährte und auf Grund der dabei erhaltenen Informationen von Amts wegen die Tätigkeit der Gesellschaft guthieß. Literaturverbreitung, öffentliche Vorträge und Tondienst mit Lautsprecherwagen etc. gehen nun völlig ungehindert vor sich ...
Seinen wesentlichen Kommentar sieht "Trost" wohl in der Aussage:
Zitat:
Die Katholische Aktion hat also eine Niederlage erlitten. Broschüren wie SCHAU DEN TATSACHEN INS AUGE (in Englisch: FACE THE FACTS), die den Römlingen besonders unangenehm sind, weil sie die faschistenfreundlichen Umtriebe der römisch-katholischen Hierarchie aufdecken, finden nunmehr wieder ungehindert ihren Weg unters Volk, und die Einwohner auch jener abseitigen Inseln lernen auf diese Weise, wovor sie sich hüten müssen, um nicht ihre Freiheit und damit die Gelegenheit zu verlieren, sich ungehindert über Gottes Vorkehrung zur Errettung der gutgesinnten Menschen zu unterrichten.
Auf den Fidschi-Inseln in der Südsee herrscht also wieder mehr Freiheit. So wenig Freiheit wie in den meisten europäischen Ländern war dort ja noch nie. Es ist der zweifelhafte Ruhm Europas, sich führend zu wähnen und dabei unter allen Erdteilen in der Anwendung der Menschenrechte am rückständigsten zu sein."
In der einer weiteren "Trost"-Ausgabe (1. 6. 1940) sind die Fidschinseln der WTG erneut eine Erfolgsmeldung wert. Ihrzufolge hätte man dort auch eine WTG-Broschüre zum Thema "Hölle" verbreitet.
Zitat:
"Als jene Broschüre erschien, wurde einem Zeugen Jehovas von einem führenden Methodisten-Missionar auf den Fidschi-Inseln, einem gewissen MacDonald, gesagt:
"Mit dieser Broschüre sollten Sie sich nicht abgeben; es ist eine verderbliche Schrift" - "Wieso? ... -
"Ja", antwortete darauf dieser Geistliche,
"ich weiß schon, daß es wahr ist; den Eingeborenen aber müssen wir die Hölle als einen rotglühenden Ort wirklicher Qual schildern, sonst werden wir sie nicht so weit einschüchtern können, daß sie die Kirche besuchen!"
Welchen Stellenwert im gleichen Kontext die eigenen Harmagedon-Lehren
wahrnehmen, darüber allerdings reflektierte "Trost" nicht.
Um noch etwas Salz in die WTG-Euphoriesuppe die Fidschinseln betreffend
hereinzustreuen, sei noch auf einen etwas neueren Kommentar, auch jenes Land
betreffend, hingewiesen.
Im Tausch gegen ein Linsengericht
Zitat:
"Im "Elsässer" veröffentlicht ein Jesuitenpater, R. P. Delattre, J. S. einen Artikel über die Schuld der deutschen Katholiken. Im Interesse der geschichtlichen Wahrheit sollen hier seine Ausführungen wiedergegeben werden.
Zitat:
Es hat sehr lange gedauert, bis den deutschen Katholiken über das wahre Wesen des Nationalsozialismus die Augen geöffnet wurden.
Im Februar 1933 begrüßte die deutsche katholische Presse wie auf ein gegebenes Signal die Morgenröte des neuen Regimes. In Köln feierten am 6. März katholische Jugendorganisationen den Sieg des Nationalsozialismus über die stark betonte kommunistische Gefahr.
Vierzehn Tage später kapitulierte im Reichstag die Zentrumspartei. Sie ließ ihren sozialdemokratischen Bundesgenossen im Stich und lieferte durch ihre Zustimmung zu den verlangten Vollmachten das Deutsche Reich mit Haut und Haaren an Hitler aus.
Die einflußreichsten Abgeordneten waren gegen die Bewilligung der Vollmachten: "Den Zusagen und Versprechungen der Hitlerianer darf man nicht über den Weg trauen. Bei einem Reichskonkordat wären wir die Betrogenen."
Aber die Herren Kaas und Lauscher waren anderer Ansicht:
"Die französische Republik ist nur durch die Opposition der Katholiken antiklerikal geworden. Die nationalsozialistische Revolution ist vor allem eine deutsche, eine nationale Bewegung. Sie kämpft gegen den Kommunismus. Die Kirche kann mit jedem Regime zusammenarbeiten. Man soll nicht wieder einen Vorwand liefern, daß die deutschen Katholiken die Einheit der Nation stören. Im Interesse des deutschen Katholizismus muß man Vertrauen haben und sich zu einer großzügigen Handlungsweise entschließen."
Vor diesem Argument, dem "Interesse der Kirche", beugten sich die Laien schweren Herzens. Wohlverstanden, die demokratisch gesinnten Laien. Denn die katholische Aristokratie hatte unter Führung von Papens das Zentrum bereits verlassen, sich mit Hitler verbündet und erntete jetzt den Dank in Form von zahlreichen Oberpräsidentenstellen.
Es ist nützlich, daran zu erinnern, daß auch an den Universitäten die katholischen Professoren und Studenten dem Nationalsozialismus freundlich gesinnt waren. Sogar innerhalb der Hierarchie selbst schlossen sich der Erzbischof von Freiburg und der Bischof von Osnabrück der Bewegung an und boten auf der Fuldaer Bischofskonferenz den Kardinalen Bertram und Faulhaber die Stirn.
Anfangs Juli schien die Ankündigung eines Reichskonkordats den Optimisten recht zu geben. Nie noch wurde ein Konkordat mit solcher Geschwindigkeit abgeschlossen. Wollte der Vatikan den Kulturkampf, der gegen die Juden und die Protestanten bereits begonnen hatte, von den Katholiken abwenden? Jedenfalls wurde die Ankündigung von den Katholiken mit Jubel aufgenommen und von den Nationalsozialisten mit Zähneknirschen begrüßt.
In Maria-Laach fand vom 21. bis 23. Juli eine Tagung des katholischen Akademikerverbandes statt, um über die Haltung der Katholiken zum Nationalsozialismus zu beraten. 150 Mitglieder nahmen daran teil, darunter die höchsten Persönlichkeiten. Ganz zuletzt entstieg Herr von Papen dem Flugzeug, aus Rom kommend, wo er soeben das Konkordat unterzeichnet hatte. Der Jubel glich einem Delirium. Man glaubte, der Neubegründung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation beizuwohnen, das uneigennützigerweise den Kampf gegen Bolschewismus und Gottlosigkeit aufnehmen werde.
"Ich habe dem Heiligen Vater versprochen", sagte von Papen in seiner Begrüßungsansprache, "daß er vom Deutschen Reich keine Enttäuschungen erleben werde, und daß sich die Feindseligkeiten der liberalen und sozialistischen Epoche niemals wiederholen würden . . ."
Die Mehrzahl der Anwesenden, ob zwar mißtrauischen Herzens, sprach dem Vizekanzler von Papen öffentlich ihren Dank aus, und man liest nur mit Bewegung die Dankadresse, die damals im Namen der Bischofskonferenz an Hitler gerichtet wurde.
Der Verfasser von "Mein Kampf" ist derselbe Mann, der bei seiner letzten Zusammenkunft mit Kardinal Faulhaber die Worte sprach: "Eine romfreie Nationalkirche ist mein Ziel, und ich werde es erreichen." Es ist bekannt, daß diese Äußerung der unmittelbare Anlaß für die Abreise der deutschen Kardinale und Bischöfe zur Berichterstattung nach Rom war, in deren Gefolge die Enzyklika "Mit brennender Sorge" erschien."
Zitat:
"Am Anfang dieses Jahres hat der Führer der sowjetrussischen Gottlosenverbände, Jaroslawski, eine Botschaft an die Gottlosen erlassen, in der es u. a. heißt:
"Gottlose der Sowjetunion und der übrigen Welt! Im Jahre 1939 ist es der Gottlosenbewegung gelungen, große Erfolge zu erzielen. Diese Erfolge sind nur der Taktik und dem Genie Stalins zu verdanken. Die Rote Armee hat in Osteuropa neue Gebiete erobert, die Fahne des Atheismus ist näher nach Westeuropa gebracht worden. Im Jahre 1940 wird der Kampf mit ganzer Energie weitergeführt, die Parole heißt: .Atheisten, vorwärts für die Weltrevolution und für den Stalinismus''
Jaroslawski erklärte weiter, daß die Regierung der Sowjetunion mit allen Mitteln die Gottlosenbewegung stütze, denn diese Organisation gelte heute als die wichtigste staatliche Körperschaft. Am Schluß der Botschaft heißt es:
"Der Kampf in Finnland hat erwiesen, wie groß der Haß gegen den Atheismus ist. Die Kirche ist schuld an dem Tod von tausenden sowjetrussischen Gottlosen, die in den Reihen der Roten Armee gegen das Christentum kämpften."
Als Kontrast dazu zitiert "Trost" dann noch eine Meldung aus
Hitlerdeutschland:
"So schreibt Bischof Tügel in der "Hamburger Kirchenzeitung" u. a.:
Zitat:
"Gerade in dem Augenblick, da unsere Kirchenzeitung druckfertig ist, erfolgt die deutsche Bekanntgabe der Zahl der Opfer unserer Volksdeutschen im ehemaligen Polen. Ein wahrhaft erschütternder Beweis für eine Unsumme von Qual und Tod, für die jener kulturlose Staat verantwortlich ist, der durch Gottes gerechtes Gericht seine wohlverdiente Erledigung gefunden hat und für dessen sinnlose Verblendung allein jenes England haftet, dem der deutsche Abwehrkampt bis zum endgültigen Siege gilt".
Damit hat aber "Trost" seine Munition noch keineswegs verschossen. Es wurde offenbar weiter fündig. Zum Beispiel mit der Meldung:
Zitat:
"Vor ein paar Wochen wurde in der römisch- katholischen Westminsterkathedrale von London einmal schnelle Arbeit geleistet. Ein Zweiundzwanzigjähriger, für Militärdienst aufgeboten, wollte einen Tag vorm Einrücken noch schnell zum Katholizismus übertreten und katholisch getauft werden. Er bekam was er wollte, nämlich: um acht Uhr wurde er getauft, halb neun war die Firmung, um neun die Trauung, und anschließend empfing er zum ersten Male die "Kommunion".
Ob er noch kurz vorm Abmarsch zum Militärdienst sicher sein wollte, der "alleinseligmachenden Kirche" anzugehören, oder ob er seine Frau nicht bekommen konnte, ohne katholisch zu werden, setzt der Bericht nicht näher auseinander. Jedenfalls haben ihn die Priester im Handumdrehen mit dem Gewünschten versorgt, und diese Leistung kann sich fast sehen lassen neben den "Totenbettbekehrungen", wo einer; der sein ganzes Leben lang ein Verbrecher war, angeblich noch in letzter Minute vom Priester vor der Hölle bewahrt wird, oder die Sache kann sich sehen lassen neben den "Nottaufen", wo das Geschick eines ungetauften Kindes angeblich auch nur von der Schnelligkeit des Priesters abhängt und ein paar Sekunden vor dem Tode entschieden
wird....
Zitat:
"Gerade in dem Augenblick, da unsere Kirchenzeitung druckfertig ist, erfolgt die deutsche Bekanntgabe der Zahl der Opfer unserer Volksdeutschen im ehemaligen Polen. Ein wahrhaft erschütternder Beweis für eine Unsumme von Qual und Tod, für die jener kulturlose Staat verantwortlich ist, der durch Gottes gerechtes Gericht seine wohlverdiente Erledigung gefunden hat und für dessen sinnlose Verblendung allein jenes England haftet, dem der deutsche Abwehrkampt bis zum endgültigen Siege gilt".
Exkurs Tügel
Was den mit genannten Hamburger Bischof Tügel anbelangt, so ist erst mal
festzustellen:
Bischof wurde der erst zu Nazizeiten. Gleichwohl ist er nicht untypisch für
die Konjunkturritter, die da mit dem aufkommen des Nazismus, auch ihre ganz
persönliche Karrierechance witterten. Die nazistisch infiltrierten "Deutschen
Christen" machten es halt möglich, das solche Karriereritter ihren
Konkurrenten zu Nazizeiten lehrten, wer wohl die stärkeren Ellbogen habe.
Selbstredend, da hatten die "Deutschen Christen" ja überhaupt keinen Zweifel,
sie selbst.
Hans Prolingheuer etwa notiert in seiner "Kleinen politischen
Kirchengeschichte.
Fünfzig Jahre Evangelischer Kirchenkampf von 1919 bis 1969":
Zitat:
"Nicht die Theologie trennt uns, sondern die Politik. Wir müssen das feststellen, wenn wir zum Frieden kommen sollen." Das war die Antwort der "Deutschen Christen" auf Karl Barths zeitgenössische Kampfschrift "Theologische Existenz heute!", die der spätere Hamburger Nazi-Bischof Franz Tügel im August 1933 Karl Barth entgegenschleuderte".
Man kann vielleicht weiter gehen und unterstellen. Barth konnte sich dann
in Deutschland nicht mehr allzulange als Universitätslehrer halten. Er hatte
immerhin die Option, sich in die Schweiz zurückzuziehen. Das besagter Tügel
mit seinen Teil dazu beitrug, Barth aus Deutschland zu vergraulen.
Allerdings auch Tügels Karriere sollte noch einen Knacks erfahren. Das
Naziregime befand nämlich. Die "Deutschen Christen" hätten es nicht geschafft,
ihre Kritiker wirklich mundtot zu machen. Vor allem ging den Nazis auf die
Nerven, dass die Auslandspresse des langen und breiten über den deutschen
"Kirchenkampf" berichtete. In dieser Konsequenz wurde schon Ende 1933 die
Nazipolitik "umgeschaltetet". Nunmehr bekamen auch die "Deutschen Christen"
bei ihrem Anspruch die "besseren Nazis" zu sein, auch noch Konkurrenz, in Form
der "Deutschgläubigen", die zunehmend ebenfalls versuchten, den öffentlichen
Diskurs zu beherrschen. Diese sich auch NSDAP-parteimäßiger Protektion
erfreuenden Kreise, drohten zusehends den Alleinvertretungsanspruch der
"Deutschen Christen" zu konterkarrieren.
Und damit hatte eben auch Tügel zu kämpfen.
Das in Karlsbad im Exil erscheinende Sozialdemokratische Blatt "Neuer
Vorwärts" nahm in seiner Ausgabe vom 5. November 1933, auch auf Tügel bezug.
Äußerer Anlass dazu war offenbar eine thematische Notiz, welche in der in
Hitlerdeutschland erscheinenden Wochenschrift "Der Reichswart" vorfindlich
war.
Aus ihr wiederum zitierte der "Neue Vorwärts", das Herr Tügel auf einer
Mitgliederversammlumg der "Deutschen Christen" in Hamburg sich mit dem Votum
verbreitet habe:
Zitat:
"Ein Volk, dass sich vom Christentum losgerissen hat geht zugrunde. Aus dieser Erkenntnis folgert, daß Religion nicht Privatsache sein darf, sondern Volkssache sein muß."
Also Tügel votiert für eine Staatskirche brauner Prägung.
Nun aber stand besagter Herausgeber des "Reichswartes" seinerseits wiederum
den Deutschgläubigen nahe. Das Tügel'sche Votum ging auch ihm "gegen den
Strich".
Und in dieser Konsequenz polemisiert er dann seinerseits gegen Tügel.
Dazu zitiert dann der Neue Vorwärts"
Zitat:
"Dazu stellt Graf Reventlow fest, daß die Geschichte dem Herrn Oberkirchenrat Unrecht gebe.
Er verwies dann auf Friedrich den Großen, der sich persönlich auch dem Christentum entfremdet hatte.
Und fragt dann:
"Ist durch ihn das Volk der Preußen zugrunde gegangen?
Friedrich der Große hat im schärfsten Gegensatz zur Forderung des Oberkirchenrats Tügel "nach seiner Fasson selig werden" lassen. Ist darüber programmäßig Preußen zugrunde gegangen ?
Die Dinge liegen umgekehrt denn die Geschichte zeigt, daß diejenigen Völker zugrunde gingen, in denen Gewissenszwang herrschte."
Und weiter der "Neue Vorwärts"
Zitat:
"Die letzten Worte sind im Original fett gedruckt, wodurch noch besonders unterstrichen wird, daß der Protest sich nicht nur gegen den Oberkirchenrat Tügel richtet, sondern auch und vor allem gegen das gesamte vom Wehrkreispfarrer Müller kommandierte System der Unterjochung der evangelischen Kirche, das in den Kreisen der Geistlichen wie der Kirchenmitglieder eine ungeheure Erbitterung ausgelöst hat."
Kurt Meier etwa erwähnt in seinem "Der evangelische Kirchenkampf" mit:
Zitat:
"Auf die unvertretbare Behinderung kirchlicher Kundgebungen gegen die deutschgläubige Propaganda durch Verbot, öffentliche Versammlungsräume zu benutzen, wies der deutschchristliche Landesbischof Franz Tügel in Hamburg hin. Während (der Protagonst der Deutschgläubigen) Hauer im Versammlungssaal des Hauses der Deutschen Arbeit in Hamburg über das Thema "Kann ein Deutscher Christ sein?" vortragen konnte, wurde der deutschchristlich bestimmten Kirchenbehörde ein öffentlicher Versammlungsraum nicht bewilligt; der Gegenvortrag wurde in der Kirche abgehalten. In einer dort verlesenen Erklärung Tügels hieß es:
"Wir fügen uns in unbedingter Disziplin den Anordnungen der Behörde, aber als lutherischer Bischof und Nationalsozialist weiß ich mich doch verpflichtet, die ernste Frage aufzuwerfen, ob ein Generalverbot für kirchliche Veranstaltungen in weltlichen Räumen heute wirklich zu Recht besteht ..."
So hatte sich Tügel das eigentlich nicht vorgestellt, wie es dann gekommen ist. Er war ja schon vor 1933 einer, der an den Nazis meinte nur gutes zu entdecken. Und vor 1933 war solch eine Position in breiten kirchlichen Kreisen, noch nicht unbedingt konsensfähig. Da waren "Schrittmacher" vonnöten. Einer dieser war unfraglich auch Tügel, etwa mit seinem 1932 erschienenen Buch:
Zitat:
"Wer bist Du? Fragen der Kirche an den Nationalsozialismus
Beantwortet von Franz Tügel, Pastor an der Gnadenkirche in Hamburg"
Seine Kernthese bestand in der Feststellung, dass in der Sowjetunion, aufgrund der dortigen politischen Verhältnisse, ein massiver Machtverlust der Kirchen zu beklagen sei. Bezugnehmend auf Deutschland äußert er dann:
Zitat:
"Man vergegenwärtige sich die Lage. Die kommunistische Partei schließt das Christentum als "Opium für das Volk" grundsätzlich aus - alle von "religiösen Sozialisten" hier und da behaupteten Abschwächungen sind blanker Unsinn -, die Sozialdemokratie läßt nach ihrem Programm Religion "Privatsache" sein; tatsächlich ist auch hier Bekämpfung des Christentums fast überall Parteisache, wie die zahllosen Beispiele aus der Wirklichkeit und das Gesicht ihrer Presse zeigen. Hier aber stellt eine Partei, die im Sturm einer seit den Freiheitskriegen nicht erlebten Volksbewegung den Rahmen einer Partei weit übergreift einfach fest, daß der Standpunkt eines positiven Christentums Parteisache und damit nicht Privatsache, sondern Volkssache sei. Ist das nichts? Ist das nicht alles, was man verlangen kann? Ja, das ist alles, was man verlangen kann." (S. 34, 35)
Tügel meint dann feststellen zu können:
Zitat:
"Hier aber stellt eine Partei, die im Sturm einer seit den Freiheitskriegen nicht erlebten Volksbewegung den Rahmen einer Partei weit übergreift einfach fest, dass der Standpunkt eines positiven Christentums Parteisache und damit nicht Privatsache, sondern Volkssache sei. Ist das nichts? Ist das nicht alles, was man verlangen kann? Ja, dass ist alles, was man verlangen kann. Man wird doch dem Feuerwehrmann, der die Leiter zum Dachbrand des Hauses hinaufstürzt, um zu retten, was zu retten ist, nicht nachklettern, weil man entdeckt, dass seine Uniform nicht korrekt zugeknöpft ist." (S. 39)
Durch eine geschickte Taktik versuchte das Hitlerregime in den Anfangstagen den Eindruck zu erwecken, man sei "kirchenfreundlich". Lewy referiert diesbezüglich:
Zitat:
"Die preußische Regierung hatte am 22. Februar die allmähliche Abschaffung interkonfessioneller Schulen beschlossen und den Religionsunterricht an Berufsschulen wieder eingeführt. … Ein am 27. Februar verkündetes Gesetz erkannte sieben katholische Feste als gesetzliche Feiertage an. … Als am 13. April in Bayern die "Ernsten Bibelforscher" unterdrückt wurden, akzeptierte die Kirche sogar die Anweisung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, jedes Mitglied dieser Sekte anzuzeigen, dass noch weiterhin die verbotene Religion ausübe. Der im Werden begriffene totalitäre Staat ließ die besonderen Gruppeninteressen der katholischen Kirche unangetastet. Unter diesen Umständen fiel es der Kirche nicht schwer, Frieden mit ihm zu schließen."
Diese Taktik ließ vorerst die Erkenntnis verdrängen, dass der Chefredakteur des "Völkischen Beobachters" bereits 1922 erklärte:
Zitat:
"Wir können nicht mehr nachplappern, was betrunkene Mönche auf Räubersynoden beschlossen haben, wir haben die Kinderschuhe ausgetreten und das Bewusstsein unserer selbst dämmert immer deutlicher."
Aber eben, diese Zurückhaltung sollte nicht allzu lange vorhalten. 1933
mussten die Antiklerikalen in der NSDAP sich noch in die Deckung zurückziehen.
Aber aufgrund der tagespolitischen Situation konnten sie schon ab 1934
deutlicher in Erscheinung treten.
In Verteidigung seines heftig umkämpften Buches "Der Mythus des 20.
Jahrhunderts" erklärte Rosenberg 1935:
Zitat:
"Ich stehe durchaus auf den gleichen Standpunkt wie der Papst, dass die wirklich gläubigen Katholiken mein Buch nicht lesen sollten. Es ist, wie ich ausdrücklich erklärte, gar nicht für sie geschrieben. Sie sollen ihren Lebensgang innerhalb ihres Glaubensbekenntnisses ungestört zu Ende gehen und jede Werbung für mein Buch innerhalb des gläubigen Klerus oder der gläubigen Anhängerschaft hat zu unterbleiben. Es gibt aber viele Millionen in Deutschland, die innerlich schon längst Abkehr gehalten haben, ohne das sie eine Form fanden, die ihrem inneren Erleben jenen Rahmen schuf, der notwendig ist, um aus Millionen Einzelseelen eine Ganzheit mit innerlicher Haltung zu schaffen."
1937 erklärte er dann:
Zitat:
"Es ist eine Kulturschande, dass wir Menschen des 20. Jahrhunderts uns mit derartigen Dingen noch herumschlagen müssen. Alle die Legenden, Wundererzählungen usw. haben mit echter Religion überhaupt nichts zu tun: das Himmelreich ist inwendig in uns. Aber da nun eine zweifellos starke Macht wie die römische Kirche diesen Unsinn noch als seelische Einwirkung zu gebrauchen weiß, so muss er zur Rettung des sonst notwendig dem Atheismus zutreibenden Menschen ein für allemal überwunden werden."
Mit diesen Ausführungen dürfte Rosenberg seine Gegner wohl kaum "besänftigt" haben. In den unter Ausnutzung taktischer Möglichkeiten innerhalb des Katholizismus weitverbreiteten "Studien zum Mythus des XX. Jahrhunderts" heißt es denn auch eindeutig:
Zitat:
"Es gibt nicht nur einen materialistischen Atheismus des Freidenkertums, sondern auch einen idealistisch-organischen Atheismus des nordisch Religiösen."
Um nochmals auf das 1932er Buch von Tügel zurückzukommen. Neben den bereits aus ihm gebrachten Zitaten sei dann noch aus ihm zitiert (kommentarlos):
Zitat:
"Die katholische Kirche hat der nationalsozialistischen Bewegung eine glatte Absage erteilt. Ist ihr Verhalten auch nicht überall so feindselig wie das des Mainzer Bischofs, so hat doch die Konferenz der Bischöfe im wesentlichen die Ablehnung gutgeheißen. Angeblich erfolgt sie auf Grund des Rassenstandpunktes der Bewegung, tatsächlich dürfte die Entscheidung aus machtpolitischen Gründen erfolgt sein." S. 7)
Weiter:
Zitat:
"Man hat mir oft von christlicher Seite entgegengehalten, daß eine politische Partei, die mit solchen Methoden arbeite, eine solche Sprache rede, mit solchen "Terror" und Fanatismus vorgehe wie der Nationalsozialismus, unmöglich von der Kirche freundlich angesehen werden könne. Ich habe dazu immer nur lachen können. Denn es spricht aus solcher Beurteilung nicht der Geist des Christentums, sondern des Spießbürgertums, des in die Revolution von 1918 wie ein Träumender hineingeschleudert wurde und das in diesem Traumzustand mit kurzen Unterbrechungen bis heute sein Leben fristet und das Elend der Nation nur noch als Schicksal empfindet. ...
"Terror kann nur durch Terror gebrochen werden". Der Führer des Nationalsozialismus hat es erkannt, und seine Bewegung hat danach gehandelt. Wo geistige Waffen versagen, muß die Bahn für ihre Anwendung erst einmal wieder freigemacht werden. Wir Christen sollten das nicht verdächtigen, sondern restlos in Ordnung finden. (S. 20, 21)
Und auch dieses Votum;
Zitat:
Darum haben auch die Worte des Führers, selbst wo sie den Herrn nicht nennen, stets den leisen ehrfurchtsvollen Unterton, dem er zuweilen klaren Ausdruck gibt: "So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln ..." (Hitler, Mein Kampf, 1930; S. 70).
Das Jammerbild der zerschlagenen und durch den Staat verfolgten Kirche Rußlands ruft in mir (Tügel) keine Neigung wach, ein gleiches mit meiner Kirche zu erleben. Wir wollen kein Martyrium, ehe nicht alle Möglichkeiten der Abwehr und des Angriffs erschöpft sind. Darum stimmen wir zu, wenn das tapfere Wochenblatt "Licht und Leben" mehr als einmal die Armee der "Braunhemden" als Schützer unser aller angesprochen hat. (S. 26)
Und weiter:
Zitat:
"Ist Hitler romhörig? Zweifellos stammt diese Frage aus dem Wörterbuch des "Tannenbergbundes", der in der hoffnungslosen Verrantheit seines Wütens gegen die nationale Bewegung wie gegen die christliche Kirche nicht selten selbst die kommunistische Agitation zu überbieten scheint. Diese Leute sollen sich ruhig austoben; insofern nehmen wir diese Frage nicht ernst." (S. 45)
Auch dieses Zitat noch
Zitat:
"Wir wollen die Rassenfrage innerhalb deren Freunde und Gegner des Nationalsozialismus das Judenproblem meistens erörtern, hier beiseite lassen, wie ich überhaupt finde, daß diese Frage ebensowenig wie die Frage der wirtschaftlichen Seite des Programms der Bewegung, Gegenstand kirchlicher Kritik sein kann." (S. 50)
Und:
Zitat:
"Die Rosenbergschen Gedanken, die wir als Christen mit unsrer Kirche ablehnen, sogar soweit ablehnen, daß wir sie für untragbar und unmöglich halten, spielen tatsächlich in der Bewegung keine irgendwie namhafte Rolle." (S. 61)
Mit letzterem Votum dürfte sich allerdings auch Tügel, grundlegend geirrt
haben.
http://books.google.com/books?id=ItjjAAAAMAAJ&q=t%C3%BCgel+wer+bist+du&dq=t%C3%BCgel+wer+bist+du&hl=de&cd=16
http://books.google.com/books?id=CN9tAAAAMAAJ&q=t%C3%BCgel+wer+bist+du&dq=t%C3%BCgel+wer+bist+du&hl=de&cd=20
Zitat:
"Nach zwei Tagen Aufenthalt in Palma wußte ich sicher, daß hier nur die Kirche regiert. ...
Ein interessanter Fall, der einer gewissen Komik nicht entbehrt, betrifft einen Mann, dessen Name weit über die Insel hinaus einen guten Klang besitzt. Er ist Komponist...
In der Anklageschrift, von deren Inhalt ich Kenntnis erhielt, sind unter anderem folgende Punkte enthalten, die mehr verraten, als in einem langen Aufsatz geschrieben werden kann:
" ... wird angeklagt, weil er Chopin-Konzerte veranstaltete, obwohl alle Welt weiß, daß dieser Chopin einstmals in Mallorca mit einer Frau zusammenlebte (Georges Sand), die in Hosen herumlief und den Skandal von ganz Valle de Mosa (Villenort bei Palma) darstellte."
Und weiter: "wird angeklagt, weil er sich nicht scheute, weltliche Konzerte (Chopin, Beethoven, Mozart) in einer Kapelle zu veranstalten."
Zitat:
"Vor Gericht in Neusüdwales
"Dies hier sind die beiden Bücher LICHT mit einer Erklärung der Offenbarung", sagte William Hyde von Blayney (Neusüdwales, Australien) zu Frau Davis, als er am Sonntag, dem 8. Oktober 1939 bei seiner Zeugnistätigkeit für Gottes Königreich auch an der Tür ihrer Wohnung in Blayney, Warrendinestr. 8, war. Sie könne diese beiden Bücher für einen Unkostenbeitrag von 2 Schilling bekommen, sagte er ihr, und übergab ihr ein Buch zum Anschauen.
Frau Davis nahm es wortlos entgegen, schleuderte es hinter sich in den Korridor, versetzte der am Boden stehenden Büchertasche des Zeugen Jehovas einen Fußtritt und sagte ihm, er solle sich fortscheren. Sie weigerte sich, das Buch zurückzugeben.
Herr Hyde ging und kam mit einem Gefährten zurück, der in der Nähe tätig gewesen war. Das geschah ein Viertel vor 11 Uhr. Sie sprachen auch mit dem Gatten der Frau Davis, gaben ihr bis Mittag Zeit, das Buch zurückzugeben, und als sie es auch dann nicht bekamen, ging Herr Hyde nachmittags um drei Uhr mit einem andern Zeugen Jehovas zum dritten Male zu ihr zurück und sagte ihr, er werde sich gerichtlich sein Recht verschaffen. Dementsprechend erstattete er Anzeige.
Weiter geht es mit dem Kommentar:
Zitat:
Wie bei der Gerichtsverhandlung zutage trat, steckte hinter der starren Weigerung der Frau Davis, ein Buch zurückzugeben, das ihr nicht gehörte, die katholische Geistlichkeit. Man hatte für Frau Davis einen der gerissensten Anwälte jener Gegend, Mr. Whiteley, bestellt.
Vor Gericht machte Herr Hyde seine Aussagen dem Sachverhalt entsprechend, und Alan Philpott von Orange, der mit Hyde gemeinsam tätig gewesen war und zu jener Zeit an der Tür des Nachbarhauses gestanden hatte, sagte vor Gericht aus, gesehen zu haben, daß Frau Davis ein Buch mit Purpureinband (die Farbe des Buches LICHT) in der Hand hielt. Kurz darauf sei er mit Hyde wegen Rückgabe des Buches zu Frau Davis gegangen.
Indes:
Zitat:
Frau Davis gab vor Gericht eine ganz andere Darstellung. Sie sagte, Hyde habe ihr eine Karte in einer Zellophanhülle gegeben, die zu lesen sie nicht Zeit gehabt hätte. Darauf habe Hyde ihr eine Broschüre "Faschismus oder Freiheit" überreicht, wegen deren Umschlag sie ihm gesagt habe: "Sie sind gegen die Katholiken, nicht wahr?" Dann habe sie ihm einen Schub gegeben und seiner Büchertasche einen Fußtritt versetzt. Die Broschüre habe sie von ihm zum Lesen erhalten, und darum die Rückgabe verweigert. Das Buch LICHT habe sie überhaupt nicht bekommen.
Diese Aussage, daß Frau Davis nur eine Broschüre, nicht aber das Buch erhalten habe, wurde von ihrer Nachbarin, Frau Ryan, bestätigt.
Aber
Zitat:
Irgendwelche weiteren Unterlagen als diese sich widersprechenden Aussagen lagen dem Gericht nicht vor. Es hatte nun zu entscheiden, welche der beiden Parteien gelogen hat. Es war natürlich nicht nur ein Streit um zweierlei Aussagen. Vielmehr ging es darum, ob Herr Hyde und sein Gefährte gegen Frau Davis mit erlogenen Anschuldigungen falsche Anklage erhoben hätten oder nicht.
Das Gericht war nun zum größten Teil auf den persönlichen Eindruck angewiesen, den die beiden Parteien machten: auf der einen Seite zwei Zeugen Jehovas, die erklärten, das Buch LICHT sei abgegeben worden, auf der andern Seite zwei Frauen, die behaupteten, es wäre kein Buch, sondern eine Broschüre gewesen ...
Das Ende vom Lied:
Zitat:
Nach zwanzig Minuten abschließender Prüfung der Aussagen und aller Umstände, entschied Richter Donaldson wie folgt
Und zwar so
Zitat:
"Das Urteil des Gerichts fällt zugunsten des Klägers, William Hyde, aus. Die Beklagte, Frau Davis, wird zur Rückgabe des Buches LICHT oder zur Zahlung des Buchpreises von einem Schilling, ferner zur Entrichtung von 3 ½ Pfund Sterling angewiesen."
Damit ist die Story noch nicht zu Ende
Zitat:
Gegen die Kostenverfügung erhob Frau Davis Verteidiger sofort Einspruch. (Daß seine Mandantin das Buch bekommen hatte, war offenbar auch seine Überzeugung.) Er beantragte, das Urteil erst in einundzwanzig Tagen rechtskräftig werden zu lassen. Offensichtlich wollte der katholische Klerus die Zwischenzeit ausnutzen, um durch private, geheime Einflußnahme das Urteil umzustoßen.
Den Zeugen Jehovas wurde gesagt: "Wenn Whiteley (Frau Davis' Anwalt) Berufung einlegt, hat er sicher etwas gefunden, um Euch in der zweiten Instanz hereinzulegen. Er ist sehr schlau." In Wirklichkeit benahm er sich dann bei der Berufungsverhandlung höchst kindisch und war völlig verwirrt. Über das Urteil der Berufungsinstanz, im Februar 1940 gefällt, berichtete die Zeitung "Orange Advocate":
Zitat:
"Der Einspruch, den Frau Mary Davis im Nachgang zu einem von Jehovas Zeugen kürzlich veranlaßten Polizeigerichtsverfahren wegen Zurückhaltung eines Buches erhoben hatte, wurde gestern von Richter Shortland abgewiesen."
Als eigener Kommentar von "Trost" dazu wird dann noch geäußert
Zitat:
Wenn man nicht nur an das Buch (eine kleine Sache) und an den einen Schilling (ein kleiner Betrag, nichtssagend, ... sondern daran denkt, daß sich hier zwei verhetzte Katholikinnen, ihre geistlichen Berater und ein schlauer Rechtsanwalt gegen Zeugen Jehovas verschworen hatten, um sie vor Gericht als Lügner erscheinen zu lassen, dann sieht dieser Fall durchaus nicht geringfügig aus ..."
Zitat:
"Im "Daily Herald", London, schreibt Hannen Swatfer, daß die sogenannte Oxfordbewegung neben andern Bestrebungen von den Nazis als Deckmantel für ihre Propaganda in Skandinavien benutzt worden sei. In den führenden Kreisen der Oxfordleute sind überhaupt große Sympathien für die Nazis zu finden. Wie es scheint, haben sie ihren Verstand gegen Gefühle eingetauscht, und zwar gegen Gefühle recht zweifelhafter Art."
Man vergleiche dazu auch die früheren Kommentare von "Trost" ("Goldenes
Zeitalter") zum selben Thema in:
Parsimony.22808