Der vorangegangene Jahrgang   1939

Vor (mehr als) 50 Jahren
Was 1940 Wahrheit war

"Also doch"

Das "Trost" veröffentlichte in der Ausgabe vom 1. 4. 1940 (Nr. 421 S. 15) eine "Erklärung" in der man lesen konnte:

"In verschiedenen katholisch-konservativen Blättern, wie 'Schwyzer Volksfreund', Einsiedeln, vom 16. 2. 40, 'Aargauer Volksblatt', Baden, vom 13. 2. 40, 'Wiler Boten', Wil, vom 19. 2. 40 sind unter den Überschriften 'Bibelforscher', 'Also doch!', 'Die Ernsten Bibelforscher, die Wegbereiter des Bolschewismus'; 'Die Bibelforscher als Handlanger Moskaus' Artikel erschienen, wonach unsere christliche Glaubensgemeinschaft als Handlanger Moskaus und der Komintern und Wegbereiter des Bolschewismus in den noch religiös denkenden und fühlenden Ländern und ähnlich bezeichnet wird. Es entspricht der Methode der frontistischen Kreise, alles was ihrer Geisteshaltung nicht entspricht, aus rein propagandistischen Gründen als kommunistisch zu bezeichnen.

Die obenstehende, stumpfsinnige Behauptung, die bezeichnenderweise einer Pressekorrespondenz entnommen wurde, deren Beziehungen zu landesverräterischen Kreisen nachweisbar und notorisch sind, gehört ebenfalls in dieses Gebiet. Wir bezeichnen jeden, der derartige Behauptungen aufstellt, öffentlich als einen Lügner und Verleumder.
Vereinigung Jehovas Zeugen der Schweiz.
Bern, den 24. März 1940."

Es sind starke Worte, die diese Erklärung verwendet. Die profaschistische Anbindung der sogenannten "Schweizerischen Presse-Korrespondenz" (SPK), die als eigentlicher Verursacher hier attackiert wird, ist in der Tat nachgewiesen. Nachgewiesen ist auch, dass katholische Kreise sich als willfährige Multiplikatoren betätigten, ja dass sie besonders in der Schweiz, die Speerspitze bildeten, um wenn möglich, dort auch die Zeugen Jehovas "auszurotten". Also die katholisch-faschistische Liaison diesbezüglich, ist für den objektiven Historiker unbestritten. Dennoch gilt es tiefer zu sehen. In diesem Fall beschränkten sich Jehovas Zeugen auf eine postwendende Erklärung. Davor gingen sie weiter und versuchten auch noch die Gerichte einzuspannen. Letzteres ist in diesem Fall nicht nachweisbar. Ergo ist zu schlussfolgern, dass der sachliche Kern, einer Reise ihrer Vertreter nach Moskau, von ihnen nicht bestritten wurde und werden kann. Was sie allerdings vehement bestritten ist die Interpretation, die dieser Reise hier in der Öffentlichkeit gegeben wurde.

Der fragliche Text wurde vom "Aargauer Volksblatt", soweit ich sehe als erstes veröffentlicht unter der Überschrift "Also doch!" So sei er denn noch nachstehend im vollen Wortlaut dokumentiert:

Also doch!

(SPK) Am 20. Mai 1937 veröffentlichte die Schweiz. Pressekorrespondenz einen Brief des Bibelforschers Hope Slipachuk in Winnipeg/Kanada an die Filiale der Bibelforschergesellschaft in Magdeburg, worin zum Ausdruck kam, dass die Bibelforscher 'eine rechtmäßige ehrliche Regierung auf dem Erdball zugunsten der Menschheit unter der Oberaufsicht des großen Messias, unseres Hl. Vaters Joseph Stalin v. Neu-Russland' erwarten. Die Publikation erregte berechtigtes Aufsehen und das europäische Büro der Bibelforscher (Zeugen Jehovas) in Bern versuchte den Eindruck durch eine teure großaufgezogene Inseratenaktion in zahlreichen Schweizer Zeitungen zu verwischen. Die Redaktion der Bibelforscherzeitung 'Trost' suchte darzulegen, dass der Brief, der in dem Beweismaterial eines Prozesses in Düsseldorf eine wichtige Rolle spielte, eine Fälschung sei. Da die SPK jedoch im Besitze von Fotokopien des Couverts und des Originalbriefes war hielt sie an der Echtheit des Dokumentes fest.

Der Brief bildete in der Folge noch Gegenstand einer Strafklage der Vereinigung Jehovas Zeugen in der Schweiz wegen Ehrverletzung durch die Presse gegen eine in Zürich erscheinende Zeitung. Doch erkannte das Bezirksgericht Zürich, Abt. 6, am 24. August 1937 auf Abweisung der Klage unter Tragung der Kosten für die Kläger.

Nun ist eine neue Tatsache bekannt geworden. Wir sind in den Besitz von Berichten gelangt und geben nun vorläufig aus dem Munde einer Persönlichkeit die in den Kreisen der 'Zeugen Jehovas' einen guten Namen hat Folgendes bekannt.

(1936) 'Letzten Sommer ist Herr Direktor Harbeck nach Moskau gereist, aber das darf niemand erfahren. Er ist drei Wochen geblieben und hat mit hohen Persönlichkeiten der Regierung und der Gottlosen-Bewegung Unterhaltungen gehabt. Im Laufe der Verhandlungen hat er versucht klarzustellen, dass die Ziele gemeinschaftlich dieselben wären. Es wurde ihm gesagt, es sei noch zuviel 'religiöses Zeug' in den Wachtturm-Schriften, sie seien aber ausgezeichnet für die Länder, die noch sehr religiös fühlen und denken. Wenn Harbeck seine Mission nicht ganz geglückt war, er wollte in Russland eine Filiale einrichten, so kam er mit einer großen moralischen Hilfe zurück. Die Sowjets hatten seine Bewegung für die religiös denkenden und fühlenden Nationen gutgeheißen.'

Was sagt nun aber die Redaktion des 'Trost' dazu. Wie es scheint, ist die Sache sowieso etwas ruchbar geworden. Die Redaktion schreibt am 1. Oktober 1939 Seite 7:
'Seine einmalige Reise nach Moskau, die er in Begleitung eines amerikanischen Landsmannes ausführte, hatte den Zweck, die bibelfeindliche Einstellung der Sowjetbehörden dokumentieren zu können.' (!!!) Wir meinen nun aber, die Einstellung der bolschewistischen Machthaber sei durch die blutigen Verfolgungen und all das, was sie auf dem Gewissen haben, schon genügend dokumentiert. Wir wissen jetzt nun ganz genau, wer die Anführer der Bibelforscher (Jehovas Zeugen) sind. Sie sind die Handlanger Moskaus und der Komintern, die Wegbereiter des Bolschewismus in den 'noch religiös denkenden und fühlenden Ländern.'

Schweizer Vorzensur

Mitte 1940 hatte sich auch in der Schweiz die Situation zugespitzt. So ist beispielsweise die "Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 7. 1940 die letzte, die dort für absehbare Zeit erscheinen konnte. Erst ab Oktober 1944 konnte der "Wachtturm" auch in der Schweiz wieder erscheinen. Die Situation spitzte sich dergestalt zu, dass Anfang Juli 1940 eine staatliche Hausdurchsuchung in den Räumen des Berner WTG-Büros vorgenommen wurde. Zwar versuchte die WTG dagegen juristischen Einspruch zu erheben - indes ohne einen für sie günstigen Ausgang. Die Sachlage spiegelt sich auch in der Antwort auf die entsprechenden WTG-Eingaben wieder. In ihr wird unter anderem ausgeführt:

"Durch Verfügung vom 25. Juni / 1. Juli 1940 hat die Pressekommission sämtliche von der Wachtturm Bibel und Traktat-Gesellschaft und der Vereinigung der Zeugen Jehovas der Schweiz herausgegebenen Schriften auf unbestimmte Zeit unter Vorzensur gestellt mit der Weisung, dass die einzelnen Schriften, sowie Nummern der in Betracht fallenden Zeitschriften erst erscheinen dürfen, nachdem ihr Inhalt von einer durch das Territorialkommando 3 zu bezeichnenden Person geprüft worden ist. Die Maßnahme wird begründet mit Verstößen gegen den Grunderlaß der Abteilung Presse und Funkspruch im Armeestab vom 8. September 1939 und der Grundsätze der Pressekontrolle vom 6. Januar 1940. … Hingegen reiche die Wachtturmgesellschaft gegen die Verfügung Rekurs ein. … Die Stellen aus dem Wachtturm, die die Pressekommission zitiere, seien Artikeln entnommen, in denen die Weltlage anhand prophetischer Worte der Bibel beleuchtet werde. In Bezug auf solche biblische Abhandlungen (Aufklärung über Gottes Vorhaben mit der Menschheit über besondere zu vermeidende Gefahren, über gottfeindliche Ideen und Mächte) könne sie sich keiner Vorzensur unterwerfen." ("Trost" 15. 8. 1940 Nr. 430 S. 4).

Seitens der Behörden wurde weiter dazu ausgeführt:
"Danach haben die zuständigen Behörden einzugreifen, wenn gegen die … Vorschriften verstoßen wird. Darauf, ob der Betroffene die heutige Ordnung der Pressekontrolle billigt und ob die ihm dadurch auferlegten Beschränkungen seiner persönlichen Überzeugung entsprechen, kann es für die mit der Ausführung beauftragten Behörden, zu denen auch die Rekurskommission gehört, nicht ankommen. Sie haben die bestehende Ordnung als für sie maßgebend anzuwenden.

Sie wurde übrigens nicht, wie die Rekurrentin anzunehmen scheint, auf Verlangen einer Diktaturmacht eingeführt, sondern ist eine staatliche Notmaßnahme für außerordentliche Zeiten, dazu bestimmt, die guten Beziehungen eines neutralen Staates im Völkerringen zu den fremden Staaten und Staatsoberhäuptern auch unter den besonderen durch den Kampf der Großmächte bedingten Verhältnissen sicherzustellen.

Es ist offensichtlich, dass die beanstandeten Aufsätze in No. 11 des Wachtturms vom 1. Juni 1940 Äußerungen enthalten, die gegen die Grundsätze der Pressekontrolle vom 6. Januar 1940 verstoßen. … Die Rekurrentin hat denn auch nicht versucht, diese Feststellungen zu widerlegen. … Die maßgebenden Vorschriften über die Haltung der schweizerischen Presse waren der Redaktion des Wachtturms schon vor jener Beanstandung bekannt. Die verantwortlichen Persönlichkeiten waren wiederholt, zuletzt in einer Besprechung vom 20. Mai 1940, auf die Verpflichtung zu genauer Beobachtung der Grundsätze aufmerksam gemacht worden." (Ebenda S. 6).

Der Streit endete damit, dass die WTG die weitere Herausgabe des "Wachtturms" einstellte. Bezüglich ihrer Zeitschrift "Trost" fügte sie sich der angeordneten Vorzensur um dieselbe weiter herausgeben zu können.
Man vergleiche in diesem Kontext auch: Rutherford 's Religion-Buch

"Faschismus oder Freiheit"

Im "Jahrbuch 1940 der Zeugen Jehovas" (S. 258-260) findet sich auch die Meldung über das Verbot einer Zeugen Jehovas-Schrift durch schweizerische Behörden:
"So müssen wir heute … die für ein demokratisches Land beschämende Tatsache erwähnen, dass die Schweizerische Bundesanwaltschaft dem Druck der Hierarchie nachgegeben hat und zum Verbot der Broschüre 'Faschismus oder Freiheit' geschritten ist. Das beweist, dass die Schweiz an einem Scheideweg angelangt ist. Offiziell stützt sich diese Polizeimaßnahme auf einen kürzlichen Bundesratsbeschluß, der alle Angriffe auf fremde Staatsoberhäupter verbietet. Ferner wurde erklärt, die Broschüre übe 'maßlose Kritik an der katholischen Kirche.' Die Broschüre spreche ferner von einer Verschwörung zwischen Faschismus und römisch-katholischer Hierarchie. Damit würden einfach Tatsachen festgestellt. Gerade dieser neuerliche Versuch, die Behörden der Schweiz zur Unterdrückung einer zeitgemäßen biblischen Botschaft mobil zu machen, sei ein weiterer Beweis für diese Verschwörung. Die Nazis und die katholische Hierarchie gingen bei der Verfolgung unserer Geschwister Hand in Hand. Über 100 Zeitungen der Schweiz brachten nun aus Anlass dieses ersten Großangriffes auf unser Werk in den Tagen vom 7. bis 12. August eine Notiz über das Verbot der Broschüre 'Faschismus oder Freiheit'. Der Tatbestand wurde aber besonders von den katholischen Zeitungen sehr verzerrt dargestellt."

Angesichts dieser Information, mag es nun angezeigt sein, sich für die eigentliche Broschüre „Faschismus oder Freiheit" etwas näher zu interessieren. Analysiert man diese Rutherford'sche Schrift, so stellt man fest, dass ein wesentlicher Kern in den Klagen der Zeugen Jehovas bestehen, katholische Kreise hätten es in den USA erreicht, dass ihnen beispielsweise Versammlungsstätten kurzfristig wieder gekündigt wurden oder das Druck auf Radiostationen ausgeübt wurde. Rutherford kommentiert:

"Die Hierarchie hat die öffentliche Presse und die Eigentümer vieler Radiosender eingeschüchtert, ins Bockshorn gejagt und sie durch Drohungen in Furcht versetzt, damit das Volk nicht die Wahrheit höre" (S. 23).

Als Beispiel nennt er: "Am 11. September des vergangenen Jahres hielt ich in London einen Vortrag, der durch Radio nach vielen Ländern übertragen wurde. Mehr als 100 Radiosender in Amerika vermittelten diese Ansprache betitelt 'Schau den Tatsachen ins Auge.' Um die Leute zu hindern, eine Darlegung der Tatsachen anzuhören, ließ die katholische Aktion vielen Radiostationen eine Flut von Drohbriefen zukommen, und aus Furcht gaben einige Sender ihrem Verlangen nach" (S. 19).

Aber auch Rutherford versuchte in gleicher Weise mobil zu machen. Wenn auch, mit weniger Erfolg: "Angesichts dieser Tatsachen und zur Ermutigung der Radiosenderleiter, die diese Rede im Interesse der Allgemeinheit ausstrahlen, dringe ich in alle Zuhörer, Jehovas Zeugen und alle andern die Freiheit und Gerechtigkeit lieben, an die Radiostation, der sie lauschen, sofort brieflich ihren herzlichen Beifall für die Sendung dieser Rede auszudrücken" (S. 30).

Es war offensichtlich, dass ein gewichtiger Abschnitt dieser Rutherford-Rede auch den Verhältnissen in Deutschland gewidmet war. Verständlich, dass er auch dabei eine deutliche Sprache bevorzugte. So wiederholte er etwa wieder sein Lieblingszitat aus der Wochenzeitung "Der Deutsche Weg" vom 29. 5. 1938, ohne hinzuzufügen, dass es sich dabei um die in Lodz (Polen) seinerzeit erschienene Ausgabe handelte. Dieser Hinweis wäre auch aus dem Grunde wichtig gewesen, weil es noch eine andere Zeitschrift gleichen Namens gab, die inhaltlich eine deutsche Exilzeitschrift darstellte und mit der Ausgabe aus Lodz in keiner Weise vergleichbar ist.

Vielleicht mit am deutlichsten ist das folgende Rutherford'sche weltpolitische Resümee:
"Seitdem dieses scheußliche Ungeheuer, die totalitäre Herrschaft erschienen ist, sind die Freiheiten des Volkes jäh geschwunden. Stets wachsendes Elend ist über die Nationen gekommen. Zu diesen Nöten und Verbrechen gehören folgende:
Der Raub Abessiniens; das leichtfertige Morden Unschuldiger in Spanien; die grausame Verfolgung von Juden und Christen in Deutschland und Italien, und nun der ungerechtfertigte Angriff auf die Tschechoslowakei; ferner der heimtückische Versuch, die Bewohner Englands und Amerikas ihrer Freiheiten zu berauben. Wenn der Wahnsinn ausgetobt hat und die Drangsal vorüber ist, wird die wahre Geschichte der Welt unter gesunden Verhältnissen geschrieben. Es wird sich dann völlig herausstellen, dass die Strafbareren, also die, welche an diesen Verbrechen und Nöten die Hauptschuld tragen, jene sind, die die römisch-katholische Hierarchie bilden, unter dem Vorsitz des (inzwischen verstorbenen) Papstes, der die katholische Aktion einführte.

Das Haupt der Hierarchie schien es gut zu verstehen, sich mit seinen politischen Bundesgenossen in eine Linie zu stellen. Eine Stunde nachdem das Schicksal der Tschechoslowakei mit Zustimmung der päpstlichen Bundesgenossen festgesetzt worden war, rief der Papst, zur Betonung der Wichtigkeit des religiösen Elementes in dem Bunde, die treuen Katholiken zum Gebet für den Frieden auf.

Als Italien die Abessinier hinmordete, als Franco, der Rebell, und andere Faschisten Tausende von Unschuldigen in Spanien umbrachte und weiterhin umbringt, und auch als sein Freund Hitler von Österreich Besitz ergriff und wehrlose Juden und Christen vertrieb, da hat es dem Papst nicht für ratsam erschienen, für den Frieden zu beten.
Nun aber betet er um Frieden, und Hitler kann ungestört die Tschechoslowakei einsacken (was inzwischen auch geschehen ist).
Den Christen ist es völlig klar, dass wir in den letzten Tagen und daher in der Zeit großer Gefahr leben" (S. 27, 28).
 

Im Zusammenhang mit dem Verbot der obigen Broschüre, veröffentlichten die Zeugen Jehovas in der Schweiz im Jahre 1939 auch eine „Verteidigungsschrift zur Abwehr der unerhörten Presse-Angriffe gegen Jehovas Zeugen." In ihr, wurde relativ umfänglich, zu dem Verbot der „Faschismus oder Freiheit"-Broschüre, aus der Sicht der Zeugen Jehovas Stellung genommen.

Man konnte darin lesen:
„Man hat also die Bundesanwaltschaft solange bestürmt, bis das Verbot einer Broschüre der Zeugen Jehovas … zustande kam, nachdem die Verbreitung der gesamten Auflage von 12 Millionen - davon 150 000 in der Schweiz - beendet war, ohne dass eine Erschütterung des Friedens und der öffentlichen Sicherheit hervorgerufen worden wäre. Tausende von faschistischen Propagandaschriften kursieren im Schweizerland. Sie zielen ab auf die Beseitigung dessen, was es in der Schweiz zu verteidigen gilt. Aber um das Verbot dieser antidemokratischen Literatur bemühen sich diejenigen, die gegen Jehovas Zeugen wühlen, nicht.

Tausende von Zeugen Jehovas, die auch heute noch in Deutschland - fast als einzige unter 80 Millionen - dem Wüten des abgöttischen Nazi-Faschismus mutig widerstehen, sind Beweise für das eben Gesagte. Ihre Standhaftigkeit entspringt klarer biblischer Erkenntnis von der Art wie sie in der verbotenen Broschüre 'Faschismus oder Freiheit' vermittelt wird.
Schweizerbürger, du bist am Scheideweg!

Wenn heute in einer Demokratie ausgerechnet das unterdrückt wird, was die wirklich christlichen Bürger des Landes gegen die Seuche des Faschismus immun machen könnte, so ist das dem gemeinsamen Druck der Nazis und der römisch-katholischen Hierarchie zuzuschreiben.
Schweizerbürger, nimm zur Kenntnis, dass die Schweiz die einzige Demokratie ist, wo diese Broschüre nunmehr als verboten gilt!

Wie wird nun so etwas begründet?
Zunächst sollen Ausführungen über Hitler als fremdes Staatsoberhaupt der Verbot der Broschüre veranlasst haben… Aus schweizerischen Kantonen, vorab aus dem Kanton Freiburg, beklagt man sich darüber, dass ein paar offene Wahrheiten über Hitler gesagt werden? Sind wir schon so weit? Sitzen schon in allen Teilen der Schweiz, Schweizer, die nach einer Bestrafung derjenigen schreien, die es wagen, über Hitler die Wahrheit zu schreiben und zu sagen? Wer sind die Beschwerdeführer?

Nicht etwa bloß Nazijünger von der Art der Frontisten, sondern auch aktive Mitglieder der Katholischen Aktion!

Natürlich stört an dieser Broschüre nicht am meisten das, was über Diktatoren gesagt, sondern das, was über das Zusammengehen der römisch-katholischen Hierarchie mit den Diktatoren enthüllt wird. … Immerhin nehme man zur Kenntnis, dass sich Leute der Katholischen Aktion mit ihren Protesten an die Bundesanwaltschaft zu Verteidigern des Ansehens Hitlers im Ausland machen! … Obwohl sich in der … Broschüre … Nur ein paar Zeilen mit Hitler befassen - und auch das sind keine persönlichen Angriffe, sondern er wird als Vertreter einer abgöttischen Staatsidee erwähnt -, haken seine katholischen Verteidiger auf diese paar Worte ein …

Der scheinbar am stärksten inkriminierte Satz auf Seite 11 der Broschüre besagt, wie ein Mensch in einem Nachbarland zur Macht erhoben wurde, der in gänzlicher Missachtung der Freiheiten des Volkes vorging. Solche Dinge durften vor kurzem noch gesagt werden ohne polizeiliche Maßnahmen zu gewärtigen, und daher kann man uns nicht mutwillige Bosheit vorwerfen, zumal da dieselben Dinge seit Jahren immer wieder in unserer Literatur gesagt worden sind und auch gesagt werden durften.

Obwohl gerade Jehovas Zeugen in katholischen Presseorganen maßlos beschimpft werden - als 'Sendboten Moskaus' etc. -, erfährt man aus Zeitungen, dass 'maßlose Angriffe auf die katholische Kirche' der weitere Grund für das Verbot dieser Broschüre sein sollen.

In einem Fastenhirtenbrief vom Jahre 1937 erlaubte sich der Bischof von Chur den verleumderischen und beleidigenden Ausspruch: 'Für den Kommunismus arbeiten auch eine ganze Reihe verschiedener Sekten, unter denen ich heute ganz besonders auf die 'Ernsten Bibelforscher' oder 'Zeugen Jehovas' hinweisen möchte.' …

Ergänzt wird diese Stellungnahme noch durch den auszugsweisen Abdruck einer Eingabe an die Schweizer Bundesanwaltschaft vom 21. 7. 1939. Im Prinzip werden die vorgenannten Argumentationselemente wiederholt. Geäußert wird darin auch:

„Die Grenzen einer maßlosen und berechtigten Kritik werden in dieser Broschüre gewiss nicht überschritten. Bei der Übertragung des englischen Originals ins Deutsche ist die besondere Lage der Schweiz durchaus nicht außer acht gelassen worden. Kräftige Ausdrücke, die in Amerika bei der freien Einstellung der Amerikaner kein besonderes Aufsehen erregen, wurden in der deutschen Übersetzung abgeschwächt, eben, weil auch wir durchaus nicht verkennen, dass der Schweiz, einem kleinen Lande in gefährdeter Position, die schwere Aufgabe zufällt, seine Selbstständigkeit zu wahren. …

Die Broschüre enthält allerdings Ausführungen, wobei Hitlers Name genannt ist. Doch warum sollte sie deswegen verboten werden? Wenn z. B. von Hitler gesagt wird, er sei fanatisch, so könnte er das selbst nicht als Schmähung auffassen, weil für ihn Fanatismus ein Ideal ist und nach seinen eigenen Aussagen nur fanatische Menschen etwas Rechtes leisten und alle echten Nazis Fanatiker sein müssten.

Doch selbst, wenn die Beschwerden, die der Bundesanwaltschaft aus verschiedenen Kantonen zugegangen sein sollen, diesen Punkt - fremdes Staatsoberhaupt - nennen sollten, so steht es außer Zweifel, dass dies für die Beschwerdeführer nur als Vorwand dient.

Die Broschüre spricht ferner von einem Bündnis zwischen Faschismus und der katholischen Hierarchie. Damit werden einfach Tatsachen festgestellt. Gerade dieser neuerliche Versuch, die Behörden der Schweiz zur Unterdrückung einer zeitgemäßen biblischen Botschaft mobil zu machen, ist ein weiterer Beweis für diese Verschwörung. Die Nazis und die katholische Hierarchie gehen auch bei diesen Anfeindungen Hand in Hand. …

Das Verbot der obengenannten Broschüre muss den Eindruck erwecken, dass der Bock zum Gärtner gemacht wird, weil es sich zugunsten jener Elemente auswirkt, die nicht im geringsten erkennen lassen, dass ihnen etwas daran liegt, im eidgenössischen Garten die Freiheit, den Frieden und die Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten, deren wir uns bisher mit Dankbarkeit erfreuen konnten."

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Hinweis: Die Textunterstreichungen wurden von zeitgenössischen Zeugen Jehovas vorgenommen.

Das Ende des Nazismus

Unter den im Jahre 1940 veröffentlichten (englischsprachigen) Veröffentlichungen ragen besonders das Rutherford-Buch "Religion" und die Broschüre "Rutherford enthüllt die fünfte Kolonne" hervor.Siehe: Kommentierendes Nachwort zu Rutherford Religion und Rutherford enthüllt die Fünfte Kolonne Es gibt noch eine dritte erwähnenswerte Publikation aus jenem Jahre; und das ist die Broschüre "Das Ende des Nazismus", die gleichfalls nur englischsprachig erschien. Im wesentlichen wiederholt sie die Thesen der vorgenannten Veröffentlichungen, allerdings ohne so ins Detail zu gehen. Die "Nazismus"-Broschüre will offenbar nur einige Kernthesen darbieten, namentlich für solche Leser, die das umfangreichere "Religion"-Buch nicht selbst lesen wollen, die sich also mit einem (variierten) inhaltlichen Auszug aus ihm zufrieden geben.

Auch in dieser Broschüre rezitiert die WTG:
"Politiker und Geschäftsleute in hohem Ansehen drängen die Nationen auf 'mehr Religion' als Heilmittel. In Amerika sagen diese Männer: 'Wenn wir nicht mehr Religion haben, wird Amerika bestimmt untergehen.'"

Demgegenüber wird die flotte These entgegengestellt:
"
RELIGION bedeutet all das, was dem Willen des allmächtigen Gottes entgegensteht.
CHRISTENTUM bedeutet, freudig das zu tun, was in voller Übereinstimmung mit dem Willen des allmächtigen Gottes ist, 'dessen Name allein Jehova ist.'"
Satan der Teufel führte die Religion beim Menschen ein. Jesus Christus ist der Begründer und das Haupt des Christentums."

Auch in dieser Publikation werden deutliche Worte gegenüber der katholischen Kirche geäußert:
"Unter dieser falschen Bezeichnung (christliche Religion) sind Millionen aufrichtiger Menschen getäuscht worden. Diese Organisation wird von der 'Machthierarchie' beherrscht, deren Sitz der Vatikanstaat in Italien ist. Mehr als sechzehn Jahrhunderte hat diese religiöse Einrichtung auf höchst bösartige Weise, die die Seiten der Geschichte geschwärzt hat, menschliche Geschöpfe verfolgt. Die Inquisition in Spanien, Mexiko und anderen Staaten, die unter dem falschen Mantel der so genannten 'christlichen Religion' durchgeführt wurde, ist eine Geschichte, die zu schrecklich ist, als dass man sie mit menschlichen Worten umschreiben könnte. Diese Geschichte ist der schlüssige Beweis, dass das päpstliche System nicht das Christentum ist, sondern im Widerstreit zu Gott steht, also zur Religion gehört.

Die 'Machthierarchie' hat seit jeher einen totalitären oder korporativen Staat befürwortet und unterstützt. Eine Zeitlang war diese Organisation in ihren Bewegungen, die Welt zu beherrschen, behindert, doch seit dem Weltkrieg ist sie wieder sehr aggressiv geworden, und obwohl sie behauptet, Gott zu dienen, lässt sich die 'Machthierarchie' jetzt zu allen möglichen gottlosen Mitteln herab, die Welt zu erobern. Die Hierarchie handelt in völliger Übereinstimmung mit den grausamen Diktatoren, darunter Stalin, Hitler, Mussolini und andere, die ähnliche politische Ambitionen haben. Das Haupt dieser großen religiösen Organisation ist der Ratgeber und enge Gefährte von Hitler, der gedroht hat, über alle Demokratien der Welt herzufallen. Die Religion hat die Freiheit der Nationen in Europa zerstört und nun ihre üblen Klauen gegen die Republiken der westlichen Welt ausgestreckt."

Auch auf den sich besonders in den USA ausbreitenden Konfliktpunkt des Flaggengrußes geht diese Broschüre mit ein. Man vergleiche dazu auch: Gerichtliche Auseinandersetzungen in den USA

Im einzelnen wird dazu ausgeführt:
"Zwingend vorgeschriebene Flaggengrüße und der Heil-Hitler-Gruß wurden in Deutschland von Religionisten eingeführt, um die Unterordnung des Volkes unter religiöse Diktatoren zu erzwingen und Gott zu schmähen. Die Geheimpolizei oder Gestapo trat zur selben Zeit auf den Plan und greift zu brutaler Gewalt gegen alle, die sich weigern, sich der religiösen Zeremonie hinzugeben, vor dem Hakenkreuz zu salutieren und Heil Hitler zu sagen. Die Hierarchie ist die wahre Triebkraft hinter dem Fahnengruß und der Verehrung von Geschöpfen. Weil die Christen in Deutschland sich weigerten, sich solchen religiösen Zeremonien zu unterziehen, wurden Tausende von ihnen in Gefängnisse eingeliefert und viele davon getötet. Sie zogen es vor, den Tod zu erleiden, statt ihren Bund zu verletzen, dem allmächtigen Gott gehorsam zu sein. In Amerika wurde das zwingend vorgeschriebene Grüßen der Fahne durch Schulkinder auf Betreiben der Hierarchie eingeführt. Es trat in Form von Patriotismus auf, aber es richtet sich gegen alle, die Gott in Geist und Wahrheit anbeten. Die Absicht war es, den Menschen Angst einzuflößen und das Gewissen des einzelnen und die Hingabe an den allmächtigen Gott zu zerstören. In 150 Jahren amerikanischer Geschichte hat nie jemand daran gedacht, einen anderen zu zwingen, die Fahne zu grüßen, und nun werden bloße Schulkinder dazu gezwungen.

Der Supreme Court (Oberstes Bundesgericht) entschied im Fall Gobitis nur, dass Schulkollegien Vorschriften verhängen dürfen, die die Kinder zwingen, die Fahne zu grüßen, und das, obwohl sie es aus Gewissensgründen ablehnen. Das Gericht unternahm keinen Versuch, zu entscheiden, dass Erwachsene die Fahne grüßen müssen. Kein solcher Fall stand vor Gericht. Es gibt in Amerika kein Gesetz, das Erwachsene dazu zwingt, die Fahne zu grüßen. Aber um das Volk einzuschüchtern, versuchten die Hierarchie und ihre Verbündeten, ihrem Gewissen folgende Christen entgegen den Gesetzen des Landes zu zwingen, Gottes Gesetz zu übertreten."

Attackiert wird in dieser Broschüre auch eine in den USA bestehende Organisation, namens "Amerikanische Legion". Zu ihr wird ausgeführt:
"Ihr gegenwärtiger nationaler Führer ist römisch-katholisch und ein Ritter des Kolumbusorden, einer Organisation, die Befehle der Hierarchie des Vatikanstaates entgegennimmt. Die Legion ist gegen die demokratische Regierungsform. Ihr ehemaliger nationaler Führer, Owsley, sagte in aller Öffentlichkeit: "Vergesst nicht, dass die Faschisten für Italien das sind, was die Amerikanische Legion für die Vereinigten Staaten ist." Der augenblickliche nationale Führer prangerte in einer kürzlich gehaltenen Rede öffentlich die Versammlungs- und die Redefreiheit an und forderte eine Änderung der Grundrechte. Überdies trat derselbe Führer in einer Rede vor ein paar Monaten für die Legion als Privatarmee ein. Diese Armee besteht bereits, und ist gut ausgerüstet; und sie wartet auf einen Befehl der Hierarchie, um sich in Bewegung zu setzen. Der gegenwärtige nationale Leiter der Legion, Chaillaux, ermuntert zu Pöbelaktionen und befürwortet sie gegen friedliebende und gesetzestreue Bürger, die aus ihrem Gewissen Gott und Christus dienen. Diese Tatsachen zeigen, dass die Legion gegen die Redefreiheit und die Versammlungsfreiheit eingestellt ist."

Ein evangelischer Theologe prägte einmal den Satz: "Sekten sind die Schuldscheine der Kirche". Auch die katholische Kirche und ihre Apologeten wären gut beraten, dies anzuerkennen. Sollten sie ihr Heil jedoch lediglich darin sehen, auf ohne Zweifel nachweisbare linguistische Ungenauigkeiten in der Rutherford-Publizistik zu verweisen; so beweisen sie damit lediglich eines: Das sie immer noch nicht gelernt haben, worum es eigentlich geht!

Was meine ich mit "linguistischen Ungenauigkeiten" die sich auch bei Rutherford nachweisen ließen? Es sei einmal an einem Beispiel veranschaulicht. Ein Katholik namens Louis Betschart, veröffentlichte im Jahre 1951 ein Buch mit dem Titel: "Wir reden offen". Darin liefert er ein nahezu klassisches Beispiel der Argumentationskette der sich kirchliche Apologeten betreffs unbequemer Tatbestände bedienen. Er nahm sich das Schlagwort "zur Brust", dass Kirchen Waffen gesegnet hätten und versucht dies mit einem fiktiven Dialog zu entkräften. Bei Betschart liest man dazu:

"Die Zeugen Jehovas zeigten neulich in einem Vortrag echte Bilder aus einer Illustrierten, wo Waffen gesegnet wurden. Da man bekanntlich nie die Geduld verlieren soll, atmete ich erst einige Male tief auf … und nahm den Herrn ein wenig auf die Seite." Weiter berichtet Betschart über seinen diesbezüglichen Dialog wie sein Gesprächspartner anmerkte:

"Ich habe auch einer Filmrevue beigewohnt, in der Waffen gesegnet worden sind. …

Was haben sie denn da gesehen?

Endlose Kolonnen von Soldaten sind aufmarschiert. Auf den Schultern trugen sie ihre Waffen. Auch leichte Tanks und Kanonen fuhren vorbei. An der Kirche stand nun ein Geistlicher und segnete von dort aus die Waffen.

Warum sagen Sie, er segnete die Waffen? Hat er die einzelnen Waffen angerührt oder gesagt: Alle diese Waffen, Kanonen und Tanks sollen gesegnet sein?

Das nicht. Aber die Soldaten trugen doch alle Waffen!

Gewiß, Herr Kelm, die Soldaten trugen Waffen. sie trugen aber auch Hosen, Mäntel und Schuhe. Sogar Hemden, Strümpfe und andere Sachen trugen sie. Warum nannten Sie eben nur die Waffen und nicht auch die andern Sachen, die jene Soldaten bei sich hatten?

Sie wollen doch nicht abstreiten, daß der Pfarrer die Soldaten gesegnet hat.

Nein, Herr Kelm, das will ich wirklich nicht. Aber zwischen Soldaten segnen und Waffen segnen besteht doch ein großer Unterschied. Meinen Sie nicht auch?"

Was lehrt diese Apologie? Sie lehrt, dass man auch im Falle Rutherford diverse Unpräzisheiten in seinen Attacken gegen seine kirchlichen Kontrahenten nachweisen kann. Für wenn diese Unpräzisheiten ein Beruhigungsmittel darstellen - der mag es so halten. Indes, dürfte dem derart Beruhigten, vielleicht mal in einer schwachen Stunde, doch noch aufgehen, dass er seinen Dialogpartner damit keineswegs "überzeugt" hat.

 

Der verlorene Kampf

Im Jahre 1927 war es Rutherford möglich, seine Verkündigung über ein Radionetz von 53 Rundfunkstationen verbreiten zu lassen. Es war gewissermaßen ein erster Höhepunkt seiner Rundfunkpropaganda. Die Gegenreaktion meldete sich zu Wort und setzte alle ihr zur Verfügung stehenden Machtmittel ein um Rutherford endgültig aus dem Rundfunk zu vertreiben. Etliche US-amerikanische Rundfunkstationen, die aus kommerziellen Gründen den Bibelforschern ein Plattform geboten hatten, sahen sich nicht mehr in der Lage, diese Geschäftsbasis weiter aufrecht zu erhalten. Warum? Nun, weil Rutherford in diesen Vorträgen eine Tonlage angeschlagen hatte, die selbst den hartnäckigsten Geschäftemachern, allmählich "kalte Schauer" über den Rücken jagten. Geschäfte machen mit den Bibelforschern, durch Verkauf von Radiosendezeit - gut und schön. Wenn aber der Inhalt dieser Sendungen geradezu eine Protestwelle in Szene setzte, dann überlegte es sich schon mancher derjenigen Geschäftemacher, ob man hier nicht lieber im eigenen Interesse etwas kürzer treten sollte und den Verkauf von Sendezeit an eine so polarisierende Organisation, in der Zukunft lieber unterlassen sollte.

So musste denn Rutherford bekanntgeben, dass mit Wirkung vom 31. 10. 1937 keine neuen kommerziellen Verträge für weitere Rundfunksendungen abgeschlossen würden und bestehende Verträge nicht verlängert würden. Bei der Gelegenheit teilte er auch noch mit, dass für die kommerziellen Rundfunksendungen circa 2 Millionen US-Dollar bisher aufgewandt wurden ("Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1938" S. 45).

Als Notnagel wurde nunmehr das Grammophon eingeführt. Das "Jahrbuch 1938" (S. 48) berichtet dazu:
"Am Ende des Berichtsjahres organisierte die Gesellschaft eine Schar 'Sonderpioniere', rüstete sie für den Felddienst aus und sandte sie für ein besonderes Werk aus. Von diesen Pionieren ist jeder mit einem Grammophon und mit Platten versehen, die er täglich im Zeugniswerk benutzt. Diese Sonderpioniere erhalten von der Gesellschaft die notwendige Unterstützung und verwenden ihre ganze Zeit darauf, Menschen aufzusuchen und ihnen mittels Grammophon und Druckschriften persönlich die Königreichsbotschaft vorzulegen. Wir dürfen bestimmt annehmen, dass diese Methode, dass Evangelium zu predigen, wirkungsvoller sein wird als die Sendungen der Radiostationen; und die Beträge, die zur Deckung der handelsüblichen Rundfunk-Sendegebühren verwendet würden, dienen jetzt dazu, die Mittel für das Zeugnis durch Grammophone zu vermehren."

Im Jahre 1940 hielt der "Wachtturm" diesbezüglich einmal Rückschau. Als Anlass wurde jener Radiovortrag von Rutherford aus dem Jahre 1927 und seine Folgen genommen. Zitiert werden darin auch jene Passagen, die Rutherford seinerzeit über das Radio zum besten gab:

"Der heuchlerische und böse Lauf dieser sogenannten 'Christenheit' ist eine Schmähung Gottes und seines Christus. Dieses System ist der Verführer und Unterdrücker des Volkes. Es steht vollständig unter der Herrschaft Satans des Teufels. Bezüglich seiner Unterstützung und seines Unterhaltes hängt es von den Volksmassen ab, während es gleichzeitig fortfährt, das Volk zu täuschen und zu bedrücken. Möchten die Massen des Volkes doch voll und ganz jede moralische, finanzielle und andere Unterstützung von der sogenannten 'Christenheit' oder dem sogenannten 'organisierten Christentum' zurückziehen! Möchten sie die Ergebenheit und Unterwürfigkeit ihrer Herzen gänzlich Gott und Christus, dem Friedefürsten, zuwenden, der jetzt der Erde rechtmäßiger König ist. … Der Tag der völligen Befreiung ist herbeigekommen!

Die Völker sollten daher für immer das 'sogenannte Christentum', 'Christenheit' genannt aufgeben und verlassen und ihre Herzen und Sinne, sowie ihre Ergebenheit gänzlich Gott und seinem Christus zuwenden, und zwar aus folgenden Gründen:"

Es folgt dann ein Sieben Punkte Programm:
"1. Weil die sogenannte 'Christenheit' des Teufels Organisation ist deren er sich bedient um das Volk in Unterwürfigkeit zu halten.
2. Weil sie ein Werkzeug der Bedrückung ist um die Lasten der Menschen unerträglich zu machen.
3. Weil sie falsch, heuchlerisch, verderbt und gegen die Interessen der Volksmassen ist.
4. Weil sie absolut keine Hoffnung auf eine Besserung der Lage der Völker bieten kann.
5. Weil Gottes Zeit zur Vernichtung des unheilvollen und heuchlerischen Systems in einer Zeit der Trübsal dergleichen die Welt nie zuvor erlebt hat, gekommen ist.
6. Weil Gott allen Menschen die ihn lieben, gebietet, dem ungerechten System, welches 'organisiertes Christentum' genannt wird, zu entfliehen, um dadurch der schrecklichen Katastrophe zu entgehen die bald über sie hereinbrechen wird.
7. Weil Gott seinen gesalbten König, Christus Jesus, den Messias, auf seinen Thron erhoben hat und allen Völkern der Erde gebietet, auf ihn zu hören und ihm zu gehorchen…" ("Der Wachtturm" 1. 1. 1940 S. 12).

Jene zitierte Proklamation wurde dann noch mit den Worten verklärt, "dass der Herr durch seine Engel den Inhalt dieser Verkündigung leitete.
Nochmals wird betont, dass die Organisation Satans aus drei Teilen bestehen würde, "nämlich der Hochfinanz, den Staatsmännern und der Geistlichkeit."

Das war also die Verkündigung, mit der Rutherford Furore machte. Und die Gegenreaktion darauf wird mit den Worten beschrieben:
"Wie Feuer und Schwefel 'verletzte' Gottes Botschaft der Wahrheit die 'religiösen Gefühle' der Hauptmogule der 'Christenheit', und ihr Mundstück, die Tageszeitungen und Zeitschriften gaben ihr Geheul wieder. Die nationale Rundfunkgesellschaft (National Broadcasting Company), die so ausgiebig an der Ausstrahlung der Resolution und der sie stützenden Begleitvorträge mitgewirkt hatte, wurde so 'verbrannt' und 'versengt' durch das 'loslassen' jener Botschaft der Wahrheit, dass danach ihre Rundfunkeinrichtung nicht mehr zum Senden der Botschaft von Gottes Königreich gebraucht werden konnte."

"Die New York Times brach ihr Schweigen und kreischte und heulte wegen der Wahrheit, indem sie das Geschrei der Geistlichkeit wiedergab. Die 'National Broadcasting Company', ebenfalls ein Mundstück der unheiligen Allianz, stimmte mit ein in das Geheul und die Schmähung und hat sich seither geweigert, die Radiorundfunk-Einrichtungen für das Aussenden der Wahrheit aus Gottes Wort gebrauchen zu lassen." (Ebenda S. 13, 14).

Er nannte sich „Oberlehrer"

Es ist ein makabres Dokument. Zugleich aber doch bezeichnend, für die Geisteshaltung, die da im NS-Regime dominant war. Hat man von Himmler's Schergen auch nicht viel anderes erwarten können als wie Brutaliät als Weltanschauung. So ist man doch einigermaßen geschockt, einmal das Weltbild jener zur Kenntnis zu nehmen, die sich da Lehrer oder gar Oberlehrer nannten und mit Zeugen Jehovas zu tun bekamen. Zwei berüchtigte Exemplare dieser Gattung sind ja bereits aus der Weimarer Republikzeit bekannt. Einmal der August Fetz, der es bis zum Schulrektor brachte und dann der Karl Weinländer alias „Hans Lienhardt" und noch einer Reihe anderer Aliasse. Sie hatten auch schon Furore gemacht mit wüsten Hetzparolen und mit der Unfähigkeit wirkliches Verständnis entwickeln zu können. Zu diesen Namen muss man noch einen Dritten hinzufügen: K. Herr aus Ichtershauen, der sich in einer Zeitschrift namens: „Monatsblätter für Straffälligenbetreuung und Ermittlungshilfe" (15 Jg. Heft 11/12; August-Septembr 1940) über „Die Bibelforscher in Strafhaft" zu verbreiten wusste. In seinem Erguss konnte man unter anderem lesen:

„Rassische Unterschiede gibt es nicht, da nach Auffassung der Bibelforscher alle Menschen gleichen Blutes und also gleich sind. Gegebenenfalls steht ein Neger oder ein Jude, sofern er Zeuge Jehovas ist, einem Bibelforscher näher als seine eigenen Angehörigen, erst recht näher als Angehörige seines Volkes. Die staats- und volksfeindlichen Bestrebungen der im Ausland sitzenden geistigen Zentralen der IVB gingen in Deutschland im wesentlichen auf folgende Ziele hinaus:

1. Verhinderung der Verbreitung und Anerkennung der Rassengesetze, d. h. Sabotierung der judenfeindlichen Tendenz unserer Weltanschauung durch den Gedanken der Menschengleichheit.
2. Sabotierung unserer Wehrfreiheit, indem dem Zeugen Jehovas aufgegeben wurde, die Wehrpflicht zu verweigern.
3. Unterhöhlung des Vertrauens des Volkes zur Volksführung, insbesondere zur Person des Führers, durch Ablehnung des deutschen Grußes, angeblich, weil das Heil nur von Jehova kommen kann.

Das Wesentliche, was bei ihrer Einlieferung in die Strafvollzugsanstalt auffällt, ist zunächst einmal ihre Unberührtheit durch die Strafe. Sie fühlen sich als Märtyrer und nehmen größtenteils als treue Zeugen Jehovas die Strafe auf sich. Zunächst sind sie allen Versuchen gegenüber, an sie heranzutreten, unzugänglich.

Es muss hier festgestellt werden, dass von aller weltanschaulichen Schulungsarbeit an politischen Gefangenen, die an den Bibelforschern zu den schwierigsten, langwierigsten und undankbarsten gehört.

Zum anderen machte sich eine Furcht vor einer Gottlosigkeit bemerkbar, indem Einzelne der Ansicht waren, dann, wenn sie nicht mehr Zeugen Jehovas wären, gottlos sein zu müssen.

Zur Frage der Rückkehr der Bibelforscher in die Volksgemeinschaft kann nach den hier gemachten Erfahrungen folgendes gesagt werden. Die unbelehrbar bleibenden Bibelforscher sind, soweit sich nicht wie in einem Fall wegen eintretender Geistesstörung die Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt notwendig macht, als gemeinschaftsunfähig grundsätzlich an einer Rückkehr in die Volksgemeinschaft zu hindern. Das geschieht durch ihre Unterbringung in den Konzentrationslagern."

Gleichfalls im betont negativem Sinne äußerte sich auch der Strafanstaltsleiter Liesche in seinem Aufsatz "Der Bibelforscher im Strafvollzuge" der in der Nummer 6/1937 der Zeitschrift "Der Deutsche Justizbeamte" erschien. Auch Liesche konstatiert, dass "bei fast allen 'Zeugen Jehovas' (es) sich um Gefangene handelt, die als Fanatiker ihrer Idee zu betrachten sind und sich als Märtyrer bezeichnen. Wenige sind nur unter ihnen, die durch die Strafverbüßung zur Einsicht gelangen. Darum muss der Strafvollzugsbeamte sie in erster Linie als Staatsfeinde betrachten und die Strafe in unerbittlicher Strenge gegen sie zur Anwendung bringen. Irgendwelche Lockerungen würden den Staat nur schädigen."

Liesche setzt sich auch mit der Sachlage auseinander: "Der § 112 Ziffer 5 der Dienst- und Vollzugsordnung besagt: 'Den christlichen Gefangenen sind die von den kirchlichen Behörden eingeführten Gebet- und Gesangbücher zu verabreichen; evangelische Gefangene erhalten ferner ein Neues Testament mit Psalmen, katholische Gefangene den Diözesankatechismus und ein Neues Testament oder die Biblische Geschichte. Jüdische Gefangene erhalten ein Gebetbuch.'"

Sein Kommentar dazu: "Diesen Zeugen Jehovas liegt bei ihren Einlieferungen in die Gefängnisse daran, die Bibel zu bekommen, damit sie ihre staatsfeindliche Einstellung durch planvoll zusammengesetzte Bibelstellen weiter verfolgen und wenn möglich auf andere Insassen der Gefängnisse übertragen können. Sache der Vollzugsbehörden soll es sein, zu verhindern, dass das Studium der Bibel zu Aufzeichnungen führt, die in staatsgefährlicher Weise verwendet werden können. Es ist somit dem pflichtgemäßen Ermessen der Vollzugsbehörden überlassen, wie sie das verhindern; die Hauptsache ist, dass sie es verhindern."

Eine analoge Feststellung wird man zu dem Aufsatz von H. Brandstätter, seines Zeichens Vorstand der Gefängnisse, Eisenach, treffen müssen. Unter der Überschrift „Erfahrungen im Strafvollzug an Gefangenen, die gegen das Verbot der Internationalen Bibelforscher bestraft worden sind", erschienen in den „Blätter für Gefängniskunde" Heft 1/1939, klagt er gleichfalls, dass versuchte Überzeugungsarbeit im Sande verlief:

„Bei der ersten Vorführung, genau wie bei den ersten Zellenrevisionen waren diese Gefangenen ganz ablehnend. Sie taten erhaben. Man spürte ihr inneres Hochgefühl als 'Zeuge Jehovas' gegenüber dem ungläubigen Satansdiener, der an dem demnächst kommenden besseren Zeiten des Tausendjährigen Reich Gottes nicht teilnehmen darf."

Auch Brandstätter klagt: „Nur teilweise, zum Teil gar nicht, gelang es mir, sie zu Überzeugen, dass der Bibelsatz (Du sollst nicht töten) in unserem heutigen Sprachgebrauch richtiger übersetzt sein müsse mit: Du sollst nicht morden."

Seine abschließende Klage kleidet er in die Worte:
„So optimistisch ich bei dem Blick auf die Gefangenen bin, so wenig bin ich es mit Rücksicht auf ihre Familien bei der Rückkehr nach der Entlassung.
Wer im Strafvollzug nicht zu einer Bejahung des Dritten Reiches oder wenigstens von der Bibelforscheridee abgekommen ist, gehört ins Konzentrationslager. Er wird von seiner Idee geleitet weiter ein Staatsfeind bleiben. Hier darf es keinerlei Rücksicht geben."

Kommentarserie „Trost" 1940 zusammengefasst

Der nächste Jahrgang    1941

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