Annotationen zu den Zeugen Jehovas
Atheist oder Deist
Vorab erst zur Definition. Georges Minois berichtet in seiner Geschichte des
Atheismus":
Eine sehr viel längere Geschichte hat das Wort 'Deist', auf dessen Auftauchen
Pastor Viret im Jahre 1563 hinweist und es dem Wort 'Atheist' entgegenstellt:
Es gibt mehrere [Freigeister], die zwar bekennen, es gebe irgendeinen Gott und irgendeine
Gottheit, wie die Türken und die Juden, aber alles, was Jesus Christus und die Lehre der
Evangelisten und Apostel angeht, halten sie für Fabeln und Träumereien. Ich habe
gehört, dass es in dieser Bande welche gibt, die sich Deisten nennen, ein ganz neues
Wort, das sie dem Wort 'Atheist' entgegensetzen. Da Atheist jemanden bezeichnet, der ohne
Gott ist, wollen sie damit zu verstehen geben, dass sie keineswegs ohne Gott sind, weil
sie ja glauben, dass irgendein Gott ist, den sie sogar als Schöpfer des Himmels und der
Erde anerkennen, aber wer Jesus Christus ist, wissen sie nicht und halten nichts von ihm
und seiner Lehre."
Es wurde zum Ausdruck gebracht, dass gewisse Vertreter von christlichen Religionsgemeinschaften, alle die ihrer Weltsicht nicht zu folgen vermögen in das Raster Atheist" einordnen. Meines Erachtens ist dies eine zu grobe Vereinfachung.
Im Jahre 1958 glaubten die Kommunisten einmal in Euphorie verfallen zu können. Gelang es ihnen doch, mit dem Weltraumstart des "Sputniks" eine neue Phase der wissenschaftlich-technischen Entwicklung zur eröffnen. Prompt zögerten sie auch nicht, diese günstige Gelegenheit zu nutzen, um damit zugleich ein paar Breitseiten gegen die Religion im allgemeinen, abzufeuern. Die in der DDR erschienene Propagandaschrift "Der Sputnik und der liebe Gott" ist ein Beispiel dafür. Auch die WTG sah sich genötigt auf das Thema Sputnik einzugehen. In ihrem eilends veröffentlichten Buch "Dein Wille geschehe" (parallel schon mal als Vorabdruck auch im Wachtturm zu lesen) konnte man beispielsweise lesen:
"Weniger als zwei Monate später, am 4. Oktober, bereitete er (der vorgebliche Nordkönig) dem amerikanischen Mitglied des Königs des Südens eine große Demütigung, wodurch dieser in Bestürzung und Aufregung geriet, als er nämlich den 83,6 kg schweren Sputnik I in eine Kreisbahn um die Erde schoß."
Die WTG meinte sich auf die "überlegene" Position zurückziehen zu können, dass die "letzte Stellung" schon besetzt sei. Inzwischen sind einige weitere Jahrzehnte vergangen. Genug Anlass eine "Zwischenbilanz" zu ziehen. Die seinerzeitige sowjetische Euphorie ist Vergangenheit. Im wissenschaftlich-technischen Wettlauf wurde sie abgehängt. Trotz des Sarkasmus der zitierten atheistischen Propagandisten existiert die Religion weiter. Sowohl in Ost, West, Nord, Süd. Was lehrt dies? Es lehrt dass die Kommunisten mit ihrer atheistischen Argumentation "Schaumschläge" machten. Das sie es einfach nicht wahrhaben wollten, dass die Probleme auf einer ganz anderen Ebene liegen. Und diese Ebene ist nach wie vor. Das Religion tiefe soziale Ursachen hat (die sie allerdings in irrationaler Form reflektiert). Solange diese sozialen Ursachen nicht beseitigt sind, wird immer ein diesbezüglicher Nährboden bestehen, denn vermeintliche Sinnanbieter zu nutzen sich bemühen.
Allerdings auch dies sei noch gesagt. Werden politische Inhalte über das Medium Religion transportiert (lasst mal alles schön so wie es ist - Verändern "darf nur Gott") wird immer auch Anlass bestehen, Religion kritisch zu bewerten. Auch in der Gegenwart. Auch und besonders im Falle der Zeugen Jehovas.
In einer Diskussinsabfolge bei Infolink kamen diese Aspekte auch mit zum tragen. Einige Auszüge daraus:
Von Drahbeck am Dienstag, den 2. April, 2002 - 15:06:
Es wird Christel nicht "trösten". Zu dem
Thema: "Die besseren Christen" äußerte sich schon mal einer, der allerdings
zugegebenermaßen auch nicht zu den von Christel "Geschätzten" gehört.
Besagter Herr pflegte seine Ausfü hrungen noch in einen weiteren Wortschwall einzubetten.
Dieser ist nun nicht mehr so "interessant". Daher sei aus diesem Wortschwall nur
eine Passage hier wieder gegeben. Entnommen der Webseite: http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_191.htm
"Auch das ohnehin langweilige Gerede über den Kommunismus kann man sparen",
meint unser beobachtender Herr Konsistorialrat. "Wenn nur diejenigen, die den Beruf
dazu haben, die sozialen Prinzipien des Christentums entwickeln, dann werden die
Kommunisten bald verstummen."
Die sozialen Prinzipien des Christentums haben jetzt achtzehnhundert Jahre Zeit gehabt,
sich zu entwickeln, und bedürfen keiner ferneren Entwicklung durch preußische
Konsistorialräte.
Die sozialen Prinzipien des Christentums haben die antike Sklaverei gerechtfertigt, die
mittelalterliche Leibeigenschaft verherrlicht und verstehen sich ebenfalls im Notfall
dazu, die Unterdrückung des Proletariats, wenn auch mit etwas jämmerlicher Miene, zu
verteidigen.
Die sozialen Prinzipien des Christentums predigen die Notwendigkeit einer herrschenden und
einer unterdrückten Klasse und haben für die letztere nur den frommen Wunsch, die
erstere möge wohltätig sein.
Die sozialen Prinzipien des Christentums setzen die konsistorialrätliche Ausgleichung
aller Infamien in den Himmel und rechtfertigen dadurch die Fortdauer dieser Infamien auf
der Erde.
Die sozialen Prinzipien des Christentums erklären alle Niederträchtigkeiten der
Unterdrücker gegen die Unterdrückten entweder für gerechte Strafe der Erbsünde und
sonstigen Sünden oder für Prüfungen, die der Herr über die Erlösten nach seiner
unendlichen Weisheit verhängt.
Die sozialen Prinzipien des Christentums predigen die Feigheit, die Selbstverachtung, die
Erniedrigung, die Unterwürfigkeit, die Demut, kurz alle Eigenschaften der Kanaille, und
das Proletariat, das sich nicht als Kanaille behandeln lassen will, hat seinen Mut, sein
Selbstgefühl, seinen Stolz und seinen Unabhängigkeitssinn noch viel nötiger als sein
Brot.
Die sozialen Prinzipien des Christentums sind duckmäuserisch, und das Proletariat ist
revolutionär.
Soviel über die sozialen Prinzipien des Christentums.
Von Drahbeck am Mittwoch, den 3. April, 2002 - 08:06:
Zu dem von Christel auch mit angesprochenen Thema.
Umwälzung 1989 in Ostdeutschland und die Rolle der Kirchen dabei.
"Streicheln, bis der Maulkorb fertig ist. Die DDR-Kirche zwischen Kanzel und
Konspiration". So betitelte Dietmar Linke ein 1993 erschienenes, durchaus
lesenswertes Buch. Einleitend (S. 11) schreibt er schon:
"Die Geschichte der DDR und auch der Kirche in diesem Land wird noch einmal neu
geschrieben werden müssen. Die Zeit der Konspiration, der Geheimniskrämerei ist vorbei.
Wir müssen es der Öffentlichkeit zumuten, daß wir ans Licht bringen, was bisher
verborgen war. Alte Bilder, wie das von der Kirche als Träger der Revolution des Herbstes
1989, werden dabei zerbrechen."
Auch Linke räumt ein, dass es sehr wohl kirchliche Kreise gab, die maßgeblich zum
November 1989 beigetragen haben. Aber dabei macht er eine wesentliche Differenzierung.
Dazu schreibt er (S. 74):
"Nicht zu übersehen ist auch, daß inzwischen eine neue Generation herangewachsen
war, die nicht durch die Erfahrungen des Kirchenkampfes der fünfziger Jahre, durch den
17. Juni 1953 oder andere Einschnitte der Geschichte verängstigt war. Diese Generation
war in der DDR aufgewachsen, nahm ihre Gegebenheiten als Voraussetzungen, aber nicht um
sie als 'Errungenschaften' zu preisen, sondern um sie zu verändern. Der Konflikt zwischen
Basis und Leitung der Kirche war in diesen Jahren auch ein Generationskonflikt. Während
die Älteren erst gelernt hatten, den Sozialismus zu akzeptieren und anzunehmen, ihre
Loyalität zu bekunden, ging es den Jüngeren um dessen Reform. Sie hielten nichts von
faulen Kompromissen. Sie benannten die Missstände der Gesellschaft und brachten so
manchen Kirchenfürsten in Konflikt, der aus Rücksichtnahme vor dem Staat sich selbst die
Hände gebunden und Schweigen verordnet hatte."
Ehrhart Neubert, Verfasser einer voluminösen "Geschichte der Opposition in der DDR
1949 - 1989" und inzwischen bei der "Gauckbehörde" hauptamtlich
angestellt, schrieb auch ein 1993 erschienenes Buch "Vergebung oder Weißwäscherei.
Zur Aufarbeitung des Stasiproblems in den Kirchen":
Schon gleich einleitend kommt er auf einen Fall zu sprechen, der etwa dem Fall Wolfgang
Kirchhoff bei den Zeugen Jehovas vergleichbar ist. Nur, dass der von Neubert zitierte Fall
eben sich in den Gefilden der evangelischen Kirche abspielte.
Über in schreibt Neubert (S. 10):
"Schließlich bekommt die Kirchenleitung den offiziellen Bericht aus der
Gauck-Behörde: (Detlef) Hammer war ein eingeschleuster Agent des MfS, seit 1977 sogar
Offizier im besonderen Einsatz (OibE). Eine Presseerklärung der Kirchenprovinz
(Magdeburg) vom 3. August 1992 stellt nun nüchtern diesen Tatbestand fest: "Er hat
über viele Personen und Dienstbereiche im Evangelischen Konsistorium und in der
Kirchenleitung berichtet und selbst strategische Vorschläge zur Durchdringung des
Konsistoriums der Kirchenleitung durch das MfS gemacht. Er ist für seinen Einsatz
ausgezeichnet worden und hat auch finanzielle Zuwendungen erhalten.' Das also blieb vom
Bruder Hammer und seinen positiven Wirkungen in der Kirche übrig."
Zur katholischen Kirche merkt Neubert an (S. 85):
"Kardinal Meisner, der damals Bischof von Berlin war, hatte schon während der
Unruhen im Januar und Februar 1988 aus Anlaß der Verhaftung und Ausweisung von
Bürgerrechtlern in Berlin die politisch geprägten Fürbittengottesdienste in
evangelischen Kirchen und die sich damit anbahnenden Massenproteste in einem Rundbrief an
die katholischen Mitarbeiter diskreditiert, indem er den Veranstaltungen absprach, als
Gottesdienste gelten zu können.
Das machte die katholische Kirche zu einem unkritischen Partner des Staates, der
wohlwollend zur Kenntnis nahm, daß in ihr keine oppositionellen Haltungen reproduziert
wurden. In Berlin ging damals auch das Wort eines Mitarbeiters des Staatssekretariates
für Kirchenfragen um, wonach die katholische Kirche einen 'Preis für Loyalität'
gegenüber dem Staat verdient hätte."
Weiter Neubert (S. 84f.)
"Aufgrund dieser Haltung blieben, bis auf wenige Ausnahmen, die katholischen Kirchen
während der Herbstrevolution 1989 solange geschlossen, bis praktisch die SED-Macht
gebrochen war."
Fast überflüssig anzumerken, dass auch Jehovas Zeugen keine aktive Rolle diesbezüglich
gespielt haben. Gleichwohl sich aber heute als Trittbrettfahrer gebärden.
Zu dem auch genannten Wolfgang Kirchhoff. Siehe auch:
http://www.manfred-gebhard.de/Y....htm
(Ziemlich am Schluss bei der Besprechung des "Im Visier der Stasi") Da dies ein
sehr umfänglicher Text ist, der noch diverse andere Themen mit anreißt, so die
entsprechende Kirchhoff-Passage daraus hier noch kopiert:
In dem neuen Y...-Buch findet sich allerdings auch die Erwähnung des Falles Wolfgang
Kirchhoff, ausgezeichnet im Jahre 1977 mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Bronze
der DDR. Wofür war der DDR-Staat wohl bereit eine solch hohe Auszeichnung zu gewähren?
Die Antwort bleibt das Y...-Buch (wenn auch an versteckter Stelle) nicht schuldig. Er
lieferte der Stasi unter anderem die Namen die DDR-Leitung der Zeugen Jehovas, was
letzterer wiederum die letzte größere Verhaftungsaktion in den 60-er Jahren
ermöglichte. Eine solche "Heldenleistung" war dem DDR-Staat schon mal eine hohe
Auszeichnung wert.
Es ist zu registrieren, dass im Y...-Buch jener Fall knapp erwähnt wird, obwohl man sich
die gleiche Ausführlichkeit gewünscht hätte, die dort der Kritikerszene zuteil wurde.
Nur eines sollte man noch hinzufügen. Jener Messerlieferer konnte seine Tat nur
vollbringen, weil es ihm zuvor gelungen war, in höchste Führungspositionen innerhalb der
DDR Zeugen
Jehovas-Organisation aufzusteigen!
Die Zeugen Jehovas meinen den Kritikern ihrer Organisation das Recht absprechen zu
können, über "Verrat, Denunziation und Erpressung", die es in der Geschichte
ihrer Organisation auch gegeben hat, zu sprechen. Nun ist ohne Zweifel einzuräumen, dass
genannte Fakten in der Regel von Außenstehender Seite (sprich: staatlichen
Repressionsorganen) initiiert wurden. Wie war das eigentlich bei den Kommunisten im
NS-Regime. Wer sich mit dieser Frage näher beschäftigt, der wird eine überraschende
Entdeckung machen. Dem Naziregime ist es auch gelungen, bei "einzelnen"
Kommunisten in der NS-Zeit Vorgänge auszulösen, die man durchaus mit den Vokabeln
"Verrat, Denunziation und Erpressung" umschreiben kann. (Man vergleiche dazu
beispielsweise: Marion Detjen "Zum Saatsfeind ernannt", München 1998 S. 36).
Die offizielle DDR-Geschichtsschreibung ist auf diese Vorgänge in der Regel nicht
eingegangen. Und wenn doch, so in herunter spielenden Nebensätzen. Genau die gleiche
Sachlage ist bei den Zeugen Jehovas zu registrieren. Das ihnen unbequeme wird
heruntergespielt. Den Kritikern, die das dennoch thematisieren wird (wenn der Versuch
ihnen einen "Maulkorb" zu verpassen nicht fruchtet), auf der persönlichen Ebene
"geantwortet". Es ist offensichtlich, dass auch die Kritiker eine Biographie
haben.
Die Frage ist jedoch, ob der Betreffende sich dazu bekennt oder sie abstreitet. Hierbei
dürfte evident sein, dass das apologetische Bemühen bei den Zeugen Jehovas weit
ausgeprägter ist.
Von Drahbeck am Mittwoch, den 3. April, 2002 - 12:38:
Moral hat auch etwas damit zu tun, in welche Richtung
sie "programmiert" wird. Ein Computer (Hardware) läuft ohne Software
bekanntlich nicht. So auch im übertragenem Sinne, beeinflussen Erziehung und
Umwelteinflüsse auch den Menschen (und dies unabhängig davon, wie er die Gottesfrage
bewertet). Lessing lässt in seinem "Nathan den Weisen" ausrufen: "Ihr
Stolz ist Christen zu sein - nicht Menschen". Damit ist ausgesagt, dass auch die
Moral von Christen kritisch bewertet werden kann.
Einer der schlimmsten Schreibtischtäter der jüngeren Vergangenheit (H. Himmler)
unterschied sich von seinen "Mitgenossen" dadurch, dass er ein (relativ gesehen)
nicht übermäßig anstößiges Privatleben führte. Ich sage bewusst relativ, weil mir
klar ist dass dieser Vergleich hinkt. Jedenfalls war er im Privatleben weit anspruchsloser
etwa als Göring, den schon zeitgenössisch die Kabarettistin Cläre Waldorf mit dem
Spruch attackierte:
"Links Lametta, rechts Lametta und der Bauch wird immer fetter."
Himmler ließ seine Schergen mit dem Spruch bedenken. Unsere Ehre ist Treue. Was für eine
"Ehre" mag man da nur rückfragen. Die "Ehre" für ein vermeintlich
"höheres Ziel" auch über buchstäbliche Leichen zu gehen.
Christen sind nicht davor gefeit, für ein vermeintlich höheres Ziel "die Ehre
Gottes", ihre wirkliche Moral, nämlich das naturgegebene Gewissen, an "der
Garderobe abzugeben". Gleichwohl, wie die beiden unterschiedlichen Vergleiche
verdeutlichen, ist dies kein "nur" christliches Spezifikum.
In diesem Punkt widerspreche ich Karlheinz Deschner, dessen Recherchenarbeiten ich
durchaus zu schätzen weiß, der alles Übel dieser Welt auf den Faktor Religion
subsumiert. Gleichwohl wenn ich mir das erdrückende Material ansehe, dass er in seinen
bisher sieben Bänden der "Kriminalgeschichte des Christentums" vorgelegt hat,
komme auch ich nicht umhin zuzugeben, dass sein von ihm gewählter Titel, durchaus Hand
und Fuß hat.
Von Drahbeck am Donnerstag, den 4. April, 2002 - 11:43:
Christel lässt immer wieder dezent durchblicken, dass
Ihrer Meinung nach, jene die sich auf Gott berufen (von Einzelfällen abgesehen) eine
höhere oder qualitativ bessere Moral haben. Nun erachte ich die Frage Gott ja oder nein
nicht als diejenige auf die es ankommt. Ich würde aber sagen wollen, dass die
Gottgläubigen in der Regel mehr Autoritativ orientiert sind.
Beispielsweise ist auch die katholische Kirche ein durchaus treffendes Beispiel dafür.
Der Papst (bzw. die von ihm bestimmte Hierarchie bestimmt). Sofern auf der Gegenseite
nicht auch solche Autoritätsgläubigkeit sich verfestigt hat (und dass gibt es auch dort:
Führer Adolf Hitler. Oder der "geniale Stalin" und anderes mehr), besteht dort
eben nicht solche gleichmacherische Konformität. Ob z. B. die seinerzeitige
Papstenzyklika "Humanae vitae" eine angemessene Antwort auf die Fragen des 20.
Jahrhunderts war, wage ich schlicht weg zu bestreiten.
Oder um die jüngste Ausgabe der Zeitschrift Focus zu zitieren.(30. 3. 2002). Darin eine
Reportage über die Opus Dei-Niederlassung in München. Auch in diesem Orden herrscht
strenges Zölibatgebot. Focus berichtet. Die Opus Dei-Männer lassen sich aber von
weiblichen Mitgliedern der katholischen Kirche versorgen. Angefangen vom Mittagessen, bis
über die Reinigung der Räume (in der dafür vorgesehenen Zeit verlassen die männlichen
Opus Dei-Mitglieder das Gebäude) über das Wäschewaschen usw., alles dies besorgen für
die männlichen Zölibatäre des Opus Dei Frauen, die übrigens im selben Haus (in
getrennten Räumen) ihre Unterkunft haben.
Noch so ein diesbezügliches Schlaglicht. Besteht Bedarf irgendwelche Detailfragen zu
klären, erfolgt das grundsätzlich nur übers Telefon. Weiter berichtet Focus z. B. zum
Thema Mittagessen. Das fertigestellte Essen wird in eine Schleuse gestellt, die
anschließend geschlossen wird. Erst wenn die tatsächlich zu ist, werden auf der
männlichen Seite die Speisen entnommen um so jeglichen Blickkontakt zu unterbinden.
Sorry vielen "Dank" für solche Art von "Moral". Hat das auch Gott
angeordnet???
Im Unterschied zu den Gottgläubigen sehen Atheisten (jedenfalls einige von ihnen) ihre
Moralgrundlage in dem Satz:
Die Philosophen und Religionen haben die Welt nur verschieden interpretiert - es kommt
aber darauf an sie zu verändern.
Damit ist keineswegs gesagt, dass diesbezügliche Veränderungsunmternehmen nicht auch
kritisch hinterfragt werden können und müssen. Aber jedenfalls ist mir diese Art von
Philosphie und Ethik auf jedenfall glaubwürdiger als die des (beispielsweise) Opus Dei.
Im übrigen. Ich persönlich bezeichne mich nicht als Atheist, sondern als Deist. In der
Gottesfrage maße ich mir nicht an, ein "letztendliches" Votum abgeben zu
können. Es kann so oder auch anders gewesen sein
Auch sollte man mal beachten, dass es selbst Atheisten gibt, die kritische Fragen zu
ihresgleichen stellen. Man sehe sich beispielsweise mal einiges von Schmidt-Salomon an.
Letzterer, presserechtlich verantwortlicher Redakteur der Print-Zeitschrift "MIZ.
Materialien und Informationen zur Zeit". Jene Zeitschrift wurde früher ganz
offiziell vom sogenannten "Internationalen Bund der Konfessionslosen und
Atheisten" (IBKA) herausgegeben. Letzterer ist zwar nicht mehr Herausgeber der MIZ,
gleichwohl dominiert er sie nach wie vor.
http://home.t-online.de/home/M.S.Salomon/atheismus.htm
http://home.t-online.de/home/M.S.Salomon/zeigefing.htm
http://home.t-online.de/home/M.S.Salomon/gutboes.htm
Milton G. Henschel und Bertrand Russell