"Feinde des Christentums"

Im Jahre 1932 veröffentlichte der Pfarrer Adam Hohenberger in der "Allgemeinen Evangelisch-lutherischen Kirchenzeitung" einen sich über insgesamt vier Ausgaben erstreckenden Fortsetzungsbeitrag. Als Titel wählte er: "Die 'Ernsten Bibelforscher' als Feinde des Christentums".

Nachdem er einige markante Stellen aus den Rutherford-Schriften zitiert hat, kommentiert er:

"Die aufgeführten Stellen entstammen nicht den Veröffentlichungen eines Gottlosenverbandes, sondern finden sich in Büchern und Schriften des Präsidenten der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung."

An anderer Stelle schreibt er noch: "Solche Äußerungen erweisen die 'Verkündigung der Wahrheit' als Wühlarbeit gegen das Christentum und die Schriften der Bibelforscher als Schmähschriften, die sich denen der Gottlosenverbände ebenbürtig an die Seite stellen. Der Umstand, dass in letzterer Gott und Christus offen abgelehnt werden, während die Bibelforscher desto mehr von Jehova und seinem 'Hauptbeamten und Generalfeldmarschall Jesus Christus reden, bringt sie dem Neuen Testament nicht näher."

Nach Hohenberger "kostet es keine geringe Überwindung, sich durch den Wust von Schmähungen hindurchzuarbeiten."

Hohenberger zitiert auch jene Passagen, namentlich aus der Russellliteratur, in welchem "der Zionismus verherrlicht wird". Derselbe Hohenberger, veröffentlichte im Jahre 1948 nochmals eine Schrift über die Zeugen Jehovas. Auch in seiner 1948-er Schrift zitiert er die Zionismus-Passagen, ohne zur Kenntnis zu nehmen, dass die zwischenzeitlich bei den Zeugen Jehovas zum "alten Eisen" geworfen worden waren. 1932 verstieg er sich zu der These: "In dieser offenkundigen Parteinahme für den Zionismus liegt zugleich die Erklärung, warum die Bibelforscher die christlichen Glaubensbekenntnisse als Fabrikate des Satans bekämpfen, eine Zusammenfassung des jüdischen Glaubens aber wiederholt abdrucken."

Mit einer solch oberflächlichen These bringt Hohenberger nur seine eigene Inkompetenz zum Ausdruck. Will man ein Gesamturteil zu Hohenberger formulieren, dann möchte ich sagen, dass er zwar einerseits relativ umfänglich die Bibelforscherliteratur zitiert. Das er andererseits jedoch nicht zu einem tieferen Verständnis ihrer Prämissen vorgestoßen ist. Er richtet sein besonderes Augenmerk auf die kirchenkritischen Aspekte. Er betreibt auch hier nur oberflächliche Apologetik. Er bemerkt, dass da eine Gruppe existiert, die seinesgleichen unbequem ist. Zu einem Verständnis, weshalb dem so ist, stößt er nicht vor. Wie auch, dann müsste er ja die Geschichte seiner eigenen Kirche kritisch hinterfragen. Dazu ist er nicht willens und nicht in der Lage.

Hohenberger ist exemplarisch für die zeitgenössische evangelische Geistlichkeit die sich mit den Bibelforscher/Zeugen Jehovas befasst hat. An Oberflächlichkeiten herumkratzend, haben sie Ursache und Wirkung bis heute noch nicht verstanden!

Gewissermaßen ein zeitgenössisches Gegenstück zu Hohenberger ist der Aufsatz von Bernhard Regge "Bibelforscherkonjunktur?" in der Zeitung "Der Freidenker" vom 16. 8. 1932. Regge geht von der These aus: "Bei aller Naivität, die diesen Leuten eigen ist, darf man diese Bewegung keineswegs bagatellisieren, darf man die Gefahr nicht unterschätzen, die mit ihrer verworrenen antikirchlichen, sozialen und antikapitalistischen sowie religiös-phantastischen Einstellung verbunden ist."

Regge kommentiert weiter: "Aber auch die kirchlichen Institutionen sind von dieser Krise betroffen. Die geschichtliche Verbundenheit der Kirche lässt in den gesellschaftlichen Machtkämpfen keine Neutralität aufkommen, sondern nur eine einseitige Parteinahme zugunsten der Reaktion. So muss diese zu einem Hilfsmittel der reaktionären Kräfte werden und als Teil dieser muss sie sich auch antisozial gebärden. Die Folge ist ein starkes Entfremden großer Volksmassen."

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen "betet" Regge dann - wenig überzeugend - den Darwinismus als "Evangelium" nach. Wobei er damit weder bei den Zeugen Jehovas, noch bei den Kirchen irgendeinen "Eindruck" machen dürfte. Jedoch seien noch seine Schlussausführungen zitiert:

"Eines ist nur bewiesen, dass es eine jämmerliche Fiktion ist, von übersinnlichen Mächten eine Verbesserung der Lage des Menschen zu erhoffen, dass jeder Ausflug in die metaphysische Sphäre, jedes sich verlassen auf irrationale Kräfte eine Aufgabe dieses Kampfes bedeutet. Der soziale Kampf ist ein gesellschaftlicher Kampf den kein 'Gott' den Bedrückten abnehmen wird.

Das 'Paradies' fällt nicht vom Himmel, sondern jede Besserung der materiellen Existenzbedingungen der Schaffenden, die Beseitigung der kriegerischen Interessenpolitik der Herrschenden kann nur durch irdischen Kampf erreicht werden. Diese Art des Bibelforschen und anderer religiöser Institutionen, den Massen eine utopische Prognose zu suggerieren, ihnen eine kindliche Wunschzettel-Fata-Morgana vorzuspielen, führt nicht dem Ziele entgegen, sondern schafft eine einschläfernde, träumerische Passivität im bedeutungsvollen Freiheitskampf der Unterdrückten."

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1932er Rückblick zur Zeugen Jehovas-Geschichte