Hohenberger zum Thema Bibelchronologie der WTG
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. April 2015 02:35
Im Zeitspiegel
Beginnend mit der Ausgabe vom 17. April 1925 offeriert die „Allgemeine Evangelisch-lutherische Kirchenzeitung" eine in mehrere Folgen gesplittete Ausführung mit dem Titel: „Die 'Bibelchronologie' der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher im Licht der Bibel und der Zeitereignisse".
Als Verfasser wird genannt ein Dr.(Adam) Hohenberger, aus Brand, Marktredwitz.
Bezüglich der Kritik einer weiteren (späteren) Ausführung des Hohenberger in dem gleichen Blatt, siehe auch:
Feinde des Christentums
In seiner Dissertation von Anfang der 1970er Jahre hatte Dietrich Hellmund jenen Hohenberger noch im nur formalen Sinne erwähnt (ohne sich auf dessen Thesen näher einzulassen). Zieht man Hellmund's 2015er Ausarbeitung mit heran, wird dies durch dessen nunmehr Nichtmehrerwähnung weiter illustriert. Bleiben wir erstmal bei den 1920er Jahren.
Nun also im Jahre 1925 hat Hohenberger sich das Thema „Bibelchronologie" auserkoren.
Seine einleitende These lautet:
„Nach den Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit mag es einen Augenblick fraglich erscheinen, ob es überhaupt noch Menschen gibt, die in absehbarer Zeit ein Paradies auf Erden erwarten. Um so seltsamer berührt es, wenn auch noch die Bibel dazu mißbraucht wird, den Anbruch des goldenen Zeitalters zu berechnen."

Selbstredend teilt er die Meinung der Bibelforscher nicht, und fasst den diesbezüglichen Dissenz in die Worte zusammen:
„Die Zeiten und Zeitereignisse stehen in dem 'eigenen freien
Verfügungsrecht des Vaters'. (Apg. 1:7... Nur durch Buße des Volkes könnte deren Anbruch beschleunigt werden."

Richtig stellt Hohenberger fest:
„Russell hätte noch kein Interesse an dem Jahre 1925. Ihm lag alles an dem Nachweise, daß im Jahre 1874 der große Sabbattag der Wiederherstellung der Welt anfing'".

Aber der neue WTG-Fürst Rutherford, hielt es diesbezüglich anders. „Windig" indes waren die Berechnungen beider Herren (Russell und Rutherford) gleichermaßen. Dazu kritisiert dann Hohenberger unter anderem:
„Der Zeitraum von 1575 vor bis 1874 nach Christi Geburt umfaßt aber nur 3449, nicht 3500 Jahre. Nur durch ein Kunststück waren diese 3449 Jahre in 70 Jubeljahre zu verwandeln. Russell kam auf den Einfall, für den einzelnen Jubeljahrzyklus seit der babylonischen Gefangenschaft statt 50 nur 49 Jahre anzusetzen, da seitdem kein Jubeljahr mehr gefeiert worden sei."

Weiter konstatiert Hohenberger:
Russell rechnet aber nicht mit einem pötzlichen Zusammenbruch der jetzigen Welt, sondern mit einem

"Überandergreifen der Zeitalter ... Seine Nachfolger helfen sich nun mit der Ausrede, daß im Anschluß an die Ernte 'die Nachlese mit dem Verbrennen des Unkrautes von unbekannter Länge im Gange' sei."

Um seinen Text etwas aufzulockern, berichtet dieser Verfasser auch über eine, seiner Meinung nach, erfolgreiche Gegenaktion der Evang. Kirche gegen die Bibelforscher. Und zwar dieser:
„Das veranlaßte die Kirchberger Konferenz zu einem Gegenschlag auszuholen. Sie beschloß, in Stangengrün eine Vortragswoche mit vier Abendvorträgen von vier Pastoren abzuhalten, immer ein Tag Pause dazwischen ... Die Bibelforscher waren überrascht und eilten noch am selben Nachmittag mit Motorrad nach Zwickau, um sich Richtlinien zu holen. Sodann forderten sie schriftlich für die Debatte mindestens die gleiche Redezeit wie sie der Vortragende selbst braucht. Darauf wurde ihnen geantwortet, daß die Versammlung darüber entscheiden werde."

Als Thematik wurde kirchlicherseits auf die Tagesordnung gesetzt:
„Die Vortrage wollten mit dem äußeren Bau der Kirche anfangen und zu den inneren Gütern hinführen. Das erste Thema: Anklagen gegen die Geistlichkeit stellte den Worten der Bibelforscher den Tatbeweis des Christentums in der Kirche gegenüber.
Der zweite Vortrag: Ist die Bibel ein Wahrsagebuch? ...
Der dritte Abend galt der Frage: Der Jesus der Bibel und der Jesus der Bibelforscher.
Zum Schluß kam die Eschatologie unter dem Thema Irdisches Paradies oder Christenhoffnung?"

Auch von der relativ starken Methodistenkirche in jener Region erhielt man indirekte Unterstützung dadurch, dass diese auch diese Veranstaltungen mit besuchten.
Fünf Bibelforscher-Redner suchten mit Gegenvoten am ersten Veranstaltungstag zu kontern.
„Direkte Fragen, die an sie gestellt wurden - z.B. wo ist eure Innere Mission? - blieben unbeantwortet. Die Anklagen die sie erhoben, wurden von den anwesenden Geistlichen leicht widerlegt. Der Erfolg war daß die Bibelforscher nicht wieder erschienen obwohl sie nochmals Schriftlich dazu aufgefordert wurden."

Als nächstes stellt der Verfasser einige WTG-Zitate, namentlich auch aus Band VII der „Schriftstudien" heraus, und kommentiert diese mit der Feststellung:
„Ihre Gesinnung gegen Staat und Kirche offenbaren sie schon, wenn sie die, 'politischen, finanziellen und kirchlichen Machthaber' zusammenfassend als 'Satans Organisation' bezeichnen 'Proklamation' von 1922)."

Selbstredend ist eine solche These, für eine Kirche die selbst mal den Status hatte Staatskirche zu sein, nicht hinnehmbar.
Dazu kommentiert er weiter:
„Wenn diese Giftsaat des Hasses aufgehen würde, möchte freilich ein 'Tag großer Drangsal' über die Welt hereinbrechen.
Es ist dann aber nicht der 'Tag des Herrn' auf den gläubige Christen warten sollen. Wer ihn durch gewaltsamen Umsturz - und sei es auch nur durch 'einen gewissen geistigen Anteil' - herbeizuführen sucht, fällt unter das Wort unseres Herrn: 'Weh' dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt' (Matth. 18:7)"

Schon im Jahre 1908 hätten die WTG-Hörigen, Widerspruch in Deutschland erfahren, und dazu verweist er auf die Frühschrift zum Bibelforscher-Thema in Deutschland von Friedrich Kaiser.

Hohenberger's Kommentar dazu unter anderem:
„Mit dem Eingeständnis, daß man früher: 'natürlich' nicht habe wissen können ob im Jahre 1914 der allgemeine Umsturz schon vollendet sein oder erst beginnen werde, verurteilt Russell
selbst seine Spielereien mit Zahlen."

Seine weitere Kritik mehr zum Schluss seiner Ausführungen, lautet dann noch:
„Tiefes Befremden muß es erregen, wenn die 'Ernsten Bibelforscher' mit sichtlicher Freude ausrufen; 'Das Völkermeer, es grollet schon; bald wird es brausen, daß davon die Fürsten zittern auf dem Thron - der Tag ist vor der Tür. Der
Nihilismus schafft geheimnisvoll, mit sicherem Gang; an aller Reiche Untergang in ungeschlachter Kraft' (II 35). Solche Worte wecken die Frage, was für ein Los denn die Sekte während des allgemeinen Umsturzes für sich selbst erwartet ..."

Im 6. Teil dieser Ausführungen wird dann noch die Zionismus-Begünstigung der frühen WTG angesprochen.
„Rufen sie hoffnungsfreudig aus: 'Der Zionismus wird blühen und gedeihen.'"

Aber auch dabei ist eine Ernüchterung zu beobachten:
„In gedämpfter Stimmung hat er (Russell) vier Wochen vor seinem Tode geschrieben: 'Wir geben zu, daß die Wiederherstellung Israels nicht so schnell vor sich gegangen ist, wie wir vermutet hatten ...'"

Und weiter:
„Schon wird als Parallele zu 135 n.Chr., dem Jahr der 'tatsächlichen Entvölkerung von ganz Palästina', das Jahr 1980 angeführt und mit der Möglichkeit gerechnet, daß es die Wiedereinsammlung des ganzen fleischlichen Israels aus ihrer Gefangenschaft im Tode' bringen werde."

Seine abschliessenden Sätze dann noch:
„Erstaunlich ist
die Gastfreundschaft der Regierung (Bibelforscher-Tagung Pfingsten 1925 in Magdeburg) gegenüber. Leuten, die mit zynischer Offfenheit erklären, daß sie an dem 'Werke die
jetzigen Reiche in Stücke zu schlagen, einen gewissen geistigen Anteil haben werden und ihre 'Schriftstudien' als Werkzeuge zur Vernichtung der 'ruchlosen Systeme' (Kirche und Staat) bezeichnen."

Hohenberger meint Feinde des Christentums wahrzunehmen

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