Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 10

Da verkündete der Wachtturm im Jahre 1966 in wünschenswerter Deutlichkeit: "Wie Moses und Aaron die vor Pharao erschienen und die Plagen, die über Ägypten kommen sollten, ankündeten, haben Jehovas Zeugen sich daran beteiligt, diese Plage über den Weltkommunismus zu verkünden." Falls die Kommunisten noch einen Grund für ihre Aversion gegen die Zeugen Jehovas benötigt haben sollten. Hier haben sie ihn frei Haus geliefert bekommen. Nun mag man gegenüber der Realität des kommunistischen Systems gewisse Einwände haben. Über die kann man durchaus diskutieren. Worüber man allerdings nicht diskutieren kann ist die verlogene Behauptung der Zeugenführung angeblich politisch "neutral" zu sein. Sollte es je "politische Neutralität" auf dem Sektor der Religion gegeben haben (einer These der ich widerspreche); dann aber mit Sicherheit nicht bei den Zeugen Jehovas. Ihre Leitung praktizierte und praktiziert durchaus handfeste Politik. Politik der Art, wie sie den Herrschenden Kreisen der USA opportun erscheint. Befinden sich andere Staaten im relativen Gleichklang mit der USA-Politik läuft alles relativ reibungslos. Ist dieser Gleichklang nicht gegeben, bekommen sie einige Knüppel vor die Füße geworfen und einer von ihnen heißt: Jehovas Zeugen. Deren Spezialität das "salbungsvolle Verbreiten von Nebelvorhängen" ist. Über die DDR-Politik hier und jetzt im Detail zu diskutieren wäre sicher müßig. Aber eines wird man den Kommunisten noch im Nachhinein bescheinigen können, dass sie sehr wohl klar den politischen Hintergrund der Nebelvorhänge Made in Jehovas Zeugen erkannten.

Das "Zauberwort" der Stasi gegenüber ihr Missliebigen, seien es Personen oder auch Organisationen, hieß "Zersetzung". Es ist festzustellen, dass diese Strategie von ihr auf allen Ebenen zur Anwendung kam - nicht "nur" im Falle der Zeugen Jehovas. Politisch motivierte vormalige DDR-Bürgerrechtler können da auch ein "Lied davon Singen". Etwa - um nur ein Beispiel zu nennen, sie plötzlich mit Waren (und Rechnungen) bombardiert wurden, die sie nie bestellt. Oder wenn es der Stasi sogar gelang Keile selbst in Ehegemeinschaften hineinzutreiben, wie etwa Vera Wollenberger in "Virus der Heuchler", anschaulich schildert. Also Jehovas Zeugen haben keineswegs ein "Opferprivileg" auf dieser Ebene. Aus persönlichem Erleben kann ich bestätigen, dass die Stasi ihre Zersetzungsprämisse auch im Falle von Zeugen Jehovaskritikern zur Anwendung brachte, wenn diese der Stasi unbequem wurden. Da verschwanden - beispielsweise - auf dem von Videokameras überwachten Berliner Bebelplatz, der zu damaliger Zeit auch öffentlicher Parkplatz war und in der Nähe der Ostberliner Staatsbibliothek gelegen ist, "plötzlich" die Nummerschilder von meinem dort stundenweise geparkten PKW "Trabant", um noch das harmloseste zu nennen. Also ich bestreite vehement, dass die Zeugen Jehovas "alleinige" Opfergruppe waren. Aber sicher waren sie auch eine. Gegenseitiges ausspielen, verschärfen von vorhandenen Gegensätzen und anderes mehr, dass war das Feld, wo die Stasi ihr Wirken offenbarte. Dem aufmerksamen Beobachter kann es nicht entgehen, dass auch in der CV Berichte über solche Machenschaften nachweisbar sind. Man lese mal aufmerksam und konzentriert den Bericht über den Zeugen Jehovas Paul St... (Name in der CV ausgeschrieben, hier verkürzt) in der CV Nr. 10 und 12. Dann hat man zugleich auch ein plastisches Veranschaulichungsbeispiel wie die Strippenzieher der Stasi im Hintergrund auf der Ebene Zeugen Jehovas agierten. Jener Bericht unterstellt um nur ein Beispiel zu nennen, das besagter Paul St... (offenbar ein ZJ-Aktivist), sich während seiner Haftzeit als "Gehlen-Geheimdienstagent" gegenüber anderen ZJ-Mitgefangenen geoutet haben soll. Prompt gelang es der Stasi, ihn nach seiner Haftentlassung auf der Flüsterparolenebene missliebig zu machen und Keile in die örtliche ZJ-Organisation zu treiben. Die Herren von der Thüringer Bezirksverwaltung der Stasi haben ihre Lektionen in Sachen "Zersetzung" offenbar in "hervorragendem" Maße verinnerlicht!

Man vergleiche auch: CV28

 

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung

Nr. 10 Gera Juni 1967

CV - ihr Zweck

Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Wachsamkeit ist geboten!

Liebe Brüder und Schwestern!

Überall begegnen wir in der Heiligen Schrift dem Aufruf zur Wachsamkeit. Es ist gefährlich, sich in falscher Sicherheit zu wiegen und die Augen schläfrig vor den Tatsachen zu verschließen. Die Bibelworte: "Wache auf, der du schläfst" (Eph. 5:14) und "Laßt uns nicht schlafen wie die übrigen, sondern wachen und nüchtern sein" (l. Thessl. 5:6), gelten auch unseren Brüdern in der WT-Organisation. Eben weil sie ständig in Gefahr sind, sich von den trügerischen Wachtturm-Hoffnungen einfangen und betören zu lassen. Es ist eine bedauerliche Tatsache, daß die WTG heute in den Versammlungen unwillkürlich und fast unbewußt als Versicherungsgesellschaft für ewiges Leben gehalten wird, an die Geld, Zeit, Ehrfurcht usw. regelmäßig entrichtet werden müssen, um sich ewiges Leben im Himmel oder auf Erden zu sichern.

Wenn wir gegen falsche Methoden, Lehren oder angemaßte Autorität auftreten, so geschieht das nicht aus Oppositionslust oder um zu verleumden, sondern aus brüderlicher Liebe. Jedem Bruder wollen wir die Notwendigkeit vor Augen führen, aufzuwachen, zu sehen, zu entscheiden und zu handeln. Wäre es Liebe und Dankbarkeit, wenn man in solchen Situationen schwiege nur um einem menschlichen System und deren Diener nicht zu mißfallen? Es wäre erfreulich, wenn alle frei und willig wären, die Dinge so zu sehen und so zu nehmen, wie sie in Wirklichkeit sind. Viele werden sie nicht sehen, aus Gründen des Gefühls der Unsicherheit oder Unbehaglichkeit.

Es kostet schon einige Überwindung, besonnen und wachsam zu sein. Es zerreißt oft die brüderliche Gemeinschaft und setzt den Wachenden einfältigen Beschuldigungen aus. Daß er z. B. ein Verräter an seiner Organisation sei, ein Wetterwendischer, ein Unbeständiger, ein Bock usw. und am Ende in die Vernichtung gehe.

Wenn man sich der WTG anschließt, wird erwartet, daß man sich ihr gänzlich ergibt und nicht mehr sich selbst gehört Der Eintritt in diese Organisation ist frei, auch der Besuch der Studiengruppen und Versammlungen. Ist er aber ein getaufter Zeuge geworden, dann ist der Austritt nicht mehr frei. Es gibt da nur noch einen Ausschluß. Es ist bildlich gesprochen so, die Tür zu Jehovas Zeugen hat nur außen eine Türklinke, innen gibts keine. Du kannst nicht mehr heraus, Du mußt die Tür geöffnet bekommen, sonst bleibst Du für immer drin.

Ausschluß droht jedem, der zu sagen wagt: Mir ist Freiheit versprochen, aber Felddienstzwang und Gewissensdruck beschert worden, man sagte Bibelstudium, und man meinte WT-Studium, man sagte Hingabe an Jehova, und Hingabe an die WTG wurde verlangt. Ausschluß droht jedem, der sich weigert, die unbiblischen Lehren des WT zu predigen und über offenbare Irrwege der kleinen und großen Führer nicht zu schweigen. Einzustimmen in den Richtgeist über andere Christen und still zu sein zur Selbstvergötzung der "Organisation Jehovas". Kurz, Ausschluß droht jedem der die Lehren und Praktiken der Zeugenführer durchschaut, kritisiert oder angreift, sich ihren Gehorsamsforderungen nicht unterwirft und deren Hoheitsansprüche als "Kanal Gottes" und "kluger und treuer Knecht des Herrn" nicht anerkennt. Austritt geht nicht, weil die Tür nur eine Klinke von draußen hat. Seid deshalb auf der Hut!

Dies sind nicht nur Vermutungen oder unbegründete Behauptungen, sondern Tatsachen, die allen zugänglich sind. Möchten alle Brüder und Schwestern diese Tatsachen sehen und nicht ihre Augen vor ihnen verschließen. Richtig ist, daß nur der Herr den wahren Glauben geben kann und Verirrte zurechtbringt. Jedoch bedient er sich oft auch anderer. Rö. 10:14, 15; Jak. 5:19, 20. Ein passives Verhalten gegenüber Verkünden von Irrlehren kann dem Herrn niemals gefallen.- Laßt uns alles ablehnen, was nicht von Jehova Gott und Jesus Christus ist, übereinstimmend mit seinem Wort. Auch wenn es fälschlicher Weise in "Seinem Namen" durch den WT dargereicht wird. Laßt uns immer mit Entschiedenheit nur das bejahen und bekennen, was des Herrn ist. Man mißverstehe uns nicht, nicht gegen diese oder jene Unkorrektheit in Lehre oder Wandel erheben wir unsere Stimme. Wir wissen, daß die Besteh, auch wir, ja alle, fehlen, weil wir nicht vollkommen sind. Bei der Wachtturm-Literatur liegt aber nicht ein Fehlgreifen in der Lehre bei bester Absicht vor. Hier handelt es sich um etwas ganz Planmäßiges, Zielbewußtes. Dieser Bewegung liegt ein System zugrunde: ein bewußtes Streben, dessen Ausgänge nicht in Jehova Gott ;und Seinem Willen wurzeln. (Neue Systeme der Dinge, WT vom 1. 1. 51). Hier sind Kräfte am Werk, die nicht von oben von Gott sind. Dies wird zu seiner Zeit einmal als Tatsache allgemein erkannt werden. Wir wünschen nur, daß niemand die Augen so fest verschließen, möchte, um sich dadurch der Möglichkeit des Sehens des Guten und Bösen zu berauben.

Wie die Brüder hinsichtlich biblischer Wahrheiten getäuscht werden, ist aus nachfolgenden kleinen Beispielen ersichtlich.

Zum Nachdenken.

Im WT vom 1. 2. 51 wird gefragt, ob Adam wieder auferstehen wird. Die WTG sagte dazu einmal "Ja". In dem vom August-Informator 1950 angebotenen Buche "Versöhnung" heißt es auf den Seiten 316-317: "Wir wissen so bestimmt (!), daß Christus zu Gottes bestimmter Zeit Adam und Eva aus dem Grabe. hervorbringen wird, weil er erklärt hat, daß a 1 1 e (!) hervorkommen sollen." (Joh. 5:28) - - Nun vertritt aber die WTG auf Grund eines "wieder helleren" Lichtes den Standpunkt, daß Adam und Eva nicht mehr auferstehen können. Um dieser babylonischen Verwirrung zu entkommen, bemüht sich der WT vom 15. 12. 50, das kleine Wörtchen "a 1 1 e", daß, wie er schreibt, so schwer zu verstehen gewesen sei, zu zergliedern, und stellt dann ausweichend die Frage: "Wieviele sind alle?" - Hierauf gibt es doch mit einem gesunden Menschenverstand nur die sachliche und einfache Antwort: "Alle sind alle"! Russel sagt "Ja", Rutherford "Nein". (Siehe auch Buch Schöpfung 1929/S. 31-32). So kann man im juristischen Sinne manches verklauseln.

Eine interessante Betrachtung aus dem WT vom 15. 3. 51. In dem Artikel "Jehovas Zeugen keine Pazifisten" (Friedensbestreber), Seite 90/11, wird unterbreitet, warum der Herr zum Tode verurteilt wurde, Es heißt hier: "Jesus wohnte im Reiche des Cäsars, denn durch militärische Angriffsshandlungen hatte das kaiserliche Rom Palästina erobert. Nachdem Jesus das Gesetz für seine Nachfolger, "Zahlet Cäsars Dinge dem Cäsar zurück" niedergelegt hatte, ließ sich Jesus selbst nicht in die Heere des Cäsars aufnehmen. Er wußte, daß Gott und der Cäsar nicht Freunde sind. Das ist der Grund, weshalb der Cäsar durch seinen Statthalter Pilatus den Sohn Gottes zu Tode brachte und Jesu Nachfolger heftig verfolgte. - Die Bibel berichtet uns aber anders. Sagte Pilatus nicht selbst zu den Juden, daß er keine Schuld an ihm finde? Joh. 18:38. Waren es nicht die geistlichen Führer der Juden, die ihn überlieferten, weil sie ihn der Gotteslästerung bezichtigten Sagt die Bibel nicht von ihm, daß er das geschlachtete Lamm vor Grundlegung der Welt war? (Natürlich nicht der Neuen Welt der WTG nach 1918). Jes. 53; Ps. 22. Mußte er nicht als Lösegeld für alle sterben? Wohin hat sich der WT-Schreiber begeben? Steht irgendwo in der Schrift, das der Herr zum Heeresdienst aufgefordert wurde und diesen verweigert hätte und somit dies der Grund seines Todes sei? Er mußte nach Gottes Ratschluß den Tod für jedermann schmecken. Ob er nun an ein Kreuz, also einen Stamm mit einem Querbalken, welches der WT als heidnisch bezeichnet, oder nur an einen geraden Stamm genagelt wurde, ist nicht von Wichtigkeit, wie es der WT vom 15. 5. 51, S. 157, klarzulegen versucht.

Wie dringend erforderlich es ist, die falschen Auslegungen und Fehlprophezeiungen des WT gesunden Sinnes und völlig nüchtern zu betrachten, um nicht dessen Irreführung zu unterliegend ersehen wir auch aus nachstehendem Beispiel:

In einem der neuesten WT vom 15. 11. 1966 hat man jetzt folgendes in Offbg. 16..3 gefunden: "Gott bezeichnet den Kommunismus und die radikalen Elemente, indem er von seinem Standpunkt aus gesehen vom Blut eines Toten spricht, etwas, was man gewiß nicht berühren oder nicht einmal anblicken möchte. Jehovas Zeugen haben sich auf denselben Standpunkt gestellt. JZ haben den Standpunkt Gottes erkannt, der in der 2. Plage … zum Ausdruck kommt. Wie Moses und Aaron die vor Pharao erschienen und die Plagen, die über Ägypten kommen sollten, ankündeten, haben JZ sich daran beteiligt, diese Plage über den Weltkommunismus zu verkünden." (S. 676)

Wie ungewöhnlich, daß man diese Entdeckung erst im Jahre 1966 machte! Dazu ist ein Vergleich interessant, welcher eine andere Auslegung der WT-Führung aus dem Jahre 1930 zeigt. Man wandelt sich, wie es die Verhältnisse gebieten.

Der damalige Präsident Rutherford verkündete im Buch, Licht II Seite 23 über Offenbg. 16:3: "Der Anfang der Ausgießung der 2. Schale greift zurück auf den 25. August 1923, als anläßlich einer Hauptversammlung des Volkes Gottes in Los Angeles die Resolution "Eine Warnung" angenommen und ausgesendet wurde." Es heißt dann weiter: "Geistliche, die sich selbst als Gottes Vertreter hingestellt und dann sich absichtlich gegen sein Wort und gegen das große Lösegeldopfer gewandt, … ist die ruchlose Gesellschaft des "Meeres". Bis hierher das Buch Licht II. Welche ungewöhnliche Feststellung aus dem Jahre 1930. Nunmehr nach 37 Jahren erkannte die WT-Leitung daß hier nicht die Geistlichkeit, sondern der Kommunismus gemeint sei. Ab jetzt ist "Seine Organisation" verpflichtet, "Gottes, Standpunkt" auszuführen und den Kommunismus zu bekämpfen. Endlich ist dazu die "richtige" Bibelstelle gefunden von der WT-Führung, oder was meint ihr, liebe Brüder?? War es 1930 vom Herrn oder jetzt 1966??

Wie will aber die WTG-Leitung jetzt die früheren Verunglimpfungen in den WT und Erwachet biblisch begründen, denn bis vor kurzem kannte man Offbg. 16:3 noch nicht in diesem "Neuen Licht", welches in Wirklichkeit ein Irrlicht ist.

Laßt uns immer besonnen und wachsam sein. Vergewissert Euch aller Dinge; haltet an dem fest, was vortrefflich ist. 1. Thessl. 5:6, 21.

Wir danken allen Brüdern und Schwestern, die CV fördern helfen! Wir erwarten Eure weiteren Zuschriften und grüßen Euch herzlichst in christlicher Verbundenheit

Bruder Willy Müller,

65 Gera, Lutherstr. 16, und Mitarbeiter

Glaubst Du dem Wachtturm mehr als der Bibel?

Weitere Wachtturm-Prophezeiungen im Scheinwerferlicht der Bibel

Jede Wachtturm-Ausgabe wird mit einer Zweckerklärung eingeleitet, in der wir unter anderem lesen können, daß der Wachtturm sich an die Bibel als einen sicheren Führer hält und seine Leser ihm volles Vertrauen schenken können, da sie seine Ausführungen jederzeit anhand dieses prophetischen Buches prüfen können.

Ja, auch Du hattest Dich einst voller Vertrauen dem Wachtturm in der Erwartung zugewandt, in ihm rechte Belehrung über Gott und sein Vorhaben zu finden. Vielleicht erwähltest Du auch den Wachtturm noch mehr als die Bibel zu Deinem sicheren Führer, weil Du mit den Bibelprophezeiungen allein nicht zurechtkommen konntest. Die Auslegungen der Bibel im Wachtturm, die stets mit so vielen Bibeltexten unterstrichen und bekräftigt wurden, wirkten sehr beeindruckend auf Dich und stärkten immer mehr. Dein Vertrauen in den Wachtturm. Für alles hatte der WT eine Erklärung, wenn auch, wie Dir anfänglich manchmal schien, recht zweifelhafte Deutungen enthalten waren. Doch kanntest Du nichts Besseres und sahst deshalb keine Veranlassung, weiter darüber nachzudenken, denn diese Speise des treuen und klugen Knechtes sollte ja vom Herrn kommen. So gewöhntest Du Dich mit der Zeit derart an die Wachtturm-Auslegungen, daß sie Dein Denken und Tun völlig beeinflußten. Du warst überzeugt, die Wahrheit gefunden zu haben. Die bedeutendsten Lehren, die das Fundament der Wachtturm-Verkündigung bildeten, waren der Antrieb in Deinem Leben geworden. Sie lauteten: Das Königreich ist da - Harmagedon ist nahe. Was konntest Du anders tun, als der Aufforderung des WT Folge leisten und den vielen unwissenden Menschen behilflich sein, ebenfalls diese Wahrheit zu erkennen und in Harmagedon bewahrt zu werden.

Selbst wenn Du durch viele Schwierigkeiten und Enttäuschungen gegangen bist, welche die Brüder oder Diener der Organisation Dir bereitet hatten, die Dich oft an der "theokratischen Ordnung" zweifeln ließen, so glaubtest Du doch weiterhin unerschütterlich an die vom WT verkündeten biblischen Wahrheiten. Vielleicht hieltest Du auch auf Grund der schlechten brüderlichen Verhältnisse eine Reinigung der theokratischen Organisation für notwendig, jedoch hattest Du nie in Erwägung gezogen, daß vielmehr die Bibelauslegungen der Wachtturm-Gesellschaft dringend einer Richtigstellung bedurften.

Es wäre nicht des Aufhebens wert, würdest Du nur in den unbedeutenden Darlegungen der WT-Literatur getäuscht worden sein. Weil es jedoch nichts Nebensächliches ist, sondern die wichtigsten und aufsehenerregenden Lehren der WT-Verkündigung betrifft, womit Du zur Arbeit für die WTG angetrieben und andere Menschen guten Willens gewonnen werden sollen, müssen wir ein offenes Wort darüber reden. Für Dich, der Du mit den Zielen und Absichten der WTG vollständig verwachsen bist, scheint ein Versagen der Organisationsführung in dieser Hinsicht unwahrscheinlich. Doch überzeuge Dich selbst, das die WT-Verantwortlichen ihr Versprechen, Dich die Wahrheit der Bibel zu lehren, nicht gehalten und Dein Vertrauen mißbraucht haben. Du aber halte Dich mehr als die WT-Verfasser an die Bibel als Deinen sicheren Führer.

Warum Dein Warten auf Harmagedon jetzt verfrüht ist

Harmagedon ist zu einem Schlagwort unter den Zeugen Jehovas geworden. Seit vielen Jahrzehnten wird es als das nahe bevorstehende Ereignis weltweit verkündet, welches das Geschick jedes Menschen einschneidend verändert. Der Aufruf: "Harmagedon ist nahe", diente stets als ausgezeichnetes Propagandamittel, um zur Tätigkeit anzuspornen.

Eine gründliche Untersuchung dieser Prophezeiung bringt jedoch das ungewöhnliche Ergebnis zutage, das Harmagedon nicht so nahe sein kann wie es die WTG seit jeher behauptet. Inwiefern? Nun, weil Harmagedon nur einen Teil der Gerichte Gottes und zwar seinen Abschluß darstellt, nämlich den Krieg Gottes mit Babylon der Großen. Offbg. 15:1, 16:12-20. Was diesem Geschehnis jedoch alles vorausgehen mag, ist von seiten der WTG-Leitung nicht gewissenhaft beachtet worden. Weil sie die Reihenfolge und Ordnung in der biblischen Prophetie außer Acht ließen, deshalb mußten auch ihre Vorstellungen über Harmagedon in Verwirrung geraten.

Die Wiederkunft Christi immer noch zukünftig

Ein erstaunlicher Mangel an rechter Bibelerkenntnis zeichnet sich ganz besonders immer wieder in der Verwechslung zwischen der Wiederkunft Christi und Harmagedon. Die Fragen der Jünger Jesu nach den Zeichen seiner Wiederkunft und des Endes der Welt sowie die Antwort, die Jesus, darauf gab, bringen uns dem rechten Verständnis näher. Beachten wir, daß die Jünger den Herrn nicht nach den Zeichen seiner bereits erfolgten Wiederkunft oder Gegenwart fragten, sondern woran sie dieses Ereignis im voraus erkennen könnten. Das ist ein großer Unterschied. Die Zeichen, die Jesus nannte, sollten nämlich seiner Wiederkunft vorangehen und nicht nachfolgen, wie es die WTG heute lehrt. Hier liegt der große Irrtum, den es zu berichtigen gilt.

Die Wachtturm-Verfasser erklärten die gesamte Zeit der vergangenen 53 Jahre seit 1914 und nun noch weitere 8 Jahre zur unsichtbaren Gegenwart Christi, die im Harmagedon, dem Kriege Gottes, münden werde. Als Hauptbeweis, seiner Gegenwart werden die Endzeitprophezeiungen Jesu aus Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21 angeführt. Wer es richtig liest, muß jedoch erkennen, daß diese Beweisführung keine Grundlage zur Aufrechterhaltung dieser Behauptung bietet, denn die Endzeitereignisse, die Jesus nannte, sind keine Begleiterscheinungen seiner zweiten Gegenwart, sondern künden diese lediglich im voraus an. Die Gegenwart Christi ist somit immer noch zukünftig und Harmagedon noch nicht in Aussicht.

Ist es nicht verwunderlich, daß die so populär gewordene Bezeichnung "Harmagedon" an keiner anderen Stelle in der Bibel als nur in Offenbarung 16:16 erwähnt wird? Wenn das erste Ereignis das den Endzeitgeschehnissen folgen würde, Harmagedon wäre, dann hätte es Jesus doch mindestens einmal in seinen Endzeitprophezeiungen beim Namen genannt Statt dessen spricht er nur von dem großartigen Ereignis seines zweiten Kommens, seiner Ankunft, Wiederkunft, Gegenwart oder Anwesenheit, das seine Nachfolger durch viele Zeichen im voraus erkennen könnten. Nirgends können wir lesen, daß die Jünger an den Zeichen der Endzeit das Nahen Harmagedons bemerken sollten. Ist das nicht sehr auffällig? So vergleicht zum Beispiel Jesus die Flut der Tage Noahs nicht etwa mit Harmagedon nein, er vergleicht sie mit dem Erscheinen seiner Wiederkunft oder seiner Gegenwart Matth. 24:37-39. Auch prophezeite Jesus seinen Jüngern: Wenn ihr diese Zeichen der Endzeit seht, so erkennet, daß das Reich Gottes nahe ist. Luk. 21:31. Im Gegensatz dazu behauptet der WT: Wenn ihr es sehet, dann wisset, daß das Königreich bereits hier ist. Haben die Wachtturm-Schreiber kein Gewissen, daß sie sich leichtfertig über biblische Wahrheiten hinwegsetzen, nur, um ihre Theorien vom gegenwärtigen Königreich aufrecht zu erhalten? Genügt Dir diese Beweisführung nicht, um dem Irrtum endlich einen Riegel vorzusetzen, dann achte noch auf die folgenden.

Der Sturz Satans geht dem Kommen Christi voraus

Gemäß der WT-Lehre gehört das Kommen des Sohnes des Menschen in Wolken mit Macht und Herrlichkeit sowie andere bedeutende Bibelprophezeiungen bereits der Vergangenheit an. (Dein Wille geschehe, auf Erden, Seite 318-320). Was ist daran falsch? Unterziehen wir den von der WTG "biblisch" begründeten Herrschaftsbeginn des Jahres 1914 einer genauen Betrachtung. Der WT lehrt: Im Jahre 1914 trat Christus seine Herrschaft an, danach erfolgte der Kampf im Himmel einschließlich der großen Drangsal für die Nachfolger des Herrn, welche 1919 zum Abschluß kam (abgekürzt wurde), als das Direktorium der WTG aus neunmonatiger Haft entlassen wurde. Abgesehen von der Unglaubwürdigkeit dieser Behauptung, entspricht diese auch nicht dem von der Bibel angeführten, zeitlich nacheinander folgenden Ablauf der Ereignisse.

Vergleiche die von der WTG

angegebene Reihenfolge mit Matthäus 24:29, 30 oder Markus 13: 19-26, und Du wirst die Verdrehung dieser Texte bald herausfinden. Was zuerst erfolgt, ist nicht der Machtbeginn Christi, sondern eine unvorstellbar große Drangsal, wie sie nie gewesen ist. Die Bibel betont nun ausdrücklich, daß in jenen Tagen, nach jener Drangsal, die Kräfte in den Himmeln erschüttert werden und e r s t d a n a c h "werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit" Das Erschüttern der Kräfte der Himmel ist gleichbedeutend mit dem Kampf geistiger Kräfte im Himmel.

Somit lautet die biblische Reihenfolge nicht: 1. Herrschaftsantritt, 2. Sturz des Teufels und 3. große Drangsal, sondern direkt entgegengesetzt: 1. große Drangsal unter allen Nachfolgern des Herrn, 2. Kampf im Himmel mit Hinabwur des großen, Widersachers und schließlich 3. Wiederkunft oder Gegenwart Christi mit Beginn seiner Macht und seines Reiches.

Um Dich noch mehr von der Richtigkeit dieser Tatsache zu überzeugen, lenke Dein Augenmerk auf Offenbarung 12:7-10. Hier kannst Du ganz klar erkennen, daß der Kampf im Himmel unbedingt dem Herrschaftsantritt Christi vorausgehen muß und nicht umgekehrt. Erst nachdem Satan mit seinen Engeln hinabgeworfen ist heißt es: " J e t z t ist die Rettung und die Macht und das Reich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus gekommen; denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder…" Diese Folge stimmt mit den anderen biblischen Zeugnissen genau überein; jedoch finden wir keinen Bibeltext, der zugunsten der WT-Auffassung spricht. Um ihre Lehre einigermaßen glaubhaft zu gestalten, müßten die WT-Verantwortlichen den Kampf im Himmel schon vor 1914, vor die angebliche Wiederkunft verlegen. jedoch mangelt es für diese Zeit an beweiskräftigen weltgeschichtlichen Ereignissen.

Laß Dich auch nicht durch den Irrtum des WT täuschen, worin man bemüht ist, zu beweisen, daß Jesus Christus die Rolle des siegenden Erzengels Michael übernimmt. Hierzu werden wir in einer der nächsten Ausgaben von CV berichten.

Der entscheidende Wendepunkt meint Harmagedon, sondern die Wiederkunft Christi. Was meinst Du, wann Christus an seinen Widersachern Gericht üben wird? Glaubst Du, daß Harmagedon der entscheidende Zeitpunkt dafür ist? Du irrst Dich, denn nicht erst in Harmagedon wird er mit ihnen ins Gericht gehen, sondern bei seiner Gegenwart. Ps. 21:9. Überzeuge Dich auch anhand von 2. Timotheus 4:l, daß Christus nicht erst bis Harmagedon wartet, sondern er "wird richten Lebendige und Tote bei seiner Erscheinung und seiner Thronbesteigung" (Schlachter). Vergleiche dies auch mit Offenbarung 11:17, 18. Nicht Harmagedon ist der Zeitpunkt der Vernichtung des in 2. Thessl. 2:8 erwähnten Gesetzlosen, sondern Christus wird ihn "vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft", d. h., bei Beginn seiner Herrschaft. Eine Erfüllung dieser Texte kann die WTG nicht nachweisen, was ein überzeugender Beweis ihrer falschen Bibelauslegung vom gegenwärtigen Königreich ist. Bedenke doch: Wäre das Königreich Christi schon seit 1914 hier, dann hätte Jesus Christus längst mit jeder Ungerechtigkeit aufgeräumt. Zu sagen: Jesus herrscht inmitten seiner Feinde, ohne daß jedoch seinen Feinden ein Haar gekrümmt wird, bedeutet seine herrliche Größe zu mißachten und zu unterschätzen. Auch daß die Irreführung der WT-Verantwortlichen weiterhin von Gott geduldet wird, ist schon Beweis genug, daß Christus noch nicht in seinem Reiche herrscht. Offensichtlich haben die WT-Führer keine Furcht vor Gottes Wort, weil sie damit leichtfertig umgehen und alles zugunsten ihrer Lehre auslegen.

Offenbarung und Wiederkunft Christi ein und dasselbe Ereignis

Auf der Suche nach biblischer Wahrheit trifft man unweigerlich auf das Ergebnis, daß Wiederkunft oder Gegenwart Christi und seine Offenbarung in Macht nicht zweierlei sind und nicht auf zwei zeitlich voneinander getrennte Ereignisse bezogen werden können. Um eine Grundlage für die angeblich unsichtbar erfolgte Wiederkunft und für eine zweite spätere sichtbare Machtkundgebung Christi zu schaffen, hat man bewußt in zahlreiche Bibeltexte einen anderen Sinn gelegt. In Abänderung der Tatsache, daß Ankunft, Wiederkunft, Gegenwart, Erscheinung, Kommen, jedoch auch Offenbarung Christi in Macht sich auf ein und dasselbe Ereignis beziehen, trennten die WT-Verfasser gewisse Texte voneinander, um sie dann entweder auf die geistig erfolgte Wiederkunft oder auf den Krieg von Harmagedon zu beziehen, den sie gleichzeitig die Offenbarung Christi nennen.

Um nicht weiterhin von jedem Wind der WT-Lehre hin- und hergeworfen zu werden, mußt Du Dir über folgendes klar werden: Die Offenbarung Christi ist nicht Harmagedon und wird nirgends in der Bibel als Harmagedon bezeichnet. Identisch ist die Offenbarung Christi nur mit der Wiederkunft, aber niemals mit Harmagedon Das versuche künftig auseinanderzuhalten. Betrachtet man die Bibel unter diesem Gesichtspunkt, findet man unschwer eine Reihe von Bestätigungen.

Für die Jünger Jesu war Ankunft und Offenbarung Christi das eine große Ereignis, dem sie entgegenblickten. Jak. 5:7, 8; 1. Kor. 1:7, 8. Sie erwarteten damit den Augenblick ihrer Erlösung aus jeder Bedrängnis. Luk. 21:27, 28. Ob Offenbarung oder Gegenwart Christi, es bedeutete für sie zugleich den Zeitpunkt ihrer Belohnung für ihr treues Ausharren. Kol. 3:4, 1. Petr. 1.13, 4:13, 5:4. Sie sahen in diesem Geschehnis die Erfüllung ihrer Hoffnung, zum Herrn versammelt und für immer mit ihm vereint zu werden. Joh. 14:3; 1. Thessl. 4:15-17; 2. Thessl. 2:1. Die Nachfolger Jesu hatten keine Schwierigkeiten mit einer so komplizierten Aufteilung in zwei Phasen seines Kommens, mit denen sich heute Jehovas Zeugen herumplagen müssen. Ganz gleich, ob sich ein Schreiber in seinem biblischen Bericht auf die Wiederkunft Christi oder sein Offenbarwerden bezog, die junger Jesu erkannten darin stets nur den großen Tag seiner Offenbarung mit den Engeln seiner Macht. 1. Thess. 3:13; 2. Thess. 1:7. In Verbindung damit stehen alle anderen Texte, die das Kommen Christi in der Herrlichkeit Gottes herausstellen. Matth. 16:27, 24:30, 25:31, 32, Mark. 13:26, Luk. 17:24, 30, 21:27. Prüfe sie alle nach, um Dich in der rechten Erkenntnis zu festigen.

Alle diese Bibeltexte erbringen den eindeutigen Beweis, daß Wiederkunft und Offenbarung nicht voneinander getrennt werden können. 1. Joh. 2:28. Außerdem sind die Schriftbeweise unwiderlegbar, daß die Wiederkunft oder Gegenwart Christi noch in der Zukunft liegt und es offensichtlich verkehrt ist, jetzt auf Harmagedon zu warten, wenn zuvor die Wiederkunft Christi erfolgen muß. Die Propaganda mit Harmagedon ist somit jetzt fehl am Platze.

Klarheit um jeden Preis

Gewiß wird es für Dich schwierig sein, nach dem langen einseitigen geistigen Training Dein Denken in andere Bahnen zu bringen. Doch bei Gott ist kein Ding unmöglich. Dein Verhältnis zu ihm ist bestimmend hinsichtlich der Umwandlung Deines Sinnes, weg von falscher Wachtturm-Weisheit hin zur rechten Erkenntnis des Wortes Gottes. Solange Du Dich jedoch noch der Führung des WT mehr als der Bibel anvertraust, wird Dein Trachten nach rechtem Verständnis keine Erfüllung finden. Du wirst aus dem Irrgarten verworrener Auffassungen nicht herausfinden, solange Du Dich noch in Furcht der WTG, anstatt allein Deinem Gott in Demut unterwirfst. Ein umfangreiches Bibelzeugnis hat, wie Du selbst gesehen, die Schuld der Irreführung an mehr als einer Million gläubiger Menschen aufgedeckt und damit den Nachweis erbracht, daß der WT-Kanal nicht göttlich befugt und Deine Furcht vor den Wachtturm-Urteilen völlig unbegründet ist.

Laßt uns dessen versichert sein: Auch für die erhabenen WT-Fürsten kommt die Stunde der Abrechnung und des Gerichts. Spätestens bei seiner Wiederkunft wird Jesus Christus ihre Maske religiöser Frömmigkeit endgültig entfernen, hinter der sie ihre wahren Absichten verbergen. Dann wird jeder das wahre Gesicht der WTG-Körperschaft erkennen können, und vorbei wird es sein mit jeder Verleumdung und Irreführung. Wie erbärmlich klein und verachtet wird sie dann dastehen, die jetzt so stolze und mächtige, sich selbst verherrlichende Wachtturm-Gesellschaft! Welch ein unrühmliches Ende!

Darum vertraut nicht auf die Wachtturm-Fürsten, bei welchen keine Rettung ist. Wenn ihr Herrschergeist ein Ende hat, gehen auch all ihre Pläne zugrunde. Doch das Wort bleibt als Wahrheit bestehen:

Es ist besser, auf Jehova zu trauen,

als sich zu verlassen auf den Menschen.

Es ist besser, auf Jehova zu trauen,

als sich zu verlassen auf Fürsten." Psalm 118:8,9.

Weltkommunismus, wie Gott ihn beurteilt?

Neue antikommunistische Hetze im WT

Mit dem WT vom 15. Nov. 1966 inszeniert die WTG wieder eine neue antikommunistische politische Kampagne. Angeblich ist es Gottes Urteil, welches da kundgetan wird. Sicherlich wird das noch nicht in allen Versammlungen auf der Tagesordnung stehen. Insofern sollen diese Darlegungen die Brüder allenthalben warnen und wappnen, sagt doch die Schrift: "Freude hat jeder an der treffenden Antwort seines Mundes, und ein Wort zu rechter Zeit, wie wertvoll ist das!" Spr. 15:23 Me.

Blut, Tod und Vernichtung

Hören wir uns den WT zuvor an: "Wie beurteilt Gott den Weltkommunismus? In einer Vision gab Gott dem Apostel Johannes seinen Standpunkt über die Angelegenheiten der Erde, die Umwälzungen und ihre Ergebnisse bekannt, indem er ihn sieben Engel sehen ließ, die aus den Himmeln nach der Erde hin sieben Plagen ausgossen. Wir behandeln hier die zweite Plage. Johannes berichtet: Und der zweite Engel goß seine Schale in das Meer aus. Und es wurde zu Blut wie von einem Toten, und jede lebende Seele starb, ja alles, was im Meer war." Offenb. 16:3. Der WT fährt fort: "Gott kennzeichnet den Kommunismus und die radikalen Elemente, indem er, von seinem Standpunkt aus gesehen, vom Blut eines Toten spricht, etwas, was man gewiß nie berühren oder nicht einmal anblicken möchte. Christliche Diener Gottes, Jehovas Zeugen haben sich auf den gleichen Standpunkt gestellt. Sie haben den Standpunkt Gottes erkannt, der in der zweiten Plage … zum Ausdruck kommt. Sie haben den Kommunismus und radikale, revolutionäre Bewegungen so verabscheut, als ob diese tot und den Tod herbeiführend wären … haben Jehovas Zeugen daran beteiligt, diese Plage über dm Weltkommunismus zu verkündigen. Die kommunistischen Führer werden durch die Tatsache, daß die Menschen dies erfahren, sehr gequält … was ihre Vernichtung unausbleiblich macht." Seit 1879 hätten Jehovas Zeugen so gegen den Kommunismus verkündigt. (WT 15. 11. 66, S. 676-679, Wiesbaden)

Die WTG scheut sich nicht, im gleichen Atemzug auf Seite 678 des WT auf ihre Resolutionen von 1956/57 an die Sowjetregierung (WT 15. April 1957) hinzuweisen, in denen sie gegen die Bekämpfung der WTG in der Sowjetunion protestierte mit der Behauptung, die Zeugen Jehovas hätten sich in keiner Weise irgendwie politisch betätigt, sie seien politisch völlig neutral und daher gänzlich unschuldig.

Sie "quälen die kommunistischen Führer", verkünden und verbreiten Abscheu gegen Kommunismus und Revolution und predigen deren angeblich unausbleibliche Vernichtung sie sind aber in keiner Weise irgendwie politisch! Ist das nicht in Wahrheit politische Heuchelei? Brüder und Schwestern, erkennt ihr wirklich nicht, wie die Wahrheit hier Kopf steht und ihr politisch im Namen Gottes mißbraucht werdet?

Nun zum zitierten WT-Antikommunismus. Sehen wir von der Offenbarung ab, die hier sowieso wieder vergewaltigt ist, wie wir gleich erkennen werden. Der antikommunistische WT-Ton gleicht in Worten fast der Phraseologie der Faschisten vom Schlage der Goebbels, Himmler und Hitler, die auch nichts anderes im Sinn hatten als Kommunismus und Kommunisten vernichtet zu sehen. Nur schwangen die außer dem "Schwert ihres Geistes" ihre physischen Vernichtungswaffen Sie füllten selbst die Massengräber mit Juden und Kommunisten. Allerdings ist die WTG der Ansicht, die "auferstandenen Gesalbten" aus ihren Reihen würden "in Harmagedon am Vernichtungswerk teilnehmen", und so die Kommunisten mit abschlachten helfen. (WT 15. Dez. 1956, Fragen von Lesern, K. R. Vereinigte Staaten).

Ist das nicht schon religiös-politischer Wahnsinn? Begreift, Brüder, zu was für einer neuen rücksichtslosen antikommunistischen Politik die WTG euch unter religiösem Panier wieder drängt!

Aus den Händen des Herrn?

Gott hat mit der zweiten Plage in Offenb. 16:3 den Kommunismus beurteilt? Das ist ganz grobe politische Bibelvergewaltigung! Hört, was mit der zweiten Plage alles schon von der WTG im Namen Jehovas angestellt wurde.

1917, als in Rußland unter Führung der Kommunistischen Partei die große Oktoberrevolution erfolgte, veröffentlichte die WTG ihre erste Plagenauslegung, Man staune, was angesichts dieser Revolution die Erfüllung der zweiten Plage war: Die Veröffentlichung des zweiten Bandes der WTG-Schriftstudien im Jahre 1889 mit den "Beweisen", daß 1914 Harmagedon zu Ende ist! Diese Plagenauslegung wurde im 7. Band Schriftstudien 1917 veröffentlicht. Die widerspruchsvollen Jahreszahlen störten die WTG nicht.

Im Vorwort des 7. Bandes heißt es: Dieses Buch kann mit Recht als ein von Pastor Russel hinterlassenes Werk angesehen werden. Weil gerade ihm der Herr den Schlüssel gab, ihm wurde das Vorrecht gegeben, der Kirche in ihren letzten Jahren das 'Geheimnis Gottes' klar zu machen, ihm wurde das Vorrecht zuteil, aus den Händen des H e r r n den Hausgenossen des Glaubens Speise zur rechten Zeit zu überbringen" (S. 8). Aus den Händen des Herrn also stammte die Deutung der zweiten Plage im 7. Band! Nichts weist hier auf den Kommunismus hin, obwohl zur gleichen Zeit 1917 in Russland das Volk mit der Kommunistischen Partei siegte. Band 2 der Schriftstudien, die Plage selbst, besagte sogar, daß der Kommunismus ein Mittel Gottes ist! (S. 39)

Sie sangen und hüpften vor Freude

1930 offenbarte Jehova der WTG angeblich neues Licht. Es erschien in den Büchern LICHT I, II. jetzt auf einmal hieß es über die zweite Plage:

"Der Anfang der Ausgießung der zweiten Schale greift zurück auf den 25. August 1923, als anläßlich einer Hauptversammlung des Volkes Gottes in Los Angeles die-Resolution EINE WARNUNG angenommen wurde … Die Schale wurde auf das Meer ausgegossen … Es wurde zu Blut wie von einem Toten … Das Volk fing an zu begreifen, was für eine Gesellschaft von Heuchlern diese Geistlichkeit und ihre Verbündeten eigentlich sind und daß ihre Lehren gar keine lebengebende Kraft enthalten." (Licht II S. 23) Mit anderen Worten, die zweite Plage war jetzt eine Resolution von 1923 gegen die Geistlichkeit.

Im Vorwort zu dieser neuen Offenbarungsdeutung heißt es: "Jedoch ist vor 1930 keine befriedigende Erläuterung der Offenbarung veröffentlicht worden, und zwar aus dem offensichtlichen Grund, weil Gottes Zeit noch nicht gekommen war … Mit dankbarem Herzen Gott gegenüber veröffentlichen wir nun LICHT, worin der Text der Offenbarung und eine kurze Aufzeichnung der Geschehnisse, die die Erfüllung dieser herrlichen Prophetie b e w e i s e n, vorgelegt werden. Für das, was hierin veröffentlicht wird, ist keinem Menschen irgendwelche Ehre oder Verdienst zuzuschreiben Die Offenbarung gehört Gott.'

Daß die erklärte Einstellung gegenüber Gott nicht ehrlich war, zeigt nicht nur die nun verworfene Erklärung im Vorwort des 7. Bandes Schriftstudien, daß man diese Auslegung auch aus der Hand Gottes habe. Ruhmsüchtig und ehrsüchtig ließ Rutherford im WT vom 15. Juni 1931 Nr. 12, S, 192, einen Brief von Br. J. Bohnet aus Michigan USA veröffentlichen, worin es heißt: Lieber Bruder Rutherford! … Bruder Du, warst nur der Amanuensis (literarische Gehilfe) bei der Herstellung von LICHT, Jehova ist sein Autor, wie das Buch auch selbst erklärt. Wie könnten wir es unterlassen, zu singen und vor Freude zu hüpfen?'

War die neue Plagenauslegung glaubwürdig? Jedenfalls wurde sie geglaubt. Die Resolution von 1923 hatte tatsächlich gewisse Geistliche geärgert und geplagt, wie auch der 2. Band Schriftstudien eine Plage für manchen war. Die Tatsachen stimmten also, und doch war es Bluff. Denn der Zusammenhang zwischen ihnen und der Schrift wurde von der WTG konstruiert.

Nun haben wir seit 1963 die 3. derartige Konstruktion vor uns, diesmal eine antikommunistische. Sie wurde erstmals in dem neuen WT-Buch BABYLON DIE GROSSE IST GEFALLEN (1963) veröffentlicht. Wieder heißt es im Vorwort "Auf diese Weise können wir bestimmt erfahren, wie G o t t das Geheimnis Babylons . . . e n t h ü 1 1 t " (S. 8). Das dritte Mal und wieder anders! Wer soll das noch glauben? Sagt nicht die Schrift: "Wenn das, was ein Prophet im Namen Jehovas verkündet, nicht eintrifft und nicht in Erfüllung geht, so ist das ein Wort das Jehova nicht geredet hat, in Vermessenheit hat der Prophet es ausgesprochen, Sollte sich aber ein Prophet vermessen, in meinem Namen etwas zu verkünden, was ich ihm nicht geboten habe, ein solcher Prophet soll sterben". 5. Mose 18:20-22. Das ist ein eindeutiges Urteil über die WTG. Zweimal ist bewiesen, daß sie hier im Namen Jehovas redete, ohne das Gott es geboten hat. Und auch das dritte Mal geht sie mit ihrem Antikommunismus über die Schrift hinaus (l. Kor. 4:6) und in gefährliche geistige Nähe mit den Faschisten.

Was ist zu, tun?

Lest den Satz noch einmal: "Jehovas Zeugen haben sich auf den gleichen Standpunkt gestellt". Das heißt, die WTG spannt jeden Verkündiger einfach vor ihren neuen antikommunistischen Karren. Wer will sich auf solch willkürliche Weise erneut mit fadenscheinigen Bibelauslegungen in einen sinnlosen religiös-politischen Kampf gegen die sozialistische Ordnung treiben lassen der Christen in Wirklichkeit "um des Herrn willen untertan" sein sollten? (l. Petr. 2:13).

Brüder und Schwestern in den Versammlungen! Ihr seht, wie die WTG wieder gefährliche politische Auseinandersetzungen heraufbeschwört! Ob ihr wollt oder nicht. Es ist darum nötig, die Dinge ein für allemal zu klären. Wir hoffen, daß dieser Beitrag eine kleine Hilfe dabei ist. CV ist die Schrift, die euch offen und freimütig dies kund tut.

Die neue Plagenverkündigung ist ein gefährliches Politikum! Keiner falle auf diese Konstruktion herein! Verlangt von der WTG die unfrisierte Veröffentlichung aller früheren Konstruktionen im Namen Jehovas, nur so könnt ihr die Wahrheit erkennen! Faßt Mut, den guten Kampf des Glaubens für eine reine und politisch unbefleckte Anbetung in den Versammlungen zu kämpfen! CV ist da ein treuer Gefährte.

CV wird in den Versammlungen gelesen!

Wir erfahren, wie lebhaft die Verkündiger an den Fragen interessiert sind, die in CV aufgegriffen werden. Läßt doch die WT-Gehorsamsforderung weder echten freier Meinungsaustausch noch echte Erörterung der Probleme zu, die überall in den Versammlungen aufbrechen. Nehmt nur ein beliebiges Jahrbuch. Als wenn es überall nur begeisternde Erfahrungen gäbe! Nichts als Schönfärberei von der WTG-Leitung.

In Wirklichkeit ist überall Beunruhigung. In Brooklyn wurde der oberste WT-Jurist, Br. H. C. Covington, ausgeschaltet. 1964 mußte Zweigdiener Frost wegen seiner Gestapodienste die WT-Redaktion niederlegen. Die Gestapodienste von Zweigdiener Franke werden in den USA und in Kanada bekannt. In den Versammlungen ein neues Endzeitfieber im Hinblick auf 1975. Eine Schwester in der Schweiz, die 10 Jahre Pionier war, bricht unter der ständigen geschickten psychologischen Antreiberei der Gesellschaft zusammen. Ihr Buch HIRTEN OHNE ERBARMEN erregt in ganz Westeuropa Aufsehen! Selbst leitende Brüder der Untergrundorganisation sind weder bereit noch willens, den WT-Antikommunismus zu vertreten! So wurde z. B. vor einiger Zeit einem Gegenddiener (Kreisdiener) der neueste antikommunistische WT-Hetzartikel "Weltkommunismus, wie Gott ihn beurteilt" (15. Nov. 1966) vorgelegt mit der Bitte um richtungweisende Stellungnahme. Er antwortete den Brüdern nichts weiter, als das sei eine "Betrachtung" der Sache. Eine Betrachtung kann aber richtig oder falsch sein. Trotzdem weigerte sich der Bruder, weiter Stellung zu nehmen. Müßte er aber nicht vertreten, was der WT sagt? Sicher wollte er die Brüder nicht in folgenschwere politische Probleme stürzen, redet doch der WT in einer antikommunistischen Tonart wie, einst Goebbels und Hitler. In den traditionellen WT-Ländern USA, Kanada, England und Deutschland geht die Verkündigerzahl zurück. Man spricht von einer Verlagerung, des Verkündigungsschwerpunktes nach Asien. Gilead bildet aus in Japanisch und Chinesisch. "Lange verzögerte Hoffnung macht das Herz krank" Spr. 13:12. Diese Krankheit greift in Europa und Nordamerika unter den Geschwistern unheimlich um sich. Sie sind zu lange hingehalten worden,. In Asien glaubt man neu anfangen zu können, ohne einen durch die früheren Irrlehren und Irrtümer belasteten Geschwisterstamm niederhalten zu müssen. Die neue 1975-Verkündigung scheint ein letztes Aufpeitschen zu sein. Schließlich stellte Zweigdiener Franke bei jüngsten Besprechungen auf Kreisversammlungen in Westdeutschland fest, daß inmitten der mit WT-Literatur buchstäblich überfütterten Organisation ein Teil der Brüder geistig verhungert"! Weshalb? Ihr wißt es bestimmt.

Das ist nur ein kleiner Teil der Probleme, liebe Brüder und Schwestern, die der WT nicht klärt, sondern mit der Kreisversammlungslosung "Gehorsam, Geduld und Dienstbereitschaft" zu beseitigen sucht. Zuviele Irrwege sind jedoch schon in Gehorsam, Geduld und Dienstbereitschaft gegangen worden! Man betrachte allein das Hoffen und Harren auf die Jahreszahlen 1914, 1925, 1972 und nun 1975! Immer geschah es im Namen Jehovas, immer war es sein Licht, und doch war es immer Irrtum. Wer wacht da nicht, mit der Zeit auf?

Gehorsam, Geduld und Dienstbereitschaft fordert die Gesellschaft Sollte nicht auch der kriminelle Ost-West-Geldschmuggel im Gehorsam gegenüber der WTG eine bittere Erfahrung sein, endlich mit bedenkenlosem Gehorsam, harrender Geduld und bedingungsloser Dienstbereitschaft für die WTG Schluß zu machen? Wir setzen den Forderungen der WTG das Wort der Schrift entgegen: "Vergewissert euch aller Dinge"! 1. Thess. 5:21. Vielen Brüdern und Schwestern ist CV dabei nun schon zu einem unentbehrlichen Helfer und Wegweiser geworden. Die vorangegangene Aufzählung eines kleinen Teils der Probleme zeigt, wie aktuell CV ist. CV ist ständig sozusagen hinter den WT-Kulissen! Beobachten, wachsam sein und nachdenken ist das Gebot der Stunde.

Dabei geht es uns jedoch allein um die Sache, nicht schlechthin um Personen. Wenn wir Namen nennen, so nur, weil dadurch die Sache, das WTG-Werk, charakterisiert wird. Aber auch nur, weil sich solche Personen anmaßen, im Namen Jehovas zu reden und zu handeln, von ihm eingesetzt zu sein, und weil sie behaupten, Kritik an ihrem Reden und Handeln sei Kritik an Jehova. "Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott!" WT 1. August 1956 S. 474. Wer sind die Männer in Brooklyn um Präsident Knorr, daß sie so etwas behaupten können? Es geht um den Nachweis, das das WTG-Werk nur Menschenwerk ist. Wir wissen, daß auch die leitenden' WT-Brüder unvollkommene Menschen sind. Ihre persönlichen Schwächen und Fehler interessieren uns nicht, sagt doch die Schrift, "wer Liebe sucht, deckt Verfehlungen zu" Spr. 17:9. Es ist aber etwas anderes, der Gestapo bei ihrem Morden Handlangerdienste geleistet zu haben und sich dann als geprüft und erprobt und von Jehova eingesetzt hinzustellen, wie es Zweigdiener Franke tut und Zweigdiener Frost getan hat. Das kann man nicht zudecken, sagt doch die Schrift andererseits, daß wir "heuchlerisches Gebaren von Lügenlehrern, die ein Brandmal der Schuld im eigenen Gewissen tragen", zu erwarten haben, und wenn du dies den Brüdern vorhältst, wirst du ein trefflicher Diener Christi Jesu sein". 1. Tim 4:2,6.

Wir wünschten von Herzen, die Brüder würden den verderblichen politischen Kurs des Antikommunismus und ihre religiösen Anmaßungen aufgeben. Sagt doch die Schrift: "So kommt denn her, wir wollen miteinander rechten, spricht Jehova. Wenn eure Sünden auch so rot wie Blut sind, sollen sie doch weiß werden wie Schnee." Jesaja 1:18. Aber sie sagen stattdessen: "Der Wille des Sklaven ist der Wille Gottes"! WT 1. August 1956 S. 474. Sie machen sich Gott gleich, ist die praktische Bedeutung. So kann man leider mit ihnen nicht reden. Deshalb: Bleibt wach, steht fest im Glauben, benehmt euch wie Männer, werdet kraftvoll." 1. Kor, 16:3 (NW).

Ich wollte nicht wie ein Mietling nach dem Westen flüchten!

Ein VD aus Magdeburg berichtet

Nach dem Kriege suchte ich Wahrheit und Gerechtigkeit. Nachdem ich mir dieses und jenes angehört hatte, bot sich mir eines Tages im Jahre 1950 eine Verwandte an, mir zu helfen. Sie erzählte von den Bibelforschern, und daß man da das finden würde, was ich suchte. Sie lud mich ein zu den Zusammenkünften im Bibelhaus. Ich ging dort hin, und man nahm sich meiner dort an. Ich hatte sehr viele Fragen. Zuerst, was ist Euer Ziel? Das ist die "neue Welt". Wie ist das zu verstehen? Nun, diese alte Welt geht in Kürze zu Ende, und eine neue Welt unter der Herrschaft Jesu wird an die Stelle treten. Es wird dann Gerechtigkeit und ewiger Friede sein. Woher wißt Ihr das so genau? Aus der Bibel, dem Worte Gottes. Nun, ich habe auch viel Bibel gelesen, aber noch nicht gefunden, daß das Reich Gottes unmittelbar vor der Tür steht. Und doch ist es so. Wenn Sie Matth. 24, Luk' 21 und Mark. 13 lesen, werden Sie das bestätigt finden, und wir als ernste Bibelforscher haben erkundet, daß die alte Welt bereits 1914 zu Ende ging und Jesus seit dieser Zeit unsichtbar herrscht. Wenn Sie an diesem allem interessiert sind, so besuchen Sie regelmäßig unsere Versammlungen. Es wird Ihnen eine große Hilfe sein. Muß man da Mitglied werden, und wie hoch ist der Beitrag? Wir haben keine Mitglieder und erheben auch keine Beiträge. Das gibt es doch gar nicht. Es muß doch irgend eine Unterlage da sein, und wer finanziert das alles? Es ist so, lieber Freund, wir finden uns in Geist und Wahrheit zusammen, das ist unser Mitgliedsausweis Da brauchen wir keine Mitgliedsbücher oder Abzeichen. Mir ist aber erinnerlich, daß man früher einmal Abzeichen trug, Kreuz und Krone. Ja, das stimmt, das war, am Anfang, haben dies aber als weltlich erkannt und dann sein lassen. Uns bindet und weist aus unser Gerechtigkeitssinn und unsere Wahrheitsliebe. Und mit den Beiträgen? Gibt es nicht. Wer etwas geben will, spendet es in die Kasse der Guten Hoffnung. Wie wird es verwendet, und wann wird über die Einnahmen Bericht gegeben? Die Gelder werden für die Mieten der Königreichssäle und für Bücher und Literatur zur Verkündigung des herbeigekommenen Reiches Gottes verwendet. Verwaltet wird das Geld von einem Bruder. Überschüsse werden an den Sitz des Werkes in Brooklyn abgeführt. Kommt da so viel Geld ein? Ja, bei uns wird alles kostenlos getan, aus Liebe sozusagen, deshalb sind die Ausgaben gering. Da muß am Ende doch ein ganz schönes Kapital zusammenkommen? Wie hoch beläuft sich z. Z. das verfügbare Kapital? Das kann ich nicht sagen, es wird in Brooklyn von der Leitung verwaltet, und wir haben Vertrauen zu denen, die letzten Endes Gott dafür verantwortlich sind.

Um dies alles lernen zu können werde ich öfter zu Ihren Versammlungen kommen. Das ist erfreulich, und wenn es Ihnen recht ist, werden wir Sie betreuen und Ihnen weiter helfen.

Nach solchen Unterhaltungen begann meine Zeugentätigkeit. Man gab sich sehr viel Mühe mit mir. Die Betreuung wurde gut durchgeführt, und ich wurde ein eifriger Verkündiger. Als das Verbot am 31. August 1950 kam, war ich Bruder. Viele von den alten Brüdern gingen in Haft. Uns wurde gesagt, wegen ihres Glaubens, und wir glaubten dies auch, denn wir hatten noch nicht hinter die Kulissen gesehen. Ich blieb deshalb eifrig, denn ich wollte ja nicht zurückstehen. Ich besuchte alle Kongresse nach 1950, Berlin, Dortmund, Nürnberg usw., immer in dem Glauben, wir täten damit ein gutes Werk für Gott und die Brüder.

Auf Grund meines Eifers wurde ich Kurier nach Westberlin und holte dort Literatur und Anweisungen. Von hier aus wurde die illegale Tätigkeit geleitet mit einem Unterschied. Alle, die in Westberlin in der Zentrale saßen, waren in Sicherheit und konnten uns gute Ratschläge erteilen, sie hatten ja nichts zu verantworten. Wie war es aber bei uns? Wir wußten nie, ob wir wieder zu unserer Familie zurückkehren und ob unser Handeln richtig war. Die Brüder dort bejahten dies wohl, aber war es nach der Schrift richtig? Weshalb wurden wir verboten? Darauf gab es nie eine zufriedenstellende Antwort. Wir vertrauten weiter auf die Brüder und glaubten, ein gutes Werk für den Herrn zu tun.

Jedoch im Inneren gab es Gewissenskonflikte. Diese wurden stärker, als mich eines Tages ein Bruder aufsuchte und mir mitteilte, daß man im Bibelhaus in Berlin-Charlottenburg die Adressen aller Kuriere der DDR erlangt hätte und unsere Verhaftung nun bevorstünde. Man hat mir aber von Anfang an gesagt, daß man keine Listen über die Brüder führe. Das war also Unwahrheit gewesen. Mir wurde der Rat erteilt, mich sofort und so schnell wie möglich nach dem Westen abzusetzen. Dort wisse man Bescheid.

Jetzt fielen mir die Schuppen von den Augen. Wie war so etwas möglich? War es Verrat, Mangel an Aufsicht? Leichtsinniges Aufbewahren? Oder gar eine von der Leitung in die Wege geleitete Handlung, um Märtyrer zu haben? Der Bruder, der mir die Nachricht überbrachte und alles genau schilderte, war sehr erregt und wußte keine Erklärung. Ich frug ihn: Warum jahrelang Kartotheken anlegen, wenn uns doch Geist und Wahrheit binden und ausweisen? Kommt dies nicht jedem anderen Verein gleich, der die Namen benötigt, damit sich alles geschäftsmäßig abwickelt? Wo ist das uns immer gesagte Vertrauen auf den Herrn? Wie will man den betroffenen Brüdern gegenübertreten? Welche Erklärung hat man zur Hand? Ich muß sagen Unverantwortlich Der Bruder konnte keine Antwort geben und meinte nur: Das beste ist, Du fliehst!

Für mich war nun eines klar. Alle Brüder, die jetzt fliehen, sind Feiglinge und stehen nicht zu Gottes Wort. Die Liebe liegt im Ausharren und nicht im Davonlaufen. Weiter muß ich sagen, daß dies der größte Hochverrat seitens der Leitung an den Brüdern war. Dies werden sie nie wieder gutmachen können, werden das vielleicht auch nicht wollen. Trotzdem sind sie bereit, weiteres Unheil unter ihren Brüdern anzurichten, wie jetzt wieder in der DDR.

Wenn der Herr dies alles zugelassen hat, dann sicher zu dem Zweck, daß die Mißstände endlich erkannt und endlich aufhören sollen. Dieser Sumpf des Verrats, der Lieblosigkeit und Falschheit muß trockengelegt werden. Da ich nicht floh wie andere Brüder und meine Strafe verbüßte, die ich wegen illegaler Tätigkeit erhielt, durfte ich während meiner Haftzeit so manches erfahren. Als ich l959 wieder frei wurde, brach ich alle Beziehungen zu dem Verein ab. Kann es nur noch als einen schlechten Verein bezeichnen nach all den Erfahrungen von 1950 bis 1959.

Erfreut bin ich, daß jetzt eine Aufklärung unter den Zeugen bewirkt wird mit CHRISTLICHE VERANTWORTUNG, welche alle Zeugen, auch die Extremen, zum Nachdenken und Insichkehren bewegen sollte. Ich selbst kann das hier in CV Unterbreitete als wahr unterstreichen und empfehle Zweiflern, es nachzuprüfen.

Vieles wird es noch zu tun geben, bis alles offenbar geworden ist, was innerhalb der WTG geschehen ist und noch geschieht Ein jeder, welcher während seiner Zugehörigkeit etwas erlebt hat, was auch anderen eine Hilfe sein kann, sollte es an CV berichten. Mit Interesse verfolge ich CV und hoffe auf ein öfteres Erscheinen. Möchte meine Erfahrung manche träge Brüder anregen zum Nachdenken und zum Berichten ihrer Erfahrungen.

Aus eingegangenen Briefen

Aus dem Bezirk Potsdam: Ein unaufrichtiger VD

Besten Dank für CV-Zusendung. Wie sind wir doch getäuscht und betrogen worden und wie ist mit unserem guten Willen Raubbau getrieben worden. So hat unser damaliger V. D. geklagt und gestöhnt, er könne sich keine leichten Schuhe kaufen. Eine Interessierte und ich gaben ihm Geld. Am Sonntag darauf kommt seine Tochter und hat ein nagelneues Fahrrad, Preis 395 MDN. Teilzahlung gab es damals noch nicht. Ich war so verblüfft über diese Unverschämtheit, daß ich von da ab nichts mehr gab, denn meine Rente betrug damals 65 MDN. Doch nun kam der VD nicht mehr … Er warnte von nun an die Geschwister, mich mit Vorsicht zu behandeln, weil er sich erkannt sah. So ist es im Kleinen wie im Großen… Ich habe mich von der NWG gelöst, bin aber meinem Gott treu geblieben …

An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Dank für Deinen Bericht Auch ohne WTG kannst Du Gott treu bleiben.

Aus dem Bezirk Dresden:

Zu Deinem Schreiben "Christliche Verantwortung". Hoffentlich lesen es auch alle, die in der Organisation sind. Es ist doch sonderbar, daß die Zeugen immer noch Dich als einen Handlanger des Staates, oder deutlicher ausgedruckt als einen Spitzel betrachten, obwohl gerade diese Menschen noch nie eine Aussprache mit Dir hatten. Alles wird verurteilt und abgetan, wo Dein Name gezeichnet ist. Wir persönlich sind erstaunt, welche Dinge sich unter der Leitung der WTG abgespielt haben. Jedoch nicht dieses trieb uns aus der Organisation. Um der falschen Lehren willen schieden wir aus. Neugierig sind wir auf die nächsten Veröffentlichungen.

Diesen Geschwistern wünschen wir weiter ein erfolgreiches Studium im Worte Gottes und ein gutes Unterscheidungsvermögen zwischen Irrtum und Wahrheit. Erfreulich ist, das

Euch die Bibel allein genügt.

Aus Amerika: Bruder mit Erfahrung

… Hier in Amerika wird ja schon die Grundlage gelegt für ein neues Datum von Harmagedon, 1975, das Ende dieser Generation, die im Jahre 1914 begann. Mehr und mehr werden diese Gedanken in Reden und Besprechungen erwähnt. Du weißt ja schon, wie dieses fabriziert wird - erst eine laue Luft, - dann ein kleiner Wind, - dann stärkere Winde, - schließlich Wolken, - dann Donner und Krachen, - und dann - der große Sturm - - - alles im Gehirn der armen Zeugen Jehovas, hervorgebracht bei dem Zeus der Wachtturm-Götter Ich habe das schon dreimal in meinem Leben erlebt und kann jetzt den neuen kommenden Gehirnsturm des Wachtturms schon riechen …

Die Untergrundorganisation ein gefährlicher unkontrollierbarer Apparat

Ernennungen von oben - Tür und Tor geöffnet für Intriganten und Agenten

"… einen Bericht an Bethel mitzugeben. Deshalb werde ich nun versuchen, daß ein mir bekannter Bruder diesen Bericht auf dem Dienstweg weiterleitet." … Mit diesen Worten beendet Br. Paul S..., im November 1964 einen Bericht, der über etliche Bethelbrüder erst jetzt bekannt wird. Der Bericht beginnt:

"Liebe Brüder!

Außergewöhnliche Umstände in der Versammlung Eisenach zwingen mich heute dazu, einen umfassenden Bericht über die letzten 4 Jahre abzugeben. Ich bitte darum, dies als Präzedenzfall zu behandeln und zu regeln …

Am 3. Juli 1953 wurde ich getauft und somit Zeuge Jehovas, denn von diesem Tage an habe ich mit ganzem Herzen für ihn gearbeitet. Ein Jahr später, im Sommer 1954, wurde ich als VD eingesetzt. Die älteren Brüder hatten dieses Dienstamt abgelehnt, nachdem einige Verhaftungen erfolgt waren. Der KD Br. Gerhard Opitz (jetzt Kreisdiener, in Ulm/ Westdeutschland) war der verantwortliche Bruder, der alles geregelt und geleitet hat. (Kreisdiener G. Opitz ist über Schw. Dora Sonnenfroh, 79 Ulm-Söflingen, Kapellengasse 25, zu erreichen.)

Als die neue Versammlung nun zu arbeiten begann und alle anderen Dienstämter, außer 1 und 7, die ich innehatte, von Schwestern besetzt wurden, begannen einige in der Versammlung gegen mich zu arbeiten. Es waren die älteren Brüder. Br. Opitz ist Zeuge, denn er wollte schon damals auf Grund dieser Vorkommnisse die Versammlung teilen und die älteren Brüder für sich tun. Ich bat ihn, das nicht zu tun, und vertrat die Auffassung, daß doch jeder Zeuge Jehovas, jeder Bruder sich belehren lassen müsse, um das Gute zu tun. Dies sollte sich zu einem großen Trugschluß entwickeln.

Im Februar 1955 wurde ich verhaftet, und im November 1960 kam ich wieder nach Hause. Viele Brüder lernte ich kennen, und glückliche Stunden wurden verlebt in der Abgeschiedenheit. Ich möchte nur einige nennen, die nicht mehr hier sind. Werner Geyer, z. Z. im Kreisdienst, Harald Köhler, z. Z. Wiesbaden,

Als ich aus der Haft nach Hause kam, fuhr ich zunächst zum Bruder Geyer ins Bethel. Schon in der folgenden Woche nahm ich den Dienst auf und begann auch, andere systematisch zu schulen. Nach einer Aussprache mit dem EINEN, Br. R., war er bereit, die Dienstversammlung wieder einzuführen, die Studien neu zu organisieren, wieder Br.-Besprechungen durchzufahren usw., was bisher nie getan wurde. Er sagte mir, das er dies nicht tun könne, so erledigte ich diese Arbeiten und legte sie ihm fertig, vor und gab Ratschläge und Hinweise.

Hierüber äußerte sich der ältere Br. Sch sowie die Schw. A. sehr negativ … Die Schw. A. bezeichnete mich als einen, der sich vordrängt, und meinte, daß in Eisenach kein Felddienst mehr erforderlich sei. Der Br. Sch. wurde aufgefordert, sich auf dem Berichtsweg zu beschweren, daraufhin antwortete er: Ich brauche den Berichtsweg nicht, wenn ich mich beschweren will, habe ich andere Wege! Außerdem bezeichnete er einen dienenden Br. in Eisenach als besseren Interessierten und bemerkte, daß er jeden, der in sein Studium käme, um die erforderlichen Besuche durchzufahren hinauswerfen außer dem EINEN. Diese offene Auflehnung gegen die bestehende Ordnung wurde merkwürdigerweise von höheren Stellen gestützt … Trotzdem war nach einem Jahr dank dem Segen des Vaters alles wieder aufgeblüht und von einem anfänglichen Stand von etwa 20 Verk. 80 Std. 6 Hbst. auf etwa 40 Verk. 350 Std. und 23 Hbst. angestiegen. Um die Jahreswende 1961/62 wurde mir dann von Br. R. aus Steinbach-Hallenberg mitgeteilt, daß ich als sein Vertreter über 6 Vers. eingesetzt worden bin … Er gab mir die Nummern der 6 Vers. und stellte mich mehreren VD vor und beauftragte mich, die Vers. Bad Salzungen und Eisenach besonders zu betreuen …

Aufruhr in Eisenach unterdrückt

Br. S... fährt in seinem Bericht dann fort: "Am 15. 10. 64 wurde bekannt, daß mehrere Br. und Schw. in Eisenach über folgendes unterrichtet worden waren: 1. Alle Br. in Eisenach sind ihrer Dienstämter enthoben. 2. Sollten diese Br. zu euch kommen, so schickt sie weg. 3. Nehmt keine Literatur an, denn die Vers. Eisenach ist aufgelöst, die Literatur, welche die Br. bringen ist nicht echt. Dabei wurde vom Überbringer der Nachricht darauf hingewiesen, keineswegs jemandem davon zu sagen, außer den Personen, die von ihm genannt wurden."

Nachdem Br. S... bei einer Schw. vergeblich versucht hatte, die Sache aufzuklären, schreibt er weiter: "Daraufhin ging ich zum Br. E., von dem die Nachricht innerhalb der Vers. verbreitet worden. Dieser tat zunächst auch ziemlich kühl und sagte, man könne kein Vertrauen mehr haben, besonders gegen. den EINEN. (Das gleiche hatte die Schw. betont.) Auf meine Frage wer, was, wieso gab er keine Antwort mehr. Daraufhin sagte ich zu ihm: Die Vers. hat Anklage gegen dich erhoben gemäß Rö. 16:17 'Brüder, ich ermahne euch, jene unter euch zu beachten, die Spaltungen hervorrufen … und diese meidet!' sowie 1. Kor. 5:11 'Nun aber schreibe ich euch, keinen Umgang mehr zu haben mit jemanden der ein Br. genannt wird und ein Hurer, Dieb, Trunkenbold, V e r 1 e u m d e r oder Erpresser ist, und daß ihr nicht mit ihm an einem Tisch sitzt!' auf diese Dinge steht Gemeinschaftsentzug: jetzt wurde er plötzlich blaß und war bereit zu sprechen, aber erst nächste Woche, er müsse sich erst informieren! Darauf sagte ich nein, heute noch mußt du dich verantworten. Nun kam er endlich mit der Sprache heraus und sagte, was schon angeführt wurde. Auf meine Frage welcher Br. ihm das mitgeteilt habe, schwieg er weiterhin, er habe sein Wort gegeben. Daraufhin sagte ich: ich weiß es sowieso, woher es kommt! (obwohl dies nur eine Schlußfolgerung war). Er sagte, dann, sage du es bitte. Ich antwortete P. K. aus Brotterode. Er sagte: ja, dieser war es. Im Laufe der Gespräche nannte er den Namen dann öfters.

Einige Stunden später wurde er vom Komitee verhört. Er bestätigte alles wie bereits angeführt und nannte die Namen derer, die er unterrichtet hatte, wie ihm gesagt worden war. U. a. sagte er noch, daß der Br. K. mit dem Br. R. von hier nicht mehr sprechen möchte: In Anbetracht der Tatsache, daß der Br. K. einen guten Ruf in Eisenach hatte und auch mit Br. E. schon Jahre bekannt ist, sprach das Komitee nur eine Ermahnung gegen den Br. E. aus mit der Auflage von einem Jahr, um zu beweisen, daß er in Zukunft die Anweisungen der Mutter gehorsam beachtet und kein Aufruhr wieder entstehen kann. Die anderen wurden ebenfalls ermahnt."

Schon in einem geistigen Paradies?

Der WT nennt den Zustand der Organisation so. Doch man sieht Intrigen unter den Alten und Jungen, Gegeneinanderarbeiten, Trugschlüsse, Erpressen von Geständnissen, Wortbruch, bis man sich, nicht einmal mehr anspricht. Das liest man allerdings im Jahrbuch nicht, da ist eitel Schönfärberei anstatt wahrheitsgemäßer Berichterstattung.

Versammlungen entmündigt

Am 3. Juli 1953 wurde Br. S... bei Eisenach in einem Gewässer getauft. 1954 wurde er VD. Ernennung von KD O.... Aus der Bethel-Registratur geht hervor, daß er am 3. 2. 1955 verhaftet wurde. Aber nicht wegen seiner VD-Tätigkeit Sein Gebietsdiener Heinrich M... ... war der Meinung, daß er als Agent des Gehlen-Geheimdienstes verhaftet wurde. Die Br. G... und K..., die er in der Haft kennenlernte, wußten das auch. Das Bethel war unterrichtet. Am 20. 1. 62 wurde er laut Bethel-Registratur wieder zum stellv. VD von Eisenach ernannt Br. G... war seit 1957 Bethelmitarbeiter, Br. K... ist es noch 1964. Für das Bethel war die Hauptsache der Erfolg, und Br. S... bewirkte ihn, wie die Zunahme in Eisenach zeigte. Er war dabei auch nicht zimperlich, wenn es galt, Aufruhr zu unterdrücken und Verhöre durchzuführen. Ärgerlich, daß der Schw. A. sein Drängeln nach Dienstämtern auffiel. Daß er Gehlen-Geheimdienstagent war, stimmte natürlich nicht. Allein schon solcher Verdacht aber durfte in der Versammlung nicht aufkommen. Möglicherweise käme man auf die richtige Spur. Noch schützte ihn der Segen des Herrn, wie er in seinem Bericht seine Diensterfolge darstellte. Aber auch andere Berichte trafen im Bethel ein: "Verdächtig und undurchsichtig sind verschiedene Aussprüche, die seine Frau ihrer Mutter gegenüber aussprach, als sie sehr mit ihren Nerven zu tun hatte: Mutti, wenn du wüßtest, aber ich darf es dir ja nicht sagen. Die gegenseitige Überwachung funktionierte.

Doch es hieß dann: "In den Zusammenkünften wirkt er auferbauend."

Fortsetzung folgt, Eingesandt für CV von A. Z.

A 3166/67 V 18 6

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