Annotationen zu den Zeugen
Jehovas
Der "liebe" Bruder Russell
In der CV 139 gelesen (etwas gekürzt):
"Er war einer der Pioniere in der
Entwicklung der erfolgreichen Idee von Ketten-Geschäften, die seitdem viele Männer
bereichert hat. Kaum hatte er das Jahr seines Erwachsenseins hinter sich, war er eine
Viertelmillion Dollar wert. Sein Wohlstand vermehrte sich sprunghaft. Dies war in den
frühen 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Rockefeller war da national noch unbekannt. Die
bekannten Millionäre jener Tage konnten an den Fingern abgezählt werden. Russell befand
sich im Rennen nach kommerzieller Vorherrschaft. Keiner, der die Fakten kannte, konnte
vernünftigerweise daran zweifeln, daß er der Rivale von John D. Rockefeller geworden
wäre um den Titel 'der Erde reichster Mann'. Dies war seine legitime Aussicht in dem
Alter von weniger als 25 Jahren".
(The Laodicean Messenger being the Memoirs of the Life, Works
und Character of That Faithfuil und Wise Servent of the Most High God, S. 6, 155f, 1923
Bible Educational Institute Chicago, III, USA A Memorial.)
Geheimfond in Gold, Dollar und
USA-Regierungs-Schuldscheine
"Unter der Direktion und Kontrolle von Russell wurde die
Gesellschaft der Depositar von Summen und Freunden. Ein Fünftel dieser Summen wurden
beiseite gesetzt als eine Stiftung für künftige Kontingente, die sich irgendwie
erforderlich machen. Er machte einen 'geheimen Platz' aus, irgendwo außerhalb des Bethel,
nur einer Person neben ihm bekannt. An diesem 'geheimen Platz' verbarg er sicher diese
Stiftung, meist in Gold, aber einiges in Münzen und Schuldscheinen der Vereinigten
Staaten.
Als Bruder Russell starb, gab es
niemanden, der irgendwas über diese Stiftung wußte, außer diesem vertrauten und treuen
Diener.
Im Sommer 1918, als die Brüder im Bethel überführt und ins
Bundesgefängnis gebracht wurden, packte dieser vertrauliche Diener die immense Summe Geld
in zwei Koffer und trug sie in derselben Nacht in eine andere Stadt.
Die Geldsumme war so groß, daß es nötig war, drei solche
Reisen zu machen. Sie bestand aus:
70 000 Dollar in Gold
30 000 Dollar in Währung
62 000 Dollar in Schuldscheinen der Regierung der Vereinigten
Staaten
Ein Total von 162 000 Dollar, die dem Präsidenten der
Gesellschaft (J. F. Rutherford Anm.) übergeben wurden, als er aus dem Gefängnis
kam". (The Laodicean Messenger
desgl
)
Indianer-Ausbeutung und Ölspekulant
In einer Geschichte der Indianer-Ölgesellschaft
"Pennsylvania Petrol Company", USA, wird berichtet, daß in den 80er Jahren zur
Zeit der großen Erdölspekulationen im Osten der Staaten, als John D. Rockefeller seine
"Standard Oil Company" gegründet hatte, auch ein "junger
Sektenführer" aus Pennsylvania an der Ausplünderung der Indianer verdienen und sein
Geschäft machen wollte.
In dieser Zeit waren die Bedingungen in den Indianerreservaten besonders katastrophal. Bei allen Überlebenschancen besaßen die Cherokee nur noch das bißchen Land, das ihnen verblieben war. Nach einem Gesetz des Staates Pennsylvania durfte Reservatterritorium nicht an private Hand veräußert werden. Skrupellos nutzt der "bibelgläubige Sektenführer aus Brooklyn" nach "amerikanischer Art" diesen Umstand aus und bot den Indianern einen illegalen Direktverkauf für eine lächerliche Summe an. Die Cherokees hatten damals keine andere Wahl. Obwohl dies eine kriminelle Transaktion war, würde man diesen Mann nie belangen. Zu viele hatten sich schon am Elend der Indianer gesundgestoßen.
Als jedoch die illegalen Spekulationen
dieses "religiösen Eiferers" enorme Ausmaße annahmen, wurden gegen ihn viele
Prozesse geführt, welche er zum Teil verlor. In einer Dissertation wird dazu folgendes
dargelegt:
1894 hatte Russell an einen Otto von Zech wertlose Ölaktien
verkauft, die für Zech einen Verlust von ca. 3 000 Dollar bedeuteten. Elmer Bryan (WTG),
berichtet über die Anklage gegen Russell;
Skrupellose Betrügereien mit dem Ölgeschäft. Ein Profitspekulant durch Kauf und Weiterverkauf von Ölquellen. Er hatte den Erfinder einer Öl-Veredlungsanlage, Mr. Dubbs, um ein Viertel seiner Geschäftsinteressen betrogen. Russell hatte das Geld aus dem Verkauf seines Geschäftsunternehmens in Ölquellen investiert. Seine betrügerischen Spekulationen:
Wenn die Ölpreise Anzeichen der Veränderung zeigten, verkaufte er Ölquellen auch auf noch nicht erwiesene Einnahmen hin. "Dies ist der legitime Gebrauch von Öl-Aktien", argumentierte er.
(The University of Chicago, Jehovas Witnesses. Eine Studie der symbolischen und strukturellen Elemente in der Entwicklung und Institutionalisierung einer sektiererischen Bewegung. Eine Dissertation, Abt . Sozialwissenschaften, Department Soziologie - Joseph Zygmunt, Chicago, Illinois, USA, 1967)
IM DIENSTE DES POLITISCHEN ZIONISMUS
Erst in den 90er fahren des vorigen Jahrhunderts, im Zuge der
beginnenden internationalen Expansion des nordamerikanischen Kapitalismus, erlangte die
WTG über ihre Begrenzung auf ein Winkeldasein in einigen USA-Bundesstaaten hinaus, eine
größere Bedeutung. 1881 hatte Russell etwa 100 Mitverbundene. 1885 nur etwa 300
Schriftenverbreiter. 1890 bloße 400 Aktive.
Russells große Stunde schlug mit dem Aufkommen des politischen Zionismus, ausgelöst durch die Judenverfolgung und Judenvertreibung des zaristischen Rußland in den 90er Jahren. Es drohte eine Millionenwanderung von Juden in das liberale Amerika. Hier wurden internationale Propagandisten gebraucht, um diese Juden im Interesse der US-imperialistischen Orientierung auf die Ölgebiete des Nahen Ostens zu bewegen, nach "Zion", d.h. Palästina auszuwandern, um dort einen eigenen Staat zu begründen .... In diesem Zusammenhang macht Russell 1891/92 seine erste Weltreise über Dänemark, Deutschland und Österreich ins damalige südrussische Zionistenzentrum Kischinew und weiter nach Jerusalem/Palästina. "Diese Reise war der reale Beginn einer Kampagne, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die zukünftige Erbschaft des natürlichen Samens Abrahams (den Palästina-Anspruch der Juden, Anm.) zu lenken". Dies bestimmte dann auch Russells diesbezügliche Aktivität in den nächsten 20 Jahren. 1910 machte er nochmals eine Reise durch Rußland und Palästina, wo er "Vorträge vor Tausenden orthodoxen Juden über die Rückführung der Juden nach Palästina hielt". (The Laodicean Messenger S.109)
In New York arbeitete er mit den Spitzenkräften der jüdischen bzw. zionistischen Presse zusammen u.a. Dr. Jacobs, Herausgeber des Hebrew American, W. J. Salomon vom Hebrew Standard, Louis Lipsky, Herausgeber des Maccabean, J. Pfeffer vom Jewish Weekly, S. Goldberg, Herausgeber des American Hebrew, M. Goldmann, Herausgeber der einzigen jüdischen Tageszeitung H' Yom. (The Laodicean Messenger S.116) ...
Bekanntlich entwickelte sich im Zusammenhang mit der nordamerikanischen ökonomischen "neuimperialistischen" Expansion auch ein ökumenischer Aufbruch unter der großen Losung "Welteroberung noch in dieser Generation" (John R. Mott USA) für die nordamerikanische Lebensweise. Im Fahrwasser dieser von Nordamerika ausgehenden ökumenischen Weltmissionsbewegung unter Leitung einer durch Handel und Industrie reichgewordenen "weltlichen Elite", unter "nordatlantischer Perspektive" und westlicher politischer Vorherrschaft. Auf dem Kongreß der WTG (IBV) im Juli 1911 in Washington D. C, wurde ein Komitee gebildet zur "Untersuchung der Auslandsmissionen" der amerikanischen Kirchen, u.a. speziell unter der Fragestellung "Was für eine Hoffnung gibt es für die Bekehrung der Welt in dieser Generation?" Es sollten sorgfältige Beobachtungen und Studien der sozialen und religiösen Bedingungen in den damaligen US-amerikanischen Interessengebieten in Asien durchgeführt werden. Es wurde beschlossen, daß Russell mit einem ausgesuchten Team eine Weltreise unternimmt, die ihn u.a. nach China, Japan, Korea, Indien, Arabien, Ägypten und als ein Höhepunkt nach den Philippinen führt. (The Laodicean Messenger S. 199f)
Als prominente Person gehörte diesem Team von 7 Personen der USA-Brigade-General William P. Hall, Washington, an, (WT 15.8. 68, S. 506). Hall hatte sich 1906/07, zur gleichen Zeit wie der USA-Staatsanwalt J. F. Rutherford und spätere WTG-Präsident, der WTG als aktiver General angeschlossen. Er war einer der Generäle, (bis 1902), als die USA (1898) die ostasiatischen Philippinen eroberten und den Widerstand der Filipinos zehntausendfach in "Strafexpeditionen niedermetzelten.
Auf den Philippinen waren Zucker, Kopra, Hanf, Gold, Chrom, Eisenerz und Kohle zu holen. (Pastor Russells International Bible/Students Souvenir, Convention Report 1906/13, USA, Reprints, S.29,204).
Mit dem Generalstabschef der US-Army
In Manila, der Hauptstadt der Philippinen, wurde Russell im
Armee- und Marineclub der USA untergebracht, der nur Militärs mit Angehörigen und
Freunden vorbehalten war. Bei seinen öffentlichen Aussprachen wurde Russell vom
Oberkommandierenden der 20 000 US-Truppen auf den Philippinen, Chef-Kommandeur General J.
Franklin Bell eingeführt, der sich "mit Pastor Russell und seiner Propaganda
identifizierte". Bell war bis 1910 Generalstabschef der US-Armee. '(Convention
Report, desgl.).
Auf den Flügeln der amerikanischen
Wirtschaft
Mit seinem Einsatz 1911/12 auf den Philippinen, leistete
Russell faktisch einen Beitrag, dieses eroberte Land "befrieden" zu helfen. Bis
1913 wurde auf Mindanao Widerstand geleistet. Russell sprach vor Tausende,"
wehrfähiger Filipinos im Alter von 18-30 Jahren. Anläßlich eines Interviews mit seinem
"Glaubensgenossen" und Schutzherrn General Bell, pries er die Behandlung der
niedergeworfenen Filipinos durch die USA als "so hochherzig und gütig wie ein guter
älterer Bruder seinen jüngeren Bruder behandeln sollte". Es "sei ein nobles
Beispiel", wie "alle Heiden-Nationen jetzt behandelt werden sollten".
(Convention Report, S.408).
"Als Kinder ihrer Zeit identifizierten sich die Missionare des 19. Jahrhunderts weitgehend mit den besseren Absichten des Kolonialismus, und häufig folgten sie seinen Eroberungen und stellten sich unter seinen Schutz". (David L. Vikner über "Mission und Evangelisation", Regionaltagung des Luth. Weltbundes, Loccum 1978).
Zu Beginn der kolonialen USA-Philippineneroberung 1898 erklärte der damalige USA-. Senator Beveridge: "Die Vorsehung hat uns unsere Politik vorgeschrieben, der Handel; der Welt muß und wird unser sein Auf den Flügeln unserer Wirtschaft wird unsere Lebensweise unserem Handel folgen. Und amerikanisches Gesetz, amerikanische Ordnung, amerikanische Zivilisation und die amerikanische Flagge werden sich an Küsten entfalten, die, solange von Verdammnis und Dunkel umfangen, hinfort durch diese Werkzeuge Gottes schön und hell sein werden". Russells Vortrage auf den Philippinen erfüllten genau diesen Zweck....
Vieles bleibt weiter zu erforschen
Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht
begreifen und die Zukunft nicht gestalten. Das ist schon fast sprichwörtlich.
Darum muß und wird vor allem auch die Erforschung der
WTG-Frühzeit weitergehen. Es gab zur Zeit Russells weitere prominente Hintermänner der
WTG. Da war ein Bankier in Washington City. Es gab einen "Freund und Bruder"
Russells, General-Leutnant Alex P. Stewart. Es gab eine von Russell begründete
"Unites States Investment Company".
Von vielem sieht man erst "die Spitze des
Eisberges".
Über ein weiteres Dokument die Frühzeit der Bibelforscher betreffend berichtet die CV 142 im einzelnen:
Es ist enthalten in einem Buch von Carl G. Falkner, Mitarbeiter von C.T. Russell im Bethel Brooklyn, Columbia Heights, New York, mit dem Titel "Gottes Weisheit gegen Menschenweisheit", veröffentlicht im Januar 1968 von der Christian Fellowship Associates, Dayton, Ohio, 45419, USA. Carl G. Falkner berichtet über die Wachtturm-Entstehung:
N. H. Barbour hatte ihn (C.T. Russell) eingeladen, Artikel für den HERALD OF THE MORNING beizusteuern und ehrte ihn, indem er ihn zum Mitherausgeber der Zeitschrift machte. Dies mag in dem jungen Russell gut eine Menge Ehrgeiz und Selbstüberhebung zur Folge gehabt haben, wie durch seine spätere Forderung offensichtlich wurde, daß Barbour die Herausgeberschaft abtreten und ihm übergeben soll unter der Drohung, wenn er das nicht tue, werde er, C. T. Russell, ein eigenes Blatt beginnen. Es soll hier festgestellt werden, daß N. H. Barbour die ganze Setzarbeit und Herausgabe des HERALD OP THE MORNING selbst verrichtete, er und seine liebe Frau arbeiteten manchmal bis in die späten Nachtstunden, und obwohl er erkannte, daß der junge Russell ehrgeizig gegen ihn arbeitete, veröffentlichte er in seiner Langmut und Geduld Russells ehrgeizige Pläne in seiner Zeitschrift.
Worte von N. H. Barbour in der Mai-Ausgabe des HERALD OF THE MORNING von 1879, S. 87:
"Neue Zeitschrift. Ein Ultimatum an N. H. Barbour.
Bruder Russell hat ein sehr weites Herz, Ich liebe ihn und leide sehr darunter, sein Vertrauen und seine Gemeinschaft zu verlieren. Er gab beträchtliches Geld aus in Reisen und Vortragshallen für mich im Winter 1876 und 1877, bevor er Mitherausgeber des HERALD wurde. (Es werden u.a. Summen von 660,00 und 615,00 Dollar genannt).
Ich habe zwei Jahre harter Arbeit investiert, Tag und Nacht, kann ich fast sagen, meine Frau und ich haben oft bis 11, 12 oder l Uhr nachts gearbeitet. Und nun Bruder Russell, unser lieber junger Bruder Russell, der erst kürzlich ins Blickfeld und in ein kleines Interesse an der Zeitschrift gekommen ist, fordert von mir, entweder zu seinem Gunsten zu verzichten, oder zu sagen, was ich geben will oder nehmen, da ER mir nicht länger beipflichten könne.
In den zwei Jahren, in denen Bruder Russell die Interessen des Blattes teilhatte, hat er alles Geld zurückbehalten, das er für den HERALD sammelte und sagte Bruder Paton, das gleiche zu tun, so daß ich nicht einen Cent des Geldes erhielt, das sie gesammelt haben.
Nun weiß ich, daß er beabsichtigte, ein Manko (Defizit) herbeizuführen, und da er diese Absicht änderte, mache ich diese Feststellungen zu meiner Rechtfertigung, da ich keine Absicht habe zu verkaufen oder abzutreten".
Beinahe also kein Wachtturm
Im einzelnen können wir folgende Absichten Russells erkennen, bevor er seine eigene Zeitschrift WACHTTURM herausgab. Einstieg in die Mitherausgabe des adventistischen HERALD von N. H. Barbour, ihn finanziell abhängig zu machen, durch Zurückbehaltung der Spenden für den HERALD, die Zeitschrift in die roten Zahlen (Manko, Defizit) bringen, also finanziell zu ruinieren, und dann N. H. Barbour zu drohen, alle Zusammenarbeit mit ihm und Unterstützung einzustellen, wenn er ihm die Zeitschrift nicht abtritt.
Wäre diese Erpressung gelungen, so hätte es keinen WACHTTURM gegeben, sondern irgendeinen HERALD.
Er, Carl G. Falkner faßt zusammen:
"In der Tat, C.T. Russell setzte darauf, die Herausgabe des HERALD OF THE MORNING von N. H. Barbour abzupressen, zu entreißen auf eine Weise, die man von einem Bruder in Christo nicht erwartet". (S. 21).
So kam der WACHTTURM zustande, "von Jehovas Hand dargeboten"?
Ergänzend vielleicht noch das, was Günther Pape in seinem "Ich klage an. Bilanz einer Tyrannei" berichtet. Pape schreibt:
"Carl Falkner, ein ehemaliger Mitarbeiter Russells, schilderte mir bei Besuchen in seiner Wohnung in Bülach/Schweiz, als hochbetagter Mann von 95 Jahren, seine Erlebnisse mit Rutherford. Er wohnte mit Rutherford von 1911 bis ca. 1913 im gleichen Haus. Rutherford lebte damals noch mit seiner Frau und seinem Sohn zusammen, die ihn kurze Zeit später verließen. Alkohol sei schon zu dieser Zeit ein Problem gewesen, daß immer wieder zu Streit in Rutherfords Familie geführt und schließlich auch zur Trennung von seiner Frau beigetragen hätte."
Diese Angabe macht schon die bemerkenswerte Einsilbigkeit durchsichtiger, die seitens der WTG was Rutherfords familiären Status betrifft, zu registrieren ist. Über Russell erfährt man seitens der WTG einiges über seinen familiären Status. Über Rutherford hingen so gut wie nichts!
Exkurs:
"Schriftstudien" Band I:
Wie man weis veränderte Rutherford die
Struktur der jetzigen Zeugen Jehovas, im Vergleich zur Zeit Russells
beträchtlich.
Darüber kann es auch keinen Zweifel geben.
Aber es gab eben auch schon zu Rutherford's Zeiten Opposition dagegen.
Und Reste jener geschichtlichen Opposition gibt es noch heute.
Nun vernimmt man die These.
Band I der als „Schriftstudien" bekannten Bände, offerierte ja noch nicht im
Detail Russells Terminkalender. Beginn der Endzeit 1799.
Beginn der „Erntezeit" 1874 und Ende selbiger dann 1914 und anderes mehr.
Nun dürfte meines Erachtens nicht strittig sein. Schon bei Erscheinen von Band I
wies Russell darauf hin. Es bleibt nicht bloß bei Band I. Es folgen noch
weitere.
Insofern kann der Hinweis, einige Aussagen in Band 2 usw. seien in Band I noch
nicht expliziert ausgeführt, nicht wirklich überzeugen.
Auf Seite 320 (Online-Ausgabe; hier und nachfolgend nach der von Herbert
Raab transkripierten Ausgabe zitiert) liest man
beispielsweise;
„In Band 2 dieses Werkes wird aus dem Zeugnis des Gesetzes und der Propheten
des Alten Testamentes, sowie auch aus dem des Herrn Jesu und der apostolischen
Propheten des Neuen Testamentes der deutliche und unumstößliche Nachweis
erbracht werden, daß dieser Tag der Drangsal chronologisch in den Anfang der
glorreichen Millenniums-Herrschaft des Messias zu verlegen ist."
Also Russell selbst verweist da schon auf einen Band II, den
er keineswegs als „apokryph" erklärt.
Nun gibt es mittlerweile einige Ausgaben der „Schriftstudien", wenn auch nicht
alle leicht erreichbar sind. Sie differieren auch in ihren Seitenzahlen, und
manchmal nicht nur bei diesem Aspekt.
Die noch mit am leichtesten erreichbare Ausgabe (auch Online)
ist die von der WTG 1926 gedruckte Ausgabe. Selbst der
„Tagesanbruch" nutzte für seinen Deutschsprachigen Nachdruck just diese Ausgabe.
Auf Seite 319 (Tagesanbruch-Ausgabe Seite 372) von
Band I liest man beispielsweise die Russell-These:
„Um deutlich zu werden, lassen wir dieses zutreffende Bild des Apostels
beiseite und sagen: Die Anstrengungen der Massen, sich aus der Herrschaft des
Kapitals und der Maschinen zu befreien, wird eine zu VORZEITIGE sein; Pläne und
Vorkehrungen werden noch unvollständig und ungenügend sein, wenn sie von Zeit zu
Zeit ihren Weg erzwingen und die engen Bande von „Angebot und Nachfrage"
sprengen wollen. Jeder erfolglose Versuch wird die Zuversicht des Kapitals auf
seine Fähigkeit, die bestehende Ordnung der Dinge aufrecht zu erhalten, stärken,
bis endlich die zurückhaltende Macht der Organisationen und Regierungen ihre
äußerste Grenze erreicht hat, und die Bande des gesellschaftlichen Organismus
zerreißen werden."
Dies ist meines Erachtens ein Kernsatz von Band I.
Weite Teile der übrigen Religionsindustrie suchten den
wissenschaftlich-technischen Fortschritt madig zu machen. Verstiegen sich gar
dazu, ihn mit dem Turmbau zu Babel zu vergleichen.
Nicht so Russell. Er ging diesbezüglichen Konfrontationen aus dem Wege, deutete
gar den technischen Fortschritt als Zeichen der „heraufziehenden Reiches
Gottes".
Aber wie gelesen, den Versuch der Massen „die engen Bande von Angebot und
Nachfrage" sprengen zu wollen, bezeichnet er als eine „zu vorzeitige".
Namentlich die Aspekte „Kampf zwischen Kapital und Arbeit" breitet er dann
insbesondere noch in Band 4 seiner „Schriftstudien" aus. Nach meinem Dafürhalten
ist jener Band 4 der allerwichtigste, wenn man denn Russell's Anliegen verstehen
will. Seine Endzeitdaten, seine Pyramidenbegeisterung sind dabei dann lediglich
„Zutaten", aber nicht unbedingt der existenzielle „Nerv".
Nochmals zu Band I zurückkehrend. Auf Seite 311f. etwa, liest man auch:
„Wir (Handwerker und Arbeiter) sehen, wenn auch die Menschheit im großen und
ganzen an den Segnungen unserer Tage teilgenommen hat, so haben doch die, welche
vermöge größeren Geschäftstalentes oder durch Erbschaft oder durch Betrug und
Unehrlichkeit Besitzer von Hunderttausenden und Millionen von Mark geworden
sind, nicht nur diesen Vorteil allen anderen voraus, sondern sind auch mit Hilfe
der Erfindungen von Maschinen usw. in der Lage, das Verhältnis der Zunahme ihres
Reichtums im Verhältnis zur Abnahme der Gehälter der Lohnarbeiter aufrecht zu
erhalten. Wir erkennen, daß das kalte Gesetz des Angebots und der Nachfrage uns
vollständig verschlingen würde, wenn nicht Schritte getan werden zum Schutze der
wachsenden Zahl der Handwerker gegen die wachsende Macht des Monopols, dem noch
dazu die arbeitsparenden Maschinen usw. zur Seite stehen."
Also in andere Worte umformuliert. Russell rekapituliert. Ein
ungebremster Manchesterkapitalismus, ohne soziale Komponente, beschwört Gefahren
herauf, die nur in einem Ende mit Schrecken ausufern könnten.
Auch auf Seite 298 (Tagesanbruch-Ausgabe Seite 346)
liest man:
„Nichtsdestoweniger besteht in unserer Zeit eine wachsende Opposition der
Besitzenden und der arbeitenden Klassen gegeneinander -- eine wachsende
Bitterkeit auf Seiten der Arbeiter und ein wachsendes Gefühl unter den
Besitzenden, daß nur der starke Arm des Gesetzes das, was sie für IHR RECHT
halten, beschützen kann. Folglich werden die Reichen mehr auf die Seite der
Obrigkeiten gezogen, und die um Lohn arbeitenden Massen fangen an zu denken, daß
Gesetze und Obrigkeiten nur zu dem Zwecke da wären, den Begüterten zu helfen und
die Armen im Zaume zu halten, und darum werden sie dem Kommunismus und der
Anarchie in die Arme getrieben, in der Meinung, daß ihre Interessen dadurch am
besten gefördert würden, wobei sie vergessen, daß die schlechteste und teuerste
Regierung bei weitem besser ist als gar keine."
Also auch diese Russell-These liegt auf ähnlicher
Wellenlänge, und es lassen sich noch ein paar mehr Belegstellen dafür erbringen.
Auf Seite 250 postuliert er:
„Wenn wir die gegenwärtigen Regierungen vom Standpunkte unseres Herrn und des
Propheten Daniel betrachten und den wilden, zerstörungslustigen, tierischen und
selbstsüchtigen Charakter der Reiche erkennen, müssen da nicht die Herzen aller
Heiligen das Ende aller heidnischen Obrigkeiten herbeiwünschen und frohlockend
der glückseligen Zeit entgegensehen, da die Überwinder des gegenwärtigen
Zeitalters mit ihrem Haupte auf den Thron gesetzt werden sollen, um die
seufzende Schöpfung zu regieren, zu segnen und wiederherzustellen? Wahrlich, von
ganzem Herzen können sie wie unser Herr beten: -- „DEIN KÖNIGREICH KOMME; dein
Wille geschehe, wie im Himmel, ALSO AUCH AUF ERDEN."
Als Russell nahm, durchaus im Sinne der Marx'sche
Religionstheorie, den Aspekt des „Seufzers der bedrängten Kreatur" auf. Er wähnt
auch auf einen vermeintlichen Ausweg dabei extensiv hinweisen zu können, das
vermeintliche „göttliche Eingreifen", zu dem unsereins allerdings noch einen
Detailsatz hinzufügen würde:
AM SANKT NIMMERLEINSTAG!