Annotationen zu den Zeugen Jehovas
Jugendbücher

Anne-Grete Dahms „Abwärts in den Himmel. Ein Mädchen im Bann einer Sekte"
Verlag Sauerländer Aarau, Frankfurt/M. ,Salzburg 1998. ISBN: 3-7941-4333-7

Es handelt sich hierbei um eine Übersetzung aus dem Dänischen. In Romanform wird in dieser primär für Jugendliche gedachten Veröffentlichung auf die Problematik eingegangen, die durch die Verkündigungstätigkeit der Zeugen Jehovas entsteht.

Eine Religionsgemeinschaft die Ambitionen entwickelt, möglichst breite öffentliche „Anerkennung" zum Beispiel als „Körperschaft des öffentlichen Rechts" zu erhalten, muss sich die Frage nach der Aussenwirkung ihres tun und lassen's gefallen lassen.
Charakteristisch erscheint mir dazu auch der Dialog auf den Seiten 140, 141:

„Erik sprach über die Liebe in der Neuen Welt. Über Geborgenheit, über die vielen Brüder und Schwestern, die man dort hatte. Das Leben sah anders aus, sowie man sich zu den Zeugen Jehovas gesellt hatte. Schöner und reiner.

'Bist du bald fertig?', rief Hans dann plötzlich. 'Ich kann dir sagen, unser Leben hat sich geändert. Unsere Freunde sehen wir kaum noch. Feste gibt es nicht mehr. Meine Frau kennt kein anderes Thema als Jehova. Mein Kind weiß nicht mehr, was schwarz ist und was weiß. Wenn das ein Segen sein soll, dann stammt er vom Teufel selber. Ich verfluche den Tag, an dem ihr hergezogen seid! Ihr habt eine Familie zerstört! Und deinen Dreck kannst du auch gleich wieder einpacken.' Hans schlug auf den Tisch."

Exkurs:

User "+" fasste in einem Forumsbeitrag, als Detail, vorgenanntes Buch wie folgt zusammen:

Ich möchte dies an einem Beispiel demonstrieren.
Hierzu zuerst ein Ausschnitt aus einem Roman.

Der Roman „Abwärts in den Himmel“ von Anne-Grethe Dahms.

 

Wir begleiten Gitte ein Kind gerade mal 6 Jahre alt, wie es früh morgens noch im Nachthemdchen zu Ruth, ihrer Nachbarin läuft, um sie zu ihrer heutigen Geburtstagsfeier einzuladen.
Dort trifft sie Ruth (ihre Freundin) mit ihrem Vater betend am Frühstückstisch:

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Beim Thema Jugendbücher die Zeugen Jehovas behandeln, kann man zugleich auch auf dass Buch von:
Irma Krauß „Esthers Angst" Verlag Franz Schneider, München 1997.  hinweisen.
Auch in ihm wird die Erziehung zum Außenseitertum durch die Zeugen Jehovas thematisiert.

Tragödienstoff
Der Stoff aus dem Tragödien gemacht werden, findet sich nicht nur in der Theaterliteratur, nein er findet sich auch im realen Leben, und dort manchmal in überreichlicher Dosierung.
Die heile Welt, auch im Familienleben, wer träumt nicht von ihr? Aber so mancher Träumer weiß auch, dass es mit der "heilen" Welt manchmal nicht allzu weit her ist.

In der Theorie sind namentlich auch Jehovas Zeugen, Verfechter der heilen Welt. Die Wahrung des Scheines ist auch bei ihnen "hoch im Kurs". Also geht man von dem "Idealfall" aus: Er und Sie sind Zeugen Jehovas und ihre Kinder sollen dann den gleichen Weg beschreiten. Dies mag in etlichen Fällen vielleicht auch funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen einigermaßen akzeptabel sind. Aber bekanntlich ist keine Regel ohne Ausnahmen, und über diese Ausnahmen redet man bei den Zeugen Jehovas dann nicht mehr so gern.

Da erschien  im Löwe-Verlag, Bindlach ein  Buch von Jana Frey mit dem Titel:
"Das eiskalte Paradies. Ein Mädchen bei den Zeugen Jehovas. Hannah's Geschichte"
191 Seiten.

Der Titelheldin "Hannah" weicht schon in soweit von dem Idealfall ab, als sie in einer Nicht-Zeugen Jehovas-Familie geboren wurde. Dann trat eines Tages ein gravierender Schicksalsschlag ein. Ihre leibliche Mutter kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Ihr Vater sah sich in der Perspektive zu einem neuen Lebensstart genötigt, indem er eine Zeugin Jehovas heiratete.

Jetzt wurde das Kind Hannah durch diese Lebenszäsur in einen für sie völlig neuen Kulturkreis hineinkatapultiert.
Man weiß es auch aus anderen Fällen (dies ist kein spezifischer Vorwurf gegen Jehovas Zeugen), dass eine Stiefmutter nicht immer in der Lage ist, jene für ein gesundes Aufwachsen der Kinder nötige Sensibilität aufzubringen. Jedenfalls nicht in dem Umfang, wie es die leibliche Mutter hätte tun können.

Diese Erfahrung musste nun auch Hannah sammeln, und in dem Buch werden einige marginale diesbezügliche Konfliktsituationen beschrieben.

Aber auch den Vater kann man als eine tragische Figur ansprechen. Symptomatisch dafür jene Anmerkung auf Seite 185:
"In der Zeit als Hannah mir ihre Geschichte erzählte, erkrankte ihr Vater. Er war achtundvierzig Jahre alt. Hannah bekam nicht heraus, woran genau ihr Vater litt. Der Kontakt war über die Jahre immer spärlicher geworden.

Hannah erfuhr lediglich, dass ihr Vater sich aus religiösen Gründen weigerte, bei einer Operation seine Einwilligung zu einer Bluttransfusion zu geben. Auch seine Frau Roswitha verweigerte im entsprechenden Moment ihre Zustimmung zu diesem medizinisch nötigen Schritt.
Als Grund nannte sie, wie vorher schon Hannahs Vater selbst, die ablehnende Haltung der Zeugen Jehovas zur Bluttransfusion." Er verstarb Ende 1998.

Dies war sozusagen der Ausgang der Geschichte. Aber davor stand noch, dass auch das Mädchen Hannah, unter dem Einfluss ihres neuen "Kulturkreises" sich von den Zeugen Jehovas taufen lies. Jedoch war es, wie schon angedeutet, bedingt durch die Umstände, um ihre pädagogische Befindlichkeit, nicht zum besten bestellt.

So fand auch sie sich bald in jener Zwangssituation wieder, die in jenem Buch mit den Worten beschrieben wird (S. 177, 178):
"Was wäre denn, wenn du zurückgingest?", fragte Sabrina. … Ich zuckte mit den Achseln. "Ich müsste mich natürlich bei allen entschuldigen, bei meinen Eltern, bei der Ältestenschaft, in der Versammlung…"

"Und dann würden sie dich wieder einsperren und schlagen und bewachen und dir dein Leben vorschreiben?", unterbrach mich Marie aufgebracht.
Ich schüttelte den Kopf. "Nein, sie würden mir bestimmt noch eine Chance geben. Sie haben da so ihre Methoden, herauszufinden, ob es jemand ernst meint mit seinem Schuldeingeständnis. … "Na ja, Zeugen, die ausgeschlossen worden sind, können darum bitten, wieder in die Gemeinde aufgenommen zu werden. Wenn die Ältestenschaft einverstanden ist, dürfen sie zu den Versammlungen kommen, allerdings gibt es da ein paar Bedingungen."

"Was für Bedingungen?", fragte Marie misstrauisch. "Man darf den Königreichssaal erst dann betreten, wenn schon alle anderen Zeugen Jehovas ihre Plätze eingenommen haben. Und man muss ganz alleine in der allerletzten Reihe sitzen, und nach der Versammlung muss man den Saal vor allen anderen verlassen, wieder ganz alleine, und keiner, keiner, keiner, darf mit einem sprechen oder einen auch nur grüßen oder ansehen…"

Paul schüttelte den Kopf und schaute mich betroffen an. "Das ist ja wie im Mittelalter", murmelte er erschrocken. Ich schwieg verlegen.
Mag Jana Frey mit jener Episode auch einen Extremfall zitiert haben, mag auch einiges nicht immer ganz "so heiss gegessen werden, wie es gekocht wird", in der Sache hat sie allerdings zurecht beschrieben, das Ausgeschlossenen oder "Abgefallenen" bei den Zeugen Jehovas nur die letzte Reihe in ihrer Versammlungsstätte zugebilligt wird und das eine eventuelle "Konversation" sich auf das allernotwendigste - oder nichts - beschränkt.

Die Autorin Jana Frey ist keine Zeugin oder Ex-Zeugin Jehovas. Sie berichtet aus der manchmal schärfer sehenden Sicht des Außenstehenden über einen Fall, der in Beziehung zu den Zeugen Jehovas steht. Formal ist ihr Buch als "Jugendbuch" gedacht. Indes es ist nicht "nur" für Jugendliche aufschlussreich!

Aus der Diskussion zu diesem Buch im Forum von InfoLink.

Votum von H.P.:
Der vorletzte Absatz dürfte ja wohl in den Bereich der Fiktion zurückzuweisen sein ... So einen Blödsinn habe ich in 30 Jahren als ZJ-Verwandter noch NIE gehört.

Antwort von P...
Das ist KEINE Fiktion. Das ist der normale Umgang mit Verstossenen. Ich erlebe dies seit den 22 Jahren, in denen ich lebe (13 davon als getaufter Zeuge Jehovas).
Es sind zwar keine Vorschriften, die explizit gelehrt wurden, doch es ist die PRAXIS.

Antwort von M...
Tach H. P.,
ich war ein ganzes Jahrzehnt dabei und habe mit angesehen, wie ehemalige ZJ, die wieder aufgenommen werden wollten, genau das oben beschriebene auf sich genommen haben. Als letzter rein, als erster hinaus. Keiner hat sie begrüßt oder überhaupt zur Kenntnis genommen. Nur hinten herum hat man sich das Maul zerrissen, ob Berechnung oder aufrichtes Interesse der Grund für den Wiederaufnahmeantrag waren.

Antwort von W....
Lieber H. P.
Ich habe dies vor nicht mal fünf Jahren erlebt ... ein guter Freund aus der "Wahrheit" ein ehemaliger Ältester, hat dies bis vor ca drei Jahren mitgemacht.....eisern, wie er meinte... vor zwei Jahren am 13.Juni hat er sich dann erhängt. ...Für manche bedeutet es eben nicht nur den symbolischen Tod, sondern den buchstäblichen, wenn sie "dem Satan übergeben werden" ... Ja ich bin immer noch sehr traurig über seinen furchtbaren Tod

Votum von H. P.
Es gibt doch da dieses "Ältesten-Buch" mit Instruktionen. Stehen da solche Anweisungen drin? Ist das die offizielle Linie?

Antwort von M.
Ja, Lieber H. P. ,
das ist die offizielle Linie. Wer sich nicht daran hält, als Letzter Kommen und in der letzten Bank Platz nehmen, keinen Kontakt zu suchen, als erster wieder gehen und und, ist ohne Reue. Ein Wiederaufnahmeverfahren nach einem halben oder einem Jahr, das entscheiden die Ältesten, wird bei Verstoß gegen die "Reueregeln" erst garnicht angefangen.

Das ist kein Blödsinn, sondern "Normalität". Natürlich werden diese Dinge keinem Verwandten mitgeteilt, will man unter Umständen doch diesen Verwandten auch missionieren. Diese Person hat bis zur Wiederaufnahme schlicht wie "tot" zu gelten!
Das diese Regeln ein selbsterfundes Kirchengericht darstellen und mit Mühe dazu Bibelstellen vergewaltigt werden, ist in diesem Forum schon hinreichend belegt worden.

Für Außenstehende ist das oft schockierend. Natürlich hat eine Gemeinschaft das Recht, Regeln aufzustellen. Wenn man diese akzeptiert, muß man sich an diese Regeln halten es sei denn, man kann das nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren und verläßt diese Gemeinschaft. Macht man seine Gewissensnöte unter mehreren Zeugen kund und argumentiert dagegen, ist im Wiederholungsfall ein Auschluss sowieso nicht zu vermeiden. Daß diese rigide Vorgehensweise der breiten Öffentlichkeit unbekannt ist, beweist unter anderem Ihre Stellungnahme.

Antwort von G....
Hallo, ich kenne eine Familie in der der Vater ausgeschlossen wurde, weil er während seiner "langweiligen" Nachtarbeit das Rauchen nicht lassen konnte. Jetzt fahren alle 5 regelmässig zusammen zur Versammlung. Die Familie geht normal in den Saal, der Vater wartet draussen im Auto und folgt erst wenige Sekunden vor Beginn der Zusammenkunft. Am Schluss verschwindet er sofort und wartet im Auto auf seine Familie. Die Kinder leiden fürchterlich unter dieser Situation und die Eltern natürlich auch.

Der vom Verlag verantwortete Klappentext der (Taschenbuch)-Ausgabe vermerkt noch:

"Wir sind Jehovas Zeugen und darum auserwählte Menschen", schreibt Hannah als Kind in ihr Tagebuch. Und lange Zeit fühlt sie sich tatsächlich auserwählt. Erst als sie älter wird, beginnt sie mehr und mehr die Regeln ihrer Glaubensgemeinschaft zu hinterfragen. Mit 15 Jahren fordert sie schließlich ihre persönliche Freiheit ein. Und da werden die Grenzen ihrer einst so behüteten Welt zu unüberwindbaren Mauern. Es ist ein langer und schmerzhafter Ablösungsprozess, bis Hannah der Sprung in ein anderes Leben ohne die Zeugen Jehovas gelingt.

Hannahs Geschichte ist tatsächlich passiert.

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