Geschrieben von Prometeus am 19. April 2002 21:15:28:

Das Märchen vom Rotkäppchen in WTG- Fassung:

Es war einmal eine hübsche junge Pionierschwester, die wohlbehütet im theokratischen Elternhaus aufwuchs, mit 12 Jahren getauft wurde und die unmittelbar nach Abschluß der Hauptschule den Pionierdienst aufnahm. Zu ihrer Taufe hatte sie eine rotfarbige Baskenmütze erhalten die sie im Predigtdienst fast immer aufhatte. Die Leute in ihrem Predigtdienst - Gebiet nannten sie daher Rotkäppchen.

Ihre Mutter war sehr stolz auf sie und wurde von vielen in der Versammlung für ihre theokratisch vorbildliche Tochter gelobt. Dem Vater half es um so schneller zum Ältesten ernannt zu werden. Die Großmutter hingegen war gebrechlich und pflegebedürftig, wohnte zudem weit entfernt am Ende des Versammlungsgebietes hinter einem großen Wald. Nachdem sich schon die ganze Familie lange nicht mehr um sie kümmern konnte, da alle Familienmitglieder so sehr ihren theokratischen Pflichten nachkamen, daß für die arme Oma gar keine Zeit mehr übrig war, beschloß der Vater: "Rotkäppchen, die Oma war am Sonntag schon wieder nicht in der Zusammenkunft, gehe doch mal während des Predigtdienstes bei ihr vorbei und bringe ihr die neuesten Zeitschriften, du kannst es ja als Predigtdienst berichten. Und bringe ihr auch ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein mit, schließlich unterstützt sie dich ja im Pionierdienst. Immerhin hat sie deinen neuen Wagen bezahlt."

Rotkäppchen parkte ihr neues Auto, das die Oma bezahlt hat am Waldrand und dachte sich: "Bei dem schönen Wetter kannst du ja auch eigentlich zu Fuß diesen Rückbesuch machen, bei der Gelegenheit pflücke ich ihr gleich noch einen kleinen Strauß Blumen. Sie wird sich sicher freuen." Und sie ging vergnügt mit dem Korb und dem Blumenstrauß in den Wald. So traf sie den bösen "Wolf". Sie erkannte aber nicht daß der Wolf ein Abtrünniger war und Böses im Schilde führte, denn sie hatte bisher noch nie einen abtrünnigen Wolf gesehen. Ihre Eltern hatten ihr immer gesagt, daß man sich von Abtrünnigen fernhält, ihre Literatur nicht einmal anfasst und auch ihre web - sites nicht aufsucht. Daran hatte sie sich stets gehalten. Der böse Abtrünnigen- Wolf fragte nun Rotkäppchen wohin sie denn so allein gehe. Im Wald könne sie doch gar niemand predigen. Rotkäppchen erklärte dem bösen Wolf daß sie ihre Großmutter am anderen Ende des Waldes besuchen wolle um ihr die neueste geistige Speise zu bringen, damit sie nicht geistig schwach werde, immerhin besuche sie die Zusammenkünfte unregelmäßig.

Der böse Wolf ging daher schnurstracks zur Wohnung der Großmutter, und da er wusste, daß die arme Oma nur noch deshalb ab und zu die Zusammenkünfte besuchte um ihre Familie nicht zu verlieren (sie berichtete auch regelmäßig 1/4 Std. Predigtdienst im Monat den sie dadurch verrichtete indem sie die gesammelten alten Zeitschriften der Altpapiersammlung übergab mit dem Hinweis, daß die Zeitschriften noch gut erhalten sind und noch gelesen werden können), sie aber ansonsten sich hauptsächlich mit Kochrezepten, Fernsehen und heimlicherweise mit Horoskopen beschäftigte, so beschloß der Wolf, die Großmutter zu warnen. Die Großmutter räumte schnell ihre weltlichen Zeitschriften und Bücher weg, legte schnell das aufgeschlagene Daniel- Buch auf den Tisch und machte sich bereit, aber der böse Wolf meinte, es wäre nunmehr an der Zeit auch das Rotkäppchen über die 1914- Lüge, über 1975, über die UN- Verbindungen der Wachtturm- Gesellschaft, über nichterfüllte Prophezeihungen und über Kindesmißbrauch unter den Zeugen aufzuklären. Immerhin biete sich jetzt eine gute Gelegenheit. Die Großmutter war einverstanden und ließ sich vom Wolf auffressen.

Als das Rotkäppchen die Wohnung der Großmutter betrat (sie legte einen Ersatzschlüssel immer in den Blumenkasten), so lag der Wolf auf dem Sofa der Großmutter und begrüßte sie.

Rotkäppchen aber war verstört und fragte:

"Großmutter, warum hast du denn so große Ohren?"

Der Wolf antwortete: "Damit ich die Lügen und Falschinterpretationen der Wachtturm- Gesellschaft besser heraushören kann."

Rotkäppchen: "Aber warum hast du denn so große Augen?"

Der Wolf: "Damit ich die Tatsachen besser erkennen kann und sehen kann wie sehr sie sich Zeugen Jehovas im Widerspruch zur biblischen Botschaft befinden."

Rotkäppchen: "Aber warum hast du denn so ein großes Maul?"

Der Wolf: "Damit ich die geistige Speise die ich selbst jahrelang gefressen habe wieder rauswürgen kann!"

Damit hatte er Rotkäppchen überzeugt und zu ihrem Schutz fraß er sie auf. Der Wolf war hoch erfreut über seine gelungene Aufklärungsarbeit, öffnete die Weinflasche die Rotkäppchen mitgebracht hatte, und trank gemeinsam mit Rotkäppchen und der Großmutter genüßlich ein Gläschen.

Der vorsitzführende Aufseher aber, beschloß bei der Großmutter einen Hirtenbesuch zu machen um sich zu erkundigen warum die ältere Schwester nicht zur sonntäglichen Zusammenkunft erschien. Auf die Begleitung eines zweiten Ältesten hatte er verzichtet, obwohl er wußte, daß man alleinstehende Schwestern immer in Begleitung aufsuchen sollte, aber angesichts des fortgeschrittenen Alters der Schwester erübrigte sich das seiner Meinung nach.

Als der vorsitzführende Aufseher daher die Wohnung betrat, war er schlichtweg erstaunt die Großmutter bei bester Gesundheit zusammen mit Rotkäppchen und dem Wolf Wein trinkend in fröhlicher Runde zu sehen. Dann war er schockiert, daß die Großmutter und Rotkäppchen Gemeinschaft mit dem abtrünnigen bösen Wolf pflegte. Er zog seine schärfste Waffe, das Handbuch für die Ältesten, und schaute nach, was er in einer solchen Situation tun soll. Er versuchte nun dem Wolf den Bauch aufzuschlitzen, was dieser sich jedoch nicht gefallen ließ, sondern damit konterte, indem er den vorsitzführenden Aufseher fragte, wieviele der Blutbestandteile des "Wolfsblutes" ein Zeuge denn zu sich nehmen könne ohne ausgeschlossen zu werden. Das war dem dann doch zu viel. Er verließ die Wohnung der Großmutter fluchtartig. Die Großmutter, der Wolf und das Rotkäppchen aber amüsierten sich köstlich.

Der vorsitzführende Aufseher aber, ließ die Großmutter und das Rotkäppchen vor ein Rechts- Komitee laden um festzustellen inwieweit beide Gemeinschaft mit Abtrünnigen gepflegt hätten. Beide bestritten dies, und da für die Beweisführung einer Übertretung bekanntlich immer zwei Zeugen notwendig sind, der vorsitzführende Aufseher aber zugeben mußte, in Zuwiderhandlung gegen die Vorschriften, die Großmutter allein aufgesucht zu haben, wurde die Sitzung ohne Anordnung von Maßnahmen beendet. Der vorsitzführende Aufseher gelobte sich in Zukunft an die Richtlinien der Gesellschaft zu halten.

Der vorsitzführende Aufseher erzählt noch heute von seinen Heldentaten, wie er zwei Schwestern aus dem Bauch des bösen Wolfs befreit hat und sie zurück in den Schoß der Organisation geführt hat. Er erhielt daraufhin da Vorrecht als stellvertretender Kreisaufseher zu dienen.Die Großmutter hat er seitdem nicht mehr besucht.

Das Rotkäppchen aber wurde dennoch danach mit dem zeitweiligen Verlust ihrer Stellung als Pionier bestraft, bis sie, so die wie Ältesten meinten, wieder eine vollwertige geistige Gesinnung hätte. Sie nahm dann eine Vollzeitbeschäftigung auf, machte Karriere und zog in eine weit entfernte Stadt. Falls sie nicht gestorben ist, lebt sie dort heute noch glücklich und zufrieden.

Die Großmutter lebte den Rest ihrer Tage ohne weitere Belästigung durch Hirtenbesuche.

Der Wolf hingegen gründete ein Apostaten- Forum im Internet und informiert nun im großen Stil über die Zeugen Jehovas und die dahinterstehende Wachttturmgesellschaft.

Geschrieben von Drahbeck am 20. April 2002 06:47:36:

Als Antwort auf: Rotkäppchen und der böse geschrieben von Prometeus am 19. April 2002 21:15:28:

Wieder ein echter Prometeus!
Vielleicht kann der Herr Pesch bei einer eventuellen Neuauflage seines "Rotkäppchen theologisch betrachtet" mit darauf zurückgreifen. Wird wohl nicht passieren, angesichts der Krise im Buchgewerbe - würde sich aber von der Sache her anbieten!

Nundenn

Geschrieben von Hans Werner  am 20. April 2002 13:12:28:

Als Antwort auf: Re: Rotkäppchen und der böse Wolf  geschrieben von Drahbeck am 20. April 2002 06:47:36:

>Wieder ein echter Prometeus!
>Vielleicht kann der Herr Pesch bei einer eventuellen Neuauflage seines "Rotkäppchen theologisch betrachtet" mit darauf zurückgreifen. Wird wohl nicht passieren, angesichts der Krise im Buchgewerbe - würde sich aber von der Sache her anbieten!

Die Geschichte mit Rotkäppchen finde ich sehr gut.
Lob-Lob.

Da fällt mir ein;- Russel hatte es mit der Pyramide.
Die IG- Metal auch.
Kleidet ihre Sprößlinge alle in rote Käppchen und rote Trillerpfeifen.
Sie trillern, und trillern, fordern mehr Lohn.
Ist mehr Lohn durchgesetzt, kommt der Fleisch-Wolf (Kelter) und frisst diesen neu durchgesetzten Lohn wieder durch Steuern auf.

Wieder werden rote Käppchen und Trillerpfeifen verteilt.
Pfeifen trillern, und werden mit ihren roten Käppchen verarscht.
Rote Fänchen kommen hinzu.

Pyramide?
IGM ?
Illuminaten ,- Gesellschaften,- Malocher.

Ja an der Pyramide kann man erkennen, wer nichtgefressen wird.
Getrillert, getrillert wird durch den kalten Wald der Gesellschaften, bis kein Baum mehr da ist.
Bis alles vermauert ist, was die Malocher anschaffen sollen.
Stein auf Stein, Steuer um Steuer.
Doch wer eigentlich steuert, bleibt dem Malocher , also Rotkäppchen unklar.

hans Werner

Geschrieben von Drahbeck am 22. April 2002 07:55:59:

Glauben, als generelle Eigenschaft, als Fürwahrhalten ohne das Betreffende auf den Prüfstand zu stellen, gibt es offenbar nicht nur bei den Zeugen Jehovas."Wunderlich verliert seinen Glauben" ist ein Buchbericht in einer heutigen  Zeitung überschrieben. In ihr findet sich auch die Vokabel von der "kommunistischen Religionsgemeinschaft." Letztere wird zwar solcherart Gläubige nicht sonderlich erfreuen, hat aber im Kontext des Dargelegten durchaus ihre Berechtigung.

Gelegentlich wurden schon mal verschiedenartige Vergleiche angestellt. Beispielsweise über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Zeugen Jehovas und der Neuapostolischen Kirche und anderes mehr. Man kann im Zusammenhang nachstehenden Artikels meines Erachtens ähnliches tun bei den "Religionsgemeinschaften der Zeugen Jehovas und der Kommunisten", so denn man will.
Gewisse Paralellen sind doch ziemlich frappierend.

Geschrieben von Hans Werner  am 22. April 2002 23:34:00:

Als Antwort auf: Wunderlich verliert seinen Glauben geschrieben von Drahbeck am 22. April 2002 07:55:59:

Gemeinsamkeiten?
Zusammenhang?
Das macht mich an.-
letzteres Zitat*)
Beispielsweise über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Zeugen Jehovas und der Neuapostolischen Kirche und anderes mehr. Man kann im Zusammenhang nachstehenden Artikels meines Erachtens ähnliches tun bei den "Religionsgemeinschaften der Zeugen Jehovas und der Kommunisten", so denn man will.

... weiter.-
Vorhin hörte ich in einer Sendung des TVs.

Wenn sich kein Urlauber mehr an öffentlichen Versammlungen, religiösen Objekten oder Orten aufhalten kann, wo mehrere Menschen zusammenkommen, dann hat "Bin Laden" mit Terrorismus (fundamentalistische Terrorgruppen)sein ( ihr) Ziel erreicht.

So,- so?

Ich kann mich vor 1975, also genauer 1968 noch erinnern einen WT gelesen zu haben, daß es für Zeugen Jehovas besser wäre, sich als guter Diener Jehovas nicht an grossen weltlichen Versammlungsorten, wie Kino, Dico, Promenaden oder anderen kirchlichen Festen zu beteiligen oder gar aufzusuchen.
Es könnte ja sein, daß da etwas passiert?-
Einer oder Anderer von Euch wird diesen auch kennen?
Oder ähnliche Sprüche?
Nun wer hat eigentlich sein Ziel erreicht?

Die WTG.!
Obwohl die WTG als falscher Prophet enttarnt wurde treffen auf einmal, wundersamer / -wunderlicher- Weise ( nach der Frage WT 1. Nov. 1999 "Was passiert im Jahr 2000") viele WT- Prophetien dieser Warnungen und Vorhersagen ein.

Hat sich Jehova mit den Terroristen verbündet?
Zeugen Jehovas brauchen nicht mehr in den Urlaub zu fahren, sparen Geld, und können es sofort in der Versammlung abtanken.
Kann mir vorstellen, daß sich letzterer Zeit mehr Angst breit macht der Saal wieder voll wird, also auch die Spenden wieder segensreich für Jehova fließen?

Wofür braucht Jehova eigentlich Geld?

Hans Werner

Geschrieben von LuckyX am 22. April 2002 09:56:22:

Als Antwort auf: Wunderlich verliert seinen Glauben geschrieben von Drahbeck am 22. April 2002 07:55:59:

Die Parallelen waren schon in den Jahren nach Erscheinen von Leonhards Die Revolution entläßt ihre Kinder nicht nur mir aufgefallen, sondern so manchem damals noch strammen ZJ. Eigentlich sollte jeder ZJ das lesen, wenn auch nur zunächst, um den Kommunismus besser widerlegen zu können - im Unterbewußtsein wird dann doch so manches nachwirken.

Und Lev Kopelev hatte mich mit seiner Trilogie sehr beeindruckt, die seinen Weg vom gläubigen Kommunisten zum menschlichen Denker gut belegt (im DTV):
Und schuf mir einen Götzen
Aufbewahren für alle Zeit
Tröste meine Trauer.

Am von Drhabeck zitierten Zeitungsartikel fällt noch eine Parallele auf. Der Stalisnismus mag demnach zwar tot sein, aber der WAHRE Kommunismus noch lange nicht. So sind manche ZJ der totalitären Sekte entronnen, suchen sich aber immer noch in anderen Gruppierungen oder in der Bibel neue Surrogate, um den Irrtum weiterwirken lassen zu können.

Geschrieben von D. am 29. April 2002 12:36:16:

Als Antwort auf: Re: Wunderlich verliert seinen Glauben geschrieben von LuckyX am 22. April 2002 09:56:22:

Nicht nur Marko Martin, etliche andere auch, haben es schon ausgesprochen, dass es da auch gewisse frappierende Parallelen zwischen Kommunisten und Zeugen Jehovas gäbe. Kürzlich ist da also ein Buch von Hermann Weber erschienen, in der er anhand seines Werdeganges verdeutlicht, wie aus seiner Ursprungsbegeisterung für die "kommunistische Sache" allmählich das Gegenteil wurde. Und was wichtig ist, Weber beschreibt diesen Entwicklungsweg sachlich, ohne "Schaum vorm Maul". Insofern ist es durchaus geeignet, mit als "Spiegel" zu dienen, nachdem Motto: "Erkenne dich selbst"!
In einer Mailingliste für historisch Interessierte, die ich schon gelegentlich mal hier zitiert habe, zuletzt mit einer dortigen Buchbesprechung des D.-Buches. Dort ist nun eine Rezension des Weber-Buches hinzugekommen. Auch wenn es primär nicht auf die Zeugen Jehovas zugeschnitten ist und sein kann, denke ich mal. Es ist nicht verkehrt auch diese Einschätzung zu lesen!:

Weber, Hermann: Damals als ich Wunderlich hieß. Vom Parteihochschüler zum kritischen Sozialisten. Die SED-Parteihochschule "Karl Marx" bis 1949. Berlin: Aufbau-Verlag GmbH 2002.

u. a. der Satz:

Doch da hatte die anfängliche relative Liberalität der Parteihochschule, die ihm eigenständige Lektüre und eigenes Denken ermöglichte, ihm schon den Stempel aufgedrückt, sodass er sich nur widerstrebend, äußerlich - und mit großen "Bauchschmerzen" - den zunehmenden Zwängen anpasste, wofür er sich selbst schämte. Und er leugnet nicht, dass für nicht wenige die Anpassung auch dadurch erleichtert wurde, dass die Parteihochschüler in diesen Notjahren nicht geringe Privilegien genossen. Sie lebten besser als die Bevölkerungsmehrheit zumindest in der Ostzone, hatten ausreichendes Essen, bekamen Kleidung und Zigaretten, konnten Kulturveranstaltungen besuchen und eine gut ausgestattete Bibliothek benutzen.

Im Rahmen seiner Lektüre hatte er sich frühzeitig an die Devise Trotzkis gehalten, man könne die Wahrheit vielleicht finden, wenn man die Lügen vergleiche. Das tat er auch auf der Parteihochschule und stieß frühzeitig auf die ihn irritierenden stalinistischen Säuberungen der dreißiger Jahre, die ihn mehr als nachdenklich machten,

Geschrieben von D. am 22. April 2002 16:08:45:

Folgt man einer Darstellung in der CV-Ausgabe Nr. 85 (August 1976) dann gab es da bei den Zeugen Jehovas in der DDR, sogar ein paar Übereifrige, die das Ende der 60er Jahre aufgekommene 1975-Thema, mittels großformatiger Schautafeln zu illustrieren beliebten.

So wie seinerzeit Russell seine "Karte der drei Weltzeiten" einsetzte. Nur mit dem Unterschied das jetzt das ganze auf den 1975-Bezug zugeschnitten war. Genüßlich wird kommentiert, dass diese Übereifrigen doch wohl als Heuchler anzusprechen seien, da sie nach 1975 ihre Schautafeln wohl kaum weiter verwendet haben. Gab es diesen so geschilderten Sachverhalt? Oder wurde er aus den Fingern gesogen? Die Frage muss offenbleiben. Immerhin: 1975-Gläubige gab es sehr wohl. Ob sie sich auch als Schautafelhersteller betätigten?

Geschrieben von D. am 24. April 2002 16:22:53:

Als Antwort auf: Re: Roland F. ist auch in der Freiheit! geschrieben von O. N. am 07. Oktober 2001 02:09:48:

Auf der Roland F.-Webseite gelesen (auszugsweise zitiert):
Seit Anfang 1997 gibt es nun diese Homepage, und mehr als eine halbe Million Besuche gab es mittlerweile auf diesen Seiten. Ihr seid ein wunderbares Publikum, und ich schätze die vielen netten Zuschriften, die ich im Laufe der Jahre erhalten habe.

Nach fast fünf Jahren steht Rolands Homepage nun an einem Wendepunkt. Mehr und mehr entferne ich religiöse Themen von dieser Seite (und auch aus meinem Leben), und so wird voraussichtlich nach Februar 2002 auf dieser Homepage nichts mehr daran erinnern, daß dies einmal eine der meistbeachteten privaten Homepages für Zeugen Jehovas war. Die berühmte Seite mit den WT-Schriftstellen wurde ja bereits aus dem Inhaltsverzeichnis der Homepage entfernt, und Anfang Februar wird sie Geschichte sei .... und damit geht für mich eine Epoche meines Lebens zu Ende. Seit 1993 habe ich mich und andere mit diesen Listen versorgt - lange bevor ich überhaupt wußte, was eine Homepage ist. In Zukunft werdet Ihr Euch die Schriftstellen halt von anderen Homepages holen müssen, wenn Ihr sie weiterhin verwenden wollt.

Diese Änderungen an den Inhalten werden sicherlich auch zu einem Wechsel der Besucher führen. Die Zeiten, wo ich an manchen Tagen über 1000 Besuche zählen konnte, sind vermutlich dann erst einmal vorbei. Dennoch hoffe ich, daß sich viele von Euch auch weiterhin gerne auf meiner Homepage umschauen werden. Vermutlich wird der Bereich der Foto-Seiten weiter ausgebaut werden, und auch sonst wird es hoffentlich die eine oder andere neue Seite geben - sofern mir meine Arbeit, meine Freundin und meine Hobbys (auch www.koelnbahn.de) noch genügend Freizeit dafür lassen.

Viel wurde inzwischen im Internet und im echten Leben spekuliert, warum 'der berühmte RoFrisch' seine Laufbahn als aktiver Zeuge Jehovas aufgegeben hat. Täglich erreichen mich gut gemeinte eMails hierzu. Natürlich schätze ich die Anteilnahme und auch das Verständnis, das dort zum Ausdruck kommt. Jedoch habe ich kein Interesse, weitere Diskussionen über meine Zweifel und ihre Ursachen zu führen. Ganz gleich ob es nun "die Wahrheit" ist oder nicht: Es ist nicht mehr mein Weg, auf dem ich aktiv sein möchte. Ich bitte, dies zu respektieren. In der Öffentlichkeit bezeichne ich mich schon länger nicht mehr als Zeuge Jehovas, und ich fühle mich auch nicht mehr als solcher. Auch pflege ich schon seit geraumer Zeit keine Gemeinschaft mehr mit der Versammlung, so daß man mich im Falle eines Falles auch nicht aus ihr "ausschließen" muß Ich möchte einfach mit diesen Fragen in Ruhe gelassen werden und in Zukunft ein selbstbestimmtes Leben führen, ohne anderen Menschen in religiöser Hinsicht darüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Es tut mir leid, wenn ich einige mit dieser Einstellung offenbar sehr enttäusche, aber ich meine dies hier nun einmal deutlich schreiben zu müssen, weil mir die vielen eMails zeigen, wie sehr dies offenbar eine Menge Leser meiner Homepage beschäftigt.

So, hoffentlich kehrt nun etwas Ruhe bezüglich dieser Fragen ein. Eigentlich hatte ich ja gedacht, daß meine Äußerungen auf der FAQ-Seite schon Klarheit bringen würden. Ich würde mich freuen, wenn Ihr auch in Zukunft gerne Gäste auf meiner Homepage seid, auch wenn dort nun andere Themen den Schwerpunkt bilden.

Geschrieben von LuckyX am 24. April 2002 16:37:12:

Als Antwort auf: Re: Roland F. ist auch in der Freiheit! geschrieben von D. am 24. April 2002 16:22:53:

Da kann man ihm nur Glück wünschen.
Andere bekannte page Betreiber sind ja offenbar auch angegeeckt und ausgestiegen oder auf dem Weg dazu.
Interessant in diesem Zusammenhang, daß auch eine Reihe eingagierter Pressebeauftragter der WTG abgedriftet oder ausgestiegen sind, die Doppelzüngigkeit, die man ihnen abverlangte, scheint da eine Rolle gespielt zu haben.

Geschrieben von Drahbeck  am 26. April 2002 17:42:30:

In einem einfühlsamen einleitenden Beitrag referiert Stefan Wolle über die Befindlichkeit der Ostdeutschen. Man merkt diesem Beitrag an, da schrieb einer (ohne zu verklären), der selbst eine ostdeutsche Biographie hat. Das Wolle nicht zu den PDS-nahen "Bejublern" das SED-Regimes gehört, wurde schon 1990 deutlich, als er zusammen mit Armin Mitter als Herausgeber des Buches: "Ich liebe euch doch alle! Befehle und Lageberichte des MfS Januar-November 1990" in Erscheinung trat. In genannten Buch wurde die "Widerstandskraft der Zeugen Jehovas gegen das DDR-Regime" mit folgendem aus den Stasiakten entnommenen Zitat charakterisiert:

"Die Mitglieder der verbotenen Sekte 'Zeugen Jehovas' beteiligten sich wie in der Vergangenheit nicht an der Wahl. Störungen gingen von ihnen nicht aus " (S. 105).
Das die Tage des SED-Regimes im Jahre 1989 gezählt waren, ist sehr wohl dem Umstand zuzuschreiben, dass namentlich im kirchlichem Umfeld vorhandene Kreise, dem SED-Regime "Störungen" verursachten. Aber wie man liest, die Stasi bescheinigt den Zeugen, eben keine Störer gewesen zu sein. Soviel zum Thema "Widerstandskämpfer" Made in Zeugen Jehovas.

Zwei weitere Autorennamen in dem Sammelband "Der Schein der Normalität. Alltag und Herrschaft in der SED-Diktatur", verdienen noch gesondert hervorgehoben zu werden.
Da ist einmal der Name des Mitherausgebers dieses Buches, Clemens Vollnhals.
Zu Vollnhals ist anzumerken, dass er auch einer jener "Westimporte" ist, die nach 1989 den universitären Überbau ehemaliger DDR-Koryphäen systematisch kalt stellten.
Die ehemaligen DDRler, in der Regel SED-Mitglieder, wenn nicht gar darüber hinausgehend "Stasibelastet", waren nach 1989 nicht mehr sonderlich gefragt. In das diesbezüglich entstandene Vakuum pflegten in der Hauptsache "Alt-Bundesrepublikaner" einzutreten, die den Ostdeutschen nunmehr beibrachten, wohin die Reise zu gehen habe. In früheren Zeiten hätte man dafür die Vokabel "Kolonisierung" verwandt. Nicht so aber im Falle ehemalige DDR.

Es steht außer Frage, daß Vollnhals sich schon in Alt-Bundesrepublikanischen Zeiten als renommierter Wissenschaftler ausgewiesen hat. Er, wie auch andere haben lediglich die Chance genutzt, durch den Fall der DDR, ihre ganz persönliche Karriere zu beschleunigen. Unter westlichen Voraussetzungen wäre ihr Karrierebedürfnis, aufgrund des hohen Konkurrenzdruckes, doch eher wohl in gemäßigteren Bahnen verlaufen. Das "Vakuum" Ostdeutschland bot ihnen d i e Chance ihres Lebens, die sie hätte es den ostdeutschen Crash so nicht gegeben, wohl kaum erhalten hätten.

Wie gesagt, die wissenschaftliche Reputation von Vollnhals soll mit vorstehendem in keiner Weise angezweifelt werden. Einer seiner ersten hiesigen Arbeitgeber war denn auch die sich neu im Aufbau befindliche "Gauckbehörde". Heute ist er stellvertretender Leiter des Dresdner Totalitarismusinstitutes. Jenes Institutes, dem bekanntlich auch die Studie zum Thema Zeugen Jehovas in der DDR von Gerald Hacke zuzuordnen ist.

In seiner Gauckbehördenzeit veröffentlichte Vollnhals auch einige durchaus bedeutsame Schriften. Ich nenne da besonders sein zusammen mit Siegfried Bräuer (einem "Ostdeutschen") herausgegebenes Buch "In der DDR gibt es keine Zensur". Wer sich für die DDR-Kirchenpolitik interessiert, wird dieses Buch mit Gewinn gelesen haben. Es offenbart die feinverästelten Zensurstrukturen des SED-Staates. Namentlich, wie alle in der DDR erschienene Literatur, vor Drucklegung, prinzipiell hausinternen und externen "Gutachten" unterworfen wurde. Wobei sich die externen Gutachter oftmals noch als die schlimmeren erwiesen. Ich kann es mir nicht verkneifen. "Einen schönen Gruß" an den DDR-Theologieprofessor Bassarak, auch einer jener externen Gutachter-Zensoren der schlimmeren Art, über die man dank der vorgenannten Studie nun näher informiert ist.

Erwähnenswert auch die von Vollnhals für die "Gauckbehörde" herausgegebene Studie: "Die kirchenpolitische Abteilung des Ministeriums für Staatssicherheit." Zwar in der Substanz nicht sonderlich überragend aussagekräftig. Dennoch durchaus lesenswert.
Lesenswert ist meines Erachtens auch sein für die gleiche Dienststelle herausgegebenes Buch: "Die Kirchenpolitik von SED und Staatssicherheit".

Bedeutsam erscheint mir besonders darin der Satz:
"Es fällt darum schwer, diese Dienststelle (Staatssekretariat für Kirchenfragen der DDR) als eigenständige staatliche Behörde zu begreifen. Zutreffender wäre seine Bezeichnung als Dependance des MfS." Letztere Einschätzung kann ich nur bestätigen. Mir hatte sich schon zeitgenössisch, aus einem anderen Blickwinkel selbstredend, ein ähnlicher Eindruck aufgedrängt.

Ansonsten ist mein Eindruck zu dieser Studie von Vollnhals. Sie bleibt vielfach im Oberflächlichen stecken. Dort wo es für unserein interessant werden könnte, bietet er auch nur Allgemeinplätze und wenig zusätzliche Details. Vollnhals saß da nun an den Quellen (sprich Stasiakten). Das was er z. B. zu dem durchaus interessanten Thema Stasi-Kircheninstitut "Wandlitz" zu berichten weiß, ich kann meine Enttäuschung nicht verhehlen, ist für meine Begriffe dürftig. Er nennt da zwar ein paar Namen. Unter anderem die Namen Trebs, Dressler und Pape. Schön und gut. Nun weiß man's. Die waren auch in diesem "illustren" Institut beschäftigt. Und ist das alles, was es dazu zu sagen gibt? Ich meine, wer die Chance hatte diese Stasiakten einzusehen. Der hätte und müsste diesbezüglich durchaus detaillierter werden. Fehlanzeige bei Vollnhals.

Über genannten Pape weiß er lediglich zu berichten:
"Verdient machte sich auch der Diplom-Historiker Dieter Pape (IM 'Wilhelm'). Er war im Auswerterobjekt für die Zeugen Jehovas zuständig und organisierte im Auftrag des MfS die Studiengruppe 'Christliche Verantwortung' mit gleichnamiger Zeitschrift." Ende der Durchsage bei Vollnhals.

In dem vorliegenden Sammelband ist Vollnhals auch mit einem eigenen Beitrag vertreten, der dem Thema Stasi gewidmet ist. Da wird es vielleicht auf Seite 132 seiner Ausführungen interessant. Nachdem er mitteilt, dass (bezogen auf das Jahr 1998) die Stasi-IM auf der "Kirchenlinie" abgerechnete Beträge zwischen 4,70 Mark bis 9735 Mark kassiert hätten, nennt er zugleich auch den Stasinamen dieses "Spitzenverdieners". Danach kassierte der IM "Max" die 9735 Mark. Keine weiteren Angaben bei Vollnhals, wer denn nun der IM "Max" sei. Zieht man das Y.-Buch "Im Visier der Stasi" mit zu Rate, wird das ganze noch "rätselhafter". Y. berichtet auf S. 196 von dem Wolfgang Kirchhoff, seinen "Leistungen" für den DDR-Staat und seinen IM Namen. Nach Y. war er mal als GI Max registriert, wurde später von der Stasi als IM Albert umbenannt, ab 1987 gar noch als IM Alex.
Hat die Stasi also nach vorgenannter Umbenennung den Ursprungsnamen anderweitig weiter verwendet? Oder lief ein und dieselbe Person in den Stasiakten unter mehreren Namen? Es wäre Sache jener, die diese Akten einsehen konnten, hierüber nähere Klarheit zu schaffen.

Ein weiterer "Westimport", der es verdient besonders hervorgehoben zu werden, sei jetzt noch genannt. Sein Name: Hans-Hermann D.. Das D. eine Alt-Bundesrepublikanische Biographie hat, dürfte er doch wohl kaum bestreiten. Gleichwohl hat sein von der Universität Greifswald (ehemals DDR) angenommenes Dissertationsthema sehr wohl Ostbezug. Es ist den Zeugen Jehovas in der DDR gewidmet. Seine voluminöse Arbeit, auch im Buchhandel erhältlich, habe ich an anderer Stelle meiner Webseite schon kommentiert.

Es interessiert hier besonders, was D. zum Thema Zeugen Jehovas in dem hier zu referierenden Sammelband zu berichten weiß. Sein zusammen mit Annegret Dirksen verfassten Beitrag, einer der umfangreicheren in diesem Buche ist überschrieben: "Die Kinder der Zeugen Jehovas - Staatliche Ausgrenzung und soziale Repression."
Neben der weitgehend der Tendenz seines Buches folgenden Selbstdarstellung, kommt er auf die verschiedenen Phasen des MfS-Kampfes gegen die Zeugen Jehovas zu sprechen. So zitiert auch D. jene nach 1966 gültige Stasidirektive, in der diese als ihre jetzige Zielstellung formulierte:

"Besonderer Wert ist auf die Werbung von befähigten Anhängern sowie auf mittlere und leitende Funktionäre der Zeugen Jehovas zu legen. [] Es sind ferner alle geeigneten Maßnahmen zu organisieren, die gewährleisten, dass jetzt vertrauensvolle IM in Schlüsselpositionen der Organisation aufrücken" (S. 232).

D. stellt Stichpunktartig einige Fälle von Zeugen Jehovas-Kindern in der DDR vor, die staatlicherseits benachteiligt wurden. Dieser Sachverhalt ist auch meinerseits unbestritten und wird ebenso verurteilt. Der Knackpunkt indes liegt auf einer anderen Ebene. In der Datei "Kindererziehung" auf der Gebhard-Webseite findet man diverse Links die belegen, dass Jehovas Zeugen (endzeitlich motiviert) ein sehr gebrochenes Verhältnis zu weltlicher Bildung hatten und man kann vielleicht sogar wagen zu behaupten, vielleicht noch haben. Dies gilt auch für freiheitliche Gesellschaften und keineswegs nur für totalitäre wie die DDR.

Genau diesen Punkt versucht D. nun apologetisch zu entkräften. Sein Kronzeuge ist ihm dafür der Lobbyist B., den er mit der Aussage zitiert:
"Dass Kinder von Zeugen Jehovas keinen privaten Umgang mit Klassenkameraden anderen Glaubens haben dürften, trifft ebensowenig zu wie die Behauptung, sie dürften keinen Sport treiben, nicht musizieren und nicht an Klassenfahrten teilnehmen."
Dieses B.'sche Statement ist das typische Beispiel einer halben Wahrheit. Und von solchen üblen Verdrehungen ist die B.'sche Apologie auch auf anderen Gebieten reichlich gesegnet.

Formal ist bei den Zeugen Jehovas nichts verboten. Auch nicht höhere Bildung. Auch nicht Umgang mit Andersgläubigen. Indes in der Praxis ist es sehr wohl so, dass die inkriminierten Tatbestände bestehen.

D. selbst ist, man kann es kaum anders nennen, eine Art "exotischer Paradiesvogel" unter den Zeugen Jehovas; dieweil seine Laufbahn als Jurist, heute dazu herhalten muss, als "Paradebeispiel" für die "Weltoffenheit" der Zeugen Jehovas zu dienen. Wie sagt man so schon: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer! Gemessen daran sind "im Sommer der Zeugen Jehovas", die "Schwalben" nach wie vor fast ausgestorben.

Der DDR-Staat war auf die Zeugen Jehovas nicht "gut" zu sprechen. Eine Binsenweisheit. Und auch in der DDR wurde bei den Bildungsperspektiven der Jugend "gesiebt". Parteilichkeit im Sinne des SED-Staates stand für diejenigen die dort das sagen hatten, ganz hoch im Kurs. Es versteht sich fast selbstredend, dass Zeugen Jehovas-Kinder da vom Prinzip her, erst mal schlechte Karten hatten. Auch unter freiheitlichen Bedingungen kann nicht jeder werden, was er gerne möchte. Auch da gibt es einen Selektionsprozess (unter anderen Kriterien). Ähnliches spielte sich auch in der DDR ab.

Wenn D. also Fälle beklagt, wo Zeugen Jehovas es in der DDR nur zum Hilfsarbeiterdasein bringen konnten, mit den damit verbundenen erheblichen sozialen Einschränkungen, so berichtet er nichts neues. Vor ihm hat das (beispielsweise) Marko Martin, mit einer anderen Motivation allerdings, bereits getan. Und selbst im Internet kann man sich über einen, der es unter DDR-Bedingungen nur zum Hilfsarbeiter bringen konnte, und seinen nachfolgenden Kampf (ob er gelungen ist oder nicht will ich nicht bewerten), sich aus diesem Odium zu befreien, informieren. Man sehe sich nur die Webseite des Thomas P. im Detail an. Dann hat man auch hierfür ein Veranschaulichungsbeispiel.

D. legt den Akzent auf das Weinerliche. Seht wie schlecht der DDR-Staat doch die Zeugen Jehovas behandelt hat. Er hat recht. Sie wurden schlecht behandelt. Dies ist und bleibt jedoch die halbe Wahrheit. Gerade auf der Bildungsebene haben sich Zeugen Jehovas und DDR-Staat gegenseitig (zugebenermaßen nicht mit Bewusstheit) die Bälle zugeschossen. Des einen soziale Diskriminierung- des anderen Freud über die sich daraus speisende religiöse Fantatisierung!

Geschrieben von Dubidubiduu am 27. April 2002 10:50:50:

HaJo hatte mal eine gute page für xZJ aufgemacht. Sein Forum war von der Aufmachung her gesehen beispielhaft, aber weil mittlerweile es so viele verwandte pages gibt, hatte es nicht den erhofften Zulauf. Nun sind beide nicht mehr aufrufbar, page und Forum.

Wer weiß mehr ??

Geschrieben von D. am 27. April 2002 13:03:41:

Als Antwort auf: Was ist mit HaJo ? geschrieben von Dubidubiduu am 27. April 2002 10:50:50:

>HaJo hatte mal eine gute page für xZJ aufgemacht. Sein Forum war von der Aufmachung her gesehen beispielhaft, aber weil mittlerweile es so viele verwandte pages gibt, hatte es nicht den erhofften Zulauf. Nun sind beide nicht mehr aufrufbar, page und Forum.
>Wer weiß mehr ??

Sein derzeitiges Forum ist meines Erachtens noch erreichbar.

www.danisbooks.de/hajo/wbboard/portal.php

Er hatte davor auch ein Forum bei Parsimony. Das hat er wohl, wenn ich richtig sehe, wieder aufgegeben. Große Teile seines derzeitigen Forums sind nur über Passwort-Anforderung zugänglich. Wer sich dergestalt bei ihm registriert hat und dann das Forum anwählt, wird immer öffentlich mit Uhrzeit und gewähltem Nicknamen dokumentiert. Es ist nicht jedermanns Sache das zu akzeptieren. Und dies in einer Zeit wo manche gar spezielle Dienste in Anspruch nehmen, um unbedingt "anonym" zu surfen.

InfoLink als etabliertes "erstes Forum am Markt", kann es sich leisten, Schreibzugang nur über Anmeldung zu gewährleisten. Ob andere Foren bei der Anwendung ähnlicher Beschränkungen "gut" beraten sind, erscheint nicht unbedingt "ausgemacht".

Sehe ich es richtig ist in der Tat seine "Hauptwebseite" derzeit nicht im Netz. Eine vorherige Ankündigung diesbezüglich, habe ich nicht zur Kenntnis genommen. Ob er wieder experimentiert (seine URL hat sich schon verschiedentlich, auch ohne Vorankündigung verändert) muss man abwarten. Bekannt ist auch, dass er schon zu einem früheren Zeitpunkt seine Webseite für eine längere Zeit außer Betrieb gesetzt hat.

Als Webmaster ist man was Feedback anbelangt, nicht immer auf "Rosen gebettet". Manch einer empfindet dies besonders schmerzlich und reagiert entsprechend (unangemessen).
Dies wäre meine Einschätzung. Ansonsten weiß ich auch nichts genaues und kann auch nur abwarten wie die Sache sich weiterentwickelt oder auch nicht.

Geschrieben von Zuletzt Online am 27. April 2002 13:12:46:

Als Antwort auf: Re: Was ist mit HaJo ?  geschrieben von D. am 27. April 2002 13:03:41:

Zuletzt Online
» Hajo
23.04.2002, 11:10
Geschrieben von Drahbeck am 03. Mai 2002 16:42:19:

Wie Ärzte in Sachen Bluttransfusionen argumentieren.
Im Jahre 2001 ist auch eine in einigen bayerischen Bibliotheken nachweisbare Dissertation von Markus Ulbrich publiziert worden, mit dem Titel:
"Urologische Operationen bei Zeugen Jehovas".

Schon einleitend und dass nimmt der Verfasser als Anlass für seine weiteren Ausführungen berichtet er:
"So berichtet beispielsweise eine  Zeitung in ihrer Ausgabe vom 30. 05. 1998 unter der Überschrift 'Blutkonserven werden an Pfingsten knapp' über einen Mangel an Blutkonserven in einzelnen Gebieten des Bundesrepublik und verbreitet einen Spendenaufruf des Deutschen Roten Kreuzes.
Es stellt sich die Frage, in wieweit ein Verzicht auf Bluttransfusionen möglich ist."

Als Schlussfolgerung seiner Ausführungen, die in der Sache nicht auf ein "breites" Publikum zugeschnitten sind und die in erster Linie Fachkollegen ansprechen wollen, konstatiert er:
"Die umfangreichen Erfahrungen der blutersatzfreien Chirurgie aus allen Fachgebieten, die durch die Übernahme der Behandlung von ZJ gewonnen wurden, gipfeln in der Feststellung, daß durch Verzicht auf jegliche Blutprodukte die postoperative Mortalität um 0,5 - 1,5 % erhöht wird." (S. 47)

Etwas verdolmetscht besagt diese Aussage: Es gibt also 0,5 - 1,5% mehr Todesfälle bei Zeugen Jehovas, als im Durchschnitt der übrigen Bevölkerung, die sich vergleichsweisen medizinischen Eingriffen unterziehen muss.

Auch der Verfasser dieser Studie stellt sich auf den Standpunkt, dass "das schlichte Ablehnen einer größeren elektiv-operativen Behandlung eines Anhängers der Sekte Zeugen Jehovas längst überholt ist". Fügt im gleichem Atemzug aber noch hinzu: "Beim Kind und operativen Notfall bleibt für den Behandler dennoch das Dilemma" (S. 48).

Bemerkenswert noch der Satz (S. 46):
"Die aufwendigeren Techniken beim blutersatzfreien Operieren sind zeitintensiv ... Und kostenträchtig; die Kosten werden durch die längeren Liegezeiten von 19,5 Tagen bei allen blutungsbedingten Eingriffen bzw. von 23, 9 Tagen bei solchen mit hohem Blutungsrisiko weiter erhöht. Eine Kalkulation wäre eine Aufgabe für die Gesundheitsökonomie."

(Post Skripttum an die Adresse der Schnorrer:
Die Einsichtnahme in obiges ist heutzutage auch nicht "kostenfrei".Die Ausleihe kostet mir mehr, als wenn ich eine CD-ROM (mit anderem Inhalt) bei Herbert Raab bestellen würde).

Geschrieben von LuckyX am 04. Mai 2002 00:12:37:

Als Antwort auf: Wie Ärzte in Sachen Bluttransfusionen argumentieren geschrieben von Drahbeck am 03. Mai 2002 16:42:19:

>Wie Ärzte in Sachen Bluttransfusionen argumentieren.

*** Das scheint mir aber nicht repräsentativ zu sein. Eher die Meinung des Verfassers oder auch einiger seiner Kollegen. Somit führt dieser TItel wohl ein wenig in die Irre oder suggeriert, es gäbe so etwas wie DIE Ärzte mit einer monolithischen Meinung. Dem ist aber wohl nicht so.

Mir scheint die angeblich höhere Postmortaaliatät auch fragwürdig. Ist sie statistisch überhaupt eindeutig nachweisbar, sind solche Zahlen angesichts der relativ geringen Anzahl und des zugrundeliegenden heterogenen Kollektivs wirklich repräsentativ ?

Und schon gar nicht würde ich mich durch eine angeblich längere Bettenbelegung zur Akzeptanz einer Behandlung zwingen lassen, die mir, auch als NICHT-ZJ, vielleicht nicht angemessen erscheint. Ich hatte bei so etwas auch bislang keinerlei Probleme mit MEINEN Ärzten. DIE Ärzte gibt es ja sowieso nicht.

Meint LuckyX, der den ZJ-Standpunkt nicht teilt und vor allem die Begründung als tragische Irrlehre ablehnt, sich aber selbst - soweit möglich und vertretbar - eine Transfusion, wenn auch ganz anders und ohne den Bibelverdrehungsfirlefanz begründet, erspart hat und weiter ersparen möchte.
Geschrieben von
Drahbeck am 03. Mai 2002 16:42:19:

Wie Ärzte in Sachen Bluttransfusionen argumentieren.
Im Jahre 2001 ist auch eine in einigen bayerischen Bibliotheken nachweisbare Dissertation von Markus Ulbrich publiziert worden, mit dem Titel:
"Urologische Operationen bei Zeugen Jehovas".

Schon einleitend und dass nimmt der Verfasser als Anlass für seine weiteren Ausführungen berichtet er:
"So berichtet beispielsweise eine Zeitung  30. 05. 1998 unter der Überschrift 'Blutkonserven werden an Pfingsten knapp' über einen Mangel an Blutkonserven in einzelnen Gebieten des Bundesrepublik und verbreitet einen Spendenaufruf des Deutschen Roten Kreuzes.
Es stellt sich die Frage, in wieweit ein Verzicht auf Bluttransfusionen möglich ist."

Als Schlussfolgerung seiner Ausführungen, die in der Sache nicht auf ein "breites" Publikum zugeschnitten sind und die in erster Linie Fachkollegen ansprechen wollen, konstatiert er:
"Die umfangreichen Erfahrungen der blutersatzfreien Chirurgie aus allen Fachgebieten, die durch die Übernahme der Behandlung von ZJ gewonnen wurden, gipfeln in der Feststellung, daß durch Verzicht auf jegliche Blutprodukte die postoperative Mortalität um 0,5 - 1,5 % erhöht wird." (S. 47)

Etwas verdolmetscht besagt diese Aussage: Es gibt also 0,5 - 1,5% mehr Todesfälle bei Zeugen Jehovas, als im Durchschnitt der übrigen Bevölkerung, die sich vergleichsweisen medizinischen Eingriffen unterziehen muss.

Auch der Verfasser dieser Studie stellt sich auf den Standpunkt, dass "das schlichte Ablehnen einer größeren elektiv-operativen Behandlung eines Anhängers der Sekte Zeugen Jehovas längst überholt ist". Fügt im gleichem Atemzug aber noch hinzu: "Beim Kind und operativen Notfall bleibt für den Behandler dennoch das Dilemma" (S. 48).

Bemerkenswert noch der Satz (S. 46):
"Die aufwendigeren Techniken beim blutersatzfreien Operieren sind zeitintensiv ... Und kostenträchtig; die Kosten werden durch die längeren Liegezeiten von 19,5 Tagen bei allen blutungsbedingten Eingriffen bzw. von 23, 9 Tagen bei solchen mit hohem Blutungsrisiko weiter erhöht. Eine Kalkulation wäre eine Aufgabe für die Gesundheitsökonomie."

(Post Skripttum an die Adresse der Schnorrer:
Die Einsichtnahme in obiges ist heutzutage auch nicht "kostenfrei".Die Ausleihe kostet mir mehr, als wenn ich eine CD-ROM (mit anderem Inhalt) bei Herbert Raab bestellen würde).

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