Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 95
Zwei Gerichtsberichte bezüglich Jehovas
Zeugen; unter anderem in dieser Ausgabe.
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem
Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte
Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden
Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat Gesellschaft, (WTG) und WTGbedingten
Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die
Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer
Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.
Nr. 95 Gera Juni 1977
"NIEMAND SOLLTE SICH DURCH DEN GEDANKEN EINLULLEN, ES
WERDE ENDLOS HINAUSGESCHOBEN"
WT bestätigt damit: "Endzeit" wird wieder auf die
nächste Generation verschoben
Liebe Leser
Der WT 7/77 bringt den "Bericht über das Dienstjahr
1976 der Zeugen Jehovas in der ganzen Welt". Es ist der erste Jahresbericht nach dem
falschen Weltende von 1975. Die erneute Verschiebung der "Endzeit" auf eine
weitere Generation im Widerspruch zu Matth. 24:34 ist damit bestätigt. Wenn wir die
Hauptthematik überblicken und auf ihre Kernaussage prüfen, in die dieser erste
Nach-1975-Jahresbericht eingebettet ist (WT Nr. 5-9/77), haben wir klipp und klar auf der
Hand: Sowohl Taktik wie auch Strategie der WTG, um diese Weiterverschiebung erneut zu
überstehen.
Wir lesen Themen wie: "Warum die Zunge zügeln? Weshalb ein Gott der Liebe Zurechtweisung erteilt. Wie Weise zurechtweisen, Irrenden helfen. Vor den Augen aller zurechtweisen Harre aus, die Erfüllung der Verheißung ist nahe. Halte am Glauben fest. Jesu königlicher Akt der Demut. Mit dem treuen 'Sklaven' dienen (Dienstbericht 1976). Uns für das vor uns liegende Werk 'gürten'. In meinen alten Tagen fand ich den wahren Zufluchtsort. Stärke deine Zuversicht." Was für ein Vorgehen der WTG erkennen wir? Zuerst geht ein ausgiebiges Zügeln und Zurechtweisen auf alle hernieder, um alle weiter in Furcht vor dem "Sklaven", der WTG, zu halten, der doch Gott und Jesus vertrete. Dann wird das Ausharren beschworen und jeder für "feige" erklärt, ja verteufelt, der der WTG nicht länger folgen will. Dann wird am Beispiel eines betagten Mannes den Letzten der 1914-Generation klargemacht, daß sie zu ihren "Lebzeiten" nichts mehr zu erwarten haben. Dann erfolgt wieder eine Demütigung. Nun erst kommt der Jahresbericht 1976, der die Weiterverschiebung dokumentiert: "Uns für das vor uns liegende Werk ,gürten'. Ein "treuer Sklave"? Wie treu ist er seiner eigenen Verkündigung? Der von 1975 etwa? Wieder also ein "vor uns liegendes Werk", wie noch 1914, 1925 oder 1945. Dann geht es nochmals gegen den Rest der 1914-Generation, um ihnen klar zu machen, daß sie zu "vergehen" haben, Die WTG läßt eine Alte an Tagen (102 Jahre) sagen: "Ich hatte immer gewünscht, Harmagedon zu überleben, doch in meinem Alter mag es nicht möglich sein" (WT 9/77 S. 271) Den anderen wird mit "sehr bald" wie immer Zuversicht gemacht, damit sie weiter der WTG folgen.
Es ist ein nicht mehr zu überbietender perfider Bibelmißbrauch, wie die Alten, die Letzten der 1914-Generation, wieder in den Tod geschickt und die anderen weiter hingehalten werden!
Der WT zitiert aus 2. Thess. 2:1, 2, 17,
wo die Apostel vor "Botschaften" warnen, "angeblich von uns, in dem Sinne,
daß der Tag Jehovas hier sei". Der WT: "Obwohl diese Christen des ersten
Jahrhunderts den 'Tag Jehovas' erhofften, erlebte keiner von ihnen den Anbruch dieses
Tages. Wirkte sich dies nachteilig auf ihren Eifer und ihren Glauben aus? Obwohl sie das
Ende nicht erlebten . . . Doch wie ist es heute? Hat Gottes Volk dadurch, daß der große
Tag Jehovas noch nicht
hereingebrochen ist, etwas eingebüßt?" (WT 7/77, S.
205). Der WT-Betrug besteht darin, daß wir heute nicht im ersten Jahrhundert leben! Und
aus der "ganz kleinen Weile" nach 1975 macht der WT jetzt: "Was für den
ewigen Gott 'eine ganz kleine Weile' ist, könnte für uns zwar eine sehr lange Zeit
sein" (WT 6/77, S. 176). Schließlich werden die Zeugen, die das WT-1975 geglaubt
hatten, selbst zu ihren eigenen Sündenböcken erklärt: "Selbst wenn das Warten . .
. länger dauert, als m a n dachte . . . N i e m a n d sollte
s i c h durch den Gedanken einlullen, es werde endlos
hinausgeschoben". (WT 7/77, S. 209)
Die letzten WT-Worte, "es werde nicht endlos hinausgeschoben", sind indes die eindeutige Bestätigung der Richtigkeit der CV-Warnungen seit 1966/67, daß die WTG mit 1975 eine weltweite Falschverkündigung betreibt, daß sie danach auf eine weitere Generation verschieben wird, wenn sie ihren Endzeitbankrott überleben will. Genau das erleben wir jetzt! CV hatte recht!
In dieser CV-Ausgabe lesen wir nun
Beiträge, die uns sowohl Denkanstöße für die Schritte geben können, die unmittelbar
zu tun sind, wie auch für das Verständnis des Weltgeschehens in größeren
Zusammenhängen angesichts der falschen Weltendeverkündigung von 1975, die die WTG nun
selbst wieder "verscheucht", sich selbst die Hände in Unschuld waschend. Man
müßte aus der Infantilität, aus dem "kindischen Wesen", aus der
"kindischen Urteilskraft" (l. Kor. 13:11, 14:20) nicht hinausgekommen sein,
ließe man sich von der WTG abermals weiter "hinausschieben". Ganz zu schweigen
von der Skrupellosigkeit, den Rest der 1914-Generation jetzt ins Grab zu predigen. Lest
hierzu auch die Fortsetzungsberichte von der Berliner CV-Beratung, die in dieser
CV-Ausgabe beginnen.
Vergewissert euch über alle Dinge haltet fest an dem, was
recht ist
1. Thess. 5:21 NW
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Wie CV mitgeteilt wurde, ist WTG-Präsident Nathan Homer
Knorr noch schwerer Krankheit am 8. Juni 1977 im Alter von 72 Jahren auf der
WTG-Königreichsfarm in den USA gestorben. Er wurde am 23. 4. 1905 in Bethlehem, Pa., USA,
geboren und gehörte der Reformierten Kirche an. Mit 16 Jahren wandte er sich den
Bibelforschern (ZJ) zu und begann 1923 schon Dienst im WTG-Hauptbüro Brooklyn. 1942 wurde
er als Nachfolger von J. F. Rutherford zum 3. Präsidenten der WTG und Zeugen Jehovas
gewählt. Die Wahl erfolgte auf Lebenszeit.
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DIE ZEIT IST GEKOMMEN!
CV-Beratung und Erfahrungsaustausch in Berlin
CVN. - Wie bereits in CV 94 vom Mai 1977 mitgeteilt wurde,
fand im April 1977 in Berlin eine Tagesversammlung von Mitarbeitern , Mitverbundenen und
Freunden von "Christliche Verantwortung" aus den verschiedensten Bezirken der
DDR statt. Die Tagesversammlung hat eine Fülle von Vorschlägen und Aufgaben gebracht,
verbunden mit einer kritischen Überprüfung der bisherigen CV-Tätigkeit. Diese
Beratungen werden fortgesetzt. Das Ergebnis der Beratung war vor allem eine große
qualitative Bereicherung für die weitere CV-Arbeit, was sowohl die Auseinandersetzung mit
der WTG betrifft, wie auch die Wegweisung in Übereinstimmung mit der Schrift, wie sie
speziell in unserem Lande erforderlich ist, Wir bringen nun einen ersten ausführlicheren
Bericht über Inhalt und Bedeutung dieser Beratung. Weitere werden folgen.
Eine erfahrene und verantwortungsbewußte
Gruppe kam zusammen
Ja, das kann man so sagen, und auch die WTG möge dies zur
Kenntnis nehmen. Es war die Leitung des Bundes freier Christengemeinden (ehemaliger
WTG-Angehöriger), es war die CV-Leitung, es waren langjährig als Zeugen Jehovas Tätige
und es waren Vertreter aus ehemals höchsten WTG-Aufseher-Stellungen in unserem Lande
zusammengekommen Die Erfahrungen reichten um Jahrzehnte in die Vergangenheit von Theorie
und Praxis der WTG zurück, oftmals in erschütternden Dimensionen. Die Beratungen wurden
sehr ernst und sachlich geführt, völlig in dem Bewußtsein einer großen Verantwortung
vor Gott und den Menschen, unter denen Christen glaubwürdig leben und wirken müssen. Es
stand jedem vor Augen, was für eine Bedeutung die Auseinandersetzung mit der WTG für
Jehovas Zeugen in unserem Lande hat, vor allem, welche Dimensionen das hat, welche
Ausstrahlungen, und welche Konsequenzen. Es wurde einmütig festgestellt, daß die WTG in
ihrer ganzen hundertjährigen Geschichte noch nie einer derartigen schriftgemäßen
Prüfung unterzogen wurde und gegenübergestanden habe, wie sie CV vornimmt, und zwar vor
dem Hintergrund historisch herangereifter heils- und weltgeschichtlicher Entwicklungen,
die die WTG schon jetzt als ein völlig unglaubwürdiges und darum haltloses Menschenwerk
erwiesen haben.
Die Letzte soll die Erste sein
Sie sprach zwar zuletzt in den Beratungen, eine der CV
Mitarbeiterinnen. Von Kind auf im WTG-Glauben erzogen, hatte sie an die WTG-Vertreter
eines Tages jedoch zuviele kritische Fragen gerichtet. Von einer Frau insbesondere war das
von ihnen schon gar nicht zu ertragen. Nachdem sich Gott gleich machenden WTG-Grundsatz,
"Rebellion gegen den Sklaven (die WTG) ist Rebellion gegen Gott" (WT 1. 8. 1956,
S. 474) wurde sie schließlich ausgeschlossen. Wenn es die WTG für nötig hält, läßt
sie sehr wohl Frauen in Studienversamlungen lehren. Man kann auch auf die Predigerinnen
verweisen, die die WTG als Gilead-Missionarinnen aussendet, oder die als
"Gruppendiener" einst ganze Versammlungen begründet haben. Die WTG weiß sehr
genau, daß es nur aus der jüdischen Tradition herkam, wenn Paulus in 1. Kor. 14:34
gebietet " . . . die Frauen sollen in den Versammlungen schweigen, es kann ihnen
nicht gestattet werden zu reden, wie auch das Gesetz es bestimmt (1. Mose 3, 16)"
Schweigen denn die Frauen in den WTG-Versammlungen, die oftmals nur aus Frauen bestehen?
Diese jüdischen Gebote wenden zumeist nur dann ins Spiel gebracht, wenn
Glaubensschwestern oder Frauen der WTG zu viele Fragen stellen und ihr unbequem werden. Im
Brief an die Galater entwickelt der Apostel einen weit über das jüdische Gesetz
fortschreitenden Grundsatz, wenn er sagt, Christen ständen letztlich nicht mehr unter dem
jüdischen Gesetz: "Da ist nicht mehr Jude oder Grieche, nicht mehr Knecht oder
Freier, nicht mehr Mann und Frau, nein ihr seid allesamt eins in der Gemeinschaft mit
Christus Jesus" (Gal. 3:28). Von da her gibt es eine Fülle von Fragen und Problemen
in ehelicher, familiärer und erzieherischer Hinsicht unter der weit überwiegenden Zahl
von Frauen in allen WTG-Versamrnlungen, die die WTG nur unterdrücken kann. Aus den von
der WTG ängstlich gehüteten Abgrenzungen der Studiengruppen heraus, in denen keine freie
und kritische Diskussion möglich ist, ohne sich verdächtig zu machen, sollen nun alle
wesentlichen Fragen und Probleme dargelegt werden. Alle Schwestern sollen sich ein Herz
fassen.
Gegen die Obrigkeit werden von den Zeugen
unter WTG-Führung schwere Fehler gemacht
Warum ist die WTG so voll Haß gegen den Kommunismus? Warum
gibt es so viele Schwierigkeiten durch die WTG mit den Kommunisten? Warum wird in den
WTG-Schriften gegen niemand so politisch gehetzt, wie gegen die Kommunisten? Die
WTG-Hetzthesen gegen den Kommunismus müssen von der Schrift her jeden aufrichtigen
Christen zum Protest gegen die WTG zwingen. Die Zeugen Jehovas seien durch Befolgen dieser
WTG-Politik selbst schuld an ihrer Lage. Diese Einsicht sei für alle Zeugen sehr wichtig.
Gegen die sozialistische bzw. kommunistische "Obrigkeit" werden von den Zeugen
Jehovas unter WTG-Führung schwerwiegende Fehler gemacht. An Hand von dokumentarischem
Material der WTG wies einer der Vertreter aus ehemals höchsten WTG-Führungskreisen, wie
dargelegt, diesen Sachverhalt nach. Diese schweren Fehler seien eine Kardinalfrage.
Ohne Zweifel habe CV diese Frage bisher völlig richtig behandelt Nur mit großer Ausdauer und Entschlossenheit muß vorgegangen werden. Denn die WTG hat in den vielen Jahren ihres Einflusses einen Geist verbreitet, der wie gespalten wirkt, so daß es kein wirklich selbständiges Nachdenken unter den Zeugen geben soll.
CV gehe völlig richtig vor. Die WTG vermittelt den Zeugen den kindischen Glauben, was gehe sie die Meinung des Staates an. Aber Christen müssen sich orientieren. Besonders über die Frage der gesellschaftlichen Bedürfnisse. Es sind noch zu viele Vorbehalte unter den Christen in diesem Punkt. Die WTG ist mit ihrer Hetze gegen den sozialistischen oder kommunistischen Staat als "Obrigkeit von Gott" in der Spitzengruppe derer, die diese Politik betreiben. Die Zeugen werden so zu Fehlern verleitet, die zum Abwenden von der WTG zwingen.
Die Situation der Organisation ist bitter
und verhängnisvoll
Es sei sehr schwer, unter den leitenden Brüdern freimütig
und kritisch zu sprechen. Viele, die höchste Verantwortung tragen, stehen einfältig auf
dem Standpunkt, Fehler machen alle Menschen, so auch die WTG, wenn sie jetzt das Ende
wieder verschiebt.
Ja, es ist eine erschreckende Einfalt. Wenn die WTG eine falsche Lehre verkündigt, wie "1975", dann vertraten sie das rücksichtslos als "Speise vom Herrn", als "göttliche Wahrheit", als "Licht von Gott". Als "Rebell" gegen Gott wurde jeder verfolgt, der dagegen Einspruch erhob. Wenn sich dann aber erwiesen hat, daß die "Rebellen" recht hatten, daß es nicht von Gott war, oft genug vielmehr eine weltweite Irreführung, dann sagten sie sich und anderen einfach, es seien menschliche Fehler gewesen! Immer wieder aufs neue, solange schon, wie die WTG die Bibel auslegt. Es treffe daher voll auf die WTG zu, was in 5. Mose 18:18-22 gesagt ist. Man müsse sich von falschen Propheten trennen. Die Mühe von CV könne nicht hoch genug geschätzt werden. Aus Nächstenliebe muß man vor Gefahr warnen. Die falsche Prophetiererei der WTG wäre die größte Gefahr für alle Menschen, würden sie ihr glauben. Kein Christ dürfe mehr in die Gefahr kommen, den falschen Verkündigungen der WTG zu folgen.
In Wirklichkeit sieht es sehr bitter in der Organisation aus. Die WTG sehe einen ungeheuren Schwund auf sich zukommen für die Aufrechterhaltung ihrer Organisation, wenn allen ihre falschen Lehren bewußt werden. Wer würde noch freiwillig für sie arbeiten?
Wer viel "hinter die Kulissen" der Organisation schaut, muß zuviele Erscheinungen von Unmenschlichkeit feststellen. Der "Machtrausch" vieler in ihren Dienstämtern sei furchtbar, obwohl sie in Wirklichkeit völlig unfähig sind. Doch haben sie die "Ernennung" durch die WTG. In den Studiengruppen gibt es keine wirkliche freie Diskussion der tatsächlichen Probleme. Es gibt für die einzelnen keine Kontakte über die kleine Gruppe hinaus, so daß alles höchst eingeengt ist. Der nötige Gedankenaustausch ist einfach unmöglich. Wer dennoch seine Probleme in der Versammlung vorbringt, wird mit Ausschluß bedroht.
Jeder der ehrlich ist, weiß es und gibt es zu, daß mit 1975 ein falsches Weltende verkündigt wurde. Aber jetzt werde von der WTG das Datum einfach "herumgedreht", als hätte sie niemals 1975 verkündigt. Es sei ein großes Ablenkungsmanöver im Gange. Es wurde auf der Beratung der Brief eines WTG-Überrestgliedes vorgelesen, datiert vom 16. 1. 67, kurz nachdem die WTG das Weltende von 1975 ausgegeben hatte. Was darin über 1975 geschrieben wurde, wurde geschrieben als zuverlässiger Trost für Eltern, deren Kind in Lebensgefahr schwebte, und die somit mit dem Tode des Kindes rechnen mußten. Es hieß entsprechend dieser Weltendeverkündigung der WTG für 1975: "Wie herrlich ist doch die Hoffnung auf Gottes neue gerechte Ordnung der Dinge, wo es Krankheit und Tod, Schmerz und Leid nicht mehr geben wird. Es ist etwas Beruhigendes zu wissen, daß wir mit Riesenschritten dieser Zeit entgegengehen. Eins steht fest: 1975 sind 6000 Jahre seit Erschaffung Adams um, und anschließend beginnt die Tausendjahrherrschaft Jesu Christi. Da gibt es nichts daran zu rütteln, denn das steht biblisch und chronologisch fest, außerdem lügt Gott nicht. So wird die Generation, die 1914 bewußt erlebt hat, auch noch das Ende dieses Systems der Dinge erleben."
Solche WTG-Überrestglieder stehen heute,
im Jahre 1977 da mit einer Irrlehre in der Hand, mit der die ganze Menschheit irregeführt
wurde!
Die schwerwiegendste Sache sei nun die Aussichtslosigkeit
für die alten und oft sehr alten Brüder und Schwestern überall. Sie werden von der WTG
geistig allein und im Stich gelassen, was sie sehr deutlich merken, da die WTG sich auf
eine weitere Generation orientiert. Viele Alte liegen jetzt geistig völlig am Boden, da
sie die letzten der 1914Generation sind, die in Wahrheit nichts erlebt, sondern
unerbittlich ins Grab geht. -
Der Bericht über die CV-Beratung wird fortgesetzt. (CVN)
WAS WIRD UNS DIE ZUKUNFT BRINGEN?
Auch der "Verzug um eine kleine Weile" geht nun
vorbei
Probleme und Denkanstöße
Bis vor kurzem wurde von der leitenden Körperschaft der WTG,
die sich als göttliches Sprachrohr oder göttlicher Kanal bezeichnet, was praktisch
unfehlbar bedeutet - andernfalls wäre es nicht von Gott - noch als absolut sicher
verkündigt, daß im Herbst des Jahres 1975 die 6000 Jahre der Existenz der Menschheit
enden. Das sei gleichlaufend mit dem 6. Tausendjahrtag. (Ewiges Leben in der Freiheit der
Söhne Gottes, Seite 38).
Doch was ist geschehen? Was geschah nach den vorangegangenen Prophezeiungen aus diesem göttlichen Sprachrohr ,im Laufe der Zeit, in der uns diese Religion, diese Wahrheit offenbart wurde? Nun, alle möglichen, unser Weltgeschehen beeinflussenden Ereignisse wurde Geschichte, wurden Wirklichkeit Doch das, was laut Aussage der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas im Namen Jehovas geschehen sollte, blieb aus!
In den unzähligen Schriften mit jeweils "immer helleren" Erkenntnissen über den Willen Gottes und gleichzeitigen düsteren Aussichten für die, die sich diesem "helleren Licht" verschließen, wird in Wirklichkeit der Beweis erbracht, wie sehr man sich in Wahrheit von dem Worte Gottes, der Bibel, entfernt hat, darüber hinausgegangen ist.
Zum Entnehmen von Bibelsprüchen zur "Beweisführung" im Sinne der WTG scheint sich ja die heilige Schrift noch zu eignen. Wie wäre sonst zu erklären, daß man kaum mit der Bibel die Studien der einzelnen Interessierten fundiert? Bald wird die Schrift nur noch zum oberflächlichen Lesen der Kapitel benützt. Ohne echtes eigenes Studium und Erarbeiten, da der WT immer die "richtige" Deutung vorschreibt. Die Auseinandersetzung mit dem komplizierten Inhalt und mit der Aussage des Textes wird auf einer "höheren" Ebene geführt, die durch die WTG vorprogrammiert ist. Noch "unten", wo die Schrift Mündigkeit verlangt, wird stattdessen vorgeschrieben und nur noch bevormundet. Dafür geht es von "oben" anscheinend weitaus reibungsloser, denn die Widersprüche in den Erklärungen der Leitenden Körperschaft übertreffen sich selbst inzwischen numerisch an Größe und Ausmaß!
Was nach wie vor bleiben wird
Die Heilige Schrift bleibt nach wie vor das, was sie ist: Das
Wort Gottes. Die historische und unauslöschliche Niederschrift vom Wirken seiner Kraft
und dem lebendigen Zeugnis seiner wahrhaftigen Existenz, dem Leben seines einzigen Sohnes
Jesus Christus. Und in den Jahren des Wandelns Jesu auf Erden hat er, der Erste Prophet
seines Vaters, auf Befragen seiner Jünger und Andersdenkender nach dem größten aller
Gebote stets geantwortet: "Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen
Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Sinn. Dies ist das erste und
größte Gebot. Das zweite, ihm gleiche, ist dieses: Du sollst deinen Nächsten lieben wie
dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten".
Matth. 22, 37-40 NW. Das bleibende Wesen des Christentums wird getragen vom Stand der
Erfüllung dieser zwei gleichwertigen Gebote unter den Menschen überall. Es hängt also
von unserer Glaubens- und Tatkraft ab. Und wenn alles nicht so bitterer Ernst wäre,
könnte man ebenso ernsthaft resümieren und in Abwandlung eines geläufigen Spruches
sagen: "Warum in die Ferne schweifen? Siehe, das Richtige und Gute liegt so
nahe!" Diese Logik beim Setzen von neuen Denkanstößen muß man weiter verfolgen.
Die Basis aller nun erforderlichen Neuorientierung müssen also immer jene größten aller
Gebote sein. Das bisher Gesagte ergibt nach dem Endzeitfiasko von 1975 die Forderung nach
einer totalen Erneuerung auf solider biblischer, historischer und ökumenischer Basis im
Hinblick auf alles, was bisher in religiöser, politischer, ökonomischer und sozialer
Hinsicht (die irdischen Interessen) falsch gedeutet wurde, was mit 1975 zusammengebrochen
ist.
Was man bei den Zeugen Jehovas
beachten sollte
Das tiefe Glaubensbekenntnis der Zeugen Jehovas ist im Jahre
1975 in der Seele eines jeden aufrichtig Glaubenden und Hoffenden gespalten worden. Die
Eskalation der WTGFalschprophezeiungen hat mit der 1975-Endzeitproklamation einen
vorläufigen Gipfelpunkt erreicht und zu der Tatsache geführt, daß sich immer mehr
Zeugen Jehovas vom "Sprachrohr Gottes", das keins ist, der WTG, freimachen.
Dieses "Sprachrohr" hat sich als allzu identisch mit einer rein menschlichen
Organisation, der Leitenden Körperschaft, erwiesen und nicht als das, was es vorgibt zu
sein: göttlich. Keiner menschlichen Körperschaft steht es zu, als Mittler zu Gott zu
fungieren. Dafür hat Gott nur den einen gesandt: Jesus Christus. Die Leitende
Körperschaft mag sich drehen und wenden wie sie will, sie weiß es selbst nur zu genau,
daß ihr "göttlicher" Anspruch einem Mittleranspruch gleichkommt!
Es wird immer deutlicher, daß das Verbleiben in einer Religion der "Auserwählten", die "allein in der Wahrheit" sein wollen, mit 1975 auch die letzte Glaubwürdigkeit verloren hat und mit dem christlichen Gewissen nicht mehr zu vereinbaren ist, wenn die Erfüllung der beiden größten Gebote des Herrn im persönlichen Glaubensleben ganz obenan stehen soll. Sie verlassen aus diesem Grunde die Organisation und haben es zum Teil schon getan. Umso besser können sie nun in der Befolgung dieser beiden größten Gebote nachahmenswert vorangehen und segensreich wirken, ohne sich durch haltlose Prophezeiungen lächerlich und unglaubwürdig zu machen.
Viele Brüder und Schwestern, die sich in den letzten Monaten und Jahren von der WTG und Leitenden Körperschaft losgesagt haben, weil es ihnen ihr christliches Gewissen gebot, sind indes nicht mehr geneigt, weiter aktiv zu sein. Möchten sie sich ermuntern lassen, ihre Erfahrungen Zurverfügung zu stellen, um anderen zu helfen, ebenfalls freizuwerden.
Es ist auch so, daß die WTG das Vertrauen in andere christliche Gemeinschaften so gründlich vernichtet hat, indem sie als "babylonisch" verurteilt wurden, daß selbst nach dem Zusammenbruch des Glaubens an die WTG und ihre Endzeit dieses Vertrauen damit längst nicht wieder hergestellt ist. Die jahrelange spezifische Prägung als Zeugen Jehovas unter der WTG ist diesen Christen nicht so ohne weiteres durch Glaubensbekenntnisse anderer Kirchen und Gemeinschaften zu nehmen oder zu ersetzen.
Die Enttäuschungen durch die WTG haben
sich nicht wenigen auch derart in die Herzen gebrannt, daß sie den Glauben ganz
aufgegeben haben und sich nun von jeder christlichen oder religiösen Hoffnung
distanzieren.
Auch dies ist zu sehen: In ihren Zusammenkünften als Zeugen
fühlten sie sich als eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten und ermunterten sich oft
gegenseitig im Ausharren auf den Lohn für alle Demütigungen und Verhöhnungen, die ihnen
die WTG einbrachte. So fühlten sie sich geborgen und sicher, allerdings nur, solange sie
eifrigen Dienst versahen und die Normen der WTG erfüllten. Obwohl so ziemlich alles an
"Übertretungen" dieser Normen durch Reue wieder zu begradigen war, konnte der
erneute "Vertrauenserwerb", dem er sich unterziehen mußte, den Sünder zuweilen
dermaßen überlasten, daß ernsthafte psychische Schäden die Folge sein mußten.
Mit Sicherheit kann man auch davon ausgehen, daß viele Aufrichtige nur noch deshalb in der Organisation verbleiben, weil sie sich draußen, in der "Welt", womöglich nicht mehr zurechtfinden könnten. Wer ist denn da, wer kann sie verstehen? Wer kann sagen, wie es weitergehen soll?
Schließlich wird auch gelegentlich
gefragt ob die WTG-Erziehung überhaupt zu korrigieren ist. Es sei sehr kompliziert und
aufwendig, die Psyche und Charakterstruktur der Betroffenen zu analysieren. Dennoch müsse
das wohl auch geschehen Die Frustrationen unter der WTG müßten einmal ausgesprochen
werden, um sie zu überwinden. Die Erkenntnis, daß das Leben als Christ erst recht an
Bedeutung gewinnen wird, wenn wir ohne WTG-Irrwege in den Fußstapfen Jesu wandeln, wird
den Beweis erbringen, daß es doch "anders geht". Es wird das bizarre Gebilde
von Ängsten, Drangsalen und Furcht vor den WTG-Sanktionen entkrampfen und allmählich das
Verständnis für die christliche Hauptaufgabe entwickeln, die auch nach dem Zusammenbruch
des WTG-Weltendeglaubens bestehen bleibt. Das Christentum war vor der WTG und wird auch
noch ihr sein. -
HJF
WELTKONFERENZ RELIGIÖSER VERTRETER FÜR
DAUERHAFTEN FRIEDEN, ABRÜSTUNG UND GERECHTE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN VÖLKERN VOM 1. BIS
6. JUNI 1977 IN MOSKAU
Oder nach 1975 besser weiter auf das WTG-Weltende warten?
Wer da zusammenkommt und wer nicht
Nach den veröffentlichten Informationen über die
Weltkonferenz kommen im Juni 1977 in Moskau etwa 500 Vertreter christlicher Konfessionen
und großer Weltreligionen wie des Islam, des Judentums, des Buddhismus, Hinduismus und
des Shintoismus zusammen. Besonders starkes Interesse findet die Konferenzthematik bei
Kirchen und Religionsgemeinschaften in Afrika und Asien. Ein internationales Komitee hat
die Konferenz vorbereitet. Die Vertreter kommen aus der ganzen Welt, aus den
sozialistischen wie aus anderen Ländern. Allerdings wird man unter den vertretenen
Religionsgemeinschaften die WTG und Zeugen Jehovas vergeblich suchen. Die WTG hält sich
und ihre Zeugen nicht nur abseits, sondern sie läßt überall Gegnerschaft auch gegen
diese Konferenz bezeugen und bewirken.
Die WTG und die Zusammenarbeit von
Christen mit anderen
Trägt man zusammen, was die WTG bisher zu Kommunisten und
Kommunismus gepredigt hat, so kommen Kübel voll politischer Verleumdung, Schmutz und Haß
zusammen. Vergewissern wir uns. Bevölkerung in der DDR "in völliger Sklaverei"
(WT 15. 2. 53), "wilde Tiere hinter dem Eisernen Vorhang in unsinnigem Wahn" (WT
1. 6. 52), "kommunistisches Übel" (WT 1. 12. 53), Ungeziefer,
"kommunistenverseucht" (Erw. 8. 4. 53), "Mörder, die eine verderbte Nation
aufbauen" (WT 1. 4. 56) u. a. m. Mit ihrem Babylon-Buch von 1965 (S. 537)
vergewaltigt die WTG einfach alle ihre Zeugen politisch für alle Zeit, die Haltung der
Zeugen Jehovas gegenüber dem Weltkommunismus habe sich nicht geändert. Christen, die gar
mit Kommunisten zusammenarbeiten, wie lebenswichtig das auch ist, werden als
"Huren" angeprangert, die mit "Gotteshassern ins Bett" gehen. (WT 1.
3. 74) Die WTG ist auf diese Weise unter den Religionsgemeinschaften mit großem Abstand
offensichtlich die gehässigste und aggressivste antikommunistische Institution, um
Christen zu Feinden der Kommunisten und anderer fortschrittlicher sozialpolitischer
Kräfte zu machen.
Sind die Kommunisten "Gotteshasser"? Die WTG-Argumentation ist fast primitiv, von allem anderen abgesehen. Es sei hier nur darauf hingewiesen, daß es schon früher unterschiedliche Kommunisten gab, z. B. utopische Kommunisten, desgleichen religiöse, wie den namhaften Führer im Bund der Kommunisten im 19. Jahrhundert, Wilhelm Weitling. Andererseits, wenn ein Mensch nicht daran glaubt, daß es einen Gott gibt, also für ihn überhaupt kein Gott da ist, so kann er gar kein "Gotteshasser" sein, ebensowenig wie man jemanden lieben kann, den es gar nicht gibt. Die WTG betreibt da eine üble politische Brunnenvergiftung, um einfache gläubige Menschen antikommunistisch aufzuhetzen, auf daß sie sich politische Feindschaften zuziehen, die die WTG dann in "Märtyrertum" umdreht und verfälscht.
Die wirkliche Haltung wurde auf der "Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien Europas" vom 29. und 30. Juni 1976 in Berlin im Hauptdokument dieser Konferenz wie folgt zum Ausdruck gebracht: "Die an der Konferenz teilnehmenden kommunistischen und Arbeiterparteien . . . halten es für wichtig, daß alle Werktätigen, ungeachtet ihrer politischen und religiösen Anschauungen, die Anstrengungen im Kampf für ihre Lebensinteressen vereinigen..... Eine wichtige Rolle im Kampf um die Rechte der Werktätigen, für Demokratie und Frieden spielen immer breitete katholische Kräfte, Angehörige anderer christlicher Religionsgemeinschaften und Gläubige anderer Konfessionen. Die kommunistischen und Arbeiterparteien sind sich der Notwendigkeit des Dialogs und gemeinsamer Aktionen mit diesen Kräften bewußt, was ein untrennbarer Bestandteil des in demokratischem Kampfes für die Entwicklung Europas in demokratischen Geist, in Richtung auf den sozialen Fortschritt ist." (S. 27, Reden und Dokumente der Konferenz, Dietz 1976) Hätte man die WTG mit ihrem 1975-Weltende ernst genommen, so hätte man auch diese Konferenz 1976 in Berlin nicht machen dürfen.
Der Zweck der Weltkonferenz 1977 in Moskau
Der Exarch des Moskauer Patriarchats für Berlin und
Mitteleuropa, Metropolit Philaret, gab folgende Erklärung über die Weltkonferenz:
Zweck des Treffens in Moskau sei weder die Entfachung eines
religiös-theologischen Meinungsstreites, noch gar die Ausformulierung einer
"allreligiösen" Bekenntnisgrundlage. Es sei vielmehr ein freimütiger Dialog
über aktuelle Lebensfragen, die alle Menschen, also auch die Gläubigen, betreffen.
Wichtigste Aufgabe der Weltkonferenz werde es sein, die Angehörigen von Kirchen und
Weltreligionen zu verstärktem Einsatz für Frieden, Abrüstung und soziale Gerechtigkeit
zu mobilisieren. Es gehe dem bevorstehenden Treffen in Moskau gerade um eine
Unterstützung sämtlicher säkulärer und ökumenischer Friedensaktivitäten mit dem
Ziel, deren vorwärtsführende Impulse in alle Religions und Glaubensgemeinschaften
einbringen und dadurch die dort noch ungenutzten ethisch-politischen Reserven aktivieren
zu helfen. Die Weltkonferenz religiöser Friedenskräfte in Moskau sei ein Impuls für die
Aktivierung der religiösen Repräsentanten zu verstärkter Teilnahme an der Errichtung
eines dauerhaften und gerechten Friedens unter den Völkern.
Auf einem Kolloquium zur Vorbereitung der Weltkonferenz, das in Prag, CSSR, stattfand, stand speziell das zu führende Gespräch christlicher Vertreter, evangelisch wie katholisch, mit den nichtchristlichen Religionen zu Diskussion. Im Bericht über dieses Vorbereitungs-Kolloquium heißt es: "Die Konfessionsunterschiede zwischen den Teilnehmern waren meist gar nicht sichtbar. Die gemeinsamen Aufgaben scheinen viel stärker zu sein als vergangene Unterschiede und Streitfragen Die Zeit ist reif nicht nur für ökumenische Aktionen, sondern auch für die ökumenische Theologie."
Einige Fragen an Jehovas Zeugen
Es ist nachweislich: Harmagedon sollte schon nach 1890 sein,
dann 1914, dann 1918, dann 1925, dann um 1939/45, dann 1972, jetzt 1975, und nun
verschiebt die WTG wieder! Reicht das wirklich noch nicht? Jedem Außenstehenden, an den
man sich damit wandte, mußte das von Anfang an reichen! Durchdenkt doch einmal, was es
für Folgen gehabt hätte, hätten alle Menschen z. B. das WTG-Weltende für 1925 ernst
genommen und geglaubt!
Was soll man nun nach 1975 machen? Keiner, der das Endzeitspiel schon über hundert Jahre lang überschaut, wobei Generation um Generation versprochen wurde, sie werde "nicht vergehen", kann die WTG noch ernst nehmen. Es bleibt darum beim besten Willen nichts weiter übrig, als daß alle Menschen die WTG als verantwortungslos zurückweisen und die zu lösenden Lebensfragen im kleinen wie im großen, was nicht zu trennen ist, selbst in die Hand nehmen. Oder was sonst? Soll man auf einen neuen Termin der WTG warten? Nein, der Mensch lebt sehr richtig "nicht vom Brot allein", wie Jesus in Matth. 4:4 sagt, was jedoch bedeutet, daß er zuerst vom Brot lebt. Ein Verhungerter kann auch Gott nicht mehr dienen, oder auch nur irgendetwas anderes tun. Dies ist nicht nur das Schicksal von Christen, sondern wie Jesus sagt, der Menschen schlechthin. Und nur durch die Erhaltung des Friedens und Schaffung gerechter Beziehung zwischen den Menschen und Völkern kann dieses "Brot" gedeihen und alle hinreichend sättigen.
Von der Weltkonferenz religiöser
Vertreter 1977 in Moskau können darum auch für die Zeugen Jehovas vorwärtsführende
Impulse ausgehen. Das bloße Stattfinden dieser Konferenz im Jahre 1977 ist schon ein
vernichtendes Urteil über die WTG und ihre mit 1975 erneut als unglaubwürdig erwiesene
Endzeitverkündigung. Noch gar nicht zu reden von der notwendigen Aufgabenstellung dieser
Weltkonferenz! Und daß sie in Moskau stattfindet, sollte ein weiterer Grund dafür sein,
sich von niemandem und nirgends als Christ weiter antikommunistisch aufhetzen und
mißbrauchen zu lassen, wie wir uns eingangs die WTG betreffend vergewisserten. -
F. F.
WESSEN ZEUGEN SOLLTEN CHRISTEN IN WAHRHEIT
SEIN?
Zeugen Jehovas? Zeugen Jesu Christi?
Beitrag zum Dienst am Wort als freier Christ - 9
So spricht der Herr: "Wenn ihr in meinem Worte bleibt,
so seid ihr wahrhaft meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit
wird euch freimachen." Joh. 8, 32-33
Dieser Leittext diente dazu, die Fragen nach der Wahrheit und Freiheit aufzuwerfen und kurz abzuhandeln. So konnte festgestellt werden, daß sich die Wahrheit in der Summe des Wortes Gottes wiederfindet und im besonderen im Evangelium von Christus zum Ausdruck kommt. Die angesprochene Freiheit liegt in der Gotteskindschaft, die durch die Wirksamkeit des neuen Bundes jede Furcht und Knechtschaft überwindet und zur Sohnschaft Gottes durch die Gleichheit der Gesinnung (Gemeinschaft des Geistes Christi) führt Die Folge dieser Feststellungen war, mit der Betrachtung der Bergpredigt des Herrn (seines Wirkens Auftakt) eine Einführung auf den Inhalt und die Bedeutung der "frohen Botschaft" zu geben.
Welche Erkenntnisse wurden bisher
vermittelt?
Der Liebesratschluß Gottes - die Menschheit zur
Zweckbestimmung der Erschaffung (Leben) zurückzuführen - ist ein fortschreitendes Werk.
Es reicht von der Beschlußfassung über die Verheißung und Verkündigung durch die
Propheten, die Sendung des Heilandes und seiner Erlösungstat bis zur Vollendung bei der
Wiederkunft des Herrn. Die wichtigste Station war zweifellos die Erdensendung des Sohnes
Gottes und der Anfang des Verkündigens der Botschaft des Friedens mit Gott und das Mittel
des Beschreitens des Weges des Heils durch ihn selbst. Diese Wende der Zeit und die neue
Form der Heiligung war es wohl, was die Juden damals und viele, die sich heute Christen
nennen, nicht begriffen haben oder sich nicht mit den Gegebenheiten abfinden wollten.
Welche Fragen ergeben sich weiterhin?
"Wenn ihr in meinem Worte bleibt heißt doch erst
einmal, daß es das Wort des Herrn sein muß, dem wir nachgehen oder anhängen oder zum
Inhalt des Glaubens bzw. Glaubenslebens machen! Es gibt leider zuviele, denen dieses Wort
Jesu Christi tatsächlich zu einfach ist und es paßt ihnen auch nicht, daß sich die
Heilige Schrift selbst erklärt. Somit ist es nicht verwunderlich, daß man sich durch
Erkenntnisfragen zu unterscheiden sucht und das Christentum der Tat nicht oder nur wenig
erkennbar ist.
Wer von den Zeugen Jehovas hat sich schon
einmal gefragt, mit welchem christlichen Recht er diese Bezeichnung führt und ob sie im
gegenwärtigen Stand des Werkes Gottes überhaupt aktuell und akzeptabel ist?
Wer ist denn fähig und würdig, Jehovas Zeuge zu sein?
Darüber braucht man nicht lange herumzurätseln. Die Schrift
hält jede Auskunft bereit. Im Buch der Offenbarung ist zu lesen: "Gnade euch und
Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt und von Jesu Christo, welcher
der treue Zeuge ist." (Offb. 1, 4-5). Weiterhin: "Dieses sagt der Amen, der
treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes." (Offb. 3, 14)
In der Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten über die Vollmacht seines Tuns und seines Gotteszeugnisses gab Jesus ein paar treffende Antworten, die auch die hier aufgeworfene Frage hinreichend beantworten. Wir lesen: "Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen . . . warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Wenn ich mich selbst ehre, so ist meine Ehre nichts, mein Vater ist es, der mich ehrt, von welchem ihr sagt, er ist unser Gott. Und ihr habt ihn nicht erkannt, aber ich kenne ihn " (Joh. 8, 42-43 u. 54 -55)
Bemerkenswert ist, daß der einzig w i r k l i c h e Zeuge Gottes niemals den Namen "Jehova" aussprach, sondern Gott als seinen Vater offenbarte und ihn auch unter diesem Namen seinen Jüngern gegenüber nannte. So sagte er z. B.: "Denn der Vater selbst hat euch lieb . . ." (Joh. 16, 27). Oder im hohenpriesterlichen Gebet in Joh. 17 spricht Jesus als vom Namen Gottes nur immer wieder vom "Vater", den er auch seinen Jüngern offenbart hat (Verse 6 und 26). Es sei hier vorweggenommen, daß Gott als "Vater" ein ganz wesentliches Merkmal im neuen Bunde ist.
Wessen Zeugen sollten wir aber sein?
Kurz vor seiner Himmelfahrt sagte der Herr zu den Seinen:
"Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch gekommen ist, und
ihr werdet m e i n e Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in Judäa und Samaria und
bis an das Ende der Erde." (Apg. 1, 8). Damit ist klar abgesteckt, wem unser Zeugnis
gilt, wessen Zeugen wir zu sein haben! Das Mittel aber ist das Bekenntnis durch das
Christentum der Tat. Jedenfalls sagte der Herr diesbezüglich: "Nicht jeder, der zu
mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines
Vaters tut, der in den Himmeln ist." (Matth. 7, 21). Herauszufinden, was der Wille
des Vaters ist, ist nicht schwer. Jedenfalls für uns nicht, die wir Christus angehören
sollen und auch wollen. Das ganze neue Testament ist dieserhalb für uns geschrieben und
voll davon!
Das bisher Gesagte sollte deutlich machen, welche Bilanz es für uns zu ziehen gilt. Es lohnt sich nicht, sich mit der Entwicklungsgeschichte im Heilsplan Gottes zu befassen und sich nachträglich als Gefährte historischer Helden einreihen zu lassen und dabei mit längst überholten und völlig inaktuellen Motiven zu operieren. Die "Neue Welt Lehre" der Jonadabklasse ist das typische Beispiel solches Unvermögens von Bibelkenntnis. Jedes Schulkind würde sofort feststellen können, daß wir an einem Zeitpunkt angekommen sind, der die Menschheit und das Werk Gottes einige Tausend Jahre weitergebracht hat. Dazu gehört auch die Bezeichnung "Zeuge Jehovas".
Fragen wir uns nach dem Grund dieser ungewöhnlichen Entgleisung solcher Bibelforscherei, so kann man nicht umhin, die Gedankenparallele festzustellen: "Warum versteht ihr meine Rede nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Wer aus Gott ist, hört auf meine Stimme." Es ist angebracht, hier. noch einmal an ein Schriftwort zu erinnern, wie es in dem einzigartigen Hebräerbrief zu lesen ist: "Nachdem Gott vielfältig und auf mancherlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohne." (Hebr. 1, 1). Und weiter: "Deswegen sollen wir umso mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa abgleiten. Denn wenn das durch Engel geredete Wort fest war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam Vergeltung empfing, wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung vernachlässigen? welche, nachdem sie den Anfang der Verkündigung durch den Herrn empfangen." (Hebr. 2, 1-3)
Also, warum in der Vergangenheit herumgrasen und neue Heilspläne und -methoden herausfinden wollen? Was zu dem verheißenen Reich der Himmel zu sagen ist, liegt uns sogar in gedruckter Form vor. Und dieses Geistesgut stammt von keinem Geringeren als dem Sahne Gottes in völliger Harmonie mit dem Vater. Was gibt es da noch zu deuteln? Oder ist es zu einfach, zu verständlich? Muß man sich einen Namen machen, Gelehrsamkeit bekunden, Sensationen verbreiten?
Es ist eine traurige Tatsache, daß es auch außer den Zeugen Jehovas immer noch viele Christen gibt, die sich nicht damit abfinden können, daß chronologische Berechnungen nicht Im Sinne des Herrn sind, niemals aufgegangen sind und auch nie aufgehen werden. Woran liegt das? Einfach daran, daß der Kernpunkt des Reiches Gottes nicht im Ablauf weltpolitischer Ereignisse liegt, sondern in der Umgestaltung des Wesens, des Charakterbildes der zur Teilhaberschaft Berufenen. Dieser Entwicklungsstand und die Zahl der Beteiligten gegen gegebenenfalls "grünes Licht" für den Beginn des Gottesreiches. Und diese Kenntnis ist niemandem auch im Geringsten gegeben. Alles andere ist Spekulation und zum Scheitern verurteilt. Schon deswegen, weil sie von dem Hauptziel, das anzustreben ist, ablenken. Es gilt ja in zunehmendem Maße Christusähnlichkeit als ein echtes Bedürfnis des Herzens zu erreichen. Dazu ist die Vorbedingung: Sein Wort hören zu können, es sich zu eigen zu machen und in die Tat umsetzen. Das ist etwas anderes, als den Tag der Rache Gottes auf Andersgesinnte herabzupredigen und in überheblicher Selbstgerechtigkeit an den Antritt des herrlichen Erbes zu denken!
Für einen prophetischen Ausspruch sollten wir uns sehr interessieren und uns bemühen, in zunehmendem Maße Verständnis darüber zu erlangen und selbst immer mehr damit in Übereinstimmung zu kommen. Wir lesen ihn in Jer. 31, 31-34 und behandeln ihn in der nächsten Folge in CV.
Für die christliche Frau
DAS WEIB SCHWEIGE IN DER GEMEINDE - EINE TEXTFÄLSCHUNG
Ergebnisse einer Untersuchung
- Zusammenfassung des Inhalts einer sozialgeschichtlichen
Studie mit dem Titel "Ärger mit der Freiheit. Der Beitrag von Frauen zum Leben
frühchristlicher Gemeinden". Von Prof. Klaus Thraede, Regensburg. -
Um richtig einschätzen zu können, welche Möglichkeiten Frauen im urchristlichen Gemeindeleben hatten, und wie die Aussagen neutestamentlicher Schriftsteller über Rechte und Pflichten der Christin zu bewerten sind, muß man die Stellung der Frau in der damaligen griechisch-römischen Gesellschaft kennen. Im Hellenismus nahmen zumindest die Frauen der Oberschicht ungezwungen am geselligen und kulturellen Leben teil. Es gab Mädchenbildung, Frauen studierten, die Philosophenschulen waren beiden Geschlechtern geöffnet. Frauen konnten über ihr eigenes Vermögen verfügen, es gab weibliche Landbesitzer oder Frauen, die eine Transportflotte besaßen. In der Mittelschicht gab es selbständige Berufstätigkeit von Frauen. Politik allerdings war den antiken Frauen - außer bei Hofe - im allgemeinen verschlossen dennoch haben sie in der Kommunalpolitik mitgewirkt, auch waren sie an außenpolitischen Gesandtschaften beteiligt. Das Rom der späten Republik hatte diesen ASPEKT der hellenistischen Kultur übernommen. In italischen Landstädten der frühen Kaiserzeit sind Frauen leitend in der Kommunalverwaltung tätig. Sie gehören zum Bild damaliger Öffentlichkeit in Kultur und Wirtschaft: Frauen sind Schriftstellerinnen, sie stehen Firmen vor und sind in politischer Mission unterwegs. In den östlichen Provinzen und mehr noch in Rom und Italien gibt es Priesterinnen, nicht nur im Mysterien-, sondern auch im Herrscherkult.
Die Literatur spiegelt Diskussionen über die Rolle von Frauen in Haus und Gesellschaft: der alter Tradition verpflichtete Standpunkt sieht sie als gehorsam-züchtige Hausfrau, dagegen wandten sich Stimmen, die das alte Unterordnungsdenken für überwunden hielten. Keinesfalls jedoch war die vorchristliche Ethik einhellig auf die Herrschaft des Mannes festgelegt.
So trifft das Urchristentum auf eine offene bis zwiespältige Situation. Frauen sind gleichwertig in Mission und Gottesdienst tätig, ihre Mitarbeit entspricht zeitgenössischen Sitten und trägt zu einem guten Teil die Entwicklung.
In Jesu Jüngerschaft soll es auch Frauen gegeben haben auf palästinensischem Boden und im judenchristlichen Denken wird man allerdings wenig Kompetenzen für die Frau erwarten können. In den heidenchristlichen Gemeinden römisch-griechischer Städte jedoch trugen die Frauen Verantwortung Christinnen verschiedener sozialer Schichten unterstützen die Gemeinden, missionieren, lehren. Frauen haben teil an "Gebet und Prophetie", es gibt also weibliche Gemeindepropheten Mindestens zur Zeit des Paulus ist solche verantwortliche Tätigkeit von Christinnen in Mission und Gemeindearbeit selbstverständlich, sie entspricht dem Maß an "Gleichberechtigung", das aus hellenistischer Umwelt vertraut war.
Obgleich Paulus die Mitarbeit von Frauen in Lehre, Gemeindegründung und Prophetie nicht angetastet hat, schlägt auch bei ihm einmal, wohl aus seiner jüdischen Tradition erklärbar, eine Aversion gegen die "hellenistische" Angleichung der Geschlechter durch: als er den Korinthern schreibt, daß die Frauen nicht unbedecktem Hauptes beten sollten. Der im gleichen Brief enthaltene Satz, daß das "Weib schweigen solle in der Gemeinde"; auf den so viele theologische Argumentationsgebäude aufgebaut wurden, erweist sich jedoch als Fälschung, als ein Einschub, der erst 80 Jahre später in den Paulus-Text geriet.
Das ist erklärbar mit einer Entwicklung, die Ende des 1. Jahrhunderts einsetzte: es begannen sich "patriarchalische" Kirchenordnungen durchzusetzen, mit einem zunehmend rechtlich-politisch begründeten Begriff von Amt und Autorität, Maßstäbe also, die aus den Normen des römischen Rechts und aus den offiziellen politischen Anschauungen genommen wurden und nicht aus den vorhandenen Glaubensaussagen Damit wird auch die verantwortliche Mitarbeit von Frauen an den Rand gedrängt.
Diese Anpassung an Strukturen der Reichsverwaltung war begleitet mit einer Polemik gegen kirchliche Verantwortung von Frauen. Frauenfeindliche Ideen synkretisch-asketischer Herkunft spielten bei dieser Abwertung der Frau eine Rolle. Man kann von einem frühkatholischen Bündnis zwischen Spätjudentum und römischem Recht sprechen. Die Durchsetzung hierarchischer Strukturen war politisch motiviert, eine sexualethische Zuspitzung des Sündenbegriffs stammte aus nicht-christlichen geistigen Strömungen der Zeit.
So entstand allmählich die Spaltung in (ausschließlich männlichen) "Klerus" und in "Laien". Frauen hatten keinerlei Möglichkeit, diese Kluft zu überspringen. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Christenverfolgungen: Frauen wie Männer erleiden das Martyrium. Doch während christliche Männer, wenn sie Folter, Gefängnis oder die Arbeit im Bergwerk überstanden hatten und in ihre Gemeinden zurückkehrten, aufgrund ihres erlittenen Schicksals sofort in den Klerus aufrücken durften, blieb dieser Schritt den Frauen, die Gleiches erlitten hatten, verwehrt. Der "geistlichen" Gleichheit im Bekennen vermochte die Amtskirche nicht mehr gerecht zu werden. Die inzwischen auch politisch-ideologisch untermauerte und auf klerikale Berufe gestellte Kirchenordnung nahm - zumindest bezüglich der Frauen - weder auf geistliche Leistung noch auf kirchliche oder gesellschaftliche Realität Rücksicht.
Damals wie heute ist die Frauenfrage in
der Kirche mit anderen Zusammenhängen gekoppelt, so mit dem Verständnis von Amt und
Gemeinde. Daß hier wie dort immer auch geschichtliche oder "nicht-theologische"
Momente mitspielen, lehrt der historische Befund gleichfalls. - (Korrespondenz
"Die Frau" 11/12, 1976, Frankfurt/M.)
Aus dem "geistigen Paradies"
unter der WTG
"KEIN WELTUNTERGANG - DA BRACHEN SIE BEI SEKTE EIN"
Zwilling wollten Schwindel bei Zeugen Jehovas aufdecken.
Freispruch, obwohl sie 40 Akten mitgehen liessen
Von Ulrich Lang
express Düsseldorf, 3. 3. 77 - Für den 30. Mai 1975 hatten
die Zeugen Jehovas den Weltuntergang vorausgesagt. Das trat nicht ein. "Alles
Betrug", schimpften die Zwillingsbruder Gerd und Horst S. Als dann noch ihre
Befürchtung hinzukam, die Zeugen Jehovas könnten Steuerschwindler sein, faßten sie den
abenteuerlichen Plan, ins Büro des Steuerberaters der Zeugen Jehovas einzubrechen. Diese
Aktion wurde jetzt von einer Richterin abgesegnet. Obwohl wegen Diebstahls angeklagt,
wurden die beiden Angeklagten freigesprochen.
Zehn Jahre lang stellten sich die Düsseldorfer Zwillingsbrüder Gerd und Horst S. ganz in den Dienst der Zeugen Jehovas Dann wurden die beiden wegen angeblichen Verstoßes gegen die biblischen Grundsätze aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Immer mehr verstärkte sich bei ihnen die Befürchtung: "Die Zeugen Jehovas treiben mit den Beiträgen Schindluder." Angeblich wurde das aus der "Wachtturm"-Broschüre erzielte Geld nicht voll versteuert und nach Amerika illegal weitergeleitet
Zum 30. Mai 1975 war von den Zeugen Jehovas der Weltuntergang vorhergesagt worden. Und er trat nicht ein. "Die Mitglieder sollen für dumm verkauft werden", fluchten die beiden vor Gericht und bekräftigten: "Wir wollten mit unserer Aktion aber mehr. Wir wollten beweisen, daß Steuern nicht rechtmäßig gezahlt werden." Am Abend des 30. Juli letzten Jahres waren Horst und Gerd S. ins Büro des Steuerberaters Ernst R., der die Belange der Zeugen Jehovas steuerlich vertritt, eingedrungen. Ihre Beute: 20 Aktenordner, darunter allein drei Ordner mit Freistellungsbescheiden diverser Finanzämter.
Strafverteidiger Dr. Günter Tondorf
interpretierte die Aktion:
"Eine Art außergerichtlicher
Beweiswürdigung
" Jegliche "Bereicherungsabsicht" fehle. In der Tat:
Gleich bei ihrer Festnahme hatten die Zwillinge die Kripoleute "aufgeklärt":
"Die Akten sind für den Staatsanwalt bestimmt." Der Anwalt triumphierte:
"Rechtlich bleibt nur noch ein Hausfriedensbruch übrig. Ein dementsprechender Antrag
wurde aber nie gestellt
". Nun - die Richterin schloß sich dieser Argumentation
an. Der Staatsanwalt hatte 2700 DM Strafe vergeblich - gefordert. . .".
CV-Anmerkung: Der Steuerberater ist Ernst Riemann, von der WTG eingesetzter öffentlicher Versammlungsaufseher in Düsseldorf-Derendorf. Das von der WTG für 1975 ausgegebene Weltendedatum war nicht der 30. Mai 1975, sondern der 5. September 1975, "Frühherbst 1975", wie WTG-Vizepräsident F. W. Franz auf dem WTG-Kongreß am 29. August 1975 in Westberlin (Deutschlandhalle) bestätigte (CV 77/ 1975. S. 2). Diese Monatsdifferenz ist aber unwesentlich, das Jahr 1975 war wirklich eine weltweite Weltende-Irreführung. Unabhängig von der eigenwilligen Amtshilfe für den Staatsanwalt, über die man anderer Meinung sein kann, als das Gericht, muß man sich den Schock vergegenwärtigen, den es bedeutet, zum Bewußtsein dessen zu kommen, sich durch Beteiligung an einer weltweiten Irreführung der Öffentlichkeit durch Predigt eines falschen Weltendes mitschuldig gemacht zu haben.
DÜSSELDORF: SITTENPROZESS, JAGD AUF
ZEUGIN JEHOVAS
Zwei Glaubensbrüder wollen Rache für eine Lüge. Sexträume einer Zeugin Jehovas
Sie hatte zwei Glaubensbrüder verleumdet. Vergewaltigung war erfunden Trotzdem
freigesprochen
Von Ulrich Lang
express Düsseldorf 2. 2. 77. - Sittenprozeß in Düsseldorf.
Angeklagt die 18 Jahre alte Elke M. Im Zeugenstand zwei ihrer Glaubensbrüder von den
Zeugen Jehovas. Die Blondine hatte behauptet, von den Männern (47 und 29 Jahre alt)
mißbraucht worden zu sein. Das war erfunden, vom Vorwurf der Verleumdung wurde sie
freigesprochen. Trotzdem ist der Fall nicht beendet. Die Männer kündigten Rache für
ihre verletzte Ehre an. Der Fall hatte einen Riesenwirbel entfacht.
"Erst haben sie mich willenlos gemacht. Dann wurde ich vergewaltigt." Diesen schweren Vorwurf mußten sich zwei Glaubensbrüder vor der Gemeinde von einer 18 Jahre alten Zeugin Jehovas gefallen lassen. Zwar stellte sich jetzt im Prozeß heraus: Es waren nur Sexträume, die das Mädchen für wahr gehalten hatte. Doch die beiden gläubigen Männer kennen jetzt kein Pardon mehr und erklärten ihr den Krieg. Aus allen Wolken fielen die beiden Zeugen Jehovas, Alfons J. (47) und Willi K. (29), als sie von der Gemeinde aufgefordert wurden, zu einer "äußerst heiklen Angelegenheit" Stellung zu nehmen. Die 18jährige Glaubensschwester Elke M. hatte sie beschuldigt: "Als die Ehefrau des einen zur Kur war, wurde ich in die Wohnung geführt, dort mußte ich mir Pornos ansehen, mit einer Rauschgiftspritze machten sie mich gefügig." Eine, der Zeugen Jehovas sollte sie nach ihren Angaben dann vergewaltigt haben '
Peinlich wurde es, als die blonde Elke bei einer Gegenüberstellung vor der Gemeinde bei ihren schweren Vorwürfen blieb. Für Willi K., von Beruf Industriekaufmann, schien die "Sache" umso schwerwiegender, weil zu dieser Zeit seine Ehefrau tatsächlich zur Kur weg war. Wegen Verleumdung stellten beide zu Unrecht ins Gerede gekommenen Zeugen Jehovas Strafantrag gegen ihre Glaubensschwester. Und jetzt weitete sich der Fall erst richtig aus. Auch die Mutter der 18jährigen Blondine, ebenfalls Zeugin Jehovas, wurde unter Anklage gestellt. Weil sie beim Schiedsmann gesagt haben sollte: "Was meine Tochter sagt, das stimmt. Sie lügt nicht."
Beide Herren traten im Prozeß als Nebenkläger auf. Und sie erschienen als Rachegötter. So jedenfalls sah es das Gericht. Elke und ihre Mutter wurden freigesprochen. Ein Psychiater hatte nämlich ausgesagt: Die Angeklagte ist vermutlich seelisch krank. Ihre Sexträume produziert sie in die Wirklichkeit. Nach dem Urteil erklärten die Zeugen Jehovas der Glaubensschwester erneut den Krieg: "Wir sehen uns in der nächsten Instanz wieder." Der Richter konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen: "Lassen Sie Ihre Rachegedanken fallen, finden Sie zu Ihrem inneren Frieden zurück."
Die Reporterin Elsbeth Kubsch (WZ 2. 2.
1977) berichtet über diesen Fall:
Mädchen belastete zwei Männer - aber: Vergewaltigung war
erfunden. Trotz Verleumdung freigesprochen. Zwei ehrenwerten Männern hat eine 17jährige
Verkäuferin schweres Unrecht angetan, und die Folgen sind noch nicht abzusehen. Über
acht Monate hinweg hatte sie behauptet, daß der eine von ihnen (28, Kaufmann) ihr in
seiner Wohnung in Abwesenheit seiner Frau Heroin gespritzt, ihr Pornos gezeigt, sie
vergewaltigt und geschwängert habe. Der andere (47, Justizangestellter) habe ihr
verschiedentlich unzüchtige Angebote gemacht. Die Anschuldigungen erwiesen sich als
erfunden. Nach zwei Verhandlungen wurde die Verleumderin freigesprochen.
Der Freispruch basierte auf dem Gutachten eines Psychiaters, der der Angeklagten (wenn auch mit einem Fragezeichen) wegen eines nicht auszuschließenden seelischen Leidens Schuldunfähigkeit attestierte, Die junge Angeklagte, in Liebesdingen nicht unerfahren, habe ihre sexuellen Wunschvorstellungen auf die beiden (gutaussehenden) Männer übertragen Mittlerweile glaube sie daran, was sie gesagt habe, äußerte sich der Gutachter. Danach blieb nichts als Freispruch übrig. Mit einer Verfahrenseinstellung bei dieser Sachlage zeigten sich die schwer getroffenen Männer nicht einverstanden. Sie verlangten Rehabilitierung, zumal Angeklagte wie Betroffene Angehörige der Zeugen Jehovas sind und die Gerüchte in ihrer Religionsgemeinschaft kreisen. So richtete sich ihr Sühnebegehren gegen die Mutter der 17jährigen, der sie Verletzung der Aufsichtspflicht gegenüber der Tochter anlasteten, weil sie sich vollinhaltlich hinter die Behauptungen ihrer Tochter gestellt habe. Das indessen erwies sich durch Vernehmung von Zeugen als unwahr, und das hatte zur Folge, daß auch die mitangeklagte Mutter Freispruch erzielte. Statt eines Pflasters für die noch immer offenen Wunden bekamen die beiden Männer harte Worte aus richterlichem Munde zu hören, der von "Rachegedanken" sprach und ihnen den dringenden Rat gab, sich davon freizumachen, damit sie ihren Seelenfrieden wiederfinden Als Antwort darauf kündete einer der Männer Berufung an. -
Der Reporter Günther Franke berichtet: "Elke hatte gelogen: Freispruch. Die Behauptung der 17jährigen Elke, 'ein Gemeindemitglied der Zeugen Jehovas hat mich unter Drogen gesetzt und anschließend vergewaltigt', war falsch. Das geistesschwache Mädchen wurde als unzurechnungsfähig freigesprochen Ihre Mutter, die die Behauptungen der Tochter als wahr unterstellt haben soll, wurde ebenfalls freigesprochen Vor zwei Jahren kriselte es unter den Düsseldorfer Sektenmitglieder der Zeugen Jehovas. Elke M. hatte behauptet, sie sei von dem lndustriekaufmann Willi K. durch eine Rauschgiftspritze willenlos gemacht und dann von ihm mißbraucht worden. Ein umfangreiches Verfahren wurde gegen den Kaufmann und ein weiteres Gemeindemitglied eingeleitet, das dem Mädchen ebenfalls unsittliche Anträge gemacht haben soll. Später stellten Sachverständige fest, "Elke M. ist geisteskrank". Nun wurde der Spieß umgedreht. Elke und ihre Mutter Irmgard (40) wurden von den beiden Männern wegen Verleumdung angezeigt." -
WARUM WERDEN DIESE VORKOMMNISSE IN CV
GEBRACHT?
Zunächst: Sie sind bereits veröffentlicht und werden in
ziemlich entstellter Weise weiterverbreitet. Eine sachliche Informierung ist also nötig.
Sodann: Das Motto, unter dem diese Vorkommnisse gebracht werden, deutet es schon an. Es
geht um das "geistige (Ersatz)Paradies", mit dem die WTG alle Zeugen Jehovas
parallel zu ihrer ständigen Verschiebung des Kommens des "irdischen Paradieses"
(jüngst wieder 1975) "einlullt". Es kann unter der WTG kein "geistiges
Paradies" geben. Diese Formulierung ist nicht nur unbiblisch, weil auch geistig uns
nichts anderes als Unvollkommenheit zugesagt ist, die anstelle des Guten das Böse
zustandebringt (l. Kor. 13:9, 10, Rö. 7:19-24). Ein "geistiges Paradies" ist
also eine Illusion, ein Bluff.
Nicht nur Bibelmißbrauch und Irrlehren grassieren in der Organisation, wie 1975 wieder bewiesen hat, und rufen furchtbare Geister auf den Plan. Ganze Versammlungen geraten durch Unzurechnungsfähige, durch Erfindungen, Lügen, Verleumdungen und Rachebestrebungen in Aufregung. Und das alles vor "weltliche Gerichte" gezerrt. Ohne Zweifel sind die Verleumdungen der beiden offensichtlich unschuldigen Brüder furchtbar. Wer möchte so etwas auf sich sitzen lassen. Doch ist ihr Gegenverklagen, ihre Rache, noch dazu vor einem "weltlichen" Gericht, christlich? Andererseits, "die Warte des Ohrenbläsers sind wie Leckerbissen" (Spr. 18:8), so daß es nur zu erklärlich ist, daß "die Gerüchte" in der Organisation "kreisen", und die beiden entschlossen sind, das Kriegsbeil nicht zu begraben. Und wenn es keine "weltlichen" Gerichte gäbe, die hier offensichtlich allein nur noch helfen können? Die Organisation würde sich zerfleischen müssen. Das Werk der WTG ist ein bloßes Menschenwerk. Dies ist mit den Vorgängen in Düsseldorf - Einbruch und Vergeltung für eine falsche Weltendeverkündigung seitens der WTG und entsetzliche Verleumdungen in den eigenen Reihen - nur erneut bestätigt.
Noch eines möchte durchdacht werden. Die WTG predigt ihren Jugendlichen einen rigorosen sexuellen Puritanismus, der soweit geht, selbst ernstlich Verliebten und Verlobten jede sexuelle Berührung bis zur Hochzeit als unsittlich zu verbieten.. Der "Wachtturm" regiert bis in den Geschlechtsakt hinein, Dutzende von Artikeln könnten zitiert werden. Aber auch in diesem Punkte gibt es keine "Vollkommenheit", und die Bibel verbietet Verlobten nirgends einen Kuß oder eine zärtliche Berührung. Die in Brooklyn diesen rigorosen Bibelmißbrauch im Namen Gottes heute zu Papier bringen, mögen alt und sexuell "jenseits von Gut und Böse" sein, wie man so sagt. Auf jeden Fall sind sie bigott und vergessen ihre eigene Jugendzeit. Mit ihrem rigorosen Extremismus aber, den die Schrift nicht einmal gebietet, treiben sie junge, unausgereifte, noch in Entwicklung befindliche Menschen, was auch körperlich noch sehr unterschiedlich sein kann, ihrerseits in Verzweiflung und ins Extrem. Man muß den Gerichtsentscheid über die Jugendliche Elke M. eher für sehr weise halten. Sollten sie eine jugendliche sexuelle Verwirrung juristisch für alle Zeit zur Geisteskrankheit erklären und das Mädchen zeitlebens ins Irrenhaus schicken? Vielleicht haben sich die Richter über den rigorosen sexuellen WTG-Rigorismus vergewissert? Das kann also alles überwunden werden. Der WTG aber muß auch hier ein extremes, vielleicht fanatisches Menschenwerk bescheinigt werden.
AUF ALLEN RUHT EINE GROSSE VERANTWORTUNG
Liebe Leser,
dies war einer der tragender Grundgedanken der Berliner
CV-Beratung. Wer Kenntnis von falschen Wegen hat und sieht oder erkennt, wie aufrichtige
Menschen auf solche Wege geführt werden, ohne daß sie es merken oder merken sollen, der
muß sich in seinem Gewissen vor Gott und den Menschen verpflichtet fühlen, den in seiner
Kraft und Möglichkeit stehenden Beitrag zur Bewahrung vor solchen Wegen zu leisten.
"Wer nun weiß, daß er Gutes tun soll, und es doch nicht tut, dem ist es
Sünde", sagt der Apostel in Jak. 4:17. Würden wir ein Kind über eine Brücke gehen
lassen, mit der es einbricht? Was wäre unsere ganze Nächstenliebe wert? Bleibend steht
der Hinweis vor Augen, wieviele alte Brüder und Schwestern bereits völlig am Boden
liegen, weil sie erkennen müssen, wie die WTG sie jetzt ins Grab stößt, auf daß sie
"vergehen", eine ganze Generation lang irregeführt und betrogen. Aber nicht nur
im Hoffen und Harren wurden sie betrogen, durch falsche "Speise". Ihr Ende ist
eine menschliche Tragödie. Sie werden einfach einsam und im Stich gelassen. Schon mehrere
Generationen treibt die WTG mit den Alten, die immer "vergehen", solches Spiel.
Mögen alle, die die falschen Wege der WTG erkennen, sich vereinen, um gemäß ihren
Mitteln und Möglichkeiten zu helfen, die Wege zu weisen, die beschritten werden müssen.
Die Zeit ist herbeigekommen!
In christlicher Verbundenheit
Eure Brüder und Schwestern und alle Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen
CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der
Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber: Wolfgang Daum, DDR 65 Gera,
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Kto.-Nr.: 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera
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