Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 93
In dieser Ausgabe zwei geschichtlich durchaus
bedeutsame Berichte. Einmal über den Fall des afrikanischen Landes Liberia und die Rolle
die der WTG-Funktionär Milton G. Henschel diesbezüglich spielte.
Zum anderen über den politischen Putsch in den
1970-er Jahren im südamerikanischen Staat Chile und die politische Rolle, die die Zeugen
Jehovas während dieser Vorgänge faktisch wahrnahmen. Es gibt
Leute die die Auffassung vertreten, was sich damals in Chile abspielte, hatte auch einen
Strippenzieher in den USA namens CIA. Um so gravierender die Unterstützung dieser CIA
inspirierten Aktion durch die flankierende Unterstützung speziell der Zeugen Jehovas.
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte
Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden
Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTGbedingten
Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen
Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und
weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.
Nr. 93 Gera April 1977
ABSETZEN DES FALSCHEN ENDTERMINS 1975 VON
DER TAGESORDNUNG
BESTER DIENST FÜR DIE WTG, ABER ALLERSCHLECHTESTER DIENST
FÜR DIE ZEUGEN JEHOVAS
Hauptkriterien für die schriftgemäße Prüfung bleibt die
Endzeitverkündigung
Liebe Leser
Wird verantwortlichen WTG-Ältesten im Glaubenskarnpf das
"Schwert des Geistes" auf die Brust gesetzt und ihnen vor Augen geführt,
wieviele Generationen die WTG schon mit falschen Endzeitterminen ausgehend von 1799
hingehalten hat, in welchen Widersprüchen der Lehre sie sich bewegt und wie
unglaubwürdig das folglich alles ist, dann erhält man zumeist die erstaunliche Antwort:
Aber die WTG biete die beste Auferbauung im Glauben, wohin sollte man gehen? Mit dieser
Antwort wird das Problem auf jeden Fall auf ein falsches Gleis geschoben, auch wenn das im
Einzelfall vorsätzlich sein sollte. Wenn es um christliche Erbauung geht, die gibt es
auch anderweitig. Auch andere Christen sind aufrichtig.
Die WTG-Verkündigung aber ist nicht um christlicher Auferbauung im Glauben willen ins Leben gerufen worden, sondern um der Menschheit ein angeblich bevorstehendes Ende zu predigen! Wer wollte das bestreiten? Darum steht oder fällt die Glaubwürdigkeit des WTG-Werkes mit der Glaubwürdigkeit oder Haltlosigkeit dieser Endzeitverkündigung!
Die WTG weiß, daß sie mit ihrer Endzeitverkündigung fällt. Der WTG-Jahrestext 1977, "Ihr bedürft des Ausharrens", ist darum eine unverschämte Maßregelung für alle Zeugen Jehovas, nachdem sie sie weltweit dazu veranlaßt hatte, 1975 als das Ende der 6000 Jahre des Ruhetages Gottes und damit als Endtermin für "diese Welt", für die "Schlacht von Harmagedon" und den Beginn des Tausendjahrreiches Gottes auf Erden zu proklamieren. Nicht die Zeugen müssen gemaßregelt werden, denn sie haben den 1975 nicht erfunden, es war der "treue und verständige Sklave"!
Um auch hier alle von i h r e r Schuld abzulenken, alle auch hier dafür zu gewinnen, sie weiter hinhalten zu können und das erste Stückchen auf diesen Weg zu bringen, von dem man dann nur schwerlich wieder zurück kann, hat man ihn erst einmal betreten, heißt es im Kommentar 1/77 zum Jahrestext: "Denn noch eine 'ganz kleine Weile', und der Kommende (Jehova) wird eintreffen und wird nicht ausbleiben. Werden wir während dieser 'kleinen Weile' ganz in unserer Tätigkeit aufgehen?". (S. 1, Liebe Königreichsverkündiger..) Die Anrede "liebe" können wir übergehen. Mit der "ganz kleinen Weile nur noch" wird in der hundertjährigen Tätigkeit der WTG nämlich ab 1975 nun schon die vierte Generation übertölpelt! CV wird das in einem kommenden Beitrag, der schon in Arbeit ist, ausführlich dokumentieren!
Worauf wir jedoch hier hinaus wollen, ist die WTG-Forderung oder Anleitung, in dieser "kleinen Weile", also in dieser Verschiebung wieder, "ganz in der Tätigkeit aufzugehen" ! Was bedeutet das? Du sollst nicht nur aufgehen, sondern "ganz aufgehen"! Diese WTG-Forrnulierung ist genau gezielt Was mit "unserer Tätigkeit" gemeint ist, ist jedem klar: Aufrechterhaltung der Organisation und Verbreitung dessen, was die WTG in die Hand drückt. Darin ganz aufgegangen ist gleichbedeutend damit, sich dem gänzlich ausgeliefert zu haben, ohne irgend kritisch darüber nachzudenken. Und gerade das will die WTG jetzt 1977, damit 1975 wieder aus den Köpfen verschwindet. Aus "der ganz kleinen Weile" wird über kurz oder lang wieder eine große Weile werden. Die Hauptsache ist, alle kommen erst einmal auf den Weg, auf den Weitermarsch in die nächste Generation. Sie sind schon in der ersten "kleinen Weile" gänzlich darin aufgegangen, dann dürften die Anfangsschwierigkeiten wieder überwunden sein. So war es immer gewesen. Wer im WTG-Dienst "ganz aufgegangen" ist. kommt gar nicht dazu innezuhalten und kritisch, was er tut, denn die WTG treibt ständig unaufhaltsam vorwärts.
Als es in der vorigen Generation auch darauf ankam, das für den 2. Weltkrieg der Welt verkündete Harmagedon-Ende wieder zu "verscheuchen", wurde auf dem "Theokratischen Kongreß" Pfingsten 1945 in Zürich verkündet: "Selbst wenn die Schlußabrechnung von Harmagedon noch um zehn oder zwanzig Jahre verziehen sollte - es wurde nicht gesagt, daß es wirklich so sein wird Dauert es jemand zu lange, dann sei daran erinnert, daß Zeit niemals lang wird, wenn man alle Hände voll zu tun hat. Haben wir etwa nichts mehr zu tun?" (Trost Nr. 545, Bern 1. Juni 1945). Jetzt nach 1975 wird dieselbe Methode des "Verziehens" um eine "kleine Weile" angewandt!
Mit aller Macht und mit allen Mitteln
betreibt die WTG jetzt mit allgemeiner religiöser Erbauung und Moralverkündigung die
Ablenkung von der Falschheit und Unglaubwürdigkeit ihrer Endzeitverkündigung! Doch was
nützt alle Erbauung, wenn die Endzeit nicht stimmt? 1977 ist die WTG bereits im zweiten
Jahrhundert ihrer Endzeitverkündigung für nur "eine Generation"! Was
hat christliche Liebe im Munde eines falschen Endzeitverkündigers für einen Wert? 5.
Mose 18:20-22. Die WTG muß an Hand ihrer Endzeitverkündigung geprüft werden! Darum
immer und immer wieder:
Vergewissert euch über alle Dinge haltet fest an dem, was recht ist
1. Thess; 5-21 NW
------------------------------------------------------------------------------
DIE 100. CV-AUSGABE!
DIE 100. AUSGABE VON CV WIRD EINE JUBILÄUMS-SONDERAUSGABE
WELCHE FRAGEN, PROBLEME, THEMEN, TATSACHEN, EREIGNISSE, VORGÄNGE, SACHVERHALTE,
SCHWERPUNKTE UND ERFAHRUNGEN SOLLTEN IN DIESER 100. CV-AUSGABE BERÜCKSICHTIGT WERDEN?
SENDET FRAGEN, HINWEISE UND VORSCHLÄGE EIN! WEIST ÜBERALL SCHON JETZT AUF DIE 100.
CV-AUSGABE HIN! HUNDERTMAL CV! ES GIBT IN DER GANZEN WELT KEINE ZWEITE DERARTIGE
ZEITSCHRIFT! DIE 100.CV-AUSGABE WIRD EIN HÖHEPUNKT!
-------------------------------------------------------------------------------
IN DIESER AUSGABE / W TYM WYDANIE
Faschistischer Umsturz in Chile ermöglichte der WTG einen
"großen Fischfang". Vom faschistischen Regime verhaftete Kommunisten durch
Zeugen Jehovas ersetzt. Die von der WTG betriebe "beste Verteidigung" gegen den
Kommunismus in der Praxis. - Faszystyczne obalenie w Chili umozliwila dla Watch Tower
Society "wielkie rybolowstwo". Faszysti zastapil aresztowane komunista z
smadkowy Jehowe. "Najiepsza defensywa" Watch Tower przeciw komunism w
politycznej praktyki.
--------------------------------------------------------------------------------
MILTON G. HENSCHEL VON DER LEITENDEN KÖRPERSCHAFT DER WTG
UND ZEUGEN JEHOVAS IN BROOKLYN, NEW YORK, USA, BESTÄTIGT DIE ANTIKOMMUNISTISCHE
POLITISCHE AUFGABENSTELLUNG DER ORGANISATION
Wieder einmal hat die WTG selbst die allen Zeugen Jehovas
ständig eingeredete Ansicht, sie seien politisch völlig neutral, sie seien unpolitisch
und verfolgten keine politischen Ziele und Absichten, widerlegt.
Das geschah im Zusammenhang mit den WTG-Bemühungen im westafrikanischen Staat Liberia die Möglichkeit zu erhalten, staatlicherseits völlig ungehindert tätig sein zu können. Bekanntlich war es u. a. schon im Jahre 1963 zu einem dramatischen Vorfall gekommen, wo die Zeugen, Jehovas in Liberia anläßlich eines Kongresses in Gbarngo gezwungen werden sollten, die liberianische Flagge zu grüßen. Unter den Verhafteten und Mißhandelten war auch Milton G. Henschel, damals Mitglied des WTG-Direktoriums in Brooklyn, New York, der auf dem Kongreß die Hauptansprache halten sollte. Wie aus dem Erwachet-Bericht über die Vorgänge ersichtlich ist, hat Milton G. Henschel damals seine Privilegien als Ausländer und Amerikaner dazu benutzt, so bald als möglich den Leiden und Mißhandlungen entgehen zu können, anstatt als "guter Hirte" bis zum Schluß bei den "Schafen" auszuharren: "Am Dienstag morgen verlangten die Ausländer energisch, daß man sie freilasse. Der Leutnant ging, um sich zu erkundigen. Kurz darauf kam er wieder und um etwa 11 Uhr wurden die 27 Ausländer freigelassen", zusammen mit M. G. Henschel. In der Tat ist bisher kein Mitglied des WTG-Direktoriums oder der Leitenden Körperschaft je einen Märtyrertod gestorben. Überall, wo für die WTG-Tätigkeit gestorben wurde, haben sich die Hauptverantwortlichen aus Brooklyn entweder überhaupt nicht sehen lassen oder sie haben sich rechtzeitig auf Grund ihrer Beziehungen oder Privilegien in Sicherheit bringen können. Auch diesmal war es so. Nachdem M. G. Henschel am Dienstag früh seine Freilassung erwirkt hatte, sagt der Bericht: "Wie zu erwarten war die Nacht auf den Mittwoch am schwersten". (Erwachet 22. Okt. 1963, S. 11 f)
Es kam dann in dieser Sache zu Verhandlungen zwischen der WTG und dem liberianischen Staatschef und Präsidenten V. S. Tubman. Wir wollen dabei unser Augenmerk auf die Angebote richten, die die WTG machte, um eine ungehinderte Tätigkeitsmöglichkeit in Liberia zu erlangen. Im WTG-Jahrbuch 1977 S. 180 wird darüber berichtet:
" schickte Präsident Tubman Ende November ein Telegramm an M. G. Henschel in der Zentrale der Watch Tower Society, in dem er sich bereiterklärte, am 4. Dezember eine Delegation der Zeugen Jehovas in Monrovio zu empfangen und die Fahnengrußfrage sowie unsere missionarische Tätigkeit in Liberia zu besprechen Bruder Henschel erklärte, daß wir daran interessiert seien, die Liberianer über die Bibel zu belehren, damit sie tatsächlich den Willen Gottes tun könnten und nicht nur "Herr, Herr" sagen würden. Außerdem wies er darauf hin, daß die biblische Bildung die beste Verteidigung gegen den atheistischen Kommunismus sei
Mr. Tubmann hörte eine halbe Stunde lang
interessiert zu."
Das Ergebnis dieser WTG-Angebote war u. a., daß die
WTG-Missionare zurückkehren konnten und die Regierung einen Erlaß herausgab, daß
die WTG ihr Werk ungehindert fortsetzen könne.
Prüfen wir die beiden Angebote. Es ist ein religiöses und ein
politisches, wie wir sehen.
Das religiöse Angebot ist nur eine halbe Wahrheit. "Die Liberianer" über die
Bibel zu belehren. damit sie nicht nur Lippenbekenntnisse ablegen, dürfte weitgehend an
Beleidigung grenzen. Präsident Tubman selbst gehört der methodistischen christlichen
Kirche an. Viele Liberianer sind aufrichtige Angehörige anderer christlicher Kirchen, die
zwar eine andere Form christlichen Gottesdienstes haben, aber darin nicht heucheln,
sondern aufrichtig und treu sind. Sollte Präsident Tubman, selbst methodistischer
Prediger, Jurist und ehemals Richter am Obersten Gericht in Liberia, dies nicht
unterscheiden können?
Bedeutsamer scheint deshalb das politische Angebot der WTG gewesen zu
sein, die Bibel auch gegen den Kommunismus einzusetzen.
Bekanntlich sucht jedermann vergeblich in der Bibel nach einem Auftrag Christi, gegen den
"atheistischen Kommunismus" zu kämpfen, das Volk antikommunistisch zu
"bilden". Es handelt sich hier allein um die antikommunistische Auslegung, um
einen antikommunistischen Mißbrauch der Bibel. Der Kommunismus ist eine nichtreligiöse
"die Menschen betreffende Ordnung" (l. Petr. 2:13). Dagegen kann kein Christ vom
Glauben her etwas einwenden, wenn er nicht hintergründige politische Interessen verfolgt
oder solchen Interessen dient. Oder will die WTG, daß die heutigen Gesellschaftsordnungen
und Staaten zurückgeschraubt werden ins Mittelalter, als solche Ordnungen religiösen
Charakter hatten und Kirchenfürst gleich Landesherr war? Sicherlich nicht. Darum ist die
Betonung auf atheistisch oder nichtreligiös nur ein Scheinmanöver, um die Christen unter
Mißbrauch ihres Glaubens zum politischen Kampf gegen den Kommunismus verwenden zu
können, ohne daß ihnen das in diesem Sinne zum Bewußtsein kommt.
Mit dem Angebot an den liberianischen Präsidenten, "außerdem" die "beste Verteidigung" gegen Kommunismus zu bieten, hat die WTG darum erneut eindeutig ihre weltweite politische Rolle und Aufgabenstellung offenbart. Wie jedermann erkennt, der die WTG-Verkündigung prüft, ist das allerdings nicht "Verteidigung", sondern eindeutig antikommunistischer Angriff, antikommunistische Aggression, denn die Verkündigung wird ja überall hingetragen und vorangetrieben "Die Liberianer", also das ganze Volk in Liberia, hatte M. G. Henschel z. B. im Visier. Einem Staatschef die antikommunistische Bedeutung der WTG und Zeugen Jehovas vor Augen zu führen, heißt eindeutig, auch die politische Funktion der WTG-Tätigkeit ins Spiel zu bringen.
So haben Jehovas Zeugen hiermit ein neues warnendes Beispiel vor Augen,
um die politische Rolle der WTG zu erkennen und sich nicht länger dafür mißbrauchen zu
lassen.
F. F.
FASCHISTISCHER UMSTURZ IN CHILE ERMÖGLICHTE DER WTG EINEN
"GROSSEN FISCHFANG". VOM FASCHISTISCHEN REGIME VERHAFTETE KOMMUNISTEN DURCH
ZEUGEN JEHOVAS ERSETZT.
Wir erinnern uns, daß im September 1973 die fortschrittliche
sozialpolitische Entwicklung in Chile unter der demokratischen Regierung von Salvador
Allende durch einen blutigen faschistischen Militärputsch gestoppt, Allende und andere
Angehörige seiner Regierung ermordet, und das Land einem blutigen faschistischen
Terror-Regime unterworfen wurde. Wie allgemein bekannt ist, erfolgte dies alles
vornehmlich im Interesse des nordamerikanischen Imperialismus, um eine
sozial-fortschrittliche Entwicklung in Lateinamerika zu verhindern, Auf die Rolle des
amerikanischen Geheimdienstes CIA hierbei soll jetzt nur hingewiesen werden.
Der römisch-katholische Kardinal Silva (Santiago) erklärte in einem Interview mit dem norwegischen Pastor Torgeir J. Havgar anläßlich des 3. Jahrestages des faschistischen Militärputsches in Chile in einer mutigen christlichen Stellungnahme: "Bei uns herrscht eine Tyrannei. Die Geheimpolizei verschleppt das Volk wo und wann immer sie will. Unter dem Deckmantel von 'Patriotismus' und 'Freiheit' werden die Menschen äußerst willkürlich und in brutaler Weise behandelt. Wir haben eine Diktatur noch dem Nazi-Modell bekommen. Die chilenische Bischofskonferenz hat einen klaren und festen Standpunkt gegen die gegenwärtige alles beherrschende Gefahr eingenommen: die Militärdiktatur. Die Unterdrückung der Bevölkerung geht weiter." (epd 24. 9. 1976)
Die Tatsachen über das Verhalten der WTG
und der Zeugen Jehovas
Wir wollen es unterlassen, die zahllosen Äußerungen der WTG
zusammenzutragen, in denen sie jedes soziale Engagement speziell von katholischer Seite
als "Hurendienst" verteufelt und anprangert. Humanistische Zusammenarbeit mit
Kommunisten gar wurde und wird als "unmoralische Beziehung", als "mit
Gotteshassern ins Bett gegangen" gnadenlos bekämpft. Wir erinnern an das politische
Angebot durch Milton G. Henschel vom WTG-Hauptbüro in Brooklyn, New York, USA, an den
liberianischen Präsidenten Tubman, die WTG-Tätigkeit, bedeute auch "die beste
Verteidigung" gegen den Kommunismus (Jahrbuch 1977, S. 180, Wiesbaden). - WT 1. 3.
1974 S. 132. Es dürfte völlig klar sein, daß ein solches antikommunistisches
politisches Verhaften ideal in den Dienst des faschistischen Regimes in Chile passen
würde. Genauso ist es auch. Die WTG liefert selbst die Beweise Von WTG-Protesten gegen
die chilenische "Diktatur nach Nazi-Modell" (Kardinal Silva) keine Spur! Im
Gegenteil!
Im WT vom 1. Januar 1977, dem 2. Jahr nach ihrem falschen Weltende von 1975, bringt die WTG eine erste größere Abhandlung über ihre Tätigkeit in Chile in Verbindung mit dem faschistischen Militärputsch von 1973. Unter der Überschrift "Umschwung führt zu großem 'Fischfang' in Chile" macht sie überhaupt kein Hehl mehr daraus, daß dieser faschistische Umsturz gleichsam eine entscheidende Voraussetzung für das Aufleben ihrer Tätigkeit gewesen ist! Sie schreibt "Kannst du dir vorstellen, daß die meisten Zeugen in diesem Land die biblische Wahrheit (die WT-Lehren, WT-Bibelauslegung, Anm.) erst in den letzten drei Jahren kennengelernt haben? in den Jahren 1974/75 ließen sich fast soviele Personen taufen, wie sich fünf Jahre vorher am "Fischen von Menschen" beteiligt hatten. Im Oktober 1975 widmeten sich 16 862 Personen diesem 'Fischen'." Unter den so "Gefischten" seien auch "frühere politische Fanatiker". Hier fällt einem die WTG-Veröffentlichung vom 22. Mai 1970 in "Erwachet" ein: "Ich war Kommunist."
Welche politische Bedeutung das faschistische Militärregime der Entfaltung der WTG-Tätigkeit in Chile beimißt, wurde schon kurz nach dem Umsturz ersichtlich. Wir lesen: "Der Erfolg des geistigen Fischzuges war besonders auf dem internationalen Kongreß "Göttlicher Sieg" zu sehen, der im Januar 1974 im Santa-Laura-Stadion stattfand. Daß dieser
Kongreß damals durchgeführt werden konnte, war so gut wie ein Wunder. Nur vier Monate vorher hatte das Militär die Regierung übernommen. Die Lage war sehr ungewiß, und das Land befand sich in einer Art Belagerungszustand. Es wurde kaum eine Genehmigung für eine Zusammenkunft erteilt, geschweige denn für einen Kongreß, zu dem sich über 20 000 Personen in einem großen Stadion versammeln sollten Doch irgendwie wurde etwa einen Monat nach dem Regierungswechsel die Genehmigung für einen Kreiskongreß erteilt, der in Santiago selbst stattfand "
"Aus Sicherheitsgründen waren aber einige Polizisten beim
Kongreß zugegen, denn die Lage im Lande war sehr gespannt."
Die Genehmigung für den Kreiskongreß und den anschließenden internationalen Kongreß
kurz nach dem faschistischen Umsturz in Chile war weder ein "Wunder" noch kam
sie "irgendwie". Die neuen faschistischen Militärs waren weder göttliche
Wundertäter noch handelten sie "irgendwie". Es ist kein Protokoll und keine
Verlautbarung über die Verhandlungen zwischen den WTG-Vertretern und den faschistischen
Militärs bezüglich der durchzuführenden Kongresse veröffentlicht worden. Die
WTG-Vertreter indes dürften sich kaum anders verhalten haben als Milton G. Henschel vom
WTG-Hauptbüro in Brooklyn mit dem antikommunistischen politischen Angebot an den
liberianischen Staatspräsidenten Tubman.
Kommunisten verhaftet, Zeugen Jehovas als
Vertrauenspersonen der faschistischen Militärs eingesetzt
In ihrem Triumphalismus über ihren Vormarsch noch dem
faschistischen Umsturz in Chile läßt sich die WTG weiter aus. "Der Hauptfaktor, der
den geistigen Fischfang jedoch begünstigt hat, ist das Versagen der Kirchen
Jehovas Zeugen verhielten sich dagegen auffallend anders. Noch der Machtübernahme durch
das Militär ließ man sie auch in Ruhe, denn man wußte, daß sie sich unter der
vorhergehenden kommunistischen Regierung nicht in die Politik eingemischt hatten. Wenn
durch die Verhaftung kommunistischer Aktivisten in Fabriken und anderen Betrieben Lücken
entstanden, wurden oft Zeugen Jehovas in führende Stellungen eingesetzt. An dem Morgen,
an dem der Staatsstreich ausgeführt wurde, kamen zum Beispiel Soldaten zu einem Zeugen
Jehovas nach Hause und baten ihn, die Ölraffinerie am Ort in Gang zubringen. Es war kein
anderer Mann da, der geeignet gewesen wäre und dem man hätte vertrauen können."
(S. 15)
Die faschistischen Militärs haben gewußt, daß sich die Zeugen Jehovas "unter der vorhergehenden kommunistischen Regierung nicht in die Politik eingemischt hatten"? Zunächst verbreitet die WTG hier eine gängige politische Lüge. Es war keine kommunistische Regierung. Es war eine Koalitionsregierung mit einer Minderheit von nur 3 kommunistischen Ministern Und was die angebliche Nichteinmischung betrifft, Bücher kann man vollschreiben mit den antikommunistischen politischen Äußerungen der WTG, mit denen sie seit sie existiert, in der Politik "mitmischt". Das haben die Militärs gewußt! Deswegen haben sie Zeugen Jehovas schon am Tage ihres Staatsstreiches in "führende Stellungen" eingesetzt, aus denen sie Kommunisten verhaftet hatten! Deswegen haben sie ihnen "vertrauen können"! Deswegen haben sie sie zur praktischen Durchführung und Sicherung ihres faschistischen Umsturzes besonders im ökonomischen Bereich in "führende Stellungen" gesetzt! Schon am frühen Morgen des faschistischen Staatsstreichs anstelle verhafteter Kommunisten In führende Stellungen als Vertrauenspersonen des faschistischen Terror-Regimes! Die demokratischen Kräfte in Chile werden sich das mit Sicherheit für die Zukunft merken!
An die Nazi-Herrschaft in Deutschland
erinnert
Hin und wieder rühmt sich die WTG der Verfolgung der Zeugen
Jehovas in Nazideutschland. Wer hinter die bewußte Oberflächlichkeit dieses Rühmens
blickt, erkennt, daß dies in Wirklichkeit alles andere als ein unbeflecktes Ruhmesblatt
ist. Das jetzige Verhalten der WTG gegenüber der faschistischen Militärdiktatur nach
Nazi-Modell in Chile läßt uns unwillkürlich auf die Nazizeit in Deutschland
zurückblicken. Aller Respekt vor den Opfern, die die Zeugen Jehovas in dieser Zeit
gebracht haben, alles Mitgefühl mit ihnen als Opfer dieser Zeit, mit ihren Schicksalen,
die oft sehr tragisch und furchtbar waren, darf den Blick nicht für die objektiven
Zusammenhänge um diese Vorgänge und ihre politischen Hintergründe trüben, wie
betroffen davon auch noch heute lebende Zeugen-Familien waren. Damals wie jetzt wieder in
Chile sind die einfachen Zeugen Jehovas Objekt eines wohlbedachten Glaubensmißbrauchs
für politische Zwecke, seitens der WTG wie von seiten der faschistischen Regierungen.
Wenn es nach der WTG-Politik gegangen wäre, dann wäre es keineswegs zu einer derartigen
Verfolgung der Zeugen Jehovas in Nazideutschland gekommen. Kurz nach der faschistischen
Machtübernahme ließ die WTG von einem großen Kongreß am 25. Juni 1933 in Berlin an die
Adresse der Hitler-Regierung erklären, daß sie und Jehovas Zeugen in "völliger
Übereinstimmung mit den gleichlaufenden Zielen der nationalen Regierung des Deutschen
Reiches" seien, daß sie zugunsten dieses Reiches gegen die antifaschistische
"Greuelpropaganda" der Juden "Stellung genommen" hätten, und daß sie
in Übereinstimmung mit dem Nazi-Parteiprogramm-Punkt 24 "das Sittlichkeits- und
Moralgefühl der germanischen Rasse" respektierten und den
"jüdisch-materialistischen Geist" bekämpfen würden. (Brief der WTG-Zentrale
Magdeburg an den Reichskanzler Hitler, WTG-Kongreß 25. Juni 1933 Berlin-Wilmersdorf.
Dokumentation "Die Zeugen Jehovas", Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin 1970).
Erst als es für sie zu spät war, besann sich die faschistische SS-Führung darauf, die Zeugen Jehovas antikommunistisch für ihre Eroberungspolitik im Osten einzusetzen. Am 21. Juli 1944 schrieb der "Reichsführer SS" Himmler an den Leiter des faschistischen Sicherheitsdienstes Kaltenbrunner in dieser Sache: "Wie wollen wir Rußland beherrschen und befrieden . . . und uns gegenüber in eine waffenlose Form bringen . . . Es muß von uns jede Sekte und Religionsform unterstützt werden, die pazifizierend wirkt . . . Die Bibelforscher (Zeugen Jehovas, Anm.) haben bekanntlich folgende für uns unerhört positiven Eigenschaften . . . daß sie den Kriegsdienst und die Arbeit für den Krieg verweigern . . . schärfstens gegen die Juden und gegen die katholische Kirche eingestellt . . . Sie sind nicht auf Reichtum und Wohlhabenheit aus, weil ihnen das für das ewige Leben schadet , . . Es ist damit die Möglichkeit gegeben, die echten Bibelforscher in den KL (Konzentrationslagern, Anm.) in allen Vertrauensstellungen . . . zu verwenden und besonders gut zu behandeln. Damit schaffen wir uns die Ausgangsbasis zum Einsatz dieser Bibelforscher in Rußland und haben damit die Emissäre, mit denen wir das russische Volk durch Verbreitung der Bibelforscherlehre pazifizieren können." (Kirchenkampf in Deutschland 1933 bis 1945. Bd. 11. Dr. Friedrich Zipfel. Historische Kommission Friedrich-Meinecke-Institut Freie Universität Berlin, Westberlin 1965). Im Konzentrationslager Ravensbrück z. B. ließ Himmler die Dinge so anordnen, daß u. a. Hunderte aus der Sowjetunion verschleppte junge Russinnen von Zeugen Jehovas getauft wurden, damit sie später als "Emissäre" des Hitlerfaschismus in einer eroberten Sowjetunion helfen könnten, das Volk antikommunistisch niederzuhalten und jeden antifaschistischen Widerstand zu verhindern. Die Blockälteste des "Bibelforscher-Blockes" des KZ Ravensbrück M. Buber-Neumann schrieb 1958 in ihren KZ-Aufzeichnungen, daß Zeugen Jehovas sogar die KZ-Bluthunde der SS-Wachmannschaften betreut haben.
Wie weit wird die WTG politisch wieder
nach "rechts" und profaschistisch abgleiten?
Wir haben die antisemitische und profaschistische Politik der
WTG während der Nazizeit in Deutschland vor Augen. Keiner kann das übersehen, der sich
aufrichtig vergewissert. Wir haben vor Augen, wie der militärfaschistische
"Umschwung" 1973 in Chile den größten "Fischfang" ermöglicht, den
die WTG je in diesem Land machen konnte. Wir sehen, wie die faschistischen Militärs der
WTG umgehend ermöglichten, Massenveranstaltungen durchzuführen, wozu sonst kaum jemand
eine Genehmigung erhielt. Noch während der faschistische Staatsstreich rollte, wurden
verhaftete Kommunisten durch Zeugen Jehovas in "führende Stellungen" ersetzt,
da die Faschisten angeblich keine anderen fähigen und "vertrauenswürdigen"
Personen hatten. Es liegt auf der Hand, daß hier allein die antikommunistische politische
Ausrichtung der Zeugen Jehovas durch die WTG der entscheidende Punkt ist. Wir sehen
weiter, wie die WTG in ihrer schrittweisen Lehrveränderung nach dem falschen Weltende von
1975 ihre früheren Angriffe gegen den Faschismus im Rahmen der
"Nordkönig"-Auslegungen wieder zurücknimmt (WT 1. Mai 1976, S. 286 dt. - CV
90/1977, S. 3), um damit nur noch antikommunistisch zu wirken. Erste öffentliche Stimmen
erheben sich in der BRD, die die von der WTG geführten Zeugen als eine
"rechtsradikale" diktatorisch gelenkte Gruppe charakterisieren. (Stuttgarter
Zeitung vom 25. 2. 1977)
Einen Baum erkennt man an den Früchten,
sagte Jesus. Alles zu prüfen, wie die Schrift verlangt (1. Thess. 5:21), erfordert auch
zu untersuchen, was die WTG in politischer Hinsicht hervorbringt. Die Signale, die wir vor
Augen haben, sind alarmierend. Der Weltendetermine und Generationen sind seit dem ersten
WTG-Endzeitterrnin von 1799 zu viele, als daß man da noch etwas glauben könnte, so daß
die religiöse Argumentation der WTG zur Begründung ihrer Tätigkeit, wie sie Milton G.
Henschel im Fall Liberia demonstrierte, wirklich nur des Anhörens wert ist. Was Milton G.
Henschel als "außerdem" bezeichnet, daß die WTG-Tätigkeit auch die
"beste Verteidigung" gegen den Kommunismus ist, dürfte die hintergründige
politische Hauptaufgabe der WTG unter allen Christen, inmitten aller Kirchen und
Religionsgemeinschaften und in der Öffentlichkeit sein. Die dieser Tätigkeit durch die
militärfaschistische Terror-Junta in Chile dargebrachte Gunst und die Einsetzung von
Zeugen Jehovas in "führende Stellungen", aus denen man die Kommunisten
verhaftet hatte, noch während der faschistische Staatsstreich rollte, bestätigen das
wieder einmal.
F. F.
"ICH BEKAM ALLMÄHLICH EIN
'WACHTTURMBEWUSSTSEIN' EIGENES DENKEN WAR NICHT GEFRAGT"
Von H... G... A..., aus H...
Wie fast jeder Jugendliche fragte ich mich mit etwa 15 Jahren
nach dem Sinn des Lebens. In dieser Zeit kamen mir die Zeugen Jehovas wie gerufen, denn
ich hatte ein großes Interesse an der Bibel und an Gott. Über Buchstudium,
Predigtdienstschulung und Predigtdienstzusammenkunft wurde ich ein Verkündiger und lernte
alles, was mir die Wachtturm und Traktatgesellschaft vermittelte.
Eigenes Denken war nicht gefragt
Sonntags wurde der Wachtturm, die größte Zeitschrift der
Zeugen Jehovas durchgearbeitet und alles unterstrichen, was wichtig war. Dienstags wurde
eines ihrer Bücher demselben Schema durchgearbeitet. Pro Woche war ich 5 Stunden mit
allen Mitgliedern zusammen. Ich bekam allmählich ein "Wachtturmbewußtsein".
Eigenes Denken war nicht gefragt.
Meine Eltern ließen mir viel Freiheit. Ich sollte meinen
eigenen Weg suchen. Nur als Mitglied durfte ich mich noch nicht eintragen lassen. Die
Zeugen Jehovas respektierten das.
Auf dem "Holzweg"
Zweifel kamen mir zuerst, als ein Mitglied mich anregte, in
meiner Bibel zu lesen und die Wachtturrnliteratur zu prüfen. So las ich das Material der
Zeugen Jehovas gründlich und verglich es mit der Bibel. Ich fand sehr viele
Widersprüche. Ich ging zu den Zeugen und berichtete von meinen Entdeckungen. Die einen
meinten, ich würde noch einmal dahinterkommen, daß die Zeugen Jehovas recht hätten, nur
würde es dann zu spät sein. Andere sagten einfach, ich sei auf dem "Holzweg"
(womit sie, ohne es zu wissen, recht hatten, denn ich sollte noch Jesus am Kreuz
entdecken). Insgesamt gab man mich verloren, weil ich der Organisation nicht mehr
gehorchte.
Organisation oder Jesus?
Nach diesem Bruch begegnete ich einer Gruppe junger Leute,
die auf der Straße von Jesus erzählten. Ich merkte, daß sie wie ich ihr Leben an der
Bibel orientierten. Sie nahmen mich mit zu ihren Veranstaltungen und auf eine Freizeit.
Hier begriff ich, daß eine religiöse Organisation wie die der Zeugen Jehovas mich sehr
gut beschäftigen kann, meinem Leben aber keinen Sinn, keine Erfüllung geben konnte. Ich
erkannte auf dieser Freizeit, daß mein Leben nur von Jesus her einen Sinn erhalten
konnte. Dennoch fiel es mir unsagbar schwer zu sagen: "Jesus, ich möchte dir
nachfolgen, übernimm du die Führung in meinem Leben." Doch nach langem hin und her
gewann Jesus diesen Kampf und Friede und Freude erfüllen mich. -
ALLES NUN, WAS IMMER IHR WOLLT, DASS EUCH
DIE MENSCHEN TUN SOLLEN, ALSO TUT AUCH IHR IHNEN
Beitrag zum Dienst am Wort als freier Christ - 8
So spricht der Herr: "Wenn ihr in meinem Worte bleibt,
so seid ihr in Wahrheit meine Jünger. Und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die
Wahrheit wird euch freimachen." Johannes 8:32,33
Auch dieser Beitrag bezieht sich noch auf
die lehrreichen Ausführungen in der Bergpredigt Jesu Christi.
"Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde . . . .
sammelt euch aber Schätze im Himmel . . . Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz
sein", setzte der Herr seine Rede noch Matth. 6,19-21 fort. Damit sprach er ein
heikles und oft falsch verstandenes Problem an.
Was sind irdische Schätze?
Ohne Zweifel Reichtümer an Gut und Geld. Daran soll man sein
Herz nicht hängen. Aber damit ist noch keine erschöpfende Erklärung gegeben. Es ist
zweifellos leichter, keinen Reichtum zu erwerben, als ideellen Glanz und persönliche
Würde nicht anzustreben. Das trifft sowohl auf die Entwicklung menschlicher wie auch
geistlicher Charakteristik zu.
Zu den gefährlichsten Schätzen auf Erden gehören alle Tendenzen bewußter Persönlichkeitsentwicklung, die sich in Geltungsbedürfnis, Herrschsucht, Geringschätzigkeit gegenüber anderen, Selbstgefälligkeit, Richtgeist u. ä. wiederfinden. Sie sind nicht geeignet, ein erträgliches Zusammenleben in der menschlichen Gesellschaft zu gewährleisten. Unmöglich aber können sie eine Aussicht auf einen Anteil am Himmelreiche in Aussicht stellen. Deshalb kann der Weg der Nachfolge Jesu mit solchen "Schätzen" im Herzen unmöglich beschritten werden.
Extremisten haben es fertiggebracht, sich von ihren nächsten Verwandten (Vater, Mutter, Ehegefährte und Kind) loszusagen, weil sie meinten, damit Gott gegenüber besonders gehorsam zu sein, Lieblosigkeit, Unbarmherzigkeit und eisige Gefühlskälte gegenüber den Mitmenschen, und gar noch gegenüber den engsten Verwandten als von Gott gewollt, kann nur das Produkt eines von Irrlehre und zum religiösen Wahnsinn verführten Herzens sein.
Was sind himmlische Schätze?
Sie liegen in der Bußfertigkeit, d. h. in der inneren
Einkehr und Umkehr verborgen. Ausgangspunkt dafür ist die Kenntnis und Erkenntnis Gottes
in seiner barmherzigen Liebe, wie sie sich in seinem Friedensangebot mit ihm
widerspiegelt. Der Schatz im Himmel wächst mit der Wertschätzung des Evangeliums von
Christus, mit dem Befolgen seiner Belehrungen, die im Gebot der Liebe gipfeln und mit dem
Bewähren darin.
Was ist Selbstverleugnung?
Selbstverleugnung ist nicht ein Sichselbstaufgeben, sondern
ein Sichbewahren von Eigennutz und Selbstherrlichkeit. Selbstverleugnung liegt in der
barmherzigen Liebe nach dem Beispiel Gottes und des Herrn Jesu verborgen. Sie dient nicht
dem Selbstzweck (Trachten nach Lohn und Herrlichkeit), sondern ist auf das Verständnis,
Mitgefühl und Wohlwollen anderer ausgerichtet. Daß der Lohn dafür unvergleichlich groß
sein wird, ist eine andere Sache. Aber er bleibt aus, wenn die Handlungen auf
Spekulationen hinsichtlich des Lohnes gerichtet sind.
In der Weiterführung seiner Rede verweist der Herr darauf, daß wir uns keine Sorgen um Nahrung, Kleidung und sonstige Dinge des täglichen Lebens machen sollen, sondern darauf vertrauen, daß unser himmlischer Vater weiß, daß wir ihrer bedürfen und sie uns in ausreichendem Maße zukommen lassen wird. In dieser Beziehung gilt es natürlich auch, Vernunft walten zu lassen und in keine Extreme zu verfallen. Gott vertrauen und ihn versuchen ist zweierlei. Die Sorglosigkeit darf nicht soweit gehen, keinen Beruf zu erlernen oder keiner geordneten Arbeit nachzugehen. Es entbindet auch nicht davon, mit dem Vorhandenen hauszuhalten und sich in seiner Lebenshaltung den Verhältnissen und Gegebenheiten anzupassen.
Mit dem 7. Kapitel des Matthäus-Evangeliums schließt Jesus seine Bergpredigt ab und gibt letzte, aber schwerwiegende Ermahnungen für künftige Verhaltensweisen. Er verweist auf eine unabänderliche, folgenschwere Konsequenz, indem er sagt: "Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet, denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch gemessen werden."
Man sollte meinen, daß ob der scharfen Konsequenz dieser Worte jeder, der sich in irgendeiner Form zu Christus bekennt, vermeiden wird, daraus ein Urteil über sich selbst zu empfangen. Weit gefehlt. Gerade im Richten anderer glauben viele, ihre Vorzüglichkeit beweisen zu müssen. Bei den Zeugen Jehovas ist es z. B. von jeher eine Verkündigungsmethode. Es gehört mit zu ihrem Lehr- und Arbeitsprogramm, Andersgläubige anzuprangern als Teufelsorganisation, sie zu diffamieren und zu klassifizieren und Gottes Zorn auf sie herabzupredigen. Es ist eine Vermessenheit, sich selbst als "Gottes Organisation" auszugeben und kennzeichnet gemäß dem Evangelium ein unchristliches Sinnen. Wie werden sich alle jene vorkommen, wenn einst ihnen mit dem Maß gemessen wird, mit dem sie andere gemessen haben?
Niemand kommt auch nur einen Schritt schneller auf der Lebensbahn voraus, wenn er meint, sich nur mit den Fehlern seiner Mitbrüder oder Mitmenschen beschäftigen zu müssen Dagegen ist es gut, sich seine eigenen Unzulänglichkeiten zuzugestehen und zu versuchen, davon loszukommen, wie der Herr in den Versen 3-5 zu verstehen gibt.
Selbstverleugnung ist, sich seine Hilfsbedürftigkeit einzugestehen und demutsvoll zu bitten, Vergebung zu suchen und an der Tür anzuklopfen. Und das kommt darin zum Ausdruck, daß man Gott in dem Maße um Vergebung und Barmherzigkeit bittet, wie man selbst bereit ist, es anderen zu gewähren. Jedenfalls ist das die Konsequenz noch dem "Vaterunser", wie es der Herr selbst lehrte.
Falsche Prophetie
Alles, was der Herr im 7. Kapitel des Matthäus-Evangeliums
zum Ausdruck bringt, faßt er mit den Worten zusammen: "Alles nun, was immer ihr
wollt, daß euch die Menschen tun sollen, also tut auch ihr ihnen. Denn dies ist das
Gesetz und die Propheten. Gehet ein durch die enge Pforte, denn weit ist die Pforte und
breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die durch sie eingehen. Denn eng
ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn
finden."
(Matth. 7, 12-14)
In diesem Zusammenhang warnt der Herr vor "falschen Propheten", die an ihren Früchten zu erkennen sind. Sie sind es, die die breite Pforte und den breiten Weg empfehlen, der aber dann doch im Verderben endet. Alles, was dazu angetan ist, eine andere Haltung einzunehmen, als sie der Herr in seiner Bergpredigt zum Ausdruck bringt, sind Lehren falscher Propheten. Dazu gehören auch die Lehren der Zeugen Jehovas von (ihrem immer wieder verschobenen) "Ende" und der "Neuen Welt". Dies hat nichts mit der frohen Botschaft zu tun und ist ein Fall- und Fangstrick für die, die ihr folgen.
Jesus verweist dann auf eine gesunde Logik, die leider immer wieder zu wenig beachtet wird. Schon mancher hatte sich davor bewahren können, den steilen Weg abwärts in die Irre zu gehen, wenn er bedacht hatte, daß es nicht umsonst heißt: "Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr Herr, wird deswegen in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt, weicht von mir ihr Übeltater." Matth. 7, 21-23.
Soviel, liebe Freunde der Wahrheit, läßt sich noch des Herrn eigenen Worten erkennen, daß, wer der Endzeitlehre des Wachtturmes und ihres Geistes erlegen ist, oder wer sich zwar von dieser Lehre des Wachtturms abgewandt hat, aber immer noch von ihrem Geist beherrscht wird, damit rechnen muß, zu hören zu bekommen: 'Ich habe euch niemals gekannt'.
Zur Bedeutung der Bergpredigt Jesu
Zusammenfassend ist festzustellen, daß ohne Betrachtung der
Bergpredigt und Beachtung dessen, was darin zum Ausdruck kommt, gar nicht verstanden
werden kann, was das Heilsangebot Gottes beinhaltet, gebracht und geoffenbart durch seinen
einzigen Sohn Jesus Christus. Niemand wird ohne diese wichtige Grundlage den Unterschied
zwischen dem alten und dem neuen Bund ausmachen können. Gerade das aber ist eine
zwingende Notwendigkeit. Der neue Bund birgt wirklich neue Merkmale, neue Verhaltensweisen
und damit neue Perspektiven. Sonst wäre er nicht notwendig gewesen und das Opfer des
Herrn wäre ein überflüssiges, das nichts bezweckt und verändert hätte.
Jesus selbst schlußfolgerte so: "Jeder nun, der irgend diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich einem klugen Manne vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute und es fiel nicht . . ". Dagegen wer auf Sand baute, mußte zusehen, wie es bei der Belastungsprobe zusammenrutschte. (Matth. 7, 24-27). Damit ist der Leittext dieser Artikelserie gerechtfertigt, und die Worte stammen von keinem Geringeren als dem Herrn selbst:
"Wenn ihr in meinem Worte bleibt, so seid
ihr wahrhaft meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird
euch freimachen."
Bis bald beim nächsten Beitrag in CV.
Ein Blick in unser Nachbarland Polen
DIE AUSEINANDERSETZUNG UM WTG UND ZEUGEN JEHOVAS ENTWICKELN
SICH
Die Zeitschrift "Swit" Nr. 6/1976 der
"Stowarzyszenia Badaczy Pisma Swietego" (Vereinigung der Bibelforscher) in
Polen, Warszawa, befaßt sich in bemerkenswerter Weise mit verschiedenen fundamentalen
Fragen, die WTG und Zeugen Jehovas betreffend.
Es wird als erstes ein redaktionelles Vorwort gebracht über die Person und religiöse Bedeutung des WTG-Begründers C. T. Russell, 1852 in den USA geboren und 1916 gestorben. Die von ihm verfaßten Hauptschriften und ihre weltweite Verbreitung werden dargestellt. Es wird gesagt, daß C. T. Russell der größte religiöse Lehrer seit der Apostelzeit gewesen sei, der die Wahrheit wie Jesus und die Apostel lehrte. Es habe seit der Apostelzeit keinen weiteren Menschen gegeben, der mit diesen Fähigkeiten ausgerüstet gewesen sei. Einschränkend wird jedoch gesagt, daß er soviel erkannt hatte, wie zur damaligen Zeit nötig gewesen sei. Dennoch sei er ein rechter Hirte der Herde gewesen.
Ohne Zweifel hat C. T. Russell eine religiöse Bewegung ausgelöst, die schließlich internationale Ausmaße annahm. Bei aller zeitgenössischen Begrenztheit lag das aufrichtige religiöse Bestreben zugrunde, zurückzukehren zu den Lehren und Methoden der christlichen Urkirche, wenngleich die damals von ihm und seinen Mitarbeitern aus der Bibel herausgedeutete "Zeit des Endes" sich als unglaubwürdig und haltlos erwies. Die volle Konsequenz daraus konnte er offenbar nicht mehr ziehen, da er schon 1916 starb. Man muß auch sehen, daß seine politische Bibelauslegung mit Bezug auf die Weltlage und ihre Entwicklung, was er für 1914 als Weltende deutete, von seinem Verständnis der Dinge, von seiner Übersicht und Erfahrung, von seiner gesellschaftlichen Position als kleinbürgerlicher Geschäftsmann zwischen den großkapitalistischen Konkurrenten einerseits und den Bestrebungen der Arbeiterschaft andererseits, die er ablehnte, bestimmt war. Dessen ungeachtet präsentierte er den traditionellen christlichen Kirchen gar manchen biblisch sehr wohl begründeten "Schuldschein". Es kommt auch hier darauf an, "sich aller Dinge zu vergewissern und das Gute festzuhalten." 1. Thess. 5:21.
Es wird dann auch unter Hinweis auf seinen
60. Todestag im Jahre 1976 ein gutes Foto von C. T. Russell veröffentlicht, auf dem er
als gereifter Mann vorgestellt wird.
Unter der Überschrift "Oh Schande, Herrschaften!"
(0] wstyd Panowie!) wird in einer Auseinandersetzung mit falschen Darstellungen
nachgewiesen, daß C. T. Russell keine Uminterpretation seiner Lehren vornahm, daß seine
Nachfolger J. F. Rutherford und N. H. Knorr willkürliche Veränderungen einführten und
alles in ganz andere Bahnen führten, die Bibelforschung abschafften um das Werk auf ihre
Weise einsetzen zu können. C. T. Russell habe auch das Kreuz Christi nicht verworfen, wie
seine Nachfolger. So ist aus der Zeit von C. T. Russell das Symbol und Abzeichen
"Kreuz und Krone" bekannt. Man kann nicht C. T. Russell "in die Schuhe
schieben", was seine Nachfolger an lrrlehren verbreitet und aus seinem Werk gemacht
haben. Unter anderem wird die Zeitschrift "Kirche und Mann" in der BRD genannt,
die sich solcher Dinge schuldig mache, womit der Wahrheit nicht gedient ist.
Dann wird ein ganz seltenes Foto veröffentlicht. WTG-Präsident J. F. Rutherford an seiner Limusine vor der Villa "Beth Sarim". in Kalifornien, dem "Haus der Fürsten". J. F. Rutherford hatte sich diese Villa bauen lassen, den Zeugen Jehovas und der Öffentlichkeit aber verkündet, sie sei für die "Fürsten" Abraham, Isaak, Jakob und andere lsraeliten des biblischen Altertums, wenn sie in Kürze nach 1925 aus den Toten auferstehen. Sie müßten doch ein annehmbares Wohnhaus haben. In Wahrheit hat J. F. Rutherford in dieser Villa bis zu seinem Tode residiert. N. H. Knorr hat "Beth Sarim" dann verkauft. So wurden die Spenden der einfachen Zeugen mißbraucht und vergeudet, hier für den Luxus ihres Präsidenten.
Ein anderes Bild wird veröffentlicht, eine Art Fotomontage. Sie zeigt C. T. Russell mit der Bibel in der Hand vor einer Gruppe seiner Kritiker aus kirchlichen Kreisen, die allerdings diffamierend dargestellt werden. Zu oft wurde Sachlichkeit durch kurzsichtiges Eifern verdrängt. Allerdings muß hierzu ein Fragezeichen gesetzt werden. Diese Fotomontage "Pastor Russell in der Grube der Kritiker" wurde im Band 7 der WTG-Schriftstudien von 1917 veröffentlicht, als eine Zeichnung, möglicherweise nach der Vorlage der Fotomontage. Der Band 7 war kein Werk von C. T. Russell, sondern ist von J. F. Rutherford in Auftrag gegeben worden, angeblich zusammengestellt aus dem Nachlaß Russells. So muß zunächst der Einwand erhoben werden, daß diese Fotomontage ein Machwerk aus der Zeit von J. F. Rutherford ist, der dann u. a. durch eine maßlose Verleumdung und Diffamierung anderer Christen und ihrer Kirchen bekannt wurde.
Ein anderes Bild zeigt C. T. Russell in seinem Arbeitszimmer in Brooklyn, New York, zusammen mit seinem Sekretär M. Sturegeon. Es vermittelt einen Blick in die Situation und Atmosphäre der Anfangszeit. Es folgt ein Bild von einer großen Versammlung mit C. T. Russell in einem großen Theater in New York aus dem Jahre 1910. Dann sehen wir C. T. Russell bei einer Ansprache in Brooklyn. Diese Bilder ermöglichen eine optische Beurteilung seiner Persönlichkeit und seines Auftretens.
Ein weiteres Foto zeigt die Gruppe der Ältesten der Versammlung von New York, unter denen C. T. Russell als Hirte wirkte. Das Foto entlarvt das "neue Licht" der WTG von 1971/72 als eine Fälschung, indem wir sehen, daß es schon zu Russells Zeiten Älteste gab, die die WTG nach dessen Tod bekanntlich verjagte, verfolgte und vertrieb und das Ältestenamt dann als "unbiblisch" liquidierte.
Ein anderes Foto gestattet einen Blick in die soziologische Umgebung, in das soziale Milieu C. T. Russells, aus dem er kam und dem er angehörte. Unter dem Titel "We have known Pastor Russell" (Wir haben Pastor Russell gekannt) werden Porträts einer Reihe von Personen mit Angaben ihrer sozialen Herkunft und beruflichen Stellung gebracht, dazu ein Text, der der Verteidigung von C. T. Russell gegen verschiedene Verleumdungen und Diffamierungen gewidmet ist. Der Kreis derer, die hier C. T. Russell verteidigen, setzt sich aus einer Gruppe von Kaufleuten, Landwirten, Publizisten, kleinen Manufakturbesitzern, Anwälten, Managern, Verkaufsagenten, Angestellten, Buchhaltern, Lehrern und Händlern zusammen.
Als vorletztes Bild sehen wir ein ganz seltenes Foto aus der Kindheit Russells, C. T. Russell als 4jähriger Junge. Wenn man dieses Bild betrachtet, wirkt es erstaunlich, was aus dem kleinen Kerl geworden ist.
Das letzte Foto in dieser "Swit"
Nr. 6/1976 zeigt uns einen engen Mitarbeiter von C. T. Russell, Bruder Cz. Kasprzykowski
Er wurde 1905 unter dem Zarismus nach Sibirien verbannt, was von seiner Auflehnung gegen
Unrecht und Ungerechtigkeit zeugt. Von Sibirien floh er in die USA. Dort schloß er sich
1908 dem Werk C. T. Russell an. Nach dem Tode Russells kehrte er im Jahre 1920 noch Polen
zurück, um die Bibelforscherbewegung unabhängig von den lrrwegen und Abwegen, die sie
dann unter J. F. Rutherford und N. H. Knorr einschlug und geführt wurde, in Polen
fortzusetzen. Er starb 1961. Sein Nachfolger in Polen wurde Bruder Waclow Stachowicz,
Warszawa. -
(Nach Übersetzung von H. S., CV-Mitarbeiter)
Eine interessante Mitteilung aus
Zeugen-Kreisen in Polen befaßt sich mit der Mission für Jehovas Zeugen unter Leitung von
William J. Schnell in Florida, USA. Neben der Bewegung "Back to the Bible"
(Zurück zur Bibel) unter Leitung von Roy D. Goodrich, ist dies eine der bedeutendsten
Bewegungen gegen die WTG in den USA. Da sie nichts mehr von Schnell hören, wird die
Ansicht verbreitet, er sei tot, voller Genugtuung würden die Zeugen sagen, "Endlich
haben sie seiner Mission ein Ende gemacht." - Ist es nicht eine erschreckende
Gesinnung, wenn sie nur darauf warten, daß alle ihre Kritiker spätestens in
"Harmagedon" einfach totgeschlagen werden? -
CVN
ZUSCHRIFTEN/BERICHTE/INFORMATIONEN
Haben die Zeugen Jehovas nicht alle eine
"kapitalistische politische Brille" auf?
Ich war in der BRD
Eingesandt.- Ich war zu Besuch in der BRD. Weil ich zuhause
Angehörige habe, die Zeugen Jehovas sind, habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, drüben
einigen Straßenverkündigern eine ganze Anzahl Wachtturm- und Erwachet-Zeitschriften
abzukaufen. Sicher hat sich der Verkündiger sehr gefreut über den Absatz. Ich wollte
aber nichts weiter als sehen, was für eine Politik in den Schriften gemacht wird. Ich
kann meine Feststellungen mit wenigen Worten zusammenfassen. Die Zeugen Jehovas bekommen
alle von ihrer Leitung eine kapitalistische politische Brille aufgesetzt und verpassen
dann jedem, den sie gewinnen, eine ähnliche Brille. Die meisten Artikel in den Schriften
über die allgemeine Lage vermitteln dem Leser ein Bild, als ob die ganze Welt von den
kapitalistischen Problemen, Krisen, Mißständen und Elends-Szenen geprägt sei. Kommt man
aus einem sozialistischen Land, dann fällt einem dieses politische Schwarzmalen besonders
auf. Die Kriminalität der Welt wird mit den Steigerungsraten der Kriminalität in New
York gemessen. Die Elendsviertel kapitalistischer Großstädte, die Rauschgiftsucht und
die Arbeitslosigkeit in kapitalistischen Ländern, westliche Entartung aller Art steht
stellvertretend für die ganze Welt. Alles Schlechte wird aufgepickt, aufgespießt und
sodann so in den Blick gestellt, daß alles andere verdunkelt wird und man nichts
Positives mehr erkennt. Eine Würdigung der wahren und wirklichen sozialen Verhältnisse
mit ihrer sozialen Sicherheit in den, sozialistischen Ländern sucht man in den Schriften
vergebens. Über den Kommunismus schlägt einem aus den Schriften nur die Sprache der
Politik des kalten Krieges entgegen. CV sollte es sich zur Aufgabe machen, das einmal
gründlich aufzudecken. Ich würde auch begrüßen und halte es für wichtig, daß in CV
einmal das Verhältnis der Zeugen Jehovas zu Presse, Rundfunk, Fernsehen und Literatur und
zur sozialen Situation in unserem Lande ausführlich zur Sprache kommt. Damit kann vielen
Menschen geholfen werden, den Zeugen Jehovas selbst, aber auch allen, die von ihnen
angesprochen werden. -
Im "Dienstjahr 1976" nun wenig
mehr als die Verkündigerverluste aufgefüllt
- Nach bisheriger Übersicht -
Im abgelaufenen "Dienstjahr 1976" wurden ca. 100
000 Taufen weniger als 1975 erzielt. Die reale Steigerung aus Taufen betrug 1976 für die
BRD-Zweigorganisation 454 Verkündiger Es wurden 4469 Neue getauft. Bei ca. 3000 Fällen
von "Gerda" (Gemeinschaftsentzug) wurden also nur ca. 10 Prozent der Taufen
wirksam:
Um dies zu verdeutlichen, müssen wir uns vorstellen: Daß (vergleichsweise). 60 000 Verkündiger im Jahre 1976 einen Monat (222 Stunden) voll in der Verkündigung tätig waren, um den Verkündigerdurchschnitt um 454 Neue anzuheben. Das wären ca. 29 770 Stunden Aufwand pro Zuwachs um 1 Verkündiger. 3 720 Tage a 8 h = 10 Jahre)
In den USA wurden 43 900 Neue getauft, bei einer realen, effektiven Steigerung um 9 879 Verkündiger. Bei ca. 28 200 Fällen "Gerda". Das entspräche z. B. einem Aufwand, wie wenn 385 000 Verkündiger einen vollen Monat zu 220 Stunden Dienst getan hätten mit dem Ergebnis von 84,9 Millionen Stunden, um 9 879 neue Verkündiger zu gewinnen.
Von 1972 bis 1976, in 5 Jahren, verließ jeder 3. bis 4. getaufte Zeuge den USA-Zweig, das waren ca. 142 840 Fälle von "Gerda" oder Fernbleiben, da mit wurde das T a u f e r g e b n i s von 1 9 7 3 u n d 1 9 7 4 w i e d e r v ö l l i g a u s g e 1 ö s c h t ! Für den Zweig der BRD ergeben sich folgende Zahlen: Jeder 6. getaufte Zeuge kehrte der Organisation wieder den Rücken, das sind ca. 16 000 Verkündiger.
Wie mitgeteilt wurde, waren die Zweige in
USA, BRD und Frankreich 1972-76 von ca. 158 000 Fällen "Gerda" betroffen.
Außerdem habe die WTG in diesen 3 Ländern mehr als 43 000 Fälle von "Gerda"
einfach nicht mitgezählt.
- W. D.
CV 88 über WTG-Blutkult hat große
Erregung ausgelößt
In CV 88 wurde am Fall des Markus Krüger aus Hamburg
nachgewiesen, wie die WTG unter ihrer unglaubwürdigen Endzeitfahne die Bibelaussagen
über Tierblut einfach in Menschenblut umfälscht und auf diese Weise zu fahrlässiger
Tötung, Selbstmord und Mord engster Angehöriger verleitet. Es war dazu festgestellt
worden, daß die WTG damit nicht nur "über das hinausgeht, was geschrieben
steht" (1. Kor. 4:6), sondern daß sie damit auch das göttliche Gebot "Du
sollst nicht töten (2. Mose 20:13) übertritt. Diese Nachweise haben inzwischen große
Erregung und auch folgenschwere Diskussionen ausgelöst. Es reifen Entscheidungen heran
und es bahnen sich Entwicklungsprozesse an, die noch nicht abzusehen sind. Viele geben zu,
überhaupt nicht genau geprüft zu haben, was die Schrift eigentlich in dieser Sache sagt.
Sie hätten einfach der WTG-Auslegung vertraut und geglaubt, die jetzt ganz klar als
Fälschung erwiesen ist. Etliche sagen, wenn die WTG soweit geht, und Tierblutaussagen in
Menschenblutaussagen umfälscht, dann hat sie alle Menschenleben auf dem Gewissen, die
bisher deswegen in den Tod gingen. Das sei der unzweifelhafte Beweis dafür, daß die WTG
kein Werk Gottes betreibt und keine Organisation Gottes sein kann.
"Wir senden hier einen Beweis für
das blutige Doppelspiel der Wachtturm-Gesellschaft
"
Aus Stuttgart. - Ihre CV-Schrift Nummer 88 müßte in
Millionen unter allen Zeugen Jehovas auf der ganzen Erde verbreitet werden. Noch nie hat
es eine bessere Beweisführung gegen die Wachtturm-Blutlehren gegeben. Wir senden hier
einen Beweis für das blutige Doppelspiel der WachtturmGesellschaft, den Sie den Zeugen
Jehovas noch vor Augen halten sollten. Die Zeitungsreporterin Mascha M. Fisch von der
Deutschen Zeitung "Christ und Welt" in Stuttgart (10. 9. 1976) hat über die
Zeugen Jehovas einen Artikel geschrieben "Sie wollen keine Sekte sein". Darin
hat sie eine Zeugin Jehovas interviewt, Frau M., der sie die Frage vorlegte, was sie über
die Bluttransfusion glaubt. Frau M. hat als Zeugin Jehovas wörtlich geantwortet:
"Es ist ein feststehendes biblisches
Gebot, daß man kein Blut zu sich nehmen darf. Würden wir gegen dieses Gebot
handeln, würden wir aus der Gemeinschaft ausgeschlossen."
Wir haben nun in Ihrer Nummer 88 das Wachtturm-Dokument gelesen, wonach keiner
ausgeschlossen wird, der das Blutverbot nicht beachtet, und daß man einen solchen nicht
einmal vom Abendmahl ausschließen darf. Wir finden, daß es ein blutiges Doppelspiel ist,
Dokumente zu veröffentlichen, daß man keinen ausschließt, dabei aber die Gläubigen aus
Furcht vor dem Ausschluß durch Blutverweigerung in den Tod treibt. Wir denken, daß die
Wachtturm-Gesellschaft dies Dokument nur veröffentlicht hat, damit sie nicht als
Mordorganisation angeklagt werden kann, wenn die Gläubigen ihr Kind z. B. durch die
Wachtturm-Blutlehre sterben lassen oder ermorden. Es ist ein Ermorden, wenn ich zusehe und
zulasse, daß mein Kind stirbt, obwohl ich ihm helfen kann, daß es nicht sterben muß.
Der Zeugen-Jehovas-Vater läßt es ja nicht nur zu, er besteht sogar darauf, daß dem Kind
nicht geholfen wird. Auf Ihre Frage in Nummer 88 antworte ich, ich würde die
Wachtturm-Gesellschaft vor das Bundesverfassungsgericht bringen, wenn ich betroffen wäre
Zusammenkünfte unserer freien
Christengemeinden
Leipzig: Witzgallstraße 20 (Raum St. Laurentius) Sonnabends
14-16 Uhr. - Blumenstraße 75 (Raum meth. Gem.) Sonntags 14-15.30 Uhr. -
Maurice-Thorez-Straße 22 (Raumgem.) Sonnabends 16-17.30 Uhr.
Dresden: Robert-Blum-Straße 6 (Raumgem.) im Winterhalbjahr
Sonnabends 13.30-15 Uhr.
Karl-Marx-Stadt: Schloßstraße 4-6 (Raumgem.) Sonntags 14-16
Uhr. - Gießerstraße 36 (Raumgem. St. Joseph) Sonnabends 13.30-15.30 Uhr.
Magdeburg: Bärstraße 9 (Raumgem. Morm.) Sonntags 13.30 bis
15 Uhr.
Die Endzeit stimmt nicht! Überall in
eigener christlicher Verantwortung vor Gott und den Menschen den Weg als freie Christen
beschreiten
Liebe Brüder und Schwestern, diese CV-Ausgabe enthält als
einen der Schwerpunkte die unglaubliche politische Rolle der WTG in Verbindung mit dem
antidemokratischen faschistischen Umsturz 1973 in Chile, dieweil alle unter einer mit 1975
wieder unglaubwürdig gewordenen Endzeitfahne immer weiter dahingeführt werden. Es ist
ein in der Tat alarmierender Beweis, wie und wozu Jehovas Zeugen durch die WTG inmitten
der Politik gelandet sind. Was den Ältesten gegenwärtig als "Unsere Arbeit mit
einem guten Gewissen vor Gott und Menschen verrichten" in mehreren Folgen zur Aufgabe
gemacht wurde, die Berufstätigkeiten in den Versammlungen zu überprüfen, ist eine der
gegenwärtigen Beschäftigungstheorien der WTG für sie
n a c h 1 9 7 5. Anstatt sich damit zu beschäftigen, in der
Berufstätigkeit der Brüder herumzustochern, um sie abzulenken, sollte man den Blick auf
die WTG selbst richten! Es kann kaum einen schlimmeren Mißbrauch des Glaubens geben, als
dem faschistischen Gewaltregime in Chile in antikommunistischer Weise durch Zeugen Jehovas
den Steigbügel halten zu lassen, wo man die Kommunisten aus "führenden
Stellungen" verhaftet hat! D a m i t sollten sich die Ältesten beschäftigen.
Aber das überlesen sie wohl im WT? Mögen sie sich nicht wundern, wenn sie diesen
Glaubensmißbrauch als "gedruckte Predigt" verbreiten! Was die WTG in Chile
durchblicken läßt, dürfte jedoch nur die "Spitze des Eisberges" sein. Der
"Fischfang", den der faschistische Umsturz der WTG in Chile ermöglicht hat,
wird gezielt hochgespielt, um als "Mehrung" ebenfalls zu helfen, das falsche
Weitende von 1975 wieder zu verdrängen Den auf diese Weise seit 1973 in Chile
"Eingefangenen" hat man mit Sicherheit kaum noch etwas von dem 1967/68
aufgestellten 1975-Termin gepredigt. Besitzen doch selbst hier verantwortliche Brüder die
Unverfrorenheit und Skrupellosigkeit, wie in einer Harz-Versammlung jüngst, zu 1975 zu
erklären, ja zu prahlen, die WTG hätte nie dieses Datum als
Weltendetermin verkündigt! Dabei haben sie selbst den WT vorn 1. August 1968 verbreitet,
in dem weitweit proklamiert wurde, daß der "Herbst 1975 das Ende der 6000 Jahre des
siebenten Tages oder des Ruhetages Gottes" ist! Konkret verkündigte der WT dazu:
"Einige Angehörige der Generation, die den Anfang der Zeit des Endes im Jahre 1914
bewußt miterlebte, werden noch leben und Zeugen des Endes des gegenwärtigen bösen
Systems der Dinge in der Schlacht von Harmagedon sein . . . Es dauert höchstens noch ein
paar Jahre, bis sich der letzte Teil der biblischen Prophezeiung über die 'letzten Tage'
erfüllen wird und die Menschen, die dann noch am Leben sind, durch die herrliche
Tausendjahrherrschaft Christi befreit werden!" (S. 462/63 dt.) Wer diese
WTG-Weltendeverkündigung von 1967/68 für 1975 heute bestreitet, kennt sie entweder nicht
oder lügt. Den Neulingen ist sie kaum noch zugänglich, und die man in Chile seit 1973
unter der Gunst des Faschismus einfängt, haben sie wohl kaum in der Hand gehabt. Heraus
darum aus der WTG-Endzeitgefolgschaft, liebe Brüder und Schwestern Christliche Erbauung
finden wir in der Bibel. Selbst wo sich nur zwei oder drei um sie versammeln, hat Christus
verheißen, mitten unter ihnen zu sein. Matth. 18:10. Im Jahre 1977 ist dafür die
höchste Zeit. Die "kleine Welle" ist in Kürze wieder zuende. Was dann? Wer
will unter der unglaubwürdigen WTG-Endzeitfahne weiter dahinstolpern? Einer unserer
Mitarbeiter machte kürzlich darauf aufmerksam, daß in CV offensichtlich zu wenig im
Blick auf die WTG für Jehovas Zeugen auf 5. Mose 18: 20-22 hingewiesen wird. Mit diesem
Wort aus der Schrift möchten wir diese CV-Ausgabe schließen.
In christlicher Verbundenheit
Eure Brüder und Schwestern und alle
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
CV-Leitung Gera/Thür.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------
"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der
Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber: Wolfgang Daum, DDR 65 Gera,
Otto-Dix-Straße 6. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,-. Versand auch kostenlos.
Kto.-Nr.: 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera
A 4128-77 V 7 1 960