Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 79

Ein Artikel in dieser Ausgabe bezieht sich auch auf die Tragödien der Zeugen Jehovas, im afrikanischen Land Malawi.
"In einsamer Nacht - auf weiter Flur, weit und breit keine andere Seele", da hilft wohl nur lauter Gesang, zur eigenen moralischen Stabilisierung. Dies war so meine Gedankenassoziation, bei Lektüre des nachfolgenden Satzes aus dieser CV-Ausgabe:
"Die aus den kapitalistischen Krisenverhältnissen, aus ihrem Elend, aus ihrer Misere und aus ihren sozialen Widersprüchen konstruierten und von einer Generation auf die nächsten verschobenen 'Zeichen' einer 'Zeit des Endes' passen für die sozialistischen Länder nicht, sind hier nicht übertragbar, und deshalb zum Scheitern verurteilt.".
So, so. An anderer Stelle habe ich solch eine These auch schon mal kommentiert. Man kann beispielsweise dazu vergleichen: "Geschichte der ZJ" S. 659, Anmerkungsnummer 28.


CV Christliche Verantwortung

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 79 Gera Februar 1976

ERLEBEN WIR 1976 MIT DER WTG EINEN "ENDZEIT"-KOLLAPS?
Was die WTG 1976 tut, und was bevorsteht
Liebe Leser
"Frühherbst 1975" ist endgültig vergangen. Keine "große Drangsal" ist gekommen, kein Harmagedon, kein "Tausendjahrreich". Es soll vielmehr "Jahr um Jahr" weitergehen (WT 15. 6. 1975, S. 379). Jedermann kann nur froh sein, der WTG und den Zeugen Jehovas nicht geglaubt zu haben, was sie 1968 im WT in 74 Sprachen verkündeten: "Nach den zuverlässigen chronologischen Angaben der Bibel . . . fehlen noch acht Jahre, bis die 6000 Jahre des siebenten Tages voll sind. Zählen wir vom Herbst 1967 acht Jahre vorwärts, so kommen wir zum Herbst 1975, zum Ende der 6000 Jahre des siebenten Tages oder des Ruhetages-Gottes: …Einige Angehörige der Generation, die 1914 bewußt miterlebte, werden noch leben und Zeugen des Endes dieses gegenwärtigen bösen Systems der Dinge in der Schlacht von Harmagedon sein" (WT 1. Aug. 1968, S. 463, Abs. 4-6). Wie recht doch hatte CV, von Anfang an vor dieser 1975-Verkündigung zu warnen!

Wenn die WTG jetzt einfach erklärt, daß die 1975-Verkündigung seit 1966/67 falsch war, weil man das. Ende des "Ruhetages Gottes" nicht errechnen kann, also im Herbst 1975 keine 6000 Jahre des Ruhetages Gottes, des siebenten Tages, voll sind, was soll man da sagen? Die Untergrund-Aufseher können das u a. im "Königreichsdienst" 1/75 nachlesen! Da das, was jetzt hier zur "Verscheuchung" von 1975 hervorgeholt wird, im WT vom 1. April 1955 (Leserfragen) schon lange vorher so wie nebenbei eingeschoben wurde, war die ganze 1975-Verkündigung eine bewußte, vorsätzliche, wissentliche weltweite Falschverkündigung! Wie denn das jetzt auch im Jahrbuch 1975, S. 240 von C. W. Barber, Brooklyn, mit der Bemerkung, damit "die Zahlen auf der ganzen Erde wieder ansteigen", skrupellos zugegeben wird! Wie kann da irgendjemand, dem diese Falschheit einst als Wahrheit verkündigt wurde, bei der Bedeutung dieser Sache die verantwortliche WTG-Führung noch irgend ernst nehmen, wenn das je geschah? Es scheint von den Verantwortlichen niemandem das Gewissen zu schlagen. Wäre das der Fall, müßten sie nicht schier mehr als nur rebellieren?

Wissend um diese Zusammenhänge um 1975 verfolgt die WTG darum für 1976. eine unnachsichtige Strategie des Niederhaltens in weiterem Ausharren und in fortgesetzter Auslastung in Tätigkeit bis zum "Äußersten". Demgemäß lautet der Kerngedanke des Jahrestextes 1976, "tut euer Äußerstes" im Verkündigen.

Als für die vorige Generation 1945 Harmagedon wieder "verscheucht" wurde (Dein Name werde geheiligt, S. 329), wurde dieselbe Methode der "Beschäftigung bis über beide Ohren" angewandt: "Selbst wenn Harmagedon nach um zehn oder zwanzig Jahre verziehen sollte - es wurde nicht gesagt, daß es wirklich so sein wird - ,… dauert es jemand zu lange, dann sei daran erinnert, daß Zeit niemals lang wird, wenn man alle Hände voll zu tun hat" (Bericht, Theokratischer Kongreß Pfingsten 1945, Zürich, Trost/Erwachet 1. Juni 1945, Bern) Nicht nur laßt man Jehova jetzt wieder "verziehen" (WT 1. Aug. 1975, S. 476, Abs. 123), mit dem 1976-Text, weiter "diese Dinge zu erwarten" und dabei im Dienst immer "das Äußerste zu tun", wird auch diese jetzige Generation wieder auf genau dieselbe Weise weiter hingehalten!

Schauen wir uns die Monatsmottos für das ganze Jahr 1976 nur an! Januar: "Wachsam bleiben…", Februar: "… auf dem Weg bleiben,". März:"…auf dem Wege gehen". April.." … höher schätzen als alles andere. Mai."…vertrauen". Juni:"…beharren". Juli: "…dienen, festhalten". August:"… durch Dienst Größe beweisen", September: "…nachahmen". Oktober: "… an unserem Zufluchtsort festhalten" ' November:"…anerkennen". Dezember: " . . . unser Äußerstes tun!". Es ist eindeutig, worauf diese monatlichen Kerngedanken orientieren! Fürchtet die WTG zu Beginn des Dienstjahres 1977 einen ersten großen Ausbruch? Das Oktober-Motto, am "Zufluchtsort bleiben", könnte das bedeuten! Auch den Jahreswechsel zu 1977 scheint sie zu fürchten, weil gerade davor mit dem Dezember-Motto alle nochmals bis zum "Äußersten", also "bis über beide Ohren" in den Dienst gestürzt werden, damit keine Besinnung aufkommen kann.

Wird das alles helfen und vor einem "Endzeit"-Kollaps durch die 1975-Falschverkündigung bewahren? Mit Sicherheit kann man sagen: Die entscheidenden Schlußfolgerungen aus der 1975-Falschverkündigung sind schwerlich im Vorfeld des Jahres 1975 zu erwarten gewesen. Hofft und harrt man doch tatsächlich zumeist bis zum Äußersten. Erst noch dem Offenbarwerden dieser weltweiten Falschverkündigung kann das erwartet werden. Es steht der WTG also alles noch bevor! Lest darüber in dieser CV-Ausgabe den Beitrag "Wohin nach 1975?"!
Vergewissert euch über alle Dinge
haltet fest an dem, was recht ist 1. Thess. 5:21 NW
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IN DIESER AUSGABE
Langfristige Schwerpunktverlagerung der Tätigkeit der WTG noch ihrem 1975-Fiasko in die "Dritte Welt"? - Südamerika als Beispiel für den politischen Zweck der unglaubwürdigen WTG-Endzeitverkündigung - Die kritische Wachtturm-Überprüfung - Wohin nach 1975? Für eine christliche Neuorientierung in der sozialistischen "die Menschen betreffenden Ordnung". Grundsätzliches
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LANGFRISTIGE SCHWERPUNKTVERLAGERUNG DER TÄTIGKEIT DER WTG NACH IHREM 1975-FIASKO IN DIE "DRITTE WELT"?
"Zeugen Jehovas in Malawi erneut schweren Verfolgungen ausgesetzt." Unter dieser Überschrift berichtet die Süddeutsche Zeitung, München, am 12. 11. 1975:
"Nach zuverlässigen Berichten aus Malawi ist die Verfolgung von Zeugen Jehovas in diesem afrikanischen Land wieder in vollem Gange. Bereits 1972 waren Zehntausende von Anhängern dieser Sekte nach schweren Mißhandlungen und Diskriminierungen noch Mocambique geflüchtet. Noch ihrer Rückkehr nach Malawi im August dieses Jahres durften die Flüchtlinge zunächst ihre alten Häuser in ihren Heimatdörfern wieder beziehen. Als sie sich jedoch erneut weigerten, der regierenden Kongreßpartei beizutreten, wurden sie geprügelt und gefoltert. Der malawische Präsident Banda wies die Polizei an, die erwachsenen Zeugen Jehovas in Gefangenenlager zu bringen. Die Kinder werden zurückgelassen und bleiben bei Verwandten oder müssen sich allein durchschlagen. Selbst Säuglinge dürfen nicht bei ihren Müttern bleiben. Mehrere hundert Sektenangehörige, die nach Sambia geflüchtet waren, wurden von den dortigen Behörden mit Gewalt noch Malawi zurückgebracht."

Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in Afrika geht auf ihre unzumutbaren Proklamationen in ihrer öffentlichen Verkündigung zurück, Politik als "schmutzig" zu verwerfen (WT 15. 4. 1975, S. 249 z. B.), die Menschen von jeglichem sozialpolitischem und demokratischem Engagement durch ihre Verkündigung abzuhalten bzw. abzubringen, und alle, die "Politik treiben", wie berechtigt dies auch sei, als vernichtungswürdige "Feinde Gottes" zu verteufeln. (WT 1. 1. 1957, S. 6 z. B.). Die WTG, die das hervorbringt und verantwortet, weiß um den provokatorischen Charakter solcher Öffentlichkeitsarbeit und die dadurch verursachten Verfeindungen politischer Art. Sie weiß auch, wie in Afrika entwicklungsbedingt mitunter politische Feindschaften ausgetragen werden. Sie könnte diese Verfolgungen sofort stoppen. Aber sie will es nicht. Sie will diese Verfolgungen. Sie gehören zu ihrer Strategie ständiger Auslösung von Verfolgungen, um "Märtyrium" demonstrieren und ihre Angehörigen auch dadurch als die "allein wahren Christen" ausweisen zu können.

Im Anblick des sozialen Elends, aus dem sich viele Völker Afrikas mühsam herausarbeiten müssen, muß diese Politik in der WTG-Verkündigung um so unerträglicher wirken. In einem Bericht des Hamburger Nachrichten-Magazins "Der Spiegel" vom 6. 11. 1972 wurde zu dieser Afrika-Situation der WTG-geführten Zeugen Jehovas gesagt:

"Die Sekte hatte sich dort besonders schnell verbreitet. Denn gerade eine wenig gebildete, überwiegend noch an Magie glaubende Bevölkerung, mußte die wörtliche Bibelauslegung der Sekte attraktiv finden." Die WTG-Politik sei etwas, .was gerade in den jungen, ihre Identität suchenden Nationen als Provokation aufgefaßt wird. Die Sektenmitglieder verkünden zudem den Weltuntergang im Jahre 1975 und unterstützen damit - wie ihre Gegner behaupten - die ohnehin zu passive Lebenshaltung vieler Afrikaner".

Auch in Mocambique, Ostafrika, ist dies sehr akut. Es wurde schon berichtet, wie diese ehemalige portugiesische Kolonie jetzt vor einer "ökonomisch und sozial ernsten Situation" steht. Der gegründete "Volkssicherheitsdienst" hat in diesem Zusammenhang auch "verschiedene religiöse Sekten ausgehoben", wozu auch "Führer und Mitglieder der Zeugen Jehovas" gehören. (epd Kapstadt/Südafrika, 20. 10, 75, ND Berlin 5. 11. 75). Die Moskauer Zeitschrift "Neue Zeit" schreibt im November 1975 über die Lage in Mocambique: "Nach fünf Jahrhunderten Kolonialherrschaft ist in Mocambique kein einziger einheimischer Arzt, Wirtschaftler, Ingenieur oder Jurist herangebildet worden. Der Hund eines Reichen erhielt mehr soziale Dienstleistungen als der Werktätige." Hier müssen die Zeugen Jehovas unter der WTG mit ihrer sozialpolitisch passiven und auch den Besuch höherer Schulen und Universitäten bekämpfenden WTG-Verkündigung in Schwierigkeiten geraten (Königreichsdienst Jan. 1964, WT 15. 7. 1956, S. 441-443). In seiner Ansprache am 29. August 1975 in Westberlin verteufelte der WTG Vizepräsident F. W. Franz, Brooklyn. erneut den Besuch von Universitäten oder Hochschulen als "selbstsüchtige Begierden". (CV 77/1975, S. 4). Soll man sich in den unterentwickelten Ländern hierüber etwa freuen? Was erwartet die WTG?

Die WTG könnte die aus ihrer angesichts des sozialen Elends in Afrika provokatorische Politik resultierenden Verfolgungen sofort stoppen. Nach der Schrift müßte sie das sogar. Lehrt die Schrift doch, "niemanden zu schmähen, sich friedfertig und nachgiebig zu zeigen" (Titus 3:2) und "aller die Menschen betreffenden Ordnung um des Herrn willen untertan sein" (1. Petr. 2:13), also keineswegs solche Verneinung und Bekämpfung sozialpolitischer Mitverantwortung des Christen. Die Schrift zeigt vielmehr, wie Cornelius z. B. sogar ein römischer Militärführer war, ein anderer Christ war königlicher politischer Würdenträger, und es wurde nicht gegen solchen gesellschaftlichen Stand gepredigt (Apg. 8:27, 10:1,2, 1. Kor. 7:20). Das Evangelium erlaubte also sogar die Mitgliedschaft in höchsten militärischen und staatlichen Institutionen. Zu predigen, es sei einem Christen verboten, auch nur das einfachste Mitglied in einer politischen oder staatlichen Partei zu sein, entbehrt daher nicht nur jeder urchristlichen Grundlage. Es geht eindeutig über das hinaus, was geschrieben steht und zieht sich daher eine schriftgemäße Verurteilung zu 1. Kor. 4:6. Es ist als WTG-Lehre sogar offene politische Heuchelei. Denn WTG-Präsident J. F. Rutherford z. B. fand keineswegs einen Widerspruch zur Schrift darin, als "Vertreter des Herrn" zeitlebens auch aktives Mitglied der amerikanischen Staatsanwaltschaft in New York, USA, zu sein. Biografie, M. Cole, Frankfurt 1956, WTG-Vertrieb). Der politische Mißbrauch der WTG-Angehörigen tritt damit um so schärfer hervor, ohne daß sie es merken sollen.

Für die der WTG bedenkenlos folgenden Zeugen Jehovas in Malawi - führt das unter. den dort gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen der zu überwindenden Rückständigkeit und Elendsverhältnisse zu tragischen Auswirkungen. Um die Entrüstungen der WTG braucht sich niemand zu kümmern, auch sie sind Heuchelei, hat sie doch selbst alles provoziert. Man muß vielmehr noch dem strategischen Ziel fragen, das die WTG jetzt um "1975" mit diesem "Märtyrer-machen" in Afrika verfolgt, wenn sie dort dafür Tausende "verheizt" wahrend sie selbst in Sicherheit bleibt.

Glaubt die WTG-Führung, daß sie jetzt auf lange Sicht in den traditionellen Verkündigungsländern ausgespielt hat, wo man ihre Vergangenheit nun mehr und mehr durchleuchtet und ihre "endzeitliche" Unglaubwürdigkeit ans Licht bringt? Ist man im Hauptbüro in Brooklyn langsam davon überzeugt, daß man in diesen Ländern schwerlich eine weitere "Generation" gewinnen und halten kann, nachdem mit "1975" diese "Endzeit" nun definitiv das dritte Mal (1914, 1925, 1939) bankrott gemacht hat? Ist man im Hauptbüro lediglich noch entschlossen, in diesen Ländern zu halten, was zu halten ist, ansonsten aber alles "zum Teufel gehen" zu lassen und die Zukunft der weiteren Einsammlungen unter der "Endzeitfahne" in der "jungfräulichen" dritten Welt zu suchen? Will man in dieser dritten Welt, in den Entwicklungsländern, mit dem jetzt dort herbeigeführten "Märtyrien" eine Grundlage legen? Hat die WTG zukünftig ihre internationale Rolle unter ihrer "Endzeitfahne" vornehmlich in der dritten Welt zu spielen, um einerseits zu helfen, Revolution, Sozialismus und Kommunismus dort verhindern zu können und andererseits die künftig zu erwartenden Elendsschichten aufzufangen und zu "neutralisieren"?

Man kann absolut sicher sein. Im Hauptbüro in Brooklyn wird in Zeiträumen von Jahrzehnten gedacht und konzipiert. Wer die Lehrentwicklung der WTG überblickt, erkennt das unschwer. Und wer die Entwicklung von Lehre und Organisation im Zusammenhang mit den internationalen Veränderungen und Entwicklungen sieht, erkennt die politische Rolle der WTG schlagartig mit den Zeugen Jehovas unter den Religionsgemeinschaften. Die dritte Weit mit Afrika als Zentrum gewinnt immer mehr weltpolitische Bedeutung. Das zeigt sich in den Vereinten Nationen. Das zeigt die zunehmende Bedeutung des afrikanischen Klerus in der katholischen Kirche, wie das in einem jüngsten Rückblick nach 10 Jahren auf das II. Vatikanische Konzil mit einem Interview von Kardinal Döpfner, BRD, zum Ausdruck kam. Das zeigen nicht zuletzt die gegenwärtigen Klassenauseinandersetzungen in Afrika. Legt die WTG jetzt Grundlagen für ihre Rolle dort? Die Anzeichen mehren sich.

SÜDAMERIKA ALS BEISPIEL FÜR DEN POLITISCHEN ZWECK DER UNGLAUBWÜRDIGEN WTG-ENDZEIT-VERKÜNDIGUNG
Immer mehr Außenstehende, kritische WTG-Beobachter und nicht zuletzt die nun kritisch werdenden Zeugen Jehovas selbst fragen nunmehr nach dem eigentlichen Zweck der WTG-Endzeitverkündigung, nachdem sie mit dem falschen "Ende" von 1975 erneut als unglaubwürdig erwiesen ist. Bei Abwägung aller anderen Faktoren nach der jetzt möglichen Übersicht über die gesamte Verkündigung bleibt, wie bereits gesagt, nur noch ein ganz bestimmter politischer Zweck. "Südamerika" ist ein weiteres Beispiel, welches das drastisch veranschaulicht.

Im Jahre 1968 erließ die WTG einen internationalen Aufruf, zu einem Großeinsatz von Missionaren der Zeugen Jehovas in Südamerika: "Aufruf zur Ernte in Südamerika!" (WT 1. 11. 1968). Schauen wir aus dem Jahre 1976 kritisch, was es nach der WTG-1975-Verkündigung eigentlich gar nicht mehr geben sollte, zurück. "Einige Länder gleichen tatsächlich Feldern mit reifem Getreide, das ohne Verzug geerntet werden sollte. Brasilien hat 85 000 000 Einwohner, und die Bevölkerung nimmt schnell zu. Erkennst du, daß dies für die heute dort tätigen Zeugen eine gewaltige Aufgabe darstellt? Es besteht kein Zweifel darüber, daß in diesen südlichen Ländern Rekordernten einzubringen sind", hieß es in dem Aufruf.

Und die WTG lockte: "Das Gebiet von Mendoza ist, obwohl ,es so nahe bei den schneebedeckten Anden liegt, ein Land der Sonne und der fruchtbaren Felder. Es gibt dort herrliche Wein und Olivengärten. Es ist erfrischend, auf den von Bäumen eingerahmten schattigen Straßen zu gehen. Und die Stadt ist makellos sauber. Die Hausfrauen haben den besonderen Ehrgeiz, die glatten Fliesen, die vor ihren Häusern ausgelegt sind, sauberzuhalten. Mendoza hat die Betriebsamkeit einer modernen, aktiven Stadt mit fleißigen, gebildeten Bürgern. Wenn sich Menschen von dieser Art Jehova hingeben, bekunden sie denselben Fleiß im christlichen Predigtdienst. Das scheint ein ideales Gebiet zu sein." Was für eine trügerische Schönfärberei! Was für ein ausgemachter schillernder Trug! Was für eine trügerische Werbung! Die Wahrheit sieht völlig anders aus!

"Südamerika ist ein Halbkontinent mittelalterlicher Feudalherrschaft und eines sozialen Elends, in dem die Würde des Menschen erstickt wird" (Bonner Rundschau, 19. 8. 1969).
"Hinter den Prachtbauten liegt ein erniedrigstes Volk" (Frankfurter Rundschau 2. 4. 1969). "Mehr als die Hälfte aller Lateinamerikaner hat niemals in einem Bett geschlafen, hat niemals genug zu essen, geht niemals zur Schule, hat niemals medizinische Fürsorge" (Potsdamer Kirche 24. 11. 1968). "Analphabetismus und fehlende Berufsausbildung, Fehlen von wissenschaftlicher Erfahrung. Mehr als 70 Prozent der in der Landwirtschaft arbeitenden Familien haben als einziges Instrument der Bodenbearbeitung nur eine Hacke oder den hölzernen Hakenpflug. 40 Millionen Menschen verhungern in jedem Jahr. Alle 42 Sekunden verhungert in Lateinamerika ein Kind. Nur wenn man die Zahlen wieder in Einzelschicksale auflöst, zu Personen werden läßt, kann man das Grauen ahnen" (Der Hunger in der Welt. Dokumentation, CFK, Juni 1968). "Massive wirtschaftliche Vorteile für einen kleinen Kreis von Geschäftsleuten und Großgrundbesitzern haben die Kluft zwischen arm und reich überall in Lateinamerika weit aufgerissen. Eine vor allem durch nordamerikanisches Kapital geförderte Industrialisierung schuf Ballungszentren der Proletarisierung und Zonen maßlosen Elends am Rande der Großstädte" (Handelsblatt Düsseldorf, 19. 8. 1968).

Nichts von dieser Wirklichkeit in den Darstellungen der WTG in ihrem Lateinamerika-Aufruf! Aber genau um dieser Zustände willen erfolgt der Aufruf! Sehen wir weiter.
Für Brasilien, das Haupteinsatzgebiet der gerufenen WTG-Missionare, erklärte die brasilianische ."Nationale Befreiungsfront": "Die faschistische Diktatur hat uns keine andere Wahl als den bewaffneten Kampf für die Freiheit unseres Landes gelassen. Große deutsche Konzerne zusammen mit den amerikanischen Monopolgesellschaften sind an der permanenten Ausbeutung des brasilianischen Volkes beteiligt" (Berliner Extradienst, Westberlin 20. 6. 70). Wie reagiert das brasilianische Regime auf den Freiheitskampf? Schätzungsweise werden 12 000 bis 15 000 politische Gefangene in den Kerkern gehalten, wo ihr Widerstand physisch und psychisch . gebrochen werden soll (ND 18. 6. 1970). Eine Hauptmethode ist die Folter. "Elektroschocks an Ohren, Fingern und Geschlechtsteilen, Schläge, Tritte, Versengen, Papageienstange und psychologische Folterungen" (ND 1. 7. 1970).

Nicht ein einziger Protest der WTG gegen diesen Terror ist bekannt. Es war der katholische Erzbischof Dom Helder Camara, der 1970 durch Westeuropa reiste und überall diese Folterverbrechen bloßstellte. Es sind katholische Laien und Priester, die als Christen wegen ihres Aufbegehrens gegen das soziale Elend mit diesem Terror und mit diesen Folterungen verfolgt werden. Jedoch kein einziger Zeuge Jehovas in Brasilien! Wenn die WTG stattdessen weltweit dazu aufrufen kann, zum missionarischen Großeinsatz in dieses Brasilien zu kommen, dann geschah das vielmehr mit der Gunst dieses brasilianischen Terror-Regimes. Zum Vergleich konnte die 5. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes zu jener Zeit nicht wie geplant in Brasilien stattfinden, weil man auf dieser Vollversammlung nicht wie die WTG über die Ausbeutung, Unterdrückung, das Elend und den Terror in Brasilien geschwiegen hätte!

Wie sieht die WTG-Verkündigung mit Bezug auf Brasilien in politischer Hinsicht aus? Deutlich auf die gegen das Elend aufbegehrenden katholischen Laienchristen und Priester zielend, heißt es in dem Aufruf der WTG: "Wie steht es dort (in Brasilien) mit der Religion? Sind die meisten Leute nicht streng katholisch? Katholisch ja, das stimmt, aber aus einem der letzten Briefe erfuhren wir, daß die Kirche die Menschen nicht mehr so fest in der Hand hat" (WT 1. 11. 1968, S. 663).

In der Tat, dies ist der Hauptgrund für den Großeinsatz in Brasilien und anderen südamerikanischen Ländern! Im WT vom 1. Oktober 1972, S. 579, griff die WTG den katholischen Erzbischof Dom Helder Camara öffentlich persönlich an, weil er erklärt hatte, er achte diejenigen, "die sich völlig gewissensmäßig für revolutionäre Gewalt" entschieden hätten.

Rückschauend sehen wir, wie die WTG schon seit Jahren ein spezielles antikommunistisches Programm bezüglich Brasilien verfolgt. In der Zeit der Hochkonjunktur des kalten Krieges der 50-er Jahre warf sie folgende antikommunistische Verleumdungspropaganda in Millionenauflagen ins Land: "Hammer und Sichel über Brasilien! Die Regierung unterdrückt kommunistisches Feuer. Kreuzzug gegen den Kommunismus. Rote Führer werden ausgehoben. Wo immer man im Staatsapparat einen Stein wegwälzt, flitzen die 'roten Käfer' davon! Kampf den 'Röteln'! Seitdem die Partida Communista verboten wurde, haben die Roten in Brasilien eine Schmierkampagne großen Stils durchgeführt! Die Gegend von Triangula Mineiro ist kommunistenverseucht!" (Erwachet 8. 4. 1953, S. 3-6). im WTG-Babylon-Buch S. 537 wird dazu bis zur Stunde aller Welt verkündigt, "die Haltung der Zeugen Jehovas gegenüber dem Weltkommunismus hat sich nicht geändert", alle Zeugen Jehovas damit politisch vergewaltigend.

Dieweil also das brasilianische Regime mit Terror und Folter jedes revolutionäre Aufbegehren im Lande unter Christen und Nichtchristen gewaltsam niederzuhalten versucht, ist die WTG dabei, derartiges Aufbegehren unter den Christen mit psychologischen Mitteln im Rahmen ihrer Verkündigung zu bekämpfen.- Der Aufruf zum Großeinsatz in Südamerika 1968 erfolgte offensichtlich im Zusammenhang mit den hochschlagenden revolutionären Wogen jener Jahre auch in anderen kapitalistischen Ländern. Die WTG-Verkündigung der Ausrottung der Revolutionäre als Vernichtung einer Seuche und Zertreten von Ungeziefer durch die Regierung - was konnte sich das brasilianische Regime in seinem Kampf gegen die Revolution besseres in psychologischer Hinsicht in Millionenauflagen unter den Christen im Lande wünschen? Dies ist der übergreifende Zusammenhang. 1969 konnte die WTG in Sao Paulo sogar ein neues Zweigbüro für Brasilien eröffnen!

Nur ist das eine gar trügerische "Ernte" auch in "Südamerika". Hat sich doch das Endzeit-Panier, unter dem diese antikommunistische "Einsammlung" durchgeführt wird, wieder als Trugbild erwiesen, wie "1975" beweist. Umso greller tritt die verbleibende politische Rolle und Bedeutung dieser haltlosen Endzeitverkündigung in christlichen Kreisen unter den Ausgebeuteten, Verzweifelten, Erniedrigten, Geschlagenen, Seufzenden, Jammernden, Leidenden, Elenden und Hungrigen hervor, auf daß sie nicht aufbegehren.
K. 0.

DIE KRITISCHE WACHTTURM-ÜBERPRÜFUNG'
"Warum wir von 'jenem Tag und jener Stunde' nicht in Kenntnis gesetzt worden sind" - "Wie berührt es dich, daß du 'Tag und Stunde' nicht kennst? -
WT 1. August 1975, Nr. 15
Diese beiden WT-Hauptartikel zum Ende des Dienstjahres 1975 beinhalten die endgültige "Verscheuchung" des Jahres 1975 als Endzeitdatum, gezielt eingeleitet durch Nebenartikel, die zuerst nochmals jede andere Neuorientierung zerschlagen sollen. Der Nebenartikel " Die Lösung der weltweiten Probleme steht bevor" gipfelt in der schwarzmalenden Verleumdung, "die Menschen haben sich als unfähig erwiesen, weltumspannende Probleme zu lösen", auf ihre "Versprechungen" könne man sich "nicht verlassen". 30 Jahre Frieden in Europa oder die soziale Sicherheit ohne Arbeitslosigkeit in den sozialistischen Ländern z. B. werden einfach ignoriert. Mit dem Artikel "Ein geistiges Erwachen im 'Land der Morgenstille'" werden neue Erfolge in Asien, Südkorea, demonstriert, um aufzumuntern. Mit "Nimmst du Rat an?" wird dann gedemütigt, damit alle weiter unkritisch der WTG folgen. Das Thema "Der Tod eines Gottes" ist schließlich ein neuer massiver Angriff auf andere Christen, ihre Kirchen und Gemeinschaften, ihre guten Werke völlig mißachtend, damit sich ihnen niemand zuwendet wenn nun das 1975-Ende wieder "verscheucht" wird.

Die Haupartikel kritisch geprüft
Es genügt, uns die Kerngedanken vor Augen zu führen. Gehen wir sie kritisch durch, um uns ein objektives Bild machen zu können.
Schon die Einleitung (Abs. 1-3), die "große Drangsal" stehe noch bevor, ist unhaltbar. Wurde doch jahrzehntelang verkündigt, daß sie schon 1914 begonnen habe und 1918 "in der Mitte verkürzt" wurde. Der WT macht Gott zum Lügner vor aller Welt, wenn das nicht mehr gilt.

Dann zu Matth., 24. Kap. (Abs. 5, 6). Im WT " "Die Ernte, das Ende der Welt" vom 15. 2. 1947 wurde der vorigen "Generation" einst "von Jehova gelehrt" (S. 21), daß Jesus mit der "Welt" damals tatsächlich das jüdische System der Dinge meinte. Jetzt heißt es, nicht mehr "von Jehova gelehrt", was gestrichen wurde, Jesus habe. "mehr als nur das jüdische System der Dinge" im Sinn gehabt. Einen Baum erkennt man an den Früchten. Die erste WT-Datierung dieses "mehr" auf 1799 und dann immer auf die nächste "Generation" zu verschieben, offenbart die Haltlosigkeit dieser ganzen Matth.-Auslegung für heute.

In Absatz 7 werden dann, auch "die Kommunisten" als endzeitlicher "falscher Messias" und "Betrüger" verleumdet. Das antikommunistische Programm in der Verkündigung wird also fortgesetzt.

Absatz 9. Ihre Verfolgung weist "Jehovas christliche (!) Zeugen" als einzig wahre Christen aus? Neu ist das Eingeständnis, daß dieses nicht lediglich um des Namens Jesu willen erfolgt, sondern weil sie Jesus als "König der neuen Erde" predigen! An Jesus als "König der neuen Erde" kann niemand Anstoß nehmen, solange daraus nicht eine falsche Politik gemacht wird. Die Schwierigkeiten entstehen. weil die WTG unter dieser Predigt sozialpolitische Passivität, Interessenlosigkeit, ja Verleumdung und Verteufelung jeder politischen Verantwortung, also sozialpolitische Verantwortungslosigkeit verbreitet!

Dann wird ein Bluff weitergepredigt, wie er grotesker nicht sein, kann. Im Jahre 1918 hätten die Kirchen den Völkerbund und damit die Menschenherrschaft vorgezogen, "anstatt sich der Gewalt zu unterwerfen, die Christus 1918 "im Himmel" übernommen, habe (Abs. 11). Wir wollen übergehen. wie die WTG hier die Offenbarungsdeutung schon vom Haager Schiedsgericht 1899 über den Völkerbund 1919 auf die Vereinten Nationen 1945 hinschiebt. 1918 lag die WTG selbst "wie ein Leichnam auf. der Straße". Von Spaltungen heimgesucht, das Hauptbüro in Brooklyn verkauft. Die WTG-Führung. im Zuchthaus Atlanta. Erst im März 1919 wurde sie wieder frei. Dann wurde erst einmal das Weltende von 1914 auf 1925 verschoben.

Als das 1925 als Irrlehre. dastand, erst dann, 1925, "erkannte" man in 'Brooklyn daß Christus 1918 "im Himmel" eingesetzt sei! (WT "Die Geburt der Nation", 15. April 1925, Nr. 8) Wie kann man da den Kirchen für 1918 vorwerfen, sie hätten Christus "im Himmel" verraten? Davon hat die WTG 1918 doch selbst keine Ahnung gehabt! Wie dann irgendwer anders? Doch bedenkenlos wird das von Jehovas Zeugen gegen die Kirchen geschleudert, immer wieder aufs neue.

Hier erweist sich, daß die WTG auch das, Gleichnis vom "treuen und verständigen Sklaven" für sich usurpiert.
Wie kann man da glauben, "alle diese Dinge" seien jetzt "mit unmißverständlicher Klarheit" zu sehen? (Abs. 21). Unmißverständlich klar ist allein, daß die WTG einer "Generation" nach der anderen die "Endzeit" anders auslegt, so daß man mit den Widersprüchen schon ganze Bücherregale füllen kann!

Dann kommt der WT auf den heißen Punkt. "Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen", daran "besteht kein Zweifel". Daß Jesus keineswegs die 1914-Generation im Sinn hatte, wenn er dies zu den Jüngern sagte, bleibt ungesagt. Im Gegenteil. "Welche Generation ist das? Es ist die Generation, die die Erfüllung seit dem Jahre 1914 u. Z. erlebt", wird behauptet (Abs. 22). Deswegen brauche man nicht zu wissen, an welchem Tag das "Ende" ist (Abs. 26). Aber der Zeitpunkt "rücke schneller näher", es sei "Dringlichkeit", alles "kurz bevor". Denn - die "Generation", die nicht nur 1914, sondern auch die "große Drangsal" erleben soll, sei jetzt schon in vorgerücktem Alter"! In vorgerücktem Alter? Ausgestorben ist sie schon bis auf wenige 80- bis 90jährige hier und da in einer Versammlung! Man schaue sich doch in den Versammlungen um! Wenn man die WTG so hört, muß man glauben, es handele sich nur noch um Monate.

In Wahrheit ist das jedoch ein .übles Doppelspiel mit den Alten, wie jedesmal, wenn das "Ende" weiter verschoben wurde. Während noch davor gewarnt wird, "Tag und Stunde in die ferne Zukunft hinauszuschieben", wird unverfroren erklärt, daß schon im vorigen Jahrhundert Menschen lebten, die gewußt hätten, "daß dies nicht zu ihren Lebzeiten geschehen würde" (Abs. 12) Abraham sei auch gestorben, "ohne die Erfüllung der Verheißung erhalten zu haben", trotzdem sei seine "Entscheidung weise" gewesen. Auch die Jünger hätten gewußt, daß ihre Hoffnung "nicht zu ihren Lebzeiten erfüllt werden würde" (Abs. 12-15). Was sollen denn diese Vergleiche, sie passen heute doch überhaupt nicht! Wir leben doch nicht zu Abrahams Zeiten oder im ersten Jahrhundert! Wir sind mindestens schon die dritte "Generation" heute, die "auf keinen Fall" vergehen sollte! .Das Maß ist voll! Doch unverfroren fährt der WT fort, auch "einige" der Zeugen heute seien "inzwischen alt und gebrechlich geworden". Und der WT fragt - hat er sie wirklich gefragt?,- "sind sie enttäuscht? Bereuen sie? Waren ihre Opfer unnötig?". Er antwortet: Sie "bereuen nichts". Sie hätten die "Genugtuung, das getan zu haben, was sie in ihrem Fall für richtig hielten" (Abs. 20).

Wenn es sich nun auch als falsch erweist und sie "vergehen", muß man hinzufügen.
Was bedeutet das? Der 1914-Generation jetzt 1975 den "guten Geist" Abrahams zu predigen heißt, sie ins Grab zu predigen! Was im Artikel zuvor gesagt wurde, daß die 1914-Generation "auf keinen Fall vergehen" würde, ist also Falschgeld, falscher Trost, Täuschung, offensichtlich, damit sie sich nicht zuguterletzt gar noch als irregeführter Überrest, als verführte Auserwählte begreifen und womöglich empören.

Zum Schluß wird zu weiterem inbrünstigen Dienst aufgerufen. "Wenn du wirklich Jehova liebst, wird dein Dienst für Gott nicht durch ein Datum begrenzt werden." (Abs. 21) Damit ist "1975" ebenfalls endgültig "verscheucht" Wie zu 1914, 1925 oder 1945 wird auch wieder Habakuk 2:3 mißbraucht, die Zeit gehe "keuchend dem Ende zu und sie wird keine Lüge mitteilen. Selbst wenn sie säumen sollte, so harre ihrer, sie wird sich nicht verspäten". Nur hatte Habakuk weder 1914, noch 1925, 1945, 1975 oder irgendeinen anderen heutigen WTG-Endzeittermin im Sinn noch sprach er davon, wie denn auch die Anwendung seiner Worte seitens der WTG auf eine "Generation" nach der anderen beweist. Darum geht es auch nicht, um die Liebe zu Gott, sondern um ja oder nein zur WTG. Was "keine Lüge" betrifft, Glaubwürdigkeit wird auch durch eine solche Versicherung nicht bewirkt. Sie ist am Schluß umso verdächtiger.

F. W. Franz, Brooklyn, bestätigt die 1975-Verscheuchung
Ein Artikel über: die Verabschiedung von Gileadmissionaren am 2. März 1975 in Brooklyn beendet diese Thematik. Über "1975" sprach WTG-Vizepräsident F. W. Franz zu den Absolventen. Wenn auch 6000 Jahre im September 1975 ablaufen, "dürfe man nicht glauben, die Menschheit könne angesichts all dessen, dem sie sich heute gegenübersehe, unter dem gegenwärtigen System der Dinge weitere tausend Jahre - das siebente Jahrtausend - bestehen". Du fragst dich, was solches Vorprellen gleich um weitere tausend Jahre bedeuten soll? Reine Taktik. F. W. Franz geht absichtlich zu weit "ins Schlimme", damit nur noch halb so schlimm erscheinen soll, daß es jetzt wieder kein "Ende" gibt. Er beendet seine Ansprache mit folgenden Ungereimtheiten: Wir wüßten nicht, wieviel Zeit zwischen der Erschaffung Adams und dem Beginn des Ruhetages Gottes verstrich. Doch sollten wir "nicht denken, das Jahr 1975 habe für uns keine Bedeutung", denn die Bibel beweise, daß Jehova "der größte Chronologe" sei, und wir hätten ".das ausschlaggebende Datum 1914". Daher seien wir "hinsichtlich der nahen Zukunft, hinsichtlich unserer Generation, voller Erwartung". So wird zum Schluß jedem wieder alles versprochen, während in Wirklichkeit wieder nichts passiert.
W. Ko.

ANGESICHTS DES WTG-1975-ENDZEITBANKROTTS EIN BLICK AUF
DIE VERSTÄNDIGUNGSBEMÜHUNGEN DER ANDEREN CHRISTEN
Von katholischer christlicher Seite wird gesagt: Man wisse "sehr wohl, daß Christus in seinem Heilshandeln nicht an die Kirche und die Sakramente gebunden, ist", und man "maßt sich kein Urteil an, in welchem Ausmaß Christus bei der evangelischen Abendmahlsfeier heilsmittlerisch tätig ist, er, der noch seine Gegenwart schon zugesagt hat, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind". Die "getrennten Gemeinschaften" würden bei der "Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn" bekennen, "daß hier lebendige Gemeinschaft mit Christus bezeichnet wird". (KNA 17 März 1971). "In der Tat sind die Lehrunterschiede, die eine vollständige Vereinigung zwischen der katholischen und den orientalischen Kirchen verhindern, sehr viel geringer an Bedeutung und Zahl als diejenigen, die uns von den Christen der Reformation trennen. Und soweit sie bestehen, werden sie allmählich von innen heraus überwunden durch den Gedankenaustausch und durch vertiefte Studien". (KNA 27; Jan. 1971). "Die praktische Zusammenarbeit der getrennten Brüder" sei möglich und wünschenswert, "noch bevor eine Übereinkunft in der Lehre erreicht wird" (Radio Vatikan).

Dr. Stanley S. Samartho, ökumenischer Rat der Kirchen, Genf: Es "sei entscheidend, "daß nach Jahrhunderten der Mißverständnisse" endlich die Bereitschaft zu gegenseitiger Achtung und zum Austausch gemeinsamer Erfahrungen besteht. Für die Christen insbesondere sei "das Zeitalter der millitanten Kreuzzüge vorbei". Es beginne eine Ara, "in der die Bekundung von Glaubensüberzeugungen wechselseitig respektiert wird" und man "zur praktischen Zusammenarbeit" finden sollte. (epd 6. März 1974).

Zur Gebetswoche für die Einheit der Christen 1975: "Einig sind sich alle Kirchen darin, daß solche Trennung nicht von Gott gewollt und darum eine Schuld menschlichen Unvermögens ist. Mangelnde Liebe, Überheblichkeit und die Unfähigkeit, miteinander geduldig nach dem Willen Gottes zu fragen. haben nicht nur Spaltungen verursacht, sondern im Laufe der Geschichte noch vertieft". Die Gebetswoche sei auch Ausdruck des tiefen Empfindens von Schmerz und Leid über die Trennung und Spaltung, sie ist oftmals der klägliche Versuch, über den Graben des Mißtrauens und Argwohns hinwegzukommen, sie ist der zaghafte Ansatz zu einer gemeinsamen Besinnung auf den Willen Gottes für uns und mit uns". Es könne helfen, "klarer und eindeutiger zu erkennen, wie sehr Christen über ihre konfessionellen Grenzen hinaus durch ihren Herrn verbunden sind, und wie sich die Verbundenheit in weiteren Schritten ausdrücken sollte". (epd 9. April 1975)

In Leipzig sprach im September 1975 auf einem Ökumenischen Studientag Kirchenrat. Felix Moderow, Ökumene-Referent der Evangelischen Landeskirche Greifswald. Er sagte .u. a., es werde jetzt versucht, "die Fragen die die Spaltung der Gemeinschaft bewirkt haben, bis in die Gegenwart ernsthaft zu überprüfen. Es soll ein Weg zur Versöhnung geöffnet werden, der nicht aus Kompromissen besteht, sondern durch Neuinterpretationen und Veränderung gefunden werden muß". (ena)

Im Ostseebad Kühlungsborn fand im September 1975 das 24. Konfessionskundliche Seminar evangelischer und katholischer Pfarrer der DDR statt. Einen Hauptvortrag hielt Dozent Dr. Hübner, Leipzig, über das Thema "Modelle der Einheit zwischen theologischer Utopie und kirchlicher Wirklichkeit". Hier ergibt sich sofort eine Gedankenverbindung zu den "Weltende"-WT-Lehren, die 1975 wieder als Utopie erwiesen sind. Dr. Hübner verwies auf die Äußerung des katholischen Theologen. Karl Rahner, "daß die konfessionellen Unterschiede für die Gegenwart keine kirchentrennende Bedeutung mehr haben können, weil sie im faktischen Glaubensbewußtsein heutiger Christen kaum noch zu finden seien. Diese Unterschiede finden sich erst in den amtlichen Lehrdokumenten, die dem gelebten Glauben gegenüber jedoch eine sekundäre Stellung einnehmen", Dr. Hübner sagte dazu, "die Hindernisse" für die Gemeinsamkeiten lägen weniger "in den Einzelchristen", sondern "fast ausschließlich" auf der Ebene der "Strukturen", z. B. "des Amtes und der Leitung" der Gemeinschaften. In den Diskussionen sei in erfreulicher Weise der Wille der Teilnehmer deutlich geworden, trotz aller Hemmnisse und Gefährdungen die Gespräche fortzusetzen "Durch eine bewußtere Beziehung des Glaubens auf die Person und das Zeugnis Christi" werde Einheit möglich.

Nachdem nun durch die von der WTG selbst betriebene "Verscheuchung" der auf 1975 der Welt proklamierten "Endzeit" für alle die Zukunft offen liegt, sollten da nicht diese Gemeinsamkeitsbestrebungen der anderen Christen sehr nachdenklich stimmen? Die Folgen wären nicht auszudenken, hätten sie die 1975-Verkündigung der WTG ernst genommen. Darüber hinaus, wer oder welche Gemeinschaft könnte sich in diesen Fragen selbstgerecht an die Brust schlagen? Es gibt keine Alternative zu dieser christlichen Gemeinsamkeit, zu einer christlichen Verbundenheit über die konfessionellen Grenzen hinaus. Für Jehovas Zeugen dürfte das durch das WTG-1975 erneut bewiesen sein.
CVN

Wohin nach 1975?
FÜR EINE CHRISTLICHE NEUORIENTIERUNG IN DER SOZIALISTISCHEN "DIE MENSCHEN BETREFFENDEN ORDNUNG"
Grundsätzliches für Älteste und am Wort dienende Brüder und Schwestern
Wohin führt die WTG nach 1975? Unter dem Titel "Verschiebungen im Gleichgewicht der Kräfte - was sie bedeuten" macht die WTG jetzt (Erw. 8. 11. 1975) einige ungewöhnliche Eingeständnisse zum heutigen Kräfteverhältnis zwischen der kapitalistischen und der sozialistischen Welt und zu den Aussichten für ihr internationales Verkündigungswerk darin. Wir sehen, wie man sich durchaus Gedanken macht über die weltweite Zukunft des "Werkes" in Verbindung mit der politischen Entwicklung. Die WTG kommt dabei nicht umhin, der Vergeblichkeit des westlichen Kampfes "gegen den Kommunismus" noch dem Zweiten Weltkrieg und der unaufhörlichen, zunehmenden Bedeutung der sozialistischen Länder mit der Sowjetunion als Hauptmacht im Weltmaßstab Rechnung zu tragen. Sie gibt sogar solchen Stimmen Raum, die dem Kommunismus die Zukunft einräumen. Allerdings, weil sie eine solche gesellschaftliche Entwicklung nicht mit ihren "Endzeit"-Positionen vereinbaren kann ohne sie aufzugeben, die sie jetzt vielmehr weiter hinzuschieben versucht, "prophezeit" sie, daß nun "bald die Zeit kommt", in der die Mitgliedstaaten der UNO die Religionen stürzen würden. Das sei der Beginn der "Drangsal". Wenn das irgendwann beendet wäre, würden sich diese Staaten auch gegen die Zeugen wenden usw. Wir wollen diese weitere "Endzeit"-Verschiebung jetzt nicht ausführlicher untersuchen. Wollte man sie glauben, würden sie mindestens weitere Jahrzehnte erfordern. Schon die UNO-Grundsätze über Religionsfreiheit machen diese "Prophezeiungen" ebenfalls zu weltpolitischem Unsinn, zu neuen Illusionen.

Was sind jedoch jene Eingeständnisse? Es gäbe eine "auffallende Tendenz", die sich 1975 noch "verstärkt hat". Stand am Ende des Zweiten Weitkrieges die "westliche Welt" mit den USA auf dem "Gipfel der Weltmacht", so sei nun "der Kommunismus als politische, militärische und wirtschaftliche Kraft" zu "enormer" Entfaltung gekommen. Wenn früher viele darüber gelacht hätten, die Sowjetunion werde den Westen "überholen", die "mächtigste und einflußreichste Nation auf Erden werden", so sei heute nur noch wenigen darüber zum Lachen zumute. Man könnte hier die Feststellung von Prof. W. W. Sagladin vom ZK der KPdSU einfügen, daß "wir uns jetzt dem historischen Augenblick nähern, an dem die Macht der sozialistischen Welt das wirtschaftliche Potential der imperialistischen Staaten erreichen und es dann übertreffen wird". Der Sozialismus sei "sicheren Schrittes dabei", hier "den führenden Platz zu erobern" (ND 23. 12. 1975).

Die WTG fährt fort, immer mehr Länder würden einen Kurs einschlagen, "der den Interessen des Westens zuwiderläuft". Ein Botschafter habe kürzlich gesagt: "Man ist sicherer, wenn man ein Verbündeter der Kommunisten ist, es hat den Anschein, daß es verhängnisvoll ist, mit den USA verbündet zu sein". Viele USA-Kongreßmitglieder seien der Ansicht, "es sei an der Zeit, die ganze seit Ende des Zweiten Weltkrieges beibehaltene Politik, die darauf gezielt habe, den Kommunismus in Schach zu halten, zu revidieren."

Bekanntlich hat sich die WTG durch entsprechenden Bibelmißbrauch voll an dieser antikommunistischen Politik beteiligt. Nach 1965 orientierte sie darauf, "das Ende der kommunistischen Regierung in Ostdeutschland" abzuwarten (WT 15. 2. 1965, S. 110). Inzwischen ist die DDR selbst von den USA völkerrechtlich anerkannt und Mitglied der UNO. Was für eine religiös-politische Falschorientierung seitens der WTG für die Zeugen! Und wenn sie nun "prophezeit", ihre "Endzeit" weiter verschiebend, die UNO werde "bald" usw., so kann das am Ende nur noch ein Häuflein Einfältiger und Unmündiger glauben. Jeder andere muß sich revidieren.

Es gibt den Einwand, ob in CV nicht die Bedeutung des 1975-Bankrotts für die WTG und die Zeugen überschätzt werde. Sie hätten vielleicht diesen Fehlschlag besser überstanden als irgendeinen ähnlichen zuvor. Ist das wirklich so? Ist alles schon überstanden?

Nun, wir sind diesmal in einer Zeit, an einem Zeitpunkt angekommen, wo zu vieles zusammentrifft, als daß die WTG alles schon überstanden hätte.
Nie zuvor seit 1914 ist so offensichtlich eine Generation am Ende wie die 1914-Generation mit 1975. Nur noch ganz kurze Zeit, dann ist auch der letzte Vertreter jener Generation dahingestorben! Die erneuten WT-Ausreden, es "verziehe" nur eine kleine Weile (WT 1. 8. 75, S. 476), bald, bald, es "keucht" bloß noch, wirken nicht lange. Wohl gibt es ein gewisses Prinzip der Trägheit und des Verharrens im menschlichen Verhalten, so daß eine Veränderung oder eine neue Lage mitunter nicht sogleich begriffen wird. Und die WTG spekuliert sichtlich darauf. Aber das ist dann nur eine Frage der Zeit. Dies ist ein Hauptgrund, warum die WTG alles noch vor sich hat.

Es sei sodann an den 1914-Endzeitbankrott erinnert. Als damals kein "Ende" kam, ging auch alles zunächst noch weiter, trotz vieler Unterschwelligkeiten. WTG-Präsident Russell hatte große Autorität. Bis zu seinem Tode 1916. Niemand kann heute sagen, wie alles weitergegangen wäre, wenn er 1916 nicht gestorben wäre. Erst 1917, drei Jahre noch dem Fehlschlag von 1914, ging es los. Es brach eine Auflehnung der Mehrheit der WTG-Direktoren im Hauptbüro in Brooklyn aus, die zu einer Spaltung führte, die sich weit über USA, Kanada, England und Europa ausbreitete. Ähnlich steht der WTG offensichtlich auch jetzt das Schlimmste noch bevor. Der "geistige Kopf", WTG-Vizepräsident F. W. Franz, ist bereits 82 Jahre alt! Er kann morgen tot sein! Nichts ist überstanden!

Auch war es noch dem Ersten Weltkrieg relativ leicht, alle abzustoßen, die die Weiterschiebung der "Endzeit" nicht mitmachten. Elend und Verzweiflung der Nachkriegszeit waren groß, die aus der Bahn Geworfenen ohne Zahl. Es ließen sich genug Neue "fischen und jagen", die jeden Strohhalm ergriffen. 1975 ist das ganz anders. Die Krisen dieser Zeit bleiben im wesentlichen auf die kapitalistische Welt beschränkt. An den Grenzen der entstandenen sozialistischen Welt, die es damals nicht gab, brechen sich ihre Wogen. Die neuen sozialen Verhältnisse der sozialistischen Welt geben nichts mehr her für eine "endzeitliche" Deutung. Systematisch verliert die WTG hier jeden Boden für ihre "Endzeit"-Deutungen. Die soziale Sicherheit und Ordnung der sozialistischen Länder bietet keine Anknüpfungspunkte mehr. Die aus den kapitalistischen Krisenverhältnissen, aus ihrem Elend, aus ihrer Misere und aus ihren sozialen Widersprüchen konstruierten und von einer Generation auf die nächsten verschobenen "Zeichen" einer "Zeit des Endes" passen für die sozialistischen Länder nicht, sind hier nicht übertragbar, und deshalb zum Scheitern verurteilt. Das tatsächlich veränderte Kräfteverhältnis, das die WTG nun zur Kenntnis nehmen und eingestehen muß, die Grenze zwischen der krisenhaften kapitalistischen Welt und der sich entfaltenden sozialistischen Welt mitten in Europa, trifft die WTG in einem ihrer Hauptbollwerke, und setzt der haltlosen, aus den kapitalistischen Krisen konstruierten WTG-"Endzeit"-Bibelauslegung die Grenze. Sicher kann die WTG auch aus den jetzigen kapitalistischen Krisen wieder Verzweifelte "fischen und jagen", die die WTG-Vergangenheit nicht kennen und daher die nächste Generation bilden können, und vielleicht auch immer so weiter. In den sich entwickelnden sozialistischen Ländern können die bisherigen wie auch die nach 1975 weiter verschobenen "Endzeit"-Deutungen der WTG jedoch nur noch Befremden und Ablehnung auslösen. Für diese nun herbeigekommene sozialistische, "die Menschen betreffende Ordnung", (1. Petr. 2:13) ist eine grundsätzliche Revision und Neuorientierung nötig.

Dies alles trifft jetzt zusammen und dürfte klarmachen, daß die WTG noch nichts überstanden hat, daß sie sich vielmehr selbst überlebt hat wie zu keiner Zeit zuvor, daß die vollen Auswirkungen ihres 1975-"Endzeit"-Bankrotts noch bevorstehen.

Und es kommt ein Faktor hinzu, den es nie zuvor gab. Die WTG kann diesmal nicht mehr abschirmen vor denen, die sich dieser Situation bewußt werden und die Versammlungen entsprechend aufklären. Und das im WTG-Hauptbollwerk in Europa. Und man weiß das in Wiesbaden und Brooklyn. Aber auch diesmal werden die Dämme brechen.

Die Verantwortung der Ältesten und am Wort Dienenden
"… sie wachen über eure Seelen, um einst Rechenschaft darüber abzulegen. Möchten sie das mit Freuden tun" Hebr. 13:17. " . . . immerdar ein unverletztes Gewissen vor Gott und Menschen" Apg. 24:16. Diese biblischen Worte zeigen die Aufgabe und Unmittelbarkeit der Verantwortung aller, die "die Hand an den Pflug gelegt" haben. Dieser "Pflug" ist nicht die WTG, sondern zu allen Zeiten allein die Nachfolge Jesu gewesen. Die unglaubwürdige "Endzeit"-Verkündigung der WTG macht vielmehr deutlich, daß sie sich mit einer Fehlorientierung in die Nachfolge Jesu hineingedrängt hat, was nun endgültig offenbar wird. Wie wir sehen, ist die Zeit dafür in jeder Hinsicht herbeigekommen. "Wachen" über die "Seelen" mit dem geforderten "unverletzten Gewissen" bedeutet angesichts dessen, alle Unglaubwürdigkeiten als "Steine des Anstoßes" für die Brüder und Schwestern aus dem Wege zu räumen, um "gerade Bahnen" für ihre Füße zu machen. Niemand könnte dies mit größerer Freude tun als jene, die heute oder schon früher als Älteste oder sonst irgend am Wort Dienende die Fehlorientierungen der WTG erkannten bzw. erkennen, Ja, möchten sie es angesichts ihres größten Verständnisses dieser Fehlorientierungen mit Freude tun.

Was sind die Schwerpunkte, über die man sich "im Namen Jesu", wenn anfangs auch "nur zu zwein oder drein". versammeln muß? Wir müssen sie uns zunächst immer und immer wieder vor Augen führen, damit sie weit bekannt werden.
- Die WTG muß angesichts ihrer "endzeitlichen" Unglaubwürdigkeit beiseitegesetzt werden, um in die unmittelbare schriftgemäße Verantwortung vor Gott und Menschen eintreten zu können.
- Das Verhältnis zur sozialistischen "die Menschen betreffenden Ordnung" und "obrigkeitlichen Gewalt von Gott" muß überprüft werden, um mit dem WTG-Antikommunismus und der daraus resultierenden Untergrundtätigkeit in sog. "theokratischer Kriegslist" gegen den Staat aufzuräumen und in ein schriftgemäßes loyales Verhältnis zum Staat zu treten.
- In jeder Versammlung bzw. Studiengruppe muß die Frage der christlichen Selbständigkeit und Mündigkeit auf die Tagesordnung gesetzt werden, um im Ergebnis die verantwortlichen Altesten schriftgemäß selbst zu wählen, damit schließlich ein solcher loyaler Weg als freie christliche Versammlung oder Gemeinde beschnitten werden kann.
- In den Mittelpunkt des "Versammelns im Namen Jesu" ist die Schriftbetrachtung selbst zu stellen, unbeeinflußt von der haltlosen, aus den kapitalistischen Krisen konstruierten WTG-"Endzeit"-Schau, um eine Auferbauung im christlichen Glauben zu bewirken, die schriftgemäßer Nachfolge Jesu und Pflicht gegenüber den Mitmenschen gerecht wird, Christen wie Nichtchristen.
- Da dies alles erst den Beginn einer christlichen Neuorientierung bedeuten kann, muß jeder Geist der Erkenntnisrechthaberei und der Intoleranz gegenüber unterschiedlichem christlichem Verständnis einer Frage zurücktreten zugunsten jener Duldsamkeit in christlicher Liebe, wie sie in 1. Kor. 13 gelehrt wird. Das bedeutet, alles in dem Bewußtsein zu tun, daß niemand heute mehr als "unvollkommenes Stückwerk der Erkenntnis" erlangen kann, das im Band der Liebe getragen und ertragen werden muß. Das heißt schließlich, in christlicher Demut zurückzutreten neben jene anderen Christen neben uns und um uns, auch wenn die Formen ihrer christlichen Bekenntnisse unterschiedlich, sein mögen.
- Ein ermutigendes Beispiel können die bereits in unserem Lande wie in den Nachbarländern wie Polen z. B., entstandenen freien christlichen Gemeinden oder Bibelforschergruppen sein. Mit ihren Angehörigen und leitenden Brüdern muß Verbindung und Erfahrungsaustausch aufgenommen werden. Alles letztlich unter großer Zielsetzung für alle Christen, nämlich "zur Auferbauung des Leibes Christi, bis wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen" (Eph. 4:12, 13).

Es ist eine große Verantwortung angesichts der verschuldeten weltweiten "Endzeit"-Irreführungen. Wo jedoch gepflanzt und gegossen wird, wird Gott das Wachstum geben.
P.

ZUSCHRIFTEN/BERICHTE/ INFORMATIONEN
Die Auswirkungen des WTG-1975-Bankrotts in den USA -
Beide Hauptartikel des letzten WT des Jahres 1975 (Nr. 24 vom 15. Dez.) befassen sich mit dramatischen Warnungen vor der Hinwendung zu einer neuen Lebensausfüllung vor allem durch eine entsprechende berufliche Tätigkeit. Der WT diffamiert das in den schärfsten Formen als "unersättlicher Gier nach Geld und Reichtum und materiellen Besitz". Trotz der "kurzen vor der großen 'Drangsal' nach verbleibenden Zeit" würden sich nun viele einer "Spezialausbildung in einem bestimmten Beruf" zuwenden. "Doch wie viele haben einen verantwortungsvolleren Posten oder eine zweite Arbeitsstelle angenommen oder machen an den Abenden oder an Wochenenden Überstunden. Natürlich hindert sie das daran, die regulären Zusammenkünfte der Versammlungen zu besuchen. Es hält sie auch von der Predigttätigkeit ab. Noch ehe sie es gewahr werden", ringt die WTG die Hände, sei ihre Liebe zur "Organisation erloschen".

WTG in der Front der antikommunistischen Rechtskräfte
Unter "Wir beobachten die Welt" (Erw. 8. 12. 75) verbreitet die WTG die jüngsten gegen den Weltkirchenrat gerichteten antikommunistischen Angriffe des Internationalen Rates Christlicher Kirchen (ICCC). Hierin wird der Weltkirchenrat seines fortschrittlichen "sozialen Engagements" wegen angeklagt, was einer "Detente (Entspannung) mit dem Teufel" gleiche. Der Weltkirchenrat helfe beim "Einbringen des Kommunismus". Die einseitige Verbreitung dieser Angriffe durch die WTG kennzeichnet sie erneut als in einer politischen Front mit dem amerikanischen antikommunistischen Rechtsextremismus, um die Christen antikommunistisch zu spalten und aufzubringen. Für den deutschen Sprachraum sanktioniert das u. a. der verantwortliche WTG-Redakteur Günter Künz, Wiesbaden, BRD.

Pfarrer in der DDR über WTG und Zeugen informiert
In speziellen "Nachrichten und Kommentaren" für den innerkirchlichen Dienstgebrauch, herausgegeben von der Konfessionskundlichen Forschungsstelle des Konfessionskundlichen Arbeits- und Forschungswerkes der Evangelischen Kirchen in der DDR unter Verantwortung von Dr. Reinhold Pietz, Berlin, Präsident der Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche der Union in der DDR, werden die evangelischen Pfarrerin der DDR auch über Stand, Entwicklung und Vorgänge bezüglich der WTG und Gemeinschaft der Zeugen Jehovas informiert.

Wohin kann man sich in unserem Lande und anderswo wenden?
Brüder und Schwestern, die entschlossen sind, ihre Versammlung oder Studiengruppe aus der falschen "Endzeit"-Orientierung hinauszuführen, sich fortan "im Namen Jesu" als freie christliche Versammlungen oder Gemeinden zu versammeln, oder sich den schon bestehenden freien christlichen Gemeinden anzuschließen, können sich vertrauensvoll an folgende verantwortlichen Brüder und ihre Mitarbeiter wenden:
- Bund freier Christengemeinden, Geschäftsstelle Peter Förster, 825 Meißen, Roter Weg 10, Telefon 3627, DDR.
- Vereinigung Freistehender Christen, Martin Domschke, 8023 Dresden Großenhainer Straße 51.
- Freie Christengemeinde, Martin Pützmann, 703 Leipzig, Bürgerstraße 1.

In der VR Polen:
- Vereinigung der Bibelforscher in Polen, Waclaw Stachowicz, Skrytka pocztowo 94, 00-975 Warszawa 12.
- Missionsbewegung der Bibelforscher in Polen, Viktor Stachowiak, Skrytka pocztowa 44, 60-955 Poznan 37.
- Vereinigung der freien Bibelforscher in Polen, Redaktion 31-150 Krakow, ul. sw. Filipa 13/18a.
Niemand ist allein "in der Wahrheit"

Zu den Verständigungsbestrebungen der christlichen Konfessionen wurde von der Evangelischen Allianz erklärt, "keine einzelne Konfession könne den Anspruch erheben, die einzig wahre Kirche Christi zu sein. Die äußere Form der Kirche bzw. Institution decke sich nie mit den biblischen Aussagen von der Kirche Jesu Christi. Gemeinde Jesu Christi kann sichtbar werden überall dort, wo zwei, drei oder auch mehr Menschen in seinem Namen zusammen sind zum Gebet und um sein Wort zu hören. Zugleich sei die Kirche Christi auch dort sichtbar, wo sie missionarisch-diakonischen Dienst leiste" (epd 11. 7. 73 Wuppertal, BRD). Noch dem Entschwinden der falschen irdischen Endzeithoffnung (Phil. 3:17-19) der WTG sollte auch das Verständnis hierfür zunehmen. Auf jeder Seite ruht da offensichtlich noch eine geistige Aufgabe.

DEN WEG DER NEUORIENTIERUNG BESCHREITEN, FESTEN HERZENS
Liebe Leser
Auch diese CV-Ausgabe zeigt es wieder. Man kann der WTG nicht weiter guten Gewissens folgen. Eine der geistigen Aufgaben, die sich ergeben, ist, sich auch mit den Brüdern und Schwestern wieder zu verständigen, die die WTG in der Vergangenheit als "böse Knechte" oder "träge Sklaven" verteufelt. hat. Geschah das doch nur, weil sie die "endzeitlichen" Abwege der WTG nicht mehr mitgingen, Wir erinnern an falsche "Endzeittermine" wie 1914, 1918 1925, 1945. Oder an die Vernichtung des Ältestenamtes und Entmündigung der Versammlungen in den 20er und 30er Jahren. Oder an die 30 Jahre herrschende WT-Irrlehre, die politischen Regierungen seien keine "obrigkeitlichen Gewalten von Gott". Oder an das Verlassen der einen schriftgemäßen Hoffnung, an unchristliche Namen u. a. m. Manches hat die WTG z. T. nach vielen Jahren geschickt wieder zurückgenommen. Jedoch ohne jede Demut, reuelos, wie die Verweigerung jeder Bitte um Verzeihung den Verteufelten gegenüber bis heute beweist.

Wenn wir nun heute die Unglaubwürdigkeit und Haltlosigkeit des "Endzeit"-Glaubens erkennen, wie uns das WT-1975 dazu zwingt, dann können wir nur dankbar jene freien christlichen Gemeinden und Bibelforschergruppen feststellen, die jene unschuldig Verteufelten in treuer ursprünglicher Nachfolge Jesu gegründet haben. Es gilt, sich wieder mit ihnen zu verständigen über alles Trennende hinweg, das nach und nach überwunden werden muß. Man kann sich mit ihnen beraten, wie die Auswege aus der WTG-Abwegigkeit heute gestaltet werden können. Ihre Zusammenkünfte sind Möglichkeiten weiteren christlichen Wandelns. Ihr Beispiel zeigt die Freiheit christlicher Wege in der sozialistischen "die Menschen betreffenden Ordnung", hinaus aus der haltlosen "Endzeit"-Ausrichtung. Einer ihrer Ältesten und am Wort dienenden Brüder übermittelt ein ganz persönliches Glaubenszeugnis, voller Glaubenszuversicht das z. B. hierfür steht. Wir lesen: In IHM ist alle Wahrheit / In IHM stehen wir fest / In IHM finden wir Klarheit / weil ER uns nicht verläßt / In IHM sind wir geborgen / In IHM haben wir Ruh / In IHM gibts keine Sorgen / SEIN Schatten deckt uns zu (J. B.) - Wer sollte solches Glaubenszeugnis verteufeln? Sorgt überall dafür, daß sich niemand länger von der WTG dazu mißbrauchen läßt.

Ja, beschreitet überall den Weg des Verstehens und der Verständigung mit den Mitchristen allenthalben. Errichtet die Brücken neu, die die WTG zerschlagen hat. Geht selbst festen Herzens vorwärts, indem ihr alles prüft und den Weg ebnet nach dem Maße des Verständnisvermögens. Unterstützt auf jede Art und Weise solche Bemühungen. Schafft neue Stätten christlicher Erbauung in Glauben und Nächstenliebe. Die Zeit ist wahrhaftig dafür herbeigekommen, nachdem nun die letzten haltlosen WTG-"Endzeit"-Daten verschwunden sind. Es ist ein großes und wunderbares Vorrecht, dies jetzt zu beginnen!
In christlicher Verbundenheit
Eure Brüder und Schwestern
CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Otto-Dix-:Straße 6. Preis: M 0.20. Jahresabonnement M 2,-. Versand auch kostenlos.
Konto-Nr.4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera

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