Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 78

Zitat aus dieser Ausgabe:
"Als die 20-jährige Verschiebung von Harmagedon nach 1945 Mitte der 60-er Jahre ablief, war es u. a. der ehemalige Leiter der Untergrundorganisation Werner Liebig, Dresden, der in internem Kreise Betrachtungen anstellte, die antikommunistische "Kampfstellung gegen den Staat" (Zweigdiener E. Frost) aufzugeben und einen völlig neuen Weg zu beginnen."
Mein Kommentar dazu: Angesichts der Unverfrorenheit dieser CV-These, kann man eigentlich gar nicht soviel essen, wie "man diesbezüglich kotzen möchte".

Man muss wissen, dass Liebig bereits in der 1950-er Verhaftungsaktion zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt wurde. Seine "Führung" im Gefängnis war korrekt. "Faulheit" bezüglich der den Gefangenen auferlegten Arbeiten, konnte man ihm nicht nachsagen. So gewährte ihm der DDR-Staat - mehr widerwillig - eine "vorzeitige" Haftentlassung.
Nach dem DDR-Mauerbau avancierte Liebig zum obersten DDR-Zeugen Jehovas in der Untergrundorganisation. Dies blieb der Stasi nicht verborgen, die ihn 1965 erneut verhaftete.

Selbst im Gefängnis wurden Stasi-Zuträger auf ihn gezielt angesetzt. Einer von diesen Mitgefangenen im Stasidienste spielte seine Verräterdienste besonders perfide. In den Stasiakten ist der Fall dieses "Friseurs" und seiner Auskundschaftung von Liebig's Meinung, unter den Gefängnisbedingungen überliefert.
Dies alles gilt es hinzuzufügen, wenn es die oben zitierte Auslassung der CV zu bewerten gilt. Sie stellt für meine Begriffe eine Verhöhnung sondergleichen dar!


CV Christliche Verantwortung

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTGbedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 78 Gera Januar 1976

1976, DAS JAHR, DAS ES NICHT MEHR. GEBEN SOLLTE, IST DA!
EIN DOPPELSPIEL AM STERBEBETT DER 1914-GENERATION!
Wie sieht es jetzt in der Organisation aus?
Liebe Leser!
Wenn man die WTG hört und liest, ist alles wunderbar. Da ist alles voll Hoffnung, Optimismus, Zuversicht und strahlender Gewißheit wie nie zuvor. Das Buch der Kongresse 1975, "Rettung aus der Weltbedrängnis steht bevor!", spricht an hervorragender Stelle sogar von einem "geistigen Paradies", in dem sich jetzt alle unter der WTG befänden. Für die Untergrundtätigkeit in der DDR proklamiert das WTG-Ostbüro in Wiesbaden, BRD, alle vereinnahmend: "Für uns hat Anfang September das Dienstjahr 1976 begonnen, und wir bleiben uns der Dringlichkeit der Zeit bewußt." Nach diesem Abgesang auf das bisher verkündete 1975 Weltende: "Wir freuen uns schon darauf . . . Wir sind alle mit tiefer Freude und Wertschätzung erfüllt und entschlossen, in unserer Arbeit nicht nachzulassen" (IX/75).

In Wirklichkeit befindet sich das ganze Werk in einer äußerst zugespitzten inneren Situation. Wer zwischen den Zeilen liest, sieht Abgründe, die nur mühsam verdeckt werden können. Es werden vielfach bereits harte und heiße Diskussionen geführt über das, was man mit 1975 der Welt verkündet hat. Wenn Aufseher, die sich näher kennen, unter sich zusammenkommen, macht gar mancher aus seinem Herzen keine Mördergrube mehr. Eine Rückwirkung auf die Aktivität zeichnet sich ab. Enttäuschung und innere Resignation greifen um sich mit zunehmender Distanzierung von dem strahlenden Zweckoptimismus, den die WTG verbreitet. Man merkt die Absicht.

Es gibt keinen Termin, kein Datum mehr. Ratlosigkeit ist die Folge. Wo bleibt die Wahrheit? Nichts ist gekommen. Die Studien werden schon nicht mehr ernstgenommen. Älteste bringen zum Ausdruck, daß es nun keine vertretbare Orientierung mehr gibt. Es sei mit allen Zeitrechnungen vorbei. Nie könne wieder eine glaubhaft sein. Und mit warten allein, mit bald, mit nicht mehr lange, kann man noch dieser 1975-Blamage nirgends mehr glaubhaft sein. Die Situation sei unmöglich. Sie werde furchtbar aufbrechen. Auch nach dem falschen Datum 1925 sei es 1926 losgegangen. Wer so tut, als ob alles in Ordnung sei, mache alles nur viel schlimmer.

Die Spitze der Unruhe ist jedoch das Thema 1914. Wenn der WT den Alten von 1914 weiter verspricht, sie würden alles erleben und nicht vergehen, aber gleichzeitig immer deutlicher sagt, es gehe Jahr um Jahr weiter, dann sei das ein Doppelspiel mit den eigenen Brüdern und Schwestern. Die Alten von 1914 trösten, sie würden nicht vergehen und die anderen ausrichten, daß es immer weiter gehe, bedeute, den Heuchler am Sterbebett der 1914-Generation zu spielen!

Die Quittung hierfür könne nicht ausbleiben. Mit Warten und Arbeiten, intensiver Beschäftigung um alle niederzuhalten, lasse sich nicht viel Zeit gewinnen. Denn das äußerste Ende seit 1914 war 1975 erreicht. Wird es wie 1926 in diesem Jahr 1976 "losgehen"?

Nach der Harmagedon-Falschverkündigung von 1914/18 war es u. a. der Leiter der Zeugen in der Schweiz, A. Freytag, der mit der Bewegung der Menschenfreunde einen humanistischen christlichen Ausweg eröffnete. Nach der Harmagedon-Falschverkündigung von 1925 trat 1926 u. a. der Leiter des Zentraleuropäischen WTG-Büros in der ' Schweiz, C. C. Binkele, an die Spitze, um mit dem falschen Endzeitglauben Schluß zu machen. Nach dem "Verscheuchen" der Harmagedon-Datierung auf 1939/45 begann das Mitglied des WT-Herausgeberkomitees und WTG-Zweigdiener von England, J. Hemery, in England eine Neuorientierung. In Deutschland war es u. a. der Zweigdiener Paul Balzereit, der aus dem religiös-politischen Mißbrauch der Zeugen unter WTG-Führung in der Weimarer Republik und in Hitlerdeutschland insbesondere herausfand und nach 1945 einer der Begründer der freien christlichen Gemeinden in der DDR wurde. Als die 20jährige Verschiebung von Harmagedon nach 1945 Mitte der 60er Jahre ablief, war es u. a. der ehemalige Leiter der Untergrundorganisation Werner Liebig, Dresden, der in internem Kreise Betrachtungen anstellte, die antikommunistische "Kampfstellung gegen den Staat" (Zweigdiener E. Frost) aufzugeben und einen völlig neuen Weg zu beginnen.

Ja, das äußerste Ende seit 1914 war mit 1975 erreicht. Wer wird jetzt an die Spitze treten, um mit allem falschen Endzeitglauben Schluß zu machen? Der Scheideweg ist endgültig erreicht. Es muß eine grundlegende Wende und Neuorientierung im Glauben geben. Lest hierzu den Aufruf in dieser CV-Ausgabe.
Möge auch diese Ausgabe helfen, daß verantwortungsbewußte Brüder und Schwestern sich zusammenfinden und wegweisend hervortreten. Die Zeit ist herbeigekommen.
Vergewissert euch über alle Dinge
haltet fest an dem, was recht ist
1. Thess. 5:21 NW
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IN DIESER AUSGABE
Die WTG-Kongresse 1975. - Hunderttausende wenden sich laufend wieder ab. - Strich durch die Endzeitzahlen. Neues Licht? Helleres Licht? - Die ständige kritische WT-Prüfung. Nr. 13, 14/1975. - Der eigentliche Zweck der haltlosen Endzeitverkündigung. - Aufruf zum Jahr 1976. -
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DIE WTG-KONGRESSE 1975 UND DER WELTWEIT VERKÜNDETE ENDZEITTERMIN 1975
Was brachten die Kongresse 1975 über die weltweite Verkündigung, 1975 sei das Ende der 6000 Jahre "dieser Welt" und der Beginn der 1000-Jahrherrschaft Christi, d. h. das entscheidende Datum des Endes für die "Generation" seit 1914? Viele haben die dargebotenen Vorträge nach Äußerungen zu dieser Frage förmlich abgehorcht!

Deutsche Kongresse gab es in Frankfurt/M., Hannover, Saarbrücken, Dortmund, Stuttgart, Nürnberg, Neumünster, Friedrichshafen, Bremen, München, Essen und in Westberlin. Im Vordergrund aller Darbietungen stand keineswegs 1975 als Endzeittermin, wie es hätte der Fall sein müssen auf den Kongressen dieses Jahres. Im Vordergrund stand die Festigung der Organisation auf jede denkbare Weise vor dem allgegenwärtigen, Hintergrund, daß 1975 als eine weltweite Irreführung verdrängt werden muß, soll nicht alles zusammenbrechen. Die Bemerkungen, die vor diesem Hintergrund zu 1975 gemacht wurden, zeigen eine wohlüberlegte Taktik, über diese weltweite Falschzeitverkündigung wieder hinwegzukommen, um alle weiter zusammenzuhalten.

Gleich zu Anfang wurde bemerkt, einige würden jetzt Gott anklagen, weil er "gewisse Dinge" nicht zu der Zeit tue, wie sie es für richtig halten. Sie wurden "zurechtgewiesen", Jehovas wahre Anbetung sei "heute über alles erhaben". Sie sollten sich lieber darum kümmern, für alle Ewigkeit in der Lage zu sein, ihren Dank zum Ausdruck zu bringen. Dieser Ton erinnert an die Nordkönig-Verschiebung von Napoleon auf Hitler: "Seine Taten und sein Verfahren sind erhaben über alle Zensur, die Geschöpfe ausüben. mögen, und verdienen nicht, daß man sich darüber beschweren selbst wenn man sie nicht verstünde." (Die Neue Welt, S. 349, WTG 1942) Br. Steuer, Redner in Westberlin, hätte dies nachlesen sollen, bevor er sich dazu hergibt, erneut Gott vorzuschieben, um alle Kritiker verstummen zu machen, indem er sie erneut in den Dank für eine Falschverkündigung beugt.

G. Wittstock, Westberlin, rief in die Zuhörenden, sie sollten auf Gott warten. Keiner könne doch wissen, was Gott noch vorhat. Er sprach von später, wenn es mehr Verantwortung gäbe. Eine Schulung und Zucht sei noch notwendig. Alle müßten gedemütigt werden. Wieder wird Gott vorgeschoben. Versprechungen werden gemacht. Nach dem Grundsatz, Angriff ist die beste Verteidigung, wird die Rute der Zucht gezückt. Wäre nicht eher die WTG selbst wegen ihrer weltweiten 1975-Irrlehre zu züchtigen, Br. G. Wittstock? Stattdessen züchtigst du Unschuldige daran!

Br. Ernst Seliger, sehr bekannt, ehemals Vertreter von Zweigdiener Erich Frost für "Ostdeutschland", rief zum Schluß seiner Rede dazu auf, auf alle Fälle "fortzufahren" mit der Verkündigung. Es ist bedauerlich zu sehen, wie oft Br. Seliger der WTG schon zu Willen war, ihre Endzeit im Sinn der gutgläubigen Verkündiger einherzuschieben.

Nach dieser psychologischen Vorarbeit durch Ernst Seliger wird der Leiter des WTG-Ostbüros Wiesbaden, Willy Pohl, deutlicher. Noch sei die Zeit nicht da, wann der Teufel und die Dämonen in einen "weit entfernten Abgrund" gingen. So wie es heute auf der Erde aussehe, sei es "ganz offensichtlich", daß diese Zeit noch nicht da sei. Die Worte "weit entfernt" bleiben besonders im Gedächtnis. Dies war eine der entscheidenden Äußerungen, daß es das verkündete Ende 1975 nicht gibt, daß neue Pläne in Brooklyn in der Schublade liegen. Ob sich die WTG nicht täuscht, wenn sie u. a. durch Br. Fleischer sagen läßt, manche brauchten lediglich ermuntert zu werden, damit sie den Dienst fortsetzen? Die wahren Gründe des Innehaltens vieler sind angesichts 1975 mit Sicherheit ganz anderer Natur!

Über Br. G. Schieblich hält die WTG den Ältesten vor, wie sie privat und öffentlich lehren. Sie hätten deshalb jetzt die Pflicht, "mit neuen Gedanken Schritt zu halten". "Mit neuen Gedanken Schritt halten" war zu jeder bisherigen Endzeitverschiebung die verführende Weisung, Br. Schieblich. Erwächst daraus nicht endlich das Gegenteil als Pflicht?

Br. M. Köhler sollten wir noch erwähnen. Jehova habe allen noch reichlich Arbeit gegeben, damit noch viele ihre Hoffnungen auf die vorhergesagten Segnungen setzen können. Dabei droht er, jeder habe die Hand an den Pflug gelegt, um "niemals wieder zurückzublicken"! Er vergißt nur, daß die Schrift nirgends Treue auf einem Irrweg fordert, wie es der Endzeitweg der WTG ist. "Wir warten" geduldig, vereinnahmt er alle, viele weitere Verheißungen wunden sich erst noch erfüllen. Dann fällt eine wichtige Bemerkung: "Während wir warten und arbeiten. Und alle sollten "den kommenden Monaten und Jahren entgegenblicken". Es kommen noch "prüfungsreiche Zeiten".

Mit diesen Kongreßaussagen verschwindet jeder Zweifel daran, daß die 1975-Verkündigung nur als Mittel zum Zweck, zum Antrieb, benutzt und gebraucht wurde. Es ist endgültig klar, daß die 1914-Generation vergehen wird, daß es keine glaubhaften Erfüllungen für sie gibt.
K. 0.

HUNDERTTAUSENDE WENDEN SICH LAUFEND VON DER HALTLOSEN WT-ENDZEITVERKÜNDIGUNG WIEDER AB. Eine Überprüfung
In der CV-Sonderausgabe zu "1975" unter dem Titel "Erfüllt sich heute eine Zeit des Endes?" wurde eine erste Darlegung über die laufenden Ausschlüsse bzw. Gemeinschaftsentzüge gebracht, ausgehend von einigen statistischen Angaben der WTG selbst, sowie von Anregungen solcher, die sich jetzt offensichtlich auch mit diesen Zahlen der WTG-Statistik befassen. Es ist bekannt, daß es zu jeder Zeit Brüder gibt, die sich daran setzen, die Chronologien der WTG zu überprüfen. Oft genug ist die WTG mit ihren "Leserfragen" diesen Unermüdlichen entgegengetreten, wenn sie auch uneingestanden deren Ergebnisse übernahm. Nun scheinen sich auch Spezialisten für die anderen Bereiche der WTG-Zahlenwerke zu entwickeln.

Hiermit wird eine eingehende CV-Studie sowohl als Anregung als auch zur Information vorgelegt. Wer das näher betrachtet, sieht mit einigem Erschrecken, was sich hinter den WT-Zahlen über ihre Erfolge und. Zunahmen für eine laufende riesengroße Abkehr von der Organisation verbirgt. Hunderttausende, die ihre guten Gründe haben.

Gestützt auf den WT 23 vom 1. 12. 69 ergaben sich folgende Überlegungen:
"In 20 Dienstjahren (1949-1968) stieg die Zahl der Königreichsverkündiger von 230 532 (Durchschnittszahl) auf 1 155 826, also um 925 294."
"In derselben Zeit ließen sich aber 1, 262 187 Neue taufen." (WT 23/69, S. 725).
Nach einem Vergleich wurden aber getauft:
von 1959 bis 1968 717 763 Personen
von 1950 bis 1956 394 024 Personen
von 1957 bis 1958 122 494 Personen
zusammen 1 234 281 Personen getauft
+1949 230 532 Durchschnitt-Verkündigerzahl
zusammen 1 464 813 Taufen.
Diese Taufzahl wurde noch vielfältigen Quellen der "Gesellschaft" überprüft.

Der WT 23/1969. S. 725, ist ganz offensichtlich von folgendem Rechenansatz ausgegangen:
IST
Durchschn. Vk. 1949: 230 532
Durchschn. Vk. 1968 1 155 826
SOLL
Durchschn. Vk. 1949: 230 532
+ Taufen 1 262 187
Soll-Vk 1968 1 492 719
Daraus folgt, wenn:
SOLL: 1 492 719. Durchschn.-Vk. 1968
aber IST: 1 155 826 Durchschn.-Vk. 1968
insgesamt 336 893 Verluste an Verkündigern
- 137 000 verstorbene Verkündiger (WT 23/69)
Das ergibt 199 893 haben die Verkündigung eingestellt.
bzw. wurde die Gemeinschaft entzogen.

Der Form nach und rechnerisch ist dieses Ergebnis richtig. Wir werden jedoch den Nachweis in Einzelschritten führen, daß sich ein "richtiges Ergebnis" durch Einsetzen falscher Zahlen rein rechnerisch ergeben kann.
Für den Zeitraum von 10 Jahren, von 1959 bis 1968, beweisen wir, daß diese Angaben des WT nicht den Tatsachen entsprechen können.
1959-1961: 154 849 Verluste (tot und Predigt eingestellt)
1962-1966: 149 898 desgleichen
1967-1968: 60 572 desgleichen
Das sind: 365 319 Gesamtverluste in 10 Jahren!

Die Gesellschaft beziffert den Verlust auf 336 893 Verkündiger
a b e r f ü r 2 0 Ja h r e.
Diese Verluste, 365 319 Verkündiger, setzen sich zusammen aus:
1959-1961:127 000 Predigt eingestellt bzw. ausgeschl.
1962- 1966 100 000 desgleichen
1967-1968: 37572 desgleichen
264 572
zuzügl. ca. 100000 Verstorbene
Ergibt: 364 572 Verluste insgesamt

Mit dem Rechengang aus WT 23/1969 beweisen wir, daß von 1950 bis 1956, in sieben Jahren, 81 889 Verluste an Verkündigern entstanden.
IST Durchschn. Vk. 1949: 230 532
Durchschn. Vk. 1956 - 542 667
SOLL 230 532 Durchschn. Vk. 1949
394 024 Taufen
Ergibt: 624 556 Verkündiger-Soll
SOLL: 624 556 Durchschn. Vk. 1956
IST: 542 667 Durchschn. Vk. 1956*
Ergibt: 81 889 Verluste an Verkündigern
(Tote und ausgeschlossene Verkündiger)

*) Für das Jahr 1956 wurde die Durchschn..Vk.-Zahl von der Gesellschaft im WT
vom 15. 1. 58 aber mit 591 556 ausgewiesen. Diese Zahl 591 556 ist aber nur dann richtig, wenn für 1949 von der H ö c h st-Verkündigerzahl von 279 421 ausgegangen wird. Nach WT 23/1969 S. 725 wurde aber die Durchschn.-Vk.-Zahl von 1949 mit 230 532 Verkündigern eingesetzt. Differenz: 48 889 Verkündiger! Unter dieser Voraussetzung ist die Durchschn-Vk. Zahl von 1956 mit 591 556 Verkündigern unrichtig, daher also falsch!

Von 1957 bis 1958 wurden 122 494 Neue getauft.
IST
Durchschn. Vk. 1956 -. 542 667
Durchsch. Vk. 1958: 717 088
SOLL
542 667 Durchschn. Vk. 1956
122 494 Taufen
Ergibt: 665 161 Verkündiger-Soll 1958
SOLL: 665 161 Durchschn. Vk. 1958
IST: 717 088 Durchschn. Vk. 1958
Ergibt: 51 927 als n e g a t i v e n Wert, minus!

Die Soll-Ist-Vergleichsrechnung ergibt also einen negativen Wert, eine negative Zahl von 51 927 Verkündigern! Dieses Ergebnis kann man natürlich nicht übernehmen, da wir nicht falsche Zahlen in der Verkündigerzählung korrigieren können. Es genügt in diesem Fall ganz sicher nicht, diesen negativen Wert durch Multiplizieren der Vorzeichen in eine positive Zahl zu verwandeln.

Schlußrechnung:
von 1959 bis 1968: 364 572 Verluste
von 1949 bis 1956: 81 889 Verluste
von 1957 bis 1958: negative Zahl
Das ergibt: 446 461 Verluste
(tot, Ausschluß, Predigt eingestellt)
Minus 137 000 Verstorbene
Ergibt: 309 461 haben die Tätigkeit
eingestellt bzw. wurden ausgeschlossen.

Das sind ca. 110 000 Personen mehr als im WT 23/1969 angegeben. Es ist völlig einsichtig, daß unrichtige Zahlenangaben der Gesellschaft im Felddienstbericht oder Jahrbuch sich nur als falsche Zahlen für Ausschlüsse oder Predigt eingestellt niederschlagen können, da sie, unkorrigiert, einer von Jahr zu Jahr laufenden Fortschreibung unterliegen.
CV-Red.
Für den Inhalt verantwortl. W. D.

STRICH DURCH DIE ENDZEITZAHLEN
Zum Jahr 1914 - Aus aktuellem Anlaß von W. Müller +
Eine völlige Abkehr von jeglicher endzeitlicher Chronologie fordert Br. Emil Sadlack, Mitbegründer der "Freien Bibelgemeinden" (BRD), die nach dem Tode von C. T. Russell radikale Konsequenzen aus der damaligen WT-Fehlverkündigung von 1914 in Deutschland zogen. Br. Sadlack hält die Berechnungen Russells mit den endzeitlichen Daten 1874, 1878, 1881, und 1914 für überholt, durch den Zeitgang widerlegt und darum außer Kraft gesetzt. Es war noch seiner Meinung "eine Verkehrung der Tatsachen", wenn nach dem Tode Russells zu seiner Rechtfertigung gesagt wurde, er habe für 1914 nicht den Antritt des 1000jährigen Reiches, sondern den 1. Weltkrieg vorausgesagt. Im WT vom April 1914 lautete es ganz anders: "Die diesjährige Hauptversammlung in Barmen dürfte die letzte ihrer Art sein. Das sagen wir im Glauben an das beste prophetische Wort". Russell selbst hatte in Bd. 2 der Schriftstudien 7 Beweise dafür angeführt, daß 1914 jede menschliche Herrschaft aufhören werde. Wenn aber diese Voraussage sich nicht erfüllen sollte?

Br. Sadlack schreibt: "Als Russell vor dem ersten Weltkrieg gefragt wurde, was zu sagen wäre, wenn die für 1914 verkündigten. großen Ereignisse ausblieben, antwortete er mit eindeutigen Worten: daß eine solche Tatsache die veröffentlichte Chronologie als unrichtig erweisen würde. Er bemerkte dann noch: Das würde zu einem unreparierbaren Wrack machen … unsere Darlegungen, welche … den Beginn der Ernte markieren. Keine von diesen würde länger brauchbar sein". Angesichts dieser eindeutigen Erklärung Russells hält es Br. Sadlack für befremdlich, daß immer noch an der Chronologie Russells festgehalten wird. Man behalf sich zunächst mit dem Hinweis auf eine "Nachernte", für die eine Frist von drei Jahren angenommen wurde. Aber inzwischen sind mehr als 50 Jahre vergangen. Besonders der Hauptteil der Bewegung der Bibelforscher, die Zeugen Jehovas, habe den Weg der Demut in diesen Fragen verlassen und bald nach Russells Tod in straffer Organisation ein eigenes Werk aufgezogen. Das führte dazu, daß eine beträchtliche Zahl von Wahrheiten, die Russell auf den Leuchter gestellt hatte, ihrer Kraft, ihres Wahrheitsgehaltes beraubt oder ganz verworfen wurde. Die Zeugen seien eine herrschsüchtige Bewegung geworden, ihre Führer haben leichtfertig neue Lehren konstruiert, um sich als "Alleinige" zu proklamieren, während alle anderen Gläubigen summarisch verdammt wurden. Sie führen eine überhebliche, richterliche Sprache, die nicht das Zeichen des heiligen Geistes trägt.

Wenn Br. Sadlack die ganze Endzeitberechnung Russells durchstreicht, dann hat er ganz sachliche und wahre Gründe. Es geht ja nicht bloß um die vier Jahreszahlen zwischen 1874 und 1914. Auch nicht nur um die kunstvollen Berechnungen und Herleitungen aus biblischen Texten. Mit diesen Berechnungen und Jahreszahlen hatte Russell ja lediglich etwas anderes und viel Mächtigeres und Zentraleres deutlich ausgesprochen, nämlich eine hochgespannte Enderwartung. Diese wiederum ist aus einem breiten Untergrund der Geschichtsverzweiflung und der ungeduldigen, drängenden Sehnsucht noch einer totalen und wunderbaren Änderung aller Verhältnisse heraufgewachsen. Die vier Zahlen sind also nicht nur etwas Äußerliches und Abtrennbares. Die Leitung der Zeugen Jehovas hat das begriffen. Deshalb hält sie so zäh an den Zahlen fest, besonders an 1914, und behilft sich mit fragwürdigen Umdeutungen, nur um die Endzeiterwartungen retten zu können. Br. Sadlack mahnt: "Die Chronologie kann und darf nicht Grundlage einer Glaubensschau sein. Wir warnen ernstlich diejenigen, die geradezu ein Zahlenspiel mit biblischen Zeitangaben betreiben. Ihre Verantwortung ist im Hinblick auf die Enttäuschung der Gläubigen, die darauf folgt, sehr groß. Es scheint, daß manche Lieben in dieser Hinsicht aus der Vergangenheit nichts gelernt haben.-

NEUES LICHT? HELLERES LICHT?
Für viele ist es unbegreiflich, daß Gott laufend seinen Vorsatz ändert, das gezeigte Licht wieder verwirft, neues Licht wieder erscheinen läßt. Darum kann sich die Gesellschaft rühmen sehr beweglich zu sein, mal so und wiederum mal so, und so kommt es vor, daß ein erschienenes Licht und wieder verworfenes Licht wieder als ein neues Licht erscheint, wie z. B. die Auslegung von Römer 13. In diesem Bericht sind Äußerungen von Ältesten und älteren Brüdern wiedergegeben. So hören wir, was uns diese Brüder sagen.

Ein Mitarbeiter von Präsident Rutherford sagte, daß Rutherford immer das Bestreben hatte, die Organisation zu vergrößern. Dabei half ihm das neue Licht, aus komplizierter Lage herauszukommen. 1938 sagte Rutherford, heiratet nicht, denn wir stehen kurz vor Harmagedon. Und viele heirateten nicht. Viele zahlten keine Versicherungen mehr und bekamen später keine Rente. Viele machten keine Anschaffungen und lebten in ärmlichen Verhältnissen, weil sie einen großen Teil ihres Geldes der "guten Hoffnung" gaben. Welche traurigen Schicksale gibt es durch das neue Licht. Das war 1938. Was wäre geschehen, wenn alle den angeblichen göttlichen Ruf befolgt hatten und nicht geheiratet hätten. Jetzt ist 1975. Konnte das ein göttlicher Rat sein damals? Die Gesellschaft konnte sich ausrechnen, was geschehen würde, wenn Harmagedon nicht kommt, wie soll man diesen Fragen, wie dem Abfall dann begegnen. Es wird zu der bewährten Methode gegriffen, neues Licht.

1938 erschien auch im WT neues Licht über die Organisation, das zeigte, daß die Organisation theokratisch sein soll. Vorher waren die Versammlungen selbständig organisiert und wählten die Brüder für die Versammlungen selber. Man muß sich vorstellen, alle Ältesten wurden damals entfernt wie mit einem Federstrich wurde das gesamte biblische Wahlsystem in den Versammlungen abgeschafft. Dafür wurden die leitenden Brüder von der Gesellschaft ausgesucht und eingesetzt. Jedem wurde der Gedanke eingeprägt, er sei von Gott eingesetzt. Es wurde die Voraussetzung geschaffen, bis zu jedem nunmehr bedingungslosen Gehorsam zur Gesellschaft durchzusetzen. Was kümmerte die Gesellschaft die Brüder, die ihr 1938 glaubten und nicht mehr heirateten oder die Kritik der Ältesten, die kurzerhand aus der Organisation ausgeschlossen wurden.

Brüder aus England und aus der Schweiz berichten aus ,dieser Zeit folgendes: Wenn man annahm, daß diese Ablösung reibungslos ging, so irrte man sich. In vielen Versammlungen gab es riesige Debatten. Ein Ältester berichtete seine Erlebnisse. Er war in der Versammlung seit über 10 Jahren. Es war Ruhe und Ordnung bis zu dem Tag, als ein Bruder als neuer Diener vorgestellt wurde. Dieser von der Gesellschaft eingesetzte Diener war erst ein Jahr zuvor getauft worden. In der Versammlung wurde es unruhig. Man stellte Fragen. Wie und warum wird der Älteste abgesetzt. Gott kann dich nicht einen unreifen Bruder einem reiferen vorziehen. In meiner Versammlung war keiner damit einverstanden. Als die Gesellschaft sah, daß hier nichts zu erreichen ist, wurde ich ein paar Tage später von 3 Brüdern auf gesucht und ohne daß ich mich verteidigen konnte, ausgeschlossen. Man wußte, daß mit einem Ausgeschlossenen nicht zu sprechen ist.

In vielen Versammlungen wurde das neue Licht nicht bedingungslos hingenommen. In einer anderen Versammlung hat man den Ältesten noch einige Wochen gelassen, dann wurde auch er abgelöst. Bei einer Beratung mit älteren Brüdern der damaligen Zeit wurde festgestellt, daß die Einsetzung der neuen Brüder oft mit Gewalt erfolgte. Im WT vom 15. September 1965 spottete die Gesellschaft noch, die Abschaffung der Ältesten damals sei ein Beispiel dafür. wie sehr sich manche Menschen über Änderungen aufregen können. Seitdem die Organisation bestehe, habe es Menschen gegeben in ihr, die sich Änderungen widersetzten und sich an die alten Methoden und Ansichten geklammert haben. Aber Änderungen seien notwendig. Man mag vielleicht im Augenblick die Notwendigkeit für eine Änderung nicht erkennen. Doch im Laufe der Zeit werde man sehen, daß dies zum Nutzen der Organisation sei. Statt sich also zu widersetzen, wenn ein biblischer Gedanke anders verstanden wird, oder wenn Richtlinien oder der Aufbau der Organisation geändert werden, sei es besser, sich umzustellen in dem Gedanken, daß jede Änderung, die die Organisation vornimmt, zum Nutzen ihrer Glieder ist. Man sagt dann weiter, sich dem Fortschritt zu widersetzen heiße, sich Jehovas Geist zu widersetzen, der auf die Organisation einwirke und sie veranlasse, voranzuschreiten.

Aber es würde sich doch gar keiner widersetzen, wenn ein biblischer Gedanke anders verstanden wird oder wenn etwas geändert wird, wenn nicht vorher gesagt worden wäre, alles ist von Gott und richtig. Wenn das so ist, braucht man doch nichts zu ändern. Die Gesellschaft widerspricht sich doch selbst. Da muß man sich doch widersetzen. Oder man muß denken, Gott widerspricht sich. Gott kann nicht fortschreiten, indem er "seine", sondern höchstens WTG-Widersprüche verändert.

Vergleichen wir und untersuchen wir, ob alles stimmt. Warum kündigte Rutherford 1938 Harmagedon an und dann neues Licht, als nichts kam? Ein Bruder äußerte sich zu der Frage, warum die Gesellschaft betreffs Harmagedon die Termine laufend ändert, nach 1914, dann 1925, und heute im Herbst 1975. Müßen sich nicht alle Zeugen im Herbst 1975, wenn Harmagedon nicht kommt, von der Organisation abwenden und sich sagen, das ist Betrug? Schauen wir in die Vergangenheit zurück, so stellen wir fest, ein paar Jahre vor der angekündigten Schlacht von Harmagedon erscheint neues Licht. Der Bruder gab mir zur Antwort, das stimmt, und er fragte mich, so kommt wohl auch jetzt wieder neues Licht. Ich antwortete, das neue Licht ist doch gekommen, man hat doch die Ältesten wieder eingeführt und mit dieser Einführung eine besser kontrollierte Organisation. Mit dieser Hilfe will man doch wiederum einen Abfall verhindern.

Ein Bruder aus Schweden teilt mit, daß über Harmagedon verschiedene Auffassungen in der Gesellschaft bestehen. Er wies auf Ausführungen von Bruder Knorr und verschiedene Zweigdiener hin.
Eingesandt von einem Leser

DER FEIGENBAUM BLÜHT NICHT, DIE WT-ENDZEIT IST EIN FEHLSCHLAG
Die ständige kritische WT-Prüfung
Der Wachtturm Nr. 13 vom 1. Juli 1975
"Sollen wir unseren Mitmenschen helfen, oder sollen wir sie verhungern lassen?" - Nebenartikel
Jede nähere Betrachtung diese Artikels erübrigt sich. Jeder kennt die Praxis. "Geholfen" wird den Mitmenschen allein mit einer laufend als haltlos erwiesenen Endzeitankündigung, bei der alle in physischer Hinsicht verhungern könnten und würden, würden sie sie ernst nehmen und aufhören, sich selbst zu kümmern, um Not und Hunger zu überwinden. Sowohl Fragestellung wie ihre Beantwortung im WT sind eine ausgemachte Demagogie. Denn, was den Hunger betrifft, WTG und Zeugen würden sie verhungern lassen, da sie bekanntlich jedes soziale Programm verneinen.

"Wie man Schüchternheit überwindet" -
Nebenartikel
Eine psychologische Hilfe, die letztlich auf besseren Dienst für die WTG zielt. Der Artikel liegt auf der Linie der jetzigen Hervorhebung erbaulicher Themen für die Organisation, um sie zusammenzuhalten zur Ablenkung und Überwindung und Verdrängung der Falschverkündigung von 1975.

"Die grenzenlose Sündigkeit der Sünde" - Nebenartikel
Ein massiver Angriff auf die "angeblich christliche Geistlichkeit" der Kirchen als "der Mensch der Gesetzlosigkeit". Eine rein negative Betrachtung. Alle positiven Werke der Kirchen in Wort und Tat werden unterschlagen. So ist auch dieser Artikel unsachlich und unehrlich. Er dient allein der Ablenkung der Zeugen von ihrer eigenen 1975-Endzeitunglaubwürdigkeit, von ihrer eigenen Misere durch Angriff noch außen gegen andere.

"Prediger auf Reisen - von Angelo Catancaro erzählt" - Nebenartikel
Ein Kreisaufseher mit seiner Frau aus den USA werden vorgestellt. Sie dürfen ihre Lebensgeschichte im Dienste der WTG erzählen. Die finanzielle Seite verdient nähere Beachtung. " . . . daß wir ihnen Gottes Wort kostenlos überbringen und ihnen dadurch eine wunderbare Hoffnung übermitteln", heißt es. Die "Wunderbarkeit" der wiederholten Endzeitversprechungen wollen wir uns dabei schenken. Kostenlos geschieht das obendrein? Auch das ist unehrlich. Jede Zeitschrift und jedes Buch müssen bezahlt werden, es sei denn, man verschenkt etwas auf eigene Kosten. An jenen Stück Literatur hängt ein bestimmter finanzieller Nutzen des Verkäufers, wie die unterschiedlichen "Sätze" für Verkündiger, Pioniere usw. zeigen. Das sind nur einige Gegenargumente! Das Wort "kostenlos" ist also Betrug und Selbstbetrug. Jeder weiß, daß es anders ist! Letztlich haben die Kreisaufseher gut reden. Sie leben auf der Woge der Gaben der anderer, wofür die WTG sorgt.

"Die Stimme des Gewissens" - Hauptartikel
Folgendes ist. der Kernsatz: " . . . Funktionen des Gewissens bedürfen der Aufmerksamkeit und der Schulung, wenn uns das Gewissen leiten und uns etwas nützen soll" (Absatz 17). So ist die WTG wieder im Spiel mit ihrem Anspruch, die allein richtige Schulung zu bieten. Überspitzt gesagt heißt das, das Gewissen nützt nur etwas, wenn man es der WTG unterwirft. Das ist die Quintessenz des ganzen Artikels.

"Läßt du dich von einem empfindlichen christlichen Gewissen leiten?" - Hauptartikel
Wenn der WT es auch bestreitet, es ist inzwischen ein Talmud an Vorschriften in Form von "Ratschlägen", was die WTG erteilt, bis an jeden Arbeitsplatz und ins Ehebett reichend. Der Artikel verfolgt die Absicht, diese Abhängigkeit indirekt und unauffällig zu festigen, jetzt 1975. Die Überschrift ist eine ausgewogene Täuschung, denn die Ausführungen gipfeln: "Wenn also etwas, was dein Gewissen erlaubt, im Widerspruch zu dem Gewissen derer steht, die Autorität haben . . . die christlichen Aufseher (der WTG, Anm.), solltest du bereit sein, Änderungen vorzunehmen, damit sie mit "gutem Gewissen" eine Erlaubnis erteilen oder eine Empfehlung (an die WTG, Anm.) machen können" (Abs. 24). Dein Gewissen? Mehr denn je soll es jetzt angesichts "1975" der WTG unterworfen bleiben, damit sie ihre Verkündigerbasis nicht verliert.

"Eine hochbegünstigte Familie" -Nebenartikel
Eine Betrachtung über die Familienangehörigen Jesu, seine Eltern und seine Geschwister. Der Kernsatz ist die "Schlußfolgerung", daß es sich nie nachteilig auswirken kann, wenn man sich dem Willen Jehovas unterwirft". Wer nicht vergißt, daß die WTG damit ihren Willen meint, der angeblich mit Gottes Willen übereinstimme, ist gut beraten.

Der Wachtturm Nr. 14 vom 15. Juli 1975
"Verdienen menschliche Führer unser Vertrauen?"
Nebenartikel
"Von menschlichen Führern kann man nur erwarten, daß sie versagen", ist der verleumderische politische Grundtenor. Vergangene Mißerfolge werden verallgemeinert, die Erfolge jedoch völlig ignoriert. Ein Schwerpunkt dieser Verleumdungen ist die Sowjetunion. Auch dieser Artikel dient jetzt dem Hauptzweck der Ablenkung von der eigenen Endzeitunglaubwürdigkeit, indem man mit dem Finger auf andere zeigt, die Splitter in ihren Augen sucht, sie restlos "in den Dreck tritt", auf daß sich niemand getraut, die WTG-Hürde zu verlassen. "Bald" würde das "Königreich" die "menschlichen Führer und Regierungen ersetzen", wird der 1975-Bankrott überspielt auf daß niemand sozial aufwacht, nachdenkt.

"Die Anerkennung der Souveränität Gottes bringt Segen" -
Nebenartikel
Der WT läßt vor allen, verschiedene Zeugen über ihr früheres Leben zu Wort kommen, was dann kommentiert wird. In diesem Artikel vorwiegend ehemals Schizophrene, Rauschgiftsüchtige, Drogenabhängige, Hysterische. Ohne Zweifel werden solche Menschen der WTG zeitlebens dankbar sein, wohin sie sie auch führt, was sie ihnen auch glauben macht. Sie werden ihr wahrscheinlich bedingungslos folgen. Doch die WTG hat da anderen nichts voraus, die sich mit viel größerem Erfolg um solche Menschen kümmern, also viel segensreicher sind. Aber auch Dora, früher Mitglied der argentinischen kommunistischen Jugendbewegung, wird vorgestellt, womit einmal mehr der unverminderte Kampf der WTG gegen politische kommunistische Organisationen demonstriert ist.

"Jesus Christus, eine historische Gestalt" -
Nebenartikel
An diesem Sachverhalt zweifeln auch andere Gemeinschaften und Kirchen nicht. Eher liegen hier Gemeinsamkeiten christlichen Glaubens vor, was der WT allerdings verschweigt. da es das WT-Feindbild von den anderen Christen zerstören würde, das die WTG braucht, um alle zusammenzuhalten.

"Behütet durch Glauben und Hoffnung" -
Hauptartikel
Wie viele Artikel ist auch dieser von dem Hintergrund der mit 1975 erwiesenen Endzeitglaubwürdigkeit diktiert. Doch nicht nur durch "1975" sind Glaube und Hoffnung der WTG fragwürdig geworden. Das irdische WT-Angebot an die Menschen heute steht prinzipiell im Widerspruch zu dem, was Christus und die Apostel als Evangelium lehrten, wie mit Epheser 4:1-6 und Philipper 3:17-21 sowie Galater 1:6-9 bewiesen ist! Jeder Glaube und jede Hoffnung behüten die, die darin wandeln, vor etwas anderem, solange sie das glauben und hoffen, wenn es auch falsch ist. Sonst könnte es keine Irreführungen geben. Gar mancher würde von Irrtümern bis an sein Lebensende "behütet". Wahrheitskriterium kann nur das unveränderte Evangelium selbst sein.
1. Kor. 4:6. Das sind die grundsätzlichen Einwände zu diesem Artikel.

"Ein befriedigendes Leben führen" -
Hauptartikel
Keiner kann heute mehr angesichts der 1975-Fehlverkündigung unter der WTG-Führung ein befriedigendes Leben führen. Darum richtet sich die Hauptargumentation dieses Artikels auf Ablenkung gegen die anderen Christen und ihre Kirchen und Gemeinschaften. "Möchtest du, daß alles daran gesetzt wird, ehrlichgesinnte Menschen, die noch von religiösen Irrlehren versklavt sind, zu befreien? Bist du bereit, religiöse Irrtümer bloßzustellen? Gewiß ist das der Wunsch eines jeden treuen Dieners Jehovas" (Abs. 14). Das ist in der Tat verlockend, da es an den anderen tatsächlichen allerlei auszusetzen gibt. "Alles daran gesetzt" ist natürlich auch zeitlich gemeint. Wer dem also zustimmt. läßt sich nicht nur zur Splittersuche verleiten. Ihm wird unmerklich auch "1975" aus dem Kopf verdrängt zugunsten einer Orientierung auf eine weitere, unbestimmt längere Zeitdauer. Worum es letztlich der WTG geht. Es wird nicht vergessen, eine Warnung vor "unangebrachter Kritik" an den "Mitchristen", was die WTG einschließt, unterzubringen! (Abs. 34). "Nicht einmal der Gedanke an den Tod vermag . . ." spricht der WT für alle, damit sie sich unmerklich daran gewöhnen, zu glauben und zu hoffen, auch wenn sie alle ins Grab gehen, wie die Generationen vorher, denen der WT das Ende versprochen und ausgelegt hat.

"Auflehnung gegen Gott kommt ans Licht" -
Nebenartikel
" . . . in der Versammlung Gottes eine Auflehnung anzuzetteln", heißt es gleich zu Beginn. "Die Auflehnung kommt zu voller Blüte", lautet dazu eine Überschrift. Zwar schlägt der WT hier vordergründig auf die christliche Geistlichkeit ein. Getroffen werden soll aber alles, was sich jetzt in den Versammlungen auf Grund- der 1975-Endzeitfalschverkündigung gegen die WTG erhebt. Der unvermittelte Hinweis gleich zu Beginn verrät das. Wozu sonst wird jetzt so etwas behandelt? Die Geistlichkeit berührt das nicht. Auch nach der Fehlverkündigung von 1925 ging es 1926 erst richtig los! Hauptverantwortliche des Werkes in Europa, wie Conrad C. Binkele vom Zentraleuropäischen WTG-Büro in der Schweiz machten nicht mehr mit! Was wird 1976 bringen?
W. Ko.

ENDZEITVERKÜNDIGUNG MIT 1975 WIEDER UNGLAUBWÜRDIG
"Was ist ihr wirklicher Zweck?"
Diese Frage wird nun zunehmend gestellt. Unter denen, die der WTG bisher folgten, wie auch unter solchen, die ihre Tätigkeit beobachten, Pfarrer, Theologen, anderen Christen oder Personen in gesellschaftlicher Stellung. Denn die Übersicht über die bisherige Endzeitverkündigung macht auch dem Letzten klar, daß sie unglaubwürdig ist.

Zuerst noch einmal in Kürze die Tatsachen, wie sie in der CV-Sonderausgabe zu 1975, "Erfüllt sich heute eine Zeit des Endes?" (73/1975) dokumentiert wurden. Als unanfechtbare Endzeiterfüllung wurde jedesmal im Namen Jehovas von der WTG weltweit proklamiert:

1. Endzeitbeginn:: Zuerst 1799, Dauer 115 Jahre bis 1914. Dann 1914. Bisherige Enden: 1925, 1939/45, 1972, 1975.
2. Wiederkunft Christi: Erst 1874, dann 1914.
3. Pyramide von Giseh, ein "feierliches und irrtumsloses Zeugnis" der Endzeit, 1929 ein wertloser Steinhaufen".
4. Zionismus von Gott überwaltet, Gottes Werk. 1932 ein Satanswerk.
5. Himmlische Berufung: Erst 1881, dann 1931, nun irgendwann in der Zukunft zuende.
6. Das "Ersehnte aller Nationen": Erst Gottes Regierung, seit .1953 die Zeugen selbst!
7. Endzeitheuschrecken: Erst die Massen der Unzufriedenen, Hoffnungslosen. 1925 durch antikommunistische "Gelbe-Gefahr"-Hetze ersetzt. Nun sind es die Zeugen, selbst!
8. Auferstehung der Fürsten: Erst 1914, dann 1925, dann noch vor Harmagedon, dann seit 1919 als Diener der WTG. Nun irgendwann nach Harmagedon.
9. Religion: WTG mit Religion nichts zu tun. Jetzt WTG allein wahre Religion.
10. Elia/Elisa-Erfüllung: Erst 1916/17 Wechsel Russell/Rutherford, dann 1942 Wechsel Rutherford/Knorr.
11. "Zeichen des Sohnes des Menschen", ab 1918 "gesehen", nun erst in Zukunft sichtbar.
12. Obrigkeit: 1929, Regierungen keine Obrigkeit von Gott. Zeugen mit "neuem Eifer erfüllt"! 1962: Alles war falsch, Regierungen sind Obrigkeit von Gott.
13. Organisation: 30er Jahre, Ältestenamt als unbiblisch vernichtet. Alles war falsch; 1972 wieder Älteste.
14. Offenbarungstier: Erst Haager Weltgericht. 1919 "aus dem Abgrund" als Völkerbund, 1945 "aus dem Abgrund" als Vereinte Nationen.
15. Endzeitposaunen: Erst Anglikanismus 16. Jahrhundert, dann WTG-Kongresse seit 1922, darin WT-Antikommunismus.
16. Endzeitschalen: Erst WTG-Schriftstudien-Bände, dann WTG-Kongresse seit 1922, dann WT-Antikommunismus.
17. Gog-Horden: Erst Heerscharen nördlich Palästina mit Roß, Automobil und Eisenbahn. Dann Völkerbundscharen unter britischer Führung. Nun "Angriffsstreitkräfte" des Kommunismus.
18. "Friede und Sicherheit": Erst Religionsparlament 1893 in Chicago, dann Synthese Faschismus/Demokratie im 2. Weltkrieg. Nun irgendwann in der Zukunft.
19. "König des Nordens": Erst Napoleon 1799, dann Hitlerfaschismus, dann Kommunismus.
20. Endzeitpferde (rot) : Erst kirchl. Glaubensbekenntnisse Dann 1. Weltkrieg 1914/18, nun alle Kriege seit 1914.
21. "Drangsal": Erst 1914 zuende, dann 1918 "in der Mitte verkürzt", nun irgendwann in der Zukunft.
22. Ende der 6000 Jahre: 1872, 1874, 1972, 1975.
23. Harmagedon: 1889 schon im Gange, dann 1914, dann 1925, dann 1939/45, dann bis 1964/65, dann bis 1972 und 1975.
24. "Treuer und verständiger Sklave": Erst C. T. Russell. Dann der lebende "Überrest" mit J. F. Rutherford. Nun die Leitende Körperschaft der WTG, deren Wille der Wille Gottes sei.

Wer kann von diesen Modeleien irgend etwas glauben? . Wie es gesagt wurde: Jeder konnte nur immer froh sein, wenner es nicht geglaubt hatte, wenn die WTG die nächste Generation hernahm und alles weiter verschob. Als der 1925-Termin zusammengebrochen war, sagte die WTG öffentlich, "Jehovas Getreue" hätten nun gelernt, "keine Daten mehr für die Zukunft festzusetzen" (Rechtfertigung 1, S. 332, Magdeburg 1931). Nichts beweist angesichts dessen krasser die Treulosigkeit und Anmaßung des Titels "treuer und verständiger Sklave" wie das just wieder festgesetzte Datum 1975, von den vorherigen ganz zu schweigen.

Auch das "Argument", sich nicht nur bis zu einem bestimmten Datum, sondern "für die Ewigkeit" hingegeben zu haben, kehrt immer wieder. Erstmals wurde es zum falschen Weltendedatum von 1925 verwendet. (CV 73/1975)
Und dann Habakuk 2:3,4 Es ist dort lediglich von einer Zusicherung Gottes zur Zeit Habakuks die Rede, wenn es heißt, "wenn es auf sich warten läßt, so verzieht es doch nicht". Der WT benutzt diese Worte schon mehrere Generationen. So 1914, so 1925. Als 1945 Harmagedon auch wieder "verscheucht" werden müßte, wurde es erneut zitiert mit der Zusicherung, höchstens noch 10, aber keine 20 Jahre mehr! (Trost 1. 6. 1945, S. 10) Inzwischen sind nicht nur 10, 20, sondern 30 Jahre vergangen! Wieder wurde ein Datum festgesetzt: 1975. Wieder ist das haltlos und wieder wird Habakuk 2:3,4 zitiert, es "verziehe nicht"! WT 15. 3. 1974, S. 171, WT 1. 8. 1975, S. 476. Wieder wird damit alles weiter verschoben.

Mit diesen Tatsachen ist die WTG-Endzeitverkündigung als völlig unglaubwürdig erwiesen. Warum wird sie aber dennoch immer weiter betrieben, von einer Generation zur nächsten? Was ist ihr wahrer Zweck?

DER EIGENTLICHE ZWECK- DER HALTLOSEN ENDZEITVERKÜNDIGUNG
Niemand sollte den Zeugen Jehovas wegen der haltlosen WTG-Endzeitverkündigung den christlichen Glauben absprechen. Bis auf ihre "schwarzen Schafe" vielleicht, wandeln sie in subjektiv aufrichtigem persönlichen Gottesglauben, in hingegebener Christusnachfolge. Freilich sind alle, bis auf den "Überrest" unter ihnen., der einzigen christlichen Hoffnung in dem einen Glauben entfremdet worden, besonders seitdem die WTG um 1935 die sog. Jonadab-Klassifizierung vornahm, um Neue fortan nur noch "irdisch" auszurichten. (Eph. 4:1-6, Phil. 3:17-20). Und hier stoßen wir auf die Hintergründe, die die WTG mit ihrer unglaubwürdigen Endzeitverkündigung verfolgt. Die Rolle, in die sich die WTG im persönlichen Glauben der Zeugen gedrängt hat, wird völlig verkannt.

Die WTG ist jedoch kein Geschäftsunternehmen in religiösem Gewande, wie manchmal gefolgert wird. Wohl kommen durch die Literatur, ihren organisatorisch gesicherten Absatz, durch die niemals. ausgewiesenen Spenden und Zuwendungen und durch die bloßen Taschengelder an die WTG-Arbeitskräfte ungeheuer große Einnahmen. Die laufende Vergrößerung des WTG-Anlagenkapitals, ihres Fabrik-, Grund- und Gebäudebesitzes z. B. beweist das. Das reichlich zusammenkommende Geld wird aber im wesentlichen wieder in das "Werk" gesteckt, damit es sich so gut wie möglich selbst trägt.

Wie man den Glauben nicht am Reden, sondern an den Werken erkennt, so erkennt man den Zweck der Endzeitverkündigung auch nicht an ihren Versprechungen, sondern an ihrer realen Auswirkung, an ihrem Werk. Mit der nach Phil. 3:17-20 falschen irdischen Ausrichtung werden wir direkt darauf gelenkt. 1935 etwa hatte die WTG alles so weit daß sie es direkt zur vorherrschenden Ausrichtung in der Verkündigung machen konnte.

Was ist nun das "Werk", die reale Auswirkung der haltlosen Endzeitweiterverkündigung, nachdem die ursprüngliche Mission unter C. T. Russell mit 1914 als Harmagedonschluß und Weltende gescheitert war? Was steckt hinter dem, was J. F. Rutherford und N. H. Knorr als WTG-Präsidenten mit dem Erbe von C. T. Russell gemacht haben und als "Zeit des Endes" seither Generation um Generation einherschieben? Dahinter steckt nur noch eine ganz bestimmte politische bzw. ideologische Aufgabenstellung unter Mißbrauch des christlichen Glaubens. Wir wollen das nun sehen.

Grenzen wir zuerst ein, unter welchen Bevölkerungskreisen die WTG vornehmlich ihr Werk betreibt. Es waren und sind in erster Linie solche Menschen, die durch die kapitalistischen und sonstigen Krisen und Gebrechen in irgendeinem Land sozial entwurzelt und ins Elend gestürzt werden. Solche, die da "seufzen und jammern" über die "Greuel", die irgend geschehen, wie die WTG selbst mit Hesekiel 9 mißbräuchlich formuliert. Eine nicht geringe Rolle spielt dabei auch die nur zu oft eintretende kirchliche bzw. christliche Verunsicherung solcher Menschen. Das ist vornehmlich das Milieu, in dem die WTG wirkt, ja zu wirken hat. Wie wirkt sie dort nun mit ihrer haltlosen Endzeitverkündigung. Sehen wir uns an, zu welcher politischen Einstellung und Verhaltensweise die WTG diese Menschen mit ihrer Endzeitverkündigung bringt. Auf den Kongressen 1975 war das wieder ein Hauptthema. Mit der Endzeitlehre vom angeblich 1914 wiedergekommenen Christus predigt die WTG, keine politische Regierung sei mehr zu Recht im Amt. Alle politische Macht und Souveränität müsse seit 1914 an diesen Christus abgetreten werden. Keiner dürfe mehr jemanden in ein politisches Amt in Stadt und Land wählen, keiner dürfe mehr soziale oder politische Programme durchführen oder sich daran beteiligen, um "die Welt zu verbessern". Politik sei "schmutzig". Von 1929 bis 1962 verstieg sich die WTG dabei sogar zu der Bibelverdrehung, die Regierungen seien keine Obrigkeiten von Gott. Schon gar nicht dürfe sich jemand an sozialen und politischer Reformen oder Revolutionen zur Überwindung von Not, Unterdrückung, Ausbeutung und sonstigem sozialen Elend beteiligen, wenn er Gott wohlgefallen wolle. "Ich war ein Kommunist", lautet z. B. ein WTG-Thema (Erwachet 22. 5. 1970). Die Hauptinjektion dabei ist in der Tat der Antikommunismus, worin allerdings schon bei C. T. Russell angeknüpft wird (WT 1. 1. 62, Babylon-Buch S. 536 ff). Mit schärfsten Verteufelungen und Verekelungen wird eine möglichst nachhaltige antikommunistische ideologische Tiefenwirkung angestrebt.

Verbrecher, wilde Tiere, Ungeziefer, Wahnsinnige, wie das Blut eines Toten, verseucht - so lauten die Vokabeln dieses WTG-Antikommunismus (Dokumentation "Die Zeugen. Jehovas". Urania-Verlag 1970 DDR). Wie die Endzeitlehren auch verändert. und verschoben wurden, die Politik des Antikommunismus blieb immer eingeflochten.

Man kann darauf warten. Entsteht in irgendeinem Land eine kritische oder revolutionäre Situation, sofort ist auch die WTG zur Stelle. Das war u. a. der Fall, als die WTG aufrief: "Aufruf zur Ernte in Südamerika!" (WT 1. 11. 1968).- Jetzt ist auch Spanien fällig, wo die Franco-Diktatur zu Ende ging. Die WTG ruft auf: "Sprichst du spanisch? Bist du frei und verfügst über die finanziellen Mittel, um nach Spanien zu ziehen? Wenn ja, so erbitte vom Büro der Watch Tower Bible and Tract Society (WTG) in Barcelona Auskunft." Die hintergründige politische Absicht und Aufgabenstellung kommt in der Bemerkung zum Vorschein: " . . . geht der Einfluß des Katholizismus in Spanien zurück . , . stellen z. B. fest, daß sich Priester politisch betätigen. Einige haben sich der liberalen 'Linken' zugewandt und wollen damit zeigen, daß sie für die Arbeiterklasse sind. Doch mit dieser Taktik kommen sie zu spät. Sie können die Mehrheit des Volkes nicht täuschen." (WT 1. 11. 1975, S. 648 ff.). So ist die WTG jetzt in Spanien faktisch am Werke zu helfen, den "Linksruck" unter den Christen abzufangen. Mit Sicherheit hat der Antikommunismus der WTG bei ihrer Zulassung in Spanien jüngst noch unter Franco eine Rolle gespielt, ähnlich wie 1949 bei den Verhandlungen des WTG-Vertreters H. C. Covington mit den USA-Marine-Corps in Washington (WT 1. 11. 1950, S. 332). Bemerkenswert ist hierzu auch die verspätete Erkenntnis des "Reichsführers SS" Himmler über die Nützlichkeit der Zeugen Jehovas mit ihren Endzeitlehren in politischer Hinsicht in einer faschistisch eroberten Sowjetunion, um dort dann den politischen Widerstand niederzuhalten. (Dokumentation "Die Zeugen Jehovas", Urania Verlag 1970 DDR, und "Kirchenkampf in Deutschland 1933 bis l945", F.-Meinecke-Institut der FU, Westberlin 1965). Bei der Verabschiedung der WTG-Missionare in der Gileadschule in Brooklyn, New York, am 2. März 1975 wurde der politische Zweck der Endzeitverkündigung erneut bestätigt. Nicht in "Sozialreformen, Protestkundgebungen, Staatsreformen, Angriff sozialer Mißstände, nicht in sozialen Reformen bestehe ihre Aufgabe", sondern darin, die "einzelnen Menschen zu Erreichen und das Herz zu erneuern", auf daß sie "geistig erbaut" würden (WT 1. 8. 1975, S. 477).

Wir können also mit guten Grund heute feststellen: Seitdem die Endzeitverkündigung 1914 ihren ursprünglichen Sinn verloren hat, wird sie von der WTG nur noch Generation um Generation weiter betrieben um eine Religionsgemeinschaft unter den Verzweifelten und Verelendeten zu haben, die sie vor allem sozialpolitisch "entschärft" und "ungefährlich" macht. Nicht einmal soziale Reformen würden sie mehr anstreben, geschweige denn , eine Revolution. In der Tat, wo die irdische WTG-Endzeitorientierung wirkt, wird jeder sozial fortschrittliche oder gar revolutionäre Geist aus den Köpfen vertrieben! Bei Abwägung aller Faktoren der haltlosen WTG-Endzeitverkündigung, wie man sie heute überblicken kann, bleibt nur noch der dargelegte hintergründliche politische Daseinszweck der WTG unter den Christen übrig, aufrichtigen Gottesglauben und ehrliche Absicht der Nachfolge Christi ausnutzend. mißbrauchend. Nicht von ungefähr wird der WTG deshalb überall Tür und Tor geöffnet, wo das soziale Elend zum Himmel schreit, die Mißstände unerträglich sind und die dafür Verantwortlichen soziale Reformen oder gar Revolutionen verhindern wollen, wie jetzt in Spanien.
F. F.

MACHT 1976 ZUM JAHR EINES ENTSCHEIDENDEN AUFBRUCHS!
Aufruf an alle Ältesten und Dienstamtgehilfen
Es gibt keine "Zeit des Endes", wie sie die WTG bald 200 Jahre ab 1799 einer Generation noch der anderen verkündigt, und die jüngst im "Frühherbst 1975" zu Ende sein sollte. Das wirkliche Leben geht wieder über diese Endzeitverkündigung hinweg. Was müssen daraus jetzt für Schlußfolgerungen gezogen werden?

Weder im Kleinen noch im Großen konnte man sich nach dieser Endzeitverkündigung richten. Sie konnte zu keiner Zeit ernst genommen worden. Man konnte sein Leben nicht darauf gründen, weder im persönlichen Glauben, noch familiär, noch beruflich, noch gesellschaftlich.
Es ist unverantwortlich, aber auch ignorant, den "Herrschern und Nationen"; den Mitmenschen, weiter die bankrotte Endzeit zu predigen. Die behaupteten "Zeichen der Zeit" erweisen sich zudem als haltlose WT-Konstruktionen aus den bisherigen kapitalistischen Krisen, Kriegen, Verfalls- und Verelendungserscheinungen, die nunmehr an den Grenzen der sozialistischen Welt ihr Ende finden. Diese Konstruktionen müssen nicht nur für die kapitalistischen Länder selbst laufend wieder umkonstruiert werden, damit sie "glaubhaft" bleiben. Für die erfolgreiche Entwicklung der sozialistischen Länder passen sie nicht nur nicht, sie sind hier, darüber hinaus: eine grobe politische Entstellung und Verleumdung der Verhältnisse, der erfolgreiche Entwicklungen und Pläne, die in Wirklichkeit für solche Konstruktionen nichts hergeben. Es wäre ein religiös-politischer Amoklauf der Verkündiger. Die Endzeitverkündigung scheitert mit der historischen Umwälzung zu einer sozialistischen; die Menschen betreffenden Ordnung" (1. Petr. 2:13), gegen die sie schließlich antikommunistisch angesetzt wurde.

Der deutsche WTG-Bereich ist es in dem das nun beispielhaft zur Entscheidung drängt. Auf den betroffenen Ältesten ruht deshalb eine folgenschwerer Verantwortung. . Unter der haltlosen und unglaubwürdigen und obendrein antikommunistischen Endzeitorientierung gibt es keine Perspektive. Denn immer mehr wird der verbliebene wirkliche Zweck der WTG-Tätigkeit bekannt. Mögen sich die Ältesten überall beraten. Mögen sie "die Taue kappen", mit denen sie von der WTG über ihr Ostbüro in Wiesbaden, BRD, untergrund gelenkt werden. Mögen sie ihre eigene Verantwortung vor Gott und Menschen endlich erkennen. Mögen sie beginnen, die Versammlungen aus den Stricken der unchristlichen "theokratischen Kriegslist" zu befreien (2. Kor. 4:2 NW), die die Forderungen des Neuen Bundes, der allein für Christen gilt, sträflich mißachtet. Mögen sie überall beginnen, den Kern einer freien christlichen Gemeinschaft nicht gegen, sondern in der "die Menschen betreffenden Ordnung" des Sozialismus zu bilden. Mögen sie dafür den Weizen vom Unkraut trennen, um das fortzuführen, was sich als "gut" erwiesen hat, aber alles aussondern, was Ausdruck der haltlosen und antikommunistischer Endzeitorientierung ist. 1. Thess. 5:21 NW.

Die Endzeitverkündigung ist mit "1975" auf dem Höhepunkt der eigenen Haltlosigkeiten angekommen. Wer das ehrlich weiter betreiben will, hat mit '"1975" den Mühlstein am Halse. Denn wer soll ihm weiterglauben?
Wir gehen vielmehr in eine Zeit der sicheren Weiterentwicklung der sozialistischen "die Menschen betreffenden Ordnung" wie nie zuvor. Die "Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" 1975 in Helsinki hat diesen Horizont deutlich aufgezeigt. Angesichts des 1975-Bankrotts der WTG sollten sich alle besinnen. Die unumgängliche Neuorientierung kann jedoch nicht vollzogen werden in weiterer schriftwidriger Mißachtung der "Obrigkeit von Gott" in unserem Lande. Wenn sich z. B. der Staatssekretär für Kirchenfragen der DDR an alle Christen als verantwortliche Bürger der DDR wendet, wie am 1. 12. 1975 auf einer Veranstaltung in Leipzig (NZ 2. 12. 1975), dann muß man das zur Kenntnis nehmen. Oder wenn die CDU als Mitregierungspartei und somit "Obrigkeit und Diener zu deinem Besten" (Römer 13:4) eine Verantwortung für die christliche Bevölkerung in unserem Lande trägt, dann muß man sich darum kümmern. Alles, andere ist Mißachtung der Schrift. Hier liegt eine Hauptverantwortung und Hauptaufgabe der Ältesten. Die WTG hat hier das schriftgemäße Verhalten mit ihrer Endzeitauslegung völlig zerstört. Jeder weiß, was damit konkret gemeint ist.

Was ist möglich als Ausweg aus dem haltlosen Endzeitglauben? Es ist heute eine Gemeinsamkeit möglich, die letztlich alle zusammenführt, die in Vergangenheit und Gegenwart die Unglaubwürdigkeit des Endzeitkurses der WTG erkannt haben. Eine internationale Gemeinsamkeit, die in der DDR und anderer sozialistischen Ländern wie Polen z. B. die bereits freien WTG-unabhängigen christlichen Gemeinden, freien Bibelforscher und Bibelforscher-Vereinigungen einschließt. Eine Gemeinsamkeit, die vielleicht sogar Maßstäbe setzt für eine weltweite Neuorientierung der gesamten nur noch "keuchenden" Organisation, um mit dem WT selbst zu sprechen. Das alles in einem Wachstumsprozeß an Erkenntnis und christlicher Bruderliebe, der nach und nach alles noch Trennende überwindet, frei von aller Erkenntnisrechthaberei und "Allein"-Anmaßung gegenüber allen anderen Christen, ihren Kirchen und Gemeinschaften. Ist doch eines klar, nämlich daß es heute nirgends eine vollkommene Erkenntnis geben kann, sondern ohne Ausnahme nur "Stückwerk" unter dem Band einer ertragenden und verzeihenden Liebe. 1. Kor, 13:1-13. Alles dies jedoch unter der letztlichen Bedingung des "Hinschauens auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens". Hebr. 12:2.

Darum muß niemand in diesem Neubeginn alleinstehen. Es mögen sich zu Beginn wirklich erst "zwei oder drei im Namen Jesu" versammeln (Math. 18:20). Die Menge macht es nicht. Mögen alle Verantwortungsbewußten darum jetzt die herbeigekommene Zeit begreifen und das große Vorrecht erkennen, die Endzeithaltlosigkeit der WTG vor Augen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das allenthalben bekannt ist. Auch die anderen Christen werden immer besser informiert. Untergang in endzeitlicher Haltlosigkeit und Unglaubwürdigkeit oder Neuorientierung als Christen in der .,die Menschen betreffenden Ordnung" des Sozialismus, deren Zeit jetzt herbeigekommen ist; so steht die Frage. Beginnt überall, darüber nachzudenken, Gedanken auszutauschen und dann entschlossen die Dinge in die Hand zu nehmen.
CV

UM ALS CHRISTEN WEITERZUGEHEN
Liebe Leser
Zufolge der offenbaren Endzeitunglaubwürdigkeiten wird natürlich mancher den Glauben ganz aufgeben. Man muß bedenken, daß die WTG seit 1935 vornehmlich nur noch "irdisch" ausrichtet. Solche haben also zu der einen "himmlischen" Hoffnung (Eph. 4:1-10) in ihrem Glauben keinerlei persönliche Beziehung. Sie schauen nicht noch "oben", sondern nur nach "unten" auf ein irdisches Trugbild (Phil. 3:17-19). Entschwindet dies, dann haben sie keinerlei Hoffnung mehr in christlichem Sinne. In Erkenntnis dieses Sachverhalts sollten wir jedoch sehr weise sein. Wir können uns der Worte von Paulus erinnern, daß selbst anderen Menschen "das vom Gesetz Gottes gebotene Tun ins Herz geschrieben ist, wofür ihr Gewissen Zeugnis ablegt" (Rö. 2:13-16). Gerade auch ihr Zeugnis sollten wir in dieser Situation deswegen beachten, und unsere Einstellung sollte christliche Nächstenliebe sein, die nämlich nicht zuerst nach dem Glauben fragt, sondern herzlich willkommen heißt. Wir kennen Gottes Wege mit den Menschen nicht. Auch sollten wir dessen eingedenk sein, daß wir nach dem Bankrott des Endzeitglaubens erst am Anfang eines neuen Weges inmitten der anderen Christen stehen.

Für diesen neuen Weg sind die bereits bestehenden freien christlichen Gemeinden Ermutigung und Beispiel. Ihre am Wort dienenden Brüder bieten jede Christliche Hilfe für die Neuorientierung, für Gedankenaustausch und Beratung. Es kann nach dem Endzeitbankrott der WTG nicht mehr schwer fallen, ihre Verteufelung durch die WTG zurückzuweisen, die doch zuerst den Balken aus ihren Augen ziehen sollte. Diese freien christlichen Gemeinden sind darüber hinaus nach dem WTG-Endzeitbankrott Stätten der weiteren Nachfolge Jesu in der einen christlichen Hoffnung, wo sich alle fortan frei zur Auferbauung im Glauben versammeln können.

Gemeinden in der DDR. Dresden, Robert-Blum-Straße 6, sonntags, Oktober/April 14.30 Uhr. Karl-Marx-Stadt, Giesserstraße 36, sonnabends 13.30 Uhr und Schloßstraße 4-6, sonntags 14 Uhr. Leipzig, Witzgallstraße 10, sonnabends 14 Uhr und Maurice-Thorez- Straße 22, sonnabends 16 Uhr. Magdeburg, Bärstraße 9, sonntags 13.30 Uhr.

Besucher, die nach Polen fahren, können sich wenden an: Br. Waclaw Stachowicz, Skrytka pocztowa 94, 00-975 Warszawa 12, Leiter der Bibelforscher-Vereinigung in Polen. Br. Wiktor Stachowiak, Skrytka pocztowa 44, 60-955 Poznan 37, Leiter Missionsbewegung Epifanie der Bibelforscher in Polen. Auch: Vereinigung der freien Bibelforscher in Polen, Redaktion 31-150 Krakow, ul. sw. Filipa 13/18a. Die Zeit ist herbeigekommen, daß alle Gemeinden bzw. Vereinigungen freier Christen und Bibelforscher das Band der Gemeinsamkeit entfalten, um vorwärts zu gehen, den Brüdern und Schwestern der Zeugen Jehovas die Hand zu reichen auf einem neuen christlichen Weg in die Zukunft, wie sie nach dem WTG-Endzeitbankrott nun vor uns liegt.
In christlicher Verbundenheit
Eure Brüder und Schwestern CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber: Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Otto-Dix-Straße 6. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,-. Versand auch kostenlos.
Konto-Nr.: 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera

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