Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 75
Ein Zitat aus dieser Ausgabe, bezugnehmend auf
die 1975-er Kongresse in der BRD und einigen dorthin angereisten Besuchern aus der DDR (in
der Regel im Rentneralter) sei hier kommentarlos wiedergegeben:
"Ein mit äußerster Aufmerksamkeit von der WTG behandeltes Detail
waren die Besucher der Kongresse aus der DDR, für die jedesmal eine Art 'Ostabteilungen'
eingerichtet wurden. Sie sind mit einem besonderen Absicherungssystem umgeben. Aufpasser
achten hier auf jedes Fotografieren, auf jeden, der ihnen 'verdächtig' erscheint, auf
alles, was diese Besucher vor und noch ihren 'Besuchen' dort äußern. Wie berichtet wird.
werden Gespräche in den 'Abteilungen' auch geheim auf Tonband aufgezeichnet."
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich
verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas
und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft (WTG)
und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen
Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese
Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit
Nr. 75 Gera Oktober 1975
"FRÜHHERBST 1975" IST VORBEI
- DIE ZEIT ZUM HANDELN IST HERBEIGEKOMMEN
Ein Aufruf
Liebe Leser
Der letzte WT-Endzeitpunkt, der "Frühherbst"
des Jahres 1975 ist unerfüllt vergangen.
Kein Babylon' ist gestürzt, keine "große
Drangsal" ist gekommen, kein "Tausendjahrreich" hat begonnen.
Die "Zeit des Endes", von der WTG zum erstenmal
auf das Jahr 1799 der Welt verkündet, ist nunmehr über ein halbes Dutzend mal als
unglaubwürdig erwiesen.
Die WTG ist dabei, nun alles wieder weiter zu verschieben.
Es kann nichts mehr glaubhaft verkündigt werden. Die WTG
ist mit ihrer Endzeitverkündigung über jeden Zweifel als unwahrhaftig erwiesen. Wenn man
dies alles weiß, muß es als vor Gott und Menschen, religiös und politisch, in höchstem
Maße verantwortungslos bezeichnet werden, noch weiter mit dieser WT-Endzeitverkündigung
von Haus zu Haus laufen oder gar "Herrscher und Regierungen" damit anzusprechen,
gar nicht zu reden davon, die eigenen Verwandten, Angehörigen und Kinder damit zu
behelligen oder "erziehen" zu wollen.
Jedermann sind diese Tatsachen über die WT-Endzeitverkündigung heute zugänglich. Seit 1970 liegt in der DDR und in anderen Ländern das bekannte Blaubuch vor, die Dokumentation "Die Zeugen Jehovas - eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft" aus dem Urania-Verlag. Seit Jahren erscheint die kritische Zeitschrift "Christliche Verantwortung", die mit dem WTG-Endzeit-Bankrott von 1975 einmal mehr als wahr und glaubhaft erwiesen ist, hat sie doch sofort nach der Verkündigung dieses Termins im Jahre 1966 mit allem gebotenen Ernst davor gewarnt, der WTG zu glauben und das zu verkündigen. Und nun liegt mit der Sonderausgabe von "Christliche Verantwortung" vom August 1975, Nr. 73, auch eine Dokumentation vor, die den WTG-Endzeittrug von 1799 bis jetzt - für einen Zeitraum von fast 200 Jahren schon - nach neuestem Stand nachweist. Niemand kann mehr sagen, er könne sich nicht informieren.
Was ergeben sich jetzt für Aufgaben
aus der Unglaubwürdigkeit der WTG-Endzeitverkündigung, aus ihrem endgültigen und
unwiderruflichen Bankrott?
Die WTG wird ihre Endzeitbibelauslegung weiterbetreiben,
genährt besonders durch die wirtschaftliche Krisensituation der westlichen,
kapitalistischen Länder und ihren Auswirkungen auf die Menschen. Sie wird hier genügend
"Strandgut" finden, genügend Hilfelose, Hoffnungslose und Verzweifelte, die
noch jedem Versprechen greifen, noch dazu wenn es "im Brustton religiöser
Überzeugung", im Namen Gottes vorgebracht wird. Hat doch kaum jemand von diesen
Menschen eine Übersicht, wie es um die WTG wirklich steht. Es ist klar, daß eine solche
Krisenbibelauslegung in den sozialistischen Ländern nicht nur fehl am Platze ist,
überhaupt nicht paßt, im Widerspruch zur Wirklichkeit steht und daher politische
Desorientierung und Falschorientierung ist. Sie ist mehr denn je mit "1975"
einfach verantwortungslos. Sie kann nicht weiter vertreten werden, will man sich nicht
unmöglich machen. Da die WTG dessen ungeachtet aber weitermacht, muß eine
grundsätzliche Abkehr von dieser Endzeitorientierung erfolgen. Ja, es muß der
grundsätzliche Bruch hiermit vollzogen werden. Die sozialistischen Länder, die sich
entwickelnde sozialistische, "die Menschen betreffende Ordnung" (l. Petr. 2:13)
ist nicht unter die aus den kapitalistischen Krisen kontruierten WT-Endzeitdeutungen zu
zwingen.
Die Aufgabe besteht jetzt darin, die Versammlungen aus dieser falschen und haltlosen WTG-Endzeitausrichtung herauszuführen. In den "irdischen" Fragen bedeutet das, wieder zu einem echten Bibelforschen zurückzukehren, die antikommunistische Orientierung seitens der WTG zu überwinden und das richtige Verhalten als Christen in dieser neuen, "die Menschen betreffenden Ordnung" des Sozialismus und Kommunismus zu erarbeiten. Dies ist die unmittelbare Hauptaufgabe aller Verantwortungsbewußten überall. Hierum müssen sich die Studiengruppen scharen. Hier sollten gültige christliche Orientierungen erarbeitet werden. Dies ist der erste aktuelle Hauptschwerpunkt des "Erforschens der Schrift", das beginnen muß. Niemand kann den Blick weiter auf die aus den kapitalistischen Krisen konstruierten Endzeittheorien der WTG richten. "1975" ist der Scheideweg.
Der andere Hauptschwerpunkt ist die Rückkehr zu der einzigen christlichen Hoffnung, die die Schrift lehrt (Eph. 4:1-6, Phil. 3:17-21), und von der die WTG die große Masse aller seit 1935 mit ihrer falschen "irdischen Ausrichtung" auf immer neue haltlose Endzeittermine weggeführt hat. Es gibt dazu keine Alternative in dem, was schriftgemäß "Glaube, Hoffnung und Liebe" ist. (l. Kor. 13:12,13). Das ist möglicherweise für alle das größte geistige Problem, weil sie dieser einzigen schriftgemäßen Hoffnung auch innerlich vollkommen entfremdet sind. Es sei wiederholt: Es gibt dazu keine schriftgemäße Alternative.
Um diese neuen Wege zu gehen ist es geboten, überall, wo es möglich ist, sich mit den Brüdern und Schwestern der Freien christlichen Gemeinden, die schon früher die falsche Endzeitorientierung der WTG verlassen haben, zu verbrüdern, zu versöhnen, zu vereinen. Wie sie muß man freie Versammlungen gründen, unabhängig, wie klein sie auch anfangen. Selbst "wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen", sagte Jesus in Matth. 18:20. Wo schon freie Gemeinden bestehen, muß man sich ihnen anschließen, sich mit ihnen beraten. In erster Linie müssen hier alle vom "Überrest" vorangehen. Sie können wahrscheinlich am besten ermessen, was die falschen "irdische Ausrichtung" seit 1935 für eine Bedeutung hat.
Der Scheideweg ist erreicht. Der neuen "die Menschen betreffenden Ordnung" der sich entwickelnden sozialistischen Welt muß Rechnung getragen werden. Die WTG-Endzeitauslegungen werden immer wieder aufs neue scheitern, wie bisher. Sich weiter darauf zu orientieren, ist verantwortungslos. Die Entwicklung wird eine große Trennung herbeiführen. Alle Zeugen Jehovas in den sozialistischen Ländern werden sich umorientieren müssen. Eine Wiedervereinigung mit allen hier bestehenden Freien christlichen Gemeinschaften und Bibelforscher-Gemeinschaften in der DDR, in Polen, überall, ist denkbar. Jedes weitere Festhalten an den aus den Krisen der kapitalistischen Welt konstruierten WT-Endzeitvorstellungen, gar nicht zu sprechen von ihrer Verkündigung ist hier unhaltbar und führt in völlige Unglaubwürdigkeit und Unzurechnungsfähigkeit.
Auf den verantwortlichen Brüdern hier ruht dabei eine besondere Verantwortung. Der deutsche Zweig war traditionell das WTG-Hauptbollwerk in Europa. Was hier geschah und geschieht, ist von weittragender Bedeutung. Nun geht mitten durch den deutschen Zweig die Weltgrenze zwischen der natürlichen auch noch "1975" weiterexistierende kapitalistischen und der neuen, "die Menschen betreffenden Ordnung" der sozialistischen, kommunistischen Welt. Die krampfhaften Bemühungen der WTG, die Dinge hier in der Hand zu behalten, sind vergeblich. Sie ist mit ihrer durch die Zeit geschobenen Endzeitauslegung ein Kind der kapitalistischen Elends-, Not- und Krisenverhältnisse und verliert mit der Herausbildung und Entwicklung der neuen sozialen Verhältnisse der sozialistischen Welt jede derartige Grundlage einer endzeitlichen Bibelauslegung und damit ihrer Existenz und Wirksamkeit in dieser Form. Das tritt immer deutlicher hervor und wird immer klarer. Der 1975 Endzeitbankrott sollte hier für jeden ein Signal sein und er ist es auch. Die hier nun an der Grenze zwischen der "alten" und der "neuen" Welt aufkommende Auseinandersetzung um die Neuorientierung ist darum unvermeidlich. Sie muß aufgenommen und durchgestanden werden. Mögen sich die verantwortlichen Brüder der Gesamtzusammenhänge bewußt werden. Nach dem WTG-1975-Bankrott geht nichts mehr so weiter wie bisher..
Mögen sich die Bezirksaufseher zusammenfinden. Mögen sich die Kreisaufseher zusammenfinden. Mögen sie die örtlichen Aufseher und Ältesten zusammensetzen. Es muß eine große Lage-Erörterung stattfinden. Mögen sie die Konsequenzen aus der kapitalistisch-orientierten Endzeitauslegung und ihrem erneuten Bankrott mit "1975" ziehen. Mögen sie gegen die antikommunistische Hetze in dieser Verkündigung Stellung beziehen, die nur eingeflochten wird, um die von den kapitalistischen Krisen und sonstigem Elend Betreffenden unter Mißbrauch ihres Glaubens von jedem sozialen Aufbegehren abzuhalten, immer wieder mit einem neuen Endzeittermin. Mögen sie mit sich selbst zu, Rate gehen und sich beraten.
Alle CV-Leser in den Versammlungen und Studiengruppen sind aufgefordert, an die Verantwortlichen auf allen Ebenen heranzutreten und zu verlangen, einen schriftgemäßen Ausweg aus dem 1975 Endzeitbankrott in ihrem Bereich einzuleiten. Legt ihnen diesen Aufruf in CV vor. Laßt sie dazu Stellung nehmen. Niemand lasse sich weiter durch die WTG endzeitlich hinhalten. Eine seit 1799 proklamierte Zeit des Endes ist zuviel!
Die Bezirks- und Kreisaufseher bzw.
-ältesten stehen im Mittel- und Brennpunkt der Verantwortung für die jetzt erforderliche
Neuorientierung. Sie werden dieser Verantwortung gerecht werden müssen. Mögen sie
innehalten, sich weiter für den bankrotten WTG-Endzeitweg herzugeben, an dessen Ende
früher oder später auch für sie mit Sicherheit der Bankrott steht. Mögen sie sich
besinnen, und mögen sie dann hervortreten, das Steuer mutig herumwerfen, um zu retten,
was zu retten ist auf den einzigen schriftgemäßen Weg in "Glaube, Hoffnung und
Liebe". Entweder mit der WTG weiter von Bankrott zu Bankrott, bis sie selbst unter
der religiösen und politischen Verantwortungslosigkeit dieses Weges unmöglich sind, oder
jetzt die Verantwortung als "Hirten der Herde" . endlich in rechter die Weise
wahrnehmen. Sie mögen auch bedenken, daß sie nach dieser Zeit der bedenkenlosen Hergabe
für die haltlose WTG-Endzeit, wofür sie vielleicht gar manchen "ins Feuer"
haben gehen lassen, während sie sich im "Untergrund" hielten, vor Gott und
Menschen in nicht geringen Maße verpflichtet sind, einiges wieder gutzumachen. Das
mindeste ist aufzuhören, sich für eine bankrotte Sache für "diese Generation"
verheizen zu lassen, denn schon verschiebt die WTG weiter in die nächste Generation.
Statt dessen sollten sie alle bisher falsch verwendete Kraft und Energie dafür aufwenden,
darin voranzugehen, im allein schriftgemäßen "Hinschauen auf Christus", den
"Anfänger und Vollender des Glaubens", für alle "gerade Bahnen für die
Füße" herzustellen, wie sie die herbeigekommene Zeit erfordern. (Hebr. 12:2,12)
Worauf wollt Ihr warten?
Vergewissert Euch über alle Dinge haltet fest an dem, was
recht ist
1. Thess. 5:21 NW
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IN DIESER AUSGABE
"Gottes Souveränität" - WTG-Kongresse 1975. -
Was bedeutet die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa 1975 für Jehovas Zeugen und ihre Endzeitverkündigung? -
Das Wachtturm-Weltende-Datum 1975 im Spiegel.
Wohin in der DDR gehen? -
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"GOTTES SOUVERANITÄT"- WTG-Kongresse 1975
Unter dem Motto "Gottes Souveränität"
veranstaltete die WTG im Sommer 1975 in der BRD und Westberlin insgesamt 16 Kongresse. Der
Inhalt aller Programme war alles in allem eine volle Ablenkung von dem, was seit 1966 für
das Jahr 1975 der Welt verkündigt worden ist: Das Ende "dieser Welt" und der
Beginn der "Tausendjahrherrschaft" Christi. Das machte schon die öffentliche
Einladung klar. "Wer in der Lage ist, diesen Kongreß zu besuchen, wird sich
besonders lange daran erinnern", hieß es. Im Vordergrund standen dementsprechend
alle Arten von Themen über "Eigenschaften im täglichen Leben", um "voller
Zuversicht und Mut" zu sein, besonders im Hinblick auf die "Gefahren und
Einflüsse, die sowohl heute als auch in der Zukunft auftreten". (Einladung im WT vom
1. Juli 1975). Heute "als auch in der Zukunft"? Die Kongresse verfolgten das
Ziel, die Organisation mit Volldampf immer weiterfahren zu lassen in die Zukunft.
"Besonders lange daran erinnern" deutet an, daß die WTG eine neue lange
Zeitspanne in der Hinterhand hält.
Das Jahr 1975 wird zwar in dieser Einladung an die erste Stelle gestellt und auch in Großdruck gesetzt, aber es ist nur noch leeres Gerede: "1975 wird in die Geschichte zweifellos als ein Jahr bedeutsamer und interessanter Ereignisse eingehen", wozu auch die WTG-Kongresse zu zählen seien. Welches Jahr enthält keine bedeutsamen und interessanten Ereignisse? In der Tat, nur leeres Geschwätz um 1975. Damit war klar, was die Kongresse dazu bringen würden. Dagegen sollte mit 1975 die Welt zuende gehen! Haben Jehovas Zeugen das nicht weltweit verkündet?
Ein mit äußerster Aufmerksamkeit von der WTG behandeltes Detail waren die Besucher der Kongresse aus der DDR, für die jedesmal eine Art "Ostabteilungen" eingerichtet wurden. Sie sind mit einem besonderen Absicherungssystem umgeben. Aufpasser achten hier auf jedes Fotografieren, auf jeden, der ihnen "verdächtig" erscheint, auf alles, was diese Besucher vor und noch ihren "Besuchen" dort äußern. Wie berichtet wird. werden Gespräche in den "Abteilungen" auch geheim auf Tonband aufgezeichnet.
Allerdings hat sich das Interesse der WTG an den Besuchern "aus dem Osten" sehr verändert. Man will dort gar nicht mehr einen jeden sehen. Hierzu wurde geäußert, die "Denunziererei" und die damit verbundenen "Klärungen" und "Überprüfungen" brächten "viel Arbeit und wenig Nutzen". Was die Akten im WTG-"Ostbüro" Wiesbaden schon alles enthalten, könne man niemandem zeigen, der an einen Geist Gottes in diesem Werke glaubt. Man sei nur noch "gezielt" an Besuchern aus der DDR interessiert. An Personen, die nicht daran interessiert sind, "Märtyrertum" durchblicken zu lassen und "Westgeschenke" zu erhalten, sondern die über die Lage in der DDR informieren können, über die Situation der Untergrundorganisation, die Auskunft geben können, was in der DDR ankommt, wie weit es unten verbreitet ist, wie damit praktisch gearbeitet wird, die genau wissen, wer da wer ist. An Personen, die faktisch eine "Gegenkontrolle" ausüben, was die Tätigkeit der eingesetzten Ältesten z. B. betrifft.
Interne Gespräche mit Programmteilnehmern ergaben, daß der WTG die 1975-Terminangabe schwer zu schaffen macht, daß es natürlich weitergeht, daß es wahr ist, daß damit nur "angespornt" werden sollte. Man wisse im Zweigbüro, daß die Erwartung existiert, 1975 seien die letzten Kongresse. Wichtig sei jetzt der unbedingte Gehorsam der Organisation gegenüber. Jeder müsse voll darauf gelenkt werden, seine eigenen Leistungen zu überprüfen, seine eigene Tätigkeit, damit er "ausgefüllt" ist. Das helfe am besten über diese "schwierige Situation" hinweg. Ja, es gäbe bei vielen Trägheit im Studium, sie lesen nicht alles, kennen oft die Bücher nicht gründlich. Wenn die Hochspannung auf 1975 abklingt, entstehe eine Gefahr der "Müdigkeit und Erschlaffung". Jeder muß zum "vollen Auskaufen der Zeit" angehalten werden. Die Programme sind auf alles dies ausgerichtet. Jetzt dürfe nicht mehr die Frage "Wann" und "Wie lange noch" im Vordergrund stehen, das würde gefährlich werden, jetzt müßten alle voll mit den Problemen des täglichen Leben befaßt und "ausgelastet" werden. So würde sich die Organisation als "praktisch nützlich" erweisen, der Blick sei auf das gerichtet, was unmittelbar vor Augen ist, was sein tägliches Leben betrifft. Hier müsse er jetzt fest mit der Organisation verknüpft werden, um mit ihr weiterzugehen. Die Kongresse stünden ganz im Zeichen einer solchen Ausrichtung.
Und warum als Hauptthema "Gottes Souveränität"? Wäre es nicht richtiger, jetzt nur noch so laut wie möglich weltweit den "Warnruf" erschallen zu lassen, daß alles ganz ganz nahe ist? Ist "diese Generation" nicht mit 1975 am Ende? Wenn es z. B. 1949 schon hieß, "Es ist später als du denkst!" (Kongreßthema), ist es 1975 nicht noch viel später? Auch das Hauptthema dient jetzt dem Zweck, von den verkündigten 1975-Erwartungen wieder abzulenken. Diese Thematik beinhaltet nämlich folgende Hauptaspekte, die der entscheidende Hintergedanke sind. Alle werden auf eine Weise auf Gott verweisen, die als Mittel die unbedingte Treue zur WTG zum Inhalt hat. Die WTG kann sich hier sozusagen sehr gut hinter Gott "verschanzen". Niemand kann um sie herum, wenn er zu Gott und Christus will. Sodann werden alle von jeglichem Hinblicken auf die doch unumgänglichen sozialen Lösungen der menschlichen Probleme, wenn es nicht anders geht auf revolutionäre Art abgelenkt, indem "Gottes Souveränität" hierfür zuständig sein soll. Das ist sozusagen ein Riegel davor, auf Grund der 1975-Falschprophetie sich nun nach anderen, menschlichen sozialen Lösungen umzuschauen, das Vertrauen auf sie zu setzen, gar für sie zu kämpfen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, wenn man bedenkt, daß die WTG gerade unter den sozial Unzufriedenen, Benachteiligten und Leidenden tätig ist.
Gleichzeitig bedeutet die Ablenkung auf eine solche "Souveränität Gottes" jetzt eine politische Verwirrung und Verkorksung in den Köpfen, die das Erkennen der wirklichen gesellschaftlichen Zusammenhänge sehr wirksam erschwert und mitunter fast unmöglich macht. Seit der WTG-Wende von 1919 wird dieses Thema strapaziert. Jedem Herrscher, politischen Führer, Regierungs-Chef, jeder Partei oder menschlichen Organisation wird seither im Namen Gottes und Christi das Recht abgesprochen, zu herrschen, zu regieren, die sozialen Fragen in die Hand zu nehmen und irgendwelche "Politik zu treiben". So hieß es auch 1975 wieder: "Die Menschen kommen mit ihren Mitteln und mit ihrem Bemühen, den Weltfrieden zu schaffen, nicht weiter. Das Problem ist nur mit der Hilfe Gottes zu lösen" (Hauptvortrag Kongreß in Essen). Das ist doch religiös-politische Scharlatanerie und Gaukelei! Sollten die Menschen seit dem ersten Weltkrieg etwa besser nicht versucht haben, soziales Elend zu überwinden, Kriege zu verhindern oder Kriegsbrände wieder auszutreten und die Kriegsverantwortlichen zu richten, die Trümmer zu beseitigen, alles wieder aufzubauen und soziale Sicherheit und Einhaltung des Friedens anzustreben? Das können doch nur Menschen in Frage stellen, die keine Ahnung haben oder die damit ein ganz bestimmtes politisches Ziel verfolgen! Denken die Redner der WTG auf den Kongressen überhaupt darüber noch, wenn sie den Staatsmännern zumuten, sie könnten nichts lösen, sie müßten das Gott überlassen? Begreifen sie nicht worauf das schon seit dem ersten Weltkrieg hinauslaufen wurde, wollte man diese "Redner" ernstnehmen? Praktisch dabei heraus kommt auf jeden Fall eine Verkorksung des Denkens, die allen "Gejagten und Gefischten", die da "seufzen und jammern", jegliche soziale und politische Aktivität zur Veränderung der Verhältnisse austreibt und verhindert. Und darauf kommt es wohl an, auf daß sie sich um so fester an die WTG-Hinhaltung klammern, die sie natürlich nicht als Hinhaltung erkennen dürfen. Wir können absolut sicher sein, daß die verantwortlichen Kongreßveranstalter die gesellschaftliche und politische Konsequenz dieser "Souveranitäts"-Thematik genauestens bedacht haben. Sie betreiben das schon zu lange. Und es sind ganz bestimmte politische Hintermänner an solcher Haltung im Namen Gottes und Christi interessiert. -
Dies sind nur erste Einschätzungen der
Kongresse 1975. Sie werden weiter im Blickpunkt bleiben. Natürlich waren sie nicht die
letzten WTG-Kongresse. Doch haben sie im falschen Weltendejahr 1975 eine zentrale
Bedeutung für die Weichenstellung, die die WTG nun wieder vornimmt, um alle weiter
hinzuhalten, um ihrer religiös-politischen Aufgabenstellung gerecht zu werden. Darum geht
es.
eingesandt - Kongreßbeobachter
WAS BEDEUTET DIE KONFERENZ ÜBER
SICHERHEIT UND ZUSAMMENARBEIT IN EUROPA 1975 FÜR JEHOVAS ZEUGEN UND IHRE
ENDZEITVERKÜNDIGUNG?
Am 1. August 1975 setzten die Regierungen von 35 Staaten
einschließlich der DDR, der BRD sowie der Großmächte USA und Sowjetunion in Helsinki,
Finnland, ihre Unterschrift unter die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa. Auch die katholische Kirche als Vertreter der Christenheit nahm
durch einen Bevollmächtigten des Vatikans teil. Was bedeutet diese Konferenz über
friedliche Koexistenz in Europa und darüber hinaus für die Gemeinschaft der Zeugen
Jehovas und ihre Verkündigung einer "Zeit des Endes"?
Wir sind im Jahre 1975, dem Jahr, von dem die WTG 1968 verkündigte: "Es dauert höchstens noch ein paar Jahre, bis die Menschen durch die Tausendjahrherrschaft Christi befreit werden. Herbst des Jahres 1975 ist das Ende der 6000 Jahre des Ruhetages Gottes. Es fehlen nur noch acht Jahre". (WT 1. Aug. 1968, S. 463f dt.) Es ist daher nur folgerichtig, daß diese Sicherheitskonferenz 1975 unter den Zeugen Jehovas lebhaft diskutiert wird. Noch der WTG-Verkündigung hätte nämlich 1975 alles andere passieren müssen, aber keine derartige Konferenz!
Wie wird diskutiert? Die Sicherheitskonferenz 1975 sei einmalig, es gäbe nichts ihresgleichen in dieser Zeit. Sie sei darum das letzte "Zeichen der Zeit". Noch dieser Ausrufung von "Friede und Sicherheit" gäbe es nur noch eines: Der Generalangriff von allen Seiten auf die Zeugen Jehovas stehe unmittelbar bevor. Außergewöhnliche Dinge müßten erwartet werden. Doch andere bemerken sehr richtig, irgendetwas stimme nicht. Denn bevor "Friede und Sicherheit" proklamiert würden, müsse doch "die große Hure", alle "falsche Religion", durch die politischen Mächte, voran die Kommunisten, gestürzt und vernichtet sein. Aber wie zu sehen sei, erfolge das Ausrufen von "Friede und Sicherheit" überhaupt nicht unter Ausschluß, gegen oder noch einer Vernichtung der Religion oder Christenheit! Die Teilnahme der Vertreter der Christenheit in Helsinki beweise das! Was ist also los? Was der "Sklave", hier weltweit proklamiert hat, stimme überhaupt nicht! Es komme alles wieder ganz anders!
Was hatte der "Sklave" in der Tat für die Zeit bis 1975 weltweit verkündigt? Nachdem er 1966 das bewußte Jahr 1975 proklamiert hatte, hieß es über den Ablauf der "Erfüllungen" bis dahin: "Der 'König des Nordens' wird bei der Verwüstung des Weltreiches der falschen Religion ohne Zweifel eine gewisse Rolle spielen" (WT 15. 6. 1968, S. 370). Und: In der "großen Drangsal" bis 1975 würde die Christenheit "durch Kommunisten und andere radikale Elemente" vernichtet (WT 15. 2. 1973, S. 103). Im Buch "Die Nationen sollen erkennen" wurde das der Weltöffentlichkeit dann mit den Worten verkündigt, daß die "antireligiösen Streitkräfte die Christenheit und den ganzen übrigen Teil Babylons", also auch alle andere Religion vernichten würden, bevor das "Tausendjahrreich" beginnt! (S. 361 dt.)
Doch die wirkliche Entwicklung der Verhältnisse zeigt genau das ganze Gegenteil von dem, was die WTG hier in die Welt posaunt. So entwickelte die Internationale Beratung der Kommunistischen und Arbeiterparteien 1969 in Moskau verstärkt die Bündnispolitik und Zusammenarbeit auch mit den Christen und anderen Gläubigen. In Italien mit dem Vatikan als Zentrum der Christenheit setzen die Kommunisten die Politik eines "historischen Kompromisses" der Zusammenarbeit mit den christlichen Kräften auf die Tagesordnung. Gar nicht zu reden von der in den sozialistischen Ländern selbst, "im Kommunismus" selbst, verfassungsmäßig gesicherten Glaubens- und Religionsfreiheit für die Christen und andere Religionen.
Und was wurde in der Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa 1975 hinsichtlich Religion und Christenheit für die Zukunft festgelegt und garantiert? In Punkt VII der Erklärung über die Prinzipien die die Beziehungen der Teilnehmerstaaten leiten, heißt es, in der Schlußakte als Verpflichtung aller teilnehmenden Mächte und Großmächte: "Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten einschließlich der Gedanken-, Gewissens-, Religions- und Überzeugungsfreiheit", und dies "für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion" (ND 2./3. August 1975).
Diese Verpflichtungen für die künftigen Beziehungen aller Teilnehmer aus Ost und West wurden sowohl gegenüber der katholischen Kirche als Vertretung der Christenheit als auch von dieser Vertretung selbst anerkannt und unterzeichnet. In seiner Ansprache würdigte der Vertreter des Vatikans diese Bekräftigung der Religionsfreiheit ausdrücklich. Es fanden dann auch viele Begegnungen auf dieser Konferenz zwischen der Vertretung der Christenheit und der sozialistischen Länder oder "kommunistischen Staaten" statt, um die begonnene Verständigung und Zusammenarbeit für die Zukunft zu entwickeln. So veröffentlichte die Presse z. B. ein Foto des Zusammentreffens des Vatikan-Vertreters Msgr. Agostino Casaroli mit dem Vertreter der SED Erich Honecker (NZ 4. August 1975 Berlin).
Wir sehen also, es entwickelt sich alles andere als eine Konfrontation zur Vernichtung der Christenheit als "Erfüllung" einer "Zeit des Endes". Es werden vielmehr Sicherheit und Zusammenarbeit herbeigeführt auf lange Zeit, auch für die Millionen Christen und anderen Gläubigen in allen Ländern. Und der Generalsekretär der Vereinigten Nationen, Dr. Kurt Waldheim, stellte ausdrücklich fest, daß diese Konferenz "eine Bekräftigung der Grundprinzipien der Weltorganisation der Vereinigten Nationen ist". Wenn die WTG also verkündigt hat: "In Offenbarung, Kapitel 17, wird prophetisch die Reihenfolge der Ereignisse geschildert: Bevor das politische 'Bild', jetzt die Vereinten Nationen, ,in die Vernichtung' geht, vernichten Mitgliedstaaten davon (die kommunistischen) die große religiöse 'Hure', Babylon die Große" (Die Nationen sollen erkennen, S. 364), dann ist das nicht nur unglaubwürdig, weil es schon die dritte Deutung von Offenbarung 17 durch die WTG seit Beginn ihrer Verkündigung 1874 ist. Angesichts der vor sich gehenden wirklichen heutigen Entwicklung, wie sie die Konferenz in Helsinki dokumentiert, ist das zugleich auch eine groteske religiös-politische Phantasterei und Wahrsagerei, die bisher nie eine Erfüllung fand, deshalb immer wieder verändert werden mußte und deshalb auch in Zukunft unglaubhaft ist, wenn die WTG das nun wieder weiter verschiebt, weil alles anders kommt.
Die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa in diesem Jahr 1975 läßt uns schlaglichtartig erkennen, was
für eine ungeheuerliche Irreführung die Endzeitverkündigung ist. Nichts geht in
Wirklichkeit in Erfüllung, wie unverfroren das auch in die Welt gesetzt wird. Wie
leichtgläubig und oberflächlich, das nicht zu erkennen, und wie verantwortungslos, das
zu mißachten.
Auch die jetzige antikommunistische Auslegung von
Offenbarung 17 ist wie die anderen vorhergehenden nicht nur unrealistisch und spekulativ.
Es ist eine Verleumdung der sozialistischen Länder und anderen revolutionären Kräfte in
der Welt zur Aufrechterhaltung und Weiterschürung von Haß, Mißtrauen und Feindschaft
zwischen ihnen und den Christen und Kirchen. Man unterschätze die direkte und indirekte
Wirksamkeit der in Hunderten von Millionen starken Auflagen in vielen Sprachen
verbreiteten WTG-Schriften nicht, in denen dieser religiös aufgemachte Antikommunismus
unter die Menschen gebracht wird. Wir müssen es wiederholen, die WTG ist damit ein
Handlanger jener reaktionären Kräfte, die noch der falschen Alternative
"Christentum oder Kommunismus" Religion und Christentum weiter zum
politisch-ideologischen Kampf gegen jegliche sozialistische oder kommunistische
Entwicklung mißbrauchen wollen, die jetzt als neue "die Menschen betreffende
Ordnung" (1. Petr. 2:13) mit historischer oder sozialer Gesetzmäßigkeit
herbeigekommen ist.
Was Jehovas Zeugen betrifft, so ist ihre Endzeitverkündigung erneut als sinnlos und verfehlt erwiesen, als ein absurdes Stoßen der Mitmenschen, die Wirklichkeit mißachtend. Sie mögen sich endlich darüber klar werden, daß die Regierungen Europas und speziell der sozialistischen Länder ganz andere Sorgen haben, als einen "Generalangriff" auf die Zeugen Jehovas zu starten, oder alle Christen zu vernichten, um die haltlosen WTG-Bibelauslegungen zu "erfüllen". Sie mögen sich klar werden, daß alle "Ambitionen auf weithin leuchtende Märtyrerkronen" vergeblich sind (ND 14. 2. 1974 Harald Hauser). Wie könnte man die WTG mit ihren wiederholten falschen Endzeitprophezelungen auch nur im geringsten ernstnehmen. 5. Mose 18:20-22. Die Konferenz in Helsinki zeigt es in der Tat, ganz andere Sorgen stehen auf der Tagesordnung. Der Generalsekretär der KPdSU, L. 1. Breshnew, sagte dazu in seinen Ausführungen an alle Teilnehmer, auch die Vertreter des Christentums, und an die Weltöffentlichkeit gerichtet:
"Den Vertretern der Generation,
die die Schrecken des zweiten Weltkrieges erlebt hat, ist es besonders klar, welche
historische Bedeutung diese Konferenz hat.
Um nun mit vereinten Kräften dazu beizutragen, daß
Europa ein Kontinent wird, der keine kriegerischen Erschütterungen mehr kennt, sind in
Helsinki die höchsten Politiker und Staatsmänner von 33 europäischen Staaten sowie der
USA und Kanada zusammengekommen.
Die Konferenz hat die Richtungen und konkreten Formen der Zusammenarbeit auch in Handel und Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, Umweltschutz, Kultur und Bildung sowie im Bereich der Kontakte zwischen Menschen, Institutionen und Organisationen festgelegt. Möglichkeiten gibt es auch für stärkeren Informationsaustausch im Interesse von Frieden und Völkerfreundschaft.
Es ist kein Geheimnis, daß die
Massenmedien friedlichen und vertrauensbildenden Zielen dienen, daß sie aber auch das
Gift der Zwietracht zwischen den Ländern und Völkern in der Welt verbreiten können.
Die Vereinbarungen, die wir erzielt haben, betreffen auch
die Probleme des täglichen Lebens. Sie werden dazu beitragen, die Lebensbedingungen der
Menschen zu verbessern, ihnen Arbeit zu sichern und mehr Bildungsmöglichkeiten zu
schaffen. Sie sind von der Sorge um das Wohl der Menschen getragen".
Soll man lieber nicht dafür sorgen,
daß es in Europa keine kriegerischen Erschütterungen mehr gibt? Soll man die Entwicklung
von Handel, Wirtschaft usw. besser unterlassen?
Soll man sich nicht um die Arbeitsplätze kümmern? Und
dafür die WTG-Endzeitverkündigung ernstnehmen? Ist es nicht genau auch die WTG mit ihrer
Verkündigung, die "kommunistischen Staaten" wollten die Christenheit
vernichten, auf die die Worte von L. I. Breshnew zutreffen, wenn er sagte, die
Massenmedien würden aber auch mißbraucht, das Gift der Zwietracht zwischen den Ländern
zu verbreiten? Auch dies sollten Jehovas Zeugen durchdenken, wenn sie diese Konferenz für
Sicherheit und Zusammenarbeit 1975 in Europa diskutieren. In Wirklichkeit ringt und windet
sich die WTG nun schon in der dritten Generation in ihren falschen Endzeitverkündigungen.
Die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Jahre 1975 ist gleichsam der Kronzeuge
für die Haltlosigkeit dieser Endzeitverkündigung und für die Notwendigkeit einer
Neuorientierung.
pol.
DAS WACHTTURM-WELTENDE-DATUM 1975 IM
SPIEGEL
Die Presse- und Informationsstelle der ev.-luth.
Landeskirche Hannover, BRD, veröffentlichte von einem Pastor aus dem Gemeindedienst:
"Ist für Jehovas Zeugen 1975 das Ende der Weltzeit
gekommen? Ein mir bekannter Zeuge Jehovas lud mich erst kürzlich in sein neuerbautes Haus
ein. Gardinen und Teppiche fehlten noch und die künftige Terrasse war vom Aushub der
Baugrube bedeckt. Er und seine Frau versicherten mir aber, im Jahre 1975 diesem Übelstand
abzuhelfen. Ich habe von Weltuntergangsstimmung nichts gemerkt. Mit Jehovas Kommen sei
immer zu rechnen, hörte ich, aber wann das sei, könne man nicht aufs Jahr genau sagen.
Das letzte von der Wachtturmgesellschaft veröffentlichte Buch "Gottes ewiger Vorsatz" (1974) enthält nichts mehr von einem Weltzeitende im Jahre 1975. Dabei war 1966 dieses Datum tatsächlich ausgegeben worden. Es heißt, daß der deutsche Zweigdiener K. Franke diese Lektion nur auf Druck der Zentrale in New York wieder vergessen konnte. Manche können es schneller, wie mein oben erwähnter Bekannter. Der Rest lernt es am Ende des Jahres. Vielleicht hilft Brooklyn noch einmal mit einer Erklärung sicher ist das nicht.
Warum immer wieder diese Berechnungen? Sollte man aus den Enttäuschungen von 1872 bis 1925 nur gelernt haben, daß die Leitung sie früh genug in Frage stellen muß, damit keine Mitglieder verloren gehen? Hat die Leitung in Brooklyn eigentlich nicht Angst, es könnten einige Zeugen dahinterkommen, daß nicht nur jede Berechnung verglichen mit der anderen, sondern auch jede in sich viele Ungereimtheiten aufweist? Wie gerechnet wird, sei kurz erklärt. Das Ende dieser Weltzeit soll - entsprechend dem Sechstagewerk des göttlichen Schöpfers vor Beginn des herrlichen Tausend-Jahr-Sabbath (Millenium) - in 6000 Jahren geschehen. Es werden biblische Zahlenangaben - vom Ende der babylonischen Gefangenschaft im Jahre 536 v. Chr. ausgehend - benutzt, um rückwärts Adams Geburtstag, z. B. 4128 v. Chr. und neuerdings 4026 v. Chr. zu erschließen. Wenn man die Zahl 1872 oder 1975 addiert, kommt man auf 6000 Jahre.
Hier handelt es sich um Spekulation. Biblische Zahlen haben nur teilweise historischen, oft auch symbolischen Wert. Niemals sind biblische Schriftsteller aber an einer Chronologie der gesamten Menschheitsgeschichte interessiert. Die wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse, daß eine Stadt wie Jericho schon vor 9000 Jahren menschliche Besiedlung aufweist, kann einen Zeugen Jehovas ebensowenig erschüttern wie die Tatsache, daß - in Abweichung von dem in der Wachtturmgesellschaft bevorzugten Masoretischen Text die Samaritanische Überlieferung der Mosebücher und die griechische Übersetzung des Alten Testaments (sog. Septuaginta) das Ende der Weltzeit einmal viel später, das andere Mal als schon geschehen ausweisen würden.
Wer kann einem so kritischen Beobachter
wie Hans-Dieter Reimer von der Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in seinem
Sonderdruck aus dem Materialdienst Nr. 1/1975 übelnehmen, nüchtern die Interessen der
Wachtturmgesellschaft aufzuspüren, um herauszufinden, warum gerade diese oder jene
Chronologie verkündet wird. Er beobachtete, daß 1966 das jährliche Wachstum der
Wachtturmgesellschaft auf 2,4 Prozent abgesunken war (1950 betrug es noch 18 Prozent
gegenüber 1949). In der Bundesrepublik war die Abnahme noch beträchtlicher. Nachdem eine
neue Berechnung der 6000 Jahre vorgelegt wurde, die das Ende der Weltmisere für 1975
voraussagte, erhielt die Gesellschaft steigenden Zulauf (1970 wieder 10,2 Prozent). Auch
in der Bundesrepublik nehmen die Zeugen Jehovas jährlich wieder um 3 - 4 Prozent zu.
Diese so einfache wie verblüffende Beobachtung könnte Zufall sein. Der Verdacht, daß
die Leitung von Zeit zu Zeit ihrer Bibel- und Traktatgesellschaft wieder Werber und
Verkäufer durch Angstspritzen zuführen will, liegt allerdings nahe. Es wird sich zeigen,
ob dieses Mittel mehr als einmal in einer Generation angewendet werden kann." -
(Pastor Appelkamp, dia 2/1975, S. 31, Hannover)
Die WTG hat im Jahrbuch 1975, S. 240
dt. zugegeben, daß es tatsächlich um den zahlenmäßigen Rückgang ging.
Das Katholische Informationsbüro Glaubensgemeinschaften
in Bad Waldsee - Haisterkirch, BRD, veröffentlichte eine Flugschrift "Jehovas Zeugen
und das Jahr 1975", worin erklärt wird:
"1975 ist das Jahr, mit dem, Jehovas Zeugen ihre
größten Hoffnungen auf das Ende dieser Weltzeit verbanden, haben sie sich erfüllt?
Im Sommer 1966 erhielten Jehovas Zeugen
das Buch "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes", und mit diesem Buche
wurde das neue Datum 1975 gegeben.
Was bedeutet dies nach dem Glauben der Zeugen Jehovas?
1975 sind 6000 Jahre Menschheitsgeschichte abgelaufen.
vor 1975 - Die Kirchen und Religionen sind durch die
Politik vernichtet.
vor 1975 - Die Staaten und ihre Regierung sind durch Gott
vernichtet.
ab 1975 - Die "Neue Welt",
das "Tausendjahrreich Christi" beginnt auf der Erde.
ab 1975 - Die Taten stehen aus ihren Gräbern auf zu
ewigem Leben in einem Erdenparadies.
Seit 1966 setzten Jehovas Zeugen ihre Kraft und ihren Glauben dafür ein, diese Botschaft des Endes und Neubeginns um das Jahr 1975 zu verkündigen. Die Wachtturm-Gesellschaft - praktisch identisch mit der geistigen Führung der Zeugen Jehovas - schrieb 1968: "Nur noch ca. 90 Monate bis zum Ende" (Königreichsdienst April 1968). Einen Monat vorher ließ sie in der gleichen Schrift einen jungen Zeugen Jehovas zu Wort kommen: "Weil die verbleibende Zeit so kurz ist, gebe ich mein Medizinstudium auf ".
Alle Zeugen haben geglaubt und gehofft. 1975 war für sie das Jahr der Erwartung, der Erfüllung ihrer Sehnsucht. Im April 1975 erklärte ein Zeuge Jehovas in Augsburg vor Zeugen. "Ich tapeziere meine Wohnung nicht mehr, denn das wäre unnütze Arbeit und Geldausgabe, im Herbst ist alles zu Ende".
Nun aber stehen sie in der Verkündigung nicht mehr zu dem, was sie den Menschen seit 1966 von Tür zu Tür im Namen Gottes mit Bibeltexten belegt verkündigt haben, sie erfinden Ausreden!
Die Wachtturm-Führer reden sich auch den Zeugen Jehovas gegenüber heraus! Sie haben eine Parallelzeit erfunden und rechnen diese Zeit ebenfalls 6000 Jahre von der Erschaffung Evas an. Schon sind ein paar Jahre gerettet, "denn wir wissen ja nicht, wieviele Jahre nach Adam Eva erschaffen wurde"! Eine eigenartige "biblische" Ausrede! In den vergangenen Jahren war die Chronologie "genau und zuverlässig" und nun, da die prophezeite Zeit 1975 erreicht ist, was nun? Ausreden!
Neue Erkenntnis - helleres Licht von Gott? "Genaues Studium der Bibel zeigt, noch ein paar Jahre, eine kurze Zeit noch und dann " so sagen Jehovas Zeugen. So sagten sie es auch für ihre Endzeitprophezeiungen von 1914 und 1925 zum Beispiel. Auch damals hatten sie "genau und mit absoluter Sicherheit" prophezeit, und dann redeten sie sich heraus: "Jehova Gott hat neue Erkenntnis, helleres Licht gegeben". Die Hoffnungen, die sie in den Menschen erweckten, denen sie im Namen Gottes, im Namen der Bibel verkündigten, interessieren sie nicht mehr! Die, die ihnen glaubten und enttäuscht waren, wurden verdammt! Jehovas Zeugen aber beanspruchen nach wie vor, "in der Wahrheit" zu sein.
Die Bibel aber sagt: "Wenn ein Prophet im Namen Gottes spricht und sein Wort sich nicht erfüllt und nicht eintrifft, dann ist es ein Wort, das Gott nicht gesprochen hat. Der Prophet hat sich nur angemaßt es zu sprechen". 5. Mose 18.22. "Gott soll sich als der Wahrhaftige erweisen, jeder Mensch aber als Lügner, wie in der Schrift steht: Du sollst
Recht behalten mit deinen Worten und den Sieg davontragen, wenn man mit dir rechtet". Römer 3,4. Jehovas Zeugen haben sich gemäß Römer 3 als "nicht wahrhaftig" erwiesen! Jehovas Zeugen haben sich gemäß 5. Mose 18 als "falsche Propheten" erwiesen. Christus warnte vor falschen Propheten: "Glaubet ihnen nicht". Matth. 24, 23-24."
Im "Eulenspiegel",
Zeitschrift für Satire und Humor, Berlin DDR, Nr. 31/75, wird mit der Schlagzeile
"Jedem sein Stück Apokalypse! Jetzt auch auf Teilzahlung!" eine satirische
Darstellung der "apokalyptischen Reiter" veröffentlicht.
Der satirische Haupttext dazu lautet: "Wozu für eine
bessere Welt kämpfen, wenn ihr Untergang zumindest seit dem Beginn der neuesten
Katastrophenwelle sowieso nicht mehr aufzuhalten ist!" Die dargestellten Reiter
erinnern an die entsprechenden jüngsten WTG-Darstellungen. Die "apokalyptische
Teilzahlung", wie sie die WTG wieder mit ihrer schrittweisen
Endzeit-Weiterverschiebung vornimmt, ist auch getroffen. Insgesamt ein bleibendes Zeugnis
aus dem Jahre 1975 für die Haltlosigkeit aller Weltende-Verkündigungen, wie sie mit den
kapitalistischen Krisen zu dieser Zeit aufleben, auch die WTG-Verkündigung reichlich
nährend.
WOHIN IN DER DDR GEHEN?
Wer im Auge behält, warum er eigentlich Zeuge Jehovas
geworden ist, denn um an Gott und Christus zu glauben und christlich zu leben, gibt es
auch andere Gemeinschaften und Kirchen, der wird sich mit dem falschen 1975-Ende neu-
entscheiden müssen. Folgte er doch der WTG, weil sie eine "Zeit des Endes" in
"dieser Generation" proklamierte, die sich nun als Trug erwiesen hat, als eine
weltweite internationale Täuschung der Menschen. Die WTG-Führung ist dabei so
gewissenlos, tatsächlich durchblicken zu lassen, daß es ihr mit 1975 nur an einer
"Vorkehrung" gelegen war, die Verkündigerzahlen "wieder ansteigen" zu
lassen. (Jahrbuch 1975, S. 240 dt.). Nur Christen, die oberflächlich, leichtgläubig und
verantwortungslos sind, können dieses Spiel nun weiter mitmachen. Wohin aber gehen?
Bei vielen Gelegenheiten wurde schon erörtert und darauf hingewiesen, daß die Konsequenz nur sein kann, nicht den Glauben an Gott und die Nachfolge Christi zu verlassen, aber eine Organisation zu verlassen, die solches Spiel betreibt, wenn auch im Namen Gottes. Kann man doch im Namen Gottes alles machen, buchstäblich alles. Was heißt denn schon, im Namen von irgendjemandem. Im Namen eines anderen kann man tatsächlich alles machen, ob es dessen Wille ist oder nicht, ob es von ihm kommt oder nicht. Oder etwa nicht? Für keinen ehrlichen Menschen, der sich an Hand dessen, was heute über die WTG auf dem Tisch liegt, vergewissert, kann es ein Weitergehen mit der WTG auf ihrem Endzeitweg geben.
Da treten nun wieder die Gruppen, Versammlungen und Gemeinden von Brüdern und Schwestern in den Blickpunkt, die schon aus früheren Anlässen den falschen WTG-Endzeitweg wieder verlassen haben und auf den einzigen Weg der Nachfolge Christi zurückkehrten bzw. ihn von Anfang an weiterverfolgten, als die WTG ihre "irdischen" Abwege beschritt. Wohl nennen sie sich nicht Gemeinden von "Zeugen Jehovas". Dieser Name, diese Bezeichnung, nur für Israeliten unter dem Alten Bund gesprochen, war nie christlich gewesen. Nicht ohne Hintergrund ist dieser Name darum seit April 1974 von den Titelseiten des Wachtturm wieder entfernt worden. Nicht ohne Hintergrund verändert die WTG diesen Namen nun selbst, indem es fast nur noch heißt "Jehovas christliche Zeugen" oder die "christlichen Zeugen Jehovas". In CV 56/Febr. 1974 unter dem Thema "Ist der Titel 'Zeugen Jehovas' biblisch begründet?' wurde besprochen und dargelegt, daß die leitenden Brüder der freien Gemeinden als ehemalige Verbundene der Wachtturmgesellschaft schon vor Jahren nachwiesen, daß die Verwendung von Jesaja 43:10 als Name für Christen unschriftgemäß ist, daß dies eine völlig unchristliche Selbstdarstellung vor aller Welt ist. Für Christen kann nur infrage kommen, was Christus selbst laut Apg. 1:8 sagte, nämlich, "ihr werdet m e i n e Zeugen sein ". Es war unter anderem der Mitbegründer vieler freien Gemeinden in Deutschland und Polen, Br. Karl Labuszewski aus Berlin, der vielen bekannt war. Trotz erster Namensveränderungen ist die WTG auch heute noch weit entfernt von einer schriftgemäßen öffentlichen Selbstdarstellung und Bezeichnung aller ihrer Angehörigen. Von ihrem falschen Endzeitweg ganz zu schweigen.
Auf diese Weise vielfältig als wahrhaftig in der Nachfolge Jesu erwiesen, stehen die freien christlichen Gemeinden - in Polen nennen sie sich weiter wie früher Bibelforscher-Vereinigungen - ganz folgerichtig wieder im Blickfeld. Sie sind ein ganz natürlicher Weg für alle "Zeugen Jehovas", denen es daran gelegen ist, in wirklicher Nachfolge Jesu weiterzugehen, ohne durch falsche Endzeitorientierungen religiös-politisch oder gar antikommunistisch mißbraucht und "irdisch" irregeführt zu werden, wie es die WTG allein nach 1914 schon mehrmals gemacht hat: 1925, 1945 und nun 1975. Die freien Gemeinden haben in der DDR an den verschiedensten Orten ihre regelmäßigen öffentlichen Versammlungen, wo alle "Zeugen Jehovas", die die WTG-Irrwege nicht mehr mitgehen wollen, herzlich willkommen sind. Niemand zögere, diese Brüder und Schwestern wieder anzusprechen, sich mit ihnen zu treffen. zu verabreden und ihre Zusammenkünfte zu besuchen. Die Ältesten können an die leitenden Brüder der freien Gemeinden herantreten, um mit ihnen die künftige Gemeinsamkeit zu besprechen, sie vorzubereiten und in geeigneter Form zu verwirklichen.
Wir haben da den Bund freier
Christengemeinden (BfC). Ihr offizieller Vertreter ist Br. Peter Förster. 825 Meißen,
Roter Weg 10 (Geschäftsstelle). Sie haben regelmäßige Zusammenkünfte u. a. in:
Gemeinde Dresden, Robert-Blum-Straße 6 (Raum Adv. Gem.)
sonntags, Mai/Sept. 9-10.30, Okt./Apr. 14.30-16 Uhr
Gemeinde Karl-Marx-Stadt, Gießerstr. 36 (Jgd.-Zi. St.
Joseph)
sonnabends, 13.30-15.30 Uhr
Gemeinde Leipzig, Witzgallstr. 10 (Jgd.-Zi. St.
Laurentius)
sonnabends, 14-16 Uhr.
Wir haben weiter die Freie Christengemeinde, mit ihrem
offiziellen Vertreter Br. Martin Pfützmann, 703 Leipzig, Bürgerstr. 1. Sie versammeln
sich u. a.:
Gemeinde Leipzig, Blumenstr. 74 (Meth. Gem.)
sonntags, 14-14.30 Uhr.
Wir haben weiter die Vereinigung freier Christengemeinden
(VfC). Ihr offizieller Vertreter ist Br. Martin Domschke, 8023 Dresden, Großenhainer Str.
51. Ihre Versammlung in Magdeburg, am früheren Hauptsitz des deutschen Zweiges der WTG,
findet statt:
Gemeinde Magdeburg, Bärstr. 9 (Raumgemeinschaft)
sonntags, 13.30-15.00 Uhr.
Andere versammeln sich regelmäßig in:
Gemeinde Karl-Marx-Stadt, Schloßstr. 4-6 (Raumgem.)
sonntags, 14-16 Uhr
Gemeinde Leipzig, Maurice-Thorez-Str. 22 (Raumgem.)
sonnabends, 16-17.30 Uhr.
Verbindungsmöglichkeiten bestehen weiter u. a. in
Meißen, Freiberg, Altenburg, Naumburg, Bernburg, Potsdam. Falkensee, Berlin, Wilthen,
Lützschena und vielen anderen Orten, in denen Brüder und Schwestern bekannt sind, die
die WTG-Abwege verlassen haben. Überall sollten die Verbindungen mit ihnen gesucht und
aufgenommen werden, um sich mit ihnen zu beraten, von ihnen zu lernen, sich ihnen
anzuschließen oder es ähnlich wie sie zu machen. Die WT-Endzeitlehren sind
unglaubwürdig, Abwege. -
P.
ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN ÜBER JEHOVAS
ZEUGEN
Aus der BRD und aus Westberlin
Eine Zeugin Jehovas und ein kirchlicher
"Sekten"-Beauftragter
Erst war Annegret Kohler froh, dann war sie ehrlich
erbost. Jahrelang hatte man von ihr einen wöchentlichen
"Verkündiger-Felddienst-Bericht" gefordert. Nun sollte er plötzlich nicht mehr
nötig sein. Jahrelang hatte sie sich über diese wöchentliche Kontrolle geärgert. Jetzt
war der Druck fort aber Annegret Kohler, deren Name aus verständlichen Gründen geändert
worden ist, fühlte sich mit einem Male jahrelang genasführt.
Einmal hatte sie sich alles von der Leber geredet. Ausgerechnet bei mir, obwohl sie wußte, daß ich für meine Landeskirche als Sektenbeauftragter tätig bin. "Diese ständige Kontrolle ist wie ein ständiges Mißtrauen", hatte sie geklagt. "Das haben wir doch nicht verdient". Und jetzt, wo der eine ärgerliche Kontrollzettel weggefallen war, da ärgerte sie sich noch mehr als zuvor.
Ich weiß bis heute nicht genau, warum Annegret Kohler mich immer besucht. Eigentlich darf sie gar nicht, denn meine Wohnung gehört nicht in ihr "Gebiet". Sie ist aus einer ganz anderen Versammlung. Alles, was man Annegret Kohler beigebracht hat, nimmt sie folgsam auf. "Der treue - und verständige Sklave kann sich nicht irren. Das steht doch in der Bibel". Als ich ihr erwidere, daß die Bibel damit bestimmt nicht die Wachtturmgesellschaft in Brooklyn meine, antwortet sie leicht verstört: "Aber die Kirche kann es doch nicht sein".
Einmal hat mich Annegret K. einen Blick in ihr kleines persönliches Notizheft tun lassen. Es ist der Bericht vom "Haus-zu-Haus"-Dienst, von einem dornigen treppauf, treppab. Manchmal überschlägt Annegret auch eine Wohnungstür. Nur ein Mann im ganzen Gebiet hört ihr länger zu. Vielleicht hat sie auch die Gespräche mit mir dankbar als Missionsgespräche eingetragen.
Es sind im Grunde genommen arme Zeitgenossen. Sie glauben bedingungslos, was aus dem Brooklyner oder Wiesbadener "Bethel" kommt. Sie stehen unter ständigem Druck und hoffen auf das "Ende dieses Systems der Dinge" und die Neue Welt für Zeugen Jehovas und sogenannte "Menschen guten Willens". Zu diesen Gutwilligen gehört jeder, der den Anhängern der Wachtturmlehren nicht unfreundlich gegenübersteht.
Nur wer etwa der Meinung ist, daß hier eine Gruppe von über einer Million Gutgläubiger durch einen Schriftenherstellungs- und verkaufskonzern mißbraucht wird, wer meint, daß hier eine unverantwortliche Clique von Machthabern selbst den Tod ihrer Anhänger in Kauf nimmt, wenn sie ihnen beispielsweise die Bluttransfusion verbietet, wer daran zweifelt, daß eine Aktiengesellschaft mit dem Firmenzeichen des Wachtturms Gottes Willen vertritt - er wird vom theokratischen Gewalttäter "Christus" in Harmagedon zur höheren Ehre Jehovas und zur Bestätigung der Wachtturmlehren "endgültig vernichtet".
Glücklicherweise hat das ganze System einen Fehler: Gott läßt uns seinen Willen nicht durch die Wachtturmbrille, sondern durch die Bibel erkennen. Und derzufolge ist Christus kein Endzeit-Terrorist, sondern unser Fürsprecher und Heiland. - Friedrich-Wilhelm Haack. (Bielefeld, März 1974, auszugsweise)
Jehovas Zeugen und die Bibel
Was uns noch aufrütteln sollte, ist die Tatsache, daß 80
Prozent der Zeugen, Jehovas ehemalige Katholiken sind. Deshalb habe ich mich etwas
intensiver mit ihrer Entstehung und Lehre beschäftigt.
Von den genauen Endzeitberechnungen, die die WTG immer wieder anstellt, war schon die Rede. So hatte man das Ende der Welt zuerst für 1914 prophezeit, dann für 1918 und schließlich für 1925. Nach diesen Fehlschlägen war man etwas vorsichtiger und legte sich auf das Jahr 1975 fest. Doch auch hier hat die WTG inzwischen einen Ausweichtermin zur Hand: 1996.
Das Verhältnis der WTG zur Bibel ist sowieso recht eigenartig. Ein selbständiges, unbeeinflußtes Bibelstudium gibt es bei den Zeugen Jehovas nicht. Allen Zeugen wird die Bibel durch den "Wachtturm" und entsprechende Publikationen in Textausschnitten eingebleut, die von der WTG nach Belieben interpretiert und zusammengestellt werden. Einem Zeugen Jehovas dies klarzumachen, wird wenig Erfolg haben, denn nach eigener Aussage hat die WTG noch nie gelogen oder ihre Meinung geändert. Und daran glaubt ein Zeuge Jehovas fest, der alles, was die WTG verkündigt, bedingungs- und widerspruchslos schlucken muß.
Die Zeugen Jehovas an den Türen sind nun einmal, und seien sie noch so freundlich, bedauerlich verführte und unkritische Menschen. Weist man ihnen Widersprüche mit Hilfe von alten Wachtturm-Ausgaben nach, so erklären sie schlicht, diese habe man gefälscht, oder auch: Jehova hat helleres Licht gegeben.
Einen Höhepunkt besonderer Art stellt die Propaganda der WTG gegen die katholische Kirche dar. Rutherford schreibt in seinem Buch "Feinde" auf S. 160: "Das Schreckgespenst, das den Menschen jetzt überall, landaus, landein, vor Augen gehalten wird, ist der Kommunismus, und hinter dieser Schreckgespenst-Bewegung steckt das Papsttum" Über solche krankhaften Gedanken brauchte man keine Worte zu verlieren, wenn sie nicht Bestandteil einer Organisation wären, die schon eine Million Menschen auf der Welt in ihren Bann gezogen hat und eine gefährlich unkritische Geisteshaltung fördert. Wir sollten uns hüten, die Zeugen Jehovas zu unterschätzen, wenn auch ihr Erfolg vorwiegend auf mangelnde Bildung in Glaubensfragen beruht. Betrachten wir sie aber nicht als unsere Feinde, sondern als irregeleitete Brüder, die unsere Hilfe brauchen. - Dialogikus. (Katholische Zeitschrift, Westberlin 16/72, auszugsweise).
ZUSCHRIFTEN/BERICHTE/INFORMATIONEN
Das neueste WTG-Buch
" . . . des vielen Bücherschreibens ist kein Ende", sagt der
Prediger. So war auch 1975 ein neues Buch zu erwarten. Es heißt: "Rettung aus der
Weltbedrängnis steht bevor!" Die Tätigkeit der WTG in diesem "falschen"
Jahr 1975 ist verständlicherweise Gegenstand gründlicher Untersuchung. So wird in CV
demnächst eine ausführliche Kritik dieses Buches veröffentlicht. Ins Auge fällt
unbedingt die Hervorhebung des Gedankens, der Vorstellung eines bereits unter WTG-Leitung
wiederhergestellten "geistigen Paradieses". Es entsteht der zwingende Eindruck,
hier eine Quasi-Erfüllung zu bieten für das mit 1975 nicht gekommene, aber verkündigte
irdische Paradies. Angesichts der körperlichen und geistigen Unvollkommenheit und
Sündenhaftigkeit, ja des unüberwindlichen Bösen im Christen (Römer 7:19-21) ist dies
eine neue, gigantische Schriftentstellung und Einlullung. Zahlreiche früher anders
"erfüllte" Bibelstellen werden jetzt auf diese Quasi-Erfüllung umgedeutet. Die
WTG glaubt offensichtlich, mit ihrem organisatorischen Gewicht ihrer etablierten
Institution und ihrem auf immer weiter fortgesetztes Literaturproduzieren drängendem Werk
alles niederwalzen zu können, was sich ihrem Weitermachen nicht fügt. Erwartet die
CV-Einschätzung dieses neuen Buches !
Eine Moskauer Zeitschrift über das
WT-1975
Die religionswissenschaftliche Zeitschrift "Nauka i
Religia" Nr. 4/1975 in Moskau, Sowjetunion, (russisch) befaßt sich unter dem Titel
"Zusammenbrüche lügnerischer Prophezeiungen. Die Weltendlehren der Zeugen
Jehovas" (Prowall losdinich Prorotschestw. -Eschatologia Swidjeteli Jegowi) in einer
Übersicht unter Abdruck von Dokumenten mit der Reihe der bisherigen falschen
Weltendeprophezeiungen der WTG. Sie gipfeln in einer Entlarvung dieser jetzt auf 1975
zugeschnittenen Weltendeprophezeiungen und ihrer Haltlosigkeit.
CV-Sonderausgabe 1975 zur rechten Zeit
fand ich die CV-Sonderausagbe 1975 vor. Ich nahm
sie mit nicht geringer Spannung zur Hand, blätterte sie durch und sagte mir, das mußt du
in Ruhe und sorgfältig lesen. Am Ende war ich erschüttert, traurig, und empört. Am
liebsten würde ich in diesem Moment selbst nach Brooklyn gefahren sein, um diese CV vor
den Brüdern auf den Tisch zu knallen. Ja, so war mir zumute. Es ist gut, daß alles als
Abdruck aus den Schriften gebracht wird. Manche haben noch alte Schriften und können
vergleichen. Ich habe auch welche. Ich will sie nun gut aufheben. Die Sonderausgabe kommt
zur rechten Zeit. Wie sind doch alle in Erwartung wegen 1975. Wie wird die Gesellschaft
reagieren? Ich will gern schreiben, was ich in Erfahrung bringe
(Zuschrift aus
Magdeburg).
Wie es in unserer Versammlung aussieht?
das will ich dir aufzählen. Zweifel an der
Zuverlässigkeit der Aussagen im WT über die Zeitrechnung, Drangsalszeit und
Ältesteneinsetzung. Die allgemeine bedingungslose Bereitschaft, alles zu glauben, was der
WT schreibt, ist vorbei. Einige sagen, wir können doch unsere Schafe nicht enttäuschen,
wenn wir selbst nicht mehr glauben, was wir gesagt haben. Wir haben auch einige, vor denen
wir uns hüten, einen Zweifel zu äußern, es ist besser so. Das Studium ist eine einzige
Mühsamkeit mit dem Lesen und Fragen. Von Gründlichkeit kann keine Rede sein.
Die wenigsten behalten etwas davon, jeder ist froh, wenn es zuende ist. Manches wird überhaupt nicht verstanden. Es ist wie ein Abfüttern, wie von der Hand in den Mund, bis zum nächsten Mal. Es wurden auch einige würdelose Älteste eingesetzt. Ich glaube, diese CV-Schriften wirken ungemein. Man kann sie höchstens verdammen. Was kann man aber widerlegen? Ich glaube, eines Tages bricht das alles auf (Korrespondenz aus Dresden).
"FRÜHHERBST 1975" IST VORBEI
- DIE WELT WURDE EIN WEITERES MAL GENARRT
Liebe Leser
So und nicht anders muß es jeder empfinden, der mit der
1975-Verkündigung der WTG seit 1966 durch Jehovas Zeugen angesprochen wurde. Mag die WTG
in der krisengeschüttelten westlichen Welt wie auch in manchen erst am Anfang stehenden
Entwicklungsländern noch genügend Elende und Verzweifelte finden, die nicht merken, daß
"diese Generation" dann schon die vierte ist, auch weil niemand da ist, der der
WTG wirkungsvoll entgegentritt, hier markiert die "Vorkehrung'" von 1975 den
endgültigen Niedergang. Kann aus den westlichen Krisen immer wieder eine scheinbar
zutreffende "Erfüllung" konstruiert worden wie dargelegt wurde, die soziale
Entwicklung der sozialistischen Welt müßte hierfür schier vergewaltigt werden. Sie gibt
dafür nichts her. Auch in der westlichen Welt, auf die sie letzlich beschränkt bleiben
wird, wird sich die WTG weiter wandeln, anpassen, verändern, umorientieren, wie sie das
schon seit 1874 über 100 Jahre tut. Die soziale Entwicklung der sozialistischen Welt
entzieht ihr jedoch jeden Boden für ihre Endzeitkonstruktionen, mit denen sie steht oder
fällt. Das ist die Gesamtsituation, wie sie auch in dieser CV-Ausgabe angesprochen wurde.
Mit ihrer 1975"Vorkehrung" hat die WTG in dieser Gesamtsituation den Zeitzünder
gelegt. Er mag in den westlichen Ländern verpuffen oder mit einigem Aderlaß abgefangen
werden. Die Krisen schleudern neue verzweifelte und hoffnungslose .Menschen an den
"Strand", die sich leicht als Ersatz "einsammeln" lassen. Für alle
aber, die nun die sichere soziale Entwicklung der sozialistischen Länder vor Augen haben,
sie selbst erleben, ohne Hungerkatastrophen, ohne soziales Elend, ohne Arbeitslosigkeit,
ist "1975" der Scheideweg, der Wendepunkt, der den "Umschlag" in eine
neue "Qualität" bewirkt.
Geht es ohnehin nach "1975" weiter, ist diese Endzeitverkündigung nun ohnehin als haltlos erwiesen, hier ergibt und erhebt sich nun die große Aufgabe, jenen Weg für Jehovas Zeugen als Christen zu finden. zu gehen und zu führen, der allein infrage kommt, der allein schriftgemäß ist als Bürger der nun herbeigekommenen "die Menschen betreffenden Ordnung" des Sozialismus. Es gibt hierzu keine Alternative, wie es auch eingangs gesagt wurde.
Auf allen Ältesten zuförderst ruht die große Pflicht und Verantwortung, angesichts der Schuld vor Gott und allen Menschen, die WTG-Endzeithaltlosigkeiten verkündigt zu haben, voranzugehen, um den Weg zu bahnen. Auf die WIG braucht niemand zu warten. Ihre Endzeitdeutungen werden weiter durch die kapitalistische Krisenentwicklung bestimmt worden, sich mit ihr wandeln und verändern. Hier müssen andere, neue Wege beschritten werden. Unter WTG-Führung kann es nur immer wieder weitere falsche Endzeittermine geben, weil man damit niemals aufhören kann, wenn man damit einmal begonnen hat. Es sei denn, man gibt dieses Endzeitkonstruieren überhaupt auf. Dazu müßte die WTG sich aber selbst aufgeben. Inmitten der kapitalistischen Welt, ja in ihrem Zentrum New York stationiert, von wo eine Krisenwelle nach der anderen ausgeht, Generation um Generation schon, hat sie jedoch gar keine Veranlassung dazu. Auf die WTG braucht also niemand zu warten. Im Gegenteil.
Dies ist die CV-Ausgabe vom Oktober
1975! Oktober 1975 dürfte mit "Frühherbst" 1975 identisch sein! Doch kein
"Babylon" ist gestürzt, keine "große Drangsal" ist gekommen, keine
"Tausendjahrherrschaft" hat begonnen. Es war alles falsch! Und die WTG hat das
vorher genau gewußt! Niemand kann dies Endzeitverkündigung mehr ernst nehmen. Wie
betroffen muß jeder ehrliche Zeugen Jehovas sein! Von ganzem Herzen wünschen wir, daß
diese CVAusgabe helfen möge, nunmehr den rechten Weg als Christen in unserem Lande zu
finden.
In christlicher Verbundenheit
Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür
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"Christliche Verantwortung"; Monatsschrift der
Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum. DDR 65 Gera,
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