Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 44

"Mit diesen Äußerungen steht die WTG in einer Reihe mit den schärfsten politisch-antikommunistischen Organisationen und Bewegungen, die es je gegeben hat", wird wieder einmal auch in dieser Ausgabe behauptet. In dieser kategorischen Form mache ich mir diese Aussage n i c h t zu eigen. Es gilt hierbei den Einzelfall zu sehen. Glühende Antikommunisten gab es auch andernorts. Man sehe sich z. B. die erste Politikergeneration des Nachkriegsdeutschland an. Kurt Schumacher, Konrad Adenauer und andere. Das waren in Wort und Tat Antikommunisten. Isolierte Passagen aus der WTG-Literatur können meines Erachtens nur eines beweisen: Die WTG ist auch ein Kind ihrer Zeit. Auch sie "heult mit den Wölfen".

Sicherlich ist die WTG den Kommunisten unbequem gewesen und in diesem Sinne auch als antikommunistisch orientiert zu bewerten. Indes dies war und ist nicht ihre Hauptessenz. Die Wertung dieses DDR-Blattes überzeichnet und ist Interessegeleitet.

Allerdings eines sei auch noch gesagt. Auch in dieser CV-Ausgabe wird er zitiert, jener Satz aus der (westlichen) Zeitschrift "Außenpolitik". Nicht zum "erstenmal" zitiert (also ein Art Standardzitat). Das kann jedoch hierbei nicht das Kriterium sein. Jener Satz lautete:

"Die westliche Politik gegenüber den sozialistischen Ländern werde auch 'unter Ausnutzung religiöser Überlieferungen' geführt mit dem Ziel, 'Abneigung gegen das kommunistische System zu schaffen und die Autorität der dort Regierenden zu untergraben"! Und die CV kommentiert dazu: "Der WT-Kampf … liegt auf genau dieser Linie!"

Da hatte die CV, in diesem Punkt, allerdings einmal recht.

Es war ein dürrer Satz, den man da im Jahrgang 1972 des "Wachtturms" auch lesen konnte:

"Ein den Bestimmungen des C ä s a r s entsprechendes religiöses Rechtsinstrument sollte nicht versuchen, seinen Urheber zu beaufsichtigen und zu leiten, sondern es sollte von seinem Urheber beaufsichtigt und geleitet werden."

Damit wurde wieder einmal dokumentiert, wie es um die innere Struktur der Zeugen Jehovas bestellt ist. Selbst die auf maximal 500 Mitglieder beschränkte Zahl der USA-WTG, wurden damit in die Schranken verwiesen. Faktisch wurde ihnen damit gesagt, sie haben lediglich als Akklamationsgremium zu dienen. Alle Entscheidungen trifft nur die Handvoll, die zum Präsidium gehören (zum damaligen Zeitpunkt 11 Personen).

Ob der Papst in Rom wohl auch nur 11 Kardinäle zulässt? Meines Wissens gibt es auf dieser vergleichbaren Ebene dort ein paar mehr Personen. Aber die Tendenz ist in beiden Systemen identisch. Die Diktatur einer Oligarchie!

 


CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Gegründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür. DDR

Nr. 44 Gera Oktober 1972

CV - ihr Zweck
Kommentare und Informationen für Jehovas Zeugen. CV befaßt sich in freier, christlich und menschlich verantwortungsbewußter Diskussion mit der Verkündigung der Organisation der Wachtturmgesellschaft. Die Beiträge sind undogmatisch und vielseitig, ohne immer der Ansicht des Herausgebers zu entsprechen. Es ergeht der Ruf zu Unterstützung und Mitarbeit.

Bald ist 1975 - Was tun?
Liebe Brüder und Schwestern!
Es ist so: Die Spannung wächst immer mehr: Bald ist 1975, das Jahr, mit dem - wie seit 1966 proklamiert - die 6000 Jahre "dieser Welt" zu Ende, "Harmagedon" geschlagen und das Tausendjahrreich auf Erden begonnen haben soll. Das gegenwärtige beharrliche Schweigen der WTG über 1975 verdrängt keineswegs diese brisante Proklamation! im Gegenteil. Denn "diese Generation" ist 1975 tatsächlich endgültig am Ende! Niemand glaube, über 1975 denke keiner mehr nach! Wenn auch der WT keine einzige der zahlreichen "Leserfragen" hierzu abdruckt. Weil man längst damit beschäftigt ist, über 1975 hinwegzukommen.

1975 wird für die WTG ein Riesenfiasko. Die Alten werden verzweifelt auf ein sinnloses Hoffen und Harren starren Dämme werden reißen. In Scharen wird man sich abwenden. Doch das Leben geht weiter. Damit stehen im wesentlichen zwei Fragen vor uns:
1. Es muß eine völlig neue Endzeitorientierung geben. Denn "diese Generation" kann nicht wieder verschoben werden. Hier ist aller Kredit verspielt.
2. Es muß eine völlig neue irdische Orientierung geben. Denn die in eigener Verantwortung vor Gott oder Menschen als Christen oder Nichtchristen ihre sozialen und gesellschaftlichen Pflichten zugrunde legten, weil Gott den Menschen mit sozialen Bedürfnissen geschaffen hat, haben Recht.

Daraus ergibt sich die Hauptaufgabe: Der mit 1975 sichtbare Bankrott der irdischen WT-Orientierung verlangt, sofort die irdische, d. h. soziale Mitverantwortung des Christen neu gründlich biblisch zu erforschen. Sonst gibt es keinen neuen sicheren Halt!

Wer CV aufmerksam verfolgt, merkt, daß dies auch unser Hauptanliegen ist. Natürlich gehört alles andere dazu. Wie gesagt, wir können und wollen dabei niemandem ersparen, die ganze Kritik zur Kenntnis zu nehmen, die die WTG sich heraufbeschwört, wie bitter tragisch oder radikal sie auch sein mag, ob wir sie teilen oder nicht. Man soll endlich allen Tatsachen ins Auge schauen!

Doch die zentrale Frage ist die soziale Frage, die mit dem Bankrott der irdischen WT-Orientierung unabsetzbar auf die Tagesordnung kommt. Auch in dieser CV-Ausgabe wird wieder eine "ausgestreckte Hand" dargereicht, um hier zu notwendiger neuer Erkenntnis zu gelangen. Nirgends wird das sonst in dieser Form geboten. Ergreift im Blick auf 1975 rechtzeitig diese Möglichkeit. Sprecht zu anderen darüber.
Die CV-Leitung

"Die theokratische Organisation inmitten der Demokratien und des Kommunismus" - Was bedeutet das in Wirklichkeit?
Zum WT vom 15. Februar 1972, dt.
Es vollziehen sich bedeutsam Vorgänge und Veränderungen. Anstatt das Jahr 1972 als "Ende der 6000-Jahr-Herrschaft" Satans zu proklamieren, wie es im Buch "Die Wahrheit wird auch freimachen" als göttliche Wahrheit berechnet ist, wird in diesem Jahr die ganze Organisation durch Einführung des Ältestenamtes in Atem gehalten. Bereits als "erfüllt" verkündete "Prophezeiungen" werden erneut verschoben, wie die Sache mit den 2300 Tagen aus Daniel 8.

Die WTG in Brooklyn selbst ist in Bedrängnis geraten, sie stellt ihren eigenen Status zur Diskussion! Kann das Werk "ohne eine gesetzlich eingetragene Körperschaft wirken und Erfolg haben?" fragt sie selbst
Und schließlich erkennt man auch, wie die Überschrift des WT vom 15. Februar 1972 zeigt eine neue antikommunistische Strategie für die gesamte Organisation.

Dazu sind in vielen Versammlungen Fragen aufgetaucht. Warum sagt man nichts mehr über 1975? Warum so kurz vor dein Ende diese Umstellung auf Älteste? War es bisher unbiblisch? Sollte man nicht lieber die Kraft auf die Verkündigung richten angesichts der Kürze der Zeit, anstatt die Organisation derart mit sich selbst zu beschäftigen Ist das Ältestenamt nicht schon einmal wieder abgeschafft worden? Will die gesetzlich eingetragene Körperschaft in Brooklyn - etwa wegen 1975 - abdanken? Und was bedeutet es jetzt, wenn gesagt wird "inmitten des Kommunismus"?

Die CV-Leitung hat verschiedene Mitarbeiter gebeten, zu diesen Fragen im Interesse aller, die ehrlich "alles prüfen" wollen (l. Thess. 5:1), Stellung zu nehmen. Ja, jeder ist aufgefordert, "die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind" (1. Joh, 4:1).. Wer wollte das, nicht, beachten? Die CV-Leitung ist gewiß, daß alle Aufrichtigen sehr wohl einschätzen können, von welcher Tragweite dies alles ist.
Die CV-Leitung

Was bedeutet "inmitten der Demokratie und des Kommunismus"?
Der WT selbst ist es wieder, der mit dieser Thematik die Frage nach dem Verhältnis der Zeugen Jehovas zum Kommunismus, d. h. zu den sozialistischen Ländern insbesondere, zu den kommunistischen politischen Parteien- und zur sozialistischen bzw. kommunistischen Weltbewegung insgesamt aufwirft. In letzter Zeit jedoch ist der WT, indem er diese politischen Dinge behandelt, merklich zurückhaltend gewesen mit antikommunistischen Äußerungen in der bisherigen aggressiven Art.

Aber, wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten, lautet ein bekanntes Wort. Um zu verstehen, was jetzt "inmitten des Kommunismus" geschehen soll, darum einen Blick zurück auf das bisherige politische Vorgehen der WTG in dieser Sache.

Hier ist das politische Vorgehen der WTG bis in die jüngste Vergangenheit, veranschaulicht durch typische Äußerungen: "Furchterregender Sowjetkoloß" (Erw. 22. 8. 1948), "unheilkündender Schatten des Kreml" (Erw. 8. 12. 1948), "kommunistische Gestapo, Antreiber, Fronvögte" (Erw. 22. 3. 1950), "rote Marionetten der Ostzone" (WT 1. 4. 1950), "Kommunismus mittels verderbter Religion und erbarmungsloser Politik durch Satan den Teufel gezeugt, genährt und zur Reife gebracht" (WT 1. 6. 1952), "falsche rote Religion, rote Faschisten, Mensch der Gesetzlosigkeit" (Was hat die Religion der Menschheit gebracht? 1951 u. 1953), "rote Plage" (Erw. 8. 4. 1953), "Kommunismus - eine falsche Religion" (WT 1. 10. 1960), "wie das Blut eines Toten" (WT 15. 1. 1964), und "auf das Ende der von Breshnew beherrschten kommunistischen Regierung in Ostdeutschland" ausrichten (WT 15. 2. 1965).

Mit diesen Äußerungen steht die WTG in einer Reihe mit den schärfsten politisch-antikommunistischen Organisationen und Bewegungen, die es je gegeben hat. Und alles soll nach wie vor für Jehovas Zeugen gelten! Das stimmt nicht? Wir wollen es sehen!

In dem WT-Buch mit der neuesten Offenbarung (Babylon-Buch) wird auf Seite 537 unmißverständlich erklärt: "Die Haltung der Zeugen Jehovas gegenüber dem Weltkommunismus hat sich nicht verändert"! (Wiesbaden). Weiter zu dieser Frage: Im "Königreichsdienst", Februar 1972 (Wiesbaden), Seite 7 unter "Das Angebot", Absatz 3, macht die WTG ausdrücklich darauf aufmerksam, daß "es keine Rolle spielt, ob es ältere oder neuere Bücher sind", die jetzt verbreitet werden! Also auch weiter die alte antikommunistische politische Propaganda in der Verkündigung!

Das also muß man zuvor zur Kenntnis nehmen, wenn man sich vergewissern will, wie es jetzt "inmitten der Demokratien und des Kommunismus" weitergehen soll. Siehe in diesem Zusammenhang auch "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft", Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin 1970, mit der entsprechenden Beweisführung.

Die neue politische Strategie
Jetzt bringt der WT eine neue Orientierung in Verfolgung seiner antikommunistischen Linie. "Inmitten der Demokratien und des Kommunismus". Was bedeutet das? Klingt das nicht sehr sachlich? Das kann doch nun aber keine antikommunistische politische Bösartigkeit mehr sein, meinten einige.

Natürlich randaliert der WT heute nicht mehr antikommunistisch herum wie etwa 1952/53. Was heute politisch fabriziert wird, ist von "feinerer Art". Grobschlächtige Bolzen werden nicht mehr verschossen. Aber schauen wir uns diese "feinere Art" etwas näher an!

Streng sachlich bedeutet diese neue Orientierung folgendes: Mit "Demokratien" sind hier unmißverständlich vornehmlich die westlichen kapitalistischen Länder gemeint. Die sozialistischen Länder erhalten keine Kennzeichnung als Demokratien, sie sind demnach nicht demokratisch, sondern "Kommunismus". Was bleibt übrig? Wenn dem Kommunismus jeglicher demokratischer Charakter abgesprochen wird, was hier geschieht mit der neuen Orientierung, dann bleibt die alte antikommunistische WT-Propaganda vom Kampf gegen die "kommunistische totalitäre Diktatur", vom "Angriff auf die Bollwerke des Totalitarismus" (WT 15. März 1962, Abs. 20). Man sagt das nur nicht mehr so deutlich auf Anhieb. Man soll es in den "älteren Büchern" nachlesen!

Aber es gibt noch einen Gesichtspunkt. Den sozialistischen Ländern wird ihr demokratischer Charakter abgesprochen, wie wir sahen. Die Tatsache einer sozialistischen Demokratie wird verneint und geleugnet. Demokratie gäbe es nur in den westlichen Ländern. Damit ist diese Orientierung auch verleumderisch, entstellend und ihreführend. Da man in Brooklyn sehr wohl um die wirklichen politischen Verhältnisse in den sozialistischen Ländern weiß - schließlich gibt es verschiedene Formen der Demokratie, bürgerliche, revolutionäre und sozialistische Demokratie - kann man dem Hauptbüro in Brooklyn den Vorwurf antikommunistischer Bösartigkeit nicht ersparen. Nun kommen wir auf einen interessanten politischen Zusammenhang Die neue antikommunistische WT-Orientierung "inmitten der Demokratien und des Kommunismus" ist in völliger Übereinstimmung mit der jetzigen politischen Sprachregelung in der US-amerikanischen Ostpolitik gegenüber dem Kommunismus, den sozialistischen Ländern Der WT ist hier völlig auf die entsprechenden politischen Leitlinien der USA-Regierung eingeschwenkt! Das heißt, der WT wurde erneut politisch gleichgeschaltet, politisch randalieren gibt es nicht mehr!

Der Beweis hierfür liegt in folgendem Vergleich. Es gehört neuerdings zum politischen Vorgehen in der amerikanischen Propaganda, von "Demokraten im Westen" und "Kommunisten im Osten" zu sprechen. (David Binder, USA, internationale Journalistengespräche mit Werner Höfer, Westd. Rundf., BRD). Wie wir sehen, führt der WT nun mehr dieselbe Sprache. Es dürfte kaum so sein, daß sich die USA-Regierung hier nach der WTG richtet. Es ist offensichtlich so, daß die WTG gezwungen wurde, sich der gegenwärtigen Ostpolitik der USA anzupassen, wie die Übereinstimmung zeigt.

Haben sich die Ältesten Gedanken darüber gemacht, was ihnen die WTG mit ihrer neuen Kommunismus-Orientierung für eine antikommunistische Hypothek oder Belastung aufgebürdet hat? Wie wollen sie das verantworten, wenn von ihnen gemäß 1. Petrus 3:15 auch von behördlicher "Seite Rechenschaft gefordert" wird, speziell was sie politisch betreiben? Denn es ist angesichts des Sachverhalts unbestreitbar: WT-Heimbibelstudium bedeutet immer noch Verbreitung und Einübung von Antikommunismus Der WT vom 15. Februar 1972 dt. mit seiner neuen politischen Orientierung beweist das wieder.
F. F.

Niemand ist ohne Wahl durch die Versammlung ein schriftgemäßer Ältester
Dies ist wahrhaftig eine der entscheidenden Fragen, die jetzt beantwortet werden müssen: Soll es weiter so sein, daß die Diener oder Ältesten "von oben" eingesetzt und ernannt werden? Oder soll man sie nicht eher in den Versammlungen auswählen und allein davon ausgehend als Diener amten lassen? Mit anderen Worten, soll die Organisation weiter eine "theokratische" Diktatur bleiben? Jetzt ist die genaue Zeit, dies alles im Lichte des Wortes Gottes zu überprüfen.

Der WT kommt nicht umhin zuzugeben, daß bis zum 5. Oktober 1932 die Versammlungen schon einmal durch Älteste geleitet wurden. Allerdings durch solche Ältesten, die "durch die Gott Hingegebenen, Getauften gewählt" wurden. (WT 15. 2. 72, S. 116 f) Es wird aber dazu erklärt, "dieses Vorgehen entsprach dem damaligen Verständnis des Textes in Apostelgeschichte 14:23." Doch was dieses damalige Verständnis war, wird nicht dargelegt Warum nicht? Stand nicht auch damals schon im WT die Behauptung, "durch Jehova gelehrt"?

Was bis 5. Oktober 1932 galt
Zur richtigen Entscheidungsfindung ist es nötig zu wissen, was das damalige Verständnis war. Hier folgen die maßgeblichen Ausführungen aus Band 6 der Schriftstudien "Die Neue Schöpfung", Kapitel "Ihre Ordnung und Disziplin", die der WT verschweigt:

Einsatzung (Ordination) von Ältesten in jeder Versammlung
"Als sie ihnen aber in jeder Versammlung Älteste gewählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn" - Apg. 14:23.
Diese Stelle, sowie die vielen anderen, wo die Ältesten in allen Versammlungen die Rede ist, rechtfertigt die Annahme, daß es in der ersten Kirche a l l g e m e i n so gehalten wurde, wie es in unserer Stelle von Ikonium, Lystra und dem pisidischen Antiochien gesagt ist. Die Bezeichnung "Älteste" umfaßt, wie wir schon sahen, Evangelisten, Hirten, Lehrer und Propheten (öffentliche Redner), darum ist es wichtig zu wissen, auf welcher Grundlage die Ältesten sich als "gewählt" oder "verordnet" betrachten sollten.

Das griechische Wort, das mit "gewählt" (Luther "geordnet") übersetzt ist, gibt e r s c h ö p f e n d e n A u f s c h l u ß", es heißt "cheirotoneo", d. h. die Hand aufheben Die Gläubigen bezeichnen also ihre Ältesten durch das Aufheben der Hände in öffentlicher Abstimmung.
Anders verhält es sich mit der Einsetzung der Apostel, von weicher in Johannes 15:16 die Rede ist: "Ich habe euch auserwählt und gesetzt". Dort steht auch ein anderes griechisches Wort (tithemi), wie auch in 1. Timotheus 2:7, wo der Apostel von seiner Einsetzung oder Ordination spricht: "Ich bin bestellt worden als Prediger und Apostel", womit angedeutet ist, daß das Apostelamt nicht von Menschen ist, sondern durch Jesum Christum und Gott, den Vater". - Galater 1:1.

Doch kehren wir zur Wahl, Ordination oder Anerkennung der Ältesten durch die Versammlung der Neuen Schöpfung zurück.
Das Wählen durch Handaufheben war damals allgemeiner Brauch. Der Apostel gebraucht dasselbe griechische Wort, wo er sagt, wie Titus sein Gehilfe wurde. Er schreibt: "Er ist auch von den Versammlungen gewählt (durch Handaufheben) worden zu unserem Reisegefährten" (2. Kor. 8:19). Das Wörtchen "auch" in diesem Text deutet an, daß der Apostel ebenso gewählt wurde. Nicht zum Apostel wurde er gewählt - der er schon war - sondern zum Abgesandten der Versammlung in Antiochien (Apg. 13:2), die ohne Zweifel für die Kosten dieser ersten Missionsreise aufkam. Die späteren Reisen Pauli scheinen ohne Beschluß der Christen von Antiochien und daher auch nicht, auf ihre Kosten erfolgt zu sein (2. Tim. 1:15). In der Urkirche waren alle frei, ihre Fähigkeiten nach eigenem Ermessen in den Dienst der Sache zu stellen. Die Versammlungen konnten beschließen oder ablehnen, den Aposteln besondere Aufträge zu geben, und die Apostel ihrerseits konnten solche Aufträge ablehnen oder übernehmen, beide Teile erfreuten sich der gleichen Gewissensfreiheit.

Auf den ersten Blick scheint Titus 1:5 unserer obigen Anschauung zu widersprechen: Deswegen ließ ich dich in Kreta, daß du, was noch mangelte, in Ordnung bringen uns in jeder Stadt Älteste a n s t e 1 1 e n (Luther: einsetzen) möchtest, wie ich dir geboten hatte". Man sollte meinen Titus sei ermächtigt gewesen, Älteste einzusetzen, ohne auf die Wünsche der Versammlung Rücksicht zu nehmen, ohne diese abstimmen zu lassen.

Genauer betrachtet läßt dieser Vers jedoch erkennen, daß er dies nicht meinen kann. Titus sollte die Ältesten anstellen, wie Paulus ihm geboten hatte. Wenn nun Paulus selber die Ältesten durch Handaufheben (Abstimmen) bezeichnen ließ (Apg. 14:23) so hat er sicherlich Titus nicht geboten, es anders zu machen.

Ohne Zweifel war den Brüdern der Rat des Apostels und des Titus, den er ihnen als treuen Diener der Wahrheit aufs wärmste empfohlen hatte, sehr erwünscht und solche Ratschläge sind gewiß eingeholt und dann auch befolgt worden. Gleichwohl suchten die Apostel die Verantwortlichkeit da, wo Gott sie hinverlegt hatte: nämlich bei der Versammlung. An dieser war es, "die Geister (Lehren und Lehrer) zu prüfen, ob sie von Gott seien". (1. Joh. 4:1) In allen Fällen war die Mitwirkung der Versammlung erforderlich, ob sich diese, wie Apg. 14:23 sagt, durch eine Abstimmung kundgab oder nicht. Setzen wir den Fall Titus hätte Alteste eingesetzt, die den Brüdern nicht gepaßt hätten. Wie lange hätte da wohl Friede geherrscht? Was hätten solche Ältesten den Versammlungen für Dienste leisten können? Gar keine!

Der Herr und die Apostel anerkannten nicht die Ältesten, sondern die Versammlung als den Leib Christi. Wie hoch auch treue Älteste als Diener des Herrn und der Versammlung geehrt und geschätzt werden mochten, so geschah es nicht etwa, weil sie selbst andere oder Älteste sie dieser Ehre würdig gehalten hätten. Die Wahlversammlung mußte sie anerkennen, s i e mußte im Lichte des Wortes Gottes erkennen, ob sich solche auch der Eigenschaften, Gnadengaben oder Fähigkeiten erfreuten, die sie für die Ältestenstellung kennzeichneten. Wo es an diesen gebrach, sollten die Versammlungen sie in dieser Ehre nicht würdig erachten. Kein Ältester kommt mithin durch Selbstwahl zu seiner Stellung. Hätte jemand die Meinung, die Versammlung, die da ist der Leib Christi, zu übersehen, und sich selbst und seine Meinung höher zu schätzen als das Ganze, so wäre er schon an diesem Mangel an Demut, am Sinn für die Einheit des Leibes, als ungeeignet, Ältester zu sein, erkennbar.

Selbst dann, wenn kein Zweifel über die Wählbarkeit eines Bruders möglich ist, sollte ein solcher eine öffentliche Stellung in der Versammlung nicht anders als nach erfolgter Wahl annehmen. Die schriftgemäße Methode zur Bestellung der Ältesten ist die Wahl durch die Versammlung. Es ist eine Tat des Gehorsams gegen ein Gebot der Schrift, wenn der Bruder v e r 1 a n g t, daß er in aller Form rechtlich gewählt werde. Dies gibt einerseits den Ältesten einen sicheren Halt, und andererseits erinnert es die Versammlung an ihre Pflicht, Älteste im Namen und Geiste des Herrn zu bestellen, d. h. durch die Wahl Gottes Willen zum Ausdruck zu bringen. Nach der Schrift bleiben die Glieder der Versammlung für alles Reden und Handeln der Ältesten als ihrer Diener und Repräsentanten verantwortlich." - (S. 280 - 283)

Dies ist das "damalige Verständnis" über die Einsetzung von Ältesten in allen Versammlungen, das der WT heute verschweigt und umgeht. Was sollte daran falsch oder nicht schriftgemäß gewesen sein? Das müßte man beweisen, wenn man es behauptet!

WT umgeht Sinn des griechischen Textes, warum?
Bezeichnenderweise umgeht der WT jede Erörterung des entscheidenden Wortes oder Begriffes in Apg. 14:23, mit dem die Einsetzungsart (Bestellung von Ältesten) genannt ist, das griechische Wort "cheirotoneo". Zwar gibt es davon unterschiedliche Übersetzungen wie wählen (Elb,), einsetzen (NW), bestimmen (Am. St. V.), ordnen (Luther), aufstellen (Rösch), erwählen (Zürcher), wählen (Konkord. Übers.), bestellen (Tillmann) und wählen (Brunns). Alle diese Handlungsweisen sind jedoch durch Handaufheben zur Wahl oder Abstimmung vollziehbar. (cheirotoneo Handaufheben)

Zur Überprüfung des griechischen Wortes in Apg. 14:23 für wählen "cheirotoneo" siehe auch folgende Werke: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament von G. Friedrich, Stuttgart 1971, Bd. IX, Seite 426 f, und Griechisch-Deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur, von W. Bauer, Berlin 1963, S. 1742. Siehe auch Fach- und Fremdwörterbuch (Hauck):
Chirotonie = Handausstreckung, Chiro = Hand.

So ist es eindeutig und klar, daß tatsächlich durch Handerheben in den Versammlungen die Ältesten in letzter Instanz gewählt werden müssen. Die Verantwortlichkeit liegt bei den Versammlungen, "die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind". So darf niemand ohne Wahl dieser Art ein Ältestenamt übernehmen. Jeder, der ein solches Amt annimmt ohne durch die Versammlung gewählt zu sein, ist ohne Recht und Befugnis der Schrift, Gottes. Wer will das mißachten?
A. Z.

Säuberungen
Praktisch sind bis zum 1. Oktober 1972 alle gegenwärtigen Dienstämter in Frage gestellt. Durch die Umstellung auf das "theokratische" Ältestenamt. Weil die "Gesellschaft" bis zu diesem Datum über die Besetzung jedes Dienstamtes neu entschieden haben will, wer dort amtiert als Ältester oder Dienstamtsgehilfe. Auch wer bleibt, soll neu überprüft und neu ernannt oder bestätigt werden. Keiner kommt davon.
(Diese Regelung ist für das Gebiet der DDR bis 1973 zurückgestellt. Red.)

Es gehen also über jeden Personalberichte oder Beurteilungen "nach oben". Aber weil das wieder nur von einigen wenigen gemacht wird, die nicht einmal jeder kennt, wird auch hier schon wieder nach Gunst beurteilt. Das heißt, der Denuzierung ist weiter Tür und Tor geöffnet. Das kann nicht anders kommen, weil die Versammlung weder hinreiches Kontroll noch Entscheidungsrecht hat. Das ist deshalb schon immer ein äußerst unerfreuliches Kapitel gewesen.

Die Neuernennungen bis zum 1. Oktober 1972 setzen voraus, daß "die Gesellschaft" alle überprüft und entsprechend Erkundigungen einzieht. Das ist nun in vollem Gange.
Der Umstand, daß bei der jetzigen Umstellung auf Älteste trotz biblischer Wahlpflicht in den Versammlungen das Prinzip der letzten Entscheidung "von oben", also der Diktatur, beibehalten wird, macht deutlich, daß es auch darum geht zu sichern, daß in der Organisation allein durchgeführt wird, was "von oben" bestimmt wird. Sei es in Lehre oder Methode.

Wer sich also jetzt als solcher erweist, der nicht bereit ist, bedingungslos durchzuführen, was "von oben" kommt wird nicht wieder im Dienstamt bestätigt oder zum Ältesten ernannt und muß ausscheiden. Die Umstellung auf die Ältesten ist somit zugleich auch eine große interne Säuberungsaktion. Auch das ist in vollem Gange.

All dem entsprechend herrscht nun eine verbreitete Unsicherheit Niemand weiß, was alles über ihn von wem "nach oben" berichtet wurde. Es zeichnen sich auch schon die Schwerpunkte der Säuberung ab. Es geht vor allem jeder "über Bord", der die politische Linie in Verkündigung und Organisation anzweifelt oder in Frage stellt. Bis in die Bezirksdienerkreise hinein reicht zum Beispiel der Widerstand auf diesem Gebiet. Wer hier "erkannt" oder "gemeldet" wird, ist "geliefert". Er ist vor keiner Verdächtigung mehr sicher, selbst nicht vor Rufmord. Das wird zunehmend von den CV-Beobachtern in den Versammlungen signalisiert. Im Zuge der Umstellung auf Älteste soll somit vor allem der gesamte bisher entstandene "realistische Flügel" in der Organisation, der mit der unbiblischen "List" und dem Kampf gegen die bestehende menschliche Ordnung Schluß machen will (2. Kor. 4:2 NW, 1. Petr. 2:13), ausgeschaltet werden.

Hiermit zeigt sich auch, wie "die Gesellschaft" ihre Tätigkeit "inmitten der Demokratie und des Kommunismus" verstanden wissen will: Weiter gegen die "menschliche Ordnung" des Sozialismus und Kommunismus! Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht, kann man da nur warnen. Hoffentlich wird das rechtzeitig begriffen. Was müssen nun schon in gar mancher Familie für Auseinandersetzungen geführt werden, wenn eine Tochter zu ihrem Vater sagt. "Wir wollen keinen anderen Versammlungsdiener, Papi, das sagen alle, du darfst dich nicht absetzen lassen!"
C. O.

Leserbrief eines Ältesten und die Antwort
"Herr D a u m wird ersucht, im Rahmen seiner Tätigkeit für die Zeitschrift "Christliche Verantwortung", öffentlich Auskunft zu geben über Fragen, die ich mir gestatte vorzutragen.
In den Versammlungen der Zeugen Jehovas wird zur Zeit die Neuordnung unter den theokratischen Ältesten beraten. In den nächsten Wochen werden wir wichtige Artikel im "Wachtturm" Nr. 5, 6 und 7 des Jahres 1972 studieren.
Da mir keine spezielle Fachbibliothek zur Verfügung steht, bitte ich Herrn Daum um Unterstützung bei der Klärung folgender Fragen.

Die Brüder werden mir auch nachsehen müssen, daß ich ausgerechnet die sogenannte "Müllerschrift", wie sie auch genannt wird, um Unterstützung angehe, sonst bin ich nicht in der Lage, mir die notwendige sachliche Aufklärung zu verschaffen.
Im Kreise der Mitdiener ließe sich durchaus fragen, wie diese oder jene Äußerung in den aktuellsten Artikeln des WT zu verstehen sei. (Nr. 5, 6 und 7)

Dieses Verfahren wäre aber deshalb entschieden nachteilig, weil die Aussprache auf den kleinsten Kreis der Brüder begrenzt bliebe. Von solcher Aussprache ginge aber auch nicht der geringste Anstoß aus, ganz zu schweigen von einem Zwang dazu, bestimmte Sorgen vor allen Zeugen klarer aussprechen und unerträgliche Tatsachen, die uns bedrücken, mildern zu müssen. Versammlungen und Diener sollen in Harmonie mit Jehova gelangen können.

Der 'Wachtturm' Nr. 6 von 1972, Seite 182/183, beschreibt die Watch Tower Society' als "Körperschaft wie folgt:
Durch diese Änderungen wird erreicht, daß die Statuten der theokratischen Ordnung so weit entsprechen, wie es das Gesetz des Landes zulaßt."
(Orig. im engl. 'Wachtturm' vom Nov. 1944) Auf Seite 183 führt derselbe WT dann aus:
Damit diese Änderungen rechtsgültig wurden, mußten sie vom Staatsgericht genehmigt werden.
Im folgenden Jahr (1945) wurden sie urkundlich niedergelegt und so in die Statuten aufgenommen."

Hierzu möchte ich folgendes sagen:
Diese Frage habe ich schon einem Experten vorgetragen und mir danach meine Meinung gebildet:
(Frage. Kann "Christliche Verantwortung" das zusätzlich nachprüfen und dann publizieren?)
Sowohl der "Wachtturm" von 1944 als auch der WT von 1972, Nr. 6 vom 15. März, stellen dieses Verhältnis von Vereinsrecht (Körperschaft) (Vertragsgesetz) die Rechtsbeziehung "Watch Tower Soziety" zum Staat der USA bewußt falsch und damit nicht den Tatsachen entsprechend dar.

(Ich sage das deshalb so, weil der "Wachtturm" vom Herausgeber gebilligt werden muß.)
W a r u m tut die Gesellschaft das?
Will sie damit eine an sich weltliche Rechtspraxis für eine "theokratische Organisation" annehmbar und verzeihlich machen?
Will sich damit eine an sich weltliche Rechtspraxis für eine Gesellschaft moralisch aufgerechnet werden könnte?
Wohlgemerkt es handelt sich hier um ein Recht, das die "Watch Tower Society" in ihren Satzungen selbst begehrt und niedergelegt hat.

Der amerikanische Gesetzgeber hat der Gesellschaft die Satzungen ihrer Statuten nicht aufgezwungen, auch nicht vorgeschrieben.
Ich neige zu folgender Erkenntnis:
Der USA-Staat mischt sich nicht in interne Rechtsfragen der "Watch Tower Soziety" ein. Die Gesellschaft hat sich ihre Statuten gegeben, um mit Hilfe eines weltlich, gesetzlichen Spielraums Fragen lösen zu können, die aus einer Konfliktsituation innerhalb der "Körperschaft oder des "Präsidiums" entstehen mögen. Nur unter dieser Anleihe bei "der bösen Welt" ist die Gesellschaft in der Lage, Zwischenfälle und Auseinandersetzungen kraft eines für sie wirkenden weltlichen Gesetztes zu ihren Gunsten lösen zu können.

Die "Watch Tower Society" soll aus meiner Feder erfahren, gewiß über den Umweg durch "Christliche Verantwortung", daß Jehovas Zeugen in der DDR und darin eine nicht unerhebliche Gruppe, "offene Fragen" jederzeit klären können. Sie sind auch in der Lage, die zweckorientierten Kommentare des WT zum Ältestenamt, in jeder Frage zu durchschauen. Ich betone, in jeder Frage.

Es ist für uns äußerst wichtig, der Gesellschaft das in aller Form wissen zu lassen. Freilich, abweichend von bisherigen Gepflogenheiten. Indem ich diese Möglichkeit ergreife, profiliere ich die Lage der Brüder in der DDR dergestalt:

Die Gesellschaft soll also ganz deutlich wissen und berücksichtigen müssen, daß in der DDR gleichberechtigte Brüder im Werke des Herrn tätig sind.
Herrn Daum bitte ich zu prüfen, ob er diese Absichten in der von ihm verantworteten Zeitschrift publizieren kann."

Die Antwort
Verlangt die Regierung der USA eine "gesetzlich eingetragene Körperschaft" der Zeugen Jehovas?
(Siehe WT vom 1. 4. 1972, Nr. 7, Seite 216)
Zu dieser Anfrage eines "theokratischen Ältesten" an die Wachtturm-Gesellschaft, dem Brief, den wir diesem Artikel vorangestellt haben, beantwortet bzw. überprüft CV einige markante Fragen des sogenannten "theokratischen Ältestenamtes". (Siehe WT Nr. 7/72, Seite 218):

" . . . Dadurch, daß die g e s e t z l i c h eingetragene religiöse Gesellschaft auf diese Weise arbeitet, bleiben den Zeugen Jehovas die unangenehmen Schwierigkeiten, die Hindernisse, Zwischenfälle und Auseinandersetzungen erspart, die in nichtreligiösen Institutionen, in Industrie und Handelsbetrieben, in Gewerkschaften und staatlichen Einrichtungen der b ö s e n W e l t häufig auftreten." (gesperrte Schrift von CV)

Um diese Aussage des WT so recht würdigen zu können, sollten wir unbedingt noch einen Satz im WT Nr. 6/72, auf Seite 182 nachlesen:
"… In dem Bericht der in der englischen Ausgabe des WT vom 1. November 1944 erschien, hieß es: Durch diese Änderung wird erreicht, daß die Statuten der theokratischen Ordnung so weit entsprechen, wie es das Gesetz des Landes zuläßt'."

Fünf Zeilen vorher konnte der aufmerksame WT-Leser diesem Grundsatzartikel entnehmen:
"… die Zahl der Mitglieder (der gesetzlich eingetragenen Gesellschaft) sollte künftig auf 500 beschränkt sein, und sie sollten alle auf Grund ihrer Beteiligung am Dienste Jehovas ausgewählt werden."

Dieser Satz verdient es kaum wie ein anderer, die volle Aufmerksamkeit eines jeden Zeugen zu beanspruchen. Schreibt eine weltliche Rechtsinstitution der USA der WTG vor, daß ihre "Gesellschaft" 200, 300 oder 500 Mitglieder nicht überschreiten solle?
"… und sie sollten alle auf Grund ihrer Beteiligung am Dienste Jehovas ausgewählt werden." (WT 6/72, Seite 182) Praktisch würde das ja bedeuten:
Eine weltliche, "staatliche Einrichtung der bösen Welt", siehe WT 7/72, Seite 218, entscheidet darüber, was die theokratische Ordnung verlangt bzw. was die Zeugen Jehovas tun müßten, um dieser theokratischen Ordnung weltlicher Zeugung zu entsprechen.

Das sind doch geistige Ausschweifungen des "Wachtturm", wohin soll uns denn eine solche Verkleisterungs-Logik führen, erfunden zu dem Zwecke Jehovas Zeugen zu täuschen.
Will uns denn anderenfalls der "Wachtturm" glauben machen, der amerikanische Gesetzgeber habe der WTG bis zum Jahre 1944 vorgeschrieben:
" . . . stimmberechtigt in der 'Gesellschaft' (der WTG) sei nur dasjenige Mitglied, das pro Stimmenanteil in der Gesellschaft' 10 Dollar hinterlegt habe."
(Siehe WT Nr. 6/72, Seite 182)

Sind WT-Autoren bei Winkeladvokaten in die Schule gegangen, wenn sie uns folgende Logik beibringen wollen. Auf Seite 183, Absatz 33 eben dieser WT-Nr. heißt es nämlich:
"… Damit diese Änderungen (der Statuten der WTG) rechtsgültig wurden, mußten sie vom Staatsgericht genehmigt werden. Im folgenden Jahr (1945) wurden sie urkundlich niedergelegt und so in die Statuten aufgenommen."

Hat vielleicht jemals ein ominöses "Staatsgericht der USA" verlangt, die WTG geänderte Statuten zur Genehmigung einreiche? Verlangt wurde nur die rechtliche Beglaubigung der Statutenänderung, weil sonst kein Recht mehr hinsichtlich eines Vertrages bestünde, eines Zustandes also, den die WTG selbst gewünscht und in ihren Statuten niedergelegt hatte.

Aus gutem Grunde hat der "Wachtturm" verschwiegen, warum die WTG sich überhaupt um den Rechtsstatus "einer gesetzlich eingetragenen Körperschaft" beworben hatte. Angeblich sollte damit einer Forderung entsprechend "den Gesetzen des Landes" Genüge getan werden. 1920 legte Präsident Rutherford Satzungen für das "Zentral-Europäische-Bureau" fest, darin hieß es:

"… Dieser Hauptleiter (General-Manager) des mitteleuropäischen Bureaus wird vom Präsidenten der Watch Tower and Tract Society ernannt, und die L e h n b a r k e i t seines A m t e s hängt vom Willen des genannten Präsidenten ab."
"… Der örtliche Leiter (Manager), dessen Wahl vom Präsidenten der Gesellschaft entschieden wird …, wird ein völlig dem Herrn geweihter Bruder sein . . . Er wird vom Präsidenten ernannt und behält seine Stellung so lange es demselben gefällt."

Es sollte uns erinnerlich sein, daß es im Jahre 1920 noch "Wahlälteste" gab, die ja wie bekannt, erst mit dem Jahre 1939 endgültig kaltgestellt wurden. Trotzdem gab es schon diese konzentrierte Macht in der Hand des Präsidenten der WTG.
Hieraus spricht ein Amtsverständnis, wie es wohl nur in der Spitzengliederung eines weltlichen Geschäftskonzerns gedacht werden konnte und solcher Rede bediente sich auch der Präsident. In diese Landschaft paßt durchaus, daß ein Zeuge Jehovas stimmberechtigt in der "Gesellschaft" wurde, wenn er einen 10-Dollar-Anteilschein erwarb.

Der Wachtturm ist einfach unredlich, wenn er den Eindruck zu wecken sucht, als würden die "Gesetze des Landes", in diesem Fall der USA, in die innere Verfassung der WTG eingreifen, um mit Hilfe staatlicher Zwänge, eine Gleichschaltung der WTG mit weltlichen Einrichtungen durchzusetzen.

Über die Wählbarkeit in ihrer "Körperschaft bzw. im Präsidium entscheidet die WTG völlig nach eigenem Ermessen.  Die Vorschriften, wie dort etwas geschehe, reicht die WTG zur Beglaubigung an das "Staatsgericht" ein, dann erst - danach werden diese WTG-eigenen Zwänge rechtsverbindlich. Auf diese Weise bestimmt die WTG auch verfahrensrechtliche Vorschriften in ihrem Präsidium. Zum Beispiel diese:
Ob ein Präsidium von 7 Mitgliedern geschäftsfähig ist, wenn 3 Mitglieder fehlen und ob sie durch Vollmachtserklärungen vertreten werden können.

Oder glaubt der WT wirklich er könne uns einreden, der WTG-Präsident werde praktisch auf Lebenszeit gewählt, weil der amerikanische Staat eine solche Forderung an die WTG gestellt habe. Die WTG bestimmt absolut frei darüber, wie und wo Machtkämpfe um Führungsansprüche in der WTG ausgetragen werden.
Jeder Zeuge sollte sich vergewissern, warum die Statuten der WTG eine 30-Tage-Klausel für die Wahl der WTG-Direktoren (Beamten) einräumen.

Hierin auf Nummer Sicher zu gehen, das ist der Hauptzweck, warum solche Geschäftsordnung, interne Satzungen, Klauseln und Vorbehaltsrechte schriftlich niedergelegt und vertraglich fixiert werden. Eine nur "theokratische Ordnung" würde überhaupt keine Handhabe bieten, wenn das Bedürfnis danach bestünde, etwa ein Mitglied des Präsidiums nach formalrechtlichen Vorschriften an die frische Luft zu befördern, wie schon praktiziert. Diesen Hebel bietet nur das "weltliche Recht", das die WTG selbst "als von der bösen Welt" bezichtigt hat, siehe WT Nr. 7/72, Seite 218

Immer noch war es so, "daß der Schwanz mit dem Hund gewedelt hat", doch dazu braucht er das "verderbte" weltliche Recht, niemals war der Hund mit Wedeln an der Reihe.

Wie schrieb doch dazu der WT 7/72 so überaus herzerfrischend:
"… Die stimmberechtigten Mitglieder der Gesellschaft möchten also nicht die Voraussetzungen für einen Konflikt oder Zwiespalt schaffen. Sie möchten es nicht so weit kommen lassen, daß die leitende Körperschaft, die die Klasse des 'treuen und verständigen Sklaven' vertritt, von dem Verwaltungsorgan, dessen sie sich bedient, beaufsichtigt und geleitet wird. Schließlich wedelt der Schwanz nicht mit dem Hund, sondern der Hund wedelt mit dem Schwanz.

Ein den Bestimmungen des C ä s a r s entsprechendes religiöses Rechtsinstrument sollte nicht versuchen, seinen Urheber zu beaufsichtigen und zu leiten, sondern es sollte von seinem Urheber beaufsichtigt und geleitet werden."
(Seite 216, rechte Spalte)

Dieser Satz mit dem "Hund" und dem "Schwanz" ist Augenpulver, ausgestreut zu dem Zwecke, Jehovas Zeugen schläfrig zu machen. Ein darin angebotener Liberalismus täuscht Reform am Machtgefüge in der WTG nur vor.
Es ist eine sentimentale Selbstbespiegelung, vielleicht eine sehnsüchtige Hoffnung, die darin zum Ausdruck gebracht wird. Es bleibt alles so in der WTG wie es war, nur werden jetzt Schachzüge vollführt, um die Wirksamkeit vorhandener Möglichkeiten noch zu verstärken. Im Hinblick auf "1975" haben wir auch nichts anderes zu erwarten, im Gegenteil.

Im Präsidium der WTG fallen alle Entscheidungen der WTG, das Präsidium bzw. die "leitende Körperschaft" ist und bleibt Vollzugsorgan, das scharfe Schwert der WTG. Nur in einem solchen Rahmen von 7-11 Personen kann die WTG sich anbahnende Rivalitäten und Konflikte rechtzeitig überschauen und regulieren. Ein hier wirkendes Kräftespiel kann man nur weltlich, politisch übersetzen, eine andere Vergleichsbasis gibt es nicht.

Wir beweisen diese Behauptung, denn die WT-Gesellschaft der 450 Mitglieder hat ja nur eine beratende Funktion. Fein schlau und ausgeklügelt ist die "Körperschaft so von ihren geistigen Vätern aufgebaut worden, daß in diesem Gremium ca. 200 Mitglieder zum "gesalbten Überrest" gehören und über 250 Glieder "andere Schafe" sind. Dieses Ungleichgewicht lähmt also praktisch und absichtlich die mögliche direkte Einflußnahme der Körperschaft, denn "andere Schafe" genießen kein Wahlrecht.

Damit ist die Funktionstüchtigkeit der "Körperschaft von vornherein absichtlich blockiert, da in ihr über 250 Statisten amten, die auch die Mitglieder des "Vorstandes der Watch Tower Society" nicht wählen können. (Siehe WT 7/72, Seite 214 - Wer sich dann bis zur Seite 216 vorgelesen hat, stößt auf die höchst bemerkenswerte Aussage:
" . . . Ein den Bestimmungen des C ä s a r s entsprechendes religiösen Rechtsinstrument sollte nicht versuchen, seine Urheber zu beaufsichtigen und zu leiten."

Sehr schön dieser Satz, wie er so dasteht in seiner erhabenen Größe und Glaubwürdigkeit beansprucht. Mit dem "Urheber" ist hier ohne Zweifel die "leitende Körperschaft" von 11 Personen gemeint. Zu dieser Pyramidenspitze verjüngt sich bekanntlich der Anteil der Überrestglieder von etwa 200 in der "gesetzlich eingetragenen Gesellschaft" Und wo bleiben die Rechte der übrigen ca. 10 000 Überrestmitglieder"?
W. D.

Immer mehr veranwortungsbewußte Brüder durchdenken die Lage der Organisation in der DDR
Viele Gedanken und Überlegungen bewegen inzwischen eine große Zahl Brüder und Schwestern, die über die Lage des Werkes in unserem Lande nachdenken und nach einer Lösung suchen. Es muß allerdings gesagt werden, daß in entscheidenden Fragen dabei noch vielfach von Voraussetzungen ausgegangen wird, die einfach nicht oder noch nicht gegeben sind. Aber auch mangelhaftes Betrachten dessen, was die WTG in religiös-politischer Hinsicht tatsächlich verfolgt, und was nicht verleugnet werden kann, liegt dabei mit zugrunde.

Dennoch, es zeichnen sich durchaus hoffnunsvolle Ansätze ab, die jeder weiter verfolgen und durchdenken sollte. Wie weit der WTG das selbst lieb und angenehm ist, bleibt dahingestellt. Denn es ist ein Zeichen zunehmender christlicher Mündigkeit unter den verantwortlichen Dienern, wie das auch mit der Forderung des Apostels Paulus, "die Merkmale eines Unmündigen abzulegen" (l. Kor. 13:11 NW) denn der rechte Weg ist.

Was sie durchdenken und überlegen
Seit 1950 seien nunmehr über 20 Jahre vergangen, seit die Organisation unter der WTG-Leitung verboten ist. Nun, das stimmt.
Sodann: Die Tätigkeit der Zeugen unter WTG-Leitung sei in dieser Zeit auch immer dieselbe geblieben. Auch das stimmt. Leider, muß man aber hinzufügen. Und das ist keinesfalls positiv, um die Probleme zu lösen. Es ist nämlich auch die antikommunistische politische Tendenz in der WT-Verkündigung geblieben.

Hat man das übersehen?
Weiter wird gefragt: Warum verbietet man die WTG-Tätigkeit, obgleich andere Religionsgemeinschaften und Kirchen erlaubt sind. So werde eine Minderheit - die Zeugen - mißachtet und diskriminiert oder ungesetzlich behandelt.
Dazu zunächst. Den Vergleich mit den anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften sollte man besser ausklammern.

Sodann konkret: Was der WTG verboten ist, sei den Kirchen usw. erlaubt?
Das stimmt einfach nicht. Für alle gilt als Rahmen die sozialistische Verfassung. Der politische Hauptunterschied besteht darin, daß die Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften diese Verfassung grundsätzlich respektieren, die WTG dagegen durch ihren Antikommunismus bzw. Antisozialismus laufend die Verfassung verletzt.

Dann: Alle anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften anerkennen im Prinzip ihre humanistische und soziale Mitverantwortung als Christen ihr, irdisches Leben in Staat und Gesellschaft betreffend. Sie haben dementsprechend eine prinzipiell positive Einstellung zu "Obrigkeit" und "menschlichen Ordnung', die hier nun einmal politisch sozialistisch bzw. kommunistisch ist. (Römer 13:1-7, 1. Petrus 2:13 Me)

Das trifft aber auf die WTG-Tätigkeit und entsprechende Einstellung zur "menschlichen Ordnung" keineswegs zu! Die WTG-Haltung ist nach wie vor unverändert antikommunistisch bzw. antisozialistisch, und insofern "obrigkeits", "ordnungs"- oder staatsfeindlich.

Dann wird an das Verständnis des Staates appelliert, die Haltung gegenüber der WTG-Tätigkeit neu zu durchdenken Angesichts der unveränderten politisch antikommunistischen Tendenz in der Verkündigung wird hier völlig an die falsche Adresse appelliert. Der Appell muß sich an die WTG richten.

Sie muß ihre politische Haltung grundsätzlich überprüfen, nicht umgekehrt. Hier ist der Beweis.
Es wird nämlich erklärt, es stimme nicht, daß die WTG immer noch vom Kapitalismus ausgenutzt werde. Zunächst ist das ein bemerkenswertes Eingeständnis. Es stimme nicht, daß die WTG immer noch . . . ? Also hat es gestimmt War das gemeint?

Nun aber zum Beweis, wie es heute wirklich aussieht. Der WT vom 15. September 1961, Wiesbaden, proklamierte auch für die Verkündigung der DDR: "Kampf gegen gottlose totalitäre Elemente - in der Kraft Jehovas den Kommunismus besiegt". (S. 563)

Was heißt das? Was ist Kommunismus? Das sind die kommunistischen Parteien, die sozialistischen Parteien, die sozialistischen bzw. kommunistischen Regierungen und Staaten, die sozialistische bzw. kommunistische menschliche Gesellschaftsordnung, um das wichtigste zu nennen. Dagegen richtet sich also der WTG-Kampf, soll sich der Zeugen-Kampf richten. Und was proklamiert die WTG für Jehovas Zeugen in ihrem neuesten Studienbuch über die Offenbarung, in "Babylon die Große ist gefallen"? Dort heißt es: "Die Haltung der Zeugen Jehovas gegenüber dem Weltkommunismus hat sich nicht geändert"! (S. 537) Und damit macht ihr doch nach wie vor eure "Heimbibelstudien" unter den Menschen!

Der antikommunistische Kampf der WTG gegen sozialistische und kommunistische Parteien, Regierungen und Staaten hat sich also nicht geändert! So sieht es immer noch aus! Und wo ist das einzuordnen?

Da schreibt z. B. der Mitarbeiter der westdeutschen "Außenpolitik, Zeitschrift für internationale Fragen", Dr. A. von Schack, Bonn, die westliche Politik gegenüber den sozialistischen Ländern werde auch "unter Ausnutzung religiöser Überlieferungen" geführt mit dem Ziel, "Abneigung gegen das kommunistische System zu schaffen und die Autorität der dort Regierenden zu untergraben"! (11/1962, S. 773 ff) der WT-Kampf gegen den Kommunismus liegt auf genau dieser Linie! Wird durch diesen Kampf nicht jegliches Vertrauen in die sozialistische bzw. kommunistische "Obrigkeit" vernichtet? Es ist hier sehr nützlich, die 1970 in der DDR vom Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin veröffentlichte Arbeit "Die Zeugen Jehovas", eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft, zu lesen! (Sie ist in jeder größeren einschlägigen Leihbibliothek erhältlich. Auch die CV-Leitung kann leihweise helfen)

Steht in der Schrift etwas von einem Auftrag für die Zeugen, die "Obrigkeit" und "menschliche Ordnung" des Kommunismus (Sozialismus) zu bekämpfen und zu besiegen? Das Gegenteil steht in der Schrift: "Seid aller die Menschen betreffenden Ordnung um des Herrn willen untertan"! (l. Petr. 2:13 Me) Wer muß also seine Haltung in Wahrheit überprüfen?

Was zunächst geboten erscheint
Die Tatsachen und wirklichen Sachverhalte beweisen es: Die WTG muß ihre Haltung zu Regierung und Staat grundsätzlich überprüfen. Sie muß sich hier prinzipiell ändern. Die Ursachen der Probleme liegen bei ihr, nicht umgekehrt Wer das nicht erkennt, muß sich sagen lassen, daß er vor der falschen Tür kehrt.

Die CV-Leitung ist bereit, unabhängig von allen anderen Fragen und Kritiken, dieses Kernproblem mit allen Brüdern zu erörtern, die ihre Verantwortung erkennen, in Übereinstimmung mit einem schriftgemäßen Verhalten zu "Obrigkeit" und "menschliche Ordnung" zu gelangen und zu handeln.

Die CV-Leitung ist bereit, die Diskussion und Klärung dieser Fragen öffentlich vor den Versammlungen in der CV-Schrift auszutragen. Dies kann und darf keinesfalls heimlich und hinter dem Rücken der Versammlungen geschehen, die das biblische Recht haben (Apg. 17:10, 11) zu entscheiden, ob sich die Sache schriftgemäß verhält oder nicht. CV ist das einzige mögliche Forum für eine solche öffentliche schriftgemäße Klärung der anstehenden Fragen. Sendet eure in Ruhe und mit guter Überlegung in "genauer Erkenntnis" ausgearbeiteten Fragen und Beiträge an CV! Sie werden hier frei diskutiert. Das ist der beste Anfang, den Stein gemeinsam ins Rollen zu bringen. Jeder verantwortliche Diener ist zudem hiermit offiziell aufgefordert. Es gibt keinen anderen Weg, als die zunächst in der Organisation und Verkündigung selbst eine schriftgemäße Wende in der Haltung zur politischen "Obrigkeit" und "Ordnung" vollzogen wird. Wer soll das herbeiführen? Niemand anders ist dazu verpflichtet. Oder sind die "Hirten der Herde" dazu unfähig?

Es gibt also heute die Möglichkeit die zur Diskussion stehenden Grundfragen hinreichend - unabhängig von allen anderen Dingen - zu erörtern und zu klären, unter Einbeziehung aller Versammlungen. Es ist nur eine Frage der ehrlichen Absicht und des guten Willens. Zur Vorbereitung darauf sei auch auf folgende bisherigen CV-Beiträge zu diesen Grundfragen hingewiesen:

"Christ und Gesellschaft", CV 1, Okt. 1965. - "Jehovas Zeugen - gesellschaftsfeindlich?". "Mit Politik nichts zu tun?". "Wie Du die WTG-Politik verantworten sollst", CV 4, Juli 1966. - "Theokratische Kriegslist - Oder die WTG-Weisungen, Behörden und Gerichte der DDR zu belügen und zu täuschen", CV 6, Nov. 1966 - "Weltkommunismus, wie Gott ihn beurteilt?", CV 10, Juni 67. - "Ist die Leitung der Wachtturm-Gesellschaft zu einer Verständigung bereit?", CV 12, Oktober 1967. - "Eingesandter offener Brief an Wachtturm-Redakteur Günter Künz", CV 13, Dezember 1967. - "Von hinterhältigen Dingen lossagen. 2. Kor. 4:2 NW", CV 14, Januar 1968. - "Jehovas Zeugen in Afrika - Opfer asozialer Lehren", CV 18, August 1968. - "Bietet die neue Verfassung der DDR eine Chance für Jehovas Zeugen?", CV 19. September 1968. "Im Verkehr mit den Nichtchristen ehrbar wandeln", CV 23, März 1969. - "Biblischer Rat im Rückblick auf die Kommunalwahlen vom 22. März 1970 in der DDR", CV 31, März 1970. - "Es kann sich niemand der Verantwortung entziehen", CV 33, Oktober 1970. - "Wegweisung für Jehovas Zeugen in der sozialistischen Gesellschaft", CV 34, Dezember 1970. - "Für einen schriftgemäßen christlichen Wandel", CV 36, September 1971.
Auch im Zweigbüro in Wiesbaden erfolgt eine sorgfältige Sammlung aller CV-Schriften.
Die CV-Leitung

Hoffnung und Angst
Aus einem Film über "Jehovas Zeugen" des westdeutschen Fernsehens vom November 1971, hergestellt im Auftrag des "Bayrischen Rundfunks", übernehmen wir im nachfolgenden einige bemerkenswerte Kommentare, die aus der Sicht des Außenstehenden gesehen, sicher ein interessantes Urteil darstellen:

"Ein Zeuge Jehovas zu sein, heißt, das Königreich Gottes auf Erden zu verkünden, jedem Menschen von der einen großen Hoffnung zu berichten, daß noch innerhalb unserer Generation, etwa 1975, die Erde in ein Paradies verwandelt wird. Die Hoffnung, Bewohner dieses Paradieses zu sein, nicht sterben zu müssen und ewig glücklich zu leben ist die Antriebskraft der Zeugen Jehovas: die andere ist Angst.

Die Angst, in der großen Schlacht, in der Gott zuvor alles Böse vernichten wird nicht zu überleben und den endgültigen Tod zu erleiden.
Hoffnung und Angst beruhen auf einem wörtlichen, von theologischen Abstraktionen ungetrübten Bibelverständnis. Die Heilige Schrift ist ein System sich ständig erfüllender Prophezeiungen. Alle Ereignisse von der Luftverschmutzung bis zu weltpolitischen Spannungen, ja selbst die Existenz der eigenen Organisation, der Wachtturm-Bibel und Traktat-Gesellschaft, werden als erfüllte biblische Voraussagen gedeutet, und damit zu "Beweisen" für das unmittelbar bevorstehende Ende dieser Systeme und den Anfang des Tausendjährigen Reiches des Friedens.

Gottes Organisation zur Verkündigung des Königreiches hat sich ein Organ geschaffen, das Angst und Hoffnung wachhält und wöchentlich einmal in jeder Versammlung auf der ganzen Welt studiert wird. Da die Organisation gemäß ihrem Selbstverständnis allein weiß, was dem Glauben nützt, bestimmt sie die Artikel, die gemeinsam zu lesen sind und schreibt auch die Fragen vor, die der Gemeindevorsteher seinen Gläubigen zu stellen hat.

Den Inhalt des Wachtturmes zu kennen ist aus zwei Gründen wichtig: einmal, den eigenen Glauben zu stärken, Angst und Hoffnung neue Nahrung zu geben, und dann soll der Wachtturm auch verteilt und sein Inhalt anderen Menschen nahe gebracht werden, was eine gründliche Kenntnis voraussetzt.
Höhere Diener organisieren die vielen Kongresse, die das Predigtwerk ins öffentliche Bewußtsein bringen und dem einzelnen Zeugen die Stärke seiner Organisation bildhaft vor Augen fuhren sollen. Im internationalen Kontakt mit Glaubensbrüdern gewinnt der einzelne neuen Ansporn für seine zermürbende Tätigkeit von Tür zu Tür. Bei den Kongressen findet auch die Taufe statt, mit der jeder Zeuge Jehovas offiziell in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen wird.

Zeuge Jehovas zu sein, heißt, für seinen Glauben öffentlich einzustehen, die Argumentation mit Andersdenkenden zu suchen und zu überzeugen. In der Predigtdienstschule lernt der Zeuge seine Scheu vor anderen Menschen zu überwinden, hier erfährt er Spielsituationen, wie er anhand der Literatur der Organisation mit den Fragen und der Kritik seiner Gesprächspartner fertig wird.
Ein älterer und erfahrener Zeuge Jehovas, der Schuldiener, beurteilt die einzelnen Darbietungen. Abgesehen von Ratschlägen, wie man es noch besser machen könnte, ist die Bewertung immer gut, denn es geht ja um eine Stärkung des Selbstbewußtseins. Und dieses braucht der kleine Verkündiger, denn für eine Bekehrung müssen durchschnittlich 9500 Predigtstunden aufgewendet werden.

Jung oder neu zu sein in Jehovas Organisation heißt, sich der Reife und dem Wissen ihrer sichtbarsten Vertreter zu unterwerfen. Verzicht und Gehorsam - die Organisation nennt es Wertschätzung - isoliert Kinder und Jugendliche beizeiten von den harmlosen Vergnügungen ihrer Altersgenossen . . .
Die ZJ kennen, vordergründig gesehen, keine hierarchische Organisation, wie sie die anderen Kirchen prägt: Sie sind Brüder und Schwestern, alle predigen und sind aktiv, es gibt nicht Rezipienten und Kommunikatoren. Ihre Oberprediger heißen "Diener". Die Frage stellt sich, ob dem wirklich so ist, und wer beispielsweise hinter den anonymen Artikeln im "Wachtturm" steht . . . (Ruhe und Ordnung als erste Bürgerpflicht. Achtung vor den Besitzenden und Regierenden. Verunglimpfung von Gewerkschaften und sozialen und politischen Reformen). Siehe auch die Stellungnahme der CV-Leitung in CV 39, Seite 5, zu bestimmten Äußerungen von Zweigdiener R. Kelsey, Wiesbaden, zu diesem Film.
D. D.

INTERESSANTE MITTEILUNGEN
Mißbrauch des Glaubens
"Eine Lücke auf dem Buchmarkt wird durch das Erscheinen einer von Manfred Gebhard bearbeiteten und herausgegebenen Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft geschlossen. Der Verfasser verstand es ausgezeichnet, eine Vielzahl interessanter Informationen, zahlreiche Schriftstücke und Fotos sowie statistische Angaben zusammenfassend dazustellen . . .

Ausführlich geht Gebhard in seinem Buch auf die theologisch unhaltbare Auslegung besonders von neu- aber auch alttestamentlichen Textstellen durch die Zeugen Jehovas ein. Das von ihnen propagierte Weltende - fälschlicherweise auf ein bestimmtes Jahr festgelegt - wurde in wissenschaftlich durchaus anfechtbarer Art zuerst auf 1874 und dann auf 1914 bezogen. Eine willkürliche Auslegung verschiedener Texte aus der Offenbarung des Johannes soll dazu dienen, Christen von der politischen Verantwortung bei der Errichtung der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft und von der aktiven Unterstützung der antiimperialistischen Kräfte abzuhalten.

Die Lektüre dieser aufschlußreichen und mit wissenschaftlich untermauerten Angaben versehenen Dokumentation bietet sowohl dem politisch als auch theologisch Interessierten zahlreiche Informationen über das vielfältige Wirken reaktionärer Kräfte in pseudo-christlichem Gewand."
Aus "Der Demokrat" vom 12. 12. 1971

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"Christliche Verantwortung": Herausgeber Wolfgang Daum, 65 Gera, Böttchergasse 1 - DDR. Erscheint monatlich! Preis: M 0,20, Jahresabonnement M 2,00. CV kann auch kostenlos bezogen werden. Konto-Nr. 4562-43-8015 Kreis,- und Stadtsparkasse Gera.

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