CV 257
Der Weltpolitische Crash des Ostblocks, Ende der 1980er Jahre, hatte auch
Auswirkungen auf die WTG-Politik.
Mehr zu diesem Thema, in einem Beitrag am Schluss dieser CV-Ausgabe.
CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
SCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜRINGEN
NR. 257 GERA II/1991
WER SCHÜTZT DIE ARGLOSEN VOR IHREN "BESCHÜTZERN"?
Hesekiel 34:11
Um sie zu schützen warnte Jesus seine Jünger vor selbstsüchtigen Hirten, indem er sprach:
Viele werden in meinem Namen kommen und sagen: Ich bin DER Christus".
(Matthäus 24:4,5)
Zu sagen: ich bin der Christus", bedeutet aber, sich selbst auch das Hirtenamt anzumaßen, das nur Gott allein zusteht. (Hesekiel 34:11). In Jesus Christus übt Gott das Hirtenamt aus (Johannes 10:11).
Die, vor denen Jesus warnte, geben vor, ihr Werk" in der Vollmacht Christi zu tun. Sie erklären sich selbst zur hirtengleichen Organisation", geben der Herde, die ihnen vertraut, nicht den mindesten Schutz.
Das Bild von Hirt und Herde, das Jesus gebraucht, ist eine Veranschaulichung, nicht mehr und nicht weniger! Es zeigt zutreffend die aufopferungsvolle Tätigkeit und Fürsorge des Hirten. Der Teil des Bildes, der sich mit der Schafherde befaßt, ist nur bedingt zutreffend. Weshalb?
Darum, weil es einen entscheidenden Unterschied gibt zwischen einer buchstäblichen Herde und einer solchen, wie Jesus sie meinte. Ein Hirte mag mit seiner Herde noch so sorgsam umgehen, sie beschützen, für sie wachen, und sie zu den besten Weideplätzen führen - er tut es letztlich doch nicht aus Liebe zu den Schafen, sondern um der Wolle, des Falles und des Fleisches wegen, kurz um des Nutzens willen, den die Herde ihm oder dem Besitzer bringt.
Dies ist der Punkt, in dem das Bild von Hirt und Herde aus dem Rahmen fällt", denn alles, was der GUTE HIRTE für seine Schafe tut, geschieht um der Schafe" selbst willen. Weder ihr Hirt", noch ihr Besitzer" wollen sich an den Schafen" bereichern. Diese Schafe" sind Menschen, die sich in der Knechtschaft der Sünde und des Todes befinden. Der GUTE Hirte nützt den jammervollen Zustand der Schafe" nicht aus. Er macht kein Geschäft mit ihren Ängsten und Nöten. (Matthäus 9:36)
In Hesekiel Kapitel 34 wird mehrfach von den Hirten gesprochen, die sich selbst weiden". Gott kündigt das Ende dieses Zustandes an, indem er sagt, daß ER sich selbst um die Schafe kümmern wird. (V. 11)
Er setzt den EINZIGEN Hirten ein, seinen Knecht David!
(V. 23) In Jesum Christum erhält die Weissagung Hesekiels ihre volle Bedeutung. (Johannes 10:11)
Ein falscher Hirte, der sich selbst als Gottes "treuer und verständiger Sklave" versteht, macht, anstatt! auf Christus, auf sich selbst aufmerksam. Er sagt:
"Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott". (Wachtturm vom 1.8.1956, S. 474) Er behauptet weiter:
"Den Anweisungen des Sklaven folgen, heißt Gott folgen". (Wachtturm 1957, S. 498) Sein Anspruch gipfelt in dem Satz:
"Die Wachtturmgesellschaft ist der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden".
(Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 148)
Mit solchen übersteigerten Ansprüchen des falschen Beschützers werden Menschen ermuntert, ihm zu folgen, wie man Gott selbst folgt. Um sein angemaßtes Hirten- und Beschützeramt zu begründen, bezieht sich der falsche Hirte auf die immer vorhandenen allgemeinen und persönlichen Schwierigkeiten, die es in der Welt, und beim einzelnen Menschen im besonderen gibt. Zuerst versetzt die WTG die Menschen durch Wort und Schrift in Furcht, um ihnen dann ihre Hilfe beim Überwinden dieser Furcht anzubieten.
Die vom menschlichen Dasein nicht zu trennenden Nöte, Ängste und Schwierigkeiten aller Art werden demagogisch als etwas einmaliges und besonderes hingestellt und als Zeichen des Weltendes gedeutet. Das Prinzip der Eskalation des Unheils stellte aber schon Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus dar. (2. Tim. 3:1-5; :13) Gott will allen Menschen das Angebot der Rettung machen, nicht nur einer potentiellen "letzten Generation"!
Es hat wohl keine Epoche der Weltgeschichte gegeben, die nicht ihre Weltuntergangs-Prediger hervorgebracht hätte. Sie kamen und gingen, so, wie die Ereignisse, die das Handlungsmotiv für diese Propheten bildeten, wellengleich heranrollten und wieder verebbten. Die "Begleitmusik" lieferten oft Fanatiker wie die Veitstänzer oder die Flagellanten. Doch mancher Mensch ging ehrlich in sich, den jammervollen Zustand überdenkend, in dem sich sein eigenes Verhältnis zu Gott befand, um aufrichtig Buße zu tun.
Das Kunststück der Wachtturmgesellschaft
Entgegen den Gepflogenheiten der meisten Untergangspropheten, nach Ablauf der von ihnen vorgegebenen Frist wieder von der Bühne zu verschwinden, hat sich die Wachtturm-Organisation schon weit über hundert Jahre halten können. Und das, obwohl ihre Vorhersagen niemals eingetroffen sind! Dieses Kunststück ist ihr gelungen, weil sie im Laufe der Zeit die Bedeutung von Ereignissen und die Berechnungen von Zeiten, die von ihr veröffentlicht worden waren, immer wieder geändert hat.
Die Mitverbundenen wurden und werden in einem ständigen Erwartungsdruck gehalten. Dadurch bleiben sie im Bannkreis der "Gesellschaft". Ohne Verlegenheit, ohne Reue, werden die prophetischen Fehlleistungen der Vergangenheit heruntergespielt und bagatellisiert.
Anstatt etwas zu bereuen, wird die Erweckung unerfüllbarer Erwartungen von der WTG selbst als "Eifer" interpretiert, der sich "das neue System früher, als es nach Gottes Zeitplan vorgesehen war, erhoffte". (Wachtturm 15.3.1986, S. 19)
Weiterhin wird behauptet, daß sie "dadurch, daß wir unser Verständnis etwas revidieren mußten, nicht zu falschen Propheten geworden" sind.
Was hat eine solche Fehlleistung denn mit "Verständnis" zu tun, und was der verniedlichende Ausdruck "etwas revidieren" mit den Tatsachen? Welche Gewißheit gibt es dafür, daß es nun und für immer bei der "kleinen Richtigstellung" bleiben wird? Wahr ist, daß jeder, der auch nur den geringsten Zweifel an den 'Hochgeschraubten hegte, die in Verbindung mit dem Jahr 1975 von der "Gesellschaft" aufgebracht wurden, mit schweren und ernsten Vorwürfen rechnen mußte. So wurde zum Beispiel der Verfasser dieses Artikels von "reifen Brüdern" dahingehend befragt, ob er sich denn noch als Zeuge Jehovas fühle, oder ob er etwa am Wachtturm zweifle?
Weil alles, was diesen Themenkomplex betrifft, mit Gott, Christus und Seinem Reich zusammenhängt, ist die Sache viel, viel ernster, als mancher zunächst denken mag. Es geht hier nicht um einen Lapsus, einen belanglosen Irrtum, sondern eine Erkenntnis von unübersehbarer Tragweite tut sich auf.
Alles vorbehaltlos und ungeprüft schlucken
Die Menschen, die seit vielen Jahren die WT-Schriften "studieren", und sich daher selbst als reife Christen betrachten, müßten sich, wenn sie darüber nachdächten, eingestehen, daß sie alles, was im WT steht, vorbehaltlos und ungeprüft schlucken. Fast ausnahmslos haben alle zu den unechten "Erkenntnissen" ihrer Leitung gestanden. Der Beweis: wer nur ein wenig zweifelte, wurde sofort ernsthaft ermahnt. Es war nie dem einzelnen anheimgestellt, ob er einen Irrtum mit der Gesellschaft teilen wollte, oder nicht!
Diese weltweite Gemeinschaft von WT-Lesern hat sich immer und immer wieder als eine Gruppe von Menschen erwiesen, die SEHR LEICHT getäuscht werden kann! Dafür kann es kein Reifezeugnis geben!
Weil die Irrtümer so groß und gravierend sind, kann selbst der WT nicht völlig umhin, wenn auch in stark abgeschwächter Form, von Zeit zu Zeit zuzugeben. Selbst ein "etwas revidiertes Verständnis" ist eben nicht "fast richtig", sondern ganz schlicht falsch! Und, was noch viel schlimmer ist, es wurde geglaubt und eifrig kolportiert! Weil treue WT-Leser nie zweifeln, wissen sie niemals, was vom Inhalt ihrer geliebten Zeitschrift bleibend sein könnte, und was nicht! Somit ist die Annahme jedes Irrtums, er mag groß sein oder klein, von vornherein sicher. Der WT-Leser schluckt alles, was ihm vorgesetzt wird, und sein "Unterscheidungsvermögen" besteht im allgemeinen nur darin, daß er darauf achtet, daß seine "Speise zur rechten Zeit" auch ja in Brooklyn zubereitet wurde. Geprüft wird nur das Etikett, nicht aber der Inhalt der Verpackung.
So, wie die allermeisten professionellen WT-Leser die wenigen halb-und-halb zugegebenen Irrtümer nicht bemerkten, so natürlich auch nicht die vielen, die niemals zugegeben wurden. Und wenn, dann höchstens indirekt, indem ein früher behandelter Gegenstand neu interpretiert wurde.
Wer oder was schützt vor den "Beschützern", wenn diese hauptsächlich auf den Nutzen aus sind, den sie von den "Schafen" haben? Denn der Nutzen und die exerzierplatzmäßige Ausrichtung der "Herde" haben unbedingt Vorrang vor ihrem geistlichen Wohlergehen.
So stellt sich also der Zustand einer Herde dar, die nicht von Jesus Christus, dem GUTEN HIRTEN, geweidet wird: geistlich unterernährt, leicht zu täuschen, ohne Widerstandskraft gegenüber Irrtümern. So läßt ein scheinbar harmloser Vorgang, ein "Revidieren", bei genauerem Hinsehen die gefährlichen Symptome eines geistlich trostlosen Zustandes der "Herde" erkennen.
Im Buch "Das Paradies für die Menschheit wiederhergestellt" heißt es auf Seite 355:
"Jehova, der Gott der wahren Propheten, wird alle falschen Propheten in Schande geraten lassen... indem er seine eigenen Prophezeiungen auf eine Weise verwirklicht, die zu derjenigen der falschen Propheten im Gegensatz steht".
Wer den Nutzen und das Sagen hat
Russells Nachfolger, "Richter" Rutherford, gab ein bezeichnendes Beispiel dafür, wer in der WT-"Herde" den Nutzen und das Sagen hat! Russell hatte seinerzeit "errechnet", daß in den zwanziger Jahren die "alttestamentlichen Überwinder" auferstehen sollten, um als "Fürsten" über die Neue Welt zu herrschen. (Buch: "Der Weg zum Paradies", S. 214-215, ed. 1924) Jehovas "treue Zeugen" hegten in Verbindung mit dieser "Tatsache" sehr freudige Erwartungen und fühlten sich im Gefolge derselben stark zum "Felddienst" motiviert. Um es den "Fürsten" angenehm zu machen, die selbstverständlich in den USA auferstehen würden (!), baute man für sie in Kalifornien das Haus der Fürsten, "Beth Sarim". Die Auferstehung der "vorchristlichen Überwinder" erfolgte aber mitnichten. Damit nun das schöne Haus im schönen Kalifornien nicht leerstehen müsse, bezog es "Richter" Rutherford. Als die Gesellschaft das Haus viel später verkaufte, wurde die Mitteilung darüber für die Wachtturmleser mit der Bemerkung gewürzt, "Beth Sarim" habe seinen Zweck erfüllt, es habe Zeugnis für den Glauben der Zeugen abgelegt! Wußte niemand mehr, welchem Zweck es WIRKLICH dienen sollte? Und die es noch wußten, hielten den Mund! Kaum einer wurde stutzig, kaum jemand war enttäuscht, betrübt oder traurig über diese faustdicke Lüge! Niemand weinte deshalb, daß die langgehegte, "biblisch begründete" Erwartung nicht eintraf, sondern wie Schnee in der Sonne dahinschmolz.
Der Herr ist mein Hirte
Was schützt vor solchen "Beschützern", vor den "Hirten, die sich selber weiden"? Vor Organisationen, die mit sensationellen Ankündigungen Anhänger werben, die in nationalen Ereignissen das Reich Gottes beweisen wollen, die die schlichte, zeitlose, an alle Menschen gerichtete Frohe Botschaft für sich beanspruchen, um sie schamlos zu vermarkten?
Es kann eine große Hilfe sein, sich zunächst einmal gründlich mit der Geschichte der werbenden Organisation vertraut zu machen, anstatt ihr, blindlings vertrauend, zu folgen. Wer nach Wahrheit sucht, halte sich nicht an die Versprechungen einer "Organisation", sondern an die immer gültige Botschaft Jesu und Seiner Jünger, so, wie sie nun seit fast zweitausend Jahren verkündet wird! Und das zum möglichen Nutzen der Menschen JEDER Generation, die sie vernommen hat.
Wer darüber hinausgeht, um sich an Prophezeiungen und Berechnungen zu versuchen, was zugegebenermaßen eine große Versuchung sein kann, sollte unbedingt Verdacht erregen: Kundige ist gewarnt! Denn, gemäß dem 23. Psalm ist keine Organisation, sondern der Herr mein Hirte. Er gab uns Sein Wort, daß alle, die auf Ihn vertrauen, aus jeder Bedrängnis, in die sie geraten könnten, von Gott in Verbindung mit Seinen. Reich, gerettet werden können. Dieses Vertrauen hatte auch der Schreiber des 23. Psalmes. Er drückte es so aus: "Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht." (Psalm 23:4)
- H. G. -
INHALTSVERZEICHNIS
Wer schützt die Arglosen vor ihren "Beschützern"?
Das Rezept der Macht
"Diese Generation wird nicht vergehen bis..."
Überzeugen und nachdenken
Ein Gott, der unerreichbar, aber nicht unnahbar ist
Gedanken eines Kindes
Die im Glashaus sitzen
Wie man die Trennung von der Zeugen heil übersteht
Aus der Welt der Zeugen
Gedanken - Zuschriften - Notizen
Positives und Verwunderliches
Ihr Ältesten, behütet das euch Anvertraute gut
Die WTG wird zur Kasse gebeten
DAS REZEPT DER MACHT
Wie ist es möglich, daß sich immer wieder neue Interessierte, neue Getaufte finden, um die Reihen der WTG aufzufüllen? Die WTG selbst führt es auf die gewaltige Macht Jehovas und darauf zurück, daß sie als einzige im Besitz der Wahrheit ist. Doch die Realität sieht anders aus ...
In der Literatur der WTG finden wir immer wieder Veröffentlichungen über die "Hirten der Herde Gottes". Das ist kein Zufall, daß gerade in dieser Sache soviel gesagt wird, denn das Problem der Lenkung und Leitung der WTG weltweit hat innerhalb dieser "Organisation" und natürlich auch außerhalb zu vielen Auseinandersetzungen geführt. Hirten, aber keine Herrscher. In Matthäus 20:25-27 erfahren wir:
"... Ihr wißt, daß die Herrscher der Nationen den Herrn über sie spielen und die Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch ist es nicht so, sondern wer irgend unter euch groß werden will, soll euer Diener sein, und wer irgend unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein."
Hier wird eine bis heute gültige Feststellung getroffen, nämlich, daß eine besondere Aufgabe, ein Auftrag oder Amt den Betroffenen nicht über die anderen der Gemeinschaft stellt. Insofern unterscheidet sich gerade auch die frühe Christenversammlung von den späteren Religionen. Im weiteren wird dann von den Ältesten, auch Hirten und Lehrern gesprochen, es werden schließlich auch die für bestimmte "technisch-organisatorischen Aufgaben" zuständigen Dienstamtgehilfen erwähnt. Alle diesbezüglichen biblischen Stellen betonen wiederholt, daß diese Ämter und Aufgaben kein Vorrecht bedeuten. Es wird aber der Anschein erweckt, als wäre es in der WTG in Anlehnung an jene Forderungen genauso eingerichtet. Aber das Gegenteil ist der Fall. Sogar im Titel weltlich
Jeder, der einmal mit Jehovas Zeugen näher bekannt geworden ist, weiß, daß es jene Gleichen unter Gleichen in der WTG nie gegeben hat. Es gibt - kurz gesagt - eine wohlgeordnete Hierarchie ganz in der Art der so oft abfällig von der WTG beurteilten weltlichen Zustände. Es gibt - man höre und staune - sogar einen "Präsidenten", auch diese Amtsbezeichnung wurde von den Großen dieser "Welt" übernommen.
Das ganze Brüsten, etwas Bevorrechtetes, etwas Besonderes zu sein, ist also eitel Lug, denn gerade das, was Jesus Christus verabscheute, hat die WTG bis ins letzte verwirklicht, eine durchorganisierte Gesellschaft mit Kontrollmöglichkeiten bis ins letzte Glied im entferntesten Winkel der Erde und es ist eigentlich schon keine Übertreibung mehr, wenn man sagt, daß sich die WTG mit ihren Methoden der Überwachung und Meinungsbespitzelung einem "Geheimdienst" schon längst bedenklich angenähert hat. Kein Wunder, die Grundlagen dafür boten bereits Russell und Rutherford.
Es stellt sich also heraus, daß eine Organisation, die sich als einzig wahre im Glauben bezeichnet, allein schon durch ihre perfektionierte Staffelung der Ämter, durch ihre konzentrierte politische, religiöse und wirtschaftliche Macht völlig von den christlichen Grundsätzen abgekehrt, ja diese niemals befolgt hat. Sie sind lediglich noch Vorwand, um der WTG einen Schein von Religiosität zu geben. Nicht Hirten - sondern Wölfe im Schafspelz Das alles ist selbst dem ganz neu in die WTG gekommenen Zeugen ein vertrautes Bild, aber wer wird sich eigentlich bewußt, daß hier seit mehr als einhundert Jahren christliche Grundsätze verletzt, ja, überhaupt nicht befolgt werden. Dazu kommt der erschreckende Drang, daß jeder, selbst im kleinsten Amt, etwas gelten will, jeder will weiterkommen. Nur wenige befolgen wirklich ganzherzig ihr Amt allein als Auftrag zum Dienst am Nächsten. Das Machtstreben nach oben hat sich also in der entstandenen Hierarchie kräftig mitentwickelt. So stehen jene, die scheinheilig in ihren Büchern vorgeben, Hirten zu sein, vor uns als Wölfe im Schafspelz und das Wolfsgesetz ist ihr oberstes Prinzip.
"DIESE GENERATION WIRD NICHT VERGEHEN BIS ..."
(Matthäus 24:34)
Jedesmal wurde als "Licht von Gott", als "göttliche Wahrheit" und "im Namen Jehovas" als unwiderlegbar von der Wachtturmgesellschaft verkündet:
1799
Beginn der Zeit des Endes, endgültige Nordkönigerfüllung durch Kaiser Napoleon (Schriftstudien III1891/1926, S. 34,37) "Deutung und Auslegung" von Offb. 17, "die nicht mehr bestritten und widerlegt werden kann": Tier ist das Papsttum, bis 1799 Herrschaft (Schriftstudien VII 1917, S. 355)
1864
Versammlung der Nationen nach Zeph. 3:8,9, durch Internationale Arbeiter-Assoziation (1. Internationale) erfüllt (Schriftstudien I 1886/1926, S. 302)
1870
Mit Ende der weltlichen Macht des Papsttums Tier nach Offb. 17 in den Abgrund (Schriftstudien VII 1917, S. 355)
1873
Beginn des 7. Jahrtausends, 6000 Jahre zuende (Schriftstudien II 1889/1926, S. 31 - Der Wachtturm: Jede Titelseite bis 1. Oktober 1928/seit Adam 6056)
1874
Genaues Datum der Wiederkunft Christi: "Seit Oktober dieses Jahres ist unser Herr, der berufene König, wieder gegenwärtig". (Charles T. Russell)
(Schriftstudien II 1889/1926, S. 165, 203)
1878
"Seit April 1878 hat unser Herr seine königliche Macht an sich genommen und sammelt nun seine Auserwählten. Die Toten in Christo, welche nach des Apostels Wort zu Beginn seines Reiches auferstehen sollen, sind mithin im April 1878 auferstanden"
Schriftstudien IV 1916, S. 322) Babylon gefallen, Christus tritt Herrschaft an (Schriftstudien III, 1891/1926, S. 138, 140)
Nationalkongreß in Berlin, Kaiser Wilhelm I. Rückkehr der Gnade Gottes zu den Juden (Schriftstudien III 1891/1926, S. 232-292)
Zionistenführer Herzl von Jehova erweckt, politischer Zionismus erfüllt Hesekiel 37:1-14 (Trost für die Juden 1925, S. 98-101)
1881
Ruf zu himmlischer Hoffnung zuende
(Schriftstudien I 1886/1926, S. 355-357)
1886
Politische Regierungen sind Obrigkeit von Gott (Schriftstudien III 1891/1926, S. 255)
1890
Pyramide von Gizeh erfüllt Jes. 19:19,20 (Schriftstudien III 1891/1926, S. 303-366)
1897
Zionistenkongreß in Basel ein Wunder Gottes, 206 Knochen als göttlicher Beweis (Leben 1929, S. 177)
1899
(Neue) endgültige Tiererfüllung nach Offenbarung 17 (Licht II 1930,8.83,91)
1914
Für Zeugen Jehovas ist 1914 das zentrale endzeitliche Datum (Neues) genaues Datum der Wiederkunft Christi (Gott bleibt wahrhaftig 1948, S. 198)
Anarchie, Kampf, Kapital / Arbeit, Sturz aller Regierungen, Harmagedon zuende (Schriftstudien II1889/1926, S. 97, 232)
Tier Offenbarung 17 (erneut) endgültig aus Abgrund (Licht II1930, S. 91)
Auferstehung der Fürsten Abraham u.a.
(Schriftstudien IV 1897/1926, S. 325)
1915
Volle Gnadenstellung der Juden bei Jehova
(Schriftstudien II1889/1926, S. 212)
1916
Wechsel Russell/Rutherford erfüllt Wechsel Elia/Elisa (WT 15. August 1925, Prophezeiungen 1929, S. 205-208)
1918
Christus im Himmel (erneut) zur Herrschaft
(Gott bleibt wahrhaftig 1948, S. 198)
1919
(Neueste) Fürstenauferstehung: Die Diener in der Organisation
(Wachtturm 1. März 1952)
1925
"Wir erwarten mit voller Gewißheit, daß die jetzige große Drangsal im Jahre 1925, etwa im Herbst, ... zum endgültigen Abschluß kommen wird...
(Erwachet 15. März 1924) [Redaktionelle Einfügung. Nicht in der CV. Erwachet!" gab es 1924 noch nicht. Damals war der Titel Das Goldene Zeitalter"]
Harmagedon (erneut) zuende, (neue Fürstenauferstehung)
(Millionen-Broschüre 1920, S. 104)
1925
Weltregierung Abrahams in Jerusalem mit Flugzeug, Automobil und Radio
(Der Weg zum Paradies 1924)
1929
Politische Regierungen sind keine Obrigkeit von Gott
(JZ in Gottes Vorhaben 1960, S. 124)
1930
Fürstenvilla Beth Sarim, San Diego, USA, für Abraham gebaut und von Rutherford bewohnt (Die neue Welt 1942, S. 104)
1932
Satansbetrug, daß Zionismus Endzeitwunder Gottes
(WT 15. Juli 1955, S. 423)
1933
Verbot in Deutschland - Harmagedon vor der Tür
(Dein Name werde geheiligt 1963, S. 319)
1939
(Neue) Nordkönigerfüllung durch Hitlerfaschismus
(Die neue Welt 1942, S. 339)
(Neue Tiererfüllung nach Offenbarung 17)
(Babylon die Große ... 1965, S. 586)
1940
Jede Religion ist Teufelswerk, WT keine Religion (Religion 1940, Theokratische Hilfe 1950) 1942
Wechsel Rutherford/Knorr erfüllt (neu) Wechsel Elia/Elisa
(Dein Name werde geheiligt 1963, S. 326)
1945
Harmagedon spätestens in 10-20 Jahren
(Trost/Erwachet 1. Juni 1945, S. 10,11)
Tier nach Offenbarung 17 (erneut) aus dem Abgrund
(Babylon die Große ... 1965, S. 587)
1958
(Dritte) Nordkönigerfüllung, jetzt antisowjetisch
(Dein Wille geschehe auf Erden 1958)
1962
Politische Regierungen doch Obrigkeit von Gott
(WT 1. Januar - 15. Februar 1963)
1972
6000 Jahre (erneut) zuende, Harmagedon (emeut) zuende
(Die Wahrheit wird euch frei machen 1943)
1975
6000 Jahre (erneut) zuende, Harmagedon (erneut) zuende
(WT 1. Januar 1967, "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne
Gottes 1967, S. 30/36)
1997
als anderes Datum für Ende der 6000 Jahre zitiert
(Ewiges Leben ... 1967, S. 28,29)
Sämtliche Quellenangaben sind verbürgt. Einsicht auch in der Bibliothek des
Zweigbüros der WTG Selters.
- K. 0. -
ÜBERZEUGEN UND NACHDENKEN?
Es gibt u.v.a. ein WTG-Lehrstück mit dem Titel: "Überzeuge deine Zuhörer, rege sie zum Nachdenken an." Wir wollen einmal untersuchen, ob Interessierte und Zeugen Jehovas wirklich nachdenken und selbständig überlegen sollen. Es wird festgestellt von der WTG:
"Die überzeugende Beweisführung hängt von vernünftigen entscheidenden Gründen ab, und so wird sie der Raterteilende betrachten ...
Wenn die überzeugende Art deiner Ansprache von der Weise abhängt, in der sie gehalten wird, und nicht von den Tatsachen, die du verwendet hast, um deinen Standpunkt zu begründen, dann mußt du dieses Merkmal noch weiter entwickeln, um deine Beweisführung wirklich stichhaltig und genau werden zu lassen."
Ist das so zu verstehen, daß ein sehr geschickt argumentierender, die Überzeugungsmethoden beherrschender Zeuge Jehovas diese Fähigkeiten weiterentwickeln soll, sogar auf Kosten der Tatsachen? Reicht das, wenn man eine Beweisführung nur geschickt genug vorbringt, wird sie am Ende auch genau und überzeugend? Mit solchen Praktiken wäre der Lüge und Verdrehung ja Tür und Tor geöffnet! Ein weiterer Hinweis der WTG:
"Ein Wort der Vorsicht! Alle Beweise müssen ehrlich angewandt werden. Reiße ein Zitat nicht aus dem Zusammenhang. Vergewissere dich, daß das, was du sagst, genau dem entspricht, was die von dir angeführte Autorität sagen wollte ... Sei auch vorsichtig mit Statistiken. Unrichtig unterbreitet können sie wie ein Bumerang wirken und verheerende Folgen haben." Was haben wir bisher festgestellt?:
Die WTG reißt Zitate ständig aus dem Zusammenhang und verfälscht sie, die WTG verwendet, um den Glauben an Jehova zu verbreiten, die Argumente von Autoritäten, ohne auch nur im geringsten die vorrangige Autorität der Bibel herauszustellen; ja sie schätzt ihre eigene Autorität am höchsten ein und macht sie zum Maß aller Dinge.
Die WTG verfälscht in jedem Jahrbuch Statistiken, indem sie die Zahlen der Abgänge nicht nennt! Kontrolle? - Ja; Nachdenken? - Nein! Mit keinem Satz dieses Lehrstückes wird auf die Anregung zum Nachdenken eingegangen. Man kann suchen, solange man will. Dagegen wird in einer Tour vom genauen Beobachten der Zuhörer, vom Kontrollieren ihrer Reaktion auf das Gesagte gesprochen.
Es wird gesagt, man soll als Vortragender sicher sein, daß einem die Zuhörer folgen: "Wenn du nicht darauf achtest, ihnen zu helfen, nachzudenken, mögen sie leicht deinen Gedankengang verlieren."
Wie dieses Helfen auszusehen hat, wird nicht gesagt. Und zu wissen, daß die Zuhörer einem Vortrag folgen, heißt noch lange nicht, daß sie darüber nachdenken - oder etwas weiterdenken. Das will ja die WTG auch gar nicht. Es soll zugehört, das Gesagte verfolgt werden, weiter nichts. Das Lehrstück bezieht sich ausschließlich auf den Zeugen Jehovas, auf seine Aktivität. Die geistige Aktivität der Interessierten ist nicht gefragt. Mögliche Wechselwirkungen, echte Auseinandersetzung sind gar nicht eingeplant. Das heißt, jegliche geistige Freiheit der Interessierten soll Schritt für Schritt beschnitten werden. Zugleich wird jeder Zeuge Jehovas ausgerichtet auf die Verfahrens- und Verhaltensnormen, die das Lehrstück gibt. So wird das Lehrstück zum Reglement, denn es schließt eigenes Denken des Zeugen Jehovas aus und fixiert ihn nur starr auf das, was der WTG gut dünkt. Widersprüche werden durch das schrittweise Vorgehen und den ständigen Wechsel von biblischen Belegen und WTG-Erläuterungen geschickt überspielt.
Auf Schritt und Tritt geht gleich einem bedrohlichen Schatten ein vielfältiges Sammelsurium von Regeln und Vorschriften, Anordnungen und strikt einzuhaltenden Unterweisungen mit dem Zeugen Jehovas durchs Leben. Verbaute Erkenntnis
In doppelter Hinsicht hat die WTG dem Zeugen Jehovas seine geistige Welt mit Brettern vernagelt:
Er hat den Zugang zum wahren Glauben verloren, weil stattdessen der bedingungslose Gehorsam zur WTG steht; er hat, eingeschnürt in die Versammlung, den Kontakt zu seiner gesellschaftlichen Umwelt verloren bzw. ist in ihr zum Fremdkörper gemacht worden, sodaß jede Wiedereinordnung schwerste Belastungen mit sich bringt. Und das besonders Raffinierte an diesem System der WTG ist, daß sie, entgegen ihren eigenen Darstellungen, eine Verwaltungsapparatur, eine Hierarchie aufgebaut hat, die alles und jeden in bezug auf Fügsamkeit und Unterwürfigkeit überwacht, dabei stets beachtend, daß dies unauffällig, den einfachen Zeugen also nicht bemerkbar, geschieht.
-nbs-
EIN GOTT, DER UNERREICHBAR, ABER NICHT UNNAHBAR IST
In 2. Mose 34:6 wird Gott als barmherzig und gnädig beschrieben, und in Joel 2:18 wird von ihm gesagt, daß er Mitleid mit Seinem Volk hat. Die Einheitsübersetzung nennt es "Erbarmen".
Die Einstellung des Sohnes gleicht völlig der des Vaters. In Matthäus 20:34 wird uns berichtet, daß Jesus "Mitleid mit ihnen (hatte), denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten hatten". (Auch Markus 6:34)
Es macht Mut, aus Gottes eigenem Mund zu wissen, daß Seine Erhabenheit nicht gleichbedeutend ist mit Kälte, Gleichgültigkeit und Unnahbarkeit. Hier eröffnet sich für Christen eine Möglichkeit, Gott, und Seinem Sohn, Jesus Christus, zu begegnen, und, wie es Paulus einmal schrieb, Christi und Gottes Nachahmer zu sein.
Christen sind, wie alle Menschen, Sünder, die gesündigt haben und noch immer sündigen. Sie sind nicht im absoluten Sinne "gerecht", eine Eigenschaft, die nur Gott allein zukommt, sondern sie sind durch Christi Blut gerechtfertigt. Einer der "Unterschiede" zwischen Christen und Nichtchristen müßte darin bestehen, daß sich erstere ihrer Sünden bewußt sind und sich zu diesen, wie auch zu ihrem Erlöser, bekennen. Wenn sich aber der absolut gerechte Gott, unser, der Sünder erbarmt, sollte uns, die wir selbst die Sünder sind, nichts hindern, uns der Mitmenschen zu erbarmen! Was ist das, was wir geben können, gegen das, was uns gegeben wurde? (Matthäus 18:23-35)
Daß Gott Sünden vergibt, kann aber nicht bedeuten, daß das, was wir gegenüber Gott und den Menschen gesündigt haben - und noch sündigen - ungeschehen gemacht werden könnte. Die größte Nähe Gottes erfuhren Menschen, als Gott in seinem Sohn Mensch wurde. Gott weiß genau, was Menschen leiden und erleiden, und, obwohl das, allgemein gesagt, darum geschieht, weil alle Menschen Sünder sind, hat ER mit den Sündern tiefes Mitleid.
Es lohnt sich, das Vater-unser-Gebet einmal als Ausdruck der göttlichen Herablassung zu betrachten. Das Gebet enthält die bedeutungsvolle Anzahl von sieben Bitten, von denen sich drei auf Gott selbst,
Dein Name,
Dein Reich,
Dein Wille
beziehen, und die restlichen vier auf die Anliegen des Beters:
unser Brot,
unsere Schuld,
unsere Versuchung und
unsere Befreiung.
Nehmen wir noch die Eröffnungsworte des Gebetes hinzu, "Unser Vater, der du bist im Himmel", dann werden Gott und der Beter je viermal erwähnt.
Wenn wir das bedenken, tröstet uns die Gewißheit, daß Gott, der himmlische Vater, uns trotz Seiner Erhabenheit ganz nahe ist. Wann immer wir, nach Seinem Geheiß, die Worte dieses Gebetes sprechen, erinnert Er uns daran, daß Seine wirkliche Größe Hand in Hand geht mit Güte, Milde und Verständnis für andere und mit der Geduld, die Ihn darin niemals ermüden läßt. Nur selbsternannte "Gerechte" blicken ohne Mitleid auf andere herab. Wie leicht ist doch jemand dazu bereit, geschützt hinter den Mauern der eigenen Frömmigkeit, anderen zu sagen, daß sie an ihrem Unglück und Mißgeschick selbst schuld sind. Wäre auch Gott selbst so eingestellt, wie könnten dann diese "Frommen" jemals darauf hoffen, aus ihrer eigenen Schule entlassen zu werden?
Und selbst WENN das Unmögliche möglich würde, und jemand wäre von dem Augenblick an, da er sich Gott hingegeben hat, ein absolut gerechter Mensch, so könnte doch niemals rückgängig gemacht werden, was er in seinem "vorchristlichen Leben" getan hätte.
Frömmigkeit ohne Güte dient allein der Befriedigung der eigenen Wünsche. Im Briefe an Timotheus - l. Timotheus 1:13- erinnert sich Paulus und bekennt, daß er "zuvor" ein Lästerer, Verfolger und Verhöhner Christi und Seiner Kirche war. Daraus folgt wohl, daß Paulus nie geglaubt haben kann, daß all der Schaden, den er "zuvor" angerichtet, daß all das Leid, das er vor seiner Umkehr verursacht hat, nun ungeschehen sei, und daß die Folgen seiner damaligen Denk- und Handlungsweise rückgängig gemacht werden könnten. Nein, denn selbst dann, wenn die Wunden verheilt sind, bleiben doch Narben als Erinnerung zurück!
Gott ist uns nahe in Seinem Wort, denn, wenn Er den Menschen anspricht, muß Er sich des Menschen auch bewußt sein! Daß Er uns aber in Jesus Christus bis "auf Tuchfühlung" nahe gekommen ist, übertrifft an Wert alle anderen Erfahrungen, die Menschen jemals mit Gott gemacht haben, bei weitem! Sicher stellt sich mancher die Nähe Gottes so vor, daß er meint Er müsse Sich zu jeder Zeit um jedes einzelne Problem jedes einzelnen Menschen während der kurzen Pilgerreise auf Erden kümmern. Ja, Er müßte vielleicht sogar die Menschen dazu zwingen, friedlich zu leben und zu handeln, und, im Unterlassungsfalle sofort strafend eingreifen. Aber müßte dann Gott nicht auch, konsequenterweise, im Falle jedes einzelnen Menschen das Gleiche tun?
Gott gab Seinen denkenden Geschöpfen immer Wegleitungen, gepaart mit der Erkenntnis, daß es den "wahren Menschen" nur gibt in Verbindung mit seinem Schöpfer. Je enger diese Verbindung ist, desto menschlicher ist die Menschlichkeit, und beim Menschen Jesus war sie absolut!
Isoliert von Gott ist der Mensch "animalisch", ein vernunftbegabtes Tier. Und dieses Geschöpf wird die ihm geschenkte Vernunft mit Sicherheit mißbrauchen. Dies um so mehr, je größer der Abstand von Gott ist. Das absolute Gegenbeispiel zu Christus Jesus: Satan, der Teufel!
Obwohl die "Welt" ist, wie sie ist, verfällt doch keiner der gläubigen, aber ohnmächtigen "Kleinen" bei Gott, der Vergessenheit, denn Er kann jeden, den er will, aus "diesem Wettlauf" erretten!
Darum ist es nie vergeblich, auf den allzeit nahen Gott zu vertrauen.
Die gottesferne Denkweise leider sehr vieler Menschen verdirbt die Erde. Habsucht, das heißt Geld- und Machtliebe, ist eine Wurzel allen Bösen. (1. Timotheus 6:10) Daraus zieht Paulus, wie wir in Hebräer 13:5 nachlesen können, den Schluß: "Euer Leben sei frei von Habgier; seid zufrieden mit dem, was ihr habt; denn Gott hat versprochen: 'ich lasse dich nicht fallen und ich verlasse dich nicht'". Eine Denkweise, die nicht weitgehend frei von Habgier ist, wird immer zu Krieg oder kriegsähnlichen Zuständen führen, im Kleinen und im Großen! Die Erde wird verwüstet, ganz gleich, ob gerade Krieg herrscht, oder ein sogenannter Frieden. Ein "Frieden", der zu nichts anderem dient, als sich ungestört auf Kosten anderer zu bereichern und die Erde auszubeuten bis zum Kollaps, trägt schon den Keim des Krieges und der Zerstörung in sich!
Viele Menschen staunen darüber, wie es möglich sein kann, daß, obwohl alle - angeblich - nur den Frieden wollen, plötzlich Krieg herrscht.
Gott ist nahe, Seine Gesetze wirken immer, und machen, als "Saat und Ernte", als Ursache und Wirkung, offenbar, was im Herzen der Menschen wirklich vorhanden ist! Gott, obwohl nahe, greift nicht ein, indem Er ständig die Folgen menschlichen Fehlverhaltens korrigiert, sondern, indem Er uns mannigfaltige Beweise dafür gab und noch immer gibt, daß Er die nicht verläßt, die Ihm vertrauen! Und was sollte "nicht verlassen" denn anderes bedeuten, als daß jemand Seine freundliche Nähe spürte, die sich in allem Auf und Ab dieses Zeitlaufes bewährt?
Der wirklich gute Gott erwartet nicht, daß Seine Geschöpfe Ihm Seine guten Werke vergelten. Wir aber neigen sehr leicht dazu, für jede "gute Tat" eine Belohnung zu erwarten. Wir ziehen es gar zu gern vor, zu vergessen, daß wir auch unsere "guten Taten" als sündige Menschen vollbringen, daß das, was wir "gut" nennen möchten, sozusagen von der Sünde Hauch angekränkelt ist!
Würde aber jede "gute Tat" belohnt, müßte auch jede ungute Handlung konsequenterweise sofort bestraft werden. Welche Waagschale dann die schwerere wäre, läßt sich leicht errechnen.
Sagte Jesus nicht:
"Wenn selbst ihr, die ihr böse seid, euren Kindern wißt Gutes zu tun, wieviel mehr EUER VATER, der im Himmel ist". (Matthäus 7:11)
Wir müssen es lernen, unsere Erwartungshaltung zu korrigieren, wie auch die Einstellung zu uns selbst relativieren. Wir
müssen, darum kommen wir nicht herum, uns "an Seiner Gnade genügen" lassen.
In unserem deutschen Wort "Gnade" steckt der Sinn von "sich neigen". Gott neigt Sich zu uns, Er naht Sich uns In Seinem Sohn. Mit dieser, Seiner Zu-Neigung löst siel, das scheinbare Paradoxon, daß Gott nicht erreichbar, doch darum nicht auch gleichzeitig unnahbar ist.
Im Begriff der göttlichen Gnade steckt nichts Wegwerfendes, Demütigendes, weshalb sich jemand, befangen in falschem Stolz, sich dieser Zuneigung entziehen müßte. Im Althochdeutschen bedeutet "Gnades" soviel wie "Herablassung", "Unterstützung", im Gotischen soviel wie "helfen". So gesehen, macht Gottes Gnade wirklich reich, nicht, indem sie zu materiellem Reichtum verhilft, sondern indem sie selbst den allergrößten Reichtum darstellt, der von nichts anderem übertroffen werden kann!
Niemals ist es Gott, der den Menschen verläßt. Oftmals dann, wenn Er mit Seinen Forderungen dem Menschen unbequem wird, wenn wir uns in der Verfolgung der eigenen Ziele von Ihm eingeengt fühlen, oder, wenn uns Sein Rat und Seine Warnungen, wie wir sie aus Seinem Wort empfangen, nicht passen wollen.
Gottes Volk war sich der Nähe Gottes stets bewußt, denn Richter und Propheten hielten dieses Wissen lebendig. Nur das Bewußtsein der fortwährenden, gütigen Nähe Gottes kann uns dazu bewegen, den Worten Jesu Glauben zu schenken, indem wir tun, was er uns rät: "Bittet, und es wird euch gegeben werden, sucht, und ihr werdet finden, klopft an, und es wird euch auf getan".
Er ist treu, und nichts wird uns jemals von Seiner Liebe scheiden können, wenn wir es nicht selbst tun. (Römer 8:38,39)
- H. G. -
GEDANKEN EINES KINDES
Da erblickte ich nun das berühmte Licht der Welt und durch meinen Schrei bekunde ich, daß ich mein Erdendasein angenommen habe. Wie sich mein künftiges Leben gestalten wird, hängt jetzt davon ab, welcher Familie ich das freudige Ereignis bereitet habe.
Wie sich herausstellte, sind meine Eltern Zeugen Jehovas. Ob ich mich darüber freuen soll oder nicht, muß sich erst erweisen. Während ich zunächst meine Zeit vorwiegend mit Trinken und Schlafen verbringe, wachen meine Eltern über mein geistiges Wohl. Da sie sehr streng dem Glaubensverständnis der Wachtturm-Gesellschaft verbunden sind, werden auch alle Anregungen zur rechten Erziehung meiner Person in die Tat umgesetzt. So machte es meiner Mutter immer wieder Freude, mir aus den Schriften der Organisation vorzulesen. Ein Artikel im Erwachet hatte es ihr besonders angetan. Unter der Überschrift: "Schule dein Kind in der rechten Weise von der Geburt an", fand sich folgender Dialog:
"Wann sollte man mit dem Vorlesen beginnen?" "Gleich! Lies dem Neugeborenen vor." "Aber es versteht doch nichts!" "Wann hast du angefangen, mit ihm zu reden?" "Gleich natürlich."
"Hat es verstanden, was du gesagt hast?" "Das nicht, aber ..." "Warum dann nicht vorlesen?"
(Erwachet 10/87, S. 9)
Schnell fanden sich weitere Ratschläge zu meiner Erziehung, die auch prompt in die Tat umgesetzt wurden, so zum Beispiel im Erwachet 22/87. Auf Seite 27 liest man: "Eltern haben festgestellt, daß es eine weitere wertvolle Hilfe gibt, Kinder früh das Sprechen zu lehren. Sie besteht darin, daß man sie regelmäßig Kassettenaufnahmen der Publikation Mein Buch mit biblischen Geschichten anhören läßt." Leider konnte ich mir nicht aussuchen, ob ich lieber ein Märchen gehört hätte, so etwas stand nicht zur Debatte. Und noch eine Anregung zur Schulung ihrer Kinder in ihrem Glauben, diesmal im Erwachet 14/87, griffen meine Eltern nur zu gern auf. Jetzt endlich konnten sie auch beweisen, wie erfolgreich sie in der theokratischen Erziehung ihres Sprößlings waren. Doch lesen wir zunächst, was auf Seite 26 dieses Erwachet geschrieben steht:
"Als Andrew sechs Jahre als war, hatte seine Mutter ihm geholfen, über 80 Bibeltexte Wort für Wort auswendig zu lernen."
Weiter heißt es im Abschnitt:
"Wiederhole die gelernten Verse geduldig mehrmals wöchentlich, bis sich dein Kind sicher fühlt. Mit der Zeit wird es die anfänglich gelernten Verse nicht mehr aufsagen wollen weil es sie gut beherrscht. Füge darum einige neue hinzu, um sein Interesse wach zu halten. Es fühlt sich jetzt bei seinem Lieblingstext womöglich so sicher, daß es ihn bei einer christlichen Zusammenkunft aufsagen möchte. Vielleicht macht es ihm auch Spaß, ihn aufzusagen, wenn du im Predigtdienst von Haus zu Haus bei jemandem vorsprichst."
Nun ja, auch ich hatte mehr oder weniger gut Bibelverse auswendig gelernt. Den Sinn und Wert hatte ich absolut nicht begriffen. Im Kindergarten kannten meine Spielgefährten viele schöne Märchen, die sie mir erzählen konnten. Darunter konnte ich mir genau etwas vorstellen.
Die Kindergartenzeit verlief bei mir auch anders als bei den anderen Kindern. Vor Weihnachten und Ostern durfte ich ihn nicht besuchen. Da wurde für die Feiertage eifrig gebastelt, um die Eltern zu überraschen. Für Zeugen Jehovas gibt es diese Festtage nicht. Also war dies für mich tabu. Meine Eltern unterwiesen mich schon gründlich, denn auch ich sollte ausgerüstet sein für jedes gute Werk. Dies bestand darin, daß wir gemeinsam von Tür zu Tür gingen und die Menschen aufklärten, der Weihnachtsbaum ist ein Götze und Jesus ist auch nicht an diesem Tag geboren. Vorwiegend richteten sich unsere Themen nach den jeweiligen Kirchenfesten oder der angespannten Weltlage.
Wie aber sah es in mir aus? In meinem kleinen Kopf lief alles zusammen. Wie sollte ich nur alles verarbeiten? Eines begriff ich, wir sind nicht so wie die vielen anderen Menschen, wir machen vieles ganz anders. Ob es meinem Herzen weh tat, wenn nach Weihnachten die Kinder von den vielen Geschenken sprachen, diese Frage habe ich von meinen Eltern nie gehört die gab es für sie auch nicht. Bei uns hieß es kategorisch, wir brauchen keinen bestimmten Tag dazu, um uns etwas zu schenken. Die anderen Kinder bekommen aber auch außer der Reihe noch Geschenke und selbstverständlich zum Geburtstag. Ist es nicht natürlich, wenn Eltern, die ihr Kind lieben, sich ganz besonders über diesen Tag freuen? Sicher lieben mich meine Eltern nicht weniger und doch sind sie so ganz anders. Von meinem Geburtstag nahmen sie nie Notiz. Hatte ein Kind im Kindergarten Geburtstag, aß ich auch vom Kuchen, den die Mutti mitgegeben hatte. Ich hatte nie Gelegenheit, an meinem Geburtstag solches zu tun.
Früher fuhren meine Eltern nie in den Urlaub. Sie nahmen den Ferienpionierdienst auf. Jetzt fahren wir sogar ins Ausland, damit ich wenigstens auch den anderen Kindern über meine Ferien berichten kann. Am Urlaubsort sind wir nicht etwa mit sogenannten "Weltmenschen" zusammen. Nein, es sind Glaubensbrüder. Dies soll der geistigen Auferbauung dienen. Gern hätte ich auch mit einheimischen Kindern gespielt, doch unser Kontakt beschränkte sich nur darauf, vom Königreich Zeugnis abzulegen, sobald sich die Gelegenheit bot. In der Schule erweist es sich auch nicht immer einfach, ein Kind von Zeugen Jehovas zu sein. Man kommt schnell in eine Außenseiterrolle, weil einfach Grenzen gesetzt sind; dazu die hohe Erwartungshaltung der Eltern. Man kann durch sein Verhalten Ehre oder Schmach auf den Namen Gottes bringen. Wenn die Eltern glauben, sie haben alles getan und nur das Gute für ihr Kind gewollt, so sehen sie es doch alles von einer höheren Warte und ihr Glaube ist mit Lebenserfahrung, Alter und Reife gepaart; das kann ein Kind nicht aufweisen und ist darum einfach überfordert. Gern würde ich mich in zweifelhaften Fragen meinen Großeltern anvertrauen. Zum Glück lebt noch ein Großelternpaar. Dieser Weg jedoch ist versperrt, denn meine Omi war Zeugin Jehovas, der Opa nicht. Meinen Opa könnte ich ohne Probleme besuchen, aber die Omi könnte ja im Haus sein und das würde in meinem Kopf noch mehr Verwirrung stiften, als ohnehin, denken meine Eltern. Omi könnte mich ja negativ beeinflussen. Da türmen sich schon wieder Fragen auf. Die Omi glaubt doch immer noch ganz fest an die Bibel, Gott und Jesus. Was ist daran nun verkehrt? Opa sieht es als eine Bestrafung an, daß sein einziges Enkelkind ihn nicht besuchen darf. Er kann es überhaupt nicht verstehen und meint, das wollen so großartige Christen sein und sind doch so herzlos. Eines muß man wissen, die Weisungen der Wachtturm-Gesellschaft sind zu erfüllen und davon gibt es eine ganze Menge. So wird im Wachtturm 15/86, S. 29 gefragt: "Wächst dein Kind zur Rettung heran?" Hier lesen wir:
"In der Schule wird dem Kind vielleicht ein bestimmter Beruf empfohlen, doch christliche Eltern können Ziele hervorheben, die das wachsende Interesse des Kindes, Jehova zu dienen, befriedigen werden, wie zum Beispiel den Pionier-, den Bethel- oder den Missionardienst."
Dann ist man aber in eine Presse gedrückt, der zu entweichen sehr schwer ist.
Immer funktioniert diese perfekte Schulung von Kindesbeinen an auch nicht. Es wird eingeräumt:
"Es stimmt zwar, daß sich manche Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder die größte Mühe geben, dann aber feststellen müssen, daß diese trotzdem die Wahrheit verwerfen. Doch wenn wir uns ernstlich bemühen, ist die Wahrscheinlichkeit, daß es soweit kommt, wesentlich geringer." Wenn es nicht klappt, haben sich die Eltern nicht ernsthaft bemüht, so einfach ist das.
Ebenfalls im Wachtturm-Artikel "Welche Laufbahn wirst du einst einschlagen", empfiehlt die Organisation den Vollzeitdienst auf das Wärmste. Er sei aufregender als jedes Studium. Wörtlich: "Das wird sich als ein Schutz vor schändlichem Streben nach einer weltlichen Karriere und vor schlechter Gesellschaft erweisen. Prüfe deine Verhältnisse, und setze dir ein bestimmtes Datum, wann du den Vollzeitdienst aufnehmen wirst. Arbeite darauf hin." (Wachtturm 8/86, S. 30) Wenn das keine Nötigung ist. -
Kann da ein im Glauben der Wachtturm-Gesellschaft erzogenes Kind sich dem entziehen?
Das Resultat scheint aber nicht so groß zu sein, sonst müßten nicht laufend ermahnende Artikel erscheinen. Nun bleibt mir nur zu hoffen, ich habe keinen Unfall oder ähnliches, wo Blut nötig wäre. Meine Eltern würden bestimmt nicht ihre Zustimmung zu einer Transfusion geben, weil sie die Argumente der Gesellschaft sehr ernst nehmen. So heißt es diesbezüglich im Erwachet vom 8.10.1950 auf Seite 12: "Wäre die Bluttransfusion schon zur Zeit Moses oder der Sintflut oder in den Tagen der Apostel üblich gewesen, dann wäre sie zweifellos ausdrücklich verboten worden." Jesu Worte in Matthäus 12:7 sind aber auch nicht zu übersehen. Er weist darauf hin:
"Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer." Selbst am heiligen Sabbat billigt Jesus die Rettung eines Schafes aus der Grube, in die es gefallen war. Wörtlich sagt Jesus: "Wieviel vorzüglicher ist nun ein Mensch als ein Schaf." (Matthäus 12:12)
Diese Erlebnisse verschiedener Zeugenkinder wurden zusammengetragen und verarbeitet von B. I. H.
DIE IM GLASHAUS SITZEN (I)
DER UNBARMHERZIGE KNECHT
Vor mir liegt die Bibel, und ich lese im Matthäus-Evangelium das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht. Die Geschichte ist so spannend erzählt und so lehrreich, daß sie mich nicht so bald wieder losließ. Sie beginnt eigentlich schon mit der Frage des Petrus:
"Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben ? Bis siebenmal?"
Was den Petrus bewogen haben mag, hier eine mögliche Grenze des Vergebens in seine Frage mit einzubinden, will ich nicht erörtern, weiß ich doch, daß die Neigungen meines Herzens denen des Petrus gar nicht so fremd sind. Worte, wie: 'Wenn du nicht sofort damit aufhörst', oder:' Lange höre ich mir das nicht mehr an' u.a., die alle mit einem mehr oder weniger drohenden 'dann ..." endeten, waren früher auch über meine Lippen gekommen.
Obwohl mir dieses Gleichnis nicht unbekannt war, oft genug hatte ich es schon gelesen und anderen mitgeteilt, erschien es mir doch heute in einem ganz neuen Licht. Die Antwort unseres Herrn eröffnete mir beim Lesen ein besseres Verständnis, mehr noch, mir war, als erhielte ich diesmal eine Lektion über den Ernst des Vergebens, will man nicht selbst der Barmherzigkeit unseres himmlischen Vaters verlustig gehen. Jesu Antwort: "Nicht bis siebenmal, sonder bis siebzigmal sieben", (El.) hat sicher nicht nur den fragenden Petrus überrascht. Selbst wenn es nach anderer Lesart nur siebenundsiebzigmal heißen sollte, so ist doch die mit der Frage verknüpfte Grenze durch des Herrn Erwiderung so weit hinausgeschoben worden, daß sie dadurch praktisch aufgehoben ist. Jesus zeigt uns mit seiner Antwort, wir können keine Grenze des Stillhaltens für uns ziehen, oder gar Sanktionen androhen. Wer so handelt, der hat in Wahrheit nicht vergeben, er sammelt lediglich die Sünden des anderen wie in einer Schublade, um sie dann, wenn für ihn das Maß des Erträglichen voll ist, gegen seinen Bruder zu verwenden. Das aber wollte unser Herr ganz gewiß nicht, darum erzählte er seinen Jüngern
DAS GLEICHNIS VOM UNBARMHERZIGEN KNECHT (Matthäus 18,21-35)
Da ich beim Leser die Kenntnis dieses Gleichnisses voraussetze, andererseits es für gut halte, wenn jeder die wenigen Zeilen in seiner eigenen Bibel selbst nachliest, gehe ich nur auf das ein, was mir für meinen Beitrag wichtig erscheint. Jesus vergleicht das Reich der Himmel mit einem König, der mit seinen Knechten Abrechnung hält. Vor ihm steht ein Knecht, der ihm den riesigen Betrag von 10.000 Talenten schuldet und der zu recht verurteilt wird. Später erbarmt sich der König seiner, erläßt ihm die Strafe und tilgt seine Schuld. Jener nun trifft einen seiner Mitknechte, der ihm den geringen Betrag von 100 Denaren schuldete. Er aber, dem der König gerade solch außergewöhnliche Güte erwiesen hatte, ist nicht bereit, seinem Mitknecht diese geringe Schuld zu vergeben oder wenigstens zu stunden, bis er zahlungsfähig sei. Er verschließt sein Herz vor ihm und läßt ihn ins Gefängnis werfen. Zwei Dinge stellt Jesus hier ganz kraß gegenüber: Auf der einen Seite die Güte und das Erbarmen Gottes zu dem tief in seiner Schuld verstrickten Menschen, einer Schuld, aus der es für ihn kein Entrinnen vor IHM geben kann! Auf der anderen Seite zeigt er uns die Undankbarkeit und Unbarmherzigkeit eben dieses Menschen, dessen große Schuld gerade getilgt wurde und der dennoch so lieblos an seinem Mitknecht handelte.
Im weiteren Verlauf des Gleichnisses zeigt uns Jesus, wie leichtfertig es ist, zu glauben: 'Einmal gerettet (hieße), für immer gerettet' zu sein. Nein, Gnade und Recht (oder Gericht) bilden bei Gott eine unlösbare Einheit und das bekam jener böse Knecht nun sehr schnell zu spüren. Seiner Hartherzigkeit wegen, die er seinem Mitknecht gegenüber gekündete, entzog ihm der König seine Güte und überantwortete "ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt habe, was er schuldig war." Lehrte unser Herr nicht schon im Mustergebet: "Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben"? - Und beten wir das nicht auch so? Noch bestimmter wird er in den anschließenden Worten, wo er uns gleichsam mahnend ans Herz legt:
"Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch eure Vergehungen vergeben, wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt, so wird euer Vater auch eure Vergehen nicht vergeben." (Matthäus 6,12.14.15)
Lassen wir daher nicht zu, daß wir aus einer scheinbar überlegenen Position heraus den anderen lieblos von uns stoßen, wir gerieten in einen furchtbaren Gegensatz zu Gottes Liebe und Erbarmen. Vor Gott sind wir alle Sünder und bedürfen seiner Langmut und Vergebung und zwar in einer Größenordnung, daß das, was andere uns schulden mögen, nicht viel mehr wäre, als ein Körnchen auf der Waagschale, auf der wir nur zu oft die Vergehungen anderer gegen uns wiegen! Machen wir uns vielmehr bewußt: Solange wir Groll oder gar Haß anderen gegenüber nicht aus unserem Herzen verbannen, stehen wir noch immer unter dem Gericht Gottes. Jesus macht das mit den abschließenden Worten des Gleichnisses deutlich: "So wird mein himmlischer Vater auch euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt."
DIE IM GLASHAUS SITZEN (II)
EINIGE NOTWENDIGE ERKLÄRUNGEN ÜBER DIE WACHTTURMGESELLSCHAFT
Eigentlich hatte ich vor, über etwas ganz anderes zu schreiben. Mein Thema sollte eine Abrechnung mit der Wachtturm-Gesellschaft werden. Ich weiß, das klingt vielen Ohren sehr hart, aber ich lasse das so stehen, weil ich wirklich so empfand, als ich mich entschloß, über bestimmte Praktiken dieser Organisation zu berichten. Mir ging es dabei um ihre lieblosen, menschenverachtenden, ja, ganze Familien auseinanderreißenden Methoden im Umgang mit denen, die Jahre, oft Jahrzehnte der Führung dieser Gesellschaft folgten, dann aber aufgrund eines bedrängten Gewissens viele ihrer Entscheidungen und Änderungen biblischer Lehre nicht länger mittragen konnten und sich daher von ihr trennten.
Vieles von dem, was ich bringen wollte, hatte ich bereits gesammelt, doch der Herr lenkte meinen Sinn in eine ganz andere Richtung, und ich las das im vorhergehenden Artikel erwähnte Gleichnis:
"Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal?", noch einmal und begann darüber nachzusinnen.
Kann ich nun noch guten Gewissens abrechnen mit denen, die ich früher meine Brüder nannte und die mir heute doch in vieler Hinsicht so fremd geworden sind? Ich kann es nicht, möchte auch nicht, darf es wohl auch nicht (Johannes 8,7 El.) Doch einige Gedanken zum Nachsinnen möchte ich hier mit auf den Weg geben und mein Gebet ist, sie mögen jene erreichen, die sie am meisten benötigen - unsere einfachen Brüder und Schwestern in der Wachtturm-Gesellschaft. - Die Wachtturm-Gesellschaft schmückt sich sehr gern mit dem Etikett des 'treuen und verständigen Sklaven', des 'irdischen Kanals Gottes', und seit der Zeit ihres Gründers C. T. Russell wird sie nicht müde, zu betonen, daß ohne ihre Hilfe niemand imstande wäre, die Bibel richtig zu verstehen. In einem Zitat aus jüngerer Zeit liest sich das so:
"Wir können nicht hoffen, den heiligen Geist zu empfangen, wenn wir den irdischen Kanal übergehen, dessen sich Jehova heute bedient, nämlich des treuen und verständigen Sklaven, vertreten durch die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas. Ohne die Hilfe von Seiten dieses Sklaven wären wir nicht imstande, die volle Bedeutung des Gelesenen zu verstehen und das Gelernte richtig anzuwenden". (Wachtturm vom 15.07.1987, S. 19)
Es fällt schwer, unwidersprochen hinzunehmen, was die WTG hier aus Jesu Worten (Matthäus 24,25) gemacht hat. Obwohl in Verbindung mit dem folgenden Vers (46) vom Herrn als gleichnishafte Darstellung der möglichen Verhaltensweisen seiner Nachfolger für die Zeit seiner Abwesenheit gebraucht, trennt die WTG diesen - für sie untauglichen - Vers ab, münzt den vorangehenden Vers in eine Prophezeiung um und setzt sich gleich zu deren Alleinerben ein. Der Apostel Paulus, lebte er noch heute unter uns, hätte ihn sicher in's Stammbuch geschrieben: "Schon seid ihr satt, schon seid ihr reich geworden; ihr seid ohne uns zur Herrschaft gekommen." (1. Korinther 4,8) Weil die WTG sich auch als den irdischen Kanal Gottes ausgibt, folgende Überlegung:
Ein Kanal kann nichts aus sich selbst tun oder etwas hervorbringen, er ist nicht mehr als ein Leitungssystem oder Teil eines solchen. Soll am Ende etwas herauskommen - Lehre, Offenbarung usw. - muß zuvor etwas eingegeben worden sein. Die Frage erhebt sich aber: Von wem? Zu behaupten, von Gott, hieße nichts anderes, als ihn für all das verantwortlich zu machen, was da in Brooklyn Woche für Woche an sich ständig veränderter Lehre als von Gott kommend verkündet wird. Das wäre aber sehr vermessen, sagt Gott doch selbst: "Nein, ich, der Herr, ich habe mich nicht geändert; aber ihr, Söhne Jakobs, ihr habt nicht aufgehört" (euch zu verändern. Fußn.) Mal. 3,6 (Vergleichende Texte auch in Jak. 1,16.17; l. Joh. 1,5) Es gibt kaum ein biblisches Buch, Bild, Drama oder Prophezeiung, das die WTG nicht entdeckt, in ihrem Sinn interpretiert und schon mehrmals umgedeutet, sprich umgeschrieben hat.
Zur Veranschaulichung einige Beispiele:
Nordkönig;
das waren schon England, Deutschland, Rußland, Weltkommunismus, immer der veränderten Weltlage angepaßt.
Fürstenauferstehung;
erst 1914, dann vor Harmagedon, dann seit 1919 gegenwärtig, nun erst nach Harmagedon.
Endzeitdaten;
u.a. 1914, 1925, 1975
Obrigkeit;
Unter Russell waren es die weltlichen Regenten. Rutherford sah dies nur auf die WTG begrenzt (seit 1929), ab 1963 wieder die Regierenden außerhalb der WT-Organisation.
Religion;
ab 1937 galt für JZ Religion als "Tun von etwas, was dem Willen Gottes ... entgegen ist". "Alle Religionen ... vom Teufel". Seit Anfang der 50er Jahre Religion als wahre und falsche Form der Anbetung gelehrt.
Von einem Gott der Ordnung, auf den sich die WTG so gern beruft, kann das wohl kaum sein (l. Kor. 14,33). Dennoch wird von den Zeugen - unter Strafe des Ausschlusses - verlangt, dies zu akzeptieren. So liest man denn auch im Wachtturm: "Offensichtlich kann eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen nicht lediglich auf einen Glauben an Gott, an die Bibel und an Jesus Christus beruhen. ... jemand, der sich lediglich zu solchen Glaubensinhalten bekennt, (ist) nicht berechtigt, als Zeuge Jehovas betrachtet zu werden." (Wachtturm 7/1987, S. 31)
Nicht genug damit, daß die WTG von ihren Gefolgsleuten verlangt, das sich ständig drehende Lehrkarussell ohne Widerspruch hinzunehmen, geht sie noch einen Schritt weiter, so lesen wir im gleichen WT-Artikel auch: "Eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen erfordert, daß man die Gesamtheit der wahren Lehren der Bibel akzeptiert, einschließlich jener Glaubensinhalte, die nur Jehovas Zeugen vertreten."
Zu solchen, nur von der WTG vertretenen Glaubensinhalten gehören u.a.:
"die bessere Botschaft des 1914 im Himmel aufgerichteten Königreiches."
das 'geistige Paradies' seit 1919; gemeint ist die Organisation, die gegenbildliche Arche.
die Lehre, daß Jesus nur Mittler für die Gesalbten ist, die 'anderen Schafe' dagegen keinen Anteil haben am Verdienst seines Loskaufopfers.
Hat unser Herr Jesus solches gelehrt und geboten, daß es durch seine Jünger weitervermittelt wird? Wohl kaum, denn einer dieser Jünger - Johannes - mahnt:
"Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; (nur) wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn." (2. Johannes 9) Johannes spricht hier eindeutig vom Wort seines und unseres Herrn Jesus, keineswegs von den sogenannten biblischen Glaubensinhalten, die nur Jehovas Zeugen vertreten!
DIE IM GLASHAUS SITZEN (III)
WER WIRFT DEN ERSTEN STEIN?
Die WTG stellt die biblische Aussage regelrecht (oder sollte ich besser sagen: regelwidrig?) auf den Kopf, wenn sie von IHREN Zeugen verlangt, jene nicht zu grüßen, ja, sie gewissermaßen geistig zu steinigen, die diesen Kollisionskurs mit Gott und Christus nicht länger guten Gewissens billigen können und für sich die notwendige Entscheidung einer Korrektur getroffen haben. 'Abtrünnige'?
Es mag sein, daß sie nun Abtrünnige sind, aber ganz bestimmt nicht von Gott und Christus, wiewohl nicht auszuschließen ist, daß nicht wenige, durch das herzlose Verhalten des 'Sklaven', in ihrem Glauben zu Gott tief erschüttert wurden oder gar strauchelten. Erfreulich groß aber ist die Zahl derer, die zum Herrn gefunden haben, sich heute stärker denn je zu IHM hingezogen fühlen, der sie durch SEIN Wort und SEINE Wahrheit aus der Dunkelheit in das helle Licht der christlichen Freiheit geführt hat (Joh. 8,31.31).
Nein, nicht jene, die heute als Freie dem Herrn folgen, sind abtrünnig, es ist die Wachtturm-Gesellschaft selbst, der selbsternannte treue und verständige Sklave, der durch seine falschen Lehren, Hinzufügungen zur Bibel und andere Praktiken, der Abtrünnigkeit vor Gott und Christus schuldig geworden ist! Dieser Sklaven-Klasse geht es nicht lediglich darum, daß jeder Zeuge Jehovas an die Bibel glaubt, das ist ihm zu wenig. Ihm geht es darum, daß alle so glauben und lehren, wie es ihnen durch die WTG vorgegeben wird. Ein Brief der WTG vom l .9.1980 an alle Kreis-und Bezirksaufseher macht das deutlich:
"Wenn ein getaufter Christ die Lehren Jehovas verläßt, wie sie vom treuen und verständigen Sklaven dargeboten werden und darauf besteht, andere Lehren zu glauben.... dann ist er abtrünnig." (Krise des Gewissens, S. 197)
Nicht die Bibel ist für sie der Maßstab, an dem alle menschliche Lehre und Deutung der Schrift gemessen werden muß, sie machen's in vieler Hinsicht umgekehrt. Ihre organisationseigenen Lehren, das sogenannte 'Muster gesunder Worte', von ihnen zum 'grundlegenden biblischen Gebäude der christlichen Glaubensansichten der Gesellschaft' hochstilisiert, wurde zum Maßstab, nach dem klare Aussagen der Schrift von ihnen beurteilt werden. Da kann es nicht wundern, wenn jeder, der Lehren der Schrift verbreitet, die nicht zu diesem Organisationsmuster der Schriftauslegung passen, von ihnen als Abtrünniger verteufelt und davongejagt wird. Haben Jehovas Zeugen eigentlich schon bedacht, daß, wenn man den Begriff der Abtrünnigkeit, so wie er von der Gesellschaft gebraucht wird, als allgemeingültigen Maßstab anerkennt und als Meßlatte an alle Zeugen legt, sie dann alle Teil einer Organisation von Abtrünnigen sind?!
Das beginnt schon bei
C. T. RUSSELL - den Adventisten abtrünnig geworden!
RUTHERFORD - den Baptisten abtrünnig geworden!
KNORR - der reformierten Kirche abtrünnig geworden!
Die Reihe setzt sich fort über die Zonen-, Bezirks- und Kreisaufseher oder wie immer sie auch genannt werden mögen, bis in das Heer der Namenlosen, die als Prediger von Tür zu Tür die Zahl der Abtrünnigen täglich mehren.
Es bleiben viele Fragen
Als aufrichtiger Zeuge Jehovas wärest du sicher gut beraten, dich einmal selbst kritisch zu fragen: Was unterscheidet uns - sei es als Gemeinschaft oder auch Einzelperson - von denen, die einmal unsere Brüder waren, dann aber aufgrund eines neuen Bibelverständnisses unsere Reihen verließen und sich eine neue geistige Heimat suchten? Und wir selbst, brechen wir bei unserer Predigttätigkeit nicht ständig in die Herde anderer Gemeinschaften ein und machen so, daß diese, die wir angeblich 'in die Wahrheit bringen' wollen, ihren Kirchen oder Gemeinschaften abtrünnig werden? Der Apostel Paulus ruft auch DIR zu:
"Deshalb bis du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe." (Römer 2,1)
Wir sitzen alle im Glashaus und nichts, was wir tun, bleibt verborgen, weder vor Gott, noch vor Menschen. Zudem sind wir verletzbar, könnten aber doch in Ruhe und relativer Sicherheit leben. Wir brauchen nur in uns gehen, uns unserer eigenen Sündhaftigkeit bewußt werden. Eins brauchen wir aber noch, wir müssen, gleich den anklagenden Schriftgelehrten und Pharisäern in Johannes, Kapitel 8, den Mut haben, den 'Stein' vor unseren Fußen liegen zu lassen - wir können das! Sind wir etwa schlechter und im Herzen weniger aufrichtig als die Pharisäer? Statt also weiter einander zu richten, laßt uns vielmehr einander helfen, vor IHM, der unsere Herzen kennt, zu stehen, damit nicht eines Tages uns zur brennenden Aktualität wird, was der Apostel fragt:
"Verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weißt nicht, daß die Güte Gottes dich zur Buße leitet?"
- R. I. H. -
WAS HEISST HIER EIGENTLICH ABTRÜNNIG?
Es ist auffällig, daß die WT-Literatur in den letzten Jahren viel über dieses Thema schreibt. Es hat seinen Grund. Die Zahl derer, die wieder abwandern oder als "ABTRÜNNIGE" die Organisation verlassen müssen, ist groß. Die Zahl derer, die in die Organisation hineingelangen, dagegen sehr, sehr gering ... Es gab Zeiten, da plante man eine jährliche Zuwachsquote von 10 Prozent. Nun, die Zeiten sind härter geworden und ganz unbekannt sind die Praktiken dieser "ORGANISATION" heute nicht mehr. Die vielen Tragödien, die durch ständige Indoktrination, Konfliktsituationen, Diskriminierungen und Verleumdungen heraufbeschworen wurden, dringen mehr und mehr an die Öffentlichkeit. Da die Zahl der "AUSSTEIGER" immer größer wird (leider erfahren das die Zeugen Jehovas nicht in ihrem WT), fürchtet die "LEITENDE KÖRPERSCHAFT" berechtigterweise den Einfluß der Männer und Frauen, die zum Herrn Jesus gefunden haben.
Diese Männer und Frauen schweigen nicht mehr. Sie fangen an zu reden über das, was ihnen widerfahren ist; was "KOMITEES" immer gerne, mit dem Finger auf dem Mund, verhindern wollten. Durch bewußt falsch angewandte Schrifttexte versucht die WTG jene, die sich von ihrer Doktrin freimachen konnten, als "ABTRÜNNIGE" zu bezeichnen. Wir möchten den WT-Leser nur darauf aufmerksam machen, daß der Begriff "ABTRÜNNIGE" falsch angewandt worden ist. Wir wollen die "WT-Belehrung" sachlich überprüfen. Die beiden WT-Artikel aus dem WT vom l. Juli 1983 behandeln dieses Thema. Besonders der Artikel: "Widersteht der Abtrünnigkeit, halte an der Wahrheit fest". Im Leittext heißt es: Jeder, der vorausdrängt und nicht in du Lehre Christus bleibt, hat Gott nicht. Es werden die Bibeltexte aus 2. Joh. 7-9; 2. Joh. 10-11 angefügt. Aus diesen Texten geht ganz klar und deutlich hervor, daß Jehovas Zeugen als "BETRÜGER" oder als "ABTRÜNNIGE" anzusehen sind, die das Kommen des Christus im Fleische nicht bekennen. Wieso wendet die WTG diese Texte an? Das heißt doch, offene Türen einrennen, wenn man Männer und Frauen als "ABTRÜNNIG" bezeichnen will, die von der WTG weg zum Herrn Jesus gefunden haben, um allein ihn als ihren ausschließlichen Herrn zu bekennen! Gerade diese Männer und Frauen legen ein klares Bekenntnis für den Herrn Jesus Christus ab und erwarten ihn sogar, wie es die Bibel im Hebräerbrief zeigt, auf dieser Erde. (Hebr. 1/6)
"ABTRÜNNIG" im Sinne der WT-Organisation heißt nichts anderes als: "Nicht anerkennen der WT-Leitung als "Kanal" Gottes."
Jene Männer und Frauen verstanden Apg. 5/28,29; und 1. Joh. 5/20 richtig und handelten entsprechend.
- Auszugsweise aus EXODUS, E. Brüning -
WIE MAN DIE TRENNUNG VON DEN ZEUGEN HEIL ÜBERSTEHT
... Wie lange jemand nach der Trennung bis zur Genesung braucht, hängt davon ab, wie sehr er sich in der Gemeinschaft engagiert hatte, wie lange er dabei war, wie lange sich der Bruch hinzog, ob Freunde oder Familienmitglieder mitbetroffen sind und wieviel Unterstützung man findet. Die für die Heilung wesentlichsten Faktoren sind wohl der Grad des Einsatzes für die Wachtturm-Gesellschaft, der Beistand durch andere und die Stärke der Persönlichkeit. Nach dem Bruch mit der Organisation ist häufig eine völlige Umstrukturierung des Lebens notwendig...
... Die Umstrukturierung ist so umfassend, daß man ein "neuer Mensch" wird und einem der alte Mensch, der man war, wie ein Fremder vorkommt. Nach einigen Jahren sagen viele Zeugen rückblickend, wenn sie sich anschauen, was sie durchgemacht haben und "was für Leute sie mal waren", daß sie es kaum fassen können, wie sie so manche Wachtturm-Lehre überhaupt schlucken konnten. Ihr früheres Leben ist ihnen fremd, und die Erinnerung verblaßt.
Die Trennung fällt besonders schwer, wenn man noch einige Freunde oder seine Familie in der Organisation hat...
... Das wichtigste Heilmittel ist die Zeit. Solange jemand noch auf dem Weg der Gesundung ist, müssen Freunde und Familie ihn einfach ertragen, so gut es geht, wenn er gereizt oder niedergeschlagen ist. Wer einem Zeugen Jehovas helfen will, das Trauma der Trennung zu überstehen, muß äußerst geduldig und tolerant sein und erkennen, daß dieser sich in gewisser Weise von einer schweren Krankheit erholt. Der Genesungsprozeß kann sehr schwierig sein und dauert manchmal Jahre. Man muß sein ganzes Weltbild und seine Zukunftserwartungen umstellen, was keineswegs einfach ist. Um grob abzuschätzen, wie lange die Hauptphase der Umstellung dauern wird (so richtig vollständig erholt sich wohl keiner sein Leben lang),
multipliziere man die Zahl der Jahre der Zugehörigkeit mit zwei und ziehe dann die Wurzel...
... Um über die schwierige Anpassungszeit hinwegzukommen, kann zusätzlich auch eine medikamentöse Behandlung notwendig werden.
Es wird Schwierigkeiten mit dem Schlaf geben ... Das Schlafproblem löst sich meist innerhalb weniger Wochen, spätestens nach einigen Monaten ...
... Der vielleicht wichtigste Schritt besteht darin, sich mit einer Selbsthilfegruppe von ehemaligen Zeugen Jehovas zusammenzutun. Nur wer selbst einmal Zeuge Jehovas war, kann die Probleme, die jemand hat, der sich gerade trennt, voll erfassen und darauf eingehen. Gerade in dieser Zeit ist Unterstützung wichtig, und Ehemalige sind am besten in der Lage zu helfen, da sie dieselben Erfahrungen hinter sich haben. Viele dieser Gruppen kümmern sich sehr um den Einzelnen, sind oft gern bereit, mit den Ehemaligen viel Zeit zu verbringen und sich über gemeinsam bewegende Fragen zu unterhalten; manche rufen auch ab und zu bei ihnen an oder besuchen sie, um zu sehen, ob es ihnen gut geht. Darauf kommt es besonders an, denn in dieser Zeit sind Selbstmordgedanken durchaus nichts Ungewöhnliches. Ein ehemaliger Zeuge sollte sich also nicht erschrecken, wenn sie auftauchen. Er sollte verstehen lernen, daß es den meisten Menschen, die einmal mit ganzem Herzen Jehovas Zeugen waren und dann ihre Religion (und damit zugleich ihren zentralen Lebensinhalt) verloren, ganz ähnlich erging. Die meisten überstehen das und sind hinterher wertvollere Menschen (Bronner 1964).
Sehr nützlich ist es auch, anderen Zeugen beizustehen. Die Hilfe für andere hilft einem selbst, sich wieder zu fangen ... (Auszugsweise aus "Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas" von Jerry R. Bergmann, übersetzt von H. Lasarcyk, Ahrensburg, Eigenverlag,
Preis DM 5.-)
AUS DER WELT DER ZEUGEN
"Mit Gottes Zeitplan unzufrieden"
Die WTG sieht sich gezwungen, ihre Anhängerschaft in dieser Zeit wie folgt zu rügen: "Einige sind vielleicht mit Gottes Zeitplan unzufrieden, aber uns wird zugesichert: "Jehova ist hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam ... sondern er ist geduldig mit euch, weil er nicht will, daß Irgendjemand vernichtet werde (2. Ptr. 3:9)" WT 15. August 1986, S. 6.
Man weiß, daß hier heruntergespielt wird, wenn es heißt, "vielleicht". Befragt, geht es auch nicht um einen "Zeitplan Gottes", sondern um die Festsetzungen durch die WTG. Nicht nur greift auch um sich, daß die WTG diesen Bibelvers schon über 100 Jahre benutzt, um ihre Zeitverschiebungen hinnehmen zu lassen, sondern auch, daß dieser Vers beweist, daß es keine Vernichtung anderer gibt, wie der WT lehrt, weil Gott keine Vernichtung will. Der WT spiegelt hier ernst Auflösungserscheinungen unter den WT-Zeugen wider, die Spitze eines der vielen Eisberge, die in der Organisation herumtreiben. -
Narreteien predigen?
Bibelhöhepunkte sollen das für die Verkündiger sein! Man höre und staune:
Über Psalm 40:6 - Was ist mit den Worten "Meine Ohren hast du geöffnet" gemeint? So fragt der WT für seine Kolporteure.
Und die sollen so anfangen zu antworten:
"Es könnte bedeuten, daß Jehova bewirkte, daß dadurch ihren Sinn sich auf Gottes Anweisungen einstellten, oder daß Jehova sogar Ohren erschuf, mit denen David seine Befehle hören könnte..." (WT 15.8.86, S. 21)
Die Ohren einstellen, na ja, daß kann man noch gelten lassen, obwohl man eher sein Hören auf etwas einstellt. Aber im zweiten Fall hätte ja David keine Ohren haben müssen, um erst welche verpaßt zu bekommen, die dann irgendwie angeklebt wurden oder herauswuchsen.
Manchmal muß man seinen Verstand vorher abgeben, wenn man in den WT guckt! Wahrhaftig. - Es gibt eine naive Malerei. Hier gibt es auch eine naive Schreiberei. - Heißt allmächtig sein auch, zu jedem Unsinn fähig? Macht der WT hier nicht Gott lächerlich? -
Wieder mit Harmagedon "gepeitscht" Seit die WTG 1987 die Broschüre "Von Kuruksheta nach Harmagedon" auch in deutsch veröffentlichte, "peitschen" viele, die anders ihr "Vergehen" vor Augen haben, ihre Umgebung wieder mit einem "ganz nahen Harmagedon": Nur wenige Monate bis ein oder zwei Jahre noch! In Bild und Text der Broschüre (S. 14/15) wird nämlich "gepredigt", wer 1914 als verständiger Jugendlicher erlebte - von da an gelte "diese Generation"! Da bleibt in der Tat 1991 keine andere Schlußfolgerung. Zu denen, die da nun zur Torschlußpanik verdammt sind, gehört auch die "Kronzeugin" der WTG, Ilse Unterdörfer, im WT vom 1.2.1980 international mit einem Bildbericht ins Rampenlicht gerückt. Sie wurde 1913, ein Jahr vor 1914, geboren, heute 78 Jahre alt. Es ist klar, daß sie laut Psalm 90:10 als Frau von der WTG um ihr Familienglück gebracht, wie so viele andere auch, die sich nicht wie sie öffentlich hinstellen, getäuscht und enttäuscht "vergehen" muß. Manche treten da eben die Flucht nach vorn an, um mit wehender Fahne unterzugehen, so oder so unvermeidlich. Immer gab es um die falschen WTG-Prophezeiungen herum sogenannte Harmagedonkranke, die ihre Umgebung damit "peitschten", hatten sie doch ihr Leben auf diese Prophezeiungen gesetzt. -
TAUFE ZUM ZEUGEN JEHOVAS - EIN ANFANG VOM ENDE?
"Nun soll ich um die Taufe bitten! Ich komme mir vor, als wenn man mich hinrichten will."
Diese Worte der 15jährigen Susanne, die ich nun schon 10 Jahre kenne, klingen befremdend, wenn man daran denkt, daß die Taufe doch ein Vorrecht sein soll. Und doch habe ich solche und ähnliche Worte von jungen Menschen oft zu hören bekommen. Susannes Eltern waren vor 15 Jahren noch nicht in der Wahrheit. Dann wurden sie besucht, überzeugt, getauft. Einen ziemlich großen Knacks erlebte Susannes Mutter 1975, als Harmagedon nicht wie erwartet eintrat.
Erst allmählich erholte sie sich von dem Schock. Doch unter dem Einfluß der anderen ist sie nun fanatischer denn je und begegnet der ablehnenden Haltung Susannes zur Taufe mit aller Härte. Das Mädchen ist verzweifelt.
Bittere Erfahrungen
Ein paar Tage später hatte ich Gelegenheit, noch einmal mit Susanne zu sprechen, sie zu fragen, warum sie so gegen die Taufe ist. Die Fünfzehnjährige ist intelligent und ein guter Beobachter, sie sagte:
"Oft habe ich miterlebt, wie sich Vati und Mutti um den wahren Glauben stritten. Wegen 1975 und so. In dem Jahr stand Vati fester als Mutti. Jetzt aber, als will sie etwas nachholen, ist es schlimm mit Mutti. Vati schimpft oft mit ihr und sagt, daß sie hartherzig ist, so, wie es die Bibel gar nicht will. Ich habe das schon dreimal von ihm gehört."
Susanne hat also schon einige schlechte Erfahrungen im Familienkreis hinter sich. Ich weiß, daß auch ihre Geschwister, obwohl sie noch in der Wahrheit sind, sich von Vater und Mutter getrennt haben und nicht mehr oft nach Hause kommen. Dabei ist der an sich sehr ruhige Bruder L. sehr sympathisch. Seine Frau dagegen vertritt ihren "Glauben" oft mit geradezu hysterischem Auftreten und verschreckt den Außenstehenden dadurch besonders.
Bitter klang Susannes Stimme, als sie dann sagte: "Ich sehe doch, wie es in den anderen Familien zugeht, die im Glauben sind. Dort gibt es viel Streit, weil ein Bruder sich kaum noch um die Familie kümmert, eine Schwester hat sogar Selbstmord gemacht deswegen vor ein paar Jahren." Ja, mit Recht fragt sich Susanne, was sie in einer solchen Organisation soll. Ich habe ihr gesagt, daß es auch in anderen Religionsgemeinschaften Probleme innerhalb der Familien, innerhalb der Versammlungen gibt. Überzeugen aber konnte ich sie damit nicht, im Gegenteil, sie konterte und meinte: "Du hast ja selbst genug erlebt, warum willst Du mich jetzt überzeugen?"
Nein, diese Absicht hatte ich nicht und habe sie auch heute nicht. Zuviel Ungereimtes gibt es im Vorgehen der WTG, dem, der noch nicht lange Zugang hat, bleibt es oft verborgen, entdeckt er Widersprüche dann später, so ist es meist zu spät, um noch etwas zu ändern.
Irrweg mit schweren Folgen
"Laßt euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten. Wacht in gerechter Weise zur Nüchternheit auf und verübt nicht Sünde, denn einige haben keine Erkenntnis Gottes. Ich sage es euch zur Beschämung." (1. Korinther 15:33,34)
Ist das Nachfolgen in den Reihen der WTG eine Irreführung? Ja, denn es wird behauptet, daß man durch die Taufe ein "Fußstapfennachfolger Jesus Christus wird". Doch dem ist nicht so, vielmehr dient der ZJ als Aushängeschild der WTG, die sich brüstet, wieder ein neues Mitglied gewonnen zu haben. Vielmehr dient jeder Zeuge Jehovas dazu, die Statistik der Studien - und Bibelstunden, der Dienststunden ansehnlicher zu machen. Die Zahl jener jungen Menschen, die vor der Taufe zurückschrecken, ist beträchtlich. Alleine im Umkreis meiner Bekannten in den Reihen der ZJ sind es 14 Jungen und Mädchen, die voller Hemmungen der Taufe entgegengehen. Berechtigte Hemmungen, denn ich muß bei diesen Überlegungen an einen älteren Bruder denken, der mir einmal hinsichtlich der Taufe erklärte:
"In jedem Interessierten müssen wir einen zukünftigen Zeugen Jehovas sehen, in jedem, der sich nicht zu unserem Glauben bekennt, einen Toten auf Urlaub. Denn der treue und verständige Sklave schickt uns nicht aus, um Frieden zu bringen, sondern, um Zwietracht zu säen."
Es war kein Wort von Jehova zu hören. Für diesen Bruder hatte die WTG über Jehova und die Bibel gesiegt. Wer kann verlangen, daß jemand durch die Taufe einen Irrweg betritt?
- nns -
GEDANKEN - ZUSCHRIFTEN - NOTIZEN
Leserbrief für Christliche Verantwortung
Ich bin schon viel in der Welt herumgekommen. Ich durfte viele Menschen treffen. Sehr viele berichteten mir von ihren Enttäuschungen durch verderbliche Sekten. Es würde ein sehr dickes Buch füllen. Tausende wurden besonders von den Zeugen Jehovas bitter enttäuscht. Aber aufgrund 25jähriger persönlicher Sektenforschung habe ich auch noch keinen Menschen kennengelernt, oder gesprochen, der von Jesus Christus und der Heiligen Schrift eine große Enttäuschung erlebt hat. Ja, Jesus Christus und allein sein Heiliges Wort wird niemals jemand enttäuschen, öderen die Irre führen. Deshalb Hände weg von diesen verderblichen Irrlichtern.
- Walter Suchsland -
Ein ewig Gestriger
Ein Zeugen-Brief
Wo seid ihr geblieben mit Euren schmutzigen lästigen Briefen? Ich will es Euch sagen, Jehova unser himmlischer Vater hat damit ein Ende gesetzt. Daß die Stasie dahinter steckt haben wir immer gewußt und so wanderten Eure Briefe bei mir immer ungelesen in den Ofen, denn es waren für uns Satans Briefe. Die frohe Botschaft von Gottes Königreich wurde mit und ohne Eure Briefe fortgesetzt. Denn was sagt die Schrift, die Bibel? Es werden viele falsche Propheten aufstehen und viele irreführen. Das habt auch ihr geschafft darum, wird Euch Harmagedon besonders treffen.
Denkt daran "es wäre besser an einen Mühlstein gehänkt und ins Meer versengt und sie werden den Tod suchen nur nicht finden". Ja das alles wird denen wiederfahren die sich gegen Gottes siegreiche Organisation stellten und noch stellen. Zeit und Stunde ist ungewiß, aber an den Zeichen der Zeit werdet Ihr erkennen das das Ende nahe ist. Das Geschlecht von 1914 geht dem Ende entgegen, sie müssen noch Friede und Sicherheit ausrufen (werden sie schon erleiden) auch dann wird das plötzliche Ende kommen. Aber das wißt Ihr ja selbst. Oder hattet Ihr auch dies anders ausgelegt?
Gottes Königreich kommt und die Vernichtung der Gottlosen Welt wie ein Dieb in der Nacht wird sie hereinbrechen. Ihr habt mit Euren Briefen meine Ehe kaputt gemacht, dafür Danke ich Euch, denn jetzt bin ich frei für Jehova und seine Verkündigung. Doch fangt schon jetzt an zu zittern denn bald kommt Eure Stunde der Vergeltung.
- keine Unterschrift -
CV-Anmerkung:
Immer wieder bekommen wir Briefe, - daß sie anonym sind, dafür haben wir Verständnis. Was wir aber nicht verstehen ist, daß sie angeblich alle unsere Schriften ungelesen verbrannt haben wollten, aber trotzdem so gut über den Inhalt informiert sind.
Wie kann der Inhalt einer angelesenen, noch nie aufgeschlagenen Zeitschrift etwas zerstören? Kann sie denn durch den Umschlag wirken? - Oder, sollten diese braven Zeugen Jehovas sich doch nicht an das Verbot der Wachtturmgesellschaft gehalten haben, die Zeitschrift ungelesen zu verbrennen?
Die "Christliche Verantwortung" in Polen
Nicht nur das polnische Brüder und Schwestern - ehemalige Zeugen Jehovas - die seit Jahren mit CV verbunden sind, die "Christliche Verantwortung" lesen, liest man auch in der großen Katholischen Universität in Lublin diese Zeitschrift. Unter der Nummer: V-17870 steht sie allen interessierten Lesern zur Verfügung und gibt ihnen die Möglichkeit, sich eingehend mit der Organisation der Zeugen Jehovas vertraut zu machen.
Es wurde festgestellt, daß "CV" in dieser Bibliothek sehr viel gelesen wird. Man studiert sie in Lublin mit großem Interesse.
Priester, Mönche, Nonnen und Laien lesen sie und diskutieren in wissenschaftlichen Zirkeln über die Lehren der Wachtturm-Gesellschaft, unterstützt durch die wichtigen CV-Informationen aus zugänglichen und auch aus unzugänglichen Quellen. Es gibt in dieser Universitäts-Bibliothek dazu noch viele andere WTG-Publikationen, sowohl in polnischer, deutscher oder anderen Sprachen.
Jeder, der ernsthaft interessiert ist, kann sich in der Universitäts-Bibliothek Lublin umfangreich über die Wachtturm-Organisation und ihre Zeugen Jehovas informieren.
- Aus Informationen von J. Weresky -
POSITIVES UND VERWUNDERLICHES
Liebe Brüder von CV!
Seit zwei Jahren werde ich mehr oder weniger regelmäßig von zwei Zeugen Jehovas besucht und diese bemühen sich nach Kräften mir das näherzubringen, was die Wachtturm-Gesellschaft zur Bibel zu sagen hat.
Ich bin nicht uninteressiert an diesen Dingen, versuche mich aber konsequent an 1. Th. 5:21 zu halten. Aus diesem Grund bemühe ich mich, mir möglichst viel Literatur über die ZJ und ihre Organisation zu besorgen (u.a. auch Ausgaben von CV) und diese zu studieren. Neben positiven Dingen habe ich dort auch viel Verwunderliches gefunden. Von Verwandten erhielt ich kürzlich das WTG-Offenbarungsbuch, erschienen 1988. Interessiert begann ich zu lesen und fand gleich auf Seite 8 eine Aufzählung der bisher zum gleichen Thema erschienenen Bücher
der WTG:
"Das vollendete Geheimnis" 1917/25
"Licht" 1930
"Babylon, die Große ist gefallen" 1963/65
"Dann ist das Geheimnis vollendet" 1969/70
"Die Offenbarung. Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!" 1988
Die erste Jahreszahl gibt das Erscheinen der amerikanischen, die zweite das der deutschen Ausgabe an. Das Erscheinen des neusten Buches wird mit Fragen der Übersetzungskapazitäten, der Übersichtlichkeit der Darstellungen und besonders aber damit begründet, daß Jehova "ständig mehr Licht über die Bedeutung seines Werkes" gibt. Das machte mich neugierig und nach viel Mühe ist es mir gelungen, alle die genannten Bücher zu besorgen und ich begann zu vergleichen.
Als erstes fiel mir auf, daß alle diese Schriften, obwohl sie, wie ich später herausfand, inhaltlich sehr differenziert und widersprüchlich sind, für sich in Anspruch nehmen, göttliche Wahrheit zu verkünden, daß Jehova gerade jetzt "helleres Licht" gegeben und sein Geheimnis geoffenbart hat und daß die Erfüllung der Offenbarung nun besonders nahe ist. Sehen wir uns am Beispiel vom ersten Buch aber an, wie die WTG selbst mit ihren Schriften umgeht: Auf Seite 5 dieses Werkes steht, daß es von Russell geschriebene Wahrheiten enthält und daß "der Beweis von des Herrn Führung in dieser Sache" gegeben ist. Rutherford selbst gab diese Schrift 1917 zur Veröffentlichung frei. Auf Seite 5 in "Licht" schreibt er dann dazu, daß vor 1930 keine befriedigende Erläuterung der Offenbarung veröffentlicht worden ist. "Erst jetzt ist die rechte Zeit da." Im 1970er Buch (S. 132 und 201) lobt man, daß die Verbreitung von "Das vollendete Geheimnis in Englisch 1918 eingestellt wurde, zwischendurch (S. 142) freut man sich aber auch, daß es wieder "zugelassen und verbreitet" werde durfte. 1925 erscheint es dann in Deutschland. Im neusten Buch, S. 159, Abs. 18, wird diese Erklärung der Offenbarung "als unbefriedigend" hingestellt, aber schon auf Seite 165 der gleichen Schrift ist sie "ein eindrucksvoller Kommentar zur Offenbarung und Hesekiel". Wen wundert es, daß meine Zweifel an der Wahrheit und den Beweisen der WTG weiter wuchsen? Man baut heute aber vor: "Wir behaupten nicht, daß die Erläuterungen in diesem Buch unfehlbar sind... Wir sind jedoch fest überzeugt, daß die Erklärungen in diesem Werk mit der Bibel als Ganzem übereinstimmen ..." (Bildkommentar S. 9) Man wird also vorsichtig und läßt ein Hintertürchen offen. Haben wir demnächst vielleicht "noch helleres Licht" zu erwarten?
-G.H.-
IHR ÄLTESTEN, BEHÜTET DAS EUCH ANVERTRAUTE GUT
Im Wachtturm 18/1988 steht ein Artikel, der zweifellos sehr viel gute Forderungen an die Ältesten enthält und jede Versammlung, der so ein Hirte vorsteht, sollte Jehova für diese Güte danken.
Man kann aber nicht einverstanden sein, wenn gleich unter der Überschrift mit Apg 20:28 behauptet wird, die Ältesten seien vom heiligen Geist zu diesem Amt ernannt worden. Jeder von euch weiß, daß unsere Aufseher von Menschen eingesetzt werden. Selbst wenn das Menschen sind, die sich im Dienst für Jehova hervorgetan haben, so unterliegen sie auch subjektiven Schwächen und Irrtümern. Deshalb sollten wir nicht zuviel Ehrfurcht vor unseren Hirten zeigen und sie streng an den Maßstäben messen, die uns dieser Wachtturm selbst aufzeigt. Es wird vorausgesetzt, daß die Ältesten die Bibel - möglichst mehrmals - ganz gelesen und darüber nachgedacht haben sollen. Und weiter unten (Abs. 11) wird mit Jak. 3:1,2 und Mat. 12:36,37 gesagt, welches Strafurteil die Verkünder falscher Lehren zu erwarten haben. Ganz richtig verweist der Artikel auf die Bibel und das eigene Urteilsvermögen und nicht auf die WTG-Schriften als Quelle der Wahrheit. Fürchtet man etwa, aufgrund der ständigen Lehränderungen als Urheber falscher Verkündigungen erkannt zu werden?
Übrigens wird es hier weder verboten noch als "Fallgrube" erwähnt, alte WTG-Schriften oder neuere kritische Ausführungen (z.B. CV) über die Wahrheiten der Wachtturm-Gesellschaft zu Rate zu ziehen.
Zuletzt möchte ich noch daran erinnern, daß ihr Älteste für alle Menschen nichts als Liebe und gute Wünsche haben sollt (Abs. 17). Denkt doch bitte bei euren zukünftigen Gebeten daran! IHR ÄLTESTEN, behandelt die Herde Gottes schonend Die durchaus vernünftigen Ansprüche aus dem vorhergehenden Artikel werden fortgesetzt.
Leider sind auch hier Unwahrheiten und Widersprüche enthalten. Nehmen wir den Absatz 7: Zu Beginn heißt es, daß die Ältesten, ebenso wie Paulus, nicht Herr über unseren Glauben sein wollen. Aber nur wenige Sätze weiter ist zu lesen, "daß sie die Anweisungen der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas unverzüglich befolgen".
Was gab es von dort aber gerade in Glaubensdingen nicht schon für gegensätzliche Anweisungen. Denken wir an die Fragen der Chronologie und der Endzeit, des Kreuzes, der Ältesten oder auch der Feste. Wer seinen Glauben hier nicht so schnell wie die Gesellschaft änderte, wurde von einem aus Ältesten bestehenden Rechtskomitee ausgeschlossen. Kann das mit der in Abs. 14 enthaltenen Behauptung, daß Gemeinschaftsentzüge biblisch begründet sein müssen, gestützt werden? Wohl kaum! Wissen wir doch, daß die Bibel über Tausende von Jahren unverändert geblieben ist. Sollten wir uns da nicht einmal gründlich Gedanken darüber machen, wieviel unberechtigte Ausschlüsse es schon gegeben hat? Selbst die Verfasser des Artikels verweisen weiter unten darauf, welch schwerwiegende geistige Schädigung, unabhängig vom emotionalen oder materiellen Schaden, so ein Gemeinschaftsentzug hervorrufen kann. Oder wird die Zahl der Ausschlüsse so groß, daß man jetzt etwas bremsen muß?
GEHORCHT denen, die die Führung übernehmen Zweimal wird auf die menschliche Unvollkommenheit der Ältesten hingewiesen und trotzdem sollen wir uns ihnen kritiklos unterwerfen.
Das fängt an in Glaubensfragen, in denen man der leitenden Körperschaft wieder unbedingte Autorität zuordnet. Wenn hier Mat. 24:14, 45-47 als Begründung zu Hilfe gezogen wird, so konnte ich dort nichts von einer leitenden Körperschaft finden. Mehr trifft da wohl der Vers 24 des gleichen Kapitels zu, in dem vor falschen Christussen und falschen Propheten gewarnt wird. Ist es in dem Zusammenhang nicht vernünftig, sich mehr an das Gebot in 1. Th. 5:21 zu halten, sich aller Dinge zu vergewissern und nur an dem Vortrefflichen festzuhalten? Die Widersprüchlichkeit der uns angebotenen geistigen Speise ist, wie schon oft nachgewiesen, so groß, daß sie unmöglich immer biblisch begründet sein kann. Trotzdem wird sie uns autoritär zugeordnet, blindes Vertrauen gefordert und unabhängiges Denken verpönt.
Aber nicht nur in Glaubensfragen, auch in den Dingen des täglichen Lebens sollen wir unsere Selbständigkeit aufgeben und uns unvollkommenen Menschen bedingungslos unterwerfen. "Wo der Geist Jehovas ist, da ist die Freiheit", sagen uns die Apostel Paulus und Jakobus (2. Kor. 2:17; Jak. 1:25). Bringt deshalb den Mut auf, euch diese Freiheit im Sinne Jehovas zu nehmen und laßt euch nicht länger durch unvollkommene Menschen bevormunden.
-J.G.H.-
DIE WACHTTURM-GESELLSCHAFT WIRD ZUR KASSE GEBETEN
Alarmstimmung herrscht im Wachtturm-Bethel Selters und in der Hauptzentrale in Brooklyn. Was ist der Anlaß dazu? Wieder einmal haben es Menschen, Zeitungen und Zeitschriften gewagt, die "Gemeinnützigkeit" der WTG in Frage zu stellen. Gemeindeversammlungen und Gerichte verlangen, daß diese Organisation, genau so wie auch andere "Produktionsbetriebe", zur Steuerkasse gebeten wird. So schrieb u.a. die Zeitung DIEZ/ Limburg, am 10.2.1990: Fällt bald ein Millionenregen auf die Gemeinde Selters? Finanzamt will Zeugen Jehovas nicht länger als gemeinnützig anerkennen.
Ortsparlament entscheidet im März über gigantische Erweiterungspläne auf dem Steinfels. CV-Anmerkung:
Die "gigantischen Erweiterungspläne" waren notwendig geworden, weil die WTG in den Ländern des Ostens keine neue Druckerei bauen, sondern die gesamte WTG-Literatur für ihre Zeugen und den Vertrieb in Selters herstellen will.
Die "WETZLAER NEUE ZEITUNG" schrieb am 27.12.1990:
Das Verfahren endet mit einem Kompromiß
Zeugen Jehovas weiter gemeinnützig - aber Steuern müssen sie jetzt zahlen
... die Oberfinanzdirektion Frankfurt hat nach uns vorliegenden
Informationen nun so entschieden:
Die Gemeinnützigkeit bleibt der Religionsgemeinschaft erhalten, aber
bestimmte Bereiche des Geschäftsbetriebes der Wachtturm-Gesellschaft werden rückwirkend an 1988 der Steuer unterworfen.
Chronologie der Ereignisse
Blenden wir zurück in den Februar diese Jahres: (1990) das Finanzamt Limburg ist laut Bericht unserer Zeitung nicht länger bereit, die den Zeugen Jehovas gehörende Deutschland Zentrale der "Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft" mit ihren 500 Mitarbeitern als gemeinnützig anzuerkennen, wie dies seit den 20er Jahren geschieht? ...
Zurück zur Chronologie: den schwarzen Peter hat im Frühjahr die Oberfinanzdirektion in Frankfurt. Und dort, wie auch im Finanzministerium in Wiesbaden hat man politische Bauchschmerzen, massiv gegen die Zeugen Jehovas vorzugehen ... Sicher scheint, daß Teile des Druckereibetriebes (der demnächst um 150 Mitarbeiter erweitert wird) steuerlich veranlagt werden...
CV-Anmerkung:
Warum hat die Oberfinanzdirektion und das Ministerium "politische Bauchschmerzen", wo es sich doch bei der WTG um eine "unpolitische" Organisation handelt, wie sie immer wieder behauptet. Oder?
Ja, ihre Anhänger, die Zeugen Jehovas, sind doch absolute "Nichtwähler". - "Politische Bauchschmerzen" wegen "Nichtwähler"??? Was verursacht denn wirklich die "politischen Bauchschmerzen "? -
Desweiteren ist anzumerken, daß nicht die Zeugen Jehovas Eigentümer der Wachtturm-Zentrale in Selters sind, sondern die "Watch Tower Bible and Tract Society of Pensylvania" in den USA. Die Zeugen haben nur die Aufgabe, kostenlos zu arbeiten und sie durch zusätzliche Spenden zu finanzieren. Sie sind ja nicht einmal Mitglieder der Wachtturm-Gesellschaft, geschweige denn Inhaber der riesigen Immobilien dieser Gesellschaft auf der ganzen Welt. Sie haben keinerlei Rechte, sie dürfen nur Befehle ausführen und zahlen. Nicht die leitenden Mitglieder in den USA waren in den KZs des Hitlerregimes, sondern die einfachen Zeugen Jehovas, die aufgrund von Anweisungen der WTG gegen den Staat sich aufgelehnt haben, genau so wie sie auch viele Jahre später in die Zuchthäuser der Ostzone/DDR gehen mußten, weil die WTG sie politisch in die Konfrontation zum Staat zwang.
Weiter wurde am 14.2.1990 berichtet:
Besser als sechs Richtige
Jehovas Zeugen zahlen Selters vier Millionen Die Zeugen Jehovas lassen sich ihre Bauwünsche etwas kosten: Für die von ihnen anvisierte Erweiterung der Deutschland-Zentrale der Wachtturm-Gesellschaft auf dem Steinfels bei Niederselters (mit rund 50 Millionen Mark veranschlagt) zahlen sie erst einmal drei Millionen in die Niederselterser Gemeindekasse - zur "Unterstützung der Infrastruktur". Außerdem finanziert die Gesellschaft eine neue Drehleiter für die Feuerwehr im Wert von 800.000 Mark sowie ein Tanklöschfahrzeug für weitere 220.000 Mark. Macht insgesamt satte 4,02 Millionen Mark. Im Gegenzug will Selters das für die Erweiterung des Komplexes nötige Land, das die Wachtturm-Gesellschaft schon besitzt, als Bauland ausweisen ...
CV-Anmerkung:
Endgültig entschieden war noch nichts. Hat das Gemeindeparlament diesem Vertrag zugestimmt? Hat die WTG bezahlt und wenn, wieviel?
Nun, es gibt noch viel mehr Ungeklärtes bei der WTG, aber eines ist absolut klar: Sie ist mit eine der cleversten "Religionsgemeinschaften" auf der Welt. Sie ist unwahrscheinlich schnell und geschickt im Reagieren.
Als sie merkte, daß wiederum die Steuergefahr im anzug war, nahm sie sofort die Preise, ab 1. Juli 1990, aus ihren Veröffentlichungen heraus, um den Eindruck zu erwecken, keine Handelsfirma zu sein.
Dazu gibt sie an ihre Zeugen in den neuen Bundesländern die Literatur kostenlos ab.
Man munkelt darüber, daß in Zukunft auch in den alten Bundesländern die Literatur kostenlos abgegeben werden soll. Es ist kaum vorstellbar, daß die WTG die doch hinter jeder Mark herjagt, auf diesen Riesenverdienst verzichtet, ohne daß sie nicht schon Pläne hat, wie sie trotzdem auf ihr Geld kommt... Einer davon könnte sein, daß die Zeugen in Zukunft "freiwillig" ihre Spenden erhöhen werden (müssen).
Wie schrieb doch CV: "Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft Das ist der Name einer Geschäftsfirma...
H. W.
"Christliche Verantwortung"; Herausgeber Henry Werner;
O - 6500 Gera, Heinrichstraße 46; Einzelpreis 2,00 DM
Konto-Nr.: 3219526; Volksbank e.G., Gera BLZ: 830 945 64