Christliche Verantwortung Jahrgangsmäßig zusammengefasst - 1991

CV 256 - CV 259

Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 256

Im Gegensatz zu früheren CV-Ausgaben erweckt diese eher den Eindruck, als wäre sie durchgängig, nur von einem einzigen Verfasser zusammengestellt. Sollte selbiger der Herr Dieter Pape gewesen sein, würde mich das keinesfalls verwundern. Auf eine Kommentierung zu jener Person, möchte ich dann an dieser Stelle doch verzichten.

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CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

SCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA / THÜRINGEN

NR. 256 GERA 1/1991

"EINE GUTE BOTSCHAFT FÜR DIE GANZE MENSCHHEIT" ?

Warum die Verkündigung der "Zeugen Jehovas" rückgewiesen werden muß

DAS ANLIEGEN

Diese Ausführungen sollen in erster Linie begründen, warum die Verkündigung der religiösen Gemeinschaft der "Zeugen Jehovas" abgelehnt und zurückgewiesen werden muß. Verbunden damit wird natürlich alles Gute, das jemand in seiner bisherigen Gemeinschaft und Kirche besitzt, "festzuhalten", und dabei zu bleiben. (1. Thess. 5:21). Das Gesagte soll für die Zeugen aber zugleich auch wie eine ausgestreckte Hand sein, um als Christen den Weg fortsetzen zu können. Dazu sollte ihnen nicht mit der gleichen Intoleranz begegnet werden, die sie bisher allen Andersglaubenden und Andersdenkenden gegenüber zum Ausdruck bringen. Im Gegenteil. Denn "wer Liebe sucht, deckt Verfehlungen zu" (Spr. 17:9), wollen die Zeugen doch ihrerseits persönlich aufrichtige Christen sein, was auf jeden Fall zunächst in Betracht zu ziehen ist. Insgesamt soll hiermit eine Art Dokumentation in die Hand gegeben werden, die die Unglaubwürdigkeit, und Unannehmbarkeit der entscheidenden Inhalte der als "eine gute Botschaft für die ganze Menschheit" (WT 1/1990) ausgegebenen Zeugen-Verkündigung nachweist. Dieser Irrgang sollte besser gar nicht erst beschriften werden. Im Einklang mit den Worten in Jakobus 3:1, wonach "Lehrer ein um so strengeres Urteil empfangen werden", richten sich diese Ausführungen primär nicht gegen die Zeugen Jehovas, denn sie sind eigentlich nur bloße Verkünder oder Kolporteure, wie sie sich in ihrer Frühzeit auch selbst nannten. Ihre Lehren oder "gedruckten Predigten" sind ausschließlich das Produkt der sie leitenden und damit beherrschenden Führung der als US-Geschäftsfirma gegründeten "Watch Tower Bible and Tract Society" (Wachtturm Bibel- und Traktat Gesellschaft, WTG) mit Hauptsitz und Weltzentrale in Pittsburg/-Pennsylvania und Brooklyn/New York, unter den Zeugen kurz "die Gesellschaft" genannt.

Damit ist die WTG nicht nur der hauptverantwortliche "Lehrer" aller Zeugen Jehovas (ZJ). Diese Geschäftsfirma läßt sie sogar proklamieren, "daß DIE GESELLSCHAFT der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden ist" (WTG-Buch "Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, dt. 1961, S. 148 f). Die ZJ-Verkündiger haben in Lehrfragen nichts zu bestimmen. Diesen autoritären Führungsanspruch hat die Wachtturmgesellschaft jüngst selbst wie folgt erhoben:

"... hat jeder Zweig der Watch Tower Society ein Zweigkomitee, bestehend aus fähigen Männern, die die leitende Körperschaft (die amtlichen WTG-Direktoren und einige Hinzuberufene, z.Z. 12 Personen) ernannt hat. Die Zweigkomitees fuhren Anweisungen aus, die in den Büchern und Zeitschriften der Gesellschaft und in 'Unserem Königreichsdienst' (interne Anweisungen für die ZJ) enthalten sind, sowie in allgemeinen Briefen und in speziellen Briefen, die sich mit örtlichen Problemen befassen", und "Jehova segnet diese Theokratische Einrichtung" (Wachtturm 15. März 1990, S. 19 f). Mit "theokratisch" ist dieses geistige und organisatorische WTG-Regime gar als Gottesherrschaft über die Zeugen erklärt. Die Wachtturm-Zeitschrift (WT) ist in diesem System das bestimmende Hauptorgan. Mit dem gesetzlichen Copyrigth (c) für diese Publikationen bei der WTG und ihrem amtlichen Präsidenten (Impressum) hat diese Hauptverantwortung der WTG als "Lehrer" sogar eine gesetzliche Perfektionierung erfahren.

Man muß einfach wissen, daß die ZJ nur so an Gott, Christus und die Bibel glauben dürfen, die Bibel nur so erklären dürfen, und so verbindlich nur das verkündigen dürfen, was den Anweisungen der WTG in ihren Büchern, Zeitschriften, Interna und Briefen entspricht. Hier ist die WTG äußerst intolerant, bis hin zur Exkommunikation. Ein von ihr unabhängiges Denken ihrer ZJ wird nicht geduldet: "In Gottes Organisation herrscht kein unabhängiges Denken vor". (Wachtturm 15. September 1989, S. 23). Die Zeugen Jehovas betreffend sollte es darum nirgends primär gegen sie gehen, sondern eher um sie und ihr Wohl. Mehr noch. "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst, wenn ihr aber die Person anseht, so begeht ihr Sünde" (Jakobus 2:8,9).

Dementsprechend sind diesen Ausführungen auch keine persönlichen Meinungen und Handlungen irgendwelcher ZJ-Verkündiger zugrunde gelegt. Maßgeblich ist allein das, was die WTG da als "eine gute Botschaft für die ganze Menschheit" auf Leben oder Tod für alle Angesprochenen verkündigen läßt.

Schließlich sollen diese Ausführungen nicht nur von vornherein davor bewahren helfen, der WTG sozusagen anheim zu fallen. Sie sollen auch ermöglichen, einem ZJ das Wesentliche vor Augen zu führen, was gegen die WTG-"Botschaft" spricht. Man kann davon ausgehen, daß ein WTG-treuer Zeuge das noch nie hinreichend vor Augen gehabt hat. Was die Äußerungen von Gegnern oder Kritikern betrifft, so lauten die "theokratischen" WTG-Anweisungen, sprich Befehle: "... Ebensowenig kaufen oder lesen wir ihre Schriften ..." (Wachtturm 15. Dezember 1984, S. 18).

DIE "GUTE BOTSCHAFT" DER WTG

Bevor aufgezeigt wird, was der ZJ-Glaube oder die WTG-Hörigkeit im praktischen und täglichen Leben für folgenschwere Auswirkungen hat, ist es zweckmäßig auch zu kennen, was der wesentliche Inhalt dieser "guten Botschaft für die ganze Menschheit" zur Zeit ist. Zur Zeit muß man sagen, vor allem deswegen, weil die entsprechende Bibelverwendung dafür immer wieder der Zeit und den Umständen angepaßt wird. Letztlich aber sollte man zu allererst wissen, für was für eine "Botschaft" man da seinen ganzen bisherigen Glauben und seine ganze bisherige Kirche bzw. Gemeinschaft aufgeben würde. Herausgestellte Tugenden, Opfer oder moralische Ansprüche sind nicht entscheidend. Es gibt kaum jemanden, der solches nicht für sich reklamiert. Auch "falschen Göttern" wurde und wird irrtümlich und aufrichtig gedient und geopfert, selbst das Leben. Die WTG macht schließlich überhaupt kein Hehl daraus, daß es ihr mit ihren ZJ in der Tat nicht darum geht, die Welt zu verbessern, in Mißbrauch von Bibeltexten wird immer wieder geäußert:

"Menschliche Anstrengungen, die Welt zu verbessern, mögen aufrichtig gemeint sein, aber der Psalmist gab den weisen Rat: 'Setzt euer Vertrauen nicht nur auf Edle noch auf den Sohn des Erdenmenschen, bei dem es keine Rettung gibt ...' " (Psalm 146:3,5) (WT 15.1.1984, S. 27). Gerade dieser Bibelmißbrauch wird noch sehr deutlich werden. Ihrem Wesen nach ist diese "gute Botschaft" der WTG in erster Linie eine sehr radikale Endzeit-Botschaft für diese Welt und als solche nicht nur eine falsche Prophetie, wie sich zeigt, sie muß auch als eine religiös-politische Utopie bezeichnet werden, was ihre irdischen Versprechungen "für die gesamte Menschheit" betrifft.

Natürlich sollten die WTG und ZJ mit ihrer "Botschaft" da nicht überschätzt werden. Sie sind trotz eindrucksvoll herausgestellter Zahlen und Ansprüche im Weltmaßstab eine religiöse Minderheit, deren "Botschaft" die "ganze Menschheit" in ihrer Mehrheit bisher weder zur Kenntnis genommen hat, noch nehmen konnte und kann, und wohl auch niemals wird. Das liegt nicht nur an den begrenzten Mitteln und Möglichkeiten der WTG und ZJ selbst, sondern auch an den überall lebensbedingt vorherrschenden kulturellen, sozialen und natürlich auch anderen religiösen Interessen und Bedürfnissen, eben dieser "ganzen Menschheit". Wo sie allerdings mit ihren von intim bis weltweit gespannten Ansprüchen auftreten und Einfluß nehmen, besonders in allen Arten von Krisensituationen des Lebens, sind sie ohne Zweifel eine für die Betroffenen zu beantwortende Herausforderung.

DIE HAUPTAUSSAGE

Die Hauptaussage der WTG-"Botschaft" beinhaltet zusammengefaßt das Folgende.

Die seit 1914 lebende Menschheitsgeneration sei die letzte vor dem "Ende dieser Welt". Dieses "Ende" erfülle sich in dem unabwendbaren Universalkrieg von "Harmagedon", in dem mit Ausnahmen der Zeugen Jehovas und derer, die sich ihnen noch anschließen, die ganze übrige Menschheit buchstäblich vernichtet wird. Wie WTG-Illustrationen darüber ausweisen, soll dieser Gotteskrieg mit Christus und seinen Engelheeren als Scharfrichter auch atomar geführt werden, indem sich die Menschen auch gegenseitig durch Einsatz ihrer Waffen umbringen (WTG-Buch "Sicherheit unter dem Fürsten des Friedens", 1986, S. 156/157). So werde die Erde noch zur Lebzeit dieser 1914-Generation vom Säugling bis zum Greis von allen Andersglaubenden "gereinigt". Damit würden auch alle religiösen, kulturellen und sozialen Einrichtungen und Systeme als "böse Welt"

vernichtet. In entsprechendem Bibelmißbrauch predigt die WTG das wie folgt: "Ja, Blut wird in Strömen fließen, wenn Gottes Hinrichtungsstreitkräfte zur Tat schreiten. Die 69 Millionen Toten der zwei Weltkriege werden nichts sein im Vergleich zu den Opfern des Krieges Gottes von Harmagedon. Der Prophet Jeremia schrieb diesbezüglich: "Die von Jehova Erschlagenen werden schließlich an jenem Tage gewißlich von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde sein. Sie werden nicht beklagt werden, noch werden sie zusammengesammelt werden, noch begraben werden. Zu Dünger auf der Oberfläche des Bodens werden sie werden." (Jeremia 25:30-33)

Die Menschheit wird weltweit durch brennende Geschosse, Feuerregen und andere elementare Kräfte, die mit dem Gericht Gottes einhergehen, in Schrecken versetzt werden. In der allgemeinen Verwirrung wird sich ein jeder gegen seinen Nächsten wenden. Und Gottes Hinrichtungsstreitkräfte werden ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht zuschlagen. Denn Gott gebietet ihnen, keine Barmherzigkeit zu zeigen: "Schlagt. Laßt es eurem Auge nicht leid sein und empfindet kein Mitleid. Greis, Jüngling und Jungfrau und Kleinkind und Frauen solltet ihr töten - zum Verderben" (Hesekiel 9:5,6; Sacharja 14:12,13). (Wachtturm 1. Februar 1985, S. 4) Die hier überlebenden Zeugen Jehovas würden dann die "Millionen sein, die nie mehr sterben werden", ein Schlagwort der WTG seit 1920. Sie würden dann innerhalb von 1000 Jahren unter ihrem "König" Christus Jesus eine "neue Welt", eine "theokratische Neuordnung", eben das "Paradies auf Erden" errichten. Dies allein sei die Lösung aller heutigen menschlichen, moralischen, sozialen und politischen Probleme. Die überlebenden Zeugen würden der Anfang einer sich neu entfaltenden Menschheit sein. Es würde ewiger Friede sein zwischen den Menschen, zwischen Mensch und Tier und zwischen den Tieren. Alles in allem das "Königreich Gottes auf Erden", für das im Vaterunser mit den Worten "Dein Reich komme" gebetet werde.

WIE ZU BEWENDEN ?

Die Radikalität, ja der Extremismus dieser religiös-politischen Utopie besteht darin, daß hier eine Art Aussteigertum gepredigt wird, das in allen Andersglaubenden und Andersdenkenden schließlich nur noch vernichtungswürdige Verbrecher sehen lehrt:

" - lobet Jehova! Die weisen jungen Leute, die diesen beglückenden Platz (unter Jehovas Zeugen) finden und behalten, werden nicht zu den Pflichtvergessenen, zu den Kriminellen des gegenwärtigen bösen Systems der Dinge gezählt". (Wachtturm 15. September 1958, S. 565) Nicht Toleranz und Frieden, sondern Intoleranz und Feindschaft sind die Folgen. Denn praktisch sind mit dieser "guten Botschaft" alle Andersglaubenden vor allem als "Feinde Gottes" und ihre Religion, ihr Glaube, als "falsche Religion", als Anbetung des "Gottes dieser Welt", Satans, des Teufels, bloßzustellen. Mehr noch. Im Zusammenhang mit der endzeitlichen Verneinung jeglicher Beteiligung an einer "Weltverbesserung" haben alle anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften wegen dieser ihrer Beteiligung, wegen ihres sozialpolitischen Engagements nur noch als vemichtungswürdige "Hure Babylons" zu gelten, allem voran ihre verantwortliche Pfarrerschaft und Geistlichkeit, insbesondere der katholischen Kirche.

Erstmals ließ die WTG ihre "Zeit des Endes dieser Welt" für den Zeitraum 1799 bis 1914 predigen. Schließlich verschob man den Endtermin auf 1925. Als auch dies als Falschprophetie auf der Hand lag, ließ sie ihre Endzeit erst 1914 beginnen mit neuem Endtermin kurz nach 1939 im 2. Weltkrieg, der in "Harmagedon" übergehen würde. 1946 würde das Ende um 10 oder höchstens 20 Jahre weiter verschoben. Ab 1968 ließ sie dann predigen, 1975 sei "Harmagedon" vorbei und beginne das 1000-jährige "Paradies" auf Erden. Ab 1982 wurde dann als Endtermin 1994 eingeschoben. Seit 1989 wird der Endtermin bis hinter das Jahr 2000 verschoben. Immer sollte die "Erfüllung" jene "Generation" erleben, der diese Termine gepredigt wurden. Die Hauptursache dieses Dahinschiebens waren und sind die ständig als "falsche Prophetie" offenbar werdenden Fehlkonstruktionen sog. "Zeichen der Zeit" jener "Zeit des Endes", d.h., der jeweiligen religiösen, politischen und auch militärischen Ereignisse, wie die WTG-Literatur über ihre schon 200 Jahre dahingeschobene Endzeit ausweist.

Die Zeugen haben allerdings immer nur die jüngsten oder neuesten derartigen WTG-Konstruktionen als verbindliches "Licht von Gott" zu verkündigen. Die Vorgeschichten kennen sie zumeist überhaupt nicht mehr. Sie werden von der WTG bewußt aus dem Blickfeld genommen. Alles in allem ist diese sog. endzeitliche WTG-"Botschaft", betrachtet man ihre verschiedenen Aspekte und Auswirkungen, ein ständiger Rundumkonflikt mit allen Andersglaubenden, gegebenenfalls bis hinein in die eigene Verwandtschaft und Familie. Betrachtet man den Zeitraum, den sie nun schon überspannt, so hat sie sich eigentlich längst selbst überlebt und widerlegt. Allein die Täuschung der Herzen der Arglosen" - Römer 16:17,18 - macht es der WTG immer wieder möglich, Generation auf Generation neue "hörende Ohren" zu finden. Dies besonders da und überall, wo solche Arglosigkeit einhergeht mit den verschiedensten ungelösten Problem- und Krisensituationen. Das mag persönlich sein, wie Familie, Gesundheit, Arbeitsleben, Erziehungsfragen oder Glaubensprobleme. Die WTG klammen keine menschliche Krisensituation aus. Allen, "die da klagen und jammern über die Greuel, die innerhalb der Stadt verübt werden" (Hesekiel 9:4), soll da "ein Zeichen auf der Stirn" gemacht werden, um der "Harmagedon"-Vernichtung zu entgehen.

SIND DIE "ZEUGEN JEHOVAS" CHRISTEN ?

Die WTG nimmt für sich und ihre ZJ in Anspruch, die einzig und allein wahren Christen zu sein. Indessen hat dieser Anspruch eine inzwischen sehr wechselhafte und auch widerspruchsvolle Geschichte, die zur Zeit gar in der Verwerfung des Kreuzes Christi gipfelt. Aber auch in dieser Frage gelten jedoch immer nur das gegenwärtige "Licht von Gott", die neuesten oder jüngsten "Erkenntnisse" der WTG, ihre jüngsten Bibelauslegungen oder Lehranpassungen.

In knappen Worten hier das Wesentliche:

Der Harmadegon-Scharfrichter Jesus Christus ist lt. WTG natürlich auch der Sohn Gottes, der sein irdisches Leben auf Golgatha geopfert hat, um "Menschen von aller Art" zu erlösen, zu erretten. Der "Errettung" von "Millionen jetzt Lebender" sei so möglich. Auch die allgemeine Auferstehung auf Erden nach Harmagedon. Desweiteren auch die himmlische Auferstehung, die die WTG allerdings insgesamt buchstäblich auf nur 144 000 Personen seit der Zeit Jesu und der Apostel beschränkt, auch als die "Berufenen, Auserwählten und Treuen", als die "Kirche", die "Herauswahl" oder der "Leib Christi" bezeichnet. Der gegenwärtige Rest dieser 144 000, der "Überrest" genannt, als allein zum Abendmahl berechtigt, befinde sich seit dem Erscheinen der WTG vor 100 Jahren nur noch unter den WTG-Anhängern mit der WTG-Führung an der Spitze. Für 1990 wurden da noch 8 743 solcher "Überrest"-Glieder gezählt. Die Gesamtzahl der ZJ weltweit von fast 3,8 Millionen (1990) minus 8 743 als besagter "Überrest" haben sich ungeachtet ihres Ausschlusses von Abendmahl der einen christlichen Hoffnung (Epheser 4:4) natürlich als allein wahre Christen zu verstehen und zu bezeichnen. Ansonsten werden alle WTG-Anhänger als ZJ gleichgesetzt, was die moralischen Maßstäbe und Gebote der Bibel betrifft, im Dienste des WTG-Endzeitwerkes gegebenenfalls in Treue bis zum Tode angewendet oder abgefordert.

DER BISHERIGE WTG-ENDZEITLICHE IRRGANG

Um nicht bei der gemachten allgemeinen Behauptung oder Feststellung stehenbleiben zu müssen, die WTG-"Botschaft" müsse auf jeden Fall zurückgewiesen werden, ist unbedingt eine hinreichende Darstellung der Inhalte der bisherigen WTG-Endzeitverkündigung erforderlich. Besonders für ein Gespräch über diese Thematik benötigt man schließlich konkrete Beweise. Es geht darum, auch konkret zu wissen und zur Hand zu haben, was einem da seitens der WTG und ZJ bisher zugemutet wurde und wird.

Es ist schwierig, die einzelnen Bereiche völlig gesondert darzustellen, weil die von der WTG jeweils konstruierten "Zeichen der Zeit" oder "Erfüllungen heute", die ihre Endzeit beweisen sollen, z.T. sehr komplexer Natur sind, "kombiniert". Es ist eine Art Gemisch oder Verbindung von entsprechenden Bibeldeutungen mit aller Art Zeitgeschehen, religiös, gesellschaftlich, staatlich, kulturell - was immer zu passen scheint. Dann immer aufs Neue als "biblische Erkenntnis" und "Licht von Gott" ausgegeben, nun schon die Generation seit 1799 überspannend.

U. a. wird dabei auch erkennbar, welcher Art Moral und Weltanschauung man sich da verschreiben müßte, um sie schließlich selber "von Haus zu Haus" per WTG-Schriften zu verbreiten und in sog. Heimstudien "gefundenen anderen Schafen" beizubringen, damit auch sie die WTG-Endzeit anderen verkündigen, mit allen Konsequenzen und Folgen. Es folgt nun die Darstellung der wesentlichen Bereiche des bisherigen Inhaltes der gesamten WTG-Endzeit, wie sie seit der Begründung der WTG - 1879 Wachtturm-Schrift und 1881 Geschäftsfirma - als "göttliche Wahrheit", "Zeichen der Zeit des Endes", "Licht von Gott", "helleres Licht von Gott", "gegenwärtige Wahrheit" und "Erfüllung biblischer Prophetie" oder "gottgegebene Erkenntnis" Generation auf Generation von den ZJ (früher Bibelforscher) verkündigt wurde. In Mißbrauch der Worte Jesu in Matth. 24:34, "diese Generation wird nicht vergehen" wurde dabei jeder Generation das Nicht-mehr-sterben versprochen. Und wenn alles weiterverschoben werden mußte, wurden jedesmal die Worte aus Habakuk 2:3 mißbraucht:

"Denn die Erfüllung der Offenbarung steht noch bis zu dem bestimmten Zeitpunkt aus, drängt jedoch dem Ziele zu und trügt nicht; wenn sie auf sich warten läßt, so harre ihrer, denn sie kommt sicher und bleibt nicht aus". Dies inszenierte die WTG bei einer ihrer frühesten Verschiebungen von 1844 auf 1874 und jüngst, um nun ins Jahr 2000 und danach zu kommen. (Wachtturm 1. Januar 1990, S. 27, Abs. 21)

Die Darstellung erfolgt in Form einer Dokumentierung entsprechender WTG-Äußerungen, wie sie in den "gedruckten Predigten", in den Schriften, zum Thema gemacht wurden.

1.

ÜBER DEN BEGINN DER ENDZEIT

"Die 'Zeit des Endes', eine Periode von 115 Jahren, 1799 bis 1914, ist in der Schrift besonders gekennzeichnet". (Schriftstudien III, 1890, dt. 1926, S. 13) "... Diese physischen Tatsachen können nicht bestritten werden und sind genügend, jeden vernünftig denkenden Menschen davon zu überzeugen, daß wir seit 1799 in der 'Zeit des Endes' leben". (Die Harfe Gottes, S. 235, dt. 1926) "Wir leben jetzt in der 'Zeit des Endes' der Christenheit und aller übrigen Teile dieses Systems der Dinge (Daniel 11:40; 12:4). Diese Zeit hat 1914 begonnen". (Auch du kannst Harmagedon überleben, S. 109, dt. 1958) 1914 als Endzeitbeginn gilt auch gegenwärtig (1991) noch.

2.

WIEDERKUNFT UND GEGENWART CHRISTI

"Eines der Gleichnisse unseres Herrn ist ausdrücklich dazu gegeben, diese Wartezeit von der Enttäuschung im Jahre 1844 an bis zum Aufgehen der Erkenntnis am Schluß der '1335 Tage' zu verdeutlichen. Es ist das Gleichnis von den zehn Jungfrauen ... aber die zweite war keine Enttäuschung, und kein längeres Warten war nötig, denn es kam genau am Schluß der 1335 prophetischen Tage, im Oktober 1874. Gerade nach Ablauf der 1335 Tage 'Wartezeit' war es, daß die Tatsache der Gegenwart unseres Herrn ... anfing, erkannt zu werden". (Schriftstudien III, 1890, dt. 1926, S. 78) "Durch die Heilige Schrift wird bewiesen, daß die zweite Gegenwart des Herrn Jesu Christi im Jahre 1874 n.Chr. begann. Das Beweismaterial hierfür ist eingehend in der Broschüre 'Unseres Herrn Wiederkunft1 unterbreitet". (Prophezeiung, S. 70, dt. 1929)

"Seit dem Jahre 1914 ist Jesus Christus, 'der Menschensohn', in seinem Königreich gegenwärtig gewesen. Seit jener Zeit leben wir in den Tagen der 'Gegenwart des Menschensohnes'". (Auch du kannst Harmagedon überleben, S. 292, dt. 1958)

"... das 'Zeichen' seiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge ... Es zeigte sich erst vom 4./5. Oktober oder von der Mitte des jüdischen Mondmonats Tischri des Jahres 1914 an".

(Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S. 229, dt. 1973)

3.

DIE GROSSE PYRAMIDE VON GIZEH,

ÄGYPTEN

"Das Zeugnis dieses 'Zeugen dem Jehova im Landes Ägypten und das des geschriebenen Buches weisen mit feierlicher und irrtumsloser Bestimmtheit auf den schließlichen Zusammenbruch der alten Ordnung der Dinge in den 'Abgrund' der Vergangenheit hin, und auf die glorreiche Herstellung der neuen Ordnung unter Christo Jesu, dem großen Haupt-Eckstein des ewigen Baues Gottes". (Schriftstudien III, 1890, dt. 1926, S. 366)

"Eine Zeitlang haben Schriftforscher diese Prophezeiung ernsthaft auf die 'große Pyramide' in Ägypten angewandt; aber seitdem der Herr zu seinem Tempel gekommen ist und die Blitzstrahlen Gottes sein Wort erleuchteten, kann die Tempelklasse wahrnehmen, daß sich diese Prophezeiung in keiner Weise auf einen Steinhaufen in Ägypten bezieht". (Prophezeiung, S. 217, dt. 1929)

Bemerkenswert ist hier, wie geschickt auf irgendwelche Schriftforscher abgelenkt wird.

4.

ZUM ZIONISMUS UND STAAT ISRAEL

"Jesus sagt weiter, daß das Wiedereinsammeln Israels nach Palästina (Luk. 21:24) einer der überzeugendsten Beweise seiner Gegenwart und des Endes der Welt sein würde". (Die Harfe Gottes, S. 234, dt. 1926) "Der Zionismus wurde im Jahre 1897 in Basel, Schweiz, zu einer Körperschaft organisiert, und an jenem Kongreß, der die Organisation vollendete, waren genau 206 Delegierte anwesend, genau die Zahl wie die Zahl der Knochen des Menschenskelettes. Das war kein bloßer Zufall, sondern eine augenscheinlich vom Herrn angeordnete Tatsache, und zeigt, daß der Herr auch die kleinsten Dinge in Verbindung mit der Wiederherstellung der Juden und ihrer Wiederbringung zu Gott überwaltet". (Leben, S. 177 f, dt. 1929)

Durch die Veröffentlichung von Band 2 des Buches Rechtfertigung in jenem Jahre (1932) erkannten Zeugen Jehovas, daß eine solche 'Zurück-nach-Palästina'-Bewegung vom Geiste des Erzfeindes Jehovas in die Wege geleitet wurde, von Satan, der die ganze bewohnte Erde betrogen hat". (Wachtturm, 15. Juli 1955, dt., S. 424)

5.

DAS "ERSEHNTE ALLER NATIONEN"

"Haggai spricht, indem er sagt: "Und ich werde alle Nationen erschüttern, und das Ersehnte aller Nationen wird kommen, und ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht Jehova der Heerscharen". (Haggai 2:7)

Wenn diese große Erschütterung vorüber ist, dann wird das Ersehnte aller Nationen kommen, nämlich eine aufrichtige, gerechte Regierung, die im Interesse der Menschheit unter Aufsicht des großen Messias ausgeübt wird". (Die Harfe Gottes, S. 258, dt. 1926)

"Jedoch erst im Jahre 1953 auf dem unvergleichlichen internationalen Kongreß der Zeugen Jehovas im Yankee-Stadion der Stadt New York wurde enthüllt, daß 'das Ersehnte aller Nationen', das herbeikommen sollte, diese große Volksmenge ist, diese große Menge von Anbetern Jehovas, die Gefährten des geistlichen Überrests geworden sind". (Auch du kannst Harmagedon überleben, S. 265, dt. 1958)

6.

DIE JOEL-HEUSCHRECKEN

"Betrachten wir die prophetische Beschreibung dieser großen Armee (Joel 2:2-11): "Ein großes und mächtiges Volk, desgleichen von Ewigkeit her nicht gewesen ist und nach ihm nicht mehr sein wird bis in die Jahre der Geschlechter und Geschlechter. Vor ihm verzehrt das Feuer, und nach ihm lodert die Flamme, vor ihm ist das Land wie der Garten Eden, und nach ihm eine öde Wüste'. Der Herr wird sich dieser Unzufriedenen, Unwissenden und Hoffnungslosen, ihrer Träume, Befürchtungen, Torheiten und ihrer Selbstsucht bedienen, um die gegenwärtige Ordnung zu vernichten". (Schriftstudien IV, 1897, dt. 1923, S. 418)

"Die gelbe Gefahr in ihrer neuesten Form. Die jüngsten Geschehnisse im fernen Osten lassen die alte Legende einer kommenden gelben Gefahr in einem ganz neuen Lichte aufleuchten. Sollte es der eifrigen Agitation Moskaus wirklich gelingen, das Reich der Mitte zu bolschewisieren ? Und würde das nicht der morsch gewordenen westlichen Kultur den Todesstoß verleihen ? Das sind jedenfalls berechtigte Fragen, wenn man die Vorgänge in China aufmerksam verfolgt. Unwillkürlich wird man da an das Prophetenwort erinnert (Joel 2:1-11): 'Sie rennen wie die Helden, wie Kriegsleute ersteigen sie die Mauer (also auch die chinesische Mauer ...) vor ihnen erbebt die Erde (gesellschaftliche Ordnung der Dinge), erzittert der Himmel (kirchliche und geistliche Ordnung), Sonne und Mond (das Evangelium und das Gesetz) verfinstert sich, und die Sterne (die Kirchenlichter) verhalten ihren Glanz ... Denn groß ist der Tag Jehovas, und wer kann ihn ertragen?' - Wenn die zahlreichen Zeitungsberichte sich bewahrheiten, daß Moskau hinter den sich bekämpfenden chinesischen Generälen steht und diese der Sowjetregierung Millionenbeere zur Bolschewisierung Europas, im Falle des Sieges, zugesichert haben, so muß der zerrüttete Westen mit Recht sorgenvoll seine Blicke nach Osten wenden (Das goldene Zeitalter, 4/1925 S. 9). "In jenem denkwürdigen Jahr (1926) begann die symbolische Heuschreckenplage, die in der Prophezeiung Joels und in der Offenbarung beschrieben wird. Von da an fühlten sich die religiösen Führer der Christenheit durch die Gerichtsbotschaft, die Jehovas gesalbter Überrest verkündete, und die wie Skorpionstiche wirkte, besonders gequält ... Solange diese symbolischen Heuschrecken leben und vor Harmagedon Zeugnis ablegen, werden sie religiösen Heuchlern und alle übrigen Feinde Jehovas mit der Botschaft von der Rache Jehovas quälen ... Die Mauern, die der Nationalsozialismus, der Faschismus und die Katholische Aktion zum Schütze der Christenheit errichteten, und auch die Mauern, die der russische Kommunismus errichtete, konnten Jehovas symbolisches Heuschreckenheer an seinem Vormarsch nicht hindern ... Ihr (der ZJ, Anm.) Vorgehen wird in Joel 2:9-11 prophetisch beschrieben". (Wachtturm 1. März 1962, S. 145 ff)

7.

DIE FÜRSTEN DES PARADIESES

"Die Einsetzung der irdischen Regenten aber dürfen wir nicht vor Ablauf der "Zeiten der Heiden", Nationen, im Oktober 1914 erwarten. Darin liegt keine Abweichung von Gottes unabänderlichen Plan ... Zu Beginn des Reiches, am Ende des Jahres 1914, werden also, so weit wir es verstehen, einzig die auferstandenen Heiligen des alten Bundes von Johannes dem Täufer rückwärts bis zu Abel, Abraham, Isaak, Jakob und alle Propheten, mit der Herrscherwürde bekleidet sein ... die irdischen Machthaber des Reiches Gottes ...". (Schriftstudien IV, 1987, dt. 1916, S. 325 f) "...jene treuen Menschen der alten Zeit ... Einige Bibelaussagen und prophetische Dramen deuten an, daß sie noch vor der Schlacht von Harmagedon zum Leben erweckt werden". (Die Wahrheit wird euch freimachen, S. 360) "Sollen wir aus dem Umstand, daß Christus Jesus zur Zeit der Geburt des Königreiches im Jahre 1914 zu regieren begonnen hat, folgern, daß seine Fürsten seither in Gerechtigkeit sichtbar auf Erden geherrscht haben? Jawohl, doch vom Jahre 1919 an. Nun gut, weshalb finden wir denn nicht, daß Männer in der sichtbaren Organisation Jehovas als "Fürsten" bezeichnet werden? Weil dieser Ausdruck in dieser Welt einen politischen Anstrich hat". (Wachtturm 1. März 1952, S. 70, Abs. 20) "Der ruhmreiche König Jesus Christus wird am Anfang seiner Tausendjahrherrschaft aus seinen irdischen Kindern 'Fürsten für die ganze Erde' auswählen. Eine Anzahl dieser "Fürsten' wird aus den 'Lebenden' hervorgehen, die die 'große Drangsal' überlebt haben". (Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S. 134f,, dt. 1973)

Es handelt sich hier um den Mißbrauch von Psalm 45:16, wo es heißt: "An deiner Väter Statt werden deine Söhne treten, du wirst sie zu Fürsten setzen im ganzen Land".

8.

ÜBER RELIGIONSBEKÄMPFUNG

" 'Religion' ist jedes Tun, das Jehovas Willen widerspricht. Für Ohren, die auf die Begriffe der religiösen 'Christenheit' abgestimmt sind, klingt diese Worterklärung zweifellos höchst seltsam ... Während sich nach Nimrod die Religion zu verzweigen begann, wird sie von der römisch-katholischen Organisation jetzt wieder zusammengefaßt. Diese hat beinahe jede erdenkliche Art von Dämonenanbetung in sich aufgenommen. Jetzt hat sie sogar den Leichnam des Protestantismus in ihrem Schlepptau ... Statt Weltherrschaft, Weisheit und Unsterblichkeit zu erlangen, wird die Religion in Harmagedon aber nur eine völlige Niederlage und ewige Vernichtung ernten ... Diese Vielfalt der Religion läßt erkennen, wie weit und verfänglich Satans Netz geworden ist ... Satan der Teufel führte die Religion in Eden ein ... ... denn groß ist der Tag Jehovas und sehr furchtbar, und wer kann ihn ertragen? - (Joel 2:3-11). Hierauf ist ganz entschieden zu antworten: Kein Religionist und keine Spur von Religion kann dies! Am Ende des Tages Jehovas wird die Erde gereinigt sein. Und wie das Vorhergehende zeigt, ist das Werk der Evangeliumsverkündung schon jetzt eine vernichtende Plage. Gleich einer religionsverzehrenden Flamme breitet sich die Königreichbotschaft aus (Joel 2:3-5; Jeremia 23:29). Sie verzehrt die Religion, wie das Feuer die Stoppeln,

zerfetzt ihre Lehren, wie der Hagel das Laub, und schwemmt Religionslügen hinweg, wie eine Flut alle Hindernisse aus dem Wege räumt (Jesaja 28:17). Das tut Jehova, indem er sich der Religion gegenüber Rechtfertigung verschafft, und für dieses "befremdende Werk" benutzt er seine irdischen Zeugen ... die Religion niederzureißen und zu zerstören ... Darum, o Königreichsverkünder, sei eifrig, zuerst bei solchem Studium, und hernach bei der Anwendung der erworbenen Erkenntnis ... So wirst du teilhaben an Jehovas Rechtfertigung gegenüber der Religion, die gewißlich erfolgt". (Theokratische Hilfe für Königreichsverkündiger, dt. 1950 - Religion, S. 303, 307, 372, 380, 384, 386)

"Nach der einfachsten Erklärung bedeutet das Wort Religion, so wie es gebraucht wird, ein System der Verehrung, eine Form der Anbetung, sei es nun wahre oder falsche Anbetung". (Was hat die Religion der Menschheit gebracht?, S. 10, dt. 1953)

9.

ELIA-ELISA-"ERFÜLLUNG" DURCH WTG-WERK

"Das durch den Propheten Elia vorausgesagte Werk der Versammlung Gottes hörte 1918 auf, und das Elisa-Werk begann 1919". (Prophezeiung, S. 222, dt. 1929) "Jehova gab seinem Volk im Jahre 1919 zum ersten Male ein Verständnis dieser Prophezeiung (siehe Wachtturm 1919, Seite 157/158)". (Rechtfertigung II, S. 295, dt. 1932) "In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg war das Werk der Elisa-Klasse viel länger weitergegangen., als nach menschlichen Erwartungen angenommen worden war ... Das Elisa-Werk verging 1942, inmitten der Wehen des 2. Weltkrieges ..."

"Der öffentliche Vortrag des Präsidenten ... verscheuchte alle Gedanken daran, daß der 2. Weltkrieg in dem universellen Krieg von Harmagedon enden würde". (Dein Name werde geheiligt, S. 319, 326, 329, dt. 1963) Es handelt sich hier um einen Mißbrauch von 2. Könige 2:1-15 betr. Ablösung des Propheten Elia durch Elisa: Erste Deutung auf den WTG-Präsidentenwechsel Charles T. Russell - J. F. Rutherford im 1. Weltkrieg und zweite Deutung auf den Wechsel J. F. Rutherford - N. H. Knorr im 2. Weltkrieg, um das WTG-Werk biblisch vorausgesagt erscheinen zu lassen.

10.

ÜBER DIE OBRIGKEITLICHEN GEWALTEN

"Ist es nicht klar, daß die Worte des Apostels ganz entschieden verkehrt ausgelegt worden sind, indem sie auf die Regierungen dieser Welt angewandt werden? Wenn Paulus sagt: "Diese (obrigkeitlichen Gewalten), welche sind, sind von Gott verordnet", bezieht er sich da irgendwie auf die (christlichen) Nationen der Erde? Ist es nicht vernünftiger anzunehmen, daß Gott seine Worte ausschließlich an jene obrigkeitlichen Gewalten richtete, die in der Organisation Gottes bestehen und funktionieren, nicht aber an die Gewalten in der Organisation Satans?" (Wachtturm 1. Juli 1929, S. 196, Abs. Dazu wurde ergänzt:

"Viele Schrifttexte und weitere Argumente folgten, um diese Forderung zu stützen. Dieser neue Gesichtspunkt vom Verhältnis des Christen zu den Regierungen dieser Welt erfüllte Jehovas Zeugen mit neuem Eifer und befähigte sie, bei Angriffen in den Kämpfen vor Gericht standzuhalten, die nun wie eine Flut über sie hereinbrachen". (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 124) "... so fürchte dich, denn sie (die Obrigkeit) trägt das Schwert nicht umsonst ... Die Worte des Apostels bedeuten, daß das Schwert die Gewalt darstellt, die Gott gebraucht, um solche in der Versammlung zu bestrafen, die Böses tun und demnach seinem Gesetz, durch das die Versammlung regiert wird, zuwiderhandeln. Das Geschöpf, (oder die Geschöpfe) von Gott gebraucht, um solche Autorität auszuüben, ist der Rächer, der den Grimm an den Übeltätern vollzieht". (Wachtturm 15. Juli 1929, S. 213, Abs. 13) "Der Herr hat seit dem Kommen zum Tempel seinem Volk seine Wahrheit klargemacht ... Sie sind nun fähig zu sehen - und sehen es auch - daß sich die 'höheren Mächte' oder 'obrigkeitlichen Gewalten' nicht auf irgend jemand in der Organisation Satans beziehen, wie sie früher geglaubt hatten, sondern daß diese "höheren Gewalten' die Herrschenden in der Organisation Gottes sind". (Rechtfertigung II, S. 270, dt. 1932)

"Gangster in Amt und Würden. Überzeugender Beweis dafür, daß Politiker nicht die von Gott verordneten obrigkeitlichen Gewalten' sind". (Erwachet 8.11.1949, Schlagzeile) "Der Ausdruck 'obrigkeitlicher Gewalten' bedeutet politische Regierungen oder Gewalten ...

Gemäß dem, was der Apostel vor und nach diesen Versen (Römer 13:1,2) schreibt, ist es leicht verständlich, daß er nicht 'Gewalten1 innerhalb der 'Versammlung Gottes' meint, m sondern außerhalb der Versammlung und daher die politischen Regierungsgewalten.

Die Religionssystems der Christenheit sind beschämenderweise der Übertretung dessen, was der inspirierte Apostel Paulus hier zu sagen hatte, schuldig geworden". (Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes, S. 188, dt. 1967)

11.

ÜBER DAS "TIER" IN OFFENBARUNG 17:8 "17:8. Das Tier, welches da sähest: Der Antichrist. War: Übte tatsächliche Herrschaft bis 1799 n.Chr. aus. Und ist nicht: Hat nicht einmal eine Spur weltlicher Macht seit 1870 gehabt. Seitdem ist es im Zustande der Vergessenheit dem 'Abgrunde', gewesen.

Wenn sie das Tier sehen, daß es war und nicht ist und WIEDER sein wird: Das päpstliche Reich wiederhergestellt". (Schriftstudien VII, S. 355 f., dt. 1925) "Das achte Tier' ist 1899 als das 'Haager Weltgericht' ins Dasein gekommen.

Es ging 1914 in den Abgrund und "war nicht' und kam nach dem Kriege wieder hervor ... in der Gestalt der Völkerliga aus dem Abgrund". (Licht II, S. 103 f, dt. 1930) "... als damals der katholische Nazi-Diktator Hitler im September 1939 den 2. Weltkrieg entfachte ... Damals ging der Völkerbund ... in den Abgrund ... Mit verblüffender Übereinstimmung damit erkannten Jehovas Zeugen im Jahre 1942, also mitten im 2. Weltkrieg, daß dieses internationale Tier gleichsam im Abgrund war, und sie wiesen auf Offenbarung 17:8 hin, wo die Voraussage enthalten war, daß das Tier nach dem 2. Weltkrieg aus dem Abgrund heraufsteigen werde. Jehovas Zeugen erkannten sogleich, daß das scharlachfarbene

wilde Tier nun aus dem Abgrund heraufgestiegen war ... die Vereinten Nationen".

(Babylon die Große ist gefallen, S. 585 f) "Als das 'abscheuliche Ding' im Jahre 1945 aus dem Abgrund heraufkam, gehörten gleich von seinem Anfang an mächtige Glieder des kommunistischen anti-religiösen Blocks der Nationen dazu".

(Dein Name werde geheiligt, S. 339, dt. 1963) "Auf die Ostblockstaaten treffen die Worte 'das wilde Tier' (das) war, aber nicht ist und doch gegenwärtig sein wird', nicht zu. - Offenbarung 17:8". (Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S. 309, dt. 1973)

12.

DIE "POSAUNEN" IN OFFENBARUNG 8:8,9

1917 hieß es:

"8:8. Und der zweite (Engel) posaunte: Die anglikanische Kirchenbewegung nahm ihren Anfang. 8:9. Und der dritte Teil: Der englische Teil der Geschöpfe: Die aus der römisch-katholischen Kirche stammende Geistlichkeit.

Welche im Meere waren: Nicht länger unter dem religiösen Zwang des Papsttums.

Die Leben hatten: Die Apostolische Nachfolge.

Starb: Wurden vom Papst in dem Bann getan.

Und der dritte Teil: Der englische Teil. Der Schiffe: Unabhängige Christengemeinschaften, Lollards genannt, Nachfolger Wycliffs".

(Das vollendete Geheimnis, S. 192, 194, 1917, dt. 1925) 1930 hieß es:

"Dann folgte das Posaunen des zweiten Engels. Ein Kongreß des Volkes Gottes tagte am 25. August 1923 in Los Angeles, faßte einen Beschluß, der unter dem Titel "Eine Warnung" als Resolution ausgesandt wurde. Es starb der dritte Teil der Geschöpfe, welche im Meer waren, die Leben hatten, und der dritte Teil der Schiffe wurde zerstört". Das "Meer" bedeutet im Sinnbild die Völker der sogenannten Christenheit ... Ein "Schiff stellt die Machtgruppe des Großgeschäfts dar ... und die "Leben hatten", die also genug von der Wahrheit aufgenommen hatten ..." (Licht U. S. 114 ff, dt. 1930) 1970 hieß es:

"Dies ist das, was prophetisch geschildert wurde, nachdem der zweite Engel seine Trompete geblasen hatte: "Und ein Drittel der Schiffe wurde zerstört" (Offenbarung 8:9). Die radikalen, revolutionären, sozialistischen, kommunistischen Regierungen werden keinen Erfolg haben ... wie es in dem 1928 veröffentlichten Buch der Watch Tower Society, betitelt "Regierung" hieß". (Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet, S. 259 ff, dt. 1970) Und schließlich 1988 hieß es:

"Durch den zweiten Trompetenstoß wird ans Tageslicht gebracht, daß Personen, die an revolutionären Streitigkeiten beteiligt waren, bei denen es um die Regierung ging, und sich nicht dem Königreich Gottes unterwarfen, Blutschuld auf sich geladen haben. Besonders das "Drittel des Meeres" der Christenheit ist zu Blut geworden. Alle Lebewesen, die sich darin befinden, sind in Gottes Augen tot. Keine der radikalen Organisationen, die auf diesem Drittel des Meeres wie Schiffe schwimmen, können verhindern, daß sie schließlich Schiffbruch erleiden ..."

(Die Offenbarung, Dir großartiger Höhepunkt ist nahe!, S.

136, Abs. 27, dt. 1988)

Die anderen "Posaunen" oder "Trompeten" wurden auf eine ähnliche Verändernde und widerspruchsvolle Weise auf das WTG-Werk gedeutet.

13.

DIE "SCHALEN" IN OFFENBARUNG 16

Das Vollendete Geheimnis, S. 318, dt. 1925

"16:3. Und der zweite Engel goß seine Schale aus auf dem Meer: Band II der Schriftstudien.

Und es wurde zu Blut, wie von einem Toten: ... daß ein jeder, der die Lehren von Band II annehme, in hoffnungslosem Zustand sein müsse". Licht II, S. 23, dt. 1930

"Der Anfang der Ausgießung der zweiten Schale greift zurück auf den 25. August 1923, als anläßlich einer Hauptversammlung des Volkes Gottes in Los Angeles die Resolution "Eine Warnung" angenommen und ausgesendet wurde ... Diese Schale wurde "auf das Meer" ausgegossen. "Es wurde zu Blut wie von einem Toten", womit gemeint ist, daß es keine lebengebende Kraft besitzt. Das Volk fing an zu begreifen, was für eine Gesellschaft von Heuchlern diese Geistlichkeit und ihre Verbündeten eigentlich sind, und daß ihre Lehren gar keine belebende Kraft enthalten." Babylon die Große ist gefallen, S. 535 ff, dt. 1965 "In der Tat wurde das symbolische Meer wie das 'Blut ... von einem Toten', als der zweite Engel seine Schale des Grimmes Gottes auf das 'Meer' ausgoß ...

Jede Seele starb, vom Standpunkt Gottes aus betrachtet. Alle Radikalen und Revolutionäre und alle jene, die den gottlosen Kommunismus an die Weltherrschaft zu bringen suchten, waren von Gottes richterlichem Standpunkt und vom Standpunkt seiner Zeugen aus betrachtet wie tot". Die Offenbarung, Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe! S. 220, 223, dt. 1988

"Die Schalen des Grimmes Jehovas enthüllen seine Ansicht über die Merkmale des Weltgeschehens ... Die Engel gießen die Schalen durch die Versammlung gesalbter Christen auf die Erde aus ...

Ihre Botschaft ist daher einerseits friedlich, da sie den Menschen Freiheit ausrufen, andererseits aber kriegsähnlich, da sie vor dem Tag der Rache unseres Gottes' warnen ... Während also am Tag des Herrn zuerst der Christenheit als 'einem Drittel' Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wird von den durch die lästigen Gerichtsbotschaften Jehovas verursachten Plagen und Betrübnissen keine einziger Teil des Systems Satans verschont ...

Das Ausgießen der zweiten Schale des Grimmes Gottes läßt erkennen, daß alle, die sich in diesem Meer befinden, in Jehovas Augen tot sind. Aufgrund der Gemeinschaftsverantwortung hat die Mehrheit Schuld auf sich geladen, da sehr viel unschuldiges Blut vergossen wurde. Am Tag des Zornes Jehovas werden Gottes Streitkräfte, die sein Urteil vollstrecken, buchstäblich dem Leben der Schuldigen ein Ende setzen".

Die anderen "Schalen" sind ebenfalls ähnlich verändernd-und widersprechend gedeutet, um das WTG-Werk laufend auch aus der Offenbarung der Bibel zu begründen.

14.

DIE KÖNIGE, DANIEL-KAPITEL 11

Die Harfe Gottes, S. 215 f, dt. 1926

"Der Feldzug des großen Feldherrn Napoleon Bonaparte ist eine klare Erfüllung dieser Prophezeiung, wie aus den historischen Ereignissen dieses Feldzuges deutlich hervorgeht. Der "König des Südens", von welchem in dieser Prophezeiung die Rede ist, bezeichnet Ägypten, der König des Nordens bedeutet Großbritannien.

Der Feldzug ist kurz aber anschaulich in dieser Prophezeiung Vers 40-44 beschrieben und da dieser Feldzug 1799 zu Ende ging, so bezeichnet er, nach den eigenen Worten des Propheten, den Beginn der "Zeit des Endes". Die Neue Welt, S. 339 f, 347 ff, dt. 1942 Können wir bestimmt wissen, daß die Welt ihrem endgültigem Ende nahe ist, wie es Jehovas Zeugen so zuversichtlich erklären? Man beachte ... Daniel 11:40 ... September 1939 ... Ein Blitzkrieg durch den "König des Nordens" ... Die erstaunliche Prophezeiung, die vor langem über den "König des Nordens" und den "König des Südens" ausgesprochen worden ist, erfüllt sich jetzt, ja steht vor ihrer Enderfüllung, was beweist, daß wir dem endgültigen Ende dieser alten Welt der Bosheit nahe sind ..."

Dein Wille geschehe auf Erden, S. 277, 297, dt. 1960 "Indem Rußland auf der Seite der westlichen Demokratien kämpfte, trug es dazu bei, Nazi-Deutschland zu schlagen und die Stellung des totalitären, diktatorischen König des Nordens zu übernehmen ... Daniel 11:40 ... Bis hinab zur "Zeit des Endes" in Harmagedon wird es eine rivalisierende Koexistenz zwischen den „beiden Königen" geben". Es ist vorauszusehen, daß nach diesen "Falschprophetien" - erst Großbritannien, dann Nazi-Deutschland, dann Rußland, dann rivalisierende Koexistenz Ost-West bis "Harmagedon" - in Kürze eine Neukonstruktion dieser "Erfüllung" nötig wird, wenn man diesen "Endzeit-Beweis" nicht völlig fallen lassen will. Nach den Verdrehungen vom ursprünglichen biblischen Nord - Süd über die Konflikte Hitlerfaschismus - Demokratie und dann Ost - West bis "Harmagedon" bietet die jetzt in den Vordergrund tretende globale Nord- Süd-Konfrontation der WTG offensichtlich die Möglichkeit einer erneuten "endgültigen" Daniel-Deutung, und dies bis ins nächste Jahrtausend.

15.

DIE TERMINE DES "HARMAGEDON" - KRIEGES

1889 "bereits angefangen":

"Man verwundere sich daher nicht, wenn wir in den nachfolgenden Kapiteln Beweise beibringen, daß das Aufrichten des Königreiches Gottes schon begonnen habe, daß in der Prophezeiung aufgezeichnet stehe, daß das Jahr 1878 die Zeit sei, da die Ausübung einer Macht beginnen sollte, und daß der "Krieg des großen Tages Gottes des Allmächtigen" (Offb. 16:14), der im Jahre 1914 zu Ende gehen soll, bereits angefangen ist".

(Schriftstudien II, S. 97, dt. 1926) Verschiebungstaktik nach 1914:

"Die nächste prophetische Periode ist die Zeit der Drangsal. Sie begann vielleicht in einem Sinne des Wortes um das Jahr . Das war die Zeit, da der Kommunismus anfing, von neuem gepredigt zu werden und da der Sozialismus anfing, sich auszubreiten. Wir glauben, daß viele als Sozialisten gelten, die es in Wahrheit nicht sind, es aber unter entsprechenden Umständen und Verhältnissen, wie sie sich wahrscheinlich vor dem Jahre 1916 entwickeln werden, werden können. Die Hoffnungen und Methoden der Sozialisten werden fehlschlagen, und die Enttäuschung, die darob entsteht, wird in die große Drangsal auslauten. Inzwischen hatte man sich ja auch allmählich für einen Krieg gerüstet ... ... und wenn die Endzeit eine ausgedehnte Zeitperiode bildet, wie lang wird dann die Zeitperiode sein, in der die gegenwärtigen Einrichtungen und die gegenwärtige Ordnung der Dinge hinweggetan werden, um der Herrschaft der Gerechtigkeit Platz zu machen? Wir antworten, daß wir angesichts solcher Bilder erwarten dürfen, daß der Übergang allmählich innerhalb einer Reihe von Jahren stattfinden wird. Es könnte sein, daß S, 10 oder auch 20 Jahre dahingehen ... (Wachtturm Nr. 2, Februar 1915, S. 25)

Verschiebung auf 1925:

"Wir haben, wie zuvor dargelegt, überzeugende Beweise dafür, daß die alte Ordnung der Dinge, die alte Welt, zu Ende und deshalb gänzlich vergehen wird, daß die neue Ordnung hereinbricht, und daß das Jahr 1925 Zeuge der Auferstehung der alttestamentlichen Überwinder und des Beginns eines Wiederaufbaus der zertrümmerten Weltordnung sein wird". (Millionen jetzt lebender Menschen werden niemals sterben, S. 103 f, dt. 1920)

Verschiebung auf den 2. Weltkrieg:

"Jonadabe, die jetzt ans Heiraten denken, würden, wie es scheinen will, besser tun, einige Jahre zu warten, bis der feurige Sturm Harmagedons vorüber ist". Jonadabe, damaliger WTG-Name für die ZJ. (Schau den Tatsachen ins Auge, S. 50, 1938) Verscheuchung in die Nachkriegszeit: "Der öffentliche Vortrag des Präsidenten (N. H. Knorr, WTG-Kongreß 1942, Cleveland, USA, Anm.) verscheuchte alle Gedanken daran, daß der 2. Weltkrieg in dem universellen Krieg von Harmagedon enden würde". (Dein Name werde geheiligt, S. 329, 1963)

Weiterverschiebung bis 1965:

"Selbst wenn sich die Schlußabrechnung von Harmagedon noch um zehn oder zwanzig Jahre verziehen sollte sollte - es wurde nicht gesagt, daß es wirklich so sein wird - so muß doch ... mit aller Kraft ... verkündigt werden. Dauert es jemand zu lange, dann sei daran erinnert, daß Zeit niemals lang wird, wenn man alle Hände voll zu tun hat. Haben wir etwa nichts mehr zu tun?"

(Trost, 1. Juni 1945 - Harmagedon ist nahe) Harmagedon 1975 zu ende:

"Demnach fehlen noch acht Jahre, bis die 6000 Jahre ... voll sind. Zählen wir vom Herbst 1967 acht Jahre vorwärts, so kommen wir zum Herbst 1975, zum Ende der 6000 Jahre des

siebenten Tages ... Wenn daher Christen anhand der göttlichen Zeittafel feststellen, daß das Ende der 6000 Jahre Menschheitsgeschichte bevorsteht, erfüllt sie das mit freudiger Erwartung ... Einige Angehörige der Generation, die den Anfang der Zeit des Endes im Jahre 1914 bewußt miterlebte, werden noch leben und Zeugen des Endes ... in der Schlacht von Harmagedon sein. Es dauert höchstens noch ein paar Jahre, bis sich der letzte Teil der biblischen Prophezeiung über diese 'letzten Tage' erfüllen wird und die Menschen ... durch die herrliche Tausendjahrherrschaft Christi befreit werden". (Wachtturm 1. August 1968, S. 463 f) 1985 ins Unbekannte verschoben:

"Wenn das Königreich in dem Maße bekanntgemacht worden ist, wie Gott es wünscht, dann wird die Welt, wie Jesus sagte, eine "große Drangsal' erleben ... Sie wird in der Schlacht von Harmagedon ihren Höhepunkt erreichen ... Durch diese Schlacht wird die gesamte Erde von gottlosen Nationen und schlechten Menschen gereinigt und der Weg für das künftige Paradies bereitet werden ...". (Das Leben - wie ist es entstanden?, S. 231) Auf 1994 verschoben:

"Die Dauer der "letzten Tage" ist somit auf die eine Generation beschränkt, die im Jahre 1914 schon am Leben war. Diese Generation von Augenzeugen ist nun bereits im fortgeschrittenen Alter - in den 70er oder 80er Jahren. Demnach muß der Ausbruch des Krieges von Harmagedon gefährlich nahe sein".

70er/80er Jahre, indirekt Psalm 90:10, was von 1914 auf 1994 "weist".

(Von Kurukshetra nach Harmagedon, S. 15) Bis 2000 weiter verschoben: "... Ende ... zu ihren Lebzeiten ...?

Wie die Geschichte zeigt, häufen sich seit Beginn des Ersten Weltkrieges unübersehbar die greifbaren Beweise dafür, daß wir in der Zeit des Abschlusses des Systems der Dinge leben. Statt uns lediglich für die Frage zu interessieren, wann das Ende kommt,, sollten wir mit dem Predigen der guten Botschaft beschäftigt sein ... Wir haben reichlich Grund zu erwarten, daß dieses Predigen in unserer Zeit vollendet wird. Ob das vor dem Beginn eines neuen Monats, eines neuen Jahres, eines neuen Jahrzehnts oder eines neuen Jahrhunderts sein wird, weiß natürlich kein Mensch ... Und eigentlich brauchen wir das auch gar nicht zu wissen, solange wir uns auf das konzentrieren, was der Herr uns zu tun aufgetragen hat ..." (Wachtturm 1. Oktober 1989, S. 31) Es wird ein förmlicher Zynismus sichtbar, vergleicht man diese 1989-Aussage mit den Verschiebungen nach 1914 und bis 1965: Immer soll jenes Innehalten und kritische Besinnen angesichts der "Verzögerungen" des "Endes" in vollster "Konzentration" auf "Beschäftigung" mit dem Predigen der WTG-Lehren verhindert werden. In der Tat, "Zeit wird niemals lange, wenn man alle Hände voll zu tun hat".

Intoleranz, Feindschaft und Haß gegen alle anderen Kirchen und Gemeinschaften

Die zuvor dargestellten 15 wesentlichen sog. WTG-Endzeit-Erfüllungen reichen allein schon hin, diese "gute Botschaft für die ganze Menschheit" als unseriös und haltlose Konstruktion zu erkennen und damit zurückzuweisen. Es wurde auch schon sichtbar, daß damit eine feindselige Bekämpfung aller anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften einhergeht. Es sei nur an die Verleumdung der römisch-katholischen Kirche als Dämonenanbetung und des Protestantismus als Leichnam erinnert.

"Das Lied von der Hure"

Eines der aggressivsten kirchenfeindlichen WTG-Werke ist das Buch "Feinde" (1937).

Im Hauptkapitel "Das Lied von der Hure" lese man folgende WTG-Verkündigungen:

"Alle Religionssysteme, die als 'christliche Religion' bezeichnet werden, tragen mit Recht den Namen 'Huren'-Mutter ... die protestantische Geistlichkeit folgt zusammen mit den Rabbinern der jüdischen Religionsorganisation der Führung der römisch-katholischen Organisation ... Sie alle praktizieren Religion, deren Urheber der Teufel ist". (S. 201, 207) "Die sogenannte 'protestantische' und die jüdische Geistlichkeit spielen heute wie törichte Gimpel der römisch-katholischen Hierarchie offen in die Hände und helfen das Einkommen der Hierarchie vermehren und ihr handelsmäßiges Religionsgeschäft weiterzuführen". (S. 217) "Die in der Weissagung erwähnte 'Laute' veranschaulicht die Ausrüstung, die Hilfsmittel der alten Dirne, womit sie ihr religiöses Gequieke oder ihre Dogmenlügen wirksamer und eindrucksvoller machen möchte, damit sie andere in die Falle locke und unter ihre Botmäßigkeit bringe. Solche Instrumente sind im Gegenbild unter anderem die Jesuiten, Faschisten, Nazis, das 'Heilige Jahr'-Fiasko, die Holy Name Society (Gesellschaft vom Heiligen Namen), die Katholische Aktion, die Kolumbusritter, die antikommunistischen Schulen, die katholische Presse, die National Catholic Welfare Conference (Nationale Katholische Wohlfahrts-Konferenz) ... und ähnliche Unternehmungen, wodurch sie mit ihrem 'Plunder protzt' und das leichtgläubige Volk prellt und beschwindelt - Seit dem Weltkrieg ist die alte Hure von Tag zu Tag protziger, höhnischer und anmaßender vor den Völkern der Erde einherstolziert". (S. 2667267)

"Die jüdischen Rabbiner und die sogenannte 'protestantische' Geistlichkeit fallen ohne weiteres in die Arme der alten Hure, nehmen bei ihr ein paar Lehrstunden und wirken dann in der Vorstellung mit, indem sie den Politikern und Handelsherren weismachen wollen, es sei ihnen von größtem Nutzen, sich mit der religiösen, das ist - hurerischen Organisation zu verbinden". (S. 269)

"Gerade zur jetzigen Zeit macht die alte 'Hure' in Washington (D. C.) viel Theater, um die Errichtung diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vatikan zu erreichen, und Washington wird von dem 'Wein ihrer Hurerei' ziemlich betrunken. Die Vereinigten Staaten sind noch recht jung und mit der Hure nicht so gründlich vertraut wie die anderen Nationen, und darum werden sie in der Prophetie treffend mit einem Jüngling verglichen, der eben durch Erfahrung weltklug wird. Oft geschieht es, daß ein einfältiger junger Mann dem verlockenden Einfluß einer verführerischen Hure erliegt, die an öffentlichen Plätzen Lieder singt und sich zur Schau stellt. Die Vereinigten Staaten gehören anscheinend zur Klasse solcher Einfältigen". (S. 270) "Die aggressive Kampagne der römisch-katholischen Hierarchie der Gegenwart wird von dieser Organisation 'Katholische-Aktion' genannt und zeigt unzweifelhaft, daß die alte 'Hure' die heutige Zeit als gelegen betrachtet, weltliche Herrschaft über die Nationen der Erde zu erlangen. Sie quiekt daher ihre Lieder - Lieder der Lüge natürlich - denn sie gehören zu ihrem Geschäft, wie Gott vorausgesagt hat ... Unter ihren Werkzeugen befinden sich auch äußerst eigennützige Leute, 'Juden' genannt, die, nur nach persönlichem Gewinn trachtend, der Hierarchie bereitwillig zu Diensten sind und gerne ihr Partner bei irgendwelchen unredlichen Machenschaften werden". (S. 272/273 f)

"Die Frage ist: Werden Großbritannien und Amerika faschistisch werden, und wird die römisch-katholische Hierarchie dort zur entscheidenden Macht gelangen? Die Heilige Schrift und die Tatsachen scheinen eine solche Schlußfolgerung völlig zu stützen ... Wenn die Hierarchie vollständige weltliche Macht über die Erde erlangt hat, wird sie sich in ihrer Schlußfolgerung völlig bestätigt fühlen, daß ihr Wunsch ganz in Erfüllung gegangen sei, und dann wird sie sagen: "Friede und Sicherheit" (1. Thess. 5:3). Dann werden die "zehn Hörner", das heißt alle Herrschermächte der Nationen "Gewalt ... empfangen ... mit dem Tiere", indem der Völkerbund dann tatsächlich ein von der römisch-katholischen Hierarchie beherrschter Faschistenbund oder ein faschistischer Staatenzusammenschluß sein wird. "Und das Weib (des Teufels sichtbare Religionsorganisation, die Hure) das du sahst, ist die große Stadt (die Hierarchie-Organisation), welche das Königtum hat über die Könige (den verbündeten Faschismus) der Erde".

(Offenbarung 17:12,18)

"... Es ist zu erwarten, daß die alte "Hure" auf dem Rücken des Tieres bald sagen wird: "Friede und Sicherheit!" Dann wird Jehovas "außergewöhnliche Arbeit" einsetzen und plötzliches Verderben über sie kommen ..." (S. 283, 284, 285) Es handelt sich hier um das "göttliche Licht" der WTG über die sog. endzeitliche "Erfüllung" des Tieres (Offb. 17:8) "in der Gestalt der Völkerliga", des Völkerbundes, nach dem I. Weltkrieg, wie bereits erwähnt. Das "plötzliche Verderben" sollte dann der als "Harmagedon"-Beginn gedeutete 2. Weltkrieg sein.

Die große Hure entlarvt

Gleichsam eine Neuauflage ihres "Liedes von der Hure" läßt die WTG seit 1989 verbreiten. Die Hauptschlagzeilen: "Wer ist Babylon die Große? Spielt die Hure. Ihre Verurteilung. Ihre Hinrichtung" (Wachtturm Nr. 7 - 10, April/Mai 1989). Nach der Falschprophetie betreffs "Hure" und Faschismus haben die ZJ da u.a. nun folgendes zu vertreten und zu verbreiten:

"Die große Hure entlarvt. Im gegenwärtigen von Satan beherrschten Weltsystem gibt es drei hauptsächliche Elemente, deren sich der 'Gott dieser Welt' bedient. Es handelt sich dabei um die politische Herrschaft, die Macht und den Einfluß des Großkapitals und die Religion". Von diesen dreien, "Politik, Großkapital, Religion" als Satans Elemente, sei "die falsche Religion" die "große Hure" (Wachtturm 1. April 1989, S. 4).

Daß, wenn "Religion" satanisch ist, so gesagt die ZJ Inbegriffen sind, müssen sie hier wohl schlucken. Dazu wird eine Grafik in die Hand gedrückt: Ein Papstkopf mit Eisernem Kreuz am Hals, kombiniert mir einem lächelnden Hitler und einem dollarschweren, mit Dollars winkenden dickbäuchigen Großkapitalisten. (WT 1. April 1989, S. 4) Insgesamt besteht die "große Hure" nun jedoch aus der Christenheit mit Katholiken und Protestanten, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus und Shikhismus. (Wachtturm 1. April 1989, S. 5) Eine praktische "Entlarvung":

"Ein auffälliges Beispiel der "Hurerei" sei "die katholische Geheimorganisation Opus Dei (Werk Gottes), die gegenwärtig die Gunst des Papstes genießt und sich gemäß dem Autor Lawrence Lader 'völlig dem Antikommunismus rechtsgerichteten Politik verschrieben' hat. Sie läßt die intellektuelle Oberschicht der katholischen Jugend ihre höheren Schulen und Universitäten absolvieren, um ihre Leute dann in Stellungen mit Einfluß und Macht in der Regierung, im Finanzwesen und in den Medien unterzubringen". (Wachtturm 1. April 1989, S. 6)

"Entlarvung" von Geheimorganisationen als Evangeliumsauftrag?

Weiter wird "entlarvt":

"Wer ist eigentlich diese berüchtigte 'Hure'? Warum müssen wir uns mit ihr befassen? Beinhalten Kriminalromane, Kino-, Fernseh- und Videofilme nicht schon genug Übelkeit erregende Unmoral? Gewiß! Aber es geht nicht um eine gewöhnliche Dirne. Sie ist die einflußreichste, mordgierigste Prostituierte der Geschichte. Schon seit 4000 Jahren verkauft sie ihre Dienste. Zu unserem Schutz müssen wir sie kennen ... Sie ist Satans hauptsächlichstes Mittel, die Menschen für Jehovas Königreichsvorsätze blind zu machen ... Wie treffend doch die abtrünnige Geistlichkeit im Laufe der Jahre den Worten des Apostel Petrus entsprochen hat: 'Der Hund ist zum eigenen Gespei zurückgekehrt und die gebadete Sau zum Wälzen im Schlamm.' " (Wachtturm 15. April 1989, S. 4, 5, 9) Die ZJ müssen spotten und höhnen: "Oh, wie wunderschön sie sich herausputzt! Sie ist berühmt für die imposante Architektur ihrer prachtvollen Kathedralen mit den Buntglasfenstern, für ihre juwelenbesetzten Pagoden sowie für ihre altehrwürdigen Tempel und Heiligtümer. Der tonangebenden Rolle der großen Hure getreu sind ihre Priester und Mönche mit kostspieligen Scharlach-, purpur- und safranfarbigen Gewändern bekleidet ...Am verwerflichsten ist jedoch ihre Blutrünstigkeit ..." (Wachtturm 15. April 1989, S. 13)

"Bis auf den heutigen Tag fährt Babylon die Große fort, dort, wo sie genügend Einfluß ausübt, das Werk der Zeugen Jehovas, die Verkündigung der wunderbaren Hoffnung auf Gottes Königreich, zu behindern, einzuschränken und falsch darzustellen. Ihre Geistlichen, die Hunderte von Millionen Menschen in den Religionsorganisationen der großen Hure gefangenhalten, dienen als "blinde Leiter der Blinden' und führen sie an den Abgrund der Vernichtung". Wachtturm 15. April 1989, S. 13) Die Vernichtung soll nun so aussehen: "Gemäß biblischer Prophezeiungen werden sich die mit den Vereinten Nationen verbundenen politischen Mächte gegen das Weltreich der falschen Religion wenden und es verwüsten ...

Einige politische Systeme haben bereits ihren Unwillen über die Einmischung der Religion in politische und soziale Belange zum Ausdruck gebracht, gewisse sozialistische Staaten bekennen sich zum Atheismus und haben die Religion so gut wie ausgemerzt - als Beispiel sei Albanien genannt, oder zu einer willfährigen Dienerin gemacht, wie in der Sowjetunion und in China. In verschiedenen ärmeren Ländern bekunden die Politiker großen Unmut über die Befreiungstheologie einiger katholischer Priester. Mancherorts werden auch Religionsorganisationen unterdrückt, weil sie sich in Rassenfragen einmischen. Selbst in angeblich liberalen Ländern argem sich Politiker darüber, daß die Geistlichkeit in der Politik und in sozialen Fragen mitzureden versucht. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Grunde die politischen Elemente der Erde veranlassen werden, gegen die falsche Religion vorzugehen. Aber eines ist sicher - die Hinrichtung Babylons der Großen wird durch diese Elemente wird nicht nur ihr Wille sein, sondern auch der Wille Gottes ... Die politischen Herrscher werden von Gott als unfreiwillige Werkzeuge benutzt, um die falsche Anbetung auf der gesamten Erde zu vernichten". (Wachtturm 15. Mai 1989, S. 6) Schonungslos bloßstellen und hassen: Mit der Forderung, "Den Menschen der Gesetzlosigkeit bloßstellen" leitet die WTG gegenwärtig u.a. wie folgt zu kirchenfeindlichem Vorgehen an:

"Dieses weltweite Zeugniswerk bringt für Diener Gottes die Verpflichtung mit sich, das Strafurteil bekanntzugeben, das er über die falsche Religion, besonders über die Geistlichkeit der Christenheit, verhängt hat. Da die Geistlichen vorgeben, Christen zu sein, sind sie in Gottes Augen tadelnswerter als andere. Sie müssen bloßgestellt werden, damit Menschen, die Gott dienen möchten, von ihrem Einfluß befreit werden und die richtigen Schritte zum Überleben unternehmen können". Nach dem Ersten Weltkrieg gab es nur ein paar tausend Zeugen, die dies taten. Bis heute sind sie aber zu einer 'mächtigen Nation' von über dreieinhalb Millionen tätigen Dienern Gottes angewachsen, die in über 60 000 Versammlungen organisiert sind. In zunehmendem Maße verkündigen Gottes Diener eifrig das Königreich Gottes als einzige Hoffnung für die Menschheit und gleichzeitig stellen sie die Geistlichkeit als das bloß, was sie ist - der trügerische Mensch der Gesetzlosigkeit".

"Warum haben Jehovas Diener dem Menschen der Gesetzlosigkeit während all dieser Jahre schonungslos die Maske vom Gesicht gerissen? Weil die Millionen zur großen Volksmenge gehörenden Schafe Jehovas, die sich bereits auf dem Weg der Rettung befinden, vor der Welt Satans und ihrer falschen Religion geschützt werden müssen ... Würde die Geistlichkeit nicht bloßgestellt, wüßten außerdem ehrlich gesinnte Menschen, die noch kein Teil der Herde Gottes sind, nicht, wie sie einen falschen Weg meiden können".

"Die Geistlichkeit ist ein Teil der Welt Satans ... und mischt sich nach wie vor in die Politik ein. Sie redet ihren Anhängern ein, daß es den Politikern gelingen wird, die Welt zu verbessern. Aber das ist eine falsche Hoffnung, denn die Tage der von Satan beherrschten Welt laufen ab ...". "Solche Verfehlungen können von Gottes Dienern nicht tatenlos hingenommen werden, sondern sie müssen im Interesse anderer aufgedeckt werden. Die große Volksmenge anderer Schafe muß vor Personen geschützt werden, die sie dazu bringen möchten, Gottes Gesetze zu übertreten ... Gottes Diener zögern daher nicht bekanntzumachen, daß Gott an allen, die zur Welt Satans gehören, Rache üben wird, auch an dem Menschen der Gesetzlosigkeit, der Geistlichkeit der Christenheit".

Vorstehendes ist zitiert aus dem Wachtturm vom 1. Februar 1990, S. 23, "Den 'Menschen der Gesetzlosigkeit' bloßstellen". Schließlich unternimmt es die WTG auch, ihre ZJ zum Haß gegen alle Andersglaubenden und Andersdenkenden, die "eigenen Ideen" folgen, zu erziehen. In Mißbrauch vorchristlicher Bibeltexte heißt es da neuerdings "David versuchte nicht, die Bösen zu töten, sondern betete, daß ihnen durch die Hand Jehovas vergolten werde. Wir sollten ebenso eingestellt sein ... Sie hatten Blutschuld auf sich geladen und über Jehova Dinge gesagt, die nicht seinen Gedanken entsprachen, sondern ihren eigenen Ideen. Außerdem verdienten sie den Tod, weil sie Schmach auf Gottes Namen gebracht hatten, indem sie ihn in unwürdiger Weise gebrauchten, möglicherweise um dadurch ihre bösen Pläne zu fördern ... Da die Bösen schuldig waren, Blut vergossen und auf Gottes Namen Schmach gebracht haben, erklärte David: "Hasse ich nicht die, die dich o Jehova, aufs tiefste hassen, und empfinde ich nicht Ekel vor denen, die sich gegen dich auflehnen? Mit vollendetem Haß hasse ich sie gewiß. Sie sind mir zu wirklichen Feinden geworden" (Psalm 139:21, 22) David empfand vor diesen Menschen Ekel, weil sie Jehova aufs tiefste haßten und sich gegen ihn auflehnten". (Wachtturm 15. Januar 1990, S. 24)

Auf diese Weise läßt die WTG ihrerseits keinerlei ökumenische Verständigung zu, eher läßt sie Haß gegen jeden anderen Glauben verbreiten, Glaubenshaß, in erster Linie gegen die als "Hure Babylon" diffamierten christlichen Kirchen. Die WTG-Auslassungen sprechen da hinreichend für sich. Die Kirchenfeindschaft, die die WTG wie dargestellt über ihre ZJ verbreiten läßt, wurde anläßlich der Einweihung des neuen deutschen bzw. europäischen Zentrums der WTG in Selters/Taunus, am 24.4.1984 in dem Einweihungsvortrag vom WTG-Präsident F. W. Franz wie folgt gefeiert: Rückblickend gedachte F. W. Franz der Verurteilung von Präsident J. F. Rutherford und anderer WTG-Direktoren am 22.6.1918 und ihrer Einlieferung in das US-Zuchthaus Atlanta wegen sog. Deutschfreundlichkeit im Ersten Weltkrieg, eine angeblich von der US-Geistlichkeit angestiftete Christenverfolgung. F. W. Franz: "Sie wurden öffentlich als Kriminelle oder Verbrecher gebrandmarkt. Und ich erinnere mich, daß bei einer Gelegenheit Bruder Rutherford in seiner Gefängniszelle die Eisenstäbe an der Tür in die Hände nahm, zum Himmel aufblickte, und er sagte dann: Ich - ein Verbrecher - ein Verbrecher! Gott, wenn du mir die Gelegenheit gibst, verspreche ich dir, das Schwert Babylon der Großen so tief in den Bauch reinzujagen, daß sie es nie wieder herausbekommt (Gelächter der geladenen Zuhörer). Hat er sein Versprechen gehalten? (Beifall). Er hat es nicht nur in die Gedärme hineingestoßen, sondern hat es auch noch herumgedreht, damit sie mehr Schmerzen hätte (Gelächter)! Und er tat es, indem er sehr furchtlos gegen die Institutionen der falschen Weltreligionen sich äußerte".

Die im Namen Gottes und Christi abverlangte politische Grundhaltung

Seitdem der "Endzeit"-Beginn auf 1914 verschoben ist, da Christus in diesem Jahr im Himmel als einziger rechtmäßiger Herrscher der Erde zu regieren begonnen habe, führte die WTG neben und in Verbindung mit ihrer radikalen und extremistischen Kirchenfeindschaft auch ein nur verneinendes und destruktives politisches Verhalten und Vorgehen ein. Das wurde auch schon mit ihrer "Huren"-Verkündigung erkennbar, der vor allem das soziale bzw. politische Engagement anderer Christen und Kirchen, als "Hurerei" verteufelt, zugrunde liegt. Es bedarf hier keiner weiteren Erläuterung, daß soziales und politisches Engagement als demokratisches Menschenrecht unabhängig vom religiösen Glauben außer Zweifel steht. Es bleibt einer besonderen Prüfung vorbehalten, was die wirklichen Gründe dafür sind, warum die WTG seither zu einem derartig absurden und allgemein unannehmbaren politischen Verhalten und Vorgehen verleitet, das letztlich auch nur völlig unsinnige Konflikte und Verfeindungen auslöst.

Es genügt hier, eine Vorstellung von den wesentlichen derartigen politischen Positionen der WTG zur Hand zu haben. Sie sprechen schon ohne besonderen Kommentar für sich. "Der Wachtturm, der seit 1879 von Jehovas Zeugen herausgegeben wird, ist unpolitisch und stützt sich auf die Bibel als Autorität", proklamiert die WTG in jeder Ausgabe auf Seite 2 in einer Zweckerklärung, für die gesamte WTG-Literatur und Verkündigung gültig.

Wie das wirklich aussieht:

1922

WTG-Kongreß Cedar Point, Ohio, USA

"Wir erklären und bezeugen öffentlich ..., daß die Wiederaufrichtung der alten Welt ein Ding der Unmöglichkeit ist; denn die Zeit für die Aufrichtung des Königreiches Gottes

durch Christus Jesus ist herbeigekommen, und alle Mächte und Organisationen, die sich nicht gutwillig der gerechten Herrschaft des Herrn unterordnen, werden von ihm vernichtet werden".

(Licht I, 1930, S. 110 ff)

1923

WTG-Kongreß in Los Angeles, USA "In einer wurde dem Volke die Frage zur Entscheidung vorgelegt, ob es sich von den ungerechten Einrichtungen - die Machtgruppierungen des Großgeschäfts und der Politik, die ungerechten kirchlichen Einrichtungen, die vom Herrn als Babylon bezeichnet werden - abwenden und sich auf die Seite des Herrn stellen wolle oder nicht". (Licht I, 1930, S. 115 ff)

1924

WTG-Kongreß Columbus, Ohio, USA "Wir verkünden und erheben Anklage, daß Satan eine Verschwörung gebildet hat, um die Menschheit über Gottes Vorkehrung, sie mit Leben, Freiheit und Glückseligkeit zu segnen, in Unwissenheit zu halten, wobei eine Klasse gewisser Menschen, nämlich treulose Prediger, gewissenlose Profitmacher und skrupellose Politiker in diese Verschwörung wissentlich oder unwissentlich eingetreten sind". (Licht I, 1930, S. 121 ff)

1925

WTG-Generalversammlung Indianapolis "Weltmächte, Wissenschaft und Philosophie, Handel und Religion haben alle abwechselnd den Menschen ihre Mittel zur Abhilfe angeboten. Im Namen und unter der Maske der Demokratie vereinigen sich diese Gruppen ... Deshalb ist es einleuchtend, daß die von irgendeiner dieser Gruppen angebotenen Mittel zur Abhilfe eitel, unvermögend und machtlos sind ... Wir wenden uns vertrauensvoll an die Völker, sich um das göttliche Banner der Wahrheit zu scharen, das in dieser Weise erhoben wird ..." (Licht I, 1930, 130 ff) 1926

WTG-Kongreß London, England "Und entgegen dem Worte Gottes haben geschäftliche, politische und geistliche Führer versucht, die alte zerfallene Weltordnung zu stabilisieren ... Wiederum geben wir den Herrschern der Weit in eindringlicher Weise das Zeugnis, ... dem rechtmäßigen König der Erde völligen Gehorsam zu leisten und ihren Einfluß darauf zu verwenden, die Herzen der Menschen dem wahren Gott zuzuwenden, damit das Unglück sie nicht befalle". (Licht I, 1930, S. 140 ff) 1927

WTG-Kongreß Toronto, Kanada "Allen denkenden Menschen muß offenbar sein, daß Abhilfe, Erleichterung und die Segnungen, wonach sie so sehr verlangen, ihnen niemals von dem ungerechten Geist dieses 'Christentums' oder der 'organisierten Christenheit' kommen können, und daß es keinen vernünftigen Grund gibt, solch ein heuchlerisches und bedrückendes System länger zu unterstützen".

(Licht I, 1930, S. 163 ff)

1928:

"... selbst die größten Anstrengungen unvollkommener Menschen, irgendeinem Lande eine ehrliche und gerechte Regierung zu geben, von vornherein zum Mißerfolg verurteilt ... Die Zeit ist gekommen, wo Gottes gerechte Regierung beginnt. Warum sollte man da den kraft- und furchtlosen Lehren und Bemühungen der Menschen weitere Aufmerksamkeit zuwenden?".

(Regierung, 1928, S. 289 f)

1929

Keine Teilnahme an Wahlen mehr "Es gibt solche ... die da behaupten, dem Herrn völlig geweiht zu sein, und es doch als ihr Vorrecht ansehen, bei Wahlen, die für Besetzung öffentlicher Ämter abgehalten werden, ihre Stimme abzugeben ... Wenn er zu Jehova und seiner Organisation gehört, dann kann er nicht 'gerade Bahn für seine Füße' machen, wenn er sich gleichzeitig mit Satans Organisation befaßt". (Wachtturm, 1. Mai 1929, S. 133)

1932:

"Jehova Gott der Allerhöchste, gerecht,, weise, liebevoll, allmächtig ... Hieraus ergibt sich natumotwendig die Schlußfolgerung, daß keine gerechte Regierung des Volkes gebildet werden kann, es sei denn, sie werde in der von Gott verordneten Weise errichtet". (Wachtturm, 15. August 1932, S. 253)

1937:

"Es ist verwunderlich, wie gleichgültig und töricht die Volksmassen sein können, indem sie auf das, was Gottes Wort sagt, weder hören noch achten wollen, sondern im Gegenteil auch weiterhin den von eigennützigen Männern aufgestellten Welt-Plänen Gehör schenken, die ihnen niemals Erleichterung bringen können". (Wachtturm. 15. April 1937, S. 121) 1939:

"Darauf riß der Herr durch sein 'Heuschreckenheer' der Religion die Maske ab ... Der Faschismus, Nazismus und Kommunismus sind ebenfalls als teuflische Werkzeuge entlarvt worden, auf denen die römisch-katholische Hierarchie-Organisation daherreitet ... Die Menschen erfahren, daß dieser unheilige Zusammenschluß darauf ausgeht, anstelle des Reiches Gottes unter Christus über die Welt zu herrschen ..." (Wachtturm, 15. August 1939, S. 247 f)

1945:

"Das Werk des Predigens der guten Botschaft geht trotz all solcher Leiden weiter, weil die Treuen entschlossen sind, bis zum Ende des Werkes und zum Ende dieser Welt auszuharren. Sie haben mit Religion nichts zu tun und weigern sich, die Angelegenheit dieser Welt und ihre populären Pläne hinsichtlich der Wiederherstellung, Friede und Sicherheit irgendwie zu unterstützen".

(Wachtturm, Oktober 1945, Zum Schlußwerk organisiert, Abs. 10)

1949:

"Die sogenannte 'Christenheit' erklärt, im gottlosen Kommunismus eine wirkliche Bedrohung ihres Daseins und ihrer politischen, kommerziellen und religiösen Einrichtungen zu sehen ... Um friedliche Beziehungen zwischen den Ländern aufrechtzuerhalten, stützt sie sich gleichzeitig auf die Vereinten Nationen, auf ein Gemisch heidnischer und sogenannt christlicher, kommunistischer und demokratischer, sozialistischer und kapitalistischer Staaten ... Ihre religiöse Heuchlerei wird sie binnen kurzem ins Verderben führen". (Wachtturm, 1. Januar, 1949, S. 3)

1951:

"In Anbetracht der Tatsache, daß christliche Zeugen weltliche politische Mächte nicht als die von Gott verordneten 'höheren Obrigkeiten' annehmen ... stehen sie einer Teilnahme an der Politik dieser Welt, ja selbst von Stimmen, gewissenhaft ab". (Wachtturm, 15. Januar 1951, S. 25)

1952:

"... die ersten Christen ... Theokratisch traten sie für die Gottesherrschaft ein, für das Predigen des Evangeliums vor allem anderen. Soziale und politische Übel überließen sie zur Korrektur Jehova Gott". (Wachtturm ,1. Mai 1952, S. 144)

1953

Politische Parteien verhöhnt

"Wie abgeschmackt und kindisch ist es doch zu denken, irgendeine politische Partei sei 'die Rettung dieses Landes' oder die Rettung irgendeines anderen Landes. Wie können die 'Götter' dieser Welt, die sichtbaren oder unsichtbaren, irgend jemand oder irgend etwas retten, wenn sie nicht einmal in der Lage sind, sich selbst in Harmagedon zu retten?". (Wachtturm, 15. Januar 1953, S. 36)

1954:

"Die Geistlichkeit sagt, wir machen uns mitschuldig an einer verderbten Regierung, weil wir uns nicht an Abstimmungen beteiligen; wir erwidern, daß sie durch ihr Stimmen an der Verantwortung teilhat ... Wir dürfen uns nicht in die Politik einlassen, um sie zu säubern ... Indem wir die Politik meiden, kommen wir vor Menschen gleichsam auf die Anklagebank; indem sich Geistliche darauf einlassen, kommen sie auf die Anklagebank vor Gott. Wir mögen des Aufruhrs wider den Cäsar bezichtigt werden, weil wir uns absondern, aber weil die Geistlichen sich in die Politik einmischen, machen sie sich des Ehebruchs wider Gott schuldig ...". (Wachtturm, 15. September 1954, S. 574)

1957:

"Laut der Bibel geht die Antwort dahin, daß wahre Christen weder die Demokratie, den Sozialismus, Kommunismus noch irgendeine andere menschliche Regierungsform als Heilmittel für die Weltbedrängnisse befürworten oder predigen ... Die Urchristen waren sorgsam darauf bedacht, sich nicht in Politik einzumischen. Sie wußten, daß Gottes Königreich dazu bestimmt ist, alle politischen Herrschaften zu vernichten, und daß jene, die Politik treiben, Feinde Gottes sind und dadurch zur Vernichtung in Betracht kommen". (Wachtturm, 1. Januar 1957, S. 6)

1962:

"Nach all den Erfahrungen, die die Menschen bis heute gemacht haben, sollten sie von ihren irdischen Regierungen, mit denen der wahre Gott nichts zu tun hat, genug haben. Da es die meisten jedoch ablehnen, etwas Besseres kennzulernen oder an etwas Besseres zu glauben, lassen sie sich lieber von ihren sogenannten obrigkeitlichen Gewalten oder Obrigkeiten, demokratischen oder republikanischen, nach westlichem oder östlichen Muster regieren". (Wachtturm, 15. Oktober 1962, S. 627)

1964:

"Seit dem entscheidenden Jahr 1914 hätte das politische Regierungssystem der Menschen abdanken und aufhören sollen, dem 'Herrscher dieser Welt' zu dienen, doch das hat es nicht getan ... Unbußfertig arbeiten sie an ihrer Selbstrettung weiter und schmähen Gott, weil er seine Zeugen verkündigen läßt, daß ihr hoffnungsloser Zustand durch kein menschliches Mittel mehr zu heilen ist. Das empfinden sie als quälend". (Wachtturm, 15. Januar 1964, S. 46)

1975:

" 'Jeder Staat denkt stets an sich selbst', und ist nicht zur Zusammenarbeit bereit. Man befindet sich in einer Sackgasse. Deshalb ist der Krieg von Harmagedon unvermeidlich. Den Nationen gelingt es nicht, aus dieser Sackgasse herauszukommen. Überdies stehen sie nun an dem 'Ort' Harmagedon, vereint gegen Gott und weigern sich, ihre Souveränität an ihn abzutreten, dessen Zeit gekommen ist, als König zum Segen der ganzen Menschheit zu regieren". (Wachtturm, 1. Dezember 1975, S. 708)

1983:

"Wie sollten wir uns gegenüber kommunalen Angelegenheiten oder sozialen Fragen verhalten ...? Selbstverständlich sind sich Christen dessen bewußt, daß es Möglichkeiten gäbe, das Leben für sie und ihre Mitmenschen zu verbessern. Sie sind menschlichen Bedürfnissen gegenüber nicht blind. Sie schätzen 'Menschenfreundlichkeit' und pflegen diese Eigenschaft ...

Es gilt jedoch zu beachten, daß Gott seinen Dienern - Israeliten und Christen - nicht den Auftrag gab, für Verbesserungen auf diesem Gebiet zu werben ... Im allgemeinen wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Christ seine Meinung über solche Verbesserungen äußern würde. Er mag es sogar angebracht finden, in diesem Zusammenhang ein Gesuch oder eine Petition zu unterschreiben. Christen sollten aber nicht übersehen, daß wichtige kommunale Angelegenheiten oft zu politischen Streitfragen werden ...

Man mag diese Bestrebungen für gut halten und denken, Gott sei auch dafür. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß das Werk, auf das sich Christen gemäß dem Auftrag Jehovas

konzentrieren sollten, darin besteht, die gute Botschaft vom Königreich zu verbreiten ...

Daraus werden sie mit größerer Sicherheit Nutzen ziehen als aus den Ergebnissen, die durch soziale oder kommunale Bestrebungen erzielt werden können". (Wachtturm, 1. Juni 1983, S. 30 f)

1988:

"Können wir angesichts dieser traurigen Bilanz nach Jahrhunderten, in denen die Menschen Gelegenheit hatten, jene Probleme zu lösen, noch auf menschliche Versprechungen vertrauen? Diese Versprechungen sind in etwa ebenso vertrauenswürdig wie die Worte des Kapitäns eines Ozeanriesen, der sagte: Ich kann mir keine Situation vorstellen, in der heutzutage ein (großes) Schiff sinken könnte ... Aber dieses Schiff, die Titanic, ging 1912 unter und 1500 Menschen fanden dabei den Tod". (Wachtturm, 15. April 1988), S. 12)

1989:

Über Bürgerrechtsbewegungen:

"Als sich über 100.000 Personen im Olympiastadion in Westberlin zum Schlußgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentages versammelten, forderte Kirchentagspräsident Helmut Simon die Teilnehmer auf, sich in politischen Fragen einzumischen. Simon sprach Bereiche an wie die haushälterische Nutzung der Ressourcen, die Bewahrung der Umwelt, die Errichtung einer gerechten Wirtschaftsordnung, die Beendigung des Rüstungswettlaufs und die Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Seiner Meinung nach gehören die genannten Punkte zu den ungelösten Aufgaben der Menschheit. ... Simon ermunterte alle Anwesenden, 'solche Einmischungen als Pflicht anzusehen und den Kirchentag als protestantische Bürgerrechtsbewegung zu verstehen'. Dürfen jedoch wahre Christen an derartigen politischen Bewegungen sich beteiligen?

Erklärte Jesus nicht, daß seine Nachfolger kein Teil der Welt sind ...? Jesus lehrte seine Nachfolger, um das Königreich Gottes zu beten, das die einzige Hoffnung für die Menschheit ist. Weshalb? Weil, wie der Prophet Daniel vor langer Zeit voraussagte, Gottes Königreich die weltlichen Regierungen, die versagt haben, 'zermalmen und ihnen ein Ende bereiten ... wird' ".

(Wachtturm, 15. Dezember 1989, S. 29)

1990:

Andersglaubende, Andersdenkende Kriegstreibern, Verbrechern und Terroristen gleichgesetzt:

"Harmagedon wird zum einen alle von Menschen verursachten Hindernisse für den Frieden beseitigen ... Ja, Jesus wird 'die Bösen' - Kriegstreiber, Verbrecher, Terroristen, aber auch alle, die ihm, den großen Fürsten, nicht anerkennen wollen von der Erde entfernen. Sie werden kein Recht mehr haben, auf diesem Planeten zu leben". (Wachtturm, 1. April 1990, S. 9)

Schließlich sollte man auch wissen, wie die WTG ihre ZJ "ermutigt", ja fanatisiert, auch jetzt die von ihr immer wieder umkonstruierte "gute Botschaft für die ganze Menschheit" ungeachtet ihrer religiösen und politischen Problematik (bis in mehr als 70 Ländern eingeschränkt, 1989 noch in 36 Ländern verboten) weiterhin gehorsam und unkritisch zu verfechten: "Die gute Botschaft wird nun in mehr als 210 Ländern gepredigt, und das Ende des Predigtwerkes ist noch nicht erreicht ... Es stimmt zwar, daß Jehovas Zeugen in allen Nationen der Erde gehaßt werden und auf Gegnerschaft stoßen, doch dadurch erfüllt sich, was als Kennzeichen wahrer Anbeter des einen lebendigen und wahren Gottes vorausgesagt ist ...

Statt also deswegen entmutigt oder mutlos zu sein, sind die Verkündiger der guten Botschaft beruhigt zu wissen, daß sie Gottes Billigung haben und zu der von Jehova, dem universellen Souverän, anerkannten Organisation gehören. Vergiß nie: Wir haben die Unterstützung Gottes, des Höchsten im ganzen Universum. Was macht es da schon, wenn die Welt mit all ihren Sekten und politischen Parteien gegen uns ist? ...

Somit haben Jehovas Zeugen überall in der Welt Verfolgung zu erdulden, hauptsächlich aber in den Ländern der sogenannten Christenheit. Diese Verfolgung durch die Christenheit beweist nicht, daß die Zeugen Nichtchristen sind. Sie erhärtet vielmehr ihre Behauptung, wahre Christen zu sein, Zeugen des Gottes und Vaters Jesu Christi „Zeugen Jehovas". (Wachtturm, 1. Januar 1990, S. 11 f)

Gegenwärtige Klippen für den WTG-Endzeit-Irrgang

Es ist nützlich, folgende Sachverhalte zu kennen, die die WTG über kurz oder lang zwingen werden, weitere Um- oder Neukonstruierungen ihrer haltlosen "Zeit des Endes" vorzunehmen. Es handelt sich um einige Schwerpunkte ihrer bisherigen Endzeitkonstruktion, deren Veränderung oder gar Preisgabe die hauptverantwortliche WTG erneut grundsätzlich als zu meidenden "falschen Propheten" dastehen läßt, 5. Mose 18:20-22 apologetisch zugrunde gelegt:

Es kann und wird keine WTG-prophezeite Religionsvernichtung durch die Vereinten Nationen geben, denn sie sind mit ihrer Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 unwiderruflich auch der Religionsfreiheit verpflichtet. (Artikel 18)

Mit der sich vollziehenden Beendigung des Ost-West-Konfliktes fällt die weltpolitische WTG-Deutung der Daniel-Könige erneut als haltlos zusammen. Die WTG müßte auf den jetzt vorherrschend werdenden realen Nord-Süd-Konflikt umdeuten, um sich in dieser Frage zu retten.

1994 wird der nächste fundamentale WTG-Endzeitkollaps seit 1914 handgreiflich, den sie mit ihrem Einspielen von Psalm 90:10 - höchstens 70 oder 80 Jahre - seit 1987 selbst programmiert. Denn es folgen nach 1994 selbstverständlich weitere Generationen, auf unabsehbare Zeit. So wird ein erneuter Mißbrauch der Worte Jesu für seine Zeit, "Diese Generation wird nicht vergehen ..." (Matthäus 24:34) offenbar. Es gab und gibt keine "Millionen" seit 1914 "lebender Menschen, die niemals mehr sterben". (WTG-Broschüre 1920; Erwachet 22.5.1989) Mit diesen WTG-Endzeit-Schwerpunkten, in denen wieder alle sog. endzeitlichen "Erfüllungen" verankert und eingebunden sind, steht und fällt erneut die gesamte WTG-Endzeitkonstruktion.

Bisherige Bedingungen und Auswirkungen einer Hinwendung zur WTG und ihre Zeugen

Überblickt man, was die "gute Botschaft" der WTG alles beinhaltet, so dürfte schon erkennbar sein, daß man sich in einen Rundumkonflikt mit seiner Umwelt begibt, will man das alles glauben und verbreiten, wie es verlangt wird. Darum ist auch eine Übersicht notwendig, welchen "Preis" man konkret zahlen muß, dies zu tun. Die Übersicht ist unvollständig, aber aktuell:

- Austritt aus allen anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften.

- Bibel nur so erklären, wie es die WTG jeweils bestimmt.

- Alle anderen Kirchen und Religionen als "Hure Babylon" betrachten und behandeln.

- Sich mit der WTG als "allein in der Wahrheit" betrachten.

- WTG als "Kanal Gottes" anerkennen, keine Kritik üben.

- Als Verkündiger der WTG-Schriften auf Straßen und von Haus zu Haus betätigen.

- In fremden Familien mit der WTG-Literatur "Heimbibelstudien" durchführen.

- Bis fünfmal wöchentlich an Schulungen zur Ausbildung als "Verkündiger" teilnehmen.

- Freizeit und Urlaub weitestgehend für den WTG-Dienst nutzen, die "Zeit auskaufen".

- Hauptlese- und Bildungsbedürfnisse durch WTG-Literatur befriedigen.

- Alle WTG-Dienste als Gottesdienste betrachten, Monatsberichte abliefern.

- Geselligen Umgang auf ZJ-Kreise beschränken, "Weltlinge" möglichst meiden.

- Möglichst nur in ZJ-Kreisen verlieben und nach WTG-Ritus heiraten.

- Kinder im WTG-Sinne erziehen, Kinderfreundschaften möglichst nur unter ZJ.

- Keine Teilnahme am christlichen Abendmahl nur Zuschauer für eine ZJ-Auswahl.

- Keine Bluttransfusion, auch nicht zur Lebensrettung der eigenen Kinder.

- Kritische Literatur über die WTG und die ZJ wie Gift meiden und vernichten.

- Keine "Sentimentalität", kein Mitleid den in "Harmagedon" zu Vernichtenden.

- "Theokratische Kriegslist" anwenden, ZJ-Arbeit auch durch Täuschen schützen.

- Sich der "Überwachung" durch örtliche WTG-"Rechtskomitees" unterordnen.

- Denunzierungspflicht für alle Abweichungen anderer ZJ von den WTG-Normen.

- Möglichst keine höheren Schulen und Universitäten besuchen.

- Möglichst nur einfache und praktische Berufe ergreifen.

- Wo möglich, "Vollzeitdienst" für WTG bei Halbtagsarbeit für Lebensunterhalt.

- Weder kirchliche Taufe, Konfirmation, Kommunion, Trauung oder Beerdigung.

- Erwachsenentaufe nach einem "Examen" im Sinne der WTG-Endzeitlehren.

- Tanz, Kino, Theater, Radio, Fernsehen als "weltlich" weitestgehend meiden.

- Keine demokratischen Rechte innerhalb der WTG-Organisation.

- Aus politischen Parteien und Organisationen austreten, in keine eintreten.

- An keinen demokratischen Wahlen teilnehmen, weder aktiv noch passiv.

- "Politik treiben" als satanisch "bloßstellen" und unterlassen.

- Keinen Wehr- und Wehrersatzdienst leisten, Folgen in Kauf nehmen.

- Keine patriotische Erziehung und Handlung der eigenen Kinder dulden. Keine Nationalhymne singen.

- Politischen Regierungen Niederlegung ihrer Macht und Souveränität predigen und zur Übergabe an Christus auffordern.

- Keinerlei Pläne und Vorhaben zur "Weltverbesserung" unterstützen.

- Von allen politischen Engagements sich fernhalten.

- An keinen Bürgerrechtsbewegungen teilnehmen, demokratische Rechte verhöhnen.

- Durch die WTG-"Huren"-Verkündigung Verfeindung familiärer und zwischenmenschlicher Beziehungen bewirken.

- Mit Verkündigung der' Vernichtungswürdigkeit aller Andersglaubenden eine Kollektivschuld und Sippenhaft anerkennen.

- Andersglaubende mit Kriegstreibern und Verbrecher Recht auf Leben absprechend.

- WTG als erwiesenen "falschen Propheten" als einen "wahren Propheten" predigen.

- Geburtstagsfeiern, Geburtstagsgeschenke und Gratulationen als heidnisch-unchristlich ablehnen.

- Kein Osterfest, weder Osterhasen noch Ostereier für die Kinder. Kein Pfingsten wie üblich.

- Keine Adventsfeiem, keinen Adventskranz oder -Strauß, keine Adventskerzen.

- Keine Weihnachten, keine Weihnachtsgeschenke, keinen Weihnachtsbaum Weihnachtsmann, keine Weihnachtslieder.

- Kein Namenstag, keinen Totensonntag, kein Allerheiligen, kein Allerseelen, kein Muttertag.

- Das christliche Kreuz als falsche Religion und Götzendienst aus Haus und Leben entfernen.

- Vermögen, Erbschaft und Nachlaß möglichst der WTG überschreiben.

Diese Bilanz eines Lebens im derzeitigen WTG-Endzeitglauben in dauerndem Rundumkonflikt könnte noch um sehr vieles erweitert werden.

Zum Schluß noch, was dem passieren kann, der früher oder später begreift, was für einen Irrgang er als Zeuge Jehovas unter der Wachtturmgesellschaft geht.

Er hat ein "Verfahren" vor dem örtlichen WTG-"Rechtskomitee" zu befürchten, gestützt auf "brüderliche" Denunzianten und Privatspione. Denn die WTG fordert nichts Geringeres als dies von ihren ZJ:

"Wir dürfen das Gesetz des Staates nicht außer acht lassen und dürfen auch nicht ignorieren, wie schwerwiegend ein Eid ist, aber Gottes Gesetz ist höchstrangig. Um dem Problem vorzubeugen, haben Brüder, die Rechtsanwälte sind, Ärzte oder Wirtschaftsprüfer, schriftliche Richtlinien festgelegt ... Manchmal wird ein treuer Diener Gottes aus Überzeugung, gestützt auf seine Kenntnis des Wortes Gottes die Schweigepflicht des göttlichen Gesetzes teilweise oder ganz brechen. Das erfordert Mut und Urteilskraft. Das Ziel würde nicht darin bestehen, die Privatsphäre eines anderen auszuspionieren, sondern dem Irrenden zu helfen und die Christenversammlung rein zu halten". (Wachtturm, 1.9.1987, dt., S. 14/15)

Im Ergebnis eines solchen "Verfahrens", wenn er dann, falls er "unverbesserlich" ist, die WTG-Forderungen nicht wieder anerkennt und sich nicht wieder beugt, als "Rebell gegen Gott" exkommuniziert. Er wird dann auch verdammt als "Sau, die sich wieder im Kot wälzt" und als "Hund, der sein eigenes Gespei frißt". Allzuoft bleiben verfeindete Beziehungen, verfehlter Bildungs- und Berufsweg, oft auch schwere seelische Probleme. Furchtbares bleibt dem, der gar sein Kind dem WTG-Blutkult geopfert hat. Auch Vereinsamung kann schlimm werden, weil man "alle Brücken so gründlich hinter sich abgebrochen hat, daß man den Weg zurück überhaupt nicht mehr finden kann" (WTG-Zweigaufseher Konrad Franke, Wiesbaden, 1968 auf dem WTG-Kongreß in Hamburg).

Vieles ist nie mehr gut zu machen, auch was man als Zeuge Jehovas der Wachtturmgesellschaft über andere Menschen und Familien gebracht hat.

Angesichts des Gesamtsachverhaltes um die Wachtturmgesellschaft und ihre Zeugen Jehovas kann am Ende nur wiederholt werden, was eingangs gesagt wurde: Alles "Gute", das jemand in seiner bisherigen Kirche und christlichen Gemeinschaft besitzt, unbedingt "festhalten" und dabei bleiben (1. Thessalonicher 5:21). Den Zeugen Jehovas aber immer eine ausgestreckte Hand. -

"Christliche Verantwortung"; Herausgeber Henry Werner; 0 6500 Gera, Heinrichstraße 46;

Einzelpreis 2.00 DM Konto-Nr.: 3219526; Volksbank eG., Gera BLZ: 830 945 64

Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 257

Der Weltpolitische Crash des Ostblocks, Ende der 1980er Jahre, hatte auch

Auswirkungen auf die WTG-Politik.

Mehr zu diesem Thema, in einem Beitrag am Schluss dieser CV-Ausgabe.


CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

SCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜRINGEN

NR. 257 GERA II/1991

WER SCHÜTZT DIE ARGLOSEN VOR IHREN "BESCHÜTZERN"?

Hesekiel 34:11

Um sie zu schützen warnte Jesus seine Jünger vor selbstsüchtigen Hirten, indem er sprach:

„Viele werden in meinem Namen kommen und sagen: „Ich bin DER Christus".

(Matthäus 24:4,5)

Zu sagen: „ich bin der Christus", bedeutet aber, sich selbst auch das Hirtenamt anzumaßen, das nur Gott allein zusteht. (Hesekiel 34:11). In Jesus Christus übt Gott das Hirtenamt aus (Johannes 10:11).

Die, vor denen Jesus warnte, geben vor, ihr „Werk" in der Vollmacht Christi zu tun. Sie erklären sich selbst zur „hirtengleichen Organisation", geben der Herde, die ihnen vertraut, nicht den mindesten Schutz.

Das Bild von Hirt und Herde, das Jesus gebraucht, ist eine Veranschaulichung, nicht mehr und nicht weniger! Es zeigt zutreffend die aufopferungsvolle Tätigkeit und Fürsorge des Hirten. Der Teil des Bildes, der sich mit der Schafherde befaßt, ist nur bedingt zutreffend. Weshalb?

Darum, weil es einen entscheidenden Unterschied gibt zwischen einer buchstäblichen Herde und einer solchen, wie Jesus sie meinte. Ein Hirte mag mit seiner Herde noch so sorgsam umgehen, sie beschützen, für sie wachen, und sie zu den besten Weideplätzen führen - er tut es letztlich doch nicht aus Liebe zu den Schafen, sondern um der Wolle, des Falles und des Fleisches wegen, kurz um des Nutzens willen, den die Herde ihm oder dem Besitzer bringt.

Dies ist der Punkt, in dem das Bild von Hirt und Herde „aus dem Rahmen fällt", denn alles, was der GUTE HIRTE für seine Schafe tut, geschieht um der „Schafe" selbst willen. Weder ihr „Hirt", noch ihr „Besitzer" wollen sich an den „Schafen" bereichern. Diese „Schafe" sind Menschen, die sich in der Knechtschaft der Sünde und des Todes befinden. Der GUTE Hirte nützt den jammervollen Zustand der „Schafe" nicht aus. Er macht kein Geschäft mit ihren Ängsten und Nöten. (Matthäus 9:36)

In Hesekiel Kapitel 34 wird mehrfach von den Hirten gesprochen, „die sich selbst weiden". Gott kündigt das Ende dieses Zustandes an, indem er sagt, daß ER sich selbst um die Schafe kümmern wird. (V. 11)

Er setzt den EINZIGEN Hirten ein, seinen Knecht David!

(V. 23) In Jesum Christum erhält die Weissagung Hesekiels ihre volle Bedeutung. (Johannes 10:11)

Ein falscher Hirte, der sich selbst als Gottes "treuer und verständiger Sklave" versteht, macht, anstatt! auf Christus, auf sich selbst aufmerksam. Er sagt:

"Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott". (Wachtturm vom 1.8.1956, S. 474) Er behauptet weiter:

"Den Anweisungen des Sklaven folgen, heißt Gott folgen". (Wachtturm 1957, S. 498) Sein Anspruch gipfelt in dem Satz:

"Die Wachtturmgesellschaft ist der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden".

(Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 148)

Mit solchen übersteigerten Ansprüchen des falschen Beschützers werden Menschen ermuntert, ihm zu folgen, wie man Gott selbst folgt. Um sein angemaßtes Hirten- und Beschützeramt zu begründen, bezieht sich der falsche Hirte auf die immer vorhandenen allgemeinen und persönlichen Schwierigkeiten, die es in der Welt, und beim einzelnen Menschen im besonderen gibt. Zuerst versetzt die WTG die Menschen durch Wort und Schrift in Furcht, um ihnen dann ihre Hilfe beim Überwinden dieser Furcht anzubieten.

Die vom menschlichen Dasein nicht zu trennenden Nöte, Ängste und Schwierigkeiten aller Art werden demagogisch als etwas einmaliges und besonderes hingestellt und als Zeichen des Weltendes gedeutet. Das Prinzip der Eskalation des Unheils stellte aber schon Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus dar. (2. Tim. 3:1-5; :13) Gott will allen Menschen das Angebot der Rettung machen, nicht nur einer potentiellen "letzten Generation"!

Es hat wohl keine Epoche der Weltgeschichte gegeben, die nicht ihre Weltuntergangs-Prediger hervorgebracht hätte. Sie kamen und gingen, so, wie die Ereignisse, die das Handlungsmotiv für diese Propheten bildeten, wellengleich heranrollten und wieder verebbten. Die "Begleitmusik" lieferten oft Fanatiker wie die Veitstänzer oder die Flagellanten. Doch mancher Mensch ging ehrlich in sich, den jammervollen Zustand überdenkend, in dem sich sein eigenes Verhältnis zu Gott befand, um aufrichtig Buße zu tun.

Das Kunststück der Wachtturmgesellschaft

Entgegen den Gepflogenheiten der meisten Untergangspropheten, nach Ablauf der von ihnen vorgegebenen Frist wieder von der Bühne zu verschwinden, hat sich die Wachtturm-Organisation schon weit über hundert Jahre halten können. Und das, obwohl ihre Vorhersagen niemals eingetroffen sind! Dieses Kunststück ist ihr gelungen, weil sie im Laufe der Zeit die Bedeutung von Ereignissen und die Berechnungen von Zeiten, die von ihr veröffentlicht worden waren, immer wieder geändert hat.

Die Mitverbundenen wurden und werden in einem ständigen Erwartungsdruck gehalten. Dadurch bleiben sie im Bannkreis der "Gesellschaft". Ohne Verlegenheit, ohne Reue, werden die prophetischen Fehlleistungen der Vergangenheit heruntergespielt und bagatellisiert.

Anstatt etwas zu bereuen, wird die Erweckung unerfüllbarer Erwartungen von der WTG selbst als "Eifer" interpretiert, der sich "das neue System früher, als es nach Gottes Zeitplan vorgesehen war, erhoffte". (Wachtturm 15.3.1986, S. 19)

Weiterhin wird behauptet, daß sie "dadurch, daß wir unser Verständnis etwas revidieren mußten, nicht zu falschen Propheten geworden" sind.

Was hat eine solche Fehlleistung denn mit "Verständnis" zu tun, und was der verniedlichende Ausdruck "etwas revidieren" mit den Tatsachen? Welche Gewißheit gibt es dafür, daß es nun und für immer bei der "kleinen Richtigstellung" bleiben wird? Wahr ist, daß jeder, der auch nur den geringsten Zweifel an den 'Hochgeschraubten hegte, die in Verbindung mit dem Jahr 1975 von der "Gesellschaft" aufgebracht wurden, mit schweren und ernsten Vorwürfen rechnen mußte. So wurde zum Beispiel der Verfasser dieses Artikels von "reifen Brüdern" dahingehend befragt, ob er sich denn noch als Zeuge Jehovas fühle, oder ob er etwa am Wachtturm zweifle?

Weil alles, was diesen Themenkomplex betrifft, mit Gott, Christus und Seinem Reich zusammenhängt, ist die Sache viel, viel ernster, als mancher zunächst denken mag. Es geht hier nicht um einen Lapsus, einen belanglosen Irrtum, sondern eine Erkenntnis von unübersehbarer Tragweite tut sich auf.

Alles vorbehaltlos und ungeprüft schlucken

Die Menschen, die seit vielen Jahren die WT-Schriften "studieren", und sich daher selbst als reife Christen betrachten, müßten sich, wenn sie darüber nachdächten, eingestehen, daß sie alles, was im WT steht, vorbehaltlos und ungeprüft schlucken. Fast ausnahmslos haben alle zu den unechten "Erkenntnissen" ihrer Leitung gestanden. Der Beweis: wer nur ein wenig zweifelte, wurde sofort ernsthaft ermahnt. Es war nie dem einzelnen anheimgestellt, ob er einen Irrtum mit der Gesellschaft teilen wollte, oder nicht!

Diese weltweite Gemeinschaft von WT-Lesern hat sich immer und immer wieder als eine Gruppe von Menschen erwiesen, die SEHR LEICHT getäuscht werden kann! Dafür kann es kein Reifezeugnis geben!

Weil die Irrtümer so groß und gravierend sind, kann selbst der WT nicht völlig umhin, wenn auch in stark abgeschwächter Form, von Zeit zu Zeit zuzugeben. Selbst ein "etwas revidiertes Verständnis" ist eben nicht "fast richtig", sondern ganz schlicht falsch! Und, was noch viel schlimmer ist, es wurde geglaubt und eifrig kolportiert! Weil treue WT-Leser nie zweifeln, wissen sie niemals, was vom Inhalt ihrer geliebten Zeitschrift bleibend sein könnte, und was nicht! Somit ist die Annahme jedes Irrtums, er mag groß sein oder klein, von vornherein sicher. Der WT-Leser schluckt alles, was ihm vorgesetzt wird, und sein "Unterscheidungsvermögen" besteht im allgemeinen nur darin, daß er darauf achtet, daß seine "Speise zur rechten Zeit" auch ja in Brooklyn zubereitet wurde. Geprüft wird nur das Etikett, nicht aber der Inhalt der Verpackung.

So, wie die allermeisten professionellen WT-Leser die wenigen halb-und-halb zugegebenen Irrtümer nicht bemerkten, so natürlich auch nicht die vielen, die niemals zugegeben wurden. Und wenn, dann höchstens indirekt, indem ein früher behandelter Gegenstand neu interpretiert wurde.

Wer oder was schützt vor den "Beschützern", wenn diese hauptsächlich auf den Nutzen aus sind, den sie von den "Schafen" haben? Denn der Nutzen und die exerzierplatzmäßige Ausrichtung der "Herde" haben unbedingt Vorrang vor ihrem geistlichen Wohlergehen.

So stellt sich also der Zustand einer Herde dar, die nicht von Jesus Christus, dem GUTEN HIRTEN, geweidet wird: geistlich unterernährt, leicht zu täuschen, ohne Widerstandskraft gegenüber Irrtümern. So läßt ein scheinbar harmloser Vorgang, ein "Revidieren", bei genauerem Hinsehen die gefährlichen Symptome eines geistlich trostlosen Zustandes der "Herde" erkennen.

Im Buch "Das Paradies für die Menschheit wiederhergestellt" heißt es auf Seite 355:

"Jehova, der Gott der wahren Propheten, wird alle falschen Propheten in Schande geraten lassen... indem er seine eigenen Prophezeiungen auf eine Weise verwirklicht, die zu derjenigen der falschen Propheten im Gegensatz steht".

Wer den Nutzen und das Sagen hat

Russells Nachfolger, "Richter" Rutherford, gab ein bezeichnendes Beispiel dafür, wer in der WT-"Herde" den Nutzen und das Sagen hat! Russell hatte seinerzeit "errechnet", daß in den zwanziger Jahren die "alttestamentlichen Überwinder" auferstehen sollten, um als "Fürsten" über die Neue Welt zu herrschen. (Buch: "Der Weg zum Paradies", S. 214-215, ed. 1924) Jehovas "treue Zeugen" hegten in Verbindung mit dieser "Tatsache" sehr freudige Erwartungen und fühlten sich im Gefolge derselben stark zum "Felddienst" motiviert. Um es den "Fürsten" angenehm zu machen, die selbstverständlich in den USA auferstehen würden (!), baute man für sie in Kalifornien das Haus der Fürsten, "Beth Sarim". Die Auferstehung der "vorchristlichen Überwinder" erfolgte aber mitnichten. Damit nun das schöne Haus im schönen Kalifornien nicht leerstehen müsse, bezog es "Richter" Rutherford. Als die Gesellschaft das Haus viel später verkaufte, wurde die Mitteilung darüber für die Wachtturmleser mit der Bemerkung gewürzt, "Beth Sarim" habe seinen Zweck erfüllt, es habe Zeugnis für den Glauben der Zeugen abgelegt! Wußte niemand mehr, welchem Zweck es WIRKLICH dienen sollte? Und die es noch wußten, hielten den Mund! Kaum einer wurde stutzig, kaum jemand war enttäuscht, betrübt oder traurig über diese faustdicke Lüge! Niemand weinte deshalb, daß die langgehegte, "biblisch begründete" Erwartung nicht eintraf, sondern wie Schnee in der Sonne dahinschmolz.

Der Herr ist mein Hirte

Was schützt vor solchen "Beschützern", vor den "Hirten, die sich selber weiden"? Vor Organisationen, die mit sensationellen Ankündigungen Anhänger werben, die in nationalen Ereignissen das Reich Gottes beweisen wollen, die die schlichte, zeitlose, an alle Menschen gerichtete Frohe Botschaft für sich beanspruchen, um sie schamlos zu vermarkten?

Es kann eine große Hilfe sein, sich zunächst einmal gründlich mit der Geschichte der werbenden Organisation vertraut zu machen, anstatt ihr, blindlings vertrauend, zu folgen. Wer nach Wahrheit sucht, halte sich nicht an die Versprechungen einer "Organisation", sondern an die immer gültige Botschaft Jesu und Seiner Jünger, so, wie sie nun seit fast zweitausend Jahren verkündet wird! Und das zum möglichen Nutzen der Menschen JEDER Generation, die sie vernommen hat.

Wer darüber hinausgeht, um sich an Prophezeiungen und Berechnungen zu versuchen, was zugegebenermaßen eine große Versuchung sein kann, sollte unbedingt Verdacht erregen: Kundige ist gewarnt! Denn, gemäß dem 23. Psalm ist keine Organisation, sondern der Herr mein Hirte. Er gab uns Sein Wort, daß alle, die auf Ihn vertrauen, aus jeder Bedrängnis, in die sie geraten könnten, von Gott in Verbindung mit Seinen. Reich, gerettet werden können. Dieses Vertrauen hatte auch der Schreiber des 23. Psalmes. Er drückte es so aus: "Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht." (Psalm 23:4)

- H. G. -

INHALTSVERZEICHNIS

Wer schützt die Arglosen vor ihren "Beschützern"?

Das Rezept der Macht

"Diese Generation wird nicht vergehen bis..."

Überzeugen und nachdenken

Ein Gott, der unerreichbar, aber nicht unnahbar ist

Gedanken eines Kindes

Die im Glashaus sitzen

Wie man die Trennung von der Zeugen heil übersteht

Aus der Welt der Zeugen

Gedanken - Zuschriften - Notizen

Positives und Verwunderliches

Ihr Ältesten, behütet das euch Anvertraute gut

Die WTG wird zur Kasse gebeten

DAS REZEPT DER MACHT

Wie ist es möglich, daß sich immer wieder neue Interessierte, neue Getaufte finden, um die Reihen der WTG aufzufüllen? Die WTG selbst führt es auf die gewaltige Macht Jehovas und darauf zurück, daß sie als einzige im Besitz der Wahrheit ist. Doch die Realität sieht anders aus ...

In der Literatur der WTG finden wir immer wieder Veröffentlichungen über die "Hirten der Herde Gottes". Das ist kein Zufall, daß gerade in dieser Sache soviel gesagt wird, denn das Problem der Lenkung und Leitung der WTG weltweit hat innerhalb dieser "Organisation" und natürlich auch außerhalb zu vielen Auseinandersetzungen geführt. Hirten, aber keine Herrscher. In Matthäus 20:25-27 erfahren wir:

"... Ihr wißt, daß die Herrscher der Nationen den Herrn über sie spielen und die Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch ist es nicht so, sondern wer irgend unter euch groß werden will, soll euer Diener sein, und wer irgend unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein."

Hier wird eine bis heute gültige Feststellung getroffen, nämlich, daß eine besondere Aufgabe, ein Auftrag oder Amt den Betroffenen nicht über die anderen der Gemeinschaft stellt. Insofern unterscheidet sich gerade auch die frühe Christenversammlung von den späteren Religionen. Im weiteren wird dann von den Ältesten, auch Hirten und Lehrern gesprochen, es werden schließlich auch die für bestimmte "technisch-organisatorischen Aufgaben" zuständigen Dienstamtgehilfen erwähnt. Alle diesbezüglichen biblischen Stellen betonen wiederholt, daß diese Ämter und Aufgaben kein Vorrecht bedeuten. Es wird aber der Anschein erweckt, als wäre es in der WTG in Anlehnung an jene Forderungen genauso eingerichtet. Aber das Gegenteil ist der Fall. Sogar im Titel weltlich

Jeder, der einmal mit Jehovas Zeugen näher bekannt geworden ist, weiß, daß es jene Gleichen unter Gleichen in der WTG nie gegeben hat. Es gibt - kurz gesagt - eine wohlgeordnete Hierarchie ganz in der Art der so oft abfällig von der WTG beurteilten weltlichen Zustände. Es gibt - man höre und staune - sogar einen "Präsidenten", auch diese Amtsbezeichnung wurde von den Großen dieser "Welt" übernommen.

Das ganze Brüsten, etwas Bevorrechtetes, etwas Besonderes zu sein, ist also eitel Lug, denn gerade das, was Jesus Christus verabscheute, hat die WTG bis ins letzte verwirklicht, eine durchorganisierte Gesellschaft mit Kontrollmöglichkeiten bis ins letzte Glied im entferntesten Winkel der Erde und es ist eigentlich schon keine Übertreibung mehr, wenn man sagt, daß sich die WTG mit ihren Methoden der Überwachung und Meinungsbespitzelung einem "Geheimdienst" schon längst bedenklich angenähert hat. Kein Wunder, die Grundlagen dafür boten bereits Russell und Rutherford.

Es stellt sich also heraus, daß eine Organisation, die sich als einzig wahre im Glauben bezeichnet, allein schon durch ihre perfektionierte Staffelung der Ämter, durch ihre konzentrierte politische, religiöse und wirtschaftliche Macht völlig von den christlichen Grundsätzen abgekehrt, ja diese niemals befolgt hat. Sie sind lediglich noch Vorwand, um der WTG einen Schein von Religiosität zu geben. Nicht Hirten - sondern Wölfe im Schafspelz Das alles ist selbst dem ganz neu in die WTG gekommenen Zeugen ein vertrautes Bild, aber wer wird sich eigentlich bewußt, daß hier seit mehr als einhundert Jahren christliche Grundsätze verletzt, ja, überhaupt nicht befolgt werden. Dazu kommt der erschreckende Drang, daß jeder, selbst im kleinsten Amt, etwas gelten will, jeder will weiterkommen. Nur wenige befolgen wirklich ganzherzig ihr Amt allein als Auftrag zum Dienst am Nächsten. Das Machtstreben nach oben hat sich also in der entstandenen Hierarchie kräftig mitentwickelt. So stehen jene, die scheinheilig in ihren Büchern vorgeben, Hirten zu sein, vor uns als Wölfe im Schafspelz und das Wolfsgesetz ist ihr oberstes Prinzip.

"DIESE GENERATION WIRD NICHT VERGEHEN BIS ..."

(Matthäus 24:34)

Jedesmal wurde als "Licht von Gott", als "göttliche Wahrheit" und "im Namen Jehovas" als unwiderlegbar von der Wachtturmgesellschaft verkündet:

1799

Beginn der Zeit des Endes, endgültige Nordkönigerfüllung durch Kaiser Napoleon (Schriftstudien III1891/1926, S. 34,37) "Deutung und Auslegung" von Offb. 17, "die nicht mehr bestritten und widerlegt werden kann": Tier ist das Papsttum, bis 1799 Herrschaft (Schriftstudien VII 1917, S. 355)

1864

Versammlung der Nationen nach Zeph. 3:8,9, durch Internationale Arbeiter-Assoziation (1. Internationale) erfüllt (Schriftstudien I 1886/1926, S. 302)

1870

Mit Ende der weltlichen Macht des Papsttums Tier nach Offb. 17 in den Abgrund (Schriftstudien VII 1917, S. 355)

1873

Beginn des 7. Jahrtausends, 6000 Jahre zuende (Schriftstudien II 1889/1926, S. 31 - Der Wachtturm: Jede Titelseite bis 1. Oktober 1928/seit Adam 6056)

1874

Genaues Datum der Wiederkunft Christi: "Seit Oktober dieses Jahres ist unser Herr, der berufene König, wieder gegenwärtig". (Charles T. Russell)

(Schriftstudien II 1889/1926, S. 165, 203)

1878

"Seit April 1878 hat unser Herr seine königliche Macht an sich genommen und sammelt nun seine Auserwählten. Die Toten in Christo, welche nach des Apostels Wort zu Beginn seines Reiches auferstehen sollen, sind mithin im April 1878 auferstanden"

Schriftstudien IV 1916, S. 322) Babylon gefallen, Christus tritt Herrschaft an (Schriftstudien III, 1891/1926, S. 138, 140)

Nationalkongreß in Berlin, Kaiser Wilhelm I. Rückkehr der Gnade Gottes zu den Juden (Schriftstudien III 1891/1926, S. 232-292)

Zionistenführer Herzl von Jehova erweckt, politischer Zionismus erfüllt Hesekiel 37:1-14 (Trost für die Juden 1925, S. 98-101)

1881

Ruf zu himmlischer Hoffnung zuende

(Schriftstudien I 1886/1926, S. 355-357)

1886

Politische Regierungen sind Obrigkeit von Gott (Schriftstudien III 1891/1926, S. 255)

1890

Pyramide von Gizeh erfüllt Jes. 19:19,20 (Schriftstudien III 1891/1926, S. 303-366)

1897

Zionistenkongreß in Basel ein Wunder Gottes, 206 Knochen als göttlicher Beweis (Leben 1929, S. 177)

1899

(Neue) endgültige Tiererfüllung nach Offenbarung 17 (Licht II 1930,8.83,91)

1914

Für Zeugen Jehovas ist 1914 das zentrale endzeitliche Datum (Neues) genaues Datum der Wiederkunft Christi (Gott bleibt wahrhaftig 1948, S. 198)

Anarchie, Kampf, Kapital / Arbeit, Sturz aller Regierungen, Harmagedon zuende (Schriftstudien II1889/1926, S. 97, 232)

Tier Offenbarung 17 (erneut) endgültig aus Abgrund (Licht II1930, S. 91)

Auferstehung der Fürsten Abraham u.a.

(Schriftstudien IV 1897/1926, S. 325)

1915

Volle Gnadenstellung der Juden bei Jehova

(Schriftstudien II1889/1926, S. 212)

1916

Wechsel Russell/Rutherford erfüllt Wechsel Elia/Elisa (WT 15. August 1925, Prophezeiungen 1929, S. 205-208)

1918

Christus im Himmel (erneut) zur Herrschaft

(Gott bleibt wahrhaftig 1948, S. 198)

1919

(Neueste) Fürstenauferstehung: Die Diener in der Organisation

(Wachtturm 1. März 1952)

1925

"Wir erwarten mit voller Gewißheit, daß die jetzige große Drangsal im Jahre 1925, etwa im Herbst, ... zum endgültigen Abschluß kommen wird...

(Erwachet 15. März 1924) [Redaktionelle Einfügung. Nicht in der CV. „Erwachet!" gab es 1924 noch nicht. Damals war der Titel „Das Goldene Zeitalter"]

Harmagedon (erneut) zuende, (neue Fürstenauferstehung)

(Millionen-Broschüre 1920, S. 104)

1925

Weltregierung Abrahams in Jerusalem mit Flugzeug, Automobil und Radio

(Der Weg zum Paradies 1924)

1929

Politische Regierungen sind keine Obrigkeit von Gott

(JZ in Gottes Vorhaben 1960, S. 124)

1930

Fürstenvilla Beth Sarim, San Diego, USA, für Abraham gebaut und von Rutherford bewohnt (Die neue Welt 1942, S. 104)

1932

Satansbetrug, daß Zionismus Endzeitwunder Gottes

(WT 15. Juli 1955, S. 423)

1933

Verbot in Deutschland - Harmagedon vor der Tür

(Dein Name werde geheiligt 1963, S. 319)

1939

(Neue) Nordkönigerfüllung durch Hitlerfaschismus

(Die neue Welt 1942, S. 339)

(Neue Tiererfüllung nach Offenbarung 17)

(Babylon die Große ... 1965, S. 586)

1940

Jede Religion ist Teufelswerk, WT keine Religion (Religion 1940, Theokratische Hilfe 1950) 1942

Wechsel Rutherford/Knorr erfüllt (neu) Wechsel Elia/Elisa

(Dein Name werde geheiligt 1963, S. 326)

1945

Harmagedon spätestens in 10-20 Jahren

(Trost/Erwachet 1. Juni 1945, S. 10,11)

Tier nach Offenbarung 17 (erneut) aus dem Abgrund

(Babylon die Große ... 1965, S. 587)

1958

(Dritte) Nordkönigerfüllung, jetzt antisowjetisch

(Dein Wille geschehe auf Erden 1958)

1962

Politische Regierungen doch Obrigkeit von Gott

(WT 1. Januar - 15. Februar 1963)

1972

6000 Jahre (erneut) zuende, Harmagedon (emeut) zuende

(Die Wahrheit wird euch frei machen 1943)

1975

6000 Jahre (erneut) zuende, Harmagedon (erneut) zuende

(WT 1. Januar 1967, "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne

Gottes 1967, S. 30/36)

1997

als anderes Datum für Ende der 6000 Jahre zitiert

(Ewiges Leben ... 1967, S. 28,29)

Sämtliche Quellenangaben sind verbürgt. Einsicht auch in der Bibliothek des

Zweigbüros der WTG Selters.

- K. 0. -

ÜBERZEUGEN UND NACHDENKEN?

Es gibt u.v.a. ein WTG-Lehrstück mit dem Titel: "Überzeuge deine Zuhörer, rege sie zum Nachdenken an." Wir wollen einmal untersuchen, ob Interessierte und Zeugen Jehovas wirklich nachdenken und selbständig überlegen sollen. Es wird festgestellt von der WTG:

"Die überzeugende Beweisführung hängt von vernünftigen entscheidenden Gründen ab, und so wird sie der Raterteilende betrachten ...

Wenn die überzeugende Art deiner Ansprache von der Weise abhängt, in der sie gehalten wird, und nicht von den Tatsachen, die du verwendet hast, um deinen Standpunkt zu begründen, dann mußt du dieses Merkmal noch weiter entwickeln, um deine Beweisführung wirklich stichhaltig und genau werden zu lassen."

Ist das so zu verstehen, daß ein sehr geschickt argumentierender, die Überzeugungsmethoden beherrschender Zeuge Jehovas diese Fähigkeiten weiterentwickeln soll, sogar auf Kosten der Tatsachen? Reicht das, wenn man eine Beweisführung nur geschickt genug vorbringt, wird sie am Ende auch genau und überzeugend? Mit solchen Praktiken wäre der Lüge und Verdrehung ja Tür und Tor geöffnet! Ein weiterer Hinweis der WTG:

"Ein Wort der Vorsicht! Alle Beweise müssen ehrlich angewandt werden. Reiße ein Zitat nicht aus dem Zusammenhang. Vergewissere dich, daß das, was du sagst, genau dem entspricht, was die von dir angeführte Autorität sagen wollte ... Sei auch vorsichtig mit Statistiken. Unrichtig unterbreitet können sie wie ein Bumerang wirken und verheerende Folgen haben." Was haben wir bisher festgestellt?:

Die WTG reißt Zitate ständig aus dem Zusammenhang und verfälscht sie, die WTG verwendet, um den Glauben an Jehova zu verbreiten, die Argumente von Autoritäten, ohne auch nur im geringsten die vorrangige Autorität der Bibel herauszustellen; ja sie schätzt ihre eigene Autorität am höchsten ein und macht sie zum Maß aller Dinge.

Die WTG verfälscht in jedem Jahrbuch Statistiken, indem sie die Zahlen der Abgänge nicht nennt! Kontrolle? - Ja; Nachdenken? - Nein! Mit keinem Satz dieses Lehrstückes wird auf die Anregung zum Nachdenken eingegangen. Man kann suchen, solange man will. Dagegen wird in einer Tour vom genauen Beobachten der Zuhörer, vom Kontrollieren ihrer Reaktion auf das Gesagte gesprochen.

Es wird gesagt, man soll als Vortragender sicher sein, daß einem die Zuhörer folgen: "Wenn du nicht darauf achtest, ihnen zu helfen, nachzudenken, mögen sie leicht deinen Gedankengang verlieren."

Wie dieses Helfen auszusehen hat, wird nicht gesagt. Und zu wissen, daß die Zuhörer einem Vortrag folgen, heißt noch lange nicht, daß sie darüber nachdenken - oder etwas weiterdenken. Das will ja die WTG auch gar nicht. Es soll zugehört, das Gesagte verfolgt werden, weiter nichts. Das Lehrstück bezieht sich ausschließlich auf den Zeugen Jehovas, auf seine Aktivität. Die geistige Aktivität der Interessierten ist nicht gefragt. Mögliche Wechselwirkungen, echte Auseinandersetzung sind gar nicht eingeplant. Das heißt, jegliche geistige Freiheit der Interessierten soll Schritt für Schritt beschnitten werden. Zugleich wird jeder Zeuge Jehovas ausgerichtet auf die Verfahrens- und Verhaltensnormen, die das Lehrstück gibt. So wird das Lehrstück zum Reglement, denn es schließt eigenes Denken des Zeugen Jehovas aus und fixiert ihn nur starr auf das, was der WTG gut dünkt. Widersprüche werden durch das schrittweise Vorgehen und den ständigen Wechsel von biblischen Belegen und WTG-Erläuterungen geschickt überspielt.

Auf Schritt und Tritt geht gleich einem bedrohlichen Schatten ein vielfältiges Sammelsurium von Regeln und Vorschriften, Anordnungen und strikt einzuhaltenden Unterweisungen mit dem Zeugen Jehovas durchs Leben. Verbaute Erkenntnis

In doppelter Hinsicht hat die WTG dem Zeugen Jehovas seine geistige Welt mit Brettern vernagelt:

Er hat den Zugang zum wahren Glauben verloren, weil stattdessen der bedingungslose Gehorsam zur WTG steht; er hat, eingeschnürt in die Versammlung, den Kontakt zu seiner gesellschaftlichen Umwelt verloren bzw. ist in ihr zum Fremdkörper gemacht worden, sodaß jede Wiedereinordnung schwerste Belastungen mit sich bringt. Und das besonders Raffinierte an diesem System der WTG ist, daß sie, entgegen ihren eigenen Darstellungen, eine Verwaltungsapparatur, eine Hierarchie aufgebaut hat, die alles und jeden in bezug auf Fügsamkeit und Unterwürfigkeit überwacht, dabei stets beachtend, daß dies unauffällig, den einfachen Zeugen also nicht bemerkbar, geschieht.

-nbs-

EIN GOTT, DER UNERREICHBAR, ABER NICHT UNNAHBAR IST

In 2. Mose 34:6 wird Gott als barmherzig und gnädig beschrieben, und in Joel 2:18 wird von ihm gesagt, daß er Mitleid mit Seinem Volk hat. Die Einheitsübersetzung nennt es "Erbarmen".

Die Einstellung des Sohnes gleicht völlig der des Vaters. In Matthäus 20:34 wird uns berichtet, daß Jesus "Mitleid mit ihnen (hatte), denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten hatten". (Auch Markus 6:34)

Es macht Mut, aus Gottes eigenem Mund zu wissen, daß Seine Erhabenheit nicht gleichbedeutend ist mit Kälte, Gleichgültigkeit und Unnahbarkeit. Hier eröffnet sich für Christen eine Möglichkeit, Gott, und Seinem Sohn, Jesus Christus, zu begegnen, und, wie es Paulus einmal schrieb, Christi und Gottes Nachahmer zu sein.

Christen sind, wie alle Menschen, Sünder, die gesündigt haben und noch immer sündigen. Sie sind nicht im absoluten Sinne "gerecht", eine Eigenschaft, die nur Gott allein zukommt, sondern sie sind durch Christi Blut gerechtfertigt. Einer der "Unterschiede" zwischen Christen und Nichtchristen müßte darin bestehen, daß sich erstere ihrer Sünden bewußt sind und sich zu diesen, wie auch zu ihrem Erlöser, bekennen. Wenn sich aber der absolut gerechte Gott, unser, der Sünder erbarmt, sollte uns, die wir selbst die Sünder sind, nichts hindern, uns der Mitmenschen zu erbarmen! Was ist das, was wir geben können, gegen das, was uns gegeben wurde? (Matthäus 18:23-35)

Daß Gott Sünden vergibt, kann aber nicht bedeuten, daß das, was wir gegenüber Gott und den Menschen gesündigt haben - und noch sündigen - ungeschehen gemacht werden könnte. Die größte Nähe Gottes erfuhren Menschen, als Gott in seinem Sohn Mensch wurde. Gott weiß genau, was Menschen leiden und erleiden, und, obwohl das, allgemein gesagt, darum geschieht, weil alle Menschen Sünder sind, hat ER mit den Sündern tiefes Mitleid.

Es lohnt sich, das Vater-unser-Gebet einmal als Ausdruck der göttlichen Herablassung zu betrachten. Das Gebet enthält die bedeutungsvolle Anzahl von sieben Bitten, von denen sich drei auf Gott selbst,

Dein Name,

Dein Reich,

Dein Wille

beziehen, und die restlichen vier auf die Anliegen des Beters:

unser Brot,

unsere Schuld,

unsere Versuchung und

unsere Befreiung.

Nehmen wir noch die Eröffnungsworte des Gebetes hinzu, "Unser Vater, der du bist im Himmel", dann werden Gott und der Beter je viermal erwähnt.

Wenn wir das bedenken, tröstet uns die Gewißheit, daß Gott, der himmlische Vater, uns trotz Seiner Erhabenheit ganz nahe ist. Wann immer wir, nach Seinem Geheiß, die Worte dieses Gebetes sprechen, erinnert Er uns daran, daß Seine wirkliche Größe Hand in Hand geht mit Güte, Milde und Verständnis für andere und mit der Geduld, die Ihn darin niemals ermüden läßt. Nur selbsternannte "Gerechte" blicken ohne Mitleid auf andere herab. Wie leicht ist doch jemand dazu bereit, geschützt hinter den Mauern der eigenen Frömmigkeit, anderen zu sagen, daß sie an ihrem Unglück und Mißgeschick selbst schuld sind. Wäre auch Gott selbst so eingestellt, wie könnten dann diese "Frommen" jemals darauf hoffen, aus ihrer eigenen Schule entlassen zu werden?

Und selbst WENN das Unmögliche möglich würde, und jemand wäre von dem Augenblick an, da er sich Gott hingegeben hat, ein absolut gerechter Mensch, so könnte doch niemals rückgängig gemacht werden, was er in seinem "vorchristlichen Leben" getan hätte.

Frömmigkeit ohne Güte dient allein der Befriedigung der eigenen Wünsche. Im Briefe an Timotheus - l. Timotheus 1:13- erinnert sich Paulus und bekennt, daß er "zuvor" ein Lästerer, Verfolger und Verhöhner Christi und Seiner Kirche war. Daraus folgt wohl, daß Paulus nie geglaubt haben kann, daß all der Schaden, den er "zuvor" angerichtet, daß all das Leid, das er vor seiner Umkehr verursacht hat, nun ungeschehen sei, und daß die Folgen seiner damaligen Denk- und Handlungsweise rückgängig gemacht werden könnten. Nein, denn selbst dann, wenn die Wunden verheilt sind, bleiben doch Narben als Erinnerung zurück!

Gott ist uns nahe in Seinem Wort, denn, wenn Er den Menschen anspricht, muß Er sich des Menschen auch bewußt sein! Daß Er uns aber in Jesus Christus bis "auf Tuchfühlung" nahe gekommen ist, übertrifft an Wert alle anderen Erfahrungen, die Menschen jemals mit Gott gemacht haben, bei weitem! Sicher stellt sich mancher die Nähe Gottes so vor, daß er meint Er müsse Sich zu jeder Zeit um jedes einzelne Problem jedes einzelnen Menschen während der kurzen Pilgerreise auf Erden kümmern. Ja, Er müßte vielleicht sogar die Menschen dazu zwingen, friedlich zu leben und zu handeln, und, im Unterlassungsfalle sofort strafend eingreifen. Aber müßte dann Gott nicht auch, konsequenterweise, im Falle jedes einzelnen Menschen das Gleiche tun?

Gott gab Seinen denkenden Geschöpfen immer Wegleitungen, gepaart mit der Erkenntnis, daß es den "wahren Menschen" nur gibt in Verbindung mit seinem Schöpfer. Je enger diese Verbindung ist, desto menschlicher ist die Menschlichkeit, und beim Menschen Jesus war sie absolut!

Isoliert von Gott ist der Mensch "animalisch", ein vernunftbegabtes Tier. Und dieses Geschöpf wird die ihm geschenkte Vernunft mit Sicherheit mißbrauchen. Dies um so mehr, je größer der Abstand von Gott ist. Das absolute Gegenbeispiel zu Christus Jesus: Satan, der Teufel!

Obwohl die "Welt" ist, wie sie ist, verfällt doch keiner der gläubigen, aber ohnmächtigen "Kleinen" bei Gott, der Vergessenheit, denn Er kann jeden, den er will, aus "diesem Wettlauf" erretten!

Darum ist es nie vergeblich, auf den allzeit nahen Gott zu vertrauen.

Die gottesferne Denkweise leider sehr vieler Menschen verdirbt die Erde. Habsucht, das heißt Geld- und Machtliebe, ist eine Wurzel allen Bösen. (1. Timotheus 6:10) Daraus zieht Paulus, wie wir in Hebräer 13:5 nachlesen können, den Schluß: "Euer Leben sei frei von Habgier; seid zufrieden mit dem, was ihr habt; denn Gott hat versprochen: 'ich lasse dich nicht fallen und ich verlasse dich nicht'". Eine Denkweise, die nicht weitgehend frei von Habgier ist, wird immer zu Krieg oder kriegsähnlichen Zuständen führen, im Kleinen und im Großen! Die Erde wird verwüstet, ganz gleich, ob gerade Krieg herrscht, oder ein sogenannter Frieden. Ein "Frieden", der zu nichts anderem dient, als sich ungestört auf Kosten anderer zu bereichern und die Erde auszubeuten bis zum Kollaps, trägt schon den Keim des Krieges und der Zerstörung in sich!

Viele Menschen staunen darüber, wie es möglich sein kann, daß, obwohl alle - angeblich - nur den Frieden wollen, plötzlich Krieg herrscht.

Gott ist nahe, Seine Gesetze wirken immer, und machen, als "Saat und Ernte", als Ursache und Wirkung, offenbar, was im Herzen der Menschen wirklich vorhanden ist! Gott, obwohl nahe, greift nicht ein, indem Er ständig die Folgen menschlichen Fehlverhaltens korrigiert, sondern, indem Er uns mannigfaltige Beweise dafür gab und noch immer gibt, daß Er die nicht verläßt, die Ihm vertrauen! Und was sollte "nicht verlassen" denn anderes bedeuten, als daß jemand Seine freundliche Nähe spürte, die sich in allem Auf und Ab dieses Zeitlaufes bewährt?

Der wirklich gute Gott erwartet nicht, daß Seine Geschöpfe Ihm Seine guten Werke vergelten. Wir aber neigen sehr leicht dazu, für jede "gute Tat" eine Belohnung zu erwarten. Wir ziehen es gar zu gern vor, zu vergessen, daß wir auch unsere "guten Taten" als sündige Menschen vollbringen, daß das, was wir "gut" nennen möchten, sozusagen von der Sünde Hauch angekränkelt ist!

Würde aber jede "gute Tat" belohnt, müßte auch jede ungute Handlung konsequenterweise sofort bestraft werden. Welche Waagschale dann die schwerere wäre, läßt sich leicht errechnen.

Sagte Jesus nicht:

"Wenn selbst ihr, die ihr böse seid, euren Kindern wißt Gutes zu tun, wieviel mehr EUER VATER, der im Himmel ist". (Matthäus 7:11)

Wir müssen es lernen, unsere Erwartungshaltung zu korrigieren, wie auch die Einstellung zu uns selbst relativieren. Wir

müssen, darum kommen wir nicht herum, uns "an Seiner Gnade genügen" lassen.

In unserem deutschen Wort "Gnade" steckt der Sinn von "sich neigen". Gott neigt Sich zu uns, Er naht Sich uns In Seinem Sohn. Mit dieser, Seiner Zu-Neigung löst siel, das scheinbare Paradoxon, daß Gott nicht erreichbar, doch darum nicht auch gleichzeitig unnahbar ist.

Im Begriff der göttlichen Gnade steckt nichts Wegwerfendes, Demütigendes, weshalb sich jemand, befangen in falschem Stolz, sich dieser Zuneigung entziehen müßte. Im Althochdeutschen bedeutet "Gnades" soviel wie "Herablassung", "Unterstützung", im Gotischen soviel wie "helfen". So gesehen, macht Gottes Gnade wirklich reich, nicht, indem sie zu materiellem Reichtum verhilft, sondern indem sie selbst den allergrößten Reichtum darstellt, der von nichts anderem übertroffen werden kann!

Niemals ist es Gott, der den Menschen verläßt. Oftmals dann, wenn Er mit Seinen Forderungen dem Menschen unbequem wird, wenn wir uns in der Verfolgung der eigenen Ziele von Ihm eingeengt fühlen, oder, wenn uns Sein Rat und Seine Warnungen, wie wir sie aus Seinem Wort empfangen, nicht passen wollen.

Gottes Volk war sich der Nähe Gottes stets bewußt, denn Richter und Propheten hielten dieses Wissen lebendig. Nur das Bewußtsein der fortwährenden, gütigen Nähe Gottes kann uns dazu bewegen, den Worten Jesu Glauben zu schenken, indem wir tun, was er uns rät: "Bittet, und es wird euch gegeben werden, sucht, und ihr werdet finden, klopft an, und es wird euch auf getan".

Er ist treu, und nichts wird uns jemals von Seiner Liebe scheiden können, wenn wir es nicht selbst tun. (Römer 8:38,39)

- H. G. -

GEDANKEN EINES KINDES

Da erblickte ich nun das berühmte Licht der Welt und durch meinen Schrei bekunde ich, daß ich mein Erdendasein angenommen habe. Wie sich mein künftiges Leben gestalten wird, hängt jetzt davon ab, welcher Familie ich das freudige Ereignis bereitet habe.

Wie sich herausstellte, sind meine Eltern Zeugen Jehovas. Ob ich mich darüber freuen soll oder nicht, muß sich erst erweisen. Während ich zunächst meine Zeit vorwiegend mit Trinken und Schlafen verbringe, wachen meine Eltern über mein geistiges Wohl. Da sie sehr streng dem Glaubensverständnis der Wachtturm-Gesellschaft verbunden sind, werden auch alle Anregungen zur rechten Erziehung meiner Person in die Tat umgesetzt. So machte es meiner Mutter immer wieder Freude, mir aus den Schriften der Organisation vorzulesen. Ein Artikel im Erwachet hatte es ihr besonders angetan. Unter der Überschrift: "Schule dein Kind in der rechten Weise von der Geburt an", fand sich folgender Dialog:

"Wann sollte man mit dem Vorlesen beginnen?" "Gleich! Lies dem Neugeborenen vor." "Aber es versteht doch nichts!" "Wann hast du angefangen, mit ihm zu reden?" "Gleich natürlich."

"Hat es verstanden, was du gesagt hast?" "Das nicht, aber ..." "Warum dann nicht vorlesen?"

(Erwachet 10/87, S. 9)

Schnell fanden sich weitere Ratschläge zu meiner Erziehung, die auch prompt in die Tat umgesetzt wurden, so zum Beispiel im Erwachet 22/87. Auf Seite 27 liest man: "Eltern haben festgestellt, daß es eine weitere wertvolle Hilfe gibt, Kinder früh das Sprechen zu lehren. Sie besteht darin, daß man sie regelmäßig Kassettenaufnahmen der Publikation „Mein Buch mit biblischen Geschichten anhören läßt." Leider konnte ich mir nicht aussuchen, ob ich lieber ein Märchen gehört hätte, so etwas stand nicht zur Debatte. Und noch eine Anregung zur Schulung ihrer Kinder in ihrem Glauben, diesmal im Erwachet 14/87, griffen meine Eltern nur zu gern auf. Jetzt endlich konnten sie auch beweisen, wie erfolgreich sie in der theokratischen Erziehung ihres Sprößlings waren. Doch lesen wir zunächst, was auf Seite 26 dieses Erwachet geschrieben steht:

"Als Andrew sechs Jahre als war, hatte seine Mutter ihm geholfen, über 80 Bibeltexte Wort für Wort auswendig zu lernen."

Weiter heißt es im Abschnitt:

"Wiederhole die gelernten Verse geduldig mehrmals wöchentlich, bis sich dein Kind sicher fühlt. Mit der Zeit wird es die anfänglich gelernten Verse nicht mehr aufsagen wollen weil es sie gut beherrscht. Füge darum einige neue hinzu, um sein Interesse wach zu halten. Es fühlt sich jetzt bei seinem Lieblingstext womöglich so sicher, daß es ihn bei einer christlichen Zusammenkunft aufsagen möchte. Vielleicht macht es ihm auch Spaß, ihn aufzusagen, wenn du im Predigtdienst von Haus zu Haus bei jemandem vorsprichst."

Nun ja, auch ich hatte mehr oder weniger gut Bibelverse auswendig gelernt. Den Sinn und Wert hatte ich absolut nicht begriffen. Im Kindergarten kannten meine Spielgefährten viele schöne Märchen, die sie mir erzählen konnten. Darunter konnte ich mir genau etwas vorstellen.

Die Kindergartenzeit verlief bei mir auch anders als bei den anderen Kindern. Vor Weihnachten und Ostern durfte ich ihn nicht besuchen. Da wurde für die Feiertage eifrig gebastelt, um die Eltern zu überraschen. Für Zeugen Jehovas gibt es diese Festtage nicht. Also war dies für mich tabu. Meine Eltern unterwiesen mich schon gründlich, denn auch ich sollte ausgerüstet sein für jedes gute Werk. Dies bestand darin, daß wir gemeinsam von Tür zu Tür gingen und die Menschen aufklärten, der Weihnachtsbaum ist ein Götze und Jesus ist auch nicht an diesem Tag geboren. Vorwiegend richteten sich unsere Themen nach den jeweiligen Kirchenfesten oder der angespannten Weltlage.

Wie aber sah es in mir aus? In meinem kleinen Kopf lief alles zusammen. Wie sollte ich nur alles verarbeiten? Eines begriff ich, wir sind nicht so wie die vielen anderen Menschen, wir machen vieles ganz anders. Ob es meinem Herzen weh tat, wenn nach Weihnachten die Kinder von den vielen Geschenken sprachen, diese Frage habe ich von meinen Eltern nie gehört die gab es für sie auch nicht. Bei uns hieß es kategorisch, wir brauchen keinen bestimmten Tag dazu, um uns etwas zu schenken. Die anderen Kinder bekommen aber auch außer der Reihe noch Geschenke und selbstverständlich zum Geburtstag. Ist es nicht natürlich, wenn Eltern, die ihr Kind lieben, sich ganz besonders über diesen Tag freuen? Sicher lieben mich meine Eltern nicht weniger und doch sind sie so ganz anders. Von meinem Geburtstag nahmen sie nie Notiz. Hatte ein Kind im Kindergarten Geburtstag, aß ich auch vom Kuchen, den die Mutti mitgegeben hatte. Ich hatte nie Gelegenheit, an meinem Geburtstag solches zu tun.

Früher fuhren meine Eltern nie in den Urlaub. Sie nahmen den Ferienpionierdienst auf. Jetzt fahren wir sogar ins Ausland, damit ich wenigstens auch den anderen Kindern über meine Ferien berichten kann. Am Urlaubsort sind wir nicht etwa mit sogenannten "Weltmenschen" zusammen. Nein, es sind Glaubensbrüder. Dies soll der geistigen Auferbauung dienen. Gern hätte ich auch mit einheimischen Kindern gespielt, doch unser Kontakt beschränkte sich nur darauf, vom Königreich Zeugnis abzulegen, sobald sich die Gelegenheit bot. In der Schule erweist es sich auch nicht immer einfach, ein Kind von Zeugen Jehovas zu sein. Man kommt schnell in eine Außenseiterrolle, weil einfach Grenzen gesetzt sind; dazu die hohe Erwartungshaltung der Eltern. Man kann durch sein Verhalten Ehre oder Schmach auf den Namen Gottes bringen. Wenn die Eltern glauben, sie haben alles getan und nur das Gute für ihr Kind gewollt, so sehen sie es doch alles von einer höheren Warte und ihr Glaube ist mit Lebenserfahrung, Alter und Reife gepaart; das kann ein Kind nicht aufweisen und ist darum einfach überfordert. Gern würde ich mich in zweifelhaften Fragen meinen Großeltern anvertrauen. Zum Glück lebt noch ein Großelternpaar. Dieser Weg jedoch ist versperrt, denn meine Omi war Zeugin Jehovas, der Opa nicht. Meinen Opa könnte ich ohne Probleme besuchen, aber die Omi könnte ja im Haus sein und das würde in meinem Kopf noch mehr Verwirrung stiften, als ohnehin, denken meine Eltern. Omi könnte mich ja negativ beeinflussen. Da türmen sich schon wieder Fragen auf. Die Omi glaubt doch immer noch ganz fest an die Bibel, Gott und Jesus. Was ist daran nun verkehrt? Opa sieht es als eine Bestrafung an, daß sein einziges Enkelkind ihn nicht besuchen darf. Er kann es überhaupt nicht verstehen und meint, das wollen so großartige Christen sein und sind doch so herzlos. Eines muß man wissen, die Weisungen der Wachtturm-Gesellschaft sind zu erfüllen und davon gibt es eine ganze Menge. So wird im Wachtturm 15/86, S. 29 gefragt: "Wächst dein Kind zur Rettung heran?" Hier lesen wir:

"In der Schule wird dem Kind vielleicht ein bestimmter Beruf empfohlen, doch christliche Eltern können Ziele hervorheben, die das wachsende Interesse des Kindes, Jehova zu dienen, befriedigen werden, wie zum Beispiel den Pionier-, den Bethel- oder den Missionardienst."

Dann ist man aber in eine Presse gedrückt, der zu entweichen sehr schwer ist.

Immer funktioniert diese perfekte Schulung von Kindesbeinen an auch nicht. Es wird eingeräumt:

"Es stimmt zwar, daß sich manche Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder die größte Mühe geben, dann aber feststellen müssen, daß diese trotzdem die Wahrheit verwerfen. Doch wenn wir uns ernstlich bemühen, ist die Wahrscheinlichkeit, daß es soweit kommt, wesentlich geringer." Wenn es nicht klappt, haben sich die Eltern nicht ernsthaft bemüht, so einfach ist das.

Ebenfalls im Wachtturm-Artikel "Welche Laufbahn wirst du einst einschlagen", empfiehlt die Organisation den Vollzeitdienst auf das Wärmste. Er sei aufregender als jedes Studium. Wörtlich: "Das wird sich als ein Schutz vor schändlichem Streben nach einer weltlichen Karriere und vor schlechter Gesellschaft erweisen. Prüfe deine Verhältnisse, und setze dir ein bestimmtes Datum, wann du den Vollzeitdienst aufnehmen wirst. Arbeite darauf hin." (Wachtturm 8/86, S. 30) Wenn das keine Nötigung ist. -

Kann da ein im Glauben der Wachtturm-Gesellschaft erzogenes Kind sich dem entziehen?

Das Resultat scheint aber nicht so groß zu sein, sonst müßten nicht laufend ermahnende Artikel erscheinen. Nun bleibt mir nur zu hoffen, ich habe keinen Unfall oder ähnliches, wo Blut nötig wäre. Meine Eltern würden bestimmt nicht ihre Zustimmung zu einer Transfusion geben, weil sie die Argumente der Gesellschaft sehr ernst nehmen. So heißt es diesbezüglich im Erwachet vom 8.10.1950 auf Seite 12: "Wäre die Bluttransfusion schon zur Zeit Moses oder der Sintflut oder in den Tagen der Apostel üblich gewesen, dann wäre sie zweifellos ausdrücklich verboten worden." Jesu Worte in Matthäus 12:7 sind aber auch nicht zu übersehen. Er weist darauf hin:

"Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer." Selbst am heiligen Sabbat billigt Jesus die Rettung eines Schafes aus der Grube, in die es gefallen war. Wörtlich sagt Jesus: "Wieviel vorzüglicher ist nun ein Mensch als ein Schaf." (Matthäus 12:12)

Diese Erlebnisse verschiedener Zeugenkinder wurden zusammengetragen und verarbeitet von B. I. H.

DIE IM GLASHAUS SITZEN (I)

DER UNBARMHERZIGE KNECHT

Vor mir liegt die Bibel, und ich lese im Matthäus-Evangelium das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht. Die Geschichte ist so spannend erzählt und so lehrreich, daß sie mich nicht so bald wieder losließ. Sie beginnt eigentlich schon mit der Frage des Petrus:

"Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben ? Bis siebenmal?"

Was den Petrus bewogen haben mag, hier eine mögliche Grenze des Vergebens in seine Frage mit einzubinden, will ich nicht erörtern, weiß ich doch, daß die Neigungen meines Herzens denen des Petrus gar nicht so fremd sind. Worte, wie: 'Wenn du nicht sofort damit aufhörst', oder:' Lange höre ich mir das nicht mehr an' u.a., die alle mit einem mehr oder weniger drohenden 'dann ..." endeten, waren früher auch über meine Lippen gekommen.

Obwohl mir dieses Gleichnis nicht unbekannt war, oft genug hatte ich es schon gelesen und anderen mitgeteilt, erschien es mir doch heute in einem ganz neuen Licht. Die Antwort unseres Herrn eröffnete mir beim Lesen ein besseres Verständnis, mehr noch, mir war, als erhielte ich diesmal eine Lektion über den Ernst des Vergebens, will man nicht selbst der Barmherzigkeit unseres himmlischen Vaters verlustig gehen. Jesu Antwort: "Nicht bis siebenmal, sonder bis siebzigmal sieben", (El.) hat sicher nicht nur den fragenden Petrus überrascht. Selbst wenn es nach anderer Lesart nur siebenundsiebzigmal heißen sollte, so ist doch die mit der Frage verknüpfte Grenze durch des Herrn Erwiderung so weit hinausgeschoben worden, daß sie dadurch praktisch aufgehoben ist. Jesus zeigt uns mit seiner Antwort, wir können keine Grenze des Stillhaltens für uns ziehen, oder gar Sanktionen androhen. Wer so handelt, der hat in Wahrheit nicht vergeben, er sammelt lediglich die Sünden des anderen wie in einer Schublade, um sie dann, wenn für ihn das Maß des Erträglichen voll ist, gegen seinen Bruder zu verwenden. Das aber wollte unser Herr ganz gewiß nicht, darum erzählte er seinen Jüngern

DAS GLEICHNIS VOM UNBARMHERZIGEN KNECHT (Matthäus 18,21-35)

Da ich beim Leser die Kenntnis dieses Gleichnisses voraussetze, andererseits es für gut halte, wenn jeder die wenigen Zeilen in seiner eigenen Bibel selbst nachliest, gehe ich nur auf das ein, was mir für meinen Beitrag wichtig erscheint. Jesus vergleicht das Reich der Himmel mit einem König, der mit seinen Knechten Abrechnung hält. Vor ihm steht ein Knecht, der ihm den riesigen Betrag von 10.000 Talenten schuldet und der zu recht verurteilt wird. Später erbarmt sich der König seiner, erläßt ihm die Strafe und tilgt seine Schuld. Jener nun trifft einen seiner Mitknechte, der ihm den geringen Betrag von 100 Denaren schuldete. Er aber, dem der König gerade solch außergewöhnliche Güte erwiesen hatte, ist nicht bereit, seinem Mitknecht diese geringe Schuld zu vergeben oder wenigstens zu stunden, bis er zahlungsfähig sei. Er verschließt sein Herz vor ihm und läßt ihn ins Gefängnis werfen. Zwei Dinge stellt Jesus hier ganz kraß gegenüber: Auf der einen Seite die Güte und das Erbarmen Gottes zu dem tief in seiner Schuld verstrickten Menschen, einer Schuld, aus der es für ihn kein Entrinnen vor IHM geben kann! Auf der anderen Seite zeigt er uns die Undankbarkeit und Unbarmherzigkeit eben dieses Menschen, dessen große Schuld gerade getilgt wurde und der dennoch so lieblos an seinem Mitknecht handelte.

Im weiteren Verlauf des Gleichnisses zeigt uns Jesus, wie leichtfertig es ist, zu glauben: 'Einmal gerettet (hieße), für immer gerettet' zu sein. Nein, Gnade und Recht (oder Gericht) bilden bei Gott eine unlösbare Einheit und das bekam jener böse Knecht nun sehr schnell zu spüren. Seiner Hartherzigkeit wegen, die er seinem Mitknecht gegenüber gekündete, entzog ihm der König seine Güte und überantwortete "ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt habe, was er schuldig war." Lehrte unser Herr nicht schon im Mustergebet: "Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben"? - Und beten wir das nicht auch so? Noch bestimmter wird er in den anschließenden Worten, wo er uns gleichsam mahnend ans Herz legt:

"Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch eure Vergehungen vergeben, wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt, so wird euer Vater auch eure Vergehen nicht vergeben." (Matthäus 6,12.14.15)

Lassen wir daher nicht zu, daß wir aus einer scheinbar überlegenen Position heraus den anderen lieblos von uns stoßen, wir gerieten in einen furchtbaren Gegensatz zu Gottes Liebe und Erbarmen. Vor Gott sind wir alle Sünder und bedürfen seiner Langmut und Vergebung und zwar in einer Größenordnung, daß das, was andere uns schulden mögen, nicht viel mehr wäre, als ein Körnchen auf der Waagschale, auf der wir nur zu oft die Vergehungen anderer gegen uns wiegen! Machen wir uns vielmehr bewußt: Solange wir Groll oder gar Haß anderen gegenüber nicht aus unserem Herzen verbannen, stehen wir noch immer unter dem Gericht Gottes. Jesus macht das mit den abschließenden Worten des Gleichnisses deutlich: "So wird mein himmlischer Vater auch euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt."

DIE IM GLASHAUS SITZEN (II)

EINIGE NOTWENDIGE ERKLÄRUNGEN ÜBER DIE WACHTTURMGESELLSCHAFT

Eigentlich hatte ich vor, über etwas ganz anderes zu schreiben. Mein Thema sollte eine Abrechnung mit der Wachtturm-Gesellschaft werden. Ich weiß, das klingt vielen Ohren sehr hart, aber ich lasse das so stehen, weil ich wirklich so empfand, als ich mich entschloß, über bestimmte Praktiken dieser Organisation zu berichten. Mir ging es dabei um ihre lieblosen, menschenverachtenden, ja, ganze Familien auseinanderreißenden Methoden im Umgang mit denen, die Jahre, oft Jahrzehnte der Führung dieser Gesellschaft folgten, dann aber aufgrund eines bedrängten Gewissens viele ihrer Entscheidungen und Änderungen biblischer Lehre nicht länger mittragen konnten und sich daher von ihr trennten.

Vieles von dem, was ich bringen wollte, hatte ich bereits gesammelt, doch der Herr lenkte meinen Sinn in eine ganz andere Richtung, und ich las das im vorhergehenden Artikel erwähnte Gleichnis:

"Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal?", noch einmal und begann darüber nachzusinnen.

Kann ich nun noch guten Gewissens abrechnen mit denen, die ich früher meine Brüder nannte und die mir heute doch in vieler Hinsicht so fremd geworden sind? Ich kann es nicht, möchte auch nicht, darf es wohl auch nicht (Johannes 8,7 El.) Doch einige Gedanken zum Nachsinnen möchte ich hier mit auf den Weg geben und mein Gebet ist, sie mögen jene erreichen, die sie am meisten benötigen - unsere einfachen Brüder und Schwestern in der Wachtturm-Gesellschaft. - Die Wachtturm-Gesellschaft schmückt sich sehr gern mit dem Etikett des 'treuen und verständigen Sklaven', des 'irdischen Kanals Gottes', und seit der Zeit ihres Gründers C. T. Russell wird sie nicht müde, zu betonen, daß ohne ihre Hilfe niemand imstande wäre, die Bibel richtig zu verstehen. In einem Zitat aus jüngerer Zeit liest sich das so:

"Wir können nicht hoffen, den heiligen Geist zu empfangen, wenn wir den irdischen Kanal übergehen, dessen sich Jehova heute bedient, nämlich des treuen und verständigen Sklaven, vertreten durch die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas. Ohne die Hilfe von Seiten dieses Sklaven wären wir nicht imstande, die volle Bedeutung des Gelesenen zu verstehen und das Gelernte richtig anzuwenden". (Wachtturm vom 15.07.1987, S. 19)

Es fällt schwer, unwidersprochen hinzunehmen, was die WTG hier aus Jesu Worten (Matthäus 24,25) gemacht hat. Obwohl in Verbindung mit dem folgenden Vers (46) vom Herrn als gleichnishafte Darstellung der möglichen Verhaltensweisen seiner Nachfolger für die Zeit seiner Abwesenheit gebraucht, trennt die WTG diesen - für sie untauglichen - Vers ab, münzt den vorangehenden Vers in eine Prophezeiung um und setzt sich gleich zu deren Alleinerben ein. Der Apostel Paulus, lebte er noch heute unter uns, hätte ihn sicher in's Stammbuch geschrieben: "Schon seid ihr satt, schon seid ihr reich geworden; ihr seid ohne uns zur Herrschaft gekommen." (1. Korinther 4,8) Weil die WTG sich auch als den irdischen Kanal Gottes ausgibt, folgende Überlegung:

Ein Kanal kann nichts aus sich selbst tun oder etwas hervorbringen, er ist nicht mehr als ein Leitungssystem oder Teil eines solchen. Soll am Ende etwas herauskommen - Lehre, Offenbarung usw. - muß zuvor etwas eingegeben worden sein. Die Frage erhebt sich aber: Von wem? Zu behaupten, von Gott, hieße nichts anderes, als ihn für all das verantwortlich zu machen, was da in Brooklyn Woche für Woche an sich ständig veränderter Lehre als von Gott kommend verkündet wird. Das wäre aber sehr vermessen, sagt Gott doch selbst: "Nein, ich, der Herr, ich habe mich nicht geändert; aber ihr, Söhne Jakobs, ihr habt nicht aufgehört" (euch zu verändern. Fußn.) Mal. 3,6 (Vergleichende Texte auch in Jak. 1,16.17; l. Joh. 1,5) Es gibt kaum ein biblisches Buch, Bild, Drama oder Prophezeiung, das die WTG nicht entdeckt, in ihrem Sinn interpretiert und schon mehrmals umgedeutet, sprich umgeschrieben hat.

Zur Veranschaulichung einige Beispiele:

• Nordkönig;

das waren schon England, Deutschland, Rußland, Weltkommunismus, immer der veränderten Weltlage angepaßt.

• Fürstenauferstehung;

erst 1914, dann vor Harmagedon, dann seit 1919 gegenwärtig, nun erst nach Harmagedon.

• Endzeitdaten;

u.a. 1914, 1925, 1975

• Obrigkeit;

Unter Russell waren es die weltlichen Regenten. Rutherford sah dies nur auf die WTG begrenzt (seit 1929), ab 1963 wieder die Regierenden außerhalb der WT-Organisation.

• Religion;

ab 1937 galt für JZ Religion als "Tun von etwas, was dem Willen Gottes ... entgegen ist". "Alle Religionen ... vom Teufel". Seit Anfang der 50er Jahre Religion als wahre und falsche Form der Anbetung gelehrt.

Von einem Gott der Ordnung, auf den sich die WTG so gern beruft, kann das wohl kaum sein (l. Kor. 14,33). Dennoch wird von den Zeugen - unter Strafe des Ausschlusses - verlangt, dies zu akzeptieren. So liest man denn auch im Wachtturm: "Offensichtlich kann eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen nicht lediglich auf einen Glauben an Gott, an die Bibel und an Jesus Christus beruhen. ... jemand, der sich lediglich zu solchen Glaubensinhalten bekennt, (ist) nicht berechtigt, als Zeuge Jehovas betrachtet zu werden." (Wachtturm 7/1987, S. 31)

Nicht genug damit, daß die WTG von ihren Gefolgsleuten verlangt, das sich ständig drehende Lehrkarussell ohne Widerspruch hinzunehmen, geht sie noch einen Schritt weiter, so lesen wir im gleichen WT-Artikel auch: "Eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen erfordert, daß man die Gesamtheit der wahren Lehren der Bibel akzeptiert, einschließlich jener Glaubensinhalte, die nur Jehovas Zeugen vertreten."

Zu solchen, nur von der WTG vertretenen Glaubensinhalten gehören u.a.:

"die bessere Botschaft des 1914 im Himmel aufgerichteten Königreiches."

das 'geistige Paradies' seit 1919; gemeint ist die Organisation, die gegenbildliche Arche.

die Lehre, daß Jesus nur Mittler für die Gesalbten ist, die 'anderen Schafe' dagegen keinen Anteil haben am Verdienst seines Loskaufopfers.

Hat unser Herr Jesus solches gelehrt und geboten, daß es durch seine Jünger weitervermittelt wird? Wohl kaum, denn einer dieser Jünger - Johannes - mahnt:

"Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; (nur) wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn." (2. Johannes 9) Johannes spricht hier eindeutig vom Wort seines und unseres Herrn Jesus, keineswegs von den sogenannten biblischen Glaubensinhalten, die nur Jehovas Zeugen vertreten!

DIE IM GLASHAUS SITZEN (III)

WER WIRFT DEN ERSTEN STEIN?

Die WTG stellt die biblische Aussage regelrecht (oder sollte ich besser sagen: regelwidrig?) auf den Kopf, wenn sie von IHREN Zeugen verlangt, jene nicht zu grüßen, ja, sie gewissermaßen geistig zu steinigen, die diesen Kollisionskurs mit Gott und Christus nicht länger guten Gewissens billigen können und für sich die notwendige Entscheidung einer Korrektur getroffen haben. 'Abtrünnige'?

Es mag sein, daß sie nun Abtrünnige sind, aber ganz bestimmt nicht von Gott und Christus, wiewohl nicht auszuschließen ist, daß nicht wenige, durch das herzlose Verhalten des 'Sklaven', in ihrem Glauben zu Gott tief erschüttert wurden oder gar strauchelten. Erfreulich groß aber ist die Zahl derer, die zum Herrn gefunden haben, sich heute stärker denn je zu IHM hingezogen fühlen, der sie durch SEIN Wort und SEINE Wahrheit aus der Dunkelheit in das helle Licht der christlichen Freiheit geführt hat (Joh. 8,31.31).

Nein, nicht jene, die heute als Freie dem Herrn folgen, sind abtrünnig, es ist die Wachtturm-Gesellschaft selbst, der selbsternannte treue und verständige Sklave, der durch seine falschen Lehren, Hinzufügungen zur Bibel und andere Praktiken, der Abtrünnigkeit vor Gott und Christus schuldig geworden ist! Dieser Sklaven-Klasse geht es nicht lediglich darum, daß jeder Zeuge Jehovas an die Bibel glaubt, das ist ihm zu wenig. Ihm geht es darum, daß alle so glauben und lehren, wie es ihnen durch die WTG vorgegeben wird. Ein Brief der WTG vom l .9.1980 an alle Kreis-und Bezirksaufseher macht das deutlich:

"Wenn ein getaufter Christ die Lehren Jehovas verläßt, wie sie vom treuen und verständigen Sklaven dargeboten werden und darauf besteht, andere Lehren zu glauben.... dann ist er abtrünnig." (Krise des Gewissens, S. 197)

Nicht die Bibel ist für sie der Maßstab, an dem alle menschliche Lehre und Deutung der Schrift gemessen werden muß, sie machen's in vieler Hinsicht umgekehrt. Ihre organisationseigenen Lehren, das sogenannte 'Muster gesunder Worte', von ihnen zum 'grundlegenden biblischen Gebäude der christlichen Glaubensansichten der Gesellschaft' hochstilisiert, wurde zum Maßstab, nach dem klare Aussagen der Schrift von ihnen beurteilt werden. Da kann es nicht wundern, wenn jeder, der Lehren der Schrift verbreitet, die nicht zu diesem Organisationsmuster der Schriftauslegung passen, von ihnen als Abtrünniger verteufelt und davongejagt wird. Haben Jehovas Zeugen eigentlich schon bedacht, daß, wenn man den Begriff der Abtrünnigkeit, so wie er von der Gesellschaft gebraucht wird, als allgemeingültigen Maßstab anerkennt und als Meßlatte an alle Zeugen legt, sie dann alle Teil einer Organisation von Abtrünnigen sind?!

Das beginnt schon bei

• C. T. RUSSELL - den Adventisten abtrünnig geworden!

• RUTHERFORD - den Baptisten abtrünnig geworden!

• KNORR - der reformierten Kirche abtrünnig geworden!

Die Reihe setzt sich fort über die Zonen-, Bezirks- und Kreisaufseher oder wie immer sie auch genannt werden mögen, bis in das Heer der Namenlosen, die als Prediger von Tür zu Tür die Zahl der Abtrünnigen täglich mehren.

Es bleiben viele Fragen

Als aufrichtiger Zeuge Jehovas wärest du sicher gut beraten, dich einmal selbst kritisch zu fragen: Was unterscheidet uns - sei es als Gemeinschaft oder auch Einzelperson - von denen, die einmal unsere Brüder waren, dann aber aufgrund eines neuen Bibelverständnisses unsere Reihen verließen und sich eine neue geistige Heimat suchten? Und wir selbst, brechen wir bei unserer Predigttätigkeit nicht ständig in die Herde anderer Gemeinschaften ein und machen so, daß diese, die wir angeblich 'in die Wahrheit bringen' wollen, ihren Kirchen oder Gemeinschaften abtrünnig werden? Der Apostel Paulus ruft auch DIR zu:

"Deshalb bis du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe." (Römer 2,1)

Wir sitzen alle im Glashaus und nichts, was wir tun, bleibt verborgen, weder vor Gott, noch vor Menschen. Zudem sind wir verletzbar, könnten aber doch in Ruhe und relativer Sicherheit leben. Wir brauchen nur in uns gehen, uns unserer eigenen Sündhaftigkeit bewußt werden. Eins brauchen wir aber noch, wir müssen, gleich den anklagenden Schriftgelehrten und Pharisäern in Johannes, Kapitel 8, den Mut haben, den 'Stein' vor unseren Fußen liegen zu lassen - wir können das! Sind wir etwa schlechter und im Herzen weniger aufrichtig als die Pharisäer? Statt also weiter einander zu richten, laßt uns vielmehr einander helfen, vor IHM, der unsere Herzen kennt, zu stehen, damit nicht eines Tages uns zur brennenden Aktualität wird, was der Apostel fragt:

"Verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weißt nicht, daß die Güte Gottes dich zur Buße leitet?"

- R. I. H. -

WAS HEISST HIER EIGENTLICH ABTRÜNNIG?

Es ist auffällig, daß die WT-Literatur in den letzten Jahren viel über dieses Thema schreibt. Es hat seinen Grund. Die Zahl derer, die wieder abwandern oder als "ABTRÜNNIGE" die Organisation verlassen müssen, ist groß. Die Zahl derer, die in die Organisation hineingelangen, dagegen sehr, sehr gering ... Es gab Zeiten, da plante man eine jährliche Zuwachsquote von 10 Prozent. Nun, die Zeiten sind härter geworden und ganz unbekannt sind die Praktiken dieser "ORGANISATION" heute nicht mehr. Die vielen Tragödien, die durch ständige Indoktrination, Konfliktsituationen, Diskriminierungen und Verleumdungen heraufbeschworen wurden, dringen mehr und mehr an die Öffentlichkeit. Da die Zahl der "AUSSTEIGER" immer größer wird (leider erfahren das die Zeugen Jehovas nicht in ihrem WT), fürchtet die "LEITENDE KÖRPERSCHAFT" berechtigterweise den Einfluß der Männer und Frauen, die zum Herrn Jesus gefunden haben.

Diese Männer und Frauen schweigen nicht mehr. Sie fangen an zu reden über das, was ihnen widerfahren ist; was "KOMITEES" immer gerne, mit dem Finger auf dem Mund, verhindern wollten. Durch bewußt falsch angewandte Schrifttexte versucht die WTG jene, die sich von ihrer Doktrin freimachen konnten, als "ABTRÜNNIGE" zu bezeichnen. Wir möchten den WT-Leser nur darauf aufmerksam machen, daß der Begriff "ABTRÜNNIGE" falsch angewandt worden ist. Wir wollen die "WT-Belehrung" sachlich überprüfen. Die beiden WT-Artikel aus dem WT vom l. Juli 1983 behandeln dieses Thema. Besonders der Artikel: "Widersteht der Abtrünnigkeit, halte an der Wahrheit fest". Im Leittext heißt es: Jeder, der vorausdrängt und nicht in du Lehre Christus bleibt, hat Gott nicht. Es werden die Bibeltexte aus 2. Joh. 7-9; 2. Joh. 10-11 angefügt. Aus diesen Texten geht ganz klar und deutlich hervor, daß Jehovas Zeugen als "BETRÜGER" oder als "ABTRÜNNIGE" anzusehen sind, die das Kommen des Christus im Fleische nicht bekennen. Wieso wendet die WTG diese Texte an? Das heißt doch, offene Türen einrennen, wenn man Männer und Frauen als "ABTRÜNNIG" bezeichnen will, die von der WTG weg zum Herrn Jesus gefunden haben, um allein ihn als ihren ausschließlichen Herrn zu bekennen! Gerade diese Männer und Frauen legen ein klares Bekenntnis für den Herrn Jesus Christus ab und erwarten ihn sogar, wie es die Bibel im Hebräerbrief zeigt, auf dieser Erde. (Hebr. 1/6)

"ABTRÜNNIG" im Sinne der WT-Organisation heißt nichts anderes als: "Nicht anerkennen der WT-Leitung als "Kanal" Gottes."

Jene Männer und Frauen verstanden Apg. 5/28,29; und 1. Joh. 5/20 richtig und handelten entsprechend.

- Auszugsweise aus EXODUS, E. Brüning -

WIE MAN DIE TRENNUNG VON DEN ZEUGEN HEIL ÜBERSTEHT

... Wie lange jemand nach der Trennung bis zur Genesung braucht, hängt davon ab, wie sehr er sich in der Gemeinschaft engagiert hatte, wie lange er dabei war, wie lange sich der Bruch hinzog, ob Freunde oder Familienmitglieder mitbetroffen sind und wieviel Unterstützung man findet. Die für die Heilung wesentlichsten Faktoren sind wohl der Grad des Einsatzes für die Wachtturm-Gesellschaft, der Beistand durch andere und die Stärke der Persönlichkeit. Nach dem Bruch mit der Organisation ist häufig eine völlige Umstrukturierung des Lebens notwendig...

... Die Umstrukturierung ist so umfassend, daß man ein "neuer Mensch" wird und einem der alte Mensch, der man war, wie ein Fremder vorkommt. Nach einigen Jahren sagen viele Zeugen rückblickend, wenn sie sich anschauen, was sie durchgemacht haben und "was für Leute sie mal waren", daß sie es kaum fassen können, wie sie so manche Wachtturm-Lehre überhaupt schlucken konnten. Ihr früheres Leben ist ihnen fremd, und die Erinnerung verblaßt.

Die Trennung fällt besonders schwer, wenn man noch einige Freunde oder seine Familie in der Organisation hat...

... Das wichtigste Heilmittel ist die Zeit. Solange jemand noch auf dem Weg der Gesundung ist, müssen Freunde und Familie ihn einfach ertragen, so gut es geht, wenn er gereizt oder niedergeschlagen ist. Wer einem Zeugen Jehovas helfen will, das Trauma der Trennung zu überstehen, muß äußerst geduldig und tolerant sein und erkennen, daß dieser sich in gewisser Weise von einer schweren Krankheit erholt. Der Genesungsprozeß kann sehr schwierig sein und dauert manchmal Jahre. Man muß sein ganzes Weltbild und seine Zukunftserwartungen umstellen, was keineswegs einfach ist. Um grob abzuschätzen, wie lange die Hauptphase der Umstellung dauern wird (so richtig vollständig erholt sich wohl keiner sein Leben lang),

multipliziere man die Zahl der Jahre der Zugehörigkeit mit zwei und ziehe dann die Wurzel...

... Um über die schwierige Anpassungszeit hinwegzukommen, kann zusätzlich auch eine medikamentöse Behandlung notwendig werden.

Es wird Schwierigkeiten mit dem Schlaf geben ... Das Schlafproblem löst sich meist innerhalb weniger Wochen, spätestens nach einigen Monaten ...

... Der vielleicht wichtigste Schritt besteht darin, sich mit einer Selbsthilfegruppe von ehemaligen Zeugen Jehovas zusammenzutun. Nur wer selbst einmal Zeuge Jehovas war, kann die Probleme, die jemand hat, der sich gerade trennt, voll erfassen und darauf eingehen. Gerade in dieser Zeit ist Unterstützung wichtig, und Ehemalige sind am besten in der Lage zu helfen, da sie dieselben Erfahrungen hinter sich haben. Viele dieser Gruppen kümmern sich sehr um den Einzelnen, sind oft gern bereit, mit den Ehemaligen viel Zeit zu verbringen und sich über gemeinsam bewegende Fragen zu unterhalten; manche rufen auch ab und zu bei ihnen an oder besuchen sie, um zu sehen, ob es ihnen gut geht. Darauf kommt es besonders an, denn in dieser Zeit sind Selbstmordgedanken durchaus nichts Ungewöhnliches. Ein ehemaliger Zeuge sollte sich also nicht erschrecken, wenn sie auftauchen. Er sollte verstehen lernen, daß es den meisten Menschen, die einmal mit ganzem Herzen Jehovas Zeugen waren und dann ihre Religion (und damit zugleich ihren zentralen Lebensinhalt) verloren, ganz ähnlich erging. Die meisten überstehen das und sind hinterher wertvollere Menschen (Bronner 1964).

Sehr nützlich ist es auch, anderen Zeugen beizustehen. Die Hilfe für andere hilft einem selbst, sich wieder zu fangen ... (Auszugsweise aus "Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas" von Jerry R. Bergmann, übersetzt von H. Lasarcyk, Ahrensburg, Eigenverlag,

Preis DM 5.-)

AUS DER WELT DER ZEUGEN

"Mit Gottes Zeitplan unzufrieden"

Die WTG sieht sich gezwungen, ihre Anhängerschaft in dieser Zeit wie folgt zu rügen: "Einige sind vielleicht mit Gottes Zeitplan unzufrieden, aber uns wird zugesichert: "Jehova ist hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam ... sondern er ist geduldig mit euch, weil er nicht will, daß Irgendjemand vernichtet werde (2. Ptr. 3:9)" WT 15. August 1986, S. 6.

Man weiß, daß hier heruntergespielt wird, wenn es heißt, "vielleicht". Befragt, geht es auch nicht um einen "Zeitplan Gottes", sondern um die Festsetzungen durch die WTG. Nicht nur greift auch um sich, daß die WTG diesen Bibelvers schon über 100 Jahre benutzt, um ihre Zeitverschiebungen hinnehmen zu lassen, sondern auch, daß dieser Vers beweist, daß es keine Vernichtung anderer gibt, wie der WT lehrt, weil Gott keine Vernichtung will. Der WT spiegelt hier ernst Auflösungserscheinungen unter den WT-Zeugen wider, die Spitze eines der vielen Eisberge, die in der Organisation herumtreiben. -

Narreteien predigen?

Bibelhöhepunkte sollen das für die Verkündiger sein! Man höre und staune:

Über Psalm 40:6 - Was ist mit den Worten "Meine Ohren hast du geöffnet" gemeint? So fragt der WT für seine Kolporteure.

Und die sollen so anfangen zu antworten:

"Es könnte bedeuten, daß Jehova bewirkte, daß dadurch ihren Sinn sich auf Gottes Anweisungen einstellten, oder daß Jehova sogar Ohren erschuf, mit denen David seine Befehle hören könnte..." (WT 15.8.86, S. 21)

Die Ohren einstellen, na ja, daß kann man noch gelten lassen, obwohl man eher sein Hören auf etwas einstellt. Aber im zweiten Fall hätte ja David keine Ohren haben müssen, um erst welche verpaßt zu bekommen, die dann irgendwie angeklebt wurden oder herauswuchsen.

Manchmal muß man seinen Verstand vorher abgeben, wenn man in den WT guckt! Wahrhaftig. - Es gibt eine naive Malerei. Hier gibt es auch eine naive Schreiberei. - Heißt allmächtig sein auch, zu jedem Unsinn fähig? Macht der WT hier nicht Gott lächerlich? -

Wieder mit Harmagedon "gepeitscht" Seit die WTG 1987 die Broschüre "Von Kuruksheta nach Harmagedon" auch in deutsch veröffentlichte, "peitschen" viele, die anders ihr "Vergehen" vor Augen haben, ihre Umgebung wieder mit einem "ganz nahen Harmagedon": Nur wenige Monate bis ein oder zwei Jahre noch! In Bild und Text der Broschüre (S. 14/15) wird nämlich "gepredigt", wer 1914 als verständiger Jugendlicher erlebte - von da an gelte "diese Generation"! Da bleibt in der Tat 1991 keine andere Schlußfolgerung. Zu denen, die da nun zur Torschlußpanik verdammt sind, gehört auch die "Kronzeugin" der WTG, Ilse Unterdörfer, im WT vom 1.2.1980 international mit einem Bildbericht ins Rampenlicht gerückt. Sie wurde 1913, ein Jahr vor 1914, geboren, heute 78 Jahre alt. Es ist klar, daß sie laut Psalm 90:10 als Frau von der WTG um ihr Familienglück gebracht, wie so viele andere auch, die sich nicht wie sie öffentlich hinstellen, getäuscht und enttäuscht "vergehen" muß. Manche treten da eben die Flucht nach vorn an, um mit wehender Fahne unterzugehen, so oder so unvermeidlich. Immer gab es um die falschen WTG-Prophezeiungen herum sogenannte Harmagedonkranke, die ihre Umgebung damit "peitschten", hatten sie doch ihr Leben auf diese Prophezeiungen gesetzt. -

TAUFE ZUM ZEUGEN JEHOVAS - EIN ANFANG VOM ENDE?

"Nun soll ich um die Taufe bitten! Ich komme mir vor, als wenn man mich hinrichten will."

Diese Worte der 15jährigen Susanne, die ich nun schon 10 Jahre kenne, klingen befremdend, wenn man daran denkt, daß die Taufe doch ein Vorrecht sein soll. Und doch habe ich solche und ähnliche Worte von jungen Menschen oft zu hören bekommen. Susannes Eltern waren vor 15 Jahren noch nicht in der Wahrheit. Dann wurden sie besucht, überzeugt, getauft. Einen ziemlich großen Knacks erlebte Susannes Mutter 1975, als Harmagedon nicht wie erwartet eintrat.

Erst allmählich erholte sie sich von dem Schock. Doch unter dem Einfluß der anderen ist sie nun fanatischer denn je und begegnet der ablehnenden Haltung Susannes zur Taufe mit aller Härte. Das Mädchen ist verzweifelt.

Bittere Erfahrungen

Ein paar Tage später hatte ich Gelegenheit, noch einmal mit Susanne zu sprechen, sie zu fragen, warum sie so gegen die Taufe ist. Die Fünfzehnjährige ist intelligent und ein guter Beobachter, sie sagte:

"Oft habe ich miterlebt, wie sich Vati und Mutti um den wahren Glauben stritten. Wegen 1975 und so. In dem Jahr stand Vati fester als Mutti. Jetzt aber, als will sie etwas nachholen, ist es schlimm mit Mutti. Vati schimpft oft mit ihr und sagt, daß sie hartherzig ist, so, wie es die Bibel gar nicht will. Ich habe das schon dreimal von ihm gehört."

Susanne hat also schon einige schlechte Erfahrungen im Familienkreis hinter sich. Ich weiß, daß auch ihre Geschwister, obwohl sie noch in der Wahrheit sind, sich von Vater und Mutter getrennt haben und nicht mehr oft nach Hause kommen. Dabei ist der an sich sehr ruhige Bruder L. sehr sympathisch. Seine Frau dagegen vertritt ihren "Glauben" oft mit geradezu hysterischem Auftreten und verschreckt den Außenstehenden dadurch besonders.

Bitter klang Susannes Stimme, als sie dann sagte: "Ich sehe doch, wie es in den anderen Familien zugeht, die im Glauben sind. Dort gibt es viel Streit, weil ein Bruder sich kaum noch um die Familie kümmert, eine Schwester hat sogar Selbstmord gemacht deswegen vor ein paar Jahren." Ja, mit Recht fragt sich Susanne, was sie in einer solchen Organisation soll. Ich habe ihr gesagt, daß es auch in anderen Religionsgemeinschaften Probleme innerhalb der Familien, innerhalb der Versammlungen gibt. Überzeugen aber konnte ich sie damit nicht, im Gegenteil, sie konterte und meinte: "Du hast ja selbst genug erlebt, warum willst Du mich jetzt überzeugen?"

Nein, diese Absicht hatte ich nicht und habe sie auch heute nicht. Zuviel Ungereimtes gibt es im Vorgehen der WTG, dem, der noch nicht lange Zugang hat, bleibt es oft verborgen, entdeckt er Widersprüche dann später, so ist es meist zu spät, um noch etwas zu ändern.

Irrweg mit schweren Folgen

"Laßt euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten. Wacht in gerechter Weise zur Nüchternheit auf und verübt nicht Sünde, denn einige haben keine Erkenntnis Gottes. Ich sage es euch zur Beschämung." (1. Korinther 15:33,34)

Ist das Nachfolgen in den Reihen der WTG eine Irreführung? Ja, denn es wird behauptet, daß man durch die Taufe ein "Fußstapfennachfolger Jesus Christus wird". Doch dem ist nicht so, vielmehr dient der ZJ als Aushängeschild der WTG, die sich brüstet, wieder ein neues Mitglied gewonnen zu haben. Vielmehr dient jeder Zeuge Jehovas dazu, die Statistik der Studien - und Bibelstunden, der Dienststunden ansehnlicher zu machen. Die Zahl jener jungen Menschen, die vor der Taufe zurückschrecken, ist beträchtlich. Alleine im Umkreis meiner Bekannten in den Reihen der ZJ sind es 14 Jungen und Mädchen, die voller Hemmungen der Taufe entgegengehen. Berechtigte Hemmungen, denn ich muß bei diesen Überlegungen an einen älteren Bruder denken, der mir einmal hinsichtlich der Taufe erklärte:

"In jedem Interessierten müssen wir einen zukünftigen Zeugen Jehovas sehen, in jedem, der sich nicht zu unserem Glauben bekennt, einen Toten auf Urlaub. Denn der treue und verständige Sklave schickt uns nicht aus, um Frieden zu bringen, sondern, um Zwietracht zu säen."

Es war kein Wort von Jehova zu hören. Für diesen Bruder hatte die WTG über Jehova und die Bibel gesiegt. Wer kann verlangen, daß jemand durch die Taufe einen Irrweg betritt?

- nns -

GEDANKEN - ZUSCHRIFTEN - NOTIZEN

Leserbrief für Christliche Verantwortung

Ich bin schon viel in der Welt herumgekommen. Ich durfte viele Menschen treffen. Sehr viele berichteten mir von ihren Enttäuschungen durch verderbliche Sekten. Es würde ein sehr dickes Buch füllen. Tausende wurden besonders von den Zeugen Jehovas bitter enttäuscht. Aber aufgrund 25jähriger persönlicher Sektenforschung habe ich auch noch keinen Menschen kennengelernt, oder gesprochen, der von Jesus Christus und der Heiligen Schrift eine große Enttäuschung erlebt hat. Ja, Jesus Christus und allein sein Heiliges Wort wird niemals jemand enttäuschen, öderen die Irre führen. Deshalb Hände weg von diesen verderblichen Irrlichtern.

- Walter Suchsland -

Ein ewig Gestriger

Ein Zeugen-Brief

Wo seid ihr geblieben mit Euren schmutzigen lästigen Briefen? Ich will es Euch sagen, Jehova unser himmlischer Vater hat damit ein Ende gesetzt. Daß die Stasie dahinter steckt haben wir immer gewußt und so wanderten Eure Briefe bei mir immer ungelesen in den Ofen, denn es waren für uns Satans Briefe. Die frohe Botschaft von Gottes Königreich wurde mit und ohne Eure Briefe fortgesetzt. Denn was sagt die Schrift, die Bibel? Es werden viele falsche Propheten aufstehen und viele irreführen. Das habt auch ihr geschafft darum, wird Euch Harmagedon besonders treffen.

Denkt daran "es wäre besser an einen Mühlstein gehänkt und ins Meer versengt und sie werden den Tod suchen nur nicht finden". Ja das alles wird denen wiederfahren die sich gegen Gottes siegreiche Organisation stellten und noch stellen. Zeit und Stunde ist ungewiß, aber an den Zeichen der Zeit werdet Ihr erkennen das das Ende nahe ist. Das Geschlecht von 1914 geht dem Ende entgegen, sie müssen noch Friede und Sicherheit ausrufen (werden sie schon erleiden) auch dann wird das plötzliche Ende kommen. Aber das wißt Ihr ja selbst. Oder hattet Ihr auch dies anders ausgelegt?

Gottes Königreich kommt und die Vernichtung der Gottlosen Welt wie ein Dieb in der Nacht wird sie hereinbrechen. Ihr habt mit Euren Briefen meine Ehe kaputt gemacht, dafür Danke ich Euch, denn jetzt bin ich frei für Jehova und seine Verkündigung. Doch fangt schon jetzt an zu zittern denn bald kommt Eure Stunde der Vergeltung.

- keine Unterschrift -

CV-Anmerkung:

Immer wieder bekommen wir Briefe, - daß sie anonym sind, dafür haben wir Verständnis. Was wir aber nicht verstehen ist, daß sie angeblich alle unsere Schriften ungelesen verbrannt haben wollten, aber trotzdem so gut über den Inhalt informiert sind.

Wie kann der Inhalt einer angelesenen, noch nie aufgeschlagenen Zeitschrift etwas zerstören? Kann sie denn durch den Umschlag wirken? - Oder, sollten diese braven Zeugen Jehovas sich doch nicht an das Verbot der Wachtturmgesellschaft gehalten haben, die Zeitschrift ungelesen zu verbrennen?

Die "Christliche Verantwortung" in Polen

Nicht nur das polnische Brüder und Schwestern - ehemalige Zeugen Jehovas - die seit Jahren mit CV verbunden sind, die "Christliche Verantwortung" lesen, liest man auch in der großen Katholischen Universität in Lublin diese Zeitschrift. Unter der Nummer: V-17870 steht sie allen interessierten Lesern zur Verfügung und gibt ihnen die Möglichkeit, sich eingehend mit der Organisation der Zeugen Jehovas vertraut zu machen.

Es wurde festgestellt, daß "CV" in dieser Bibliothek sehr viel gelesen wird. Man studiert sie in Lublin mit großem Interesse.

Priester, Mönche, Nonnen und Laien lesen sie und diskutieren in wissenschaftlichen Zirkeln über die Lehren der Wachtturm-Gesellschaft, unterstützt durch die wichtigen CV-Informationen aus zugänglichen und auch aus unzugänglichen Quellen. Es gibt in dieser Universitäts-Bibliothek dazu noch viele andere WTG-Publikationen, sowohl in polnischer, deutscher oder anderen Sprachen.

Jeder, der ernsthaft interessiert ist, kann sich in der Universitäts-Bibliothek Lublin umfangreich über die Wachtturm-Organisation und ihre Zeugen Jehovas informieren.

- Aus Informationen von J. Weresky -

POSITIVES UND VERWUNDERLICHES

Liebe Brüder von CV!

Seit zwei Jahren werde ich mehr oder weniger regelmäßig von zwei Zeugen Jehovas besucht und diese bemühen sich nach Kräften mir das näherzubringen, was die Wachtturm-Gesellschaft zur Bibel zu sagen hat.

Ich bin nicht uninteressiert an diesen Dingen, versuche mich aber konsequent an 1. Th. 5:21 zu halten. Aus diesem Grund bemühe ich mich, mir möglichst viel Literatur über die ZJ und ihre Organisation zu besorgen (u.a. auch Ausgaben von CV) und diese zu studieren. Neben positiven Dingen habe ich dort auch viel Verwunderliches gefunden. Von Verwandten erhielt ich kürzlich das WTG-Offenbarungsbuch, erschienen 1988. Interessiert begann ich zu lesen und fand gleich auf Seite 8 eine Aufzählung der bisher zum gleichen Thema erschienenen Bücher

der WTG:

"Das vollendete Geheimnis" 1917/25

"Licht" 1930

"Babylon, die Große ist gefallen" 1963/65

"Dann ist das Geheimnis vollendet" 1969/70

"Die Offenbarung. Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!" 1988

Die erste Jahreszahl gibt das Erscheinen der amerikanischen, die zweite das der deutschen Ausgabe an. Das Erscheinen des neusten Buches wird mit Fragen der Übersetzungskapazitäten, der Übersichtlichkeit der Darstellungen und besonders aber damit begründet, daß Jehova "ständig mehr Licht über die Bedeutung seines Werkes" gibt. Das machte mich neugierig und nach viel Mühe ist es mir gelungen, alle die genannten Bücher zu besorgen und ich begann zu vergleichen.

Als erstes fiel mir auf, daß alle diese Schriften, obwohl sie, wie ich später herausfand, inhaltlich sehr differenziert und widersprüchlich sind, für sich in Anspruch nehmen, göttliche Wahrheit zu verkünden, daß Jehova gerade jetzt "helleres Licht" gegeben und sein Geheimnis geoffenbart hat und daß die Erfüllung der Offenbarung nun besonders nahe ist. Sehen wir uns am Beispiel vom ersten Buch aber an, wie die WTG selbst mit ihren Schriften umgeht: Auf Seite 5 dieses Werkes steht, daß es von Russell geschriebene Wahrheiten enthält und daß "der Beweis von des Herrn Führung in dieser Sache" gegeben ist. Rutherford selbst gab diese Schrift 1917 zur Veröffentlichung frei. Auf Seite 5 in "Licht" schreibt er dann dazu, daß vor 1930 keine befriedigende Erläuterung der Offenbarung veröffentlicht worden ist. "Erst jetzt ist die rechte Zeit da." Im 1970er Buch (S. 132 und 201) lobt man, daß die Verbreitung von "Das vollendete Geheimnis in Englisch 1918 eingestellt wurde, zwischendurch (S. 142) freut man sich aber auch, daß es wieder "zugelassen und verbreitet" werde durfte. 1925 erscheint es dann in Deutschland. Im neusten Buch, S. 159, Abs. 18, wird diese Erklärung der Offenbarung "als unbefriedigend" hingestellt, aber schon auf Seite 165 der gleichen Schrift ist sie "ein eindrucksvoller Kommentar zur Offenbarung und Hesekiel". Wen wundert es, daß meine Zweifel an der Wahrheit und den Beweisen der WTG weiter wuchsen? Man baut heute aber vor: "Wir behaupten nicht, daß die Erläuterungen in diesem Buch unfehlbar sind... Wir sind jedoch fest überzeugt, daß die Erklärungen in diesem Werk mit der Bibel als Ganzem übereinstimmen ..." (Bildkommentar S. 9) Man wird also vorsichtig und läßt ein Hintertürchen offen. Haben wir demnächst vielleicht "noch helleres Licht" zu erwarten?

-G.H.-

IHR ÄLTESTEN, BEHÜTET DAS EUCH ANVERTRAUTE GUT

Im Wachtturm 18/1988 steht ein Artikel, der zweifellos sehr viel gute Forderungen an die Ältesten enthält und jede Versammlung, der so ein Hirte vorsteht, sollte Jehova für diese Güte danken.

Man kann aber nicht einverstanden sein, wenn gleich unter der Überschrift mit Apg 20:28 behauptet wird, die Ältesten seien vom heiligen Geist zu diesem Amt ernannt worden. Jeder von euch weiß, daß unsere Aufseher von Menschen eingesetzt werden. Selbst wenn das Menschen sind, die sich im Dienst für Jehova hervorgetan haben, so unterliegen sie auch subjektiven Schwächen und Irrtümern. Deshalb sollten wir nicht zuviel Ehrfurcht vor unseren Hirten zeigen und sie streng an den Maßstäben messen, die uns dieser Wachtturm selbst aufzeigt. Es wird vorausgesetzt, daß die Ältesten die Bibel - möglichst mehrmals - ganz gelesen und darüber nachgedacht haben sollen. Und weiter unten (Abs. 11) wird mit Jak. 3:1,2 und Mat. 12:36,37 gesagt, welches Strafurteil die Verkünder falscher Lehren zu erwarten haben. Ganz richtig verweist der Artikel auf die Bibel und das eigene Urteilsvermögen und nicht auf die WTG-Schriften als Quelle der Wahrheit. Fürchtet man etwa, aufgrund der ständigen Lehränderungen als Urheber falscher Verkündigungen erkannt zu werden?

Übrigens wird es hier weder verboten noch als "Fallgrube" erwähnt, alte WTG-Schriften oder neuere kritische Ausführungen (z.B. CV) über die Wahrheiten der Wachtturm-Gesellschaft zu Rate zu ziehen.

Zuletzt möchte ich noch daran erinnern, daß ihr Älteste für alle Menschen nichts als Liebe und gute Wünsche haben sollt (Abs. 17). Denkt doch bitte bei euren zukünftigen Gebeten daran! IHR ÄLTESTEN, behandelt die Herde Gottes schonend Die durchaus vernünftigen Ansprüche aus dem vorhergehenden Artikel werden fortgesetzt.

Leider sind auch hier Unwahrheiten und Widersprüche enthalten. Nehmen wir den Absatz 7: Zu Beginn heißt es, daß die Ältesten, ebenso wie Paulus, nicht Herr über unseren Glauben sein wollen. Aber nur wenige Sätze weiter ist zu lesen, "daß sie die Anweisungen der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas unverzüglich befolgen".

Was gab es von dort aber gerade in Glaubensdingen nicht schon für gegensätzliche Anweisungen. Denken wir an die Fragen der Chronologie und der Endzeit, des Kreuzes, der Ältesten oder auch der Feste. Wer seinen Glauben hier nicht so schnell wie die Gesellschaft änderte, wurde von einem aus Ältesten bestehenden Rechtskomitee ausgeschlossen. Kann das mit der in Abs. 14 enthaltenen Behauptung, daß Gemeinschaftsentzüge biblisch begründet sein müssen, gestützt werden? Wohl kaum! Wissen wir doch, daß die Bibel über Tausende von Jahren unverändert geblieben ist. Sollten wir uns da nicht einmal gründlich Gedanken darüber machen, wieviel unberechtigte Ausschlüsse es schon gegeben hat? Selbst die Verfasser des Artikels verweisen weiter unten darauf, welch schwerwiegende geistige Schädigung, unabhängig vom emotionalen oder materiellen Schaden, so ein Gemeinschaftsentzug hervorrufen kann. Oder wird die Zahl der Ausschlüsse so groß, daß man jetzt etwas bremsen muß?

GEHORCHT denen, die die Führung übernehmen Zweimal wird auf die menschliche Unvollkommenheit der Ältesten hingewiesen und trotzdem sollen wir uns ihnen kritiklos unterwerfen.

Das fängt an in Glaubensfragen, in denen man der leitenden Körperschaft wieder unbedingte Autorität zuordnet. Wenn hier Mat. 24:14, 45-47 als Begründung zu Hilfe gezogen wird, so konnte ich dort nichts von einer leitenden Körperschaft finden. Mehr trifft da wohl der Vers 24 des gleichen Kapitels zu, in dem vor falschen Christussen und falschen Propheten gewarnt wird. Ist es in dem Zusammenhang nicht vernünftig, sich mehr an das Gebot in 1. Th. 5:21 zu halten, sich aller Dinge zu vergewissern und nur an dem Vortrefflichen festzuhalten? Die Widersprüchlichkeit der uns angebotenen geistigen Speise ist, wie schon oft nachgewiesen, so groß, daß sie unmöglich immer biblisch begründet sein kann. Trotzdem wird sie uns autoritär zugeordnet, blindes Vertrauen gefordert und unabhängiges Denken verpönt.

Aber nicht nur in Glaubensfragen, auch in den Dingen des täglichen Lebens sollen wir unsere Selbständigkeit aufgeben und uns unvollkommenen Menschen bedingungslos unterwerfen. "Wo der Geist Jehovas ist, da ist die Freiheit", sagen uns die Apostel Paulus und Jakobus (2. Kor. 2:17; Jak. 1:25). Bringt deshalb den Mut auf, euch diese Freiheit im Sinne Jehovas zu nehmen und laßt euch nicht länger durch unvollkommene Menschen bevormunden.

-J.G.H.-

DIE WACHTTURM-GESELLSCHAFT WIRD ZUR KASSE GEBETEN

Alarmstimmung herrscht im Wachtturm-Bethel Selters und in der Hauptzentrale in Brooklyn. Was ist der Anlaß dazu? Wieder einmal haben es Menschen, Zeitungen und Zeitschriften gewagt, die "Gemeinnützigkeit" der WTG in Frage zu stellen. Gemeindeversammlungen und Gerichte verlangen, daß diese Organisation, genau so wie auch andere "Produktionsbetriebe", zur Steuerkasse gebeten wird. So schrieb u.a. die Zeitung DIEZ/ Limburg, am 10.2.1990: Fällt bald ein Millionenregen auf die Gemeinde Selters? Finanzamt will Zeugen Jehovas nicht länger als gemeinnützig anerkennen.

Ortsparlament entscheidet im März über gigantische Erweiterungspläne auf dem Steinfels. CV-Anmerkung:

Die "gigantischen Erweiterungspläne" waren notwendig geworden, weil die WTG in den Ländern des Ostens keine neue Druckerei bauen, sondern die gesamte WTG-Literatur für ihre Zeugen und den Vertrieb in Selters herstellen will.

Die "WETZLAER NEUE ZEITUNG" schrieb am 27.12.1990:

Das Verfahren endet mit einem Kompromiß

Zeugen Jehovas weiter gemeinnützig - aber Steuern müssen sie jetzt zahlen

... die Oberfinanzdirektion Frankfurt hat nach uns vorliegenden

Informationen nun so entschieden:

• Die Gemeinnützigkeit bleibt der Religionsgemeinschaft erhalten, aber

• bestimmte Bereiche des Geschäftsbetriebes der Wachtturm-Gesellschaft werden rückwirkend an 1988 der Steuer unterworfen.

Chronologie der Ereignisse

Blenden wir zurück in den Februar diese Jahres: (1990) das Finanzamt Limburg ist laut Bericht unserer Zeitung nicht länger bereit, die den Zeugen Jehovas gehörende Deutschland Zentrale der "Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft" mit ihren 500 Mitarbeitern als gemeinnützig anzuerkennen, wie dies seit den 20er Jahren geschieht? ...

Zurück zur Chronologie: den schwarzen Peter hat im Frühjahr die Oberfinanzdirektion in Frankfurt. Und dort, wie auch im Finanzministerium in Wiesbaden hat man politische Bauchschmerzen, massiv gegen die Zeugen Jehovas vorzugehen ... Sicher scheint, daß Teile des Druckereibetriebes (der demnächst um 150 Mitarbeiter erweitert wird) steuerlich veranlagt werden...

CV-Anmerkung:

Warum hat die Oberfinanzdirektion und das Ministerium "politische Bauchschmerzen", wo es sich doch bei der WTG um eine "unpolitische" Organisation handelt, wie sie immer wieder behauptet. Oder?

Ja, ihre Anhänger, die Zeugen Jehovas, sind doch absolute "Nichtwähler". - "Politische Bauchschmerzen" wegen "Nichtwähler"??? Was verursacht denn wirklich die "politischen Bauchschmerzen "? -

Desweiteren ist anzumerken, daß nicht die Zeugen Jehovas Eigentümer der Wachtturm-Zentrale in Selters sind, sondern die "Watch Tower Bible and Tract Society of Pensylvania" in den USA. Die Zeugen haben nur die Aufgabe, kostenlos zu arbeiten und sie durch zusätzliche Spenden zu finanzieren. Sie sind ja nicht einmal Mitglieder der Wachtturm-Gesellschaft, geschweige denn Inhaber der riesigen Immobilien dieser Gesellschaft auf der ganzen Welt. Sie haben keinerlei Rechte, sie dürfen nur Befehle ausführen und zahlen. Nicht die leitenden Mitglieder in den USA waren in den KZs des Hitlerregimes, sondern die einfachen Zeugen Jehovas, die aufgrund von Anweisungen der WTG gegen den Staat sich aufgelehnt haben, genau so wie sie auch viele Jahre später in die Zuchthäuser der Ostzone/DDR gehen mußten, weil die WTG sie politisch in die Konfrontation zum Staat zwang.

Weiter wurde am 14.2.1990 berichtet:

Besser als sechs Richtige

Jehovas Zeugen zahlen Selters vier Millionen Die Zeugen Jehovas lassen sich ihre Bauwünsche etwas kosten: Für die von ihnen anvisierte Erweiterung der Deutschland-Zentrale der Wachtturm-Gesellschaft auf dem Steinfels bei Niederselters (mit rund 50 Millionen Mark veranschlagt) zahlen sie erst einmal drei Millionen in die Niederselterser Gemeindekasse - zur "Unterstützung der Infrastruktur". Außerdem finanziert die Gesellschaft eine neue Drehleiter für die Feuerwehr im Wert von 800.000 Mark sowie ein Tanklöschfahrzeug für weitere 220.000 Mark. Macht insgesamt satte 4,02 Millionen Mark. Im Gegenzug will Selters das für die Erweiterung des Komplexes nötige Land, das die Wachtturm-Gesellschaft schon besitzt, als Bauland ausweisen ...

CV-Anmerkung:

Endgültig entschieden war noch nichts. Hat das Gemeindeparlament diesem Vertrag zugestimmt? Hat die WTG bezahlt und wenn, wieviel?

Nun, es gibt noch viel mehr Ungeklärtes bei der WTG, aber eines ist absolut klar: Sie ist mit eine der cleversten "Religionsgemeinschaften" auf der Welt. Sie ist unwahrscheinlich schnell und geschickt im Reagieren.

Als sie merkte, daß wiederum die Steuergefahr im anzug war, nahm sie sofort die Preise, ab 1. Juli 1990, aus ihren Veröffentlichungen heraus, um den Eindruck zu erwecken, keine Handelsfirma zu sein.

Dazu gibt sie an ihre Zeugen in den neuen Bundesländern die Literatur kostenlos ab.

Man munkelt darüber, daß in Zukunft auch in den alten Bundesländern die Literatur kostenlos abgegeben werden soll. Es ist kaum vorstellbar, daß die WTG die doch hinter jeder Mark herjagt, auf diesen Riesenverdienst verzichtet, ohne daß sie nicht schon Pläne hat, wie sie trotzdem auf ihr Geld kommt... Einer davon könnte sein, daß die Zeugen in Zukunft "freiwillig" ihre Spenden erhöhen werden (müssen).

Wie schrieb doch CV: "Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft Das ist der Name einer Geschäftsfirma...

H. W.

"Christliche Verantwortung"; Herausgeber Henry Werner;

O - 6500 Gera, Heinrichstraße 46; Einzelpreis 2,00 DM

Konto-Nr.: 3219526; Volksbank e.G., Gera BLZ: 830 945 64

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Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 258

In dieser CV-Ausgabe wird (unter anderem) auch ein Text des Herrn Twisselmann zitiert. In ihm auch der Passus:

„Der Einfluß der weit verbreiteten Vernunftsgläubigkeit auf Russells "Schriftstudien" und die nachfolgenden Bücher ist mit Händen zu greifen."

Da wäre man dann ja wieder „kurz vor" der Großkirchlichen Verteidigung der Trinitätslehre angelangt, die sich ja letztendlich auf ähnlich irrationale Basis zurückzieht.

Herr Twisselmann hat den Spagat vollbracht, nach zeitweiliger Zeugen Jehovas-Mitgliedschaft, dann seine weitere Karriere in der Kirche zu suchen.

Das mag ihm ja unbenommen sein. Überzeugen indes tut er (zumindest mich) nicht.

Aber natürlich gibt es immer welche, welche andere für sich denken lassen. Sie werden in dieser CV-Ausgabe wieder mal bedient.

Dieser angedeutete Dissenz reduziert sich dann wohl auf den Kernsatz:

Die Zeugen seien der „Regen". Eine „Traufe" indes gäbe es nicht.

Ich hingegegen sage dazu. Sehr wohl wechseln da einige vom Regen in die Traufe!


CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

SCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜRINGEN

NR. 258 GERA III/1991

DIE FREIHEIT, DIE SIE MEINEN

Zeugen Jehovas, "Angehörige eines freien Volkes"?

Der Wachtturm-Kongreß 1991 "Freiheitliebende Menschen"

Ein Höhepunkt der Aktivitäten der Zeugen Jehovas 1991 waren die internationalen Kongresse der Wachtturmgesellschaft. Bekanntlich übt die WTG die gesamte "theokratisch" genannte organisatorische und geistige Führungsgewalt über die Zeugen Jehovas aus. Die Kongresse 1991 geben Anlaß, vor allem eine Grundfrage Wachtturmgesellschaft und Zeugen Jehovas betreffend zu beantworten, wo sie andere Menschen anwerben bzw. von ihrem bisherigen Glauben abwerben. Nämlich, wie es unter der WTG selbst mit der Freiheit bestellt ist Denn frei zu sein, sich frei zu fühlen, ist in der Tat wohl ein Grundbedürfnis aller Menschen,

An so etwas zu appellieren, wie es auf den Kongressen 1991 unternommen wurde, ist da schon die Herausforderung an die WTG selbst, wie es da wohl hinter der Tür aussieht, hat man sie durchschritten. Die diesbezüglichen Einblicke richten sich also auf etwas Grundsätzliches, das zu bedenken ist, wo jemand von den Zeugen Jehovas angesprochen ist.

Eine Kongreß-Übersicht

"Um allen freiheitliebenden Menschen zu helfen, sich mit noch festerem Griff an die Freiheit zu klammern, wird der diesjährige Bezirkskongreß der Zeugen Jehovas dem Motto 'Freiheitliebende Menschen' Rechnung tragen", hieß es im Blick auf alle freiheitliebenden Menschen in der Einladung. Und auf die ZJ begrenzt:

"Ja, wir sollten kommen im echten Bewußtsein unserer geistigen Bedürfnisse als Angehörige eines freien Volkes". (Wachtturm 15.2.1991, Seite 29)

Im deutschsprachigen Raum gab es 23 solcher Kongresse. Die international einheitliche Thematik beinhaltete im wesentlichen die Schwerpunkte "Freiheit mit Verantwortung im Familienkreis" - ein Symposium.

Eine Vortragsreihe "Christliche Freiheit heute" und den öffentlichen Vortrag "Jubelt Gottes neuer Welt der Freiheit zu". In Berlin (aus Berlin, Land Brandenburg und Land Mecklenburg-Vorpommern) sollen etwa 12.000 teilgenommen haben. Etwa 200 sollen dort nach Erreichen eines "Alters des Verständnisses" durch Untertauch-Taufe "ordiniert" worden sein. Der Kongreß war der erste freie Kongreß - nach der Vereinigung seit 1950, nachdem das Verbot von WTG und ZJ in Ostdeutschland von der vorletzten Regierung (Ministerpräsident Modrow) im März 1990 wieder aufgehoben worden war. Laut WT vom 1.1.1991 sind die Zeugen wegen bestimmter religiöser und politischer WTG-Dogmen noch in 33 Ländern verboten.

Ohne Zweifel war das Thema Freiheit für die Zeugen Jehovas auch insofern bewegend, als gar mancher seinen WTG-Dienst mit seiner Freiheit, auch mit seinem Leben, bezahlen mußte.

Naivität oder Werbetaktik?

Allen freiheitliebenden Menschen helfen, sich mit noch festem Griff an die Freiheit klammern? Es ist doch wohl nicht ganz ernst zu nehmen.

Welcher Mensch, gut oder böse, liebt wohl nicht "die Freiheit" so oder so? Wie kann man da allen freiheitliebenden Menschen zur Freiheit verhelfen wollen? Warnt nicht selbst das Evangelium vor solchen Menschen, "welche die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit machen"? (1. Petr. 2:16) Das ist nicht so gemeint?

Dann darf man es so auch nicht sagen, geschweige denn schreiben und drucken. Aber die Zeugen Jehovas haben schließlich in keiner Weise das Recht, kritisch zu überprüfen, was die WTG ihnen zu kolportieren gebietet.

Überall endet die eigene Freiheit da, wo die Rechte anderer anfangen. Das weiß man natürlich auch in der WTG-Führung. Aber offensichtlich will man erst einmal so viele Menschen wie möglich anlocken, "alle Arten".

Die sich das WTG-Kongreßschildchen mit der Kennzeichnung als "freiheitliebende Menschen" an Hemd, Kleid oder Jacke geheftet haben, merkten sicherlich nicht, wie absonderlich und abwertend dies auf alle anderen freiheitliebenden Menschen wirken mußte.

Man könnte das so vergleichen:

Trifft ein ZJ einen anderen. "Bruder, Schwester, wie lange bist du schon in der Wahrheit? Oh, ich bin es schon seit Jahrzehnten. Tja, welches Vorrecht, ich erst seit vorigem Jahr". Jeder Andersglaubende und Andersdenkende, der das mit anhört, muß doch den Eindruck bekommen, die ZJ halten alle anderen für solche, die in Unwahrheit, Unehrlichkeit und Lüge hocken. Es ist eine der WTG-Sprachregelungen, die Wachtturmlehren als "die Wahrheit" zu bezeichnen. Die "Freiheit" zu proklamieren ist da ein ähnliches Spiel, in dem jedoch Werbetaktik zu dominieren scheint, wenn man die Zügel betrachtet, die die WTG jedem Gewonnenen anlegt und die Bindungen, in die jeder verstrickt wird.

Betroffene sollten dies alles unbedingt zuvor kritisch abwägen bzw. prüfen können. (Lukas 14:28)

Was ist die Freiheit eines Zeugen Jehovas unter der WTG-Führung?

"Freiheit mit Verantwortung" wurde auf dem Kongreß formuliert.

Zunächst kann man dagegen nichts einwenden, will man nicht Anarchie oder gar Zügellosigkeit das Wort reden. In der Tat, nichts existiert nur in Freiheit, sondern alles zugleich auch in Zügel, in Bindungen, in Grenzen oder auch in Stricken. So sind diese Zügel das, wonach man fragen muß, will man sich unter der angepriesenen Freiheit etwas vorstellen. Das heißt: Was darf man, was nicht, was ist erlaubt, was verboten, was muß man, was nicht, was ist erwünscht, was wird belohnt, was bestraft, und wie, und welche Rechte und Pflichten hat man, was ist zu tun, was ist zu lassen.

Im Grunde lief der Kongreß darauf hinaus, weiterhin als christliche Verantwortung akzeptieren, zu respektieren, was immer die WTG zur Freiheitsgrenze bestimmt: Die Bestimmungen oder Bindungen der von ihr geführten Organisation. Allein "der Glaube" an sie als "Jehovas sichtbare Organisation" werde mit "einem Sieg und mit der Krone des Lebens belohnt werden!" (Wachtturm I. Juni 1979, Seite 18)

Übersehen wir hier die Anmaßung, den Glauben an Gott gleichzusetzen. Stellen wir die sich ergebende kritische Frage, wie frei man unter der WTG oder als ZJ wird oder ist.

Erfahrungen in der obersten WTG-Etage. Nicht ohne Grund bedroht die WTG den Besitz und das Lesen jeder Schrift in ihrem Anhängerbereich, die von ehemaligen Mitgliedern veröffentlicht wurden.

Das trifft besonders Veröffentlichungen aus dem Bereich der "Obersten WTG-Etage". In dem Buch von dem Mitglied der Leitenden Körperschaft Raymond Franz - Neffe des WTG-Präsidenten F. W. Franz und als Präsidenten-Nachfolger im Gespräch gewesen - "Crisis of Consience" (1983), deutsch "Der Gewissenskonflikt" (1988, Claudius-Verlag), beschreibt er u.a. auch die letzten Jahre in der obersten Führung dieser Organisation und, warum er damit Schluß gemacht hat. Ein Werk, das bisher den tiefsten Einblick hinter die WTG-Kulissen ermöglicht.

Zur Freiheit unter dem WTG-Regime stellt er u.a. Folgendes fest:

- Umgang mit Andersglaubenden werde mißbilligt (S. 11).

- Schullaufbahn und Berufswahl seien mit den WTG-Zielen abzustimmen (S. 11).

- Nach außen Verteidigung von Gewissensfreiheit, nach innen ihre stärkste Unterdrückung (S. 12).

- Respekt vor der WTG-Organisation werde in bedingungslosen Gehorsam umgemünzt (S. 14).

- Betroffene würden über Dinge in Unkenntnis gehalten.tlie für sie von allergrößter Bedeutung sind (S. 15).

- Nur sehr wenige ZJ wüßten, wie ihre Leitung funktioniert, wie man über Lehren abstimmt, all dieses werde von einem Mantel des Geheimnisses umhüllt (S. 34).

Die Anhängerschaft werde über die Finanzen weitgehend in Unwissenheit gehalten (S. 34).

- Archive mit Beweismitteln und Protokollen über Exkommunikation sind Geheimsache (S. 39).

- Eigene "schmutzige Wäsche" dürfe nicht öffentlich "gewaschen" werden, wohl aber die anderer (S .42).

- Die allumfassende autoritäre Herrschaft der WTG über die ZJ widerspreche der von Christus gewährten Autorität zum Dienen in der Gemeinde (S. 216).

- Gedankenüberwachung, die als abtrünnig stempelt, wo Bibelauslegungen der WTG nicht akzeptiert werden (S. 282).

- Die örtlichen WTG-Rechtskomitees würden Methoden anwenden, die mit denen in liberalen Ländern nichts mehr gemein haben, entscheidende Informationen würden verschwiegen, es werde mit anonymen Denunzianten gearbeitet (S. 315).

- "Nachdem ich mich den größten Teil meines Lebens abgemüht hatte, Menschen zu Gott und zu seinem Sohn zu fuhren, mußte ich feststellen, daß diese Organisation mit ihnen umgeht, als wären sie ihre eigene Herde, die ihr zu gehorchen hat und ihr zu Willen sein muß" (S. 339).

Als Orwellsche Welt erfahren

Bisher nur in Englisch liegt ein Werk vor: "The Orwellian World of Jehova's Witnesses" (Die Orwellsche Welt der Zeugen Jehovas) - University of Toronto Press Kanada.

Heather und Gary Botting, ehemalige ZJ, ziehen da einen Vergleich zwischen dem Leben unter der WTG und der Version des britischen Schriftstellers George Orwell in seinem Werk "1984" über ein weltweites totalitäres Überwachungssystem, "Großer Bruder" genannt.

Im Orwellschen System existieren da zur allgemeinen Überwachung ein Wahrheitsministerium, ein Liebesministerium, eine Gedankenpolizei.

Man praktiziert ein Zwie- oder Doppeldenken u.a. nach den Grundsätzen Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei und Unwissen ist Stärke.

Die Erfahrungen unter dem WTG-Regime - wie absoluter Gehorsam, Einheit um jeden Preis auch auf Kosten der Wahrheit, und die Auswirkungen all dessen - entsprächen wesentlich jenem Orwellschen System.

Das Hauptleseverbot für Zeugen Jehovas

Da ja Zeugen Jehovas "Angehörige eines freien Volkes" sind, ist es natürlich ihnen auch nicht gestattet - bei Strafe ihres Ausschlusses - Bücher und Zeitschriften zu lesen, die auf dem WTG-Verbotsindex stehen. Wie diese Unterdrückung von Lesefreiheit und entsprechender Zügelung eines ZJ aussieht, liest sich in einer jüngsten Fassung wie folgt: "Vernichtest du wohlweislich die Schriften Abtrünniger? Laß dich nicht mit Abgefallenen ein. Nun, was wirst du tun, wenn du mit den Lehren Abgefallenen konfrontiert wirst, mit spitzfindigen Überlegungen, durch die dein Glaube als Zeuge Jehovas zur Unwahrheit abgestempelt werden soll? Was wirst du beispielsweise tun, wenn du einen Brief oder eine Sendung von Schriften erhältst und beim Öffnen gleich erkennst, daß sie von einem Abgefallenen stammen? Wird dich deine Neugier veranlassen, sie zu lesen, nur um zu sehen, was er zu sagen hat? Möglicherweise denkst du: Es wird mir nichts anhaben können; ich stehe zu fest in der Wahrheit. Und wenn wir die Wahrheit haben, brauchen wir nichts zu befürchten ... (Wachtturm 15. März 1986, S. 12 ff)

Mit den Kritikern aus ihren eigenen Reihen ist die WTG-Führung gnadenlos Feind. Nicht nur durch Rufmord wie Kirchengespeifresser, wie Hunde, im Schlamm sich wälzende Säue, Feinde, tödliche Gangrän, Verseuchte, Giftmischer, Todesbringer, Teufelsdiener, wie man lesen kann. Sie wurden schon früh allen Ernstes mit solchen verglichen, die "theokratisch" einst buchstäblich zu töten waren. Ja, die Zeugen Jehovas sind wirklich "Angehörige eines freien Volkes"!

Eine umfassende Entmündigung gegenüber der WTG

Nach dem ersten Weltkrieg setzte unter dem 2. WTG-Präsidenten J. F. Rutherford (seit 1917) ein Prozeß ein, der über den bis dahin freien Bibelforschern, wie sie einst unter dem l. WTG-Präsidenten C. T. Russell (1916 gestorben) etwa seit 1874 begründet wurden, mit einer Beschränkung auf nur noch bloßes Bezeugen der WTG-Lehren zur schrittweisen Errichtung eines geistigen und organisatorischen WTG-Befehls- und Gewaltsystems führte, zu einer Diktatur. Sichtbaren Ausdruck fand das u.a. 1931 in der Umbenennung der Anhängerschaft von Bibelforscher offiziell in "Zeugen Jehovas" und 1938 in der Selbsteinsetzung der Rutherford-Administration der WTG "als sichtbarer Vertreter des Herrn auf Erden" mit "vollem Befehl" und "voller Gewalt" in dieser "Vertretung" über die "sichtbare Organisation" insbesondere, über alle zuvor zu Zeugen mittels einer WTG-organisierten ZJ-Resolution, die dann für alle ZJ verbindlich gemacht wurde.

In dieser ZJ-Unterwerfungs-Resolution hieß es diesbezüglich: "Wir, die Gruppe des Volkes Gottes, das für seinen Namen herausgenommen worden ist und sich nun in........befindet, anerkennen, daß Gottes Regierung eine reine Gottesherrschaft ist, daß Christus Jesus sich im Tempel befindet und den vollen Befehl und die volle Gewalt über die sichtbare Organisation Jehovas wie auch über die unsichtbare innehat und daß "Die Gesellschaft" der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden ist. Daher stellen wir das Gesuch, daß "Die Gesellschaft" unsere Gruppe für den Dienst organisiere und deren verschiedene Diener bestelle ..." Die WTG kommentiert das selbst:

"Das bedeutet einen Verzicht auf die demokratische oder durch Kirchenälteste ausgeübte Macht in der Leitung der Kirche, wie sie sechzig Jahre lang in den Versammlungen bestanden hatte". (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 148) An diesem undemokratischen Machtsystem mit "vollem Befehl und voller Gewalt" über ihre Zeugen hat sich seither grundsätzlich nichts mehr geändert. Um sich vorzustellen, wie das zur Zeit funktioniert, genügen die WTG-eigenen Verlautbarungen der letzten Zeit Es kann jedoch nur eine typische Auswahl getroffen werden angesichts der Fülle dessen. In der Hauptsache zeigte die WTG hier dann die Zähne bzw. zog die Samthandschuhe aus, wenn sie durch "Rebellen" gegen ihr Regime in besondere Bedrängnis geriet So war dies auch 1980 der Fall, als es mit Raymond Franz zu einem Aufstand des Gewissens in der Leitenden Körperschaft gekommen war. Und wie er es schildert, die "eiserne Faust" der WTG aus ihrem "Samthandschuh" hervorkam. Nur willig gehorchen

"Um all unsere Schwierigkeiten zu überwinden, brauchen wir nur Jehovas Anweisungen anzunehmen, sie in freudiger Geistesverfassung auszuführen und die Neigung zum kritisieren dessen, was wir tun sollen, zu unterdrücken ... Um unseres ewigen Wohles Willen, müssen wir willig gehorchen und fortgesetzt Anweisungen beachten und damit Schritt halten." (Wachtturm 15. Mai 1955, S. 316)

Zu einem Unter-"Sklaven" verurteilt

"Um aber wirklich zu einem Teil der Neuen-Welt-Gesellschaft zu werden, ist es unbedingt nötig, daß der richtige Respekt vor der theokratischen Einrichtung und Ordnung geoffenbart werde. Eine demütige, gehorsame Geistesverfassung ist erforderlich ... Da dem 'treuen und verständigen Sklaven' alle Güter des Meisters anvertraut sind, laßt uns mit dem richtigen geistigen Wahrnehmungsvermögen die Sache so ansehen, daß, was immer der 'treue Sklave' tut, zu unserem Guten gereicht. Der Sklave erfüllt dadurch seine eigene Pflicht vor Jehova, daß er das Werk Jehovas tut. Daher ist der Wille des Sklaven der Wille Jehovas. Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott". (Wachtturm 1. August 1956, S. 473 f)

Unterdrückung mit einer "Wasserstoffbombe"

"Es mögen Dinge in der Organisation geschehen, die wir nicht verstehen. Die Diener mögen einer Handlungsweise folgen, die wir als unrichtig erachten. Deswegen Kritik zu üben, würde eine unvernünftige Haltung verraten. Vielleicht kennen wir nicht alle Einzelheiten des Falles, ja, gewöhnlich ist es so. Aber eine unvernünftige Person wird das keinen Augenblick in betracht ziehen. Nur weil sie etwas nicht versteht, wird sie sogleich folgern, man sei ganz falsch vorgegangen. Nun, wenige von uns verstehen die Tatsachen bezüglich der Kernphysik, nicht wahr? Aber die Wasserstoffbombe beweist sicherlich, daß die Folgerungen ihrer Hersteller auf Tatsachen beruhen und daher richtig sind. Somit wären wir nicht so töricht und würden die Explosion einer Wasserstoffbombe im eigenen Garten zulassen, nur weil wir ihre Wirkung nicht kennen! Nun kann sich aber eine unvernünftige, respektlose Haltung innerhalb der Familie Gottes ebenso unheilvoll auswirken wie die Auslösung einer Wasserstoffbombe". (Wachtturm 1. Juli 1957, S. 408 f)

Kein Widerspruch geduldet

"Jehova gibt uns auch durch seine irdische Organisation Rat. Da sein heiliger Geist auf leitende Körperschaft dieser Organisation einwirkt, stimmt deren Rat mit seinem Willen überein.

Inhaltsverzeichnis

1994 - Eine große Wende?

Welche Zeichen deuten auf Harmagedon?

Wie stellen sich Jehovas Zeugen zur Glaubensgerechtigkeit

Die Gesalbten und die Nicht-Gesalbten Zeugen Jehovas

Das Zwei-Klassen-System der Zeugen Jehovas

Gespräche mit Zeugen Jehovas

Ein liebevoller Aufseher?

Keine Zeit

Neue Verbreitung der WTG-Literatur

Ob uns dieser Rat nun durch die Bibel oder durch die Organisation Jehovas gegeben wird, so kommt er jedenfalls von Gott und ist zu unserem Nutzen.

Manche werden unzufrieden, weil die Organisation ihren Ansichten nicht zustimmt oder nicht so vorgeht, wie sie es für gut halten. Andere ärgern sich, wenn die Organisation ihren Standpunkt, ihre Terminologie oder ihre Predigtmethoden ändert. Statt sich entsprechend umzustellen und mit der Organisation Schritt zu halten, grübeln sie über die Änderung nach. Jehova duldet in seiner neuen Ordnung der Dinge nur solche Menschen, die ihn lieben und bestrebt sind, ihm zu gehorchen. Menschen, die sich dem Rat, den er durch sein Wort und seine Organisation gibt, nicht widersetzen.

Man kann sich dem Rat Jehovas auch widersetzen, indem man dagegen argumentiert.

Man kann sich dem Rat Jehovas auch widersetzen, ohne offen dagegen zu argumentieren, nämlich, indem man nicht danach handelt.

Du sollst nicht nach Mitteln und Wegen suchen, sein Rat und sein Gesetz zu umgehen. Du sollst auch nicht nach Lücken suchen, die du ausnützen könntest, um einer Strafe zu entgehen, die dir deine Organisation auferlegen mag. Widersetze dich nicht, indem du dagegen argumentierst, dich weigerst, ihm zu gehorchen oder gegen Gottes Organisation sprichst". (Wachtturm 15. September 1963, S. 560 f)

Keine demokratischen Ansichten und Methoden

"Personen, die Jehovas reine Organisation und ihre Regeln für die Aufrechterhaltung des Friedens und der rechten Ordnung kritisieren und sich darüber beklagen, gehören zu denjenigen, die die Lehre Jehovas verachten. Zwischen solchen Personen und ausgesprochenen Rebellen liegt nur ein schmaler Grenzstreifen.

Loyale Zeugen sind nicht demokratischen Ansichten und Methoden zugeneigt". (Wachtturm 1. März 1990, S. 23)

Ja, total durch die WTG entmündigt

"Wir freuen uns, daß Jehova sehr daran interessiert ist, wie sein

Volk vor ihm wandelt, und ständig dafür sorgt, daß es korrigiert wird.

Ja, wir wollen weiterhin zurechtgebracht werden, damit uns unser Weg zum Ziel führt - ewig in Gottes Gunst zu stehen". (Wachtturm 1. November 1990, S. 31)

Das "theokratische" WTG-Regime ist in der Tat wie gesagt eine eiserne Faust in einem "christlichen" Samthandschuh. Schon das kritische Nachgrübeln darüber ist gefährlich. Schon da öffnet sich ihr Samthandschuh.

Ständige Überwachung und "Säuberung"

Es sind nicht nur leere Worte der WTG in ihrem "theokratischen" Organ DER WACHTTURM, wenn sie von ihrer Befehlsgewalt, willigem Gehorsam, Sklaverei, Grübelverbot, Kritikverbot, Rebellenvernichtung, Demokratiebeseitigung usw. spricht. Sie setzt das auch in ihren Reihen durch, wie es ebenfalls ihre eignen entsprechenden Verlautbarungen veranschaulichen.

Deutlich wurde dies insbesondere wieder, als sie nicht umhin kam, im Zusammenhang mit dem Aufstand des Gewissens aus ihrer Leitenden Körperschaft heraus um Raymond Franz, ihren Samthandschuh abzustreifen.

So hieß es im Ergebnis der "Säuberungen", die danach durchgeführt wurden:

"Wir wissen, daß wir uns auf dem richtigen Weg befinden, unsere Reihen sind gesäubert worden von Nörglern, Unzufriedenen und solchen, die nach Unabhängigkeit streben". (Wachtturm 1. Februar 1983, S. 26) Und drohend:

"Kein Zeuge Jehovas der Neuzeit wird daher einen Abtrünnigen ... grüßen oder ihm erlauben, sein christliches Heim zur Verbreitung von Irrlehren zu benützen. Bestimmt würde ein Gläubiger, der einem Abtrünnigen Gastfreundschaft erweisen und dadurch den geistigen Tod eines Mitanbeters Jehovas herbeiführen würde, von Gott zur Rechenschaft gezogen werden". (Wachtturm I. Juli 1983, S. 24)

Ein besonderer Bereich

Überwacht und "gesäubert" wird die WTG-Anhängerschaft insbesondere laufend im Hinblick auf den Einfluß der "Geistlichkeit der Christenheit", d.h. der christlichen Kirchen, die die WTG als "Menschen der Gesetzlosigkeit" hinstellt. Das jetzige Offenbarwerden der nun schon alle Generationsgrenzen überschreitenden fast schon 120 Jahre währenden WTG-Endzeitfalschprophetie veranlaßt gar manchen, von den ZJ wieder zu seiner früheren Kirche zurückzukehren. Die Abwehr der WTG sieht da u.a. so aus:

"Den Menschen der Gesetzlosigkeit bloßstellen. Da die Geistlichen vorgeben, Christen zu sein, sind sie in Gottes Augen tadelnswerter als andere. Sie müssen bloßgestellt werden, damit Menschen, die Gott dienen möchten, von ihrem Einfluß befreit werden ...".

Diesem "Menschen der Gesetzlosigkeit" müsse "schonungslos die Maske vom Gesicht gerissen" werden. Die "satanischen" Einflüsse dieser Geistlichkeit: "mischt sich nach wie vor in die Politik ein ... redet ihren Anhängern ein, daß es den Politikern gelingen wird, die Welt zu verbessern ... immer mehr Geistliche billigen die Homosexualität oder sind sogar selbst homosexuell...". Alles dies undifferenziert in einen Topf geworfen wird zur Tat geschritten:

"Solche Verfehlungen können von Gottes Dienern nicht tatenlos hingenommen werden, sondern sie müssen im Interesse anderer aufgedeckt werden. Die große Volksmenge anderer Schafe muß vor Personen geschützt werden, die sie dazu bringen möchten, Gottes Gesetze zu übertreten". (Wachtturm 1. Februar 1990, S. 23 ff)

So ist das "geistige Paradies", in dem die ZJ unter der WTG angeblich schon jetzt leben, durchzogen von einem zum Teil verborgenen Überwachungssystem, um solche "Nörgler, Unzufriedenen und Unabhängigkeitsstreber" aufzuspüren, "aufzudecken", wen sie etwa besuchen, wer sie besucht, auch nur grüßt, wer sie beeinflußt, "Gottes Gesetze", d.h. die WTG-Lehren und -Anweisungen zu übertreten. Insbesondere Letzteres geschieht natürlich durch gar manchen inzwischen erfahrenen und sachkundigen Pfarrer, Priester oder Geistlichen neben den gefürchteten "Rebellen" allenthalben. Vor solchen "Personen schützen" zu müssen ist denn wiederum die Rechtfertigung für dieses Überwachungssystem.

Keine Privatsphäre tabu

Um die Reihen "rein" zu halten und entsprechend zu "säubern"

gibt es für die WTG kein Tabu unter ihren Zeugen. Bis auf die Anmerkung, daß mit den "Forderungen des göttlichen Gesetzes" grundsätzlich immer die Forderungen der WTG-Bibelauslegung gemeint sind, möge sich jeder das Folgende selbst kommentieren:

Irgendeine ZJ "Maria" wird zum Beispiel genommen: "Maria fürchtete erst ein bißchen die rechtlichen Konsequenzen, doch dann kam sie zu der Überzeugung, daß in diesem Fall die biblischen Grundsätze mehr Gewicht hatten als die Forderung, die ärztlichen Unterlagen vertraulich zu behandeln. Sie sagte sich, daß die Schwester ihr sicherlich nicht grollen und nicht versuchen würde, sich zu rächen, indem sie sie anzeigen würde...

Arbeitgeber können mit Recht erwarten, daß ihre christlichen Arbeitnehmer (gemeint sind die ZJ, Anm.) "volle, gute Treue an den Tag legen", auch was die Schweigepflicht betrifft... Wenn man einen Eid ablegen muß, sollte das nicht leicht genommen werden. Durch einen Eid wird ein Versprechen noch feierlicher und bindender...

Und wenn das Berufsgeheimnis zudem gesetzlich geregelt ist, wird die Sache noch ernster ...

Gewöhnlich mag sich ein solches Problem ergeben, wenn man bei einem Arzt, in einem Krankenhaus, an einem Gericht oder bei einem Rechtsanwalt arbeitet...".

Nachdem erklärt wird, daß bei "schwerwiegender Verfehlung" Selbstanzeige oder Denunziation durch andere ZJ Pflicht sei, heißt es als Begründung:

"Manchmal wird ein treuer Diener Gottes aus der Überzeugung, gestützt auf seine Kenntnisse des Wortes Gottes, die Schweigepflicht wegen der höherrangigen Forderungen des göttlichen Gesetzes teilweise oder ganz brechen. Das erfordert Mut und Urteilskraft. Das Ziel würde nicht darin bestehen, die Privatsphäre eines anderen auszuspionieren, sondern dem Irrenden zu helfen und die Christenversammlung rein zu erhalten. Wir dürfen das Gesetz des Staates nicht außer acht lassen und dürfen auch nicht ignorieren, wie schwerwiegend ein«Eid ist, aber Gottes Gesetz ist höchstrangig". (Wachtturm l. September 1987, S. 14 f)

Auch lebenslängliche Überwachung

"Erfährt das Komitee (örtl. WTG-Rechtskomitee für ZJ, Anm.), daß ein getauftes Glied der Versammlung einen schändlichen Lebenswandel führt, so hat es die Pflicht, der Sache nachzugehen, auch wenn der Betreffende die Zusammenkünfte nicht mehr besucht. Er kann sich der Verantwortung nicht dadurch entledigen, daß er aufhört, mit Jehovas Volk Gemeinschaft zu pflegen; die Verpflichtungen, die er durch seine Hingabe und Taufe auf sich genommen hat, gelten für das ganze Leben. Führt er zum Beispiel vorsätzlich einen unsittlichen Lebenswandel oder beginnt er Bräuche der falschen Religion zu pflegen, so fügt er Jehovas Organisation eine Schmach zu, indem er sie bei seinen Freunden und Bekannten, die wissen, daß er sich als Zeuge Jehovas taufen ließ, in Verruf bringt". (Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuß, S. 184, WTG 1968)

Zuvor den Preis für ein Leben unter dem Wachtturm berechnen

Eine lebendige und radikale Antwort auf die Herausforderung, die WTG und Zeugen Jehovas darstellen, muß vor allem vorbeugend sein.

"Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuerst hin und berechnet die Kosten ..." (Lukas 14:28)

Es muß also bekannt sein oder bekannt gemacht werden, was man unter der WTG als Zeuge Jehovas zu erwarten hat, was auf einen da alles zukommt.

Die WTG-Kongresse 1991 "Freiheitliebende Menschen" stellen da zwangsläufig die Frage nach der Freiheit, die die WTG meint.

(Auszugsweise aus dem Kongreßbericht von D. P.)

1994 - EINE GROSSE WENDE ?

Was tun, wenn keine WTG-Wende kommt?

Wieso 1994?

Der weltweit erklärte Sinn der Tätigkeit der WTG ist ihre Endzeitverkündigung. Damit steht und fällt alles. Nachdem die ursprüngliche Endzeitprophetie von 1799 bis 1914 als falsche Prophetie zusammengebrochen war, wurde unter dem Nachfolger von WTG-Präsident Russell, J. F. Rutherford, eine nächste Endzeit konstruiert, das Jahr 1914. Inzwischen ist diese Endzeit nun schon über eine biblische Generation von 30 Jahren längst hinaus und auf das Lebensalter des Menschen weiter herausgeschoben worden. Psalm 90:10 gibt dieses Lebensalter mit 70 bis 80 Jahren an. Diese Zeit geht 1994 zuende.

Die für die WTG verhängnisvollen 1990er Jahre haben begonnen. Immer wieder muß man dies den WTG-Neulingen vor Augen führen. Sie kennen die wirkliche Vergangenheit der WTG in dieser alles entscheidenden Frage nicht! Wer kann schon in die alten WTG-Prophetien einsehen! Es gab und gibt keine Endzeit im WTG-Sinne! Wird die WTG im Jahre 2000 noch da sein? Das mobile und immobile Kapital dafür hat sie allerdings

zusammengebracht, wenn man ihren materiellen Reichtum betrachtet. Doch damit kann sie sich in Zukunft endzeitlich nicht glaubhaft machen. Immer wieder muß die Vergangenheit der WTG den Menschen vor Augen geführt werden, damit die gegenwärtige endzeitliche Unglaubwürdigkeit begriffen wird und die Betroffenen ihr Leben jetzt und für die Zukunft vernünftig einrichten können.

Je näher 1994 kommt, desto dringlicher wird diese Frage. Man kann sicher sein: Alle sind immer nur wegen der Endzeiten geblieben. Wurde ihnen dieser Schwindel bewußt, dann gingen sie oder wurden "rechtzeitig" ausgeschlossen, um enttäuscht zu "vergehen".

Nun zieht das mit 1994 wieder herauf! Die Spannung nimmt unvermeidlich zu! Aber die christlichen Tugenden!

Soll man alle christlichen Tugenden unter der WTG leugnen? Nein, das kann und darf man nicht. Doch die WTG-Organisation hat doch nicht zum Hauptzweck, eine Tugendgemeinschaft zu sein. Vielmehr ist ihr Hauptzweck eine Endzeitgemeinschaft!

Was die Tugendpredigt betrifft, so steht auch das im Dienste der Endzeitausrichtung, um alle in diesem Sinne zusammenzuhalten.

Wenn du das nicht mehr mitmachst und anerkennst, interessiert die WTG deine Tugendhaftigkeit nicht im Geringsten mehr! Im Handumdrehen wirst du dann zu den "Bösen" gezählt, zu den "Hunden, die ihr eigenes Gespei fressen" und wirst entsprechend gehaßt, verachtet und verabscheut werden, nicht einmal mehr eines Grußes würdig. Die Beispiele hierfür sind Legionen! Zudem ist es ein großer Trugschluß, die WTG allein würde die wahren christlichen Tugenden predigen, weswegen man sie nur unter ihr finde. Nicht nur beweisen das die WTG-Rechtskomitees, was überall unter der WTG wirklich los ist, verbunden und beruhend auf einem umfassenden Überwachung-, Spitzel- und Denunzierungssystems, wo es von WTG-hörigen "Aufsehern" gehandhabt wird.

Die völlige Abwesenheit von echtem christlichen "Samariterdienst" der Diakonie oder Caritas zeigt ein Defizit an uneigennütziger Nächstenliebe, das die WTG-Organisation weit selbst unter die kleinste andere christliche Gemeinschaft oder Kirche stellt!

Wird sich das ändern, wenn die 1914-Endzeitkonstruktion 1994 endgültig zusammengebrochen ist?

Wird dann uneigennützige christliche Nächstenliebe der Hauptzweck werden? Demütig neben den anderen Christen? Oder ist die WTG tatsächlich dazu verdammt, so weiterzumachen, wie sie angetreten ist: eine Endzeitkonstruktion nach der anderen durch unsere heutige Zeit zu schieben, komme, was da wolle?

Auch als die Konstruktion 1799 -1914 zusammenbrach, ging es endzeitlich trotzdem weiter, nun auf 1994 zu. Der Kollaps ist wieder unvermeidlich. Es müßte wirklich eine gewaltige Wende geben. Aber was auch kommt, mit Sicherheit haben sie es in Brooklyn schon in der Schublade, weil sie ja weiter existieren wollen!

Was tun, wenn keine WTG-Wende kommt? Die wenigen Jahre bis 1994 gehen schnell dahin. Aber der nun wieder fällige Endzeitkollaps braucht keinen vor den Abgrund zu stellen, denn es ist nur ein WTG-Abgrund. Das wirkliche Leben geht weiter, mit und ohne Wachtturmgesellschaft. Die persönlichen, familiären und sozialen Lebensbedürfnisse zwingen jeden dazu. Schließlich kann keiner sein Brot allein backen. Und Gott ist damit auch nicht entthront. Auch sein Wort ist weiter da und viele andere, die auch daran glauben und danach leben wollen. Keiner muß allein dastehen, wie die WTG jeden glauben machen will, um ihn zu halten. Ohne den WTG-Endzeitschwindel als Christ weitergehen, erfordert jedoch ein absolutes Einlassen auf das Wort Gottes, auf das oberste seiner Gebote, der Nächstenliebe. (Matthäus 22:37-40)

Das wie, erläutert der Apostel Paulus in 1. Korinther 13. Und das besagt: Praktische Nächstenliebe obenan, über alle Erkenntnisse hinweg, die zweitrangig sind, d.h. unterschiedliche

Bekenntnisse zu dem gleichen Gott und gleichen Christus dulden und ertragen. Also, ökumenisch glauben, ohne Erkenntnisrechthaberei. Gott schaut schließlich auf das Herz und nicht auf den Erkenntnisstand über ihn. Leider aber besteht hier das Problem Die WTG hat alle anderen Christen gnadenlos verteufelt mit ihrer "Huren"-Verkündigung. Ihre gewohnte Erkenntnisrechthaberei ist schwer abzulegen. Wieviele werden in ihrer WTG-Hörigkeit zu neuen kleinen intoleranten Erkenntnisrechthabern, immer weiter mehr unfähig, mit Christen, die dem gleichen Gott und Christus dienen, friedlich und in Nächstenliebe auszukommen. Sie gebärden sich intolerant wie die von Jesus gemaßregelten Jünger, die einen aufgegriffen hatten, der dem Herrn anders nachfolgen wollte. (Markus 9:38-41)

Es kommt doch nicht auf den Buchstaben an, der die übergreifende Liebe tötet, sondern auf den Geist, der in den fraglichen Dingen ist, er macht und hält die Liebe lebendig. (2. Korinther 3:6,7)

Alle "genaue" Erkenntnisrechthaberei gegenüber anderen Mitchristen muß über Bord geworfen werden. Sie tötet die nötige Nächstenliebe.

"Herr, wohin sollen wir gehen?"

Die Wachtturmgesellschaft mißbraucht diese Frage an Jesus! Sie läßt diese Frage praktisch an sich selbst und ihre Organisation stellen, als wäre sie Jesus! Auf das man denke, man wende sich von Jesus ab, wenn man sich von ihr abwende! Soweit man unter der WTG an Jesus geglaubt hat ihm nachzufolgen, wendet man sich doch nicht von Jesus ab, wenn man die WTG-Bevormundung darin abstreift.

Wer das Neue Testament, die Evangelien ohne WTG-Brille liest, merkt, wie man als "anderes Schaf" in Wirklichkeit zu Jesus als Nachfolger in einer bestimmten Distanz gehalten wurde! Die Abkehr von der Bevormundung ermöglicht vielmehr die volle Hinwendung in die Nachfolge Jesu, in die Fußstapfen des Herrn.

Grundsätzlich ist das Christsein die alleinige Angelegenheit eines jeden Menschen. Wenn du beten willst, "gehe in deine Kammer" um "im Verborgenen" zu beten, sagte der Herr. (Matthäus 6:6)

Und wenn dann auch nur "zwei oder drei versammelt sind" in Jesu Namen, auch da ist der Herr schon mitten darunter. Und 1. Korinther 13 zeigt dann die ganze Breite der christlichen Praxis, des tätigen Glaubens, der möglichen Nächstenliebe. Geht also ruhig unter die anderen Christen, um weiter beim Herrn zu bleiben.

Und wenn es nur ein "Scherflein" ist, was man an diakonischen oder caritativen Werken der Nächstenliebe, ohne nach dem Glauben zu fragen, beitragen kann, es genügt, um dereinst von Christus zu seiner Zeit gesagt zu bekommen: "Alles, was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan". (Matth. 25:31 -46) - D. P. -

WELCHE ZEICHEN DEUTEN AUF HARMAGEDON

... Dort im Nahen Osten, zwischen Euphrat und Tigris, dem Zweistromland Mesopotamien, wo einst der Garten Eden lag, dem Lande der Glaubensväter Noahs und Abrahams und den antiken Stätten um Ninive und Babel, Uruk und Ur im alten Chaldäa, steht die Geburtsstätte der Menschheit in Flammen. Was sich vor den Augen der Welt in jenem Winkel der Weltgeschichte abspielte, ist ein grauenhaftes, gespenstisches Szenario, das dunkle Ahnungen in uns aufsteigen läßt. Schon bevor es dazu kam, zeichnete man allenwärts ein düsteres Bild, erging sich in Horror-Visionen und wurde geradezu von einem Fieberwahn gepackt. Man sprach von endzeitlichen Ereignissen, von apokalyptischen Katastrophen, von Harmagedon und schließlich vom Jüngsten Gericht. Für Heraklit ist der Krieg bekanntlich der Vater aller Dinge. Für den biblischen Fundamentalismus ist der Krieg ist es der Krieg von Harmagedon. Dieser gilt ihrem Verständnis nach nicht Kuwait, sondern Israel. Es soll der Krieg aller Kriege sein, der unsere Weltzeit zum Abschluß bringt und das Erscheinen des Messias zur Folge hat. Was ist dazu zu sagen? Um nicht spekulativen Betrachtungsweisen aufzusitzen, die meist mehr von Emotionen des Augenblicks bestimmt sind, weniger von der Nüchternheit des Verstandes, ist es ratsam, dazu selbst die Bibel zur Hand zu nehmen und sie zu befragen. Was heißt Harmagedon, woher stammt dieses Wort und welche Bewandtnis hat es damit? Kurzum, dieses Wort entstammt dem 16. Kapitel der Johannes-Apokalypse oder Offenbarung, die der Apostel gegen Ausgang des 1. Jh. u. Z. auf der Insel Patmos empfing. Ausgehend von Vers 12-16 schildert er, wie ein sechster Engel seine Zornschale auf den großen Strom Euphrat ausgoß, worauf Geister von Dämonen ausgingen zu den Herrschern des ganzen Erdkreises, um sie zu versammeln zu dem Kriege, jenes großen Tages Gottes des Allmächtigen ... und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch Harmagedon heißt. Wenngleich dieses Wort in der Bibel nur ein einzigesmal vorkommt, findet es doch an vielen anderen Stellen, wenn auch im übertragenen Sinne seinen Niederschlag, besonders auch in den Schriften des Alten Testaments.

Das Wort selbst bedeutet "Hügel von Megido" und veranschaulicht einen Ort oder eine Stätte, an der im biblischen Altertum entscheidende Schlachten geschlagen wurden. Um sich darüber einen genauen Aufschluß zu verschaffen, ist es zweckmäßig, dazu einige Propheten des Alten Testaments heranzuziehen. Wir beschränken uns dabei auf die beiden Joel und Jesaja, etwa aus dem 8. Jh. v. Chr. und zitieren sie kurz und bündig, wobei wir uns auf das Wesentliche besinnen. Bemerkenswert ist zunächst das 3. Kapitel aus dem Buche Joels. In diesem ist die Rede von einem heiligen Krieg, der ausgerufen wird. So jedenfalls gibt es die Elberfelder-Übersetzung wieder. Die Kriegsmänner und Helden der Nationen werden aufgefordert, sich zu rüsten, ihre Pflugscharen umzuschmieden zu Schwertern und ihre Winzermesser zu Speeren und hinabzuziehen in das Tal Josaphats, dem Tale der Entscheidung, auch Tal oder Ort des Urteils genannt. Dort wird Gott über sie zu Gericht sitzen und sein endgültiges Urteil über sie fällen. Großes Getümmel herrscht unter den Heerscharen und die Menschenmassen sind in fieberhafter Erregung, denn nahe ist der Tag Jehovas im Tale der Entscheidung. Sonne und Mond werden sich verfinstern, die Sterne werden ihren Glanz verhalten, Gott wird aus Zion brüllen und seine Stimme erschallen lassen aus Jerusalem, Himmel und Erde erbeben (Joel 3, 9-16). Auf ähnliche Weise äußerte sich der Prophet Jesaja. Auch er berichtet von der Ungeheuerlichkeit jenes Krieges, zu dem sich alle Nationen versammeln, von einem Kriegsheer, das herbei kommt aus fernen Lande, vom Ende des Himmels. Es sind Werkzeuge des Grimmes Gottes, um Babel zu verderben. Wie eine Verwüstung wird es kommen vom Allmächtigen, der Tag Jehovas wird grausam sein, Grimm und Zornglut, um die Erde zur Wüste zu machen und ihre Sünder daraus zu vertilgen „Die Sterne des Himmels werden ihr Licht nicht leuchten lassen, Sonne und Mond werden finster sein bei ihrem Aufgang. Und ich werde den Erdkreis heimsuchen wegen seiner Bosheit und die Gesetzlosen werden ihre Missetat, dem Hochmut der Stolzen werde ich eine Ende machen und die Gewalttätigen werde ich erniedrigen. Die Sterblichen werden dann kostbarer sein wie gediegenes Gold und die Menschen seltener wie das Gold von Ophir. Darum werde ich den Himmel erzittern machen und die Erde wird aufbeben von ihrer Stelle beim Grimme Jehovas der Heerscharen am Tage seiner Zornglut (Jesaja 13, 4-13). Was ist das Ergebnis des Ganzen?

Das Ergebnis ist, daß es sich bei Joel wie bei Jesaja um den selben endzeitlichen Krieg handelt, wie in der Johannes-Apokalypse, nämlich um Harmagedon, den Krieg Gottes des Allmächtigen. In diesen endzeitlichen Krieg werden alle Nationen hineingezogen, durch die ungeheuere Macht der Dämonen, die alles in ihren Bann schlagen, dem sich niemand entziehen kann. Alle wirken wie gelähmt. Alle Anstrengungen, diesen Krieg zu verhindern, schlagen fehl und die feierlichen Deklarationen für Frieden und Sicherheit, im Rahmen einer neuen Weltordnung, erweisen sich mehr und mehr als böser Alptraum (Jeremia 8,15).

Dem Krieg von Harmagedon kann niemand entrinnen. Kein Versteck, weder Höhlen noch Klüfte, weder Luftschutzräume noch strahlungssichere Atombunker werden sie davor bewahren (Offenbarung 6,12.18).

Auch ist dieser Krieg, im Gegensatz zur Meinung der Fundamentalisten, nicht auf den Nahen Osten begrenzt, nicht auf den Persisch-Arabischen Golf, es ist keine Völkerschlacht um Israel unter Verwendung menschlicher Waffensysteme, supermoderner Elektronik oder ein von Computer-Gehirnen gesteuerten nuklearen Holocaust. Harmagedon ist etwas ganz anderes; es ist ein globaler Krieg, der alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Er bedeutet den Anfang vom Ende aller Dinge, ein weltstürzendes kosmisches Ereignis, das den Untergang der Welt zur Folge hat.

Wenn wir das Neue Testament aufschlagen, das 21. Kapitel des Lukas-Evangeliums, kommen wir zu der Stelle, wo es heißt, daß Zeichen sein werden an Sonne, Mond und Sternen, auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit, bei brausendem Meer und Wasserwogen, indem die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die noch über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Dann werden sie den Sohn der Menschen kommen sehen auf Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit (Lukas 21,25-17).

Auch sei noch das Bild erwähnt aus dem 19. und 20. Kapitel der Johannes-Apokalypse oder Offenbarung über Christi Wiederkunft, den Krieg von Harmagedon, der darauffolgenden Totenauferstehung und dem Jüngsten Gericht.

Es fragt sich nur - was hat das alles mit dem Krieg am Persisch-Arabischen Golf zu tun. Dort im Nahen Osten, zwischen Euphrat und Tigris, wo einst der Garten Eden lag, dem Lande der Glaubensväter Noah und Abraham und den antiken Stätten um Ninive und Babel, Uruk und Ur im alten Chaldäa, wo die Geburtsstätte der Menschheit in Flammen steht?

- Josef Graf -

WIE STELLEN SICH JEHOVAS ZEUGEN ZUR GLAUBENSGERECHTIGKEIT ?

Zunächst: Was ist eigentlich die "Gerechtigkeit aus Glauben"? Bei einer Tagung ehemaliger Zeugen Jehovas in Sch. warf jemand die Frage auf. Niemand konnte ihm darauf eine klare, biblische Antwort geben. Als Zeugen hatten sie offenbar etwas anderes zu tun gehabt, als darüber nachzudenken, und auch jetzt noch war ihnen dieses "Herzstück neutestamentlichen christlichen Glaubens" noch fremd. Sie sollten ganz einfach den Brief des Apostel Paulus an die Römer gelesen haben! Kurz zusammengefaßt besagt die Botschaft von der "Gerechtigkeit aus Glauben" dies:

1. Ohne Christus sind wir alle verlorene Leute: "Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer". "Denn es gibt hier keinen Unterschied: Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen zugedacht hatte"

(Rom. 3,10.22-24)

2. Durch den Glauben an den für uns gekreuzigten Herrn Jesus Christus aber gilt nun: "Ohne/eigenes/Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist" (Röm. 3,24)! "So gibt es nun kein Verdammungsurteil für die, die in Christus Jesus sind" (Röm. 8,1 - alle zitierten Stellen nach der Übersetzung Luthers, revid. Text von 1975).

Welch eine Wende! Welch ein Geschenk! - Doch nun zu unserer Frage: Wie stellen sich Zeugen Jehovas dazu?

Kein Bedarf!

Das ist jedenfalls die Antwort der offiziellen Wachtturm-Lehre. Die irdisch eingestuften "Zeugen Jehovas", die "große Volksmenge", hat dies Geschenk Gottes nicht anzunehmen. Sie "...benötigt keine Rechtfertigung durch den Glauben"! Fertig! Und die Begründung, in dieser höflichen Form Gottes Heil auszuschlagen? Hören wir das genannte Zitat im Zusammenhang:

"Die große Volksmenge der Überlebenden des 'Krieges des großen Tages Gottes, des Allmächtigen, wird dann auf dem besten Wege sein, absolute Gerechtigkeit und Vollkommenheit im Fleische zu erlangen (d.h. als Menschen von Fleisch und Blut auf Erden)... Aus diesem Grunde werden sie nicht, weder jetzt noch zukünftig, gerechtfertigt oder gerechtgesprochen wie die 144.000 himmlischen Miterben ... Die 'große Volksmenge' wird keine Veränderungen ihrer Natur, von der menschlichen zur geistigen, durchmachen und benötigt daher keine Rechtfertigung durch den Glauben, auch nicht die zugeschriebene Gerechtigkeit, wie sie die 144.000 'Auserwählten' erlangt haben..."

(Wachtturm-Buch "Ewiges Leben - in der Freiheit der Söhne Gottes", S. 386 f, Abs. 22)

Wenn nun aber das Verdienst Christi ihnen nicht zugeschrieben werden soll, wie wollen sie dann ihre Überlebenshoffnung und die auf irdische "absolute Gerechtigkeit und Vollkommenheit" begründen? Die Antwort des Buches: Mit ihrem eigenen Verdienst!

Eigenleistung vorgezogen!

"Die große Volksmenge... muß beweisen, daß sie verdient,... von Gott beschützt zu werden. Das Überleben wird somit ein Beweisßir eine beachtenswerte verdienstliche Tat sein... " (S. 396, Abs. 39)

Und damit niemand glaube, des Verdienstes Christi und somit der uns zugerechneten Gerechtigkeit zu bedürfen, hebt das Buch am Ende - sozusagen im Vorblick auf das vollendete irdische Paradies - ausdrücklich hervor: "Aufgrund ihres eigenen Verdienstes wird Jehova Gott alle vollkommengemachten Menschen ... rechtfertigen und als gerecht erklären." (S. 396, Abs. 39)

Gilt hier nicht, was der Apostel Paulus über die Juden sagt (nach der eigenen Übersetzung der "Zeugen"): "... ich gebe ihnen das Zeugnis, daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht gemäß genauer Erkenntnis; denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannten, sondern ihre eigene (!) zur Geltung zu bringen suchten, unterwarfen sie sich nicht der Gerechtigkeit Gottes. Denn Christus ist das Ende des Gesetzes, jedem zur Gerechtigkeit, der Glauben ausübt. " (Rom. 10, 2-4, "Neue Welt-Übersetzung") "Jedem, der Glauben ausübt", gilt die Gerechtigkeit Gottes durch Jesus Christus. Das sagt uns Gottes Wort! - Nein, nur für 144.000. Die anderen "benötigen" sie nicht! Das sagt uns die Wachtturm-Gesellschaft!

"Aufgrund ihres eigenen Verdienstes ...", erklärt die Wachtturm-Gesellschaft. -

Nein! "Sie werden ohne eigenes Verdienst gerecht, durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist", sagt die Heilige Schrift (Rom. 3,23). Wem werden Sie Glauben schenken? Dem Wachtturm oder der Bibel?

Werden Sie die eigene verwerfen um der Gerechtigkeit Gottes willen?

Ein gesegneter Zeuge Jesu entschied sich so: Ich war einst, "was die Gerechtigkeit betrifft, die durch das Gesetz kommt: einer, der sich ohne Tadel erwiesen hat. Doch die Dinge, die mir Gewinn waren, diese habe ich um Christus willen als Verlust betrachtet... und ich betrachte sie als eine Menge Kehrricht, damit ich Christus gewinne und in der Gemeinschaft mit ihm erfunden werde, indem ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz kommt, sondern jene, die aus dem Glauben an Christus kommt!" (Paulus in Phil. 3,6-9, NW-Übersetzung)

Verborgene Ursachen

Die Frage erhebt sich: Welche Hintergründe sind dafür verantwortlich, daß eine Religionsorganisation, die sich sonst bibeltreu gebärdet, dem entscheidenden Angebot Gottes die Annahme verweigert? Ist sie der Faszination erlegen, die von ihren eigenen Errungenschaften und Werken ausgeht? Oder ist die "Zeugen"-Bewegung gar hineingeraten in den Strudel neuzeitlich-rationalistischen Denkens?

Genau das ist der Fall! Beweise dafür gibt es in Hülle und Fülle; vor allem in der Literatur der Wachtturm-Gesellschaft selbst, und zwar von Anbeginn an.

Der Einfluß der weit verbreiteten Vemunftsgläubigkeit auf Russells "Schriftstudien" und die nachfolgenden Bücher ist mit Händen zu greifen.

Wie oft findet man diese Formulierung in alter und neuer Wachtturm-Literatur wieder: "Vernünftig scheint die Annahme, daß ..." An "Beweisen" fehlt es ihnen nicht, daß die Bibel durchaus "vernünftig" ist, daß dagegen christliche Lehren wie die von der Gottheit Christi der Vernunft, der Logik widerstreiten, und daß sie daher (trotz klarer Bibelworte) von "ernsten Bibelforschem" nicht angenommen werden können. Dagegen war es durchaus "vernünftig", die in der Bibel vorkommenden Zahlen nicht brach liegen zu lassen, sondern damit zu rechnen.

"Man bekam die Zukunft in den Griff, ja den ganzen "Plan Gottes". Seit der "Aufklärung", spukte die "vernünftige" Vorstellung von einer sinnvollen, auf ein großes Vollendungsziel ausgelegten Weltordnung Gottes in den Köpfen damaliger "moderner" Theologen. Die Weltgeschichte entwickelt sich auf ein herrliches Endziel zu, von dem her auch "dieser Zeit Leiden" ihren letzten Sinn bekommen. Solche Vorstellungen gehören denn auch zum Grundinventar der Bibelforscher-Bewegung. Noch mehr: "Plan Gottes" und Entwicklung auf das große Reich der "Wiederherstellung aller Dinge" hin werden zum neuen Evangelium: Ja, die Entwicklung ist schon im Gang! Man kann das sehen, und daß diese Sichtbarkeit nun "fällig" ist, kann man errechnen, und das hat man errechnet. Das eine bestätigt das andere: Der Entwicklungsgang die Berechnungen und die Berechnungen den Entwicklungsgang. Wie "vernünftig"!

Noch im Jahre 1916 ist C. T. Russell - trotz der Enttäuschung von 1914 - darin so gefangen, daß er sagen kann (Band 2 der "Schriftstudien, S. 6 im neuen Vorwort): Sechs große Tausendjahrtage sind seit Erschaffung der Welt zu Ende. Der siebente Tag, die 1000 Jahre der Herrschaft Christi, ist ihnen gefolgt. Er begann 1873. Und der Beweis? Wörtlich sagt er weiter: "Während dieser 43 Jahre sind nahezu alle Erfindungen unserer Tage gemacht worden. Die Nähmaschine, eine der ersten Maschinen, begann vor 43 Jahren ihre Vollkommenheit zu erreichen." Dazu haben wir "alle Arten von Maschinen ... und heimische Bequemlichkeiten im Überfluß". Diese verkürzen die Arbeitszeit "und beenden das Arbeiten im Schweiße des Angesichts, das die Bibel mit am Fluche identisch bezeichnet... Sicherlich bestätigt dies, ... daß wir in den siebenten Tausendjahrtag eingetreten sind", d.h. also in das Tausendjährige Reich Christi.

Der aufklärerische "Glaube an einen vernünftigen Weltenplan Gottes paart sich" mit amerikanisch-liberaler Fortschritts-, Entwicklungs- und Zukunftsgläubigkeit und dem Rausch des anbrechenden wissenschaftlichen Zeitalters, dessen "gewaltige" Errungenschaften (damals) er für Beweis genug hält, daß der Fluch von der Erde genommen wird - allmählich, entwicklungsmäßig! - und das Reich Gottes, das Paradies auf Erden Einzug hält:

"Allmählich verringern sich die Eiszonen (in den Polargegenden) ... Allmählich treiben Gletscher südwärts und lösen sich in wärmeren Gewässern auf. Allmählich wird der Fluch hinweggenommen, und Gottes Segen wird an dessen Stelle treten" (Das Foto-Drama der Schöpfung, 1914). Noch in den fünfziger Jahren konnte der Wachtturm - ganz im Sinne dieses Denkens - schreiben, daß der "Fluch von der Erde weggenommen" sei. Beweis: Es gibt "Landstriche von entzückender Schönheit"! und im 1924 erschienenen Werk "Der Weg zum Paradies" schwärmt die Wachtturm Gesellschaft von der Zeit des irdischen Königreiches (das damals gerade wieder ganz nahe bevorstand. Nach diesem Buch: 1925. Biblisch belegt, versteht sich!):

"Wenn jemand wünschen wird, Jerusalem zu besuchen und die Fürsten von Angesicht zu sehen..., werden vollkommene Fahrzeuge ... bereit sein..." "Stellt euch also vor, ihr wäret im Besitz eines Häuschens und Gartens. Da werdet ihr die Mitarbeit der besten Handwerker... zur Ausschmückung eures Heimes erbitten ..." Diebe und Einbrecher gibt es nicht mehr. Dafür Telefon und Auto! Welches Entzücken diese Errungenschaften dann bereiten, wird in dem Buch mit Begeisterung ausgemalt. "Es wird keine Herrschaften und Diener mehr geben". Klassenlose Gesellschaft! Technisch-zivilisiertes Paradies! (Belege zitiert aus "Der Weg zum Paradies", S. 216-223). Erinnern wir uns an die Begründung, die die heutige Wachtturm-Gesellschaft dafür bereit hat, daß die Masse der heutigen "Zeugen Jehovas" die Gerechtigkeit durch den Glauben an Christus nicht "benötiget"? - Weil sie "auf dem besten Wege" sein werden, "absolute Gerechtigkeit und Vollkommenheit im Fleisch zu erlangen"! Im Grunde sind sie ja schon auf dem Wege, denn seit 1914 ist das Königreich hier, der "neue Himmel aufgeschlagen" und seit 1919 die "neue Erde gegründet" - in Gestalt der Organisation der "Neuen-Welt-Gesellschaft" (Wachtturm-Buch "Neue Himmel und eine neue Erde", S. 225/ 226). Wozu also da noch die ärgerliche "Blut-Theologie" vom gekreuzigten Christus? Warum noch "zugerechnete Gerechtigkeit"? Dies alles ist überwuchert durch die Faszination, die von dem eigenen großen Werk ausgeht und von der Vision einer Entwicklung der Welt auf ein Zukunftsparadies der Erfüllung aller menschlichen Sehnsüchte.

Die Bibel kennt den Glauben an die Entwicklungsfähigkeit des Menschen und der Welt nicht. Nicht Entwicklung, sondern Bruch! Der Mensch wird nicht allmählich gebessert. Es bedarf einer neuen Geburt (Joh. 3,3.5). Nicht gradlinig weiterkultivieren kann er sich. Er muß umkehren (Luk. 24,47: Apg. 3,19). Und die bestehende Welt entwickelt sich nicht "allmählich" zum Reiche Gottes hin. Das Reich Gottes überfällt die alte Welt "wie ein Dieb in der Nacht". Es bricht herein. Es stürzt die alten Reiche! Die alte Erde wird nicht langsam veredelt. Gott schafft Neues! Durch einen neuen Schöpferakt: "neue Himmel und eine neue Erde"! Wer diesen Gegensatz sieht, der entdeckt, daß die Bibelforscher-Richtungen, soweit sie der Russellschen Prägung noch verhaftet blieben - auch die "Z J." -, ein merkwürdiger Wildwuchs sind, gewachsen auf dem Boden einer frühen Stufe "moderner", rationalistischer Theologie.

- Hans-Jürgen Twisselmann -

DIE GESALBTEN UND DIE NICHT-GESALBTEN ZEUGEN JEHOVAS

Schon Charles T. Russell und die Ernsten Bibelforscher hatten einen Unterschied gemacht zwischen den 144.000 Auserwählten und den übrigen Verkündern des Königreiches Christi, die einer "geringeren Gnade" teilhaftig werden sollten. In Übernahme dieser Lehre vertritt die "Wachtturm-Gesellschaft" heute wohl als einzige christliche Glaubensgruppe ein völlig unbiblisches Zwei-Klassen-System, das mit den folgenden Texten dokumentiert werden soll.

"Die wahre Kirche"

Wenn Wir ewig in Gottes neuem System leben möchten, müssen wir die wahre Kirche und ihr Fundament (Jesus Christus) anerkennen... Diese ist die "Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel eingetragen sind" (Hebräer 12,23).

Gott wählt die Glieder aus ... Sie bilden eine Gruppe von Personen, die aus der geistigen Finsternis zu einem besonderen Zweck berufen worden sind. Solange sie auf Erden sind, verkündigen sie weit und breit "die Vorzüglichkeiten" Gottes, des Höchsten, der sie in sein wunderbares Licht berufen hat (l. Petr. 2,9 f). Und nach ihrer Auferstehung werden sie das großartige Vorrecht erhalten, mit Christus in seinem himmlischen Königreich zu regieren (Lukas 22, 28-30) ... Jesus zeigte, daß längst nicht alle, die sich zum Christentum bekennen, zu dieser Kirche gehören, sondern nur 144.000 ... Die ersten Glieder der wahren Kirche waren alles Juden oder Personen, die zur jüdischen Religion übergetreten und beschnitten waren. Zu Pfingsten - zehn Tage nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war und den Weg dafür freigemacht hatte, daß ihm andere zur bestimmten Zeit folgen können - zeigte Jehova durch die Ausgießung des heiligen Geistes an, daß er diese Glieder ausgewählt hatte. Weil sie bei jener Gelegenheit den Geist empfangen hatten, wußten sie, daß sie nun geistige "Söhne Gottes" und wie Christus "Erben des Königreichs" waren.

Aber nicht nur Juden wurden Glieder der wahren Kirche. Dreieinhalb Jahre nach Jesu Tod erhielten die Heiden die Gelegenheit, ebenfalls Glieder der Kirche zu werden (Apg. 10, 33 ff). Im Laufe der Zeit gehörten Personen der verschiedensten Nationalität zur wahren Kirche ...

Eine Kirche entspricht nur dann der in der Bibel beschriebenen wahren Kirche, wenn ihre Glieder in der Anbetung geeint sind ... Die Bibel berechtigt somit nicht zu der Erwartung, die Glieder der wahren Kirche in all den vielen gegensätzlichen Religionsgemeinschaften der Christenheit zu finden. Sie müssen in einer einzigen Organisation vereinigt sein. In Epheser 4,4 f steht über sie geschrieben. "Da ist ein Leib ... ein Herr, ein Glaube."

Es ist für uns lebenswichtig, diesen "einen Glauben" zu kennen ...

Die Bibel sagt voraus, daß zur Zeit der Errichtung des Königreiches Christi nur noch ein Überrest der Kinder "Jerusalems droben", der himmlischen Organisation Gottes auf Erden sei (Offb. 12, 17).

Jesus beschrieb diese Glieder seiner Kirche auf Erden als einen "treuen und verständigen Sklaven". Er sagte auch, daß alle, die ihm (Jesus) treu dienen, wenn er zum Gericht käme, "über seine ganze Habe" gesetzt würden, das heißt über alle irdischen Belange des Königreiches Christi. Sie würden in der "Zeit des Endes" in dem Werk, durch das allen Nationen die gute Botschaft vom aufgerichteten Königreich verkündet wird, führend vorangehen (Matth. 24, 45-47; 25, 19-23). Alle heute lebenden Menschen, die hoffen, ewiges Leben in Gottes neuem System zu erlangen, müssen diese Einrichtung anerkennen, denn Jesus sagte, er werde in der "Zeit des Endes" alle, die seinen auf Erden übriggebliebenen "Brüdern" oder "Miterben" Gutes tun, auf die Seite seiner Gunst stellen (Matth. 25, 31-40).

(Aus: "Die Wahrheit, die zum ewigen leben führt", 1968, S. 114-121)

Die "große Volksmenge" der "Fremdlinge" Jehova machte die Glieder des gesalbten Überrestes des einstigen Israel zu seinen Zeugen. Er befähigte sie durch seinen heiligen Geist, in der ganzen Welt Zeugnis abzulegen. Auf diese Weise lernten die Nationen und Völker die "Nachkommenschaft" kennen, "die Jehova gesegnet hat" (Jesaja 61,9). Die Völker und Nationen an sich erwiesen Jehovas gesalbtem Überrest nicht die gebührende Anerkennung. Einzelpersonen taten dies jedoch ... Nachdem sie sich überlegt hatten, was ihre Entscheidung und ihre Handlungsweise für sie mit sich bringen würde, kehrten sie dem verunreinigten und verfallenen Weltsystem den Rücken und schlössen sich - besonders seit dem Frühling des Jahres 1935 - Jehovas sichtbarer Organisation an. Sie, die nicht zu der "Nachkommenschaft, die Jehova gesegnet hat", gehören, bildeten nun eine "große Volksmenge" ... Sie konnten Gott natürlich nicht als geistige Israeliten dienen: aber sie hatten den ehrlichen Wunsch, dem gesalbten Überrest bei der Verkündigung ... zu helfen. Sie ließen sich daher als Gott hingegebene Nachfolger Jesu Christi taufen und begannen, zusammen mit den geistigen Israeliten Gott zu dienen. - Diese Personen sagen dem Sinne nach zu denen der Verheißung: "Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, daß Gott mit euch ist" (Sach. 8,23). So gehen sie mit den Gliedern der wahren Kirche, die treu in Christi Fußstapfen wandeln und die Botschaft vom Königreich verkündigen, und dienen Gott gemeinsam mit ihnen. -

Demzufolge sieht der gesalbte Überrest zu seiner Freude, wie sich an ihm die Worte aus Jesaja 61,5 erfüllen: "Und Fremde werden dastehen und eure Herden hüten, und die Ausländer werden eure Landwirte und eure Winzer sein." Diese aus "Fremden" und "Ausländern" bestehende "große Volksmenge" betrachtet es demütig als eine Ehre und ein Vorrecht, mit denen, die in Jesaja 61,6 als die "Priester Jehovas und die Diener Gottes" bezeichnet werden, gemeinsam im geistigen Paradies zu dienen. Sie wissen, daß sich die von Jehova Gott so bezeichneten gesalbten Christen in seinem geistigen Tempel auf geistige Dinge spezialisieren müssen. Sie freuen sich daher, den gesalbten Überrest zu entlasten, indem sie ihm Hilfe leisten ... (Aus: "Der Wachtturm" 18/1978, S. 27 f; "Die Wahrheit,...", S. 121)

Der neue Bund und die Vermittlung seiner Segnungen

Jesus Christus ist also im Himmel und dient dort als Mittler zwischen Gott und den geistigen Israeliten. - Der Ausdruck "Mittler" kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur sechsmal vor und wird in der Bibel stets in Verbindung mit einem feierlichen Bund gebracht. Moses war der Mittler des Gesetzesbundes, der zwischen Gott und dem Volk Israel geschlossen wurde. Christus ist der "Mittler eines neuen Bundes". -

Paulus sagte: "Da ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und Menschen (nicht: allen Menschen!), ein Mensch, Jesus Christus, der sich selbst als ein entsprechendes Lösegeld für alle hingegeben hat" (1. Tim. 2,5 f). Paulus berücksichtigte (hier) die Tatsachen, wie sie im Christentum des ersten Jahrhunderts gegeben waren, nachdem der neue Bund wirksam geworden war. In diesem Bund waren bereits "Menschen" aller Nationalitäten - Juden, Samariter und unbeschnittene Nichtjuden -aufgenommen worden, die zu Gliedern des geistigen Israels gemacht worden waren. Christus Jesus war der Mittler dieses neuen Bundes. Somit ist er in streng biblischem Sinne nur für gesalbte Christen der "Mittler". -

Bei dem Brief des Paulus an Timotheus handelt es sich also um den Brief eines "Dieners des neuen Bundes" an einen anderen "Diener des neuen Bundes". Dieser Bund zwischen Gott und dem geistigen Israel besteht so lange, wie geistige Israeliten als "Menschen" auf Erden leben. Der Bund ist also heute noch rechtswirksam. Das "entsprechende Lösegeld für alle" bedeutet: Jesus schuf für Männer und Frauen aller Arten die Voraussetzung, geistige Israeliten zu werden und in den neuen Bund aufgenommen zu werden, dessen "einer Mittler" Christus Jesus ist. -

Der neue Bund wird mit der Verherrlichung des Überrestes enden, der heute in diesem Bunde steht. - Wenn die letzten der geistigen Israeliten ihr Dasein als "Menschen" beenden, das heißt wenn sie sterben, auferweckt werden und in das himmlische Königreich eingehen, dann ist Jesus Christus auch l*ein Mittler mehr. Sie werden das ererbte sündhafte Fleisch, das einen Mittler zwischen ihnen und dem Gott erforderte, zurücklassen. Deshalb werden sie, wenn sie im Himmel verherrlicht sind, wie die heiligen Engel keinen Mittler benötigen. - Die aus "anderen Schafen" bestehende "große Volksmenge", die heute gebildet wird, steht nicht im neuen Bund. Dadurch aber, daß sie mit der "kleinen Herde", d.h. mit denen, die noch in diesem Bund stehen, verbunden ist, fließen ihr die Segnungen aus dem neuen Bund zu. - Sie ziehen Nutzen aus der Wirksamkeit des neuen Bundes, und zwar genauso, wie im alten Israel der "als Fremdling Ansässige" Nutzen daraus zog, daß er inmitten der Israeliten wohnte, die unter dem Gesetzesbund standen. (Aus: "Der Wachtturm" 4/1980, S. 24-27; 15/1979, S. 31 f)

- rei -

DAS ZWEI-KLASSEN-SYSTEM DER ZEUGEN JEHOVAS

Daß die "Wachtturm-Gesellschaft" die Zeugen Jehovas über alle anderen Christen hoch erhebt und über sie die positivsten Aussagen macht, versteht sich von selbst. Sie sind auf Erden die einzigen wirklichen Zeugen Gottes, denn nur sie verkündigen seinen wahren Namen und vertreten die rechte Anbetung Jehovas. Er selbst hat sie als eine "Theokratische Organisation" gegründet. Das heißt, sie sind nicht von Menschen abhängig, sondern stehen völlig unter Gottes Herrschaft und werden allein nach seinem Willen geführt. Deshalb werden sie als einzige die "große Drangsal", die in Kürze hereinbrechen wird, und deren Höhepunkt, die "Schlacht von Harmagedon", überleben und werden danach der vielfältigen Segnungen des "neuen Systems der Dinge" teilhaftig werden.

Diese Aussagen scheinen eindeutig zu sein. Und in der Tat stellen die Zeugen Jehovas eine einheitliche, streng zentralistisch geführte Glaubensorganisation dar. Besonders Außenstehenden und Neulingen gegenüber wird betont, daß es hier keine privilegierten Schichten gibt, vor allem keine Kaste der Priester oder Geistlichen. Jeder ist jedem "Bruder" oder "Schwester" und tut sein Werk allein um Jehovas willen, nicht um seines persönlichen Ansehens oder um eines Gewinnes willen. Aus diesem Grund übersieht man leicht, daß innerhalb der Wachtturm-Organisation zwei Klassen von Zeugen Jehovas klar unterschieden werden. Man könnte sie benennen als die Klasse der eigentlichen Zeugen Jehovas und jene der sonstigen Zeugen Jehovas. Es handelt sich hierbei keineswegs nur um ein theoretisches Stück der Lehre. Vielmehr scheint offensichtlich an diesem Punkt ganz unmittelbar und existentiell das Selbstverständnis einer bestimmten Gruppe von Zeugen Jehovas tangiert zu sein. Sonst wäre dieses Thema wohl schwerlich in jüngster Zeit wieder so stark hervorgehoben worden, wie man dies aus zahlreichen "Wachtturm"-Artikeln ersehen kann.

Historisch nachweisbar

Der Grund für die Unterscheidung der wahren Anbeter Jehovas in zwei "Klassen" ist historisch nachweisbar. Charles T. Russell, der Gründer der Bewegung der Ernsten Bibelforscher (die sich seit 1931 "Jehovas Zeugen" nennen), hat die 144.000 "Überwinder", die nach Offb. 14, 1-5 dem Lamme nachfolgen und den "Namen seines Vaters" (Jehova) an ihrer Stirn tragen, stets im streng numerischen Sinn verstanden - worin ihm die Zeugen Jehovas bis heute gefolgt sind. Seit Pfingsten, so lehrte er, habe Gott immer wieder wahrhaft Gläubige zu dieser auserwählten Schar hinzugetan. So bestand das ganze "Evangeliuszeitalter" hindurch die "wahre Kirche" mit jeweils relativ wenigen "treuen Knechten Gottes" - bis 1881. Im Oktober dieses Jahres war nach Russells Überzeugung die Berufungszeit abgeschlossen, das heißt, die Zahl der 144.000 war nun erfüllt. Aber das Jahr 1881 hat sich nicht als apokalyptisches Abschlußjahr erwiesen, im Gegenteil, immer mehr Ernste Bibelforscher stießen zur Bewegung, so daß das beschränkte Limit für die "Auserwählten" überschritten schien. Es mußte ein Ausweg gefunden werden, wenn Russell sein apokalyptisches System nicht wieder über den Haufen stoßen wollte. Dazu kam, daß es in einigen Reihen zunehmend auch zögernde und "laue" Bibelforscher gab.

So lehrte Russell - etwa im Band III seiner "Schriftstudien" (geschrieben 1890) -, daß das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen, Matth. 25,1-13, nicht nur allgemein zwei Gruppen von Christen vor Augen führe. Es spreche vielmehr eine in den letzten Tagen - eben seit 1881 - stattfindende Scheidung an zwischen den "Klugen", die rechtzeitig dem endzeitlichen Ruf gefolgt sind und die mit Ernst ihren Dienst ausführen (sie werden als "Brautklasse", die unmittelbar bei Christus ist, bezeichnet), und den "Törichten", die zwar auch dem Ruf folgten, die also ebenfalls in der göttlichen Gnade stehen und gerettet werden, die aber Nachkömmlinge oder Schwächlinge sind und deshalb ins Innere des hochzeitlichen Hauses nicht gelangen können. Die Tür wurde ihnen verschlossen. Seitdem gab es für Russell eine "höhere" und eine "zweite Klasse Geretteter". Letztere müssen noch einige Zeit der Läuterung durchmachen; sie müssen "durch viel Trübsal hindurch", bis sie im Millenium, im kommenden Tausendjahrreich, "das herrliche Land der Ruhe sehen werden, das segensreiche und ewige Erbteil eines erlösten und wiederhergestellten Geschlechts". Diese Lehre von den zwei Klassen mag damals noch nicht so viel Gewicht gehabt haben wie in späterer Zeit, denn man lebt ja auf das Endjahr 1914 hin; und zudem war die Bibelforscher-Bewegung noch keineswegs so groß und geschlossen wie dann unter der Herrschaft der späteren Organisation. Als Joseph Rutherford, der zweite Präsident der "Wachtturm-Gesellschaft", 1919 seine nach der Verfolgung der letzten Jahre noch übrig gebliebenen Anhänger sammelte, konnte er überzeugt sein, den treuen Überrest der Brautklasse zusammenzuführen. So wird es zumindest heute dargestellt. Ab 1931 aber wurde der Verkündigungsdienst von Haus zu Haus kräftig angekurbelt und das Werk nahm stark zu. Da verkündigte Rutherford auf dem großen Zeugen-Jehovas-Kongreß des Jahres 1935 in Washington ein "neues Licht", was allerdings jener Erkenntnis Russells, von der soeben die Rede war, auffallend ähnelte: Rutherford führte aus, daß sich das berühmte Gleichnis Matthäus 25, 31-46 nicht auf das Weltgericht beziehe, in dem die "Schafe", d.h. die gläubigen Christen, von den ungläubigen und lieblosen Böcken geschieden werden. Vielmehr deute es einen erneuten Ruf Jehovas an, der nun erschalle und der eine endzeitliche Einsammlung der "Schafe" bedeute. "Jesus hatte die Gabe der prophetischen Vorausschau empfangen", sagt "Der Wachtturm" hierzu (20/80, S. 25), "und er konnte daher das Gleichnis von den Schafen und Böcken erzählen, wenngleich es erst 1900 Jahre später Wirklichkeit werden sollte." Im 7. Kapitel der Offenbarung des Johannes seien diese "Schafe" dann als "große Volksmenge", die aus allen Nationen kommt, bezeichnet: Im Text werde ganz deutlich unterschieden zwischen den 144.000, die "zuerst" versiegelt werden (Vers 3), und der großen Schar, die "danach" (Vers 9) vor den Thron Jehovas zieht. Jetzt sei die Zeit, diese "Schafe" einzusammeln.

Die Wirkung dieser Botschaft entsprach genau der Abzweckung: es wurde ein großer Aufschwung des Werkes erzielt, und doch blieb die Vorrangstellung der früheren Zeugen Jehovas, die durch Verbot und Verfolgung gegangen waren, unangetastet.

Diese Lehre Rutherfords wird in unseren Tagen nun erneut aufgegriffen, wobei nach wie vor ein betonter Unterschied zwischen beiden Klassen gemacht wird.

Die Gegenüberstellung

Die 144.000, die den Namen Christi und das "Siegel des lebendigen Gottes" tragen (Offb. 7, 2-8), haben die "himmlische Berufung" und die "Salbung des Geistes" (2. Kor. l, 21 f; l. Joh. 2, 20).

Daher werden sie die "gesalbte Königreichsklasse" genannt, denn nach Lukas 12, 32 wird diese "kleine Herde ... das Reich erben".

Die Gestalt des "treuen und verständigen Sklaven" (im Gleichnis Matth. 24, 45 ff), den Jesus "über seine ganze Habe setzt", bezieht sich auf diese Klasse. Die Angehörigen dieser "Sklavenklasse" sind die eigentlichen Erben der Verheißung: sie sind das "Volk seines Namens", die "heilige Nation", die im alten Bundesvolk Israel vorgebildet war. Hesekiel 11,17-20 bezieht sich auf sie. Sie sind zu "Priestern und Königen" bestimmt (Offb. l, 5 f; l. Petr. 2,9). Im Tausendjährigen Reich werden sie zusammen mit Christus "vom Himmel aus" herrschen (Offb. 20, 4,6).

Die weitaus überwiegende Zahl der heute etwa... (4 Millionen) zählenden Zeugen, die "loyal zu Jehovas Königreich stehen", gehört zur "großen Volksmenge" (Offb. 6, 9 ff). Sie sind "die anderen Schafe" (Joh. 10,16), die außerhalb der eigentlichen Herde stehen (Wachtturm 20/80, S. 26). Sind die erstgenannten "geistiger Natur", nämlich durch Gottes Geist gezeugt, so sind sie "irdischer Natur", und "Der Wachtturm" betont, daß beides "völlig verschieden" sei (1/80). Sie sind nicht "auserwählt" und

nicht "geistgezeugt"; sie gehören dem "geistigen Samen Abrahams" nicht an (13/80, S. 26; 20/80, S. 24) und tragen nicht "den Namen Jesu und den Namen seines Vaters". Sie sind keine "geistigen Israeliten", wie die anderen genannt werden, sondern "geistige Nicht-Israeliten" (20/80, S. 26). Sie stehen nicht im Neuen Bund, und deshalb ist Christus für sie kein Mittler (15/79, S. 31 f). Die Hoffnung dieser großen Volksmenge kann nur eine "irdische Hoffnung" sein: ihr wird in der neuen Ordnung nach Harmagedon die "gereinigte Erde" (Offb. 21,1) zugewiesen. Diese wird paradiesisch sein (Offb. 7,16). In einem "irdischen Vorhof' des himmlischen Tempels werden die Glieder der großen Volksmenge Gott "heiligen Dienst" darbringen (22/80, S. 20 f). Ihnen werden sich dann die im Millenium Auferweckten und Erlösten anschließen. Und wenn sie auch die letzten Prüfungen am Ende der tausend Jahre durchgestanden haben und dem "zweiten Tod" entronnen sind, dann haben sie ewiglich in "Erden" leben.

So weit die Lehre von den beiden "Klassen" Sehr deutlich kommt in ihr das gesteigerte Selbstbewußtsein einer Kerngruppe zum Ausdruck, die sich von den übrigen abheben will. Sie war zuerst da; viel später - nach heutiger Darstellung erst seit 1935 - hat sich ihr die große Menge der "anderen Schafe" angeschlossen. Alles, was rechte Zeugen Jehovas sind und tun, wird im Grunde nur über diese Kerngruppe der "Gesalbten" ausgesagt. Die anderen unterstützen sie lediglich. "Sie unterstützen die Gesalbten in der Stellung, die diese einnehmen", formuliert "Der Wachtturm" ausdrücklich (1974, S. 196 f).

Das bedeutet zweierlei. Einmal wird die dienende Stellung der "anderen Schafe" betont. "Sie tun den geistigen Brüdern Jesu Gutes, sie besuchen sie in der Zeit der Not und unterstützen sie" (Aid to Bible Understanding, S. 1077). Deutlich wird hier das Gleichnis Matthäus 25, 31-46 auf die beiden Klassen hin interpretiert: "Was ihr diesen meinen geringsten Brüdern getan habt...", soll darauf hinweisen, daß die "anderen Schafe" den "geistigen Brüdern Jesu" zu dienen haben. Zum anderen wird deutlich, daß die "große Volksmenge" nicht direkt von Jehova Gott oder von Jesus Christus gesegnet wird; vielmehr wird sie gesegnet durch das Handeln Gottes an seinen erwählten und gesalbten "Söhnen" (Rom. 8,14-17). Die Gottesverbindung ist also gestuft: Wie Christus unmittelbar mit dem Vater verbunden ist, so steht die himmlische Klasse bzw. deren Überrest in enger Gemeinschaft mit Christus. Die zu dieser Klasse Gehörigen sind "Brüder Christi" und seine "Miterben" (Rom. 8,17, 28 f). Die "große Volksmenge" aber muß sich an diese Erwählten halten.

"Dadurch... fließen ihr die Segnungen aus dem Neuen Bund zu" (l 5/79, S. 32). Die Zeugen Jehovas, die zu ihr gehören, sind also nur Empfangende und Teilhabende; "irdische Nutznießer" aus der Wirksamkeit des Bundes, in dem jene stehen. So wie im alten Israel die "Fremdlinge" Nutznießer des Gottesbundes waren (4/80, S. 27). Alles, was sie tun, können sie nur in Verbindung mit der himmlischen Klasse tun. Es fällt auf, daß immer nur ihr Dienst, ihre Verbindung mit dem Königreich und dem gesalbten Überrest angesprochen wird, nicht aber auch ihr Einsatz in solchem Glauben gerühmt wird. Ihre Treue und ihre Opfer bleiben im Schatten der Verdienste der höheren Klasse. Wie viele Hunderttausende "andere Schafe" haben die anfänglichen Bibelforscher, die selbstverständlich zum "gesalbten Überrest" gerechnet werden, übertroffen in ihrem Einsatz und auch in ihrem Märtyrertum! Man denke nur an die Verfolgung im NS-Deutschland. Aber solche gebührend herauszustellen, würde ganz offensichtlich ein Tabu anrühren. Weitaus am härtesten ist der Unterschied zweier Klassen bei der Neuregelung der Abendmahlspraxis zum Ausdruck gekommen., die im Frühjahr 1938 getroffen wurde. Seitdem nehmen nur Mitglieder des "gesalbten Überrestes" beim "Gedächtnismahr' (14. Nisan) von den Elementen Brot und Wein. Denn die aktive Teilnahme am Mahl ist nur den "Söhnen Gottes", den "geistigen Brüdern Christi" vorbehalten. Die anderen sind aufgefordert, wie Fremdlinge "ehrerbietige Beobachter" des Gedächtnismahles zu sein (4/80, S. 27). Die entscheidende Frage ist nun: Wer gehört zum gesalbten Überrest der Königreichsklasse? Gerade dies bleibt in der Schwebe! Es ist nicht so, daß die Funktionäre der Wachtturm-Organisation lediglich auf Grund ihrer Stellung dazugehören würden. Ebensowenig die Vollzeitverkündiger, die "Pioniere". Auch sind es nicht nur die Älteren, die das "Zeichen" der Aufrichtung des Königreiches im Jahre 1914 noch miterlebt haben. "Mit dem Einsammeln der großen Volksmenge hörte das Einsammeln... der Zweige, die würdig waren, ein Teil des Christus, des 'Weinstockes' zu werden, nicht auf", heißt es im "Wachtturm"(10/80,S. 21). Wer darf sich also zu den Himmlischen rechnen? Offensichtlich muß jeder einzelne dieses "Zeugnis" von Jehova Gott selbst erhalten. Immer, wenn die Sprache auf diesen Punkt kommt, wird der Hinweis auf jene gegeben, die beim Gedächtnismahl von den Elementen nehmen. Die Frage, wer sie dazu legitimiert hat und warum gerade sie es tun, während sie viele andere Zeugen Jehovas es nicht tun, wird nicht gestellt. "Es gibt immer noch... (fast 9.000) Personen, die bekennen, als geistige Israeliten unter dem Neuen Bund zu stehen ... Offensichtlich hat der Neue Bund seinen Zweck nun bald erfüllt", liest man im "Wachtturm" (4/80, S. 26). Das deutet Erwartung an, daß die Zahl abnimmt, damit endlich das Millenium anbrechen kann.

... (3,2) Millionen Zeugen Jehovas gehören einer zweitrangigen Glaubensklasse an! Und all die herrlichen Verheißungsworte sind für sie nicht bestimmt, die doch nach dem biblischen Evangelium allen gelten, die sich Christus anvertrauen - ohne auch nur die geringste Andeutung einer klassenmäßigen Differenzierung! ... - rei -

GESPRÄCHE MIT ZEUGEN JEHOVAS

Immer wieder erreichen uns Anfragen, wie man am besten reagieren und argumentieren kann, wenn Zeugen Jehovas vor der Tür stehen oder uns auf Straßen und Plätzen ansprechen.

Wir eröffnen in dieser CV-Ausgabe eine neue Artikelserie, in der wir allen, die in diese Situation geraten, Hinweise geben, wie sie, wenn sie das Gespräch wollen, es führen können.

Da die Zeugen meinen, die beste Bibelauslegung zu haben, sie nennen sie die "Wahrheit", ist der Schwierigkeitsgrad der Antworten von den Zeugen vorgegeben.

Besonders wichtig ist es, die Gesprächsführung zu übernehmen und sie nicht aus der Hand zu geben. Dem Zeugen Jehovas muß klar gemacht werden, daß ja er das Gespräch angefangen hat, daß ja er etwas will und daß er deshalb sich gefallen lassen muß, daß Sie die Gesprächsinitiative an sich ziehen. Gibt er zu erkennen, daß er damit nicht einverstanden ist, brechen Sie freundlich aber bestimmt das Gespräch ab.

Wir werden jeweils ein Thema behandeln.

Darüber hinaus können aber jederzeit weitere Anfragen an uns, bzw. den Autor der "Gesprächshilfe" gerichtet werden.

In den "Gesprächshilfen" werden aus Platzgründen folgende Abkürzungen gebraucht:

Z: = Zeuge Jehovas

G: = Gesprächspartner/in

Gesprächshilfe zum Namen "Jehovas"

Z: Der Name Gottes ist Jehova.

G: Auch ich weiß, daß Gott sich in der Bibel mit einem Namen vorstellt, der in hebräisch mit dem Tetragramaton JHWH geschrieben wird.

Auch unser Herr Jesus Christus lehrte uns im Vaterunser: "Dein Name werde geheiligt."

Ich weiß, daß das bei Ihnen ein wichtiger Lehrpunkt ist. Ich will ihn Ihretwegen auch wichtig nehmen uns Sie darüber zu einer Bibelbetrachtung einladen.

Was meinen Sie - wer trägt den Namen Jehovas oder Jahwe zu Recht?

Z: Natürlich der höchste Gott und Vater im Himmel. Jesus Christus hat andere Namen, z.B. Logos, Christus oder auch Erzengel Michael. Gerade durch diesen Namen unterscheidet sich der Vater von allen anderen. (Er wird vielleicht Psalm 83,18 zitieren.)

G: Ist dieser höchste Gott, der diesen Namen trägt, je auf Erden erschienen und hat er sich dabei mit diesem Namen vorgestellt?

(Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Zeuge dies verneinen. Nun sollte man den Zeugen einladen, seine Neue-Welt-Übersetzung zu gebrauchen und 1. Mose 18, 1-3 zu lesen.) "Danach erschien ihm Jehova unter den großen Bäumen Mamres während er die Zeit der großen Hitze des Tages am Zelteingang saß. Als er seine Augen erhob, da schaute er und dort standen in einiger Entfernung von ihm drei Männer. Als er sie erblickte, begann er ihnen vom Zelteingang her entgegenzulaufen und beugte sich dann zur Erde nieder. Dann sprach er: Jehova, wenn ich nun Gunst gefunden habe in deinen Augen, so gehe bitte nicht an deinem Knecht vorüber. Man hole ein wenig Wasser..."

G: Wir lasen eben, daß Abraham von drei Männern besucht wurde und einen davon sprach er mit dem Namen Jehova an. Einer von den dreien müßte ja dann Jehova gewesen sein. Dies bestätigend lesen wir im 22. Vers desselben Kapitels: "Hier nun wandten sich die Männer von dort weg und begaben sich auf den Weg nach Sodom. Was aber Jehova betrifft, er stand noch vor Abraham."

Was den Vatergott betrifft, wissen wir, daß ihn noch nie jemand sah. Dies lesen wir in Joh. 1,18; Joh. 6,46: (Diese Stellen mit ihm lesen.) Jetzt unbedingt darauf beharren:

G: Wer war dieser Jehova, den Abraham sah und dessen Stimme er hörte ???

Z: Es war der Engel Jehovas.

G: Ich erinnere mich, daß Sie vorhin sagten, Jehova allein trage diesen Namen und unterscheide sich dadurch von allen anderen. Ich möchte Sie fragen: Warum sagte der Engel Jehovas nicht zu Abraham: "Du darfst mich nicht mit Jehova anreden. Ich bin nur sein Engel." Dies tat der Engel aber nicht. Woher hatte der Engel das Recht, diesen Namen auf sich zu beziehen? Er hätte ja Abraham verleiten können, ihn anzubeten (siehe Offenb. 22, 8-9).

Aus der Bibel geht hervor, daß Engel Jehovas, wenn sie in einem Auftrag Gottes den Menschen erschienen, sich mit ihrem eigenen Namen vorstellten, zum Beispiel in Daniel 8,16; Daniel 9,21; Lukas 1,19 und Lukas 1,26.

Was meinen Sie - wer könnte es gewesen sein, der die Erlaubnis vom Vater hatte, sich in seinem Namen vorzustellen?

Z: ???

G: Bei uns Menschen ist es doch so, daß der Sohn den Familiennamen des Vaters tragen darf und sich ebenfalls mit diesem Namen vorstellt.

Könnte dies in der Familie Gottes nicht auch der Fall sein? Ich meine, daß der Sohn Gottes den Namen auch tragen durfte. Betrachten wir nochmal die Begebenheit mit Abraham. Als dieser von drei Männern Besuch bekam, da waren es drei Personen, die als Boten eine Botschaft an Abraham hatten. In der Funktion ihres Auftrages waren alle drei gesandt worden. Sie waren alle drei Boten oder Engel. Aber nur einer sagte - oder ließ es gelten - daß er Jehova sei. Als Abraham sich vor ihm zur Erde niederbeugte, da wehrte er nicht etwa mit den Worten "Steh auf, ich bin nur ein Engel. Anbetung gebührt nur Jehova." Er wurde mit Jehova angesprochen und verneinte es nicht. Von diesem besonderem Engel, der als Jehova vor Abraham stand und redete, lesen wir in 2. Mose 23, 20-21: "Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, um dich auf dem Weg zu bewahren und dich an den Ort zu bringen, den ich bereitet habe. Nimm dich in acht seinetwegen und gehorche seiner Stimme. Benimm dich nicht rebellisch gegen ihn, denn er wird euere Übertretung nicht verzeihen; denn mein Name ist in ihm."

Auch in Maleachi 3,1 wird der Herr als Bundesengel oder Bote des (neuen) Bundes bezeichnet.

Nach dieser Aussage wohnte der Name des Vaters in diesem besonderen Engel, der dadurch die Erlaubnis hatte, sich mit dem Namen Jehova zu nennen.

Die Verse 22-23 sagen weiter, daß dieser besondere Engel vor ihnen hergehen und die kanaanitischen Völker vertreiben wird. Wer war dieser Engel, der Israel aus Ägypten führte, gegen den sie manchmal rebellierten und der sie strafte? Der Apostel Paulus gab auf diese Frage den Christen in Korinth die Antwort, die Sie doch akzeptieren werden. Nach der genauen Interlinear-Übersetzung heißt es im 1. Kor. 10,4: "Und alle denselben geistlichen Trunk getrunken haben; sie tranken nämlich aus dem geistlichen nachfolgenden Felsen; der Felsen aber "war Christus".

Die Neue-Welt-Übersetzung sagt nicht "war" der Christus, sondern "bedeutete" den Christus.

Also war es doch der Logos, der als einziger Gesandter des Vaters, als Bote oder Engel (Bote heißt Engel), der mit dem Namen Jehova der Heilige Israel war, der Israel aus Ägypten befreite und von seinem Volk weit über tausend Jahre angebetet wurde.

Z: Halt! Die Israeliten beteten Jehova, den Vater Logos an.

G: Die Juden, die mit Jesus stritten, meinten das auch, aber Jesus Christus sagte ihnen in Joh. 14,6: "Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Und in Joh. 8:54 sagte er: "... Mein Vater ist es, der mich verherrlicht, von dem ihr sagt,

er sei euer Gott."

Das sagten die Juden damals und es war ihre Meinung. Das entsprach aber nicht den Tatsachen. Denn in ihrer Sündhaftigkeit und den nicht genügenden Tieropfern konnten sie niemals versöhnt vor dem höchsten und allerheiligsten Vater in ihrer Anbetung stehen.

Im Einverständnis mit dem Vater war der Logos der Heilige Israels, ihr Gott.

Sie kamen in ihrer Anbetung nur bis zu ihm. Wenn die Juden in ihrer Anbetung im alten Bund schon beim Vater gewesen wären, hätte Jesus nicht gesagt: "Niemand kommt zum Vater außer durch mich!"

Sie als Zeuge Jehovas meinen auch, schon vor Jehova angelangt zu sein. Ihre Theologie ist hier ziemlich jüdisch.

Z: Wir beten im Namen Jesu zu Jehova, und zwar zu dem, von dem wir in 2. Mose 3,15 lesen:

"Dies sollst du zu den Kindern Israels sagen: Jehova, der Gott eurer Vorväter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs hat mich zu euch gesandt. Dies ist mein Name auf unabsehbare Zeit."

Zu diesem Jehova beten wir im Namen Jesu Christi! G: In 2. Mose im 3. Kapitel wird die Erscheinung Jehovas im Dornbusch und das anschließende Gespräch mit Mose berichtet. Im Vers 6 stellt sich dieser Jehova als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs vor. Wissen Sie, daß Ihre eigene Literatur diesen Jehova im Dornbusch als den Logos und späteren Jesus Christus anerkennt, also den Sohn, und nicht den himmlischen Vater?

Ich zitiere aus dem Buch "Das Königreich ist herbeigekommen", das ihre Organisation herausgegeben hat: "Zweifellos ward er Engel, der Mose im brennenden Dornbusch erschien, das Wort, der Sohn Gottes." (S. 92, Abs. l letzter Satz)

Wenn derjenige, der Moses im Dornbusch erschien, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs war, dann hatten die Juden genau diesen als ihren Gott weit über tausend Jahre angebetet. Ihre Lehre und Organisation verbietet aber die Anbetung des Wortes und Sohnes Gottes, der jetzt Christus genannt wird. Im Wachtturm vom 15. Dezember 1984 lesen wir auf Seite 7 Folgendes:

"Außerdem hat das Weihnachtsfest dazu beigetragen, daß man Jesus an Stelle seines Vaters, Jehova Gott, anbetet. Das ist eine weitere Form des Götzendienstes, da der verherrlichte Herr Jesus Christus der Anfang der Schöpfung Gottes ist." So weit kommen Sie mit Ihrer Wachtturm-Theologie, daß sie den heiligen Gott Israels als Götzen bezeichnen, wenn er angebetet wird.

Spätestens hier merkt man doch, daß bei ihnen etwas falsch läuft.

Z: Man darf doch keine zwei Götter anbeten; das wäre ja Vielgötterei.

G: Sie sehen das Problem immer noch von einem verkehrten Blickwinkel. Der Vatergott kam nicht selbst zu Israel, um sein Gott zu sein und den die Israeliten dann auch nur allein anbeten durften. Nein!

Dieser blieb in seiner heiligen Reinheit und gab sich nie mit Sündern ab. Christus muß die Sünder erst reinigen und mit ihm versöhnen, dann erst kam man zum Vater. Es wird eine Zeit kommen, in der der Vatergott direkt allen alles sein wird. (l. Kor. 15,28)

Bis dahin werden noch mindestens 1.000 Jahre vergehen. Der Vater sandte seinen Sohn im neuen Testament, aber auch schon in der Zeit des alten Testaments war er der Vertretergott anstelle des Vaters.

Dieser durfte mit der Erlaubnis des Vaters auch die Anbetung Israels entgegennehmen, weil er der vom Vater für sie bestimmte Gott war.

Als dieser in den zehn Geboten sagte: "Du sollst keine fremden Götter neben mir haben (oder keinen Gott außer mir)", da war nicht vom Vatergott die Rede, denn dieser kam wegen seiner Hochheiligkeit als Gott für sein sündiges Volk gar nicht in Betracht. Mit "Götter" waren die Heidengötter gemeint.

Der Logos war ihr einziger Gott. Sie durften keinen anderen neben ihm haben.

Es ist schon so, wie es der Apostel Johannes sagt:

"Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht. Wer den Sohn (als Gott) bekennt, der hat auch den Vater." (l. Joh. 23)

- Martin Hirschmüller -

EIN LIEBEVOLLER AUFSEHER ?

Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. (Jakobus 1:22)

Eigentlich sollte es nur eine Randbemerkung werden, doch dies schien mir zu wenig und jenen gegenüber ungerecht, denen solches in ähnlicher Form widerfuhr.

Fakt: Eine betagte Schwester (über 80 Jahre alt), schüttete uns ihr Herz aus, indem sie uns wissen ließ, wie wenig Interesse die Brüder ihr entgegenbrächten. Unweit von ihr, ca. 150 Meter entfernt, wohnen zwei Ehepaare, die ebenfalls wie sie, schon Jahrzehnte Zeugen Jehovas sind. Beide Paare sind Besitzer eines Autos. Diese alte Schwester im Auto mit zur Versammlung zu nehmen und wieder nach Hause zu bringen, zeichnet nicht unbedingt einen Christen aus, so etwas praktizieren auch sogenannte Ungläubige. Was mich aber besonders erregt, ist die Tatsache, daß das Geld, was die alte Schwester für die Fahrt anbot, auch angenommen wurde, obwohl es doch keine zusätzliche Fahrleistungen gab.

Vielleicht war es zu wenig Geld oder waren es andere Gründe, sie wurde nicht mehr eingeladen. Es sei kein Platz mehr im Auto. Eines sollte man aber doch noch wissen. Diese alte Schwester war froh, endlich - von der Akustik her -, etwas zu verstehen. In der kleinen Gruppe, in der sie sich bis zur Wiederzulassung der Zeugen Jehovas befand, wurde nur geflüstert. Einer dieser Autobesitzer war bis dahin ihr Studienleiter. Das Gebet war auch so leise, daß sie meist nicht wußte, wofür sie Amen sagte.

Fazit: Der Weg zu Fuß, bzw. mit der Straßenbahn, ist für sie zu anstrengend und so bleibt sie nun der Versammlung fern. Die Wachtturm-Gesellschaft ihrerseits geizt nicht, laufend und ausführlich, Anweisungen herauszugeben, wie ältere Menschen zu betreuen sind.

In dem Buch: "Gebet acht auf euch selbst und auf die ganze Herde" (Apg. 20:28) - das ist ein Lehrbuch für die Königreichsdienstschule von 1977. -

Auf Seite 17 heißt es unter der Überschrift: "Mit denen zusammenarbeiten, die in der Versammlung besondere Bedürfnisse haben."

- "In 1. Petrus 2:17 werden wir aufgefordert, Menschen von allen Arten zu ehren und Liebe zur ganzen Bruderschaft zu haben.

Hast du dieses persönliche Interesse an deinen Brüdern und Schwestern?

Bist du dir ihrer Bedürfnisse bewußt, so daß du sie in der richtigen Weise lieben und ehren kannst? Unter denen, die in der Versammlung oft besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, sind die Betagten und Kranken. Sie mögen in praktischer Hinsicht der Hilfe bedürfen.

Sie benötigen vielleicht jemand, der für sie kocht, ihre Wäsche bügelt, den Boden putzt, Einkäufe erledigt usw. Oft brauchen sie Ermunterung. (1. Thess. 5:14)

Vielleicht brauchen sie jemanden, der ihnen hilft, in die Zusammenkünfte zu kommen, der ihnen vorliest oder ihnen auf andere Weise hilft, geistig stark zu bleiben.

Was kannst du tun, um solch praktische Hilfe zu bieten? Wie kannst du andere Brüder oder Schwestern bitten, dir dabei zu helfen?

Weshalb ist es nötig, sich zu vergewissern, daß die Vereinbarungen für Hilfeleistungen eingehalten werden? Wenn du auf solche Bedürfnisse achtest und die nötige Hilfe bietest, wirst du dich als ein liebevoller Aufseher erweisen. Du kannst davon überzeugt sein, daß eine solche Handlungsweise Jehova wohlgefällig ist. (1. Hebr. 13:1,16) Da es sich in diesen obengenannten Fällen nicht nur um einfache Verkündiger, sondern um 'Diener' handelt, darf man annehmen, sie sind auch im Besitz eines solchen Buches. Wenn nicht, läßt der WT vom 1.7.1991, Seite 19, diesbezüglich auch keine Frage offen. Unter der Überschrift "Treue ältere Frauen" lesen wir:

"Älteste sollen 'Witwen ehren' und nötigenfalls materielle Hilfeleistung für sie organisieren. (1. Tim. 5:1-3, 5, 9, 10) Unsere lieben Schwestern sollten sich ganz bestimmt erwünscht und geschätzt fühlen."

Wie sehr klaffen doch Theorie und Praxis auseinander. Leider kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß Jesus, bzw. seine Jünger, genau so gehandelt hätten. Im Gegenteil. Was unternahmen sie, auch ohne moderne Transportmittel, um Versammlungen in Kleinasien, Griechenland usw. zu betreuen oder sie aufzubauen. Das waren doch für die damaligen Verhältnisse ganz andere Entfernungen. Außerdem nahmen sie viele Entbehrungen auf sich, zum Wohle der Gemeinde. Hier scheiden sich jedoch die Geister. In diesem Fall wäre es nur ein wenig Liebe einer alten Schwester gegenüber und es zeigt uns, wie schwer es offensichtlich ist, ein richtiger Nachfolger Jesu zu sein. -

Eine Frage bleibt für mich noch offen.

Bei jahrelang intensivster Belehrung durch die Wachtturm-Gesellschaft, wieso ist so wenig christliche Liebe vorhanden? Was sagt doch unser Herr? - Nachzulesen in Johannes 13, Vers 34, 35 nach der Neuen-Welt-Übersetzung: "Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe, daß auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt."

- B .I. H. -

KEINE ZEIT

Ein Vater fand bei seiner Ankunft in der Wohnung seinen einzigen Sohn im Alter von 17 Jahren durch Gas vergiftet vor. Aus seinem Abschiedsbrief ging hervor, daß ihn Lebensüberdruß, Nichtverstandenwerden und Hoffnungslosigkeit dazu getrieben hätten. Ein Siebzehnjähriger! Kein Mensch, nicht einmal seine Eltern, wußten oder ahnten, was im Herzen dieses Jungen vor sich gegangen war. Wie war es soweit gekommen? — Grund: Keine Zeit —

Verspätete Einsicht

Über eine Stunde saß ich mit dem Vater zusammen. Er weinte. Groß stand ihm die Schuld vor Augen, seine Schuld. Er hatte nach Stellung und Wissen getrachtet und darüber hatte er ganz den Kontakt zu seinem Sohn verloren. Es wurde mir klar, woran der Junge innerlich gescheitert war, nämlich an dem Grundübel der Gegenwart: Keine Zeit! Der Moloch Lebensstandard hatte die ganze Zeit verschlungen. Für den Jungen war nichts übriggeblieben, Befehle oder belanglose Gespräche. Er hatte ja alles, was er zum Leben brauchte, meinten die Eltern.

Angesichts des Todes jedoch wurde offenbar, daß ihm das Wichtigste gefehlt hatte:

Liebe, Verstehen, Freunde. Und warum mußte er diese wichtigen Güter entbehren? Man hatte keine Zeit! Es mußte dies und jenes angeschafft, dies und jenes erreicht werden.

Jetzt aber, da der Junge tot war, erkannte der Vater, daß es auch mit weniger Komfort gegangen wäre. So viele Abende für die "notwendige" Zerstreuung wären gar nicht "notwendig" gewesen. - Aber die Reue kam zu spät. Er mußte zusehen, wie man seinen Jungen - der Kopf lag auf den gefalteten Händen - in einen großen Blechbehälter steckte und zum gerichtlichen Institut transportierte.

Wie unwichtig wurden da die schönen Möbel und der ganze Lebensstandard! Und wir?

Der Vater des toten Jungen sah seine Schuld - sehen wir die unsere?

Haben wir Zeit? haben wir noch die Kraft, uns dem Chaos fieberhafter Geschäftigkeit zu entziehen und unserem Begehren eine Grenze zu setzen?

Haben wir noch Zeit für das Wesentliche, für die Liebe untereinander und für das Anhören und Verstehen wollen unserer Mitmenschen? Und haben wir noch Zeit für unser eigenes Leben in Verbindung mit Gottes Wort? Ich glaube, hier liegt die Wurzel. Wir haben keine Zeit für Gott, und darum ist auch alles andere nicht mehr in Ordnung! Darum haben wir keine Zeit für den Nächsten, ja nicht einmal für unsere Kinder oder Ehepartner.

Welch schreckliche Lehre verbirgt sich hinter einer schönen Fassade. Mein Gott, laß uns doch aufwachen und uns besinnen auf dein Wort, damit es uns den Weg weise zu dem wahren Glück und dem Frieden für uns und andere. Wir brauchen unseren Herrn Jesus Christus. Wir müssen uns Zeit für ihn erzwingen, solange wir sie noch haben. Wollen wir nicht aufhören mit der Jagd nach nichtigen Dingen? Besinnen wir uns doch auf das Wesentliche, auf das Wort Gottes. Er ruft uns - und hilft uns, wenn wir willig sind, dem Herrn zu vertrauen ...

- L.H. -

DIE NEUE ART DER VERBREITUNG DER WTG-LITERATUR

Was wir bereits in unserer vorigen CV-Ausgabe angesprochen haben, ist nun Wirklichkeit geworden. Im "Königreichsdienst September 1991" wurde in einer Sonderbeilage mitgeteilt: "... Die vereinfachte Vorkehrung, Veröffentlichungen kostenfrei zu verbreiten, gibt buchstäblich Millionen von Menschen die Gelegenheit, 'zu kommen und kostenfrei Wasser des Lebens zunehmen' (Offb. 22:17).

... Daß die Gesellschaft diese Veröffentlichungen kostenfrei zur Verfügung stellt, bedeutet natürlich nicht, daß mit deren Herstellung und Verteilung keine Kosten verbunden sind. Wieso kann die Gesellschaft ihre Veröffentlichungen kostenfrei zur Verfügung stellen? Die gesamten Kosten des gottesdienstlichen Werkes der Gesellschaft werden durch die Spenden gedeckt, die für das weltweite Werk eingehen. Diese Unterstützung wird in erster Linie von den ergebenen Dienern Jehovas geleistet

Jehovas Zeugen bitten die Öffentlichkeit nicht um Unterstützung ihres äußerst dringenden Werkes der Verkündigung des Königreiches. Wir haben noch nie öffentliche Sammlungen durchgeführt, noch tun wir es heute. Doch wenn aufrichtig interessierte und aufgeschlossene Personen, die wir im Predigtdienst antreffen, von sich aus eine freiwillige Spende für das Werk geben möchten, wird dies geschätzt"...

Soweit einige Auszüge aus der Sonderbeilage. Im weiteren werden noch praktische Hinweise gegeben, wie man klug und geschickt andere dazu bringen kann, für die Literatur eine Spende zu geben.

CV-Anmerkung: Daß das kostenfreie Verbreiten von Veröffentlichungen nicht aus dem Wollen der WTG hervorgegangen ist, dürfte wohl jedem klar sein. Dieses edle Tun hätte sie ja schon jahrzehntelang praktizieren können. Wir glauben, daß es nicht Edelmut ist, sondern der massive Druck der Öffentlichkeit in jeder Form, die nicht mehr einsehen wollte, daß die WTG Millionen-Gewinne unversteuert kassierte. Wir wissen auch, daß die WTG nun ihre Trugen stärker zur Kasse bitten wird. - Aber vielleicht wird sie jetzt, entsprechend ihrer frülieren Verkündigung: "Wachttunn Bibel- und Traktat-Gesellschaft, das ist der Name einer Geschäftsßrma " gerecht, und druckt jetzt auch Fremdaufträge gegen Bezahlung und mit ordnungsgemäßer Versteuerung. -

Wenn dem so sein sollte, wird ihr auch kein Mensch und keine Institution ihre Gewinne neiden. - H.W. -

"Christliche Verantwortung"; Herausgeber Henry Werner;

O - 6500 Gera, Heinrichstraße 46; Einzelpreis 2,00 DM

Konto-Nr.: 3219526; Volksbank e.G., Gera BLZ: 830 945 64

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Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 259

Ein Kommentar in dieser Ausgabe geht auch auf die ab 1991 vorgenommene Umstellung des Vertriebes der WTG-Literatur als „kostenfrei" ein


CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

SCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜRINGEN

NR. 259 GERA IV/1991

DAS KREUZ CHRISTI IST DIE NEUE GRUNDLAGE FÜR UNSERE GERECHTSPRECHUNG

Es liegt noch nicht sehr lange zurück, da begannen sich im östlichen Teil unseres Landes überraschend einschneidende Veränderungen zu vollziehen. Diese Veränderungen sind noch längst nicht abgeschlossen und greifen so tief in das Leben jedes einzelnen Menschen, daß man hier - sicher nicht zu Unrecht - sehr schnell von einer Wende zu sprechen begann. Es überrascht auch nicht, zu hören, daß nicht alle Menschen über die angelaufenen Veränderungen glücklich sind. Da Viele in ihren Erwartungen getäuscht wurden, stellen sie nun Vergleiche an, und Redewendungen wie "vor der Wende", und "nach der Wende" sind in Gesprächen und Diskussionen in vielfältiger Weise immer wieder zu hören.

Doch nicht von dieser Wende soll hier die Rede sein, betrifft sie doch, verglichen mit der Weltbevölkerung, nur relativ wenige Menschen.

Die Bibel berichtet von einer weit entscheidenderen Wende, einer Wende, die allen Menschen unserer Erde zugute kommen soll. Diese nahm ihren Anfang in Jerusalem mit dem Auftreten unseres Herrn Jesus Christus. Der Apostel Paulus berichtete später hierüber mit den Worten:

"Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die loskaufte, die unter Gesetz waren." (Galater 4, 4.5) Und eben dieses Gesetz, das ihnen einst durch Mose und die Propheten zum rechten Wandel vor Gott gegeben wurde, dieses Gesetz war das zentrale Thema dieser, für das jüdische Volk, wie auch aller Menschen unserer Erde, so entscheidenden Wende.

Schon seit Moses Zeiten haben die Nachkommen Abrahams vergeblich versucht, den Satzungen und Geboten dieses Gesetzes gerecht zu werden, vermochten es aber nicht. Das Gesetz wurde ihnen zum Fallstrick und drückte sie immer tiefer in die Schuld vor Gott. Bei einem Treffen der Apostel und Ältesten in Jerusalem sagte der Apostel Petrus denen, die auf die Einhaltung der Gesetzesvorschriften durch die Jünger aus den Nationen drängten:

"Was versucht ihr Gott, ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, das weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten?" (Apostelgeschichte 15.10) Gerade dieses Joch war es doch, das der Herr zerbrochen hatte, indem er die wider sie stehende Handschrift, bestehend in Satzungen, aus ihrer Mitte hinwegnahm und an das Kreuz nagelte (Kol. 2, 14). Den eigentlichen Zweck dieses Gesetzes hatten sie noch nicht klar erkannt. Auch hier war es der Apostel Paulus, der den Schleier, der noch auf ihren Herzen lag, hob. Er schreibt:

"Das Gesetz ist unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister." (Galater 3, 24.25)

Gemeint ist der Glaube an den Herrn Jesus Christus. In ihnen, den Gläubigen, ward er Zuchtmeister zu seinem Ziel gelangt, er hatte seiner Zweckbestimmung gedient, sie bedurften nun seiner nicht mehr. Es scheint, daß die einfachen Menschen aus dem Volk das schneller begriffen hatten, denn sie folgten ihm (Jesu) willig und hörten seine Botschaft.

Nicht so die Obersten der Juden, sie ließen ihn argwöhnisch beobachten, indem sie "Auflaurer" hinter ihm her sandten. Sie sollten ihn in seiner Rede fangen, damit sie Grund hätten, ihn der Obrigkeit zu überliefern (Luk. 20,20). Es ist daher durchaus denkbar, daß Jesus sich in der Bergpredigt auch an ihre Adresse wandte, als er sagte:

"Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen." (Matthäus 5, 17)

Und Jesus erfüllte das Gesetz. Seinen Jüngern, denen er nach seiner Auferstehung erschien, erklärte er: "Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich nicht bei euch war, daß alles erfüllt werden muß, was über mich geschrieben steht in dem Gesetz Mose und den Propheten und den Psalmen." (Lukas 24, 44)

Mit vollem Recht konnte Paulus also später schreiben: "Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit." (Römer 10, 4)

Seinen Jüngern, die während seines irdischen Dienstes bei ihm und so Zeugen seines Wirkens und Opfertodes waren, gebot er, kurz bevor er vor ihren Augen in den Himmel aufgenommen wurde:

"Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde." (Apostelgeschichte l, 8)

Folgt man dem Bericht in der Apostelgeschichte, dann stellt man fest, die Zeugentätigkeit der Jünger und Nachfolger des Herrn beschränkte sich zunächst auf das Gebiet Jerusalems; einmal abgesehen von jenen, die während der Pfingsttage als Gäste in der Stadt weilten, zum Glauben kamen, sich taufen ließen und nach einer gewissen Zeit wieder in ihre Heimatländer und -orte zurückreisten und dort tätig wurden. Später, nach der Steinigung des Stephanus, setzte eine große Verfolgung ein und die Jünger, mit Ausnahme der Apostel, wurden in die Landschaften Judäas und Samarias zerstreut und begannen nun auch dort das Wort zu verkündigen (Apg. 8, l .4).

Ein Apostel für die Nationen

Doch erst mit der Bekehrung des Paulus und seiner Berufung zum Apostel für die Nationen trat eine entscheidende Änderung ein. Jesus selbst deutete vor dem Jünger Ananias in Damaskus an, daß der, der sie einst verfolgte, ihn nun vor den Menschen aus den Nationen bezeugen soll (Apg. 9, 15).

Wenn man von der Bekehrung des Paulus spricht, dann muß man schon unterscheiden zwischen dem Weg des Pharisäers Saulus und dem der einfachen Menschen aus dem Volk, die zum Glauben an Jesus kamen.

In einer Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten und Pharisäern sagte Jesus zu ihnen:

"Ihr belastet die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die Lust nicht mit einem euerer Finger an." (Lukas 11,46)

Jesus sprach hier keineswegs vom Gesetz, denn dieses Volk zu lehren, oblag ja seit Moses Zeiten der Priesterschaft. Wenn er hier vor den Schriftgelehrten und Pharisäern von Lasten redete, die sie auf die Schultern der Menschen legten, dann sprach er von dem, was sie aus dem Gesetz gemacht hatten durch das Hinzufügen weitergehender Pflichten. Jesus sprach von den "Überlieferungen der Ältesten", die nicht selten sogar über das geschriebene Gesetz gestellt wurden (Mark. 7, 1-13). Solcherart Lasten bedrückten den Pharisäer Saulus nicht. Für ihn war der Wandel zum Nachfolger des Herrn nicht das Ergebnis einer inneren Entwicklung, an deren Ende er seinen bisherigen Weg gar noch in Frage stellte. Auch quälte ihn nicht der Gedanke, dieser Jesus, von dem jener Stephanus vor dem Synedrium redete, könnte vielleicht doch der verheißene Messias sein.

Nein, dieser Mensch war so tief im Pharisäertum verwurzelt und von der Rechtmäßigkeit der Verfolgung der Nachfolger dieses Jesus überzeugt, daß auf dem Weg nach Damaskus kein von inneren Zweifeln geplagter Mensch aufgerichtet, sondern ein selbstgerechter Pharisäer zerschlagen wurde! Will man das auch nur annähernd verstehen, dann muß man wissen: Dieser Paulus ist in einem strenggläubigen jüdischen Elternhaus aufgewachsen und zur genauen Beachtung des Gesetzes und der Überlieferung der Väter erzogen worden. Grundlage seiner Erziehung war sicher die Unterweisung in den hebräischen Schriften (LXX?), der sich dann später das Studium der Schriftgelehrsamkeit zu Füßen des geachteten Lehrers Gamaliel anschloß (Apg. 22, 3).

Wichtig auch für das Verständnis der von Paulus verkündigten Botschaft ist sicher auch sein Hinweis:

"Ich teile euch aber mit, Brüder, daß das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist. Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung von Jesu Christi."

(Galater 1, 11.12)

Wenn der Apostel sich uns in solcher Weise mitteilt, dann will er uns verständlich machen, daß das, was er uns zu vermitteln hat, nicht das Ergebnis eigener Nachforschungen ist. Auch, daß er es nicht von denen empfangen hat, die vor ihm Apostel waren, noch von anderen Zeitzeugen, sondern seine Botschaft ist die ihm von Gott geschenkte Einsicht in seinen Heilsplan mit

uns Menschen, bzw. das ihm geoffenbarte Geheimnis des Christus (Eph. 3, 1-9).

Fragen werden aufgeworfen

Gerade er war es, der, wie kein anderer, klar erkannte, daß der Weg des Gesetzesgehorsams und der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Christus, zwei sich ganz und gar ausschließende Gegensätze sind. Nachdem er in seinem Brief an die Gläubigen in Rom mit allem Nachdruck betont:

"Aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde," fügt er die Worte an, die in ihrer Eindringlichkeit kaum zu überbieten sind. Doch hören wir selbst:

"Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden. Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist."

Nachdem er noch einige Gedanken anschließt, fragt er:

"Wo bleibt nun der Ruhm?" und er antwortete:

"Er ist ausgeschlossen. Denn wir urteilen, daß ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke."

(Römer 3, 20-24.27.28)

Fragen wir uns doch einmal:

- Von welchem Gesetz spricht der Apostel?

- Wen meint er mit den Worten: "Alle, die glauben"? Denkt er dabei nur an die Gläubigen aus den Juden?

- Ist mit der "Gerechtigkeit Gottes" eine Verdienstvergeltung gemeint, die denen zuteil wird, die gute Werke vollbringen?

- Muß das erwähnte Gesetz auch heute noch beachtet werden? Solche und ähnliche Fragen mögen dem einen oder anderen für seinen weiteren Weg im Glauben durchaus wichtig sein. Ich will daher versuchen, sie mit Hilfe der Schrift zu beantworten. Um zu verstehen, von welchem Gesetz der Apostel Paulus hier spricht, beachten wir, was sich in der Gemeinde in Antiochien zutrug, nachdem Paulus und Barnabas von ihrer ersten Missionsreise dorthin zurückgekehrt waren. Der Bibelbericht sagt:

"Und einige kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder:

Wenn ihr nicht beschnitten worden seid, nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht errettet werden."

Ähnliches erlebte Paulus, nachdem er der entstandenen Streitfrage nach Jerusalem gereist war. Noch bevor das einberufene Apostelkonzil sich mit der anstehenden Problematik beschäftigte, traten auch hier einige aus der Sekte der Pharisäer, die gläubig waren, auf und sagten:

"Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten." "Apostelgeschichte 15, 1.5)

An diese Erlebnisse mag der Apostel möglicherweise gedacht haben, als er in seinem Brief die Gedanken über das neue Verhältnis des Christen, dem Gesetz gegenüber äußerte. Wenn er also betont, "daß ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke", dann bezieht er sich ganz eindeutig auf die Thora, die durch Moses, die Priester und die Propheten dem Volk gegebenen Anweisungen Jahwes. Zur Zeit der Apostel wurde darunter die ganze hebräische Bibel verstanden.

Man muß den strenggläubigen Juden schon zugute halten, für sie waren solche Worte des Apostels eine ungeheuere Zumutung, haben sie doch alle Tage ihres Lebens sich treulich bemüht, alle Worte des ihnen gegebenen Gesetzes zu halten.

Nun sollten andere - in ihren Augen Ungläubige - ohne auch nur einen einzigen Punkt des Gesetzes zu beachten, in die nur ihnen verheißenen Segnungen mit eintreten?

Und bedenkt man die Behauptung des Paulus recht: "Christus ist des Gesetzes Ende", bedeutet das dann nichts anderes als ihrer Religion den Boden zu entziehen, und damit dem Grabgesang des Judentums überhaupt?

Waren nicht sie, die Juden, seit den Tagen des Vaters Abraham, das besondere Eigentum Gottes?

Und waren es nicht ausschließlich sie, denen er durch seinen Knecht Mose und die Propheten diese Satzungen und Rechte gab?

Sollte all ihr Hoffen auf den Messias vergeblich gewesen sein, das 'Jude-sein' hinfort für Nichts geachtet werden? Es sollte eigentlich nicht schwerfallen, solche Gedanken, die die Menschen in jenen Tagen bewegt haben mögen, zu verstehen und nachzuvollziehen.

Ein Volk aus allen Nationen

Hier sind wir auch schon bei der Antwort auf die zweite Frage, wer mit den Worten, "alle, die glauben", gemeint war. Es war nicht der Apostel Paulus oder einer der anderen Apostel, der die Menschen aus den Nationen in die verheißenen Segnungen Gottes mit einbezog. Liest man den Bericht im 10. Kapitel der Apostelgeschichte, dann erkennt man sehr schnell, es war Gott selbst, der den Apostel Petrus in das Haus des (röm. Hauptmanns) Kornelius sandte, um, beginnend mit ihm, nun auch den Menschen aus den Nationen den Weg zum Heil zu ebnen.

Als Petrus in das Haus dieses Mannes kam, die Vorgeschichte seines Sendungsauftrags erfuhr und alle Versammelten ihn erwartungsvoll anschauten, da sprach er spontan: "In Wahrheit begreife ich, daß Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm."

Als dann gar, noch während er redete, der Heilige Geist auf alle fiel, antwortete er auf dieses offenkundige Zeichen vom Himmel: "Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, daß diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben wie auch wir?"

Der Bericht schließt mit den Worten:

"Und er (Petrus) befahl, daß sie getauft würden im Namen Jesu Christi."

(Apostelgeschichte 10, 34.35.44-48)

Gerechtigkeit von Gott - In enger Verbindung damit steht ohne Vorleistungen auch die Frage nach möglichen Vorleistungen, die Gott von uns erwartet. Diese Frage stellte sich nicht nur für die Menschen in den Tagen der Apostel; diese Frage ist auch in unseren Tagen für viele Menschen noch immer von höchster Aktualität. Sie haben Schwierigkeiten, zu verstehen, daß ihnen ohne eigenes Tun, allein durch Glauben, Gottes Gerechtigkeit zuteil werden soll.

Es spricht nun einmal gegen die menschliche Natur, daß wir für Dinge belohnt werden sollen, für die wir keine Leistung erbracht haben, sondern für unser Unrechttun eigentlich Strafe verdient hätten. Sagte nicht unser Herr selbst, daß er bei seinem Kommen einen jeden vergelten nach seinem Tun (Matt. 16, 27)? Und hat man uns nicht schon als Kindern beigebracht: "Ohne Fleiß kein Preis"?

Diesen Fragen kann und soll keineswegs ihre Berechtigung abgesprochen werden, doch hören wir einmal, was Gott zu unserer menschlichen Natur, unserer menschlichen Denkart, uns zu sagen hat:

„So viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken."

(Jesaja 55, 9)

Diesen Gedanken unterstützend schreibt der Apostel Paulus:

"Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen?"

(Römer 11, 33.34)

Hier können wir uns nur in Demut vor Gott verneigen und gestehen, niemand von uns vermag seine Wege, seine Gedanken und Gerichte in ihrer vollen Tiefe zu erfassen, geschweige denn, sie in voller Klarheit und Reinheit zu interpretieren. Das wagte nicht einmal ein Paulus von sich zu sagen (l. Kor. 13,12), und das forderte er auch nicht von denen, die durch eine Predigt dem Herrn ihr Herz öffneten. Als der Kerkermeister von Philippi die bange Frage stellt:

"Ihr Herren, was muß ich tun, daß ich errettet werde?", da antworteten Paulus und Silas nicht mit dem kostenlosen Angebot eines Bibelstudiums in seinem Haus, damit er schnellstens an Erkenntnis wachse, sondern mit den Worten: "Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus." (Apostelgeschichte 16, 30.31)

Nein, Leben hängt nicht von einem bestimmten Maß an Erkenntnis ab, sondern daß man den im Glauben annimmt, den Gott in die Welt gesandt hat, um Menschen von der Knechtschaft der Sünde und des Todes zu befreien, - unseren Herrn und Heiland Jesus Christus. Seien wir daher dankbar, daß Gott uns seinen Weg der Gerechtsprechung - allein durch Glauben -erkennen läßt und bleiben wir auf diesem Weg, es gibt keinen anderen! (Matt. 7,13.14; Spr. 14,12)

In gleicher Weise hängt Leben auch nicht davon ab, daß jemand auf bestimmte Werke verweisen kann. Paulus sagt: "Alles, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde." (Römer 14.23)

Damit schließt er Werke zwar nicht aus, zeigt uns aber, daß der irrt, der glaubt, aufgrund seiner Werke Gott annehmbar zu sein. Nein, nicht die Werke eines Menschen sind der Auslöser, daß Gottes Blick wohlgefällig auf ihm ruht, sondern sein Glaube an Jesus Christus bewirkt, daß seine Werke - weil aus Glauben - in Gottes wohlgefällig sind!

Der Apostel zeigt uns, daß, so wie die Liebe Vorfahrt hat vor der Erkenntnis und sogar vor dem Glauben (1. Kor. 13, 2), so hat auch der Glaube Vorrang gegenüber den Werken. Kein Geringerer als unser Herr selbst zeigte uns das sehr anschaulich, als er im Haus des Pharisäers Simon zu Gast war und die Sünderin ihm die Füße salbte. In diesem Haus begegneten sich (gewissermaßen) zwei Welten:

Da war auf der einen Seite der selbstgerechte Pharisäer, der den Herrn zwar zu Tisch geladen hatte, dessen Stolz es aber nicht zuließ, ihm die zu jener Zeit üblichen Gebote der Gastfreundschaft (Begrüßungskuß, Fußbad, usw.) zu leisten. Es fällt schwer, zu glauben, daß seine Einladung an Jesus, seinem Glauben an ihn entsprang. Eher schien es Neugier zu sein, mehr über ihn zu erfahren. Bestenfalls war es eine Geste der Großmut, mehr sicher nicht.

Ganz anders hingegen diese Frau. Sie war sich ihrer Verfehlungen durchaus bewußt, wie auch der Tatsache, daß es ihr nicht gelingen würde, sich durch eigene Anstrengungen aus dem Soge der Sünde zu befreien. Wo sollte sie Hilfe finden, wenn nicht bei ihm, von dem alle Kranken und Niedergebeugten so wohltuend redeten? Sie glaubte an ihn und machte in ihrer Niedrigkeit das Versäumnis des Pharisäers mehr als wett.

Zu recht stellt Jesus den Glauben dieser Frau - trotz ihrer vielen Sünden - weit über die Werke des sich makellos wähnenden Pharisäers und sagt diesem bezüglich der Frau: "Ihre vielen Sündern sind vergeben, denn sie hat viel geliebt", und weiter, auf seinen Gastgeber zielend: "Wen aber wenig vergeben wird, der liebt wenig." Sich der Frau zuwendend aber spricht er: "Deine Sünden sind vergeben. Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden." (Lukas 7, 36-50)

Diese Frau hatte absolut keine guten Werke als Vorleistungen auf zuweisen, ihr wurde allein aufgrund ihres Glaubens Gerechtigkeit von Gott durch Jesus Christus zuteil.

Frei vom Gesetz

Spätestens hier sollte eigentlich die Frage nach der Rolle des Gesetzes in unserem christlichen Alltag beantwortet sein. Kein Geringerer als unser Herr selbst, hat diese Frage durch ein Leben und Sterben für alle, die glauben, entschieden. Der Apostel Paulus vergleicht die Bindung des (jüd.) Volkes an das Gesetz mit einer Ehe, in der die Frau solange an den Mann gebunden ist, wie er lebt, erst durch dessen Tod wird sie frei vom Gesetz des Mannes (s. a. Matt 19, 19). Ergänzend fügt er hinzu:

"So seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auf erweckten, damit wir Gott Frucht brächten. Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir in dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, so daß wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens." (Römer 7,1-6)

Da aber auch in seinen Tagen viele Gläubige sich so unendlich schwer taten mit der Freiheit vom Gesetz, andererseits aber einige nicht müde wurden, diese Brüder wieder unter das Joch des Gesetzes zu versklaven, warnte er sie eindringlich: "Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen. Denn in Christus Jesus hat weder Beschneidung noch Unbeschnittensein irgendeine Kraft, sondern der durch Liebe wirksame Glaube."

(Galater 5.4.6)

Paulus, der ja - bildlich gesprochen - aus dem Gesetz kam und durch übermäßigen Eifer für das Gesetz zum Verfolger der Gemeinde wurde, schreibt von sich:

"Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi Willen für Verlust geachtet; ja wirklich, ich achte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn Willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christi gewinne und in ihm erfunden werde - indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens." (Philipper 3, 7, 7-9)

Laßt uns also nicht dem Pharisäer Simon gleichen, der durch sein Eintreten für das Gesetz und die Überlieferungen der Ältesten, sich so erhaben über der Sünderin sah. Er hatte aus der Begegnung mit Jesus keinen Nutzen gezogen. Laßt uns auch nicht den Pharisäern unserer Tage gleichen, die zwar das Wort "Glaube" stets auf den Lippen führen, in Wirklichkeit aber "Werke" meinen und fordern. Ihnen sagt der Apostel Paulus:

"Dem aber, der Werke tut, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit." Dem Glauben aber sagt er:

"Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet." (Römer 4,4.5)

Der Apostel Paulus hat uns durch Gottes Güte diesen Weg gewiesen, folgen wir seiner Einladung: "Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi (Nachahmer bin)." (1. Korinther 11, 1)

-R.I.H.-

Inhaltsverzeichnis

Sieben Gründe für den Glauben

Ansprüche der Wachtturmgesellschaft

Die WTG-Werbung

Die Geschichte der zwei Wachttürme

Das Jahr 1925 nach den Lehren der WTG

Die kostenfreie Wachtturm-Literatur

Bruder, du fragst zuviel

Die Zeugen jetzt in Berlin

Gespräche mit Zeugen Jehovas

CV und die ZJ in den neuen Bundesländern

Wie kann die "CV" helfen?

SIEBEN GRÜNDE FÜR DEN GLAUBEN

1. Grund

Aufgrund unumstößlicher, mathematischer Gesetze können wir beweisen, daß unser Universum von einer großen technischen Intelligenzperson ausgeführt worden ist. Angenommen, man steckt 10 von 1 - 10 markierte Pfennigstücke in die Tasche und mischt sie gut durcheinander, so ist die Wahrscheinlichkeit, sie in der richtigen Reihenfolge wieder herauszuholen, äußerst gering. Nun, versucht man, sie in der richtigen Reihenfolge wieder herauszuholen, wobei man jedesmal das herausgenommene Geldstück wieder zurücksteckt und sie alle wieder durcheinander mischt. Wir wissen, daß die mathematische Wahrscheinlichkeit Geldstück 1 als erstes zu ziehen, 1 - 10 ist. Die Wahrscheinlichkeit 1 und 2 hintereinander zu ziehen, 1:100 ist, die Wahrscheinlichkeit 1, 2 und 3 hintereinander zu ziehen 1:1.000 ist usw.

Die Chance, sie in der richtigen Reihenfolge 1-10 herauszuholen stände nur noch 1:10 Milliarden. In gleicher Weise können wir sagen, für das Vorhandensein von Leben sind so viele Bedingungen unerläßlich, daß sie niemals nur durch Zufall im richtigen Verhältnis stehen können.

Die Erde dreht sich mit einer Geschwindigkeit von 1.600 km in der Stunde um ihre Achse. Würde sie sich nur mit einer Geschwindigkeit von 160 km in der Stunde drehen, so wären unsere Tage und Nächte 10mal so lang. Die Sonnenglut eines so langen Tages würde unsere Vegetation verbrennen und jedes noch überlebende Wachstum würde in der Nacht erfrieren. Ferner hat die Sonne; die Quelle unseres Lebens, eine Oberflächentemperatur von 6.000 Grad Celsius und unsere Erde ist genau so weit entfernt, daß dieses ewige Feuer uns gerade genug und nicht zu sehr erwärmt. Würde die Sonne nur die Hälfte ihrer jetzigen Strahlen aussenden, würden wir erfrieren, und würde sie um die Hälfte mehr aussenden, würden wir verkohlen. Die schräge Achsenstellung der Erde, die in einem Winkel von 23 ½ Grad geneigt ist, hat unsere Jahreszeiten zur Folge. Bestünde diese Neigung nicht, so würden ozeanische Dämpfe nach Norden und Süden drängen und ganze Eiskontinente auftürmen. Würde unser Mond nur, sagen wir etwa 60.000 km entfernt sein, anstatt seiner tatsächlichen Entfernung, so wäre sein Einfluß auf die Gezeiten so gewaltig, daß sämtliche Erdteile am Tag 2mal überflutet würden. Selbst die Gebirge würden dann sehr schnell weggewaschen. Wäre die Erdkruste nur 3 Meter dick, so gäbe es keinen Sauerstoff, ohne den alles menschliche und tierische Leben sterben muß. Wären die Weltmeere nur ein paar Meter tiefer, so würden Kohlendioxid und Sauerstoff absorbiert werden und kein pflanzliches Leben könnte bestehen. Und wenn unsere Atmosphäre beträchtlich dünner wäre, so würde ein Teil der Meteore, die jetzt zu Millionen täglich im Raum verbrennen, auf die Erde niederfallen und Brände verursachen. Diese und eine andere Anzahl Beispiele zeigen, daß die Wahrscheinlichkeit, daß das Leben auf unserer Erde einem Zufall zu verdanken ist, nur 1:1 Million beträgt.

2. Grund

In dem Reichtum an Mitteln und Wegen, durch die das Leben seine Absichten zu verwirklichen weiß, offenbart sich eine allwaltende Intelligenz. Leben an sich ist, hat noch niemand ergründet. Es hat weder Gewicht noch Ausdehnung, aber es hat Kraft. Eine wachsende Wurzel sprengt einen Felsen. Das Leben hat Wasser, Land und Luft erobert, hat die Elemente gemeistert und zwingt sie, ihre Verbindungen zu lösen und neu zu gestalten. Das Leben ist ein Bildhauer, der lebende Dinge formt, ein Maler, der jedes Blatt eines Baumes entwirft und jede Blüte färbt. Das Leben ist ein Musiker, es hat jeden Vogel gelehrt, sein Liebeslied zu singen, die Insekten, sich im Konzert ihrer vielfältigen Laute miteinander zu verständigen. Das Leben ist ein Chemiker; es gibt den Früchten ihren Geschmack, der Rose ihren Duft, verwandelt Wasser und Kohlensäure in Zucker und Holz und macht dadurch Sauerstoff frei, der dem Tierreich den Atem des Lebens gibt. Man betrachte ein Faß unsichtbaren Protoplasmas, durchsichtig, gallertartig, fähig, sich zu bewegen und Energie aus der Sonne zu ziehen. Jede einzelne Zelle dieses Lebens hat die Fähigkeit, dieses Leben und alle lebendigen Dinge, große und kleine, weiterzugeben. Die Kräfte dieses Tröpfchens sind wunderbarer, als unsere ganze Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt, und alles Leben kommt von ihm. Die Natur hat das leben nicht geschaffen. Das in Feuer geglühte Gestein und Salzloses boten nicht die Voraussetzungen dafür.

3. Grund

Die Sinne, mit denen die Tierwelt begabt ist, zeugen unwiderleglich von einem gütigen Schöpfer, der so vielen kleinen Geschöpfen, die sonst hilflos wären, den Instinkt verliehen hat. Der junge Lachs bleibt jahrelang im Meer, dann kehrt er zu seinem Heimatstrom zurpck, wandert just auf der Seite Stromaufwärts, in die der Nebenfluß mündet, in dem er geboren wurde. Was führt ihn so unfehlbar zurück? Verbirgt man ihn in einem anderen Nebenfluß, so spürt er sogleich, daß er auf dem falschen Weg ist und sucht sich seinen Weg flußabwärts, zurück zum Hauptstrom, und biegt gegen die Strömung in diesen ein, um sein Schicksal getreulich zu vollenden.

Noch rätselhafter ist das Verhalten der Aale. Diese erstaunlichen Geschöpfe wandern zur Zeit der Reife von allen Teichen und Flüssen der Erde her - die von Europa kommenden tausende von Meilen durch den Ozean - alle in Richtung der abgrundtiefen Gewässer bei den Bermuda-Inseln. Dort laichen und sterben sie. Die Jungen, die von der Welt nichts wissen und kennen als die Wasserwildnis, in der sie sich befinden, machen sich dennoch auf und finden den Weg, nicht zur Küste, von der ihre Eltern kamen, sondern von da aus auch zu den Flüssen, Seen und kleinen Teichen; sodaß jegliches Gewässer immer von Aalen bevölkert ist. Nie ist ein amerikanischer Aal in Europa, nie ein europäischer Aal in amerikanischen Gewässern gefunden worden.

Ja, die Natur hat die Reife der europäischen Aale um ein Jahr oder mehr verzögert, um die Länge der Reise auszugleichen. Wo stammt der Impuls her?

Eine Wespe überwältigt eine Heuschrecke, gräbt ein Loch in die Erde, sticht die Heuschrecke genau an der richtigen Stelle, sodaß sie nicht stirbt, sondern nur bewußtlos wird und sozusagen als Fleischkonserve am Leben bleibt. Dann legt sie ihre Eier so, daß ihre Kinder, wenn sie auskriechen, an dem Inhalt knabbern können, ohne es zu töten, denn totes Fleisch wäre für sie selbst tödlich. Die Mutter fliegt dann fort und stirbt. Die Jungen sieht sie nie. Sicherlich muß das die Wespe schon beim ersten Mal richtig gemacht haben, und dann jedesmal, denn sonst gäbe es keine Wespen.

Solch rätselhaftes Verhalten ist nicht mit Anpassung zu erklären, es ist von Anfang an mitgegeben.

4. Grund

Der Mensch hat etwas, das wahr ist, als tierischer Instinkt, die Fähigkeit des Verstandes und vernunftmäßige Überlegung. Kein anderes Lebewesen hat je die Fähigkeit besessen bis zu 10 zu zählen oder auch nur zu begreifen, was 10 bedeutet Der Instinkt ist wie der einzelne Ton einer Flöte, zwar schön, aber eintönig. Das menschliche Gehirn umfaßt alle Töne aller Instrumente des Orchesters.

Es bedarf keiner weiteren Worte über diese vier Punkte. Dank der menschlichen Vernunft dürfen wir die Möglichkeit ins Auge fassen, daß wir nur deshalb sind, weil wir einen Funken der universellen Intelligenz mitbekommen haben.

5. Grund

Vorsorge für alles Lebende offenbart sich in den Phänomenen, die wir heute kennen, die Darwin jedoch nicht kannte, so wie z.B. in den Wundern der Gene (die hypothesischen Träger der Erbanlagen in den Keimzellen). So unsagbar klein sind die Genen, daß, wenn man diejenigen, durch die das Dasein aller jetzt lebenden Menschen entstanden ist, zusammentäte, sie noch nicht einmal einen Fingerhut voll füllen würden. Dennoch bewohnen diese ultra-mikroskopischen Genen und ihre Gefährten, die Chromosomen, jede kleinste Zelle und sind bestimmend für alle menschlichen, tierischen und pflanzlichen Eigenschaften. Ein Fingerhut ist ein kleiner Behälter für alle individuellen Eigenschaften von über Milliarden von Menschen, diese Tatsache steht fest. Nun denn, wie ist es möglich, daß die Genen die Erbanlagen so vieler Vorfahren in sich bergen und die psychologischen Anlagen eines jeden auf so unendlich kleinem Raum bewahrt? Hier ist in Wahrheit der Keim der Entwicklung in der Zelle, der Einheit, welche die Gene enthält und trägt.

Daß ein paar Millionen Atome als ultramikroskopische Gene zusammengeschlossen, alles Leben auf Erden völlig beherrschen könnte, ist ein Beispiel von tiefgründiger Planung und Versorgung, die einzig und allein von einem Schöpfer ausgehen konnte. Davor versagt jede andere Hypothese.

6. Grund

Angesichts der Sparsamkeit der Natur zwingt uns sich die Erkenntnis auf, daß nur unendliche Weisheit mit so haushälterischem Scharfsinn vorausblicken und voraussagen konnte. Vor vielen Jahren wurde in Australien eine Kaktusart als schützende Umzäunung angepflanzt. Da es in Australien keine kaktusfeindlichen Insekten gibt, wucherte er bald mit ungeheuerlicher Üppigkeit. Das beunruhigende Wachstum hielt an, bis die Pflanzen schließlich ein Gebiet von der Größe Englands bedeckten, die Einwohner von Städten und Dörfern verdrängten und ihre Farmen zerstörten. Die Enthomologen suchten auf der Welt ein Abwehrmittel und entdeckten ein Insekt, das sich ausschließlich vom Kaktus ernährte. Zudem vermehrte es sich reichlich und hatte keine Feinde in Australien - so überwand das Tier bald die Pflanze. Heute ist die Kaktusplage beendet und auch von dem Insekt ist nur ein kleiner Überrest zum Schutz verblieben, gerade genug, um den Kaktus in Schach zu halten. Für solche Gegenwirkungen und Ausgleiche ist allenthalben vorgesorgt. Warum haben nicht die sich so schnell vermehrenden Insekten die Herrschaft über die Erde errungen? Weil sie keine Lungen haben wie der Mensch. Sie atmen durch Röhren. Wenn aber Insekten groß werden, wachsen ihre Röhren nicht im gleichen Verhältnis mit dem Körper und daher hat es noch nie ein menschenmaß-großes Insekt gegeben. Und diese Begrenzung ihres Wachstums hat sie alle in Schranken gehalten. Wäre nicht für diese physische Einschränkung gesorgt worden, so könnte der Mensch nicht bestehen. Man stelle sich die Begegnung mit einer löwengroßen Hornisse vor!

7. Grund

Die Tatsache, daß der Mensch den Begriff "Gott" zu denken vermag, ist an sich schon ein einzigartiger Beweis. Der Begriff "Gott" entspringt einer göttlichen Fähigkeit des Menschen, an der kein anderes Wesen teilhat, der Fähigkeit, die wir Vorstellungskraft nennen. Kraft dieser vermag der Mensch - und nur der Mensch - Beweise für das Unsichtbare zu finden. Die Aussicht, die diese Fähigkeit eröffnet, ist grenzenlos. In dem Maße, in dem dies Realität wird, wird es dem Menschen möglich, in alldem, was von Plan und Absicht zeugt, die große Wahrheit zu erkennen, die allenthalben und in allem ist. Und am nächsten in unserem Herzen. Im wissenschaftlichen sowie im ideellen Sinne ist wahr, was der Psalmist sagt: "Die Himmel verkünden die Ehre Gottes, und das Firmament bezeugt seiner Hände Werk."

-A.G.M.-

Dokumentation:

ANSPRÜCHE DER WACHTTURM-GESELLSCHAFT

Präsident Russell, - als ein von Gott ordinierter Prediger ... Wenn es aber kommt, - siehe, es kommt! - so werden sie wissen, daß ein Prophet in ihrer Mitte war; Wenn aber die Dinge, die in den sieben Bänden der Schrift-Studien vorhergesagt sind, geschehen werden, dann wird der Scheinweizen - aber zu spät - zur Erkenntnis kommen, daß ein großer und von Gott ordinierter Prediger "in ihrer Mitte war". (Das vollendete Geheimnis, S. 520)

Präsident Russell, - schrieb durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes

... In all seinen Warnungen machte Pastor Russell keinerlei Anspruch auf Originalität. Er sagte, daß er seine Bücher niemals aus sich selbst habe schreiben können. Alles kam von Gott durch die Erleuchtung des heiligen Geistes. (Das vollendete Geheimnis, S. 529)

WTG - als Prophet Jehovas

... Hat Jehova denn einen Propheten, der ihnen hilft, der sie vor Gefahren warnt und der Künftiges verkündigt?

Den "Propheten" erkennen

Diese Fragen können bejaht werden. Wer ist dieser Prophet? Er hatte einen "Propheten", um sie zu warnen. Dieser "Prophet" war kein einzelner Mensch, sondern eine Körperschaft von Männern und Frauen. Es war die kleine Gruppe der Fußstapfennachfolger Jesu Christi, die damals als Internationale Bibelforscher bekannt waren. Heute sind sie als christliche Zeugen Jehovas bekannt.

Natürlich ist es leicht zu sagen, die Gruppe handle als ein "Prophet" Gottes. Es ist etwas anderes, das zu beweisen. Die einzige Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, den Bericht zu überprüfen. (Wachtturm 1972, S. 389)

WTG - als Vertreter Jesu Christi

... Beeile dich, Gottes sichtbare theokratische Organisation, die seinen König Jesu Christi vertritt, herauszufinden. Das ist zur Bewahrung des Lebens unerläßlich.

(Wachtturm 15. Januar 1968)

WTG - als Vertreter des Herrn auf Erden

... Gewalt über die sichtbare Organisation Jehovas wie auch über die unsichtbare inhat und daß "Die Gesellschaft" der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden ist... (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 148)

Prophezeiungen der Wachtturm-Gesellschaft

1. "Prophetie"

Wiederkunft Jesu Christi 1874 ... Siehe, ich stehe an der Tür: Eine Anzahl Bibelstellen, die, sobald sie im Zusammenhang und Sinn verstanden werden, beweisen, daß das zweite Kommen unseres Herrn im Herbst 1874 stattfand, sind: ...

(Das vollendete Geheimnis)

... Das nächste Kapitel wird den biblischen Nachweis liefern, daß 1874 das genaue Datum des Anfanges der "Zeiten der Wiederherstellung" ist, und folglich der Wiederkunft unseres Herrn ... (Die Zeit ist herbeigekommen, S. 115)

... Während die Zeitprophezeiungen so darauf hinweisen und darin eins sind, daß 1874 das Datum der zweiten Gegenwart unseres Herrn ist, und uns dies mit mathematischer Genauigkeit sicher stellen, finden wir uns durch Beweise anderer Art überwältigt ...

... Dieser Verweis zeigt, daß der Herr seit 1874 gegenwärtig ist, und das er ein Erntewerk geleitet hat und noch leitet... (Dein Königreich komme, S. 116 und 117)

... Biblische Prophezeiungen zeigen, daß das zweite Erscheinen des Herrn im Jahre 1874 zu erwarten sein würde. Die in Erfüllung gegangenen Prophezeiungen zeigen über jeden Zweifel hinaus, daß er im Jahr 1874 wirklich zurückkehrte. (Der Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi, Nr. 6, S. 88)

Die vorgenannten Prophetien der WTG, die, wie anhand von Wachtturm-Literatur nachgewiesen, die Wiederkunft Jesu Christi "über jeden Zweifel hinaus" und "mit mathematischer Genauigkeit" für das Jahr 1874 festlegten, da sich die von der WTG ebenfalls aufgestellten Prophetien der Vernichtung der Kirchen und sämtlicher Regierungen in der Welt bis zum Ende 1914 ebenfalls nicht erfüllten, das heißt, sich ebenfalls als falsche Prophetien erwiesen hatten.

... Dies steht in vollem Einklang mit der Erklärung in der Schrift, daß das Reich Gottes erst aufgerichtet werden muß, bevor es an die Vernichtung aller bestehenden Gewalten der gegenwärtigen, bösen Welt herantreten kann, jener politischen, kirchlichen und finanziellen Mächte, deren Untergang am Ende der "Zeiten der Nationen", im Oktober 1914 fällig ist. Zu Beweise dafür wollen wir hier einige Schriftstellen anführen. (Der Krieg von Harmagedon, S. 497)

... Und die Dauer des Fallens ist gleichfalls dementsprechend; denn von der Zeit an, da unser Herr sagte: "Euer Haus wird auch wüste gelassen", im Jahre 33, bis zum Jahre 70 waren 36 1/2 Jahre; und so sind vom Jahre 1878 bis zum Ende des Jahres 1914 ebenfalls 361/2 Jahre. Und mit dem Ende des Jahres 1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen, verschwunden sein, wie schon aus der Weissagung gezeigt wurde. (Dein Königreich komme, S. 146)

Nach dieser Vorhersage - Pleite - verlegte die WTG - unter ihrem Präsidenten Rutherford - die Wiederkunft Christi kurzerhand um 40 Jahre näher an die Gegenwart, das heißt, auf das Jahr 1914. Außerdem prophezeite sie in diesem Zusammenhang, daß die Generation, die im Jahre 1914 alt genug war, um die seinerzeitigen Weltgeschehnisse zu verstehen bzw. die im Jahre 1914 ca. 15 Jahre alt waren (1900-Generation) - daß diese Generation nicht vergehen sollte, bis Jehova die Vernichtung der Regierungen dieser Erde und der Kirchen ("verderbte System der Dinge") vorgenommen hat.

2. Prophetie

Wiederkunft Jesu Christi 1914 Die letzten Tage dieses bösen Systems der Dinge. ...Wann wird es soweit sein? Gottes Sohn Jesus Christus gibt die Antwort. Er sagte, nachdem er auf all die vielen Dinge aufmerksam gemacht hatte, die zeigen, daß wir seit 1914 in der "Zeit des Endes" leben:

"Diese Generation (wird) auf keinen Fall vergehen ... bis all diese Dinge geschehen." (Matthäus 24:34) Welche Generation meinte er?

3 Jesus hatte gerade von Personen gesprochen, die alle diese Dinge sehen würden. "Diese Dinge" sind die Ereignisse, die sich seit 1914 zugetragen haben und die sich noch zutragen. Aber heute sind noch Personen am Leben, die 1914 alt genug waren, um zu beobachten, was geschah, und die sich somit heute noch daran erinnern können. Diese Generation ist nun schon ziemlich alt. Viele, die zu dieser Generation gehörten, sind bereits gestorben. Doch Jesus sagte sehr deutlich: "Diese Generation (wird) auf keinen Fall vergehen .... bis alle diese Dinge geschehen." (Die Wahrheit, die zum ewigen Leben führt)

... Wenn wir annahmen, daß fünfzehnjährige Jugendliche genügend Verständnis hatten, um die Bedeutung dessen zu begreifen, was 1914 geschah, wären die jüngsten, "dieser Generation" heute ungefähr 70 Jahre alt. (Erwachet, 8.4.69, S. 13 und 14)

Jedoch die heute noch wenigen lebenden Menschen dieser 1900-Generation sind jetzt ca. 90 Jahre alt. Das Lebensalter des Menschen, das heißt, eine Menschengeneration wird aber in der Bibel - Psalm 90:10 - mit 70 bis 80 Jahren angegeben.

Das bedeutet, daß die 1900-Generation nach biblischen Maßstäben schon seit 10 Jahren vergangen ist - als Generation -, wenn auch von dieser Generation heute noch einige Menschen am Leben sind.

Dies bedeutet schließlich, daß auch das prophezeite Jahr 1914 als das Wiederkunftsjahr Jesu Christi ebenfalls eine falsche Prophetie war.

Wie sagt doch die WTG - woran man einen falschen Propheten erkennen kann? ... Nun dürfte man die Frage aufwerfen: Wie können wir wissen, ob jemand ein wahrer oder falscher Prophet ist? Es gibt zum mindesten drei Mittel, wodurch wir dies bestimmt entscheiden können:

1. Wenn einer ein wahrer Prophet ist, so wird seine Botschaft genau so, wie sie prophezeit worden ist, auch in Erfüllung gehen. Ist einer aber ein falscher Prophet, so wird seine Prophezeiung nicht in Erfüllung gehen ...

... Hieraus ergibt sich die unwiderlegbare Schlußfolgerung, daß sie Gottes heilige Propheten waren. Der Unterschied zwischen einem wahren und falschen Propheten besteht darin, daß der eine das Wort des Herrn spricht und der andere seine eigenen Träume und Mutmaßungen.

(Der Wachtturm und Verkünder der Gegenwart Christi, 15.6.30, S. 188)

Und wie kann man nach Gottes Wort den falschen Propheten erkennen?

... Wenn du in deinem Herzen sprichst: Wie sollen wir das Wort erkennen, daß Jehova nicht geredet hat? Wenn der Prophet im Namen Jehovas redet, und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, welches Jehova nicht geredet hat: mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet." (5. Mose 18:21, 22)

Schlußfolgerungen:

... die leitende Körperschaft in Brooklyn, dieser selbsternannte Prophet Jehovas, hat sich als falscher Prophet erwiesen und hat mit seinen Lügen (Jeremia 23:25-32) von Jesu Christi weg in die Irre geführt.

Mit Vermessenheit hat dieser sogenannte Prophet Jehovas geredet.

Hier stellt sich für jeden die Frage:

Von welchem Geist mag wohl die Führungsspitze der WT-Gesellschaft, dieser sogenannte "treue verständige Sklave" bzw. dieser sogenannte "Prophet Jehovas" wohl erleuchtet worden sein? - Da es der Heilige Geist mit Sicherheit nicht war, - denn der Heilige Geist erleuchtet keinen zur Falschprophetie bzw. lügt nicht...

-xyz-

DIE WTG-WERBUNG UND MEINUNGSMANIPULATION

Es ist immer wieder interessant und nützlich (auch notwendig), in der bisher erschienenen Wachtturm-Literatur (besonders der früheren) zu blättern.

Aus dem Buch "Organisation zum Predigen des Königreiches und zum Jüngermachen".

Im Kapitel "Hirten der Herde Gottes" wird auf den Seiten 51-69 immer nur von "Ältesten" und Dienstamtgehilfen gesprochen, aber dann bis zur Seite 90 erleben wir ein buntes Gewimmel: Da gibt es zunächst "Vorsitzführende Aufseher", "Predigtdienstaufseher" und "Bibelstudienaufseher". Da wird von einem "Versammlungskomitee" gesprochen, von "WT"-Studienleitern. Dann geht es munter weiter. Es gibt "Aufseher der Theokratischen Predigtdienstschule", "Versammlungsbuchstudienleiter" und schließlich Aufseher für alle geographischen Größenordnungen, für Stadt, Kreis, Bezirk, Zweig, Zone. Die letzte Instanz - der Präsident - wird, vielleicht weil das dann der Gipfel der Unverschämtheit wäre, verschwiegen in diesem Kapitel.

Warum diese Aufzählung?

Nun, wir wissen, daß es die WTG meisterhaft versteht, mit den Methoden der Wirtschaftswerbung und Meinungsmanipulation umzugehen. In jenem Buch wird über 68 Seiten vorsichtig aber gezielt darauf hingearbeitet, daß man viel an die frühe Christenversammlung denkt, Zitate und Vergleiche sprechen auf 68 Seiten vor allem darüber, dann ist, das gemeinsame Studium dieses Organisations-Buches tut dazu ein Übriges, der Zeuge Jehovas so beeindruckt von Jehovas Vorkehrungen damals und seinen Plänen für heute, daß er nicht mehr merkt, wie die gesamte WT ein gestaffelt aufgebauter Verwaltungsapparat ist. Die laut diesem Buch 1972 vorhandenen Ämter und Titel wirken klangvoll und bemerkenswert ist, daß immer ein besonders langer Name für die kleinsten Ämter besteht. Je höher die Ämter werden, desto weniger wird über sie ausgesagt. Der "Kreisaufseher" wird auf 5 Seiten, der "Bezirksaufseher" auf reichlich 2 Seiten, Zweig- und Zonenaufseher nur auf einer halben Seite erklärt. Das ist eindeutig so gewollt.

Nur keinen Einblick geben

Der Studiengruppenleiter hier und heute hat über Funktion und Aufgaben der WTG weniger Erfahrung und Kenntnis als derjenige, der mehrere Studiengruppenleiter anleitet. Dieser wiederum weniger als ein Stadt- oder ein Kreisaufseher. Auf der obersten Ebene, also in Brooklyn, dann in den Zweigbüros, wird die große Politik der WTG gemacht und entschieden. Die kleine Versammlung bekommt fertige Speise, hat zu kauen, schlucken und zu zahlen.

Hier eine eindeutige Verdummung der Zeugen Jehovas. Im Kapitel 2 erfahren wir über die WTG: "Diese aus Gott hingegebenen, getauften Christen bestehende Gesellschaft strebt keinen Gewinn an und widmet sich völlig der Förderung der Interessen der wahren Anbetung auf Erden." Gehen wir einmal gar nicht davon aus, daß sich die WTG in Anlehnung an Wirtschaftsvereinigungen verschiedener Art den Titel "Gesellschaft" zulegte. Akzeptieren wir zugleich, daß im Vordergrund der Werbung, der Gewinnung neuer Mitglieder zumindest in der öffentlichen Darstellung die "wahre Anbetung" im Vordergrund steht, so sind und müssen die Gewinne doch beträchtlich sein. Nur wird darüber nirgends Genaueres gesagt oder gedruckt Es gibt aber ein bestens organisiertes, sehr, sehr einträgliches Spendenverfahren, es gibt Einsparungen großer Höhe durch das Taschengeld-Verfahren und den Literatur-Vertrieb, der ohne materielle Aufwendungen erfolgt, und dann, was nicht nur Fachleute wissen und sich ausrechnen können, der Gewinn, der aus der Literaturproduktion mit Riesenauflagen immer zu ziehen ist. Es müssen keine Autoren für Bücher und Zeitschriften, keine Illustratoren gut bezahlt werden. All das schlägt zu Buche und so ist es ein böser Witz, jegliches Gewinnstreben völlig abzulehnen. Nicht umsonst waren schon Russell und Rutherford mehr als geschäftstüchtig.

Noch einmal: Ämter

In jenem kurzen Kapitel 2 werden wir auf Seite 9 mit Zitaten bombardiert. Wichtig aber ist die Aussage:

"Es ist also wichtig, daß du in enger Verbindung mit dieser 'Sklaven'-Klasse arbeitest und positiv auf den Rat reagierst, den du durch sie erhälst"

Also wurde grundsätzlich der Vorrang der Bibel ausgeschaltet.

Nur der WTG ist zu gehorchen, bedingungslos. Die Bibel ist nur noch, wie in diesem Falle, dazu da, zu beweisen, daß die "Leitende Körperschaft" rechtmäßig in ihrem Amte sitzt. Wenn sich jenes Buch auf Apostelgeschichte 6: l -6 bezieht, um vom Einsetzen von Männern zu sprechen, rechnet sie damit, daß es keinem auffällt, daß in Apg. 6: l -6 kein einzigesmal ein Amt oder eine Dienststellung genannt wird. Also sind Amt und Ämter der WTG nicht rechtens. Alle Argumente der WTG, daß ja Menschen für die weltweite verwaltungstechnisch arbeiten müssen, rechtfertigt nicht das Unterstellungs- und Abhängigkeitsverhältnis, welches eindeutig in der WTG gegeben ist. Daß ein solches Verhältnis auch zu inneren Spannungen, zu Machtkämpfen, zu Stellungswechseln und unbiblischen Ansprüchen führte und führt, haben gerade die Ereignisse innerhalb der WTG-Leitung in letzter Zeit gezeigt.

Daß die WTG in ihrem Buch "Organisation" solche Widersprüche duldete und duldet, daß sie sich genau wie ein großes Wirtschaftsunternehmen verhält, zeigt, wie fest sie darauf baut, daß sie das Denken und eigenständige Überprüfen der Zustände und Vorgänge in der WTG bei den "kleinen" Zeugen Jehovas völlig unter Kontrolle bzw. ausgeschaltet hat. Anders sind diese Widersprüche nicht zu erklären.

Ob aber die WTG mit ihrer Werbetaktik und gezielten Verdummung recht hat, das hängt von jedem Zeugen Jehovas ab, und wir sollten ihnen immer wieder sagen: Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn wir immer und immer wieder betonen: "Vergewissert Euch...", so tun wir es in Eurem Interesse, denn wahrer Glaube kann nur dort sein, wo das Wort der Bibel ausschließlich Vorrang hat."

-nns-

DIE GESCHICHTE DER ZWEI WACHTTÜRME

Im 1. Mose Kapitel 11 finden wir die Schilderung, wie der erste Wachtturm entstand. Die Erbauer dieses Wachtturms wollten sich damit einen Namen machen. Die Größe und die Wucht des Bauwerkes sollten ihre Macht zeigen und alles sollte ihnen aus Furcht Untertan sein. Das ist in kurzen Worten die Geschichte des ersten Wachtturms.

Der zweite Wachtturm wurde angefangen zu bauen 1874 und wird wahrscheinlich beendet sein 1994 !!?? Man ist sich darüber noch nicht im Klaren, da die Chronologie der Bibel auch für die Erbauer des zweiten Wachtturms schwer zu ergründen ist. Das Baumaterial des zweiten Wachtturms ist: Sensation, Chronologie, ein anderes Evangelium, neue Lehren und Harmagedontheorie.

Die fortschreitende Entwicklung der Wachtturmgesellschaft in dem über 100jährigen Bestehen macht es erforderlich, daß man beginnt oder beginnen muß, eine theokratische Weltstadt zu errichten. Über dieser Stadt des Wachtturms wird dann der Name Jehovas ganz besonders hervorleuchten, jedoch nicht um Jehova zu rühmen, sondern sich selbst. Die Zeugen Jehovas glauben auch heute noch an die, von der WTG propagierte Endzeit, trotz der letzten Falschprophetie von 1975. Die WTG-Leitung fährt auch weiterfort, diese zu verkündigen, um ihre "Zeugen" zu motivieren das Letzte aus sich herauszuholen und zu geben. Aber glaubt sie wirklich selbst daran, nachdem alle ihre Endzeittermine "Falschprophetien" waren? Wie immer hat man schon wieder etwas in der Schublade an Terminen, die man unterschwellig den Zeugen Jehovas präsentiert. 1994 wäre z.B. ein Endzeittermin, der biblisch zu deuten wäre. - Aber die Leitung in Brooklyn wird sich hüten, nach den vielen Reinfällen, sich auf ein bestimmtes Datum festzulegen. Demnächst und bald, nicht mehr lange usw. sind die Termini, die sie jetzt benutzt.

16 Jahre sind seit 1975 vergangen. In diesen Jahren war die WTG darauf aus, sich einen Namen zu machen, der Klang hat in der ganzen Welt. Beachtet nun genau, was sich jetzt weiter tut: Das heutige Hauptquartier der Wachtturmgesellschaft ist stationiert inmitten der Weltstadt New York, im Stadtteil Brooklyn Heights. Dies ist der höchste Punkt von New York. Man kann von Brooklyn Heights über den großen Welthafen New York sehen. Die Freiheitsstatue, die großen Wolkenkratzer, die Wall Street mit dem Sitz der Mächtigen. An schönen Tagen kann man bis Connecticut und New Jersey sehen, dies alles bietet Brooklyn Heights als Ausblick. - Auf dieser Höhe sind heute mehr und mehr die Gebäudekomplexe der "Neuen-Welt-Gesellschaft" gewachsen.

Jahr für Jahr erwarb man ganze Straßen von Gebäuden. Die alten Gebäude wurden teilweise abgerissen oder modernisiert. Andere Firmen, die ebenfalls versuchten dort Gebäude zu erwerben - in Konkurrenz mit der WTG - wurden auf Grund der "Sofort-Barzahlung" der WTG ausgebootet. Die WTG verfügt immer über genügend flüssiges Kapital. So erwirbt die WTG in Brooklyn Heights alles, was zu kaufen ist und es zeigt sich jetzt schon sehr deutlich, daß man dabei ist, eine Weltstadt für Jehova zu errichten. Aber was will die WTG dem Schöpfer aller Dinge schon damit geben, denn alles ist doch sein! - Also will sie damit nur ihre Machtstellung proklamieren!

-W.M.-

DAS JAHR 1925 NACH DEN LEHREN DER WTG

Viele der neu hinzugekommenen Zeugen Jehovas werden wenig oder nichts wissen über die Prophezeiung des Weltendes im Jahr 1925. Da die WTG bemüht ist, darüber still zu schweigen, ist es doch von Nutzen, einige Veröffentlichungen, die unter Präsident Rutherford erschienen sind, bekannt zu machen, da sie über manches Aufklärung geben.

Was erwartete man in diesem Jahr?

1. Die irdische Phase des Königreiches

2. Abraham im Besitz seines Erbteils

3. Rückkehr der treuen Männer Israels aus den Gedächtnisgrüften

4. Höhepunkt der großen Drangsal und Wiederherstellung alle Dinge unter der gerechten Regierung Christi Jesu

5. Alle Glieder des Leibes Christi verwandelt "zu himmlischer Herrlichkeit

6. Ende der 70 Zyklen (70 Jubeljahre) im Herbst 1925

7. Todesstoß des symbolischen Babylon

(Millionen Broschüre, S. 70, 85, 69 und Das goldene Zeitalter vom 15.3.1924; WT 1924, S. 268)

Große Bemühungen der WTG

Mit großer Tatkraft war man bemüht, das Jahr 1925 als das Jahr des Weltendes in der ganzen Welt zu proklamieren. Alle streng Bibelgläubigen, welche daran zweifelten und warnten, wurden als "lau" bezeichnet oder ausgeschlossen. Der WT von 1923, S. 131 schreibt dazu:

"Manche sind geneigt, zweifelhaft im Bezug auf 1925 zu werden und darum werden sie lauwarm." Auf Anfrage antwortet WT 1923, S. 208: "Den Pilgerbrüdern ist niemals zu irgendeiner Zeit auch nur ein Wink zugegangen, daß sie aufhören sollen über das Jahr 1925 zu predigen ... Unser Glaube ist der, daß der Zeitpunkt 1925 endgültig von der Schrift festgelegt ist." Als das Jahr 1925 näher rückte, lesen wir im WT 1924, S. 259 u.a. Folgendes:

"Möge niemand sich jetzt irre führen lassen durch fein ausgeklügelte Berechnungen ... Das Jahr 1925 ist ein Zeitpunkt, der klar und bestimmt in der Schrift dargelegt ist, sogar klarer als 1914." (!!)

Liebe Brüder, dies sind feststehende Veröffentlichungen, die nicht einfach abzuleugnen sind. Es ist nun aber eigenartig, daß nach 1925 die WTG nie etwas mit dieser Fehlbotschaft zu tun hatte. Vor 1925 hieß es:

"Wir erwarten" - nach 1925 jedoch: "Einige, manche, sie erwarten das Ende". (WT 1924, S. 326 und WT 1925, S. 35) Der WT vom 15.4.1949, S. 124/7 schreibt zur Rechtfertigung der Gesellschaft:

"Wir können ihn nicht vorverlegen (Gottes Tag der Angriffshandlung) wie es einige versucht haben in ihrem Studium der Chronologie ... im Voraus Daten festzulegen." Welch eine grobe Unwahrheit! Die WTG selbst hat die Erwartungen für 1925 verkündet. Sie waren doch die Urheber und niemand anderes! Alle, welche daran zweifelten, daß 1925 das Weltende bringe, wurden ausgeschlossen, nicht etwa durch "Einige", sondern durch die Leitung selbst. Die Fehlberechnung ist noch nicht das unwürdigste, sondern das unaufrichtige, unehrliche Spiel, welches man mit den Gläubigen treibt. Schon 1926 nimmt die Gesellschaft von den Erwartungen des Jahres 1925 Abstand:

"Einige dachten, daß das Werk 1925 enden würde, aber der Herr hat dies nicht gesagt". WT 1926, S. 264. (Dann also war das "Werk des Herrn" doch nicht vom Herrn!?) Jahrelang war es angeblich für die Rettung eines Christen wichtig zu glauben und anzuerkennen, daß 1925 das Ende der Welt bringe. Zu der Frage: Ist die Organisation ein Werkzeug des Herrn (?) schreibt der WT 1925, S. 292 und 1926, S. 264: "Weshalb sollte er (Jehova selbst) uns hier in Kenntnis setzen? ... Und warum sollten wir das auch nur wünschen?". "Ob die ganze Kirche 1925 jenseits des Vorhanges (Tempelvorhang) gebracht wird oder nicht, ist eine Sache von geringer Bedeutung." (WT 1925, S. 279)

Mit einem Male wird das weltweite in Szene gesetzte Ende der Nationen im Jahre 1925 eine Sache von geringer Bedeutung. Warum? Weil das Jahr 1925 für alle damaligen "Ernsten Bibelforscher" zu einem Jahr größter Enttäuschung wurde. Der "treue und kluge Knecht" brachte viele in Gewissenskonflikte. Ein Teil der damals "Ausgeschlossenen", weil sie die Prophezeiung von 1925 als unbiblisch empfanden, lebt heute noch und steht größten Teils außerhalb der Organisation, da sie die Unaufrichtigkeit nicht überwinden konnten.

Was sagt die Heilige Schrift dazu?

"Doch der Prophet, der sich vermessen wird in meinem Namen ein Wort zu reden, das ich nicht geboten habe zu reden, ... selbiger Prophet soll sterben ... Wenn der Prophet im Namen Jehovas redet und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das Wort, welches Jehova nicht geredet hat, mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet, du sollst dich nicht vor ihm fürchten."

(5. Mose, 18:20, 22)

Der stets unfehlbare Mitteilungskanal, welcher die Speise zur rechten Zeit gibt, schreibt:

"Wir haben keine Veranlassung, irgend etwas zu berichtigen bezüglich des Zeitpunktes 1925 ...".

Welche Überheblichkeit! Wo bleibt da die gelehrte Demut? Angesichts dieser Tatsache, wird da jemals die WTG geneigt sein, vom Irrweg der Zahlenrechnung wegzugehen? Wenn laut Veröffentlichung das jähr 1925 noch klarer und bestimmter war als das Jahr 1914, wäre es da nicht angebracht, eine Revision mit Hilfe der Heiligen Schrift bezüglich des Jahre 1914 durchzuführen? Die wäre bestimmt sehr nötig. Jedoch die Neue-Welt-Gesellschaft schweigt dazu und hält ihre Behauptung weiterhin aufrecht, weil man nicht widerrufen will.

-H.W.A.-

DIE KOSTENFREIE WACHTTURM-LITERATUR KOSTENFREI FÜR WEN?

Die neue Art der Verbreitung

Ein interner Brief der WTG in alle ZJ-Versammlungen vom 1. August 1991 und du WTG-Infonnationsblatt "Unser Königreichsdienst'' vom September 1991 mit der Beilage "Die neue Art der Verbreitungen unserer Veröffentlichungen" enthalten, wie bereits in CV berichtet, die Bedingungen für die kostenlose Verbreitung der gesamten WTG-Literatur. In Deutschland wurden da 134.582 gezählte aktive Zeugen Jehovas in 1.906 örtlichen Versammlungen (1990) auf diese neue Art umgestellt. Die Intema der WTG besagen im Wesentlichen Folgendes: Kostenfrei bedeute, daß buchstäblich Millionen Menschen Gelegenheit hätten, zu kommen und kostenfrei Wasser des Lebens zu nehmen, wie es in Offenbarung 22:17 heiße. Aber man sei weder verpflichtet noch habe man den Wunsch, wahllos an jeden abzugeben, der es nehmen würde. Auf jedem "Verkündiger" ruhe die Verantwortung, weisen Gebrauch von dem zu machen, was er nunmehr kostenfrei von der Wachtturmgesellschaft erhalte.

Es komme darauf an, aufrichtigen Menschen zu helfen, die da interessiert sind.

Gemäß der Reaktion einer Person müsse der "Verkündiger" selbst entscheiden, ob er anbietet oder nicht. Nur wenn offensichtlich ausreichendes Interesse vorhanden ist, sei ein Schriftenangebot gerechtfertigt. Wo kein Interesse, keine Wertschätzung für geistige Dinge vorhanden sei, wäre die Literatur verschwendet.

Eine produktive Verbreitung hänge von der Fähigkeit ab, echtes Interesse zu erkennen.

Mit dieser "neuen Art" würden schließlich "weitere Beweise" geliefert, daß man mit dem Wort Gottes nicht hausiere, wie es 2. Korinther 2:17 fordere, und es beweise auch, daß man kein Teil der Welt sei, was Johannes 17:14 entspreche. Zum Schluß:

Da die Vernichtung Babylons der Großen näher rücke, werde der Druck "auf alle religiösen Elemente" zunehmen. Man wolle jedoch weiterhin ohne Behinderung vorangehen. Im Interesse vor allem derer, die nun auf diese "neue Art" von ihrem bisherigen Glauben hin zu den Zeugen Jehovas abgespalten werden sollen, ist es schon nützlich, eingehender nach der Bedeutung dieses veränderten WTG-Vorgehens zu fragen.

Was im Vorfeld passierte

Die Wachtturmgesellschaft bisher im vollen Umfang als "gemeinnützig" anerkannt, mußte bisher keinerlei Steuern abführen.

Keine müde Mark floß deshalb in den mehr als zehn Jahren an Gewerbesteuern in die Kasse der Taunus-Gemeinde Selters, auf deren Territorium sich ja bekanntlich das riesengroße "Bethel", sprich Druckereiunternehmen, mit mehr als 500 Beschäftigten befindet.

Einen Anteil an der Einkommensteuer der in der Wachtturmgesellschafts-Druckerei beschäftigten 500 Mitarbeiter kassiert die Gemeinde ebenfalls nicht. Denn dort wird unabhängig von Tarifverträgen und Arbeitszeitregeln kein Einkommen erarbeitet. Anders ausgedrückt: 100 Mark Taschengeld gibt es pro Nase auf die Hand. Unterkunft und Verpflegung sind frei,

Beiträge für Renten- und Krankenversicherung führt die Gesellschaft nicht ab.

Über die Gemeinnützigkeit entschied die Oberfinanzdirektion Frankfurt/Main wie folgt:

"Die Gemeinnützigkeit bleibt der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas erhalten, aber bestimmte Bereiche des Geschäftsbetriebes der Wachtturmgesellschaft werden rückwirkend ab 1988 der Steuer unterworfen". (Wetzlaer Neue Zeitung, 27.12.1990)

Ohne Zweifel besteht ein Zusammenhang zwischen dem WTG Verkaufsstop zugunsten kostenfreier Verbreitung und der Infragestellung ihrer Gemeinnützigkeit zwecks Besteuerung ihrer Literaturproduktion. Die WTG-"Hintergrund"-Bemerkung, die Vernichtung Babylons der Großen, womit vor allem die christlichen Kirchen gemeint sind, rücke näher, und da nehme der Druck "auf alle religiösen Elemente" zu, die WTG offensichtlich inbegriffen, soll anscheinend neue "ZJ-Verfolgung" suggerieren.

Es ist aber zugleich auch eine Fortführung jener kirchenfeindlichen "Hure-Babylon"-Politik der Wachtturmgesellschaft, mit der immer wieder das kurz bevorstehende "Weltende" behauptet wurde und wird. Zugleich wird hier ersichtlich, auf welche Weise die ZJ die "Dringlichkeit" ihrer "Verkündigung" beigebracht wird. Die Verknüpfung der "neuen Art der Verbreitung" der WTG-Literatur mit der WTG-"Hure-Babylon"-Lehre ist ein guter Anlaß, Betroffenen und Angesprochenen auch auf diese Weise die Haltlosigkeit der WTG-Endzeitkonstruktionen einsichtig zu machen, damit sie ihnen gar nicht erst anheim fallen.

Die "kostenfreie" WTG-"Hure-Babylon"-Lehre

Nach dem letzten Stand der Dinge bei der WTG sieht es um den zunehmenden Druck auf alle religiösen Elemente so aus: "Gemäß biblischer Prophezeiung werden sich die mit den Vereinten Nationen verbundenen politischen Mächte gegen das Weltreich der falschen Religion wenden und es verwüsten. Einige politische Systeme haben bereits ihren Unwillen über die Einmischung der Religion in politische und soziale Belange zum Ausdruck gebracht, gewisse sozialistische Staaten bekennen sich zu Atheismus und haben die Religion so gut wie ausgemerzt - als Beispiel sei Albanien genannt - oder zu einer willfährigen Dienerin gemacht, wie in der Sowjetunion und China. In verschiedenen ärmeren Ländern bekunden die Politiker großen Unmut über die Befreiungstheologie einiger katholischer Priester. Mancherorts werden auch Religionsorganisationen unterdrückt, weil sie sich in Rassenfragen einmischen. Selbst in angeblich liberalen Ländern ärgern sich Politiker darüber, daß die Geistlichkeit in der Politik und in sozialen Fragen mitzureden versucht. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Gründe die politischen Mächte der Erde veranlassen werden, gegen die falsche Religion vorzugehen. Aber eines ist sicher - die Hinrichtung Babylons der Großen durch diese Elemente wird nicht nur ihr Wille sein, sondern auch der Wille Gottes. Die politischen Herrscher werden von Gott als unfreiwillige Werkzeuge benutzt, um die falsche Anbetung auf der gesamten Erde zu vernichten". (Der Wachtturm, 15.5.1989, S. 6)

Nichts ist hier "gemäß biblischer Prophezeiung". Vielmehr ist kaum eine der jüngsten "biblischen" WTG-Lehren so als religiös-politische Irrlehre offenbar, wie jetzt diese kirchenfeindliche "Hure-Babylon"-Lehre, inzwischen millionenfach im Wachtturm Nr. 7-10/1989 und im WTG-Buch "Die Offenbarung, ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!" verbreitet. Mit Sicherheit muß die WTG auch diese religiös-politische Lehre über kurz oder lang über Bord werfen, denn: Die Vereinten Nationen könnten gar keine derartigen religionsfeindlichen Werkzeuge Gottes werden, weil ihre Existenz laut Satzung Religionsfreiheit beinhaltet. Auch "gewisse sozialistische Staaten" nicht, weil sie schon gar nicht mehr existieren. Die wirkliche Entwicklung geht wieder einmal über die WTG-Endzeitkonstruktion hinweg und wirft sie erneut "kostenfrei" auf den Müllhaufen der Geschichte.

Was nicht unterschätzt werden sollte

Ohne Zweifel wird die nunmehr kostenfreie Verbreitung der WTG-Literatur für manchen, der auf den Pfennig schauen muß, den Zugang zu dieser bunt und attraktiv schillernden Literatur erleichtern. Und der Hinweis auf die Bibelverse, denen man damit angeblich entspricht, wird sich manches arglose Gemüt zunächst rühren und - täuschen. Immer erfolgte die Täuschung "der Herzen der Arglosen" auch "mit schönklingenden Reden und glatten Worten" (Römer 16:18). Und die WTG wird ihre Zeugen mit Sicherheit anleiten, sich nun - mit Bibelzitaten natürlich - um sich mehr an die Brust zu schlagen und mit Fingern auf andere zu zeigen, wo man für eine Zeitschrift oder anderes etwas bezahlen muß.

Können die Zeugen denn selbst entscheiden? Zu verlangen, zuvor selbst herauszufinden, ob einer "echtes Interesse" und "Wertschätzung für geistige Dinge" hat oder nicht, dürfte die meisten "Verkündiger" wohl überfordem. Wer kann schon in das Herz eines Menschen schauen, um zuvor herauszufinden, ob Interesse echt ist oder nicht. Dem steht auch entgegen, daß Interesse erst durch das Angebot geweckt werden soll.

Nicht zu "verschwenden", dürfte sich auch auf die bisherige ZJ-Schulung auswirken. Das Einüben wirkungsvollen Schriftenangebots genügt nicht mehr. Die "besten" Herausfindungs- und Aushorchmethoden wären erforderlich. Das erinnert an die in den 50er Jahren eingeführte "theokratische Kriegslist" gegenüber den "Feinden der wahren Anbetung", als es hieß: "Wende theokratische Kriegslist an!" (Wachtturm, 1.7.1957, S. 413) und dazu u.a.:

"Die Neue-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas ... wendet ihre weiseste Strategie an, nämlich Kriegslist, um den Einfluß, die Macht und die Wirksamkeit weltlicher Herrschermächte, die Jehovas Volk zu bedrücken und Gottes Namen zu schmähen suchen, zu Tode hämmern".

(WTG-Lehrbuch "Auch du kannst Harmagedon überleben", S. 287, dt. 1958)

Der behauptete "Druck auf alle religiösen Elemente" könnte diese "weiseste Strategie" wieder aktualisieren. Daß sie sich mit all ihrer List selbst nach der WTG-eigenen Neue-Welt-Übersetzung im Widerspruch zu den apostolischen Weisungen in 2. Korinther 4:2 befanden und befinden, hat die WTG nie beunruhigt.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist, daß ein ZJ bestrebt sein muß, die WTG-Schriften abzusetzen. Nebenbei: Viele Zeugen blieben und bleiben auf diesen Schriften sitzen, weil es ihnen eigentlich zuwider ist, damit zu hausieren und zu kolportieren. Lieber haben sie dabei finanziell zugesetzt. Andererseits sind die WTG-Schriften allein das Mittel, das die Zeugen Jehovas zusammenhält und dynamisiert. Nur mit der Bibel würden sie über kurz oder lang als Gemeinschaft zerfallen. Auch die WTG drückt:

Was für ein internationales Büro-, Druck- und Medienimperium sie auch aufbaut und unterhält, ohne ihre Schriftenverbreitung vor Ort, überall ist sie wie ein Kriegsherr ohne Kriegsheer. Die Literaturverbreitung darf nicht stocken. Macht und Einfluß der WTG stehen oder fallen mit der Verbreitung ihrer Literatur. Hat sie keinen Absatz mehr, so gerät das ganze "Unternehmen" in Gefahr.

Alles in allem könnte die "neue Art der Verbreitung" die einfachen "Verkündiger" vor Ort in eine komplizierte Situation stellen, sowohl was das Loswerden der Literatur betrifft als auch, was das Gewinnen neuer Anhänger betrifft. Hinzu kommt die "erforderliche" Schulung in den örtlichen Zusammenkünften, der sie von der WTG unterzogen werden. Übrigens sollte einem jeden, der hier betroffen und angesprochen ist und wird, auch klar gesagt werden, daß er von der WTG letztlich zu einem ihrer Schriftenverbreiter gemacht wird, mit allen Konsequenzen, wenn er sich ihr anschließt und unterwirft.

Wie weiter mit dem Wachtturm?

Man muß Betroffenen und Angesprochenen aber eine noch ganz andere Frage vor Augen führen. Mit der "neuen Art", nichts zu "verschwenden", sondern nur noch auf "echtes Interesse" ausgehorchten Literatur abzugeben, wird auch die von der WTG beanspruchte weltweite "Wachtturm"- oder Wächterfunktion berührt. Aber nicht nur berührt, sondern vielmehr infrage gestellt. Haltlos ist sie ohnehin. Doch zunächst zum "Wachtturm" selbst: Diese Bezeichnung für Organisation, weltweite Aufgabe und maßgebliche Lehrschrift wurde von dem WTG-Begründer C.T. Russell seit 1897 ursprünglich mit einigen vorchristlichen alttestamentlichen Prophetenäußerungen "begründet", die er einfach für sein Werk in Anspruch nahm. Das sind Jesaja 21:l l und Habakuk 2:1, 2, wo von Wächter und Wachtturm die Rede ist. Das ist allerdings nur bis zur Wachtturm-Ausgabe vom 15. Oktober 1931 dt. direkt ersichtlich, wo diese AT-Texte auf den Titelseiten noch ausgewiesen sind. Die jüngsten und gegenwärtigen Wachtturm-Zweckerklärungen (S. 2) unterschlagen diese Ursprünge völlig. Auch der Name "Zeugen Jehovas" ist vorchristlich, Jesaja 43:12 AT entnommen, wie die Wachtturm-Titelseiten bis März 1974 dt. ausweisen. Nun tritt die WTG heute nach wie vor in jenem vorchristlichen Prophetenmantel mit beanspruchter Wächterfunktion als "Wachtturm" selbst im Titel international "für die ganze Menschheit" auf. So hieß es z.B. 1990 in 107 Sprachen: "Eine gute Botschaft für die ganze Menschheit" (Wachtturm 1. Januar 1990)

Wenn jedoch nur noch auf echtes Interesse ausgeguckte Personen diese "Wächterstimme" zur Kenntnis bekommen, wie die "neue Art der Verbreitung" der Literatur zur Folge hat, wird doch nur eine Minderheit der ganzen Menschheit erreicht. So ist der "Wachtturm" alles andere als für "die ganze Menschheit".

So bricht die unüberbrückbare Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit," Wachtturm" für die "ganze Menschheit" zu sein, auch mit der nun kostenfreien Begrenzung der WTG-Literatur auf nur "echtes Interesse" dafür um so krasser auf. Die eingenommene vorchristliche Wächterfunktion war und ist eine absolute Illusion, eine Täuschung und Selbsttäuschung: Sie hat nie die gesamte Menschheit erreicht und kann das auch nie. Ehrlicherweise müßte die WTG diesen Anspruch fallen lassen, und damit auch den Titel ihrer Zeitschrift. Die Fragwürdigkeit der WTG-Wächterfunktion "für die ganze Menschheit" muß aber in einem ganz anderen Zusammenhang gesehen werden. Das gesamte kirchenfeindliche WTG-Abspaltungswerk gerät in Kürze in eine dogmatische Krise, die das bisherige Selbstverständnis noch umfassender erschüttert. Anzusetzen ist das Jahr 1994, dann ist nämlich nichts Geringeres abgelaufen als die jetzt gepredigte "Zeit des Endes dieser Welt", die 1914 begonnen haben soll. Die WTG jüngst dazu:

"Die Dauer der letzten Tage ist auf die eine Generation beschränkt, die 1914 schon am Leben war. Diese Generation von Augenzeugen ist nun bereits in den 70er oder 80er Jahren". (Von Kurukshetra nach Harmagedon, S. 15) Die WTG zitiert hier als "biblische Stütze" indirekt Psalm 90:10, wo es heißt: "Unsere Lebenszeit währet siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, achtzig Jahre". Wenn die 1914-Generation das Harmagedon-Weltende also noch erleben soll, muß es ab 1994 losgehen. Die WTG selbst straft sich hier Lügen, ist doch gerade jetzt ein milliardenschwerer Ausbau des internationalen Verwaltungs-, Druck-, Verlags- und Medienimperiums der WTG im Gange -keine Kirche oder Religionsgemeinschaft hat Gleichartiges aufzuweisen - über z.Z. 212 Länder der Erde hin, um nun in das

nächste Jahrtausend hinein gerüstet zu sein. Dessenungeachtet ist das bisher "sinngebende" Endzeitdogma auf diese Weise erledigt. Natürlich wird dafür "neues Licht von Gott", wie es immer genannt wird, konstruiert werden. Die aller Welt proklamierte 1914-1994-Wächterfunktion ist jedoch als Funktion eines "falschen Propheten" offenbar.

Der "gute Kampf des Glaubens"

Weiß man um die Haltlosigkeiten des kirchenfeindlichen WTG-Abspaltungswerkes, dann ist man nicht nur selbst dadurch unbeeinflußbar, man ist auch gewappnet, anderen zu helfen, gar nicht erst auf den WTG-Endzeitirrweg zu geraten. Nicht zuletzt kann man mit solchem Wissen auch einen "im Herzen arglosen" Zeugen Jehovas helfen, sich und seine Mitmenschen nicht länger zu täuschen.

Bekanntlich haben die katholische, die evangelische und die Freikirchen 1992 als das Jahr mit der Bibel ausgerufen. Sie soll in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt und möglichst vielen erschlossen werden. Die Herausforderungen dafür mögen verschieden sein. Eine ist ohne Zweifel das kirchenfeindliche WTG-Abspaltungswerk, z.T. unter groteskem Bibelmißbrauch. Wo diesem begegnet werden muß, kommt es in der Tat auch auf eine gute Arbeit mit der Bibel an. Immer war und ist der "gute Kampf des Glaubens" (1. Timotheus 6:12) konkret zu kämpfen gewesen aus einer gegebenen Situation heraus. Und eigentlich müßte für einen Christenmenschen jedes Jahr ein Jahr mit der Bibel sein. Es genügt nicht, diesem abspalterischen "Vormarsch" nur allgemein zu benennen und zu beklagen, anzugehen. Auch hier "steckt der Teufel im Detail", was bedeutet, konkret zu antworten, immer wieder aufs Neue. Am besten ist es, da immer das Aktuellste in der Hand zu haben. -

-D.P.-

Aus eigenem Erleben:

BRUDER, DU FRAGST ZUVIEL

... Es war im Herbst 1974, als ein Mädchen bei mir auftauchte und mir ein Heimbibelstudium anbot. Zum einen war ich überzeugter Atheist und Anhänger der Evolutionstheorie, so daß ich glaubte, mir auf ihre Kosten einen lustigen Abend machen zu können. Zum anderen war ich allein und dieses Mädchen erschien mir sympathisch. Kurz - ich spielte mit. Im Laufe der Zeit wurde aus dem "Bibelstudium" ein rein persönliches Treffen. Diese Beziehung hielt ca. l Jahr. Natürlich überzeugte sie noch nicht, aber der Keim war gelegt. Nun geriet ich bald in große persönliche Schwierigkeiten, so daß ich dringend Gemeinschaft brauchte. Weil die WTG mir nun am nächsten stand, besuchte ich einfach einmal ein WT-Studium, dort auch Gottesdienst genannt. Mir gefiel diese scheinbar herzliche Atmosphäre. Deshalb beschloß ich, der Sache auf den Grund zu gehen und mußte rasch erkennen, daß die Bibel ein besonderes Buch und wirklich Gottes Wort ist. Sehr bald wuchs mein Glaube an Gott und damit verschwanden meine Probleme. Ende 1977 stellte ich meinen Taufantrag. Ich war jetzt etwa ein Jahr lang mit der Versammlung verbunden. Jetzt mußte ich die Kehrseite der Medaille kennenlernen. Ich bin ein Mensch, der alles ganz genau wissen will. Oberflächlichkeiten sind mir zutiefst zuwider. So begann ich schon kurze Zeit nach meinem ersten Versammlungsbesuch peinliche Fragen zu stellen. Zuerst wurden sie mir noch beantwortet, aber diese "Antworten" warfen immer neue Fragen auf. Das Ganze war mir einfach zu wirr. Außerdem hatte ich in der Bibel ganz andere Dinge gelesen als die WTG lehrte. Aber wie sie ja wissen - der "Sklave" hat immer Recht. Also mußte ich mich wohl geirrt haben ...

Bald gingen mir die "von Jehova eingesetzten" Ältesten aus dem Weg. Sogar ein einmal anwesender Kreisaufseher ergriff aus "Zeitmangel" die Flucht. Nur die kleinen Kinder und Jugendlichen in der Versammlung diskutierten noch mit mir - sehr zum Zorn ihrer Eltern. (Interessanterweise sind die meisten von denen heute keine WT-Zeugen mehr!) Als die Fragen dann zu peinlich wurden, bekam ich aus dem Zusammenhang gerissene Bibelstellen zu hören wie z.B.: "Wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen." (2. Kor. 5:7) Man behandelte mich geradezu als zöge ich das Wort Gottes in Frage. In Wirklichkeit verteidigte ich es doch! Immer wieder nahm ich auch die WTG-Zeitrechnung aufs Korn. Das alles geschah, bevor ich meinen Taufantrag stellte. Die Fragen wurden immer schwieriger, Antworten immer seltener. Eigentlich hätte ich jetzt bereits erkennen müssen, daß ich einer Irrlehre erlegen war - doch nicht die Spur. Durch einen schweren Autounfall, der für mich normalerweise tödlich hätte verlaufen müssen, den ich aber völlig unbeschadet überstand, fühlte ich mich noch bestätigt. Nun ja, mein Taufantrag wurde natürlich abgelehnt, vorerst mit der Begründung, ich hätte meine "weltlichen Angelegenheiten" (sprich: einen KDV-Prozeß aus tiefer religiöser Überzeugung) noch nicht in Ordnung gebracht. - Nicht einmal das brachte mich zur Besinnung. Nun kam 1978. Ich war jetzt bereits Redner in der theokratischen Schule. Nun konnte ich meine Fragen sogar vom Podium aus stellen. Alles wurde jedoch kommentarlos übergangen und ich bekam regelmäßig mein "G" notiert. Zwar setzten sich "Älteste" jetzt mit mir auseinander, aber nicht etwa, um die Fragen zu beantworten, sondern um mich zu maßregeln. Die Gespräche waren jedoch meist sehr kurz, denn den biblischen Argumenten, die ich für meine "Irrungen und Spaltungsversuche", wie sie es nannten, vorbrachte, waren sie in keiner Weise gewachsen. Nicht etwa, weil ich so gut argumentierte, sondern weil sie offensichtlich im Irrtum waren. Vielleicht ist das der Grund dafür, daß ich niemals mit dem (Un-) Rechtskomitee in Berührung kam.

Obwohl ich mich bereits intensiv am Predigtdienst beteiligte, weigerte ich mich beständig, Berichte abzugeben. Begründung Matthäus 6:1-6:

Da die WT-Zeugen ja nur "geistige Gaben" spenden, "Nächstenliebe" durch Buchverkäufe zur Schau stellen und das Werk ohnehin von unserem Herrn Jesus persönlich geleitet wird, ist so etwas überflüssig.

Materielle Spenden dürfen demnach nicht registriert werden, also dürfen es auch "geistige" nicht. Den Einwand, es sei eine organisatorische Frage, konnte ich mit dem Hinweis auf nicht vorhandene Berichte der alten Israeliten, dem "Gegenstück" zur WTG, abtun. Außerdem sind uns auch keine Dienstberichte der Apostel und deren Buchverkäufe bekannt. Alles in allem wurde mein Ruf immer schlechter. Ich wurde sogar schon öffentlich als "Saboteur und Spalter" bezeichnet -und "erwachte" immer noch nicht.

Weiterhin ging ich jetzt daran, auch andere Religionsgemeinschaften aufzusuchen; vielleicht konnte ich dort Antworten auf meine Fragen finden - streng nach dem Bibelgrundsatz "Vergewissert euch aller Dinge" (1. Thess. 5:21). Leider hielt ich fest an dem, was mir immer "vortrefflich" erschien. Diese Gespräche waren mir sogar eine gewisse Hilfe. Zwar hielt ich alle Warnungen für "bösartige" Verleumdungen der "Wahrheit", aber mir blieben sie im Gedächtnis. Unter anderem fiel mir das Buch der Adventisten "Gottes Kanal der Wahrheit - ist es der Wachtturm?" in die Hände. Das las ich durch, besorgte mir ein weiteres Exemplar und schenkte es der Versammlung als "Warnung vor Angriffen". Es soll angeblich noch immer im Regal stehen!

Die Bibel steht bei der WTG nicht hoch im Kurs - nur die 144.000 können sie ja verstehen. Deshalb begann man nun, mich mit Spiritismus in Verbindung zu bringen, weil ich im Gegensatz zu allen anderen noch Kontakt zu "Weltmenschen und Irrlehrern" hatte. Erstaunlicherweise schloß sich mir jetzt einer der aktivsten Jugendlichen der Versammlung an. Auch er wollte seine Religion überprüfen. Wir hatten jedenfalls zum Schluß zusammen 21 (!) Heimbibelstudien mit Angehörigen anderer Glaubensrichtungen. Dem Herrn sei gedankt, daß keines davon erfolgreich war. Ich glaube, ich würde meines Lebens nicht mehr froh, wenn ich jemanden von diesem Schwachsinn überzeugt und dadurch von Jesus abgebracht hätte.

So ging 1978 zu Ende und ich gewann meinen Prozeß. Jetzt waren meine "weltlichen Angelegenheiten" bereinigt und ich konnte hoffnungsvoll meinen zweiten Taufantrag stellen. Also hatte ich immer noch nichts dazu gelernt!

Das Jahr 1979 kam. Mein Taufantrag war ohne jede Begründung abgelehnt worden, angeblich sogar einstimmig. Hinter vorgehaltener Hand sagte mir jedoch einer der relativ Ältesten, daß man mich für "zu unreif halte, denn ich würde noch immer nicht bedingungslos glauben, daß die WTG "Jehovas sichtbare Organisation" sei. Damit hatte er zweifelsohne recht, aber ich hatte nicht vor, mich der WTG hinzugeben, sondern ich wollte unserem Herrn und Erlöser Jesus dienen, wie es die Bibel verlangt! Das aber sei nur durch die WTG möglich, weil ich ja ohne ihre Hilfe die Bibel nicht verstehe, was ich durch meine ständige Fragerei unter Beweis gestellt hätte. Nun gut - also ging ich eines Tages zum Schwimmen und taufte mich selbst. Natürlich weiß ich, daß das keine biblische Taufe ist, aber es beruhigte mich wenigstens. Schließlich tröstete ich mich mit 1. Sam. 16:7. An das Todesurteil, das die WTG über mich verhängt hatte, konnte ich so recht nicht glauben ... Darauf erklärte ich in der Versammlung vor drei Ältesten als Zeugen, daß ich mir selbst aus Gewissensgründen die Gemeinschaft entziehe. Dann brach ich vorläufig alle Verbindungen ab.

Mir hat sicherlich keiner eine Träne nachgeweint. Meine Enttäuschung war so groß, daß ich mich nun sogar gegen die Bibel wehrte und schon drauf und dran war, dem Beispiel Joakims (Jer. 36:23) zu folgen. Jedenfalls verschwanden erst einmal alle religiösen Schriften im Keller und ich wandte mich weltlichen Dingen zu.

Nach einiger Zeit hatte ich mit Gottes Hilfe diese Krise überwunden und setzte mich weiter mit biblischen Fragen auseinander, nicht mehr hingegen mit der WTG.

Jahrelang verhielt ich mich nun völlig passiv. Im Laufe der Zeit tat ich das Ganze als harmlose Spinnerei ab - bis ich wieder auf den harten Boden der WTG-Wirklichkeit zurückgeholt wurde. Letztes Jahr nämlich nahm meine Mutter Kontakt und ein Heimbibelstudium auf. Erst jetzt wurde mir so richtig bewußt, wie gefährlich diese Organisation wirklich ist. Nun begann ich wieder, die alten Unterlagen hervorzusuchen und neue zu besorgen. Aber woher? Ich knüpfte nun wieder Kontakte zu Freunden, d.h. Zeugen, die sich früher wenigstens noch heimlich mit mir unterhalten hatten und durchblicken ließen, daß ich so sehr im Unrecht gar nicht war. Diesen Menschen galten jetzt meine Bemühungen.

Wie soll es nun weitergehen? Ich werde versuchen, andere zu finden, die ebenfalls bereit sind, mitzuarbeiten. Mein Wunsch und Endziel wäre: In jeder WT-Versammlung sollten wenigstens zwei von uns sitzen, die dort die Augen offenhalten und versuchen, Zweifelnde, Verfolgte und Ausgeschlossene zu erreichen, damit sie nicht allein stehen. Weiterhin müßten so viele Zeugen wie möglich aufklärende Schriften wie "CV" und "Brücke" lesen - es muß ihnen irgendwie zugänglich gemacht werden. Vorläufig jedoch wird es wohl bei Straßengesprächen bleiben. Auf diese Weise kann ich, ohne Verdacht zu erregen, meine Fragen stellen und dadurch vielleicht den einen oder anderen zum Nachdenken anregen.

-W.R.H.-

Jeder, der diesen Briefkopf liest, kommt zu der Ansicht, daß die Zeugen Jehovas und die Wachtturmgesellschaft, Brooklyn, USA, nichts mehr miteinander zu tun haben. Man will eine Trennung zwischen dem "Druckereikonzern WTG" und den deutschen Zeugen Jehovas auf diese Weise dokumentieren. Ist das der alleinige Grund dafür, daß die WTG für ihre Zeugen in Berlin eine Zentrale gekauft und eingerichtet hat? Sicherlich nicht! -

Berlin ist die zukünftige Regierungs- und Hauptstadt. Allein diese Tatsache ist für die WTG schon interessant genug. Darüber hinaus ist es aber auch eine lukrative Kapitalanlage gewesen, denn die WTG hat sicherlich schon langfristig vorausschauend die Ankäufe geplant und getätigt, lange bevor die Immobilienpreise in Berlin explodierten. Zusätzlicher Platz im Bethel Selters, der dringend gebraucht wurde für die Aufgaben als Druckzentrum für Osteuropa und auch die Frage der Gemeinnützigkeit werden bei all dem auch noch eine wesentliche Rolle gespielt haben. Sicherlich gibt es auch noch viele andere Erwägungen, die dabei eine Rolle spielten, denn die WTG plante und investierte schon immer weit vorausschauend.

Sei es wie es sei, selbständig ist die Religionsgemeinschaft der deutschen Zeugen Jehovas auch nicht in Berlin mit einer eigenen Zentrale, Brooklyn wird auch weiterhin die Befehle erteilen und den Kurs vorgeben! -

Der oben abgebildete Briefkopf (Originalfarbe grün) steht über einem vertraulichen Schreiben an die Ältestenschaft. Darin wird darauf hingewiesen, daß ein revidiertes Lehrbuch für die Königreichsdienstschule ("Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde"?, Ausgabe 1991) und Ausweise für Älteste und Dienstamtgehilfen geschickt werden. Als weiteres erging die Weisung, daß nur der vorsitzführende Älteste ab 11. November alle Literatursendungen auspacken darf bis zu dem Zeitpunkt, da der "spezielle Karton" in einer Literatursendung angekommen ist.

Desweiteren wird darauf hingewiesen, daß dieses Buch nicht von den einfachen Zeugen eingesehen werden darf, auch nicht von den Familienangehörigen der Ältesten und Dienstamtgehilfen. Also! Top Secret! - Warum wohl?

CV wird darüber weiter berichten.

GESPRÄCHE MIT ZEUGEN JEHOVAS

Ein Gespräch an der Wohnungstür über das Kreuz als christliches Symbol.

Zeuge:

Christus starb nicht an einem Kreuz sondern an einem Pfahl!

Wohnungs-Inhaber:

Das Wichtigste am Sterben Jesu war doch sein Tod und weniger die Form des Holzes, an dem er hing.

Zeuge:

Die Form des Holzes mit dem Querbalken, also das Kreuz, ist ein altes religiöses heidnisches Symbol.

Wohnungs-Inhaber:

Mir ist bekannt, daß das Henkelkreuz ein solch religiöses heidnisches Symbol war, wie es Reliefs aus Ägypten zeigen. Aber auch der Pfahl ohne Querbalken war ein religiöses heidnisches Symbol der Göttin Aschera. Dies zeigt 2. Mose 34:13 (lesen) "... und ihre Ascherapfähle sollt ihr umhauen."

Zeuge:

Ja - aber wir verehren den Marterpfahl in unserer Anbetung nicht, wie es die Christenheit tut. Wohnungs-Inhaber:

Die Christenheit sieht im Kreuz ein Symbol für ihren Glauben an Christi Opfertod. Sollte jemand das Kreuz ohne Zusammenhang mit Christi Tod verehren, dann wäre dies nicht richtig. Mir ist aber nicht bekannt, daß man das so im Allgemeinen tut.

Ich möchte Ihnen ein vergleichendes Beispiel geben. Seit Beginn Ihrer Wachtturm-Organisation gebrauchten auch Sie ein Symbol für Ihre Bewegung, nämlich den Wachtturm. Früher war er ganz groß auf der Titelseite dieser Zeitschrift. Jetzt ist er kleiner, aber immer noch ist er zu finden. Auf dem Dach der Wachtturmzentrale in New York ist er größer als das Kreuz auf dem Kirchturm.

Zeuge:

Ja - aber wir beten ihn nicht an! Wohnungs-Inhaber:

Das weiß ich, aber Sie benützen ihn als Symbol Ihres Wächteramtes, das Ihre Organisation für sich beansprucht. Im gleichen Sinne gebraucht die Christenheit das Kreuz als Symbol ihres Glaubens an Christi Tod. Oder ist Ihnen so wie das Sprichwort sagt: Wenn zwei das Gleiche tun, dann ist es noch lange nicht das Gleiche. Somit sind Sie auch nicht ganz frei im Gebrauch von Symbolen.

Martin Hirschmüller

CV UND DIE ZEUGEN JEHOVAS IN DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN

Wiederum ist ein Jahr zu Ende. Das erste volle Jahr im gesamten Deutschland ist auch das erste volle Arbeitsjahr für die Christliche Verantwortung.

Rückblick auf das Jahr 1991 Die Situation hat sich für uns in vielem verändert. Die Zeugen Jehovas können nun wieder frei ihre Zusammenkünfte und ihren Missionsdienst durchführen. Erstaunlicherweise ist das Echo unter den Menschen nicht so groß wie wir es angenommen hatten. Die Zuwachsrate blieb weit hinter dem zurück, was sich die WTG erhoffte. - Woran liegt das?

Unsere bisherigen Erkenntnisse:

- Die ZJ in den neuen Bundesländern müssen sich erst einmal mit der neuen Freiheit vertraut machen. Sie kannten nur kleine Studiengruppen und einen sehr eingeschränkten Haus-zu-Haus- Dienst Sie lebten in der Angst vor der Strafe und fühlten sich als eine Art Märtyrer. -

Das alles ist nun Vergangenheit, die WTG hat sie jetzt voll in die Pflicht genommen.

Sind sie nun glücklich? -

Einige ja, andere aber nicht so.

Man schaue nur in ihre Gesichter, wenn sie in der Öffentlichkeit ihre Schriften anbieten und wenn sie an den Haustüren klingeln. So hatten es sich viele nicht vorgestellt.

- Sie stehen im harten Konkurrenzkampf mit ca. 40 anderen Sekten, die es zum Teil besser verstehen, ihre Lehren an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.

- Auch die Zeugen sind von dem neuen und ungewohnten Konkurrenzkampf nicht ausgenommen. Arbeitslosigkeit, Geldmangel, arbeitsmäßige Abwertung und ungewohnter Behörden- und Bürokratiekampf. Dazu kommen Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder und anderer Familienangehöriger.

- Die Mieten für Ihre Versammlungsräume sind mittlerweile kaum noch oder gar nicht mehr bezahlbar.

Das sind nur einige Probleme, mit denen sie sich jetzt herumschlagen müssen. Alles das kostet Zeit und Geld. Zeit, die für die WTG nicht mehr zur Verfügung steht und Geld, das die WTG nicht mehr in ihre Kassen bekommen kann. Trotz allem, sie missionieren weiter und uns erreichen dadurch immer mehr Bitten um Hilfe und Aufklärung. - H.W. -

WIE KANN DIE "CHRISTLICHE VERANTWORTUNG" HELFEN ?

Auch bei uns hat sich nach der Wiedervereinigung einiges geändert.

Einige unserer Mitstreiter haben sich von der CV-Arbeit zurückgezogen, weil sie Repressalien von Seiten der WTG befürchten.

Einige sind nicht mehr vom Alter her in der Lage, ihre Aufgaben im Rahmen der Christlichen Verantwortung zu leisten. Andere sind auf Grund von Arbeitslosigkeit und verstärkten notwendigen Hilfsmaßnahmen innerhalb ihrer Familie nicht mehr in der Lage, ihren persönlichen Einsatz, der ja auch mit Kosten verbunden ist, weiterhin leisten zu können. All diesen Geschwistern sei herzlichst gedankt für ihren bisherigen Einsatz in der Christlichen Verantwortung. Es sind aber auch neue Geschwister zu uns gekommen. Dabei viele jüngere, nicht immer ehemalige Zeugen Jehovas, sondern auch engagierte Christen. Für unser Werk ist das gut, denn ergänzt sich doch die Erfahrung der Älteren mit dem Schwung und Elan der jüngeren Geschwister. Sie werden auch eines Tages die Arbeit der Christlichen Verantwortung weiterführen können und müssen. -

Wir arbeiten weiter im Sinne der Aufklärung über die WTG. Wir beraten, wir schreiben, wir halten Vorträge in den Stadt-und Landgemeinden. Wir helfen allen Wachtturm-Opfern, die sich um Hilfe an uns wenden.

Leider aber hat sich die finanzielle Situation noch nicht zugunsten von CV geändert. Früher hatten wir die Sorgen mir Druckgenehmigungen, Papierzuteilungen und vor allem mit der Zensur. Geldsorgen hatten wir etwas weniger. Knapp war es immer, und manchesmal mußten wir an das Ersparte gehen. Aber es ging weiter. Die Spenden von den mit uns Verbundenen kamen und halfen uns. Nun sind auch diese weit zurückgegangen, weil ja eine allgemeine Geldknappheit, besonders bei den älteren Menschen, herrscht.

Sicherlich gibt es Wege, um vielleicht zu mehr Geld zu kommen. Viele unserer Brüder aus den alten Ländern der Bundesrepublik stehen uns da mit ihrem Rat zur Seite. Sie raten uns, doch Zahlungsanweisungen mit einem Spendenaufruf in unsere Sendungen einzulegen. Sicherlich ist das ein Weg. Wir jedoch möchten, solange es geht, bei dem bleiben, wie wir es bisher gehalten haben. Jede Spende, die uns gegeben wird, nehmen wir voller Dankbarkeit an, denn sie hilft uns weiter in unserem Werk.

Nun gehen wir mit Gottes Hilfe in das 32. Jahr unseres Bestehens. Wir schauen voller Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurück, in denen wir unser Werk verrichten durften, auch auf das Jahr 1991.

Wir sind weiterhin dankbar für jede Spende und danken all denen, die uns bisher damit weitergeholfen haben.

Zum Schluß möchten wir noch allen mit CV verbundenen und darüber hinaus allen CV-Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes Neues Jahr wünschen.

Ihre CV-Geschwister

"Christliche Verantwortung"; Herausgeber Henry Werner;

O - 6500 Gera, Heinrichstraße 46; Einzelpreis 2,00 DM, auch kostenlos

Konto-Nr.: 3219526; Volksbank e.G.. Gera BLZ: 830 945 64

Christliche Verantwortung 1992

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