Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 2

Die 2 Folge macht die Tendenz deutlich, alles möglichst mit irgendwelchen Bibelstellen zu "garnieren". Nicht immer besonders "überzeugend".

Ein besonderes negatives "Highlight" der 2 Ausgabe ist die tendenziöse Berichterstattung "Mietlinge für 30 000 Westmark". Da hatte also der DDR-Staat einige aus der Haft entlassene Zeugen Jehovas nach dem Westen ausreisen lassen. Dort wurde ihnen offenbar eine gewisse Entschädigungssumme aus politischen Gründen zuerkannt. Dieser Sachverhalt wird nun benutzt, um auf die Tränendrüsen zu drücken. Müller gibt vor, die diesbezüglichen Informationen von Zeugen Jehovas aus Jena erhalten zu haben. Tatsächlich dürfte man der Wahrheit näher kommen, wenn man unterstellt, dass diese "Briefeschreibenden Zeugen Jehovas aus Jena", besoldete Beamte der Thüringer Bezirksverwaltung der Stasi waren.

Wiederum wird das schon in der Nummer 1 thematisierte Thema Frost und Franke aufgegriffen, erneut wird gegen das Nichtwählen polemisiert.

 

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung

Nr. 2 Gera Februar 1966
 
 

In den nächsten Ausgaben.

Großes Neuausrichten auf eine weitere Generation im Gange! Jehovas voranschreitende Organisation?

Untergrund- Königreichsdientschule Königreichslehren Lehrstück B

Wie die Gesellschaft dich zur Verantwortung ihrer Politik überzeugen will

Bruder Willy Ruhnau aus Danzig wurde von der Gestapo umgebracht Zweigdiener F r a n k e war ein Handlanger

Ein Gruppendiener berichtet aus seiner Gruppe U. a. Maßnahmen der WTG-Leitung gegen "Christliche Verantwortung". Weitere Antworten auf eingegangene Briefe von Dienern und Verkündigern
 
 

Jehovas Zeugen - Gesellschaftsfeindlich? Kommentar zum WT vom 15. September 1965

Was nimmt den ersten Platz in Deinem Leben ein?

Christliche Besinnung zum WT vom 15. November 1965
 
 

CV Nr. 3 erscheint als Sonder-Ausgabe
 
 

Unsere Verantwortung und Unsere Quellen

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir wünschen von ganzem Herzen nachträglich ein gesegnetes Jahr 1966 mit Psalm 23. Tretet vor den Herrn und ihm für seine tausend Gaben. Seid ihm anbefohlen. Wir freuen uns, die zweite Ausgabe von CV gedruckt versenden zu können und bitten wieder um Eure Aufmerksamkeit und Euer Interesse. Die erste Ausgabe ist fast vergriff en. Sie war wegen technischer Umstände leider etwas verspätet aus dem Druck gekommen. Dadurch erschien z. B. der Beitrag über Christen und Wahl im Oktober zeitlich zu spät. Wir bitten freundlichste das zu entschuldigen. Im Anfang gibt es meist immer einige Schwierigkeiten zu überwinden. Wir bitten auch um Verständnis, wenn einmal einer der angekündigten Artikel für die nächste Nummer zurückgestellt werden muß, weil Neueingänge dringend der Beantwortung harren.

'Wir halten es für erforderlich, durch unsere Schrift einige persönliche Ermunterungen und Orientierungen zu geben, deren Anliegen in erster Linie darin besteht, ein mündiges Christentum zu fördern, wie es nach 2. Ti. 3:15-17 von einem Christen erwartet wird. Angesichts der Lage in der NWG ist es vordringlich, den urchristlichen Beröergeist (Apg. 17:11) wiederzuerwecken. Leider wurde dieser durch das bedenkenlose Befolgen und Annehmen der immer wieder irrenden WT-Bibelauslegungen fast verschüttet. Joh. 5:39. Ein Hauptanliegen ist wohl dabei, zurückzukehren zum urchristlichen Verhalten als Bürger in unserem Lande (1, Petr. 2:13-17). Es sollte unser besonderes Anliegen sein, mit unseren nichtchristlichen Mitmenschen so zu leben, wie es der Apostel Paulus in 1. Thess. 4:11, 12 und Rö. 12:18 empfiehlt. Das scheint uns ein ganz besonderer Schwerpunkt zu sein, wenn wir bedenken, daß keine der von der Organisation nach 1950 geschürten Erwartungen durch die gesellschaftliche Entwicklung eingetreten sind.

Wir können uns vorstellen, daß es nicht in jedem Falle sogleich möglich sein wird, unsere Ausführungen und Quellen direkt nachzuprüfen. Wir glauben aber, nicht erörtern zu müssen, daß es möglich ist, besonders für die verantwortlichen und zuständigen Diener. Für uns ist das Entscheidende, stets in christlicher und gesellschaftlicher Verantwortung zu handeln. Offen gesagt, dürfen und können wir uns nicht erlauben, auch nur in einem einzigen Fall unglaubwürdig, verantwortungslos und wahrheitswidrig vorzugehen. Unsere Zitate sind darum original- und wahrheitsgetreu und unsere Informationen überprüft eingedenk der Worte der Schrift. "Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden", Ps. 34.13.

Wir sind uns bewußt, darf unsere Arbeit verantwortungsvoll ist. Auch die Leitung in Wiesbaden wird ein interessierter Leser von CV sein, um eventuelle Gefahren für sich abzubiegen Sie war 1961 durch die westdeutschen Presseveröffentlichungen über den Fall Frost alarmiert und sofort bereit, die Sache zu bagatellisieren, Sie schätzte die Sache so ein, es sei die größte Kraftprobe, vor der sie je gestanden habe. Deshalb die Furcht vor einem Zerfall des deutschen Werkes. Man war dort schon immer bemüht, wenn nötig auch den kleinsten Wurm im Holz zu verfolgen. Wir erinnern an die Br. Schnell, Goodrich, Moyle u.a. Es braucht aber niemand der Leitung deswegen CV zuzusenden. Das erledigen bestimmte Brüder.

Wir betrachten es als unsere Pflicht, sachlich, taktvoll und korrekt zu berichten mit leidenschaftlichem Einsatz in brüderlicher Liebe, wie es sich für einen Christen geziemt. Rö. 12:17. Wir hoffen zuversichtlich durch Mithilfe vieler Brüder und Schwestern CV interessanter und informativer zu gestalten. Es kann jede Ausgabe aber immer nur ein Mosaiksteinchen sein für die erforderliche Gesamtschau. Alles auf einmal läßt sich nicht sagen. Sammelt daher bitte CV, welche mit der Zeit ein Nachschlagebuch wird, welches den Geschwistern immer zugänglich sein muß für vielleicht kommende geistige Kämpfe in der Organisation.

Danken möchten wir für die eingegangenen Zustimmungen und für die Geldspenden zur Förderung von CV. Zur Erleichterung der Geldspendensendungen bitten wir, selbige auch auf das Sparkassenkonto der Bank für Handwerk und Gewerbe e. G.m.b.H., 65 Gera, Willy Müller, Nr, 26 242 einzuzahlen Mit der Einladung an alle Verantwortungsbewußten, sich ideell und materiell an unserer Arbeit beliebig zu beteiligen und mit dem Wunsch, vielen zum persönlichen Nutzen zu dienen, grüßen wir in christlicher Verantwortung

Bruder Willy Müller und Mitarbeiter 65 Gera, Lutherstraße 16
 
 

Mietlinge, für 30 000 Westmark

Erste Antwort auf Mitteilungen aus Jena

Noch vor Monaten verwarf ich die Zeitschrift CHRISTLICHE VERANTWORTUNG. Heute sage ich Dir, es ist alles wahr, was Du schreibst. Was hat die Gesellschaft alles über diese Dinge (Frost) gesagt Lüge, Verleumdung usw. Nach drei Jahren zieht sie Frost zurück - wir stellen fest - also hat Müller doch die Wahrheit gesagt.

So beginnt eine Bitte von Brüdern in Jena, wir möchten über die dortigen Zustände berichten und mit Rat helfen, damit die Gesellschaft nicht länger mehr alles unterdrücken und verschweigen kann. Sodann versandten die Jenaer Brüder 20 öffentliche Briefe mit der Bitte um Unterstützung, die wir in Glaubens- und Gewissensfragen gern geben.

Die berichteten Vorkommnisse:

Es herrscht Empörung über den "Hirten" Herbert Buschbeck, der nach seiner Entlassung nicht wieder zur Herde zurückkehrte, sondern nach Westdeutschland ging, um seinen Lohn von ca. 20 000 Westmark zu empfangen. "Wo steht ein solches Gleichnis in der Bibel? Wo steht in der Bibel, daß der Hirte, welcher seine Schafe verrät und verläßt mit solchem schmutzigen Geld bedacht wird?"- fragen die Brüder öffentlich.

Das Gleiche mit Fritz Adler. Er gehörte nach hier, ging aber nach Westdeutschland und empfing seine rund 30 000 Westmark Lohn. Immer wieder wurden wir belehrt, daß wir ausharren, geduldig alle Zeit ertragen sollen, um Jehova zu gefallen. jedoch die Ereignisse zeigten, daß viele Brüder ihre ehemals gehüteten Schafe verlassen und nach Westdeutschland gehen. Hier kann man sagen, ach du herrlicher Mammon, du reizendes Geld. Und die Schafe sind die Betrogenen", heißt es in den öffentlichen Briefen.

Ein Bruder ging pflichtgemäß zum Wehrersatzdienst. Der Versammlungsdiener trommelte solange auf ihm herum, bis er sich einsperren ließ, obwohl in Westdeutschland Ersatzdienst geleistet wird. Die Absicht des Vd. war, den Bruder aus dem Wege zu halten, um mit dessen Frau weiter illegitime Beziehungen pflegen zu können, eine Hurerei, die natürlich nicht verborgen blieb. Alle Brüder erwarteten nun den Gemeinschaftsentzug. Doch die Gesellschaft entschied nicht auf Ausschluß Das ist der "Hirte".

Wir möchten dazu sagen: Wir unterstützen das Verlangen der Brüder in Jena, diese Vorkommnisse zu veröffentlichen. Sie sind nicht nur charakteristisch für WT-Organisation als Menschenwerk, sondern haben darüber hinaus sogar gesellschaftspolitische Bedeutung und gehen darum alle Brüder an..

Zweigdiener Franke hat im August 1964 vor Journalisten in Ulm erklärt, die Gesellschaft bestehe in Westdeutschland nicht auf Wehrersatzdienstverweigerung (Die Welt 31.8.64).

Es geht offenbar um die Gunst der westdeutschen Regierung, die andererseits nicht zu unrecht darauf verweist Wehrersatzdienst verletze nicht den Grundsatz "Du sollst nicht töten". Hier in der DDR will die Gesellschaft jedoch Verfolgung und Märtyrer haben, um jeden Preis. Darum treibt sie hier zur Wehrersatzdienstverweigerung. Diesen Umstand hat sich der Vd. von Jena offenbar zunutze gemacht seine persönlichen Absichten zu verfolgen, und die Gesellschaft deckt ihn. Es ist eine Affäre persönlicher und politischer Skrupellosigkeiten und Verbrechen, weil man den. Bruder wider besseres Wissen zur Gesetzesverletzung und ins Gefängnis treibt. Warum gilt Frankes Erklärung für die Brüder hier nicht? Es ist eine doppelzüngige WT-Politik.

Adler und Buschbeck stehen in den Westmark-Affären nicht allein,. Es gibt jedoch kein biblisches Vorbild, nach dem sich Hirten für irgend erlittene Drangsal in klingender Münze belohnen lassen könnten. Im Gegenteil. Die Schrift verurteilt das. "Der Lohnarbeiter (Mietling), der kein Hirte ist verlässt die Schafe, weil er ein Lohnarbeiter (Mietling) ist und sich nicht um die Schafe kümmert." Joh. 10:12, 13 NW. Aber die Gesellschaft befürwortet diese Mietlinge - Adler ist im Bethel Wiesbaden - weil sie meistens einen Anteil von ihrem Lohn erhält. Zugleich beweisen die Mietlinge, daß sie politisch nicht neutral sind, weil nur die politischen Gegner und Feinde der DDR auf diese Weise in Westdeutschland bezahlt werden. Auch der Apostel Petrus war "ein älterer Mann und ein Zeuge der Leiden des Christus, ja ein Teilhaber an der Herrlichkeit, die geoffenbart werden wird". Aber er hütete die Herde Gottes nicht aus Zwang, sondern freiwillig 1. Petr. 5:1-4 NW. Fast alle "Hirten", der Gesellschaft dagegen haben sich in der Vergangenheit und Gegenwart für ihre "Leiden" in Westdeutschland belohnen und bezahlen lassen. Sie sind darum keine "Vorbilder für die Herde", sondern von der Schrift verurteilt, dieweil sie die Schafe immer wieder mit Worten hinhalten, "die der Herr nicht geredet hat" 5. Mose 18-20-22, und deswegen laufend durch sog. neues Licht ersetzt werden müssen. -
 
 

Gottes Hausalter müssen unbescholten sein

Zweigdiener Franke 1936 bei der Gestapo

Sicherlich warten viele Brüder schon auf unsere Informationen zu diesem bereits angekündigten Thema. Aber auch in Wiesbaden wartet man deswegen, wie jeder unschwer begreifen wird, wenn er unseren Beitrag in dieser Ausgabe zur offiziellen Reaktion des WT auf westdeutsche Briefe in den Versammlungen über Frankes Vorgänger Frost und seinen Gestapodienst liest.

Nach dem WT haben wir kein Recht, an den eingesetzten WTG-Führern Kritik zu üben: " Wir sollten nie vergessen, daß Jehova seine Organisation leitet und die einzelnen so einsetzt, wie es ihm, dem Schöpfer gefällt nicht so, wie es dem Geschöpf gefällt" (l. 8. 1965 S. 461). Wohl sagt die Schrift, der Herr setzt "die Glieder, wie es ihm gefällt", aber das bezieht sich eher auf die Glieder des "Leibes Christi", auf die himmlische Berufung. Denn wie könnte der Apostel sonst verlangen, daß die Diener "zunächst einer Prüfung unterzogen werden" sollen in der Versammlung und "erst dann ihr Amt übernehmen, wenn sie unbescholten erfunden sind'? 1. Tim. 3.10. Wurden Brüder zu besonderen Diensten ernannt, dann haben die Apostel und Ältesten im Einvernehmen mit der ganzen Gemeinde Männer aus ihrer Mitte erwählt" Apg. 15:27. So ist die christliche Praxis. Jeder Christ hat deshalb die schriftgemässe Pflicht, dazu beizutragen, daß nur unbescholtene Männer die Christengemeinde vertreten. Warum warnt sonst der Apostel vor Dienern, die "verräterisch, leichtfertig" sind, aber noch "an den äußeren Formen der Frömmigkeit festhalten"? Wie könnte man sich von solchen abwenden, wenn niemand sie entlarvt? 2. Tim. 3:4, 5. Zwei Jahrzehnte hat der Verräter Frost im Regiment gesessen. 1. Kor. 4:8.

Nun ein erster Auszug aus dem vorliegenden Gestapo-Protokolle über Frankes Gestapodienste 1936. Franke war damals Bezirksdienstleiter in der Pfalz und in Baden. Er war verhaftet worden, weil der damalige Reichsdiener Winkler auch ein Gestapowerkzeug geworden war. Der Bericht vom "Sicherheitsdienst des Reichsführer SS, SD -Oberabschnitt Rhein Il 113 V. 494/35" besagt über Franke unter anderem: "Der in dem Protokoll Winkler genannte Bezirksleiter Franke, Konrad, Mainz, wurde festgenommen. Auf Grund Angaben des Franke wurde in Frankfurt/M. der Reisevertreter Steinbach festgenommen, der laut Aussagen des Franke Dienstleiter für Frankfurt a. M. gewesen sein soll. Steinbach bestreitet." Dieser Bericht besagt, daß Franke den Dienstleiter (Versammlungsdiener) von Frankfurt/M. der Gestapo überliefert hat. Aber das ist noch nicht alles. Doch wir empfehlen, inzwischen - soweit es möglich ist - Frankes eigenen Bericht über seine Gestapozeit im WT vom 1. Juni 1963 zu lesen. Auch er stellt sich wie "Daniel in der Löwengrube" vor.

Wir können mit Sicherheit voraussagen, daß nun auch die Säule Franke fallen wird. Ein Sturm wird "das Lügendach wegreißen", das um die WTG-Führung errichtet ist und ihren Bergungsort wegschwemmen" (Jes. 28:17). Die bisherigen Informationen sind nur erste Böen, die von den Sitzen hochtreiben.
 
 

Ernste Probleme in vielen Versammlungen - keine Maulwurfshügel

II. Teil Fortsetzung

Briefe über Verräter in der deutschen WTG-Führung

Der WT 14/1964 nahm Stellung

Aus Westdeutschland erhielten verschiedene Brüder Briefe, welche Br. Erich Frost als Verräter brandmarkten, weil er laut Gestapo-Akten leitende Brüder der Gestapo preisgegeben habe. Der WT 14/64 schreibt. "In einem kommunistischen Land versandte die Geheimpolizei an verschiedene Brüder vervielfältigte Rundschreiben, in denen verantwortliche Personen in der Organisation der Zeugen Jehova heftig angegriffen wurden. Man beschuldigte sie der Trunksucht, des Ehebruchs und des Verrats. Man wollte durch die Briefe Verwirrung stiften und das Vertrauen der Bruder zu diesen leitenden Personen untergraben .. Auf den Umschlägen erschienen als Absender die Namen treuer Bruder, um den Eindruck zu erwecken, als ob sie die Briefe geschrieben hätten."

Diese Briefe liegen etwa drei Jahre zurück. Erst jetzt reagiert der WT darauf. Es ließ sich, wohl nicht mehr länger unterdrücken. Die westdeutsche Presse berichtete bereits darüber.

Die Darlegung des WT ändert nichts an der Darlegung der Briefe. Man bestreitet dies auch nicht. Mithin sind die Darlegungen der westdeutschen Brüder nicht widerlegt gegen die Verräter in Wiesbaden.

Wir haben in einem unserer letzten Briefe ausführlich die Gründe aufgedeckt, warum Frost von der WT-Leitung zurücktreten mußte, denn um ihn handelt es sich. Daß er Verrat geübt hat, beweisen die Gestapo-Akten. Diese Enthüllungen sind nicht gemein, wie der WT sagt, sondern Tatsachen, die man nicht abstreiten kann. Solange Frost WT-Redakteur war, schwieg der zu dieser Sache. Ist es nicht interessant, daß der erste WT, der unter dem Namen von Frosts Nachfolger, Günter Künz, erschien, (WT vom 15. Juli 1964) sofort die Verrätereien "verantwortlicher Personen" in der Organisation versucht abzuschwächen? Die Zukunft wird Antwort geben, warum man drei Jahre darüber vergehen ließ. Es ist wohl kaum zu erwarten, daß der WT zugibt, Frost ist ein Gestapowerkzeug gewesen. Man überlege sich, was das bedeuten würde. Doch es heißt in WT sinnigerweise: "Man beschuldigt sie der Trunksucht, des Ehebruchs und des Verrats." Ist mit dieser Darstellung des WT etwas widerlegt? Für die WT-Führung mag diese Mitteilung gemein sein, für die Wahrheitsfindung nicht

Leider ist es Methode der WT-Führung, auf Anklagen nicht näher einzugehen, wenn sie der Wahrheit entsprechen, und statt dessen abzulehnen und die Brüder in Misskredit zu bringen und zu diffamieren, die den Finger erheben Man könnte aus der.. Vergangenheit so manches berichten von Brüdern, die es erlebten. Wir an den Rechtsberater vor Br. Covington, Br. Olyn R. Moyle, welcher wegen Aufdeckung sexueller Anstössigkeiten im Bethel exkommuniziert wurde, weil er, die Wahrheit berichtete. Auch von Br. Fisher; den Verfasser von Schriftstudien, Band 7 "Das vollendete Geheimnis", liegen Berichte vor. Auch er wurde exkommuniziert, weil er moralische Verfehlungen im Bethel aufdeckte. Durch Ausschließung der Brüder gedenkt man immer, die Sache aus der Welt zu schaffen. Man hofft,- daß sie dann mit Zeit verstummen, weil ihnen die Puste ausgeht.

Frage. Wie kam man da dem WT bedenkenlos folgen, wenn er (Nr. 14/65 S. 435/36) schreibt: "Sollten Unstimmigkeiten entstehen, dann sollten die betreffenden Brüder nicht zögern, den Richtlinien der Brüder zu folgen, die für das Werk in ihrem Lande verantwortlich sind, weil sich Rat auf Gottes Wort stutzen würde'?

Ist begründete Kritik Rebellion?

"Es mögen in der Organisation Dinge geschehen, die wir nicht verstehen. Die Diener mögen einer Handlungsweise folgen, die wir als unrichtig erachten. Deswegen Kritik zu üben, würde eine unvernünftige Haltung verraten". "Der Wille des Sklaven ist der Wille Gottes. Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott!" Das erklärt der WT (l. Juli 1957, S. 408, 1. Aug. 1956, S. 474) von sich als sog. Sklaven!

Das soll uns und anderen gelten, die mit dem WT nicht konform gehen. Wir können guten Gewissens sagen, daß wir mit unserer Kritik nicht gegen Gott rebellieren, sondern gegen die Anweisungen, Lehren und Anmaßungen des WT. Denn es ist eine unerhörte Anmaßung, den WTG-Willen als Willen Gottes zu erklären! Das bedeutet, sich dem Höchsten gleichzumachen!

Hört und seht, was, der "Sklave", der keine Kritik verträgt, in Wirklichkeit ist:

"Wachtturm-, Bibel- und Traktatgesellschaft. Das ist der Name einer Geschäftsfirma, die sich mit der Herausgabe von wichtigen religiösen Büchern und Zeitschriften befaßt… Es wurden an tiefinteressierte Leser Aktienstücke von 10 Dollar an ausgeteilt, die dann pro Aktie eine Stimme bei wichtigen Beratungen hatten … Die Statuten der Gesellschaft bestimmen, daß die Beamten alljährlich von denen gewählt werden dürfen, die zu dem Grundkapital (Aktienkapital) der Gesellschaft beigetragen haben".- (WT 1917/89, Harvest Stiftings vom 1. 8. 1917 S. 16, WTG)

Liebe Brüder, dieser Bücherverlag wagt es heute, sich als "treuer und kluger Knecht' darzustellen, als irdisches Haupt des Leibes der Versammlung, als "Kanal" des Herrn zwischen Gott- und den Menschen! Welch eine Anmaßung, wenn man nur schon auf die bisherigen Irrtümer dieses "Kanals" schaut Ist da s nicht Rebellion gegen Gott, welcher Christus als e i n z i g e n Mittler eingesetzt hat? 1. Tim. 2:5.

In dieser Anmaßung und Gleichstellung mit Gott schuf man für sich den Kollektiv-Heils-Mythos der Furcht vor dem Führerkanal, der von Menschen gespeist wird, wie die Irrtümer zeigen. Furcht der Untergebenen, hier der einfachen Brüder, vor den leitenden Brüdern ist Macht der Führer über die ihnen Unterstellten. Je größer die Furcht, je größer die Macht. Damit erreichte man die Diktatur der Neuen-Welt-Gesellschaft Die WTG hat es in den letzten Jahrzehnten meisterhaft verstanden, die blindgläubigen Anhänger in immer engere Abhängigkeit zu bringen. Man hat aus der ehemaligen Ernsten Bibelforscherbewegung eine zweite Hierarchie gemacht, welche man bei anderen immer bloßstellt Diese von Menschen gegründete und geführte Gesellschaft setzt sich mit der Anmaßung, ihr Wille sei Gottes Wille, an die Stelle Gottes! D a s Ist Rebellion gegen Gott! Wir und Du und alle anderen Christen dagegen haben das urchristliche Recht, jede Verkündigung kritisch nach Beröer Art zu prüfen und sie zurückzuweisen - auch die der W T G - wenn sie von der Schrift abweicht Apg. 17:10, 11.
 
 

"Du bist ja schlimmer als ein Staatsanwalt"'

Ein Kreisdiener auf politischem Glatteis

Unsere Erzählung ist echt und sinngemäß wahrheitsgetreu. Sie hat sich mit einem Kreisdiener zugetragen. Er wollte erst gar nicht auf die Frage eingehen. Aber weil er darauf hingewiesen wurde, "stets bereit zu sein zu einer Verteidigung vor jedermann" (1. Petr. 3:15) kam es zu dieser Kontroverse, die sich in einen heftigen Disput verwandelte. Es ging um die Frage: Betreiben Jehovas Zeugen politische Zersetzung?

Laß uns die Sache in Ruhe betrachten. Ist es doch eine folgenschwere Anklage.

Das kann man wohl sagen. Und darum möchte ich vorher eindeutig feststellen, daß wir, Jehovas zeugen, vollkommen neutral sind.

Wir werden es sehen.

Das werden wir.

Nun zur Sache. ist es so, daß Jehovas Zeugen in politischer Hinsicht auf keine Regierung vertrauen, für keine stimmen und keine wählen?

Ja, das stimmt. Wir nehmen zum Beispiel an keinen Wahlen teil.

Aber Du gibst doch zu, daß eine politische Regierung für jedes Land notwendig ist?

Natürlich. Gesetz und Ordnung müssen sein.

Ist diese Haltung, nicht wählen, kein politisches Vertrauen usw. nur Privatansicht oder allgemein gültige Glaubenshaltung?

Wir handeln immer nach dem Grundsatz: Es steht geschrieben! Die Schrift sagt hier: Vertrauet nicht auf Menschen.

Diese Ansicht ist also ein Teil der einzig richtigen christlichen Haltung in dieser Frage?

So ist es.

Also wird das auch allen anderen Menschen gepredigt? Das ist unser Auftrag.

Wenn Du nun einen Menschen im Heimstudium belehrst, der gestern noch gewählt hat oder einer politischen Partei angehört, was wird da mit seinem Vertrauen in seine Partei und mit seiner politischen Überzeugung?

Du willst damit sagen, daß wir so dies Vertrauen zerstören So nicht! Jeder hat seinen freien Willen. Der Interessierte muß selbst entscheiden, was er weiter tun will.

Wir wollen die Sache mal nicht umgehen. Freier Wille hin, freier Wille her. Wer belehrt hier wen?

Ich antworte Dir nicht mehr.

Aber, aber. Angst vor der Konsequenz der eigenen Gedanken?

Das möchtest Du wohl. Auf jeden Fall steht geschrieben …

Halt. Das kommt noch. Wir wollen hier nur erst mal die politische Auswirkung Eurer Predigt feststellen.

Wir wirken nicht politisch.

Gut, gut. Aber willst Du bestreiten, daß durch Deine Predigt Deine Hörer zu bestimmtem Handeln oder Verhalten veranlaßt werden?

Das nicht.

Gibts Du also zu, daß vorhandenes politisches Vertrauen eines anderen Menschen zerstört, oder zersetzt wird, wenn Du ihn in Sinne Deiner Glaubenshaltung belehrst? Wenn Du …

Das ist nicht meine…

Laß mich doch erst ausreden. Konkret. Wie handelt ein Mensch politisch, der beim letzten Mal noch gewählt hat, wenn Du ihn im Heimstudium zu Euren Ansichten gebracht hast? Wählt er noch? Kann er noch seine frühere politische Einstellung haben?

Das muß er selber wissen. Das muß er selbst entscheiden.

Selbstverständlich. Aber das ist doch Ausrede. Du weichst mir doch aus. Du weist doch so gut wie ich, was hier die politischen Folgen des, Heimstudiums sind, oder etwa nicht?

Ich habe Dir schon einmal gesagt, die Schrift …

Laß jetzt mal die Schrift und beantworte mir meine Frage: Hat er noch politisches Vertrauen in die Regierung oder nicht, wenn Du ihn überzeugt hast? Oder wollt Ihr nicht überzeugen?

Das ist doch - das ist …

Rede nicht wieder drum herum. Antworte bitte klar: ja oder nein?

Du willst midi aufs politische Glatteis führen! Du bist ja schlimmer als ein Staatsanwalt! Ich werde Dir.. .

Was Du wirst? Nachdenken wirst Du müssen! Merkst Du nicht selbst, wie Du zu der Erkenntnis kommst, daß die Zeugen politische Zersetzung betreiben? Betrachte doch nur die politische Auswirkung der Verkündigung!

Das Gespräch mußte hier abgebrochen werden. Der Kreisdiener war so erregt, daß mit ihm nicht mehr in Ruhe zu reden war. Verleumdung, Teufel, Satan, zischte er und wollte handgreiflich werden.

Am nächsten Tag suchte er seinen Gesprächspartner auf und entschuldigte sich für seine Entgleisung.

Ist schon gut. Wollen wir unser Gespräch von gestern fortsetzen?

Auch deswegen, bin ich gekommen,. Ich habe jetzt aber meine Bibel mitgebracht. Ich möchte zeigen …

In der nächsten Ausgabe von CV wird diese Erzählung fortgesetzt.
 
 

Er war dem WT um ein Jahr voraus

Tatsachenbericht aus Westberlin

Am 5. und 6. Mai 1962 wurden an1äßlich einer Kreisversammlung in Westberlin einige Hunderte Flugschriften verbreitet mit der Überschrift "Warum fürchten Jehovas Zeugen ein Gespräch über die Bibel?" Einige Zeugen nahmen Stellung und erklärten, sie fürchteten kein solches Gespräch. Was zutage trat zeigte ab es doch der Fall war, in ganz bestimmter Hinsicht!

Trotz Hunderter Schriften wurden nur 3 Anschriften von Zeugen abgegeben, die bereit waren, nach den Vorschlägen in den Flugschriften über die Bibel zu sprechen. Zeugt das nicht von Furcht? Warum hatte niemand weiter Mut? oder hat man es ihnen sogar verboten, mit uns zu sprechen? Das wäre ja noch schlimmer, denn wer die Wahrheit auf seiner Seite hat, der kann sich doch mit anderen aussprechen. Er ist sogar verpflichtet, mit anderen über die Bibel zu sprechen Wir wissen, daß die Leitung verlangt, alle Schriften Andersgläubiger als "geistiges Gift" abzulehnen (Erwachet 8. 4. 61 S.- 7/8). Es ist doch aber so, wenn ich mich mit anderen austauschen will, muß ich, ihre Lehren kennen also ist Information doch not. Man ist sich sicher dessen bewusst, daß die Mehrzahl der Brüder einer sachlichen und kritischen

Prüfung der Lehren mit der Bibel nicht standhalten. Darum diese Scheuklappen für die einfachen Brüder; denn die Leitung liest andere Schriften um so sorgfältiger!

Beim Verteilen der Flugblätter durch die jungen Leute bedrängte man sie mit Fragen und Argumenten, die zeigten, daß man zu einem ernsthaften Gespräch nicht bereit war, sondern nur die eigene Meinung aufdrängen wollte. Eine Methode. Ein Versammlungsdiener sagte wörtlich: Wenn Sie sich in das Gespräch einmischen, stellen wir es ein!" Damit wollte man den Flugblattverteilern untersagen, sich an den entstandenen Gesprächen unter den Zeugen zu beteiligen Wo blieb da die Lehrfähigkeit nach 1. Ti. 3:2, die Bereitschaft zur Rechenschaft nach 1. Petr. 3:15 und die Fähigkeit nach 2. Kor. 10,3-5, alles niederzureißen, was sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt? Es war die Furcht des Versammlungsdieners, die Achtung zu verlieren, weil er nichts entgegenstellen konnte. Der junge Mann, der sich in dazu Gespräch einschalten wollte, war nämlich der Initiator der Flugschriftaktion. Er war selbst von 1949 bis 1961 ein aktiver Zeuge. Man schloß ihn aus, wie es so oft geschieht, ohne biblische Widerlegung der Einwände gegen die WT-Lehren Er war unbequem geworden. Weil der Versammlungdiener wußte, wie vertraut der Bruder mit dem WT war, wich er einer Aussprache aus und verhinderte jede mit anderen Brüdern. Das zeigt, daß die Zeugen keine Gespräche fürchten, wenn sie sich überlegen wähnen. Aber wenn sie Gesprächspartnern gegenüberstehen, die ihnen im Wissen ebenbürtig oder gar überlegen sind, dann fürchten sie Gespräche.

Nun der Beweis dazu. Als im Jahr zuvor der junge Mann, der Flugschriftinitiator, als Zeuge ausgeschlossen wurde, legte er Berufung ein gegen diesen Beschluß. Der Kreisdiener Manfred Teller erklärte daraufhin am 10. 7. 1961:

"Herr.... niemand kann ihnen verbieten, eigene Gedanken über Lehrpunkte zu haben, und niemand will das. Ob diese eigenen Gedanken nun richtig sind oder nicht, das ist nicht in kurzer Zeit zu entscheiden Wir würden sicher Tage und Wochen benötigen, um zu einer Klärung in diesen Dingen zu kommen. Wir sollten hier von vornherein nicht die unterschiedlichen Auffassungen behandeln". Es wurde also nicht biblisch nachgewiesen. daß die Erklärungen des ausgschlossenen Bruders wirklich Irrlehren waren und somit wirkliche Ursache zu Spaltungen. Dennoch blieb der Gemeinschaftsentzug bestehen.

Der Bruder wurde ausgeschlossen, weil er unter anderem auch zur Obrigkeitsfrage Stellung nahm und die Auffassung vertrat, in Römer 13 sind die weltlichen Obrigkeiten gemeint Ein Jahr später brachte der WT das selbst.

Zum besseren Verständnis dessen, um was es ging, noch einmal eine kurze Übersicht über das Obrigkeitsdrama des WT: Von 1879 an war die weltliche Obrigkeit für den WT von Gott. Von 1929 bis 1962 war nach hellerem Licht von Jehova, diese Obrigkeit vom, Teufel. Seit 1962 nach "nach hellerem Licht von Jehova" ist sie wieder - von Gott. Der junge Bruder in Westberlin war dem WT in der Obrigkeitslehre also um ein Jahr voraus. Unerträglich für den WT. Man schloß ihn aus weil er auf der Richtigkeit seiner Ansicht und der Falschheit der derzeitigen WT-Ansicht beharrte Hätte der Bruder die Wahrheit lieber verleugnen sollen und sich selbst betrügen? Er tat es nicht, und das war sein Unglück. Wir verstehen, wie kann ein kleiner Bruder behaupten, der WT… da hätte sich ja Jehova geirrt! Und dann bringt es der WT selbst

Was ist das für eine Lehre, die die Zeugen nicht zur Ruhe kommen läßt? Bei Gott ist keine Veränderung Jak. 1.17. Mithin ist es Werk von Menschen, weil die sich anmaßen, von Jehova immer "neues Licht" zu erhalten. Damit hat sich die WTG-Leitung eine schwere Verantwortung aufgeladen, welche nicht wieder gutzumachen ist. Hat man nicht mit dieser Lehre viele Glaubensbrüder in schwere Gewissenskonflikte gebracht? Alle, welche 1929 das "neue Licht" nicht annahmen, wurden erbarmungslos ausgeschlossen, Rutherford war für Härte bekannt, sie verloren angeblich ihre Kronen und würden in Harmagedon umkommen! Wieviele Brüder gingen in der Nazizeit auch auf Grund dieser Obrigkeitsirrlehre in den Tod? Wer will das dem Herrn gegenüber verantworten Wann zeigt die WT-Leitung wirklich echte Reue und Bußfertigkeit? Wie steht man hier zur Wiedergutmachungsfrage bei den noch lebenden Brüdern? Hat sich die WT-Leitung schon ein einziges Mal Gedanken darüber gemacht? Ware das nicht das mindeste nach 1. Joh. 4:18-21?

Aber wie immer - der WT lenkt ab. Er weist auf einige Diskussionen über die Obrigkeit in der Evangelischen Kirche und sagt: "Wir befinden uns nicht in einer Zwickmühle wie die Protestanten im kommunistischen Ostdeutschland!" (WT 1. 2. 1963) Wie fadenscheinig und welche Lieblosigkeit an den Brüdern!

Vergleichen wir die alten WT-Lehren mit den neuen, so wird man feststellen daß man geneigt ist, mit Bibelstellen zu manipulieren, je nach dem es die Verhältnisse gebieten. Da ist kein "Licht von Gott". Wie lange wollt Ihr, liebe Brüder, diesen Weg noch mit der Leitung gehen? Ist es nicht ratsam, ernstlich alle verbreiteten WTG-Lehren zu überprüfen? Seid wachsam! 1. Joh. 4:1, 1. Kor. 16:13.

Was ist Wahrheit?

DAS VOLLENDETE GEHEIMNIS 1917

LICHT 1930

BABYLON DIE GROSSE IST GEFALLEN 1965

Seit Sommer dieses Jahres wird wieder neues WT-Offenbarungslicht verbreitet in dem Buch BABYLON DIE GROSSE IST GEFALLEN. Wir schenken es uns, auf die seitenlangen Ausführungen altbabylonischer Geschichte und weltlicher Altertumsgeschichte einzugehen, die kaum jemand im Sinn behalten wird und die offenbar nur wieder dazu dienen soll,

die neuen Offenbarungsdeutungen des WT ebenfalls sozusagen historisch glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Ein Hauptgegenstand dagegen ist eine neue Auslegung "von Gott" über die 7 Plagen aus Off. 16. Damit steht oder fällt die Glaubwürdigkeit des ganzen Buches. Das andere wurde schon vielfach in den Dutzenden der anderen WT-Büchern abgehandelt. Aber wir wollen erst einen Blick auf die bisherigen WT-Deutungen von. Off. 16 richten, die man wieder klug umdeutet!

1917 gab es "im Namen Jehovas" die erste komplette Auslegung der Offenbarung in DAS VOLLENDETE GEHEIMNIS, Bd. 7 der Schriftstudien. Unsere 7 Plagen über die Menschheit wurden darin gedeutet als die Verbreitung der 7 Bände Schriftstudien 1886-1917 (Schriftst. 7, S. 315). Ihm (Pastor Russel) wurde das Vorrecht zuteil, a u s d e n H ä n d e n d e s H e r r n den Hausgenossen des Glaubens Speise zur rechten Zeit zu überbringen" (Schriftstudien. 7, Vorwort S. 7,8). Heute ist DAS VOLLENDETE GEHEIMNIS längst als Irrtum und überholt verworfen. Hin und wieder zitiert der WT aus den 7 Bänden, aber nie im ursprünglichen Zusammenhang und Sinn, wenn man nachprüft. Mithin war es nicht "aus der Hand des Herrn", sondern nur Menschenwerk. Rückblickend waren jene Plagenerfüllungen also Bluff.

1930 war die Russelgeneration in der Leitung der Versammlungen von einer neuen Generation jüngerer Brüder abgelöst Die wirklichen ernsten und alten Bibelforscher wurden als sog. Wahlälteste in erbitterten inneren Kämpfen ausgestoßen Während dieser berüchtigten Säuberungsaktionen wurden Russels inzwischen ausrangierte Offenbarungdeutungen durch komplettes sog. "neues Licht von Jehova" ersetzt. Das waren die Bücher LICHT I, II von Rutherford. Unsere Plagenerfüllungen verlegte er aus der Lebzeit seines Vorgängers einfach in seine eigenen ersten Präsidentschaftsjahre seit 1919. Das muß man unbedingt wissen!

Rutherfords Plagenlicht "von Gott":

1. Plage nicht Bd. 1 Schriftstudien 1886, sondern WT-Kongreß in Cedar Point, USA, 1922. "Der Herr überwaltete durch seinen Engel sowohl die Vorbereitung als auch die Annahme der Proklamation , (Licht II, S. 20). Höhepunkt war die unmögliche These: "Wenn die Politiker die Interessen des Volkes wahrten … wenn die Geistlichen dem Volke die Wahrheit über Gottes Vorhaben verkündigten … dann könnte das Königreich ohne weitere Drangsal und Leiden für die Menschheit aufgerichtet werden' (Licht 1, S. 107). Unmöglich, weil das Weltbekehrung bedeuten würde und die WTG ihr damaliges LICHT "von Gott" heute selbst nicht mehr gelten läßt. Der Herr überwaltete durch seinen Engel?

2. Plage nicht Schriftstudien Bd. 2 von 1889, sondern WT-Kongreß in Los Angeles, USA, 1923.

3. Plage nicht Schriftstudien Bd. 3 von 1891, sondern WT-Kongreß in Columbus, USA, 1924.

4. Plage nicht Schriftstudien Bd. 4 von 1897, sondern WT-Kongreß in Indianapolis, USA, 1924, mit der "Botschaft der Hoffnung" an die Völker, "sich um das göttliche Banner der Wahrheit zu scharen … um den Weg zu Glück und Leben kennenzulernen" (Licht I, S. 136).

Das war die Verkündigung, 1925 stehen die Fürsten auf und gründen in Palästina eine irdische Weltregierung, das Königreich auf Erden aufzurichten (Millionenbroschüre 1922, Der Weg zum Paradies, 1924, Trost für die Juden, 1925).

5. Plage nicht Schriftstudien Bd. 5 von 1899, sondern WT-Kongreß in London, England, 1926.

6. Plage nicht Schriftstudien Bd. 6 von 1904, sondern WT-Kongreß in Toronto, Kanada, 1927.

7. Plage nicht Schriftstudien Bd. 7, sondern WT-Kongreß in Detroit, USA, mit der "Erklärung für Jehova und gegen Satan". Die WTG habe mit Rutherfords Büchern "die donnernde Stimme des Herrn erschallen" lassen. Besonders die Erleuchtungen, Römer 13 (Obrigkeit), beziehe sich n i c h t auf die irdischen Regierungen, haben "viel Getöse und Schütteln verursacht und es sind viele hinausgeschüttelt worden" (Licht II, S. 58-60).

Im WT vom 15. Juni 1931, S. 192, wird dieses "Licht Jehovas" in Rutherfords Büchern Licht I, II in einem Brief mit den Worten verherrlicht: "Kein Mensch hätte dieses Buch schreiben können und keiner tat es, Bruder, Du warst nur der Amanuensis (literarische Gehilfe) bei der Herstellung von "Licht". Jehova ist sein Autor."

35 Jahre sind seit "Licht" 1930 ins Land gegangen. Wer kennt jene Bücher? Auch die Rutherfordgeneration der zwanziger Jahre ist von einer neuen Generation, einer jüngeren Führerschicht in den Versammlungen abgelöst. "Licht" wird vergessen gemacht. Die dritte Plagendeutung wird gepredigt, die jetzt die Präsidentschaft von Knorr und seine "göttlichen Wahrheiten" mit einschließt, als hätte man kaum je etwas anderes gepredigt! Das ist BABYLON DIE GROSSE IST GEFALLEN. Wieder wird Jehova als Zeuge beschworen, wenn es heißt, man muß sich nur wieder der Geschichte zuwenden und die biblische Prophetie mit ihr vergleichen: "Auf diese Weise können wir sicher sein, daß wir Gottes Auslegung erhalten" (Babylon-Buch, S. 8).

Hatten Russel und Rutherford bei Anordnung von Ausschluß aller Zweifler ihre heute verworfene "Auslegungen Gottes" nicht stets genauso begründet? - Das als Vorbemerkung zur Einschätzung der jetzigen Plagendeutung in der nächsten CV-Ausgabe.
 
 

Interessante Mitteilungen

Unruhe unter den älteren Brüdern

In den Versammlungen vermehrt sich die Unruhe unter den älteren Brüdern und Dienern, die systematisch aus den Dienstämtern entfernt werden und durch jüngere Brüder ersetzt werden, die bedingungsloser gehorchen, weil sie die früheren WTG-Irrtümer nicht kennen.

Schlechtes Gewissen

Das WTG-Jahrbuch 1965 enthält keine Liste der Sonderdiener mehr. Die WTG folgt mit dieser Unterbindung offenbar die Absicht, hier keine Angaben mehr zu veröffentlichen, um der Verantwortung vor den Versammlungen so weit wie möglich zu entgehen.

Franke lehnt Verantwortung ab

Vor Journalisten in Ulm/Donau erklärte Zweigdiener Franke/Wiesbaden anläßlich eines Kongresses im August 1964, die WTG-Leitung stelle den Brüdern nunmehr die Ableistung von Wehrersatzdienst frei. (Die Welt, 31. 8. 1964). Auch der WT (1. 6. 1965) bringt neuerdings Berichte über Wehrersatzdienst von Brüdern schon im ersten Weltkrieg in der amerikanischen Armee.

Wo ist Bruder H. C. Covington?

Hat der oberste Rechtsberater der WTG, Bruder Hayden Cooper Covington, Brooklyn, das Schicksal seines Vorgängers Olyn R. Moyle erfahren? H. C. Covington wird in der Sonderdienerliste 1963 des Jahrbuches 1963 letztmalig genannt, in der des Jahrbuches 1964 nicht mehr. Er ist erst 55 Jahre alt. Moyle wurde exkommuniziert, weil er sittliche Entartungen im Bethel nicht mehr mitverantworten wollte. In der nächsten Ausgabe von CV eine ausführliche Mitteilung hierzu.

Süddeutsche Zeitung vom 25. 7. 1963:

Die Wachtturm-Gesellschaft läßt durch Ernst Wauer verkünden: "Wir wollen den Leuten das wahre Christentum wie die Bibel und nur die Bibel allein es lehrt nahebringen!"

(Kommentare dazu siehe immer in "Christlicher Verantwortung").

Kurt Hutten im Buch: Seher - Grübler - Enthusiasten:

"Die Zeugen Jehovas wollen ihr ganzes System aus der Schrift gedeutet haben. Sie rühmen sich, daß sie für ihre Lehren allein die Schrift maßgebend sein lassen. Um das zu unterstreichen, bezeichneten sie sich zeitweise als "Ernste Bibelforscher". In ihren Schulungsabenden ist die Bibel das Lehrbuch. Den Aufsätzen des Wachtturms wird die Bibel zugrundegelegt. In den Glaubensgesprächen operieren die Verkündiger allein mit Bibelworten. Warum kamen sie aber nun zu so ganz anderen Ergebnissen ihrer "Bibelforschung" als die Reformationskirchen, die sich ja ebenfalls allein auf die Schrift berufen?

(Antwort erfolgt in einem der nächsten CV).

A 2022/66 V 18 6

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