Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 102
Kurt und Maria Pape, Eltern der in weiten Kreisen bekannten Gebrüder Dieter und Günther Pape. Kurt Pape im KZ umgekommen, Maria daselbst fast auch. Zum Tode war sie schon verurteilt. Lediglich dass die Tage des Hitlerregimes im Jahre 1945 endeten, verhinderte in ihrem Falle das allerschlimmste. In dieser Ausgabe wird der Versuch unternommen, ihre Biographie in groben Zügen nachzuzeichnen.

Noch ein Name taucht in dieser Ausgabe auf. Der des Martin Pötzinger. Über ihn war zu registrieren, dass er 1977 in die "Leitende Körperschaft" der Zeugen Jehovas berufen wurde.
Über ihn meinte man nun ausführen zu können:
"Wie wir aus München erfahren, ist M. Pötzinger Ende 1936 besonders aktiv gewesen, die Resolutionen des WTG-Kongresses 1936 in Luzern/Schweiz verbreiten zu lassen. ... Damit hat er die Verhaftung einer ganzen Reihe von Geschwistern durch die Gestapo veranlaßt."

Wie ist die tatsächliche Sachlage. Erst einmal kommt Pötzinger in seinem im Wachtturm vom 1. 3. 1970 veröffentlichten Bericht auf die fraglichen Details mit keiner Silbe zu sprechen. Nun, Marion Detjen ist in ihrem Buch "Zum Staatsfeind ernannt... "wo auch Pötzinger mit erwähnt wird, etwas deutlicher. Über ihn führt auch sie aus:
"Die IBV setzte nun im Herbst 1936 als neuen Bezirksdiener für Bayern den aus Sachsen stammenden Karl Siebeneichler ein, der ohne festen Wohnsitz mit äußerstem Einsatz die Münchner Organisation völlig umstrukturierte. Er bestimmte Martin Pötzinger als Gruppendiener für München und die Untergruppendiener für die einzelnen Stadtteile. ...

So gelang es, daß ganz München am 12. Dezember mit den 'Resolutionen' überschwemmt wurde. Beim Verteilen erwischt wurde allein Martin Pötzinger. Da dieser - obwohl er wahrscheinlich gefoltert wurde - keine anderen Namen preisgab, führte die alarmierte Gestapo bei allen ihr bekannten 'Bibelforschern' - etwa 160 Familien - Hausdurchsuchungen durch. Schließlich nahm sie sich wahllos fünf Personen vor, die sich auf andere Weise bereits verdächtig gemacht hatten, und vernahm sie unter 'verschärften' Verhörmethoden. Als eine Frau nach mehrstündiger Vernehmung gestand, konnte die Gestapo die Untergruppe rechts der Isar, circa 60 Personen, aufrollen Auch einige andere Gruppen konnten verhaftet werden."
 


 

CV Christliche Verantwortung

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEIT SCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 102 Gera Januar 1978

IHR IN BROOKLYN HABT MIT 1975 SOGAR DIE AUSERWÄHLTEN VERFÜHRT! EURE OPFER KLAGEN EUCH AN! WO IST EUER GEWISSEN? KRONZEUGEN STEHEN AUF!
Lest den Tatsachenbericht zur 100. CV-Ausgabe:
Wie ein Überrestglied von der Wachtturm-Gesellschaft verführt, in ihrem Dienste mißbraucht wurde und zugrundeging!
JETZT "EINE ZEIT UNBEKANNTER LÄNGE", SAGT DIE WTG!
Liebe Leser
Liebe Brüder und Schwestern
Nun hat schon das Jahr 1978 begonnen! Wie sehr hat doch CV recht gehabt, als sofort ab 1966/67 vor dem Glauben an das neue Wachtturm-Weltende "Mitte der 70er Jahre" gewarnt wurde! Wir sind nun in einer Zeit gigantischer organisatorischer und geistiger Ablenkungen seitens der WTG von dieser ihrer weltweiten falschen Prophezeiung! Lest dazu in dieser CV-Ausgabe:

Kommentar zum Thema des Monats
"SICH MIT FESTEM GRIFF AN DAS WORT DES LEBENS KLAMMERN"
Welche Worte sind entscheidend für das Leben?
Zum WTG-Jahrestext 1978
"SIE WERDEN NICHT DIE OBERHAND ÜBER DICH GEWINNEN … "
Was bedeutet jetzt dieser Jahrestext?
Aus der Organisation
BIS FRÜHJAHR SOLLEN ÜBERALL SEKRETÄRE EINGESETZT SEIN
Was bedeutet das? Warum geschieht das?
B l i c k i n u n s e r N a c h b a r l a n d P o 1 e n

Das Lehrstück für diesen Monat wird begründet auf den Bibeltext aus Phil. 2:14-16: "Tut weiterhin alles ohne Murren und Widerreden, so daß ihr euch als untadlig und unschuldig erweist, Kinder Gottes ohne Makel inmitten einer verkehrten und verdrehten Generation, unter der ihr wie Lichtspender in der Welt leuchtet, indem ihr euch mit festem Griff an das Wort des Lebens klammert."
Nach dieser Bibelstelle sollen wir das tun, was Gottes Wort uns zu tun gebietet.
Die Wachtturmgesellschaft stellt ebenfalls in den Mittelpunkt Gottes heiliges Wort, die Bibel.
Immer wieder wird darauf verwiesen, wie wichtig es doch ist, die Bibel als einzige Quelle des Lebens anzuwenden. Das Wort Gottes kann uns helfen, so wird weiter ausgeführt, mit Krankheiten fertig zu werden, Stress zu überwinden, gibt Trost für Niedergedrückte, hilft Kummer zu ertragen Schüchternheit und Furcht zu überwinden, schützt vor unsittlichem Lebenswandel.
Ja wirklich, Gottes Wort kann das.
Aber verbaut nicht gerade die Wachtturmgesellschaft unseren Brüdern den Weg zum Leben?

Was stellt sie tatsächlich in den Vordergrund? Nicht die Bibel, sondern ihre zweckbezogenen bibelerklärenden Schriften Durch sie bestimmen sie, was gelehrt wird in der Organisation.
Was studierst du wöchentlich? Die Bibel? Nein, lediglich eine der Leitung genehme Bibelstelle wird zur Grundlage genommen, um das untermauern zu können, als biblisch darzustellen, was die Wachtturmgesellschaft als Lehrstoff für erforderlich hält.
Was hast du darauf zu antworten? Die Worte und Sätze sollst du wiederholen, die dir im Text vorgeschrieben werden. Oder konntest du einmal darüber diskutieren?

Zielstellung der Wachtturmgesellschaft
Durch die Ausführungen im WT Nr. 17, Seite 519 vom 1. 9. 1977 entlarvt sich die Wachtturmgesellschaft ungewollt selbst. Dort wird z. B. eine Aussage einer ehemaligen Katholikin wiedergegeben, aus der hervorgeht, daß sie, nachdem sie mit der Wachtturmgesellschaft in Kontakt gekommen war, aus dem Buch "Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt", mehr über die Bibel gelernt habe, als durch dreizehnjähriges intensives Bibelstudium in einem Kloster.

Es geht der Wachtturmgesellschaft weniger um den Inhalt der Bibel, sondern wie angeführt "über die Bibel", und da kann man dann alles einfügen, was offizielle Zeugenlehre sein soll. Und nun paßt es ja wieder.
Auch wenn du anderer Meinung bist, wenn du in Übereinstimmung mit dem wahren Inhalt der Worte Gottes bist, du hast das anzunehmen, was die Wachtturmgesellschaft will.

Du m u ß t alles ohne Murren tun und vor allem ohne Widerrede Diese Bibelstelle ist so recht angetan, um dich von einem auf jeden Fall erforderlichen Widerspruch abzuhalten. Bedenke, daß du alles prüfen sollst. Darüber schweigt die Wachtturmgesellschaft. Wir wollen auf Römer 2:18, 12:21 Phil. 1 :l0, Eph. 5:10 hinweisen.

Nach der Lehre der Wachtturmgesellschaft ist das richtig, was sie lehrt. Sie möchte ihren Willen durchsetzen, den sie als Willen Gottes ausgibt, nicht den Willen Gottes. Sie lehrt zu bestimmten Zeiten, was sie gerade möchte und was ihren gegenwärtigen Zielen dient.

Jetzt ein sehr aktuelles Thema
Wir wollen in der Beweisführung jetzt noch auf ein sehr aktuelles Thema eingehen. Aktuell ist es nur, weil es die Leitung jetzt auf die Tagesordnung gebracht hat, um von ihrer unverantwortlichen Lehre, die Tausende Brüder und Schwestern in eine Sackgasse geführt hat, ablenken zu können Sie müssen allen irgendein Thema für das Predigen anbieten Was sollen sie denn sonst verkündigen. Mit der Endzeit können sie doch keinem mehr kommen.

Deshalb wird jetzt in einer umfangreichen Kampagne die Blutfrage in den Vordergrund gerückt.
Nun, heute wird gelehrt, daß die Zusichtnahme von Blut mit Hurerei auf einer Stufe stehe und jeder, der sich freiwillig einer Bluttransfusion unterzieht, sich der Vernichtung preisgibt, also auch mit den Brüdern nicht mehr verbunden sein kann.

Nun gibt es ja noch Brüder, die noch über Lehrstücke aus den Vorjahren verfügen. Wollen wir abschließend, ohne daß es noch eines Kommentars bedarf, die offizielle Stellungnahme der Wachtturmgesellschaft wiedergeben und sie betrachten Es ist der Wachtturm vom 1. Oktober 1958. Damals wollte man keinen verlieren und lehrte folgendes:

"Fragen von Lesern"
Eine Zeugin Jehovas, die beansprucht, zum gesalbten Überrest zu zählen, begab sich kürzlich ins Krankenhaus. um sich freiwillig einer Bluttransfusion zu unterziehen. Sollte ihr gestattet werden, beim Gedächtnismahl von den Symbolen, von Brot und Wein, zu genießen? - R. J. Vereinigte Staaten.

Mit dir bedauern wir es natürlich, daß diese Schwester, die bekennt, ein Glied des gesalbten Überrests zu sein, sich freiwillig eine Bluttransfusion machen ließ, als sie im Krankenhaus weilte. Wir glauben, daß sie dem Willen Gottes zuwider, also nicht recht handelte. Indes sind die Versammlungen nie angewiesen worden (1958! Anm.) Personen, die sich freiwillig Bluttransfusionen machen lassen oder sie gutheißen, die Gemeinschaft zu entziehen. Das Gericht jener Personen, die Gottes Gesetz hinsichtlich der Heiligkeit des Blutes übertreten, überlassen wir Jehova, dem höchsten Richter Das einzige, was im Falle einer solchen Person getan werden kann ist, sie als unreif zu betrachten, als jemand, der nicht fähig ist, gewisse Verantwortung zu übernehmen, so daß wir sie also mit gewissen Dienstaufgaben nicht betrauen.

Einer solchen Person wird die Gemeinschaft nicht entzogen, weil sie sich freiwillig eine Bluttransfusion machen läßt oder es gutheißt, daß eines ihrer lieben Angehörigen eine Bluttransfusion erhält, und daher habt ihr auch kein Recht, diese Schwestern von der Feier des Abendmahles des Herrn auszuschließen. Als ein gesalbtes Glied des Leibes Christi sieht sie unter dem Gebot und Befehl Christi, davon zu genießen. Ob sie nun untreu ist gegenüber dem, was sie zu sein bekennt, indem sie die Symbole des Abendmahles des Herrn einnimmt, wird Jehova Gott selbst entscheiden. Sein Gericht beginnt im Hause Gottes. Es steht euch nicht oder sonst jemandem zu, der die Gedächtnismahlsymbole darreicht, als Richter zu amten, sondern ihr sollt die Symbole allen Anwesenden in der üblichen Weise darbieten so daß jeder die Gelegenheit erhält, davon zu genießen."
Benutzt dieses Wissen und wendet es an! Eure Meinung dazu erwarten in christlicher Verbundenheit eure Brüder!
U. B.

Zur 100. CV-Ausgabe
IHR IN BROOKLYN HABT MIT 1975 SOGAR DIE AUSERWÄHLTEN VERFÜHRT! EURE OPFER KLAGEN EUCH AN! WO IST EUER GEWISSEN? KRONZEUGEN STEHEN AUF!
Wie ein Überrestglied von der Wachtturm-Gesellschaft verführt, in ihrem Dienste mißbraucht wurde und zugrunde ging
- Ein Tatsachenbericht -
Mit dem "Goldenen Zeitalter" fing alles an.
In einer kleinen Industriestadt am Harz hatten sie 1927 geheiratet, Kurt und Maria Pape. Er war Metallarbeiter, sie in Stellung bei einem Pfarrer gewesen. Einstmals hatte sie den Wunsch, eine höhere Töchterschule zu besuchen. Aber die Familie war kinderreich. Beider Elternhäuser waren evangelisch. Die Schatten der Weltwirtschaftskrise und des heraufziehenden Hitlerfaschismus begannen, das Leben zu verunsichern In dieser krisenschweren Zeit machte Kurt und Maria die Bekanntschaft mit den "ernsten Bibelforschern", wie die Zeugen Jehovas damals genannt wurden. Als ersten Lesestoff erhielten sie die Zeitschrift "Das Goldene Zeitalter", die heute unter dem Namen "Erwachet" erscheint. Es war ein Br. Holz, der die ersten Besuche machte. Eine Schw. Zetschak, die später die von den Nazis dem Hungertode preisgegebenen jüdische Familie Seelig heimlich unterstützte, dieweil die Wachtturm-Gesellschaft die Juden als zu Recht von den Nazis verfolgt hinstellte, trug das "GZ" (Goldene Zeitalter) aus.

Damals fing alles sehr harmlos an. Die verheißungsvollen Bilder und Berichte sowie Bibelauslegungen in den Zeitschriften veränderten diese beiden jungen Menschen völlig. Sie wurden hoffnungsvoll. Sie wurden in wenigen Monaten eifrige Bibelforscher. Über ihnen tat sich der Himmel auf, und in ihren Vorstellungen sahen sie das Land ihrer Sehnsucht Ihr Glaube war ehrlich. Noch ahnten sie nichts davon, wie die Wachtturmgesellschaft sie bereits in ihre Fangarme nahm, um sie nach ihrem Wunsche umzuformen. Sein Schwager Fritz B. sagte zu dieser Zeit einmal zu ihm: Kurt, dein Weib ist verrückt, das sind doch Utopien! Doch sie wurden als Glieder des Überrests schließlich entschiedenste "Märtyrer" für die Wachtturm-Gesellschaft in dem aufrichtigen Glauben, dies für Gott und Christus zu sein.

Die Ältesten gerade als "riechende Böcke" vertrieben
Als beide anfangs der 30er Jahre zur Wachtturm-Gesellschaft kamen, war diese gerade dabei, die Ältesten ihrer Gemeinden zu vertreiben, hauptsächlich, weil sie sich der Einführung einer theokratisch genannten diktatorischen Ordnung und dem erhobenen Wachtturm-Anspruch widersetzten, die "Gesellschaft" sei der alleinige "Vertreter Gottes auf Erden", wozu alle damaligen Versammlungen verpflichtet wurden. Darum erhielt Kurt alsbald das "Vorrecht", neuer "Dienstleiter" (DL) am Ort zu werden, eine Funktion, die nach und noch bis zur völligen Ausschaltung der Altesten aufgewertet wurde. Immer benutzte die Wachtturm-Gesellschaft den Idealismus junger, unerfahrener Brüder, Rivalitäten mit den alten Brüdern am Ort wie Paul Neumann, Karl Nitschke u. a. prägten nun intern die Situation. "Stößige und riechende Böcke", mit diesen und ähnlichen Diffamierungen in ihren Schriften sorgte die Wachtturm-Gesellschaft dafür, die Altesten schließlich auszustoßen.

Es kam aber, daß diese Bibelforschergruppe nicht in den Einflußbereich der damaligen Opposition gegen die Wachtturm-Gesellschaft in Deutschland geriet. Zu dieser Opposition, die europäische Ausmaße annahm, gehörten u. a. C. C. Binkele aus dem Zentraleuropäischen Büro in Bern, die Brüder Emil und Otto Sadlack aus Ostpreußen mit ihrem Buch "Die Verwüstungen des Heiligtums", auch die Bewegung der "Wahrheitsfreunde" unter F. Egle und E. Vorsteher Das Verbot von 1933 ließ diese Oppositionskämpfe in Deutschland jedoch vorerst nicht weiter zum Austragen kommen.

Bis an den Reichsmarschall Hermann Göring gewandt
Es war eine von unten schwer durchschaubare Situation bis 1935/36. Die Wachtturm-Gesellschaft versuchte, durch pronazistische und antisemitische Kompromisse ihr Werk in Deutschland zu retten. Die Gestapo andererseits ließ die Justiz mit gefälschten Verbotsbegründungen vorgehen, indem der Wachtturm-Gesellschaft die wirklich antifaschistische Tätigkeit ihrer Opposition unterschoben wurde. Unsere beiden Überrestglieder gehörten zu den wenigen Mutigen, die diesen Sachverhalt in gutem Wachtturm-Glauben aufzuklären versuchten. Kurt ließ sich von Br. Holz mit dem Motorrad ins Bibelhaus nach Magdeburg zu Br. Paul Balzereit fahren. Selbst mit dem Fahrrad fuhr er nach Magdeburg. Maria wandte sich 1934 noch umfangreichen Vorarbeiten mit einer Eingabe bis an den späteren Reichsmarschall Hermann Göring. Die Antwort war ihre Verhaftung. Kurt kam noch 9 Jahren Gefängnis- und KZ-Haft im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben. Ein Teil der Gestapo-Akten der Familie geriet 1945/46 in die Hände der Wachtturmgesellschaft.

Im Strafblock des Konzentrationslagers Ravensbrück
Maria gab nicht auf. Selbst dann im Gefängnis in Braunschweig nicht, wo man ihr antrug, es aufzugeben, sich juristisch für eine aussichtslose Sache einzusetzen. Sie hatte alle Voraussetzungen, stattdessen eine juristische Laufbann einzuschlagen. Sie hielt jedoch zur Wachtturm-Gesellschaft, wenn sie das Problem auch nicht durchschaute. Sie glaubte fest daran, daß das "Ende", das Wachtturm-Weltende, "ganz nahe" sei. Es war damals auf "einige wenige Jahre" nach 1938 festgesetzt und verkündigt worden. Die WachtturmWeltende-Irrlehre von 1925 hatte sie selbst nicht erfahren. Sie kam ja erst danach hinzu.

Aus dem Gefängnis kam sie ins KZ Ravensbrück. Dort bildete sie mit Ilse Unterdörfer, Elfriede Löhr, Erna Breczeck und anderen eine aktive Gruppe, deren Anweisungen an die Mitgefangenen oftmals nur Fanatismus und Extremismus war, wofür Ilse Unterdörfer die Anführerin war. Im Ergebnis dessen wurde Schw. Minna Schulze auf dem Bock totgeprügelt. Im Strafblock des KZ war Maria dann zusammen mit Frau und Tochter des französischen Marschall Petain und der Tochter des französischen Generals und späteren Staatspräsidenten Charles de Gaulle, Genevieve de Gaulle.

In die Pläne des SS-Führers Himmler einbezogen
In dem Wachtturm-Glauben, es sei ein Gotteswerk, gehörte Maria im KZ Ravensbrück zu denen, die auf Veranlassung des SS-Führers Himmler die Möglichkeit erhielten, aus der Sowjetunion deportierte "junge Russinnen" zum Wachtturm-Glauben zu bringen und zu taufen. Himmler hatte das Ziel, noch Eroberung der Sowjetunion die Zeugen Jehovas dort zu einer großen Religion werden zu lassen, um auch dadurch jeden politischen und militärischen Widerstand in der Sowjetunion gegen die faschistischen Eroberer zu verhindern. Die im KZ getauften "jungen Russinnen" sollten die künftigen "Emissäre" oder Kerngruppen hierfür sein. Seine "Täuferinnen" ließ Himmler in dem Glauben, Jehova arrangiere das alles. Einmal haben sie 24 "junge Russinnen" in einer Wassertonne getauft. Die SS-Aufseher drückten beide Augen zu, dieweil unsere "Täuferinnen" dachten, Jehova habe sie mit Blindheit geschlagen.

In der Todeszelle in Ketten
Eine letzte Aktion, an der Maria federführend mitwirkte, war ein Bericht über die Vorgänge im KZ selbst. In Verbindung mit Erna Breczeck wurde er hinausgeschmuggelt. Da die Wachtturm-Gesellschaft jetzt unbedingt ein antifaschistisches Feigenblatt brauchte, um ihre Anfangshaltung zum Hitlerfaschismus zu verdecken und zu verdrängen, hielt sie diesen Bericht nicht zurück, sondern ließ ihn von der Schweiz aus ohne Rücksicht auf die Folgen veröffentlichen. Mit ihren Terrormethoden war es für die Gestapo im KZ das Leichteste, was es gibt, die Verfasser des Berichts festzustellen. Unsere Maria wurde mit anderen in den KZ-Zellenbau geworfen, wo die berechtigte und später gehenkte SS-Aufseherin Binz "waltete", wurde zum Tode verurteilt und in der Todeszelle wie Vieh angekettet. Hier hatte sie in kurzer Zeit Paratyphus und wäre tatsächlich zum "Märtyrer" für die Wachtturm-Gesellschaft geworden. Es war eine polnische Häftlingsärztin, die ihr heimlich half, so daß sie nicht elend zugrundeging. Die Befreiung des KZ Ravensbrück durch die Sowjetarmee verhinderte die Vollstreckung des Todesurteils.

Auf neue Weise gegen den Osten mißbraucht
Ab 1947 stürzte die Wachtturm-Gesellschaft alle in ein neues "Kampfgetümmel". Es war die Einbeziehung des Werkes in den westlichen antikommunistischen politischen kalter Krieg unter der falschen Alternative "Christentum oder atheistischer Kommunismus", die die Wachtturm-Gesellschaft übernahm, wie das auch andere Kirchen und Religionsgemeinschaften taten. Mit politischen Schmähungen in den Predigten - hier nur einige daraus - wie "Unheilkündender Schatten des Kreml, Kommunismus von Satan dem Teufel gezeugt, genährt und zur Reife gebracht, wilde Tiere hinter dem Eisernen Vorhang" u. a. m. wurden alle zum Angriff angetrieben. Wer nur Einwände gegen diesen politischen Glaubensmißbrauch erhob, wurde schon verdächtigt, ein "Agent der Kommunisten" und "kommunistenverseucht" zu sein.

Es ist Bluff und Schwindel, der Überrest leite das Werk, das die anderen Schafe ausführen. Hier war ein Überrestglied, als Frau gar hatte sie schon gar nichts zu sagen, und in Lehrfragen als Frau überhaupt nichts. Gegen diese politische Bibelauslegung war sie völlig machtlos. Als sie sich dann 1950 in Westdeutschland in Sicherheit gebracht hatte, war es sogar gefährlich geworden, die antikommunistische Wachtturm-Politik zu kritisieren. Sie wäre nicht nur verdächtigt worden, "kommunistenverseucht" zu sein. Wachtturm-Mitarbeiter drohten offen, derartig "kommunistenverseuchte Elemente" aus ihren eigenen Reihen der westdeutschen oder amerikanischen politischen Polizei auszuliefern.

An die "kleine Weile" nach 1945 geglaubt
Mit einem "begeisternden Wiederaufbau" schaffte es die Wachtturm-Gesellschaft nach 1945, die Weltende-Irrlehre von 1938 wieder zu verdrängen. Sie konnte es in dieser Hochstimmung riskieren, eine weitere "Hinausschiebung" um 10 bis 20 Jahre anzubringen. Der Theokratische Kongreß Pfingsten 1945 in Zürich war einer dieser "Marksteine". "Begeisternde" Wachtturm-Führer wie Erich Frost u. a., die in Wahrheit zu Handlangern der Gestapo geworden waren, traten jetzt an die Spitze. "Die Ostzone hört auf die Botschaft und liebt sie", war eines seiner euphoristischen Phantasieprodukte, seiner unrealistischen Hirngespinste, mit denen er als deutscher Zweigdiener demonstrierte, was für unrealistische Phantasten sie waren. So wurde auch die erneute "Hinausschiebung" um 10 bis 20 Jahre bedenkenlos durchgesetzt. Und die Überlebenden der Weltende-Irrlehre von 1938 und der Konzentrationslager? Nicht wenige von ihnen wurden jetzt auf Gruppenkartei im Bibelhaus Magdeburg als "Abtrünnige" vermerkt, vor allem solche, die schon das falsche Weltende von 1925 erlebt hatten, die schon einmal erlebt hatten, wie die Wachtturm-Gesellschaft Gott einfach "verziehen" läßt, um nicht selbst unglaubwürdig zu sein. Wer würde es wagen, die Schuld auf Gott zu schieben?

Unsere Maria erlebte nun das erste Mal, wie Gott "eine kleine Weile verzieht". Oder sollte etwa die Aufopferung von Liebesglück, Eheglück, Kinderfreuden, Familie und Heim, Beruf und erfüllende Arbeit, von allem und jedem, umsonst gewesen sein? Sollte sie sich einem falschen Propheten verschrieben haben? Das konnte einfach nicht sein. Das wäre zu furchtbar, um auch nur wahr zu sein. Sicher "verzieht der Herr nur um eine kleine Weile". Und 20 Jahre sollten es ja gar nicht werden, war auf dem Zürcher Kongreß ja ganz klar gesagt worden. Für sie war es die erste "Verzugs"-Erfahrung Die zweite, die ihr sicher auch den Vermerk "abtrünnig" eingebracht hätte, erlebte sie nicht mehr.

Ihr Kronzeugnis vom 16. Januar 1967 klagt nun an!
Die "kleine Weile" nach 1945 war schon mehrmals vergangen. Nicht nur 10, nicht nur 20, über 20 Jahre schon! Die Lage wurde bedrohlich. Ihre Verkündigung vom Zürcher Kongreß 1945 selbst Lügen strafend kam die Wachtturm-Gesellschaft 1966/67 mit einem neuen Termin, der waghalsig noch ein Stück weiter verschoben war: 1975! 1975 sei die Welt vernichtet! 1975 beginne die Tausendjahrherrschaft Christi auf Erden!

Die Wachtturm-Gesellschaft und alle mit ihr lügen heute, wenn sie das bestreiten. Sollen die Beweise dafür in Großformat an allen Anschlagsäulen ausgehängt werden? Wenn die Wachtturm-Gesellschaft weiter so verantwortungslos wie bisher belehrt und belügt und diese eben gemachte Andeutung Wirklichkeit wird, was dann? Was werden Jehovas Zeugen dann darauf antworten? Etwa: "Das haben wir niemals gesagt?" Oder: "Davon war uns nichts bekannt?" Dann würde es sehr unangenehm für Jehovas Zeugen werden . Jeder sollte darum frühzeitig darüber nachdenken und etwas gegen die Rechthaberei der Wachtturm-Gesellschaft unternehmen, statt abzuwarten, bis es zu spät ist.

Die letzte Antwort, die Maria oft nur geben konnte, war, "der Herr wird es eines Tages entscheiden". Was aber bis dahin? Muß man sich nicht jetzt entscheiden? Es war fürchterlich. Nun aber hatte die Wachtturm-Gesellschaft 1966/67 endlich das entscheidende Wort verkündigt und gesprochen: 1975! Nun konnte man wieder das Haupt erheben und mit Bestimmtheit antworten. Und so schrieb sie hoffnungsvoll 1967 in einem "Missionsbrief", in einem "schriftlichen Zeugnis" in felsenfesten Glauben als Überrestglied an 1975:

"Es ist etwas Beruhigendes zu wissen, daß wir mit Riesenschritten dieser Zeit entgegengehen. Eins steht fest: 1975 sind 6000 Jahre seit Erschaffung Adams um, und anschließend beginnt die Tausendjahrherrschaft Jesu Christi. Da gibt es nichts daran zu rütteln, denn das steht biblisch und chronologisch fest, außerdem lügt Gott nicht! So wird die Generation, die 1914 bewußt erlebt hat, auch noch das Ende dieses Systems der Dinge erleben."
Dieser Missionsbrief ist datiert vom 16. Januar 1967.

Verführt, mißbraucht und zugrundegegangen
Dieser Zeugnisbrief eines Überrestgliedes ist die Wahrheit über das, was die Wachtturm-Gesellschaft allen über 1975 beigebracht hat! Er sagt eindeutig aus, daß für 1975 die Schlacht von Harmagedon, das Weltende und der Beginn der Tausendjahrherrschaft Christi verkündigt wurde! Maria erlebte das Jahr 1975 nicht mehr. Sie starb im September 1971. Sie starb als Überrestglied von der Wachtturm-Gesellschaft betrogen bis zum jüngsten Tag, bis zum Tode. Mit Sicherheit hätte sie im Herbst 1975 fassungslos auf ihre eigenen Zeilen vom 16. Januar 1967 gestarrt. Es blieb ihr erspart "An 1975 gibt es biblisch und chronologisch nichts zu rütteln! Gott lügt nicht!" Nein, Gott hat nicht gelogen, die Wachtturm-Gesellschaft hat gelogen. Sie hat die ganze Welt belogen, durch Jehovas Zeugen belügen lassen! Sie hat mit ihrer Irrlehre von 1975, die nun offenbar ist, sogar den Überrest belogen.

Unsere Schw. Maria ist einer der vielen Kronzeugen, die nun als mahnendes Beispiel vor Augen stehen. Sie mahnt alle, die heute immer noch, heute 1978, oft gnadenlos Andersdenkende zum Teufel jagen möchten nur deshalb, weil sie ehrliche Kritik an den falschen Bibelauslegungen der Wachtturm-Gesellschaft üben. Ihr Brief, den sie 1967 schrieb, und ihre Hoffnung darin mit Bezug auf 1975, zeigen eindeutig, wie geschickt es die Wachtturm-Gesellschaft von jeher fertiggebracht hat, selbst die "Auserwählten Gottes" zu verführen Dieser Brief ist nur eine kleine, aber umso beschämendere Dokumentation dieser Verführungen. Wir möchten diesen Bericht mit den Worten Jesu abschließen und damit vor der Wachtturm-Gesellschaft warnen: "Zahlreiche falsche Propheten werden auftreten und viele Menschen irreführen." Matth. 24:11, Die Gute Nachricht.
P.

Zum WTG-Jahrestext 1978
"SIE WERDEN NICHT DIE OBERHAND ÜBER DICH GEWINNEN, DENN ICH BIN MIT DIR … UM DICH ZU BEFREIEN". Jeremia 1:19
Was bedeutet dieser Jahrestext?
"Diese Worte aus Jeremia 1:19 wurden anläßlich der Jahresversammlung der pennsylvanischen Körperschaft von Bruder F. W. Franz in einer Ansprache über das erste Kapitel des Buches Jeremia besonders hervorgehoben. Sie bilden unseren Jahrestext für das Jahr 1978 …

So, wie der junge Jeremia in seinen Tagen mutig für Jehova eintrat und von seinen Widersachern mit den Konsequenzen bedroht wurde (Jer. 11 :21), so ist beginnend mit Charles Taze Russell eine im Vergleich zur Christenheit junge Sklavenklasse aufgetreten, um wichtige Botschaften bekanntzumachen . . . Diese Klasse kann nach vielen Jahren treuer Arbeit geschichtlich nachgewiesen werden …

Die heutige Jeremia-Klasse ist sich dessen bewußt, daß ihre Bestellung "über die Nationen und über die Königreiche" (Jer. 1 :10) ihr nicht das Recht gibt, sich in die Politik dieser Welt einzumischen, revolutionäre Bewegungen gegen bestehende Regierungen dieses Systems der Dinge zu unterstützen oder an solchen teilzunehmen …
Sie macht die Botschaften bekannt, die Jehova in seinem Wort festgelegt hat …

Mut ist erforderlich. Aber wir können darauf vertrauen, daß wir eine übernatürliche Unterstützung haben . . . Wir schreiben jetzt das Jahr 1978. Wir leben in einer Zeit unbekannter Länge, die der Zeit zwischen Adams Erschaffung und dem Ende des 6. Schöpfungstages entspricht . . . Es ist unser Vorrecht, im Einklang mit der vorwärtsschreitenden Gemeinschaft von Brüdern tätig zu sein . . . Mögen wir daher stets daran denken, daß die Feinde der Herrschaft Gottes nicht die Oberhand über uns gewinnen werden, denn unser Gott ist mit uns, uns zu befreien." (I/78, S. 1)

Warum 1978 dieser Jahrestext?
Bevor wir die einzelnen Kerngedanken des WTG-Kommentars zum Jahrestext für 1978 näher betrachten, wollen wir den Hintergrund für die Wahl dieses Textes ins Auge fassen. "Sie werden nicht die Oberhand über dich gewinnen . . .", die Wahl dieses Textes für das 3. Jahr noch 1975 zeigt, daß die Wellen bereits haushoch schlagen, daß mit dem falschen Weltende von 1975 Geister gerufen wurden, die nun gefährlich zurückschlagen, daß die WTG bereits mit dem Rücken an der Wand steht, eine hoch erhobene "Oberhand" überzeugender Beweise gegen sich. Der Text bringt eine Situation gefährlicher Bedrängnis zum Ausdruck, das Herannahen und Überwältigtwerden durch ein tödliches Argument: Als ein falscher Prophet offenbar geworden zu sein! Ja, die Gegenargumente gegen die WTG, die Beweise, daß sie ein falscher Prophet ist, drohen die Oberhand zu gewinnen. Daß der neue WTG-Präsident F. W. Franz zu diesem Text griff, ja Zuflucht nahm, zeigt, wie sie in der Leitenden Körperschaft von dieser Furcht bereits beherrscht sind, unfähig, einen konstruktiven christlichen Leitgedanken für 1978 zu fassen. Stattdessen wird ein verstümmelter Text aus Jeremia zitiert, der überhaupt nicht an Christen, geschweige denn in unsere heutigen Tage hineingesprochen bzw. gerichtet wurde. Sie kommen gar nicht auf ein Wort Christi. Auch das ist bezeichnend.

Wenn jemand über Jehovas Zeugen die Oberhand gewonnen hat, dann ist das die WTG selbst. Es ist die Furcht, diese zu verlieren, von der die WTG jetzt umgetrieben wird. Darum wird eine andere "Oberhand" an die Wand gemalt. Die Gefahr, daß die Wahrheit über die WTG die Oberhand gewinnt, die ist allerdings real.

Kommen wir nun zu den Kerngedanken des Jahrestext-Kommentars der WTG.
Eine "heutige Jeremia-Klasse"?
Nicht nur hat die WTG willkürlich einen Text gesucht, der für ihre bedrängte Situation verwendbar ist. "Beginnend mit Charles Taze Russell", d. h. seit 1874, soll diese "Jeremia Klasse" aufgetreten sein! Und gerade mit dieser "Feststellung" entlarvt die WTG sich selbst. Denn das sind jetzt über 100 Jahre schon! Aber nur eine "Generation" lang sollte das ganze Werk dauern! Das ist ungefähr eine Zeit von 30 Jahren Erweitern wir zugunsten der WTG auf ein Menschenalter, dann sind das biblisch nur 70-80 Jahre laut Psalm 90:10. Eine "endzeitliche" Jeremia-Klasse ist also eine völlig unmögliche Sache! Eine völlig haltlose Auslegung.

Geschichtlich nachgewiesen?
Selbstverständlich ist eine Gruppe Menschen unter der WTG seit vielen Jahren geschichtlich nachweisbar! Das beweist doch aber überhaupt nichts! Jede andere tatsächlich vorhandene Gruppe ist doch auch in gleicher Weise durch ihre Arbeit nachweisbar! Hier schlägt die WTG doch Löcher in die Luft! Auch falsche Propheten sind durch ihre Arbeit nachweisbar Das sind doch leere Hülsen, die die WTG hier darreicht!

Von treuer Arbeit kann schon gar nicht die Rede sein. Hunderte von widerspruchsvollen Bibelauslegungen beweisen die Untreue der WTG sowohl in ihrer eigenen Arbeit wie denen gegenüber, denen man verkündigte.

"Über die Nationen und über die Königreiche" bestellt?
Christus hat keiner seiner Nachfolger über die politischen Nationen und Königreiche bestellt. Die Übertragung dieser alttestamentlichen Position Jeremias auf Nachfolger Jesu Christi ist absoluter Unsinn. Christen haben vielmehr den "obrigkeitlichen Gewalten untertan" zu sein, anstatt sich über sie zu erheben. Da braucht sich kein Zeuge Jehovas über die politischen Verwicklungen zu wundern, in die er durch die WTG gestürzt wird.

Was dann folgt, ist skrupellos politische Verlogenheit. Seit die WTG existiert, hat sie sich in die Politik eingemischt und entsprechend Stellung bezogen. Im WT vom 1. Januar 1962, Abs. 5, bestätigt sie es selbst, indem sie erklärt, seit der 3. Ausgabe des WT im Jahre 1879 schon "warnt" sie "vor der Gefahr des Kommunismus", den sie als "aggressiv" angreift und anprangert. Wenn jetzt gesagt wird, Christen hätten "nicht das Recht", "revolutionäre Bewegungen gegen bestehende Regierungen dieses Systems der Dinge zu unterstützen oder an solchen teilzunehmen", dann ist das nur die heutige Fortsetzung dieser Einmischung in die Politik gegen revolutionäre Veränderungen zugunsten des bestehenden kapitalistischen Systems. Wird die WTG-Lehre doch zuerst in den kapitalistischen Ländern verbreitet.

Jehova hat die Botschaften "festgelegt"?
Hatte Jehova die WTG-Botschaft festgelegt, daß 1914, dann 1918, dann 1925, dann noch 1938, dann keine 20 Jahre nach 1945, dann 1975 "Harmagedon" geschlagen sein sollte? Hatte Jehova festgelegt, daß ab 1929 eine ganze Generation lang verkündigt wurde, die obrigkeitlichen Gewalten seien nicht die politischen Regierungen? Hunderte von "Botschaften" könnten auf diese Weise seit 1874 vor Augen geführt werden!

Eine "übernatürliche Unterstützung"?
"Darauf vertrauen, daß wir sie haben" besagt doch nur, anzunehmen, daß wir sie haben. Erwiesen ist damit nichts. Wer hat sie denn! Der jeweilige WTG-Präsident? Wenn alle Inspiration seit den Tagen der Apostel zuende ist, und von allen "geistigen Gaben" nur noch "Glaube, Hoffnung und Liebe" geblieben sind, dann könnte man beinahe fragen, ob sich die Leitende Körperschaft etwa als spiritistisch versteht, ohne das zugeben zu wollen. Auf jeden Fall beweist die 100jährige widerspruchsvolle Lehrentwicklung der WTG, daß dieses Werk nicht von Gott ist.

"Wir leben in einer Zeit unbekannter Länge"
Dies ist zweifellos der Haupt-Kerngedanke des ganzen Jahrestextkommentars Damit ist das "Ende" nach der falschen Prophezeiung von 1975 wieder um eine "Zeit unbekannter Länge" verschoben. Was bei Jehova eine "kleine Weile" ist, könnte für Menschen "eine sehr lange Zeit" sein, hatte die WTG dazu schon erklärt. Dieser Haupt-Kerngedanke ist darum das "Todesurteil" für die 1914-Generation, für die "Millionen" von 1914, die "niemals sterben" sollten! Er ist der Stoß in den Abgrund des "Vergehens" für die wenigen Alten von 1914, die hier und da noch hoffen und harren.

Alles war immer ein "Vorrecht"
Wer möchte nicht gern vor anderen bevorrechtet sein? Wer wird es wagen, ein Vorrecht auszuschlagen, das ihm angeboten wird? Wer möchte nicht gern zu irgendetwas bevorrechtet sein? So hat die WTG laufend nur "Vorrechte" zu bieten, um jeden vor sich selber ins Unrecht zu setzen, ja in Gewissenskonflikte zu treiben, wenn er nicht tut, was sie sagt. Dabei sind diese "Vorrechte" in Wirklichkeit Damokles-Schwerte, die über jedem schweben und zu jeder Zeit herniedersausen können, Drohungen mit Rügen, Sanktionen, Gemeinschaftsentzug bis zur Vernichtung, wenn man nicht tut, was sie sagt. So ist das Angebot dieser "Vorrechte" in Wirklichkeit eine geistige Erpressung. Verweigere doch einmal das "Vorrecht, im Einklang mit der vorwärtsschreitenden" Organisation tätig zu sein. Du wirst alsbald das gezückte " Schwert" vor dir sehen!

Was das "Vorwärtsschreiten" betrifft, so schreitet die WTG selbstverständlich immer weiter vorwärts, es bleibt ihr ja gar nichts weiter übrig nach jedem falschen Weltende. Auch das ist also eine Täuschung.
Es geht der WTG allein darum, daß die Wahrheit über sie nicht die Oberhand gewinnt.
A. Z.

Aus der Organisation
BIS FRÜHJAHR 1978 SOLLEN ÜBERALL SEKRETÄRE EINGESETZT SEIN
Was bedeutet das? Warum geschieht das?
Wer über die gegenwärtige Lage des Werkes nachdenkt
Wer über die gegenwärtige Lage des WTG-Werkes nachdenkt erkennt, daß das Ganze mit der Falschverkündigung von 1975, dem Festhalten an der vergehenden Generation von 1914 und mit der immer sichtbarer werdende Weiterverschiebung in die nächste Generation in die Sackgasse geführt worden ist. Alles ist in eine auswegslose Misere geraten, die so gefährlich ist, daß das ganze Werk in einem Endzeit-Kollaps zusammenbrechen kann, wenn das allen zum Bewußtsein kommt. Überall fängt der Gehorsam an zu bröckeln Das eine sind nun riskante Ablenkungsmanöver, wie jetzt die Blutkampagne. Das andere sind strenge organisatorische Maßnahmen, die alles zusammenhalten sollen. Dazu gehört nun eine neue Funktion, die der Sekretäre. Was hat die WTG sich nun damit in Wirklichkeit ausgedacht Wozu nach der Ältesteneinsetzung von 1971/72 und nach der 1975-Falschverkündigung jetzt Sekretäre? War die Altesteneinsetzung doch nicht die verkündigte "endgültige theokratische Ordnung"? Hat diese Regelung in Wirklichkeit versagt? Werden die Ältesten durch die Sekretäre ihre Bedeutung wieder verlieren und an die zweite Stelle gesetzt?

Die Sekretär-Anweisungen der WTG
Es gibt nun auch eine Reihe Verbesserungen in den Versammlungen. In den Versammlungen vieler Länder hat jetzt die Arbeit der Sekretäre begonnen. Wir möchten euch die Aufgaben dieser Brüder erklären. Diese Einrichtung wurde im letzten Sommer besprochen. In alter Zeit mußten Jehovas Diener Berichte zum Nutzen des Volkes Gottes schriftlich festhalten. Es wurden genaue Aufzeichnungen über Häupter von Vaterhäusern und über diejenigen, die als Priester dienten, angefertigt und aufbewahrt. Ein Beispiel dafür finden wir in Nehemia 12:22, 23. Jemand, dem die Aufgabe zufiel, zu schreiben und Aufzeichnungen anzufertigen, wurde in Hebräisch sopher genannt, und dieses Wort wird im Deutschen u. a. mit Sekretär wiedergegeben. Die Aufgabe der Sekretäre bestand manchmal nicht nur darin, bestimmte Aufzeichnungen zu machen. Sie sollten den Königen in Israel mitunter auch in finanziellen Fragen beistehen (2. Kön. 12:10, 11). In 2. Kön. 22:3 lesen wir davon, daß man Schaphan, den Sekretär, zum Hause Jehovas sandte. Während der Herrschaft Salomons wurden zwei "Fürsten" als Sekretäre bezeichnet (l. Kön. 4:2, 3). Somit spielten in alter Zeit die Sekretäre eine wichtige Rolle, damit Jehovas Versammlung ordnungsgemäß funktionierte. Auf diese Einrichtung wurde Bezug genommen, und so wird ab 1. September im Laufe eines halben Jahres in den Versammlungen ein Sekretär eingesetzt. Er wird aus der Ältestenschaft der Versammlung gewählt und wird sich aller schriftlichen Aufzeichnungen der Versammlung annehmen. Dies wird dazu führen, daß die Aufzeichnungen ordentlich geführt und verwahrt werden, was im Einklang mit dem biblischen Grundsatz von 1. Korinther 14:40 ist." (in: XII/77)

Was die Sekretäre praktisch zu machen haben
Fassen wir aus dem WTG-Text zusammen, was sich praktisch ergibt. Die Sekretäre haben AUFZEICHNUNGEN ÜBER ALLE zu machen, die Aufgaben und Funktionen haben. Sie haben also die Akten zur Person zu führen. Von ihren Aufzeichnungen ist also weitgehend das Schicksal aller Diener bzw. Ältesten abhängig. Es wird deutlich, daß sie auch "die finanziellen Fragen" in der Hand haben sollen. Sie überwachen also die G. H.-Gelder und ihre Verwendung. Sie werden also auch die "Anschaffungen" und den Geldschmuggel zu überwachen haben. Sie wurden auch "zum Hause Jehovas gesandt", womit angedeutet ist, daß sie die Verbindung zur WTG, auch über "Kuriere" zu halten haben. Um "ordentlich verwahrt" zu werden, braucht man nirgends Aufzeichnungen zu führen. Sie werden zur Überwachung gebraucht. Somit spielen die Sekretäre nicht nur "eine wichtige Rolle", sie werden die wichtigste Rolle spielen.

Die realen Hintergründe für die Einsetzung der Sekretäre
Die Informationen aus verschiedenen Versammlungen sind ziemlich übereinstimmend. Durch Abfall wegen 1975 ist alles schon so unkontrollierbar geworden, daß der WTG die Dinge aus der Hand gleiten. Der Ältestenturnus hat sich als nicht gut erwiesen. Wenn jeder jedes Jahr alles wieder abgeben muß, kann sich niemand wirklich einarbeiten. Es wird alles durcheinandergewirbelt und bleibt letzten Endes unüberschaubar und unerledigt. Der nächste findet sich kaum noch hinein. Die WTG hat keine Übersicht mehr. Auch ist ihr Formularwesen zu einem solchen bürokratischen Wasserkopf angewachsen, daß keiner mehr einfach nebenbei damit fertig wird. Die Privatwohnungen der Diener sind fast zu Büros geworden. Das wird langsam unzumutbar. Im Turnus kann alles von einem auf den anderen geschoben werden. Die WTG braucht jemanden, der alles ständig in der Hand hat, an den sie sich halten kann, der faktisch "ihr Mann" ist. Die Ältesten bleiben zwar im Amt. Die reale Macht geht aber an die Sekretäre über, die alles von Wichtigkeit in die Hand nehmen. Damit ist den Sekretären die wirkliche Entscheidungsfunktion zugedacht. Sie werden die entscheidenden Aufseher über alles von Belang.

Das Berichtswesen ist in einen Zustand geraten, der nur noch mit Mißtrauen betrachtet wird. Es wird Schönfärberei betrieben, es werden "Stunden geschrieben", die keinen Inhalt haben, es wird aufgebauscht und geschummelt, und niemand kann das mehr richtig überprüfen.

Am schlimmsten ist es mit dem G. H.-Geld. Einen ganzen Turnus lang wird manchmal nichts abgeliefert. Danach fließen die Spenden wieder. Also wurde es im vorigen Turnus unterschlagen. Es wird ja auch ohne jede Gegenkontrolle, bloß auf Vertrauen hin, gegeben. Wenn 1000 oder 10 000 Mark auf dem Kurierweg "verschwinden", wer will wem da etwas nachweisen? Kann man da nicht alles mögliche behaupten So blüht die Korruption, die Unterschlagung, die persönliche Bereicherung. Über die von Spendengeldern angeschafften "Privatwagen-Dienstwagen" besteht keine wirkliche Kontrolle mehr. Die welche haben, machen unter fadenscheinigen Vorwänden alles mögliche damit, und die einfachen Verkündiger werden dafür ausgenutzt. Sie haben nur zu zahlen.

Es gibt keinen Zweig der Organisation, der nicht seit der Einsetzung des Ältestenturnus so oder so in Unordnung oder gröblichste Mißstände geraten ist. Die Zustände in den bisherigen Ältesten- und Aufseherbereichen sind für WTG so furchtbar, daß sie mit den gegenwärtigen "Einrichtungen" nichts mehr in Griff bekommt.

Wir sehen auch hieran, daß dies kein Werk Gottes ist, geschweige denn ein "geistiges Paradies". Die Notwendigkeit der Einsetzung von Sekretären signalisiert eine einzige Misere.

Kommen wir zur biblischen Begründung
Die urchristlichen Gemeinden kannten keine Sekretäre. Darum ist diese Neueinrichtung schlechthin unchristlich. Damit ist die gegebene biblische Begründung nicht nur dürr, sondern haltlos. Die Begründungen unter Verweis auf die israelitische Königsherrschaft sind für christliche Gemeinden völlig unannehmbar, weil sie christliche Gemeinden zu sein haben, die man nicht nach israelitischen Königshäusern organisieren kann, die die damalige politische Ordnung und Staatsmacht darstellten. Die WTG-Begründungen für die Sekretäre sind also Bibelmißbrauch. Christliche Gemeinden können nur nach neutestamentlichen Formen gebildet werden Kein WTG-Sekretär hat daher eine christliche Legitimation.
F. F.

Das unehrliche Spiel der WTG
"All das, was Jehova uns gegeben hat, die vielen Aufgaben und Pflichten, sind in Wirklichkeit für uns Schutz, weil es uns beschäftigt hält, daß wir keine Zeit haben, uns mit weltlichen Dingen abzugeben, wodurch wir in Schwierigkeiten geraten könnten."
Diesen Satz finden wir im "Wachtturm" vom 1. 5. 1965, aber nicht nur im WT, sondern auch in verschiedenen Anweisungen an die Ältesten, welche für Jehovas Zeugen bestimmend sind. Die Zeitschrift "Erwachet" vom 8. August 1975, 22. August und 22. Februar 1975 sowie im WT vom 1. 7. 1974 und 1. 4. 1975 werden folgende Artikel und Probleme behandelt:

Gibt es Sicherheit angesichts der Wirtschaftsmisere
Was kann man gegen die Inflation tun
Warum wird das Leben immer teurer
Was kann man tun, wenn die Lebensmittel knapp werden
Warum ist die Wirtschaft in einem solchen Zustand

Diese vorgenannten Probleme werden in unsachlicher Weise in den WTG-Schriften behandelt. Die WTG verleugnet oder entstellt das zweifellos Gute in der Welt, sie behauptet in ihren Schriften, daß diese Wirtschaftsmisere nicht zu ändern sei, so, als ob der Herr das zur Bedingung mache, daß Schlechtes immer schlecht bleiben müsse.

Warum verschweigt die WTG eine hohe wirtschaftliche Stabilität in den Ländern, wo nicht das Kapital regiert?
Dort gibt es keine Arbeitslosen, keine Hungersnot, keine Preissteigerungen, wie im WT in "1975-Untergangsfarben" immer wieder katastrophal ausgemalt wurde. Dort braucht keiner in sozialer Angst zu leben, denn ein jeder hat seine gesicherte Zukunft, katastrophale Zustände bedrucken dort nicht das Leben der Menschen.

Davon wird in "Erwachet" und im "Wachtturm" nichts geschrieben Aber ihr könnt es doch täglich feststellen, ihr erlebt es doch selbst, warum schweigt ihr?
Warum wohl stellt sich die WTG gegen Veränderungen in Vietnam und in afrikanischen Staaten?

Warum wohl stellt sich die WTG gegen die um ihre Freiheit ringenden Völker, die französische Revolution wurde doch auch gebilligt von Präsident Russell?! Überlegt einmal, die WTG handelt doch nicht grundlos.
Was führte zum Verbot der WTG in einigen afrikanischen Staaten? In einer ADN-Korrespondenz vom 2. 12. 1975 lesen wir u. a. folgendes: Sicherheitskräfte und Einwohner haben in den letzten Wochen Sekten festgestellt, deren Mitglieder verbrämt oder direkt zur Ausschaltung der Befreiungsbewegung FRELIMO aufgerufen hatten. Damit ist ein weiterer Versuch, der von imperialistischen Kräften geschürten Unterwanderung der jungen Volksrepublik gescheitert . . .

Wenn seinen Verstand gebraucht, wenn man und "Erwachet"-Artikel liest, dann sollte sich doch jeder diese Fragen stellen:
Warum tut die WTG alles in ihren Kräften stehende, um Veränderungen aufzuhalten? Überall ist festzustellen, da - wo fortschrittsgewillte Menschen um ihre Befreiung ringen, stellt sich die WTG dagegen, schmäht und verachtet sie diese Anstrengungen, siehe den WT-Artikel "Umschwung führt zu großem 'Fischfang' in Chile", in WT Nr. 1/1975, Seite 12-15. Jeder vernünftig denkende Mensch weiß, das hat die Geschichte der Menschen bewiesen, solange es die Herrschaft des kapitalistischen Eigentums gibt, solange wird es Not und Elend mit ihren Krisen und Arbeitslosen geben, die WTG weiß das auch - das ist ohne Zweifel. In den Ländern, wo dieses menschenverachtende Eigentum nicht mehr herrscht, gibt es keine solche Not und Elend, für jeden gibt es eine Zukunft. In sozialistischen Ländern brauchen die Jugendlichen keine Sorgen um ihre Zukunft zu haben, in der BRD gibt es für Hunderttausende junger Menschen keine Lehrstellen. Überlegt einmal, wie schlimm es für diese Jugendlichen ist, ohne Beruf, ohne Arbeit - ohne Zukunft in den nächsten Tag gehen zu müssen.

Ihr seid zu einem beträchtlichen Teil Bürger dieses Landes DDR und arbeitet täglich mit an der Verwirklichung einer besseren Zukunft, habt mit Anteil an der Erhöhung des Lebensstandards, ihr braucht keine Angst zu haben vor Arbeitslosigkeit, Not und Elend. Das mahnt einen jeden, seine Kraft für eine gesicherte Zukunft mit einzusetzen. Überlegt einmal, von 1961 bis 1974 wurden in den RGW-Ländern mehr als 38 Millionen Wohnungen gebaut, 140 Millionen Menschen, das sind mehr als die gesamte Bevölkerung der BRD, Frankreich, Niederlande und Dänemark zusammengenommen, so viele Menschen haben ein neues Heim erhalten (mit billigem Mietpreis). Allein 1975 erhalten weitere 60 Millionen Bürger Neubauwohnungen, darunter natürlich auch Zeugen Jehovas. Eine solche Entwicklung ist möglich, weil das Ziel dieser Produktionsweise die immer bessere Befriedigung der wachsenden Bedürfnisse, die weitere Erhöhung des Lebensniveaus ist. Weil das soziale Grundanliegen darauf gerichtet ist, alles zu tun für das Wohl der Menschen, für die Interessen der Arbeiter.

Vorgenannte Zeilen beweisen in aller Deutlichkeit, daß die Darlegungen der WTG, wie sie katastrophensüchtig in ihren Schriften dargelegt werden, sozialpolitisch falsch sind, denn Herrschaft des kapitalistischen Eigentums und Sozialismus sind grundverschiedene Welten. Unter dem Kapitalismus Not und Elend, im Sozialismus wird diesem Elend die Wurzel abgeschnitten, da das kapitalistische Eigentum der eigentliche Verursacher dieses Übels unter den Menschen ist. Dieses Eigentum macht den Menschen zum Feind seiner selbst, versklavt ihn zum Anbeter des Götzen Geld. Das Bild, das der Kapitalismus heute bietet, zeigt, daß diese Gesellschaft überlebt ist, trotz und mit all ihrer Schätzen - keine Reden und keine Reformen ändern daran wirksam etwas. Das ist doch wie eine Naht auf der anderen.

Noch eine Bemerkung: Habt ihr euch schon einmal überlegt, wie es möglich ist, daß die Länder im RGW in der Weltproduktion über 40 Prozent produzieren, in wenigen Jahren 50 Prozent der Weltproduktion erreichen werden?
Wissenschaftler haben errechnet; daß viele Menschen auf Erden nicht zu hungern brauchten, wenn es eine gerechtere Verteilung gäbe. Warum vernichten kapitalistische Länder Tausende von Tonnen Nahrungsmittel, Kartoffeln, Obst und Gemüse, Früchte der Arbeit, die notleidende Menschen sättigen könnten? Ist es nicht begreiflich, daß sich die Menschen dagegen wehren, und sich wehren müssen, weil ihnen Lebenskraft geraubt wird, nur um Preise zu schützen.

Die WTG schreibt, daß eine Wirtschaftsmisere existiert, ist nicht zu ändern. Mache ich mich, wenn ich der WTG hierin folge, nicht mitschuldig an der Verewigung von Hungersnot und Tod, und das als Christ. Die WTG braucht Not und Katastrophen, weit sonst ihre "1975-Untergangs-Prophezeiung" nicht mehr stimmt, sie damit der Zwecklüge überführt werden könnte. Die WTG muß begreifen, daß solche Artikel, wie sie in "Erwachet" und "Wachtturm" in diesem Sinne veröffentlicht hat, unhaltbar und nicht länger mehr zu vertreten sind, immer mehr Zeugen lehnen solche Artikel ab. Aufhalten können diese Besinnung auch die neuen "Sekretäre" nicht. Es war richtig, seit 1968 hat CV immer wieder dargelegt, daß die WTG mit "Harmagedon-1975" einen Riesenbetrug eingeleitet hat, und die Zeugen schamlos betrügt und in die Irre führt. Jetzt schreiben wir 1977, alles ist so eingetroffen, wie CV seit Jahren warnend wieder und wieder beschrieben hatte. Aber "ohne solche" Termine, ohne offensichtlichen Betrug kommt die WTG nicht mehr aus, das beweisen die Termine 1925, 1938-1945 und nun "1975".
In der nächsten Ausgabe wird dieser Artikel fortgesetzt.

INFORMATIONEN /MITTEILUNGEN
Zusammenkünfte freier Christengemeinden
Zusammenkünfte freier Christengemeinden (ehemaliger Bibelforscher und Zeugen Jehovas) finden u. a. statt:
In Dresden
Robert-Blum-Straße 6 (Raum der Adv. Gemeinde), samstags 14 Uhr
In Leipzig
Witzgallstraße 20 (Jgd.-Zi. St. Laurentius), samstags 14 Uhr Blumenstraße 74 (Raum meth. Gemeinde), sonntags 14 Uhr Maurice-Thorez-Straße 22 (Raumgem.), samstags 16 Uhr
In Karl-Marx-Stadt
Giesserstraße 36 (Jgd.-Zi. St. Joseph), jeden 2, Samstag 14 Uhr
In Magdeburg
Bärstraße 9 (Raumgem.), sonntags 14 Uhr
Bildet überall wie jüngst in Jarmen/Mecklenburg und anderen Orten Gemeinden oder Gruppen WT-freier Christen.

Dank für die Grüße zur Jahreswende
Zur Jahreswende erhielten wir unsererseits zahlreiche herzliche Grüße, die z. T. sehr liebevoll extra zurechtgemacht waren, u. a. aus Magdeburg. Wir haben uns darüber sehr gefreut, während wir u. a. Anfang des neuen Jahres zu einer Besprechung der CV-Aufgaben für 1978 zusammenkamen. "…Dir und Euren Mitarbeitern ein von unserem himmlischen Vater reich gesegnetes neues Jahr und ein großes Maß von Erkenntnis", schreibt eine Schwester aus Magdeburg Sie zitiert 2. Thess. 3:5, wo es heißt: "Der Herr aber richte eure Herzen zu der Liebe Gottes und zu der Geduld Christi."

Allen Geschwistern wünschen wir im neuen Jahr 1978 Gottes Segen und alles Liebe. Wir danken herzlich für mittragende Unterstützung und Hilfe mit Artikeln, Spenden, Anregungen und der Zusendung neuer Bezieheradressen von CV.
Weiterhin sei Euch CV als "Euch dienende Information" von Herzen anempfohlen.

WIRD SICH IM JAHRE 1984 IRGENDETWAS EREIGNEN? WAS, WENN SICH IM JAHRE 1984 NICHTS EREIGNET?
Es gibt Auffassungen, Vorstellungen und Bibelauslegungen, wonach das Jahr 1984 einen besonderen Zeitpunkt markieren soll. Es gibt die Neigung, sich völlig auf diesen Zeitpunkt in Glaube, Hoffnung und Liebe auszurichten, und intolerant gegenüber denen zu werden, die hiervor warnen.

Es wird vertreten und gesagt, 1984 bzw. ab 1984 solle die "Gegenwart" des Königreiches Christi auf Erden beginnen. Das Böse sei von dieser Zeit an erledigt, Satan sei gebunden, die Menschen würden nur noch das Bedürfnis nach Gutem haben. Auch Reformen brauche man nicht mehr durchzuführen Ungefähr so: Ab 1984 beginne das "Millennium". Die "Berechnung" dieses Jahres 1984 an Hand der Bibel wird mit der Aussage der Bibel selbst gleichgesetzt, ja mit einer Aussage Gottes, seines geschriebenen Wortes. Einwände derart, was aber dann, wenn - einmal nur angenommen - 1984 nichts passiert, werden fast als Gotteslästerung zurückgewiesen: Dann lüge Gott! Dann lüge sein geschriebenes Wort! Weil das nicht sein kann, stimme also 1984!

Es wird nicht begriffen, daß jede Zeitberechnung an Hand der Bibel nichts anderes als eine unvollkommene menschliche Konstruktion sein kann, zusammengestellt aus Einzeldaten, Geschlechtsregistern, Einzeltextdeutungen, Faktenkombinationen und den verschiedensten Symbolen der Bibel.
Sind jene Personen, so aufrichtig sie es auch meinen, die diese Berechnungen machen, nicht mindestens unvollkommen und fehlbar auch in ihren Berechnungen? Wie könnten sie sagen, Gott lügt, sein Wort lügt, wenn ihre zusammengestellten Berechnungen nicht stimmen? Sind dann nicht vielmehr ihre Berechnungen falsch? Nicht Gott wäre damit zum Lügner, zum Vertrauensunwürdigen geworden! Die Bibel enthält überhaupt keine derartige Zeitberechnung. Es ist ein rein menschliches Unternehmen, zusammengebaut aus verschiedenen zeitlich fixierten lokalen Angaben der Bibel, völlig abhängig von der Genauigkeit oder Ungenauigkeit des jeweiligen Verfassers, von seiner Unvollkommenheit in jeder Hinsicht. Mehr ist das doch nicht! Mehr kann es doch niemals sein! Wie könnte man Gott mit solcher noch eigenem Verständnis erstellten Zeitberechnung identifizieren?

Es ist ungefähr so, wie ein alter Wachtturm-Bruder kürzlich sagte: Wenn die Generation von 1914 doch vergeht, dann ist Gott ein Lügner! Die Wachtturmgesellschaft kann für ihn unmöglich der Lügner sein, Gott ist es dann. Muß man da nicht gar sagen, daß die WTG mit ihrer falschen Weltendeverkündigung den ganzen Gottesglauben zugrunderichtet? Aber kommen wir nun zur Bibel selbst. Christus sagt in Matth. 24:36 unzweideutig, daß niemandem gebührt, Zeiten und Zeitpunkte zu wissen. Es wird in der Bibel kein einziges Jahr unserer heutigen Zeit angegeben, weder 1799, noch 1874, noch 1914, noch 1925, noch 1975, noch 1984. Jeder dieser Termine wurde durch rein menschliche Berechnungen und Zusammenstellungen konstruiert. Dabei wurde in jedem Fall über Christi Gebot in Matth. 24:36 hinausgegangen, aus welchen Gründen auch immer. Wenn Christen geboten ist, keine Zeitpunkte zu wissen, dann bedeutet es eine Mißachtung der Warnung: "Nicht über das hinaus, was geschrieben steht!" (l. Kor. 4:6), wenn man trotzdem Zeitpunkt berechnet Sie haben sich bisher alle ausnahmslos als haltlos erwiesen. Auch 1914! Denn 1914 wurde ursprünglich als Zeitpunkt des Beginns der Königsherrschaft Christi auf Erden prophezeit. Um diesen Termin zu retten, hat die WTG ihn einfach in den Himmel verlegt, wo er unkontrollierbar ist. Mithin sollten wahre Christen von allen Termin- und Jahreszahlberechnungen Abstand nehmen. Sie setzen damit nicht nur die Glaubwürdigkeit ihrer eigenen Person, ihrer eigenen Gemeinschaft aufs Spiel, sie richten damit den Gottesglauben selbst zugrunde! Wenn die Schrift für heute eine Jahreszahl angeben würde, dann hätten Christen guten Grund, sie auch zu verkündigen. So aber ist alles immer nur in menschlicher Unvollkommenheit konstruiert. Und wer wollte für seine Konstrukionen Unfehlbarkeit beanspruchen? So wird auch 1984 mit Sicherheit nichts passieren. -
P.

WER IST MARTIN PÖTZINGER?
Der erste Deutsche wurde 1977 Mitglied der Leitenden Körperschaft in Brooklyn, New York
Ab 1. September 1977 wurde Br. Martin Pötzinger aus München, BRD, zum ersten deutschen Mitglied der Leitenden Körperschaft der Wachtturm-Gesellschaft und Organisation der Zeugen Jehovas ernannt. Er gehört damit zu dem obersten Gremium von 18 Personen, das offiziell über die Geschicke der internationalen Gemeinschaft der Zeugen Jehovas bestimmt.

Es ist nicht ohne Bedeutung, daß zwei Jahre nach 1975 erstmalig ein Deutscher, ein Angehöriger des deutschen Zweiges der Organisation in dieses höchste Gremium der WTG berufen wird. Der deutsche Zweig der WTG ist nach wie vor, früher wie heute, das Hauptbollwerk der WTG in Europa. Mit dem deutschen Zweig bricht das ganze Werk der WTG in Europa zusammen. Andererseits entwickelt sich im deutschen Zweig die gefährlichste kritische Gegenbewegung, der die WTG jemals in ihrer gesamten Geschichte und Organisation gegenüberstand. Noch nie in der WTG-Geschichte von mehr als 100 Jahren hat es eine derartige Opposition in christlicher Verantwortung gegeben, wie hier und heute. Das spielt ohne Zweifel eine entscheidende Rolle.

Nach der Entlarvung von WTG-Zweigdiener Erich Frost und Konrad Franke als Helfershelfer der Gestapo in der Nazizeit hatte das Hauptbüro in Brooklyn zunächst kein Vertrauen mehr in deutsche Vertreter. So wurde in Wiesbaden u. a. der Amerikaner Richard L. Kelsey als neuer Zweigdiener eingesetzt. Noch dem Tode von WTG-Präsident N. H. Knorr im Juni 1977 ist bekanntlich der bisherige WTG-Vizepräsident F. W. Franz neuer WTG-Präsident. F. W. Franz ist aber schon 84 Jahre alt und fast erblindet. Er spielt nur noch die Rolle einer Übergangsfigur, weil man in dieser kurzen Zeit nach dem falschen Weltende von 1975 keinen jüngeren Präsidenten ins Blickfeld setzen kann. Jeder könnte sonst sehen, wie in Wirklichkeit auf lange Sicht weitergeplant wird und 1975 nur eine Irrlehre war. Unter F. W. Franz jedenfalls werden die Methoden mit Bezug auf deutsche Vertreter wieder geändert.

Wer ist nun Martin Pötzinger? Bekanntlich ist die Organisation demokratisch völlig entrechtet, was die Überprüfung derjenigen betrifft, die von der WTG in eigener Machtvollkommenheit "von oben", also diktatorisch den Zeugen Jehovas überall vorgesetzt werden. So ist das Interesse verständlich, das dieser Berufung in die Leitende Körperschaft entgegengebracht wird.

Viele mitverbundene Geschwister können jedoch Anhaltspunkte und Auskunft geben, vor allem dort, wo M. Pötzinger seit langem bekannt ist. Wir haben Geschwister in München, Regensburg, Passau, Landshut, Traunstein, Freilassing und weiteren Orten, aber auch in Westberlin, wo er zeitweilig im WTG-Kreisdienst tätig war. Einige haben ihn persönlich auf WTG-Kongressen kennengelernt, so besonders 1961 in Hamburg. Auch Br. Manfred Teller aus dem Westberliner WTG-Kreisdienst war mit ihm zusammen.

Wie wir aus München erfahren haben, ist M. Pötzinger Ende 1936 besonders aktiv gewesen, die Resolutionen des WTG-Kongresses 1936 in Luzern/Schweiz verbreiten zu lassen. Er soll über 10 000 Stück allein für München den Geschwistern zur Verbreitung gegeben haben. Damit hat er die Verhaftung einer ganzen Reihe von Geschwistern durch die Gestapo veranlaßt. Wie erinnerlich ist, hat er die Anweisung dafür von dem damaligen Hauptverantwortlichen Erich Frost erhalten Man war sich bei diesen Aktionen durchaus vorher im klaren, daß dafür viele Geschwister geopfert werden würden Zur Zeit ist die Rolle von M. Pötzinger in diesen fragwürdigen Dingen Gegenstand besonderer Überprüfungen. M. Pötzinger gehört auch zu denen, die bedenkenlos schon mehrere Weltenden der WTG verkündigten. Wir bitten vor allem die alten Brüder und Schwestern, ihre Erinnerungen mitzuteilen.
CVN

DIE HAUPTFRAGE, DAS HAUPTPROBLEM, DAS IMMER BEDROHLICHER AUF DIE ORGANISATION ZUKOMMT!
Unaufhaltsam rollen die Fragen heran!
"Der Kluge siegt das Unglück voraus und verbirgt sich, aber die Einfältigen gehen weiter und erleiden Schaden." Spr. 22:3
Liebe Leser
Wenn wir nicht einfältig mit der WTG weitergehen, sondern innehalten und zu erkennen versuchen, dann muß sich jeder über kurz oder lang folgende Fragen beantworten:
- Die 1914-Generation sollte nicht vergehen, mit den 70er Jahren aber ist sie vergangen. Was bedeutet das?
- Das Jahr 1914 soll die Hauptsäule der Endzeit sein, aber jetzt ab 1978 wird eine Zeit "unbekannter Länge" darangehängt Wird damit nicht 1914 haltlos?
- Immer noch wird die 1914-Generation "beschworen", sie solle "nicht vergehen". Ist das nicht eine Täuschung der eigenen Brüder und Schwestern und der Öffentlichkeit?

Daraus ergibt sich: Der nächste interne und öffentliche Skandal der WT-Endzeitverkündigung wird und muß sein, daß das Jahr 1914 seine Bedeutung verliert! Dieses Jahr rückt in den Mittelpunkt nun nach 1975. Wenn dieses Jahr 1914 seine Bedeutung verliert, nachdem die 1914-Generation "vergangen" ist, was ist die ganze WT-Verkündigung und WT-Organisation dann noch wert?

Bereitet euch innerlich und geistig auf diese Frage vor! Sie wird unweigerlich und unaufhaltsam auf alle zukommen! Die jetzt von der WTG eingeschobene "unbekannte Länge der Zeit", in die wir angeblich eingetreten seien, ist ein weiteres Signal! Nichts ist jetzt wichtiger als das Schriftwort, "alles zu prüfen", sich "aller Dinge zu vergewissern!" 1. Thess. 5:21 NW, während wir "das Gute festhalten".

In der Zuversicht, daß auch diese CV-Ausgabe allen Aufrichtigen hilft, den Weg in die Freiheit, den Weg als freie Christen zu finden - in christlicher Verbundenheit
Eure Brüder und Schwestern und alle
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber: Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Otto-Dix-Straße 6. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,-. Versand auch kostenlos.
Kto.-Nr.: 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera

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