Annotationen zu den Zeugen Jehovas

Schriftstudien-Hinweis

Ergänzender Hinweis: Von den "Schriftstudien" existieren unterschiedliche Versionen, mit unterschiedlicher Seitenzählung. So hat die deutsche Ausgabe des Bandes von 1917 eine andere Seitenzählung als die von 1925. Auch wurden in den jüngeren Ausgaben "kleinere" Abänderungen vorgenommen, die schon den Tatbestand der offenkundigen Fälschung erfüllen. Eckhard von Süsskind ist in seinem 1985 erschienenen Buch "Zeugen Jehovas. Anspruch und Wirklichkeit der Wachtturmgesellschaft" auf diesbezügliche Details eingegangen.

Vielfach stehen heute nur die Ausgaben von 1925/26 griffbereit; während ältere Autoren noch aus den ersten Ausgaben zitieren. Diese missliche Situation muss vorerst in Kauf genommen werden. Es wäre eine "Wahnsinnsarbeit" hier eine historisch-kritische Ausgabe zu schaffen, die diese Differenzen und unterschiedlichen Seitenzählungen im Detail nachweist. Ein einzelner dürfte dies kaum schaffen können. Überdies, diejenigen, die diese "Schriftstudien" heute noch als eine Art "Evangelium" hochhalten und die daher am ehesten am "reinen" Text ihr Interesse haben, dürften sich in der Minderzahl befinden. Für viele andere ist das ganze nur als historische Hintergrundinformation interessant.

Geschichtsfälscher

Eckhard von Süsskind, der in seiner ZJ-Zeit einmal im Jahre 1971 die WTG-Missionarsschule "Gilead" absolviert hatte, zitierte einmal in seiner Buchveröffentlichung ("Zeugen Jehovas. Anspruch und Wirklichkeit der Wachtturmgesellschaft") den Band drei der Russell'schen Schriftstudien in der (heute sehr seltenen) Version der 1913 gedruckten Ausgabe. Und er kommentierte zu seinem Zitat:

"Überraschenderweise findet sich ein Zitat von C. T. Russell das einen ganz anderen Sachverhalt zeigt, das Jahr 1894 ist das Jahr, in dem 'die Zeiten der Nationen' ihr Ende finden sollen."

Das Zitat lautet nach der Wiedergabe bei Süsskind:

"Nun rufe dir die Schritte ins Gedächtnis zurück, die in dem festen prophetischen Wort so wohl gegründet uns zu dieser herzerfrischenden und geisteserfrischenden Erkenntnis geleitet haben. Hinter uns sind all die prophetischen Marksteine, die auf diese Zeit als die wunderbare Periode der ganzen Weltgeschichte hinweisen. Sie haben uns gezeigt ..., daß der Lohn der Herrschaft der Heiden, 'Die Zeiten der Nationen', mit dem Jahr 1894 ausläuft." (S. 296f.)

In der heute weit leichter zugänglichen Version des Bandes drei (Ausgabe 1926) indes lautet der fragliche Text:

"Nun rufe dir die Schritte ins Gedächtnis zurück, die, in dem 'festen prophetischen Worte' so wohl gegründet sind, und zu dieser herzerhebenden und geisterfrischenden Erkenntnis geleitet haben. Hinter uns sind all die prophetischen Marksteine, die auf die Zeit als die wunderbarste Periode der ganzen Weltgeschichte hinweisen. Sie haben uns gezeigt, ... daß das Lehen der Herrschaft der Heiden, 'die Zeiten der Nationen', mit dem Jahre 1914 ausläuft."

Also die Ausgabe 1914 wollte noch den Begriff "Zeiten der Heiden" als in der Vergangenheit bereits erfüllt darstellen, um so die eigentlichen 1914-Erwartungen noch zusätzlich zu unterstreichen. Spätere Auflagen haben dann diesen Fakt wegretuschiert und stillschweigend eine Verschiebung um zwanzig Jahre vorgenommen.

Vielleicht muss Süsskind mit seiner Argumentation bezüglich 1894 korrigiert werden. Dafür spricht folgender Umstand. In der Januarausgabe 1905 des deutschen "Zions Wacht Turm" (S. 16) ist kommentarlos, ohne Widerspruch, ein Leserbrief abgedruckt, der auch auf das Datum 1894 hinweist, es aber als Druckfehler bezeichnet. Zitat:

"Im selben Band 297 heißt es gleich oben in der dritten Zeile, daß die Zeiten der Nationen, die mit dem Jahre 1894 auslaufen, was doch erst 1914 geschieht. Habe mir erlaubt, dies zur Berichtigung mitzuschreiben."

Versteht man Süsskind indes richtig, schwirrt noch in der "Schriftstudien"-Ausgabe von 1914, das Datum 1894 unkorrigiert herum. Diese Frage bleibt also weiter offen.

Eindeutiger indes ist die Sachlage bei der Russell'schen Pyramideneuphorie. Laut "Schriftstudien" Band drei (Ausgabe 1914), behauptete Russell:

"So bezeugt die Pyramide, daß der Schluß des Jahres 1874 der chronologische Anfang der Zeit der Trübsal war, dergleichen nicht gewesen, seitdem eine Nation besteht, nein, noch auch je sein wird" (S. 327).

In der Schriftstudien-Version von 1926 indes liest man an der gleichen Stelle:

"So bezeugt die Pyramide, daß der Schluß des Jahres 1914 der CHRONOLOGISCHE Anfang der Zeit der Drangsal war, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht, nein, noch auch je sein wird" (S. 330).

Auch hier wiederum, eine willkürliche nachträgliche Text-Retusche. Sarkastisch stellt Süsskind dazu die Frage:

"Hatten sich die Maße der Pyramide inzwischen verändert?"

Ein weiteres Detail in diesem Zusammenhang. Um aus der Pyramide Daten wie etwa 1874 (1914) herauslesen zu können, sieht sich Russell genötigt mit allerlei mathematischen Daten herumzujonglieren. Insbesondere wimmelt es bei ihm dabei mit Angaben die in Zoll berechnet wurden.

So schreibt Russell in Band drei der "Schriftstudien" (Ausgabe 1914):

"Da das Böse von seinem Thron gestoßen sein wird, erfahren wir, daß es 3416 Zoll beträgt, welche 3416 Jahre symbolisieren von dem obigem Datum, 1542 v. Chr. an. Diese Berechnung zeigt das Jahr 1874 n. Chr. an, als den Anfang der Periode der Trübsal markierend; denn 1542 v. Chr. plus 1874 n. Chr. macht 3416 Jahre. So bezeugt die Pyramide, daß der Schluß des Jahres 1874 der chronologische Anfang der Zeit des Endes war" (S. 327).

Der gleiche Passus indes lautet in der "Schriftstudien"-Version von 1926:

"Da das Böse von seinem Throne gestoßen sein wird, erfahren wir, daß es 3457 Zoll beträgt, welche 3457 Jahre symbolisieren, von dem obigen Datum, 1542 v. Chr. an. Diese Berechnung zeigt das Jahr 1915 n. Chr., als den Anfang der Zeit der Drangsal bezeichnend, an; denn 1542 v. Chr. und 1915 n. Chr. geben 3457 Jahre. So bezeugt die Pyramide, daß der Schluß des Jahres 1914 der CHRONOLOGISCHE Anfang der Zeit der Drangsal war" (S. 330)

Vergleicht man beide Ausgaben, registriert man. Das Ausgangsdatum 1542 v. Chr. ist beide mal vorhanden. Aber die Zoll-Angabe differiert. Einmal waren es 3416 Zoll; aus den später dann 3457 Zoll wurden; um so eine Datumsverschiebung um 41 Jahre "plausibel" zu machen (aus 1874 wurde so umgestaltet 1915).

Aus 1914 wird 1918

Ein weiteres von Süsskind genanntes Beispiel stellt jenes Zitat aus dem zweiten Band der "Schriftstudien" dar, wo in der Ausgabe 1913 (auch in der Ausgabe 1916) zu lesen ist:

"Die Erntezeit wird zu ihrer Ausführung vierzig Jahre in Anspruch nehmen und mit dem Jahre 1914 enden." (S. 146)

In der Schriftstudien-Ausgabe von 1926 hingegen lautet der gleiche Passus:

"Die Erntearbeit wird zu ihrer Ausführung vierzig Jahre in Anspruch nehmen und mit dem Jahre 1918 enden" (S. 145).

Auch hier wurde einfach stillschweigend eine Datums-Retusche vorgenommen.

Ein weiteres Retuschierungs-Beispiel:

"Schriftstudien" Band drei, (Ausgabe 1914) behauptet:

"Daß die Befreiung der Heiligen etwas vor 1914 stattfinden wird ... Wie lange gerade vor 1914 die letzten lebenden Glieder des Leibes Christi werden verherrlicht werden, ist uns nicht direkt gesagt" (S. 214).

In der Version von 1926 lautet die gleiche Stelle:

"Daß die Befreiung der Heiligen sehr bald nach Schluß der Ernte stattfinden wird ... Wie lange gerade nach Schluß der Ernte die letzten lebenden Glieder des Leibes Christi werden verherrlicht werden, ist uns nicht direkt gesagt" S. 216).

Also auch hier ist festzustellen, eine ursprünglich ziemlich konkrete Aussage, wurde nachträglich bewusst ins Nebulöse umformuliert.

Eindeutig auch der Vergleich.

"Schriftstudien" Band zwei. In der Ausgabe 1914 (auch Ausgabe 1916) liest man:

"Die 'Zeiten der Nationen' beweisen, daß die gegenwärtigen Regierungen alle vor dem Schluß des Jahres 1914 gestürzt sein müssen" (S. 234).

1926 lautet der gleiche Passus:

"Die 'Zeiten der Nationen' beweisen, daß die gegenwärtigen Regierungen alle von dem Jahre 1914 an gestürzt werden müssen" (S. 232)

Auch hier wurde mittels Retusche der Sinn gravierend verändert. Ursprünglich "Sturz der gegenwärtigen Regierungen vor dem Schluß des Jahres 1914".

"Nach Tisch" dann so ausgedeutet ab 1914.

Noch ein Beispiel in diesem Kontext nennt Süsskind aus Band zwei der "Schriftstudien".

In der Version von 1914 (auch Ausgabe 1916) las man:

"Daß der Herr gegenwärtig sein und sein Königreich aufrichten und seine große Macht gebrauchen muß, um die Nationen, wie eines Töpfer Gefäß, vor 1914 zu zerschlagen ist also deutlich festgestellt; denn es ist 'in den Tagen dieser Könige' - vor ihrem Sturz - d. i. vor 1914 - daß der König vom Himmel sein Königreich aufrichten wird." (S. 165).

In der Version von 1926 lautet derselbe Abschnitt:

"Daß der Herr gegenwärtig sein und sein Königreich aufrichten und seine große Macht gebrauchen muß, um die Nationen wie ein Töpfergefäß zu zerschlagen, ist also deutlich festgestellt, denn es ist 'in den Tagen dieser Könige', vor ihrem Sturze, daß der König vom Himmel sein Königreich aufrichten wird" (S. 165)

Dazu wurde zurecht festgestellt:

"Im letzten Zitat wurde die Jahresangabe nur entfernt, nicht durch eine neue ersetzt - so einfach ist das."

Ein ähnliches Zitat aus "Schriftstudien" Band 3

Süsskind zitiert zuerst aus der Ausgabe von 1914 in der zu lesen war:

"Und mit dem Ende des Jahres 1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen, verschwunden sein, wie schon aus der Weissagung gezeigt wurde" (S. 146)

In der Ausgabe von 1926 indes lautet die Formulierung:

"Und mit dem Ende des Jahres 1914 wird Gott zu Babylon, von den Menschen Christentum genannt, ein deutliches Wehe sprechen, wie schon aus der Weissagung gezeigt wurde." (S. 141).

Auch hier eine deutliche Abschwächung ursprünglich vollmundiger Aussagen. "Babylon" sollte "verschwunden" sein. "Nach Tisch" blos noch "ein deutliches Wehe sprechen" gegen Babylon.

Auch mit dem Band sieben der "Schriftstudien" hatte sich genannter Autor auseinandergesetzt. Hierbei stützte er sich besonders auf die englischsprachige Ausgabe und setzte im Vergleich zu ihr, wie sich das in der deutschsprachigen Ausgabe ausdrückte. Ich hätte mir gewünscht, dass er dabei auch die zensierten Stellen des Band sieben, besonders ins Blickfeld genommen hätte. Bekanntlich lies Rutherford darin kriegsgegnerische Passagen abdrucken. Die WTG musste um ihr Werk im ersten Weltkrieg zu retten, dann besonders inkriminierte Stellen daraus entfernen.

Leider hat diese Aufgabe Süsskind nicht wahrgenommen. Sein vorrangiges Blickfeld war doch wohl auf die Abschwächung der ursprünglichen Endzeitaussagen gerichtet. Auch bei der Bewertung von Band Sieben.

Ein Beispiel dafür was er da als registrierenswert notierte, nachstehend. So schreibt er etwa auf den Seiten 41, 42:

"Die englischsprachigen Schriften der WTG nennen das Jahr 1920 als das Datum, an dem die Arbeiterbewegung ihr Ende finden soll:

"As the fleshly-minded apostates from Christianity, siding with the radicals and revolutionaries, will rejoice at the inheritance of desolation that will be Christendom's after 1918, so will God do to the succesful revollutionary movement; it shall be utterly desolated, 'even all of it'. Not one vestige of it shall survive the revages of world-wide allembracing anarchy, in the fall of 1920" (The Finished Mystery, S. 542).

Im deutschen Schrifttum der WTG dagegen sucht man das Datum 1920 vergebens. Hier lautet das obige Zitat so:

"Wie die fleischlich gesinnten Abtrünnigen der Christenheit, die für die Radikalen und Revolutionären Partei ergreifen werden, sich freuen werden über das Erbe der Verwüstung, das nach 1918 über die Christenheit kommen wird, so wird Gott mit der erfolgreichen revolutionären Bewegung verfahren: sie wird gänzlich vernichtet werden, 'insgesamt'. Keine einzige Spur von ihr soll die Verwüstungen der weltenweiten, allumfassenden Anarchie voraussichtlich um das Jahr 1921 herum überdauern" (Das vollendete Geheimnis, S. 268).

Unklar bei diesem Zitat ist mir allerdings, aus welcher deutschen Ausgabe von Band sieben, hier Süsskind zitiert. An einer Stelle gibt er an, die deutsche Ausgabe von 1922 zu zitieren. Die liegt mir nicht vor. In der mir vorliegenden Ausgabe von 1925 konnte ich an der angegebenen Seite die fragliche Stelle nicht finden, somit ist der Seitennachweis kompliziert. Aber aufgrund der anderen von Süsskind genannten (und überprüften) Stellen, besteht keinerlei Anlass, seine Aussage in Zweifel zu ziehen.

Aus der Schrift von Süsskind sei vielleicht abschließend noch jene Passage zitiert (S. 57)

"Ein persönliches Erlebnis des Verfassers zu diesem Thema sei hier wiedergegeben. Der Verfasser absolvierte 1971 die Missionarschule 'Gilead' der ZJ, die sich in der Hauptzentrale der WTG in Brooklyn/New York befindet. Während dieser Zeit fand weltweit ein 'Kreiskongreß' der ZJ statt, dessen Hauptvortrag den bezeichnenden Titel trug: 'Wer wird in den 1970er Jahren die Welt besiegen?' Einen Tag nach Beendigung dieses Kongresses eilte ein Lehrer der Schule in unser Klassenzimmer und rief begeistert: 'Jetzt hat alles Spekulieren ein Ende. Endlich Klarheit! Die 'Gesellschaft' hat sich festgelegt - zwar nicht auf 1975, aber auf dieses Jahrzehnt!"

Ein weiteres zwar bei Süsskind nicht erwähntes Beispiel sei noch genannt. Die deutschen Bibelforscher hatten in den Anfangsjahren die These vertreten, neben der Cheopspyramide in Ägypten, hätte auch das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, eine ähnliche biblische Bedeutung. Und jener Fakt fand auch in den "Schriftstudien" Band sieben (Ausgabe 1914 und Ausgabe 1918) (1918 S. 192) seinen Niederschlag. Bei der Auslegung zu Offenbarung 16: 5-8 las man dort:

"Viele Bibelforscher halten 'Altar' und 'Denksäule' nicht für ein und dasselbe, sondern glauben, daß das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig die 'Denksäule' ist." In der Ausgabe 1925 des gleichen Bandes war jener Passus dann ersatzlos gestrichen.

Noch ein Beispiel. Im Bestand der Schweizerischen Landesbibliothek zu Bern, befindet sich auch ein Teildruck der siebenten Bandes der "Schriftstudien" Unter dem Titel "Der Prophet Hesekiel" (Signatur: N21.487). Das es sich um einen separaten Teildruck handelt wird auch daran deutlich, dass seine Seitenzählung bei S. 530 beginnt und bei S. 864 aufhört. Offenbar muß man das als eine frühe Variante der deutschen Übersetzung des Bandes sieben bewerten. Dort befindet sich auf Seite 810 auch eine Aussage, die ich in keiner anderen Ausgabe des Bandes sieben finden konnte. Man las dort:

"Das Königreich wird nach Hesekiels Erklärung mit Macht aufgerichtet werden 'im vierzehnten Jahre nachdem die Stadt (die Christenheit) geschlagen war' - also vierzehn Jahre nach 1918, das ist im Jahre 1932".

Exkurs:

Die wehrdienstgegnerischen Passagen in „Schriftstudien" Band sieben

Im WTG-Buch „Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben" (S. 91) liest man den lapidaren Satz:

„Sie erkannten, daß sie einen Kompromiß eingegangen waren, als sie die Seiten 247 bis 253 aus dem Buche 'Das vollendete Geheimnis' (engl. Ausgabe) herausschnitten, um den Wünschen derer zu entsprechen, die sich die Stellung eines Zensors angemaßt hatten."

Ende der Durchsage. Dieses Zitat stellt es so dar, als handelte es sich „nur" um die englische Ausgabe. Offenbar ist dem doch nicht ganz so. „Durchforstet" man Band sieben (deutsche Ausgabe von 1925) findet man in der Tat kaum jene Passagen, die als wehrdienstgegenerisch eingeschätzt werden können. Also Band sieben, Ausgabe 1925, repräsentiert die zensierte Ausgabe. Anders hingegen sieht es aus, vergleicht man auch die 1918 erschienene deutsche Ausgabe von Band sieben. Offenbar lag der deutschen Ausgabe 1918 noch das unzensierte Exemplar zugrunde. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die dort enthaltene Auslegung zu Offenbarung 16: 13, die in der Ausgabe 1918 auf Seite 198f. beginnt ansieht. Und dann im Vergleich die deutsche Ausgabe von 1925 heranzieht. Denn in der deutschen 1925er Ausgabe kann man in der Tat nicht mehr das lesen, was da noch in der Ausgabe von 1918 enthalten war!

In der 1918er deutschen Ausgabe konnte man a. a. O. nachfolgenden Text lesen:

Alle bedeutenden Persönlichkeiten zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts waren eifrige Vorkämpfer des Friedens, eine Schar königlicher und politischer Vertreter des Friedens, die Friedensworte redeten zu einer Welt voller Kriegsgedanken und Kriegsdrohungen. Alle die berühmten und großen Friedensansprachen redeten mit Begeisterung vom internationalen Frieden, von gemeinsamen Menschheitsinteressen, von Solidarität der Völker unter sich usw., und was alles wurde ausgesprochen unter einem politischen Himmel, der mit den schwärzesten Kriegswolken verhängt war.

So besprachen die Zeitungen die Notwendigkeit vermehrter Rüstungen gegen einen etwaigen feindlichen Einfall des Nachbars. In Tokio bereiteten 10.000 Mädchen und Knaben den amerikanischen Seeoffizieren einen begeisterten Empfang, während gleichzeitig in den Vereinigten Staaten Männer von Stadt zu Stadt Vortragsreisen hielten, um die Notwendigkeit von Rüstungen für einen amerikanisch-japanischen Krieg darzutun. Nach jeder neuen Friedenskonferenz folgte regelmäßig der Ruf nach vermehrten Rüstungen.

Während der Friedenspalast im Haag erbaut wurde, feierten die Nationen die Vervollkommnung der Flugmaschinen als eine glorreiche Erfindung, die im Kriegsfalle außerordentliche Dienste leisten werde.

Rußland plante einen neuen Flottenkredit von einer Milliarde Dollars, ungeachtet der Tatsache, daß Rußlands Nationalschuld schon damals 4 ½ Milliarden Dollars betrug und das Land gezwungen war, zur Deckung seiner laufenden Ausgaben 75 Millionen Dollars jährlich an Anleihen aufzunehmen. Trotz den Millionen Menschen, die am Hungertuch nagen und der ungezählten Schar von Bettlern, die die Straßen der Städte füllen und an den Bahnhöfen herumlungern, forderten die damaligen militärischen Machthaber stets neue Anleihen zu Rüstungszwecken. Ist es möglich, möchte irgend jemand sagen, daß die ganze Welt irrsinnig wird?

Die Bibel und die Weltgeschichte zeigen uns Fälle, wo ganze Gemeinwesen Opfer solcher Verblendung allgemeinen Irrtums wurden. Wir brauchen nur Salem zu nennen zur Zeit der höchsten Hexenverführung, und daß eine Stadt den Kopf verlieren kann, zeigte London zur Zeit der Schießpulververschwörung, ja daß selbst ein ganzer Erdteil das Opfer einer Wahnvorstellung werden kann, konnte man ums Jahr 1000 in Europa konstatieren. Zu jener Zeit erwartete alles das Ende der Welt, alles war lebensüberdrüssig. Es hatte allgemein eine mystische Halluzination ganz besonderer Art die Massen ergriffen. Es erscheint also keineswegs ausgeschlossen, daß heute, in einer Zeit, wo die ganze Menschheit durch rasche Verkehrsmittel in ständiger Fühlung unter sich ist, alle Völker unter einen allgemeinen Bann zu stehen kommen, kollektiv von einer krankhaften, ja wahnsinnigen Idee erfaßt werden, und daß die ganze Menschheit demzufolge eine Zeitlang Handlungen begehen wird, welche sie selbst später nach erfolgter Ernüchterung, als die Handlungen eines Irrsinnigen qualifizieren wird. Und finden wir nicht in den heutigen Ereignissen, daß sich dies buchstäblich zugetragen hat?

Ist die Geschichte der Menschheit in den letzten paar Jahren nicht an einem schwindelerregenden Abgrund angelangt, und steuert sie nicht mit aller Kraft blindlings und jählings dem sicheren Verderben entgegen, gleich einem Wahnsinnigen, der direkt dem Abgrund zurennt? Jawohl, genau so stehen die Dinge heute, und einsichtige Männer in allen Lagern haben es nicht unterlassen, die Menschheit zu warnen, aber sie treibt weiter in wildem Strudel.

Alle großen Nationen haben sich in den letzten Jahren riesenhafte Schulden aufgeladen, daß die gewiegtesten Volkswirtschaftler keinen Ausweg mehr sehen, wie die zukünftige Menschheit mit dieser erdrückenden Last fertig werden soll. Die anfänglich neutral dastehenden Vereinigten Staaten wurden von derselben Epidemie ergriffen; ein Land, das weniger mit Kriegsrüstungen sich befaßte als alle anderen Völker ist gleichsam über Nacht in diesen Kriegsstrudel hineingezogen worden; ein friedliebendes Volk, wie das amerikanische muß nun, ob es will oder nicht, mitmachen und seine ganze Industrie und die ganze Volkskraft auf Kriegsindustrie umschalten. Daneben gibt es Millionen von Morgen Ackerland, das wüste daliegt und der Bewässerung bedürfte, Millionen von Morgen Sumpfland, das der Trockenlegung wartet, Tausende von Meilen Wasserwege im Lande, die schiffbar gemacht werden sollten, Häfen, die vertieft, Kanäle, die gegraben, und Wälder, die geschützt und gepflegt werden sollten, und für alle diese Werke, die von unschätzbarer volkswirtschaftlicher Bedeutung waren, bleibt weder Volkskraft noch Geld übrig. Unerbittliche Seuchen, furchtbar in ihrer Wirkung, wie die Tuberkulose, zu deren Ausrottung Millionensummen nötig wären, aber für all das gibt es heute kein Geld mehr. Die amerikanische Vereinigung zugunsten eines internationalen Friedens hat ein ergreifendes Bild obiger Zustände entworfen. ...

Die erste Anleihe der Regierung der Vereinigten Staaten (7000000000 Dollars) zum Eintritt in den Weltkrieg übertraf an Höhe um 27% den Gesamtertrag aller Ernten in den Vereinigten Staaten im betreffenden Jahre. Diese Summe würde genügen, um das Land in je sechs Meilen Abstand nach Ost und West, Nord und Süd, mit einem Netz von Asphaltstraßen zu durchziehen. Sie kommt den Gesamtkosten gleich, welche für Erziehungszwecke ausgegeben wurden, vom Kindergarten bis hinauf zur Universität, in der Zeit von zehn Jahren. Ist das nicht ein Wahnsinn im höchsten Sinne des Wortes?

Man lachte früher darob, daß den türkischen Soldaten für den Fall ihres Todes ein sicherer Eingang ins himmlische Paradies oder dem Indianer die ewigen Jagdgründe verheißen wurde. Heute führen englische Geistliche Bibeltexte an, um die jungen Leute zu ermuntern, sich in Werbelisten eintragen zu lassen und suchen mit falsch angewendeten Bibelstellen den Soldatentod mit einem Glorienschein zu umgeben. ... „Gott ist mit uns!" werden sie versichert; es ist Gottes heilige Rechtssache, für die wir kämpfen, wir werden siegen, weil Gott mit uns ist. Gott hat uns den Auftrag erteilt, die bösen Feinde zu züchtigen usw.

Und zu dem eben vorstehend gebrachten Zitat gibt es dann einen Verweis auf den deutschen „Wachtturm" 1916 S. 24.
Schlägt man diese Seite indes auf, so kann man dort auch die Sätze lesen:

"Wahre Christen, Geheiligte, sind ohne Zweifel in allen Armeen jener Länder zu finden, die eine gesetzliche Wehrpflicht haben. Wir hören von Zeit zu Zeit von solchen Bibelforschern in den verschiedenen Armeen, über ihr Wohlergehen und ihr Bemühen, selbst unter solch schrecklichen Umständen das Licht hochzuhalten um den Herrn zu verherrlichen."

Zurückkehrend zum Band VII der genannten 1918er Ausgabe, kann man dort weiter lesen:
Die Geistlichkeit selbst befindet sich in einer schwierigen Lage. Es wird von ihr erwartet, daß sie treu zur Sache ihres Landes stehe. Sie sollen den Krieg als von Gott gewollt predigen und das Hinausziehen in den Kampf als ein Verdienst hinstellen, auf das göttliche Belohnung und göttlicher Segen fallen werde. (Das Wort „Sie müssen", wie Kutter es so trefflich geschrieben, bewahrheitet sich jetzt im ausgedehntesten Maße). Ja, sie müssen aus Gehorsam zu ihren irdischen Herrschern, zum Kriegsdienst ermuntern und verletzen dabei das Gebot des himmlischen Königs, der sie doch gesandt hat, Friedensstifter zu sein, mit allen Menschen Frieden zu haben und nicht zu töten, sei es gesetzlich gebilligt oder nicht.
Man kann nur noch Gottesdiener (!) brauchen, die im wohlverstandenem Interesse des Staates wirken. Alle anderen, die treu zur Sache ihres himmlischen Königs stehen, werden nach und nach ausgeschaltet, aber diese werden nicht als wahre Helden, als wahre Streiter Christi erkannt werden. Mögen ihrer noch viele werden!

Ein besonderes Highlight gibt es vielleicht dann noch mit dem Zitat:

Unlängst wurde in Kanada der Verfasser durch die rege Tätigkeit der Prediger dort, hauptsächlich derjenigen der englischen Kirche, in Staunen versetzt. Einer von diesen marschierte in Felduniform an der Spitze von Freiwilligen durch die Straßen. Als er von einem Kollegen gefragt wurde: „Sah ich Sie nicht unter den Soldaten?" antwortete er: „Ja, ich wollte die jungen Leute anspornen." „Und wollten Sie auch an die Front, in den Schützengraben gehen?" „Kein Gedanke daran!" Er machte also lediglich den Köder, um andere in das Schlachthaus zu führen, so wie auf einem Chicagoer Viehhof ein Stier die zur Schlachtung bestimmten Tiere zusammentreibt, indem er den Kopf in die Höhe wirft und sich zu ihrem Führer auf dem Wege ins Schlachthaus macht. Dort flüchtet er sich in seinen bestimmten Winkel, wo er geschützt ist, während die andern einander zur Schlachtbank treiben und stoßen.

Wie man unschwer erkennen kann, handelte es sich bei vorstehendem zitierten, um jene Kriegsdienstgegnerische Passagen, welche in den USA zur Inhaftierung von Rutherford und Co führten.
Vorstehende Stellen kann man quasi als „Eigenwertungen" bezeichnen. Daneben gab es im gleichem Kontext auch „Fremdzitate", aber mit ähnlicher inhaltlicher Aussage, zum Beispiel das:

Wir lassen hier eine Schilderung folgen aus dem Munde des bekannten Rev. John Hayes Holmes der Missions-Kirche der Park Av. New York City:
„Der Krieg ist eine offene Schändung des Christentums. Wenn der Krieg gerechtfertigt ist, dann ist das Christentum verkehrt, falsch, eine Lüge. Der durch Jesu und jeden geistigen Führer des Menschengeschlechts geoffenbarte Gott ist kein Kriegsgott. Er zieht nicht das Schwert und verlangt kein Opfer von Menschenblut. Sein Geist ist Liebe. Seine Herrschaft des Friedens; seine Art zu überwinden die Gnade und die Vergebung sein Gesetz, wie es der Nazarener auslegte und verkündete, heißt „Liebet einander", „vergeltet nicht Böses mit Bösem", „vergib siebenmal siebenmal", „überwinde Böses mit Gutem", „liebet eure Feinde", „segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, betet für die, die euch beleidigen und verfolgen!" Solch einen Gott und solch ein Gesetz mögen andere in Einklang mit dem Krieg bringen, wenn sie es können! Ich kann es nicht; und was ich nicht zu tun vermag, das will ich auch nicht vorgeben, zu tun.

Doch, ich muß weiter gehen, - ich muß nicht nur vom Kriege im allgemeinen, sondern vom gegenwärtigen Krieg im besonderen sprechen. Die meisten Menschen geben bereitwillig zu (besonders taten sie dies in den sorglosen Friedenszeiten), daß der Krieg ein Verbrechen ist. Aber lassen sie eine Kriegswolke, nicht größer als eine Menschenhand am Völkerhimmel aufsteigen, und diese Menschen ändern stracks ihr Urteil. Wächst die Kriegswolke weiter und überzieht sie schließlich den ganzen Horizont, so stoßen sie den erwähnten vorher vertretenen Grundsatz gänzlich um. Daraus entspringt die merkwürdige, verdrehte Auffassung, daß Kriege im allgemeinen ein Unrecht seien, jeder einzelne Krieg im besonderen aber gerecht sei.

England verwirft im Prinzip den Krieg und bezeichnet sich als friedliebend; doch behauptet es, daß es im gegenwärtigen Falle gezwungen sei, einen Vernichtungskrieg gegen Deutschland zu führen. Wenn Sie mir sagen, dieser Krieg muß geführt werden, um gewisse Staaten zur Einhaltung des internationalen Rechtes zu zwingen, so muß ich sie fragen: warum wird es dann nur gegen Deutschland und nicht auch gegen England im gleichen Maße geführt, welches doch eine gute Zahl flagranter Rechtsverletzungen sich zu schulden kommen ließ gegen dasselbe internationale Recht? Wenn sie sagen, daß es zugunsten der Rechte der Neutralen geführt wird, so muß ich fragen, wer und wo ist der kriegführende, der in diesem Kriege wirklich die Rechte der Neutralen geachtet hat und welche Garantie können sie leisten, daß nach all den Opfern an Geld und Blut, die zu ihrer Verteidigung gebracht werden, diese Rechte im nächsten Kriege in ähnlicher Weise nicht neuerdings von irgendeiner um ihr Dasein kämpfenden Nation verletzt werden?

Sagen Sie mir, er werde zur Verteidigung von amerikanischem Gut und Blut geführt, so bin ich gezwungen, zu fragen, inwiefern und bis zu welchem Grade das Leben und Eigentum der Amerikaner seit der Kriegserklärung sicherer ist als vorher? Wenn Sie behaupten, daß die Ehre unseres Landes den Eintritt in diesem Krieg forderte, so drängen Sie mir die Frage auf, warum ist denn die Ehre anderer Nationen, wie der Schweiz, Holland und Skandinavien usw. nicht ebenso gefährdet, die noch unendlich mehr unter diesem Kriege zu leiden haben als wir, die aber aus Gründen der Vorsicht und Klugheit sich hüten, die Waffen zu ergreifen? Wenn Sie sagen, es sei ein Krieg zur Verteidigung gegen willkürliche und unerträgliche Herausforderungen, so muß ich Ihnen erwidern, daß jeder erduldete Hieb oder Ausfall in allererster Linie nicht gegen uns, sondern gegen England gerichtet war, und daß bis heute niemand den Beweis erbracht hat, daß Deutschland irgendwie feindselige Absichten gegen uns hegte. Sollten Sie mit der abgedroschenen Phrase argumentieren, es sei ein Kampf auf Leben und Tod zwischen der Zivilisation und dem Barbarentum, so lassen Sie mich fragen, warum wir uns dann neutral verhielten, als Belgien genommen wurde und nicht zur Tat schritten, um den Betroffenen und Überwältigten zur Hilfe zu kommen, sondern erst dann in den Krieg eingriffen, als wir unser eigenes Geld und Leben gefährdet glaubten? Sagen Sie, daß dieser Krieg das letzte Mittel war, um einem allgemeinen Übelstand abzuhelfen, dem gegenüber jedes andere rechtliche, in Geduld versuchte Mittel unwirksam gewesen sei, so muß ich Ihnen die Antwort geben, daß dies nicht wahr ist, - daß andere Auswege und Mittel durch die Erfahrung erprobt und durch ihren Erfolg gerechtfertigt, den machthabenden Behörden zur Verfügung gestanden hätten, von ihnen aber willentlich verworfen wurden.

Im tiefsten Grunde ist dieser Krieg die natürliche Folge unserer gottlosen Zivilisation. Die bewaffneten Heere sind die aufgesproßene Saat der Drachenbrut, die eine geheime Diplomatie, unersättlicher Handelsgeist, wirtschaftliche Ausbeutung im eigenen Lande und darüber hinaus gestreut haben. Auch Amerika hat bei der Aussaat dieser Brut mitgeholfen, und es ist deshalb nur recht und billig, daß es auch beim Einheimsen der schrecklichen Ernte dabei sein muß. „Wer Wind sät, wird Sturm ernten". Der Unterseebootkrieg war die eigentliche Ursache unseres Eintritts in den Krieg. Unsere Beteiligung am Krieg hat sich demnach, wie der Krieg selbst, aus politischen und wirtschaftlichen, nicht aber aus ethischen Beweggründen ergeben. Wenn irgendwo Ehre, Würde oder sonst ein schöner Zug in unserer Handlungsweise liegt, so ist es in den reinen und makelllosen Impulsen zu finden, die heute so manches patriotische Herz bewegen, aber keineswegs in der augenblicklichen wirklichen Lage der Dinge. Der Krieg an sich ist ein Unrecht, seine Fortsetzung ein furchtbares Verbrechen. Es gibt keine aufgeworfene Frage, keine noch so schwierige Streitsache, keine Ursache, die wichtig genug wäre, daß das Leben einer einzigen „Blau Jacke" auf dem See oder eines einzigen „Feldgrauen" im Schützengraben dafür eingesetzt werden dürfte.

Folgt man dem WTG-Buch „Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben" (S.91), so wurden aus der englischen Ausgabe des Bandes VII "die Seiten 247 bis 253 aus dem Buche 'Das vollendete Geheimnis' herausgeschnitten, um den Wünschen derer zu entsprechen, die sich die Stellung eines Zensors angemaßt hatten."

Nun muss man auch sagen; Band VII wurde vor dem Kriegseintritt der USA in den ersten Weltkrieg (welcher im April 1917 war) abgeschlossen und in Umlauf gesetzt. In Deutschland zwar erst 1918, was aber als technisch bedingt eingeschätzt werden kann.

Wie gelesen enthielt also auch die erste deutsche Ausgabe, Passagen, die als Kriegsdienstgegnerisch einschätzbar sind. Offenbar haben das die deutschen Zensurstellen jedenfalls so nicht mitbekommen. Denn von einem Vertriebsverbot oder einer Beschlagnahme in Deutschland ist jedenfalls nichts bekannt. Vielleicht war dafür auch die Zeit schon zu kurz, denn im November 1918 kam es dann zum vorläufigen Waffenstillstand. Und in der Folge dessen, zu grundlegend anderen politischen Rahmenbedingungen.

Im November 1921 hingegen, war der erste Weltkrieg bereits Geschichte (wenn auch mit gravierenden Nachfolgewirkungen). Just in der deutschen „Wachtturm"-Ausgabe vom November 1921, gibt es einen über vier eng bedruckte „Wachtturm-Seiten sich erstreckenden Artikel, überschrieben:
„Korrekturen zu Band VII". Dessen Haupttendenz ist klar. Abschwächen früherer vollmundig gemachter Endzeit-Naherwartungs-Aussagen.

Es ist allerdings als durchaus mühselig zu bezeichnen, sich durch diesen Artikel „durchzukämpfen".
Da werden lediglich Seitenzahlen genannt mit ein paar Stichwörtern dazu. Auch die Angabe auf welcher Zeile der Seite die Korrektur vorzunehmen sei, ist vorhanden. Der Inhalt der Änderungen erschließt sich auch erst dann richtig, wenn man die gemachten Angaben auch im Detail bis ins letzte nachvollzieht.

Ein Beispiel. Zu Seite 32, Zeile 22 lautet die Korrekturorder:
„Vierhundert Jahre von Luthers Zeit an gehen jetzt zu Ende"

Schlägt man nun diese Passage in der 1918er Ausgabe nach, so lautete dort der Ursprungstext:
„Vierhundert Jahre, vom 31. Oktober 1517 [Luthers Thesenanschlang an], schließen mit 31. Oktober 1917"

Also unschwer ist das Bemühen bei dieser Korrekturanweisung zu erkennen, Ursprungsaussagen zu „entschärfen".

Ein ähnliches Beispiel auch die Änderung zu Seite 468
In der alten Fassung ist da zu lesen:
"... Erbe der Verwüstung, das nach 1918 über die Christenheit kommen wird, so wird Gott mit der erfolgreichen revolutionären Bewegung verfahren, sie wird gänzlich vernichtet werden, "insgesamt". Keine einzige Spur von ihr soll die Verwüstungen der weltenweiten, allumfassenden Anarchie voraussichtlich um das Jahr 1921 herum überdauern."

In der veränderten Fassung (Ausgabe 1925 S. 727) lautet dergleiche Passus dann:
"... Erbteil der Verwüstung, das beginnend mit dem Jahre 1918, das Los des "Christentums" sein wird, so wird Gott es mit der erfolgreichen revolutionären Bewegung machen; sie wird gänzlich vernichtet werden. Nicht eine Spur davon wird die Verheerung der weltweiten, allumfassenden Anarchie am Ende der Zeit der Drangsal überdauern."

Analog auch die Änderung zu Seite 488.
Der alte Text lautet:
" ... Symbol der "zukünftigen besseren Dinge", die nach den Kriegen, den Revolutionen und der Anarchie, welche in der Periode von 1918 - 1925 staffinden, kommen werden."

Die veränderte Fassung des gleichen Passus lautet dann (Ausgabe 1925 S. 763)
"Der Tempel ist indessen in seinen verschiedenen Abteilungen, in seiner Umgebung, seinen feierlichen Bräuchen und den Anbetenden ein Vor- und Sinnbild von den nach Kriegen, Revolutionen und der Anarchie der Zeit der Drangsal kommenden "besseren Dinge".

Eine Ausnahme von der Regel ist allerdings auch zu nennen. Und das sind eben die Kriegsdienstgegnerischen Passagen. Die wurden nicht etwa im Detail umformuliert. Nein. Radikalkur war offenbar die Devise. Die Ursprungsaussagen auf den Seiten 198 - 203 wurden total gestrichen. Das ergibt eindeutig auch der Vergleich etwa mit der 1925er Ausgabe (dort auf den Seiten 331 - 340). (Stilistisch dort teilweise etwas umformuliert: aber in der Substanz vorhanden).

Nun hat man es nicht beim Textstreichen belassen. Man hat dafür einen neuen Ersatztext eingefügt. Und selbiger wurde schon in der „Wachtturm"-Ausgabe vom November 1921 in vollem Wortlaut vorgestellt. Dieser Ersatztext sei jetzt nicht im Detail kommentiert. Er bewegt sich durchaus in den üblichen Bahnen der WTG-Ideologie. Was aber besonders bemerkenswert ist, bleibt eben der Umstand. In Deutschland gab es faktisch keine juristischen Komplikationen wie in den USA, Band VII betreffend. Trotzdem wurde auch hier - und das ist besonders hervorzuheben, in bereits eingetretenen „Friedenszeiten", jene Zensur der Kriegsdienstgegnerischen Passagen vorgenommen. Und das eben ist das eigentlich befremdliche!

Erinnert sei auch an den in der Herrberger-Datei dokumentierten Fall des WTG-Buch "Die Harfe Gottes", wo eine Ursprungsaussage, die vielleicht im weiteren Sinne als "Kriegsdienstgegnerisch" gedeutet werden kann (wenn auch mit dem fragwürdigen Akzent, dass man sich innerhalb der Kriegshandlungen besonders "beschützt" wähnte. An un"frommen" Selbstbetrug hat es ja auch bei der WTG-Religion noch nie gefehlt). Dass auch diese Passage in späteren Auflagen dieses WTG-Buches wegzensiert wurde.

Nachstehend dann noch, zur Vervollständigung der Dokumentation, der Austauschtext, wie er in der „Wachtturm" -Ausgabe vom November 1921 lesbar ist:

„Der schädlichste und alles krönende Zug von Satans Werk ist zuerst erwähnt. Die beiden anderen Irrlehren sind die direkte Ursache der einen. Durch die Kriege des Alten Testaments wurden die Kämpfe illustriert, welche die neue Schöpfung gegen die Schwachheiten des Fleisches führt, und keineswegs wird sie den Schlächtereien, welche während des christlichen Ära im Namen der Religion ausgeübt wurden (z. B. Am Bartholomäustag und während der Zeit der schrecklichen Inquisition) eine Berechtigung gegeben. Niemals im Testament wird zu Hass gegen andere Völker aufgefordert. Immer und überall ist Hass verboten und doch hat Jahrhunderte hindurch auf jede Art und Weise eine Klasse der Geistlichkeit das Volk dazu ermutigt, anstatt die Botschaft des Friedefürsten zu bringen.

Und aus dem Munde des Tieres - Die antichristliche Lehre von der göttlichen Berufung der Geistlichkeit war die direkte Ursache zu dem großen Kriege. Dieser Frosch ist sechzehn Jahrhunderte lang aus dem Munde des päpstlichen Tieres gekommen. „Diese falschen Lehren eines dunklen Zeitalters tragen schreckliche Frucht zur heutigen Zeit. Ebenso trägt die Lehre von der ewigen Qual eine Verunstaltung und Lästerung des Charakters Gottes, schreckliche Frucht. Millionen Menschen sind und dadurch vom Glauben an einen Gott der Liebe abgekommen und verwerfen die Bibel als eine Botschaft der ungeheuerlichsten Gotteslästerung das dunklen Zeitalters.

Ich mache für alle diese Sekten und Bekenntnisse das Christentums verantwortlich. Ich beschuldige die Geistlichen, deren Augen jetzt zu einem klaren Verständnis geöffnet worden sind, dass sie die Bibel und das Volk vernachlässigt haben. Anstatt ihm aus der Finsternis herauszuhelfen, führen sie es jetzt in entgegengesetzter Richtung wieder in Finsternis, in Evolution und höhere Textkritik und zu allem, was dem Werke Gottes entgegen ist. Gott ist noch falsch dargestellt in der Welt. Die Glaubensbekenntnisse des finsteren Mittelalters werden dem äußeren Schein nach aufrechterhalten, während sie innerlich verworfen sind. Ein großer Betrug, eine große Heuchelei sagst du? Ich antworte Ja!

Der erschreckendste den die Welt gesehen hat. Zweihunderttausend professionelle Diener Gottes und Christi stehen heute vor der Welt und erzählen die Legenden des finsteren Mittelalters und suchen die Menschen zu hindern zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen, während sie vom Volke Gold und Ehren empfangen. Verdient nicht solche Heuchelei solche Gotteslästerung, solche Verführung des Volkes in dem es in Finsternis gehalten wird eine große Strafe? Und ist diese nicht nahe? - ...

Und aus dem Munde des falsche Propheten - Der eine Hauptirrtum an welchen alle protestantischen Sekten (der falsche Prophet) festhalten, ist die Lehre von der menschlichen Unsterblichkeit, die Lehre Satans in Eden (1. Mose 2,17; 3,4) Hiervon sprechend, sagt unser Herr: „Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen". (Johannes 8,44). Ebenfalls in Bezug darauf sagt der Apostel Paulus von den Anbetern des Tieres und seines Bildes: „Darum dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, damit sie errettet würden. Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrtums, dass sie der Lüge glauben (2. Thessalonicher 2,10.11). In beiden Fällen setzt das Griechische den bestimmten Artikel. Der Frosch welcher von dem falschen Propheten (dem Bilde des Tieres) ausgeht, ist die Lehre von der menschlichen Unsterblichkeit. Betrogene Seelen glauben tatsächlich diesen Irrtum und zweifellos imstande sein, ihn zu beweisen zur Zufriedenheit der alten Schlange. Dieser Irrtum liegt auch der Lehre von der ewigen Qual und von der Dreieinigkeit zu Grunde. In 1. Johannes 4,1-4 ist ein Hinweis darauf, das der Hauptirrtum des falschen Propheten darin besteht, dass Jesus, als er vom Vater kam, mehr als Fleisch war das heißt dass er wenigsten eine unsterbliche Seele hatte. Offenb. 13,11.13.14.15;14,9.11;15,2;16,2;19,20;20,10; Matth. 24,24.

Alle christlichen Völker glauben das der Herr das Buch der Offenbarung gegeben hat, wie auch Johannes überzeugt war (Offenb. 1,1) deshalb sind wir für die Symbolik, die hier angewendet wird, nicht verantwortlich. Es gibt so viele Möglichkeiten missverstanden zu werden, sogar von guten Christen, das wir natürlich mit großer Bedachtsamkeit unsere Ansichten aussprechen möchten. Wenn wir fortfahren, unser Verständnis der Symbolik der Offenbarung darzulegen, so möchten wir ausdrücklich erklären, dass wir niemals irgendetwas. irgendwie zu irgendeiner Zeit gegen gute Christen in oder außerhalb einer Kirche sagen. Wir haben nicht zu sagen in bezug auf Menschen. Wir diskutieren jederzeit über Grundsätze und Lehren, über Personen niemals. Gott hat uns nicht berufen, Personen zu besprechen, aber sein Wort zu besprechen ist uns erlaubt.

Überall in der Bibel ist das Tier als Symbol gebraucht, eine Regierung darzustellen. In Daniels Prophezeiung sind die großen Universalreiche der Erde in dieser Weise symbolisiert. Babylon war der Löwe, Medo-Persien der Bär, und Rom ist das schreckliche Tier der Drache (Daniel 7,1-8). Das Römische Reich besteht noch, der Drache symbolisiert daher die römische Macht, repräsentiert durch die zivile Macht in der Welt. Das Tier ist das System der Herrschaft des Papsttums. Das dritte Symbol der falsche Prophet bleibt noch zu erklären. Wir glauben es ist eine andere Bezeichnung für das System, welches anderswo „das Bild des Tieres" genannt wird (Offb. 13,14). Nach der Schrift ist dieses Bild eine sehr genaue Darstellung des Tieres, bedeutet, wie wir es verstehen, die protestantische Vereinigung der Kirchen.

Drei unreine Geist wie Frösche kamen aus dem Mund des Tieres das Drachen und des falschen Propheten. An dieser Stelle hat das Wort „Geist" die Bedeutung von Lehre, falsche Lehre, unreiner Lehre. Jedes von diesen Systemen spricht dieselben Dinge aus und diese Aussprüche werden den Erfolg haben, die Reiche dieser Erde zusammenzubringen zum Kriege von Harmagedon.

Der Symbolismus der Schrift ist sehr kräftig, und es ist immer eine große Ähnlichkeit zwischen dem Symbol selbst und den Dingen, welche symbolisiert sind. Wenn die Heilige Schrift einen Frosch gebraucht um gewisse doktrinäre Lehren darzustellen, so können wir sicher sein, dass die Anwendung passend ist. Obwohl ein Frosch ein kleines Tier ist, so bläht er sich doch auf, bis er fast platzt vor Anstrengung etwas zu sein. Ein Frosch hat ein sehr kluges Aussehen, trotzdem er nicht viel weiß. Und Frosch quakt, wenn immer er einen laut von sich gibt.

Die drei charakteristischen Eigenschaften eines Frosches sind also: Aufgeblasenheit, ein Anschein von besonderer Weisheit und Erkenntnis und ein unausgesetztes Quaken. Wenn wir diese Eigenschaften zu dem Bilde, welches in Gottes Wort gegeben ist, hinzufügen lernen wir, dass von der Macht der Könige, von der katholischen Kirche und von den verbündeten protestantischen Kirchen diese Lehren ausgehen. Der Geist aller ist aufgeblasen, eine Art besonderer Kenntnis und Weisheit ist angenommen, und sie prophezeien grässliche Folgen, wenn man verfehlt ihm Rate zu gehorchen. Wie einander widersprechend die Lehrsätze auch sind, die Differenzen werden ignoriert, es ist die Hauptsache, das nichts Althergebrachte zerstört oder erforscht oder verworfen wird.
Die angemaßte göttliche Autorität der Kirche und das göttliche Recht der Könige, wenn auch getrennt von der Kirche, werden nicht miteinander in Konflikt kommen, weil beide sich gegenseitig anerkennen. Aber alle Personen und Lehren, die diesen, prahlerischen unbiblischen Anmaßungen widersprechen, werden durch den Mund der Frösche von Kanzel und Rednerbühnen aus als etwas Verwerfliches gebrandmarkt ebenso durch die religiöse und weltliche Presse. Die edleren Gefühle einiger weniger werden erdrosselt von einer Philosophie desselben üblen Geistes, welcher aus Kajaphas, dem Hohenpriester sprach, bei unserem Herrn Jesus. Wie Kajaphas es schicklich fand ein Verbrechen zu begehen, eine Vergewaltigung der Gerechtigkeit vom menschlichen wie vom göttlichen Standpunkt aus, um Jesus und seine Lehren loszuwerden, so wird dieser froschähnliche Geist immer irgendwelche Vergewaltigung der Prinzipien, die zu seiner Selbstverteidigung nötig ist, gutheißen.

Jeder wahre Christ ist beschämt, wenn er auf die Blätter der Geschichte zurückblickt und sieht, was für schreckliche Taten im Namen Gottes und unseres Herrn Jesus der Gerechtigkeit getan worden sind. Wir glauben nicht für einen Augenblick, dass diese Froschgeister oder Lehren alle schlecht sind, aber vielmehr, daß sie aufgeblasene und prahlerische Lehrer sind, die sich alle als sehr weise und groß darstellen, da sie eine Vergangenheit von Jahrhunderten haben.

Aus dem Munde der Drachen kommen die Lehren von der göttlichen Berechtigung der Könige. 'Schau nicht zurück hinter die Kulissen der Geschichte um zu sehen, welche der Könige ihr Recht haben. Nimm die Lehre an, wenn du es nicht tust, und wenn Menschen in diese Dinge Einblick gewinnen, so wird es eine schreckliche Revolution geben und alles wird untergehen.'

Das Tier und der falsche Propheten haben ein ähnliches Gequake. Die katholische Kirche sagt: 'Schau nicht zurück, frage nicht etwas über die Kirche' Der Protestantismus sagt auch so: 'Wir sind groß, wir sind weise, wir wissen eine große Menge! Sei still! Dann wird niemand erfahren das du nichts weiß. Alle sagen (quakend): 'Wir sagen dir wenn du irgend etwas gegen die gegenwärtigen Einrichtungen sagst, so werden sich schreckliche Dinge ereignen.

Die politischen Parteien stimmen damit überein. Alle erklären: 'Wenn irgendein Wechsel kommen sollte, so wird das schreckliches Unglück bedeuten. Einige haben die Willenskraft und einige haben weltliche Macht hinter sich, aber gemeinschaftlich quaken sie das Volk an und sagen, dass wenn eine Änderung getroffen wird, es den Untergang der gegenwärtigen Ordnung bedeutet. In der Sprache unserer Tage ist die Parole für Kirche und Staat: 'Bleib stehen wo du stehst'. Aber das Volk ist in Bewegung durch die Furcht. Es ist das Gequake des Tieres, des Drachen und des falschen Propheten, was die Könige der Erde rufen und sammeln wird zum Kriege von Harmagedon.

Die geistlichen Könige und Fürsten mit ihrem Gefolge von Geistlichen und treuen Anhängern werden sich in geschlossener Kampflinie sammeln Katholiken und Protestanten.
Die politischen Kaiser und Könige und Prinzen und Würdenträger mit ihren Hofleute und ihren Anhängern werden in Reih und Glied auf derselben Seite folgen. Die Geldkönige und Handelsfürsten und alle, welche sie mit dieser gewaltigsten Macht, die je auf der Erde ausgeübt wurde beeinflussen können, werden gemäß dieser Prophezeiung auf derselben Seite stehen. Obwohl sie sich nicht bewusst sind, dass sie nach Harmagedon kommen, ist es, so seltsam es klingt doch ein Teil ihres Geschreies: 'Auf sammelt euch nach Harmagedon!'

Der Herr erklärt von unserer Zeit sprechend. Die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden (Lukas 21,26). Die Könige von Europa wissen nicht was sie tun. Alles Sektierertum ist erschüttert.

Das Quaken der Froschgeister oder Lehren wird die finanziellen, politischen, religiösen und sozialen Könige und Fürsten einem großen Heere sammeln. Der Geist der Furcht, welcher durch das Quaken eingeflößt wird, wird die Leidenschaft guter und vernünftiger Männer zu verzweifelter Raserei aufpeitschen. Im blinden Gehorsam gegen diese bösen Geister oder schlechten Lehren werden sie bereit sein, das Leben und alles zu opfern, wie sie irrtümlicherweise glauben auf dem Altar der Gerechtigkeit, Wahrheit unter göttlicher Überwaltung.

Manche edlen Leute werden in dieser großen Armee eine Stellung einnehmen, die ganz entgegengesetzt ist zu dem was sie wollen. Für einige Zeit werden die Räder von Freiheit und Fortschritt rückwärts gedreht werden. Mittelalterlicher Zwang wird für nötig gehalten werden zur Selbsterhaltung, zur Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Ordnung der Dinge und zur Verhinderung der neuen Ordnung, welche Gott bestimmt hat zur völligen Zeit, die jetzt vor der Tür steht. Aber solche, welches Gottes Volk sein möchten, werden nicht aufhören darüber nachzudenken, ob es Gottes Wille ist, dass die Dinge so bestehen bleiben, wie sie in den vergangenen 6000 Jahren gewesen sind. Die Bibel sagt, dass das nicht Gottes Wille ist, sondern daß ein großer Umsturz sein wird, dass eine neue Ordnung kommen wird.

Wie wir die Bibel verstehen, werden für eine kurze Zeit die vereinten Kräfte von Harmagedon triumphieren. Freie Sprache, freie Post und andere Freiheiten, welche sozusagen der Lebensodem des Volkes in unseren Tagen geworden sind, werden unbarmherzig abgeschnitten werden unter dem Vorwand der Notwendigkeit zum Ruhme Gottes, als Gebot der Kirche und so weiter. Es wird sein, als ob eine Sicherheitsklappe aufgesetzt ist und der Dampf verflüchtigt. Die irdischen Könige werden aufhören, sich zu ängstigen. Alles wird ruhig scheinen, bis die große soziale Exposition, die in der Offenbarung als ein Erdbeben beschrieben ist, stattfinden wird. In symbolischer Sprache bezeichnet oft ein Erdbeben eine allgemeine Revolution, und die Bibel erklärt, das dergleichen nicht geschehen ist seit Menschen auf Erden sind (Offb.16,18.19). Unser Herr bestätigt dies in Matth. 24,21.

In Übereinstimmung hiermit zeigt die Heilige Schrift, dass die göttliche Macht vorwärtsschreiten wird, und Gott wird die geordneten Scharen zu Harmagedon sammeln, auf dem Berge der Zerstörung (Offenb. 16,16). Gerade das, was sie mit ihrer Vereinigung ihren Bündnis und so weiter zu hintertreiben suchten, wird dadurch beschleunigt werden. Andere Schriftstellen zeigen uns, dass Gott repräsentiert durch den Messias, auf der Seite der Massen sein wird. „Zu jener Zeit wird Michael [einer wie Gott, der Messias] aufstehen" (Daniel 12,1). Er wird die Macht an sich nehmen. Er wird sein Königreich in Besitz nehmen, wie es weniger von denen erwartet haben, die fälschlich behaupteten, sein Königreich zu sein, von ihm autorisiert zu sein und in seinen Namen und an seiner Statt zu regieren.

Unser Herr Jesus erklärt: „Ihr seid die Diener dessen, in dessen Dienst ihr steht." Manche mögen in Satans Diensten stehen, die behaupten, Gott und der Gerechtigkeit bedienen. Und manche mögen unwissentlich Satan dienen, wie Saulus von Tarsus, welcher wahrhaftig dachte, dass er Gott einen Dienst tat, indem er die Kirche verfolgte.

Derselbe Grundsatz hält die Treue entgegengesetzt Wie ein irdischer König sich nicht verantwortlich fühlt, für die Charakterbeschaffenheit eines jeden Soldaten, der in seiner Schlacht kämpft, so verbürgt sich der Herr nicht auf alle Fälle für den Charakter derer, die sich in seinen Dienst stellen und auf seiner Seite kämpfen. Sie sind Diener dessen, in dessen Dienst sie eingetreten sind, welche Gründe sie auch dazu bewegt haben.

Derselbe Grundsatz wird in der Schlacht von Harmagedon gelten. Gottes Seite in dieser Schlacht wird die Seite des Volkes sein. Und eben diese unbeschreiblichen Schar, das Volk wird losgelassen werden beim Beginn des Kampfes. Anarchisten, Sozialisten und heißblütige Radikale von jeder vernünftigen und unvernünftigen Richtung werden in den ersten Reihen der Schlachtordnung kämpfen. Wer das Soldatenleben kennt, weiß, wie sich eine große Armee aus allen Klassen zusammensetzt. Die Massen werden restlos unter Zwang stehen, aber sie werden sich ihrer Schwachheit bewusst sein, im Vergleich zu den finanziellen, religiösen, politischen und sozialen Königen und Fürsten, die das Übergewicht haben. Die Massen haben keine Sympathie für Anarchie, sie sehen wirklich ein, dass die schlechteste Form einer Regierung besser ist als gar keine.

Die Massen werden Erleichterung suchen durch die Wahlen, durch eine friedliche Wiederherstellung der irdischen Angelegenheiten, um das Übel zu entfernen, um Monopole und Vorteile und natürliche Hilfsmittel in die Hand des Volkes zubringen zum allgemeinen Guten. Die Krisis wird erreicht werden, wenn die, die bisher das Recht aufrechterhalten haben, Vergewaltiger des Rechtes werden und dem Willen der Menge widerstehen, der durch die Wahlen ausgedrückt wurde. Furcht vor der Zukunft wird die wohlmeinenden Massen zur Verzweiflung treiben und Archive das Ergebnis sein wenn der Sozialismus unterliegt.

Dass Herrn Heilige beteiligen sich nicht an diesem Kampfe. Gottes geweihtes Volk sehnt sich des von Herzen nach dem Königreich des Messias, nach dem glorreichen Jubeljahr, dem Jahr der Wiederherstellung, welches es mit eröffnen wird und wartet geduldig und ohne Murren, bis die Zeit des Herrn gekommen ist. Da ihre Lampen geschmückt und brennend sind, werden sie nicht in Finsternis sein betreffs der wichtigen Begebenheiten in der bevorstehenden Schlacht. Aber sie werden guten Mutes sein, indem sie den Ausgang kennen, wie er in dem sicheren prophetischen Wort beschrieben ist, auf welches zu achten sie wohlgetan haben „als auf eine Lampe welche an einem dunklen Ort leuchtet bis der Tag anbreche" - 2. Petrus 1,19

Nun steigt die Frage auf: Warum lässt Gott sein Königreich nicht früher kommen, warum ist Harmagedon notwendig? Wir antworten, dass Gott seine eigenen Zeiten und Jahreszeiten hat, dass er den 7. Tausendjahrtag für er die Herrschaft des Christus bestimmt hat. Seine Weisheit hat bis zu unserer Zeit die große Erkenntnis und das Wissen zurückgehalten, welches zu gleicher Zeit Millionäre und Unzufriedene hervorbringt. Hätte Gott den Vorhang der Unzufriedenheit tausend Jahre früher gelüftet, so würde die Welt tausend Jahre früher für Harmagedon gerüstet haben. Gott ließ diese Dinge nicht von der gegenwärtigen Zeit geschehen, weil sein Plan wichtige Teile hat, die alle zur selben Zeit zusammenlaufen. Gütig hat Gott die Augen der Menschheit verschleiert, bis nach dem Sammeln zu Harmagedon der Messias plötzlich hervortreten wird, um seine große Macht an sich zunehmen und seine Herrschaft zu beginnen. (Offb. 11,17.18)

Nochmals zusammengefasst:
Der zitierte Austauschtext, ist so in der 1918er Ausgabe nicht enthalten. Ob er denn im gleichem Umfange "kriegsdienstgegnerisch" sei wie der 1918er Text, dürfte sich da wohl als die "Gretchenfrage" entpuppen.

Exkurs: Die vom "Tagesanbruch" veranstalteten (deutschsprachigen) Nachdrucke der "Schriftststudien" Band 1 - 6.

Hinweis nachfolgende Angaben basieren auf vorhandene Privatexemplare selbiger, Während den von der Wachtturmgesellschaft veranstalteten Ausgabe bedingt, durch schlechtere Papierqualität, mittlerweile schon Zersetzungserscheinungen, namentlich der in den frühen 1920er Jahren gedruckten Ausgaben, bescheinigt werden muss, ist die Papierqualität der Tagesanbruch-Ausgaben eindeutig besser.

Andererseits erweisen sich dortige Impressums-Angaben bzw. ihr (teilweise) Nicht vorhandensein, als problematisch.

Band I "Der göttliche Plan der Zeitalter" 399 Seiten + Zeitalterkarte im Anhang. Gedruckt in heute üblichen Schrifttypen (keine Frakturschrift also, was ja für die WTG-Ausgaben der Fall ist. Im Impressum auch die Angaben:

Printed in U.S.A.

Dawn Bible Students Association, East Rutherford, N.J.. Ohne das Russell-Vorwort vom Oktober 1916. Bibliotheks-Nachweis auch: Zentralbibliothek Zürich:

FB 8644-1

Band II "Die Zeit ist herbeigekommen" muss offenbar als Sonderfall bewertet werden

In der Zentralbibliothek Zürich vorhanden (FB 8644-2) eine gekürzte Ausgabe (nur 166 Seiten Umfang), gedruckt in den USA, wie vorstehend, zusätzlich auf Seite 4 die Angabe enthaltend

"Tagesanbruch-Literatur Gemeinnützige G.m.b.H, Berlin-Friednau, Menzelstraße 2" (letztere Adressangabe war aber nur für Anfang der 1950er Jahre zutreffend)

Offenbar gibt es aber als Photomechanischer Nachdruck noch eine weitere Ausgabe (1916) davon. Die jedoch ohne irgendwelche Tagesanbruch-typische Impressusangaben. 366 Seiten in Frakturschrift, zuzüglich Russell-Vorwort von Oktober 1916 in normaler Schrift. Zuzüglich (nach S. 362, nicht Seitennumeriert in Normalschrift den auch aus den WTG-Ausgaben bekannten Anhang weiter: einschließlich nicht numerierte Werbetexte, der WTG Barmen. . Die Unterstellung, vom Tagesaanbruch veranstaltet, kann in diesem Falle nur mittels der guten Papierqualität begründet werden, und eben das weitere Bände auch vom Tagesanbruch neu aufgelegt wurden

Mit enthalten in dieser Ausgabe:

"Anmerkunen zu Band II der Schriftstudien "Die Zeit ist herbeigekommen". Selbige enden mit dem Satz;

"Die Anmerkungen beziehen sich auf den englischen Band II der Schriftstudien in der Ausgabe 1916". Selbige seien hier denn mal mit vorgestellt..

Band 3 "Dein Königreich komme 366 Seiten + nicht numerierter Anhang, in Frakturschrift, mit Russell-Vorwort vom Oktober 1916

Mit vorgenannten USA-Tagesanbruch-Impressumsangaben.

Band 4 "Der Krieg von Harmagedon" 536 Seiten in Frakturschrift. Mit Russell-Votwort, Oktober 1916.

Mit vorgenannten USA-Tagesanbruch-Impressumsangaben. und der deutschen (auch nicht mehr aktuellen) Anschrift "Tagesanbruch Bibelstudien-Vereinigung, 78 Freiburg i. Br., Sachsenstr. 12"

Die Deutsche Bücherei Leipzig, ordnet ihr vorhandenes Exemplar (SA 35549-4) zeitlich dem Jahre 1957 zu.

Band 5 "Die Versöhnung des Menschen mit Gott" 476 Seiten in Frakturschrift. Mit Russell-Votwort, Oktober 1916.

Mit vorgenannten USA-Tagesanbruch-Impressumsangaben.

Mit (eingeklebt) der deutschen auch wohl nicht mehr aktuellen Adressangabe:

"Tagesanbruch Bibelstudien-Vereinigung, Postfach 4, 8567 Neunkirchen am Sand"

Band 6 "Die neue Schöpfung" 733 Seiten, Frakturschrift

Mit vorgenannten USA-Tagesanbruch-Impressumsangaben.

Mit vorgenannter deutscher (nicht mehr aktueller) Adressangabe:

"Tagesanbruch-Literatur Gemeinnützige G.m.b.H, Berlin-Friednau, Menzelstraße 2"

(Vorhanden auch in: Zentralbibliothek Zürich FB 8644-6)

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