Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 62
Zu den besonders anfechtbaren Thesen der Zeugen Jehovas gehört auch ihre sogenannte "theokratische Kriegslist". Anfechtbar, auch aus dem Grunde ersichtlich, weil die WTG beispielsweise (wieder besseres Wissen) diesen ihren Grundsatz, durch den Mund des Theologieprofessors B... verleugnen lässt (was nicht gerade für dessen Reputation spricht) und deutlich macht, wie es um den diesbezüglichen Erkenntnisstand von B... bestellt ist.
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich
verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas
und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG)
und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen
Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und
weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.
Nr. 62 Gera August 1974
DER MENSCH LEBT NICHT VOM BROT ALLEIN
Liebe Leser!
Es ist sehr ernst, wie viele Brüder und Schwestern,
Väter und Mütter, sorgende und hart arbeitende Menschen, der WTG folgen, wohin sie auch
führt, was sie durch sie auch zu glauben und zu tun angewiesen werden. Ob es stimmt oder
nicht, ob es angemessen und begründet ist oder nicht, wird kaum kritisch gefragt. Oder
irren wir uns? Älteste sollen hier allen Ernstes folgende in Wiesbaden ausgedachten
"Predigteinführungen" einüben: "Ich besuche Sie, um Menschen zu finden,
die für die schlechten Verhältnisse in der Welt beunruhigt sind. Die Menschen fragen
sich, wohin steuert diese Welt? Was denken Sie darüber?". Oder: "Heute ist
allgemein zu beobachten. daß die Menschen den kommenden Tagen und Wochen ängstlich
entgegenblicken, weil sie nicht wissen, was noch kommen mag". u. ü. m. (VII/74)
Andere denken, wenn sie die "Königreichs-Nachrichten" Nr. 18 z. B. entfalten,
den Nagel auf den Kopf zu treffen, wenn sie zitieren: "Die Erde könnte eine
herrliche Wohnstätte sein. Aber die Menschen haben es heute schwer, wegen der steigenden
Preise für Nahrungsmittel, Kleidung, Wohnung und Kraftstoff sowie wegen der Knappheit
dieser lebensnotwendigen Dinge. In den Städten greifen Verbrecherunwesen und Armut wie
eine Seuche um sich. Überall sieht die Bevölkerung Korruption und Mißwirtschaft. Durch
die Umweltverschmutzung wird die Erde zu einer Müllkippe".
Was ist das für eine christliche Verkündigung? Das ist doch für jeden erkennbar zunächst nur politische Methode, um unzufriedene Menschen zu finden. Dabei übersieht man völlig, daß die Menschen nur erstaunt dreinblicken können, wenn sie z. B. hier in der DDR so angesprochen werden. Hier bei uns in den Städten Verbrecherunwesen, Armut und laufende Preissteigerungen wie eine Seuche? Die DDR wird zu einer Müllkippe? Wer so etwas hier verbreitet, ist doch wohl nicht ganz ernst zu nehmen. Er hat zumindest eine arge kapitalistische Brille auf, sonst müßte er doch erkennen, daß hier ganz andere soziale Verhältnisse und Entwicklungen sind. Der Eindruck, den die Verkündiger hier mit solchen Einführungen machen, ist unmöglich. Sie reden über "die Menschen". über "die Verhältnisse" und "die Umwelt" daher, pauschal, oberflächlich, dilettantisch, undifferenziert, in befremdlichen politischen Schlagzeilen, die hier gar nicht passen. Wie ist man doch in Wiesbaden der Wirklichkeit entfremdet und in Klischees befangen. Das nennen sie obendrein unpolitisch.
Niemand ist unpolitisch. Der Mensch ist als soziales Wesen geschaffen, hat also ganz natürliche soziale Lebensinteressen, ob Christ oder nicht. Politik ist nun im Grunde genommen nichts weiter, als diese unumgänglichen sozialen Bedürfnisse in geregelter Art und Weise in Familie, Dorf, Stadt, Land und Nation bzw. Staatsordnung zu berücksichtigen bzw. zu befriedigen.
So verursachen auch Jehovas Zeugen Politik, wo sie leben und wohnen, sowohl durch ihre sozialen Ansprüche, wie auch durch ihr Tun und Lassen. Nun waren dieses Jahr in der DDR wieder Kommunalwahlen, um geeignete Menschen in die nötigen politischen Funktionen in Stadt und Land zu bringen, damit das Leben funktionieren kann. Nach dem WT darf sich kein Mensch an solchen notwendigen Wahlen beteiligen, Jehovas Zeugen allen voran. Das Wahlergebnis wies nun auch einen bestimmten Prozentsatz Nichtwähler aus, insgesamt ca. 212 000 (ND 22. 5. 74). Unter diesen sind auch die WT-folgsamen Zeugen Jehovas. Sie haben da einen beträchtlichen Anteil. Man durchdenke aber: Wollten alle DDR-Bewohner z. B. auf die Verkündigung hören, dann dürfte u. a. keiner wählen, niemand Bürgermeister sein, niemand Polizeichef, niemand Abgeordneter, niemand Volksvertreter, niemand Gesetzgeber, niemand Minister usw., usw., usw. Wir hätten politische Anarchie, weil sich niemand mehr um Gesetz und Ordnung, Staat und Regierung kümmern würde. Und die paar Zeugen Jehovas können und sollen es laut WT auch gar nicht, die Staats- und Gesellschaftsordnung weiter aufrechtzuerhalten. Um der staatlichen Ordnung willen, zu der die Menschen nach Römer 13:1-7 sogar berechtigt und verpflichtet sind, muß also schon aus diesen Gründen die WT-Verkündigung zurückgewiesen werden. Würden ihr alle folgen, so landeten wir, was Staat und Regierung betrifft, in Unordnung und Chaos. Hat das wirklich noch niemand durchdacht? Die WT-Verkündigung ist also auch in dieser Hinsicht alles andere als unpolitisch! Die amerikanische Zeitschrift "Liguorianer", März 1953, sagte zu diesem Gesichtspunkt: "Man hat auch das Gefühl, daß einschränkende Maßnahmen gutgeheißen würden, falls die Zeugen zu großer Zahl anwachsen und einen großen Teil der Gesellschaft mit ihren regierungsfeindlichen Taktiken zu durchdringen beginnen . . . Der Oberste Gerichtshof liest auch die Wahlberichte". So ist die Verkündigung schon wegen ihrer politischen Konsequenzen mit Bezug auf die "menschliche Ordnung um des Herrn willen" (l. Petr. 2:13) unannehmbar.
Die in den "Königreichs-Nachrichten" Nr. 18 weltweit verbreitete Wahllosung: "Ihre Wahl: Das gegenwärtige korrupte System oder Gottes gerechte neue Ordnung", ist also nicht nur eine Verleumdung aller guten gegenwärtigen "obrigkeitlichen Gewalt von Gott", hier der sozialistischen Ordnung, es ist eine generell falsche und völlig haltlose und unmögliche Losung, eine internationale religiös-politische Irreführung, weil es so nicht geht. Denn es würde nicht mehr und nicht weniger bedeuten, alle "obrigkeitliche Gewalt" von Gott fallenzulassen bzw. abzuschaffen. Hat das wirklich noch niemand durchdacht?
Nun gut, einige werden das partout nicht erkennen und begreifen wollen. Sie müssen sich dann eben an den Realitäten bildlich den Schädel einrennen. Denn der Mensch ist schöpfungsbedingt in soziale und damit politische Selbstverantwortung gestellt, als er seinen irdischen Lebensauftrag mit allen seinen Konsequenzen erhielt: "Macht euch die Erde untertan", was seine Existenzbedingung ist. Es ist deshalb die unaufgebbare Pflicht der Menschen, die besten Formen der "obrigkeitlichen Gewalt von Gott" zu suchen, anzuwenden und zu sichern, um überhaupt erst einmal in einem geordneten Status (d. h. Staat) leben zu können. Die WT-Verkündigung macht alle Zeugen Jehovas in dieser Frage zu Amok-Läufern! Erkennt das wirklich niemand?
Wie findet man aus diesen religiös-politischen Widersprüchen und Unmöglichkeiten heraus? Fällig ist das durch das falsche Endzeitdatum von 1975 sowieso. Es muß ein grundsätzliches soziales Durchdenken der ganzen Verkündigung beginnen. Im Grunde genommen ist das alles denkbar einfach. Wir brauchen nur über die eigenen schöpfungsbedingten sozialen Lebensinteressen nachzudenken, uns einmal alles vor Augen zu führen, angefangen bei den eigenen Kindern, in der eigenen Familie. Jehovas Zeugen leben da in einer folgenschweren Verkennung fundamentalster Sachverhalte unseres Lebens, nämlich: Es ist die Existenzbedingung des Menschen, die einfache Tatsache, daß alle Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst und Religion treiben können. Wenn Christus den Grundsatz prägte, der Mensch lebt nicht vom Brot allein (Matth. 4:4), dann hat er damit genau das gleiche gesagt, nämlich zuerst "Brot"! Die fundamentale Bedeutung dessen ist durch die nunmehr mit 1975 wieder als haltlos erwiesenen WT-Endzeitlehren im Denken völlig verkannt und entstellt, ja mißachtet, indem sie soziale Verantwortung eines jeden, ob Christ oder nicht, für die Schaffung und Erhaltung der notwendigen Sozialordnung durch entsprechende "obrigkeitliche Gewalt von Gott" einfach geleugnet wird. Wird diese unannehmbare Grundhaltung nicht geändert, dann wird das gesamte Verkündigungswerk darob über kurz oder lang in gefährliches Stolpern geraten. Denn die "Mündigkeit' oder das soziale Verantwortungsbewußtsein wächst in Verbindung mit den gegenwärtigen umwälzenden sozialen Entwicklungen und Veränderungen wie nie zuvor! Für die Christen gilt dabei, daß die Worte "Machet euch die Erde untertan" nie zurückgenommen wurden.
Wer genau hinschaut, erkennt nun, daß die gegenwärtige Konfliktlage der WTG im Grunde sozial und politisch bedingt ist, eine grundsätzliche politische Entstellung elementarster menschlicher bzw. christlicher Verantwortung. Hier hilft nur eine radikale und konsequente soziale Besinnung. Nur so läßt sich das rechte Denken über das "Brot", von dem alle Menschen zuerst leben, wiederherstellen. Die jetzige WT-Politik hat einen feindlichen Gegensatz konstruiert zwischen dem "Brot", den sozialen Lebensinteressen einerseits, und dem "Wort Gottes" andererseits, so daß diejenigen, die sich um das "Brot", um die sozialen Bedürfnisse für alle kümmern, zu "Feinden Gottes" erklärt und in Feindschaft gesetzt werden zu denen, die das "Wort Gottes" predigen wollen, und umgekehrt, so daß diejenigen, die das "Wort Gottes predigen, in Feindschaft geraten zu denen, die sich um das "Brot" für alle kümmern, ohne das doch niemand leben, geschweige denn Gott dienen kann. Schmähenden Antikommunismus und Antisowjetismus schleudert die WTG gar denen ins Gesicht, die sich am konsequentesten um dieses "Brot" kümmern.
Im Rahmen der diesbezüglichen
WT-Lehren läßt sich dieser heillose und gefährliche Widerspruch nicht lösen. Es muß
aus diesem speziellen WT-Denken ausgebrochen werden, um sich auf die schöpfungsbedingten
sozialen Lebensbedürfnisse zu besinnen. Alle irdischen Fragen müssen von hier aus
beurteilt werden. Nun von hieraus läßt sich ein realer Ausweg aus der irdischen
Endzeitfehlorientierung der WTG, wie mit 1975 wieder sichtbar für alle, finden, um in
Glaube, Liebe und Hoffnung weitergehen zu können. Auf den Ältesten ruht hier die
größte Verantwortung.
In christlicher Verbundenheit
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter
AMBITIONEN WEITHIN LEUCHTENDER
MÄRTYRERKRONEN SIND VERGEBLICH
Zur WT-Politik, christlichen Glauben weiter
antikommunistisch zu mißbrauchen
Mit der neuen WT-Form seit April 1974 wurde auch eine neue
ständige WT-Rubrik eingerichtet: "Nachrichten und ihre tiefere Bedeutung". Sie
wird besonders benutzt, um auch die politische Ideologie des Antikommunismus in der
Verkündigung fortzusetzen. Ein neuer Fall ist der WT vom 1. 5. 74, dt. zum Thema
"Katholiken und Kommunisten", Wir wollen die von der WTG vorgebrachte tiefere
Bedeutung dieses Themas etwas näher betrachten. Man sollte bereit sein, immer auch die
andere Seite einer Sache zu besehen, ehe man ja sagt. Wir sind überzeugt, daß
verantwortungsbewußte Älteste dies aufmerksam prüfen werden, wenn sie in rechter
Verantwortung vor Gott und Menschen "Hirten der Herde" sein wollen. Laßt uns
also die tiefere Bedeutung dessen prüfen, was die WTG hier verlangte über
"Katholiken und Kommunisten" zu verbreiten und zu vertreten.
Der WT sagt zunächst, der italienische Klerus verlange, der Papst soll einen Erlaß von 1949 aufheben, "gemäß dem jeder, der mit der kommunistischen Partei sympathisiert, exkommuniziert wird". Unter Hinweis auf die zunehmenden "Beziehungen" der katholischen Kirche mit "kommunistischen Nationen" wird der Kirche vorgeworfen, daß sie ja "schon immer ein 'Freund der Welt' gewesen" sei. Jetzt aber werde sie durch das Weltgeschehen zu Konzessionen gezwungen und "es sieht so aus, als käme es zu einem Frieden zwischen dem Westen und dem kommunistischen Osten". Da sei die Kirche nun gezwungen, "sich mit ihrem alten atheistischen Feind zu versöhnen". Wenn sich die Kirche nun "zum Weltgeschehen äußert, klingt ihre Stimme versöhnlich".
Was für eine politische Haltung bringt die WTG mit solchen Nachrichten denen bei, die ihr folgen? Der Vorwurf, "Freund der Welt", läßt erkennen, wie die WTG eine Aufhebung des katholischen Antikommunismus-Dekrets von 1949 verstanden wissen will: Als äußerst verwerfliches Unternehmen, als Akt weiterer "Feindschaft gegen Gott". Mit anderen Worten, ein Christ müsse Antikommunist bleiben, wer mit Kommunisten "sympathisiert", müsse exkommuniziert werden. Hier spiegelt sich die eigene politische Methode der WTG wider, ihrerseits nach wie vor jeden, der etwa mit Kommunisten "sympathisiert", anzuschließen und der Vernichtung zu überlassen. Mit Kommunisten dürfe man nicht "versöhnlich" sein, sie müßten weiter als "Feinde" betrachtet und behandelt werden. Die WTG offenbart in dieser Frage deutlich ihre eigene politische Position.
Weiter: "Das alles erinnert uns an die prophetische Beschreibung im 17. Kapitel der Offenbarung. Dort werden alle falschen Religionen gemeinsam als eine Prostituierte dargestellt, die ihre Gewalt über die mit einem wilden Tier verglichenen Nationen verliert und schließlich von diesen Nationen vernichtet wird." Zunächst: In Offenbarung 17 werden überhaupt keine "falschen Religionen gemeinsam dargestellt"! Das ist lediglich eine WT-Auslegung, die sie selbst schon einigemale geändert hat! Was hier indes deutlich wird: Es werden wieder die zwei Hauptablenkungen von der eigenen Endzeitunglaubwürdigkeit sichtbar, Kampf nach außen mit den schärfsten Provokationen, die sich finden lassen, einmal gegen andere Kirchen und Gemeinschaften als "Prostituierte", also Hure, Ehebrecherin und ähnliches, damit ja niemand zu ihnen gehe, wenn es ab 1975 in der WTG kracht, und gegen die "kommunistischen Nationen", die "wilden Tieren" glichen und vernichtet würden.
Die WTG setzt hier fort, was sie in den fünfziger Jahren an kaltem Krieg getrieben hat, als sie z. B. die Kommunisten als "wilde Tiere hinter dem eisernen Vorhang" begeiferte (WT 1.6. 1952, S. 164)
Die WTG will für ihre Verkündiger unbedingt eine weithin leuchtende Märtyrerkrone haben, nichts ist jetzt für sie wichtiger als das, angesichts des Fiaskos mit 1975, zur Ablenkung nach außen.
Doch sie werden von Brooklyn aus vergeblich die Fäuste emporreißen und die Hände ringen und ihre Huren-Vokabeln (und Kommunismus-Verleumdungen hinausschmähen. Die Entwicklung geht über sie hinweg, wenn sie nicht zur Einsicht kommen. Sie sollten in Brooklyn und Wiesbaden das "Neue Deutschland", die führende Zeitung der deutschen Kommunisten, deutlicher lesen, Ambitionen weithin leuchtender Märtyrerkronen sind vergeblich (H.Hauser, ND 14. 2. 74, S. 5)
Der Endzeitfehlschlag mit 1975 zeigt nur einmal mehr, wie die WT-eigenen Erklärungen des Weltgeschehens nichts als Strangulierung der Wirklichkeit sind. Immer mehr Brüdern und Schwestern, wir wollen sie aus Diskretion nicht mit Namen nennen, da die WTG dann ihren Rufmord inszeniert, wird bewußt, daß gar nichts anderes übrig bleibt, als den asozialen WT-Antikommunismus zurückzuweisen. Sie sehen darin durchaus keinen Akt der Feindschaft gegen Gott, der den Menschen als soziales Wesen geschaffen hat, so daß er allenthalben für Arbeit und Brot sorgen muß, d. h. die soziale Verantwortung hierfür in Stadt und Land, Staat und Nation übernehmen muß. Sie "sympathisieren" in diesem Sinne längst mit den Kommunisten, die in den sozialistischen Ländern dafür die Hauptverantwortung tragen. Sie lehnen es ab, die antikommunistischen WT-Feindbilder von Haus zu Haus zu tragen, sie wollen keine Antikommunisten sein oder gar ihre Kinder in solcher Politik erziehen. Sie arbeiten in sozialistischen Betrieben und sind auf diese Weise selbst am Aufbau von Sozialismus bzw. Kommunismus beteiligt. Sie haben durch die sozialistische oder kommunistische soziale Ordnung Arbeit, Brot, soziale Sicherheit und Fürsorge bis ins hohe Alter hinein. Je mehr ihnen dies bewußt wird, desto befremdender wirkt ihnen die WTG mit ihrer politischen Ideologie des Antikommunismus in der Verkündigung. Sie erkennen, daß die Worte der Schrift, "zu jedem guten Werk der obrigkeitlichen Gewalten bereit zu sein" (Titus 3:1) jetzt hier auch für die zeitgemäße sozialistische oder kommunistische "menschliche Ordnung um des Herrn willen" gelten (l. Petr. 2:13). Die WTG wird in ihrer antikommunistischen Ideologie für sie immer unmöglicher. Der Endzeitfehlschlag mit l975 wird sie noch mehr aus ihrer Zurückhaltung, die die WTG einfach als Zustimmung zu ihrer Politik vereinnahmt, hervortreten lassen.
Eine Andeutung zur jetzigen WT-Deutung von Offenbarung 17 mit der "großen Hure" oder "Prostituierten". Wir warnen davor, der WTG hier weiter in diesem Glaubenshaß gegen anderen christliche Kirchen und Gemeinschaften zu folgen. Die Sache ist haltlos. Man mache sich nur die Mühe, die bisherigen WT-Deutungen in den Büchern "Schriftstudien" VII von 1917, "Licht" II von 1930 und "Babylon . . ." von 1965 zu prüfen und zu vergleichen, Auslegungen über eine "Endzeit" von 1799 bis jetzt, fast 200 Jahre, von Papsttum über Christenheit bis Islam, Hinduismus, Buddhismus und Kommunismus als "falsche rote Religion" (Buch "Was hat die Religion . . ." 1953). Im WT vom 1. 2. 69 dt. über "falsche Religion" wird daran jedoch auch schon wieder gedreht. Mit ihren Offenbarungsdeutungen klittern in Brooklyn einige Dilettanten biblisch aufgemachte Geschichtsbilder und Äußerungen zum Weltgeschehen zusammen, die in Wirklichkeit keiner exakten und sachlichen Überprüfung standhalten und durch die reale Entwicklung schon mehrfach über den Haufen geworfen wurden. Mögen die Väter in den Versammlungen sich hüten, ihren Kindern für den Geschichtsunterricht in der Schule mit solchen Haltlosigkeiten das Erkenntnisvermögen zu verkorksen, sie in der Schule religiös-politisch lächerlich zu machen.
Wenn die WTG weiter von einer Vernichtung der Kirchen durch die "kommunistischen Nationen" fabuliert, so ist hier auch eher der Wunsch der Vater des Gedankens, oder es stehen bestimmte Inspiratoren im Hintergrund. Denn die kommunistische Weltbewegung hat nicht auf Vernichtung aller Kirchen und Christen orientiert, sondern auf weltweites Bündnis mit ihnen, im Interesse der allgemeinen sozialen menschlichen Verantwortung (Weltkonferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien 1969 in Moskau, Hauptdokument). So hält die WTG auch hier einen Schein aufrecht, der jeder Realität entbehrt. Es wird für alle nötig werden, sich hier des Stückwerks aller Erkenntnis bewußt zu werden (1. Kor. 13:9) und aufzuhören, perfekte Offenbarungsdeutungen liefern zu wollen, ohne Widerspruch zu dulden oder gelten zu lassen.
Warum versucht die WTG aber gegen alle Entwicklung und Realität gestemmt, unter dem Thema Katholiken und Kommunisten" diesmal, weiter, die politische Ideologie des Antikommunismus unter den Christen zu verbreiten, antikommunistischen psychologischen Krieg anstatt Frieden zu stiften, sich friedfertig zu verhalten, wie es die Schrift gebietet? (Titus 3:1,2) Da die Schrift hier mißachtet wird, muß etwas anderes dahinterstehen.
Wenn die WTG wie hier wieder dargestellt und bewiesen, öffentlich antikommunistisch vorgeht im Rahmen ihrer politischen Nachrichtentätigkeit insbesondere, dann ist das in diesem Fall unverhohlener psychologischer Krieg gegen alle Katholiken, die den Kommunistenhaß nicht mehr mitmachen wollen, ein psychologischer Krieg für weitere Feindschaft gegen die "kommunistischen Nationen", also schlicht und einfach Völkerhaß. In der führenden BRD-Zeitschrift "Außenpolitik", 11/62, Stuttgart, ist offen proklamiert worden, daß es in der westlichen Außen- und Koexistenzpolitik gegenüber den sozialistischen Ländern u. a. auch darauf ankommt, " unter Ausnutzung religiöser Überlieferungen" die "Indifferenz zu den Zielen der kommunistischen Staatsführung zu fördern", um so ebenfalls "die Voraussetzung für die innere Veränderung und Umwälzung in diesen Staatswesen durch pausenlose den Gegner ermüdende Arbeit zu beschleunigen" (Noch: Einheit 9/68). Hierin allein liegt die tiefere Bedeutung auch der in der WT-Verkündigung "pausenlos" betriebenen "Indifferenz zu den Zielen der kommunistischen Staatsführung" oder feindlichen antikommunistischen Nachrichtenverbreitung unter den Christen. Wenn die WTG also dazu auffordert, "lieber etwas gedruckte Literatur mitzubringen" (V1/74), gemeint ist die WTG-Literatur, dann sind alle, die das tun oder organisieren, auf Grund des Antikommunismus in dieser Literatur auch Werkzeuge jener Kräfte, die in den sozialistischen Ländern solche antikommunistischen Staatsumwälzungcn herbeiführen wollen. Ob die Verkündiger das erkennen oder nicht, sie tun es. Mögen sich alle Verantwortlichen darüber klar werden!
Lehnt darum die antikommunistische
politische Nachrichtenverbreitung des WT ab. Kämpft für die Beendigung des politischen
Mißbrauchs des Werkes für fremde Interessen. Führt die Versammlungen heraus aus dieser
"List" und Untergrundtätigkeit (2. Kor. 4:2 NW) und "gehorcht denen",
die darin "unter euch die Führung übernehmen"
F. F.
DIE KONFLIKTLAGE DES WERKES DURCHDENKEN
ÄLTESTEN-BERATUNG
Präsident N. H. Knorr in Südamerika
Die jüngste Weltreise des WTG-Präsidenten N. H. Knorr,
Brooklyn, New York, USA, führte in zehn Länder Südamerikas. Hunderttausende Besucher
seiner Vorträge werden berichtet. Die Zahl der Täuflinge sei in vielen Ländern dort im
Vergleich zum Vorjahr um 50 % höher. (VII/74). Die Aktivierung des Werkes in den Ländern
der "dritten Welt", wie sie hier wieder sichtbar wird, erhärtet weiter die
Schlußfolgerung, daß die WTG die Zukunft ihres Werkes nach dem Endzeitfehlschlag von
1975 vornehmlich in diesen Ländern sucht, wo sie ein "Neuland" erhofft, dem mit
weniger Schwierigkeiten eine weitere "Generation" verkündet werden kann, wenn
die alten anglo-amerikanischen und europäischen Organisationsbollwerke infolge der mit
1975 wieder eintretenden Endzeitunglaubwürdigkeit eines Tages nicht mehr zu halten sind.
"Theokratische Kriegslist"
ist unchristlich
Der Apostel Paulus gab folgenden Grundsatz für jegliche
Evangeliumsverkündigung: "Wir haben uns von den hinterhältigen Dingen losgesagt,
deren man sich zu schämen hat, indem wir nicht mit List wandeln, noch das Wort Gottes
verfälschen, sondern uns selbst Durch das Kundmachen der Wahrheit jedem menschlichen
Gewissen vor Gott empfehlen". 2. Kor. 4:2 NW. Im Widerspruch hierzu versucht die WTG
weiter dazu anzuleiten, das Werk hier in sog. "theokratischer Kriegslist"' als
religiös-politisches Untergrundwerk durchzuführen. Die Ursache hierfür liegt in der im
Rahmen der Endzeitverkündigung vorgenommenen Ausrichtung des Werkes zum politischen Kampf
auch gegen die "kommunistischen Nationen". Hierzu ist schriftgemäß unter
Hinweis auf 2. Kor. 4:2 NW zu sagen, daß jene "theokratische Kriegslist" eine
Kampfmethode war, als Israel unter dem Alten Bund (Alten Testament) sich als politische
Nation zu behaupten hatte oder andere Völker und Länder wie z. B. Kanaan militärisch
eroberte. Mit Christus hat jedoch der Alte Bund mit seinen Gesetzen und Grundsätzen sein
Ende gefunden. Römer 6:14, 10:4. Christen bilden keine derartige politische Nation wie
einst Israel, sie leben in der Zerstreuung unter allen Nationen oder Völkern. Die
Grundsätze des Alten Bundes mit Bezug auf Kriegsführung sind auch aus diesem Grunde
nicht anwendbar. Alle Evangeliumsverkündigung muß also so gestaltet sein, wie es Paulus
in 2. Kor. 4:2 fordert. Es gibt keinen Kampfauftrag gegen irgendeine politische Nation
mehr. Die verantwortlichen Altesten müssen das Werk somit aus dem Mißbrauch zum Kampf
gegen die "kommunistischen Nationen" herausreißen, wenn dieses Werk ein
christliches Verkündigungswerk sein soll. Christen haben gegen keinerlei politische
Nation zu kämpfen. Die WTG mißbraucht die Aussagen des Alten Testamentes für heutige
politische Zwecke, Aussagen, die für Christen nicht gelten, die Christus mit seinem Tod
am Holz außer Kraft gesetzt hat.
Wie die Jugendlichen abgestoßen werden
Es wird aus einer Berliner Versammlung berichtet. Es geht
um eine Tonband-Dia-Belehrung. wie sie "von der Mutter" allein "zur
Verfügung gestellt werden". "Mutter" ist hier nicht nur ein
"Kriegslist"-Deckname für "Organisation" oder Anleitung aus
Wiesbaden, es ist auch symbolhaft für die Gängele,. für die Kindergartenmethoden, mit
denen die Versammlungen immer noch in Unmündigkeit gehalten werden. Es wird also
berichtet, wie ein Komitee in zwei Wochen schon den dritten Fall von
"Unsittlichkei"' behandeln muß. Vorgeladen sind Ilse und Heinz. Ilse ist
reumütig gekommen. Sie schildert dem Komitee auf Befragen bis in die intimen
Einzelheiten, wieweit sie mit Heinz gegangen ist. Aber Hurerei habe sie nicht begangen,
wehrt sie sich. Ja, sie sind beide verliebt, aber sie seien doch erwachsen. Dennoch, sie
bereut vor dem Komitee und verspricht, sich in Zukunft zurückzuhalten. Heinz ist gar
nicht erst gekommen. Er läßt dem Komitee mitteilen, was wollt ihr von mir, ich habe
keine Hurerei begangen, im übrigen ist in der Bibel Küssen und Zärtlichkeit unter
Verliebten nicht verboten. Er fühle sich moralisch nicht schuldig und verwerflich.
Beschluß des Komitees: Ilse ist reuig, sie kann in der Versammlung bleiben. Heinz zeigt
keine Reue, er wird ausgeschlossen. Diese WTG-Tonband-Dia-Belehrung spricht sich herum.
Empörung macht sich unter den wenigen jüngeren Brüdern und Schwestern breit. So eine
Überspitzung! Solches Herumwühlen in anderer Intimitäten! Wie sie das bloß alles
ausgeschnüffe!t haben. Eher ein Geist der Inquisition als ein Geist Gottes! Gut, wenn sie
nicht aufhören, über das hinauszugehen, was allein geschrieben steht (1. Kor. 4:6), dann
müssen sie eben erleben, wie der Geist ihrer schon krankhaft sektiererischen
Überspitzungen und Verkrampfungen die Jugendlichen davontreibt.
Keinen Urlaub und keine Beurlaubung
"
äußerst anstrengen. Die Sommermonate werden
davon nicht ausgenommen sein. Die Menschen des alten Systems werden natürlich jetzt von
ihren Urlaubsplänen sprechen und interessante Reisen unternehmen wollen. Doch wir wissen,
daß wir im neuen System weit interessantere schönere Dinge sehen werden
In
unserer Gottesanbetung gibt es keinen Urlaub und auch keine Beurlaubung, das haben wir gut
verstanden". (V1/74) - Das haben alle "gut verstanden?" Es ist die
penetrante Art der WT-Bevormundung. Für die Leitung gibt es sehr wohl jährliche
"Bethelferien". Dann fahren sie in schönste Gegenden. einsame Almen, Hochwald.
Strand, um sich zu erholen und Urlaub zu machen, ohne treppauf und treppab zu laufen,
bepackt mit Büchern und Zeitschriften, ohne den Streß täglichen äußerster
Anstrengungen. Allein die einfachen Verkündiger sollen keinen Urlaub machen. Für sie
wird bis ins Detail ausgedacht, wie jeder einzelne Ferien- oder Urlaubstag
"ausgekauft" werden kann und soll. Es könnte von WTG-Mitarbeitern in der BRD
berichtet werden, die jährlich in den Süden noch Italien reisen, wo sie nicht einmal die
Sprache der Menschen verstehen, geschweige denn, sich "äußerst anstrengen"!
Sie fahren in Luxusgegenden wie Mallorca, Gaida-See und ruhen sich in den Hochalpen aus.
Wie sind da die Gebete einzuschätzen, die sie in Wiesbaden zum Himmel emporsenden, damit
Jehova die von den Verkündigern geforderten "Anstrengungen während der heißen
Sommertage sehr segnen möge"?
Verschärfte Kontrolle und Zensur
Mit VII/74 weist das WTG-Ostbüro in Wiesbaden an, für
das "Wandeln in List" die Kontrolle und Zensur rigoros zu verschärfen. Der Ton
dieser Weisungen ist förmlich ungehalten wie der einer aufgebrachten Mutter gegenüber
ihren ungezogenen Kindern. Nichts gegen das Recht einer Mutter, aber die Versammlungen,
Brüder und Schwestern, sind keine unmündigen Kinder. "Keinerlei private
Aufzeichnungen von Kongressen und Tonbänder"', es habe "niemand einen Auftrag,
etwas privat Beschafftes mit hereinzubringen", d. h. in die DDR zu schmuggeln oder zu
schleusen. Es durften beim "Zusammenkommen" nur "die Dinge angeboten
werden, die Mutter für die Kinder vorgesehen hat"', d. h. nur Materialien, die auf
den von der WTG kontrollierten Untergrundwegen hereingeschmuggelt wurden. Das betrifft
auch "Tonbänder mit Dramen oder Dia-Vorträge". Es dürfen auch keine
"Brüder des Bethels oder Kreis- und Bezirksaufseher zitiert" werden. Was die
WTG nicht selbst "als offizielle Nachrichten" bekanntgibt, soll als
"private Meinung" oder "Gerücht" abgewiesen werden. "Tonbänder,
die man privat erhält, können auch unzuverlässige Sensationen enthalten". Mit
dieser verschärften Kontrolle und Zensur will eine WTG vor allem alles das ausmerzen. was
über die seit 1967 betriebene 1975-Verkündigung im Umlauf ist. U. a. zahlreiche
Originaltonbandaufzeichnungen von Reden des ehem. Zweigdieners Konrad Franke u. a. über
die Unumstößlichkeit des Weltendes 1975. Oder solche Originalaufzeichnungen von
Kongreßreden, wie 1973 von den Bethelmitarbeitern A. Letonja und R. Lengtat, die die
Strategie und Taktik- der WTG erwähnt hatten, durch "fortschreitende wesentliche
Änderungen" dem Werk nach dem Fehlschlag von 1975 noch und noch einen ganz anderen
Charakter zu geben. Wir müssen das alles im Zusammenhang sehen mit der Streichung des
Grundsatzes "von Jehova gelehrt" seit April 1974 im WT.
CVN
VERZEICHNIS UNECHTER SCHRIFTSTELLEN IN
DEN
CHRISTLICHEN GRIECHISCHEN SCHRIFTEN (Neues Testament)
- Auf Grund von Prof. Tischendorfs Aufzeichnungen noch der
Lesart der zwei ältesten griechischen Manuskripte: Siniaitikus und Vatikanus 1209.
Veröffentlicht in: Leitfaden und Unterrichtsmittel mit Studienregister. Von der
Wachtturm-.Bibel- und Traktatgesellschaft Magdeburg, Brooklyn, Bern 1925. Eingesandt von
unserem Mitarbeiter J. B., 1974.-
Im Hinblick auf die vor allen stehende Aufgabe, sich noch dem Fehlschlag von 1975 (Jahrestext 1974) früher oder später gründlich neu zu orientieren, ist es sehr gut, die als unecht festgestellten Texte des Neuen Testamentes zur Verfügung zu haben. Dieses Verzeichnis kann jeder in seine Bibel einlegen, oder er kann in seiner eigenen Bibel die entsprechenden Texte noch diesem Verzeichnis kennzeichnen. Es handelt sich nach den angegebenen Quellen und Veröffentlichungen um folgende Texte:
Matth.5:22 ohne Grund
Matth 6:13 denn dein ist das Reich und die Kraft und die
Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen Matth. 6:25 und was ihr trinken
Matth. 16:2 wenn es Abend geworden ist
(bis
Versende)
Matth. 16:3 (der ganze Vers)
Matth. 17:11 zuerst
Matth. 17:21 und Fasten
Matth. 18:12 auf den Bergen
Matth. 20:7 und was irgend recht ist, werdet ihr empfangen
Matth. 22:13 nehmet ihn
Matth. 23:35 des Sohnes Barachias
Matth. 24:10 und einander hassen
Matth. 25:6 kommt (nach Luther)
Matth. 27:52 und die Grüfte taten sich auf
Matth. 27:53 und gingen
Mark. 4:37 so daß sich schon füllte
Mark. 6:51 über die Maßen bei sich selbst und
verwunderten sich
Mark. 7:8 denn
Waschungen der Krüge und Becher und
vieles andere dergleichen ähnliche tut ihr
Mark. 7:14 mich alle
Mark. 9:24 mit Tränen
Mark. 9:29 mit Fasten
Mark. 9:44 (der ganze Vers)
Mark. 9:45 in das unauslöschliche Feuer
Mark. 9:46 (der ganze Vers)
Mark. 9:47 des Feuers
Mark. 9:49 und jedes Schlachtopfer wird mit Salz gesalzen
werden
Mark. 10:24 daß die, welche auf Götter vertrauen
Mark. 10:30 Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter
und Kinder und Äcker mit Verfolgungen
Mark. 14:30 zweimal
Mark. 14:68 und der Hahn krähte
Mark. 14:72 zum zweitenmal
zweimal
Mark. 16: 9-20 (sämtliche Verse)
Luk. 2:40 im Geist (nach Luther)
Luk. 8:45 und du sagst: Wer es ist, der mich angerührt
hat
Luk. 16:16 und jedermann dringt mit Gewalt hinein
Luk. 17:12 welche von ferne standen
Luk. 18:11 bei sich selbst
Luk. 22:43 (der ganze Vers)
Luk. 22:68 nach loslassen
Luk. 23:5 indem er lehrt
Luk. 23:34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn
sie wissen nicht, was sie tun
Luk. 24:42 und von einer Honigscheibe
Joh. 1:25 fragten ihn und
Joh. 3:13 der im Himmel ist
Joh. 4:9 denn die Juden verkehrten nicht mit den
Samaritern
Joh. 5:3 die auf die Bewegungen des Wassers warteten
Joh. 5:4 (der ganze Vers)
Joh. 5:25 und ist jetzt
Joh. 7:53 (der ganze Vers)
Joh. 8: 1-11 (sämtliche Verse)
Joh. 8:59 mitten durch sie hinstreifend (nach Luther)
Joh. 16:16 weil ich zum Vater gehe
Joh. 19:23 und den Leibrock
Joh. 21:25 (der ganze Vers)
Apg. 8:37 (der ganze Vers)
Apg. 15:32 und stärkten sie
Apg. 18:21 ich muß durchaus das zukünftige Fest in
Jerusalem halten
Röm. 11:6 ist's aber aus Verdienst der Werke, so ist die
Gnade nichts, sonst wäre Verdienst nicht Verdienst (Luther)
Röm. 14:6 und welcher nichts darauf hält, der tuts auch
dem Herrn (Luther)
1. Kor. 7:5 Fasten und (Luther)
1. Kor. 10:28 die Erde ist des Herrn und was darinnen ist
(Luther)
Gal. 3:1 daß ihr der Wahrheit nicht gehorchet (Luther)
Eph. 5:30 von seinem Fleische und von seinen Gebeinen
1. Tim. 6:5 tue dich von solchen (Luther)
2. Tim. 3:3 ohne natürliche Liebe
1. Petr. 2:5 geistliche (vor dem Worte
"Schlachtopfer")
1. Petr. 4:14 bei ihnen freilich wird er verlästert, bei
euch aber wird er verherrlicht
1. Joh. 5:7, 8 drei sind, die da zeugen im Himmel: der
Vater, das Wort und der heilige Geist, und diese drei sind eins (Luther)
1. Joh. 5:13 die ihr glaubet an den Namen des Sohnes
Gottes
Offenb. 5:3 noch unter der Erde
Offenb. 5:13 und unter der Erde
Offenb. 9:4 noch irgendetwas Grünes
Offenb. 9:13 den vier Hörnern des
Offenb. 10:6 und das Meer und was in ihm ist
Offenb. 11:17 und der da kommt (Luther)
Offenb. 14:12 nie sind (Luther)
Offenb. 16:11 von ihren Werken
Offenb. 18:22 irgendwelcher Kunst
und das Geräusch
des Mühlsteins wird nie mehr in dir gehört werden
Offenb. 20:5 die übrigen der Toten wurden nicht lebendig,
bis die tausend Jahre vollendet waren
Offenb. 21:24 die da selig werden (Luther)
Offenb. 22:3 mehr
Die NW-Übersetzung hat diese unechten Stellen nicht in gebührender Weise berücksichtigt, die Kennzeichnungen als unecht sind nicht eindeutig, so daß sie auch in dieser Frage sehr unzuverlässig ist. -
Wohin in dem 1975-Endzeitfehlschlag?
WEITER IN DER NACHFOLGE JESU AUCH IN DEN FREIEN
VERSAMMLUNGEN UND CHRISTENGEMEINDEN
Es scheint so. als ob der WT alle Brücken hinter denen
abgebrochen hat, die in die WTG-Endzeithürde eingesammelt wurden. Als ob sich rund um sie
ein drohender Abgrund erhebt, in dem sich jeder zu Tode stürzt, der auch nur ein Bein
hinausstellt. Doch das ist nicht so und auch nie so gewesen. Wir erinnern an das
Eingeständnis, daß allein seit 1947 ca. 300 000 die WTG wieder verlassen haben, ohne
ungläubig geworden zu sein. Vielmehr sind sie "immer eingeladen, in den
Königreichssaal der Zeugen Jehovas zu kommen". (Jahrbuch 1974, S. 254f) Die WTG
weiß, daß es bei ihr vielen Grund zu Anstoß und Abkehr gab und gibt, wenn das auch
nicht zugegeben wird.
Markante Auszugssignale waren z. B. die vielen falschen Endzeit- und Harmagedon-Daten von 1799 über 1874, 1914, 1925, 1939/45, 1972 bis 1975, die Vernichtungskämpfe gegen das Ältestenamt in den dreißiger Jahren, die Entmündigung der Versammlungen in Bibelforschung und echter Prüfung der WTG-Lehren, die Widersprüche und Entstellungen in politischer Hinsicht gegen die "Obrigkeit von Gott" seit 1929 (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 124f). Nur zögernd hat die WTG einiges davon wieder korrigiert, z. B. ist sie 1962/63 wieder, wenn auch nur formal, zum Obrigkeitsverständnis in der Zeit Br. Russells zurückgekehrt (WT Nr. 1-3, 1963 dt.). Ungefähr 30 Jahre lang wurden in dieser Frage alle, die diese falsche Politik gegen die "Obrigkeit von Gott" nicht mitmachten, als "böse Knechte" geschlagen und aus den Versammlungen vertrieben. Und wieviele von ihnen sind in diesen Jahren mit unauslöschlichem Kummer ins Grab gesunken, beschimpft als solche, die "dem Worte Gottes und seinem Volke Gewalt antun, Gottes Volk versprengen und es den tierischen Regierungen der Organisation Satans zur Speise machen". (Rechtfertigung II/1932, S. 232) Das Urteil der WTG, sich selbst als "Treuen und klugen Knecht" darstellend, lautete über diese in Wirklichkeit völlig schriftgemäß handelnden Brüder und Schwestern:
"Sie wurden zum Königreich berufen, wurden Anwärter auf einen Platz im Königreich und hatten die Gelegenheit, ewige Träger der himmlischen Krone zu werden. Sie erklärten, Glieder des Leibes Christi und daher die Braut oder Königin zu sein. Aber anstatt gehorsam zu sein, bestanden sie auf dem persönlichen Recht, nach ihrer Weise frei und unbehindert zu wandeln. Sie weigerten sich, sich der Ordnung zu fügen und das Hochzeitskleid anzuziehen. Sie es ab, das Werk des Herrn auf die von ihm bestimmte Weise zu tun, und sie bestanden darauf, es auf ihre eigene Weise zu betreiben. Sie folgten der Berufung zum Königreich, aber aus einem eigennützigen Beweggrunde.
Sie weigerten sich, der "Obrigkeit" in Gottes Organisation untertänig zu sein, indem sie sogar daran festhielten, daß sich die betreffende Schriftstelle auf die irdischen Regenten bezöge (Römer 13:1, Offenbarung 19:9). Weil sie nicht festgehalten hatten, was sie besaßen, wurde ihnen die Krone fortgenomrnen." (WTG-Buch "Bewahrung", S. 31, 1932 dt. Brooklyn)
Könnt ihr ermessen, was das bedeutete? Überrestglieder, die völlig schriftgemäß handelten, wurden von einer obrigkeitspolitisch die Schrift vergewaltigenden WTG-Führung völlig unschuldig vor Gott "der Krone des Lebens" beraubt und hinweggestoßen! Und die WTG hat bis heute diesen Brüdern und Schwestern und ihren Gemeinden gegenüber keinerlei Reue gezeigt. (Eine bemerkenswerte Gesamtdarstellung dieser Vorgänge in: ""Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft", Urania-Verlag 1970) Die Einladung an die 300 000 seit 1947 enthält nicht das mindeste Schuldgeständnis, im Gegenteil! So gibt es noch keinen gemeinsamen Weg wieder. Ja, die WTG-Aufseher werden nach wie vor angewiesen, die zu Unrecht Verstoßenen weiter als "böse Knechte" zu betrachten und zu behandeln, die nicht einmal zu grüßen seien. Zu diesen Verstoßenen und heute Verachteten gehört die Mehrheit aller verantwortlichen Brüder, die einst den deutschen Zweig unter großen persönlichen Opfern aufbauten, u. a. die Brüder Cuno, von Tornow, Lauper, Buchholz, Binkele. Balzereit, Dollinger, Decker, Coordes und andere. Bis heute werden die von ihnen unter den ungerechten Bannflüchen der WTG notwendigerweise gegründeten freien Versammlungen oder Gemeinden weiter diskriminiert.
Und wieder haben wir eine Zeit der Sichtung der WTG-Organisation vor uns, wenn der WTG-Endzeitfehlschlag von 1975 seine Kreise zieht. Wieder werden mit Sicherheit viele die WTG-Hürde verlassen. Wir werden damit in eine Zeit gewaltiger Umorientierung eintreten, was die Endzeitvorstellungen überhaupt betrifft. Kritische Brüder in den USA wagen sogar von Hunderttausenden zu sprechen, die schon "auf dem Zaun" der WTG-Hürde sitzen. Denn die WTG hat mit den Termin 1975 die letzte bisher geglaubte "Generation" seit 1914 überschritten. Es ist vollkommen offen und ungewiß, wie sie sich in Zukunft endzeitlich glaubhaft machen wird. Natürlich wird sie die "Bilder" vorsichtig verschieben, damit so wenig wie möglich stutzig werden. Dessen ungeachtet kommt der Tag, da die irdische Fehlorientierung mit 1975 in voller Größe und Tragweite sichtbar sein wird. Es kann nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden, was alle tun werden, die das erkennen, wohin sie gehen werden, wenn endgültig offenbart ist, daß es keine Endzeit im WT-Sinne gibt.
Ein Weg jedoch, in der Nachfolge Jesu mit vertrauten Brüdern und Schwestern weiterzugehen, besteht darin, sich den freien Christengemeinden anzuschließen, die von denen gegründet wurden, die von der WTG zu Unrecht "der Krone des Lebens" beraubt wurden. Wir haben solche Gemeinden und Geschwisterkreise u. a. in Dresden, Leipzig, Magdeburg, Halle, Meißen, Falkensee, Lützschena, Freiberg, Altenburg, Karl-Marx-Stadt, Burkhardsdorf und vielen anderen Orten. Viele kennen in diesen und anderen Orten die freien Brüder und Schwestern. Sicherlich immer noch durch die "Böse-Knecht"-Brille der WTG. Doch diese sollte nun abgesetzt werden.
Allerdings wissen wir, daß seinerzeit viel persönliche Feindschaft gestiftet wurde und bittere Worte und Vorwürfe im Raume stehen. Die WTG möchte, daß das so bleibt, um diese Wege weiter versperrt zu halten. Wer aber wirklich in jener christlichen Liebe steht, wie sie in 1. Kor. 13 dargestellt ist, kann das überwinden. Ja, was in dieser Hinsicht vor allen steht, ist ein ernste Erprobung dieser Liebe überhaupt, wo wohl eher als unter denen, die sich einst die Nächsten im Glauben waren? Niemand sollte da auf den anderen warten. Alte und frühere Verbindungen sollten wieder geknüpft und entwickelt werden. Man sollte sich wieder freundlich grüßen und begegnen. So können sich viele Wege öffnen, die "Sünden zudecken" und einander wieder anzunehmen, wie die Schrift es gebietet, nämlich dessen eingedenk zu sein, daß all unser Erkennen nur Stückwerk ist. 1. Kor. 13:9. Anstelle aller nervenaufreibenden "Kriegslist"-Atmosphäre kann so ein neues Wachstum in Erkenntnis und gegenseitigem Verstehen beginnen, in freier Versammlung, Zusammenkunft und Gemeinschaft.
Dabei sollte jedoch immer weiter ein brüderliches Bemühen um die anderen obwalten, eben weil immer nur stückweise erkannt wird, oft über lange Umwege, von vielen Äußerlichkeiten zeitweilig verdeckt. Wir sollten auch sehr duldsam bleiben, wenn dieser und jener scheinbar "bleibt". Wir wissen aus der Vergangenheit, wie gar mancher Bruder, manche Schwester, die Aufgabe da erkannten, wo sie standen, um verändertem Führen, Leiten, Lehren und Verhalten zum Durchbruch zu verhelfen, "allen alles zu sein", um das Möglichste zu tun, wie Paulus sagt (l. Kor. 9:19-23). Wir müssen immer bedenken, wir geraten in die größte Umbruchszeit, die es je gegeben hat, es ist nichts Geringeres als der tatsächliche Zusammenbruch der gesamten irdischen WTEndzeitorientierung. Denn "diese Generation" seit 1914 wird überschritten.
Dies ist auch ein für allemal das Ende jeden Anspruchs, "allein in der Wahrheit" zu sein, die einzig richtige Form der Gottesanbetung zu vertreten. Jeder muß sich nach und nach zu der Erkenntnis und Einsicht durchringen, daß auch in anderen Formen aufrichtige Gottesanbetung und ehrliche Nachfolge Jesu geschieht, wie unvollkommen und fehlerhaft das in unseren Augen auch sein mag. Der Herr schaut auf das. Herz und die Beweggründe, nicht auf die Form. Die Worte Jesu an die Jünger in Markus 9:38-40 lehren, daß es Gruppen oder Gemeinschaften gibt, die Christus anders nachziehen oder nachfolgen, im Namen Jesu handelnd. Und Jesus verwarf sie nicht: "Wer nicht wider uns ist, ist für uns"! - sagte er vielmehr. Wie schwer fällt es, das wirklich im konkreten Fall gelten zu lassen! Wie die Tatsachen zeigen, gibt es auch in solchen anderen christlichen Kreisen herzliche Gemeinschaft und gegenseitige Hilfe. Gar mancher mag noch dem WTG-Bankrott mit 1975 seinen Weg auf diese Weise fortsetzen. "bis das Vollkommene gekommen sein wird". 1. Kor. 13:10. Es besteht jedoch der Eindruck, daß gerade in dieser Frage auf allen Seiten noch zu viel verschüttet ist. Es hilft aber nichts, Jesus hat den Jüngern auch dies gelehrt, das wirkliche Leben zeigt es uns entsprechend.
Indeß ist jeder in den freien
christlichen Gemeinden herzlich willkommen. Dieses versichern alle ihren Angehörigen und
Ältesten. Sie würden sich alle freuen, wieder gemeinsam die alten vertrauten Lieder zu
singen, und sich gemeinsam in jenem Glauben, in jener Hoffnung und in jener Liebe
aufzuerbauen, die uns ein für allemal überliefert sind.
P.
DIE WTG UND IHR 1975-ENDE IN
EVANGELISCHER SICHT
von Friedrich-Wilhelm Haack, BRD
Ob die Welt untergeht oder nicht, ist für viele keine
sonderlich aufregende Frage. Man plagt sich mit den täglich anfallenden Sorgen sowieso
genügend. Die "Evangeliumsverkünder" der Zeugen Jehovas merken an den
Haustüren oft genug, daß sie zu diesen alltäglichen Plagen gerechnet werden. Ihre
Botschaft vom demnächst stattfindenden Ende kauft nur allzu selten jemand ab. Meist
reicht der hingehaltene Wachtturm, um die Tür zufallen zu lassen. Draußen vor der
Haustür wird sich der abgewiesene Wachtturm-Missionar dann eine kurze Notiz auf seinem
"Haus-zu-Haus"-Zettel machen und in sein kleines Büchlein eintragen: "Will
nichts von J. Z. wissen". Vielleicht schiebt er dann noch einen älteren Wachtturm in
den Briefkasten. Bezahlt hat er ihn in der Versammlung sowieso und auf diese Weise kann er
wenigstens eine verteilte Schrift mehr in seinen Wochenbericht eintragen. Bei zu wenig
Aktivität wird der Versammlungsdiener oder sonst jemand aus der Leitung ungehalten.
Sektenmissionare haben es schwer. Sie gehen von Haus zu Haus und haben nur äußerst geringe Erfolge, Mancher tröstet sich mit dem Gedanken: "Ich habe wenigstens meine Pflicht erfüllt". Daß das Ende unausweichlich nahe herbeigekommen ist, gehört zu den Lehren fast aller Sekten der Neuzeit. Zeugen Jehovas, Neuapostolische und Pfingstler, Zeltprediger und Jesus-People-Missionare treten mit dieser Botschaft auf. Sie empfangen von ihr sogar die Beauftragung für ihren Dienst. Häufig werden ihnen fehlgeschlagene Endzeitprognosen vorgehalten. In der Tat dürfte kaum ein Jahr in der Menschheitsgeschichte vergangen sein, für das nicht irgendwo das "Ende der Welt" vorausgesagt worden wäre. Jubiläen, wie das Jahr 1000, das Jahr 1500 und die Wende zum dritten Jahrtausend lassen die Zahl der Endprophezeiungen erheblich anschwellen. Die spektakulärste und folgenschwerste Endzeitverkündigung der Neuzeit dürfte die für das Jahr 1844 gewesen sein. Zehntausende hatten sich in Amerika auf Weltende und Wiederkunft Christi eingestellt. Als der Stichtag 21. März .1841 ohne das erhoffte Ereignis vorüberging, vertröstete, sich um ein halbes Jahr, eingedenk des biblischen Wortes: "Der Bräutigam verzog bis Mitternacht".
Wir sind nur noch wenige Tage von diesem Ereignis entfernt. 0 schrecklicher Augenblick für diejenigen, die unvorbereitet sind - aber ein herrlicher für die, die bereitet sind", hieß es noch am 3. Oktober 1844 in einer Zeitung. Es wurde ein schrecklicher Tag für die, die gewartet hatten. Spott und Verachtung ergossen sich über sie. Ein Chronist berichtet danach: "Sie hatten sich beraten und gebetet mit ihren Verwandten, hatten Abschied genommen von denjenigen, die Gott noch nicht ihr Herz gegeben hatten. Sie hatten sich von allem Irdischen verabschiedet mit einer Feierlichkeit, die nur derjenige empfindet, der im Begriff steht. dem Richter des Weltalls gegenüberzutreten. So vorbereitet versammelten sie sich in beinahe atemloser Stille in ihren Gebetshäusern voller Erwartung, jeden Augenblick die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes zu hören und den Himmel erleuchtet zu sehen von der Herrlichkeit ihres kommenden Königs".
Es ist eine Szene, wie sie vergleichbar wohl kaum zu finden ist. Vielleicht warten Kinder so auf ihre Mutter, die lange fortgewesen war. "Langsam verstrichen die Stunden, und als endlich die Sonne am westlichen Horizont sank, da war der zehnte Tag des siebenten Monats (dieses Wartens) zu Ende. Die Schatten der Nacht breiteten sich wie ein Leichentuch über die Welt und mit ihnen drang ein Schmerz in die Herzen der Adventgläubigen".
Das Debakel von 1844 hat trotzdem kein Ende der Endzeitberechnungen gebracht. Russell, der Gründer der Zeugen Jehovas, erklärte 1844 einfach zur Fehlberechnung. Er gibt andere Termine an. Zuerst hatte er sich einer Gruppe verschrieben, die Endzeittermine für 1873. 1874 und wohl auch 1876 angesetzt hatte. Russell übernimmt das Jahr 1874 und setzt die Wiederkunft Christi als "unsichtbar geschehen" voraus. Ein Trick, der auch mit dem Jahre 1844 nachträglich probiert worden war. Schließlich legte er sich auf 1914 als endgültigen Termin fest, verschiebt ihn aber noch einmal. Sein Nachfolger Rutherford probiert es mit 1921, 1925 und 1980. Der dritte Präsident der Zeugen Jehovas wird dann 1975 als Endzeitdatum ankündigen.
Heute ist man bei den Zeugen Jehovas sicher: "1975 wird etwas geschehen". Auch wenn die oberste Leitung der Sekte im Moment sehr zurückhaltend mit genauen Berechnungen ist, lebt dieser Termin doch im Glauben der Wachtturmverkündiger, die mit ihren Zeitschriften Tag für Tag von Haus zu Haus gehen. Ohne diese Erwartung würden sie den schweren und häufig enttäuschenden Dienst gar nicht aushalten.
Kirchenchristen wundern sich oft, wenn andere ihre Glaubenshoffnungen so verzweifelt an ein Endzeitdatum binden können. Jahrzehntelang hatte man bei den Neuapostolischen die Wiederkunft Christi zu Lebzeiten des letzten Stammapostels J. G. Bischoff vorausgesagt. Als er 1960 starb, gab es zwar kurze Zeit Unruhe unter den Gläubigen, bald jedoch vertraute man auf den neuen Stammapostel, daß er die Herde "ins gelobte Land führen werde".
Die Bibel verwehrt den Glauben an einen bestimmten Termin der Wiederkunft. Jesus Christus selbst weist einmal seine Jünger zurück: ."Es gebührt euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde". Der Christ soll so leben, daß er ständig mit der Wiederkunft Christi rechnet, aber auch die Verantwortung für dieses Leben dabei nicht aufgibt. Eine schöne, wenn auch erfundene Geschichte berichtet, Martin Luther habe einmal gesagt: "Und wenn ich wüßte, daß morgen die Weit untergeht, so würde ich doch heute noch ein Bäumchen pflanzen". Genauso versteht sich die christliche Endzeiterwartung. Den Verkündigern von "demnächst, ganz bald, in absehbarer Zeit" kommenden Endzeiten dürfen wir einfach diese Haltung entgegensetzen. Ihre Berechnungen sind gut gemeint, aber vergeblich. - (Aus: Weg und Wahrheit, 27. 1. 1974, Frankfurt/M.)
Es gehört zur vielseitigen Widerspiegelung der gegenwärtigen Konfliktlage der WTG und Zeugen Jehovas, in CV auch die evangelische Sicht zur Sache zu unterbreiten. Muß die 1844-Schilderung nicht sehr nachdenklich stimmen, was 1975 betrifft? Vielleicht wäre jedoch dem Verstehen besser gedient, wenn "das Elend des Sektenbegriffes" beachtet worden wäre, wie es z. B. in den Nachrichten und Kommentaren Nr. 16 vom April 1973 des Konfessionskundlichen Arbeits- und Forschungswerkes in der DDR, Dr. Reinhold Pietz. Berlin, empfohlen wird. - CV
MITTEILUNGEN
Zusammenkunft CV/DDR - Swit/Polen
Im Juni 1974 fand eine Zusammenkunft statt zwischen der
CV-Leitung und der Leitung von SWIT, einer Gemeinschaft der freien Bibelforscher in Polen.
Die Gespräche dienten dem gegenseitigem Kennenlernen in Fragen der Organisation und des
Glaubens, in Unterschied und Gemeinsamkeit und der Erörterung von Fragen, die sich aus
dem Fehlschlag mit der 1975-Endzeitverkündigung der WTG für Jehovas Zeugen und alle
diejenigen ergeben, die berufen sind, "ein Wort zur rechten Zeit" zu sagen. Spr.
15:23.
Zusammenkünfte freier
Christengemeinden
Freie Christengemeinde 806 Dresden, Robert-Blum-Straße 6,
(Adventgemeinde), Sonntags, Mai-Sept. 9.00-10.30 Uhr, Okt.-April 14.30-16.00 Uhr
Freie Christengemeinde 705 Leipzig, Witzgallstraße 10,
(Jugendzimmer St. Laurentiuskirche), Sonnabends, 14.00-16.00 Uhr
Freie Christengemeinde Karl-Marx-Stadt, Gießerstraße 36,
(Jugendzimmer St. Josephskirche), Sonnabends, 13.30-15.30 Uhr
"Wie schön und lieblich ist's, wenn Brüder in
Eintracht beisammen sind". Ps. 133:1. Jehovas Zeugen sind herzlich willkommen.
Wenn das alles so ist, wie dann weiter?
ZUM INHALT DIESER AUSGABE
Wenn der "Feigenbaum" nun nicht
"blüht" (Jahrestext 1974), und sich die Endzeithoffnung des WT wieder als
Fehlschlag erweist, was dann? Wie weiter?
Zunächst beginnt ein unvermeidlicher Umdenkungsprozeß,
wenn man ehrlich und aufrichtig vor sich selbst bleiben will, abgesehen von aller anderen
Verantwortung. Weg von aller Intoleranz, Unduldsamkeit und Rechthaberei, allein "in
der Wahrheit" zu sein. Natürlich kann man nicht in bloßer Verneinung, Antihaltung,
Nichtzustimmung oder Gegnerschaft zu dem leben, was haltlos ist. Doch dieses Nein zu
bestimmten WT-Lehren ist jetzt unvermeidlich, wenn es weiter ein annehmbares christliches
Ja geben soll. Die WTG hat uns mit ihrer Endzeitfehlorientierung inmitten dieser sozialen
Umbruchszeit in religiöser und politischer Hinsicht diese Entscheidung aufgezwungen. So
kann niemand davor bewahrt bleiben, den Tatsachen früher oder später ins Auge zu
schauen. Je eher, desto besser. Es hilft nicht, die Dinge vor sich herzuschieben.
Was gibt es für Alternativen? Wir müssen grundsätzlich davon ausgehen. daß der schriftgemäße Maßstab vor allem auf Herz und Beweggründe ausgerichtet ist, nicht auf äußere Formen. Das heißt, wir müssen lernen, grundsätzlich auch andere Formen der Anbetung des einen Gottes und der Nachfolge des einen Christus gelten zu lassen, wenn es in Aufrichtigkeit geschieht, was für ein unvollkommenes und somit fehlerhaftes Stückwerk dies in unseren Augen zunächst auch sei. Denn Gott will nicht, "daß alle Arten von Menschen", sondern daß alle Menschen gerettet werden. 1. Tim. 2:4. Lies den Nachweis dieser WTG-NW-Textverfälschung und seiner Konsequenzen nach "The Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures" in der nächsten CV-Ausgabe! Allen Aufrichtigen ist Gelingen verheißen. Spr. 2:7 Wer wollte da auch nur abschwächen? Der laufend fehlschlagende WT-Endzeitlehren-Maßstab kann nirgends angelegt werden, wo in anderer Form aufrichtige Nachfolge und Anbetung geschieht.
So ergeben sich auf Grund WT-Endzeithaltlosigkeiten folgende erste Möglichkeiten und Aufgaben, einerseits vor allem für die verantwortlichen Ältesten aller Ebenen, wie andererseits als Weg und Ausweg, bis einmal "das Vollkommene erschienen ist", 1. Kor. 13:10.
In den Versammlungen sind alle Verantwortlichen und Ältesten schriftgemäß ermächtigt, furchtlos und entschlossen die Initiative zu ergreifen, um die Veränderungen durchzusetzen, die jetzt religiös und anderweitig erforderlich sind, wenn sich der WT-Endzeitfehlschlag mit 1975 auszuwirken beginnt. Es muß hier in voller schriftgemäßer Mündigkeit und Urteilskraft gehandelt werden, wie es in 1. Kor. 13:11 und 14:20 geboten ist. Das heißt, die Bevormundung durch die "Mutter" ist schriftwidrig, besonders die Ältesten müssen aus der bisherigen "kindlichen Unmündigkeit" heraustreten, um die Versammlungen aus der schriftwidrigen "List" bzw. Untergrundtätigkeit herauszuführen. 2. Kor. 4:2 NW. Die Darlegungen über "Brot", Märtyrertum und Konfliktlage des Werkes in dieser CV-Ausgabe geben weitere wichtige Hinweise hierfür. Die WTG muß wieder zurückgedrängt werden auf ihre Funktion als Verlagsorganisation, die allein das herzustellen hat, was die Ältesten der Versammlungen in ihrer unabdingbaren Verantwortung vor Gott und Menschen "für die Herde Gottes" als schriftgemäß richtig erachten. Was darüber hinausgeht, muß zurückgewiesen werden. 1. Kor. 4:6.
Andere mögen sich nicht zu solcher Aufgabe inmitten dieser Umbruchszeit berufen fühlen. Schließlich kann die WTG Sanktionen ergreifen, die große Standfestigkeit und Flexibilität erfordern. So müssen wir gelten lassen, wenn viele von den jetzigen WT-Abwegen wieder zurückkehren zu den Brüdern und Schwestern, die den Weg "in der ersten Liebe" fortsetzen, nachdem sie einst zu Unrecht als angebliche "böse Knechte" geschlagen und vertrieben wurden. Der Bericht über die Freien Christengemeinden in dieser CV-Ausgabe kann da helfen.
Wir müssen es sogar gelten lassen, wenn gar mancher angesichts des WT-Endzeitfehlschlages wieder zu jenen Formen der Anbetung katholischer, evangelischer oder freikirchlicher Art zurückkehrt, aus denen er einst kam, wie stückhaft sie auch seien. Überall, "wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen", sagte Jesus. Matth. 18:20. Laßt uns zuerst das schriftgemäße Gemeinsame aller Formen christlicher Anbetung sehen. Es gibt dazu keine Alternative angesichts der irdischen WT-Fehlhoffnung.
Schließlich können wir es auch nicht ändern, wenn hier und da infolge des WT-Fehlschlags jede weitere religiöse Hoffnung aufgegeben wird. Das kann die Folge sein, wo die WTG durch ihre irdische Fehlorientierung ' jeden darüber hinausgehenden Glauben zerstört hat. Wir haben aber das Wort, daß selbst solchen "das vom Gesetz Gottes gebotene Tun ins Herz geschrieben" sein kann. Rö. 2:14. 15. Darum sollten wir gerade ihre Kritik sorgfältig beachten und durch sie unser Gewissen schärfen lassen. Wir sollten im Sinne der Liebesgebote in 1. Kor. 13 herzlich mit allen verbunden bleiben, soweit es an uns liegt, denn wir können die Zukunft nicht voraussagen.
In allem aber betrachtet CV als sehr
zeitgemäße Hilfe, legt es überall auf den Tisch, wo darin jemand angesprochen ist.
Macht andere damit bekannt, die es noch nicht kennen. CV ist die einzige solcherart
informierende Schrift inmitten dieser Umbruchs- und Entscheidungszeit, die jetzt
herbeigekommen ist.
Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche
Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung.
Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Böttchergasse 1. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M
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Kto.-Nr: 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera
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