Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 27

Das Thema Nichtbeteiligung an den Wahlen durch Jehovas Zeugen, brannte den Kommunisten und vor ihnen schon den Nazis, erheblich unter den Nägeln. Während letztere in ihrer Presse dazu auch einige Polemiken starteten, waren die Kommunisten, auf dem ersten oberflächlichen Blick gesehen, diesbezüglich scheinbar etwas zurückhaltender. Wähnten sie doch ohnehin "99 %" im Kasten zu haben. Und diesen schönen Schein wollte man sich nicht unbedingt durch öffentliche Pressepolemiken selbst zerstören.

Indes in ihrem Blatt "Christliche Verantwortung" kommt ihr diesbezüglicher Frost dennoch mal zum Vorschein. So auch in dieser CV-Ausgabe.

Man kann darüber rätseln, ob der betreffende mit ""W. R." gezeichnete Artikel wirklich einen echten Verfasser hat. Oder aber ob er nicht vielmehr als gestellt betrachtet werden muss. Die darin enthaltene Diktion erinnert mich doch zu sehr an die der sprichwörtlichen "Lieschen Müller vom Lande".

Wie auch immer. Selbst wenn dieser Artikel gestellt sein sollte, so bringt er dennoch durchaus glaubhaft die Problematik auf den Punkt, wie Jehovas Zeugen mit sogenannten "Neutralitätsverletzern" umzuspringen belieben. Eigene, Individualentscheidungen, sind in dieser Organisation grundsätzlich nicht erlaubt.

 


CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Konto-Nr. 4564-49-20156 Bank für Handel und Gewerbe 65 Gera Straße des 7. Oktober

Nr. 27 Gera Oktober 1969

CV - ihr Zweck
Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Ein arbeitsreiches Jahr für Jehovas Zeugen!
Bericht aus dem Jahrbuch 1969
Liebe Brüder und Schwestern!
Mit dieser Überschrift veröffentlicht die Organisation der Zeugen Jehovas ihre Tätigkeit in 200 Ländern. Der Text dazu lautet: "Gutes zu tun und die Dinge mit anderen zu teilen, denn solche Schlachtopfer sind Gott wohlgefällig." (Hebr. 13:16). Jehovas Zeugen haben ihre Verpflichtungen nicht vergessen und sie möchten anderen helfen, ihre Verpflichtungen ebenfalls zu erkennen. Voran denn mit dem weltweiten Werk der Verkündigung der guten Botschaft!' (Luk. 21:28).

Am Verkündigungswerk beteiligten sich 1968 1 155 826 Verkündiger das ist ein Zuwachs gegenüber 1967 von 61 546 oder 5,6 Prozent. Getauft wurden 82 842 Personen. Da nur 61 546 Zuwachs ist, aber 82 842 getaut wurden, fehlen doch 21 296 Verkündiger gegenüber dem Vorjahr. Mithin sind diese 21 296 Verkündiger aus den Reihen der WTG ausgeschieden oder ausgeschlossen worden, Die Summe der Enttäuschten hat sich um die 21 000 erhöht, wenn wir 296 Todesfälle rechnen. Dazu berichtet das Jahrbuch leider nichts, es wäre aber gut, wenn dies berichtet würde, um ein genaues Bild zu haben.

Interessant ist auch, zu wissen, daß in 18 Ländern ein Rückgang der Verkündigerzahl von 1-64 Prozent zu verzeichnen ist. In 17 Ländern kein Zuwachs. Versammlungen auf der ganz Erde ein plus von 203 Versammlungen gegenüber 1967.

Am Gedächtnismahl waren anwesend 2 493 519 Personen. Symbole nahmen 10 619, das ist der noch lebende Überrest auf Erden. Im Vorjahr waren es noch 10 981 Personen.

Wenn 1 155 826 Verkündiger mit 63 871 Pionieren 208 606 762 Stunden insgesamt geleistet haben, so hört sich dies viel an, auf den einzelnen umgerechnet kommen nicht einmal 20 Stunden monatlich heraus, denn die Pioniere haben ja den größeren Stundenanteil zu tragen. Nachbesuche sind es ca. acht, pro Verkündiger und Heimbuchstudien rund 0,97, pro Verkündiger, also nicht ganz ein Heimbuchstudium pro Verkündiger.

Literaturumsatz im Jahre 1968
In der Druckerei in Brooklyn wurden hergestellt und verkauft: 12 130 996 Bibeln und Bücher, rechnen wir pro Stück 0,50 M Verdienst, so ergibt das einen Reinverdienst von 6 065 498 Mark. 17 170 289 Broschüren, Verdienst pro Stück 0,10 M, ergibt 1 717 028,90 M. An Wachttürmen und Erwachet wurden hergestellt und verkauf t: 169 149 350, ergibt bei 0,10 M Verdienst 16 914 935 Mark. Neue Abonnenten waren es 1 974 923 für WT und Erwachet, ergibt 197492,30 M. Sonstige Drucksachen wurden in Brooklyn hergestellt 12 965 097 Stück, rechnen wir auch mit 0,10 M Verdienst, ergibt 1 296 509,70 Mark. Ergibt zusammen: 26 090 463,90 Mark. Das ist, nur Brooklyn. Da Zahlenangaben für die anderen Druckereien fehlen, da ist es wohl niedrig eingesetzt, wenn wir hier nur 10 000 000 an Reinverdienst einsetzen. Die WT-Druckerei berichtet, daß die "Wahrheitsbücher" gehen wie Düsenmaschinen, sie sind einfach nicht aufzuhalten. "Die Wahrheit, die zum ewigen Leben führt", von diesem Buche wurden innerhalb drei Monaten von Juni bis 20. September drei Millionen Stück verkauft. Mithin sind die 10 Millionen sehr niedrig gehalten. Zusammen ergibt dies aus Literatur 36 090 463,90 Mark Verdienst.

Was bringen die Versammlungen an Gute Hoffnung'?
Es sind jetzt 25 409 Versammlungen auf der Erde. Rechnen wir wieder pro Versammlung 100 Mark monatlich, ergibt das eine Summe von 30 490 800 Mark monatlich. Beachten wir dabei, daß bei den "Guten Hoffnungsgeldern" keinerlei Unkosten entstehen, jedoch auch, das im allgemeinen die Versammlungen viel höhere Beiträge spenden, so daß der Betrag sehr niedrig bemessen ist. (Siehe CV Nr. 17, 18 und 19). Rechnen wir dazu noch die Einzelverpflichtungen der Verkündiger, welche mit 10 000 Spendern nicht zu hoch gegriffen sein dürfte und pro Verpflichtung 100 Mark bringen könnte, ergibt dies wiederum eine Summe von 1 000 000 Mark. Nehmen wir die Summen des Vorjahres wieder für die Bezirksversammlungen aus den freiwilligen Spenden, ergibt das wiederum eine Summe von 1 000 000 Mark ohne Unkosten, für die Kasse der WTG. Setzen wir für die Kreisversammlungen dann noch 600 000 Mark ein, trotz gesteigerter Mitgliederzahl, ergibt dies zusammen einen Betrag von 1 600 000 Mark aus Bezirks- und Kreisversammlungen. Dazu kommen nun noch die Weltkongresse von je vier Tagen, die viel Geld bringen, denn man hat auch gleichzeitig die Verpflegung der Teilnehmer in eigene Regie genommen, um guten Gewinn zu erzielen. Hier dürften 5 000 000 Mark nach Abzug aller Unkosten auch nicht zu hoch gegriffen sein.

Das Gesamtresultat wäre:
36 090 463,90 M aus Literatur
30 490 800,00 M Einnahme aus Guter Hoffnung
1 000 000,00 M aus freiwilliger Verpflichtung für G. H.
1 00 000,00 M Gute Hoffnungsspende aus Bezirksversammlungen
600 000,00 M Gute Hoffnungsspende aus Kreisversammlungen
5 000 000,00 M Gute Hoffnung aus Weltkongressen
74 181 263,90 M. Das sind täglich bei 365 Tagen rund 203 200 M nur bei diesem Jahresverdienst.

Dazu kommen noch die Zinsen aus den bereits angelegten Kapital und Erträge aus sonstigen Besitztümern der Gesellschaft, wie Farmen, Industrieanlagen usw.

Dazu wird berichtet. Die Gesellschaft besitzt drei Farmen. Die Königreichsfarm mit 302 ha, davon wurden 102 ha im vergangenen Jahr verkauft, so daß noch 200 ha in ihrem Besitz bleiben. Diese 200 ha oder mehr sollen zur Viehzucht und Nahrungsmittelerzeugung genutzt werden. Dann ist die Wachtturmfarm, ungefähr 160 km von New York entfernt mit 600 ha. Hier werden neue Gebäude errichtet, um die Farm auszubauen zur Erzeugung von Nahrungsmitteln für das Bethel. Ein großes Wohnheim für 85 Personen ist bereits fertig. Darin befindet sich auch ein Königreichssaal, ein Speisesaal, Küche und Wäscherei. Im Erdgeschoß befindet sich eine große Abteilung zur Herstellung von Konserven und eine Tiefkühlabteilung sowie auch eine Molkereiausstattung zur Herstellung von Butter und Käse. Weiter sind Lagerräume für Wurzelgemüse, Kartoffeln; Zwiebeln usw. vorhanden. Es ist an alles gedacht, was Nutzen bringt für das investierte Kapital.

Außerdem werden gebaut große Hühnerhäuser für die Geflügelzucht, Schweineställe, eine große Getreidemühle und ein Schlachthaus. Hier sollen die Schlachttiere gleich an Ort und Stelle geschlachtet und verwertet werden. Vom Erzeuger bis zum Verbraucher ist alles in einer Hand, in der Hand der Gesellschaft, ausgebaut wie ein Konzern.

Da ist aber noch die dritte Farin, die Bergfarm. Sie dient dem Obstbau, wie Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Weintrauben usw. Der Rest wird für Gartenerzeugnisse verwendet. Auch hier wird alles vom Erzeuger bis zum Verbraucher für die WTG genutzt. Auf diesen drei Farmen sind etwa 70 Brüder und Schwestern beschäftigt mit einem Monatsgehalt von 14 Dollar und Verpflegung. Sie kümmern sich um die Tiere, die Gartenarbeit und die Nahrungsmittel, die nötig sind, um die 1 100 Personen im Bethel zu versorgen. Über die ganze Welt verstreut gibt es 95 Bethelfamilien Einige sind klein, 2-3 Glieder, in einigen sind 125 Bethelglieder, in der ganzen Welt gibt es 1 800 Personen, die die Bethelfamilie bilden, es ist die größte der Welt.

Nach diesem Überblick über den Besitz der WTG und den erzielten Gewinn aus Grund Boden mit sehr billigen Arbeitskräften und das Kapital, was darin investiert ist, was der Gesellschaft geschenkt wurde durch Spenden usw., kann man schnell und mühelos reich werden. Es dürfte aus diesen Besitztümern ein Reingewinn von 30 Millionen nicht zu hoch gegriffen sein, da ja keine Zinsen für Kapital zu entrichten sind, im Gegenteil als Einnahme verbucht werden können. Somit kann die Gesellschaft jährlich mit einer Einnahme von mindestens 100 Millionen bestimmt rechnen. Sie wird oft Sorgen haben, es gewinnbringend anzulegen, deshalb die vielen Neubauten und Neueinrichtungen im Bethel, trotz der Nähe von Harmagedon nach ihren Darlegungen. Muß man sich da nicht die Frage stellen, glaubt die Leitung selbst an das nahe Ende?

Wäre es nicht gut, dies Geld für die bedürftigen Brüder und Schwestern zu verwenden, als irgendwie zu investieren Wieviel Gutes könnte man damit tun. Aber daran denkt die Leitung gar nicht, sondern nur an Gewinn. Dabei versucht sie alles noch so hinzustellen, als sei alles für Jehova getan. "Bethel" sagt sie, bedeutet "Haus Gottes" Welch ein großes Vorrecht wir doch haben, den Brüdern in der ganzen Welt zu dienen!

Dienen sie den Brüdern oder dem Mammon? Was tun sie für die Brüder? Literatur verkaufen, woran sie verdienen, die Brüder auffordern, Literatur zu verkaufen für die Leitung und ihnen dann sagen, das hast du für Jehova getan Solche Handlungsweise ist weder christlich noch brüderlich Die Schrift sagt:

"Wer aber der Welt Güter hat und sieht seinen Bruder leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm" (l. Joh. 3:17). Wieviel Gutes könnte mit diesen Millionen unter den Brüdern, die in Notlage, krank oder gebrechlich sind, getan werden, aber nichts geschieht, im Gegenteil, man will noch von ihnen haben.

"Wer ist tatsächlich der Mensch unter euch, den sein Sohn um Brot bittet - er wird ihm doch nicht etwa einen Stein reichen? Darum, wenn ihr, obwohl ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, um wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, denen Gutes geben, die ihn bitten?" (Matth. 7.9, 11). Warum können andere Christengemeinschaften mit den Spendengeldern die Bedürftigkeit durch Liebe lindern? Doch nicht etwa weil sie nach den Begriffen der WTG-Leitung dem Teufel dienen? Ist es da nicht eher möglich anzunehmen, daß die reiche WTG-Leitung diesem Widersacher dient? "Wahrlich, ich sage euch: In dem Maße, wie ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan". (Matth. 25:40).

Abschließend wäre noch zu sagen, daß die Verkündigungsfreude der Brüder und Schwestern anzuerkennen ist, wenn sie wirklich glaubt, es für Jehova getan zu haben. Es wäre nun nötig zu prüfen, ob dem wirklich so ist, oder ob sie doch damit Menschen gedient haben.

Was ist die Watch Tower Society?
Darüber berichtet das Jahrbuch 1969 auf Seite 50-52:
"Die Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania leitet die Tätigkeit der Zeugen Jehovas weltweit. Mit der pennsylvanischen Körperschaft arbeitet auch die Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc. zusammen. Ihre Satzung lautet ähnlich. Auch gibt es die international Bible Students Association of England. Noch eine Vereinigung besteht in Kanada und es gibt in verschiedenen Teilen der Welt eine Anzahl weiterer Bibelgemeinschaften, die ähnliche Satzungen haben, wie die Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania.

Eine Anzahl von Körperschaften wie z. B. die WTBTS of New York, Inc. besitzen große Druckereien. Dort veröffentlichen sie Literatur, die die Erklärung biblischer Wahrheiten enthält. Weitere Druckereien sind in Deutschland, Schweden, Dänemark, Finnland, Schweiz, Südafrika, Australien und einigen anderen Orten. Hier werden Bücher und Zeitschriften gedruckt, die von Jehovas Zeugen beim Predigen der guten Botschaft vom Königreich Gottes verwandt werden."

Diese Darlegung der WTG-Leitung mit drei Körperschaften durfte jedem wohl klar zeigen, daß dabei nichts "Göttliches" zu finden ist, sondern eine rein menschliche Einrichtung ist, welche nach weltlichen Grundsätzen aufgebaut ist und nach solchen erweitert wird. Wie bei allen Geschäftsunternehrnen ist man natürlich bemüht, mit billigem Kapital Nutzen zu erzielen.

Dies dürfte auch erklären, warum die Gesellschaft nicht bereit ist, Alten, Kranken und Gebrechlichen zu helfen, denn sie ist nur geschäftsmäßig mit den Zeugen Jehovas verbunden, aber nicht in liebender, brüderlicher Verbundenheit.

Sie hat satzungsmäßig keinerlei Verpflichtung, Wohlfahrt der Zeugen Jehovas zu fördern, wie es auch Marley Cole bestätigt in seinem Buch.
Möchte auch dieser Bericht viele Brüder zum Nachdenken bringen und mögen sie hierbei prüfen, wem sie in Wirklichkeit dienen.
In christlicher Verbundenheit grüßt Euch mit Psalm 49:5; 6,
Bruder Willy Müller,
65 Gera, Lutherstraße Nr. 16 und Mitverbundene

Einheit in der Verschiedenheit, ist dies für einen Christen möglich?
Die Bibel leitet uns zur selbstlosen Liebe an. Römer 15:5-13 dürfte uns hier ganz besonders Richtlinien geben. Obwohl es unter den Christen Unterschiede gibt die zur Zeit nicht aufgegeben werden können, in bezug auf Glaubensauffassungen, so sollte es unter ihnen deshalb keine Spaltungen geben. Paulus mahnt uns in fast allen seinen Briefen zur Einheit. Demnach muß es eine Einheit über unsere verschiedenen religiösen Auffassungen, Standpunkte und Gegensätze geben. Diese gibt es "in Jesus Christus". Alle Unterschiede dürfen und können es nicht verhindern, daß alle gemeinsam Gott für die Gabe danken, die sie mit Jesus Christus empfangen haben. Im gemeinsamen Lob Gottes, kann die gefährdete Einheit immer wieder gefunden werden. jedoch muß sich im gemeinsamen Lob Gottes dies auch immer wieder als Einheit beweisen. Sollte dies nicht mehr möglich sein, gemeinsam Gott zu loben und zu danken, dann allerdings ist dies zu einem großen Unterschied geworden, der zur gefährlichen Spaltung führt. Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, die zur Einheit führen kann, nämlich, das Einander-Annehmen in der Verschiedenheit. Dies lehrt uns Christus. Er hat uns als der Reine als die Sünder angenommen. Dieses Einander-Annehmen in der Verschiedenheit ist die Liebe, die rechte, die Christusliebe. Die natürliche Liebe nimmt nur das gleiche an, sie nimmt die an, die einen sympathisch und angenehm sind. Das Beispiel Christi zeigt das Umgekehrte. Er nahm sich all derer an, die ihn verfolgten, die ihm widersprachen und ihn verkannten. Ich setze voraus, daß darauf wohl der Glaube. der Christen aufgebaut ist. Möchten wir uns dieses großen Beispiels des Annehmens erinnern und dies Verhalten Christi uns zur Norm hinstellen Einander annehmen in aller Verschiedenheit, ja sogar in allen Gegensätzen, das ist das Wesen der Liebe, die die Einheit der Christen garantiert. Die Liebe, in der Gott geehrt wird, und die Einheit, die zum gemeinsamen Lob Gottes notwendig ist.

Jesus hat beide angenommen, die Juden und die Heiden. Er wurde zunächst ein Diener der Beschnittenen, der Judenschaft.
In ihren Synagogen hat er das Gesetz ausgelegt, ihre Vorschriften hat er gehalten, seinem Volk galt zunächst und fast allein sein unmittelbarer Dienst. jedoch dies geschah in einem menschheitlichen Erlösungswerk, in dem die Verheißungen Gottes für alle Völker sich erfüllen. Das Heil ist, wie das Johannesevangelium sagt, aus den Juden, aber es ist für die ganze Welt.

Der Gegensatz von Juden und Heiden ist in Christus aufgehoben Er selbst hat ihn aufgehoben und hat darin die Hoffnung der Väter, die Weissagungen der Propheten erfüllt Wie Christus diesen Gegensatz aufgehoben hat, so sollte unter Christen aller Gegensatz verschwinden, wenn auch Unterschiede bestehen bleiben. Im gegenseitigem Sich-Annehmen verlieren sie ihre trennende Kraft. Im Blick auf das große Völkerziel Gottes sollen sie ungefährlich werden. Um diese christliche Einheit zu verwirklichen, ist nötig:

1. Der Glaube, der auf das Werk des Christus als den Grund des Heils schaut.
2. Die Hoffnung, die auf das Ziel der Vollendung blickt, das im Christuswerk aufleuchtet.
3. Die Liebe, in der sich das Einander-Annehmen vollzieht Freude, Friede, Liebe und Hoffnung seien die Begleiter bis zur Vollendung.

Mit diesem Artikel möchte ich mich im besonderen an die Leitung der Organisation der Zeugen Jehovas wenden. Sie sind bis dato wohl die einzigen, die da glauben, die christliche Einheit nicht verwirklichen zu können Sie sind bemüht, alle Andersgläubigen und Andersdenkende als dem "Teufel" dienend zu bezeichnen, trotzdem sie ihr Wissen aus der gleichen Bibel schöpfen als die Andersdenkenden Der Unterschied besteht wohl nur in der Form der Anbetung und in der Liebe im besonderen. Ihr Verhalten gegenüber ihren andersdenkenden Brüdern ist lieblos und unbiblisch. Würden sie die "Christusliebe" besitzen, wäre ihre Handlungsweise anders.

Möchte dieser Artikel die Brüder und Schwestern in der Organisation zum Nachdenken bringen und die Leitung veranlassen, ihre Auffassung in bezug auf "Christusliebe" einer Prüfung zu unterziehen. Dies ist mein gutgemeinter Rat. B. M.

Aberglaube unter den Zeugen Jehovas
Tatsachenbericht von einem Bruder aus dem Bezirk Dresden
Mit welchen primitiven Mitteln der Aberglaube von seiten leitender Diener in den Versammlungen genährt wird, geht aus diesem Bericht hervor.

Nach dem Verbot der Organisation der ZJ war man trotzdem immer bemüht, solange der Zugang nach Westberlin noch offen war, an den Kongressen dort in der Waldbühne teilzunehmen

Alle Mittel, unauffällig nach dort zu kommen, waren hier recht. In den Versammlungen wurden Berichte bekanntgemacht, wie Jehova alles überwache und es nur an dem einzelnen selbst liege, darauf zu vertrauen. So wurde uns unter anderem folgendes berichtet:

Ein Lastwagen, mit Plane verdeckt, war unterwegs mit Brüdern und Schwestern nach Berlin-West. Am Kontrollpunkt wurde das Auto angehalten. Auf dem Fahrbefehl stand, eine Ladung mit Eisenteilen. Man sah die Eisenteile, aber nicht die Brüder und Schwestern, man durfte passieren, Jehova hatte alles überwalltet und die Beamten mit Blindheit geschlagen.

Primitiver geht's wohl nicht mehr. Leider ist es aber so, daß die Mehrzahl der Brüder und Schwestern solche selbsterfundene Berichte als Tatsache hinnehmen, weil man es gut versteht, dies mit biblischen Berichten zu vergleichen, wie z. B. Rahab (Josua 2) Jona (Jona 1-3) usw. Daß diese Vorgänge mit der heutigen Organisation in gar keinem Zusammenhang stehen, traut sich keiner zu sagen. So wird der Aberglaube gefördert, weil er den Interessen der Leitung dient. Der Glaube an Wunder wird aufrechterhalten unter den Brüdern und Schwestern, denn die "göttliche Organisation" wird beschützt. Im Erfinden von Berichten hat man keine Hemmungen, das zeigt der Bericht des Bruders.

Aber auch in den Vollzugsanstalten benutzte man irgendwelche Ereignisse oder Zufälligkeiten als Zeichen, daß etwas Besonderes bevorstehe. Es war oft wie im Mittelalter, wo man jedem Vogelschrei eine Bedeutung zumaß. Besonders die Kreisdiener waren sehr mit solchen Aberglauben behaftet, dies werden verschiedene Brüder bestätigen, die es erlebten.

Einmal war eine außerordentliche große Waschschüssel schuld an unvorhergesehenen Ereignissen unter den Brüdern Der Kreisdiener meinte, das war das Zeichen für das nun gekommene Übel. Jedoch die Ursache war, das Benehmen und Verhalten des Kreisdieners gegen die Anstaltsleitung So sind viele dem Aberglauben verfallen zum Leidwesen der anderen Brüder, die gesunden Sinnes sind.
Deshalb ist "Wachsein" erforderlich.

Zwölf Jahre meines Lebens
von Gerhard Peters (II. Teil)
Zum Schluß des 1. Teiles:
Gerhard Peters berichtete, wie er auf einer Urlaubsfahrt aus dem Ruhrgebiet in die DDR, Hannelore, die Tochter eines Versammlungsdieners, kennenlernte.

Bei seinem ersten Besuch in der Familie des Mädchens - die ganze Familie gehörte zu den Zeugen Jehovas hatte man ihm, obwohl er noch ein sogenannter "Weltmensch" war, unter anderem schon die Möglichkeit geboten, mit dem Mädchen zu schlafen.

Gerhard Peters liebt seine Hannelore mit reinem und ehrlichem Herzen und als er einige Tage später - er hatte inzwischen seine Eltern besucht - wieder in Oebisfelde eintrifft empfängt ihn diesmal sein Mädel an der Haustür und berichtet ihm schnell zwischen Tür und Angel, daß ihre Mutter alles bemerkt hat und ihr laufend Szenen macht. Weiterhin berichtet sie ihm nun auch, daß sie alle Zeugen Jehovas sind und daß vorehelicher Geschlechtsverkehr in ihren Kreisen eine Todsünde ist. (Hier endete der I. Teil).

Bekanntlich verbietet die Zeugen-Leitung jeden vorehelichen Geschlechtsverkehr unter Verliebten oder Verlobten, indem sie das als Hurerei anprangert. Nun ist es aber so, daß auch unter den Zeugen Jehovas kein Fall bekannt ist, wo irgendein Paar bis zur Hochzeitsnacht sich des Geschlechtsverkehrs enthalten hat. Das Verbot der Zeugenleitung ist deshalb eine erste Verleitung zu religiöser Heuchelei und eine Ursache für viele Liebes- und Ehetragödien.

Heirat
Wahre Liebe überwindet alles, und so war es auch bei mir, nachdem ich diese große Neuigkeit von meiner zukünftigen Frau erfahren hatte. Ich beruhigte sie also erst einmal so gut ich konnte:

"Hannelore, es tut mir leid, daß Du soviel Unannehmlichkeiten erleiden mußtest; aber Du kannst mir glauben, ich habe Dich sehr, sehr lieb und ich werde jetzt gleich mit Deiner Mutter sprechen und ihr meine ehrlichen Absichten darlegen. Den Kopf wird sie mir ja nicht gleich abreißen."

Trotz meiner äußerlichen Ruhe, war mir der nun folgende Gang zur gestrengen Schwiegermutter äußerst peinlich, zumal ich doch nun wußte, welche strengen Gesetze in der WT-Gesellschaft herrschen.

Meine Schwiegermutter war gerade in der Küche tätig, und noch heute kann ich mich noch sehr gut an die Leichenbittermiene erinnern, die sie bei meinem Eintreten aufgesetzt hatte.

"Na, das kann ja gut werden", dachte ich schnell noch, und ich übernahm auch gleich die Initiative, um alles so schnell wie möglich zu einem guten Ende zu bringen.

"Guten Tag, Frau Beich, Hannelore hat mir eben alles erzählt; aber ich kann Ihnen nur versichern, daß ich kein Luftikus bin und von meiner Seite wirklich ernste Absichten bestehen."

Kaum hatte meine Schwiegermutter diese Worte vernommen, da hellte sich ihr Gesicht zusehens auf; denn das entscheidende Wort, auf das sie voller Bangen gewartet hatte, war nun endlich von meiner Seite aus gefallen. Die sogenannte Todsünde spielte nun keine Rolle mehr, wo doch der Fisch nun endgültig angebissen hatte.

Später, als ich selbst ein überzeugter Zeuge Jehovas war, mußte ich noch oft an diese Szene denken, und ich konnte es nie richtig begreifen, daß eine Mutter mit der eigenen Tochter so ein verwerfliches Spiel treiben konnte, zumal man sie noch vorher von seiten ihrer Glaubensbrüder ernsthaft gewarnt hatte, ja keinen Weltmenschen in ihre Familie aufzunehmen; aber dies verschwieg man mir wohlweislich, und man erzählte mir stattdessen nur, daß sie zu dem auserwählten Volk gehören, das von Jehova dazu auserwählt wurde, um ewig in Glück und Frieden auf dieser Welt zu leben.

Selbstverständlich klangen mir diese Voraussagen vom "ewigen Schlaraffenland" zuerst ein wenig phantastisch; aber was mich damals sofort fasziniert hat, waren die Berichte von den Brüdern, die während der Nazizeit getreu dem Gebot "Du sollst nicht töten", jeglichen Wehrdienst abgelehnt haben, und für diese Überzeugung, ohne mit der Wimper zu zucken, in den Tod oder ins KZ gegangen sind. Kurz und gut gesagt, alles, was ich in jenen Tagen zu hören bekam, erschien mir gut und wahr und sprach mir aus dem Herzen, und ich bin dann auch mit der felsenfesten Überzeugung nach Westdeutschland zurückgefahren, endlich die "Wahrheit" und das "ganze große Glück" gefunden zu haben.

Ende 1951 habe ich meinen Heiratsurlaub genommen, und das grobe Ereignis fand dann am Heilig Abend 1951 statt.

Nach dem Westen
Dieser Urlaub war für mich ein einziger "Siebenter Himmel", und als es am Ende meines Urlaubs ans Abschiednehmen ging, da tröstete ich meine junge Frau mit den Worten: "Hannelore, ich werde alle Hebel in Bewegung setzen, damit ich bald eine Wohnung für uns bekomme, und dann werde ich keinen Tag länger warten, um Dich nachzuholen." Ich versäumte aber auch nicht meine Schwiegermutter darauf hinzuweisen, daß die kommenden zwei Jahre nicht ohne Schwierigkeiten sein werden; denn die Gründung eines Hausstandes während meines Studiums erfordert für uns beide so manchen Verzicht und sehr viel gegenseitiges Verständnis.

"Aber, Gerhard, was glaubst Du wohl, wie verständnisvoll, tatkräftig und lieb Dir unsere Hannelore zur Seite stehen wird; denn Du hast es doch selbst gehört, daß bei uns Zeugen Jehovas jegliches materielle Denken verpönt ist, und unsere Hannelore ist ja so ein liebes und bescheidenes Menschenkind. Sie wird Dir in den nächsten Jahren, auch wenn Schwierigkeiten auftreten, immer eine liebe und treue Frau sein", sagte mir darauf meine Schwiegermutter, und ich war damals auch fest davon überzeugt, daß es so sein wird.

Wie es nun mal bei jungverheirateten Menschen ist - jegliche Trennung ist eine unsagbare Qual, und obwohl ich noch keine Wohnung hatte, entschloß ich mich, meine Frau im Frühjahr 1952 zu mir zu holen. Meine Schwester hatte sich nämlich bereit erklärt, uns solange bei sich aufzunehmen. Außerdem glaubte ich, daß ich, wenn meine Frau nun einmal da war, das Wohnungsamt etwas mehr unter Druck setzen zu können. Es hat dann aber trotzdem noch etwa acht Wochen gedauert, bis unser Wunsch, endlich ein eigenes Heim zu besitzen in Erfüllung ging.

Erste persönliche Konflikte
Bereits in den ersten Wochen stellte sich heraus, daß wir charakterlich doch ganz verschieden waren. Für mich war zum Beispiel jede freie Stunde, die ich nicht in der Dunkelheit unter Tage verbringen brauchte, etwas sehr Kostbares, und es kostete mich immer wieder, Tag für Tag, unendlich viel Überwindung, wenn ich oben auf der Hängebank stand und auf den Korb wartete, der mich in die Tiefe bringen sollte.

Aus diesem Grunde nutzte ich auch jede Gelegenheit zu ausgedehnten Spaziergängen.

Für mich war es ein richtiger Schock, als ich, nachdem meine Frau nun bei mir war, plötzlich erkennen mußte, das sie für die Dinge, die mir einfach ein Bedürfnis waren, und die mir immer wieder neue Kraft gaben, keinerlei Neigung und Verständnis aufbrachte. Immer mehr ließ sie in jenen Tagen durchblicken, daß sich alles nach ihr zu richten hat, und daß auch ich amusisch zu sein habe, wenn sie nun schon mal so veranlagt ist.

Meine Frau war zu jener Zeit gerade 18 Jahre alt geworden und hatte darum auch sehr wenig Erfahrung im Kochen und in der Haushaltsführung. Trotzdem nahm sie keinen Rat von meiner Schwester an, und wenn diese ihr mal etwas zeigen wollte, dann sagte sie nur immer wieder: "Nein, meine Mutti hat das anders gemacht, und für mich ist nun mal nur meine Mutti maßgebend." Damals fing es also schon an mit ihrer "Mutti".

Ja, und dann kam es eines Tages auf ganz harmlose Art und Weise wegen eines Füllhalters zum ersten Ehekrach. Ich hatte ihr nämlich einen Füllhalter geschenkt, damit sie nicht immer meinen nimmt; denn jeder Mensch hat eine andere Schreibhand, und da ist es nicht gut, wenn er immer wieder von anderen Personen benutzt wird. Jedenfalls hatte sie eines Tages ihren Füller mal wieder verlegt und hatte nun meinen benutzt, um einige Briefe zu schreiben. An sich kein Beinbruch, und ich habe ihr auch gar keine ernsthaften Vorhaltungen gemacht. Was mich nur ein wenig in Rage gebracht hat, war, daß sie nicht aufrichtig war und ihre kleine Schwäche, nicht nach ihrem eigenen Füller gesucht zu haben, zugeben wollte. Ich wollte es jedenfalls auf keinen Fall zu einem ernsthaften Streit kommen lassen, und so sagte ich nur noch so nebenbei: Hör mal, wegen dieser Kleinigkeit, brauchst Du mir doch nichts vorzuschwindeln, und Du hättest doch ruhig zugeben können, daß Du Deinen Füller............

Den Satz konnte ich nicht mehr beenden; denn wie von einer Tarantel gestochen bekam meine Frau plötzlich einen wahren Tobsuchtsanfall und schrie, daß es im ganzen Hause zu hören war.

Mir war das natürlich sehr peinlich; aber sie ließ mich einfach nicht mehr zu Worte kommen. Sie benahm sich genau wie ein kleines verzogenes Kind, das Wutkrämpfe bekommt, wenn es seinen Willen nicht durchsetzen kann, und darum konnte ich auch nur lachen, als sie versuchte, auf mich einzuschlagen; aber das brachte sie nur noch mehr außer Rand und Band, und sie warf nun mit allem, was ihr gerade in die Hände fiel, nach mir. Mir blieb nichts anderes mehr übrig, als sie so lange festzuhalten, bis der Anfall vorüber war; denn sie hätte sonst noch sämtliches Geschirr, das auf dem Tisch stand, demoliert.

Später, als sie sich wieder ein wenig beruhigt hatte, habe ich wie ein Vater auf sie eingeredet, und sie tat dann auch so, als wenn sie ihre falsche Handlungsweise eingesehen hat.

Wenig später bekamen wir auf mein Drängen vom Wohnungsamt erst mal ein Zimmer zugewiesen, und als wir es eingerichtet hatten, da waren wir beide richtig glücklich Meine Frau nahm nun auch etwas Anteil an dem, was mich interessierte, und es gab kaum etwas, das wir nicht gemeinsam taten.

Selbstverständlich besuchten wir auch die Buch- und Wachtturmstudien, und langsam aber sicher fing ich immer mehr Feuer von dem, was hier gelehrt wurde, und wenn mir damals jemand prophezeit hätte, das ich eines Tages einmal kritisch über diese Organisation schreiben würde, so hätte ich ihn für einen Irren gehalten. Denn eine Organisation, die den Kriegsdienst ablehnt und noch dazu ein ewiges Leben in Glück und Frieden verheißt, mußte einfach das Ideal sein, nachdem ich mich im Unterbewußtsein so lange gesehnt hatte. Heute ist mir klar, daß diese Organisation die Menschen im Grunde genommen bei ihren bei ihren materiellen und kulturellen Bedürfnissen und Interessen zu packen sucht. Die himmlischen Dinge dabei nimmt man hin und glaubt sie, wie die Organisation sie darstellt; aber die Hauptabsicht ist dabei auf das Irdische gerichtet. Es geht also, genau wie seit eh und je, nur um die "irdische Machtfrage". -

Den letzten sogenannten Schliff bekam ich damals von einem Bruder, namens Theo Dahlmann. Dieser hatte bei uns das Heimbibelstudium übernommen, um besonders mich im Glauben zu fördern. Er war im gleichen Alter wie ich und machte einen sehr netten und gepflegten Eindruck auf mich. Auch musizierte er sehr gern, und so waren wir beide bald ein Herz und eine Seele, und was er in Glaubensdingen sagte, erschien mir gut und einleuchtend.

Eines Tages kam Theo und sagte: "Hör mal, Du hast in letzter Zeit sehr gute Fortschritte gemacht, und es wäre, glaube ich, sehr gut für Dich, wenn Du mal mit in den Felddienst gehst." Ich wollte schon, selbstverständlich, aber zuerst war mir doch ein wenig komisch zumute, so ohne weiteres bei fremden Menschen anzuklopfen, um ihnen von unserem Glauben zu erzählen.

Pünktlich, wie vereinbart, kam er dann auch am kommenden Sonntag vormittag und holte mich ab. Straßen und Hausnummern waren auf den Gebietskarten vorgeschrieben, und so gingen wir dann los. An diesem Sonntagvormittag kriegte ich das erste Mal einen Einblick, was es heißt, in den Felddienst zu gehen. Die meisten Leute, bei denen wir anklopften, klappten uns, kaum daß wir drei Worte gesprochen hatten, die Tür vor der Nase zu. Nur wenige hörten uns also wirklich an, und wenn es uns dann noch gelang, einen Wachtturm abzusetzen, so war die Freude groß. Nach und nach habe ich dann auch mitgekriegt, wie man am besten an die Leute herankommt, und im Grunde genommen waren es dieselben Triks, die jeder andere Vertreter auch anwendet, um seine Ware an den Mann zu bringen.

Bei den Leuten, wo es uns tatsächlich gelang, eine Zeitschrift abzusetzen, notierten wir uns draußen deren Namen, damit der nächste, der dieses Gebiet wieder bearbeiten mußte, gleich wußte, wo er eventuell in bezug auf ein Heimbibelstudium Glück haben könnte. Später, als ich alleine in den Felddienst ging, machte ich immer mehr die Erfahrung, daß die meisten Leute uns nur einen Wachtturm abnahmen, um uns möglichst schnell wieder loszuwerden.

Einmal habe ich den Theo gefragt: "Du, sag mal, warum gehen wir immer wieder zu den Leuten hin, die nichts von uns wissen wollen, das ist doch unnütze Zeit, die wir da vergeudend?" Ich empfand es jedenfalls immer wie eine Demütigung, wenn ich immer wieder wie ein Hausierer an den Türen abgefertigt wurde.

"Ja", sagte Theo, "der Geist Jehovas tut manchmal Wunderdinge, und es ist darum einfach unsere Pflicht, immer wieder zu diesen Menschen hinzugeben, auch wenn sie die Hunde auf uns hetzen würden. Aus einem Saulus ist ja bekanntlich auch eines Tages ein Paulus geworden." -

Obwohl es mein Studium zeitmäßig eigentlich gar nicht erlaubte, besuchte ich doch immer regelmäßig die Versammlungen; denn im Hintergrund befand sich immer der erhobene Zeigefinger der Organisation, und erst sehr spät ist es mir zum Bewußtsein gekommen, daß nicht der Glaube und die Überzeugung zählen, sondern: Felddienststunden, die Zahl der abgegebenen Bücher, Broschüren und Zeitschriften, Abonnements und Heimbibelstudien -, also nur Zahlen und Quoten.

Je mehr ich an Erkenntnis zunahm, um so mehr packte mich die Angst, eines Tages mit den Maßen der WT-Gesellschaft gewogen und zu leicht befunden zu werden, und so blieb es auch gar nicht aus, daß die Schule bei mir nur noch an zweiter Stelle stand. Wegen eines kurzfristigen weltlichen Erfolges wollte ich auf keinen Fall die Aussicht auf ein ewiges Leben verspielen. -

Dann aber entwickelte sich zwischen meiner Frau und dem Wachtturmstudienleiter der Versammlung mehr als christliche Nächstenliebe. Eines Tages trat eine Frau an mich heran - sie wohnte bei uns in der Nachbarschaft und sagte: "Guten Tag, sind Sie Herr Peters?" - Ich sagte: "Ja". -
"Sagen Sie mal, Herr Peters, ich gucke mir das schon eine ganze Weile mit an, und darum möchte ich Sie heute fragen, ob Sie auch Zeuge Jehovas sind."
Ich sagte wieder "ja" -
"Ach" sagte sie, "dann ist das, glaube ich, doch etwas anderes."
Ich sagte: "Wieso? - warum fragen Sie denn?" -
"Ich sah neulich ziemlich spät am Abend Ihre Frau mit jemand Arm in Arm gehen."

Ich fühlte plötzlich, wie mir das Blut ins Gesicht stieg, und unwillkürlich stieg der Gedanke in mir auf: "Da setzt mir einer Hörner auf!"
Fortsetzung folgt

Ein Gespräch mit führenden Brüdern der WTG-Leitung und einem Bruder über Römer Kapitel 13
Bei den letzten Wahlen nahm ich daran teil, da ich der Meinung war, daß nach der neuen Belehrung der WTG im Wachtturm Nr. 1/63 und Nr. 2/63 öffentlich bekanntgegeben war, daß man dies nach der Erkenntnis von 1962 tun solle. Ich handelte nach dieser Belehrung so, als es verkündet war:

"Denn also ist es der Wille Gottes, daß ihr durch Gutestun die Unwissenheit der "unverständigen Menschen zum Schweigen bringet". (l. Petr. 2:15). "Christen unterwerfen sich ungezwungen, aus freien Stücken, und das schadet ihnen nicht. Es trägt dazu bei, das sie weniger in Schwierigkeiten geraten". (Seite 26/27). "Unsere gegenwärtige Verpflichtung: "Ehret den König" und demzufolge auch die Statthalter, die von ihm gesandt werden, um gut zu regieren, ist unsere Verpflichtung, Gott zu fürchten, untergeordnet". (Seite 28).

Weil ich nach dieser Belehrung der WTG-Leitung handelte, war es nach Auffassung leitender Brüder doch nicht richtig. Eines Tages erschien bei mir ein auswärtiger Bruder, welcher sich aber namentlich nicht vorstellte, ich kannte ihn nicht, er sagte nur, daß er von außerhalb käme, und bat um eine Unterredung. Auf meine Frage, in welcher Angelegenheit, sagte er, wegen der Wahlbeteiligung. Er war sehr freundlich und bat mich, die Gründe meiner Wahlbeteiligung anzugeben. Ich verwies ihn auf die erschienenen WT, daß man den weltlichen Obrigkeiten untertan sein müsse nach Römer Kapitel 13, nach dem neuen Verständnis dieses Textes. Er sagte, da hast du aber einen schweren Fehler begangen. Ich erwiderte, ich habe es mit gutem Gewissen getan und keinerlei Hemmungen gehabt, zumal der WT dies lehre. Der Bruder meinte, das sei ein großer Irrtum meinerseits und wollte mir klarmachen, daß dies zweierlei Bedeutung habe und wäre nicht so, als ich es auffasse. Dieses "untertan sein" sei nur bedingt und man müsse erwägen, um was es gehe, ehe man gehorche. Nun, die Bibel sagt doch aber nicht, man darf nur dieser oder jener Regierung gehorchen, sie spricht doch nur von Obrigkeit, dies war mir unverständlich, daß es hier Ausnahmen geben sollte.

Wir schieden im Nichtverstehen, aber freundlich voneinander. Bei seinem Weggang frug er noch, ob er mich mal wieder besuchen dürfe, was ich ihm erlaubte. Einige Zeit darauf erschienen gleich drei Brüder bei mir und baten um eine Unterredung in der Angelegenheit Wahlbeteiligung. Nach einigen Höflichkeitsfragen frugen sie dann: "Bekennst du dich noch zur Organisation der Zeugen Jehovas?" Ich verneinte dies. In diesem Augenblick waren sie wie umgewandelt und ließen die Maske der Freundlichkeit fallen und zeigten ihr wahres Gesicht, nämlich als lieblose Brüder, die nur allein recht haben und ich ihren Rat zu beherzigen habe. Man sagte, ich gehöre zur Rotte Korah und ginge in die Vernichtung, in den ewigen Tod. Ich erwiderte, sie möchten ihre Zunge im Zaume halten, denn sie hätten kein Recht, über mich als Richter zu sitzen, vor allem auch, daß ich doch nur das getan habe, was die Leitung gelehrt habe, wo liegt hier das Unrecht? Einer von ihnen schien meinen Einwand als berechtigt anzuerkennen und meinte, nun, wenn du einsiehst, daß du einen Fehler begangen hast, kannst du auch wieder zurückkehren in die Organisation. Sofort warf ein anderer von den Dreien ein, aber dann nicht unter einem Jahr, denn wir müssen erst sehen, ob du wirklich bereust und dich den Anordnungen der Leitung unterordnest. Ich war nicht bereit, auf diesen Vorschlag einzugehen, da ich mir keiner Schuld bewußt war. Dies brachte sie in Zorn und man sparte mit unchristlichen Worten nicht, sondern wünschte mir alles Schlechte. Mit diesen Wünschen verließen sie meine Wohnung Aber damit war ihre Tätigkeit noch nicht zu Ende. Sie suchten jetzt die Brüder und Schwestern in meiner Stadt auf und verboten ihnen, mich zu besuchen oder mit mir zu reden, denn ich wurde sie nur verführen. Einige handeln nach dieser Anweisung, ein Teil aber nicht denn sie verstehen die Handlungsweise der leitenden Brüder nicht, weil sie ohne Liebe und Verstehen ist.

Das Resultat aus diesem Erlebnis: Wo bleibt die vielgerühmte Liebe unter den Zeugen Jehovas? Wo bleibt das Einfühlungsvermögen und Verstehen der Brüder? Wie können sich Brüder dazu hergeben, ihre Brüder zu richten Sind diese ohne Fehler, um sich als Richter zu empfehlen Kann sich nach dieser Erfahrung noch jemand den dienenden Brüdern anvertrauen, um dort Hilfe in Gewissensnöten zu erhalten? Fragen über Fragen wirft solches Erlebnis auf, welches von den leitenden Brüdern nie gelöst werden wird, wenn sie nicht in aller Demut zu dienen bereit sind. Möchte auch dieses Erlebnis einigen Brüdern in der Organisation zur Anregung dienen, alles zu überprüfen und sich zu fragen: Kann diese Organisation eine göttliche Organisation sein?
W. R.

Kitawala
Die Watch-Tower- Bewegung in Zentralafrika
In ihrem Bericht über Nordrhodesien (Zambia) bemerkte die Wachtturmgesellschaft in dem Jahrbuch für 1964 (S. 217), dass die neu Hinzugekommenen längst nicht alle ersetzen, die die Organisation verlassen haben.

Auch in den nachfolgenden Jahrbüchern finden wir in den Berichten über Malawi und Zambia des öfteren Bemerkungen über Gewalttätigkeiten und Verbotsandrohungen gegen die Zeugen Jehovas in diesen jungen afrikanischen Nationalstaaten.

Im Oktober 1967 war es dann soweit, Jehovas Zeugen wurden in Malawi wegen der asozialen Grundeinstellung der WTG als staatsgefährdend verboten, wobei allerdings auch zu bemerken ist, dass einige leitende Brüder in Malawi (Zweig-, Sonder- und Kreisdiener) ihre gegenwärtige soziale Verantwortung erkannten und als Konsequenz daraus eine freie christliche Gemeinschaft für ganz Zentralafrika gründeten, die sich der dortigen Zeugen Jehovas annimmt. …

Kitawala.
In mittelbarem Zusammenhang mit diesen Geschehnissen in Zentralafrika sind auch einige Jahrbuchberichte über den Kongo (Leopoldville) interessant, die uns auf eine bemerkenswerte religiöse Bewegung aufmerksam machen, die schon seit den ersten Anfängen der WTG in Afrika von der Brooklyner Leitung unabhängig ist und auch besser verständlich macht, weshalb die Zahl der neu Hinzugekommenen in bestimmten Situationen längst nicht alle jene ersetzen, die die Organisation verlassen haben.

Im Jahrbuch 1964 (S. 185) wird z. B. berichtet:
"Im Jahre 1932 versuchte die Gesellschaft, einige Zeugen in den Kongo zu senden, der damals eine belgische Kolonie war, jedoch erwiesen sich diese Bemühungen als nicht erfolgreich. Die belgische Regierung hielt die Zeugen für die einheimische, politisch-religiöse Gruppe, de sich ,Kitawala' nannte. Diese dort ansässige Religion ist eine Verschmelzung . . . auch der Lehren von Jehovas Zeugen."

Und im Jahrbuch 1966 (S. 102) wird weiter dazu berichtet.
"Vom Zweig wurde eine eingehende Studie zur 'Kitawala'-Frage ausgearbeitet (dabei geht es um Gruppen, die diesen Namen angenommen haben und ihre Versammlungsstätten Kitawala, Watch Tower, International Bible Students Association und Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania nennen)."

Aus diesen Bemerkungen der WTG ist also ersichtlich, dass in Zentralafrika eine nicht unbedeutende Gruppe existiert, die sich in den dortigen Bantusprachen "Kitawala" nennt, was sinngemäß übersetzt soviel wie "Wachtturm-Bewegung" bedeutet, die zwar einige Elemente der Wachtturmlehren enthält genau genommen jedoch eine afrikanisierte Form der Wachtturmreligion darstellt und mit den Zeugen Jehovas nicht mehr identisch ist.

Geschichtliche Anfänge.
Interessant ist dabei besonders, dass die "Kitawala" kein Produkt der Neuzeit sind, sondern ihren Ursprung schon in den ersten Missionsbemühungen der WTG in Afrika haben!

Als Grundlage für die nachfolgende Darstellung dient uns eine 1967 im Elwert Verlag/Marburg erschienene Dissertation (Doktorarbeit) von Hans Jürgen Greschat über die "Kitawala", der sein Quellenmaterial dafür unter anderem auch von den WTG-Büros in Brooklyn/New York, Leopoldville/Kongo und aus London erhielt.

Joseph Booth.
Die geschichtlichen Anfänge der Wachtturmbewegung in Afrika sind in der Hauptsache mit zwei Namen verbunden; Joseph Booth und Elliot Kenan Kamwana.

Joseph Booth, 1851 in Derby/England geboren, später in Australien ansässig, war einer jener Menschen, die es mit Fleiss und Ausdauer zu einigem Reichtum gebracht hatten, der sich jedoch besonders seit 1891 von Gott erleuchtet und zum Missionar berufen fühlte. Sein wohl erstes missionarisches Wirken für die Baptisten in Nyassaland, dem heutigen Malawi, währte bis 1896, woraufhin er mit ihnen brach und Missionar für die Siebten Tags Adventisten, ebenfalls in Nyassaland, wurde. Besonders verdienstvoll war sein offenes Eintreten für die Gleichberechtigung der von den Weißen unterdrückten einheimischen Bevölkerung, wodurch er sich allerdings den Hass der Kolonialbeamten zuzog und Nyassaland für immer verlassen musste. Er zog dann nach Südafrika. Im Jahre 1906, Booth war auf der Suche nach "neuer Wahrheit" und neuen Geldgebern für seine missionarischen Ziele, besuchte er auch C. T. Russell, den er mit der Versicherung überraschte, es gebe in Süd- und Zentralafrika "viele Schwarze mit gerade dem rechten Herzen für die fröhliche Milleniums-Botschaft von der Aufrichtung der Herrschaft des Gerechten", so das Russell seine Bitte um Unterstützung erfüllte und ihn als offiziellen Beauftragten der WTG nach Südafrika zurücksandte! Jedoch um die Jahreswende 1909/10 trennte sich Booth wieder von den Russelliten, indem er in Amerika eine Organisation der Siebten Tags Baptisten, die "American Sabbath Tract Society" in Plainfield, New Jersey, um weitere Unterstützung für seine Missionspläne bat.

Elliott Kenan Kamwana.
Einer seiner Schüler während seiner adventistischen Zeit war E. K. Kamwana, der wohl auch von J. Booth getauft wurde.

Nachdem Joseph Booth dann zwangsweise nach Südafrika kam, erfuhr er so um das Jahr 1907 herum, dass sein ehemaliger Schüler jetzt in Johannisburg/Südafrika in einem Hospital arbeitete, woraufhin beide, wieder brieflich und persönlichen Kontakt aufnahmen, in dessen Ergebnis Kamwana auch mit den Lehren Russells in Berührung kam.

Kamwanas missionarisches Wirken.
Im Juli oder August 1908 teilte E. Kamwana in einem Brief an einen Freund mit, er sei von Booth als Missionar in seine Heimat Nyassaland zurückgesandt worden.

Im Dezember 1908 begann er dort mit einem öffentlichen Predigtfeldzug, den er dann im März 1909 abbrechen musste und indem er rund zehntausend Personen taufte; nach eigenen Angaben genau 9126, die so in die neue "Society Church" aufgenommen wurden, wodurch er alle missionarischen Bemühungen der anderen Kirchen weit in den Schatten stellte.

Sein großer Erfolg beruhte darauf, dass er wie Russell lehrte, im Jahre 1914 werde das Millenium Christi aufgerichtet, was er allerdings so ausdeutete, dass in jenem Jahr alle weißen Verwaltungsbeamten Afrika verlassen müssten und dann ein Leben ohne bedrückende Lasten, ohne Steuern, ohne Schulgeld, in einem freien afrikanischen Land unter afrikanischer Führung beginnen würde. Seine Anhängerschaft vermehrte sich auf Grund dieser materiellen Zielstellung überdurchschnittlich schnell, wobei die anderen Kirchen auf Grund ihrer überwiegend ,jenseitigen' Verkündigung, allerdings das Nachsehen hatten. Bemerkenswert ist es auch, das Kamwana sich als rechtmäßiger Repräsentant der Brooklyner Wachtturmgesellschaft betrachtete und von dieser auch als solcher zu jener Zeit anerkannt wurde.

Ein Abgesandter Russells, W. Johnston, der im Jahre 1910 die neugegründeten Gemeinden in Zentralafrika besuchte, musste sich allerdings dann in seinem Bericht bitter darüber beklagen, dass ein "Geist der Habgier und Selbstsucht" jene Gemeinden erfüllt habe.

Ihm erschien es so, dass viele glaubten, er sei mit geldgefüllten Taschen gekommen um alle Pastoren und Lehrer zuu beschenken und ihnen im Namen der Society gewinnbringende Positionen anzubieten.

Drei Hauptgedanken waren für Kamwanas Verkündigung charakteristisch:
Die verheißene Befreiung von weißer Herrschaft, die jedem gewährte seligmachende Taufe,
der materielle Reichtum, den sie im tausendjährigen Reich und schon vorher aus Amerika erwarteten.

Besonders jedoch die verheißene Befreiung von europäischer Bevormundung, bewirkte, dass Kamwana am 18. März 1909 vom britischen Gouverneur Sir Alfred Sharpe verhaftet und des Landes verwiesen wurde, worauf er wieder zu Booth nach Kapstadt zurückkehrte und später nach neuen Missionsversuchen im Jahre 1915 für 28 Jahre nach Mauritius verbannt wurde.

Von Seiten der WTG wurde offizieller Protest gegen die Ausweisung bei der Protektorats-Verwaltung eingelegt und auch der amerikanische Konsul wurde um Beistand gebeten, wenn auch ohne den gewünschten Erfolg.

William W. Johnston.
Im September 1910 wurde William Johnston aus Glasgow/England im Auftrage der WTG nach Südafrika gesandt, mit dem Auftrag, die von Kamwana verlassenen Gemeinden aufzusuchen und zu reorganisieren.

Die afrikanische Wachtturmbewegung macht sich selbständig.
Als Johnston bei den Eingeborenen, den Tongas - genannt so nach dem gewaltigen Tongasee im heutigen Malawi, dem drittgrößten See Afrikas - eintraf, wurde er mit Geschenken fast überschüttet, man gab ihm eine besondere Hütte und stritt um das Vorrecht, ihn in der Machila, einer Hängematte tragen zu dürfen.

Plötzlich jedoch schlugen die Ehrungen in ihr Gegenteil um. Johnston blieb ohne Nahrungsmittel und Obdach und musste schon nach zehn Tagen Anwesenheit seine Rückreise antreten, wobei er von den am Ufer scharenweise stehenden Kamwanaiten verspottet und verhöhnt wurde. Die Ursache für diesen Misserfolg sah er in der Enttäuschung, die er ihnen durch seine Erklärung bereitete, die Society könne und wolle nicht für freien Unterricht, für freie Lehrbücher und Lehrer sorgen, wodurch die WTG praktisch gesehen den Einfluss auf die einstmals in ihrem Namen gegründeten Gemeinden für alle Zeiten verlor! Als Kamwana 1937 aus seinem Exil wieder nach Nyassaland zurückkehrte, blieb er den weißen Zeugen Jehovas gegenüber ein unversöhnlicher Widersacher, der wieder mit der während seiner Abwesenheit sich weiter entwickelten Kitawala-Bewegung zusammenarbeitete, deren besonderes Merkmal ein politisch aggressiver Charakter ist!

Kitawala - Heute.
Bemerkenswert ist es auch, dass trotz der zeitweiligen staatlichen Verbote oder wenn man will auch gerade deswegen, sich die Kitawala-Bewegung immer mehr ausdehnte, so dass sie heute speziell im Kongo, ferner in Malawi und Zambia anzutreffen ist, wobei noch zu bemerken ist, dass der ursprüngliche WTG-Einfluss immer mehr durch speziell afrikanische Elemente umgeformt wurde, so dass Kitawala heute eine spezifisch afrikanische, religiöspolitische Los-von-den-Weißen-Bewegung ist, die sich des Watch Tower Namens bedient und ebenfalls wie die Zeugen Jehovas in einer ständigen Naherwartung von Harmagedon lebt, das als Entscheidungsschlacht zwischen Weiß und Schwarz verstanden wird.

Zur Veranschaulichung dieses Gedankens zitierten einige Kitawala-Prediger besonders oft den Bibelvers:
"Und siehe es sind Letzte, die werden Erste sein, und es sind Erste, die werden Letzte sein." (Luk. 13:30)
Wer mehr darüber erfahren wollte, bekam dann vom Prediger mitgeteilt, dass die Weißen die Letzten und die Schwarzen die Ersten sein würden.

Was die gegenwärtige Situation der Kitawala betrifft, so ist festzustellen, dass durch das Ausbleiben ihrer Naherwartungen krisenhafte Merkmale sie kennzeichnen, während andererseits einige Tendenzen zu verzeichnen sind, die auf einen Zusammenschluss mit einer anderen kongolesischen Bewegung, der von Simon Kimbangu hinzielen, die wohl einige ideelle Gemeinsamkeiten mit Kitawala hat, und beispielsweise im Gebiet von Stanleyville auf 56 000 geschätzt wird. Inwieweit diese Bewegung mit den seit 1967 tätigen ehemaligen WTG-Angehörigen in Malawi zusammenarbeiten wird, ist natürlich schwer zu beurteilen, vielleicht wird uns die Zukunft mehr Informationen darüber vermitteln.
nach H. J. Greschat
Auszug von M. G.

Über die Rolle des früheren Leiters der juristischen Abteilung des WTG-Zweigbüros in Magdeburg (III. Teil)
Rückblick
In Übereinstimmung mit dem Rat des Apostels Paulus in Epheser 5:11, "wider unfruchtbare Werke der Finsternis mißbilligend Zeugnis" abzulegen, wurde in zwei vorangehenden CV-Beiträgen (CV 23 und 25) die Rolle des Leiters der juristischen Abteilung des Magdeburger WTG-Zweigbüros bis 1950, Willi Heinicke, dargestellt. Es wurde gezeigt, wie er unter Zweigdiener Erich Frost, Wiesbaden, und Ernst Wauer, Magdeburg/Westberlin, als weisungsbefugter für die Praxis der WTG gegenüber Staat, Behörden, Politik und Regierung in der DDR das Werk der Zeugen Jehovas immer tiefer in eine Kampfstellung gegen den Staat führte und damit das Verbot und seine Folgen heraufbeschwören half. Geistig wurde dies bestimmt durch die WT-Irrlehre, die politischen Regierungen seien keine zu respektierenden Obrigkeiten von Gott nach Römer 13:1-7.

Ein erster Schwerpunkt, geprägt durch die Verächtlichmachung der neuen demokratischen Obrigkeit als "kleine Popanze und mehr Kriminelle schon 1947 durch Erich Frost, war das verleumderische Vorgehen Heinickes 1948 gegen die Vereinigung des Naziregimes (VVN), in der die "Machenschaften politischer Kesseltreiber aufzustechen" seien, wie er die Gruppendiener am 11. März 1948 in einer Dienerversammlung im Bibelhaus Magdeburg anwies. In der vorherrschenden Obrigkeitsanmaßung fehlte jedes Unterscheidungsvermögen für die organisatorischen Grenzen der Verkündigungstätigkeit anderen gegenüber, eine völlig sinnlose Überwerfung mit der VVN.

Ein nächster schwerwiegender Akt war die Instruktion von Heinicke vom Juni 1949 an die Gruppendiener, Anschriften und Personalien aller Art von Staats-, Polizei-, Sicherheits und sowjetischen Militärorganen zu sammeln und an das Bibelhaus zu senden, von wo alles über das Zweigbüro in Wiesbaden zum Hauptbüro in Brooklyn, USA, über die amerikanische "Militärpost" zugänglich wurde! (WT 15. 2. 1948, 5, 60).

Weiter machte Heinicke die Kreisversammlungen im Sommer 1950 vor den ersten Wahlen zur Regierung der DDR am 15. Oktober zu offenen staatsfeindlichen und antikommunistischen Tribünen. Er trat hier politisch verleumderisch auf, griff die Regierung als undemokratisches "Machwerk der SED" an mit dem Ziel, seitens der Zeugen Jehovas die Wahlen zu boykottieren. Im WT vom 1. Februar 1951, S. 35, wurde offen zugegeben, daß diese Wahlen von den Zeugen Jehovas "als Trug gebrandmarkt" worden seien und "das kommunistische Regime als satanische Herrschaft". So wurde das Werk unter maßgeblicher Regie von Heinicke, in völliger Mißachtung von 1. Tim. 2:1-3, zu ihrem Wohle für die Regierung einzustehen, in eine Kampfstellung gegen die Regierung der DDR gebracht.

Die Grundfrage kann nicht umgangen werden
Es sind viele dafür, den Brüdern und Schwestern zu helfen, einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Man kann sich aber dabei nicht nur auf religiöse Fragen beschränken Natürlich hatten und haben die WT-Bibeldeutungen über die Obrigkeit oder vom treuen und klugen Knecht entscheidende Bedeutung, wie zahlreiche andere auch, und man muß sich damit befassen. Aber damit werden die Probleme nur einseitig angefaßt und bleiben im Grunde ungeklärt. Schon die wenigen Tatsachen aus dem Verantwortungsbereich Heinickes zeigen, daß es nicht ausschließlich um religiöse Fragen geht, sondern um politische Dinge in gleicher Weise, weil die WTG die Grenzen der Religion überschreitet und eine ganz bestimmte politische Stellung bezieht. Will man nun wirklich helfen und Auswege zeigen, dann muß man wohl oder übel auch diese Dinge untersuchen, weil ausschließlich sie es sind, die die Schwierigkeiten mit sich bringen. Die Darstellung der Rolle von Heinicke ist ein wichtiger Teil dieser Hilfeleistung Einmal für ihn selbst, denn in dem unausgesetzten Vorwärtsdrängen der WTG, daß jedes Innehalten und kritische Zurückblicken verhindern soll, ist es äußerst schwer, sich selbst Rechenschaft abzulegen. Dann aber auch für alle anderen, die weiterhin gehindert bleiben müssen, wenn sie nicht endlich tiefere Einsicht in diese Probleme erhalten. Mögen diese Ausführungen aber auch eine Mahnung sein, in Uneinsichtigkeit die Rolle unter bestimmten Umständen weiterspielen zu wollen. Es ist dabei auch an J. R. aus Altenburg und andere gedacht. Der Fall von Werner Liebig aus Dresden zeigt, wohin solche Uneinsichtigkeit mit Sicherheit führen wird. An der Wirklichkeit kann man nicht vorbei.

Aus Lieblosigkeit lernen
Heinicke hatte erlebt, wie Brüder ernstlich erkennen mögen, das zwischen der Bibel und der WT-Praxis entscheidende Widersprüche bestehen müssen. Wer die Berichte in CV 17 bis 20 von Horst Kühn aus Zittau gelesen hat, wird das erschüttert feststellen. Der frühere Bezirksdiener Friedrich Adler erklärte einmal in der gleichen Lage wie Heinicke, man müsse Brüdern unter bestimmten Bedingungen die Wohltat des Zweifels lassen, sie nicht verurteilen oder abschreiben, bis man einmal die Dinge unbeengt erörtern kann. Obwohl Adler in diesem Fall selbst nicht danach handelte, war dies doch eine vernünftige Äußerung.

Es kam die Zeit für eine unbeengte Erörterung des Falles von Horst Kühn. Doch was tat Heinicke? Er fuhr noch vor Kühn nach Brandenburg, um dessen Verlobte "aufzuklären" mit dem Ergebnis, dar er das Verhältnis beider total zerstörte, wie Horst Kühn berichtete. Der Höhepunkt der List bestand darin, die Verlobte auf dem Weg zum Standesamt noch einmal zum örtlichen WTG-Diener zu zitieren und so die Trauung in letzter Minute zu verhindern. "Du bist gegen die Wachtturmgesellschaft!" sagte sie zurückkehrend Sie dürfe nicht mit ihm zum Standesamt gehen. Ihre Nerven waren hin. "Ich brach fast zusammen unter den Lasten, die mir diese Brüder auferlegten, wieviele Tränen habe ich geweint", war das erschütternde Bekenntnis von Horst Kühn.

Hatte nicht die WTG schon zu viele Verantwortungslosigkeiten begangen mit der Heraufbeschwörung des Verbots und seiner Folgen? Ist es nicht zu erwarten, wenn Brüder wie Horst Kühn, zunächst vielleicht noch mehr ahnend und fühlend als wissend, in Zweifel geraten an der göttlichen Leitung, die die WTG-Diener vorgeben zu haben? Was unterdrückt Heinicke selbst alles an besserem Wissen um die Zusammenhänge und warum?

Horst Kühn versuchte dann brieflich, eine unbeengte Aussprache mit Heinicke herbeizuführen. War das nicht doch noch ein kleines Zeichen für die Organisation? Heinicke reagierte nicht einmal. Was hätte ihm schon passieren können? Ging es nicht um die Lebensinteressen eines Bruders Mit welchem Recht läßt er solche Brüder sitzen, ohne sie zu beachten? Es trifft auf ihn in vollem Maße zu, was Präsident Knorr in seinem internen Brief an alle Kreis-, Bezirks- und Zweigdiener sagte (CV 13): "Die Bereitschaft muß da sein, unseren Brüdern gegenüber Liebe zu zeigen, Einfühlungsvermögen und Hingabe zu haben und willens zu sein, sich der Probleme, denen sie sich gegenübersehen, anzunehmen. Es muß auch die Bereitschaft da sein, sich die Probleme anzuhören".

Präsident Knorr muß eine schwere Stunde gehabt haben, als er dies im Ergebnis einer Analyse der Erfahrungen jener Diener schrieb. Die Sache ist nämlich eine Zwangslage Warum ändert sich denn nichts? Die Abweisung jeder Kritik an der WTG, ihre unbedingte Rechthaberei als "Kanal" ist die Ursache. Die WTG-Führung selbst muß den ersten Schritt von oben tun, indem sie ihre Haltung zur Kritik ändert, ehrlich eingedenk dessen, daß sie nicht unfehlbar geleitet wird. Solange alle kritiklos an den "Kanal" gebunden gehalten werden, kann niemand die Probleme wirklich lösen, da sie der "Kanal" selbst mitverschuldet.

Was wußte Heinicke wirklich über Frosts angebliche Lauterkeit Nur Äußerlichkeiten. In bedenkenlosem Organisationsglauben hat auch er blind geglaubt, was Frost ihm bis 1950 diesbezüglich vorgemacht hat.

"Theokratische Kriegslist" wirkungslos
Es gibt in Wiesbaden im Zweigbüro gewisse Pläne mit Heinicke für die Zukunft. Dabei hofft man, sie mit den Methoden der "theokratischen Kriegslist" schützen zu können.

Fieberhaft ist man zur Zeit dabei, organisatorische Voraussetzungen dafür zu schaffen, nachdem 1965 alles zusammengebrochen war. Dabei spielen die Speziallehrstücke der Königreichsdienstschule für alle Diener ab VD aufwärts wieder eine zunehmende Rolle.

In CV 6 unter dem Thema "Theokratische Kriegslist oder die WTG-Weisungen, Behörden und Gerichte der DDR belügen und zu täuschen" war die Verwerflichkeit dieser "theokratischen" Methode nachgewiesen. Denn Christen stehen unter dem Neuen Bund. Sie leben nicht als geschlossene politische Nation, sondern zerstreut unter vielen Völkern, als Staatsbürger verschiedener Länder. Deshalb gebot der Apostel der Nationen, Paulus, allen Christen, um in Frieden leben zu können, sich von jeder Hinterhältigkeit, von jedem Wandeln in List, unbedingt loszusagen oder fernzuhalten, und sich stattdessen durch das Kundmachen der Wahrheit jedem menschlichen Gewissen vor Gott zu empfehlen. (2. Kor. 4:2 NW).

Auch nur die geringste Abweichung hiervon muß zu folgenschweren Konflikten führen, Konflikte widerchristlicher Art.
Es muß klar und kompromißlos zwischen den Grundsätzen des Alten und des Neuen Bundes unterschieden werden. Gott kann mit den Methoden, die vor 1900 Jahren durch Christus und den Neuen Bund ein für allemal abgetan wurden, niemals sein. Wer das nicht begreift, gibt sich einem Selbstbetrug hin. Hier hilft nur ein WT-unabhängiges, rein biblisches Studium dieser Bündnisse. Der WT hat mit der alttestamentlichen Kriegslist auch für Christen die Grenzen gefährlich verwischt. Ging man unter der Regie von Werner Liebig bis 1965 nicht auch in "theokratischer Kriegslist" vor? Man soll doch aufhören, den Zusammenbruch als "Zulassung" zu kennzeichnen. Ein reines Menschenwerk versagte. Die Wiesbadener Zukunftspläne mit Heinicke würden ein gleiches Schicksal haben. Heinicke hatte einst die öffentliche Position eines Leiters der juristischen Abteilung des deutschen WTG-Zweigbüros in Magdeburg. Er trat auf großen Kongressen als öffentlicher Redner auf. Er hatte einen Hauptanteil an der unchristlichen politischen Aggressivität und antikommunistischen Staatsfeindschaft der WTG gegenüber der DDR. Doch alles dies ist ad acta gelegt. Nicht aber in Wiesbaden und Brooklyn. Der WT vom 1. 1, 1962, S. 21, schrieb, daß die WTG Sozialismus und Kommunismus schon seit 1879 bekämpft. Nach wie vor wird in diesem Sinne besonders gegen die DDR orientiert: "Die Zeugen Jehovas in Ostdeutschland mußten zuerst auf das Ende der Naziherrschaft Hitlers warten, und jetzt müssen sie das Ende der neuen totalitären Regierung abwarten, die die Naziregierung ablöste, das Ende der kommunistischen Regierung, die von dem zur Zeit von Breshnew beherrschten Sowjetrußland abhängig ist" (WT 15. Februar 1965, S. 110, Absatz 10).

Kann Heinicke nicht erkennen, was diese politische Propaganda im WT bedeutet? Was im WT steht, soll bekanntlich auch vielen anderen Menschen möglichst beigebracht werden.
Noch ist es nicht zu spät, sich zu weigern, sich in diese WTG-Politik einspannen zu lassen.
0. L.

A 5146-69 V 7 1 1538

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