Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 18

Ein geflügeltes Wort will wissen: "Trau keiner Statistik - die Du nicht selbst gefälscht" hast. Erinnert man sich an die Jubelzahlen der DDR-Propaganda, über die "Übererfüllung" ihrer Pläne, und an die anschließende reale Bestandsaufnahme nach dem November 1989, die den tatsächlichen wirtschaftlichen Bankrott attestierte, so fühlt man sich mit obigem Sprichwort nur bestätigt. Indes es gibt noch eine andere Art von fragwürdiger Statistik - und das ist die der Wachtturmgesellschaft. Umfassende, nachvollziehbare Zahlen veröffentlicht sie grundsätzlich nicht, nur solche selektiver Art. Das ergibt dann immer wieder mal Raum für Spekulationen über die Finanzen der WTG. So auch in dieser CV-Ausgabe. Man mag diesen Spekulationen skeptisch gegenüberstehen. Indes wer in der Lage ist, einmal seine Emotionen ausgeschaltet zu lassen, der wird vielleicht doch konstatieren, dass diese Spekulationen von der tatsächlichen Wirklichkeit soweit nicht entfernt liegen dürften!

Eine der größten Konfliktsituationen in der neuzeitlichen Geschichte der Zeugen Jehovas, spielte sich in dem afrikanischen Land Malawi ab. Diesem Fall widmet sich auch diese CV-Ausgabe. In dem Bemühen die Wurzeln dieses Konfliktes herauszuarbeiten, gelangte die CV dabei zu der Einschätzung:

"Die WT-Lehre von der angeblich schon begonnenen 'Neue-Welt-Ordung' mußte also verworfen werden, da sie Christen hindert, sich für eine menschliche Ordnung einzusetzen und den sozial Versklavten und Entrechteten physisch zu helfen. Haben wir doch das urchristliche Beispiel vor Augen, sozialpolitische Mitverantwortung nicht abzulehnen, wie es durch die Tatsache gezeigt wird, daß das echte Christensein nicht hinderte, sogar Schatzmeister in einer politischen Regierung zu sein. (Apostelgeschichte 8:27-39).

Die ganze von der WTG heute gepredigte sogenannte irdische Hoffnung in Verbindung mit der 'Neuen-Welt-Ordnung', seit 1919 stimmt also nicht! In der Tat, so ist es auch! Denn solange noch das Evangelium in der Welt gepredigt werden muß, gibt es überhaupt keine zweite Hoffnung, sondern nur die eine und einzige von Christus und den Aposteln gelehrte Hoffnung, und das ist die himmlische Hoffnung, die Hoffnung auf ein Bürgertum im Himmel! Christus und die Apostel predigten keine irdische 'Neue-Welt-Ordnung', kein irdisches Königreich, sondern einzig das 'Königreich der Himmel'. Es konnte somit richtigerweise zu keiner Feindschaft des Christen zu politischer Mitverantwortung kommen."

Abgeschlossen wird diese CV-Ausgabe durch den Hinweis auf den von WTG selbst publizierten Fakt, dass Zeugen Jehovas auf amerikanischer Seite im Koreakrieg mitgekämpft haben.

 

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Konto-Nr. 4564-49-20156 Bank für Handel und Gewerbe 65 Gera Straße des 7. Oktober

Nr. 18 Gera August 1968

CV - ihr Zweck
Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Ungeheurer Reichtum einer Weltorganisation
1. Fortsetzung
Liebe Brüder und Schwestern!
In der letzten Ausgabe unserer "Christlichen Verantwortung" hatten wir Euch über den jährlichen Millionen-Reingewinn der Wachtturrn-Gesellschaft berichtet. Wir hatten darauf hingewiesen, daß die Errechnungen auf Grund der Veröffentlichungen der WTG, von uns mit einer sehr niedrigen Einsatzsumme errechnet wurden, besonders bei den Spendengeldern für die "Gute Hoffnung". Zum Beispiel betrug die Spende der "Guten Hoffnung" in der Gruppe Gera, bei 150 Verkündigern monatlich nicht unter 1200 Mark, das sind jährlich 14 400 Mark. Die Versammlung Karl-Marx-Stadt erbrachte eine GH-Spende von jährlich 33 000 Mark. Das ergibt aus nur zwei Versammlungen 47 400 Mark. Es gibt aber laut Jahrbuch 24 910 Versammlungen. Wenn auch nicht alle Versammlungen so hohe Spendenzahlen erreichen, gibt es doch welche, wie z. B. Leipzig, die diese Summen noch überschreiten. Mithin ist unser Betrag von 100 Mark pro Versammlung monatlich sehr niedrig gehalten. Mit diesen 100 Mark monatlich pro Versammlung ergibt das schon eine Jahressumme von 29 892 000 Mark, wieviel höher wird da die genaue Summe sein? Bedenken wir auch, daß bei den "Gute-Hoffnungsgeldern" keinerlei Unkosten auftreten. Das Vorstehende zeigt, daß unser geschätzter Reingewinn insgesamt mit 100 Millionen Mark nicht zu hoch gegriffen ist.

Betrachten wir nun die Ausgaben. Es ist interessant, zu beobachten, wie die WTG über ihre Einnahmen sich Jahr für Jahr beharrlich in Schweigen hüllt. Würde sie wahrheitsgetreu Bericht erstatten, könnte gar bald ihr guter Ruf einer "göttlichen Organisation" verloren gehen. Mit den Ausgaben hält man es jedoch anders, denn mit dem, was man jährlich zur Ausdehnung des Zeugniswerkes an Beträgen aufwendet, kann man umso besser den christlichen Charakter der Organisation zur Schau stellen.

Über die Ausgaben finden wir im WT vom 1. Juli 1963, Seite 414, einige Zahlen angeführt. Der WT-Artikel beginnt mit den Worten: "Wie verfügt die WTG über diese Beträge?" Im Jahre 1962 gab die Kasse für Missionare und Sonderpioniere 10 400 000 Mark als Entlohnung aus." Wie hoch sich die Personenzahl beläuft, für diese Summe, wird nicht berichtet.

"Die Gesellschaft verwendete 1 880 000, (ob Mark oder Dollar wird nicht berichtet), um die Auslagen der Kreis- und Bezirksdiener zu decken. Es gab 104 Gileadschüler, welche unterhalten wurden." Summe wird nicht angegeben.

Die Gesellschaft unterhält 87 Zweigbüros, wo teilweise auch Druckereien untergebracht sind. Die Aufwände für die Druckereien decken die Literaturverkäufe. Nicht nur das, sondern man erzielt dabei einen ganz erheblichen Gewinn von rund 31 000 000 M (siehe CV Nr. 17), welcher in die Kasse der Gesellschaft fließt. Weiter berichtet der WT Nr. 13/63: Für Errichtung und Unterhaltung der Königreichssäle werden ganz selten Mittel aus der Kasse der Gesellschaft verwendet. Die Erstellung und Unterhaltung der Königreichssäle obliegt den einzelnen Versammlungen.

Den neuesten Bericht über die Ausgaben der Wachtturm-Gesellschaft enthält der WT vom 15. 8. 1967. Man macht bekannt: "Die WTG gab im Dienstjahr 1966 mehr als 4 Millionen Dollar (gleich rund 16 Millionen Mark) aus, um die Ausgaben der Vollzeitdiener, wie Bezirksdiener und Kreisdiener, Missionare und Sonderpioniere zu begleichen." Für Königreichssäle war es wie je, daß diese die Versammlungen auf eigene Kosten erstellten. Man geht hier so vor, daß man Verpflichtungszettel austeilt, um darauf einzutragen, wieviel jeder dazu beizusteuern gedenkt. Oft konnten aus diesen Spenden noch Überschüsse an die WTG-Kasse abgeführt werden. (WT vom 15. 8. 67, S. 506).

Damit wäre das erschöpft, was die Gesellschaft den ZJ über ihre Ausgaben kundmacht. Über die Einnahmen erscheint nirgends ein Bericht. Weshalb nicht? Darüber gibt uns Marley Cole in seinem Buche "Jehovas Zeugen" einigen Aufschluß. Dieses Buch wurde mit Genehmigung der WTG-Leitung erstellt, fand aber nur geringe Verbreitung, da nur eine kleine Auflage gedruckt wurde. Auf Seite 179 heilt es:

"Jehovas Zeugen selbst sind keine geschlossene Körperschaft Sie können Fabriken, Heime, Anstalten weder besitzen noch betreiben noch irgendwelche legalen Geschäfte unter dem Namen Zeugen Jehovas durchfuhren . . . sie müssen sich der Vertretungen oder Körperschaften bedienen, damit sie, was die Welt betrifft, gesetzliche Anerkennung . . . finden. Aber sie müssen sich den Gesetzen der verschiedenen Länder anpassen und daher organisierte Körperschaften haben, um wirken zu können."

Das heißt mit anderen Worten, der einzelne Zeuge Jehovas hat weder Anspruch noch Recht, zu verlangen, daß ihm die WTG über ihre Kassenverhältnisse, Einnahmen und Ausgaben Rechenschaft gibt, denn alles Vermögen der WTG gehört der eingetragenen Gesellschaft. Über die Gelder bestimmt das gewählte Direktorium, sonst niemand. Dazu gehört auch aller Besitz an Grundstücken, Gebäuden usw.

Betrachten wir dies noch etwas genauer. Marley Cole schreibt: "Die Gesellschaft wurde zu dem Zwecke gegründet, biblische Wahrheiten' durch Druck von Schriften in verschiedenen Sprachen zu verbreiten. Es darf aber nur das gedruckt werden, was der Direktoren-Ausschuß für geeignet hält."

Kommt hier nicht deutlich "eine Geschäftsfirma" zum Vorschein Es darf nur das gedruckt werden, was Gewinn verspricht.

Deshalb ist die Entscheidung der Direktoren (Geschäftsinhaber) erforderlich. Wie kann man da von einer von Gott geleiteten Organisation sprechen? Der Ausschuß besteht aus sieben Direktoren unter Leitung des Präsidenten.

Über die Gehälter der Direktoren und des Präsidenten berichtet Marley Cole: "Alle Beamten und Direktoren mit eingeschlossen erhalten allmonatlich die gleichen Bezüge, nämlich - 14 Dollar. Mit allen anderen Lebensnotwendigkeiten, wie Wohnung und Verpflegung werden sie versorgt." Das heißt mit anderen Worten: Alle anderen Lebensnotwendigkeiten, wie Auto, Weltreisen und sonstige Annehmlichkeiten des Lebens erhalten in unumschränkten Maße besonders der Präsident und das Direktorium. Dazu schweigt auch, was die Höhe anbetrifft, Marley Cole. Man wird ihm hier keine Auskünfte gegeben haben. Die 14 Dollar sollen nur die Bescheidenheit, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist, in die Augen fallen lassen, denn mit 58,80 Mark im Monat kann man auch in Amerika nicht viel anfangen..

Die New Yorker Körperschaft hat ihr Hauptbüro und die Druckerei im eigenem Hause in der 117 Adams Street Brooklyn untergebracht. Sie ist bekannt als WTG. Sie druckt alle Literatur für Jehovas Zeugen. Sie kauft das Material und führt die Geschäfte, erledigt auch alle entstehenden Arbeiten Gebäude mit Inneneinrichtung, Druckerei mit allen Maschinen sind investiertes Kapital der Gesellschaft.

Die Körperschaft unterhält in 124 Columbia Heights Brooklyn 1, New York ein Heim. Hier werden die Mitarbeiter beherbergt, welche die anfallenden Arbeiten in der WTG ausführen. Das Heim ist bekennt als Bethel-Heim. Die dort untergebrachten Männer und Frauen haben ihre Arbeitskraft freiwillig zur Verfügung gestellt. Sie bekommen kein Gehalt für ihre Tätigkeit. Das Bethel-Heim ist Eigentum der Gesellschaft. (Marley Cole)

Es wird immer gesagt, die Gesellschaft arbeitet ohne Gewinn Stimmt das? Außer dem Besitz in Columbia und Adam Street hat die WTG Besitzungen auch auf Staaten Island. Dort befand sich die Rundfunkanlage. Der dortige Besitz enthält auch eine Nutzgärtnerei. Die hier erzeugten Lebensmittel gelangen von hier sofort auf den Tisch des Bethel-Heimes Was nicht verbraucht, wird, wird in eigener Verwaltung eingedost. Aus der Farin wird nichts verkauft. Es soll die Lebensunterhaltungskosten verbilligen für die Verpflegung der Arbeiter. Alle Beschäftigten auf der Farm erhalten keine Entlohnung für ihre Arbeit.

Ein weiterer Besitz befindet sich in South Lansing; New York. Hier ist die Gileadschule. Auch hier ist eine Farm angegliedert, die Schule und Bethel-Heim versorgt. Auch diese Farmarbeiter erhalten keinen Lohn.

Frage: Woher ist all dieser Besitz, wenn man nicht mit Gewinn arbeitet? Hier stimmt doch etwas nicht. Da diese Objekte oft auf sehr teurem Gelände stehen, muß man doch Kapitalien gehabt haben, um diese Objekte zu erwerben. Demnach ist hier viel Kapital investiert, was man aus dem Verkauf der Literatur und den Spenden erhalten hat.

Der New Yorker Körperschaft ist die Körperschaft Pennsylvania und die Bibelforscher-Vereinigung, Großbritannien angeschlossen. Die leitenden Beamten dieser drei Körperschaften sind praktisch dieselben Männer. Sie arbeiten geschäftsmäßig zusammen, angeblich "ohne Gewinn", sind aber bemüht, den erzielten Gewinn gut unter sich anzulegen in Gebäuden, Ländereien oder sonstwie zu investieren. Nicht nur in Amerika, sondern auch in anderen Ländern der Erde, wo sich Gelegenheit dazu bietet.

Wie bereits bekannt, ist man hier in der DDR bemüht, die eingegangenen Gelder in PK-Dienstwagen für leitende Diener zu investieren. Ein Zeichen , daß man auch hier über große Geldmangen verfügt. Man läßt sich den illegalen Apparat etwas kosten, die Mittel bringen die Brüder und Schwestern auf, die in ihrem Herzen beschlossen haben, alles für das Werk zu tun. Die drei Körperschaften immer bemüht, alles Kapital gut anzulegen. Wenn es in ihre Kassen eingeht, haben sie allein das Verfügungsrecht über die Kapitalsverwendung. Daß es der WTG nichts ausmacht, auf unrechtmäßige Art ihr Vermögen zu vergrößern, zeigte der vor Jahren in Westdeutschland geführte Prozeß wegen Steuerhinterziehung der WTG-Leitung. Sie hatten den Gewinn aus dem Verkauf von Druckschriften dem Finanzamt nicht berichtet und wurden deshalb zu einigen Millionen Mark Strafe verurteilt. Obwohl dies ein Vergehen der Leitung war, besaß man noch die Unverfrorenheit, die einzelnen Versammlungen in Westdeutschland zu ersuchen, den Betrag gesondert als Spenden zu sammeln und an die WTG-Kasse abzuführen, damit die WTG-Kasse keine Einbüße erleide. Jedoch die oft armen Brüder und Schwestern durften für die Verfehlungen der Leitung eintreten.

Gesamtbild über Einnahme und Ausgabe:

Verschaffen wir uns einen Überblick über die Einnahmen und Ausgaben der WTG, soweit sie auf Grund von Veröffentlichungen überhaupt berechenbar sind. Wir hatten eine Einnahme von 68 483 088,80 Mark und eine Ausgabe von 16 800 000,00 Mark festgestellt. Ergibt: 51 683 088,80 Mark Reingewinn jährlich. Sind wir aber großzügig und ziehen noch die 183 088,80 Mark ab für unvorhergesehene Ausgaben, so verbleibt noch ein jährlicher Gewinn von 51 500 000 Mark.

Man muß diese Einnahmen der WT-Körperschaft im Verhältnis zu den Ausgaben einmal vor Augen haben, um begreifen zu können, in welchem Maße die WTG Jahr um Jahr ihr Kapital vergrößert. Einen solchen ungeheuren Gewinn erzielen im allgemeinen wohl nur große Wirtschaftsunternehmungen. Nach dem Jahrbuch 1968 ist die Einnahme wieder um ein Vielfaches gestiegen. Wir werden gelegentlich darüber berichten. Da der Reingewinnbetrag aber noch weit höher kann als wir errechneten, bleibt dies für eine Geschäftsfirma mit drei Körperschaften ein beachtliches Geschäft Das man dies noch mit einem "göttlichen Kanal" zu bezeichnen wagt, ist unglaublich. Verständlich wird nun auch, weshalb die WTG-Leitung nie etwas über ihre Einnahmen berichtet, sondern nur über die Ausgaben. Man will nach außen immer "arm" erscheinen. Man verkündet, ein Werk der Nächstenliebe zu tun, "ohne Gewinn." Unsere Aufstellung zeigt aber den kolossalen Gewinn, der immer mehr wächst und man Mühe hat, ihn sicher zu investieren. Welche Sorgen doch die WTG Leitung damit hat, ist wohl nun jedem Bruder und jeder Schwester verständlich. Damit ihr diese Sorgen nicht habt, empfiehlt euch die Organisation, euer erübrigtes Geld in die Kasse der WTG zu spenden. Sie sorgt dann dafür, daß es gut verwaltet wird, zum Nutzen der drei Körperschaften.

Wenn der WT Nr. 16/67 euch in Erinnerung bringt: "Gibst du so, wie du in deinem Herzen beschlossen hast?" - so ist das eine Ermahnung für euch, alle die dort im WT angeführten Spendenmöglichkeiten zu nützen, damit die Gesellschaft nicht etwa verarmt und ihre Verkündigertätigkeit einstellen muß, wegen Mangel an Mitteln. Ihr würdet euch da eine große Schuld aufladen, meint die Leitung der WTG.

Marley Cole schreibt dazu in seinem Buch, Seite 182. "Gaben der Barmherzigkeit oder Hilfe und Beistand für den Nächsten zu seiner Wohlfahrt vor Gott, öffentlich oder privat, von einzelnen oder im Wege der Organisation gespendet, wird Gottes Gunst gewinnen. Dies verstehen die Zeugen unter den Werken der Nächstenliebe. Die Zeugen fühlen, daß geistige Gaben wichtiger sind als materielle." (S. 183) Denkt aber die Leitung auch so? Die Tatsachen zeigen es anders.

Materielle Hilfe

In bezug auf materielle Hilfe fühlen die Zeugen Jehovas, daß die besondere Verantwortlichkeit des Christen seiner Familie und Glaubensbrüdern gilt." (S. 183) Wenn sich innerhalb einer Zeugengemeinde ein einzelner oder eine Familie in Not befindet, ergreift die Gemeinde Maßnahmen zu einer bescheidenen Hilfeleistung. Doch es wird entschieden nicht befürwortet, sich auf Gemeindegaben zu verlassen.

Selbst die hauptberuflichen Missionare (oder Diener), sowie die Pioniere dürfen nicht erwarten, daß die Gemeinde sie beständig nährt, kleidet und unterstützt."

Aus dieser Veröffentlichung wird deutlich, daß die WTG-Leitung nicht bereit ist, in Not geratenen Brüdern und Schwestern irgendwie finanziell beizustehen, vielmehr sollten die Versammlungen dies tun oder einzelne Geschwister, die dazu in der Lage sind. Dieser Verantwortung entledigt sie sich mit den Worten: "Die WTG ist kein Almosen- und Unterstützungsverein, ihre Aufgaben sind andere." Mögen die Versammlungen für alles aufkommen, es darf aber nicht aus den Gute-Hoffnungsgeldern genommen werden. Ist dies Nächstenliebe?

Dem steht das Gründungsprotokoll vom 9. Sept. 1945 entgegen Aufgestellt in Magdeburg, Deutscher Zweig, unterschrieben von 7 Brüdern. Im Paragraph 8 heißt es hier: "Die Vereinigung ist berechtigt, nach Maßgabe ihrer Mittel an Arme oder durch besondere Umstände unverschuldet in Not geratene Personen geldliche Unterstützung zu gewähren. Über Anträge an die Vereinigung auf materielle Hilfe dieser Art entscheidet der Vorstand nach sorgfältiger Prüfung." Diesen Paragraph hat man den Geschwistern immer verschwiegen. Viele, die mittellos aus den Strafanstalten zurückkehrten, die wegen der WTG-Machenschaften ihr Hab und Gut verloren hatten, erhielten von der Leitung keinen Pfennig. Man sagte: "Denke, daß du es für den Herrn getan hast!" Die Gesellschaft war nie bereit, etwas mit ihrem Millionenvermögen zur Linderung der Not beizutragen. Auch die Frauen von den Brüdern, die ihre Strafe verbüßten, erhielten nichts aus der WTG-Kasse. Jedoch die Frauen der inhaftierten Kreisdiener erhielten den Lohn ihres Mannes vom Bethel ausgezahlt, die anderen Frauen der Brüder, inhaftiert waren, sollten arbeiten, die WTG hatte dafür keine Gelder. Dies ist die vielgepriesene Nächstenliebe der WTG-Leitung! Im Nehmen sind ihr alle gleich, im Geben aber sind Unterschiede zu machen. Ist dies brüderlich? Sicher nicht. Jak. 5.

Die Leitung der Wachtturm-Gesellschaft vergleicht sich so gern mit den Christen des 1. Jahrhunderts. Aber diese Christen horteten keine Millionenvermögen. Ihre Sammlungen dienten einzig und allein dem Zwecke, die Not ihrer Glaubensbrüder zu stillen. Aber gerade davon will die Führung der WTG nichts wissen. Römer 15:25-27; 1. Korinther 16:1-3; 2. Korinther 9:5-12; Philipper 4:14-16. Ganz besonders aus diesen ungeheuren Einnahmen läßt sich das Ausmaß ihrer Lieblosigkeit erkennen, indem sie den Bedürftigen ihrer geringen Brüder jede Hilfe verweigert. Kann die WTG-Leitung noch leugnen, das sie der Liebe zum Gelde verfallen ist? Bewahrheitet sich nicht im besonderen jenes Bibelwort an der WTG: "Wer das Geld liebt, wird des Geldes nicht satt?" Prediger 5:10. Die Tatsache, daß sie jährlich ihr Vermögen um Millionen vergrößert, straft ihre Behauptung der Unwahrheit, in keiner Weise kommerziell zu sein und ohne jeden Gewinn zu arbeiten. (WT 5/68, S. 154)

Die ersten Christen sahen keine Notwendigkeit, sich große Reichtümer zu schaffen, denn sie lebten tatsächlich im Glauben an das nahe Ende. Die WTG-Führung dagegen scheint von dem Ende dieses "System der Dinge", welches nach ihren Worten drohend nahe bevorsteht, selbst nicht überzeugt zu sein. Glauben sie, daß ihre Millionenwerte Harmagedon überdauern und gedenken sie vielleicht damit eine neue Welt aufbauen zu können? Was wollten sie sonst angesichts des "nahen Endes" mit ihrem ungeheuren Reichtum anfangen?

Wer hier imstande ist, alle diese Fragen nüchtern zu erfassen, wird in diesem Zusammenhang auch etwas anderes begreifen: Die WTG-Leitung muß, wie jedes andere kapitalistische Unternehmen, ein erklärter Feind der kommunistischen Weltordnung sein und den Kampf in Form von Verleumdungen schon aus dem Grunde unterstützen, um das von ihr geschaffene System und die damit verbundene Ausbeutung anderer Menschen aufrecht zu erhalten. Wie verwerflich macht sich doch die WTG-Führung in den Augen gerechtigkeitsliebender Menschen, indem sie weiterhin aus dem Glauben und der Gutwilligkeit von Menschen Kapital schlägt, anstatt in christlicher Nächstenliebe wirklich Gutes zu tun. Die Voraussetzungen dazu, Gutes zu tun, sind vorhanden Ihre jetzige Handlungsweise kann niemals Gottes Anerkennung finden. Denke auch Du darüber nach!
Mit christlichen Grüßen
Bruder Willy Müller
65 Gera, Lutherstraße Nr. 16
und Mitverbundene

Wissenswertes für Brüder und Schwestern in der WTG

Der Wachtturm vom 15. 1. 1968 verkündet "Neues Licht"

Große Enttäuschung für verwitwete und andere Brüder und Schwestern.

In einer Antwort auf Leserfragen gab der WT Nr. 2/68 bekannt, daß nicht nur die "144000 Überrestglieder", sondern auch viele der Zugehörigen zur "großen Volksmenge" nicht heiraten und Kinder zeugen werden. Zu dieser "Erkenntnis" kamen die Wachtturmschreiber durch Lukas 20:34-36. Sie erklären, daß diese Worte Jesu sich nicht auf die "144 000 Überrestmitglieder" im himmlischen Königreich beziehen, sondern auf die irdische Auferstehung. Deshalb müssen sich nun viele Brüder und Schwestern damit abfinden, welche irdische Hoffnung haben, daß es für sie im irdischen Königreiche keine ehelichen Freuden mehr geben wird. Das gilt sowohl für die lebenden, als auch für die wiederauferweckten Brüder und Schwestern in der WTG. Gleichzeitig aber auch für alle Toten, die im tausendjährigen Reich in das irdische Leben zurückgerufen werden, um erneut die Möglichkeit zu haben, durch Gehorsam das ewige Leben zu gewinnen.

Wie uns mitgeteilt wird, sind besonders die verwitweten Brüder und Schwestern darüber bitter enttäuscht. Bislang hatten sie gehofft, weil es ihnen der WT auch so lehrte, im paradiesischen Zukunftsreiche Christi mit ihrem verstorbenen Ehegatten wieder als Mann und Frau vereint zu werden. Diese Hoffnung nahm der WT plötzlich weg. Bislang wurde geglaubt, daß nur die 144000, weil sie zu Engeln verklärt, nicht heiraten würden. Ihre Heimat ist der Himmel bei Jesus Christus, hier werden sie weder heiraten noch sich fortpflanzen Anders sieht es aber auf der Erde aus. Diese wird von der großen Volksmenge bewohnt. Dazu schreibt die WTG in der Broschüre, die vor 15 Jahren erschien, "Die Sanftmütigen ererben die Erde" auf Seite 28: "Überall auf Erden werden durch die Heirat dieser treuen, sanftmütigen Harmagedon-Überlebenden Heimstätten und Familienkreise entstehen. Gottergebene Eltern werden Kinder in Gerechtigkeit zeugen und hervorbringen, und die herrlich gemachte Erde wird von dem frohen Klang lieblicher Kinderstimmen widerhallen. Da die Eltern selbst noch nicht vollkommen sind, werden sie ihre Kinder zwar nicht in Vollkommenheit, jedoch in Gerechtigkeit hervorbringen können."

Im Buche "Dies bedeutet ewiges Leben", erschienen in deutsch 1952, lesen wir auf Seite 305-306: "Wenn Jehova Gott seine loyalen Untertanen angesichts ihrer unerschütterlichen Treue … gerechtspricht, sagt Jesu: "Die Kinder dieses Systems der Dinge heiraten und werden verheiratet, jene aber, die würdig erachtet worden sind, jenes System der Dinge zu erlangen und die Auferstehung aus den Toten, werden weder heiraten noch verheiratet werden. . ." (Luk. 20:34-36 NW)

Wie verstand es doch die WTG-Leitung, ihre getreuen Anhänger immer wieder auf das irdische Zukunftsreich hinzuweisen, um fleißig ihren Felddienst zu leisten und begeistert alle Glaubens- und Verhaltungsanweisungen zu befolgen.

Für eine "Neue Erde", die voller Fruchtbarkeit, Schönheit, Frieden und Harmonie ist und keine Unterdrückung, Ausbeutung, Krankheit, kein Krieg und kein Schmerz mehr ist und keinen Tod mehr kennt, sich einzusetzen, ist verständlich. Jedoch jede Änderung oder Umsturz dieses Glaubensgebäudes bewirkt in den Betroffenen Gewissenskonflikte und schwere Enttäuschungen, die kaum wieder gut zu machen sind.

So ist es nun wieder mit dem Text in Luk. 20:34-36, welcher vor 15 Jahren anders verstanden wurde als heute. Daran ändert auch der Ausruf "Neues Licht" nichts, die Enttäuschung bleibt nach wie vor. Die Frage ist aber berechtigt: hatte der Mitteilungs- und Verbindungskanal vor 15 Jahren den Text von Luk. 20 noch nicht entdeckt? Oder kannte er ihn und hat ihn falsch gedeutet? Daß die Verantwortlichen in Brooklyn ihn jetzt so deuten, zeigt wieder einmal mehr, wie irrfähig und fragwürdig dieser "Kanal des Herrn" ist. Wieviele Brüder und Schwestern müssen nun bekümmmerten Herzens ein liebes Stück ihrer Zukunftsträume begraben. Uns ist verständlich, daß es manchen schwer fällt, diese Schlußfolgerung zu akzeptieren, denn es geht gegen ihr Vertrauen zur WT-Lehre. Ihre innersten Gefühle sind schwer verletzt, da ihnen die Aussicht, die man ihnen lehrte, mit ihrem Ehegatten wieder vereint zu sein, plötzlich genommen wurde. Trotz unseres aufrichtigen Mitgefühls mit allen, die durch den Tod ihren Ehegefährten verloren haben, sind wir gezwungen zu sagen, daß man anhand der Bibel zu der dargelegten Schlußfolgerung kommt. Es ist deshalb nötig, immer wieder darauf hinzuweisen, daß man dem Worte Gottes mehr Glauben schenken sollte, als den WT-Lehren.

Ein Bruder aus Westdeutschland

Mit Bruder Hutten H. Sun verließ ein Zweigdiener

von 16 000 Verkündigern die WTG und viele andere werden folgen

Das aus Afrika übersandte Ordinationsdokument der Wachtturmgesellschaft für Bruder Hutten H. Sun (Namatamba) hat folgenden Wortlaut:

"Certificate

Hiermit wird bestätigt, daß Hutten H. Sun ein erklärter Nachfolger Jesu Christi ist und völlig geweiht den Willen des allmächtigen Gottes zu tun. Er hat die Bibel und Bibelhilfsmittel studiert, die von dieser Gesellschaft bereitet wurden, und er hat sich fähig geneigt 'dieses Evangelium von Gottes Königreich' zu lehren und zu predigen unter Jesus Christus (Matth. 24:14), und er besitzt die schriftgemäße Ordination, das Evangelium vom Königreich Gottes zu predigen (Jesaja 61:1,2; Jesaja 52:7)

Deshalb wird er hiermit durch diese Gesellschaft als ordinierter Diener des Evangeliums bestätigt und autorisiert, diese Gesellschaft zu repräsentieren und das Evangelium vom Königreich Gottes zu predigen, und den Namen Jehova Gottes und Christus als König.
1. Oktober 1946
Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft
N. H. Knorr, Präsident"

In den zurückliegenden Jahrbüchern der WTG, z. B. von 1947 bis 1954 wird Bruder Hutten H. Sun in den bis 1964 in den Jahrbüchern veröffentlichten Listen der WTG-Zweig- und Sonderdiener namentlich genannt.

Diese Sonderdienerliste erscheint seit 1965 nicht mehr. Es soll verhindert werden, die Vorgänge in der höchsten Dienerschaft der WTG personell überprüfen zu können. Fast alle Brüder, die als einfache und aufrichtige Christen zur WTG kamen und bis in die höchsten Ämter gelangten, wurden früher oder später als "Rebellen" ausgeschlossen, weil sie das unaufrichtige Getriebe erkannten und nicht mitmachen wollten. Das betraf z. B. einige Zweigdiener der größten WTG-Organisationen wie den Zweigdiener von Kanada, F. W. Salter, der engste Vertraute von Präsident Rutherford, das Mitglied des WT-Herausgeberkomitees George H. Fisher, USA, das Mitglied des WT-Herausgeberkomitees und Zweigdiener von England Jesse Hernery, den obersten Rechtsberater der WTG Olyn R. Moyle, USA, den obersten Rechtsberater der WTG Hayden Cooper Covington, USA, den Leiter des Zentraleuropäischen Büros der WTG in Bern/Schweiz C. C. Binkele und viele andere.

Die Masse der einfachen Verkündiger ohne die die WTG nämlich machtlos ist, dürfen auf keinem Fall die wahren Zusammenhänge um diese hohen WTG-Diener und die wahren Gründe ihrer Ausschlüsse erfahren. Der jüngste Fall des Sonderdieners und Zweigdieners von Malawi zeigt, wie schwerwiegend in Wahrheit diese Gründe sind, Gründe, die die WTG nie ehrlich und offen und frei zur Diskussion stellen kann, will sie sich nicht selbst verurteilen und aufgeben, und will sie ihre Basis, ihre Existenzgrundlage, die Masse der einfachen, willigen und unkritischen Verkündiger nicht verlieren. Sie dürfen nicht erfahren, wer und was sie in Wahrheit regiert. Der theokratische Nymbus um die WTG-Führung in Brooklyn soll verhindern, zu erkennen, was dort in Wirklichkeit vor sich geht.

Jehovas Zeugen in Afrika - Opfer asozialer Lehren

Nach Hutten H. Sun (Namatamba); Malawi/Afrika

Bruder Hutten H. Sun (Namatamba) war seit 1918 Angehöriger der Wachtturm-Gesellschaft und wurde 1939 von Präsident Rutherford beauftragt, das WTG-Werk in Zentralafrika aufzubauen. Nach dem Wechsel in der WTG-Leitung 1942 wurde er im Auftrage von Präsident Knorr Sonderdiener in Afrika. Jetzt steht er an der Spitze einer Gruppe von Zweigdienern, Kreisdienern und Versammlungsdienern sowie Pionieren in Zentralafrika, die angesichts der sozialen Umwälzungen in Afrika durch das Ende der Kolonialzeit die WT-Bibelauslegungen über eine angebliche, schon vorhandene "Neue-Welt-Ordnung" als eine unbiblische und gefährliche religiös-politische Irrlehre erkannt haben. Sie haben daraus die Konsequenzen gezogen und sind zu der einen christlichen Hoffnung auf das Königreich Gottes zurückgekehrt und weisen allen anderen afrikanischen Brüdern den gleichen biblischen Weg.

Laßt uns nun zuerst den Blick darauf richten, was nach 1963, als die afrikanische Kolonie Nyassaland zum unabhängigen Staat Malawi wurde, mit den Zeugen Jehovas in diesem Land geschah.

In der Kolonialzeit vor 1963 waren zeitweilig bis zu 52 Prozent der sog. eingeborenen Stammesführungen mit den Zeugen Jehovas verbunden. Im Interesse der Kolonialregierung war das günstig, denn das bedeutete in politischer Hinsicht, daß die Mehrheit in der Kolonie davon gehalten wurde, das Ende des diktatorischen Kolonialregimes und seines Elends für das Volk zu fordern oder gar zu verwirklichen, und eine demokratische Ordnung zu errichten Denn die Lehre der Zeugen Jehovas verneinte und unterband jede demokratische Betätigung.

Mit dem historisch herangereiften Ende der Kolonialzeit kam auch das Ende des Kolonialregimes im Nyassaland, wo 1963 die Volksabstimmung für die Unabhängigkeit stattfand. Jetzt kam es zum offenen Konflikt mit den Zeugen Jehovas, weil sie auf Grund ihrer WT-Lehren eine demokratische Abstimmung für die Unabhängigkeit verneinten Wenn man bedenkt, was für ein furchtbares Elend die koloniale Abhängigkeit für das Volk bedeutete, denn versteht man, daß dieser Konflikt unvermeidlich war. Denn hätte sich die Mehrheit weiter nach den Lehren der Zeugen Jehovas richten sollen, so müßte das Volk weiter in der Kolonialsklaverei bleiben, anstatt freie Bürger zu werden. Mit der sozialen Umwälzung in unserem Jahrhundert zur Überwindung des Kolonialismus mußte in den afrikanischen Kolonien mit starken Gruppen von Zeugen Jehovas somit zwangsläufig ein Kampf gegen die Zeugen wegen ihrer undemokratischen Lehren beginnen, die sich jetzt offen als der sozialen Entwicklung feindlich und damit asozial erwiesen. Stellt man sich das Kolonialelend vor, dann versteht man auch die Erbitterung, mit der jetzt die asoziale Verkündung der Zeugen Jehovas bekämpft wurde. Denn ginge es nach dieser Verkündigung, dann dürfte kein Mensch dieses Elend beseitigen.

Weil die Leitung der Zeugen Jehovas die undemokratischen Lehren nicht ändert und weiter durch ihre Bibelauslegung den Christen jede demokratische politische Tätigkeit verbietet und jeden Christen mit "Gottes Mißbilligung" und "Vernichtung durch Gottes Königreich" bedroht, wenn er sich demokratisch betätigt, wurde das Werk der Zeugen Jehovas 1967 in Malawi vollständig verboten. Bruder Hutten H. Sun (Namatamba) berichtet uns darüber:

"Der Präsident der Republik Malawi hielt am 18. September 1967 im Norden des Landes, in Mzuzu, eine Versammlung ab, an der alle Minister der Regierung und Vertreter und Delegierte aus allen Teilen des Landes teilnahmen Unter anderem sprach er auch über Jehovas Zeugen Er machte hierüber folgende Ausführungen (Malawi Newspaper, 18. Sept. 1967):

Die Zeugen Jehovas verursachen überall Schwierigkeiten und die Kongreßpartei Malawi verlangt, daß sie verboten werden. Die Regierung mag ein Gesetz erlassen in der Weise, daß jeder Landesbezirk selbst entscheiden kann, ob man dort Jehovas Zeugen wünscht oder nicht. Wenn die Bevölkerung in irgendeinem Bezirk nein sagt, dann sollte dort den Zeugen Jehovas nicht erlaubt werden, zu arbeiten. Wenn sie ihre Sachen dann nicht packen und gehen, werden sie ins Gefängnis geworfen. Denn ich bin hier, um das Land aufzubauen."

Die Wachtturm-Gesellschaft gab nicht nach, und so wurden die Zeugen Jehovas wegen ihrer asozialen Lehren im Oktober 1967 in Malawi als staatsgefährdend verboten. Ihre Diener und Leiter ausländischer Staatsangehörigkeit wurden des Landes verwiesen und ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. Wer die antidemokratische und asoziale Verkündigung fortsetzte, wurde verhaftet. Die Verbreitung der Wachtturrn-Literatur gilt als kriminell, weil sie den sozialen Aufbau des Landes bekämpft. Zum Beispiel heißt es in der Wachtturm-Verkündigung. "Wahre Christen befürworten die Demokratie nicht . . . Sie wissen, daß die politische Beteiligung nicht nur zu nichts führen würde, sondern ihnen sogar Gottes Mißbilligung eintrüge. Sie wußten, das . . . jene, die Politik treiben, Feinde Gottes sind und dadurch zur Vernichtung in Betracht kommen." (Der Wachtturm 1. Januar 1957, S. 5-8).

Es liegt auf der Hand, daß solche Lehren für ein Volk, das sich aus unmenschlicher Kolonialpolitik befreien muß und das eine demokratische politische Ordnung aufbauen muß, wenn es menschenwürdig leben will, untragbar sind.

Die Regierung in Malawi versuchte, unter den Führern der Zeugen Jehovas im Lande solche zu. finden, die die Dinge begreifen würden. Und es gab leitende Brüder, die sich Gedanken machten, sie fühlten, daß etwas nicht stimmen kann, wenn man als Christ in eine solche Feindschaft und Frontstellung gegen eine historisch unvermeidliche und bitter notwendige soziale Entwicklung gerät. Sehr zum Verdruß der Leitung in Brooklyn waren es einige der höchsten leitenden Brüder in Malawi, Bruder Hutten H. Sun (Namatamba) als Sonderbeauftragter von Präsident Knorr, Bruder Pearson B. Gunda als ein Kreisdiener und weitere Sonderdiener, Versammlungsdiener und Pioniere. Das Studium der Bibel ohne Wachtturm-Brille zeigte ihnen den Ausweg.

Sie erkannten, daß es die WT-Lehre von der angeblich schon 1919 angebrochenen irdischen "Neue-Welt-Ordnung" ist, die diese verderbliche Frontstellung bewirkt. Denn diese Lehre ist es, die verlangt, die demokratische Ordnung als gottesfeindlich abzulehnen und gegen eine Beteiligung an sozialen Umwälzungen aufzutreten. Die Heilige Schrift dagegen fordert, um des Herrn willen jeder menschlichen Ordnung untertan zu sein" (l. Petr. 2:13), und Jesus lehrte mit seinem Gleichnis vom armen Lazarus in Lukas 16, soziales Elend beseitigen zu helfen. Das bedeutet, daß sich der Christ gegen eine unmenschliche Ordnung, wie den Kolonialismus wenden muß und den Elenden dieses Regimes sogar erst einmal physisch helfen soll. Die WT-Lehre von der angeblich schon begonnenen "Neue-Welt-Ordung" mußte also verworfen werden, da sie Christen hindert, sich für eine menschliche Ordnung einzusetzen und den sozial Versklavten und Entrechteten physisch zu helfen. Haben wir doch das urchristliche Beispiel vor Augen, sozialpolitische Mitverantwortung nicht abzulehnen, wie es durch die Tatsache gezeigt wird, daß das echte Christensein nicht hinderte, sogar Schatzmeister in einer politischen Regierung zu sein. (Apostelgeschichte 8:27-39).

Die ganze von der WTG heute gepredigte sogenannte irdische Hoffnung in Verbindung mit der "Neuen-Welt-Ordnung", seit 1919 stimmt also nicht! In der Tat, so ist es auch! Denn solange noch das Evangelium in der Welt gepredigt werden muß, gibt es überhaupt keine zweite Hoffnung, sondern nur die eine und einzige von Christus und den Aposteln gelehrte Hoffnung, und das ist die himmlische Hoffnung, die Hoffnung auf ein Bürgertum im Himmel! Christus und die Apostel predigten keine irdische "Neue-Welt-Ordnung", kein irdisches Königreich, sondern einzig das "Königreich der Himmel". Es konnte somit richtigerweise zu keiner Feindschaft des Christen zu politischer Mitverantwortung kommen. Jede andere Hoffnung neben der himmlischen ist darum in der gesamten Verkündigung des Evangeliums bis zu ihrem Ende abzulehnen! Christus und die Apostel selber gebieten uns das: "Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium verkündigt, außer dem, was ihr von mir empfangen habt, der sei verflucht!" (Gal. 1:8, 9). Und: "Wie ihr ja auch in eurer Berufung zu einer Hoffnung berufen seid, ein Herr, e i n Glaube, e i n e Taufe" (Eph. 4:4, 6). Und diese eine Hoffnung ist das "Haus des Vaters" (Joh. 14.1-3), das "Bürgertum im Himmel" für alle Christen (Phil. 3:20). Und das Gebot lautet: "Nicht über das hinaus, was geschrieben steht!" (l. Kor. 4:6). Aber ist heute nicht dieser Hauptinhalt der urchristlichen Evangeliumsverkündigung in der Wachtturm-Verkündigung durch eine andere, eine irdische Hoffnung als Hauptinhalt verdrängt?

Darum ist die WT-Verkündigung von einer "Neuen-Welt-Ordnung", von der Hoffnung auf eine irdische Ordnung, wie es die WTG jetzt meint, verflucht! Denn sie hindern den Christen an der Erfüllung seiner natürlichen sozialen Pflichten als Mensch und macht den Christen zum Staatsfeind Wahre Christen müssen sich, solange das Evangelium nach dem Vorbild Christi und der Apostel zu verkündigen ist, mit der himmlischen Hoffnung begnügen.

Dies alles erkannten unsere afrikanischen Brüder in Malawi auf einmal ganz klar, so daß Bruder Hutten H. Sun (Namatamba) zum Schluß schreibt: "Wir glauben, unser Bürgertum ist im Himmel und erwarten keine Neue-Welt-Ordnung Christi auf Erden unter der Führerschaft solcher Männer wie Rutherford und N. H. Knorr." Sie sagten den Regierungsbeamten, daß sie dies als die richtige Hoffnung für Christen erkannt haben, wie es die Bibel lehrt. Anstelle der verbotenen WTG-Organisation wurde deshalb in Malawi von den Brüdern eine freie christliche Gemeinschaft für ganz Zentralafrika gegründet, die sich nun der dortigen Zeugen Jehovas annimmt.

Folgende leitende Brüder dieser neue afrikanischen christlichen Gemeinschaft senden ihre Grüße, verbunden mit dem Wunsch, alle Zeugen Jehovas möchten doch die Wahrheit über die Wachtturm-Gesellschaft erkennen.
Hutten H. Sun (Namatamba), Zweig- und Sonderdiener
Pearson B. Gunda, Kreisdiener
John E. Mukiwa, Pionier
S. Mulaviwa, Versammlungsdiener
Willie Mparaka, Versammlungsdiener
T. D. Tumbe, Versammlungsdiener
Gidion Masamba, Pionier
Yesaya Mwela, Versammlungsdiener
CV stellt diesen Bericht über die Vorgänge unter den Zeugen Jehovas in Afrika zur freien-Diskussion und bittet alle aufrichtigen Brüder und Schwestern hier um ihre Stellungnahme und Überlegung.

Das wahre Gesicht der Wachtturm-Gesellschaft

Wie mich die WTG zugrunde richtete (Folge 2)

Als ich im Januar 1949 erstmalig mit den Zeugen Jehovas in Berührung kam und ich durch sie die Botschaft der Bibel hörte, so war dies wie schöne Musik in meinen Ohren. Ich war damals noch sehr jung, hatte aber bereits ein ereignisreiches Leben hinter mir. Ich hatte den 2. Weltkrieg persönlich miterlebt, war viermal schwer verwundet und war in einer Strafkompanie. Im Winter 1942/43 wurde vom Kriegsgericht der Antrag: Zum Tode durch Erschießen gestellt. Durch Vermittlung und Eingreifens des Bataillonskommandeurs wurde der Antrag in eine Disziplinarstrafe in einer Strafkompanie umgewandelt.

Mein Vater war ein alter Kommunist, deshalb war ich nicht ganz unwissend über die Probleme der Menschheit. Ich wußte, daß das Grundübel der Menschheit darin liegt, indem ein Mensch über den anderen Menschen herrscht.

Die Menschheit muß organisiert sein, gleich in welcher Form. Es müssen Gesetze sein, die der Allgemeinheit dienen. Jedoch die persönliche Diktatur eines Menschen über den anderen Menschen ist ein Unglück für alle, wie es die Nazizeit lehrt.

In meinem Inneren verborgen war ich gläubig, wie hätte ich sonst auch die Bibel annehmen können? Ein Gott ein Gesetzgeber, alle, aber auch alle Menschen sind diesem Gesetzgeber untergeordnet. Auch der Präsident der WTG und seine Dienerschaft. Aber, wie unchristlich herrschen doch die Diener der WTG nach ihren eigenen Gesetzen! Herr Knorr, stellst Du Dich unwissend oder glaubst Du Deinen von Dir genannten Dienern mehr, als den kleinen Brüdern in den Versammlungen? Glaubst Du den Berichten der Diener oder den Erlebnissen der kleinen Brüder?

Hier mußt Du Dich entscheiden, Herr Knorr, Wem willst Du in Zukunft Glauben schenken? Du hast ja auch das Recht, alles selbst zu überprüfen, tue es, ehe es zu spät ist.

Ich selbst studierte nicht nur die Bibel, nein, ich verschlang sie, um zu wissen, was recht ist. Durch Selbststudium, anhand der WT-Literatur, las ich Tag und Nacht, Woche um Woche, Monat um Monat. Ich bat Jehova um Erkenntnis. Jede, aber auch jede Schriftstelle, die die WT-Literatur anführte, verglich ich mit der Bibel. Dabei stellte ich fest, daß die zitierten Bibelstellen oft nicht im Einklang standen mit den Ausführungen der WT-Schreiber. So wurde im Laufe der Zeit die Bibel mein geistiges Eigentum, nicht der Wachtturm.

Guter Rat aus Erfahrung

Ich möchte Dir, Herr Knorr und Deinen Dienern im besonderen folgenden guten Rat unterbreiten: Die Masse der Zeugen Jehovas haben nur den Wachtturm im Kopf, aber nicht die Bibel, weil Ihr ihnen dazu keine Zeit laßt, selbige zu studieren. Sie berufen sich immer im Missionsdienst auf den Wachtturm und unterbreiten seine Auslegungen, weil sie darin geschult sind., Diese Schulung ist falsch, Nathan Knorr, die Bibel ist unser Lehrbuch, auf die Bibel muß man sich stützen können. Ein großer Teil der Zeugen Jehovas verstehen überhaupt nicht mit der Bibel umzugehen. Sie drehen die Bibel hin und her, einige Schriftstellen können sie auswendig, dann ist es aber aus und ein gegenüberstehender Bibelkundiger weidet sich an ihrer Unwissenheit. Der Wachtturm ist eben das Heiligtum für die Masse der Zeugen Jehovas geworden. Die Bibel tritt total in den Hintergrund. Mir war die WT-Literatur nur ein Helfer, mehr nicht. Durch Überprüfen konnte ich Unstimmigkeiten und Irrtümer erkennen. Ich studierte mit Fleiß, jede freie Zeit nützte ich aus. Ich behielt mein Wissen nicht für mich, ich gab es weiter, um auch andere anzuregen, prüfet alles, wie es die Beröer taten. Ich war immer tätig für den Herrn und bereicherte mein Wissen durch die Schrift. Um es vielen zu unterbreiten, wurde ich Pionier der WTG.

Pionier sein erfordert einen Arbeitsplan. Täglich besprach ich mit meiner Frau den Tagesablauf. Meine Frau und meine Kinder hatten trotz des Pionierdienstes ein ordentliches Familienleben und es gab da keine Zwistigkeiten. Jetzt traten die lieben Brüder, besonders die, die ein Dienstamt hatten, auf den Plan. Sie flüsterten meiner Frau ständig ins Ohr, der Horst handelt falsch. Er verkündet nicht, wie es die WTG-Leitung wünscht, sondern handelt nach seiner Bibelerkenntnis. Brüder trugen Unfrieden in meine Ehe, welche bisher harmonisch verlief. Später hielten mir diese Brüder vor, welche den Unfrieden in meine Ehe getragen hatten, ich selbst hätte den Unfrieden hineingetragen. Solche Diener ernennst Du, Herr Knorr. Was nützt Dein ewiges Gerede, nur reife Brüder als Diener zu ernennen, Du handelst aber ganz anders indem Du Säuglinge ernennst. Hier siehst Du, wie wenig Du Dich auf Deine Diener verlassen kannst, die Dir die Brüder zur Ernennung vorschlagen. Wie überprüfst Du die Vorschläge? Anhand der Stundenlisten und des Literaturverkaufes oder wie sonst? Mein Rat dazu: Handle immer nach biblischen Anweisungen, die Du ja kennen mußt.

Wie Ausschlüsse zustandekommen

Der Herbst 1950 kam, das Verbot der WTG wurde bekanntgemacht Ich stand plötzlich außerhalb der WTG-Gemeinschaft. Ohne mir davon Mitteilung zu machen, wie es die Ordnung in der WTG-Gemeinschaft vorschreibt, stand ich plötzlich allein auf weiter Flur. Warum? Weshalb? Die Frage blieb offen. Ich lief von einem Bruder zum anderen Bruder. Auf meine Fragen immer eisiges Schweigen oder sie ließen sich durch die Frau verleugnen, denn ich sah, daß sie daheim waren. Herr Knorr, wird in dieser Form jetzt der Gemeinschaftsentzug durchgeführt? Nun höre gut zu, Nathan Knorr. Durch einen Zufall erfuhr ich, daß ich ein Irrlehrer gewesen sein soll und es auch noch sei. Ich sei ein falscher Prophet. Schon vor dem Verbot habe man den Gemeinschaftsentzug ins Auge gefaßt, das Verbot habe sie daran gehindert, es durchzuführen. Nun erledigten es die edlen Nachfolger vom früheren Versammlungsdiener Haas. Haas besaß kein bißchen biblisches Wissen. Er war ein aufgeblasener Neuling. Er hat bei den Zeugen, in all den Jahren, nichts weiter gelernt, als sich den Anordnungen der WTG-Leitung zu beugen. Auf Befragen erklärte er wisse nichts von einem Ausschluß, gar nichts. Auf Drängen gab er dann zu, daß ihn ein gewisser Ewald Härtel aufgestachelt habe, zu einem Ausschluß meiner Person zu schreiten. Jetzt wurden mir auch gewisse Vorkommnisse verständlich. Herr Haas verwickelte mich des öfteren, wenn er mich auf der Straße traf, in biblische Gespräche. Die Fragen, die er mir stellte, richtete er am Schluß der Versammlung an einen älteren Bruder und bat um Beantwortung in der Versammlung. Der ältere Bruder hieß Richard Leubner. Der Bruder beantwortete die Fragen genauso als ich sie beantwortet hatte. Ich ahnte damals nicht die heimtückischen, hinterhältigen Anschläge des Haas, die ich erst später erfuhr. Herr Knorr, wenn unwissende Brüder Aufseher sind, müssen sie auf hinterhältige Weise unliebsame Brüder ausmerzen? Endlich glückte es mir, den Nachfolger von Haas zu sprechen. Sein Name war Kretschmar Ich hielt ihm die unbiblischen Ernennungen der Diener durch die WTG vor und wies auf die Auswirkungen hin. Die Antwort war: "Wenn der Aufseher weniger über die Bibel weiß, als die anderen Brüder, so ist das besser." Wahrlich, so ist das besser. Kretchmar ging ab, Skalau wurde der Nachfolger. Mit diesem versuchte ich wiederum ins Gespräch zu kommen. Es war aber gar nichts zu machen, er ließ mich gar nicht erst zu Wort kommen. Ich teilte ihm nun brieflich mein Anliegen mit und hielt ihm sein unbiblisches Handeln vor. jedoch alles war vergebliche Mühe. Eine Antwort traf aber doch ein. Ein Bruder aus Bautzen, Gerhard Heller, kam in meine Wohnung. Er wollte mich überzeugen, daß ich ein Irrlehrer sei. Mit aller Gewalt wollte er mir einreden, daß Adam eine Auferstehung hat. Adam hatte als vollkommener Mensch das Gesetz übertreten. Ist denn Jesus Christus auch für Adam gestorben, für einen wissentlichen Sünder, oder nur für Adams Nachkommenschaft?? Hier stimmt doch etwas nicht, Gerhard Heller. Kurze Zeit darauf brachte der WT dazu einen Artikel, welcher mit meinen Auffassungen im wesentlichen übereinstimmte. Gerhard Heller blieb aber nach wie vor bei seiner Auffassung, trotz der WT-Aufklärung.

Haben die Diener der WTG das Recht, eigene Meinungen zu vertreten, die Verkünder aber müssen das annehmen, was der WT lehrt? Herr Knorr, wo ist da die viel gepriesene Einigkeit in Deiner Organisation? Wenn Verkündiger anders lehren, als es der WT gebietet, werden sie ausgeschlossen, die Diener aber haben diese Freiheit zu lehren, wie sie es verstehen, zu lehren? Herr Knorr, gib Auskunft darüber!

Hinterhältig war der Gemeinschaftsentzug bei mir. Es fehlte nicht nur die biblische Grundlage, sondern man handelte dabei auch nicht nach den Satzungen der WTG. Diese wurden überhaupt nicht in Erwägung gezogen. Mein Verbrechen bestand darin, daß ich die Bibel in Reinheit lehrte, oder daß ich der Bibel mehr glaubte als dem Wachtturm Dazu kommt noch die Lieblosigkeit der Diener, ihr arrogantes Auftreten bei Gesprächen, welche aufklärend und verstehend geführt werden sollten. So war jeder Einspruch gegen den ungerechten Ausschluß vergeblich.

Ich suchte nach einem Weg, wie ich wieder in die Organisation gelangen könne. Es gab da nur eine Möglichkeit, und das ist Hinterhältigkeit und Vorspielen falscher Tatsachen Die Brüder hatten sich ja nicht geändert, es waren dieselben Brüder, welche im Herbst 1950 den Ausschluß bei mir vollzogen. Ich mußte ihnen Theater vorspielen, so wie ich es bei ihnen gelernt hatte. Ein Bruder gab mir den Rat, zum Versammlungsdiener zu gehen und ihm meinen Entschluß vorzutragen. So ging ich zum VD Skalau. Ich trug ihm mein Anliegen vor und bereute meine Handlungsweise und bat um Aufhebung des Gemeinschaftsentzüges Wie gesagt, es war die einzige Möglichkeit, anders ging es nicht. So wurde ich nach ca. 2 ½jährigen Gemeinschaftsentzug im Frühjahr 1953 wieder in ihre Reihen aufgenommen.

Diesen Schritt habe ich etwas später bitter bereut. Nie wieder würde ich so etwas wiederholen! Meine Handlungsweise war verkehrt. Jedoch war niemand da, welcher mir einen guten Rat erteilen konnte und im Glauben, alles werde zum Guten ausgehen, tat ich diesen Schritt. Jetzt lernte ich noch mehr, als vorher, wie die Eintracht unter Leitung von arroganten Dienern der WTG in Wirklichkeit sich auswirkt. Die weiteren Jahre meiner erneuten Zugehörigkeit bewiesen dies. Es ist einfach nicht möglich, daß ein ehrlicher, gottesfürchtiger Mensch in diese Gemeinschaft zurückkehren kann, denn du wirst dort nie mehr froh werden. Mit den Dienern kann man nicht ehrlich und vernünftig reden, weil ihr Denken und Handeln ungesund ist, beeinflußt von den höheren Dienern von oben. Das Mißtrauen gegen dich wird nie von dir genommen, du bleibst ein Verfemter auch in der Gemeinschaft. Die kleinste Unstimmigkeit wird groß aufgezogen und deine alten, vergebenen Dinge werden gleich wieder in den Vordergrund gestellt. So handelt Deine Dienerschaft, Herr Knorr. Tritt zurück, Nathan Knorr, andernfalls werden auch noch die paar ehrlichen Brüder die WTG verlassen und es wird dann noch schlimmer werden. Du meinst. das wäre eine Verleumdung, nein, Herr Knorr, es sind Tatsachen. Sieh die Tränen überall, die sich auf Grund dieser geschilderten Zustände zeigen. Es ist unerträglich für den, den es betrifft.

Daß der Unfriede durch Deine Diener gesät wird, Herr Knorr, beweist das nun Folgende. Der VD Skala verließ Zittau. Es wurde plötzlich ruhig um mich her. Die Hetze und Verleumdung unterblieb. Das Mißtrauen gegen mich wurde dadurch beseitigt und ich wurde 1953 Aufseher in Zittau. Meine erste Arbeit bestand darin, daß ich alle unschuldig, hinter dem Rücken ausgeschlossenen Brüder aufsuchte Ihre Zahl war grob. Es gelang mir, sie in die Gemeinschaft zurückzuholen. Friede zog ein in die Gruppe. Die Versammlung wuchs und blühte und alle waren zufrieden.

Es war aber in Zittau noch eine zweite Gruppe. In dieser Gruppe herrschte Unfriede und Unzufriedenheit. Der Versammlungsdiener dieser Gruppe war Helmut Worm. Er war der Unruhestifter dort. Helmut Worm erdreistete sich, auch in meiner Versammlung Unruhe zu säen. Ich verbat mir das energisch, aber es half nicht. Ich war gezwungen, an Ernst Wauer, Berlin, eine Beschwerde zu schreiben. Worm erhielt davon, wie es sich gehört, eine Abschrift. Ernst Wauer war nach Überprüfung der Sachlage zu dem Entschluß gekommen, es gibt nur eines, Worm muß abgesetzt werden. Als Worm davon erfuhr, zog er hinter meinem Rücken alle Register der Verleumdung. Überhaupt vollzog sich jetzt alles wieder hinter meinem Rücken, man wagte nicht, offen mit mir zu sprechen. Ernst Wauer erniedrigte sich und schenkte der Ohrenbläserei Glauben. Ernst Wauer zeigte damit seine ganze Größe als oberster Diener.

Wauer war ein Feind der Bibel, ich kann diese Behauptung mit ruhigem Gewissen aufstellen. Ich bin auch gewillt, den Beweis dafür anzutreten. Das ganze Bethel in Berlin wußte dieses, nur Herr Knorr nicht, ihm wurde es verschwiegen, weil Wauer ein höriger Diener war. Auch wußte Herr Knorr nichts von dem Sündenregister des Dieners Worm in Zittau. Helmut Worm war und ist ein Krebsgeschwür in unserem Ort. Er handelte wie es ihm beliebte Zum Beispiel verbot er den Brüdern, daß sie sich mit Schwestern zwecks Eheanbahnung trafen. Den Eheleuten verbot er, Kinder zu zeugen. Er selbst habe die Ehebetten auseinander gestellt. Heute hat er aber selbst zwei Kinder. Man ändert sich im Laufe der Zeit. Nach den Zusammenkünften gingen sie stets ohne Gebet auseinander. Worm fühlte sich wohl als Alleinherrscher in der Gruppe. So versuchte er, in alle persönlichen Dinge einzudringen und gab dann den Brüdern persönliche Befehle, die sie einzuhalten hatten. Alles wollte er bestimmen, alles wollte er regeln, alles wollte er wissen. Erfolge hatte er aber nur teilweise. Die Brüder kamen zu mir und ich führte deshalb unzählige Aussprachen mit Wauer. Bei diesen Aussprachen lernte ich Wauers Charakter gut kennen, desgleichen auch Worm. Worm flüsterte z. B. Wauer ins Ohr, ich wäre ein Irrlehrer und anderes mehr. Es begann die alte Geschichte wieder aufzuleben, die ausgestorben war. Einmal sagte Worm zu Wauer: "Paß ja gut auf bei "DEM", ja bei Dem, der hält sich ganz genau an die Bibel und an die RTO"! Wauer sagte mir dies wieder. Der Hinweis, daß ich mich so genau an die Bibel halte, war ein Vorwurf für mich von Wauer, deshalb sagte er es mir. Die Handlungsweise von Wauer erhärtete diesen Vorwurf. Wauer behauptete auch einmal, ich würde gegen die Brüder arbeiten. Welch eine Rechtsverdrehung. Ich arbeite gegen die unbiblischen Handlungen und Anmaßungen, im besonderen gegen den Diener Worm. Ruhe und Frieden will ich haben, mehr nicht. Wauer schrie mich an: "Wir werden dich erziehen. Ich werde dich einer Gruppe zum Studium zuteilen, wo eine Schwester als Diener ernannt ist!" Wauer sagte dies nicht nur, sondern er gab Anweisung, es durchzuführen Damit wollte man mich demütigen. Bei einer anderen Aussprache mit Wauer wegen Worm war plötzlich Thiel zugegen. Ich hatte mit so etwas gerechnet und brachte auch einen Bruder mit. Das erregte Wauer dermaßen, daß er ausfällig wurde. Er sagte unter anderem, ich verbiete dir ein für allemal, daß du unaufgefordert einen Zeugen für unser Gespräch mitbringst. Ich sagte ihm, nun dasselbe Recht, was du hast, habe ich auch. Du hast dir Thiel als Gesprächszeugen mitgebracht und ich diesen Bruder. Du glaubst doch nicht etwa, daß ich rechtlos bin. Lassen wir es dabei bewenden und beginnen wir mit der Sache Worm.

Ich legte alle Verfehlungen und Unstimmigkeiten, seine Arroganz und Herrschsucht dar, die ich beweisen konnte. Am Ende sagte ich, dies alles konnte nur entstehen, weil ihr in der Dienstabteilung unfähige Brüder zu Dienern ernennt. Du trägst die Verantwortung dafür und der Präsident Knorr ist der Hauptverantwortliche für die Ernennung Du und Knorr, ihr seid die Schuldigen in diesem Falle. Da fing Wauer an zu toben und wurde sehr ausfällig. Später entschuldigte er sich wegen dieses Vorkommnisses mit dem Hinweis, er habe keine anderen Brüder. Ich erwiderte, das ist nicht wahr, wahr ist, daß ihr die fähigen Brüder an die Wand stellt. Die ehrlichen, fähigen Brüder werden aber von den herrschsüchtigen Brüdern ausgeschlossen. Ich rede nicht von meinem Fall, es gibt eine Menge Brüder, mit denen man so verfahren ist. Brüder waren da, Schwestern wurden zu Dienern ernannt. So ist es in eurer theokratischen Organisation.

Heute weiß ich, weshalb man so handelte. Die Brüder wurden ganz bewußt ausgeschlossen, respektiv nicht in ein Dienstamt eingesetz. Warum? Weil sie gewissen Brüdern gefährlich werden konnten. Sie hatten vieles erlebt und manche Erfahrung gemacht, die mit der Theokratie nichts zu tun hatte. Weil sie zu viel wußten und deshalb nicht in allen Dingen hörige Diener sein konnten, waren sie aber noch gut genug, um als Verkündiger die Quote der Gruppe zu erfüllen und zu erhöhen. Taten sie dies auch nicht mehr, dann wurden sie gefährlich und untragbar Die jungen Brüder dagegen waren Neulinge auf dem Gebiet der Theokratie und ließen sich leichter führen, weil sie noch keine Enttäuschungen erlebt hatten. Waren keine neuen Brüder da, nun so nahm man auch Schwestern als Diener in Kauf.

Der Grundsatz war, möglichst Neulinge einzusetzen, denn in der Illegalität ist mit diesen besser zu arbeiten als mit den älteren, erfahrenen Brüdern. Wauer sagte einmal zu mir, er nehme alle Ernennungen mit Gebet vor. Hat das Gebet von Ernst Wauer Wunderwirkung? Wird dadurch ein unfähiger Bruder plötzlich zu einem fähigen Bruder? Ernst Wauer, du solltest aus Erfahrung eigentlich gelernt haben und nicht solche absurde Entschuldigungen bringen. Gereifte Brüder handeln anders. Aber so ist es von oben bis unten, keiner ist da, welcher Verständnis für Gewissenskonflikte und offensichtliche unbiblische Lehren und Handlungen aufbringt. Die Tatsachen beweisen dies. Männer mit biblischen Grundsätzen gehören ins Bethel. Bringt doch endlich, die Ihr Euch immer auf die Bibel beruft, biblische Grundsätze in die Organisation, den urchristlichen Zustand. Herr Knorr, rede und schreibe nicht so viel von biblischen Grundsätzen, sondern handle nach biblischen Grundsätzen. Setze fähige Brüder ein, die auch Bruderliebe als Grundsatz annehmen und bemüht sind, die Bruderliebe in den Vordergrund zu stellen. Jedoch nicht nur die Liebe zu den höheren Brüdern, sondern am stärksten und offensichtlichsten zu dem geringsten Bruder. Handle so, Herr Knorr, dann wird sich endlich das Grundübel, die Lieblosigkeit in der WTG, beseitigen lassen Zur Zeit werden die Handlungen und Lieblosigkeiten der von Euch ernannten Diener von Jahr zu Jahr schlechter und unbarmherziger. Dein Brief vom Vorjahr an die höheren Diener der WTG zeigt, daß Du, Herr Knorr, einiges weißt, aber Deine Aufforderung wird im Sande verlaufen, weil in Deinen Dienern die Liebe längst erkaltet ist. Sieh Dich nur um, Nathan Knorr, wie Deine, von Euch so gelobte Organisation unter Eurer Diktatur seufzt, zum Schaden aller.

Herr Präsident Knorr, möchte auch mein zweiter Brief Dir manches erkennen lassen und Deinen Entschluß zum freiwilligen Rücktritt stärken. Ich werde Dir weitere Erlebnisse und Erfahrungen aus meiner Zeugenzeit unterbreiten, damit Du auch von den geringen Brüdern etwas erfährst und welches Bild sie von der WTG gewonnen haben Alle Brüder sind, soweit durch CV erreichbar, darüber unterrichtet.
Horst Kühn,
88 Zittau, Geschwister-Scholl-Straße 34
Fortsetzung folgt

Ist die Wachtturm-Religion in Übereinstimmung mit der Realität?
Von Manfred Gebhard, Berlin
Das Schlimmste ist, daß zu wenig darüber nachgedacht wird, was die Wachtturmgesellschaft zu verkündigen verlangt. Die nachfolgenden Betrachtungen sollen ein Anstoß sein, nicht länger bedenkenlos hinzunehmen, was die Gesellschaft als "göttliche Wahrheit" bezeichnet.
"Die Gegenwart Christi ist überall wahrnehmbar", und so sei Gottes Königreich seit 1914 reale Wirklichkeit geworden (Vergewissert euch über alle Dinge, S. 418), behauptet die Wachtturmgesellschaft. Doch wo sind die konkreten Beweise Wo ist die Gegenwart Christi tatsächlich wahrnehmbar In der Welt jedenfalls nicht. Und in der "neuen Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas"? Was müßte man konkret betrachten, um das wirklich festzustellen? Das Entscheidende wäre da wohl die Wachtturmlehre, die als "göttliche Wahrheit" von Gott und seinem Christus kommen soll. Aber die Tatsache, daß die Wachtturmgesellschaft heute so lehrte und morgen das Gegenteil behauptet (siehe die Lehre von der Obrigkeit), beweist, das in ihr nicht der Geist der Wahrheit ist. Wie kann da Christus geistig wahrnehmbar sein?
Ein anderes Beispiel zum Nachdenken. Zur Berechnung der 1914-Theorie behauptet die Wachtturmgesellschaft, die Zerstörung Jerusalems fand im Jahre 607 v. u. Zt. statt. Gemäß sämtlichen anderen seriösen Geschichtsforschern fand sie jedoch im Jahre 586/87 v. u. Zt. statt! - Siehe z. B. die Zeittabellen in den Bibelübersetzungen von Luther, Zürcher, Elberfeld, Menge und Rießler und andere. Es ist doch wohl etwas anmaßend, wenn die Wachtturmgesellschaft bestimmen will, was historische Tatsache ist. Wer ihr da folgt, liefert sich reiner Willkür aus. Das gleiche trifft auch zu für WTG-Präsident Rutherfords 1925-Theorie. Rutherford behauptete dazu, im Jahre 1575 v. Chr. ist die Nation Israel in Kanaan eingezogen". 3500 Jahre später sollte das Jubeljahr-Gegenbild sein. Die heutigen Zeugenführer geben jedoch als Einzugsdatum Israels in Kanaan das Jahr 1473 v. Chr. an. "In der Hoffnung auf eine gerechte neue Welt leben" Seite 15. Abgesehen davon, ist auch dieses Datum fragwürdig, denn die Geschichtsforscher, auf die sich die Wachtturmgesellschaft schließlich doch immer orientieren muß, sind sich über ein genaues Datum in dieser Sache noch, nicht einig. Ihre bisherigen Daten schwanken zwischen 1200 und 1400 v. Chr. Die Wachtturmgesellschaft setzt jedoch willkürlich für ihre Theorien notwendige Geschichtsdaten fest, die wissenschaftlich nicht haltbar sind.
Das gleiche gilt auch für die 1975 endende 6000-Jahr-Theorie Gemäß der Berechnung von James Ussher enden sie erst 1996 und gemäß jüdischer Zeitrechnung erst im Jahre 2240! - Der Wachtturm Nr. 8/67, 2. Teil, Abschn. 25, Wachtturm vom 15. Juli 1958 Seite 428. Was ist Wahrheit?
Es ist eine Vermessenheit ohnegleichen, die Wachtturmtheorien als Göttliche Wahrheit' zu proklamieren, obwohl sich sämtliche - Endzeittheorien der Vergangenheit als Irrtum und unglaubhaft erwiesen haben!
Nun kommt ein neuer Gesichtspunkt zur Anregung. Die Wachtturmgesellschaft verkündigt: "Keine politische Partei, keine Regierung und kein Nationenblock sollte es auf sich nehmen, sich als Ersatz anzubieten und den Platz von Gottes Regierung für seine neue Welt einzunehmen … Von Furcht inspirierte Menschen weisen warnend darauf hin, daß der dritte Weltkrieg unvermeidlich sei, wenn man ein Versagen der Vereinten Nationen zuläßt. Die zuverlässige Wahrheit aber ist, daß Harmagedon gerade aus dem Grunde unvermeidlich ist, weil man die Vereinten Nationen nicht aufgibt und sie nicht zum alten Eisen wirft, und weil ihre Mitgliedsstaaten und alle anderen Nationen nicht "den Sohn küssen", d. h. dem Erwählten Gottes huldigen, den Gott als König auf seinen heiligen Regierungssitz gesetzt hat." (Nach Harmagedon Gottes neue Welt, S. 13.)
Durchdenke doch einmal, was diese Darlegungen praktisch bedeuten. Wie soll es in der Praxis oder Realität aussehen? Der praktische Kern ist, Völker der Welt, Regierungen aller Art, tretet eure politischen Machtbefugnisse an Jehovas Zeugen ab! Denn - so besagen es die unglaubwürdigen 1914-Berechnungen - die Regierungen haben seit 1914 nicht mehr das Recht weiter zu regieren. Knorr, Franz, Suiter, Franke, Künz und wie die Zeugenführer sonst noch heißen, sind gemäß Psalm 45.16 gemäß Wachtturmauslegung die "rechtmäßigen Fürsten, die nach Recht herrschen" - Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 252. Das, heißt auf Realität untersucht, die Zeugenführer wollen die politische Macht auf Erden übernehmen! Nur tritt sie ihnen keiner ab.
Dieweil die Zeugenführer hier fordern, die Regierungen sollen ihre politische Macht abtreten an den von Gott Erwählten, an Christus seit 1914, d. h. praktisch an die Zeugenführer, die allein Christus vertreten wollen, wird auf der anderen Seite gepredigt: Sie (Jehovas Zeugen) wissen, daß die politische Beteiligung nicht nur zu nichts führen würde, sondern ihnen sogar noch Gottes Mißbilligung eintrüge, daß Gottes Königreich dazu bestimmt ist, alle politischen Herrschaften zu vernichten, und daß jene, die Politik treiben, Feinde Gottes sind und dadurch zur Vernichtung in Betracht kommen." Wachtturm vom 1. Januar 1957.
Was ist das alles für ein Unsinn? Erst sollen alle Politiker die Macht an Christus abtreten, damit Christus zum politischen Weltherrscher werde. Da das praktisch nicht geht, weil man nicht in den Himmel hoch kann, um dem Christus da etwas zu übertragen oder abzutreten, bedeutet das, die politische Macht an die Zeugenführer zu übergeben als irdische Vertreter Christi. Aber die wollen sie auch nicht haben, weil jede Politik sie angeblich zum Feinde Gottes macht. Was denn nun?
Ist das nicht alles himmelschreiender Unsinn? Eine vollkommen paradoxe Sache. Wenn die Nationen der Erde die bisherigen Forderungen der Zeugen Jehovas ernst genommen hätten, dann gäbe es seit 1914 nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder vollkommene Anarchie auf Erden, weil keine irdische Regierung mehr tätig wäre oder aber die Wachtturmdiktatur Beides ist real gesehen jedoch vollkommen absurd.
Sollte man nicht als verantwortlicher Diener über solche groben Ungereimtheiten, in der Wachtturmreligion stutzig werden? Mögen sie helfen, dem umsichgreifenden Nachdenken in der Wachtturm-Organisation voranzuhelfen.
Wenn die Wachtturmgesellschaft weiterhin an ihren lebensfeindlichen und im Gegensatz zur Realität stehenden Forderungen festhalten sollte, so mag es durchaus möglich sein, daß sich ihre eigene Ankündigung von einem Generalangriff auf ihr Werk eines Tages bewahrheiten wird, weil sie ihn selbst provoziert.
Wohl dem, der dann vor dem Schaden klug war!

lnteressante Mitteilung:

Zweierlei Weisungen in der Wehrdienstfrage"

In seinem Buch "God is a Millionaire" schrieb der Amerikaner Richard Mathison und berichtet von den Zeugen Jehovas, daß sie als verfolgte Minderheit einen unbeugsamen Mut bewiesen hätten. Im Koreakrieg haben viele Andersgläubige diesen Mut nicht aufgebracht. Eine Untersuchung des Pentagons hat zu der Feststellung geführt: Die wenigen Zeugen Jehovas, die in die Kriegsgefangenschaft kamen, hielten den psychologischen Methoden besser stand, als viele patriotische West-Point.-Absolventen. Der Wachtturm Nr. 19. vom 1. 10. 1967 zitierte freudig diese Sätze. Seine Genugtuung ist begreiflich. Aber gleichzeitig gibt damit die WTG-Führung zu, das in der amerikanischen Wehrmacht auch Zeugen Jehovas Dienst taten und sogar in den Koreakrieg zogen. Der Wachtturm berichtete nichts darüber, daß sie von Glaubensskrupeln geplagt wurden. Die WTG-Leitung tadelte sie auch nicht, weil sie denselben Wehrdienst leisteten, den ihre Glaubensbrüder in anderen Ländern so hartnäckig unter Berufung auf ihre Glaubenslehre verweigern Wie läßt sich das erklären? Gelten für die amerikanischen Glaubensbrüder andere Weisungen als für die deutschen und die anderen Länder?

Eine Antwort auf diese Frage wäre zur Aufklärung dringend nötig.

A 4146-68 V 7 1 1403

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