Im Zeitspiegel 9

Ukraine 
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 22. Januar 2015 00:47
Im Zeitspiegel
Ein Rechtsanwalt kommentiert (Überschriftsmäßig)
auf seinem Twitter-Acount
„Geht doch: Lüders redet zur Ukraine Klartext auf Phönix"

Man sollte sich das zugehörige Video genau ansehen:

https://www.youtube.com/watch?v=m9R5UEVMJHE

Die Interessen der zunehmend (wieder) von den Falken dominierten USA-Außenpolitik, auch im Falle Ukraine, sind keinesfalls identisch mit Interessen Europas. Auch wenn jener Aspekt aus opportunistischen Gründen, nicht weiter sonderlich thematisiert wird.
Die USA-Falken haben schon in anderen Fällen Stellvertreter-Kriege in Szene gesetzt. Jetzt wieder mal besonders auch im Falle Ukraine.
Wer hündisch - ohne eigene Überlegung den USA folgt -, erweist sich damit keinen Dienst zum eigenen Nutzen.
Mit in jenem Video erwähnt, die Geschichtsklitterung aus Ukranischem Politikermund, die in der Substanz im nachhinein, den Hitler'schen Aggressionskriegen einen Glorienschein verpasst. Bei den Politikern, wo diesbezüglich nicht die Alarmglocken anschlagen, muss man allerdings die Frage stellen, wie es um diese bestellt ist.
Re: Ukraine
geschrieben von:  offthehook
Datum: 22. Januar 2015 10:22
Ich halte die Einstellung der meisten europäischen Staaten in dieser Frage auch für bedenklich.

Die USA streben nach der Weltherrschaft - auf jedem Gebiet...

Im Zeitspiegel 

geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 04. Januar 2015 03:46
Die "strahlende Erfolgsgeschichte" der CIA im Detail

Im Zeitspiegel
www.heise.de/tp/artikel/26/26365/1.html 

Nicht mit erwähnt in dem Artikel, trotzdem erwähnenswert.
Auf dem "Hamburger Matschkongress" des Jahres 1961, installierte die WTG ihre Regionalleitung für den Bereich Ostdeutschland, nachdem ihr via westliche Geheimdienstkreise die Info zugänglich gemacht wurde, der Osten wird noch im Jahre 1961 seinen „Laden dicht" machen (Berliner Mauer). In dieser Konstellation verlor die WTG-Anleitung ihrer Hörigen über das Westberliner WTG-Büro, zusehends ihren praktischen Nutzen.

Herr Liebig bekam dann eines Tages Besuch, der sich als „Emmerberg" vorstellte. Mittels dieses Stichwortes wusste Herr Liebig, nun hat sein Part begonnen, so wie in Hamburg abgesprochen. Zu seinem Part gehörte auch die Übermittlung von den Zeugentypischen Monatsberichte, geschrieben mittels eines abgelegten Chiffrierschlüssel des BND, dann an Deckadressen in Westdeutschland versandt.
Indes Postüberwachung war eine der „einfachsten" Methoden des Ostdeutschen Regimes. Ergo kam selbiges Liebig alsbald auf die Schliche. Die Chiffrierung stellte für den Osten auch kein unüberwindbares Problem dar. Soviel chiffrierte Post aus Ostdeutschland, Richtung Westdeutschland dürfte ohnehin nicht angefallen sein. Und hatte man im Osten solche Fälle „herausgefischt" war es für deren Profis eine der „leichtesten Übungen" das näher zu analysieren. Und just jene Analyse ergab eindeutig, man habe es in diesen Fällen mit den Zeugen Jehovas zu tun.
Da half Liebig auch seine theokratische Kriegslist nicht, im Gegensatz zu dem ZJ-Fußvolk, an Volkszählungen genannt „Wahlen" teilgenommen zu haben, um nicht wieder auffällig zu werden. Trotz dieser Kriegslist ist er eben doch auffällig geworden.
Einstweilen praktizierte die Ostdeutsche Stasi noch das Prinzip der „langen Leine". Im November 1965 war indes auch damit Schluss. Man schlug erneut hart zu.

Werner Liebig. Der wurde zwar bereits vom Ostdeutschen Regime in den 1950er Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt, die aber wegen "guter Führung" für ihn dennoch nicht lebenslang währte.
Nun konnte also Liebig, nach dem November 1965, seine unterbrochne Haft, erneut fortsetzen.
Kommentarserie 1951

Nochmals das Stichwort „Emmerberg" aufnehmend. Sehe ich richtig kommt selbiges nicht in der Ausarbeitung von Yonan mit vor. Lediglich bei Dirksen (S. 679). Allerdings es ist mit enthalten in der Studie von Hirch.
Letzteren Aspekt aufnehmend ergibt sich die weitere Erkenntnis.
Hirch hatte von seinem Buch bislang nur ein paar Brosamen ins Internet gestellt. Das hat er zwischenzeitlich wohl verändert. Mit Ausnahmen von ein paar Kürzungen (etwa die Seiten 16 - 62) der Buchausgabe, gibt es jetzt erheblich mehr Buchtext auch im Internet, im pdf-Format.
Mit Ausnahme der vorgenannten Fehl-Seiten scheint jetzt der Buchtext ziemlich vollständig in der Internetvariante vorhanden zu sein. Diese endet mit Seite 409.
In der Buchausgabe gibt es dann noch einen Anhang für Literaturverzeichnis, Abkürzungen und ähnliches, welchen die Internetvariante ebenfalls nicht mit übernommen hat.
Diese pdf-Datei hat jetzt ein Volumen von etwa 1, 92 MB.
Allerdings muss Hirch sich sagen lassen, bei dieser zu registrierenden Veränderung, doch sehr „schlampig" agiert zu haben.

Als willkürliches Veranschaulichungsbeispiel dieser These diene die Seite 213 des Hirch'schen Internettext.
Dort gibt es etwa den Detailsatz:

Derselbe Satz lautet in der Variation Buchausgabe auf dergleichen Seite:
„Da die lediglich mit Bibelstellen vermischten Phrasen in den Briefen Müllers über die „Hetze" in der Literatur der Zeugen Jehovas"
Man hat den Eindruck, da hat Hirch seinen eigenen Buchtext nochmals mittels Scanner als Word-Text (oder ein ähnliches Datenformat) angefertigt. Diesen dann in das pdf-Format umgewandelt, ohne vorher nochmals ausreichend Korrekturzulesen.
Das Beispiel der Seite 213 ist keineswegs ein „Einzelfall".
Als weiteres Beispiel der Schlampigkeit (ebenfalls kein Einzelfall) sei auf die Fußnoten-Ausweisung des Textes verwiesen.
Auf Seite 345 des Internettext wurde da aus der Fußnote Nr. 929 im Text die „92".

www.neuegeschichte.de/Dokumente/Dissertation%20-%20W.Hirch.pdf

Re: Gewogen und für zu leicht befunden
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 06. Januar 2015 09:11
Anmerkung zu einem Aufsatz von Hirch in der Besier-Zeitschft "Religion Staat Gesellschaft" Nr. 2/2013.
Selbigen hat Herr Hirch auch in seinen Webseiten-Acount mit eingestellt.
Mit einer inhaltlichen Kürzung. Jene Kürzung betrifft die Gestapoakten in Sachen Erich Frost.
Was bekommt man also via Hirch nun gelehrt?
Man erfährt die Zeugen Jehovas hätten nicht nur die Ostdeutsche Stasi, sondern auch die westdeutschen Jesuiten der katholischen Kirche zu ihren Gegnern gehabt.
Man erfährt weiter da die Gebrüder Pape sowohl in Ost- wie Westdeutschland präsent gewesen sind, und beide "gekauft" waren von vorgenannten Interessenvertretern, (Jesuiten und Stasi) und diese sich gegenseitig, über „den Tisch zu ziehen suchten", mit eher mäßigem Erfolg.

Soll man nun über den Umstand, dass es vielerlei Sorten von „Krähen" gibt (die fallweise auch vom aushacken der Augen der anderen Krähe, aus opportunistischen Gründen Abstand nehmen, sonderlich verwundert sein?
Mich kann diese gespielte Entrüstung über die „Krähenszene" keinesfalls überzeugen.

Man erfährt die durchaus nicht neue Erkenntnis, das an der Publizierung einer Deutschsprachigen Ausgabe des Buches, des zu der Zeit in den USA lebenden William Schnell „Dreissig Jahre Sklave des Wachtturms" auch die westliche „Krähe" einen Anteil hatte.
Indes Schnell war weder der westlichen noch der östlichen „Krähe" „verpflichtet". Indes Schnell beschrieb in seinem Buch eigene Erfahrungen. Ihn nun auch in die „Krähenszene" einzuordnen, ist wohl billig, zu billig.
Beim gegenseitigen „über den Tisch ziehen", der besagten „Krähen", gab es sicherlich verschiedene Stationen mittels auch unterschiedlichen Resultaten.

Und was soll das alles nun. Ist der Umstand, das die WTG vielerlei Gegner hat, auch Gegner anrüchiger Art, an sich nun ein „Freifahrtschein" für das Tun und lassen der WTG. So die letztendliche „Weisheit" von Hirch? Einer solcher Milchmädchenlogik vermag ich mich nicht anzuschliessen.
Ergo ist auch in diesem Fall Hirch „gewogen und als zu leichtgewichtig" befunden worden.

http://rofrisch.de/wt-maerchen.htm
Wem "nützt" es 
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 09. Januar 2015 16:12
Im Zeitspiegel

Die Islamisten betreiben letztendlich die Geschäfte der Rechtsextremen, die sich durch die Geschehnisse in Frankreich, im Aufwind wähnen.
Siehe beispielhaft.

www.zeit.de/politik/ausland/2015-01/anschlag-paris-charlie-hebdo-reaktionen


Ob die Islamisten sich selber damit einen "Gefallen" tun, kann man durchaus anders sehen.
Erinnern tut mich das in gewisser Hinsicht an den geschichtlichen Mordanschlag, auf den Nazi-Diplomaten Ernst von Rath.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Eduard_vom_Rath

Den nutzten die Nazis zu einer Verschärfung ihrer ohnehin nicht "milden" Politik.
Das nachfolgende Geschehen auch in der eher verharmlosenden Vokabel "Reichskristallnacht" in die Geschichtsbücher eingegangen.

Es wäre blauäugig zu verkennen, das solcherlei Geschehnisse von interessierten politischen Kreisen, nicht letztendlich instrumentalisiert und ausgenutzt werden. Indes wenn die Rechtsextremen letztendlich gestärkt werden, dürfte es nicht nur Verlierer unter den Islamisten, sondern noch ein paar mehr Verlierer geben.

Und auch ein anderer geschichtlicher Mordanschlag, auf den damaligen Österreichischen Thronfolger, blieb nicht folgenlos. Folgen die sehr leicht völlig aus dem Ruder laufen können.
Re: Wem "nützt" es 
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 12. Januar 2015 10:30
Im Zeitspiegel
Die Symptome werden beklagt.
Die eigentlichen Ursachen aber nicht konstruktiv angegangen

„Wenn sie keinen Schulabschluss haben, keine Arbeit finden, sozial nicht anerkannt sind und keine Hoffnung auf einen Ausweg sehen, dann ist eine Ideologie natürlich verlockend, die erklärt, Du musst kein Verlierer sein."

www.focus.de/politik/ausland/mouhanad-khorchide-im-focus-online-interview-islamwissenschaftler-extremisten-berufen-sich-auf-kein-anderes-buch-als-den-koran_id_4395381.html

Dieser Satz trifft wohl den eigentlichen Kern. Das aber wollen die Sarazin's und Co in ihrem Heierbettchen nicht wahrhaben.
Die S. und Co interessiert nur ihr eigener Egoismus, den sie nach Möglichkeit noch verstärken möchten. Nach dem Motto: 
„Nach mir die Sinflut". Und so erlebt denn die Welt besagte „Sinflut". 

Schon zu Zeiten eines Thomas Müntzer und des großen Bauernkrieges zeigte sich, das soziale Verwerfungen auch in der Gestalt der Religion daher zu kommen pflegen. Die vermochte auch ein Luther mit seinem Wutgebrüll über diese „mörderischen Rotten" nicht zu stoppen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Bauernkrieg

https://books.google.de/books?id=GW_TAAAAMAAJ&printsec=frontcover&dq=engels+bauernkrieg&hl=de&sa=X&ei=YKGzVNHYA4vcPczogdgK&ved=0CBsQ6AEwAA#v=onepage&q=engels%20bauernkrieg&f=false
Lizenz zur Verachtung derer ganz unten. Und das soll dann folgenlos bleiben? Ein "frommer" Wunsch. Wohl zu „fromm"

Re: Wem "nützt" es 
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 13. Januar 2015 08:05
Exkurs:
Ein paar Leseproben aus den Ausführungen von Friedrich Engels über den deutschen Bauernkrieg. Sie belegen auch, das Religion auch in politisches Handeln umzuschlagen vermag, wenn es eine entsprechende Gesamt-gesellschaftliche Gemengelage gibt.
Indes auch das ist möglich und dafür stehen im besonderen die Zeugen Jehovas, mit ihrer Doktrin der Politiklosigkeit, das jene Ansätze dann eben durch besagte Politiklosigkeit paralysiert werden.
Indes sowohl als auch Varianten sind möglich.

Dieses dann politische Handeln, zeugt nicht unbedingt von sonderlicher "Weitsicht" das muss auch festgestellt werden. Was immer man dann an diesem politischen Handeln kritisiert, entscheidend ist doch wohl, dass die Schwelle des dem Jenseits zujubeln, auf Grund der äußeren Umstände verlassen, und dann in politisch zu wertende Handlungsweisen umschlagen kann.
Nachstehend dann die Leseproben aus dem Engel'schen Text
 
"Als der Bauernkrieg losbrach, und zwar in Gegenden, wo Fürsten und Adel größtenteils katholisch waren, suchte Luther eine vermittelnde Stellung einzunehmen. Er griff die Regierungen entschieden an. Sie seien schuld am Aufstand durch ihre Bedrückungen; nicht die Bauern setzten sich wider sie, sondern Gott selbst. Der Aufstand sei freilich auch ungöttlich und wider das Evangelium, hieß es auf der andern Seite. Schließlich riet er beiden Parteien, nachzugeben und sich gütlich zu vertragen.

Aber der Aufstand, trotz dieser wohlmeinenden Vermittlungsvorschläge, dehnte sich rasch aus, ergriff sogar protestantische, von lutherischen Fürsten, Herren und Städten beherrschte Gegenden und wuchs der bürgerlichen, "besonnenen" Reform rasch über den Kopf.

Gegenüber der Revolution wurden alle alten Feindschaften vergessen; im Vergleich mit den Rotten der Bauern waren die Diener der römischen Sodoma unschuldige Lämmer, sanftmütige Kinder Gottes; und Bürger und Fürsten, Adel und Pfaffen, Luther und Papst verbanden sich "wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern".

"Man soll sie zerschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund totschlagen muß!" schrie Luther. "Darum, liebe Herren, loset hie, rettet da, steche, schlage, würge sie, wer da kann, bleibst du darüber tot, wohl dir, seligeren Tod kannst du nimmermehr überkommen."

Luther hatte der plebejischen Bewegung ein mächtiges Werkzeug in die Hand gegeben durch die Übersetzung der Bibel. In der Bibel hatte er dem feudalisierten Christentum der Zeit das bescheidene Christentum der ersten Jahrhunderte, der zerfallenden feudalen Gesellschaft das Abbild einer Gesellschaft entgegengehalten, die nichts von der weitschichtigen, kunstmäßigen Feudalhierarchie wußte. Die Bauern hatten dies Werkzeug gegen Fürsten, Adel, Pfaffen, nach allen Seiten hin benutzt. Jetzt kehrte Luther es gegen sie und stellte aus der Bibel einen wahren Dithyrambus auf die von Gott eingesetzte Obrigkeit zusammen, wie ihn kein Tellerlecker der absoluten Monarchie je zustande gebracht hat. Das Fürstentum von Gottes Gnaden, der passive Gehorsam, selbst die Leibeigenschaft wurde mit der Bibel sanktioniert. Nicht nur der Bauernaufstand, auch die ganze Auflehnung Luthers selbst gegen die geistliche und weltliche Autorität war hierin verleugnet; nicht nur die populäre Bewegung, auch die bürgerliche war damit an die Fürsten verraten.

Thomas Münzer

Sein Hauptstudium waren die mittelalterlichen Mystiker, besonders die chiliastischen Schriften Joachims des Calabresen. Das Tausendjährige Reich, das Strafgericht über die entartete Kirche und die verderbte Welt, das dieser verkündete und ausmalte, schien Münzer mit der Reformation und der allgemeinen Aufregung der Zeit nahe herbeigekommen. Er predigte in der Umgegend mit großem Beifall. 1520 ging er als erster evangelischer Prediger nach Zwickau. Hier fand er eine jener schwärmerischen chiliastischen Sekten vor, die in vielen Gegenden im stillen fortexistierten, hinter deren momentaner Demut und Zurückgezogenheit sich die fortwuchernde Opposition der untersten Gesellschaftsschichten gegen die bestehenden Zustände verborgen hatte und die jetzt mit der wachsenden Agitation immer offener und beharrlicher ans Tageslicht hervortraten. Es war die Sekte der Wiedertäufer, an deren Spitze Niklas Storch stand. Sie predigten das Nahen des Jüngsten Gerichts und des Tausendjährigen Reichs

Münzer setzte sich gleich daran, diesen Bund zu organisieren. Seine Predigten nahmen einen noch heftigeren, revolutionäreren Charakter an; neben den Angriffen auf die Pfaffen donnerte er mit gleicher Leidenschaft gegen die Fürsten, den Adel, das Patriziat, schilderte er in glühenden Farben den bestehenden Druck und hielt dagegen sein Phantasiebild des Tausendjährigen Reichs der sozial-republikanischen Gleichheit.
Die erste Frucht dieser Propaganda war die Zerstörung der Marienkapelle zu Mellerbach bei Allstedt, nach dem Gebot: "Ihre Altäre sollt ihr zerreißen, ihre Säulen zerbrechen und ihre Götzen mit Feuer verbrennen, denn ihr seid ein heilig Volk" (Deut. 7, 6 ). Die sächsischen Fürsten kamen selbst nach Allstedt, um den Aufruhr zu stillen, und ließen Münzer aufs Schloß rufen. Dort hielt er eine Predigt, wie sie deren von Luther, "dem sanftlebenden Fleisch zu Wittenberg", wie Münzer ihn nannte, nicht gewohnt waren. Er bestand darauf, daß die gottlosen Regenten, besonders Pfaffen und Mönche, die das Evangelium als Ketzerei behandeln, getötet werden müßten, und berief sich dafür aufs Neue Testament. Die Gottlosen hätten kein Recht zu leben, es sei denn durch die Gnade der Auserwählten. Wenn die Fürsten die Gottlosen nicht vertilgen, so werde Gott ihnen das Schwert nehmen, denn die ganze Gemeinde habe die Gewalt des Schwerts. Die Grundsuppe < alter Kraftausdruck; Inbegriff alles Schlechten> des Wuchers, der Dieberei und Räuberei seien die Fürsten und Herren; sie nehmen alle Kreaturen zum Eigentum, die Fische im Wasser, die Vögel in der Luft, das Gewächs auf Erden. Und dann predigen sie gar noch den Armen das Gebot: Du sollst nicht stehlen, sie selber aber nehmen, wo sie's finden, schinden und schaben den Bauer und den Handwerker; wo aber dieser am Allergeringsten sich vergreife, so müsse er hängen, und zu dem allen sage dann der Doktor Lügner: Amen.

"Die Herren machen das selber, daß ihnen der arme Mann feind wird. Die Ursache des Aufruhrs wollen sie nicht wegtun, wie kann es in die Länge gut werden? Ach, liebe Herren, wie hübsch wird der Herr unter die alten Töpfe schmeißen mit einer eisernen Stange! So ich das sage, werde ich aufrührisch sein. Wohl hin!

http://www.mlwerke.de/me/me07/me07_327.htm

Buschkowsky erteilt Absage
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 21. Januar 2015 00:57
Im Zeitspiegel
Der Bürgermeister Buschkowsky, von manchen in die die Nähe der Koryphäe Sarrazin gerückt (ob zu Recht oder nicht, ist mit dieser Feststellung keineswegs entschieden), fühlt sich in diesem Milieu offenbar nicht sonderlicb wohl. In der Folge, erteilte er der Islamhasser-Szene eine deutlichen Absage, was ausdrücklich festzustellen ist..

Auch die katholische Kirche fühlt sich bezüglich der Islamhasser-Szene nicht sonderlich wohl.
Bedenkt man, das kaum einer aus diesem Milieu in Sachen des katholischen Rechtsaußen Robin de Ruiter
den Mund aufbekam, und das man dort schwieg, wo man hätte reden sollen (in Sachen de Ruiter) ist es ebenfalls als Quantensprung bezeichenbar, das auch katholische Kreise der Islamhasser-Szene eine Absage erteilen!

Allerdings erweist sich die Eintagsfliegen-Meldung aus dem Bereich der Catholica, wohl kaum als sonderlich "vertrauenswürdig", wovon auch eine andere Meldung über eine "schräge Allianz" kündet.

www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2015/01/508138/schraege-allianz-wiener-kardinal-kaempft-fuer-dubioses-zentrum-von-saudi-arabien/

www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/01/buschkowsky-laesst-sich-nicht-von--pegida--vereinnahmen.html
.
ww.stern.de/panorama/rede-bei-duisburger-pegida-bistum-muenster-entzieht-pfarrer-die-predigterlaubnis-2167686.html

Bei Pegida ginge es um "Nationalismus" und "Rassismus".

Und in diesem Milieu fühlen sich dann evangelikale Kreise (im Gegensatz zu den Kreisen der "Kulturchristen") offenbar "Pudelwohl".

www.welt.de/politik/deutschland/article136495585/Bibeltreue-fuehlen-sich-in-der-Pegida-Welt-zu-Hause.html

Sage mir wer deine Freunde sind und ich sage Dir wer Du bist!

Nochmals zusammengefasst. Das Thema, die eigentliche Wurzel besteht in der Lizenz zur Verachtung derer ganz unten, die prägnant ein Sarrazin erteilte, und die nun ihre vielfältigen Fortpflanzungen zeitigt.

Lizenz zur Verachtung derer ganz unten
Griechenlands Rechtsextreme
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. Januar 2015 13:54
Im Zeitspiegel
(Pegida lässt wohl grüßen).
Zum Stichwort „Chrysi Avgi" kann man in einem Wikipedia-Beitrag unter anderem auch lesen, jene Partei mit vorgenannten Namen

erhebt territoriale Ansprüche an Nachbarstaaten sowie beitreibt eine eine Politik gegen Einwanderer.
Bei den Parlamentswahlen des Jahres 2012 errreichte sie einen Stimmenanteil von 6, 92 %.

Jene Prozentzahl muss aber noch durch eine weitere Detailzahl ergänzt werden, und zwar der:
Überdurchschnittliche Wahlergebnisse erreicht sie offenbar unter Polizisten denn in den Wahllokalen, in denen die Polizei wählte, erlangte sie bei den Parlamentswahlen im Juni 2012 17 bis 25 Prozent.

„Folgerichtig" arbeitet die Wikipedia in ihrer Darstellung mit heraus:
„Gewalt ist für sie (jene Partei) die Botschaft ihrer Politik"

Über einen Abgeordneten jener Partei wird desweiteren berichtet:
„während einer laufenden Debatte im Parlament Passagen aus der antisemitischen Fälschung Protokolle der Weisen von Zion vor "

Weiteres über dise Hetzschrift
Auch dieses Detail gibt es noch:
„Die Partei diskriminiere Menschengruppen auf der Basis von Hautfarbe oder sexueller Orientierung und spreche ihnen universelle Rechte ab

 was schon den Europarat veranlasst, sich auch über diese kritisch zu verbreiten.
Weiterhin „passend" gibt es auch dieses Detail noch:
„Auf Einladung der NPD nahm im Jahr 2011 in Dresden eine Delegation der Chrysi Avgí an einer Veranstaltung zum Gedenken an den 13. Februar 1945 teil"

http://de.wikipedia.org/wiki/Chrysi_Avgi

Auch die „Neue Zürcher Zeitung" kam am 14. 1. 2015 in einem Artikel, betitelt „Der grosse Sprung nach rechts" auf dieses Parteiengebilde zu sprechen, und musste auch konstatieren
„Griechenlands rechtsextreme Partei Chryssi Avgi zieht auch Menschen an, die man dort nicht erwarten würde."

http://www.nzz.ch/international/europa/der-grosse-sprung-nach-rechts-1.18460438

Im Verfolg der weiteren Ausführungen der NZZ werden auch Beispiele vorgestellt, auf die das zutreffe.
Bei einem dieser Beispiele nahm dann die NZZ eine Namensveränderung vor (aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes). Ihr Fallbeispiel mit dem (Pseudonym) Namen Triantafyllou

„war selbst ein überzeugter Linker, wandte sich aber in den 1970ern vom Marxismus desillusioniert der Religion zu."

Und wo landete dieser nun? Nicht unerwartet dann die Auskunft bei den Zeugen Jehovas.
Indes, auch das kann vom Prinzip her durchaus nicht unerwartet sein, sein ältester Sohn sagte dann mit dem Erreichen seines 18ten Lebensjahres.
Zeugen Jehovas - aber doch nicht mit mir.
Er fiel dann eben jenen rechten Rattenfängern anheim, von denen hier die Rede ist.
„Doch nach seinem 18. Geburtstag wandte sich der ältere Sohn vom religiösen Glauben der Familie ab, trat der Chryssi Avgi bei und kandidierte für die Partei bei den Regionalwahlen 2014. Triantafyllou erfuhr über das Internet von der für ihn schockierenden Nachricht. Seitdem hat er kein Wort mehr mit seinem Sohn gesprochen. «Ich wuchs an einem Ort voller Kriegswitwen und Waisen auf», sagt er ..."

Die leidvollen Erfahrungen des Vaters verhinderten es aber nicht, dass der Sohnemann einen kritisch zu wertenden Weg einschlug.
Indirekt ist das dann wohl alles auch ein Beleg, über die „Ausstrahlungskraft" der Zeugen Jehovas Religion!

Was so alles passiert
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 27. Februar 2015 11:06
Im Zeitspiegel
Notierung außerhalb des hiesigen offiziellen Programms
Ein Publizist mit dem Pseudonym-Namen "Michael Mannheimer" der auf seine Blogseite auch tönt
"Islamisierung und Linkstrend stoppen". Dessen dem Internet entnommene URL ich aber hier nicht nenne, dieweil ich die These
"Islamisierung und Linkstrend" so NICHT teile.
Besagter Herr hat sich mit seiner Position sicherlich nicht nur "Freunde" eingehandelt.
Das konnte selbigem unter anderem auch deutlich werden (sofern er es aus anderen Gründen nicht bereits wusste), als auf der Seite "Stimme.de" unter der Überschrift.
"Radikaler Islamgegner zu Geldstrafe verurteilt"

http://www.stimme.de/heilbronn/hn/Radikalen-Islamgegner-zu-Geldstrafe-verurteilt;art31502,2779333
Siehe auch:

http://s1.directupload.net/images/130112/5lksl96k.jpg

Dortselbst auch lesen konnte:
er sei zu eine Strafe von "1800 Euro – 60 Tagessätze à 30 Euro" verurteilt worden, zahlbar an einen Kommunalpolitiker.
Besagter Kommunalpolitiker machte in seiner Klageerhebung wohl auch geltend, er sei vom Verurteilten als
„SED-Gemeinderatsvorsitzenden" dargestellt" worden. sei aber nie in der SED, ist Mitglied der CDU. Er sitzt jedoch für die Liste Bürgerfreundliche Heimat im Rat, diese Liste bildet zusammen mit dem einzigen Vertreter der Linken eine Fraktionseinheit."
Wie das so ist, solcherlei Verfahren sprechen sich herum.
In der Folge gab es auch Gerichtsbeobachter beim Verfahren. Einer von denen publizierte im Anschluss auch noch einen Bericht darüber.
In demselben auch der Vorhalt enthalten, der jenes Verfahren führende Richter habe dem Angeklagten (faktisch) es verweigert sich durch einen Rechtsanwalt verteidigen zu lassen. Dazu wäre allerdings eine Terminverschiebung vonnöten gewesen (die aber nicht gewährt wurde), weil der vorgesehene Rechtsanwalt zum tatsächlichen Termin wegen anderer Verpflichtungen verhindert gewesen sei. Somit der Angeklagte vor Gericht - ohne Rechtsanwalt - da stand.
Letzteren Umstand hat dann der Prozessbeobachter in seinem Bericht mit herausgearbeitet.
Für den Kommentator blieb das allerdings auch nicht folgenlos. Er handelte sich wegen seines Kommentars auch einen finanziellen Strafbefehl ein, veranlasst von dem Richter in dem "Mannheimer"-Verfahren.
Vordergründig unterstellt die Begründung zum Strafbefehl, der inkriminierte Kommentar haben den Verfahrensführenden Richter nicht semantisch genug "korrekt" bezeichnet.
Über den gravierenden Umstand indes, dass der Angeklagte, auf Grund der geschilderten Umstände, ohne Rechtsanwalt im Verfahren dastand, hielten die Veranlaser des Strafbefehls, sich aber nicht sonderlich auf.
Die nächste Stufe der Farce dann die. Der Kommentator wird dann seinerseits vor den Kadi gezogen, dieweil er ja den Strafbefehl nicht bezahlt habe.
Jenes Verfahren sollte dann im Februar 2015 stattfinden.
Kurz vor dem angesetzten Termin dann die Mitteilung, das Verfahren gegen den Kommentator, sei nunmehr auf unbestimmte Zeit verschoben worden (zwar nicht aufgehoben, wohl aber verschoben).
Man muss die Positionen der gegen "Islamisierung und Linkstrend" agierenden keineswegs teilen, was ich für mich nochmals feststelle. So indes wie diese Farce bisher abgelaufen ist, ist sie letztendlich nur Wasser auf die Mühlen der Islamhasser. Das Material für diese Replik wurde jenen Internet-URL's entnommen jener Personen die im Text genannt wurden. Jene URL direkt zu nennen, lehne ich ab.
Ernüchterung
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 20. März 2015 08:43
Im Zeitspiegel
Eine Gruppe von in der Öffentlichkeit kaum bekannter Personen, hat nun das Wagnis begonnen, eine Art „Atheistenpartei" zu begründen. Formal wählte sie zwar einen anderen Namen, das indes ist dann wohl blos eine Formalie
Nahezu inflationär begegnet man in der einschlägigen
Szene dem Begriff Humanismus.

Angefangen über eine „Giordano Bruno Gesellschaft", dann einem „Humanistischen Pressedienst", gefolgt von einem „Humanistischen Verband" und jetzt gar einer Humanistischer Partei.

Erinnert man sich an die Freidenkerzsene der 1920er Jahre, in der es auch verschiedene Strömungen gab, so kann man an die Reminszenz erinnert werden, das die eine Strömung die andere salopp als „Beerdigungsverein" betitelte, und herausstellte mit dem Kriterium der Feuerbestattung, sei deren Potential schon mal erschöpft.
Selbst die Nazis, die den Kirchen zuliebe nichts vom Freidenkertum hielten, schätzten den „Feuerbestattungsverein" richtig ein, und ermöglichten unter variierten Namen, das Fortbestehen des Geschäftszweiges Feuerbstattung. In der richtigen Erkenntnis, von diesem „zahnlosen Tiger" nichts ernsthaftes befürchten zu haben.

Nach 1945 gab es namentlich im Bereich Westberlin, eine Neuauflage des Freidenkertums. Dessen Hauptevent war das Fortbestehen lassen der „Jugendweihe". Je länger je mehr schrumpften deren Teilnehmerzahlen allerdings zusammen. Wäre nicht der „Bertriebsunfall" der Auflösung des Ostdeutschen Staates dazwischen gekommen. Ob es jenes historische Freidertum noch heute gäbe, ist mehr als fraglich. So lebte also diese Strömung als „Humanistischer Verband", dank auch der Ostdeutschen Blutauffrischung, einstweilen weiter.

Noch zu Nur-Westzeiten begründeten einige damals „zornige junge Männer" in Konkurrenz zur damaligen Verbandszeitschrift „Stimme des Freidenkers" (heute "Diesseits"), ein eigenes Blatt, namens MIZ (Materialien und Informationen zur Zeit). Ihnen störte bei den Nachfolgern des „Beerdigungsvereins" etwa der Umstand, wenn der Beerdigungsverein die Chance bekäme - staatlich bezahlt - Militärseelsorge anbieten zu können, würde man nicht lange zögern und zugreifen.

Das mit der Militärseelsorge hat beim vormaligen „Beeridigungsverein" zwar noch nicht so geklappt. Dafür aber um so mehr des Aspekt als „Sozialunternehmer" zu agieren (mit Höhen und Tiefen). Angefangen vom Betrieb einer simplen Gaststätte („Cafe Rix")
Über die Fortführung von zu Ostzeiten renommierte Gastronomieprojekten wie dem Ermelerhaus in Ostberlin und Träger von Kindergärten und anderes mehr.

Indes der „Beerdigungsverein" musste auch noch erfahren, manchmal pflegen „die süßesten Kirschen" unerwartet hoch zu hängen, und sich letztendlich von dem Projekt wieder trennen.

Summa summarum, an Versuchen den Humanistischen Verband, nicht unwesentlich zum Geschäftsunternehmen zu gestalten, in Kontinuität zum „Beerdigungsverein", hat es sicherlich nicht gemangelt. Ideologische Auseinandersetzungen mit der Religionsindustrie, laufen dort unter „ferner liefen".
Es ist nicht ersichtlich, ob „Humanistischer Verband" und jetzt halt auch „Humanistische Partei" diese Tendenz ändern würden.

Bemerkenswert auch der Kommentar, den ein langjährig im „Humanistischen Verband" als Funktionär tätiger, jetzt besagter „Humanistischer Partei" widmete:

„Sorry, diese "Partei" ist so überflüssig wie ein Kropf und wird sehr schnell im politischen Niemandsland der Bundesrepublik verschwinden."

Ein Kommentar dem zuzustimmen wäre.
hpd.de/artikel/11430

Wenn man nicht darauf orientiert ist, nur eine „Ein-Tendenz-Partei" zu sein, also anerkennt man müsse ein breiteres Themenspektrum anbieten, dann war in der letzten Zeit wohl die Partei der Piraten solch ein Angebot. Deren Geschichte auch von Aspekten der Selbstzerfleischung gezeichnet, bekommt jetzt wohl noch Konkurrenz, von der hier die Rede war.

Ein tatsächlicher Wahlantritt wird für beiden Parteien wohl kaum berauschende Ergebnisse zeitigen. Zumindest eine von beiden ist in dieser Szene zuviel!
Saarabstimmung 
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 13. Januar 2015 00:12
Im Zeitspiegel
Die Propagandamaschine des Naziregimes, anlässlich der für den 13. 1. 1935 terminierten Saarabstimmung lief schon geraume Zeit auf Hochtouren. Für in Opposition zum Naziregime stehende Kräfte, war das Saargebiet bis dahin noch ein letztes Rückzugsgebiet, dessen Verlust nunmehr auch drohte.
Artig leistete auch die Firma des Herrn Papstes, dem Naziregime seine Sekundantendienste.
Am 11. 1. 1935 notierte die „Freiburger Zeitung" unter der Überschrift:
„Kardinal Faulhaber zur Saarabstimmung" unter anderem:
„Ähnlich wie in den übrigen Bistümern hat auch der Erzbischof von München, Kardinal Dr. Faulhaber, ein Hirtenwort zur Saarabstimmung veröffentlich ...
In der Kundgebung wird verordnet, daß am Abstimmungssonntag, 13. Januar, in allen Kirchen der Erzdiözese nach dem allgemeinen Gebet drei Vater unser mit Ave Maria gebetet werden, „um einen für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen."

Die Wikipedia notiert zum Stellenwert der Religion im Saargebiet nach dem Stand vom Jahre 2008:
„Während Deutschland derzeit von jeweils 1/3 Protestanten und Katholiken und Konfessionslosen bzw. Angehörigen anderer Religionen geprägt ist, weicht das Saarland mit 64,1% Mitgliedern der katholischen Kirche am deutlichsten (+ 33,4%) vom Bundesdurchschnitt ab."

Insoweit hatte das zitierte Votum, durchaus einen politischen Marktwert. Die Nazis konnten sich entspannt zurücklehnen. Von der Firma des Herrn Papstes würde ihnen keine Gefahr drohen!
Auch die Evangelische Kirche verlautbarte („Freiburger Zeitung" vom 18. 1. 1935), sie wolle eigens für den 30. 1. 1935 einen speziellen Dankgottesdienst dafür ansetzen, das die Saar nun in die nazistische Gewalt gelangt sei.
Da wollte die Firma des Herrn Papstes nicht nachstehen, und verkündete am 22. 1. 1935, dass auch sie selbstredend, spezielle „Dankgottesdienste im Saargebiet" zelebrieren werde.

Weniger Glück als im Falle Saargebiet, hatten indessen die Nazis zu jenem Zeitpunkt, im Falle Eupen-Malmedy.
Und so jammert denn ein Kommentator in der Ausgabe vom 19. 1. 1935, dass jene Gebiete, die in Folge des Versailler Vertrages, zu Belgien zugeschlagen wurden, das für jene Gebiete keine reelle Chance zur Rückkehr nach Deutschland bestehe. Was jener Kommentator indes unerwähnt lies war beispielsweise der Umstand, dass entgegen Völkerrechtlichen Bestimmungen, die Kultureinrichtungen einen gewissen Schutz zusagen, die Universitätsbibliothek von Löwen (Belgien) im ersten Weltkrieg in Schutt und Asche gelegt wurde.
Zitat Wikipedia:
„Im Ersten Weltkrieg wurde die Bibliothek in der Nacht vom 25. zum 26. August 1914 ein Raub der Flammen, als deutsche Truppen die von ihnen besetzte Stadt Löwen als Repressalie wegen des angeblichen Auftretens irregulärer Heckenschützen niederbrannten. Etwa ein Dutzend Handschriften, 800 Inukabeln und 300.000 Bücher fielen den Flammen zum Opfer. Dieses Ereignis spielte in der Folge eine große Rolle in der Kriegspropaganda der Entente gegen die Mittelmächte. Deutschland wurde bezichtigt, nicht einmal unwiederbringliches Kulturgut unversehrt zu lassen."

Es ist natürlich leicht, sich im Nachhinein die Wunden zu lecken. Sicherlich war der Versailler Vertrag solch ein Wundenaufreisser. Zur Vollständigkeit würde dann aber auch gehören, die vorangegangenen Geschehnisse, in die Betrachtung mit einzubeziehen.

Im Januar 1937 musste dann das „Goldene Zeitalter" der Zeugen Jehovas, in nur einer Woche, die Verhaftung von 72 „Bibelforschern" im Saargebiet bekanntgeben. Das war dann ihr Preis, den sie für ihren politischen Analphabetismus, in der Folge zu zahlen hatten.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=11&day=11b&year=1935&month=01&project=3&anzahl=12

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=10&day=18b&year=1935&month=01&project=3&anzahl=12

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=22a&year=1935&month=01&project=3&anzahl=6

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=19a&year=1935&month=01&project=3&anzahl=6

Die Nazipresse berichtet (Teil I)
geschrieben von:  Drahbeck  
Datum: 17. Januar 2015 17:53
Im Zeitspiegel
Namentlich im Jahre 1935, lassen sich in der Nazipresse diverse, meist kleinere Berichte, zum Bibelforscherthema nachweisen.
In späteren Jahren besagte die Nazi-Presselenkung dann allerdings, es solle vorrangig nur noch in regionalen Blättern, mit örtlichem Bezug berichtet werden. Dies kam dann einer Reduzierung einschlägiger Berichte gleich. Man war sich bewusst, eine breite Berichterstattung wirkt sich nicht unbedingt förderlich für die Stimmungslage im Naziregime aus. Ähnliche Fesseln wurde auch dem Thema des Kirchenkampfes (zwischen „Bekennender Kirche" und „Deutschen Christen" zuteil).
1935 wirkten diese Restriktionen beim Zeugen Jehovas Thema noch nicht so umfassend.
Grob gefasst laßen sich diese Stufen nachweisen.

Die Verbotsproklamationen des Juni 1933, reduzieren sich auf eher minimale Notizen; allenfalls einige kirchliche Blätter berichteten kommentiert, etwas mehr.
Siehe etwa
19332Schwanengesang

Vielleicht kann als Ausnahme von dieser Regel, noch das „Berliner Tageblatt" vom 5. 7. 1934 erwähnt werden, welches eine Verbotsverfügung des Braunschweigischen Staatsministeriums wiedergibt. Allgemeine Mitteilungen zum Verbot, entsprachen jedoch noch nicht dem Kriterium, gegen die Zeugen Jehovas durchgeführte Gerichtsprozesse.

Auch die berühmt-berüchtigte Wilmersdorfer Erklärung vom Juni 1933 nebst Begleitschreiben, erreichte nicht den zeitgleichen Status, nun eine Pressepolemik oder Berichterstattung hervorzurufen. Die Presse war zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend bei dieser Thematik ausgeschaltet.

Am 28. August 1933 ließ WTG-Funktionär M. C. Harbeck in einem Zirkularschreiben, noch die These des Stillhaltens ausgeben. Er wollte damit vor allem freie Hand für angestrebte Verhandlungen mit dem Naziregime haben, und diese nicht durch die eigene Anhängerschaft konterkariert sehen. Siehe auch
19372Harbeck

Zeitweilige Vermögensfreigaben von WTG-Werten durch das Naziregime, schienen die Sinnhaftigkeit dieses Weges zu bestätigen.
Noch am 5. Januar 1935 unternahm WTG-Syndikus Dollinger, einen (dann wohl letzten) Versuch, die Verhandlungsschiene zu befördern.

Die November"wahl" 1933 rückte erstmals den Grundsatz des Nichtwählens der Zeugen Jehovas, ins Bewusstsein der Nazis.
Aus einer früheren Referierung dazu, sei nochmals zitiert:
„Zwar datiert die Phase der scharfen Konfrontation zwischen Bibelforschern und dem NS-Staat erst ab Oktober 1934. Dennoch sind sie dem Regime schon davor "aufgefallen", insbesondere bei sogenannten Wahlen. Ein Beleg dafür ist ein entsprechend polemischer Artikel im "Heilbronner Tageblatt" vom 15. 11. 1933. Dieses "Heilbronner Tageblatt" wurde zu diesem Zeitpunkt von einem gewissen Hans Hauptmann herausgegeben. 
In diesem Artikel konnte man unter anderem lesen: 
"Von diesen Narren, die sich früher 'Ernste Bibelforscher' genannt haben, verstänkert immer noch ein Grüppchen die geistige Luft Heilbronns, obgleich dieses Judenunternehmen des hirnweichen Herrn Rutherford aus Amerika im ganzen Deutschen Reiche verboten ist. Die hiesigen 'Zeugen Jehovas' (wer lacht da?) rekrutieren sich zum größten Teil aus kleinen Handwerkern und Handelsleuten. … 
Ihr Prediger - Treppenwitz der Weltgeschichte - ist ausgerechnet ein Fensterputzer, der seinen Zuhörern aber ihre Brillengläser nicht etwa blank macht, sondern mit der Judensalbe seines amerikanischen Meisters so undurchsichtig wie möglich macht. 
Auch ein Milchhändler, der sich in wenigen Jahren von einer armseligen Handkarre über zwei Pferdegespanne bis zum Auto emporzuarbeiten verstanden hat, spielt eine Rolle im Kreise dieser Armen im Geiste. 
Angesichts der Tatsache, dass die lächerlichen 'Zeugen Jehovas' ihren Anhängern zur Pflicht gemacht haben, bei den Wahlen am vorigen Sonntag nicht mitzutun, weil sie mit Politik, also mit dem Schicksal des Vaterlandes nichts zu tun hätten, muss der vernünftige Teil der Bevölkerung diesen Saboteuren gegenüber zur Selbsthilfe greifen. Wir rufen insbesondere die deutschen Frauen dazu auf, jede Geschäftsverbindung mit den Anhängern dieser Judensekte unbedingt und schleunigst zu lösen. Es liegt für deutsche Menschen, die sich soeben in hellster Begeisterung für den Deutschesten aller Deutschen, für Adolf Hitler erklärt haben, keine Veranlassung vor, diese bewusst Abseitsstehenden in Nahrung zu setzen. Man entziehe ihnen jede Unterstützung und lasse sie mit ihrem Judenkram allein. Vielleicht weichen die schleimigen Nebel aus ihren Hirnschalen, sobald ihre Magen knurren und sie einsehen lernen, dass sie ihre bisherigen Profitchen nicht so sehr dem Wüstengotte Israels, wie der Langmut und Nachsicht ihrer deutschen Volksgenossen zu verdanken gehabt haben."
 

Besagter Hans Hauptmann war schon früher als Gegner der Bibelforscher in Erscheinung getreten. In einer dubiosen Zeitschrift namens "Ariosophie" hatte er bereits 1931 einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel: "Was wollen die ernsten Bibelforscher." [36] Darin war zu lesen: "Ein jüdischer Hausierer mit geöltem Mundwerk hat - leider in meiner Abwesenheit - zwei Wahnsinnstraktätchen in mein Haus geschwätzt. Beide haben den sattsam bekannten J. F. Rutherford, ehemals angeblich amerikanischer Richter, zum Verfasser." 
Hauptmann kommt dann auf die Broschüren "Krieg oder Friede" und "Gericht über Richter, Prediger, Nationen, Geldmänner, Politiker" zu sprechen. Sein Kommentar dazu: "Gibt es kein Gesetz, dass genügende Handhabe gibt, diesen Meuchelmördern der Vernunft in den Arm zu fallen, dann muss es geschaffen werden." 

Namentlich ereifert er sich, dass die Bibelforscher nicht die Thesen der Deutschgläubigen vertreten, sondern im Kontrast dazu stark den Philosemitismus betonen. Er spart nicht an drastischen Formulierungen. Sein Elaborat klingt mit den Worten aus: 
"Die künstlichen Nebelwände und deren Verschleierungen, hinter denen das rabbinistisch geleitete Weltjudentum, solange unerkannt an der Vernichtung der arischen Völker gearbeitet hat, sind endlich zerrissen; man kennt seine Zusammenhänge mit den Freimaurern und den Jesuiten. … Aber Millionen und abermals Millionen wollen nicht sehen. Das der Marxismus dieses Nichtsehen wollen mit allen Mitteln unterstützt ist erklärlich, denn er stammt aus dem jüdischen Arsenal und ist dem Judentume leibeigen. Ganz unerklärlich jedoch ist es, dass die christlichen Kirchen nicht nur nicht Front machen, sondern durch ihre bis zum Ekel betonte Judenfreundschaft mehr als nur indirekt den Kampf des Judentums gegen die christliche Kultur und die christlichen Völker unterstützen." 

In dem 1932 erschienenen Sammelband "Der Jud ist schuld …?" ist auch ein Beitrag dieses Herrn Hauptmann enthalten. Darin offenbart er sich ebenfalls als gläubiger Nachbeter der "Protokolle der Weisen von Zion". Etwa mit seiner Behauptung: "Das ist der unumstößliche Beweis für die Echtheit der heftigst bestrittenen Protokolle der Weisen von Zion, dass die dort aufgezeichneten Ziele tatsächlich schon zum größten Teile erreicht worden sind." [37] 

Besagter Hauptmann amtierte dann noch von 1936 bis 1940 als Schriftleiter der antisemitischen von Rosenberg begründeten Zeitschrift: "Der Weltkampf". 1937 veröffentlichte er dann ein Buch mit dem Titel: "Bolschewismus in der Bibel". 

Einen Vorgeschmack bekommt man schon durch seine einleitenden Worte: "Nachfolgende Ausführungen, werden die beide Teile der Bibel als grundlegend mitverantwortlich für die … alle Welt bedrohende Erscheinung des Bolschewismus zeigen." [38] 

Er versteigt sich dann zu der Behauptung: "An der Spitze dieser judenhörigen Riesenorganisationen, zu denen das internationale Freimaurertum, der Marxismus in allen Schattierungen, die Liga für Menschenrechte, der Pazifismus usw. gehören, steht das 700 Millionen umfassende Weltchristentum." [39] 

Dieses Beispiel macht deutlich, zu welch extremen Kampfpositionen jene braunen "Rassejünglinge" und Greise [40] sich verstiegen. Charakteristisch kommt das auch im nachfolgenden Band der gleichen Reihe "Deutsche Aktion" zum Ausdruck, worin die Schrift von Hauptmann die 5 Folge war. Die Nr. 6 der gleichen Reihe hat den bezeichnenden Titel: "Der Bolschewismus eine Frucht des Christentums". 

Darin will eine braune Nazisse ihren Lesern weismachen: 
"Deutsch und christlich? Nein 'deutsch oder christlich' heißt die Losung, denn das eine schließt das andere aus und Kompromisse aller Art müssen die Folge sein, will man zwei unüberbrückbare Gegensätze in Einklang bringen. Der Bolschewismus ist also die organisierte Durchführung der Weltherrschaft Judas und damit die Erfüllung der in der Judenbibel programmierten Judenherrschaft." [41] 

Diese Beispiele mögen stellvertretend für andere veranschaulichen, was das Ende vom Lied ist, wenn man die Argumentation der faschistischen Bibelforschergegner weiter verfolgt. 

Um auf die Frage der Wahlverweigerung der Bibelforscher zurück zukommen. Symptomatisch dafür sind auch die "Mitteilungen" des Geheimen Staatspolizeiamtes die in ihrer Nr. 4 vom März 1934 meldeten: "Besonders bezeichnend war in dieser Hinsicht die Einstellung der Internationalen Bibelforscher zur Reichstagswahl vom 12. November 1933. Aus einer ganzen Reihe von Berichten geht hervor, dass die Bibelforscher für ihre Anhänger die Parole ausgegeben hatten, der Wahl fernzubleiben." 

Weiter notiert diese Meldung: "Mitglieder der Sekte, die durch den Wahlschleppdienst zur Beteiligung an der Wahl aufgefordert wurden, weigerten sich mit aller Entschiedenheit ihrer Wahlpflicht zu genügen." [42] 
Die Gestapo kommentiert dazu: "Dass die angebliche religiöse Überzeugung der Internationalen Bibelforscher, an der sie zum großen Teil fanatisch hängen, sich mit den Staatsbürgerpflichten im nationalsozialistischen Staat schlechterdings nicht vereinigen lässt." [43] 

Ein weiterer Lagebericht fasst das in die Worte: "Die Anhänger der Internationalen Bibelforschervereinigung haben sich von der Abstimmung am 19. 8. 34 ferngehalten. Sie haben das offen zum Ausdruck gebracht und waren an verschiedenen Orten trotz guten Zuredens nicht dazu zu bewegen, sich an der Wahl zu beteiligen." [44]

Der Nazistaat beließ es nicht beim "guten Zureden". Wie dieses "gute Zureden" in der Praxis aussah, darüber hat Zürcher einen Fall dokumentiert: "Vor der Wahl im November 1933 kam der politische Leiter und damalige zweite Bürgermeister meines Wohnortes zu mir in mein Sattler- und Tapeziergeschäft und forderte mich auf, zur Wahl zu gehen, andernfalls würde ich mein Haus, mein Geschäft, meine Ehre und mein Recht verlieren … Der Wahlsonntag brachte mir dann um 11 Uhr nachts vollständig zertrümmerte Fenster. Es flogen kiloschwere Steine in meine Behausung, so das meine Frau und ich, namentlich aber die Kinder in großer Lebensgefahr waren. 
Hernach wurde noch mein Anwesen mit einer sechs bis acht Meter langen und einen halben Meter hohen Inschrift versehen: 'Hier wohnt der Volksverräter … hier ist kein Zutritt.' Wer dann noch ins Geschäft kam, wurde teils von SA, SS und der Polizei angehalten, was er in diesem Haus gekauft hätte. Somit wurde mein früher sehr gutgehendes Geschäft vollständig stillgelegt und der Ruin war die selbstverständliche Folge."
 [45]

Auch der „Wachtturm"-Artikel mit der Überschrift „Fürchtet euch nicht" in der Ausgabe vom 1. 12. 1933 verdeutlicht den Beginn der „Parallelität"; das heißt weiter Verhandlungsbereit zu sein, die Phase des Stillhaltens wie sie vordem noch Harbeck formuliert hatte, jedoch zunehmend in den Hintergrund zu drängen.
19332fuerchtet

Auch das Jahr 1934 zeichnete sich dann dadurch aus, dass die Presse weiterhin, weitgehend nicht mit eingeschaltet war.
Zwar gab es schon thematische Berichte, aber zur eigentlichen Brisanz stießen diese noch nicht vor. 
Beispielhaft dafür die Berichterstattung in der „Deutsch-evangelischen Korrespondenz"
Am 20. 12. 1933 las man dort unter der Überschrift: „Umtriebe der sogenannten „Ernsten Bibelforscher" unter Verweis auf die Nürnberger „Allgemeine Rundschau" vom 18. 12. 1933, in Augsburg habe es einen Briefversand durch die Post an Geschäftsleute gegeben.

„Den Sendungen lagen hierbei durch Maschinenschrift gefertigte Hetzschreiben gegen die nationale Regierung bei."

Wie man aus anderortiger Berichterstattung weis, war diese Aktion dem Umfeld der Zeugen Jehovas, nicht jedoch diesen direkt zuortbar.
Am 7. 3. 1934 notiert die „Dt.-Ev.Korrespondenz" ebenfalls unter Hinweis auf Drittquellen, in

Seesen am Harz habe des den Versuch gegeben, „die Vereinigung der „Ernsten Bibelforscher" wieder aufleben zu lassen."

Anders hingegen schon die Bericht-Erstattungslage im Jahre 1935.
Siehe beispielhaft.
19352Durchbruch
19352Obskure
19352Zynismus
19352Reichsverwaltungsblatt
Sopade

Namentlich die Propagandashow des Berner Prozesses um die Hetzschrift „Protokolle der Weisen von Zion" im Mai 1935, bot dann auch der Presse die Möglichkeit, in ihrer Berichterstattung das Zeugen Jehovas-Thema mit zu streifen. Auch wenn noch nicht ausführlich referiert wurde, sind zumindest ab diesem Zeitpunkt „schlafende Hunde" erst einmal geweckt worden.
Exemplarisch dafür der Bericht der „Frankfurter Zeitung" vom 5. 5. 1935:
„Die Rolle der Ernsten Bibelforscher
Fleischhauers Gutachten im Berner Prozeß
Zürich, 4. Mai. Auch der dritte und vierte Tag des Gutachtens von Oberstleutnant a. D. Fleischhauer war seiner Theorie über die Verfasserschaft der zionistischen „Protokolle" gewidmet. ... Wenn man auch den Ursprung der Protokolle nicht direkt beweisen könne, so gebe er doch indirekt aus dem Charakter und der Einstellung der Juden hervor.
Schließlich behandelte Fleischhauer die Frage der „Ernsten Bibelforscher", die sich nach seiner Auffassung äußerlich als eine christliche Gesellschaft tarnen. Während die zionistischen „Protokolle" das staatspolitische Programm der Juden enthielten, förderten die Ernsten Bibelforscher die religiös-politischen Pläne der Juden. Auch die Bibelforscher verfügten über ein Weltherrschaftsprogramm, das sie in vielen Millionen von Schriftexemplaren über die ganze Erde verbreitet hätten. Jerusalem werde die künftige Welthauptstadt sein, und Abraham werde vom Berge Zion die Geschicke der ganzen Welt mittels vollkommener Rundfunkstationen lenken und alle Nichtjuden würden durch Beschneidung zu Juden gemacht. Die „Protokolle" seien aus der gleichen Gedankenwelt geboren wie das Programm der Bibelforscher, und der Mord am österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 sei eine Freimaurertat gewesen ..."

Auch das „Hamburger Tageblatt" vom 4. 5. 1935 referierte in ähnlichem Sinne, wenn es ausführte:
„Weiter beschäftigte sich Fleischhauer mit der „Internationalen Vereinigung ernster Bibelforscher", die überall organisiert und von den Juden benützt würde, um auf kirchlich-religiösem Gebiet die jüdischen Weltherrschaftspläne zu fördern und das kommende jüdische Reich als gottgewollt hinzustellen. Anhand zahlreicher Zitate wies der Sachverständige nach, daß die Ziele der „Ernsten Bibelforscher" genau die gleichen seien wie die in den „Protokollen", Zerstörung der bestehenden Staaten und Schaffung eines Davidreiches, das von den jüdischen Aristokraten als Statthaltern regiert werden solle."

Die Gazette „Frankfurter Volksblatt" vom 4. 5. 1935, tönte ebenfalls in ihrem Bericht:
die Ziele der "ernsten Bibelforscher" seien „genau die gleichen wie die in den "Protokollen"; Zerstörung der bestehenden Staaten und Schaffung eines David-Reiches, das von jüdischen Aristokraten als Statthalter regiert werden solle."

Und da besagter Herr Fleischhauer, ebenfalls nach vorgenannten Blatt, für die Verlesung seines „Gutachtens" 20 Stunden benötigte; sicherlich eine geeignet lange Zeit, um Prozess-Anwesende, so in den Schlaf zu wiegen, ist für für die Schlaftrunkenen der „Beweis" erbracht. Quantität ersetzt dabei die Qualität.
Wortwörtlich in ähnlicher Diktion, berichtete auch der „Westdeutsche Beobachter" vom 4. 5. 1935
Ergänzend liest man in der Schweizer Zeitung „Der Bund" (Ausgabe vom 7. 5. 1935)
„(Es) verliest der Gerichtspräsident einen Brief, in dem die ernsten Bibelforscher gegen die Ausführungen Fleischhauers protestieren.
Dazu äußert sich der Experte:
Ich stehe in jeder Beziehung zu dem, was ich gesagt habe. Die Bibelforscher behaupten, die antisemitische Weltorganisation sei eine Schöpfung der nationalsozialistischen Regierung. Das stimmt nicht. Sie bestand schon 1919."

Unter dem Namen „Salander" (wohl ein Pseudonym) kommentierte am 8. 5. 1935, auch die Basler „National-Zeitung" jenen Erguss des Nazi-"Experten" Ulrich Fleischhauer, vor den Schranken eines Schweizerischen Gerichtes.
In diesem Kommentar wurde ausgeführt:
„Der Berner Prozess über die Protokolle der Weisen Zion' ist eine interessante Gelegenheit, den Gedankenwirbel zu studieren, der durch ein leidenschaftlich gepflegtes Vorurteil im Gehirn des Fanatikers erzeugt wird. Sämtliche Lebensdeutungen und Wissensbruchstücke, die sich in einem solchen Kopf vorfinden, verlieren dann allmählich ihren Eigenwert und ursprünglichen Wahrheitsgehalt. Sie werden zu blossen Bestandteilen der vorgefassten Meinung und kreisen schliesslich zwangsläufig nur noch um deren gefühlsgeladenen Gegenstand. Es sieht so aus, wie wenn das fanatische Vorurteil alles lebendige, unbefangene Erkennen in seinen Wirbel von Hass, Misstrauen und Selbstbetonung hineinzöge.
Ein anschauliches Beispiel dieses Vorgangs ist die groteske Einbeziehung der Sekte der sogenannten 'Ernsten Bibelforscher' in den gegenwärtigen deutschen Rassenwahn, die auch im Berner Gutachten Fleischhauers eine Rolle spielte. 
Eine ausgesprochen christliche Sekte angelsächsischen Ursprungs, die auch nicht das Geringste mit Judentum zu tun hat, ist bloss wegen einiger Absonderlichkeiten, die gegenüber ähnlichen Erscheinungen der Religionsgeschichte nicht einmal besonders neu oder eigenartig sind, bei den Trägern des neudeutschen 'Ariertums' in den Verdacht jüdischer Gesinnung gekommen. Die Bibelforscher sind und werden im Dritten Reich noch heute mit einer äusserst verbissenen und brutalen Spezialverfolgung bedacht, von der man bei uns zwar nur wenig hört und liest, die aber in Amerika, dem Ursprungsland der Sekte, ziemlichen Eindruck gemacht hat und als unerhört empfunden wird."

Und weiter:
„Das Paradoxe dabei ist, dass die schlicht denkenden Anhänger der Bewegung, die bekanntlich den Weltuntergang und die Wiederkunft Christi in naher Zukunft erwarten, durch ihre Märtyrererfahrungen durchaus in ihren Überzeugungen bestärkt werden. Sie müssen die Verfolgung als Vorzeichen und Prüfung ansehen."

Der Kommentator kann es sich nicht versagen, und dabei ist ihm ausdrücklich zuzustimmen, auch mit anzumerken:
„An die Echtheit der 'Protokolle' habe ich persönlich schon vor der schlüssigen Widerlegung durch die alte Schrift von Joly nie einen Augenblick geglaubt. Mein Unglaube ist dabei keineswegs durch irgendeine besondere Überzeugung über die Herrschaftsabsichten der jüdischen Rasse bestimmt gewesen ... Die Unechtheit ergibt sich vielmehr für mich aus der einfachen Überlegung, dass ernsthafte Weltherrschaftspläne ganz bestimmt niemals vorher protokollarisch festgelegt werden. Es ist eine geradezu kindliche Vorstellung, dass Menschen, denen man solche weitreichende Fähigkeiten zutrauen darf, so töricht wären, ihre Absichten in aller Ausführlichkeit schriftlich festzulegen. So sieht die Weltgeschichte nur im Kopfe von Primarschülern aus, oder aber in Gehirnen, die selbst mit Weltherrschaftsträumen angefüllt sind."

Auf der justiziablen Ebene, bildete dann ein Urteil des Sondergerichtes Darmstadt, welches aus formaljuristischen Gründen, noch teilweise Freisprüche verkündet hatte, namentlich die darauf einsetzende Diskussion in Nazikreisen darüber, die entscheidende Zäsur.
Auch das im Zuge der vom Naziregime (wie auch später von den Kommunisten) praktizierten Postkontrolle, verschiedentlich Sendungen mit Zeugen Jehovas-Literatur festgestellt wurden, bewirkte, dass der nazistische Repressionsapparat zunehmend aufgerüttelt wurde.
1935

Soweit in vorgenannten Links bereits Nazi-Presseorgane referiert wurden, werden diese Berichte hier nachfolgend übersprungen. Das Augenmerk soll besonders den „sonstigen" Berichten des Jahres 1935 zugewandt werden. 

Eine gewisse Sonderrolle nahm im Nazigefüge auch die „Frankfurter Zeitung" ein. Saßen etliche Nazi-Presseorgane an der „kurzen Leine", so nicht die „Frankfurter Zeitung". Deren „Leine" war im Gegensatz dazu, verhältnismäßig lang, was wiederum bewirkte, das ihr im Ausland, besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Bereits am 28. 3. 1934 berichtete die „Frankfurter Zeitung" über das bereits genannte Darmstädter Urteil. Man konnte in diesem Blatt dazu lesen:
„Darmstadt, 27. März
Eine Entscheidung von besonderer Bedeutung fällte das Hessische Sondergericht. 29 „Ernste Bibelforscher" saßen auf der Anklagebank, weil sie trotz Verbots noch zueinander kamen und ihr Bekenntnis verbreiteten. Die Angeklagten erklärten, daß sie nach ihrer Ansicht gegen die Bibel handeln würden, wenn sie das Wort Gottes nicht weiterverbreiteten. Auf der Bibel baue sich ihr ganzer Glaube auf. Sie bestritten einen Zusammenhang ihrer Lehre mit dem jüdischen Glauben oder mit der kommunistischen Weltanschauung. Von den Juden trenne sie Christus, an dessen Leben und Sterben sie glaubten, und von den Kommunisten die Gewaltanwendung, die sie grundsätzlich ablehnten.
Für das Gericht waren folgende Gesichtspunkte entscheidend:
Es kam einerseits zwar zu der Auffassung, daß die „Bibelforscher" dem nationalsozialistischen Staat feindlich gegenüberstünden, wie sie jeden weltlichen Staat als Satanswerk ansähen und seine Gesetze mißachteten, daß sie also zu verbieten seien. Das Gericht war aber andererseits auch der Auffassung, daß das bestehende Verbot der Bibelforscher, daß bisher nur von einzelnen Ländern ausging, auf Grund der Verfassung ungültig sei.
Der Staatsanwalt vertrat zwar den Standpunkt, die Weimarer Verfassung sei selbst ungültig, weil die Staatsgrundsätze sich wesentlich geändert hätten.
Das Gericht hielt diese Auffassung aber für verfehlt. Es kam zu der Ansicht, daß lediglich die Teile der Verfassung aufgehoben seien, die der nationalsozialistischen Weltanschauung widersprechen. Es stützte seine Meinung darauf, daß Minister auch auf die Verfassung vereidigt würden, daß Gesetze und nicht zuletzt maßgebende Personen sich noch heute auf die Verfassung beriefen. Die Weimarer Verfassung bestimme nun einmal, daß jede Religionsgesellschaft die Freiheit der Glaubensausübung habe und daß ferner ein Land von sich aus nicht das Recht habe, dagegen Verbotsbestimmungen zu erlassen. Demgegenüber sprach das Gericht die 29 Angeklagten frei."

Auch die „Deutsch-evangelische Korrespondenz" vom 4. 4. 1935 erwähnt das Darmstädter Urteil.
Sollte man nun wähnen, auf Grund des vorzitierten Berichtes, nunmehr sei noch „alles offen", so sprachen die Alltagserfahrungen der Nazi-Bürokratie dagegen. Besagtes Darmstädter Urteil wurde dann ja noch selbst von den Nazis einer umfänglichen Manöverkritik unterzogen.
So kamen beispielsweise aus dem Schulwesen Meldungen, welche die Nazis hochschreckten. Auch darüber berichtete die „Frankfurter Zeitung" am 25. 10. 1934.
Man las zu diesem Zeitpunkt:
„Der preußische Unterrichtsminister erklärt in einem Erlaß, es sei wiederholt berichtet worden, daß schulpflichtige Kinder, deren Eltern Angehörige der Gemeinschaft „Zeugen Jehovas" seien, unter dem Vorgeben religiös begründeter Gewissensverpflichtungen den deutschen Gruß verweigert hätten. Die „Zeugen Jehovas" seien als Anhänger der verbotenen Sekte der „Internationalen Bibelforschervereinigung" anzusehen. Im übrigen habe die Grußverweigerung als Verstoß gegen die bestehende Schulordnung zu gelten."

Am 3. 10. 1934 konnte man in der „Deutsch-Evangelischen Korrespondenz lesen:
„Die Sekte der sogenannten „Ernsten Bibelforscher" ist unter der Oberfläche anscheinend noch immer in Deutschland tätig. Der Regierungspräsident von Hildesheim hat sich nämlich zu der Anordnung veranlaßt gesehen, daß alle Lehrer und Lehrerinnen seines Bereichs bis zum 20. September die schriftliche Erklärung abzugeben hätten, daß sie nicht der Internationalen Bibelforschervereinigung oder einer ihrer Nebenorganisationen angehören."

Dito die analoge Meldung im „Völkischen Bobachter" vom 15. 9. 1934.
Allerdings, die Zwickmühle in der sich das Naziregime zu diesem Zeitpunkt noch befand, kommt in einer weiteren Meldung des „Frankfurter Zeitung" und zwar der vom 14. 11. 1934 zum Ausdruck, wo zu lesen war:
„Vermögen der Internationalen Bibelforscher freigegeben.
Der thüringische Minister des Innern hat angeordnet, daß das im April 1933 beschlagnahmte Vermögen der Internationalen Bibelforschervereinigung einschließlich ihrer sämtlichen Organisationen freigegeben wird. Die Betätigung der Wachtturm-, Bibel- und Traktatgesellschaft in der Herstellung und dem Vertrieb von Traktaten und anderen propagandistischen Schriften bleibt verboten, ebenso jegliche Lehr- und Versammlungstätigkeit der Bibelforschervereinigung."

Mit erwähnt in der „Deutsch-evangelischen Korrespondenz" vom 21. 11. 1934 unter Berufung auf die „Frankfurter Zeitung".

geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 17. Januar 2015 18:10
Im Zeitspiegel
Schon am 21. 12. 1934 begann sich die „Schockstarre" des Naziregimes allmählich zu lösen, wenn die „Frankfurter Zeitung" in einem weiteren Bericht mitteilen konnte

:„Fortsetzer der „Ernsten Bibelforscher" bestraft.
Wie der „Evangelist" mitteilt, hatten sich vor dem Sondergericht Halle/Saale eine Anzahl Mitglieder des Bundes „Zeugen Jehovas" der Fortsetzung des verbotenen Bundes „Ernster Bibelforscher", zu verantworten. Die Beklagten erklärten sich für unschuldig. Sie seien treue Staatsbürger, achteten den neuen Staat und seinen Führer und hielten sich immer im Rahmen der Gesetze, „natürlich oder nur, soweit sie mit dem Willen Jahwes übereinstimmen."
Der Anwalt der „Zeugen Jahwes" berief sich bei der Verteidigung auf den Schutz der freien Religionsausübung, den die Verfassung von Weimar jedem Staatsbürger gewährleiste. Sowohl die „Zeugen Jahwes" wie die „Ernsten Bibelforscher" seien Religionsgesellschaften, wie sie die Weimarer Verfassung im Auge habe, ein Verbot käme einem Verfassungsbruch gleich.
Diese Beweisführung lehnte das Sondergericht aber sehr entschieden ab. Es handle sich hier um Religionsgesellschaften, die ihrem Wesen nach dem Staat gefährlich werden könnten. Mit Schriften, die aus dem Auslande hereinkommen, werde eine sehr bedenkliche Zersetzungsarbeit betrieben, der der Staat, obwohl er den Schutz der freien Religionsausübung grundsätzlich zugestehe, nicht müßig zusehen dürfe. Das Sondergericht, das zur Begründung seines Standpunktes Stoff über die Zersetzungsarbeit der „Zeugen Jahves" beibrachte, sprach alle Angeklagten, Männer und Frauen schuldig und verurteilte jeden zu drei Monaten Gefängnis."

Eine in der Substanz ähnliche Meldung, analog der eben zitierten, gab es auch im „Berliner Tageblatt" vom 23. 11. 1934.
Die „Deutsch-evangelische Korrespondenz", die zuvor schon über Verbotsbestrebungen in Polen und Japan berichtet hatte, setzte am 13. 2. 1935 unter der Überschrift: „Immer wieder „Ernste Bibelforscher" diese thematische Berichterstattung fort.
„Kürzlich hatten sich 24 Personen aus Bad Dürrenberg und Umgebung vor dem deutschen Sondergericht zu verantworten. Die Beweisaufnahme ergab, daß die meisten Angeklagten tatsächlich in kleineren Grüppchen den früheren Zusammenhalt aufrecht erhielten. Wenn das Gericht trotzdem 22 aus subjektiven Gründen freisprach, so darum, weil es den Angeklagten glaubte, daß sie sich der Strafbarkeit ihres Tuns nicht bewußt gewesen seien. Der Führer der Gruppe, der im Oktober 1934 eine Versammlung abgehalten hatte und auch sonst als Werber der „Ernsten Bibelforscher" hervorgetreten war, wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
In einem weiteren Fall wurde eine Geldstrafe von 150 Mark verhängt. In der Begründung brachte das Gericht klar zum Ausdruck, daß die nationalsozialistische Regierung nicht daran denkt, irgend einen Glaubens- oder Gewissenszwang auszuüben.
Auf der anderen Seite müsse jedoch kräftig eingeschritten werden, wenn unter dem Deckmantel der Religiosität hetzerische Angriffe gegen den Staat oder gegen staatliche und kirchliche Einrichtungen festzustellen sind."

Die entscheidende Meldung über den Paradigmawechsel konnte man dann einer Meldung der „Frankfurter Zeitung" vom 28. 3. 1935 entnehmen. Diesmal war zu lesen:
„Rutherfords Weisung an die deutschen Bibelforscher
Bremen, 27. März
In einer Verhandlung vor dem Sondergericht gegen den ehemaligen Dienstleiter der Ortsgruppe Bremen der aufgelösten Vereinigung der „Internationalen Bibelforscher" spielte ein im Herbst 1934 in Deutschland eingetroffenes Schreiben des obersten Leiters dieser Vereinigung, des amerikanischen Richters Rutherford, eine Rolle. In diesem Schreiben wurden die Mitglieder der Vereinigung zum Widerstand gegen die deutsche Regierung aufgefordert. Ferner wurden sie angewiesen, an einem bestimmten Tage im Oktober vorigen Jahres überall Versammlungen abzuhalten. Der Dienstleiter der Bremer Ortsgruppe stand jetzt unter der Anklage, den organisatorischen Zusammenhalt der Vereinigung aufrecht erhalten und durch Verbreitung von Schriften zum Ungehorsam gegen die Gesetze aufgefordert zu haben. Der Angeklagte erkärte, daß er sich keiner strafbaren Handlung bewußt sei. Er habe das Schreiben Rutherfords in mehreren Exemplaren weitergeben, darin könne er aber nichts Strafbares erblicken. Eine Versammlung habe er nicht abgehalten, er sei an jenem Tage mit drei Glaubensbrüdern zusammengekommen, um einen gemeinsamen Gottesdienst abzuhalten.
Das Gericht hielt den Angeklagten aber für schuldig, denn einmal enthalte das Schreiben Rutherfords die ausdrückliche Aufforderung der deutschen Regierung Widerstand zu leisten, dann aber sei auch in dem angeblichen Gottesdienst keine religiöse Handlung zu erblicken, sondern, da dieser Gottesdienst an dem von Amerika aus vorgeschriebenen Tage stattfand, eine Aktion, die gegen das Gesetz zum Schutz von Volk und Staat verstoße. Der Angeklagte wurde daher zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.
Zu Beginn der Sitzung ereignete sich ein Zwischenfall. Im Zuhörerraum saßen vier Personen, die den deutschen Gruß des eintretenden Gerichts nicht erwiderten, auch nicht, als der Vorsitzende sie ausdrücklich aufforderte, den rechten Arm zu heben. Sie wurden hierauf wegen Ungebühr vor Gericht aus dem Saal gewiesen."

Auf vorzitierten Fall, in der Bericherstattung weitgehend identisch, ging auch die „Deutsch-evangelische Korrespondenz" vom 3. 4. 1935 ein. In ihm enthalten auch der mit herausgestellte Vorwurf des Naziregimes, die Zeugen Jehovas würden eine „Kulturbolschewistische Organisation" sein.

Zwar nicht direkt in der Nazipresse erschienen, aber auf die Verhältnisse in Hitlerdeutschland bezugnehmend der Bericht in der in Basel (Schweiz) erscheinenden „National-Zeitung" vom 15. 2. 1935.
Bezug genommen wird auf ein Verfahren gegen acht Zeugen Jehovas vor dem Hessischen Sondergericht in Darmstadt:
„Die Verhandlung war insofern interessant, als die Beweisaufnahme Einblick in die Lehren dieser Sekte bot. Von dem Vorsitzenden über die einzelnen Bestimmungen ihrer Organisation befragt, die irgendwelchen Dienst am Staate verböten, gaben die Angeklagten zu, daß sie diese Satzungen unbedingt befolgten und wenn es darauf ankäme, selbst den Heeresdienst verweigern würden. Zwei Männer wurden als geistige Führer der Gruppe zu Gefängnisstrafen von drei und zwei Monaten unter Anrechnung von acht Wochen Untersuchungshaft verurteilt; die übrigen, darunter ein 68jähriges Ehepaar, erhielten je einen Monat Gefängnis."

Nun noch einige weitere Detail-Zitierungen.
Am 16. 3. 1935 berichtete das Blatt „Berliner Börsen-Zeitung" über ein Verfahren gegen gleich 30 Zeugen Jehovas vor dem Sondergericht in Hamburg.
Wieso ausgerechnet ein Blatt mit diesem Titel, die Zeugen Jehovas-Thematik aufnahm, ist nur schwer nachvollziehbar.
Wie auch immer: Von diesen 30 wurden 26 zu sechs Monaten Haft, drei zu 9 Monaten, und der Hauptangeklagte Tümmler zu einem Jahr Haft verurteilt. Der Versuch der Angeklagten, ihre Organisation wieder flott zu bekommen, wird in dem Bericht als „Kulturbolschewistische Bestrebung" bezeichnet.
Bezüglich des im gleichen Blatt erschienenen Artikels „ „Die Anklage stammt von Seiner Majestät dem Teufel!" (13. 2. 1935)

siehe auch 19352Durchbruch

Am 21. 3. 1935 meldet das „Berliner Tageblatt":
„In manchen Gebieten, besonders in Sachsen, treiben die Anhänger der verbotenen Gemeinschaft ernster Bibelforscher noch immer ihre staatsgefährliche Propaganda unter dem Decknamen Zeugen Jehovas. Das Amtsgericht in Limbach hat jetzt acht dieser Propagandisten zu Gefängnisstrafen verurteilt."

Gleichfalls am 11. 4. 1935 meldete das „Berliner Tageblatt" die Verurteilung von 32 Zeugen Jehovas durch das Lübecker Schöffengericht. Das dabei verhängte Strafmaß variierte „von drei bis sechs Monaten, unter Anrechnung der erlittenen Schutz- und Untersuchungshaft."

Aber eben erwähnter Bericht, glaubt mit erwähnen zu müssen:
„Im Urteil wird hervorgehoben, das das Verhalten der lübeckischen Angeklagten, die sich mit völliger Unkenntnis zu entschuldigen versuchten, nicht entfernt so würdig gewesen sei wie das der kürzlich in Hamburg verurteilten ernsten Bibelforscher. Diese hätten wenigstens für ihr Verhalten gerade gestanden."

Am 1. 5. 1935 war in der „Frankfurter Zeitung" zu lesen:
„Vor dem Thüringischen Sondergericht hatte sich der 43jährige Erich Sproß aus Meuselwitz zu verantworten, der beschuldigt wurde, durch seine Tätigkeit für die verbotene Internationale Bibelforscher-Vereinigung gegen die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat und gegen das Vereinsverbot des Thüringischen Innenministeriums verstoßen zu haben. Er hatte den Zusammenhang unter den Mitgliedern der verbotenen Vereinigung aufrechterhalten, Zusammenkünfte mit ihnen gehabt, Beiträge von ihnen eingezogen und Mitteilungen an sie gerichtet. Der Angeklagte räumte in der Verhandlung ein, daß seine Gesinnungsfreunde ungeachtet des Verbotes zusammenhielten, indessen gab er keine Auskunft über die richtigen Namen der unter Decknamen geführten Mitglieder. Er erklärte, für ihn gebe es nur einen Jehova, dem er Rechenschaft abzulegen habe. Er wurde dem Antrag des Staatsanwalts gemäß mit zwei Jahren, drei Monaten Gefängnis bestraft. Die Untersuchungshaft, in der sich Sproß seit Mitte November vorigen Jahres befindet, wird nicht angerechnet."

Zum Fall Sproß gibt es andernorts noch die Angabe, zuerst wurde er im März 1935 zu 15 Monaten Haft verurteilt. Weil er sich weigerte Namen anderer Zeugen Jehovas preiszugeben, wurde die Strafe in einem zweiten Verfahren dann auf 27 Monate erhöht. (Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945 Band 8 Thüringen)
Da wie bereits ausgeführt, die „Frankfurter Zeitung" auch von ausländischen Presseorganen aufmerksam beobachtet wurde, braucht man sich nicht weiter zu wundern, dass jene Meldung in Sachen Erich Sproß, sich dann auch in der Schweizer Zeitung „Der Bund" (Ausgabe vom 2. 5. 1935) wieder findet.
Noch eine weitere thematische Meldung gab es in der „Frankfurter Zeitung" vom 1. 5. 1935, die es analog ebenfalls zur Mit-Referierung im Schweizer „Der Bund" brachte. Diese Meldung besagte:
„Das Sondergericht verhandelte gegen zwei Einwohner von Celle, die früher Mitglieder der Internationalen Bibelforschervereinigung gewesen waren. Die Anklage warf ihnen u. a. vor, sie hätten gemeinsam ein Traktat verfaßt und in Druck gegeben, in dem Bibelsprüche aus ihrem Zusammenhang gerissen werden und durch einen selbst angefertigten Text mit einander verbunden worden seien. Es war zu dem Prozeß gekommen, weil der Buchdruckereibesitzer, der mit dem Druck des Traktats beauftragt worden war, dieses aus Vorsicht zunächst der Polizei vorgelegt hatte. Die Polizei hatte den Druck daraufhin verboten, da in dem Traktat Sätze enthalten waren, die als Aufforderung zur Kriegsdienstverweigerung aufzufassen waren.
Der Anklagevertreter forderte Gefängnisstrafen von vier und zwei Monaten, und das Gericht beschloß dementsprechend. Außerdem erhielten die Angeklagten, weil sie zu Beginn der Verhandlung den deutschen Gruß verweigert hatten, je drei Tage Haft."

Am 16. 5. 1935 meldet sich die „Frankfurter Zeitung" erneut zum Zeugen Jehovas-Thema zu Wort. Diesmal berichtet man aus Hannover. Das dortige Sondergericht hätte gegen zehn Zeugen Jehovas Urteile verhängt:
„Die Angeklagten hatten sich trotz des Verbots der Regierung, das der Bibelforscher-Vereinigung jede Versammlungen, Werbe- und Lehrtätigkeit untersagt, zu einer Abendmahlsfeier vereinigt. Dabei waren sie von der Polizei festgenommen worden und befanden sich seitdem in Untersuchungshaft. Der Staatsanwalt forderte gegen alle Angeklagten Gefängnisstrafen von zwei bis drei Monaten.
Das Gericht verhängte jedoch nur gegen acht Angeklagte Geldstrafen von je 200 Mark, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten und sprach die beiden andern Angeklagten frei.
Maßgebend für diese Entscheidung war, daß sich die Angeklagten nicht hetzerisch betätigt hatten."

Am 13. 6. 1935 gab es in der Basler „National-Zeitung" einen weiteren Bericht, unter der Überschrift: „Bibelforscher wandern ins Gefängnis."
Diesmal wird über eine Verhandlung vor dem Sondergericht Hannover, gegen insgesamt 35 Zeugen Jehovas berichtet.
„Das Sondergericht verurteilte die Angeklagten zu Gefängnisstrafen von einem bis acht Monaten und zu Geldbußen von 200 - 300 Mark. Einige Angeklagte wurden freigesprochen."

Und weiter:
„Das Gericht erklärte in der Urteilsbegründung, daß es sich bei den Angeklagten um verführte Menschen handle. Die Bibelforscher-Vereinigung sei nicht verboten worden wegen ihrer religiösen Tätigkeit, sondern weil unter ihrem Deckmantel gegen den deutschen Staat und seine Regierung politische Hetze betrieben wurde."

Schon frühzeitig gab es aus der Region Schlesien, einschlägige Meldungen. Etwa wenn das „Berliner Tageblatt" am 25. 1. 1935 mit einer noch nebulös formulierten Meldung den Anfang, der Berichterstattung über die justiziable Behandlung der Zeugen Jehovas-Angelegenheit durch das Naziregime machte. Genanntes Blatt erwähnt:
„Polizei gegen „Ernste Bibelforscher"
In Langenölz i. Schles. hat die Gendarmerie eine nächtliche Versammlung der „Ernsten Bibelforscher" aufgehoben. Der Leiter der geheimnisvollen Veranstaltung wurde in Schutzhaft genommen und in das Amtsgericht Lauban eingeliefert."

Verhältnismäßig umfänglich ist der Bericht der „Breslauer Neuesten Nachrichten" vom 5. 6. 1935 zu benennen, was dafür spricht, dass eben das Zeugen Jehovas-Problem den Nazis in jener Region besonders „auf den Nägeln brannte".
Ein Massenverfahren gegen gleich 30 Zeugen Jehovas, wurde da in Szene gesetzt.
Einem namentlich genannten Wilhelm Scholz und einem Mitangeklagten Walter Behrens, wird die Aufrechterhaltung der ZJ-Organisation vorgeworfen.
Scholz wurde zu drei Monaten Haft verurteilt, Behrens hingegen, mangels Beweise freigesprochen.

Mitangeklagt ein weiterer Richard Scholz (man beachte die unterschiedlichen Vornamen) der zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde, während drei Mitangeklagte Frauen mit Geldstrafen von je 150 Mk (was als Mindeststrafe bezeichnet wird) davon kamen.

Weitere sechs Männer und sieben Frauen, unter denen ein Karl Röricht namentlich genannt wird, über die heißt es:
„doch ließ sich nur bei dem Angeklagten Karl Röhricht nachweisen, daß sein Verhalten auf ein Aufrechterhalten der verbotenen Vereinigung abgestellt war. R(öhricht) wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt."

Als nächstes vernimmt man:
„Bedeutend schwerwiegender lag der Fall bei der Angeklagten Anna Süßmuth, die sich neben der illegalen Betätigung für die Bibelforscher auch schwere Beleidigungen gegenüber dem Führer hatte zuschulden kommen lassen."

Ihre Strafe sechs Monate Gefängnis.
Weiteren sechs Männern und vier Frauen wurde vom Gericht vorgeworfen, dass sie das „Versammlungsverbot dadurch umgehen zu können glaubten, daß sie sich zu „Geburtstagsfeiern" gegenseitig einluden.
Diese getarnten Zusammenkünfte wurden durch „Gesellschafstspiele" unterbrochen.

Geldstrafen zwischen 150 - 170 Mk. die Folge, aber auch Freisprüche mangels Beweis.

Nicht nur über „ein" sondern gleich mehrere Gerichtsverfahren gegen Zeugen Jehovas, berichtete die „Schlesische Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 12. 9. 1935.
Ein Verfahren spielte sich vor dem Sondergericht in Görlitz ab.
Gegen zehn Zeugen Jehovas wurde da zugleich verhandelt.
Es heißt im Bericht: „Zwei Angeklagte, die sich besonders hervorgetan haben, (wurden) zu je sechs Monaten Gefängnis (verurteilt), ein Angeklagter erhielt vier Monate Gefängnis, zwei Angeklagte je einen Monat Gefängnis, zwei andere Geldstrafen von je 150 RM. Drei Angeklagte wurden freigesprochen."

Damit ist die Berichterstattung in diesem Fall noch nicht beendet, denn es geht weiter mit der vielsagenden Angabe:
„Das Verfahren gegen zwei Angeklagte, die sich im Konzentrationslager befinden, wurde abgetrennt, weil die Angeklagten zum Termin nicht erscheinen konnten."

Weiter in demselben Bericht. An einem zweiten Verhandlungstage jenes Gerichtes, sei gegen 16 weitere Angeklagte verhandelt worden.
„Sie behaupteten, daß sie sich gegenseitig nur freundschaftliche Besuche abgestattet hatten, bei denen keine Gottesdienste gehalten wurden. Das Sondergericht sah nur bei vier Angeklagten die Schuld für erwiesen an und verurteilte einen zu drei Monaten Gefängnis, einen zu einem Monat Gefängnis und zwei weitere Angeklagte je 150 Mk. Geldstrafe. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen."

Noch einen dritten Verhandlungstag in dieser Serie legte jenes Gericht ein, diesmal gegen 14 Angeklagte. Der Bericht ist meines Erachtens insoweit ungenau, als jener dritte Verhandlungstag Angehörige des „Apostelamtes Simeon aus Jakobs Geschlecht" betrifft. Eine Gruppierung aus dem Umfeld der „Neuapostolischen Kirche", von dieser aber mittlerweile unabhängig, und dem Naziregime gleichermaßen unbequem. In diesem Falle musste aber das Sondergericht wegen mangels an Beweisen Freisprüche verkünden. Immerhin ist doch wohl bemerkenswert, dass man auch in diesem Falle versuchte, justiziabel vorzugehen.
Noch eine weitere thematische Vorankündigung ist jener Zeitungsausgabe zu entnehmen. Sie verkündet: 
„Das schlesische Sondergericht tagt am 17. September in Brieg. Dort werden sich 5 Angeklagte aus Brieg wegen Betätigung für die internationalen „Bibelforscher" zu verantworten haben."

Flankierend sei nochmals an den Fall Niedowski erinnert.

„Wie die Gerichte in dieser Konstellation agierten, lässt sich auch an den Erinnerungen des Rechtsanwaltes Ronge verdeutlichen, der in der Nazizeit für eine Zeugin Jehovas als Pflichtverteidiger tätig war:
"In der Verhandlung führte der Staatsanwalt aus: 'Leute von der Art Frau Niedowski weigern sich, dem Marschtritt unserer Nation mitzumachen. Sie folgen nicht den wehenden Fahnen unserer stolzen Einheiten. Sie begehen ein Verbrechen an dem siegreichen Aufbau unserer Nation. Die Angeklagte ist nicht zu belehren. Sie kann nur dazu dienen, als abschreckendes Beispiel zu wirken. Wir müssen versuchen, sie durch Abschreckung unschädlich zu machen. Nun ist sie nur eine Frau. Der Schaden, den sie angerichtet hat, ist nicht groß, aber das Gericht möge bedenken, dass das wiederum nicht an ihr liegt. Männer und Frauen die im Sinne des Führers leben, haben sich beeilt, sie den ausführenden Organen unseres Staates zu übergeben. Ich beantrage ein Jahr Gefängnis. Die Untersuchungshaft möge angerechnet werden.'"
Der Verteidiger führte unter anderem aus: "'Vergessen Sie nicht', sage ich zu dem Richter, 'dass der Mann der Frau Niedowski Soldat ist, er steht an der Front und tut seine Pflicht. Sie hat zwei Kinder. ... Die Arbeit der Angeklagten erreicht es, dass auch auf ihrem Besitz das Getreide wächst und dass Milch gemolken werden kann. ... Hier diese Frau ist keine Missionarin, diese Frau ist eine Missionierte.'"
Auf den Antrag des Verteidigers, eine Strafe in Höhe der Untersuchungshaft zu erkennen, folgte dann das Prozedere, dass die Angeklagte zu einem Schlusswort aufgefordert wurde. Ihr Verteidiger hatte sie dahingehend instruiert, dass sie lediglich sagen solle: "Ich
schließe mich meinem Herrn Verteidiger an." Kein Wort mehr, aber auch keines weniger.
Tatsächlich hielt sie sich aber nicht daran. Stattdessen sagte sie in ihrem Schlusswort zu dem Richter: "'Jehova möge Sie erleuchten!', dann setzte sie sich wieder hin."
Ronge kommentiert: "Es war geschehen. Der Vorsitzende sieht den Staatsanwalt an. 'Herr Staatsanwalt bleiben Sie bei Ihrem Antrag?' Der Staatsanwalt: 'Nein! Nunmehr beantrage ich die Höchststrafe von fünf Jahren. Sie dürfte gerade angemessen und ausreichend sein. Ich bitte, von einer Anrechnung der Untersuchungshaft abzusehen.'"
Der Verteidiger bemerkte dazu abschließend: "Nur Torheit hätte mir
noch Hoffnung geben können. ... Das Urteil lautete auf fünf Jahre
Gefängnis!"
[95]

Siehe auch noch:
Mysnip.132315

Am 20. 6. 1935 berichtet der „Völkische Beobachter" über eine weitere Verhandlung vor dem Darmstädter Sondergericht, gegen 13 Zeugen Jehovas.
„Die Angeklagten, Frau Amalie Botens, die in Holland wohnt, aber augenblicklich in Deutschland weilt und verbotene Schriften aus der Schweiz mitbrachte, sowie der 57jährige Franz Egle aus Frankfurt a. M., der Bezirksoberer war, und der 41jährige Christian Kaltwasser, die die verbotenen Schriften weiterverbreiteten, wurden zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt.
Die übrigen Angeklagten erhielten je einen Monat Gefängnis, während zwei Angeklagte mangels Beweises freigesprochen wurden."

Was den mit genannten Franz Egle anbelangt, so kennt man selbigen bereits von der WTG-Oppositionsgruppe „Wahrheitsfreunde". Nun also zu diesem Zeitpunkt, befand sich der „Wanderer zwischen den Welten" wieder im WTG-Troß, mit genannten Folgen.

Sicherlich hat man auch im Naziregime die Meldung der „Deutsch-Evangelischen Korrespondenz vom 3. 7. 1935 aufmerksam verfolgt:
„Die „Wachtturm-Gesellschaft" der „Ernsten Bibelforscher" ist nun auch für das gesamte Gebiet Österreichs verboten und aufgelöst worden. Grund zu dieser Maßnahme ist die von der Gesellschaft betriebene Verbreitung antikatholischer und regierungsfeindlicher Werbung im Österreichischen Staatsgebiet."

Die Zeitung „Wiener Tag" registrierte am 2. 8. 1935 die Verurteilung von sieben Zeugen Jehovas aus Bad Harzburg.
„Die Angeklagten verantworteten sich dahin, daß sie als "ernste Bibelforscher" den Tag erwarteten, an dem die Völker am Ende ihrer Weisheit angelangt wären und zum Aufbruch rüsteten, so daß das "Reich Gottes" als ein "religiöser Weltstaat" an ihre Stelle treten könnte. Sie hätten aber, sagten die Angeklagten, dabei keineswegs den Zusammenbruch Deutschlands, sondern bloß der angrenzenden Staaten ins Auge gefaßt."

Genanntes Blatt kommentiert dann seinerseits dazu: „Die "ernsten Bibelforscher" sind bekanntlich eine religiöse Sekte, die ihren Zulauf aus den Ärmsten der Armen erhält."

Weiter wird ihnen naive Weltabgewandtheit attestiert. „Den deutschen Gerichten blieb es vorbehalten, mit den "ernsten Bibelforschern" Ernst zu machen. Auch die Harzburger Angeklagten wurden zu empfindlichen Gefängnisstrafen verurteilt, das Gericht fand sie einer staatsfeindlichen Tätigkeit schuldig und begründete sein Urteil - was festgehalten zu werden verdient - wie folgt:
"Wenn eine Gruppe von Menschen sich gegenseitig aneifert, den Zusammenbruch des Staates herbeizuführen und eine internationale Souveränität an dessen stelle zu setzen, so handelt es sich dabei nicht um eine religiöse, sondern um eine politische Tätigkeit."

Die Zeitung „Bayerische Ostmark" berichtete am 10. 8. 1935 aus Altenburg über die Verurteilung von 16 Zeugen Jehovas.
Unter deren angegebenen „Sündenregister" unter anderem auch dieses Detail, dass „sie sogar Mitglieder warben".
„Die drei Hauptschuldigen erhielten Gefängnisstrafen von vier bis zwei Jahren sechs Monaten, sechs weitere Angeklagte ein Jahr sechs Monate und die anderen ein Jahr drei Monate."

Auch in dem Zürcher-Buch „Kreuzzug gegen das Christentum" (S. 97) mit erwähnt, das Gerichtsverfahren gegen gleich 43 Zeugen Jehovas aus dem Kreis Göppingen, worüber das Blatt „Der Hohenstaufen. Göppinger Tageblatt" vom 30. 8. 1935 berichtet.
Sie hätten im Gegensatz zu erlassenen Verboten, etwa der Verordnung des Württ. Innenministeriums vom 1. Februar 1934 über die Auflösung und das Verbot der Internationalen Bibelforschervereinigung.
Sie hätten immer noch an Zusammenkünften mit ihren Glaubensgenossen teilgenommen und so den Zusammenhalt der Vereinigung verbotswidrig aufrerhterhalten.
Der in dem Verfahren den Vorsitz führende Landgerichtsdirektor Baitingen wird mit dem von ihm formulierten Satz zitiert:
„daß die Lehren der Vereinigung der Bibelforscher den Staatsinteressen zuwiderlaufen, indem sie lehren "alle Reiche dieser Welt seien Werke des Satans, deshalb müsse man diesem Reiche nicht gehorsam sein."

Sogar die Empfehlung zur Kriegsdienstverweigerung, meinte jener Landgerichtsdirektor wahrgenommen zu haben. Dies ist um so bemerkenswerter, als es zum Zeitpunkt der Verfahrensdurchführung, im Naziregime ja noch keine Wehrpflicht gab, das kam erst später.
Aber auch zu dieser Einlassung sah sich der Verfahrens-Vorsitzende genötigt:
„daß den Angeklagten nicht zur Last gelegt sei, in ihren Versammlungen besondere staatsfeindliche Tendenzen verfolgt zu haben."

Herausgestellt wird dann ein Herr Karl Grünenwald, welcher als geistiger Kopf der Verurteilten bezeichnet wird. 
„Grünenwald war es auch, der einen Brief an den Führer und Reichskanzler geschrieben hat. Er glaubte dem Führer darin klarmachen zu müssen, daß seine Glaubensbrüder keine Staatsfeinde seien. Der Vorsitzende bemerkte, daß es doch auffallend sei, daß ähnliche Briefe fast gleichzeitig auch von den Angeklagten Wenzelburger und Karl Eberhard und aus den Städten Friedrichshafen und Ravensburg an den Reichskanzler geschrieben worden seien. Daraus sei eine gewisse Organisation zu erblicken."

Vom Staatsanwalt und dessen Votum im Verfahren vernimmt man: „Er halte die Angeklagten, soweit nicht Freisprechung beantragt sei, für gleich schuldig und beantrage je die gesetzliche Mindeststrafe von 150 RM. Er überlasse es dem Gericht, bei den Briefschreibern eine höhere Strafe auszusprechen."

Schlussendlich das Urteil: „Richard Wenzelburger, Uhingen, erhielt 300 RM Geldstrafe, event. 2 Monate Gefängnis, Karl Grünenwald und Karl Eberhardt je 200 RM Geldstrafe, event. je 1 Monat und 10 Tage Gefängnis. Ferner wurden 30 Angeklagte zu der gesetzlichen Mindeststrafe von je 150 RM. event. 1 Monat Gefängnis verurteilt. Die übrigen Angeklagten werden auf Kosten der Staatskasse freigesprochen."

Mit gewissen Variationen berichtete auch die „Göppiner Zeitung" vom 30. 8. 1935, über den vorberichteten Fall.
Süffisant meinte jenes Blatt noch mit erwähnen zu sollen: „Eine ganz besonders feine Reise tat so nebenbei noch der Uhinger Angeklagte. Er fuhr nämlich als Gurkenfachmann zu einem Kollegen nach Basel, um diesem seine Kenntnisse beizubringen. Da - wieder "zufällig" - dort eine Bibelforscherzusammenkunft stattfand, ging er interessehalber eben auch hin, und wiederum "zufällig" - gingen dann an 7. Oktober alle drei Briefe an den Führer ab."
Man vergleiche auch:  19452Hitler

Etwa um den 19. 12. 1935 kommentierte die Basler „National-Zeitung" das Zeugen Jehovas-Thema erneut. Haupthinweis in diesem Bericht ist wohl die Angabe:  „So hat denn die „Gestapo" mit den Bibelforschern ihre liebe Not und am 17. Dezember beginnt in Halle ein großer Prozeß gegen die im Gefängnis sitzenden Führer der Bibelforscher Balzereit und Dollinger wegen staatsfeindlicher Betätigung."

Und weiter die Details, der Druckereibetrieb der Zeugen Jehovas sei von der Gestapo zwar geschlossen worden, indes die Verbringung der Druckereimaschinen ins Ausland, habe sie zugelassen.
Und weiter dieses Detail noch: „Der technische Leiter, Joh. Meier, ist Schweizer und fuhr neulich nach Basel, um mit seinen englischen und amerikanischen Brüdern das deutsche Geschäft der Watch Tower Bible and Tractate Society zu liqudieren. Dabei passierte ihm vor der Ankunft in der Schweiz das Mißgeschick, daß die Gestapo ihm alle Papiere, die er als Belege für seine Abrechnung benötigte, abgenommen hat. Die Verfolger scheinen sich vor den von ihnen Verfolgten mehr zu fürchten als umgekehrt."

Unter Hinweis auf Wolfgang Langhoff's „Die Moorsoldaten" bewertet dann auch dieses Blatt, die Reaktion des Naziregimes in Sachen Zeugen Jehovas, als maßlos überzogen.

Exkurs: „Kulturbolschewismus" 
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 21. Januar 2015 00:05

„Zur Religion könnte man erwarten, dass die Lehre der Zeugen Jehovas aus nahe liegenden Gründen nicht nur als 'Bolschewismus', sondern auch als 'Amerikanismus' attackiert worden wäre".

Dies ein eher „entnervter" Ausruf von Björn Laser in seinem 2010 erschienenen Buch mit dem Titel: „Kulturbolschewismus
Zur Diskussemantik der „totalen Krise" 1929 - 1933" (S. 331) Peter Lang Verlag.
Geht man von heutigen Wertungskriterien aus, hat dieses Votum von Herrn Laser seine Berechtigung. Nur nützt eine „Was wäre wenn"-Argumentation nur wenig.
Fakt ist, zur Zeit des „Sturzes ins Dritte Reich", wurde über vielerlei Kanäle an die Adresse der Zeugen Jehovas der Vorhalt des „Kulturbolschewismus" ventiliert, über staatliche und kirchliche Kanäle.
Auch Herr Laser sieht sich an anderer Stelle zu dem Eingeständnis genötigt: „Die Ernsten Bibelforscher brauchen nicht darauf zu hoffen, dass jemand sie gegen den ,Bolschewismus'- oder einen anderen Vorwurf verteidigt." (S. 356)

Eben wegen dieser vielfältigen Gegnerschaft brauchten sie auch zeitgenössisch nicht auf eine wirklich faire Bewertung hoffen. Da wurde Fairnes durch Propagandathesen ersetzt!
An weiterer Stelle muß auch Herr Laser ergänzend noch erwähnen: „Bei ihrem Verbot durch das Preußische Innenministerium im Juni 1933 wird den Bibelforschern „kulturbolschewistische Zersetzungsarbeit" attestiert." (S. 235).

Von einem der Laufbahn nach, Germanisten, hätte man nicht unbedingt das Streifen der Zeugen Jehovas-Thematik erwartet. Da aber dann aus sachlichen Gründen - eben via des Schlagwortes „Kulturbolschewismus", sich das dann doch so ergab, gehörte zum Auswertungskonvolut des Verfasser, auch das Buch „Geschichte der Zeugen Jehovas. Mit Schwerpunkt der deutschen Geschichte", sowie vom Verfasser auch ausgewiesen, dieJahrgangsdateienauf der Webseite (in der Reihenfolge, so wie sie bei ihm im Literaturverzeichnis auftaucht:
1936, 1919, 1922, 1923, 1927, 1928, 1929. Zuletzt in der vom Verfasser angegebenen Einsichtsvariante 22. 5. 2007.
Seine von ihm getätigten Exerpte fasste er dann auf den Seiten 234, 235 wie folgt zusammen:

„Schon 1919 werden sie im Miesbacher Anzeiger als „Schrittmacher des Bolschewismus" bezeichnet. In der Rosenheimer Räterepublik habe sich„diese kleine Gesellschaft der besonderen Gunst der Spartakisten [erfreut], die den Hauptteil der Versammlungsbesucher stellten und an dem Herunterreißen von Staat und Kirche helle Freude hatten". 
Größere Verbreitung erfährt die 1926 erschienene Schrift Die ernsten Bibelforscher als Opfer bolschewistischer Religionsspötter des Generalsekretärs des Evangelischen Bundes Paul Bräunlich, die trotz ihres Titels weit davon entfernt ist, die Bibelforscher als Opfer in Schutz zu nehmen und stattdessen ihre Bibelauslegungen als „Förderungsmittel gottlosesten Bolschewistentums" bezeichnet. Im von der Deutschvölkischen Freiheitsbewegung herausgegebenen Deutschen Tageblatt stößt das auf begeisterte Zustimmung. Am 21.8.1927 ist dort zu lesen, Bräunlich führe „den Nachweis, dass die rätselhaften Gründer der Sekte bolschewistische Religionsspötter sind, die nach raffiniertem Plan darauf ausgehen, im Herzen der Kirchentreuen [!] evangelischen Bevölkerung das Vertrauen zur Kirche zu vergiften, die Bibel der Lächerlichkeit auszuliefern und die haltlos gemachten Nachläufer dem Bolschewismus in die Arme zu treiben". 
Skepsis äußert zunächst ein Pfarrer Rohkohl in der Zeitschrift der Apologetischen Zentrale Wort und Tat , da die Bibelforscher „aus ihrem umfangreichen Schrifttum eine Fülle von Beispielen bringen" könnten, „die dartun, dass ihre Führer gegen den Kommunismus aufgetreten sind". 1928 betont Rohkohl jedoch in der Zeitschrift Der Geisteskampf der Gegenwart: „Ein wesentliches Merkmal der Ausführungen Bräunlichs wird sich trotzdem auch jeder objektive Kritiker zu eigen machen können, dass nämlich die Bibelforscher Wegbereiter des Bolschewismus sind, soweit es sich um die Religionslosigkeit und Religionsfeindschaft der Massen handelt. Hier ist mit bewundernswerter Klarheit das Endergebnis der Bibelforscherarbeit herausgestellt worden: Die Massen werden zunächst der Kirche wie jeder nur religiösen Gemeinschaft entfremdet und mit glühendem Haß gegen sie erfüllt". ... 
Die Leipziger Neuesten Nachrichten fürchten am 18.5.1929: „Wenn diese Bewegung in unserem Volke siegt, dann treiben wir rettungslos dem religiösen Bolschewismus zu"
Am 11.3.1931 schreibt der protestantische Geistliche Julius Kuptsch im Völkischen Beobachter. „Auch sie versprechen und bezwecken nichts anderes wie die Bolschewisten, Kommunisten und andere Marxisten; nämlich die Herbeiführung paradiesischer Zustände auf dieser alten Erde unter einer internationalen Rätediktatur. Sie haben nur die besondere Aufgabe, diejenigen die noch an Gott glauben [...], mit Hilfe der Bibel für die internationale Räte-Weltherrschaft zu gewinnen" Da sollte sich doch irgendwo auch Kulturbolschewismus finden lassen, und in der Tat: Bei ihrem Verbot durch das Preußische Innenministerium im Juni 1933 wird den Bibelforschern „kulturbolschewistische Zersetzungsarbeit" attestiert.

Wenn schon mal das 
Stichwort „Kulturbolschewismus" aufgenommen wurde, so muss man auch an die (spätere) Konfessionskundliche Koryphäe der Evang. Kirche, den Kurt Hutten erinnern, in seiner Phase vor 1933. Just 1932 publizierte Hutten ein Buch zu dem Thema „Kulturbolschewismus". Einige notwendige Anmerkungen zu diesem in Mysnip.95090
Dortselbst auch weiterführende Verlinkungen.
Auch: Mysnip.182558

Mehr zur Gegenwart überleitend, auch nicht zu vergessen
Lizenz zur Verachtung derer ganz unten
Dieser Typus mag in der Gegenwart nicht unbedingt, vordergründig in kirchlichen Kreisen präsent sein. Indes wie es zu Hutten's Zeiten vor 1945, neben der Nazifiliale „Deutsche Christen" auch die von den Kirchen nicht geliebten „Deutschgläubigen" gab. So auch heutzutage, als rechter Flügel (politisch gewertet) ihre Enkel die Islamhasser.

Verbot der Weissenbergianer
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 24. Januar 2015 00:13
Im Zeitspiegel
Am 24. 1. 1935 kann man in der „Freiburger Zeitung" diese Notiz über das „Verbot der Weissenberg-Sekte" lesen.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=24a&year=1935&month=01&project=3&anzahl=14
Exkurs:
Das Lexikon „Die Religion in Geschichte und Gegenwart" (3. Auflage) notierte bezüglich Weissenberg auch:
„Als Kind kath. Tagelöhner, als Waise von einem, heilkundigen Schäfer erzogen, wurde Maurer, war 1876-78 Soldat und übte sich dann in Berlin in 36 (!) Berufen. 1903 erschien ihm Christus; ausgerüstet mit den »drei göttlichen Gaben des Hellsehens, Hellfühlens und Hellhörens« wirkte W. fortan als Heilmagnetiseur, wurde 1904 ev. und gründete die »Vereinigung Ernster Forscher von Diesseits nach Jenseits« (1907 e. V.). Von seiner Frau seit 1908 getrennt, tat er sich mit dem Medium Grete Müller zusammen, die als Reinkarnation der Maria 1911 und 1912 angeblich vaterlos die »Ölzweige« Frieda und Elisabeth gebar. Die ev. Kirche verließ er 1926, als Versuche scheiterten, über eigene Wahllisten Einfluß zu gewinnen, und schuf die Evangelisch-Johannische Kirche (E.-J. K.). Seine Heilerfolge und Prophezeiungen, astrologische Gutachten über ihn und okkulte Phänomene (in seinen Versammlungen sprachen durch Medien Luzifer, Luther, Marx u. a.!), auch das Kreuzzeichen in seiner Hand sowie die soziale Leistung seiner »Friedensstadt« (bei Trebbin in der Mark Brandenburg; Sitz ab 1932) führten ihm Tausende zu. Unbeirrt von seiner primitiven Sprache, der oft groben Art des stämmigen, an Rasputin erinnernden Mannes und seiner
Freude an handfesten Lebensgenüssen nannten sie ihn »Göttlicher Meister«, »Hl. Geist im Fleisch« u. Ä. ... Seiner Zuordnung zum Spiritismus widersprach W. heftig: er wollte den »biblischen Spiritualismus« vertreten. Schon 1915 einmal inhaftiert und häufig wegen Kurpfuscherei verklagt, konnte er alle Prozesse gewinnen, bis er 1935 trotz Nationalismus und Wehrbegeisterung, ja eifriger Propaganda für Hitler, als Sexualverbrecher verurteilt und nach Bad Obernigk/Schlesien verbannt wurde.

Verschiedentlich hatte (auch) die „Evangelisch-lutherische Kirchenzeitung", in ihrer Berichterstattung das Thema Weißenberg mit aufgenommen, so etwa im Jahre 1925.
Indes auch im Jahre 1927 dann noch. Aus letzteren Bericht sei nachfolgend etwas zitiert. Er wird deshalb ausgewählt, weil er kein Eigenbericht ist, sondern sich seinerseits auf eine externe Quelle stützt. In diesem Bericht konnte man also lesen:

„Ein Mitarbeiter der "Deutschen Zeitung", K.S., versuchte hinter das Geheimnis der "Geisterbeschwörungen" zu kommen und es gelang ihm eines Tages, Zeuge der sonst geschlossenen Versammlung zu sein. Er berichtet darüber in der "Deutschen Zeitung" vom 27. Oktober:

"Ein großer Saal in der Nähe des Alexanderplatzes bildet den Schauplatz des geheimnisvollen Treibens der "Ernsten Forscher von Diesseits nach Jenseits." Es handelt sich um eine Hauptzusammenkunft, die der "Meister" leitet und zu der ein Fremder nur auf Umwegen oder durch Zufall gelangt. Der Saal ist überfüllt, mehrere tausend Menschen, bei weitem mehr Frauen als Männer, sind beisammen. Von der Galerie aus beobachte ich die Vorgänge im Saal. Über die Bühne ist eine riesige Fahne gespannt, auf der die Worte:
Gott zum Gruß aufgemalt sind. Unter der Fahne sitzt das hohe Komitee und eine Schaar auserwählter junger Mädchen; neben ihnen sitzt der Prophet. Nach einem Klingelzeichen geht der Prophet an einen kleinen Altar, auf dem ein dreiarmiger Leuchter mit Lichtern steht, die aber der Sparsamkeit halber nicht angebrannt werden und eröffnet mit knappen, unbeholfenen Worten die Versammlung. Erst wird ein Choral gesungen und dann beginnt der eigentliche Akt der Geisterbeschwörung. Weißenberg greift sich eins der Mädchen heraus und schaut sie an. Sie beginnt unter seinen Blicken zu taumeln, schließt die Augen und sieht aus, als ob sie hypnotisiert sei. Dann beschwört er den Geist des Freiherrn von Richthofen und befiehlt ihm, in den Leib des Mädchens zu fahren und eine Rede zu halten. Mir wurde erklärt, daß er bei früheren Versammlungen auch Männer, wie Moltke, Bismark, Kaiser Wilhelm I. u. a. aus dem Munde eines Mädchens sprechen ließ.
Seine Anhänger sind auch fest davon überzeugt, daß aus dem „Werkzeug" (so wird das Medium genannt)
tatsächlich der Geist
jenes Verstorbenen spricht. Mit einem kräftigen „Gott zum Gruß" meldet sich der "Geistesfreund" durch das Werkzeug, in diesem Falle Freiherr von Richthofen und die ganze Gemeinde antwortet ebenso. Dann gibt der "Meister" dem "Werkzeug" eine Bibel in die Hand und der Geist beginnt zu reden. Zuerst werden die Vorzüge des "Propheten" gepriesen - wer in seiner Nähe weilt, ihm die Hände küßt, der wird es hier und im Himmel gut haben, wer ihm hier etwas zukommen läßt, der wird es hundertfältig im Himmel wieder erhalten; denn nur er - so heißt es weiter - ist der richtige Prophet, seine Kirche wird sich über die ganze Erde verbreiten, usw. Der heilige Geist wandele jedoch augenblicklich auf Erden in dem Körper des heiligen Johannes. Fast eine Stunde lang predigt die Geisterstimme, als wenn sie alles auswendig gelernt hatte, und zwei Damen stenographieren die ganze Rede mit. Inzwischen hört man aus der Menge der Zuhörer dann plötzlich ein dumpfes Brüllen, das sind, wie man mir erklärte, Geister, die zum Licht wollen und mit den bösen Geistern kämpfen. Dann eilt der "Prophet" zu dem Kämpfenden hin und schaltet den Geiet aus. Wenn er dabei durch die Reihen der Andächtigen geht, fallen Frauen vor ihm auf die Knie, küssen ihm die Hände, den Rock, kurz alles, was er ihnen darbietet.
Eine Frau neben mir sagte, sie würde, wenn er es verlangen würde, sofort ihr Leben für ihn hingeben. Und das alles im heutigen Berlin!
Man sagt immer, die Menschen wollten nicht mehr glauben; der "Prophet" vom Alexanderplatz und sein Anhang aber ist ein Beweis, daß der Wille zum Glauben überall vorhanden ist und daß er von irgendeinem geschäftstüchtigen Menschen in falsche Bahnen geleitet, die unheimlichsten Früchte zeitigen kann.

Am 31. Oktober, am Reformationsfest, werden Weißenbergs Anhänger in Berlin und Abordnungen seiner Gemeinde im Reich in Berlin-Steglitz einen großen "Kirchentag" abhalten. Sobald die "Geisterstimme" geendet hat, erweckt Weißenberg das Medium aus dem Trancezustand und macht einige geschäftliche Mitteilungen. Er erklärt, daß er kein Geld von seinen Gläubigen verlange, daß aber in der letzten Zeit so viele Spenden eingegangen seien, daß er seinen herzlichsten Dank aussprechen müsse. Er habe das viele Geld gar nicht mit seinen Augen fassen können. Es werde aber allen alles hundertfältig im Himmel vergolten werden. Noch ein paar Gebete werden gesprochen, und inzwischen fallen wieder einige in "Verzückung". Er aber erledigt sie in Bausch und Bogen, indem er erklärt: "Ich gebiete allen Geistern sofort auszuschalten!" Dann wird die Sitzung geschlossen. Der "Prophet" klappt den Altar auf, packt den Leuchter hinein und läßt sich die Tageseinnahmen geben, während die Gläubigen dem Ausgange zuströmen. Am Eingange zu dem Saal staut sich die Menge und bildet eine lange Gasse zu einem eleganten Privatauto, dem Auto des "Propheten", Auch der Meister läßt nicht lange auf sich warten. Jovial grüßend schreitet er durch die Menge, der Schlag wird aufgerissen, - klappt zu und der "Prophet" fahrt davon. 0, welche Lust "Prophet" zu sein."

In dem 1926 erschienenen Buch über „neuzeitliche Sekten und Häresien" von Martin Riemer, werden auch die Weissenberger mit gestreift. Daraus sei noch nachstehendes zitiert.
„Weißenberg kann, wie er dem Schreiber dieses Berichtes (Riemer) in der Pause sagt, nicht alle Geister, die sich melden, "einschalten". Heute wollen sieben reden, aber nur drei kann er zulassen.
Er nähert sich einem Mädchen von vielleicht 30 Jahren, das mit geschlossenen Augen, totenbleich auf ihrem Stuhl nach hinten gesunken ist, und führt sie an ihrem steif ausgestreckten Arm vor die Gemeinde, Mit beiden Händen bearbeitet er ihren Oberkörper vorn und hinten; er reibt den Rücken, die Brust streicht er gerade. Dann drückt er dem willenlosen Geschöpf eine Bibel in den Arm. Wie ein Rück durchfährt es den Körper, nun stehlt sie, an allen Gliedern zitternd, da und spricht „Gott zum Gruß", der Geist ist "eingeschaltet". Bonifazius, der Apostel der Deutschen, redet, - Etwa 20 Minuten dauert seine Ansprache, wer darauf gerechnet hat, über seine Person, seine Zeit, sein Leben etwas zu hören, wird sehr enttäuscht. Nichts mehr und nichts anderes als was ein Volksschüler weiß und in seinem Aufsatz schreibt, wird offenbart."

Aus der Februar-Ausgabe 1928 (S. 25f.) der Zeitschrift „Wort und Tat" sei noch nachfolgendes thematische entnommen:
„In der von dem Propheten herausgegebenen, geschmückten, Zeitschrift: "Die Johannesbotschaft" können wir unter dem 8. Sept. 1927 folgendes lesen: "Alle Völker müssen sich beugen, vor dem, der da auf deutschem Boten steht und lebt und regiert bis in alle Ewigkeit. Alle Völker, alle Könige müssen kommen, und sie werden kommen"
Kürzlich versuchte ein "Werkzeug" in Potsdam durch heiße Umschläge einen Toten zu erwecken. Nach drei Tagen griff die Polizei ein und beerdigte zwangsweiße die schon in Verwesung übergegangene Leiche. Den heftigen Angriffen in der Tagespresse stellten die Weißenberger durch ein Flugblatt folgendes entgegen:

"Wir Weißenberger verwerfen natürlich die Handlungsweise des Brd. Holz auch, der in seinem Übereifer und Hochmut dasselbe tun wollte wie der Meister. Es war das derselbe Glaube, wie ihn einst Petrus hatte, als er auch, wie sein Herr, aufs Meer hinausging und - versank. Aber wenn es auch eine große Dummheit war, so ist das aber noch lange nicht so schlimm, als wenn der Arzt einen Totenschein ausstellt, und der vermeintliche Tote erwacht dann im Grabe und zerfleischt sich aus Verzweiflung in der Gruft, wie es vor wenigen Jahren in Stettin der Fall war. Herrn Weißenbergs wirkliche Totenauferweckungen, die unter Zeugen stattgefunden haben, die werden begreiflicherweise totgeschwiegen, ja sogar zynisch abgestritten."

In seinem einschlägigen Konfessionskundlichen Buch, kommt Helmut Obst auch auf das Thema der „Evangelisch-Johannischen Kirche" zu sprechen. Da diese, wie vernommen, vom Naziregime auch verboten wurde, mag insbesondere der Aspekt noch zitiert werden, welche Deutung Obst denn den Ursachen dieses Verbotes zuteil werden lässt. Dazu kann man bei ihm unter anderem lesen:
„Weißenberg und seine Anhänger standen den politischen Parteien der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten nahe. Die faschistische Machtergreifung wurde auf diesem Hintergrund als Beginn der deutschen Erneuerung begrüßt - wie auch von zahlreichen anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften. Viele »Geistfreundreden« waren voll des Lobes für die politische Entwicklung. Weißenberg bekannte sich offen zu Hitler. Am 17. Juni 1933 wurde in Anwesenheit Weißenbergs in der »Friedensstadt« ein Stützpunkt der Nazipartei gegründet. Doch waren von Anfang an die Keime für den späteren Konflikt mit dem faschistischen System vorhanden. Der Konflikt entzündete sich recht bald am Absolutheitsanspruch Weißenbergs und Hitlers, an der entschiedenen Weigerung, in Lehrfragen Zugeständnisse zu machen. Weißenberg blieb auch hier Nonkonformist. Es mußte auffallen, wenn etwa das nazistische Idol Horst Wessel in einer »Geistfreundrede«, die am 20. April 1933 in der »Johannes-Botschaft« zu lesen war, bekannte, daß er erst in der Ewigkeit »den großen Führer des deutschen Volkes und Vaterlandes (Weißenberg) erkennen« durfte und nachdrücklich für die Wahrheit und Bedeutung des Alten Testaments eintrat.
Oder wenn am 6. April 1933 die Rede eines »Geistfreundes« vom 10. Juni 1932 veröffentlicht wurde, in der es heißt: »Unser Heil und unser Leben liegt im Heilsbanner schwarz-weiß-rot und im schwarzen
Kreuz im weißen Feld, nicht im Hakenkreuz, meine Brüder, Kameraden, meine Freunde.«
1934 kam es zu einer großen, von Joseph Goebbels inszenierten Pressekampagne gegen Weißenberg. Im selben Jahr wurde die Zeitschrift »Der Weiße Berg« verboten. Ende 1934 verlangte die Geheime Staatspolizei von Weißenberg und seiner Gemeinschaft, auf, die »Geistfreundreden« und die Benutzung des Alten Testaments im Gottesdienst zu verzichten. Weißenberg lehnte ab. Es gehört zu seiner persönlichen Tragik, daß Weißenberg offenbar dennoch den Glauben an Hitler als den gottgesandten Führer hochhielt. In einer der letzten Nummern der »Johannes-Botschaft« vom 3. Januar 1935 verkündigte »Martin Luther« nach wie vor: »Der Kanzler Hitler liebt im Sinne und Geiste Jesu die Gerechtigkeit und führt sie durch alle Instanzen, er haßt die Ungerechtigkeit wie sein Heiland Jesus Christus, und, meine Lieben, er führt's durch.« In der letzten Nummer der »Johannes-Botschaft« vom 24. Januar 1935 prophezeit »Napoleon I.«: »Es siegt im deutschen Vaterland die Evangelisch-Johannische Kirche nach der Offenbarung St. Johannis!«
Am 17. Januar 1935 wurde die Evangelisch-Johannische Kirche nach der Offenbarung St. Johannis durch die Geheime Staatspolizei für Preußen, bald auch für das ganze Reichsgebiet verboten."

Am 26. 5. 1935 wurden die Weisenbergianer erneut Thema für die „Freiburger Zeitung"
Diesmal titelte man:
„Das Ende eines Propheten.
Weißenberg wegen Sittlichkeitsverbrechens verhaftet."

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=26r&year=1935&month=05&project=3&anzahl=22

Weitere Notizen zum Thema
Zeitspiegel (1)

(dort ziemlich am Textende unter Hinweis auf die "Freiburger Zeitung" vom 18. 12. 1927
sowie auch:

"Freiburger Zeitung" 17. Mai 1929
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=17b3&year=1929&month=05&project=3&anzahl=6
Über den gegenwärtigen Stand der „Johannischen Kirche".
Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Johannische_Kirche

Auch noch die
April-Ausgabe 2011 des „Materialdienst" der EZW
Davor schon im März-Heft 2008 des „Materiadienstes" ein ähnlicher Bericht (auf deren Webseite herunterladbar).

Was der Herr Reidt alles so „weis"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 07. Februar 2015 00:12
Im Zeitspiegel
Die Zeitschrift „Deutsch-evangelische Korrespondenz" notiert in ihrer Ausgabe vom 6. 2. 1925 auch; ein Herr Reidt aus Long Island (USA) habe „den Weltuntergang und das Wiederkommen Christi" für den 6. Februar angekündigt.
Er habe „schon ein genaues Programm dieser Begebenheit seinen Gläubigen mitgeteilt: am 6. Februar nach Eintritt der Dunkelheit werde am Himmel ein kleines Wölkchen zu sehen sein; das sei Christus, der zur Erde herniedersteige. Er werde unterwegs auf verschiedenen Planeten Station machen, um einige Anordnungen zu treffen, und die Gläubigen selber würden in die Luft emporgehoben und mit himmlischer Musik empfangen werden, wobei der Adventistenführer selbst als Virtuose auf der Zither betätigen wird."

Und weiter:
„Viele Adventisten halten sich in Erwartung der letzten Ereignisse ihres irdischen Besitzes entäußert und versammelten sich auf den Höhen im Gebet. So tat auch Robert Reidt mit seinen 35 Jüngern in Long Island.
Als aber die angesagte Zeit verstrichen war und nichts Aufregendes sich ereignet hatte, begab sich der Führer zur Ruhe mit dem Hinweis, daß er und seine Gläubigen nur deshalb die Zeichen des Himmels nicht hätten wahrnehmen können, weil die Lichtreklamen der Kinos und Restaurants der Riesenstadt die Vorgänge am Himmel überblendet hätten"

Nun hatte die Dt.-ev. Korrespondenz jenes Geschehnis den „Siebenten Tags Adventisten" zugeordnet. Prompt bekam sie von letzteren ein Dementi zugesandt, worüber dann in der Ausgabe vom 3. 3. 1925 der „Dt.-ev. Korrespondenz" berichtet wird.
Der Vorgang als solches wird nicht bestritten. Bestritten wird allerdings eine organisatorische Zugehörigkeit des Reidt zu den STA.
Und man lässt auch durchblicken. Eigentlich würde man ja selber auch gerne solcherlei Thesen verkünden, wenn, wenn da nicht das Problem wäre, dass auch den heutigen STA bewusst ist. Solcherlei Spinnereien gehen halt nicht Erfüllung. Aus der eigenen Geschichte weis man ja, das man diesbezüglich bereits zu den „gebrannten Kindern" gehört.
Siehe etwa
Eggleston

Der Wikipedia ist entnehmbar. So wie die Katze des Mausen nicht lässt, so auch Reidt. Für 1932 und 1938 soll er dann nochmals ähnliche Verkündigungen getätigt haben.
http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Reidt
Mysnip.40222
Wie zu einem späteren Zeitpunkt Herr Lothar E. Träder von den Adventisten, deren Befindlichkeit kommentierte

Wie der Katholik Algermissen in den 1920er Jahren die Adventisten bereits kommentierte.

Braune Medizinsekte
Hand auf dem Rücken
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 21. März 2015 07:05
Im Zeitspiegel
Eine Meldung vom 21. 3. 1935.
Einem bis dahin als Zeitungs-Verleger tätigem, wird die Lizenz für die weitere Ausübung dieser Funktion entzogen.
Sein Vergehen:
Er habe es gewagt bei einer Veranstaltung, beim Gesang des Horst Wessel Liedes „die Hand auf dem Rücken zu halten", mit den genannten Folgen.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=21a&year=1935&month=03&project=3&anzahl=8
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. Februar 2015 00:21
Im Zeitspiegel
https://www.youtube.com/watch?v=WYxKm3j2364&feature=player_embedded
https://www.youtube.com/watch?v=u4AZxKOiHSU

Das „Patentrezept" dieser Kreise, die Schulmedizin „madig" zu reden. Wer das letztendlich tatsächlich „madig" ist , dürfte wohl eine völlig andrre Frage sein.
Abgesehehen von dem „braunen" Aspekt, den man nicht generalisirend verwenden kann (außer im vorliegenden Fall) dürfte diese Geisteshaltung mit ihren gefährlichen „Neben"wirkungen auch andernorts fröhlichen Urstand feiern.
Papst-Krönungstag
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. Februar 2015 00:26
Im Zeitspiegel
Auf diese Meldung „wartete" dann wohl die Welt:
„Der Führer und Reichskanzler hat Seiner Heiligkeit dem Papst zum heutigen Krönungstag drahtlich herzliche Glückwünsche übermittelt."
„Freiburger Zeitung" vom 12. 2. 1935
Jener Papst - vormals Achille Ratti, wurde nach 14 Wahlgängen am 12. Februar 1922 zum Papst gekürt. 1935 wäre also sein 13. Dienstjahr. Inwieweit ein dreizehntes Dienstjahr etwa als Jubiläum gewertet werden kann, will sich nicht so recht erschließen. Ähnliches kann man wohl auch von seinem mit dem Naziregime abgeschlossenen Konkordat sagen. Fällt also der Anlass eines speziellen Jubiläums flach, kann man jene Meldung nur als „Schön-Wetter-herbeibeten" deuten. Wer selbiges nötiger hatte, der Herr Hitler oder der Herr Ratti, wäre wohl auch noch so eine offene Frage.
WTG-Vertreter pflegten dann etwa (zitiert nach Friedrich Zipfel) zu kommentieren:
„Solche unglaublichen Vorfälle sind tägliches Ereignis in diesem 'gelobten Lande' (Hitlerdeutschland) von (Achille) Rattis Planung."
Mögen sie mit dieser Wertung auch überzogen haben, kann man sich auch des Spruches erinnern, das Kindermund Wahrheit kundtut.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=12a&year=1935&month=02&project=3&anzahl=6
Katholische „Bauchschmerzen"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 13. Februar 2015 00:31
Im Zeitspiegel
Über katholische „Bauchschmerzen" kann man etwas in der Ausgabe vom 13. 2. 1935 des in der Schweiz, in Baden erscheinenden Blattes „Aargauer Volksblatt" erfahren.
Letzteres Blatt wähnte wie folgt reflektieren zu sollen.
Einleitend wird vermerkt, die Bibelforscher würden sich in letzter Zeit wieder lebhaft bemerkbar machen

„und klopfen in und um Baden herum fast alle Häuser ab, um ihr "Goldenes Zeitalter" an Mann zu bringen."

Dieses Blatt indes so wähnt man weiter strotze nur so von mißdeuteten Bibelsprüchen und man wisse nicht so recht

„woher es eigentlich stammt und wer ihr zu Gevatter steht."

Aber es handele sich dabei um ein „Gratispapier". Letzterer Umstand war dadurch bedingt, dass es in der Schweiz vorangegangene Gerichtsverfahren gab, mit dem Ergebnis.
Das Hausieren mit WTG-Schrifttum sei nur dann zulässig, werde kein Verkaufspreis dafür genannt. In der Praxis spielte sich das dann so ab. Man versuchte die „Interessenten" in ein Gespräch zu verwickeln, klappte das dann tatsächlich, ließ man zum geeigneten Moment durchblicken, man nehme sehr wohl „Spenden" für dieses Schrifttum entgegen. Immer die Gratwanderung dabei beachtend, keinen offiziellen Kaufpreis zu benennen. Das erlebte offenbar so auch der Berichterstatter im „Aargauer Volksblatt".
Selbiger berichtet weiter:
„Das letzte mir ins Haus gefolgene Exemplar beschäftigt sich mit dem bekannten Januarius-Wunder von Neapel, das sich alljährlich am 19. September in der Weise ereignet, daß das dort aufbewahrte Blut der Heiligen wieder flüssig wird und in Wallung gerät. Die Wundertaten allesamt werden dabei ins Reich der Fabel und des aufgelegten Schwindels verwiesen."

Siehe dazu auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Januarius

Damit hatte der Berichterstatter im „Aargauer Volksblatt" sein Thema gefunden, und meint etliches weiteres zur Verteidigung dieser Art von Glauben anführen zu sollen, der aber wie bereits vernommen, von den Zeugen Jehovas nicht geteilt wird.
Und der Artikel schließt mit dem wertenden Schlusssatz:
„Einem simplen Bibelforscher aber ward es nun vorbehalten, den "aufgelegten Schwindel" endlich einmal aufzudecken und das napolitanische Bocksblut zu wittern."

Das will dann der Verfasser aber im ironischen Sinne verstanden wissen, den aus seiner Glaubensgewißheit haben ihn offenbar auch die dazu kritisch stehenden Zeugen Jehovas nicht herausreißen können.
Und da der Verfasser weiter wähnt, dies sei eine Streitfrage, auf deren Beantwortung „die Welt schon lange gewartet habe", lässt er es sich angelegen sein, via „Aargauer Volksblatt" die Welt an seiner Glaubensgewißheit teilhaben zu lassen.
Damit dürfte dann die Welt wieder mal „heil gemacht" worden sein, zumindest für die überzeugten Leser des „Aargauischen Voksblattes" des „Nabels der Welt"???

Über Raketenschnelle Karrieren im Naziregime
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 14. Februar 2015 06:36
Reichswart
Im Zeitspiegel
Die „Freiburger Zeitung" vom 14. 2. 1935 meldet:
„Die Wochenschrift „Der Reichswart" ist auf Befehl des Führers bis auf weiteres verboten worden wegen eines in ihrer Nummer vom 3. Februar unter der Überschrift „Wir sind doch ganz allein" erschienenen Artikels, der sich in aufreizendem und zum Teil direkt böswilligen Auslassungen gegen die Aufbauarbeit der Regierung wandte. Bezeichnend ist, daß der Verfasser dieses Artikels ganze 20 Jahre alt ist."

Die „Keule" saß dann wohl.
Nun besteht der relative seltene Glücksumstand, dass man sich jenen Artikel noch heute selbst im Internet ansehen kann.
http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/dfg-viewer/?set%5Bimage%5D=4&set%5Bzoom%5D=default&set%5Bdebug%5D=0&set%5Bdouble%5D=0&set%5Bmets%5D=http%3A%2F%2Fzefys.staatsbibliothek-berlin.de%2Foai%2F%3Ftx_zefysoai_pi1%255Bidentifier%255D%3Dd3e4482f-6a44-4004-be56-ba6de457f01d
Er ist mit Heinz-Ewald Bluhm gezeichnet.
Wenn man sich die Frage stellt, was denn wohl der Auslöser genannter Reaktion war, kann man wohl nur vermuten, dass es die darin enthaltenen Sätze sind:
„Viele von unseren Weggenossen haben die berühmten Sessel der Macht besetzt. Sie sollen sich aber nicht einbilden, daß man sie gerufen habe, weil wir nun in ihnen die einzigen, die Retter gesehen haben ..."

Nun kann man über die Motivation eines solchen Votums rätseln. Eine Deutung wäre, da wird einigen die nach 1933 im Raketentempo ihre Karriere befördern konnten, ein Spiegel vor die Nase gehalten. Offenbar müssen sich dann auch wohl einige Herrschaften sehr persönlich angesprochen fühlen haben, wie aus der notierten Reaktion darauf, zu schlussfolgern ist.

Aber das ganze scheint dann wohl eher der Rubrik Warnschuss zuortbar zu sein, denn wenn man sich die Bestandssituation jenes Blattes für 1935 ansieht, sind darin keine größeren Verbotslücken feststellbar.
http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/list/title/zdb/25546545/1935/
Am 19. 2. gibt es dann die als „Gentlement-Agreement" deutbare Meldung. Der Artikel sei nur „versehentlich" in das Blatt aufgenommen worden.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=14a&year=1935&month=02&project=3&anzahl=8

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=16a&year=1935&month=02&project=3&anzahl=4

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=19a&year=1935&month=02&project=3&anzahl=8

Im Zeitspiegel
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 30. Januar 2015 02:10

Nachricht über das "Ministerium für Staatssicherheit" Hauptabteilung Bundesrepublik Deutschland. Dortselbst wohnhaft und agierend. Wenn besagtes sich zwar formal "Verfassungsschutz" nennt, ist das allenfalls eine Floskel ohne Praxiswert.
Ansonsten gilt:
Gleiche Brüder - gleiche Kappen!

www.badische-zeitung.de/freiburg/freiburger-anwalt-und-politiker-wurde-jahrzehntelang-vom-verfassungsschutz-beobachtet--99714133.html

Ach ja, da fällt mir wieder jene frühere Meldung über einen Geheimdienst-IM aus einem nordeuropäischen Land ein, geführt vom "Verfassungsschutz" der BRD, dessen "Aufklärungsergebnisse" wohl eher den Status "Lachnummer" erreichten.
Nochmal das entsprechende Detailzitat:
Zitat
Und auch den Bundesrepublikanischen Geheimdiensten, ist die Technologie des Umdrehens sehr wohl geläufig. Etwa im Bereich Neonazi-Szene, wo keineswegs Unwissende dazu auch kommentieren. Deren Organisationsstrukturen triefen nur so von Umgedrehten, die diesen Umstand zwar nicht zu Markte tragen. Allenfalls später von findigen Journalisten mal enttarnt werden. ...
Bereits seit geraumer Zeit gibt es im Zeugen Jehovas-Artikel der Wikipedia, im Abschnitt über die „Christliche Verantwortung" in einer Fußnote den Hinweis:
„Klaus H...: Das MfS als religiöser ‚Aufklärer', erschienen in Der Stacheldraht, Heft 5/2012"
[Hinweis ich ziehe es vor den ansonsten ausgeschriebenen Familiennamen, an diesem Orte nicht auszuschreiben.] ... Und zu Westzeiten sind dann halt die „Guten" jene, die heutzutage mit den Stasiakten ihren materiellen Broterwerb bestreiten können. Ergo die „Guten" sind immer jene, die da an der jeweiligen Futterkrippe sitzen können. So ist halt die Welt immer „in Ordnung". Und offenbar gehört auch jener Herr H... zu den „Guten". ...
Der Verfassungsschutz der BRD habe eine Verbindung der „Christlichen Verantwortung" zum MfS vermutet, und zu diesem Zwecke einen Gegenspion auf diese angesetzt, in der Form eines dänischen Pfarrers welche offenbar dann zu CV-Tagungen mit anreiste.
Hört Hört, sage ich dazu nur. Selbst der deutsche Verfassungsschutz hat unter dänischen Pfarrern seine IM. Dieser Fakt verwundert mich nicht im geringsten, gemäß dem Motto:
Gleiche Brüder - gleiche Kappen.
Was klärte denn jener IM-Pfarrer nun in der Praxis auf? Offenbar nicht sonderlich viel. Denn vor dem Ende der DDR gab es in der westlichen Presse keinerlei Berichte, die man solch einem IM-Pfarrer (westlicher Art) zuordnen konnte. ... Wieder mal ist ein Hört Hört Ausruf fällig!
Wer indes von der „Fehlanzeige" H... erhofft, zu just jenem Fall weitere Details mitgeteilt zu bekommen, sieht sich erneut in seinen Erwartungen enttäuscht.
Das wohl auch aus dem Grunde, dieweil er nicht in das Zerrbild-Konzept der heute von den Stasi-Akten materiell lebenden, so recht hinein passt!

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,210348,210348#msg-210348


Siehe vergleichsweise auch die "Alexander Radler-Story"
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,379129,389043#msg-389043
16. September 2014 16:32
Im Zeitspiegel
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 31. Januar 2015 22:08

300 Millionen Briefe wurden von den Geheimdiensten (westlicher Prägung) auf dem Territorium der alten Bundesrepublik geöffnet.
Da konnte sich die östliche Stasi ganz „entspannt" zurücklehnen. Die machte das zwar ebenso. Von der Dimension her, indes war sie dann wohl eher ein „Waisenknabe".

https://www.youtube.com/watch?v=1y55-xrH5Mk

Hitlergruß
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 31. Januar 2015 00:34
Über eine Verschärfung - als Anwendungspflicht des Hitlergruß (alias „Deutscher Gruß") - berichtet die „Freiburger Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 31. 1. 1935

Übrigens, deer WTG-Funktionär Hans Dollinger, in seiner Aktivzeit zu Zeiten des Naziregimes, pflegte seine Schreiben an Nazigranden, mit der Floskel:
„Mit deutschem Grüß" zu unterzeichnen.
Nun kann man zwar „philosophieren" semantisch ist „Heil Hiter" und „mit deutschem Gruß" doch nicht identisch, was dann wohl eher ein schwacher Trost ist.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=31a&year=1935&month=01&project=3&anzahl=6
Hand auf dem Rücken
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 21. März 2015 07:05
Im Zeitspiegel
Eine Meldung vom 21. 3. 1935.
Einem bis dahin als Zeitungs-Verleger tätigem, wird die Lizenz für die weitere Ausübung dieser Funktion entzogen.
Sein Vergehen:
Er habe es gewagt bei einer Veranstaltung, beim Gesang des Horst Wessel Liedes „die Hand auf dem Rücken zu halten", mit den genannten Folgen.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=21a&year=1935&month=03&project=3&anzahl=8
Der „Lutheraner" rechnet ab 
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 04. Februar 2015 14:28
Im Zeitspiegel
In einer mehrteiligen Serie im Jahrgang 1915 der Deutschsprachigen Zeitschrift „Der Lutheraner" (Missouri-Synode, Ohio, USA), nahm selbige das Thema des Russellismus erneut auf. Wie bereits früher festgestellt, waren die extrem theologisch konservativ orientierten Kreise, um den „Lutheraner" auf die Russelliten alles andere als „gut" zu sprechen.
Siehe etwa:
19122Freude
Wer solche Freunde hat

Vollmundig meinte jener „Lutheraner" in Kritik des Russellismus bereits früher:
„Aber so leicht ist die Hölle nicht abgeschafft. Was Menschen sagen und beschließen, verschlägt dagegen nichts."

In Kommentierung dieser Kontroversen wurde bereits festgestellt:
„Damit dürfte Russells Motivation klar sein. Der Vergleich drängt sich auf. Besonders in Deutschland machte die Universitätstheologie dergestalt von sich reden als "liberale Theologie" in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, dass sie allerhand Quellenkritisches und ähnliches mit in ihr Weltbild einbaute. Böse Zungen waren gar geneigt, die "liberale Theologie" dergestalt zu verdächtigen, daß sie die Atheisten gar noch links überholen wolle. Wie man weiß gab es dazu zwar auch Gegenreaktionen, aber die Tendenz war nicht zu übersehen.
Russell war offenbar auch einer von diesen "Linksüberholern", auf einem weit niedrigerem Niveau versteht sich. Preisgabe einer besonders anfechtbaren These, um so zu retten was zu retten ist."

Auch auf das „Photodrama der Schöpfung", auf welches die Russelliten sich viel einbildeten, war besagter „Lutheraner" alles andere als „gut" zu sprechen.
Sein giftiger Kommentar zu diesem Aspekt:
„Es gibt Leute, die lassen es sich viel kosten, wenn man ihnen beweisen kann, daß sie ohne Scheu sündigen dürfen. Der Fall 'Pastor' Russells steht in dieser Hinsicht nicht vereinzelt da.
Je toller der vorgetragene Irrtum, desto leichter, scheint es, lassen sich die Anhänger dieses Lügenapostel zu willenlosen Sklaven machen, die auch ohne Zaudern ihr Vermögen drangeben, wenn es ihnen abgefordert wird. „

19142Photodrama

Gelangten Meldungen in die Öffentlichkeit die Russell finanzieller Unregelmäßigkeiten bezichtigten, wurden diese prompt auch vom „Lutheraner" mit aufgegriffen.
Ein solcher Fall war der Fall Ruth Gailbraith.

Und nun also im Jahre 1915 griff der „Lutheraner", gesplittet in einer Serie aus sieben Teilen, das Thema „Russellismus" erneut auf. Gezeichnet jeweils mit einem Namenskürzel, wird der Verfasser jener Serie dann später noch mit dem Namen P. Wilhelm angegeben.
So beklagt dieser Autor etwa in der Ausgabe vom 2. 2. 1915:
„Ein ganz gefährlicher Irrgeist, der viele Seelen ins Verderben führt, ist Charles T. Russell. Russell steht völlig außerhalb der Christenheit und spielt sich doch als den einen großen Lehrer und jetzt lebenden Propheten der Christenheit (auf)."

Namentlich seinen Neid über die (vermuteten) hohen Geldbeträge, die seiner Meinung nach Russell zur Verfügung ständen, lässt Wilhelm denn verschiedentlich anklingen. Etwa mit seiner These:
„Russell ist ein Genie in der Anzeigekunst. Er ist das Haupt eines „Publicity-Bureaus", wie es bisher wohl nie dagewesen ist. Joseph Smith, Alexander Dowie und Mrs. Eddy hätten bei Russell in die Schule gehen können. Rom kann ihm, was Kunst der Veröffentlichung anbetrifft, nicht das Wasser reichen. Und uns als Lutheraner übertrifft er darin erst recht."

Erbost zeigt er sich auch darüber:
„In unsern lutherischen Kirchen stellen sie sich mit Vorliebe am ersten Sonntag nach Trinitatis ein, dem Sonntag, da über den reichen Mann und dem armen Lazarus gepredigt wird. Nach Schluß des Gottesdienstes verteilen sie, zuweilen in der Vorhalle der Kirche, einen Traktat, worin Russell ausführt, daß es keine Hölle gibt, daß die Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus allegorisch, und eigentlich bildlich, verstanden werden muß.
Der böse Same, der so allerorts gesät wird ..."

In einem weiteren Teil dieser Serie wird dann besonders den finanziellen Aspekten des Russellismus „auf den Zahn gefühlt". Etwa mit der Angabe:
„Er taucht auf als Eigentümer einer Reihe von Gent's Furnishing Stores in Allgeheny, Pa. ... Schon als er noch Halsbinden und Manschetten verkaufte, hielt er in Hallen und Kirchen religiöse Vorträge und wurde bekannt unter dem Namen „The Crunk Preacher", der verschrobene Prediger.
Nun verkaufte er seine fünf Läden und widmete sich gänzlich seiner religiösen Propaganda."

Unter Berufung auf den frühen Kritiker des Russellismus, einem Reverend Ross, geht es dann weiter mit der Angabe:
„Die bereits genannte Broschüre des Rev. Ross veröffentlicht einen Teil der Gerichtsverhandlungen in diesem Scheidungsprozeß (Russells).
Nachdem das weltliche Gericht Frau Russell Scheidung gewährt und Russell zu ferneren Versorgung seiner geschiedenen Frau verpflichtet hatte, machte er den Versuch, sie für irrsinnig erklären zu lassen. Als ihm das mißlungen war, verkaufte er sein Eigentum, ein Gebäude an der Arch-Straße, Allegheny, Pa, das sogenannte „Bible Hose", das einen Wert von $ 30.000 hatte für $ 50 an die „Watch Tower Bible and Tract Society", die er selbst kontrolliert."

Aber, so geht der Bericht weiter:
„Wieder verklagte ihn seine Frau, und der Richter erklärte:

„Der Zweck dieser ganzen Transaktion war, seine Frau um ihren Vermögensanteil zu bringen, und es war ein an ihr geübter Betrug. ... Er hat mit der Veräußerung des Eigentums die Rechte seiner Frau in betrügerischer Weise geschädigt."

Als auch dieser Versuch, der Zahlung des Unterhalts zu entgehen, fehlgeschlagen war, verlegte er seinen Wohnsitz in einen anderen Staat, nach Brooklyn N.Y.
Russell wohnt jetzt Nr. 122 - 124 Columbia Heights, New York, N. Y."

Damit ist diese Story noch nicht zu Ende, denn

„darauf verklagte ihn seine Frau zum drittenmal, und zum drittenmal wurde Russell verurteilt, und zugleich wurde der Betrag des ihr zu gewährenden Unterhalts erhöht. Seine Frau lebt seither von ihm getrennt in Nr. 449 North School-Straße, Avalon, Pa."

Unter Berufung auf Rev. J. J. Ross, Pastor of James St. Baptist Church, Hamilton, Ont., Canada, wird weiter ausgeführt:
„Im Jahre 1912 wurden der Kasse der Watch Tower Bible and Tract Society in barem Gelde $ 20.200 geschenkt ... In dieser Gesellschaft allein, deren Haupt 'Pastor' Russell ist, sind zwischen vier bis fünf Millionen Dollars angelegt ...
Nachdem er es vorher geleugnet hatte, gestand Russell es später zu, daß er ein Aktieninhaber (Stockholder) der Pittsburgh Asphaltum Co. sei, die später die California Asphaltum Co. wurde, daß er außerdem der Gründer der Selica Brick Co. sei, die ganz und gar von dem Bible Hause in Philadelphia aus geleitet wird, sowie Gründer der Brazilian Turpentine Co., die er kontrolliert, der Cemetry Co. in Pittsburgh und der United States Coal and Coke Co., die mit $ 100.000 kapitalisiert ist. ...
Wir haben in Erfahrung gebracht, daß die United States Investment Co., die niemand anders als Russell selber ist, 28 Häuser und Bauplätze in Binghamton, N. Y., andere Bauplätze in Tacoma, Wash., eine Farm bei Rochester, N.Y., ein Haus und einen Bauplatz in Buffalo, eine Farm in Oklahoma, 100 Bauplätze in Texas, ein Haus und einen Bauplatz bei Pittsburgh und 5500 Acker Land in Kentucky eignete. Dieses ist nur ein kleiner Teil des Besitztums dieser Gesellschaft.'"

Aber: „Obwohl Russell vielfacher Millionär sein soll, hat er doch nicht einen Cent auf seinen eigenen Namen."

Dazu der Kommentar des „Lutheraner":
„Wenn die von ihm geschiedene Frau nicht lebte, würde dieses der Fall sein? Die Frage beantwortet sich selbst."

Was den mit genannten Rev. Ross anbelangt, siehe von letzterem auch:

http://archive.org/details/SomeFactsAndMoreFactsAboutCharlesTazeRussell

Zurückkehrend zur Theologischen Kritik meint der „Lutheraner" Russells „Schafskleid" dergestalt wahrzunehmen:
„Daß er sich als den größten heute lebenden Verteidiger der Bibel gegen die von allen Seiten auf sie gemachten Angriffe aufspielt. Zu seinem Schafskleid gehört ferner, daß er bei all seinen grundstürzenden Irrlehren der modernen Bibelkritik auf das entschiedenste entgegentritt.
Das Schafskleid Russells besteht endlich auch darin, daß er den Sozialismus verwirft und entschieden bekämpft, daß er dem Darwinismus und der ganzen modernen Evolutionstheorie, der sogenannten Entwicklungslehre, heftig entgegentritt."

Auch dieses kann sich der „Lutheraner" nicht versagen mit zu erwähnen:
„Ende September 1914 schickten mehrere große Zeitungen der Stadt New York ihre Berichterstatter zu Russell, um ihn in bezug auf seine Prophezeiungen zur Rede zu stellen
Darunter auch „The Brooklyn Daily Eagle", die Zeitung, die vor einigen Jahren Russell beschuldigt hatte, sogenannten „Wunderweizen" zu dem betrügerischen Preise von einem Dollar das Pfund verkauft oder mitverkauft zu haben, und zu deren Gunsten eine von Russell gegen sie angestrebte gerichtliche Klage entschieden wurde.

Bezeichnend auch diese zeitgenössische Karikatur aus dem „Brooklyn Daily Eagle"

"Wenn Pastor Russell einen Dollar je Pfund Wunderweizen kriegen kann, was hätte er als Direktor der alten Unionbank für die Wunderaktien und -obligationen bekommen können?".
Über ein stattgehabtes Interview berichtete der „Eagle" am 1. Oktober 1914 unter anderem, wie folgt:

„Der „Pastor" sprach mit gesalbter Sanftmut. Wie ein Strom floß die Rede. Nur unter Schwierigkeiten gelang es, ihn zu unterbrechen und diese Frage zu stellen;
„Aber ihre Bücher und Schriften scheinen doch zu zeigen, daß entweder diesen Oktober oder nächsten Oktober die Welt untergehen soll. Das ist es doch, was sie glauben?"
„Ah", sagte der „Pastor" mit einem verständnissinnigen Lächeln, „sie reden von etwas ganz anderm, als was ich lehre und glaube. Meine Auslegung bezog sich auf das Ende des Zeitalters. Das Ende des Zeitalters, das ich vorhergesagt habe, ist schon gekommen. Nach unserer Berechnung kam es zu Ende - lassen Sie mich sehen - es kam zu Ende am 21. September.
Natürlich, wir behaupten nicht, daß dies genau richtig ist, aber wir glauben, daß die Welt sich jetzt in einem neuen Zeitalter befindet ... Das alte Zeitalter, das nach unserer Rechnung 2520 Jahre dauerte, gab Gott den Nationen, um die Welt vorwärtszubringen. Aber ihre Zeit ist vorbei. In diesem neuen Zeitalter, das jetzt gewißlich gekommen ist, werden die Nationen verfolgt werden. Ich weiß nicht, wie früh oder wie spät die Zeit ist, aber Anarchie wird hereinbrechen und die Welt beherrschen."
Der „Pastor" gab noch die Erklärung ab, daß das Ende, von dem er sprach, sich beziehe auf die Heiden, und daß ein neues Volk in kurzer Zeit ihre Stelle einnehmen werde. „Ihre Zeit ist abgelaufen", sagte der „Pastor". „Die Zeit, die ihnen beschieden war, haben sie gehabt. Und obschon sie noch hier sind, ist doch das Ende ihres Zeitalters gekommen, und bald werden sie verschwunden sein."

Weiter im Bericht: „Ein Vertreter der New York Sun fragte Russell:

„Warum sagen Sie, daß die Welt im Jahre 1914 zu Ende kommen wird?"
„In Wirklichkeit ist es 1915", sagte Herr Russell. „Ich bediene mich der jüdischen Zeitrechnung, die das neue Jahr im Oktober beginnen läßt. Ich glaube, daß nach Oktober 1914 Anarchie in aller Welt herrschen wird, und daß alle Menschen, die bis dahin die Wahrheit nicht annehmen, schrecklich leiden werden. Meine Auslegung gründet sich auf den Propheten Daniel.
„Natürlich", fügte er dann schnell hinzu, „das Ende mag vielleicht nicht im Jahre 1915 kommen. Es mag im Jahre 1916 sein oder sogar noch einige Jahre später."

Noch ein Zitat aus dem „Lutheraner", um zu zeigen wie der „glitschige Aal" Russell sich windet:
„Mit größter Dreistigkeit und Anmaßung als je zuvor tritt er nun auf, indem er behauptet, gerade dieser Weltkrieg sei der Anfang des von ihm geweissagten Milleniums; der Krieg stimme ganz genau mit seinen Prophezeiungen überein, es sei ein gewaltiger Beweis für die Wahrheit seiner Lehre, ja, er habe gerade diesen Krieg bereits vierzig Jahre lang vorher verkündigt! Und siehe da, das abergläubische Volk fällt ihm zu!"

Außerhalb der von P. Wilhelm gestalteten 7teiligen Serie über den Russellismus, errschien dem „Lutheraner" in seiner Ausgabe vom 25. Mai 1915, auch noch dieses, thematisch notierendwert:
„Wie der Russellismus für die Juden seine Falle ködert, zeigt ein gedruckter Brief, der uns von einem der Leser in Boston zugestellt wurde, und der von einem zum Russellismus „bekehrten" Juden an seine Volksgenossen als Flugschrift oder Zirkular versandt wird. Während Russell den Christen gegenüber aufspielt, als sei er allein im Besitz der eigentlichen christlichen Wahrheit, stimmt er eine ganz andere Melodie an, wenn er zu den Juden redet. Da wird er nämlich ganz Jude. Der Russellit, der in dem vorliegenden Briefe redet, gibt die Russellsche Lehre in dieser Weise an seine Stammesgenossen weiter:

„Ich habe mich zu dem Glauben Abrahams in Gott und seine Verheißungen bekehrt. Meine Information habe ich zum guten Teil von Pastor Russell, der ja Juden und Nichtjuden wohlbekannt ist. Aber ich bin nicht ein Christ von der gewöhnlichen Sorte geworden, die glauben, daß jeder Jude ewig verloren ist, der nicht ein Nachfolger Jesu ist.
Ich habe auch nicht die gewöhnliche christliche Lehre angenommen, die jetzt zu dem großen Krieg in Europa geführt hat. Auch habe ich nicht die Lehre angenommen, daß Jesus der Gott Jehovah ist. Weit davon entfernt. Pastor Russells Lehren sind so verschieden von denen anderer christlicher Lehrer, daß sie einen ganz anderen Namen verdienen."

Dazu kommentiert der „Lutheraner":
Man beachte, wie der Schreiber dieses Briefes dem Juden es möglich macht, den Russellismus anzunehmen, ohne den jüdischen Christushaß fahren zu lassen. Ja, man geht so weit, zu betonen, daß Russell „den Namen" nicht eigentlich verdiene - welchen Namen? - ei, den Namen Christi, da seine Lehre „so anders" sei als die Lehre der „ordinären" Christen! Hier verleugnet der Russellismus also tatsächlich den christlichen Namen, um Juden zu fangen! Und das Christentum wird geschmäht, es sei schuld an dem Weltkrieg!"

Auch das Thema „Wunderweizen" greift der „Lutheraner" noch mit auf. Dazu aus seinem Bericht in der Ausgabe vom 6. 7. 1915 noch dieses:
„Der „Brooklyn Eagle" sandte einen Berichterstatter nach Russells Tabernacle, und dieser kaufte eine Quantität des Wunderweizens. Es wurden Proben davon im Ackerbauamt in Washington untersucht, und das Ergebnis war, daß dieser Wunderweizen nicht besser war als die Sorte die man zu einem Dollar den Bushel im offenen Markte kaufen konnte!
Der „Brooklyn Eagle" verspottete darauf Russell als Volksbetrüger und Schwindler.
Russell sah sich gezwungen, das Blatt zu verklagen. Er tat es, und die Klage ist nach einer Reihe von Berufungen (appeals) erst vor einigen Wochen vom höchsten New Yorker Gerichtshof entschieden worden, und zwar zugunsten der Zeitung.
Den Russelliten ist der Wunderweizenfall sehr unangenehm, denn Russell hat sich dadurch lächerlich gemacht; doch haben sie bisher, wenn man sie in bezug auf diesen Fall fragt, geantwortet, der Prozeß sei „noch nicht entschieden". Jetzt ist er entschieden. Übrigens kam bei den Verhandlungen heraus daß $ 2.000 Wert von dem Weizen verkauft worden war."

Der Frage nachgehend, was wohl Russells Motivation bei diesem Deal gewesen sei, beantwortet der „Lutheraner" diese mit der Einschätzung:
„Man möchte fragen: Wie kam den Russell auf diesen Einfall?
Die Sache ist höchst einfach: Russell predigt ja, Christus sei schon seit vierzig Jahren wieder auf Erden und werde bald öffentlich auftreten; die „Auserwählten", also die Russelliten kannten ihn schon. Und als ein Wunder des angebrochenen Milleniums stellte er auch eine neue, ungeahnte Fruchtbarkeit des Bodens in Aussicht. Der „Wunderweizen" sollte ein Zeichen sein, daß die Weissagung anhebt sich zu erfüllen. Und die betörte Menge glaubte ihrem Propheten, meinte in diesem „Wunderweizen" die Erstlinge des tausendjährigen Reichs zu sehen!"

Zwei zeitgenössische Voten
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 07. März 2015 02:07
Im Zeitspiegel
Durch sonderlichen „Tiefgang" wiesen sich beide Voten wohl kaum aus, eher durch das Gegenteil. Dennoch sind sie in gewisser Beziehung durchaus exemplarisch.
In der April-Ausgabe 1925 der Zeitschrift „Der Freidenker und Neues Leben" konnte man unter der Überschrift „Widerliche Zeitgenossen", den nachfolgenden Kommentar lesen. Einleitend wird vermerkt:
„Es ist eine erwiesene Tatsache, daß zu Zeiten wirtschaftlicher und seelischer Depression der Boden besonders nährkräftig ist für Aberglauben jeder Schattierung, z. B . Spiritismus, Okkultismus und Sektenwesen.
In den letzten Jahren bemüht sich in hiesiger Gegend die Sekte der „Ernsten Bibelforscher", die Köpfe der Arbeiter mit himmlischen Phrasen zu verwirren. Sie machen den Proleten glauben, daß im Jahre 1925 die Welt untergeht."

Die Vokabel „Weltuntergang" sei jetzt nicht überbewertet. In eine theologische Detail-Verästelung pflegten sich Beiträge solcher Art nicht zu verirren. Ähnliches gilt für die Fortsetzung jenes Artikels der da im weiteren behauptete:
„Früher hatten sie berechnet, daß unser Planet 1924 verschwinden würde - er dreht sich noch heute, trotz Bibelforscher. Das hindert ihre Schwärmer nicht, weiter ihren Blödsinn zu verzapfen. In Schriften und Versammlungen preisen sie das „goldene Zeitalter", wo der Prolet sich von den Mühsalen der Erde im Jenseits erholen soll."

Was das „1924" anbelangt, hat man eher den Eindruck, da hatte jener Artikelschreiber etwas „in die falsche Kehle" bekommen, und meint wohl eher „1914".
Weiter meint jener Artikel:
„Die Unterlage der Bibelforscher ist, wie der Name schon sagt, die Bibel. Hier teilt, preßt und stößt man herum, bis daß der Inhalt in ihrem Kram paßt, alles nur zu dem Zweck, die Arbeiter vom Klassenkampf fernzuhalten. Der ganze Zinnober, den die „Ernsten" Bibelforscher vertreiben, ist importierter amerikanischer Schund."

Namentlich die mit verwandte Vokabel „Klassenkampf" verdeutlicht, wo jener „Freidenker" politisch stand. Sein „Neues Leben" dürfte in hohem Maße in dem verklärten Blick auf die Sowjetunion bestanden haben. Nun gab es unter den „Freidenkern" auch solche, die eher Sozialdemokratisch orientiert waren. Hier aber hat man es mit einem Exemplar zu tun, den sein eigenes Unzufriedensein mit seinen Umweltbedingungen, den totalitären Charakter des Sowjetregimes, völlig außer Acht sein ließ. Jenes totalitäre Regime, gar noch nach allen Regeln der „Kunst" schönredete, auch dort wo einiges durchaus nicht „schön" ist.
Als nächstes werden einige geschichtliche Aspekt der Bibelforscherbewegung gestreift, die hier aber übersprungen seien. Und diese Ausführungen enden mit dem Ausruf:
„Die klassenbewußte Arbeiterschaft muß dafür sorgen, daß diesen Phrasenhelden das Handwerk gelegt wird. Der hungrige Prolet kann beten, daß ihm der Schnabel schäumt, kein Engel aus dem Jenseits wird ihm ein Stückchen Brot bringen. Nicht die Weihrauchduftenden Hirngespinste religiöser Phrasenhelden werden eine Besserung der Lebenslage der Arbeiterschaft bringen, sondern nur der Kampf für die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft."

Auf eine weitere Schrift aus dem Freidenker-Milieu, ebenfalls aus dem Jahre 1925, wurde früher bereits eingegangen:
„Vom Bezirksvorstand der SPD für den Bezirk Zwickau (Sachsen) wurde 1925 und dem Pseudonym „Skepticus" eine Broschüre herausgegeben mit dem Titel „Arbeiter und Sekte". [75] Selbstredend fanden darin auch die Bibelforscher entsprechende Erwähnung:

„Vielleicht ist diese Sekte die für den Befreiungskampf der Arbeiterschaft gefährlichste unter den neueren, denn sie wendet sich weniger an das geistig verzweifelte, im übrigen aber zahlungsfähige Bürgertum, sondern mehr an das Proletariat vor allem an die aus der Kirche Ausgetretenen." [76]

Die Grundsatzauffassung dieser Arbeit kommt in der Anmerkung zum Ausdruck:

„Für den Armen, den Arbeiter, ist also die Religion nichts anderes als eine mehr oder weniger geistige Form, ihm seinen Mangel an irdischem Wohlergehen mundgerecht zu machen. … Will die Arbeiterschaft von den bisherigen großen Religionskirchen nichts mehr wissen, weil deren … Verderbtheit gar zu offen auf der Hand liegt, so gibt man ihr unter dem Anschein der religiösen Reformierung neue Inhalte, die wohl anders aussehen, aber für die herrschende Klasse ebenso gut den Zweck der alten erfüllen, nämlich den Arbeiter von der Sorge um sein irdisches Wohl abhalten, damit ihn der Besitzende um so leichter ausbeuten kann." [77]

Diese Arbeit des „Skepticus" basiert also auf der klassischen Alternative „Klassenkampf - statt religiösem Opium." Symptomatisch dafür ist auch der Satz:

„Aber wenn sie noch so sehr auf die Kirchen schimpfen, soll der Arbeiter immer daran denken, dass auch sie ihm nicht helfen können, sondern ihm im Gegenteil lähmen. Denn seine Lage wird nicht besser, wenn er sich das Hirn mit sinnlosen Bibelworten verkleistert und im übrigen auf das tausendjährige Reich des Friedens schafsgeduldig wartet, sondern nur dann, wenn er durch politische oder gewerkschaftliche Einstellung selbst mit Hand anlegt beim Bau einer neuen, besseren Gesellschaftsform." [78]

Auf der gleichen Linie liegt auch der Satz: „Das Volk hat eingesehen, dass die Landeskirchen heute keine Berechtigung mehr haben. Was tun darauf die Bibelforscher? Sie schreiben eine glühende Kirchenfeindschaft auf das Schild ihrer Firma und erreichen mit diesem alten Kaufmannstrick, dass ihnen die Gläubigen nur so zuströmen. Das unbelehrbare Volk sieht ja nicht, dass es eben nur zur Konkurrenz übergeht, die im Grunde nichts anderes tut, nämlich den Dummen die Tasche leeren und sie bei der Stange halten - für die Ausbeuter des Volkes." [79]

Zu diesen Ausführungen gilt es doch noch einige Anmerkungen zu machen:

Sowohl die frühe Bibelforscherbewegung als auch die frühe Arbeiterbewegung, haben ihre Ursprungswurzeln in der Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Beide stellen also organisatorische Neuanfänge dar mit Höhen und Tiefen und auch mit Differenzierungen im eigenen Lager. So kommt in diesen Ausführungen des „Skepticus" nicht zum Vorschein, dass es in der Sozialdemokratie beispielsweise mal eine Grundsatzdebatte gab, die sich in dem Schlagwort „Revolution oder Evolution" wiedergeben lässt. Die Vertreter des Evolutionsgedankens wurden teilweise z. B. als „Revisionisten" verschrieen. Offensichtlich huldigt der „Skepticus" dem Revolutionsgedanken. Reflexionen darüber, dass dies zugleich mit Bürgerkriegsähnlichen Umständen verbunden sein kann, stellt er nicht an.

Der „Skepticus" und seine Nachbeter erwartet zu viel, wenn er voraussetzt, dass der Übergang von der Religions-Fata-Morgana ins „revolutionäre" Lager nahtlos vonstatten geht. Er berücksichtigt nicht, dass die Gründergeneration der Bibelforscher in der Regel eine religiöse aber keine areligiöse Sozialisation hat. Das die Erwartung, sie würden nun politische Revolutionäre werden, dem überspringen von mehreren Zwischenstufen entsprechen würde. Dies gilt es auch deutlich zu sehen und auszusprechen.

Als Kontrast sei noch aus einem weiteren Artikel zitiert, und zwar aus der antisemitischen Zeitschrift „Auf Vorposten" Nr. 1/2=1925
Da entfällt schon mal generell die Verklärung der Sowjetunion. Im Gegenteil wird letztere von diesen Kreisen gar als „Judenstaat" diffamiert.
Einen weiteren Unterschied gilt es noch zu benennen.
Waren die „Freidenker" eher dahin orientiert, der Religionsindustrie generell „Ade" zu sagen, so nicht die Antisemiten. Religion solle weiter sein, so deren Credo. Allerdings dann eher eine stark überbetont nationalistische Variante davon. Das waren schon mal grundlegende Unterschiede.
Dennoch kann man beim Bibelforscherthema durchaus gewisse gemeinsame Schnittmengen beobachten. Etwa wenn auch diese Kreise ausriefen:
„Wir verdanken diese Krankheits-Erscheinung den Vereinigten Staaten von Amerika. Man muß eine Versammlung der Bibelforscher besucht haben, sonst glaubt man nicht, was ihre Redner den Zuhörern vorzusetzen wagen, und man würde noch viel weniger glauben, daß sie von der Versammlung tatsächlich ernst genommen werden. Diese besteht zwar meistens aus alten Weibern männlichen und weiblichen Geschlechts, die größtenteils dem kleinen Mittelstände angehören, das ändert aber nichts an der bedauerlichen Tatsache."

Weiter setzt sich diese Ausführung mit den Sätzen fort:
„Ein Milderungs-Grund für die Betörten mag darin zu suchen sein, daß zu Zeiten, in denen ein Volk sich in schweren Nöten befindet, wie augenblicklich das deutsche, die Sehnsucht nach einem Retter erwacht. Die wenigsten Menschen finden sich mit der nüchternen Tatsache ab, daß nur unbeugsame Willenskraft vereint mit Fleiß und Sparsamkeit zum Ziele führen die überwiegende Mehrzahl hofft lieber auf ein bequemes Wunder."

Das sind dann wohl Feststellungen, die analog auch von den „Freidenkern" stammen könnten, sieht man von deren Überspitzung in der Form des „Heilsrezept Klassenkampf" einmal ab.
Als nächstes kocht dann der „Vorposten", die antisemisch-katholische (oder meinetwegen auch katholisch-antisemitische Mär) wieder einmal in allen Jaultönen auf. Da besteht in der Tat ein Unterschied zu den „Freidenkern", die bei dieser Propagandathese meistens so nicht mitspielten.
Es mag noch eine thematische Stellungnahme dazu zitiert werden. Und zwar aus der jüdischen „C(entral) V(ereins)-Zeitung" vom 6. 3. 1925.
Letztere stellte unter der Überschrift „Die Geldquellen der „Ernsten Bibelforscher" dazu auch fest:
„Die Vereinigung „Ernster Bibelforscher" hat in Zusammenhang mit einem verleumderisch zitierten Urteil, das vom schweizerischen Bezirksgericht in St. Gallen vor einiger Zeit erging, die Öffentlichkeit in stärkster Weise beschäftigt und zahlreichen unserer Freunden zu Anfragen Anlaß gegeben.
Zu der Vereinigung selbst Stellung zu nehmen, liegt für den Centralverein kein Grund vor, da es sich um eine christliche Gesellschaft handelt.
Nur soviel als die Preßeäußerungen die „Ernsten Bibelforscher" als von internationalem Kapital finanziert hinstellen, haben wir zu erklären, daß diese Behauptung eine Verleumdung darstellt und daß insbesondere die Märchen über den Brief des jüdischen Freimaurers vom 33. Hochgrad vollendeter Unsinn sind."

http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/3536859

Also auch von dieser Seite aus, wurde der vermeintliche antisemitische „Kassenschlager" eindeutig dementiert.
Nun lieferten aber die Bibelforscher durch ihre betonte Begünstigung des Philosemitismus zu jener Zeit, einen gewissen vordergründigen Anlass, den die Antisemiten sich auch nicht entgehen ließen.
Dazu mag noch ein weiteres Zitat erhellend sein.
Nicht nur die Bibelforscher waren zu jener Zeit Zionismus-Begünstiger. Analoges gilt auch für den Kreis um die Zeitschrift „Das Prophetische Wort" des E. F. Stroeter.
Es gab zwischen WTG-Hörigen und Stroeter-Hörigen zu damaliger Zeit, mehr als nur eine „Schnittmenge" Die bedeutendste war sicherlich die, das der „Johannes Walther" alias Walter Küppers" lange Jahre bei Ströter als „Haus- und Hoftheologe" fungierte. Weiter das viele Bücher des „Johannes Walther" vordem schon mal einen Abdruck in Stroeters „Prophetischen Wort" als Zeitschriften-Artikel erfuhren.
Zu diesem ist unter anderem vergleichbar:
Kueppers
Und auch:
Kriegsprediger Kueppers

In Ströters Blatt gab es nun im Jahre 1908 (S. 150 f.) auch diese bemerkenswerte Angabe:
„Die größte Judenstadt der Welt
Reisebrief von Pastor Ludwig Schneller
Brooklyn, N. Y. Nov. 1907
Ganze Stadtteile, namentlich solche, die bis vor wenigen Jahren von Deutschen bewohnt waren, sind in der kurzen Frist, seit dem die massenhafte Judeneinwanderung aus Rußland eingesetzt hat, von ihren alten Bewohnern verlassen und in Judenquartiere umgewandelt worden."

Noch ein weiteres bemerkenswertes Zitat aus dem "Prophetischen Wort". Und zwar aus dem Jahrgang 1918 desselben (S. 220f.)
"Auch die jüdische Hochfinanz Amerikas, die mit ihren ungezählten Millionen die Vereinigten Staaten beherrscht, hat sich wie ein Mann hinter den Zionismus gestellt.
Louis Marshall, Jakob Schiff, Loeb, Kuhn & Cie, der Multmillionär und Kupferkönig Levison und viele andere legten ihr lastendes Goldgewicht mit in die Waagschale."

Über den damaligen USA-Präsidenten Roosevelt, führt vorgenanntes Blatt (S. 223f.) weiter aus:
„Dieser hat sich bekanntlich von Anfang an um die Gunst der Juden bemüht, um durch ihre Stimmen und ihr Geld seine Präsidentenwahl zu sichern. Der Jude Morgerthau zahlte ihm, wie Senator Penrose im Senat in Washington öffentlich sagte, 130.000 Mark für seine Wahlkasse."

Ergo bestand zeitgenössisch durchaus eine gewisse Konjunktursituation, die sich auch der Konjunktur-Ritterling Russell zunutze machte!
Was für die USA-Verhältnisse vielleicht hilfreich war, musste es nicht zwangsläufig auch im „alten Europa" namentlich im von Krieg und Inflation gebeutelten Deutschland sein!

Allerdings muß auch darauf hingewiesen werden. Einerseits gab es zwischen WTG und Ströter diverse partielle Übereinstimmungen. Andererseits jedoch auch einen entscheidenden Dissenz - die Höllenlehre.
In ziemlich geschraubter Redeweise kommt dieser Dissenz dann in einer „Fragenbeantwortung" im Jahrgang 1911 des „Prophetischen Wortes" zum Vorschein.
Angefragt wurde sinngemäß, ob man bezüglich der Höllenlehre es nicht lieber mit dem „Leisetreten" halten solle. Nein - so die entschiedene Antwort von Ströter.
Die Russellianer hätten durch die Leugnung der Höllenlehre, dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Das könne und werde man nicht ignorieren. Daher müsse auch diese Lehre klar - und nicht nur verschämt - verkündet werden, das war seine Position dazu.
Aus seiner geschraubten „Antwort" dazu sei beispielsweise dieser Passus zitiert:
„Denn es ist unleugbar, daß die letzten Konsequenzen der Lehre von der endlosen Verdammnis keine anderen sind als die, daß Gott als er dem Satan seine Menschheit zu verführen gestattete, den er doch längst aus dem Wege schaffen hätte können, mit vollem Bewußtsein seinem eigenen Liebeswalten ganz unübersteigliche Schranken gezogen habe, im Angesicht derer alle seine Liebesabsichten ihr erwünschtes und von Gott selbst mit deutlichen Worten ausgesprochenes Ziel in alle Ewigkeiten hinaus niemals erreichen können.
Die einzige Genugtuung, die Gott und die geretteten Menschen dabei hätten, wäre die, daß dafür der Teufel und seine betrogenen Opfer in einer endlosen Qual Gott lästern, ihm trotzen, die Zähne knirschen und ohnmächtig gegen ihn toben und wüten müssen!"

Auch die Nazikoryphäe Alfred Rosenberg, nahm in seiner Zeitschrift „Der Weltkampf" im Jahre 1925 das Bibelforscher-Thema wieder mit auf. Seine Ausführungen weisen weder Originalität, noch Tiefgang auf. Man liest bei ihm im Prinzip nur das, was in anderen Voten aus dem antisemitischen Stall, ebenfalls bis zum Erbrechen, heruntergebet wurde.
Allenfalls mag mal einer der wertenden Sätze auch des Rosenberg zitiert werden, wenn er auch wähnt ausrufen zu sollen:
„Aber dieser, zugunsten jüdischer politischer Bestrebungen hinauslaufende freche Unfug findet Eingang bei großen Scharen verrückter Weiber und hysterischer Männer, deren es heute Abertausende gibt. Und so wird, eine geistige Atmosphäre vorbereitet, wie sie den jüdischen Weltherrschaftsplänen angenehm ist.

„Erasmus Pechmondl"

geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. Februar 2015 01:24
Im Zeitspiegel
Wie man weis, braucht derjenige der den Schaden hat, für den Spott auch nicht mehr zu sorgen, der kommt dann „ganz von allein".
Einerseits verwundert der Umstand nicht, dass die 1925-Verkündigung der Bibelforscher, nicht nur ihre traditionellen Gegner, sondern auch ausgesprochene Spötter mit auf den Plan rief.
Ein solcher Fall ist auch in der damals in Wien erscheinenden Satire-Zeitschrift „Die Leuchtrakete" (Februar-Ausgabe 1925) zu beobachten. Unter rationalem Gesichtspunkten muss man jene Dosis Spott, allerdings der Rubrik „überzogen" zuordnen. Rechte „Freude" indes will selbst bei Freunden der Satire, dabei nicht aufkommen. Und sicherlich sind die Opfer jenes Spottes, letztendlich ungerecht beurteilt worden. Aber eine „sachgemäße" Bewertung lag sicherlich nicht in der Absicht des Artikelschreibers. Das sei erst mal vorangestellt.

Noch was sei einleitend erwähnt. Als Folge des ersten Weltkrieges, hörte dann auch die Österreich-Ungarische Monarchie zu bestehen auf. Das anschliessend weiter bestehende Land Österreich reduzierte sich nunmehr auf seinen Deutschsprachigen Kernbestand, andere Sprachgruppen sind dann nur noch in ihren eigenen Staatsgebilden vertreten, über welche die vormalige Hauptstadt Wien, allerdings keine Bestimmungsmacht mehr hat.
Was sich so nüchtern anhört, hatte auch eine gewaltige ökonomische „Nebenwirkung". Der vordem massiv aufgeblähte staatliche Verwaltungsapparat, musste drastisch zurückgefahren werden, einschließlich damit verbundener Massen-Entlasssungen. Einen den es so auch traf, ist der aus der Zeugen Jehovas-Geschichte bekannte Autor Dr. Hans Jonak v. Freyenwald, aber eben nicht nur er.
Letztendlich baut das Sujet jener Satiregeschichte auch auf die vorbeschriebene Massen-Entlassungswelle mit auf.
Das „zweite Standbein" jener Story bildet dann das damalige WTG-Schlagwort von den „Millionen jetzt lebender Menschen die da nicht sterben werden."
Die Story fängt mit der Angabe an:
„Erasmus Pechmondl hielt seine Entlassung aus dem Staatsdienst in den Händen. Er war der hunderttausendste Staatsbedienteste, der dem Abbruchprogramm zum Opfer fiel."

Für besagten „Erasmus Pechmondl" stellte sich nun die Frage, welche „Perspektive" er denn nun noch hätte. Und seine Selbsterkenntnis gipfelte in der Feststellung, wohl blos noch die, „sich selbst die Kugel zu geben."
Bevor er denn zu dieser beabsichtigten Tat schritt, wollte er aber noch sein bisheriges Leben durch ein „zünftiges Besäufnis" „krönen", und er erachtete die Silvesterfeier als einen geeigneten Anlass dafür.
Im Alkoholrausch tätigt er auf jener Feier auch noch so einige Entscheidungen. Unter anderem die, sich im Halbdunkel zu verloben. Er lässt aber auch durchblicken, nüchtern und bei Tageslicht, hätte er wohl jene Verlobung nicht realisiert.
Dann schritt er zur beabsichtigten Tat, und schoss gleich noch wild um sich, um noch ein paar andere mit ins Jenseits zu befördern. Die waren zwar auch alle von Kugellöchern dann durchsiebt, wie auch er selber.
Aber „wunderbarerweise" erzielte jene Massenschießerei nicht ihre Wirkung. Alle lebten „durchsiebt" „fröhlichst" weiter.
Dann geht die Story weiter mit der Angabe:
„Da stieg plötzlich ein Mann, dem Aussehen nach ein Amerikaner, auf den Tisch, klatschte in die Hände und begann im Tone eines Predigers:
„Niemand von den heute noch lebenden Menschen wird mehr sterben. Sie werden ewig leben! Die Weissagung der ernsten Bibelforscher ist mit Eintritt des heutigen Tages eingetroffen!"
Ein Jubel durchbrauste den Saal, die Leute umarmten sich. Die Ein- und Ausschußöffnungen der Verwundeten wurden mit Champagnerpfropfen verstopft und die Unterhaltung wurde in toller Stimmung fortgesetzt."

Indes bei „Pechmondl" selber stellte sich eher eine Art Katerstimmung ein. Ihm wurde bewusst, keines seiner Probleme hätte sich nun durch dieses wundersame Weiterleben gelöst. Namentlich auch seine finanziellen Probleme nicht:
„Was nun? Er war verlobt, ohne Posten, ohne Geld. Da fiel ihm in dieser Not seine Erbtante ein, die mußte ihm einen Teil ihres Vermögens, er war ja Universalerbe, vorschießen.
Er zog sich rasch an und ging zu ihr Neujahrswünsche überbringen. Dann brachte er sein Anliegen vor. Die Tante lächelte und wies ihm ein Flugblatt vor:
„Millionen jetzt lebender werden nicht sterben!"
Ich brauche ja mein Vermögen selbst, lieber Erasmus. Die Testamente sind hinfällig, es gibt kein Sterben mehr", entgegnete die Tante und Erasmus wankte wie betrunken heim."

Dann gibt es da noch diese Episode, und mit ihr schließt der Artikel:
„Am nächsten Tag besuchte er seine Braut, erzählte ihren Eltern den wahren Sachverhalt, schilderte seine schreckliche Lage und bat, ihm sein Wort bezüglich der Verlobung zurückzunehmen. Der Schwiegervater verweigerte es.
Nun bat ihn Pechmondl, daß er ihm in irgendeiner Weise helfen möge. Da entgegnete jener, daß das ausgeschlossen sei, weil er als Heizer des Krematoriums seit gestern ebenfalls brotlos sei.
„Nehmen sie ruhig meine Tochter zur Frau" schloß er.
„Dann müssen wir ja verhungern", rief Pechmondl entsetzt.
„Ausgeschlossen, es gibt kein Sterben mehr!" ..."

Aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek gibt es die Februar-Ausgabe 1925 der „Leuchtrakete" auch Online!
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=dlr&datum=1925&pos=17&size=45
Man vergleiche dort besonders die untere Häfte der fraglichen Seite aus jenem Heft.
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/annoshow-plus?call=dlr|1925|0052|00000012||jpg||45|
Laut Wikipedia sind alle erschienenen Ausgaben jener Zeitschrift digitalisiert.
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Leuchtrakete

Ein Verbot in Hamburg
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 11. März 2015 00:30
Im Zeitspiegel
Ein tendenziöse Verbotsmitteilung in der „Freiburger Zeitung" vom 11. 3. 1935.
Unter der Überschrift „Ein feiner Prediger" ist von einer „Evangelisch-kirchlichen Gemeinschaft" in Hamburg die Rede.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=11a&year=1935&month=03&project=3&anzahl=6

Ein Präzedenzfall
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. März 2015 23:20
Im Zeitspiegel
Über einen bemerkenswerten Schlagabtausch zwischen von der WTG beauftragten Rechtsanwälten und dem Naziregime, berichtet das Blatt „Reichsverwaltungsblatt" in seiner Ausgabe vom 31. 8. 1935.
Zugrunde lag ein Gerichtsverfahren in Sachen Zeugen Jehovas, welches vor dem Hanseatischen Sondergericht am 15. 3. 1935 zur Verhandlung kam.
Seitens der Hamburger Polizeibehörde, wurde die hastig gegründete „Norddeutsche Bibelforschervereinigung e. V." (in welcher nur „arische Deutsche" Sitz und Stimme hätten) bereits am 15. 7. 1933 für verboten erklärt. Ein weiteres regionales Verbot wurde zuvor am 6. 6. 1933 vom Polizeiamt in Lübeck ausgesprochen, während das Preussische Zeugen Jehovas-Verbot auf den 24. 6. 1933 terminiert war.
Nun fanden die WTG beauftragten Rechtsanwälte ein „Haar in der Suppe". Ihre Argumentation, weder das Lübecker Verbot, noch das Verbot der „Norddeutschen Bibelforschervereinigung" sei sonderlich öffentlich bekannt gemacht worden. Und weil diese öffentliche Bekanntmachung unterblieb, wähnten sie in ihrer vorgeschützten „heiligen Einfalt" argumentieren zu können. Wenn man etwas nicht kennt, braucht man es auch nicht zu beachten. Lediglich bezüglich des Preussischen Verbotes mussten sie einräumen, dass sei tatsächlich bekannt gemacht worden. Aber sie begehrten halt „nur" eine Verhandlung über das Lübecker Verbot und ebenfalls das Verbot der „Norddeutschen Bibelforscherverinigung".
Ein weiteres „Haar in der Suppe" das sie wahrzunehmen wähnten, bestand in der Begründung des Preussischen Verbotes. Letzteres setzte auf der Grundlage der Reichtagsbrandverordnung, diverse bürgerliche Freiheitsrechte außer Kraft. Aber so fanden sie weiter, der Artikel 137 der Weimarer Verfassung, der die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgesellschaften gewährleiste sei damit nicht auch gleichzeitig außer Kraft gesetzt worden.
Verwiesen wird dann auf einige juristische Präzedenzfälle, deren Tenor besagt, einzelne Teile der Weimarer Verfassung seien zwar außer Kraft gesetzt worden, aber die Weimarer Verfassung in Gesamtheit, würde fortbestehen, einschließlich ihres bereits genannten Artikel 137. Namentlich der Artikel 137 sollte im Sinne der Argumentation der von der WTG beauftragten Rechtsanwälte der Strohhalm sein, an den sie sich klammerten um zu sagen, die bereits ausgesprochenen Verbote könnten aber nicht Rechtsgültig sein.
Das war nun die Ausgangslage, mit der sich das genannte Gericht im besonderen auseinander zusetzen hatte.
Indes, so wie jene Rechtsanwälte sich das gewünscht hätten, auf deren Argumentationsschiene ging das urteilende Gericht dann doch nicht ein.
Es konterte dergestalt:
„Nach dem Siege der Regierung der nationalsozialistischen Revolution am 5. März 1933 war aber auch die Weimarer Verfassung als Verfassung erledigt.
Auch nach nationalsozialistischer Auffassung ist an und für sich den religiösen Bekenntnissen die freie Ausübung zugesichert, aber mit der Einschränkung des Punktes 24: "soweit sie nicht den Bestand des Staates gefährden oder gegen das Sittlichkeits- oder Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen".

Und weiter:
„Das Gericht ist der Auffassung, daß beide Voraussetzungen, unter denen nach dem Punkt 24 die Freiheit der religiösen Bekenntnisse eingeschränkt ist, vorliegen, nämlich einmal gefährden die Bibelforscher durch ihre Lehre und Betätigung den Bestand des Staates und zum anderen verstoßen sie gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse."

Von diesem Leitsatz ausgehend bestand nun die nächste Schwierigkeit für das Gericht darin, den Angeklagten „individuelle Schuld" nachzuweisen.
Das erwies sich dann für die Nazi-Richter schwieriger als sie gedacht hatten.
Sie meinten zwar die Bibelforscher/Zeugen Jehovas müssen generell als „Wehrdienstverweigerer" angesehen werden. Dazu formulierte das Gericht dann die Sätze:
„Maßgebend ist lediglich, daß die ganz allgemein von den Bibelforschern vertretene Tendenz gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstößt. Das Gericht ist der Auffassung, daß eine solche Einstellung der deutschen Ehre, die eine der allerersten Grundlagen des nationalsozialistischen Denkens ist, kraß zuwiderläuft. Das germanische Rassegefühl ist untrennbar mit dem Heldischen verbunden, der Deutsche hat niemals ein Knechtsvolk sein wollen. Gegen diese grundlegenden Erkenntnisse verstoßen die von den Bibelforschern vertretenen Lehren."

Also die Tendenz war erst mal klar. Die Bibelforscher/Zeugen Jehovas, werden Gerichtlicherseits in die Schublade der „Wehrdienstverweigerer" abgelegt. Nur das Handicap für dass Gericht bestand darin, dass die Angeklagten für sich, diesen Vorhalt als nicht zutreffend bezeichneten.
Dazu dann das Gericht:
„Unerheblich ist, ob jeder einzelne Angeklagte selbst etwa die deutsche Wehrhaftigkeit untergräbt oder den Kriegsdienst verweigert."

Wenn das also „Unerheblich" sei, wie sieht es dann mit der sonstigen Beweislage für genannte Anklagethese aus?
Da kamen die Nazijuristen aber arg ins Schwitzen. Trotz all ihrer Bemühungen konnten sie keine Belegstelle aus der WTG-Literatur vor 1933 benennen, die diese ihre These gestützt hätten. Mit dieser mißlichen Lage gibt aber ein zünftiger Nazijurist sich nicht zufrieden.
Wenn also in der WTG-Literatur von vor 1933 keine geeignete Belegstelle auftreibbar sei, dann ist damit aber noch nicht „aller Tage abend".
Es gäbe ja auch noch die ausländische Zeitschriftenliteratur der Zeugen Jehovas, aus der Zeit nach 1933.
Und aus der meinte man durchaus eine Wehrdienstgegnerische Einstellung herauslesen zu können.
Daraufhin konterten die Angeklagten, gestützt von ihren Rechtsanwälten:
„Übrigens könne auch nicht das, was in den ausländischen Zeitschriften stehe, ihnen zur Last gelegt werden. Es sei nicht positive Lehre der Bibelforscher, den Kriegsdienst zu verweigern.
Das Gericht ist aber demgegenüber der Auffassung, daß gerade diese Zeitschriften zur Grundlage der Beurteilung der Bibelforscherlehren genommen werden müssen."

Ergo die Angeklagten sahen sich als „unschuldig". Indes das Gericht erklärt sie auf der Grundlage der ausländischen WTG-Zeitschriften als „schuldig".
Da stehen nun zwei unversöhnbare Positionen gegenüber, die unter anderen Verhältnisse vielleicht zu dem Status „Freispruch mangels Beweisen" geführt hätten.
Nichts da mit „Freispruch" befand das urteilende Gericht. Die Angeklagten müssen auch in Gesamtheit bewertet werden.
Und dann wird den Angeklagten in der Folge auch noch dieses vorgehalten:
„Der Preuß. Minister des Innern hatte das Verbot damit begründet, daß unter dem Deckmantel angeblich wissenschaftlicher Bibelforschung eine Hetze gegen die staatlichen und kirchlichen Einrichtungen betrieben würde, die beide als Organe des Satans bezeichnet würden. Die Anhänger der Vereinigung betrieben eine Kulturbolschewistische Zersetzungsarbeit, ihre Tendenzen standen im Gegensatz zum heutigen Staat und seiner kulturellen und sittlichen Struktur. Der jetzige Staat sei verschiedentlich in Wort und Schrift von den Funktionären der Vereinigung gehässig angegriffen worden."

In seiner weiteren Argumentation schrieb dann das Gericht den Angeklagten noch mit ins Stammbuch:
„Es kommt aber noch hinzu, daß die Anschauungen dieser Religionsgesellschaften auch den Bestand des Staates gefährden. Das Gericht hat von den Angeklagten zwar den Eindruck gewonnen, daß es sich bei ihnen nicht etwa um getarnte Marxisten oder Kommunisten handelt.
...Was in den Zeitschriften steht, verstößt jedenfalls ganz gröblich gegen die Wehrauffassung des deutschen Volkes.
Indessen ergeben die Proben aus den Zeitschriften zur Genüge, daß die Anhänger dieser Lehren dem Staat und ganz besonders dem nationalsozialistischen Staat feindlich gegenüberstehen. Sie betätigen und bestärken diese Feindschaft vor allem dadurch, daß sie sich den staatlichen Gesetzen nicht fügen, sondern auf Grund des Befehls eines Amerikaners, den sie als ihr Haupt ansehen, in kleinen Zirkeln zusammenkommen, Druckschriften mit hetzerischem Inhalt aus dem Ausland beziehen und in ihren Kreisen zum Gegenstand von Studien machen. Die Bibelforscher verwerfen den Staat überhaupt und bezeichnen ihn sogar als Teufelswerk."

Weiter im Gerichtsurteil:
„Die feindselige Einstellung zum heutigen Staat, die nicht nur aus den Zeitschriften spricht, sondern mehr oder minder deutlich auch aus den Erklärungen, die die Angeklagten vor Gericht abgegeben haben, ist nicht wegzuleugnen. Besonders bedenklich ist auch, daß die Angeklagten fanatisch eingestellt sind und daß sie sich noch einbilden, Märtyrer für ihren Glauben zu sein. Nicht nur Kommunisten können der neuen Volksgemeinschaft gefährlich werden, sondern auch Leute wie die Angeklagten, die fanatische Anhänger einer für normale Begriffe abwegigen Glaubensrichtung sind."

Besagtes „Reichsverwaltungsblatt" sah nun das vorstehend referierte Gerichtsverfahren als eine Art Präzedenzfall in Sachen Zeugen Jehovas an, der auch für weitere, ähnliche Gerichtsverfahren Bedeutung hätte. Daher seine Entscheidung zur Publizierung jenes Falles, auf das andere Gerichte zu Nazizeiten, sich fallweise auf diesen Fall berufen könnten

Wehrpflicht
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 18. März 2015 03:31
Im Zeitspiegel
Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht in Hitlerdeutschland.
Meldung der „Freiburger Zeitung" vom 18. 3. 1935

„Passend" dazu - im Vorgriff auf Zukünftiges, in der vorgenannten Entscheidung schon mit angelegt, die Meldung vom 19. 3. 1935:
„Berlin im Dunkel.
Heute Verdunkelungsübungen in Berlin".
Den Nazis konnte es also mit ihrem „frisch-fröhlichen" Krieg, nicht schnell genug gehen.

Wie titelte eine Partei zu Weimarer Republikzeiten:
„Wer Hitler wählt - der wählt den Krieg!" Und zu den Hitlerwählern gehörten auch kirchliche Kreise. Nicht das die kriegerischen Ambitionen des Hitlerismus sie besonders angesprochen hätten. Das dürfte wohl weniger der Fall gewesen sein. Den saß eher der Schreckgespenst Sowjetunion im Nacken. Gleichwohl müssen diese Hitlerwähler sich auch im Nachhinein, ihre Einäugigkeit vorhalten lassen. Sie konnten im voraus wissen, was kommen würde, wollten es aber nicht so genau wissen. Und dem Hitlerismus die Stimme zu versagen, hätte nicht zwangsläufig mit dem votieren für sowjetische Verhältnisse identisch sein müssen. Man hätte auch die Kräfte zwischen diesen Polen stark machen können; hat es aber nicht getan.

„Passenderweise" hatte die katholische Kirche bei Abschluss ihres Konkordats, mit Hitlerdeutschland, das Thema Militärseelsorge, schon mal iim Detail geregelt, zu einem Zeitpunkt, wo - das aber nur als Formalie -, die Wehrpflicht noch nicht beschlossene Sache war.
„Artikel 27 gab den Nazis Einfluß auf die Ernennung des katholischen Armeebischofs und der katholischen Militärgeistlichen".
https://www.ibka.org/artikel/ag97/reichskonkordat.html

Der „Vorgeschmack" wurde nun sichtbar.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=18a&year=1935&month=03&project=3&anzahl=8

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=19b&year=1935&month=03&project=3&anzahl=10
Im Zeitspiegel #
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. März 2015 05:10

„Verlangt werden elf Prozent der Umsätze, die "unmittelbar und mittelbar mit der öffentlichen Zugänglichmachung von Ausschnitten aus Online-Presseerzeugnissen" erzielt werden".

Ja ja, verlangen kann man viel.
Man kann beispielhaft verlangen (das ist tatsächlich schon geschehen) der Steuerzahler solle für die Kosten des öffentlichen Nahverkehrs in vollem Umfange aufkommen. Im Gegenzug würde dann jeder Steuerzahlende Bürger, quasi eine saftige Erhöhung seiner zu zahlenden Gebühr für Fernsehen und Radio präsentiert bekommen. Auch dann, sollte er Verkehrsmittel des öffentlichen Nahverkehrs überhaupt nicht nutzen, dieweil er „nur Auto fährt."
Weiter wird ausgeführt, die Gehälter der von den Verkehrsgesellschaften angestellten Kontrolleure könnten so unter anderem eingespart werden.
Die Kontrolleure indes, werden darüber kaum erfreut sein, da deren Alternative dann in einigen Fällen wohl Arbeitslosigkeit / respektive Hartz IV wäre.
Und erwiesen ist auch, das erwischte Schwarzfahrer, die dann mehrmals erwischt wurden, sich zu hohen Anteilen aus den Kreisen zusammen setzen, die ansonsten schon finanziell „auf dem Zahnfleisch krauchen."
Macht nicht finden die Befurworter des gegenwärtigen Zustandes.
Fallweise Gerichtsverfahren sollen sein, denn die Justiz will auch leben. Die Kosten kann man dann ja der „Einfachheit halber" von denen eintreiben, die ohnehin nichts haben!
Man könnte weiter fordern Institutionen wie die GEMA abzuwickeln. Da werden wiederum deren Chefs, mit ihren kaum niedrigen Gehältern, kaum einverstanden sein. Und auch die Opportunistenpartei (wie unter anderem die SPD) werden eine solche Entwicklung zu verhindern wissen, dieweil solche Institutionen wie GEMA nicht selten als Auffanginstitution für „verdiente" Parteigenossen/Mitglieder agieren. „Verdient" für was ???
Nun also wollen gewisse Herrschaften für sich die „Sonder-Bratwurst" „Leitungsschutzrecht" gebraten bekommen ...

leistungsschutzrecht.info/news/2015-03-24/verhandlung-vor-der-schiedsstelle-des-dpma

www.faz.net/aktuell/politik/inland/korruptionsvorwuerfe-gegen-beitragsservice-von-ard-zdf-und-deutschlandradio-13502006.html


„Passend" auch die Meldung in der heutigen „Berliner Zeitung" (nur die Printausgabe).
Ein Abgeordneter in Berlin, hat an die hiesige Regierung (Senat) eine Anfrage zu Zahlen der erwischten Schwarzfahrer gerichtet.
Er bekam als Antwort zu lesen. Im Jahre 2014 habe das öffentliche Verkehrsunternehmen BVG. 307.900 Fälle von erwischten Schwarzfahrern an ein Inkassounternehmen weitergeleitet. Dieser Fall tritt aber erst dann ein, wenn ein erwischter Übeltäter den geforderten Strafbetrag (erhöhtes Beförderungsentgelt) nicht sofort bezahlt.
Nun sollen solche Inkassoherrschaften nicht zimperlich sein, wenn es um die Eintreibung ihrer Forderungen geht. Drohschreiben sind da noch das harmloseste. Wittern sie die Chance ihre Forderungen, mittels auch zwielichtiger Methoden durchsetzen zu können, haben sie wohl äußerst selten Skrupel, diese dann nicht in Anwendung zu bringen.
Trotzdem konnten nur etwa 50 Prozent der Falle dergestalt abgeschlossen werden, das seitens des Inkassounternehmens ein erfolgreicher Abschluss gemeldet werden konnte.
Trotzdem hat der Auftraggeber des Inkassounternehmens, dessen Gebühren zu zahlen, egal welches Endergebnis auch am Ende immer stehen mag.
Über jene Gebührenkosten gab es indes im Artikel der genannten Zeitung, keine näheren Angaben.
Wenn also die Inkassoleute nur 50 Prozent Erfolg vermelden können, ihre eigenen Kosten jedoch dem Auftraggeber gegenüber geltend machen, dann noch die Gehälter der Kontrolleure hinzugerechnet, dann ist es wohl mehr als fraglich wie die Gesamtendbilanz wohl aussieht.
Hinzuzufügen ist noch: Besagtes Verkehrsunternehmen BVG ist ein kommunaler (also kein privater) Betrieb. Wie immer das Endergebnis auch aussehen mag: Die Zeche hat am Ende immer der Steuerzahler zu zahlen.

www.focus.de/regional/berlin/verkehr-nur-haelfte-der-erwischten-schwarzfahrer-zahlt-strafe_id_4567130.html

www.berliner-zeitung.de/panorama/bundesverkehrsministerium-schwarzfahren-soll-ab-juli-60-statt-40-euro-kosten,10808334,30157714.html

www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Wenn-Schwarzfahrer-ins-Gefaengnis-muessen-id33221962.html

Polen

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 25. März 2015 23:59

Im Zeitspiegel
Eine Meldung des Ost-CDU-Blattes „Neuen Zeit" vom 25. 3. 1955 berichtet aus Polen.
„Zu hohen Gefängnisstrafen hat das Bezirksgericht von Lodz fünf Angehörige der illegalen Führung der „Zeugen Jehovas" in der Volksrepublik Polen verurteilt."

Bereits am 2. 7. 1950, gab es in der SED-Gazette „Neues Deutschland" eine ähnliche Meldung. Damals tönte man (also zeitlich noch vor dem DDR-Verbot):
„In letzter Zeit seien in Polen mehrere Mitglieder der Sekte „Zeugen Jehovas" verhaftet worden, denen Spionagetätigkeit zugunsten des USA -Geheimdienstes nachgewiesen werden konnte, teilte ein Sprecher des Ministeriums für öffentliche Sicherheit auf einer Pressekonferenz mit. Die in Lodz gelegene Zentrale dieser Sekte sei aufgelöst worden. Bei Durchsuchungen habe man in Versammlungsräumen und Wohnungen ihrer Mitglieder Pläne von Industriebetrieben, Häfen, Elektrizitätswerken und Rundfunkstationen sowie Landkarten mit Einzeichnungen von militärischen und industriellen Objekten gefunden."

Nun also im Jahre 1955 wieder eine ähnliche Meldung.
Polen zu Ostblockzeiten weist in der Tat verschiedene politische Phasen auf. Schwankend zwischen hartem Stalinismus, und relativer Liberalität. Letzterem Umstand ist es zuzuschreiben, dass drei in Polen vertretene Splittergruppen aus der frühen WTG-Geschichte, dann gar über eigene Publikationsorgane dort verfügten.
Aber wie gelesen, war dann um 1955 wieder die stalinistische Fraktion am Ruder.

Verkaufsministerium „für'n Appel und einem Ei"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. April 2015 17:32
Alias „Treuhandanstalt"
Im Zeitspiegel
Verramschgegenstand besagter „Treuhandanstalt" die Wirtschaftsbetriebe der vormaligen DDR.
Über den beabsichtigten Neubau eines monumentalen Gebäudes in Berlin, berichtet die „Freiburger Zeitung" vom 11. 4. 1935 unter der Überschrift: „Größtes Staatsgebäude Berlins".
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=11a&year=1935&month=04&project=3&anzahl=6
Ein Ausriss aus der Wikipedia, mag dessen weitere Geschichte verdeutlichen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Detlev-Rohwedder-Haus

Über die „Meinungsfreiheit" im Naziregime
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 13. April 2015 05:15
Im Zeitspiegel
Eine Meldung der „Freiburger Zeitung" vom 13. 4. 1935

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=13a&year=1935&month=04&project=3&anzahl=8

Lehrbeispiel „Meinungsfreiheit" 
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 11. Mai 2015 03:47
Im Zeitspiegel
Ein Lehrbeispiel nazistischer „Meinungsfreiheit" kann man der „Freiburger Zeitung" vom 11. 5. 1935 entnehmen.
Es sei nur die durchaus Aussagekräftige Artikelüberschrift dazu zitiert:
„Zwei Berliner Kabaretts geschlossen wegen staatsverneinender und zersetzender Tätigkeit".

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=11a&year=1935&month=05&project=3&anzahl=6

Aus der Gegenwart ein rückblickender Bericht (nur) in der Print-Ausgabe der „Berliner Zeitung".
Ein Türrahmen ist auf der Bühne,durch welchen der Conferencie geht und kommentiert , dieweil der Rahmen so niedrig.
"Er stoße mit dem Kopf wieder oben an", durchaus doppelbödig gemeint.
Selbst solche Sentenzen konnte das Naziregime nicht verkraften!

http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Finck

Der Reichsbischof in Freiburg

geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. April 2015 05:06
Im Zeitspiegel
Inserat in der „Freiburger Zeitung" vom 25. 4. 1935 mit vorgenannten Titel.
Dann folgt eine minutiöse Aufzählung seines Programms.
Angefangen um 9,45 Uhr von seiner Ankunft am Bahnhof und dem dortigen offiziellen Empfang, über weitere Stationen seines Tagesprogrammes, bis zu einer für 20,00 Uhr terminierten Kundgebung in der Festhalle.
Die „Krönung" indes enthält dieses Inserat mit der Aufforderung:
„Die Bevölkerung ist gebeten, zu flaggen".

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=06&day=25b&year=1935&month=04&project=3&anzahl=10

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=26b&year=1935&month=04&project=3&anzahl=10
Pegida-Geschrei
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 30. April 2015 03:47
Im Zeitspiegel
Ein heutiger Zeitungsbericht kündet von der mit Vierzigjähriger - teilweise gewollten Verzögerung - Eröffnung einer (nunmehr) ständigen Ausstellung zur Nazizeit - auch in der "Stadt der Bewegung" die da geschichtlich schon mal mit einem "Braunen Haus" "glänzte". Und jene Stadt hört bekanntlich auf den Namen München in Bayern.

In dem Journalistenbericht darüber gibt es auch die durchaus beachtlichen Sätze:
"Gezeigt wird chronologisch der Aufstieg einer rechtsradikalen Splitterpartei zur dominierenden Macht in München und im Reich. Manche ihrer Parolen erinnert an das Pegida-Geschrei von „volksfeindlichen" Politikern und ihrer „Lügen-Presse".

http://www.berliner-zeitung.de/kultur/muenchner-ns-dokumentationszentrum-eroeffnet-endlich-erinnern,10809150,30558812.html

Zur weiteren Illustration der Herrschaften mit ihrem Pegida-Geschrei, noch eine weitere Quelle.
Mittlerweile ist das zeitgenössische Buch von Hugo Bettauer mit dem Titel "Stadt ohne Juden" auch im Internet als Volltext greifbar. Meines Erachtens illustriert es auch den heutzutage zu beobachtenden Pegida-Spuk.
Die Wikipedia notiert zu Bettauer etwa:
"Sein bekanntester Roman wurde Die Stadt ohne Juden aus dem Jahre 1922, in dem er schildert, wie sich Wien entwickeln würde, wenn alle Juden auswandern müssten. Er griff damit den in Wien immer offensiver zutage tretenden Antisemitismus auf, glaubte aber dennoch an ein friedliches Zusammenleben der Religionen: Er ließ seinen Roman auch mit dem „Einsehen" der Christen enden, dass die Juden zum Wohle der Stadt zurückgeholt werden müssen."

http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Bettauer

Bettauers Biografie war nicht die eines von "allen Geliebten". Das wurde spätestens dann deutlich, als damalige Neonazis ihn dann ermordeten.
Die zeítgenössische faschistische Zeitschrift "Der Weltkampf" war sich nicht zu schade anläßlich der Ermordung des Bettauer dazu zu kommentieren (jetzt nur die entsprechende Überschrift zitiert):
"Deutsche Selbsthilfe"
(1925 S.324f.)
Zu seinem Schrifttum kann man etwa das Projekt Gutenberg vergleichen.

http://gutenberg.spiegel.de/autor/hugo-bettauer-50

Nicht um eine Gesamteinschätzung des Bettauer soll es hier und jetzt gehen.
Das Zitat aus dem Pressebericht das da auch eine Analogie zu dem heutigen Pegida-Spuk herstellt, soll als Basis dienen, einige Auszüge aus "Stadt ohne Juden" einmal vorzustellen. Nicht das "Projekt Gutenberg" mag da als Quelle dienen, wohl aber die 1924 im Löwitt-Verlag erschienene Edition jenes Romans.
Ort der Roman-Handlung, Wien in Österreich, welche von einem "Pegidaruf" "Hinaus mit den Juden!" heimgesucht wurde.
"Plötzlich
Doktor Kaizl Schwerdtfeger, hoch, hoch, hoch!
In Österreich zerriß ein einziges Aufbrüllen die Luft. "Hoch, Hoch der Befreier."

Weiter geht der Bericht:
"Was geschehen soll, werden Sie sofort aus dem Munde unseres Bundeskanzlers Doktor Karl Schwerdtfeger erfahren, der das Gesetz zur Ausweisung aller Nichtarier aus Osterreich eingehend begründen wird."

Noch gab es die Floskel von Wahlen:
"Die Sozialdemokraten traten ohne neues Programm in den Wahlkämpf, die Christlichsozialen hingegen scharten sich um ihren geistvollen Führer Doktor Karl Schwerdtfeger, dessen Losungswort lautete: 'Hinaus mit den Juden aus Österreich!'"

Zum Thema Wahlen noch die Aussage:
"... Holborn nickte, obwohl er keine Ahnung hatte - daß die Wahlen den völligen Zusammenbruch, der Sozialdemokraten, Kommunisten und Liberalen brachten. Selbst die Arbeitermassen wählten unter, der Parole 'Hinaus mit den Juden'"

Nachdem der braune Spuk die Macht ergriffen hatte, geht es weiter mit der Aussage:
"Um ein Uhr mittags verkündeten Sirenentöne, daß der letzte Zug mit Juden Wien verlassen, um sechs Uhr abends läuteten sämtliche Kirchenglocken zum Zeichen, daß in Österreich kein Jude mehr weilte. In diesem Augenblicke begann Wien sein großes Befreiungsfest zu feiern.

Doktor Schwerdtfeger, der noch starrer, knochiger, härter geworden war, erklärte, daß auch diese neue Belastung getragen werden müsse. "Wir dürfen es nicht dazu kommen lassen, daß eines Tages der Ausweisung der Juden die Schuld an Not und Elend gegeben wird....
Nach der Ausweisung verwandelte sich ganz Wien in ein Heerlager von Hakenkreuzlern.
Sehr bald zeigte es sich, daß alle diese Parteien, die Christlichsozialen wie die Nationalsozialisten, nur darauf aufgebaut waren, daß man den Massen die Juden als bösen Geist, als Wauwau und Prügelknaben darbot. Nun, wo es weder Juden noch Judenstämmlinge in Österreich gab, verfing das nicht mehr, wurde die Parteipolitik noch öder und langweiliger, als sie es vorher gewesen war.
Elend, Teuerung, Arbeitslosigkeit wuchsen, und die Führer waren in Verlegenheit, weil sie nicht wußten, wem sie die Schuld daran geben sollten. Die Reichen Leute waren ja jetzt brave Christen, die Ausbeuter und Wucherer auch, das heißt, man durfte von solchen Menschen gar nicht sprechen, weil man sonst hätte zugeben müssen, daß es christliche Wucherer und Ausbeuter genau so gibt wie jüdische."

Und weiter:
"Früher hatten die Hakenkreuzler mit ihren Plakaten Aufsehen erregt, die Massen aufgehetzt. Bosel und andere jüdische Plutokraten waren als Beherrscher Österreichs, als Blutsauger und Volksbedrücker ausgerufen worden, Nun aber lebte Bosel in London und die Plakate der Hakenkreuzler waren so inhaltslos geworden, daß sie niemand mehr las."

Auch diese Aussage gibt es noch:
Der Bürgermeister von Semering hatte den Mut, es in einer Gemeinderatssitzung offen herauszusagen; "Mit den Juden hat man bei uns den Wohlstand vertrieben, ein paar Jahre noch und wir werden zwar gute Christen, aber bettelarm sein! ..."

Vier Männer und die Apokalypse
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 07. Mai 2015 07:15
Im Zeitspiegel
betitelte die „Berliner Zeitung" vom 7. 5. 2005 einen Bericht. Da selbiger noch Online erreichbar ist, sei auf ihn nochmals hingewiesen.
In der Sache ging es um die abschüssige KdöR-Bahn.

Ein wörtlicher Satz aus jenem Bericht noch einmal:
„Der Kreideverbrauch ist gestiegen", kommentiert Südhoff die Selbstdarstellung der Gemeinde."

Die Arroganz einer saturierten Richterschaft - die ZJ-Problematik nie am eigenen Leibe erlebt habend -, kommt auch in jenem Satz im Bericht zum Vorschein:
„Der Richter im jüngsten Verfahren ist eher belustigt über so viel Hingabe. Zum Beispiel über Südhoffs These, dass die Zeugen Jehovas in der New Yorker Zentrale ihre starren Glaubenssätze bewusst unschuldig formulieren. "In Brooklyn denken die also auch an das Berliner Gericht?", fragt der Richter."

In anderem Kontext
hatte ich diese Arroganz meinerseits schon mal mit dem Kommentar versehen
„Wenn ich etwas zu sagen hätte, dann würde ich jenen Hamburger in Rede stehenden Richter dazu verurteilen. Einen langen Tag in eine Klosterzelle eingesperrt zu werden.
Und in selbiger wäre es seine Pflicht, nur einen Satz laut und unüberhörbar, bis zum pysischen Erbrechen leierhaft zu wiederholen.
Und dieser Satz würde nur lauten:
Hirten ohne Erbarmen
xmal laut zu wiederholen.
Und wenn besagter Richter, diese Tortur dann hinter sich gebracht hat, dann mag er meinetwegen seines Amtes wieder walten.
Aber es wäre für ihn noch besser, er würde jenes Buch von Josy Doyon auch selbst mal gelesen haben, damit er denn auch wirklich verstehe, was er denn da so herunterleiert!"

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/seit-fuenfzehn-jahren-wird-in-berlin-eine-art-glaubenskrieg-gefuehrt--es-geht-um-die-zeugen-jehovas---und-es-geht-um-eine-kleine-ewigkeit-vor-gericht-vier-maenner-und-die-apokalypse,10810590,10255930.html

Siehe auch den auf diesen Artikel bezugnehmenden Leserbrief
„Entscheidungsfreiheit bei der Taufe abgelegt"
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/entscheidungsfreiheit-bei-der-taufe-abgelegt,10810590,10257836.html
--------------
Nachtrag: Beim aufrufen der obigen Links aus der "Berliner Zeitung" stelle ich fest (und das ist neu, gab es bis vor kurzem noch nicht).
Jetzt wird eine Registrierung verlangt, wenn man den weiterlesen will. Wie andere sich dazu verhalten, ist selbstredend deren Angelegenheit.
Für meine Person kommmentiere ich dazu:
Danke - und das war es dann.
Das läuft dann wohl darauf hinaus (die Printausgabe habe ich ja im Abonnement, und die reicht mir völlig aus) dann gar noch für Online-Angebote zusätzlich zu zahlen.
Solcherlei Ansinnen gibt es.
Meine Entscheidung nannte ich bereits.,

Zeitspiegel 8b

Zeitspiegel 9b

 

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