Im Zeitspiegel 7b

Einige hier enthaltene Stichworte (in Auswahl).

Mitgliederverluste, Fremdsprachige Gemeinden, Staatsbibliothek Berlin, Kirchenwahlen 1933, SA Jesu Christi, Mülheim (Ruhr), Kongress 1973, "Quick", Joseph Booth, Gutachter, "Weissagungsfreund", Polen, Wolhusen, Allgeier, Grigulewitsch, "Menetekel"

---------------------------------------------

Im Zeitspiegel
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 03. Juli 2013 04:08

Ein makabrer Deal
Mit gemischten Gefühlen liest man die Meldung der „Freiburger Zeitung" vom 2. 7. 1933, über die „Entlassung katholischer Geistlicher aus der Schutzhaft".
Angeblich oder tatsächlich hätten die Opfer sich in politische Handlungen gegen das Naziregime involviert.
Nun habe die vorgesetzte Kirchenbehörde, mit den Nazibehörden einen Deal ausgehandelt. Sie wolle nunmehr eigenverantwortlich dafür sorgen, dass jene Opfer zukünftig „nazifromm" sein würden.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=02r1&year=1933&month=07&project=3&anzahl=4

Siehe auch die Meldung vom 4. 7. 1933:
„Das Ende der Parteien. Die Auflösung des Zentrums"

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=04b1&year=1933&month=07&project=3&anzahl=4

Das war dann der Deal. Die Selbstauflösung.
Den Nazis das Feld überlassen, ohne unbequeme vielleicht noch vorhandene Parteien mit anderem Firmenschild.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=04b1&year=1933&month=07&project=3&anzahl=4

Am 6. 7. 33 dann die Titel-Schlagzeile
„Auflösung des Zentrums vollzogen".

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=06a1&year=1933&month=07&project=3&anzahl=4

Als „Trostbonbon" dann am 10. 7. 1933 die Meldung
„Abschluss des Reichskonkordats"
Selbiges sah ohnehin die politische Selbstentmannung vor, im Tausch gegen das weitere Melken der Staatskasse

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=10a1&year=1933&month=07&project=3&anzahl=4

Kirchliche Nabelschau
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 06. Juli 2013 11:20
Im Zeitspiegel
Er ist ja nun zu einem Pfarramt in einer Brandenburger Landgemeinde „aufgestiegen".
Vielleicht gehört dann seine Aussage es gäbe in Brandenburg Kirchenkreise, die allein in den letzten acht Jahren mehr als 25 Prozent ihrer Mitglieder verloren haben, zu den Erfahrungswerten, die er nicht blos vom Hören-sagen irgendwann mal zur Kenntnis genommen hat.
Aber meint er, mit dem Finger auf die säkulare Szene zeigend, die sei doch auch klein und zerstritten, verfüge auf der Ebene der zahlenden Mitglieder, kaum Zuwächse.
Wenn das für ihn ein Trost sein mag, soll er es meinetwegen so halten. Auch andere Organisationsformen, Parteien, Gewerkschaften, verfügen kaum über relevante Zuwächse; eher aber ist auch dort, das Gegenteil zu beobachten.
Zu seiner Charakterisierung als „klein, und zerstritten" hat er aber noch ein drittes Adjektiv hinzugefügt, und zwar „einflußreich". Dazu werden von im auch einige Fakten genannt.
Zu seinen belehrenden Sätzen gehört dann wohl auch der:

„Wir werden in den nächsten Jahren immer wieder Diskussionsrunden zu religiösen Themen erleben, in der selbsternannte Atheisten markige Sprüche wie „Heidenspaß statt Höllenqual" vortragen.

Dann „zermartert" er sich des weiteren den Kopf darüber, was denn die säkulare Szene anders oder besser machen müsste, wolle sie sich behaupten.
Nun werde ich mich an dieser „Zermarterung" hier und jetzt im Detail nicht beteiligen.
Ich stelle blos mal nüchtern fest.
Der Trend in 8 Jahren 25 Prozent der eigenen zahlenden Mitgliedschaft verloren zu haben, dürfte wohl kaum als „gestoppt" zu bezeichnen sein.
Und weil das so ist, darf man getrost von dieser kirchlichen Nabelschau, zur Tagesordnung übergehen.
Vorstehendes sind dann Anmerkungen zum einleitenden Aufsatz im Juli-Heft 2013 der Zeitschrift „Materialdienst" der EZW.
Dort verfasst von einem früheren Referenten selbiger, inzwischen zum Brandenburgischen Landpfarrer „aufgestiegen". Sonderlich lange hielt er es allerdings nicht als "Brandenburger Landpfarrer" aus. Denn schon am Jahresende 2013 konnte man entnehmen, in dergleichen Zeitschrift, nunmehr in Erfurt einen gehoberenen Job als "Kulturchrist" wahrzunehmen. "Kulturchrist" das noch mal als Ergänzung definiert. Der Typ für den Gott "ein guter Mann ist - das war es dann aber auch schon". Und der namentlich bei den - noch - aus soziologischen Gründen zum Kirchensteúerzahlen genötigten agiert. Soziologische Gründe, aber kaum "Überzeugungsgründe". Da sind die Zeugen Jehovas in der Tat aus "anderem Holze geschnitzt".

Dasgleiche Heft (S. 269) kommt unter der Überschrift „Jehovas Zeugen in Europa - eine Verfolgungsgeschichte?" auch auf ein gleichnamiges Buch annotierend zu sprechen.
Sicherlich nicht unerwartet die Feststellung darin, der Herr Slupina von der WTG, müsse als Spiritus rector des ganzen Unternehmens angesprochen werden.
Auf drei Bände ist jener Opus ja angelegt, solche Länder wie Deutschland oder die Schweiz, gehören somit noch zu den Ländern, deren Platz in den noch ausstehenden Bänden zuortbar ist. Da wird sich dann erst recht die WTG-Apologie offenbaren - meiner Meinung nach.

Bemerkenswert empfand ich in dieser Annotation auch die Detailangabe. Man mühte sich ja, das ganze Medienträchtig zu verkaufen. Aber o weh, Berliner Behörden, Hotels und auch die Freie Universität in Berlin, spielten bei diesem Publicity-Konzert nicht so mit, wie von der WTG gewünscht.

Namentlich die Freie Universität hat dann ja schon einschlägige Erfahrungen dergestalt, als ein früheres WTG-Publicity-Projekt der WTG, das der Frau Yonan, von ihr damit beantwortet wurde, es selbiger gerichtlich zu untersagen, sich als Mitarbeiter der Freien Universität auszugeben!

http://www.ingo-heinemann.de/titel01.htm

Auf Antrag der Freien Universität Berlin hat das
Landgericht Berlin 16 0 801/98 durch Beschluß vom 23.12.98
eine Einstweilige Verfügung gegen Frau Yonan erlassen:
"...wird im Wege der einstweiligen Verfügung, und zwar wegen Dringlichkeit ohne mündliche Verhandlung, gemäß §§ 935 if., 91 ZPO angeordnet
1. Der Antragsgegnerin wird bei Vermeidung eines vom Gericht für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 500.000,00 DM, ersatzweise Ordnungshaft, oder einer Ordnungshaft bis zu sechs Monaten
untersagt; sich als Mitglied der Antragstellerin auszugeben, in der Öffentlichkeit als ein solches bezeichnen zu lassen oder auf andere Weise den Eindruck zu erwecken, sie sei Mitglied der Antragstellerin. Sie hat es insbesondere zu unterlassen, sich als Professorin und/oder Religionswissenschaftlerin der Antragstellerin auszugeben, in der Öffentlichkeit als eine solche bezeichnen zu lassen oder auf andere Weise den Eindruck zu erwecken, sie habe eine solche Position inne.
2. Die Kosten des Verfahrens trägt die Antragsgegnerin.
3. Der Wert des Streitgegenstandes wird auf 50.000,00 DM festgesetzt."

Was hat Frau Yonan dagegen unternommen? Nichts.
Die Freie Universität Berlin, Schreiben vom 12.4.99:
" ... teilen wir Ihnen mit, daß keine Rechtsmittel eingelegt wurden".

Siehe auch die (gekürzte) Variante

http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2962.php

Mitgliederverluste für die Kirchen, keineswegs "nur" blos in Brandenburg
www.derwesten.de/politik/protestanten-verlieren-mehr-mitglieder-als-katholiken-id8143016.html


www.neues-deutschland.de/artikel/198923.die-dritte-konfession.html

www.idea.de/detail/menschenrechte/detail/erfolgreich-trotz-weniger-mitglieder-25303.html

--------------------- Signatur.Text --------------------

Hermann Samuel Reimarus (1694 – 1768) in:
"Apologie: oder, Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes"

Derselbe Autor:

Wie? Wenn sie (die Apostel) gesagt hätten: es kann noch wohl siebzehn, achtzehn und mehr Jahrhunderte wehren, ehe Jesus zu seinem Reiche aus den Wolken wiederkommt, und die Freude derselben angeht: würde man sich nicht mit solcher Verheissung ausgelacht haben?
Würde wohl ein einziger Mensch sich zur Entäusserung alles Vermögens entschlossen haben, um seine übrige Lebenszeit in Hunger und Kummer zuzubringen, und seine eigene Nothdurft nunmehr andern aus den Händen zu sehen? Ja, würde man nicht die an sich schlecht bewehrte Auferstehung Jesu desto mehr für eine Erfindung gehalten haben, weil die Bestätigung derselben durch die Wiederkunft von Himmel, über 40, 50 Generationen oder Menschenleben, ins unendliche hinausgesetzt würde.

Tendenz steigend
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Juli 2013 12:38
Im Zeitspiegel
Gelesen in einem dick aufgetragenen PR-Artikel

www.fr-online.de/frankfurt/eintracht-stadion--tausende-zeugen-jehovas--im-waldstadion-,1472798,23718088.html

„Allein in Frankfurt gibt es zehn deutschsprachige und 20 fremdsprachige Gemeinden"

Einerseits ist diese Detailangabe, als durchaus aufschlußreich zu bezeichnen.
Soweit ist es also schon, das in regionalen Bereichen, die fremdsprachigen Versammlungen der Zeugen Jehovas dominieren.
Und es kann prognostiziert werden. Dieser Trend wird sich weiter verstärken.
Zufall - oder gelenkter "Zufall"?
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 16. Juli 2013 04:24
Im Zeitspiegel
Durch einen tatsächlichen Zufall registriert.
Auch die Berliner Staatsbibliothek bekam das Buch „Geschichte der Zeugen Jehovas. Mit Schwerpunkt der deutschen Geschichte" zugestellt. Nach der Bibliotheks-üblichen Einarbeitungszeit für neu eingegangene Bücher ist es dann im Katalog jener Bibliothek (dem sogenannten Stabikat, welcher auch vom Internet aus nutzbar ist) dann eingetragen worden. Dieser Eintrag besteht bis zur Gegenwart.

Für angemeldete Nutzer, die Bestellungen auch auf dem Online-Wege aufgeben können, gibt es im Stabikat noch einen Unterlink:
"Verfügbarkeit anzeigen / bestellen",
Dieser Link hat dergestalt schon mal seinen Sinn, als ja die Option bestehen könnte, ein Buch sei gerade ausgeliehen. Oder namentlich Bücher vor 1945 betreffend, die zwar weiterhin im Katalog verzeichnet sind, wo aber in keineswegs geringen Fällen, auch die Gefahr besteht, zur Kategorie der Kriegsverluste zu gehören.

Ein Teil jener Kriegsverluste ist zwar inzwischen durch Ersatzexemplare gelöst, aber keinesfalls in „allen" Fällen dieses Bereiches.
Durch eingangs genannten Zufall wurde nun im Jahre 2013 registriert, dass der genannte Link "Verfügbarkeit anzeigen / bestellen" das Auskunftsergebnis zeitigte das Buch sei am 17.01.2007 aus dem Bestand ausgeschieden.

Auch für solche Konstellationen mag es ja durchaus nachvollziehbare Gründe geben. Indes im Falle der Berliner Stabi wohl eher weniger, dieweil sie mit zu den größten wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland gehört. Mögen kleinere Bibliotheken - meistens aus Platzgründen - einige „ältere" Bücher wieder aussortieren, so gilt solcherlei Politik wohl kaum für die großen wissenschaftlichen Bibliotheken. Deren Politik besagt eher „Bestandswahrung".

Eine Anfrage bezüglich vorgenannten eher unerwarteten Resultates ergab nun das Ergebnis.
Das Buch sei nach wie vor an seinem Standort im Magazin vorhanden.
Insoweit kann unterstellt werden, die Angabe „Aus dem Bestand ausgeschieden", war zu keinem Zeitpunkt Realität.

Nun kann man sich mit der Erklärung zufrieden geben, da müße wohl ein Fehler im Ausleihsystem vorgelegen haben. Kann man, vielleicht.
Wer das nicht kann (und zu denjenigen rechne ich mich in dem Falle), der sehe sich mal den Fall einer anderen wissenschaftlichen Bibliothek in Berlin (der Amerika Gedenk-Bibliothek) an, über die im
Forumsarchiv A146 berichtet wurde.
Dort ziemlich am Textende der Eintrag 12. Dezember 2005 06:45:57
„Holzwurm im Gebälk"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 19. Juli 2013 00:44
Im Zeitspiegel

Holzwurm im Gebälk
Mit diesem Detailsatz beschrieb ein sein acht Jahre lang währendes „Straflager" bei den Zeugen Jehovas beschreibender Verfasser auch sein Martyrium.
Das ganze war publiziert in der von 1950 - 1964 erschienenen Zeitschrift:
„St. Katharinen-Bote : Mitteilungsbl. d. Ev. Luth. St. Katharinengemeinde zu Frankfurt am Main"
Nachstehend wird daraus aus der Ausgabe vom 1. 8. 1960 zitiert. Zu einigen geschilderten Details muß hinzugefügt werden, sie stellen den Stand in der Bundesrepublik Ende der 1950er Jahre dar. Auf einen weiteren Kommentar mag dann ja verzichtet werden. Der Bericht spricht sicherlich für sich selbst
(geringfügig gekürzt an diesem Ort):


Wenn einer von den Zeugen Jehovas für ihren Glauben gewonnen wurde, hat er dies durch die Wassertaufe zu bestätigen. Von nun an hat er strikte Anweisungen dieser theokratischen Organisation zu befolgen. Denn der Zeuge Jehovas darf nur noch "den Willen Jehovas tun". Da sich die leitende Körperschaft der "Wachtturmgesellschaft", sich "Neue-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas" genannt, als den treuen und klugen Knecht ausgibt, den der Herr über sein Gesinde gesetzt hat, beansprucht die Leitung der Zeugen vollkommene Unterordnung, da sie ja angeblich durch den Geist Jehovas geleitet wird.
Jedes Glied der Gemeinschaft hat sich als Prediger zu betätigen. Es hat für die Organisation die Zeitschriften "Der Wachtturm" und "Erwachet" zu vertreiben. Es muß Abonnenten von Haus zu Haus suchen und außerdem Bücher und Broschüren für die Wachtturmgesellschaft umsetzen. Will nun ein Ehegatte nicht, daß sich der andere als Hausierer betätigt, dann muß dieser Gott mehr gehorchen denn den Menschen. Das heißt in Wirklichkeit, er muß den Willen derjenigen tun, die diese Zeitschriften, Bücher, Broschüren usw. drucken lassen und kostenlos vertrieben wissen wollen. Hier treten also die ersten Eheschwierigkeiten auf. Ein Verkünder darf aber auch nicht die Versammlungen versäumen.
Montags abends hat er im Königreichssaal zu erscheinen, um mit seinen Glaubensbrüdern den „Wachtturm" zu studieren, den der "treue und kluge Knecht" herausgibt. Da der Gläubige auch für seine Kinder verantwortlich ist, hat er die Kinder mit zu den Versammlungen zu bringen. Man sieht dort abends nicht nur Kleinkinder, selbst das Mitbringen von Kinderwagen ist keine Seltenheit.
Am Dienstagabend muß der Zeuge Jehovas Nachbesuche bei solchen Menschen machen, die am Sonntagvormittag beim Haus-zu-Haus-Gehen Literatur abgenommen haben. Anschließend muß sich der Zeuge dann auf das Buch vorbereiten, das am Mittwochabend beim Versammlungsbuchstudium durchgenommen wird. Eine Stunde vor dem Studium hat der Verkündiger abermals von Haus zu Haus zu gehen.
Der Donnerstagabend wird für die Vorbereitung auf die Dienstversammlung benutzt, die am Freitagabend stattfindet. Damit
studiert man den Tagestext, einen Artikel über die Dienstamtsschule,
das Informationsblatt "Der Königreichsdienst", und man muß auf alle Fragen Antwort geben können, will man nicht als Unreifer angesehen werden. Auch bei "Menschen guten Willens", d. h. Solchen, die für die Zeugen Jehovas gewonnen werden können, werden Donnerstagabend noch Heimbibelstunden gehalten. Nach der Dienstversammlung am Freitag hat sich der Zeuge Jehovas am Sonnabendnachmittag mit dem "Wachtturm" auf die Straße zu stellen.
Abends bereitet er sich auf Demonstrationen, Ansprachen oder Nachbesuche vor. Der Sonntag ist für die Predigt da, nachmittags finden oft noch Vorträge statt. So geht das Leben bei den Zeugen Jehovas seinen Weg.
Nebenbei hat der Mann seinem Beruf nachzugehen und die Frau für die Familie zu sorgen.
Aber er darf sich doch wenigstens im Urlaub erholen? — Der Zeuge Jehovas hat jährlich zwei Kreisversammlungen sowie eine Bezirksversammlung zu besuchen. Dafür legt er jeden Pfennig zurück; denn er muß für die Reise zu den drei Kongressen zahlen und für Unterkunft und Verpflegung aufkommen.
Die Kinder sollen natürlich mit dabei sein und möglichst auch der Ehepartner, falls er nicht sowieso schon zu den Zeugen Jehovas gehört.

Es mag wohl möglich sein, daß Menschen verschiedenen Glaubens und verschiedener Konfession dennoch eine gute Ehe führen, weil immer noch Gemeinsames da ist, was sie bindet.

Wird aber ein Ehegatte von den Zeugen Jehovas bekehrt, dann zieht der Holzwurm mit in das Gebälk der Ehe.
Die Eheleute haben füreinander keine Zeit mehr. Die Gelder, die man sonst für die Erholung ausgibt, wandern anderen Zwecken zu. Auch von den Nachbarn, Freunden, Geschwistern, ja von den eigenen Eltern ist man bald isoliert, da diese ja "Weltmenschen" sind, mit denen man keinen Umgang hat.

Acht Jahre lang bin ich Zeuge Jehovas gewesen. Meine Ehe ging so lange gut, bis ich des Zeugendienstes müde wurde, weil ich meinte, daß ich Raubbau an meiner Gesundheit trieb. Aber damit war mein Eheleben zu Ende.

Eine Frau könne ihren Mann nicht lieb haben, der nicht mehr die Versammlungen besucht, wurde mir von einem Kreisdiener gesagt. Mein durch Einschreiben erklärter Austritt aus der Gemeinschaft wurde mit einem Ausschluß beantwortet, das heißt, kein Zeuge Jehovas darf mehr mit mir sprechen, will er nicht selber ausgeschlossen werden, nicht mal einen Gruß erweisen ja er muß den Ausgeschlossenen verachten.

Da meine Frau und meine Kinder Zeugen Jehovas geblieben sind, wird man sich wohl vorstellen können, wie es jetzt in unserer Familie aussieht.
Ich muß in einem Zimmer unserer Wohnung leben. Ich werde verachtet und kann trotzdem nicht die Scheidung beantragen, weil eine Scheidung unbiblisch ist. Meine Frau darf sich nicht scheiden lassen und muß trotzdem von mir getrennt leben.
Ich aber möchte meine Frau wiedergewinnen und meinen Kindern das Elternhaus erhalten. Wird das wirklich möglich sein?
Siehe (unter anderem) auch den in der Zeitschrift „Rheinischer Merkur / Christ und Welt" vom 17. 2. 1989 publizierten Bericht.
Dort noch hinzugefügt, einige weitere thematische Ergänzungen.

Re ,,Holzwurm ... " Von 8 Männern hängt geistige Gesundheit ab
geschrieben von:  X ~ mysnip
Datum: 20. August 2013 19:30

Drahbeck
Im Zeitspiegel
Mit diesem Detailsatz beschrieb ein sein acht Jahre lang währendes „Straflager" bei den Zeugen Jehovas beschreibender Verfasser auch sein Martyrium.
Das ganze war publiziert in der von 1950 - 1964 erschienenen Zeitschrift:
„St. Katharinen-Bote : Mitteilungsbl. d. Ev. Luth. St. Katharinengemeinde zu Frankfurt am Main"
Nachstehend wird daraus aus der Ausgabe vom 1. 8. 1960 zitiert. Zu einigen geschilderten Details muß hinzugefügt werden, sie stellen den Stand in der Bundesrepublik Ende der 1950er Jahre dar. Auf einen weiteren Kommentar mag dann ja verzichtet werden. Der Bericht spricht sicherlich für sich selbst (geringfügig gekürzt an diesem Ort):
...

Da sich die leitende Körperschaft ... als den treuen und klugen Knecht ausgibt, den der Herr über sein Gesinde gesetzt hat, beansprucht die Leitung der Zeugen vollkommene Unterordnung, da sie ja angeblich durch den Geist Jehovas geleitet wird.

WACHTTURM 15. Juli 2013 S. 20
Dieser treue und verständige Sklave ist das Organ, durch das Jesus seine echten Nachfolger ... versorgt.
Warum ist es so außerordentlich wichtig, dass wir diesen treuen Sklaven ... anerkennen?
Weil von diesem Organ unsere geistige Gesundheit ... abhängt.

alles nur geistig Kranke ?
geschrieben von:  der einzig wahre Bauer
Datum: 21. August 2013 09:03
wer nicht schon geistig krank war, der wird spätestens durch die Ergüsse des tuvS geistig krank.

Nicht anders ist es zu sehen, wenn jemand glaubt, dass der treue und verständige Sklave gute geistige Speise anbietet.

Dieser treue und verständige Sklave ist das Organ, durch das Jesus seine echten Nachfolger ... versorgt.

???? Womit werden die Nachfolger versorgt ?????

Redaktioneller Nachtrag:
Siehe auch

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,171341,171341#msg-171341

Re: Re ,,Holzwurm ... " Von 8 Männern hängt geistige Gesundheit ab
geschrieben von:  offthehook
Datum: 21. August 2013 09:57
Der Witz des Jahrhunderts...
Re: nur geistig
geschrieben von:  X ~ mysnip
Datum: 24. August 2013 12:26

der einzig wahre Bauer

Dieser treue und verständige Sklave ist das Organ, durch das Jesus seine echten Nachfolger ... versorgt.

???? Womit werden die Nachfolger versorgt ?????

Mit Nachrichten:
2008

WACHTTURM 1. 8., S. 6-8
Schon bald wird Gottes Königreich ... über die Erde regieren.

1925

DAS VOLLENDETE GEHEIMNIS, S. 261
das Königreich, das bald auf der ganzen Erde errichtet werden soll

Mit Nachrichten ....
geschrieben von:  der einzig wahre Bauer
Datum: 24. August 2013 22:30
.... jetzt ist mir klar, dass es immer neue "Verkündungen" gibt.

Nachrichten haben eine schnelle Verfalllszeit - sind nur kurzfristig aktuell.

Verstehe ich das richtig? Jehovas Zeugen, sprich der treue und verständige Skalve ist Gottes Nachrichtensender?

... und die 8 Männer sind das Omen und Orakel Gottes?

Wie bekommen diese 8 Männer die Nachrichten Gottes?

Durch Stimmen und Erscheinungen von Geistwesen, Bewegungen von Gegenständen (z.B. Gläsern), Kaffeesatz lesen, Träume oder menschlich kaum erklärbaren Ereignisse?

Und wenn dies 8 Männer nun nicht mit Gott Kontakt haben? Sondern mit dem Satan? Der sich für Gott ausgibt? ... kennen wir doch von Adam und Eva.. Die Schlange...

Ich glaube fest, dass diese 8 Männer wohl eher mit dem Teufel Kontakt haben. Beweisen können diese 8 Männer es sicherlich nicht, dass sie mit Gott oder Jesus in Kontakt stehen. Zwar behaupten, aber nicht beweisen.

Und frei nach Jesu Worten: "An ihren Taten wird man sie erkennen" ist eigentlich klar, dass die chamäleonartig sich immer verändernden Lehren des treuen und verständigen Sklaven, sprich Nachrichten, nur vom Teufel kommen können.

Der Teufel ist nämlich eine große Niete.

Und die Lehren und immer wiederkehrenden Endzeitlehren von baldigen Ende, sind eine einzige ganz, ganz große Seifenblase.
Re: Mit Nachrichten ....
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 24. August 2013 23:12

der einzig wahre Bauer
...
Und die Lehren und immer wiederkehrenden Endzeitlehren von baldigen Ende, sind eine einzige ganz, ganz große Seifenblase.

Entnommen aus MIZ 4/91

Re: Hauptnachricht - "bald"
geschrieben von:  X ~ mysnip
Datum: 28. August 2013 19:07

der einzig wahre Bauer
.... jetzt ist mir klar, dass es immer neue "Verkündungen" gibt.
Nachrichten haben eine schnelle Verfalllszeit - sind nur kurzfristig aktuell.

Die Hauptnachricht der WTG bleibt aber daueraktuell. Sogar über Jahrhunderte hinweg.

der einzig wahre Bauer
Und wenn dies 8 Männer nun nicht mit Gott Kontakt haben?

Mit der Geschichte der WTG verbindet man allgemein die Daten 1914, 1925, 1975. Konkrete Zahlenangaben, wenn auch ohne Erfüllung.
Heute verkündet der "Sklave" nur noch schwammig "bald".

Gelesen in: DAS VOLLENDETE GEHEIMNIS S. 164
Satan ist ein fleißiger Durchforscher von Zeitprophezeiungen ... da er aber nicht den Heiligen Geist besitzt, so ist er nicht imstande, zu genauen Schlußfolgerungen zu kommen.

Re: Hauptnachricht - "bald"
geschrieben von:  der einzig wahre Bauer
Datum: 29. August 2013 00:12
die acht Männlein verkünden dann offenbar gar keine NACHRICHTEN

die palavern heute das was sie gestern sagten, vorgestern und vorvorgestern, ...

statt des Satans würde ich die acht Greise annehmen:
die acht Männer, die als "der treue und verständige Sklaven" bei Jehovas Zeugen angesehen werden, sind fleißige Durchforscher von Zeitprophezeiungen ... da die acht Männer aber nicht den Heiligen Geist besitzen und nur behaupten von Gott geleitet zu werden, so sind sie nicht imstande, zu genauen Schlußfolgerungen zu kommen.

und ich denke, mit dieser Abwandlung des Wachtturmtextes, mehr an der WAHRHEIT zu sein als der Wachtturm.

Und was ist das für ein Schwanchsinn? Etwas für Schwachmaten? Womöglich?

Der Satan ist doch wohl sicherlich nicht darauf angewiesen die Bibel nach Zeitprophezeiungen zu durchforsten, das machen doch nur die Bibeldeuter aus dem Wachtturmverlag. Der Satan, wenn es ihn denn gäbe, der wüsste aus eigenem Miterleben der Zeitabläufe, wann, wem, welche Stunde geschlagen hat. Laut der Bibel hatte er ja auch Zugang zum Himmel und sprach direkt mit Gott. Siehe Bibelbuch Hiob. Es ist halt schon blöd, wenn die Leute vom treuen und verständigen Sklaven offenbar nicht denken können. Bei Jehovas Zeugen und ihren Wachtturmergüssen möchte man inständig zu Gott beten: "Lieber Gott, schmeiß Hirn vom Himmel und geb es den Deinen!".
Ist aber hoffungslos und darum spare ich es mir ;)

Bei Gerit Lösch, einen von denen mit dem besonderen Draht nach oben, denke ich dabei unweigerlich an die Geschichte von "Ritas Ausschluss".
Re: Hauptnachricht - "bald"
geschrieben von:  offthehook
Datum: 29. August 2013 10:51
Zu Gerrit Lösch könnte vielleicht Gerd etwas sagen...
Re: Re Von 8 Männern hängt geistige Gesundheit ab
geschrieben von:  X ~ mysnip
Datum: 03. Oktober 2013 18:01

WACHTTURM 15. Juli 2013 S. 20
Warum ist es so außerordentlich wichtig, dass wir diesen treuen Sklaven ... anerkennen?
Weil von diesem Organ unsere geistige Gesundheit ... abhängt.

Diese 8 Männer glauben in den Himmel zu kommen.

WACHTTURM 15. August 2011 S. 22
Es gibt eine Reihe von Fakten - zum Beispiel ... psychische und emotionale Schwankungen -, die jemand zu dem falschen Schluss führen könnten, er sei zum Leben im Himmel berufen.

Die Farce der evangelischen Kirchenwahlen
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 24. Juli 2013 02:08
Im Zeitspiegel
Die katholische Kirche ist nun im Naziregime gleichgeschaltet. Da war aber noch der in „25 bis 30 regionale Strukturen" zersplitterte Protestantismus.
In dem gab es zwar schon die auf volle Nazilinie segelnden „Deutschen Christen". Es gab aber auch noch den Umstand von Kirchenwahlen. Zwar hatte der Hitlerstellvertreter Heß, es allen Nazis welche der Evangelischen Kirche angehörten, bereits zur Pflicht erklärt, selbstredend die „Deutschen Christen" zu wählen.
Indes ganz sicher waren sich die Nazis wohl nicht, ob diese Wahlen tatsächlich so ausgehen würden, wie es ihre eigene Regie vorsah.
Und so griff denn der „Katholik" Hitler höchstpersönlich via einer Rundfunkansprache, in der Geschehen der evangelischen Kirchenwahlen ein.
Seine Botschaft war deutlich. Bitte schön nur die „Deutschen Christen" sollen gewählt werden.
Den Text jener Hitlerrede druckt die „Freiburger Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 24. 7. 1933 ab.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=24a1&year=1933&month=07&project=3&anzahl=4
Rubrik „Abstellgleis"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. Juli 2013 15:19
Im Zeitspiegel
Vielerlei Experimente waren seitens des Springer-Verlages zu beobachten. Meine Wertung bezieht sich nur auf die Region Berlin.
Das mit regionalem Outfit ausgestattete Blatt „Berliner Morgenpost" fand sich eine Zeitlang namentlich in einer gekürzten Wochenendausgabe, unter den Plagegeistern der „Briefkastenverstopfer", selbstredend unbestellt.
Der Wunsch als Vater des Gedankens dabei. Na vielleicht wird da aus einigen der ungebetenen Empfänger, gar noch ein zahlender Abonnent. Ich kann zwar nur vermuten, indes mein „Bauchgefühl" sagt mir, dieses Kalkül dürfte wohl nicht aufgegangen sein. Und wenn ich den Umstand in Betracht ziehe, ich bin ja weiterhin Abonnent einer der klassischen Printzeitungen (der „Berliner Zeitung"), das deren engagierter Zeitungsausträger, in einem Mehrgeschossigen Haus, wohl nur noch meine Person als „letzten der Mohahikaner" zu beliefern hat, dann scheint mir das auch zu bestätigen, dass jenes Kalkül mit den Werbenummern der „Berliner Morgenpost", eben nicht aufgegangen ist.
Relativ erleichtert habe ich vor einiger Zeit registriert, die Briefkastenverstopfung mit der „Berliner Morgenpost", hörte dann eines Tages wundersamer Weise auf.
Mit einer Pause dann, nach einem größeren Zeitraum, gab es dann noch einen Nachschlag, in Form einer einzelnen Komplett-Ausgabe: Die war aber so konzipiert, dass sie in Sonderheit dazu animieren sollte, nun ein elektronisches Abonnement abzuschließen. Quasi dann jenes Blatt sich per Internet als Komplett-Ausgabe herunterladen zu können. Was denn andere bezüglich dieses Angebotes getan oder nicht getan haben, weis ich nicht. Nur das eine weis ich, meinerseits gab es keinerlei Nutzung dieses Angebotes, und das gilt auch für die überschaubare Zukunft.
Ein anderes Magazin, sowohl in Printform als auch im Internet verfügbar, kommentierte jetzt zum Verkauf eines größeren Zeitungspaketes, dem Springer-Konzern dürfte mittlerweile der Glaube abhanden gekommen sein, mit konventionellen Zeitungen noch sonderlich viel Geld verdienen zu können. Daher seine Sommerschlussverkaufs-Aktion.
Dieser Einschätzung dürfte wohl berechtigt sein.
Der digitale Wandel des Internets zeitigt seine Kosten.
Namentlich der Springer-Konzern war dann auch einer der größten Einpeitscher des umstrittenen Leistungsschutzrechtes. Selbiges ab nächsten Monat - also in wenigen Tagen - in Kraft tretend.
Offenbar ist den Herren des Springer-Konzern auch dabei inzwischen der Glaube abhanden gekommen, über diesen Wege noch an die erhofften großen „goldenen Berge" herankommen zu können.
So ändern sich die Zeiten.
Pferdekutschen als Massenverkehrsmittel pflegen hierzulande auch nicht mehr Usus zu sein.
Und Filmtheater als Massenerscheinung (außer ein paar auf Spezialitäten ausgerichtete) ebenfalls nicht.
Wer nun hofft, diese Entwicklung würde um jenen Bereich einen großen Bogen machen, der einst von Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks, eingeleitet worden war, darf wohl mittlerweile auch diese Hoffnung der Rubrik „Abstellgleis" zuordnen.

Siehe auch den „Platzhirsch" Amazon.de
Der fing mit nur Bücherverkauf an. Heute sind selbige dort schon der Rubrik „unter ferner liefen" zugeordnet. Dafür aber diverse weitere Sachen im Angebot, welche früher andere Versandhändler bestritten (etwa die nicht mehr bestehenden „Quelle" und „Neckermann). Die Beispiele ließen sich noch verlängern.
Reverenz-Erweisung für die Dummheitsverkäufer
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 26. Juli 2013 00:05
Im Zeitspiegel
Unter Anwesenheit des Vizekanzlers Franz von Papen, wie der Bericht der „Freiburger Zeitung" vom 25. 7. 1933 ausdrücklich erwähnt, wurde in Trier das 1933er Spektakulum der Ausstellung des famosen „heiligen Rockes" im Dom zu Trier, eröffnet.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=25a1&year=1933&month=07&project=3&anzahl=4
Mülheim (Ruhr)
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. Juli 2013 01:43
Im Zeitspiegel
Mülheim (Ruhr)

„Eine besondere Bedeutung als Gründungsort hat die Stadt Mülheim (Ruhr) für einen pfingstlerisch geprägten Freikirchenverband: Der 1905 gegründete Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden führte Anfang des 20. Jahrhunderts von Mülheim aus zu einer großen nationalen Erweckung, in dessen Zuge sich die Christus Gemeinde Mülheim als erste Pfingstkirche in Deutschland gründete."

(Zitat der Wikipedia entnommen)

Dortselbst auch noch dieses Zitat:

„Aus den letzten freien Reichstagswahlen ging die NSDAP am 6. November 1932 in Mülheim mit 28,3 % der Stimmen als stärkste Partei hervor. Im Vergleich lag die Wählerzustimmung zum Nationalsozialismus in Mülheim damit unter dem deutschlandweiten Gesamtergebnis von 33,1 %. Ähnlich wie in anderen Städten des Ruhrgebiets wurde die NSDAP zwar stärkste Partei, aber die KPD mit 24,27 % und SPD mit 13,53 % erzielten mit 37,81 % gemeinsam mehr Stimmen. Dennoch brach in Mülheim Begeisterung über die Einsetzung Adolf Hitlers als Reichskanzler aus und die Bevölkerung feierte dies mit einem Fackelzug."

„Dennoch brach Begeisterung aus ..." Diesen Detailsatz nochmals wiederholt.
Auch der Aspekt als Gründungsstätte der euphorischen Pfingstgemeinden nicht zu vergessen.
Läßt man die bei den Zeugen Jehovas besonders ausgeprägte (de facto auf freiwilligem Zwang basierende) Klinkenputzertätigkeit außer Betracht, die es andernorts in dieser fest organisierten Form wohl so nicht gibt, werden Sachkenner zwischen Pfingstlern und Zeugen Jehovas durchaus bedeutende Schnittmengen ideologischer Art registrieren. Vielleicht etwas weniger äußere Euphorieformen betreffend (welche Domäne der Pfingstler sind), dafür schon mal etwas mehr, etwa eschatologische Aspekte betreffend.

Eine abgekühlte Variante von Begeisterung, konnte man im Jahre 1953 in einem Zeitschriftenaufsatz „bewundern", dessen Verfasser, seinen Wohnort gleichfalls mit Mülheim (Ruhr) angab.
(Walter Sänger über die Zeugen Jehovas in: „Der evangelische Religionslehrer an der Berufsschule" Juli/August 1953)
Herr Sänger läßt sein dortiges Statement auch mit den Sätzen ausklingen:

„Ich muß dann immer denken: Was wäre das für ne Sache, wenn jeder evangelische Mensch soviel Überzeugung seines Glaubens hätte, soviel Mut zum Bekenntnis ... soviel Zeit für die Sache Gottes und der Kirche, wie die Ernsten Bibelforscher. ... meine ich, könnten wir von den Zeugen Jehovas einiges lernen. Eben das, was so vielen bei uns in unserer evangelischen Landeskirche fehlt: Gewißheit des Glaubens und Bekennen des Glaubens."

Herr Sänger stimmt damit wieder mal, das altbekannte Klagelied auf seine Weise an:
„Hätte der Hund nicht gesch... hätte er doch den Hasen gekriegt. Nun hat aber der Hund gesch... und den Hasen eben nicht gekriegt."
Er beklagt also das fehlen von Euphorie in seinem Brotverein.
Um welchen Preis indes diese Euphorie nur erhältlich ist, darüber schon wieder schweigt des „Sängers Höflichkeit".

Er hat wohl nicht zu unrecht für sich das Resume gezogen, sein Brotverein ist eigentlich mehr oder weniger ein halb säkularisierer Haufen. Geschichtlich bedingt, etwa Stichwort Kirchensteuer, fristet dieser Brotverein noch sein eher mechanisches Leben.

Er träumt auf seine Weise, die Verhältnisse eines Tertullian sollten es dann „bringen".
Mysnip.16741

Er vergißt nur sich auch darüber Rechenschaft abzulegen.
Kommt es tatsächlich zu Tertullianischen Verhältnissen, ob denn sein Brotverein, für ihn auch noch nicht blos Verein, sondern eben Brotverein sein kann, ist keineswegs „ausgemachte Sache".

Herr Sänger präsentiert damit den Typus des „Wechselhaften" von dem einleitend schon die Rede war. Gestern linksorientiert, und wie es dann für die Nazis soweit war, die Futterkrippe ergattert zu haben, dann ebenso diesen neuen Herren zujubelnd.

Das Votum von Herrn Sänger ist exemplarisch und abschreckend zugleich!

SA Jesu Christi
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 30. Juli 2013 00:48
Im Zeitspiegel
Gelesen in der Juli-Ausgabe 1933 der Zeitschrift "Wort und Tat". Herausgeber letzterer die Apologetische Centrale der Evangelischen Kirche.
Letztere vermeldet, dass in der Kulturpolitischen Abteilung, des inzwischen - auch mit kirchlichem Wohlwollen - verbotenen Deutschen Freidenkerbandes

"sich heute eine Beratungsstelle für Wiedereintretende in die Kirche (befinde), die unter Leitung des Berliner Sozialpfarrers Themel steht."

Man vergleiche zu letzterem unter anderem:
www.zeit.de/2001/44/Fuer_Gott_Volk_Blut_und_Rasse

In derselben Ausgabe von "Wort und Tat" kann man beispielsweise auch diese "markigen Sätze" lesen:

"Verfügung, Berlin W 8, den 24. Juni 1933, Unter den Linden 4.
Hiermit beurlaube ich vom heutigen Tage, die Herren Pfarrer D. Jeep, Lic. Künneth, Pfarrer Koller und Dr. med. Harmsen vom Central-Ausschuß für innere Mission. Ich ernenne die Herren Sozialpfarrer Themel und Pfarrer Schirmacher zu kommissarischen Bevollmächtigten für den Central-Ausschuß für Innere Mission und die ihn angeschlossenen Verbände und Anstalten.
gez. Jäger als Kommissar für sämtliche evangelischen Landeskirchen Preußens,
gez. Ludwig Müller, als Bevollmächtigter des Reichskanzlers für die Angelegenheiten der evang. Kirche"

Und weiter im Begründungstext dieser doch wohl eher ungewöhnlich erscheinenden Maßnahme, auch dieses:

"Die Deutschen Christen sind die SA Jesu Christi im Kampf zur Vernichtung der leiblichen, sozialen und geistlichen Not. ... Wie die nationalsozialistische Freiheitsbewegung die Keimzelle eines neuen Volkes ist und zu dem Ziel marschiert: "Es muß deutsches Volk werden" so sind die Deutschen Christen gerufen, Keimzelle der neuen deutschen evangelischen Kirche zu sein, und sie marschieren zu dem Ziel: "Es muß Kirche werden."

Was die namentlich genannten Geschassten anbelangt, so waren die wohl jener "SA Jesu Christi" nicht tiefbraun genug. Politisch braun waren sie zwar auch, nur befand die "SA Jesu Christi" nicht tiefbraun genug, und suchte nun mit ihren SA-Methoden "nachzuhelfen"!
Sofern es denn tatsächlich Wiedereintretende in besagte Kirche gegeben hat, hätten die - sofern sie denn "Wort und Tat" gelesen hätten (eher unwahrscheinlich), schon einen Vorabgeschmack bekommen können, in was sie denn da wieder eintraten. In eine "S(chutz) A(bteilung) der NSDAP."
In der August-Ausgabe 1933 teilt „Wort und Tat" dann mit, die vorzitierte Anordnung sei wieder zurück gezogen worden. Das wiederum darf primär dem Aspekt der Kosmetik zugeordnet werden. Der jetzt künstlich inszenierte vermeintliche „Burgfrieden", sollte sich je länger, je mehr als brüchig erweisen.

Verleumdung nach NAK-Art ...
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. August 2013 00:02
Im Zeitspiegel
Eine Webseite mit der URL
apostolische-geschichte.de/wiki/index.php?title=Heinz-Peter_Tjaden
behauptet

„2008 wurde er (Tjaden) wegen der Verbreitung falscher Tatsachen über die Zeugen Jehovas auf Unterlassung verklagt und rechtskräftig verurteilt"

Da Herr Tjaden zu dieser verkürzten Darstellungsform, die wesentliche Aspekte nicht mit anspricht, selbst Stellung genommen hat, sei auch noch aus seinem Antwort-Votum vorgenannten Aspekt betreffend, nachfolgendes zitiert:
zeugenjehovas.blogspot.de/2013/07/betr-apwiki.html

„Betr. ApWiKi
Verleumdung nach NAK-Art ...
Auch andere Gerichtsbeschlüsse werden geradezu mit Genuss aufgezählt. Wirksam wird diese Aufzählung jedoch erst, wenn man das Ende verschweigt. Stimmt. Die Zeugen Jehovas haben mich 2008 vor das Hamburger Landgericht gezerrt. Das ist vielen so gegangen. Nach dem Verfahren habe ich jedoch den Anwalt der Zeugen Jehovas vor weiteren Schritten gewarnt, so dass er sogar auf sein Honorar verzichtete. Der Versuch, mein blog zeugenjehovas.blogspot.com verbieten zu lassen, scheiterte anschließend. ..."

Aus dem weiteren Votum von Herrn Tjaden sei dann noch der Satz zitiert:

„Offenbar darf man auf den Seiten von Mathias Eberle (30 Jahre alt, neuapostolisch, Vater NAK-"Bischof") zusammenschreiben, was man will."

Zu weitergehenden Infos vorgenannten Fall betreffend kann man auch vergleichen
Eheprobleme
Dort der
Exkurs: Der Justizfall Heinz-Peter Tjaden (Zusammenfassung der Postings).

Im Zeitspiegel
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 03. August 2013 06:02

Österreich und weiteres
„Alles drängt nach den Futtertrögen
mittlerweile 3,8 Milliarden Euro im Jahr"
und
„Sobald es unangenehm wird für die Religionen, pfeift man eben gemeinsam auf das Gesetz."

Das alles in einem Kommentar des „Humanistischen Pressedienst", selbiger in seinem Selbstverständnis eine Art „Flaggschiff" der säkularen Szene.
Mittlerweile auch die Option der Werbefinanzierung entdeckt habend und extensiv einsetzend.

http://hpd.de/node/16544

Und wer hätte das gedacht, sogar die Siebenten-Tags-Adventisten, letztere doch wohl nicht atheistisch orientiert, fanden diesen Kommentar so interessant, um ihn auf einer ihrer eigenen Plattformen zu dublizieren

http://www.stanet.ch/APD/news/3688.html

In einem längeren Interview stellt der hpd auch den Politologen Manfred Isemeyer vor, der es zum Vorsitzenden der „Dienstleistungs-Firma Humanistischer Verband" brachte.
Einige interessante Aspekte daraus.
Zu Weimarer Republikzeiten hatten damalige Freidenkerkreise schon entdeckt, „ohne Moos sei nichts los". Ihr damaliges „Patentrezept" dann gründen wir halt eine Geschäftsfirma die zunehmend den Freidenker-Impetus in den Hintergrund drängte, die Feuerbestattung. Sogar die Nazis kamen nicht umhin, obwohl sie die Freidenker als solches verboten, diesen Geschäftszweig weiter bestehen zu lassen.

Nach 1945 stellte sich erneut die Frage, des Vermögens dieser Art von Organisation. Und zur Ernüchterung einiger wurde Gerichtlicherseit befunden, eine heutzutage bestehende „Ideal"-Versicherung, könne sich jenes Vermögen einkrallen, nicht aber Freidenkerkreise.

„Law und Order-Mann"-Henkel kommt in jenem Interview auch mit vor „Law und Order-Mann" Henkel, ist Besitzer eines CDU-Parteibuches. Und da Herr Wowereit von der CSPD mit den „Grünen" nicht konnte (oder auch umgekehrt die „Grünen" nicht mit Wowereit), dann letztendlich zum „Sozius" von Wowereit in Berlin aufgestiegen.
„Law und Order Mann" Henkel entdeckte dann auch die Stasi-Totschlagkeule. Sein Opfer das es diesbezüglich zu treffen galt, der auch mal Funktionär des „Humanistischen Verbandes" Bruno Osuch, dessen Fall auch hier kommentiert wurde.

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,25549,25549#msg-25549

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,47515,47515#msg-47515
(und Nachfolgepostings)
Zusammengefasst auch in
Forumsarchiv319.htm

„Law und Order-Mann" Henkel indes befand, das ganze mache aber (für ihn) nur dann „Spass", könne man die Verleumdungen des Herrn Osuch zugleich in finanzielle Münze umsetzen. Ergo den staatlichen Geldhahn für den „Humanistischen Verband" zudrehen. Pech für besagten „Law und Order-Mann", das klappte aber nicht so, wie in seiner Regie vorgesehen.
a) weil Osuch sich erfolgreich wehren konnte,
b) weil auch die Kirchen sagten, das Thema der staatlichen Finanzierung wollen sie mal lieber nicht thematisiert sehen. Den letztendlich hätten die Kirchen da wohl weitaus mehr zu verlieren. Ergo „gönnen" sie halb gezwungen auch dem „Humanistischen Verband" sein Mitnaschen an der staatlichen Futterkrippe.

http://hpd.de/node/16545

Man sieht es den erschreckten Augen an
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 10. August 2013 02:05
Im Zeitspiegel
Man sieht es den erschreckten Augen an
Wie im Trickfilm

„Alles Friede, Freude, Eierkuchen", das wieder mal das unausgesprochene Motto in der Berichterstattung, einer großen überregionalen Tageszeitung, mit Sitz in München.
Äußerer Anlass dass 1973er Kongreßspektakel der Zeugen Jehovas in München.
Und so erfährt denn der geneigte Leser in jenem Blatt, in dessen Ausgabe vom 1. 8. 1973:
„Alle drei Sekunden geht ein Essen raus", zubereitet in 100 Kochkesseln von 25 Meisterköchen und über 3000 Helfern, die sich dem Dienst am Nächsten verschrieben haben. Gespült wird das Geschirr für die nächste Essenausgabe in eigens (von Ingenieuren aus den Reihen der Zeugen Jehovas) konstruierten Spülmaschen (alles keimfrei") ..."

Eine in Frankfurt/M ihren Sitz habende überregionale Zeitung, welche in ihrer Ausgabe vom 4. 8. 1973 auch über den Müchner ZJ-Kongress berichtete, notierte unter anderem die zu beobachtende „Selbstdisziplin" der Teilnehmer.

„Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als sei das olympische Oval von Journalisten bevölkert, da ungefähr jeder zweite Kongreßteilnehmer sich eifrig und säuberlich Notizen macht."

Nun waren die bereits zitierten Journalisten nicht die einzigsten Presseseitig, welches jenes Kongressspektakel in Augenschein nahm.
In einem anderen Blatt („Deutsche Zeitung - Christ und Welt" vom 10. 8. 1973) tat es der nicht unbekannte Friedrich-Wilhelm Haack ihnen gleich.
Zwar redet letzterer nur, laut Untertitel des Artikels von „Beobachtungen vom Wachtturm-Kongreß". Indes in seiner eigentlichen Artikelüberschrift wurde er schon mal etwas deutlicher, wenn er von „Gebremster Hoffnung für Jehovas Fußvolk" redet.
Schon den nachfolgenden Satz von Haack findet man bei dem Bericht der Frau Wach (in dem Münchner Blatt) nicht. Weder wörtlich, noch inhaltlich:

„Statistik ist ein Lieblingspferd der Zeugen Jehovas. Geschickt verbinden sie Organisationstalent und Gehorsam.
Schlagzeilen wie „Von den Zeugen Jehovas fluchte niemand" und „Nirgendwo lag Abfall" danken es ihnen (so auch in der großbürgerlichen Zeitung mit Sitz in Frankfurt/M. zu „bewundern").
In der Tat hätte es Grund zum Ungehaltensein gegeben. Für 60.000 Besucher blieben die 24.000 Tabletts auch dann zu wenig, wenn einige tausend sich mit den Imbißbeuteln ... begnügten."

(das wiederum ist den Berichterstatter, der FAZ, wohl wegen seiner ihm „von den Zeugen verpassten „3D-Brille" wo man nutzt man sie, alles „rosarot" sieht) wohl entgangen.
Auch das beobachtet Haack: „Stundenlanges Sitzen in Sonne und Regen, quengelnde Kinder - die aber in der Minderzahl, denn die meisten kleinen Zeugen Jehovas sind artig auf Stillsitzen getrimmt."

Zum inhaltlichen bemerkt Haack:

„Man spielt geschickt auf der Endzeitharfe und fragt:
„Läuft die Zeit für die Menschheit ab?"
Die steigenden Lebenshaltungskosten, das Überhandnehmende Verbrechertum - Fühlen Sie und Ihre Angehörigen sich zu Hause oder auf der Straße sicher? -
Und Herz-Kreislauf.Erkrankungen sowie Krebs müssen für die Torschlußpropagands der in Massenbehandlung versierten Manager aus Brooklyn herhalten.
Man sieht es den erschreckten Augen an, daß sie alle diese Ängste mit durchleiden. Und sie atmen so befreit auf, als ihnen gesagt wird, das sie keine Angst mehr zu haben brauchten.

Das Ende käme ja bald, ganz bald, ziemlich bald, irgendwann demnächst.

Und zwei Tage darauf ... lenkt Bruder Grand Suiter, jahrzehntelanger Kassierer und Sohn eines langjährigen ZJ-Spitzen-Funktionärs die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß mancher doch noch vorher sterben werde."

Dazu kommentiert Haack:

„Nur zwei, drei Sätze dieser Art, aber niemand soll später sagen, man hätte damals wieder einen nahen Endzeittermin verkündigt. Das tut man geschickt zwischen den Zeilen."

Ein weiterer Journalist, Hannes Burger, gab seine Eindrücke vom Münchner Kongreßspektakel in der Ausgabe vom 12. 8. 1973 des „Deutschen Allgemeinen Sonntagsblattes" zu Papier.
„Unerschütterlich" so sein einleitendes Votum

„in Disziplin und Glaubensgehorsam, wie ein Fels standen denn auch die sogenannten Delegierten aus rund 40 Ländern ein fünftägiges Programm durch mit dem ihnen die Stärke und Macht ihrer Glaubensgemeinschaft in ununterbrochener Berieslung eingetrichtert wurde."

Weiter in seinen Beobachtungen:

„Zum Teil sind ganze Clans angereist, stramm organisierte Familienverbände oder örtliche Gemeinschaften, aus denen auch junge Leute kaum ausbrechen konnten, ohne die totale Isolierung und Verstoßung zu riskieren. Die penetrante Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen bei den Zeugen Jehovas, so wie man sie sonst nur noch aus der schlimmsten Zeit des christlichen Konfessionalismus in Erinnerung hat ..."

Zum mehr inhaltlichen übergehend vermerkt er:

„Nicht gerade von modernem Zeitgeist angekränkelt waren auch die Bibel aktualisierenden Dramen, die an drei Abenden ... aufgeführt wurden."

Als nächstes kommt er auf den damaligen „Shootingstar" der deutschen WTG zu sprechen:

„Eine Stunde und 15 Minuten verliest Konrad Franke ... Mit heißerer Stimme seine programmatische Rede zum Kongreßthema „Göttlicher Sieg - Was bedeutet er für die bedrängte Menschheit?"

Damit etwas „unbedarfte" Journalisten auch genau wissen worauf es der WTG ankäme, geht es weiter im Bericht mit der Angabe:

„Diese Rede wird anschließend ausgedruckt verteilt, und ein Mitarbeiter der Pressestelle tut ein übriges, um dem Berichterstatter zu helfen, aus den 30 Druckseiten des Heftchens jene Passagen zu finden, auf die es für die Öffentlichkeit der bedrängten Menschheit ankommt, das politische Wachtturm-Testament und die Schlußabrechnung mit der Welt und der Christenheit vor dem nahenden Ausbruch des Paradieses."

Derart belehrt referiert Herr Burger weiter:

„Seine vielbeklatschte Quintessenz:
Trotz ihrer Religiosität steht die Christenheit als äußerst verwerflicher Feind Gottes da. Zusammen mit dem gottlosen Kommunismus und anderen Elementen der Welt ist sie gegen Gott. Die Christenheit muß weichen."

Sein Kommentar zu dieser Aussage:

„Frankes Politik aus erster Hand ist ganz auf politische Analphabeten zugeschnitten, kein Thema, das den kleinen Mann beschäftigt ist ausgelassen, und die Deutung ist primitiv, streckenweise geradezu lächerlich.
Aber sie bietet eine Lösung an, die allen Leicht- und Gerngläubigen verblüffend einfach erscheinen muß."

Sein Schlußresumee dann:

„Dieses politisch-religiöse Gemisch aus Bibelverdrehung und Weltdeutung, aus militanter Intoleranz, Drohung und Verlockung schließt mit der genüßlichen Schilderung des göttlichen Sieges in der entscheidenden Schlacht bei Harmagedon, bei der herkömmliche Christen und Kommunisten nach der Gebrauchsanweisung aus der geheimen Offenbarung „lebendig in den Feuersee geschleudert werden, der mit Schwefel brennt", oder „mit langen Schwert getötet werden". Jedenfalls so umkommen, daß „alle Vögel von ihren Fleischteilen gesättigt werden." Überleben werden dagegen nur die Zeugen Jehovas."

Kontrastierend dazu ein Bericht vom 26. 7. 1973 in der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post".
Selbiger merkt an, die 1973er Kongresspektakels der Zeugen Jehovas in Deutschland, seien auf nur zwei Kongreßorte konzentriert. Neben München, für den „übrigen deutschen Rest", eben auch solch eine Veranstaltung in Düsseldorf.
Der Berichterstatter des letzteren Blattes hebt besonders die disziplinarischen Aspekte hervor:

„Die Geduld, mit der Menschen dieses Jahrzehnts stundenlang ohne Murren in Reih und Glied warten können, die Sanftheit der zahlreichen Ordner, deren Signale wie im Trickfilm befolgt werden."

Quick
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. August 2013 04:48
Ein Bericht aus der seinerzeitigen Illustrierten "Quick" vm 11. 8. 1963
http://de.wikipedia.org/wiki/Quick_(Zeitschrift)

Re: Quick
geschrieben von:  . +
Datum: 12. August 2013 09:30
Wow - großartige Fotos!
Re: Quick
geschrieben von:  Gerd B.
Datum: 12. August 2013 12:57

. +
Wow - großartige Fotos!

Und ich war dort dabei - Riesenhitze.
Nicht nur ich kühlten uns beim Maß Pschorr :cheers:

Re: Quick
geschrieben von:  der einzig wahre Bauer
Datum: 12. August 2013 20:56
fürs Maß war ich damals noch zu klein :(

Aber die Bavaria interessierte mich damals deutlich mehr als die Verkündigungen auf der Theresienwiese. Doch dann waren mir die Stufen an der Bavaria irgendwie doch sehr riesig vorgekommen. Die Krönung des Kongresses war für mich die Eroberung der Bavaria am letzten Tag nach Ende des Kongresses, als ich oben herumrennen und sie mir unterwerfen konnte. :)

Der Kongress war langweilig, es war heiß und sehr staubig - es wurde Wasser verspritzt

Und die "Wahrheit" von damals? Welch einen Schmarren Jehova den Menschen damals erzählt und verkündet hat. Nach der heutigen Lehre von Jehovas Zeugen ist sehr vieles heute längst Geschichte. Und da gehört dieser Gott von Jehovas Zeugen auch hin. Er ist ein toter Gott der nur in den Köpfen einiger Menschen lebt. In den Köpfen von Menschen die falschen Hoffnungen erlegen sind.
Re: Quick
geschrieben von:  der einzig wahre Bauer
Datum: 13. August 2013 15:15
Da erinnere ich mich an die Toilettenzelte.
Aus Latten und weißen Stofftüchern waren die Kabuffs abgeteilt. Gußeiserne WC

http://www.gruenherz.de/referenzen/gusseiserne_toilette.jpg

Das hier sieht noch wunderschön uas. Die Dinger damals waren schwarz, ohne Toilettenbrille. Da hockte man sich nicht drauf.

Hände wusch man unter dem dünnen Strahl angebohrter Rohrleitungen die sich über einer trogartigen Holzkonstruktion befanden und das "Wachbecken" aus einer langen in der Mitte durchhängenden dicken Teerpappe bestand.

In dieser Art war dann auch die Pinkelrinne gefertigt, nur eben tiefer angeordnet.

tja, das waren noch Zeiten...

Und Schlange stehen für das Mittagessen. Erst Bons kaufen, dann brav anstehen für das Kongressessen. Tablet durchschieben und einen Stehplatz suchen. Die Tische waren so auf 1,40m Höhe. Nachdem man sein Essen verspeist hatte, häufig war es angebratenes Frühstücksfleisch oder Leberkäse mit Kartoffelpüree und Soße, räumte man den Platz und brachte das Tablet zur Geschirrabgabe.

Dazu hatte er weder Geld noch irgendwelchen Grad von Verständnis
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. August 2013 01:00
Im Zeitspiegel

„Möchte es ihnen gelingen, auch das, was jene „Erntearbeiter" in Afrika niedergerissen haben, von neuem zu sammeln, zu stärken und in kirchlich geordnete Bahnen zu lenken."

Mit diesen Worten endet in der „Allgemeinen Evangelisch-lutherischen Kirchenzeitung" vom 25. 8. 1913 ein mehrteiliger Artikel unter der Überschrift „Die kirchlichen Separationen unter den Missionschristen Südafrikas", verfasst von einem Pastor namens Hentsch.
Herr Hentsch meint, die Russelliten würden in jener Gegend als sogenannte „Kirche des lebendigen Gottes" bekannt sein. Die wiederum sei identisch mit dem, was eben in Deutschland als „Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher" dahersegle.
Einleitend sucht er erst mal seinem Publikum darzustellen, wie besagte Bibelforscher sich aus kirchlicher Sicht in Deutschland darstellen würden.

Die Russelllehre beschreibt er auch mit den Sätzen, nachdem er noch hervorgehoben hat, außer zustimmende Leserbriefe, und Russellartikel gäbe es im „Wachtturm" keine anderen Meinungsäußerungen. Dann ist seine nächste Feststellung:

„Den letzten 7000-Jahrtag läßt Russell mit der Erschaffung Adams beginnen und mir der „Wiederbringung aller Dinge" nach Apg. 3,21 enden.
Die letzten 1000 Jahre davon stellen das Zeitalter der Herrschaft Christi dar.
Sie haben nach Russells biblischer Zeitrechnung 1874/75 begonnen.
Seit der Zeit besteht analog der 40 Jahre von 30 bis 70 nach Christo, die die jüdische Erntezeit darstellen, für die Christenheit eine gleichlange Erntezeit, die 1914/15 zu Ende geht.. Bis dahin müsse der „Weizen", d. h. die wahren Christen, von der Spreu, d. h. die Namenchristen geschieden sein, um mit Christo zur himmlischen Herrlichkeit erhoben zu werden."

Dann leitet er als nächstes nach Afrika über:

„Das zweifelhafte Verdienst, diese Idee den afrikanischen Missionschristen gebracht zu haben, hat ein früherer schottischer Missionar Namens Booth.
Schottische Freunde hätten ihm im Jahre 1906 während seines Heimaturlaubs das Russellsche Werk geschenkt. Er las es und glaubte schließlich, nun das allein Richtige gefunden zu haben. Die Russellschen Anschauungen begeisterten ihn so, daß er sich entschloß, das ihm übertragene kirchliche Missionsamt niederzulegen, nach Allegheny zu Russell zu reisen und ihm seine Dienste anzubieten."

Weiter geht es mit dem Bericht:

„Schon im Januar 1907 trat er, von Russell ausgestattet seine Ausreise nach Afrika an."

Dort aber, hatte er anfänglich keinen sonderlichen Erfolg. Das wiederum sollte sich alsbald dergestalt ändern:

„Russell sandte ihm nun einen farbigen Helfer nach, und schon im April 1908 konnte er von 35 gewonnenen Auserwählten ... berichten.
1909 meldete er, daß der größte Erfolg in und um Pretoria zu verzeichnen sei, ja daß einer seiner neugewonnenen Mitarbeiter, Mr. Elliott Kamwane, bereits bis zum Nyassaland vorgedrungen sei. Dort habe er bis Ende 1908 schon 9126 Erwachsene, einmal 300 an einem Tage, nach Russellschen Ritus taufen können.
An einem Orte sollten sich 700 Auserwählte, an 30 anderen zusammen 3000 befinden, die die Russellsche Bibellehre ... vorgezogen haben.
Weitere 6000 sollten dafür interessiert sein."
Selbst ein König namens Lenaika „600 Meilen nördlich von den Pretoria-Fällen, soll an Russells Vertreter sogar eine Abordnung mit der Bitte um Zusendung der sechs Bände Schriftstudien „Millenium-Tages-Anbruch" gesandt haben, wünschend, daß die neue Botschaft nicht nur von seinen Kapitänen, sondern auch von seinem ganzen Volke angenommen werden möchte."

Weiter Hentsch kommentierend:

„Das Resultat der Tatsache, daß sich überall dort, wo Russells Sendboten hinkamen, die glaubensjungen Christen in Scharen für die neue Erkenntnis begeistern ließen, war ein für die Kirchenmissionare recht empfindlicher Verlust ...
Durch die Verbreitung der Russellschen Ansicht, daß die kirchlichen Pastoren die Pharisäer seien, die ihren Gemeinden den Schlüssel der wahren Erkenntnis weggenommen haben bzw. vorenthalten, verloren die Missionare endlich auch noch allen Respekt und alle Achtung auf Seiten der Gemeindeglieder."

Schien der Erfolg der Russelbewegung einstweilen ungebrochen, sollte alsbald doch noch eine empfindliche Delle eintreten dergestalt, dass der bereits genannte Mr. Booth beschloss, die Endstation seiner Weltanschauungsreise, könnte der Russellismus noch nicht gewesen sein.
Booth trat nämlich nach diesem Bericht, als nächstes zu den Siebenten-Tags-Adventisten über.
Der Bericht geht dann mit den Angaben weiter:

„Mit Booth hatte Russell seine damals stärkste Stütze in Afrika verloren. Er sandte deshalb einen Wm. Johnston zur Untersuchung und Neuordnung der Dinge dorthin.
Auch Johnston fand viel Willigkeit zum Hören, aber noch viel mehr zu ordnen. Die Separatisten, die sich seinerzeit unter Booth und Kamwana von der Mission losgesagt hatten, wiesen auf die von ihnen mit hinübergenommenen, inzwischen teils verfallenen Kirchen und Schulen hin und forderten ordentliche Bestallung und Beihilfe für ihre Prediger, wie sie das von den Kirchenmissionaren gewohnt waren. Ebensowenig als Russell bis dahin für diese Zwecke etwas übrig gehabt hatte, ebensowenig konnte ihnen Johnston irgendwelche Aussicht auf Erfüllung ihrer Wünsche machen.
Ihnen schließlich noch, wie die Kirchenmissionare, in wirtschaftliche Beziehung mit Rat und Tat beizustehen, war ihm erst recht nicht gegeben.
Dazu hatte er weder Geld noch irgendwelchen Grad von Verständnis für die Frage, ob die in der modernen Kultur noch jungen Afrikaner wieder nackend umhergehen oder aber mit ihrer Christianisierung auch nach außen hin fortschreiten sollen."

Exkurs Booth.
Zu dem mit erwähnten Joseph Booth dessen eher „Endphase" bereits beschrieben wurde, gälte es noch etwas über seine „Frühphase" zu erwähnen.

en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Booth_(missionary)

Eine programmatische Schrift letzteren („Afrika den Afrikanern"; nur Englischsprachig erschienen.

http://books.google.de/books?id=_OLLyPCZ38MC&printsec=frontcover&dq=Joseph+Booth&hl=de&sa=X&ei=bJ0KUodfytCyBuqfgQg&ved=0CDcQ6AEwAA#v=onepage&q=Joseph%20Booth&f=false

Besagtes Buch hört sich vom Titel her erst mal Antikapitalistisch an. Ob es indes dieses auch tatsächlich ist, erweist sich wohl als eine anders gelagerte Frage.

Regional spielten wesentliche Vorgänge sich dabei in jener Region ab, welche heute als Malawi bekannt ist (davor als Nyassaland).
Schon vor Booth gab es dort christliche Missionare. Namentlich die Schottische Staatskirche, hatte traditionell dort einen „Fuß in der Tür"
Indem nun Booth mit missionarischem Impetus, auch in jener Region auftauchte, muss das im Sinne der Konkurrenz, aber kaum im Sinne einer nicht vorhandenen Kooperation unter den christlichen Missionsgesellschaften angesehen werden.

Ein herausragendes Stichwort in diesem Kontext ist die „Zambesi-Industrial-Mission".
Booth entdeckte, einige weltliche Pflanzer hätten mit dem Kaffeeanbau, dort das „große Geld" gemacht. Besagtes „große Geld" wollte auch er letztendlich machen. Aber im Gegensatz zu den weltlichen Pflanzern dann mit einem frömmelnden Anstrich, und auch in Konkurrenz zur dort bereits etablierten Mission der Schotttischen Nationalkirche.
In den Jahren 1894 und 1897, kam dann auch die Deutschsprachige „Allgemeine Missions-Zeitschrift" verschiedentlich auf die Ambitionen des Joseph Booth zu sprechen. Unter Verzicht auf die konkreten Seitenangaben, in den beiden genannten Jahrgängen des vorgenannten Blattes, sei aus dessen zeitgenössische Berichterstattung einiges nachfolgend zitiert.
Vorgenanntes Blatt notierte:

„Ein Herr Joseph Booth in Natal (Durban) ... hat mit 3 anderen gebildeten Schwarzen, unter denen sich auch der Nataler Dr. med. Nembula befindet und mit 4 amerikanischen schwarzen Herren ein Komitee gebildet, welches einen Aufruf erlassen hat zur Bildung einer „Afrikanisch-christlichen Vereinigung" (African Christian Union). Diese hat den Zweck, die afrikanische Rasse zu einen zu Gebet und Arbeit, daß Afrikas Volk ein christliches Volk werde. Angestrebt wird Gleichberechtigung mit den Europäern, Afrika soll seiner Rasse erhalten werden, „Afrika für die Afrikaner" ist die Losung."

Aber so geht der Bericht weiter:

„Aber die Mittel, welche Booth und Genossen zur Erreichung des gesteckten Ziels anwenden wollen, sind so abenteuerlich, ja so ungeheuerlich, daß man nur Mitleiden mit allen haben kann, die sich durch solche Pläne berücken lassen."

Als Details werden genannt:

„Zunächst soll Amerika veranlaßt werden, jedem Neger, der nach Afrika zurückkehren will, 2000 Mark zu zahlen als Entgeld für die früher geleisteten Sklavendienste. Die Kolonialregierungen sollen angegangen werden um Schenkungen von Land, oder es soll solches käuflich erworben werden. Industrie-Centren sind anzulegen, an denen Europäer als Angestellte (Servants) die Eingeborenen in medizinischer Wissenschaft, in Plantagenbau, Astronomie, Nautik usw. unterrichten, und die Kosten dafür sollen die Afrikaner selbst aufbringen."

Zur Finanzierung des gesamten Unternehmens heisst es dann:

„Zunächst soll mit dem Aufwande von 1.400.000 Mk. eine Niederlassung auf dem Schirehochland gegründet und dazu sollen alle auf dem Schire und dem unteren Sambesi laufenden Dampfer und Frachtboote aufgekauft werden."

Dazu kann der Berichterstatter in der „Allgemeinen Missions Zeitschrift" sich doch nicht ganz den Kommentar versagen;

„Es ist nicht nötig, den Kindlichen, um nicht zu sagen kindischen Optimismus zu beleuchten, der in diesen Vorschlägen sich ausspricht."

Nun trat der Umstand ein. Die theoretischen Thesen hört man wohl, was indes ist zu ihrer praktischen Umsetzung zu sagen?
Dazu gibt es dann die Angabe:

„Booth begann damit, der Blantyre-Mission ihre begabtesten Schüler wegzufangen, um sie gegen hohen Lohn in seinen Dienst zu nehmen. Die Missionsleitung in Edinburgh beschwerte sich indessen so nachdrücklich bei der Oberleitung der „Zambesi-Industrial-Mission", daß diese Booth fallen ließ."

Damit drohten dessen Pläne zu Makulatur zu werden.
Es könne aber nicht sein, was nicht sein soll befand Booth dieserhalb. Und über seinen nächsten Schritt vernimmt man:

„Nicht zufrieden; begab er sich nach Schottland, um dort für ein neues, unter seiner Leitung stehendes Konkurrenzunternehmen Geld zu sammeln. Er ging dabei so rücksichtslos vor, daß sich der Missionsvorstand der schottischen Staatskirche bei dem Vorstande der schottischen Baptisten über ihn beschwerte, und auch die schottischen Baptisten ließen ihn offiziell fallen."

Weiter im Bericht:

„Das hat aber Booth nicht verhindert, eine „schottisch-baptistische Industrie-Mission" (Baptist Industrial-Mission of Scotland) ins Leben zu rufen, die 1896 gleichfalls in der Nähe von Blantyre ihre erste Kaffeeplantage Gowa gegründet hat."

Ergo ein Konkurrenzunternehmen, mittlerweile auch in Konkurrenz zu einem solchen, das er früher selbst mit begründet hatte.
Vielleicht hat Herr Booth darauf spekuliert: „viel Feind, viel Ehr". Bei dieser Spekulation indes, blieben dann wohl letztendlich nur die Feinde übrig!
Bis jetzt wurde aus der Berichterstattung des Jahres 1897 zitiert. Nun noch ein Zitat aus der davor liegenden Berichterstattung des Jahres 1894:

„Er brachte Samen mit für ½ Million Kaffeepflanzen, erwarb 100.000 Acker Land, suchte sich in England 26 „auserwählte Mitarbeiter" und sammelte ein Kapital von 400.000 M.- nach seinen eignen Angaben. Im nächsten Jahre schon soll jede Acker einen Reinertrag von 600 M. liefern - also zusammen die ungeheure Summe von 60 Millionen M. In immer 3 Jahren will der kühne Rechner die Pflanzung verdoppeln und so viel Geld herausschlagen, daß in 33 Jahren die ganze Welt evangelisiert werden kann. Alles nach seinen eignen Worten.
Jetzt ist er wieder auf dem Heimwege, um noch 200.000 M. Anlagekapital zu holen."

Noch ein Zitat aus dem 1894er Bericht:

„Und bei rechter Plazierung eines jeden nach seinem besten Geschick (tact) ist er gewiß, daß die ganze Maschine von selbst korrekt arbeiten wird. Keiner bekommt Gehalt, der ganze Gewinn wird angewendet um immer mehr Land zu kaufen und das Geschäft auszudehnen."
Das ist ganz genug. Der Berichterstatter ist ganz entzückt von diesem Projekt, welches er wiederholt versichert, mit den eigenen Worte des Herrn Booth beschrieben zu haben. Und er nennt es ein „Mostglapiouswerk!"
Daß wir uns erlauben, andrer Meinung zu sein, brauchen wir wohl kaum hinzuzufügen."

Siehe thematisch auch
CVTower
19072Booth
Malawi
Parsimony10158
 

In Fulda „tickten die Uhren anders"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 26. August 2013 05:37
Im Zeitspiegel
Unter der Überschrift „Am Rande notiert" konnte die Juli/August-Ausgabe 1973 der Zeitschrift „Freidenker" es sich nicht ganz „verkneifen", zu einem örtlichen Presseartikel ein paar Anmerkungen hinzuzufügen.
Einleitend wird berichtet

„In Fulda fand im März 1973 ein Kreiskongress der Zeugen Jehovas statt."

Über einen dortigen Referenten mit Namen Callein, wird weiter notiert, er trage den Titel „Bezirksaufseher".
Nun muß man es wohl Außenstehenden durchaus zugestehen, dass sie einen solchen Titel als ungewöhnlich empfinden.
Diese Verwunderung des Berichterstatters kommt dann schon mal in der Äußerung zum Ausdruck, das

„der Name dieser Funktion seinen Preis wert sei".

Der Berichterstatter vertieft zwar diesen Aspekt nicht weiter. Aber es wäre schon denkbar, dass sich ihm da eine Gedankenassoziation, wie etwa „KZ-Aufseher" aufgedrängt hat. Da jener Berichterstatter das aber so nicht selber ausspricht, verbleibt das ganze eher im Bereich der Spekulation.
Zum inhaltlichen wird zitiert, dass jener Bezirksaufseher gesagt haben soll:

„Gemäß der biblischen Prophetie und Chronologie wird durch den auferstandenen Christus eine neue Ordnung mit dem himmlischen Königreich kommen. Diese Epoche hat bereits 1914 begonnen und wird noch in unserer Generation ihre Vollendung finden.
Dieses Geschehen sei der Anbruch der 1000jährigen Friedensherrschaft Christi, durch die die Auferstehung der Toten in greifbare Nähe gerückt sei. Nun wäre es zu prüfen, wie wir Gottes Wohlwollen und die Hoffnung auf ein ewiges Leben erlangen könnten. - Das alles steht in einer Zeitung der Stadt Fulda."

Dazu kommentiert der Berichterstatter dann:

„Die Frage ist nur: Woher weiß der Bezirksaufseher eigentlich, daß die Epoche für eine neue Ordnung 1914 begonnen hat?
Schon um das Jahr 1000 hat man das himmlische Königreich erwartet, später sagten es Kometen an usw. Und nun also sind wir mitten in der Epoche der Erwartung drin:
Mit einem zweiten Weltkrieg, einem USA-Krieg in Vietnam, mit einem Mosche Dajan in Israel usw."

Und sein Bericht endet mit der Aussage:

„Wozu doch die religiöse Weltdeutung führen kann!
Zu solchen Mißdeutungen übrigens wurden in Fulda 23 Zeugen nach christlichem Vorbild getauft. Der Kongreß hatte 700 Teilnehmer."

„Zeichen der Zeit"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 11. September 2013 00:47
Die katholische „Weltbild"-Gruppe ist laut Presseberichten ins Gerede gekommen (wieder mal).
Das Internet zwingt zum Umbau der Geschäftsgrundlagen.
Verstand man unter jenem Konzern früher ein überwiegend Buch-Verlagsunternehmen, sind bereits wesentliche Teile jenes Sektors an andere Käufer gegangen. Nur mit dem „Käufern" sei das so eine Sache. Die stünden „nicht unbedingt Schlange".
Auch der gleichfalls der Buchbranche zugeordnete „Thalia"-Konzern, ebenfalls mit aktiven Umbauplänen beschäftigt, meint indes, bisher noch alles im Griff zu haben.
Anders bei „Weltbild" wobei insbesondere eine gewisse Zerstrittenheit der Eigner eine Rolle spielt. Einigen aus der Riege der katholischen Bischöfe, ist das Unternehmen schon lange nicht mehr katholisch genug. Da aber auch bei katholischen Manager-Bischöfen „zwei Seelen in der Brust" ruhen, fürchtet man andererseits aber auch Folgewirkungen, etwa im Falle einer Insolvenz. Etwa sich dann als Arbeitsplatzvernichter im öffentlichen Diskurs betiteln zu lassen, schmeckt ihnen auch nicht so recht. Ergo hinken sie mal nach dieser, dann wieder nach jener Seite.
Da Beispiel ihres Limburger Bischofskollegen und seiner fürstlichen Allüren, zeigt auch jenen „Bischofs-Managern". Wie immer sie sich entscheiden oder auch nicht entscheiden. Die veröffentlichte Meinung wird anschließend wenig „Gnade" für die tatsächlichen Entscheidungsträger übrig haben.
Im Falle „Weltbild" sei derzeit nichts im eigentlichen Sinne „spruchreif" verlautbart man weiter. Das Hin und Hergehinke mit nicht aktivem Handeln, wo Handeln angesagt wäre, dürfte wohl nicht auf lange Sicht durchhaltbar sein. Die „Stunde der Wahrheit" kommt!

www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/der-verlagsgruppe-weltbild-soll-die-pleite-drohen-a-921251.html

www.augsburger-allgemeine.de/politik/Weltbild-unter-Druck-id26937551.html
Der Herr Gutachter
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 24. September 2013 00:18
Im Zeitspiegel
Der Herr Gutachter
Bereits in der Ausgabe vom 26. 10. 1918 der „Psychiatrisch-Neurologischen Wochenschrift" (20. Jg.), die damals noch den Untertitel trug:
„Internationales Korrespondenzblatt für Irrenärzte" gab es einen Artikel von einem Dr. S. Loeb über die „Dienstverweigerung aus religiösen Gründen und ihre gerichtliche Beurteilung".
Besagter Herr Gutachter beliebt schon mal einleitend zu vermelden:

„Es erscheint fast auffallend, daß wir in diesem Weltkriege so wenig von Dienstverweigerung aus religiösen Gründen gehört haben. Die großen religiösen Gemeinschaften gestatten allerdings ihren Gläubigen nicht nur die Ausübung des Kriegsdienstes, sondern stellen sich bei allen kriegführenden Völkern ganz in den Dienst der nationalen Sache."

Aber auch das weis der Herr Gutachter zu vermelden, bei einigen Sekten sei das anders.
Wenn benennt denn der Herr Gutachter diesbezüglich?
Als erstes fallen ihm da die Mennoniten ein, von denen es seiner Bewertung nach noch circa 15.000 in Deutschland geben soll. Aber er muss zu diesen auch anmerken:

„In Friedenszeiten wahren sie von der Leistung des Fahneneides entbunden."

Nun kann man es ja vielleicht nachvollziehen, das Kriegführende Staaten, im Falle tatsächlicher Wehrdienstverweigerer, den Herrn Gutachter (oder einige seiner Kollegen) halt mit einer entsprechenden Begutachtung von Einzelfällen beauftragen.
Welche Gutachten hatte denn nun der Herr Gutachter (oder einer seiner Kollegen) im Falle der Mennoniten, zu Zeiten des ersten Weltkrieges zu erstellen.
Offenbar nicht viele - bis zur Zahl Null hin tendierend.
Als nächstes knöpft er sich dann mal die Adventisten vor. Da hatte er wohl tatsächlich einen Fall von denen zu begutachten
Aber o weh. Der Mann wollte sich einfach nicht impfen lassen, was ihm denn eine Gutachtliche Bewertung durch Irrenärzte einbrachte. Indes von einer Wehrdienstverweigerung ist auch in diesem Falle nicht die Rede.
Dann hatte der Herr Gutachter wohl noch so mitbekommen, es gäbe ja noch die Religionsgemeinschaft der Quäker, denen man auch Wehrdienstverweigerung nachsagt.
Nur sein Pech, die waren aber in Deutschland zu der Zeit kaum mit einer superscharfen Lupe auffindbar.
Also wieder nichts mit einem Gutachter-Honorar für einen diesbezüglichen Fall, eben weil es solche Fälle in Deutschland zu der Zeit nicht gab.
Aber um wenigstens von der genannten Zeitschriften-Redaktion ein Veröffentlichungs-Honorar zu ergattern, musste der Herr Gutachter seinen Artikel noch etwas ausschmücken.
Und so belehrt er denn zusammenfassend:

„Können wir also sagen:
Religiöse Ideen können ihrem Inhalt nach kaum in gesunde und kranke geschieden werden."

Diese Grundthese breitet er dann noch etwas weiter ausgewalzt aus.
So kulminierend auch in dem Satz:

„Manchen wird diese Abgrenzung wenig befriedigen, weil er kräftigere Unterscheidungsmerkmal erwartete und nur mit feinen Abstufungen abgespeist wird."

Da hatte wohl ein Kollege von ihm, mit Namen Dr. O. Marienfeld, etwas mehr Glück.
Letzterer verbreitete sich im selben Blatt in der Ausgabe vom 22. 9. 1923 (Nr. 25/26 des 25. Jg.) und wusste schon mal etwas eindrucksvoller zu titeln:

„Über einen Fall von Kriegsdienstverweigerung aus religiösen Gründen."

Er schaffte es sogar, sieben Zeitschriften-Seiten lang, für die Darstellung seines Falles zu benötigen.
Wie es sich für einen zünftigen Gutachter gehört, endet auch sein Bericht mit reinem Resümee, und zwar diesem:

„Ich halte das ganze religiöse Gedankensystem unseres Patienten für die Reaktionsform eines von Natur aus religiös veranlagten, intellektuell nicht sehr hoch stehenden Menschen, durch welche der Mangel an Anpassungsfähigkeit an die realen Verhältnisse in gewissem Sinne ausgeglichen zu werden angestrebt wird."

Wie entwickelte sich jener Fall im einzelnen?
Nun der Proband wurde im Februar 1918 zum Militär eingezogen.
„Angeblich nicht früher, weil er geborener Pole sei."
Seine Mutter aus Baptistenkreisen stammend habe ihn streng religiös erzogen.
Er trage immer eine Bibel bei sich, „in der er zahlreiche Stellen mit verschiedenen Zeichen versehen habe."
Und bei einem veranstalteten Intelligenztest „ist kein eigentlicher Defekt nachweisbar."
Der Proband meint in seinem Gutachterverfahren auch mit anführen zu sollen:

„Er kümmere sich nicht um politische Dinge, obwohl von Politik nicht die Rede ist."

Und weiter:  „Durch vernunftgemäße Einwände gegen seine religiösen Vorstellungen ist er nicht zu beeinflussen."

Im Sommer 1917 sei er durch einen, wie der Herr Gutachter nicht versäumt mit zu betonen, „Arbeiter" in Kiel zu seiner jetzigen Position bekehrt worden.
Er habe „alles abgelegt, was er für sich als sündhaft erkannt habe. Rauchen, Trinken, Tanzen, ins Kino gehen usw."
Die eschatologische Orientierung des so „Gestrickten" wird dann herausgearbeitet.

„Auch den Sanitätsdienst müsse er als einen Teil des Militärdienstes verwerfen. Befragt, wie er sich denn zu seiner Tätigkeit auf der kaiserlichen Werft stelle, antwortet er, er habe Brot haben müssen und seiner Arbeit hänge auch nicht unmittelbar mit Unterstützung des Krieges zusammen."

Der Gutachter meint dann weiter werten zu können:

„Wir sehen also, daß zu dem einen Motiv der Dienstverweigerung, dem Überdruß am Kriege dem wir nicht die entscheidende Rolle zumessen wollten, wenn wir auch zugeben wollen, daß ihm vielleicht auch in unserem Falle eine gewisse kumulierende Wirkung zukommen mag".

Ob der Begutachtete, über die nachfolgenden Sätze in dem Gutachten „glücklich" sein konnte, mag ja völlig dahingestellt bleiben. Ohnehin war der Adressat des Gutachtens nicht der Proband. Der war allenfalls Subjekt, Gegenstand der Bewertung.
Immerhin meint der Herr Gutachter mehr zum Abschluss kommend auch werten zu sollen;

„Aus dem Gesagten erhellt, daß zurzeit die sichern Symptome einer Paranoia, insbesondere die Progressive, nicht nachweisbar sind. Die Stellung der Diagnose auf „beginnende Paranoia" ist zurzeit unmöglich, da uns hier sichere Anhaltspunkte zur Abgrenzung des schon Pathologischen vom noch Normalen fehlen, worauf ... hingewiesen wurde.
Ich halte das ganze religiöse Gedankensystem unseres Patienten für die Reaktionsform eines von Natur aus religiös veranlagten, intellektuell nicht sehr hochstehenden Menschen, durch welche der Mangel an Anpassungsfähigkeit an die realen Verhältnisse in gewissem Sinne ausgeglichen zu werden angestrebt wird."

Auffällig in dem weitschweifigen Geschwafel. Es gibt keinerlei Hinweise etwa dergestalt, dass schriftliche Bekundungen, des religiösen Kreises (also nicht nur des Probanden) zitiert werden, in dem besagter Kreis sich auch wehrdienstgegnerisch artikulieren würde. Der Gutachter kann also nur das tatsächliche Verhalten des Probanden belegen. Es ist ihm aber nicht möglich, irgendwelches Schrifttum des Kreises zu benennen und zu zitieren, dem der Proband sich zugehörig weis, welches belegen würde. Auch jener religiöse Kreis sei generell Wehrdienstgegnerisch orientiert.
Man beachte auch die Zeitangaben. Erst im Sommer 1918 wurde der Proband erstmals mit der Wehrdienstthematik aktiv tangiert. Wenn seine Mutter als Baptistin bezeichnet wurde, so gilt wohl ab Sommer 1917, für ihren volljährigen Sohn, diese Einordnung nicht mehr.
Die Religionsgemeinschaft, welcher der Proband seit Sommer 1917 sich zugehörig weis, wird aber in dem Artikel keineswegs eindeutig benannt.
Das kann ebensogut ein „All und Jeder Verein" gewesen sein.
Allerdings spricht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, es handelte sich um die WTG geführten Bibelforscher.
Dann jedoch ist die beschriebene Verhaltensform, erst mehr zum Kriegsende virulent. Keinesfalls auch schon beim Kriegsanfang, auch in diesem Fall.

Bezüglich weiterer thematischer Verlautbarungen in dergleichen Zeitschrift, siehe auch
Mysnip.48738

Als ein verspäteter Ausläufer die Zeit des ersten Weltkrieges betreffend, kann man auch einen Artikel eines Prof. J. Lange aus Breslau, in der „Münchner Medizinischen Wochenschrift" ansehen Nr. 1/1937. Dortselbst verbreitete er sich über die „Dienstverweigerung aus religiösen Gründen.
Er er sei nachfolgenden etwas näher vorgestellt.
Einleitend verlautbart er:

„Seit dem Ende des Krieges bis in die jüngste Zeit hinein hat es eine Frage der Dienstverweigerung aus religiösen Gründen nicht gegeben."

Zur Begründung führt er an:

"Zudem entheben die großen Konfessionen den einzelnen Gläubigen der Gewissensnot. Sie segnen den "gerechten" Kämpfer, und im großen Kriege war mancher Feldgeistliche für die Stimmung der Truppe nicht weniger wichtig, als der eigens dafür bestimmte Offizier."

Aber, meint er weiter verlautbaren zu sollen:

„Wie die großen christlichen Kirchen als die wesentlichen Gestaltungen des über die Völker hinwegreichenden Christentums mit den Schwierigkeiten fertig werden - die feindlichen Völker ziehen ja im Namen des gleichen Gottes ins Feld - geht uns hier nichts an. Wir haben es mit der heute wieder wichtigen Tatsache zu tun, daß Angehörige bestimmter Sekten und Einzelne mit ganz persönlichen religiösen Einstellungen aus ihrer echten oder unechten religiösen Haltung heraus jedweden Dienst, den Heeresdienst, den Eid oder den Dienst an einzelnen Tagen oder in bestimmten Formen ablehnen."

Zu sich selber überleitend führt er dann aus:

„Meiner Klinik wurden im Laufe des letzten Jahres zwei Leute zugeführt, die nach der Einziehung zum Arbeitsdienst zwar durchaus nicht die Arbeit, aber den Eid auf den Führer verweigerten."

Und weiter sein Votum: „Oft genug lösen sich die Schwierigkeiten dadurch, daß der Dienstverweigerer als geisteskrank, meist als schizophren, erkannt wird."

Er meint weiter werten zu können:

"Jedes erprobte Sektenmitglied wird allmählich fanatisiert und damit starr und unbiegsam, kampfbereit und um Gottes Willen auch des Martyriums gewärtig. Ja, die Sektenzugehörigkeit reißt auch äußerlich vielfach eine Kluft auf, wenn sie etwa zur Heiligung des Sabbaths zwingt oder bestimmte Speiesegebote auferlegt, so daß die Gläubigen auffallen und äußerlich sichtbar aus mancherlei allgemeinen Gewohnheiten ausgeschlossen werden. Der Sektenangehörige ist also vielfach schon gewohnt, andere Wege zu gehen, als die allermeisten anderen und dies, trotz Widerstand und Spott und Aufsehen, stolz, und unbekümmert oder eigensinnig und verbissen zu tun."

Weiter sein Votum:

"Daß es auch Dienstverweigerer aus solchem echten Glauben gibt, daran ist kein Zweifel. Aber sie sind so selten wie unter den Querulanten die echten Rechtsfanatiker von Schlage des Michael Kohlhaas."

Als Tatsachen meint er dann definieren zu können, dass es im Anfange des ersten Weltkrieges keine Dienstverweigerung aus religiösen Gründen gab.
Und weiter, noch 1917 konnte ein Berufskollege von ihm, während einer thematischen Tagung, nur zwei solcher Fälle näher vorstellen.

„Anfang 1918 aber schon über 14 religiöse Dienstverweigerer berichten."

Sein Kommentar dazu: „Es ist nicht einzusehen, weshalb echte religiöse Überzeugung nicht schon 1914, 1915,1916 vom Kriegsdienst ferngehalten haben soll."

Und sein Schlussresümee lautet dann:

„Es erscheint uns keine Möglichkeit gegeben, die Dienstverweigerung aus religiösen Gründen anders zu behandeln als andere Formen von Dienstverweigerung auch. Die etwaigen, sicherlich wenig zahlreichen, echten Märtyrer aber werden sich durch jede Art der Bestrafung von ihrem Gottes ausgezeichnet sehen."

Nun muss man wohl berücksichtigen, dass namentlich der erste Weltkrieg, das Blickfeld jenes Artikels darstellt. Unterstellt man weiter, Erstellungszeitraum des Artikels das zweite Halbjahr 1936, also zu dem Zeitpunkt wo weder der Krieg gegen Polen, noch der zweite Weltkrieg, bereits Tatsache war, so kann noch festgestellt werden.
Zu diesem frühen Zeitpunkt stellten etwa Begutachtungsaufträge für ihn oder seine Kollegen, die Zeugen Jehovas etwa betreffend, noch keine Rolle.

Wer hätte auf Anhieb das gedacht? Auch die Schweiz beschäftigte Gutachter im Kontext von Wehrdienstverweigerungen. Berichte darüber sind im Jahrgang 1963 einer Zeitschrift mit dem Titel „Schweizerische Medizinische Wochenschrift" „bewunderbar". Schon in der Ausgabe vom 12. 1. 1963 referierten dort die Herren O. Mühlberg und O. Riggenbach zum Thema:

„Zur psychiatrischen Beurteilung von Dienstverweigerern aus Gewissensgründen."

Genannte Herren wissen erst mal zu belehren, auch die Schweiz huldige dem Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht. Und weiter, es sei ausgehend von dieser Prämisse

„verständlich, wenn die Bestrebungen gewisser Kreise um Einführung eines Zivildienstes, d. h. einer Dienstleistung für rein zivile Aufgaben an Stelle der militärischen Dienstleistung, politisch keine Aussicht auf Verwirklichung hätten."

Und weiter das

„Prinzip der Unverletzlichkeit der Glaubens- und Gewissensfreiheit (gelte) nur insoweit, daß Glaubensansichten nicht von der Erfüllung der bürgerlichen Pflichten entbinden."

Und weil das so sei, macht sich derjenige strafbar „und wird der Militärjustiz überwiesen" der das anders sehen möchte in Theorie und Praxis.

„Das Strafmaß schwankt, wenn nicht besondere Milderungsgründe vorliegen, zwischen 3 und 6 Monaten."

Als Zahlengrößenordnung nennt jener Bericht die Zahl von etwa 25 - 35 solcher Fälle jährlich.
Da der in Rede stehende Artikel im Jahre 1963 erschien, mag es angebracht sein die Vergleichszahl der Zeugen Jehovas in der Schweiz, in diesem Zeitraum mit zu benennen. Laut den ZJ-Jahrbuchstatistiken wird für 1962 die Schweiz mit der Höchstzahl von rund 5400 ausgewiesen (entsprechend einem Verhältnis zur übrigen Bevölkerung von 1 zu 1029).
Mögen sich die bisherigen Angaben zur Praxis in der Schweiz auch wenig liberal anhören, sollte man sicherlich auch diesen Satz nicht übersehen:

„Jeder Wehrpflichtige hat das Recht, sowohl bei der Aushebung als auch während der ganzen Dauer seiner Wehrpflicht aus Gewissensgründen zur Sanität als nicht-kombattanter Truppe zu- bzw. umgeteilt zu werden."

Namentlich die letztere Angabe macht deutlich. Die genannten 25 - 35 Fälle pro Jahr, reduzieren sich auf solche Fälle, die (wie beispielsweise Zeugen Jehovas in Deutschland zu der Zeit), die selbst die Einteilung zum Dienst in einem Krankenhaus verweigerten (dieweil sie dadurch sich in ihrem Predigtdienst behindert sähen).
Die genannten Gutachter wähnen nun für die Jahre 1958 bis 1962 über eine Dokumentation von 96 Verweigerungsfällen zu verfügen, wobei das Gros dieser Fälle Zeugen Jehovas beträfe.
Und deren Motivation für ihr Verhalten beschreiben sie mit den Worten:

Sie „betrachten den Staat als Einrichtung des Satans und sich selbst als Angehörige eines Gottesstaates.
Aus dem Grundsatz, daß man nicht zweien Herren dienen kann, ziehen sie die Konsequenz der Dienstverweigerung dem Staat gegenüber, dem sie hienieden angehören.
Es muß aber festgestellt werden, daß lange nicht alle Zeugen Jehovas so weit gehen; diejenigen, die den Dienst verweigern, betrachten sich als die Reingläubigen und bedauern ihre Mitbrüder, die aus mangelnder Kraft der Überzeugung oder aus Schwäche diesen letzten Schritt nicht wagen."

Unter Anführung eines Fallbeispieles, etwa dieses:

„In einer Familie von Zeugen Jehovas arbeitet der Vater als Wächter in einer Munitionsfabrik und leistet Dienst; auch 2 ältere Brüder leisten Dienst. Der jüngste Bruder verweigert den Dienst in der Sanitäts-Rekrutenschule und bedauert das Verhalten seiner Angehörigen als Schwäche im Glauben."

Im Anschluss an dieses Fallbeispiel werten die Autoren:

„Erstaunlich ist die uniforme Argumentation - zumindest nach außen - behauptet wird, daß der Entschluß selbständig ohne Beeinflußung durch Drittpersonen erfolgt sei.
Sehr simplifiziert ist die einheitliche Beantwortung ..."

Zum Resümee kommend findet man in diesem Aufsatz auch die wertenden Sätze:

„Was aus einer statistischen Analyse nicht hervorgehen kann, jedoch jeden, der sich schon um einen Zeugen Jehovas bemüht hat, ob Richter oder ärztlicher Begutachter, immer wieder beeindruckt, ist die erschütternde Gleichförmigkeit, ja Sturheit der sektiererischen Haltung.
Charakterzüge wie Kontaktarmut, Selbstunsicherheit, Schizoide, Verschrobenheit, Lahmheit, geistige Unreife, Trotz und Ressentiments, Geltungsbedürfnis, Fanatismus und Neigung zu Märtyrertum bilden den Boden, aus welchem ein jede Diskussion ausschließendes Glaubensbekenntnis von monotonlichhaftem Gepräge erwächst."

Im gleichen Jahrgang (8. 6. 1963) gab es dann noch einen weiteren thematischen Artikel, welcher sich im wesentlichen als Ergänzung zum bereits zitierten Artikel verstand.
J. Janner über die „forensisch-psychiatrische und sanitätsdienstliche Beurteilung von Dienstverweigerern."
Kernpunkt darin wohl, wie sollen die Herren Gutachter, ihr Gesamturteil im Einzelnen formulieren?
Janner entschied sich offenbar für die Variante:

„Die wenigen Fälle, die nicht Zeugen Jehovas sind, müssen im allgemein als die psychisch Abnormsten beurteilt werden. Sie sind zum Teil als nicht voll zurechnunggsfähig zu betrachten.
Die Kerngruppe der Zeugen Jehovas jedoch erfüllt den seit 1950 im Militärgesetz qualifizierten Tatbestand der Dienstverweigerung aus religiösen Gründen und ist deshalb als voll zurechnungsfähig zu beurteilen.
Trotzdem sind auch sie immer als abnorme Persönlichkeiten aufzufassen, so daß die sanitorische Ausmusterung aus psychiatrischen Gründen nach dem ersten Strafverfahren gerechtfertigt ist."

Ob denn die von besagten Gutachter empfohlene Ausmusterung, in der Praxis dann auch tatsächlich zur Anwendung kam, wäre indes eine andere Frage. Nicht jeder Richter, pflegt in allen Einzelheiten, einem Gutachten zu folgen.
Letzterer Aspekt wird in einer anderen Schweizerischen Zeitschrift mit dem Titel „Gesundheit und Wohlfahrt" in deren November-Ausgabe 1944 besonders thematisiert.
Der Verfasser, ein Dr. med G. Stutz bemerkt über sich selbst, er habe eine 7jährige Gutachter-Erfahrung „als Richter eines Divisionsgerichtes."
Und dann stellt er schon mal fest:

„Bekanntlich sind gerade die Urteile der Militärgerichte sehr verschieden voneinander."

Und weiter in seinem Votum:

„In der Regel kennt nur der Präsident, der Ankläger und der Verteidiger das ganze Gutachten. Die Richter kennen häufig nur den Gutachtenteil, sehr oft nur die letzten Seiten und häufig nur die allerletzte Zusammenfassung."

Böse Zungen wären geneigt dazu zu kommentieren. Also auch die Schweizer Justiz (und wohl nicht „nur" diese) liebt ein geruhsames Leben!
Dann vergleicht dieser Gutachter, die Zeit des ersten Weltkrieges, mit der Zeit des zweiten (immer aus der Perspektive der Schweiz aus gesehen). Und meint dazu werten zu können:

„Besonders eindrücklich war die Praxis bei den Dienstverweigerern während des jetzigen Krieges. Gegenüber 1918 ist ein grundsätzlicher Unterschied vorhanden. Damals neigte man dazu, fast eile Dienstverweigerer als abnorm zu bezeichnen und zu exkulpieren. Die heutigen Militargerichte bezeichnen die Dienstverweigerer vom Typus des ernsten Bibelforschers als voll verantwortlich; er ist der normale Dienstverweigerer. Ich habe schon eine ganze Anzahl derartiger Dienstveweigerer mitverurteilen helfen, sie waren einander sehr ähnlich, und ich halte diese Art von Behandlung für richtig. Wenn Sie also heute einen Dienstverweigerer zur Begutachtung bekommen, so ist er dem Untersuchungerichter irgendwie besonders aufgefallen. ... Die militärgerichtliche Praxis 1939/1944 hält also grundsätzlich gewisse Verschrobenheiten, überwertige Ideen und paronoische Entwicklungen im Sinne des Strafgesetzes nicht für abnorm."

Beim Thema Schweiz und Wehrdienstproblematik soll sicherlich nicht, die 1929 in Zürich erschienene Dissertation von Ernst Altorfer
„Die Dienstverweigerung nach schweizerischem Militärstrafrecht" vergessen werden.
In ihr wiederum aus dem Wertungsteil die Feststellung:

„Das Jahr 1917 brachte das Anschwellen der Dienstverweigerung aus Gewissensgründen auf die Höchstzahl von 37 Fällen." (S. 200)

Wie setzten sich nun zu Zeiten des ersten Weltkrieges die tatsächlichen Wehrdienstverweigerer in der Schweiz zusammen?
Dazu Altorfer: „S.205:

Vor dem Kriege waren es hauptsächlich die Sabbathisten, die die Militärgerichte beschäftigten. In den Jahren 1915-1919 verweigerten zahlreiche Antonianer den Dienst, während seit 1922 die Angehörigen der Sekte Leib Christi und der ernsten Bibelforscher das Hauptkontigent der Dienstverweigerer stellen. ...
In den ersten Kriegsjahren standen mehrere Antonianer vor Gericht, in die Zeit vor dem Kriege, in vereinzelten Fällen jedoch bis zum Jahre 1924 fallen die Dienstverweigerungen der Sabbathierer, während es seit 1922 die Sekte "Leib Christi" und die ernsten Bibelforscher sind, die die Mehrzahl der Dienstverweigerer stellen.
Die Sekte der Antonianer ist besonders deshalb interessant, weil sie, im Gegensatz zu den andern, eine typisch schweizerische, nur im Kt. Bern vorkommende ist."

Bemerkenswert an dieser Analyse. Also erst ab 1922 (nicht jedoch schon zu Zeiten des ersten Weltkrieges), spielten die Bibelforscher in der Schweiz bei der angesprochenen Thematik, mit eine Rolle.
Schon seit der Jahrhundertwende gab es aber in der Schweiz, von Russell inspirierte Kreise. Auch wenn man deren Schismen mit in Betracht zieht. Etwa das durchaus einige Zeitlang die Schweizer Zeitschrift „Die Aussicht" für Russell eine ihm Abbruch tuende Konkurrenz darstellte, so hat dieser Aspekt aber dergestalt keine Bedeutung, als Nachweisbar ist, auch im Kreis der sich um die „Aussicht" sammelte, ist fallweise Absolvierung des Wehrdienstes nachweisbar.
In diesem Punkte handelten sowohl die Russell-Hörigen, als auch ihre Opposition im Kreis um die „Aussicht" zu Zeiten des ersten Weltkrieges ähnlich.
Altorfer hingegen datiert den Beginn nachweisbarer Wehrdienstverweigerungen aus dem Kreise von WTG-Hörigen, ausdrücklich erst auf ab 1922.
Auch dieser Satz aus der Diss. von Altorfer sei nicht vorenthalten; wobei erneut an das Erscheinungsdatum der Arbeit von Altorfer erinnert sei (1929):

„In einem Falle begründete ein ernster Bibelforscher seinen Standpunkt mit einem Brief an das Gericht, der aus 126 Bibelstellen zusammengesetzt war; eigener Text fand sich ausser den immer wiederkehrenden Worten "Denn es steht geschrieben" keiner in diesem Schreiben.
Die Betreffenden haben sich so in das System ihrer Sekte eingearbeitet, dass es ihnen nicht mehr möglich ist, die Dinge anders wahrzunehmen, als sie durch ihre Bibelforscherbrille sehen. Ihre Gedankengänge sind im Gebiet der religiösen Ansichten derart von effektiven Momenten beherrscht, dass sie verstandesmaßig nicht mehr korrigierbar sind, da ihnen die Möglichkeit, Gegenvorstellungen zu bilden, vollständig fehlt.
Es trifft also auf 11 verurteilte 10 als unzurechnungsfähig erklärte ernste Bibelforscher zu!"
(S. 211, 212)

Das Naziregime droht
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. September 2013 00:05
Im Zeitspiegel
„Freiburger Zeitung" vom 25. 9. 1933

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=07&day=25a&year=1933&month=09&project=3&anzahl=8

Gleich und gleich - und dennoch nicht gleich!
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 30. September 2013 01:40
Im Zeitspiegel
Gleich und gleich - und dennoch nicht gleich!
Samuel Limbach, Herausgeber einer in der Schweiz erscheinenden Zeitschrift, mit dem Titel „Weissagungsfreund" wie soll man den nun einordnen?
Wollte nicht die Bibelforscher-Organisation der Frühzeit, mit Ausläufern bis in die Gegenwart, auch eine Art „Weissagungsfreund" sein?!
Im Falle Limbach zeigt sich wieder mal, die sich (mit Abstrichen) inhaltlich am nächsten stehen, können eben wegen dieser Nähe dennoch zum „Lieblingsfeind" mutieren.
Sicher gab es auch Differenzen theologischer Art, zwischen den Russelliten und Limbach. Aber eben auch nicht unbeträchtliche „Schnittmengen".

In der März-Ausgabe 1913 seines „Weissagungsfreund" sprach Limbach diese Differenzen mal an.
Als Überschrift wählte er : „An ihren Früchten sollt ihr Sie erkennen" und führte dann aus:

„Wir haben vor einigen Jahren einen Artikel im Weissagungsfreund gebracht, mit der Überschrift „Prüfet die Geister!" der vor allerlei falschen Propheten unserer Zeit warnte, unter anderem vor dem Gründer des Milleniums- oder Tages-Anbruch-Sekte, dem Amerikaner Ch. T. Russell und seine Irrlehren, die er mit viel Pathos vorträgt und die durch die Organe dieser Sekte in Masse unter die Leute gebracht werden, wodurch viele religiös angeregte, aber unbefestigte Seelen verwirrt werden."

Als Irrlehren meint er bezeichnen zu können:

„Zu dieser Irrlehre gehört die Leugnung des Fortlebens nach dem Tode, die Auferstehung Aller die Wiederbringung des Meisters im Millenium und die Vernichtung der beharrlichen Gottlosen."

Dann geht er zu eher aktuellen Aktivitäten der Russellianer über:

„Dieser Russell hat nun eine Reise um die Welt gemacht, um die bisherige Missionsarbeit zu „prüfen". Seine Visitationsreise dauerte im ganzen 116 Tage, die er zumeist auf dem Schiff zubrachte.
Eine solche Visitationsreise im Flug um die Welt nennt er eine „sorgfältige Untersuchung".

Und mehr zum Schluß kommend fügt er noch mit hinzu:

„Und wenn dann ein solcher Prophet sich noch dazu vor Gericht mit seiner geschiedenen Frau herumschlägt, so zeigt auch dies, dass er ein falscher Prophet ist.
Wir warnen somit auch noch einmal nachdrücklich vor ihm und seinen Lehren - besonders den Zeitschriften „Zions Wachtturm", „Volkskanzel", „Jedermanns Blatt".

Man kann zwar nachvollziehen, das Bibelforscher-Kreise über dieses Votum nicht sonderlich angetan sein werden. Dennoch hat sich Limbach mit seinen Ausführungen durchaus im Rahmen des zulässigen bewegt.
Das ändert nichts daran, dass er mit einiger zeitlicher Verspätung dann noch Post von den Bibelforschern erhielt, worüber Limbach im Jahrgang 1914 seines Blattes dann noch schrieb.
Datiert vom 20. März 1914 schrieb ihm, wie das Schreiben unterzeichnet war, ein „Dr. Emil Lanz
Präsident des Schweiz. Zweiges der I.V.E.B."

Lassen wir mal jetzt den Umstand außer Betracht, dass in späteren Jahren, auch ein Emil Lanz noch den WTG-Staub von seinen Füßen schüttelte (und er war sicherlich nicht der einzigste über den diese Feststellung getroffen werden kann).
Aber entscheidend ist ja nun, das Herr Lanz im Jahre 1914 noch unter der WTG-Fahne segelte.
Herr Lanz entschuldigt sich in einem Schreiben aus dem Jahre 1914 an Limbach erst mal, dass ihm der inkriminierte Artikel nur verspätet bekannt geworden sei.
Da kann man schon mal kommentierend anmerken. Also auch Lanz verfolgte die Käseglockenpolitik (nicht nach links und nicht nach rechts zu schauen. Ausnahmen nur dann, liegt plötzlich ein Stein im Wege).
Es wäre ja denkbar, dass er jenes „Geistesverwandte" Blatt auch als Abonnement bezogen hätte. Dann hätte er sicherlich zeitnaher Kenntnis, von dem in seiner Sicht „Stein des Anstoßes", was aber offenbar nicht der Fall war.
Herr Lanz gedachte nun auch nicht, sich umfänglich mit den Ausführungen mit „Weissagungsfreund" auseinanderzusetzen.
Er zog es vor, sich nur auf einen speziellen Punkt „einzuschießen."
In dem Schreiben des Lanz las sich das dann so:

„Ihr Artikel enthält und anderen den Passus

„Und wenn dann ein solcher Prophet noch dazu vor Gericht mit seiner von ihm geschiedenen Frau herumschlägt ..."

Damit haben sie ein Pressedelikt begangen, das sich als eine Unwahrheit und Verleumdung qualifiziert und das gerichtlich verfolgbar ist.
Da sie sich aber bereit erklärten in der nächsten Nummer des Weissagungsfreund eine sachliche von uns redigierte Richtigstellung zu veröffentlichen, sehen wir von einer gerichtlichen Verfolgung ab und fordern Sie hiermit auf, dieses Schreiben in extenso in der April-Nummer ihres Blattes zu veröffentlichen.
Tatsache ist nur soviel, das Frau Russell, die der Frauenrechtsbewegung huldigte und ihren Mann nicht dazu bekehren konnte, vor Jahren gegen ihn eine Trennungsforderung vor Gericht einreichte, welchen auch entsprochen wurde, als die Richter erkannten, dass ein weiteres Zusammenleben unter diesen Umständen unmöglich geworden war. Von einer Scheidung aber, der ganz andere Ursachen zu Grunde liegen müssen, war überhaupt nie die Rede.
Wir billigen ihn gerne die ihr Delikt mildernde „bona fides" in der Angelegenheit zu und wollen sie auch vorderhand nicht weiter in Verlegenheit bringen durch Widerlegung ihrer weiteren Äußerung über Pastor Russells Welt-Missionsreise. Die nobel und wahrhaft christlich gesinnten Leser ihres Blattes werden ganz von selbst die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen wissen und die Motive die sie zur Veröffentlichung resp. Weitergabe unwahrer Gerüchte, wie im vorliegenden Falle bewogen, nach ihrem sittlichen Wert zu taxieren verstehen. Dies zu ihrer persönlichen und zur Orientierung aller, die Pastor Russell lieber alles andere nachreden als etwas Gutes."

So so, da belehrt also Herr Lanz über die Unterschiede zwischen einer Trennung und einer Scheidung.
Nun soll es doch wohl so sein: Tatsächlichen Scheidungen, pflegt immer eine Trennung vorauszugehen.
Erfolgt dann der nächste Schritt der Scheidung, stehen damit unweigerlich, vorrangig wirtschaftliche Aspekte auf der Tagesordnung.
Auch heutzutage wird ja manchmal empfohlen in solchen Fällen, Mediatoren einzuschalten. Die können ihr Wirken für den Fall als erfolgreich verbuchen, gelingt es, diese wirtschaftlichen Aspekte im Sinne eines Interessenausgleiches, zu neutralisieren.
Die „Trennung von Tisch und Bett" indes ist so oder so, als dauerhaft einschätzbar. Hat Russell also eine wie auch immer geartete relative Verständigung mit seiner Frau erzielt, ist die Erbsenzählerei zwischen „Trennung und Scheidung" wohl eher kleinkariert.

Limbach erwähnt weiter:

„Oben erwähnter Herr legte mir ein von Russell unterzeichnetes Dokument vor, in dem er mit Berufung auf den Richter erklärt, dass er nicht geschieden sondern nur gerichtlich getrennt sei von seiner Frau. Die Unterschrift Russells - nicht der Inhalt seines Schreibens - war amtlich beglaubigt."

Auch diese Angabe, deutet dann wohl eher auf die Verwendung von Advokatentricks zur Überrumpelung des nicht geschätzten Gegners hin.
Im weiteren Verfolg dieses Disputes teilt Limbach dann noch mit:

„In „Licht und Leben" Nr. 14 (5. April 1914) S. 218 steht wörtlich zu lesen.

„Charles Russell, das Haupt der Milleniumssekte erfährt immer wieder scharfe Angriffe.
Letztes Jahr ist in New York eine Schrift erschienen mit dem Titel „Some Facts and more about the selfstyled „Pastor" Charles T. Russell".
„Haus und Herd" eine amerikanische Zeitschrift, bringt näheres darüber und die Kirchenzeitung von Cleveland Ohio, Organ der deutschen Synoden der reformierten Kirche in den Vereinigten Staaten (1913, 52) übernimmt das.
Die Schrift enthält einen ausführlichen Bericht über den Verlauf eines Anklagefalles, den Pastor Russell wegen Charakterverleumdung gegen Rev. J. J. Roß, einen Baptistenrediger, in Hamilton, Ont. angestrengt hatte.
Das Heft bringt eingangs den angeblichen Verleumdungsartikel den Rev. J. J. Roß im Juni 1912 gegen C. T. Russell veröffentlicht hatte.
In diesem Artikel wird behauptet, daß Russell niemals eine höhere Schulbildung genossen, dass er in der Philosophie und Theologie fast gänzlich unbewandert ist, dass er von den alten Sprachen nichts wüsste, obgleich er behauptet hatte, er erkenne sie, ferner dass er niemals als Prediger ordiniert wurde, dass er mit keiner kirchlichen Benennung verbunden ist, daß seine Frau sich von ihm scheiden lassen musste, wegen nachgewiesenen ungebührlichen Verhältnissen mit anderen Frauen, und dass er ein Eigentum im Wert von 35.000 Dollar für 50 Dollar veräußert habe, um die Ansprüche seiner geschiedenen Frau darauf zu verhindern.
Es wird in der Schrift weiter nachgewiesen, wie Pastors auf jede mögliche Weise dem Verhör das er selbst geleitet hatte, auszuweichen suchte, das aber, als er schließlich auf dem Zeugenstand auftrat, er verschiedene Aussagen die er gemacht hatte als unwahr widerrufen musste und dass die verschiedenen Gesellschaften die er gründet hatte, nur von ihm selbst kontrolliert werden.

Dieses Verhör fand in Hamilton, Kanada statt. Die Großgeschworenen haben am 11. April 1913 eine Entscheidung gegen Russell abgegeben. Alle Behauptung von Rev. J. J. Roß gegen ihn sind aufrechterhalten worden. Pastor Russell hat aus nachweislichen Gründen den Fall vor den kanadischen Gerichtshöfen nicht weiter verfolgt. Soweit „Licht und Leben" Wo ist nun die Wahrheit?"

Angesichts letzterer schon etwas umfänglicheren Recherchen, welche da Limbach in der Sache noch tätigte, und über die er in seinem Blatt auch noch berichtete, kann man es wohl in Zweifel ziehen, ob die WTG-Hörigen, mit ihrem Bestehen auf die Herausarbeitung des Unterschiedes zwischen einer Trennung und einer Scheidung, sich wirklich einen Gefallen getan haben.

Besteht Anlaß, den in der Schweiz erscheinenden „Weissagungsfreund" als relativ geistesnah (mit Abstrichen) zu den Bibelforschern einzustufen, so gilt diese Charakterisierung im gleichen Maße auch für das in Deutschland erscheinende „Deutsche Gemeinschaftsblatt".
Namentlich die sogenannten „Landeskirchlichen Gemeinschaften" (der Sektenflügel der „Großkirchen, welche im Gegensatz zu den „Freikirchen", die organisatorische Nabelschnur zu den „Großkirchen" noch nicht gekappt haben), bildeten in der Bibelforscher-Frühgeschichte das besondere Revier, wo letztere mit einigem Erfolg „wildern" konnten. Daher ist es durchaus nachvollziehbar, dass diese auf die Russelliten nicht sonderlich gut zu sprechen waren.
In der Ausgabe vom 8. 9. 1912 beschwerte sich genanntes „Dt. Gemeinschaftsblatt" darüber, dass noch immer in ihren Kreisen, die Zusendung unerbetenen WTG-Schrifttums zu registrieren sei.

„Scheinbar vergeblich warnen die Bruderräte, der Jugendbund, die Blaukreuzzeitung und andere Vorstände vor ungerufen erscheinenden „Brüdern" und Blättern."

Dieserhalb nahm man es in diesen Kreisen aufmerksam zur Kenntnis was eine „Brooklyner Zeitung über den in Brooklyn wohnhaften „Pastor" Russell berichtet."
Auch wenn der Name jenes Blattes nicht genannt wurde, handelt es sich offenkundig um den „The Brooklyn Eagle", welcher durch auch durch scharfzüngige Karikaturen zu Russell bekannt geworden ist.
Etwa diese, welche die Geschäftstüchtigkeit des Russell aufs Korn nimmt

Man vergleiche auch den Text zeitgenössischer WTG-Klagen dazu:

Nun zitiert in der Ausgabe vom 8. 9. 1912 genanntes Blatt einige Details dazu:
In der Tat auch anfechtbares etwa die Behauptung.

„Frau Russell hat sich von ihrem Manne scheiden lassen, wie verlautbart wegen Ehebruch".

Indes dieses „wie verlautbart" wird keinesfalls begründet dargelegt.
Sie sei dann

„wegen Unterhaltsgelder klagbar geworden, wies Pastor Russells Einwand, daß er mittellos und arm sei, zurück. Der Gerichtshof führte den Beweis, daß Russell ein Eigentum im Werte von 317.000 Dollar (1.341.250 Mk) der „Wachtturm- Bibel und Traktat-Gesellschaft", von welcher er Präsident ist, übertragen hat.
Zu einer Veräußerung eines Eigentums an einen Scheriff im Werte von 20.000 Dollar (85.000 Mk) für weniger den 200 Dollar (850 Mk) sagte der Gerichtshof:

„Der Zweck dieser ganzen Veräußerung war, Frau Russell ihrer Mitgift zu berauben, und es ist ein Betrug an ihr."

Auch wurde festgestellt, daß er Vermögen angehäuft habe durch Aktien, Spekulationen und durch Schenkungen seitens seiner Anhänger, die gelehrt werden, zu glauben, daß das Millenium (tausendjärige Reich) im Oktober 1914 beginnen wird."

In der Ausgabe vom 29. 9. 1912 teilt dann das „Dt. Gemeinschaftsblatt" mit, als Folge dieses Berichtes seien bei der Redaktion etliche Widerspruchsschreiben, namentlich die Details der Trennung/Scheidung eingegangen.
Daraufhin mußte die Redaktion dazu bescheiden:

„Wir möchten niemanden, auch keinem Irrlehrer Unrecht tun und nehmen daher gern Notiz von dem Scheidungsgrund, den ein amerikanisches Sonntagsblatt anführt:

„Die Scheidung wurde gewährt aus dem Grunde, weil die Geschworenen glaubten, daß die Beiden, wenn auch kein gerechter Grund zur Scheidung vorlag, doch glücklicher sein würden, wenn sie von einander getrennt lebten."

Als redaktionellen Kommentar gab es denn dazu noch den Nachsatz:

„Für einen Gottesmann und Reformator, als den Herrn Russell doch seine Anhänger hoch erheben ist auch diese beste Auslegung der geistlichen Ehescheidung eine traurige Sache; das Gericht nimmt an, seine Ehefrau, mit der er zwei Jahrzehnte gelebt, würde glücklicher sein, wenn sie nicht mehr mit ihm zu leben brauchte! -
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!"

Der Fortsetzung der Story, begegnet man dann in der Ausgabe vom 5. 1. 1913 des „Dt. Gemeinschaftsblattes".
Russell höchstpersönlich, wandte sich in einem Schreiben an dessen Redaktion.
Nun ist nicht bekannt, dass Russell etwa der deutschen Sprache mächtig gewesen wäre. Aber bekannt ist er, dass er etliche Hörige hatte, die es konnten. Die haben ihm dann schon mal die vorzitierten Berichte "zugesteckt" und auch seine Antwort dazu ins Deutsche übersetzt.
Nun also bekam die Redaktion Post von Russell. Namentlich schießt er sich darin auf den Vorhalt der Scheidung ein, und belehrt die Redaktion:

„Ich verlange nun als einen Akt der Gerechtigkeit mir und meinen dortigen Freunden gegenüber, daß sie folgende Tatsachen, die ich hiermit bezeuge, veröffentlichen."

Und dann legt er mit seiner Sicht der Dinge los:

„Meine Frau, welche ehrgeizig und der Frauenrechtsbewegung verfallen war, verlangte meine Geschäftsangelegenheiten zu leiten und suchte sie unter ihre Kontrolle zu bringen, womit ich mich nicht einverstanden erklären konnte.
Sie wurde böse gegen mich und reichte eine Klage auf Trennung ein.
Sie klagte nicht auf Ehescheidung und so konnte ihr auch keine gewährt werden."

Und weiter:

Der Gerichtshof „urteilte, daß weil es nicht gut möglich sei, weiter in Eintracht zusammen zu leben, es besser sei, dem Antrag auf Trennung Folge zu leisten.
Von der Zeit ab leben wir getrennt von einander.
Der Antrag, welchen meine Frau auf Trennung einreichte, enthielt keine Anklage auf Ehebruch; diese Frage kam deshalb überhaupt nie vor Gericht; und so war der Urteilsspruch in keiner Weise von einer solchen Klage beeinflußt.

Die einzige Bezugnahme auf Ehebruch ist auf Seite 10 und 11 der gerichtlichen Protokolle enthalten und zwar in bezug auf das Zeugnis, welches ich hier wiedergebe:
Herr Porter (Rechtsanwalt der Frau Russell)
„Wir erheben keine Anklage auf Ehebruch."
Frage, welche Herr Porter an Frau Russell richtete:
„Sie meinen nicht, daß Ihr Mann des Ehebruchs schuldig sei?"
Antwort: „Nein".

Offenbar sahen das einige zeitgenössische Blätter (in den USA) nicht ganz so, wie es Russell darstellt, denn der Bericht geht weiter mit der Angabe:

„Auf Anraten meines Anwalts verklagte ich (ein) Blatt wegen Verleumdung, und als der Herausgeber den wahren Sachverhalt erfuhr, war er sofort bereit voll und ganz die Aussage zurückzunehmen."

Neben der Streitfrage Trennung/Scheidung kamen im weiter oben zitierten Ausgangstext auch gewisse fiskalische Aspekte mit zur Sprache.
Nachdem er sich desweiteren, lang und breit, unter Hinweis auf biblische Beispiele als zu Unrecht verfolgt stilisiert, geht es in seinem Schreiben weiter mit den Sätzen:

„Die Beschuldigung, daß ich meine Frau betrogen hätte, indem ich mein Besitztum einer Gesellschaft vermachte, ist ebenfalls ungerecht und unwahr. Der Tatbestand (sei) folgender:
Lange vor der Trennungsklage hatten wir beide, meine Frau und ich, all unser Geld und Eigentum dem Herrn geweiht ... Und hernach vermachten wir all unsere irdische Habe der Gesellschaft ...
Anstatt meine Frau um ihre Rechte zu betrügen, habe ich jede Fürsorge für sie getroffen.
Das Gericht sprach ihr eine Rente zu, welche ihr auf vier Jahre zum voraus bezahlt wurde."

Und seinen vom 20. 9. 1912 datierten Brief an die Redaktion beendet er mit der weiteren Angabe; würde besagte Redaktion folgsam, und ungekürzt seine Gegendarstellung abdrucken,

„Wenn Sie dieser Aufforderung nachkommen, will ich (Russell) den Vorfall als erledigt betrachten."

Dieser Folgsamkeit entsprach zwar die Redaktion, konnte es sich aber doch nicht ganz verkneifen, dann noch ein eigenes redaktionelles Nachwort anzufügen:

„Überzeugt sind wir nicht. Schon die von R. selbst angeführte Begründung, daß es nicht gut möglich sei, weiter in Eintracht zusammen zu leben, ist für uns eine Schmach für einen Gottesmann ..."

Im Zeitspiegel
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. Oktober 2013 04:47

Der polnische politische Preis
Im Zeitspiegel
Heute von dreißig Jahren (am 1. 10. 1983) erschien in dem (laut Wikipedia) auflagenstärkste Politikmagazin Polens namens „Polityka" ein Zeugen Jehovas bezüglicher Artikel.
Seine Ausführungen machen deutlich, jetzt konnten die WTG-Hörigen den politischen Preis dafür kassieren, den das damalige polnische Regime auch zu bezahlen bereit war, dass sie zu den Zeiten der von der polnischen „Soldarnosc" im Sommer 1980 inszenierten Streiks, auf Seiten der Streikbrecher standen, und die waren in der Minderheit.

Es hätte in Polen jener Tage nicht viel gefehlt, und es hätte analog Ungarn 1956, wieder einen Einmarsch von Militärstreitkräften des damaligen östlichen „Warschauer Paktes" gegeben. Nur mit Ach und Krach konnte das polnische Regime jene Entwicklung noch abbiegen. (Stichwort: Ausrufung des Kriegsrechtes im Dezember 1981 in Polen).

Nun also im Jahre 1983 kassierten die Zeugen Jehovas, analog zu Himmlers Politikwechsel den Zeugen Jehovas gegenüber, ab 1943, ihren politischen Preis für ihr Verhalten.
Himmler jubelte die Zeugen Jehovas hätten „unerhört positive Eigenschaften", die wenn man sie nur richtig „anpackt" sich auch für das Naziregime noch nutzbar machen ließen. Dazu war er um diese Zeit bereits gewillt, wie seine Politik, die Zeugen Jehovas als „Halbfreigelassene" nunmehr zu behandeln, verdeutlicht. Wenn Himmlers Blütenträume auch nicht voll in Erfüllung gingen (unter anderem war den Zeugen ein Status als Mittel zur Versklavung einer „Rest-Sowjetunion" zugedacht).
So einzig allein aus dem Grunde, dieweil die Tage des Naziregimes, zunehmend gezählt waren.

Nun also um 1983, zahlte auch das polnische Regime, analog zu Himmler, den dortigen Zeugen Jehovas einen politischen Preis.
Auf weitere Einzelheiten wurde früher schon eingegangen.
Polen

Geschäftemacher „fliegen auf die Fresse"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 10. Oktober 2013 01:56
Im Zeitspiegel
Auch das gab es, ein von Geschäftemachern gerochener Geldabschöpfungsversuch, mittels einer nazistischen Heldensaga, entwickelte sich dennoch zum Flopp.
Da erschien den Geschäftemachern, das Thema der nazistischen Ikone „Horst Wessel" das geeignete, um darüber einen Film zu drehen.
Pech nur für die Geschäftemacher, der Daumen der nazistischen Machthaber senkte sich nach unten. Folge jenem „Horst Wessel Film", ereilte für seine Macher sicherlich unerwartet, ein Verbot, worüber (unter anderem) die „Freiburger Zeitung" vom 9. 10. 1933 berichtet

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=09b&year=1933&month=10&project=3&anzahl=10

Laut Wikipedia gab es dann unter anderem Titel, doch noch eine überarbeitete Fassung jenes Filmes. Indes der eigentliche Impetus des „großen Geschäftes" blieb auch ihm versagt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Westmar

Ein Stefan Heym etwa hat dann solcherlei Konflikte, später mal in anderem Kontext, in seinem Roman „Der König David Bericht" dahingehend zusammengefasst, die Aufgabe der Diktatur an ihre Lohnschreiber lautet, eine Geschichte zu schreiben „die allen Zweifeln ein Ende bereiten" soll.
Offenbar ist diese Form von geforderter Heldensaga dann jenen Filmemachern mißlungen.

Stefan Heym
Erzbischof Gröber bekennt sich zu Hitler
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 11. Oktober 2013 00:03
Titelt die „Freiburger Zeitung" vom 10. 10. 1933.
Im Zeitspiegel
Na dann ist ja wieder mal „alles klar"

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=10a&year=1933&month=10&project=3&anzahl=6

Wie notierte ein Herr Goldhagen etwa:

"Im Herbst 1941, als die Nationalsozialisten den Juden in Deutschland und Europa bereits ungeheures Leid zugefügt hatten, veröffentlichte Erzbischof Konrad Gröber einen stark antisemitisch gefärbten Hirtenbrief. Darin warf er den Juden vor, am Tod Jesu schuld zu sein"

Ach so, also nicht „blos" im Jahre 1933!
Am 22. 11. 1933 begegnet man ebenfalls in der „Freiburger Zeitung" einer „Laudatio" jenes Herrn Erzbischof für die maßgeblich von dem Vizekanzler Franz v. Papen gegründete „Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher". Die sollte im katholischen Bereich jene Aufgabe wahrnehmen, welche im Bereich der evangelischen Kirche, die „Deutschen Christen" ausübten.
Die Religionsströmungen im nazistischen Sinne zu deformieren. Besonders „erfolgreich" war allerdings jener von Papen angeführte Verein nicht, das gilt es auch zu sagen.
Immerhin hatte er prominente Fürsprecher, eben jenen Nazibischof Konrad Gröber!

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=07&day=22b&year=1933&month=11&project=3&anzahl=10

Die Meinung eines Kommentators
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. Oktober 2013 06:53
Im Zeitspiegel
„Und alles, weil einige übereifrige Juristen glauben, man könne der „FAZ" so eine goldene Zukunft verschaffen."

Besagte FAZ ist mir übrigens auch schon mal früher mehr als unangenehm aufgefallen in fraglichem Kontext. Daher steht sie bei mir - wie auch ein Presseverlagshaus mit Sitz in München auf der Ignorierliste.
Ich werde es mir dreimal überlegen, auch wenn sachlicher Anlass bestehen sollte, auf Pressehäuser dieser Art, je Linkmäßig hinzuweisen, in der Jahresfrist, die das berüchtigte „Leistungsschutzrecht" jenen Verlagshäusern zubilligt. Nach Ablauf der Jahresfrist stellt sich ohnehin dann die Frage noch, exisieren fragliche Links überhaupt noch? Hat es zeitverzögert überhaupt noch Sinn sie zu erwähnen?
www.tagesspiegel.de/kultur/wer-zitieren-will-soll-zahlen/8922246.html

Vorstehenden Hinweis nutzend habe ich jetzt eine schon länger angedachtes Überlegung in die Praxis umgesetzt.
In der „Extern"-Datei gab es auch einige Linksammlungen Unter der Überschrift „Aktive Tageszeitungen (Auswahl)" die auf Presse-Artikel zum Zeugen Jehovas Thema hinweis. Abgesehen davon, dass sich im Zeitraum von deren Erstellung bis zur Gegenwart, einiges geändert hat, somit etliche Links ohnehin nicht mehr als aktuell anzusehen sind, mag es in der Tat sinnvoll sein, auch die ersatzlos verschwinden zu lassen, was hiermit geschehen ist. Und namentlich zu prüfen, ob jene Links überhaupt noch existieren, teilweise ist auch zu beobachten, wenn dann unter anderer URL. Den Aufwand kann man sich ersparen. Der „Rasenmäher" erledigt das weitaus „kompetenter".
" ... und niemand etwas verändern will...?"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 21. Oktober 2013 21:52
Im Zeitspiegel

„Und so bleibt es auch – weil derzeit niemand etwas ändern will"

formuliert ein Pressebericht kommentierend. Zu denen die dabei nichts ändern wollen, gehört offenbar auch der - unverdienterweise - zum, Ministerpräsidenten von Baden-Würrttemberg aufgestiegene Herr Kretschmann
Wie aus anderen Pressemeldungen ersichtlich.
www.jesus.de/index.php?id=885&tx_ttnews[tt_news]=194877&cHash=fe6f585596547a23834fee2ad8d09931
Wenn auch Herr Kretschmann - unverdienterweise - mit zu denen gehört, die faktisch einem Skandalbischof von Limburg den Rücken stärken. Ergo das gleiche Pack repräsentiert, ist der genannte Presse-Artikel wohl etwas ungenau. Die beiden Opportunistenvereine CSPD und CDU/CSU für die das Motto gilt. Es findet zusammen, was zusammengehört, gehören in der Tat zu jenen, die da nichts verändern wollen beim Thema.
Wie formulierte kürzlich eine Pressekarikatur?

Die CSPD kassiert derzeit vielleicht etwa sechs Ministerposten. Da nach der Wahl zugleich auch vor der Wahl ist, wird sie dann mit 15 % Stimmen-Anteil bei der nächsten Bundestagswahl dafür „belohnt", wobei besagte 15 % dann gar noch zum hohen Anteile, ebenfalls unverdient waren!.

www.focus.de/politik/deutschland/affaere-um-limburger-bischof-jeder-deutsche-zahlt-fuer-die-kirche-dank-napoleon_aid_1135201.html

www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/extra6163.html

Wie Hitler über die Impfung denkt
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 24. Oktober 2013 03:50
Im Zeitspiegel
Dieses Thema war der „Freiburger Zeitung" vom 23. 10. 1933 es wert, zu einem eigenen Artikel gestaltet zu werden.
Pech nur für die Bibelforscher/Zeugen Jehovas, dass besagter Herr Hitler, ansonsten nicht viel von ihnen hielt.
Wäre nicht jener „Schönheitsfehler" so könnten sie ja auch Herrn Hitler in ihrem Club der gleichgesinnten Impfgegner begrüßen!

Herr Hitler war ihnen dann vielleicht noch dahingehend voraus, dass er eine vegetarische Ernährungsform für sich selber bevorzugte. Soweit indes wollten die Bibelforscher/Zeugen Jehovas als Dogma, nun doch nicht gehen.
Und was Hitlers vegetarische Grundsätze anbelangt, sollten die ihn nicht daran hindern, als einer der größten Menschenschlächter in die Geschichte eingegangen zu sein!

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=03&day=23a&year=1933&month=10&project=3&anzahl=8
Eingesandt aus Wolhusen
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 31. Oktober 2013 00:15
Im Zeitspiegel
Eingesandt aus Wolhusen

Da „kochte" als die „katholische Volksseele" und sucht Entlastung in der katholischen in Luzern (Schweiz) erscheinenden Zeitung „Das Vaterland" (Nr. 89/1923).
„Die falschen Bibelforscher im Land" titelt ein mit „Eingesandt aus Wolhusen" unterzeichneter Beitrag. Und siehe da, sein Verfasser weis mitzuteilen.
Auf einer Eisenbahnfahrt von Luzern nach Rothkreuz habe ein Herr Schutzbach unter allen Zuginsassen, eine Broschüre verteilt mit dem Titel „Wahr oder nicht wahr."
Dazu kommentiert der Einsender:

„Das Schriftchen ist eine direkte Aufforderung an das katholische Volk zum Austritt aus seiner Kirche. Über diese zur Rede gestellt, ja selbst nur über die Beantwortung des Titels, war Herr Schutzbach von Zürich in denkbar größter Verlegenheit, eine Antwort geben zu können."

An dieser Wortmeldung fällt schon mal die Bestimmtheit auf, mit welcher da der Name des Herrn Schutzbach genannt wird (von der ersten Stunde, wie Weinreich zu titeln beliebte).
Vgl. Kommentarserie1910
Möglicherweise hat sich jener Broschürenverteiler namentlich vorgestellt. Insoweit wäre das erklärbar.
Die Probleme indes, sind damit noch nicht vom Tisch.
Ein WTG-Schriftchen mit dem selbstständigen Titel „Was ist Wahrheit" ist mit derzeit nicht bekannt. Allenfalls kann vermutet werden, eine Schrift mit etwas abgewandeltem Titel oder auch ein Flugblatt.
Insoweit kann man inhaltlich schon mal nicht näher Stellung nehmen.
Jener Leserbrief-Einsender meint indes „noch mehr auf dem Kasten zu haben".
So plagiiert er auch die Behauptung:

„Durch ihre freche und aufdringliche Propaganda und durch ihr reichliches Gold und Silber aus Israel haben sie zwar schon viele fangen können ..."

Namentlich mit der wiedergegebenen Behauptung „Gold und Silber aus Israel" offenbart auch dieser Herr. Es besteht eine enge Verwandschaft zwischen religiösen Antisemiten Made Catholica und eher säkularen Antisemiten, die in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg, dann den katholischen Antisemiten zunehmend den Rang abliefen.

Mit diesem einem Leserbrief war es dann aber nicht abgetan.
Schon in der Ausgabe vom 3. 5. 1923 desgleichen Blattes meldete sich ein weiterer Leserbriefschreiber, der auch ausdrücklich auf den Vorgänger-Leserbrief Bezug nahm.
Was ihn besonders umtrieb fasst er dann mit den Worten zusammen:

Das „diese Leute als im Solde der Juden stehend hingestellt werden! Ob das begründete Tatsache ist, würde sicher noch viele Leser interessieren."

Aber auch letzterer Leserbriefschreiber muss dann schon mal einräumen:

„ ... Prof. Dr. Allgeier (kathol. Theologe in Freiburg i. Br.) bekannte, daß man sich dieser Leute schlecht erwehre, indem man sie als Bolschewisten oder verkappte Juden beschimpfe.
Der Laie vermag sich ob dieser widersprechenden Meldungen kein objektives Urteil zu bilden ..."

Damit war zugleich auch mit ein Stichwort geliefert, welches den genannten Prof. Aalgeier veranlasste, sich seinerseits auch in jenem Blatt zu Wort zu melden.
So geschehen in der Ausgabe vom 20. 10. 1923 unter der Überschrift „Stehen die Bibelforscher im Solde der Juden?"
Zur Ehre von Herrn Aalgeier sei schon mal gesagt, er verneint diese Frage.
Ob denn diese Verneinung beim eher ungebildeten Fußvolk auch tatsächlich „angekommen" ist, wäre eine Frage, wo unsereins eher Zweifel hat.
Zumal es ja nicht wenige publizistische Rattenfänger gab, denen solcherart Verschwörungstheorien „heiliges Evangelium" waren (und sind).
Ob denn Aalgeier wirklich daran gelegen sei, den Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, kann man mit gemischten Gefühlen sehen. Offenbar sein Motto.
Die „antisemitische katholische Kuh auf dem Eis" nicht gar zu sehr zu erschrecken. Sollte sie also noch ein paar Runden weiterer „Pirouetten" drehen. Aalgeier wird sie nicht ernstlich daran hindern.
Und so beschied er dann:

„Die Behauptung, die ernsten Bibelforscher stehen im Solde der Juden, kann höchstens finanziell gemeint sein. In dieser Form findet sie sich in der Broschüre von Hans Lienhardt 'Ein Riesenverbrechen am deutschen Volke und die Ernsten Bibelforscher' ... Lienhardt nennt S. 5 den Stifter Russell „einen amerikanischen Juden" und redet von unerschöpflichen „aus einer den Mitgliedern unbekannten Riesenquelle (aus jüdischen Banken in Newyork) fließenden Mitteln", ohne auch nur das Bedürfnis zu empfinden, diese Behauptung irgendwie greifbar zu belegen. Seine Schrift ist eine antisemitische Tendenzschrift ..."

Die Aalgeiersche Zurückhaltung wird auch daran deutlich, wenn er als nächstes dann noch auf dem famosen Fritz Schlegel aus dem eigenen „katholischen Stall" zu sprechen zu kommen sich genötigt sieht.
Bei Schlegel wähnt er nun wahrzunehmen, der indes habe eine Personalisierung vorgenommen, auf das jüdische Bankhaus Hirsch in Newyork.
Aber o weh, auch das muß Aalgeier registrieren. Nähere Angaben dazu fehlen (wieder mal).
Wie schön heil wäre doch diese katholische Welt, gäbe es diese „näheren Angaben". Pech nur, dass es sie eben nicht gibt.
Namentlich den Aalgeier'schen Schlußsätzen ist ausdrücklich zuzustimmen:

„Man sollte derartige Mätzchen in der Bekämpfung der Sekte meiden. Die Ernsten Bibelforscher bieten in ihren Phantastereien Angriffsflächen genug. Mit bösen Verdächtigungen zu arbeiten ist gar nicht nötig. ... Mehr als Verdächtigen liegt aber zur Zeit nicht vor."

Man vergleiche thematisch (unter anderem) auch
Mysnip.46627

Wenn der „katholische Stall" schon mal genannt wurde, dann gilt es wohl, ein anderes „Prachtexemplar" aus ihm nicht zu vergessen. Wiederum in der Schweiz ansässig; nicht etwa im von der Inflation gebeutelten Nachkriegsdeutschland. Dieser bittere Kelch blieb doch den Schweizern weitgehend erspart. Man kann allenfalls darauf hinweisen, der Verschwörungstheoretiker, der da in einer Schweizer Gazette zu Wort kommt, stammt aber aus Deutschland. Letzteres ist sachlich richtig, obwohl diese Spezies, auch in diesem Fall es erst mal vorzog unter einem Pseudonym zu agieren, getreu dem Motto:
„O, wie gut das niemand weis - das ich Rumpelstilzchen heiß"

Als ihm willfährige Gazette erkor er sich das in Olten (Schweiz) erscheinende Blatt „Der Morgen"; letzteres laut Untertitel „Katholisches Tagblatt der Schweiz".
Für katholische Kreise „passend", wurde in der Ausgabe vom 18. 5. 1923 getitelt:
„Sind die ernsten Bibelforscher wirklich so "harmlos...?"
Ehrensache für jene Kreise, dass die selbstgestellt Frage verneint wird.
Und ein Papst Leo XIII. mit seinem Antifreimaurerenzykliken wird es wohl noch im Grabe gefreut haben, dass in gesagtem katholischen Blatt, nunmehr in der indirekten Form, auch sein Loblied weiter gesungen wurde.
Der dort publizierende Herr wird von der Redaktion einleitend mit den Worten vorgestellt:

„Wir erhalten von einer durchaus eingeweihten Seite, die wir aber aus besonderen Gründen heute noch nicht nennen können, einen Artikel, der auf obige Frage eine ganz neue Antwort gibt."

Und schon einleitend in jenem Artikel, gibt es die Sätze, die wohl auch einen Leo XIII. noch Beifallsbekundungen entlockt hätten:

„Dies führt auf die richtige Spur, weist darauf hin, daß hinter all dem frommen Tun und Treiben das internationale Judentum und mit ihm die Weltfreimaurerei steckt".

Damit wäre das beabsichtigte Feindbild schon mal abgesteckt. Allenfalls wäre zu fragen. Und wie stehts mit den Beweisen?
Die „Beweise" sind dann wohl der Art, indem ein Rutherford-Schlagwort aufgenommen wird, das von den „Millionen jetzt Lebender" die da wundersamer Weise nicht zu sterben bräuchten. Da kann unser Verfasser es sich doch nicht verkneifen, das bedingt sogar als wahr anzuerkennen, dann nämlich, würde man diesem Rutherford-Slogan eine Ergänzung hinzuzufügen:
„Nämlich eines natürliches Todes". Hat Rutherford das so gesagt (letzteres) wohl kaum. Das ganze kann allenfalls als eine Persiflagge gedeutet werden, der Umdeutung einer Ursprungsaussage in ihr Gegenteil. Selbiges mag im Bereich der Karikaturen gang und gäbe sein. Und man kann ja nicht selten auch darüber lachen.
Indes wollte der Verfasser wirklich nur eine Karikatur liefern? In seinem theoretischen Selbstverständnis wohl kaum, auch wenn er es denn praktisch eine Karikaturähnliche Darstellung zustande gebracht hat.

Als nächstes wähnt der Verfasser verkünden zu können:

„Zufällig gelangten Originalbriefe aus Freimaurerkreisen in unsere Hände, die die „Harmlosikeit" der Ernsten Bibelforscher in einem völlig neuem Lichte zeigen".

Und dann wird in der Tat solch ein tatsächlicher oder vermeintlicher Brief zitiert, welcher von einer indirekten Bezuschussung der Bibelforscher redet.
Damit hatte dann dieser Autor einen Schlager in der Hitparade platziert, welcher lange Zeit allererste Plätze belegte, und kaum zählbare begeisterte Wiederkäuer fand.
Pech nur auch in diesem Fall. Der letzte Beweis erfolgte nicht.
Da das Thema umfänglich ist, und verstreut schon früher weiter im Detail behandelt wurde, mag die „Fortsetzung" an dieser Stelle abgebrochen werden.
Man vergleiche thematisch zum weiterlesen auch als Empfehlung
Mysnip.53190

Da namentlich auch jüdische Kreise bezichtigt wurden, „Finanzier der Bibelforscher" zu sein, sei auch auf den zeitgenössischen Kommentar des Rabbiners Salominski in der CV-Zeitung hingewiesen.

http://www.compactmemory.de/library/seiten.aspx?context=pages&ID_0=24&ID_1=439&ID_2=8474&ID_3=1000000000&ID_4=CVZ_02_0225.tif

http://www.compactmemory.de/library/seiten.aspx?context=pages&ID_0=24&ID_1=439&ID_2=8474&ID_3=1000000000&ID_4=CVZ_02_0226.tif

Re: Sternschnuppenfall
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 09. November 2013 14:26
Im Zeitspiegel
„Woher die Milliarden Sternschnuppen am 9. Oktober (1933) kamen".
So der Titel eines Artikels, welcher am 4. 11. 1933 in der „Freiburger Zeitung" publiziert wurde..
Jener Artikel meint zu wissen das Gewicht besagter Sternschnuppen, welche da auf die Erde herunter rieselten „wird auf 10.000 Tonnen angenommen, um die also die Masse der Erde bereichert worden ist."
Wenn es den so wirklich abgelaufen sein sollte, wie zitiert, dann allerdings kann man sich durchaus auch vorstellen, auch für Teile der Religionsindustrie als Spekulationsfutter geeignet. Allerdings, der Religionsindustrie redet jener Artikel nicht das Wort. Er müht sich eher das alles als „natürlich" zu erklären, und benötigt für seine Erklärungsvariante auch keinerlei Querverweis auf einen „großen Zampano".
Wie immer jenes Naturereignis denn tatsächlich zu deuten gewesen sein mag.
Die Erde existiert heute noch, trotz des „Sternschnuppenfalls vom 9. Oktober 1933".

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=04a&year=1933&month=11&project=3&anzahl=8

Siehe auch „Freiburger Zeitung" vom 29. 11. 1933
„Der unzuverlässige Bielasche Komet"

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=29a&year=1933&month=11&project=3&anzahl=6
Grigulewitsch - Lawrezki
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 10. November 2013 11:37
Im Zeitspiegel
einestages.spiegel.de/s/tb/29703/stalins-spion-josef-grigulewitsch-botschafter-unter-falscher-flagge.html

Gelesen in der obigen URL auch den Satz:

"Manche von Grigulewitschs Studien, etwa "Seelenfänger ohne Gnade - Sekten, Kulte und Wundertäter in der kapitalistischen Welt" wurden auch auf Deutsch veröffentlicht, in der DDR".

Was nun die Biographie jenes Grigulewitsch anbelangt, die da obiges Politikmagazin ausgebuddelt zu haben wähnt, ist die mir in der Tat neu, und ich kann sie denn auch nicht weiter bewerten.
Indes, der Buchtitel "Seelenfänger ohne Gnade" kam mir in Erinnerung, als eines, welches ich dann auch mal selbst gelesen habe. Habe ich es gelesen, werde ich mir vielleicht auch einige Lesenotizen dazu angefertigt haben, so die weitere Überlegung. Ergo suche ich die nun. Suche, suche und finde nichts.
"Was nun sprach Zeus?"
Versuchen wir mal das Pferd so aufzuzäumen, indem wir den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek nach ihm befragen. Und sieh da, man kann dort fündig werden, und kann als Ergebnis mitgeteilt bekommen:

Grigulevic, Iosif R.
Seelenfänger ohne Gnade : Sekten, Kulte u. Wundertäter in d. kapitalist. Welt / Josef Lawrezki. [Ins Dt. übertr. von Werner Höppner]
Berlin : Verl. Neues Leben 1987
Serientitel Nl konkret ; 78

Da ich jenes Buch auch als Privatexemplar vorzuliegen habe, der nächste Schritt es "auszubuddeln"
Und siehe da, auf dem Titelblatt wird als Autor ein Josef Lawrezki genannt.
Wie nun diese wundersame Namensveränderung zustande kam (bei der Deutschsprachigen Ausgabe) hat indes weder der "Spiegel" erläutert, noch liest man im Buch selber etwas darüber.
Weiter stellt sich dann heraus in Parsimony.5992 wurde jenes Buch schon mal erwähtnt.
Nochmals das Detailzitat daraus:

Noch eins. Vor Beginn der eben skizzierten Entwicklung, war die "westliche Sektenszene" kein "Thema" für die DDR-Publizistik; von wenigen Einzelfällen abgesehen. Etwa tagesaktuell begründete Zeitungsartikel; oder etwa die Publizistik des Helmut Obst.
Auch da gab es, so gesehen, im Jahre 1987 eine Neuerung. Abgesehen von dem schon genannten H. Obst, erschien in jenem Jahre auch erstmals ein Büchlein, dass zusammenfassend die Entwicklung darzustellen suchte, wie sie in der westlichen Publizistik seit Beginn der sogenannten "Jugendsekten"-Berichterstattung schon vielfach aufgegriffen worden war. Das Büchlein erschien im Verlag "Neues Leben"; ein Verlag der besonders die Jugend als Zielgruppe im Blickfeld hatte. Es handelte sich dabei um eine Übersetzung aus dem Russischen. Seinem Autor, Josef Lawrezki, war die westliche Publizistik zum Thema durchaus bekannt, die er dann inhaltlich auch vielfach mit aufnahm; allerdings auch eigene Akzente setzte.
Seiner Schrift gab er den Titel "Seelenfänger ohne Gnade"; was man ja im Hinblick auf die mit behandelten Moonies und Scientology und andere, nur bestätigen kann. Die Zeugen Jehovas waren dabei für ihn kein besonderes Thema. Es ging ihm primär um jene Gruppen, die nach ihnen noch gegründet wurden. Vielleicht mal zur Veranschaulichung ein paar Sätze daraus, mehr der grundsätzlicheren Art. (Nicht die Detailausführungen zu den einzelnen Gruppen) sondern seine grundsätzliche Wertung:
Waren im Mittelalter Sekten die einzig mögliche bewußte Form des Widerstandes - zuweilen trugen sie sogar, wie bei den Hussiten, revolutionären Charakter -, so sind die Sekten der spätkapitalistischen Zeit zwar noch Ausdruck des Protestes gegen Verfallserscheinungen der kapitalistischen Gesellschaft, entwickeln aber keine Widerstandskräfte mehr gegen diese Gesellschaft, von revolutionären ganz zu schweigen. Im Gegenteil, sie tragen zur Konsolidierung der bestehenden Gesellschaftsordnung bei, indem sie die Widerstandskräfte schwächen, vom Kampf ablenken, in die Illusion flüchten. Zwischen alten und neuen Sekten gibt es jedoch auch gewisse Gemeinsamkeiten.
Warum aber folgen Menschen unserer Tage solchen neu aufgetauchten Propheten und glauben aufrichtig an die von ihnen verkündeten "Wahrheiten"? Deshalb, antwortet "Stern", weil ihnen der Glaube die Bürde der rauhen und grauen Wirklichkeit erleichtert oder sogar abnimmt, weil er ihnen diese Wirklichkeit leichter erscheinen läßt. Weil er dem Leben einen tieferen Sinn gibt. Kurz mit den Worten von Siegmund Freud gesagt, weil der Glaube den Gläubigen mit angenehmen Illusionen erfüllt.
Nur der Glaube kann aus einem unscheinbaren, einsamen und mittelmäßigen Menschen einen von Gott Auserwählten, zum Beispiel einen "Zeugen Jehovas" machen, der mit seiner Zeitschrift "Der Wachtturm" an der Straßenecke steht und mit dem unerschütterlichen Glauben auf die vorbeieilenden Menschen blickt, daß er zu den wenigen gehört, die den herannahenden Weltuntergang ohne jeden Schaden überleben werden.
Wie die Geschichte beweist, entstehen neue Sekten immer dann, wenn das Land sozialökonomische und politische Erschütterungen erlebt, wenn der Boden, der alte Überzeugungen genährt hat, zerstört wird. So war es zum Beispiel in der Zeit von 1837 bis 1843, als die USA von einer ihrer ersten anhaltenden Industrie- und Finanzkrisen heimgesucht wurden. …

Noch ein weiteres Zitat aus der Lawrezki-Schrift wurde bereits verwandt, und zwar dieses:

"Sun Myung Moon, ist bereits 1982 wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Man hatte ihm nachgewiesen, 300 000 Dollar für persönliche Zwecke ausgegeben, jedoch als Kirchenvermögen deklariert und somit der Steuer vorenthalten zu haben." Auch eine gerichtliche Berufungsinstanz veränderte dieses Urteil nicht. [11]
Zu den Hintergründen des Moon-Urteils, sei als Exkurs eine sowjetische Publikation zitiert, die auch in deutscher Übersetzung erschien und in der ausgeführt wurde
:

"Warum eigentlich hatte sich die bekannte Zeitschrift 'Newsweek', … plötzlich vorgenommen … Mun bloßzustellen? Das erklärt sich aus der in den Vereinigten Staaten nach der Watergate-Affäre entstandenen Atmosphäre sowie daraus, dass Tätigkeiten der südkoreanischen CIA in Washington aufgedeckt wurden, wo der südkoreanische Spionagedienst sogar Kongreßabgeordnete, ganz zu schweigen von weniger hochgestellten Leuten angeworben hatte. Vom Internationalen Zentrum zum Studium der heutigen Sekten wurde zum Beispiel folgende Erklärung veröffentlicht:
'Es wird immer offenkundiger, dass eine leitende Persönlichkeit der koreanischen CIA, möglicherweise ihr Leiter selbst, den Gedanken gehabt hat, den Messias Mun auf den amerikanischen Markt loszulassen, dass durchaus nicht als zweitrangiges Element in den weitgestreckten Plänen des Säulen Diktators Pak Dschung H.' Die Verbindung Muns mit der südkoreanischen CIA wurden von einem Unterausschuß des USA-Kongresses untersucht.
In der Zeit des Watergate-Skandals hatte Mun auf jede Weise Nixon verteidigt und sogar einen Gottesdienst zu seiner Unterstützung abgehalten, was natürlich bei den Gegnern des damaligen Herrn des weißen Hauses feindselige Reaktionen auslösen musste. Mun war offensichtlich zu weit gegangen, als er erklärt hatte, er würde bald Herr der Vereinigten Staaten sein. So wurde er für die Führungsschicht der USA zu einer Persona non grata, zu einer unerwünschten Person. 1975 wurde sein Gesuch, die von ihm geführte Sekte in den Kirchenrat der Stadt New York aufzunehmen, mit 31 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Da spürte er, dass ihm der Boden unter den Füßen brannte.
Im Januar 1981 war Mun auf Anordnung des Bundesgerichtshofs in New York verhaftet und wegen Steuerhinterziehung angeklagt worden. Mun verteidigte sich damit, dass er als Führer einer Religionsorganisation nach der Verfassung nicht verpflichtet sei, Steuern zu zahlen. Muns Verteidiger erreichten eine Vertagung des Prozesses, sowie Haftbefreiung des Angeklagten gegen eine Kaution von 250 000 Dollar.
Im Juni 1982 wurde Mun dann von einem USA-Gericht für schuldig befunden, der Steuerbehörde Einkünfte in Höhe von mehr als 16 Millionen Dollar verheimlicht zu haben. Das Gericht verurteilte ihn zu 15 Monaten Freiheitsentzug und zu 25 000 Dollar Geldstrafe. Journalisten gegenüber erklärte Mun, dass er den gegen ihn geführten Gerichtsprozess als Wiederholung des Gerichts über Jesus Christus betrachte. Seine Verteidiger behaupteten, die Berufungsinstanz werde ein derart ungerechtes Urteil aufheben.
In seltener Einmütigkeit sagten die Zeitungen in den USA voraus, dass Mun letzten Endes dem Gefängnis entgehen werde. Er könne zu vielen Leuten nützlich sein … Und in der Tat, er war vor allem der antikommunistischen Weltliga sehr nützlich; denn selbst seine Haftzeit hinderte ihn nicht daran, sich als hart gesottener Kämpfer gegen den Kommunismus zu erweisen. In einer Spendenaktion für die Contras in Nicaragua ließ er großzügig einen Hunderttausenddollarscheck überreichen."

Yonan's Moon-Reverenz

Kommen wir zum Schluss. Wenn nun der "Spiegel" jenen Herrn nunmehr in ein schiefes Licht stellt, dann habe ich seine Biographie (er wurde 1913 geb.) nicht weiter zu bewerten. Ich habe auch seine sonstige Publizistik nicht zu beurteilen. Ich stelle nur fest, seine Ausführungen in "Seelenfänger ohne Gnade" bleiben auch weiterhin, weitgehend Zustimmungsfähig!

Re: "Dynamische Organisation" oder simple WINKELZÜGE
geschrieben von:  X ~ mysnip
Datum: 10. November 2013 13:14

Grigulevic, Iosif R.
Seelenfänger ohne Gnade : Sekten, Kulte u. Wundertäter in d. kapitalist. Welt / Josef Lawrezki. [Ins Dt. übertr. von Werner Höppner]
Berlin : Verl. Neues Leben 1987
Serientitel Nl konkret ; 78

Warum aber folgen Menschen unserer Tage solchen neu aufgetauchten Propheten und glauben aufrichtig an die von ihnen verkündeten "Wahrheiten"? Deshalb, antwortet "Stern", weil ihnen der Glaube die Bürde der rauhen und grauen Wirklichkeit erleichtert oder sogar abnimmt, weil er ihnen diese Wirklichkeit leichter erscheinen läßt. Weil er dem Leben einen tieferen Sinn gibt. Kurz mit den Worten von Siegmund Freud gesagt, weil der Glaube den Gläubigen mit angenehmen Illusionen erfüllt.

Nur der Glaube kann aus einem unscheinbaren, einsamen und mittelmäßigen Menschen einen von Gott Auserwählten, zum Beispiel einen "Zeugen Jehovas" machen, der mit seiner Zeitschrift "Der Wachtturm" an der Straßenecke steht und mit dem unerschütterlichen Glauben auf die vorbeieilenden Menschen blickt, daß er zu den wenigen gehört, die den herannahenden Weltuntergang ohne jeden Schaden überleben werden. …

Auf Seite 32 zu lesen:

Religiöse Kulte entstehen, entwickeln sich und verschwinden wieder. Um zu existieren, müssen sie sich an neue Bedingungen anpassen, Änderungen an ihrer Lehre und Organisation anbringen, neue Ziele setzen und dabei verschiedene WINKELZÜGE machen.

WT vom 13. Juli 2013:

www.jw.org/de/publikationen/zeitschriften/w20130715/wer-ist-treue-verstaendige-sklave/

Bisher haben wir in unseren Veröffentlichungen Folgendes erklärt ...

Weiteres gründliches Studium verbunden mit intensivem Nachsinnen unter Gebet führt zu dem Schluss, dass unser Verständnis der Worte Jesu über den treuen und verständigen Sklaven präzisiert werden muss ..
.

Nur noch die 8 Männer der LK der ZJ sind neuerdings der "Sklave", von welchem "geistige Gesundheit" abhängt.

Die „Geburtsstunde" der „Bekennenden Kirche"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 11. November 2013 11:24
Im Zeitspiegel
Am 10. November 1933 konnte man in der „Freiburger Zeitung" unter der Überschrift „Eine Erklärung des Reichsbischofs" auch die Sätze lesen;
„Ich bestehe aber auf meinen Willen den kirchenpolitischen Kampf als beendet anzusehen."

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=11&day=10b&year=1933&month=11&project=3&anzahl=12

Zwar war jener Reichsbischof maßgeblich von den Nazis in sein Amt gehievt worden, zwar wähnte er nunmehr im nazistischen Sinne „alles fest im Griff zu haben". Indes die Ernüchterung zu diesen vollmundigen Worten, sollte nicht übermäßig lange auf sich warten lassen.
Einstweilen war das Naziregime um inneren Burgfrieden bemüht. Eine für den 12 November 1933 angesetzte sogenannte „Wahl"veranstaltung, zugleich mit einer Austrittserklärung aus dem Völkerbund gekoppelt, sollte nicht durch Misstöne gestört werden. Im Zuge dieser Politik mussten auch die Nazigesteuerten „Deutschen Christen", eine „Großkundgebung" im Berliner Sportpalast zeitlich verschieben. Eigentlich hatten sie geplant, die noch vor genanntem Wahltermin durchzuziehen. Daraus wurde nichts. Das Naziregime bestand darauf, erst nach den Wahltermin. Man ahnte wohl, da habe sich schon einiger Sprengstoff angesammelt. Der aber sollte nicht vor dem „Wahl"termin hochgehen.
Schon einen Tag nach der „Wahl" am 13. November 1933, veranstalteten dann die „Deutschen Christen" im Berliner Sportpalast, ihre verschobene Veranstaltung.

http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/sub_image.cfm?image_id=2059&language=german

Eine eher kleine Notiz unter der Überschrift „Generalmitgliederversammlung der Deutschen Christen" gab es auch in der „Freiburger Zeitung" vom 14. 11. 1933.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=14a&year=1933&month=11&project=3&anzahl=8

Namentlich der dort mir referierende Gauobmann Dr. Krause lies dann „die Katze aus dem Sack".
Formal huldigte er zwar einem Martin Luther als Thema seiner Ansprache. In der Substanz indes, predigte er einige Thesen, wie sie vor ihn schon der Nazi Alfred Rosenberg „zum besten" gegeben hatte, in dessen „Mythus des 20. Jahrhunderts".
Es dauerte zwar etwas, bis man in kirchlichen Kreisen voll begriff, was da geschehen war. Wie man es denn endlich „gerafft" hatte, wurde einigen ihr schon vorher bestehendes Unbehagen, zur letztendlichen Gewissheit. Was dieser Dr. Krause da vom Stapel lies, habe nichts mehr mit konventionellem Christentum gemein.

Damit war die Scheidestunde zwischen „Deutschen Christen", und der sich jetzt auch organisatorisch festigenden „Bekennenden Kirche", endgültig eingeleitet.
Namentlich die Presse im Ausland, registrierte jenen nunmehr heraufziehenden Kirchenkampf aufmerksam, und sehr zum Missfallen der Nazis thematisierte das nunmehr umfänglich in ihrer Berichterstattung.

Siehe auch „Freiburger Zeitung" 16. 11. 1933
„Eine Erklärung des Reichsbischofs"
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=16a&year=1933&month=11&project=3&anzahl=6

Siehe auch die Meldung der „Freiburger Zeitung" vom 28. 11. 1933, welche über Zersetzungserscheinungen, innerhalb der „Deutschen Christen" berichtet.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=28b&year=1933&month=11&project=3&anzahl=12
Folgen des Nichtwählens #
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 13. November 2013 15:33
Im Zeitspiegel
Das Naziregime hatte zwar 1933 seine Zeugen Jehovas bezüglichen Entscheidungen bereits getroffen. Auch die Zeugen Jehovas hatten sich - anfänglich - dergestalt angepasst, namentlich bei ihrem Predigtdienst zurückhaltender zu agieren.
Siehe etwa 19342zufrieden

Nazistische Pressemeldungen, welche auf die Predigtdiensttätigkeit Bezug nahmen, und die gibt es in der Tat.
Vgl. Beispielsweise 19352Durchbruch
sind für 1933 noch nicht belegt.
Die Verbotssituation hätte also relativ „entschärft" ihren Fortgang nehmen können, wenn nicht ...
Dieses „wenn nicht ..." muss dahingehend näher beschrieben werden. Auch das Naziregime veranstaltete Volkszählungen, die sich dann „Wahlen" nannten. Gab es zwar nichts echtes zu wählen, waren sie doch im Sinne ihrer Macher eine eingeforderte Akklamationskundgebung.
Und just dieser Aspekt, sollte die relative „Ruhe vor dem Sturm", dann schon mal empfindlich aufwühlen.
Es wurde bereits früher notiert.

Zwar datiert die Phase der scharfen Konfrontation zwischen Bibelforschern/Zeugen Jehovas und dem NS-Staat erst ab Oktober 1934. Dennoch sind sie dem Regime schon davor "aufgefallen", insbesondere bei sogenannten Wahlen. Ein Beleg dafür ist ein entsprechend polemischer Artikel im "Heilbronner Tageblatt" vom 15. 11. 1933.
Da dieser Artikel quasi runde 80 Jahre alt ist, sei erneut auf ihn hingewiesen.
Dieses "Heilbronner Tageblatt" wurde zu diesem Zeitpunkt von einem gewissen Hans Hauptmann herausgegeben.

In diesem Artikel konnte man unter anderem lesen:

"Von diesen Narren, die sich früher 'Ernste Bibelforscher' genannt haben, verstänkert immer noch ein Grüppchen die geistige Luft Heilbronns, obgleich dieses Judenunternehmen des hirnweichen Herrn Rutherford aus Amerika im ganzen Deutschen Reiche verboten ist. Die hiesigen 'Zeugen Jehovas' (wer lacht da?) rekrutieren sich zum größten Teil aus kleinen Handwerkern und Handelsleuten. ...
Ihr Prediger - Treppenwitz der Weltgeschichte - ist ausgerechnet ein Fensterputzer, der seinen Zuhörern aber ihre Brillengläser nicht etwa blank macht, sondern mit der Judensalbe seines amerikanischen Meisters so undurchsichtig wie möglich macht.
Auch ein Milchhändler, der sich in wenigen Jahren von einer armseligen Handkarre über zwei Pferdegespanne bis zum Auto emporzuarbeiten verstanden hat, spielt eine Rolle im Kreise dieser Armen im Geiste.
Angesichts der Tatsache, dass die lächerlichen 'Zeugen Jehovas' ihren Anhängern zur Pflicht gemacht haben, bei den Wahlen am vorigen Sonntag nicht mitzutun, weil sie mit Politik, also mit dem Schicksal des Vaterlandes nichts zu tun hätten, muss der vernünftige Teil der Bevölkerung diesen Saboteuren gegenüber zur Selbsthilfe greifen. Wir rufen insbesondere die deutschen Frauen dazu auf, jede Geschäftsverbindung mit den Anhängern dieser Judensekte unbedingt und schleunigst zu lösen. Es liegt für deutsche Menschen, die sich soeben in hellster Begeisterung für den Deutschesten aller Deutschen, für Adolf Hitler erklärt haben, keine Veranlassung vor, diese bewusst Abseitsstehenden in Nahrung zu setzen. Man entziehe ihnen jede Unterstützung und lasse sie mit ihrem Judenkram allein. Vielleicht weichen die schleimigen Nebel aus ihren Hirnschalen, sobald ihre Magen knurren und sie einsehen lernen, dass sie ihre bisherigen Profitchen nicht so sehr dem Wüstengotte Israels, wie der Langmut und Nachsicht ihrer deutschen Volksgenossen zu verdanken gehabt haben."

Besagter Hans Hauptmann war schon früher als Gegner der Bibelforscher in Erscheinung getreten. In einer dubiosen Zeitschrift namens "Ariosophie" hatte er bereits 1931 einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel: "Was wollen die ernsten Bibelforscher." [36] Darin war zu lesen:
"Ein jüdischer Hausierer mit geöltem Mundwerk hat - leider in meiner Abwesenheit - zwei Wahnsinnstraktätchen in mein Haus geschwätzt. Beide haben den sattsam bekannten J. F. Rutherford, ehemals angeblich amerikanischer Richter, zum Verfasser."

Hauptmann kommt dann auf die Broschüren "Krieg oder Friede" und "Gericht über Richter, Prediger, Nationen, Geldmänner, Politiker" zu sprechen. Sein Kommentar dazu:
"Gibt es kein Gesetz, dass genügende Handhabe gibt, diesen Meuchelmördern der Vernunft in den Arm zu fallen, dann muss es geschaffen werden."

Namentlich ereifert er sich, dass die Bibelforscher nicht die Thesen der Deutschgläubigen vertreten, sondern im Kontrast dazu stark den Philosemitismus betonen. Er spart nicht an drastischen Formulierungen.
Sein Elaborat klingt mit den Worten aus:

"Die künstlichen Nebelwände und deren Verschleierungen, hinter denen das rabbinistisch geleitete Weltjudentum, solange unerkannt an der Vernichtung der arischen Völker gearbeitet hat, sind endlich zerrissen; man kennt seine Zusammenhänge mit den Freimaurern und den Jesuiten. ... Aber Millionen und abermals Millionen wollen nicht sehen. Das der Marxismus dieses Nichtsehen wollen mit allen Mitteln unterstützt ist erklärlich, denn er stammt aus dem jüdischen Arsenal und ist dem Judentume leibeigen. Ganz unerklärlich jedoch ist es, dass die christlichen Kirchen nicht nur nicht Front machen, sondern durch ihre bis zum Ekel betonte Judenfreundschaft mehr als nur indirekt den Kampf des Judentums gegen die christliche Kultur und die christlichen Völker unterstützen."

Im gleichem Kontext muss auch auf das Provinzblatt „Stollberger Anzeiger und Tageblatt" vom 14. 11. 1933 hingewiesen werden. Unter der Überschrift
„Bestrafte Nichtwähler" war darin zu lesen

„Zwei bekannte hiesige Bibelforscher hatten trotz wiederholter Aufforderung am Sonntag ihrer Wahlpflicht nicht genügt. Die beiden, die sich dadurch außerhalb der deutschen Volksgemeinschaft gestellt haben, wurden deshalb gestern nachmittag in Begleitung einiger SA-Männer mit einem Plakat mit der Aufschrift "Wir Lumpen (internationale Bibelforscher) haben nicht für Deutschland gestimmt" durch die Straßen geführt. Die Ehefrauen stellten sich freiwillig an die Seite der Männer."

Einen Tag später, am 15. 11. 1933 gab es im gleichen Blatt noch ähnlich thematische Meldungen

„Niederschlema. Bibelforscher haben nicht gewählt.
In Niederschlema hat am Sonntag die gesamte Wählerschaft, ihrer Wahlpflicht genügt, mit Ausnahme von einigen Schwerkranken und von sechs Bibelforschern. Letztere konnten es angeblich vor Gott nicht verantworten, für Deutschlands Ehre und Gleichberechtigung abzustimmen.
- Lichtenstein - Bibelforscher haben nicht gewählt
Auch hier haben sieben Bibelforscher nicht gewählt. Sie wurden nach Schluß der Wahl von SA-Männern mit Fackeln in der Hand durch die Straßen der Stadt geführt. Man hatte ihnen Schilder um den Hals gehängt, auf denen ihre Handlungsweise gebührend gekennzeichnet wurde.
Da sich gegen die sieben Personen seitens der Bevölkerung eine starke Mißstimmung bemerkbar machte, ordnete die Polizei die Inschutzhaftnahme der sieben Bibelforscher an."

Auch im „Zürcher" (Harbeck)-Buch „Kreuzzug gegen das Christentum", gibt es dort den Augenzeugenbericht:

"In der Nacht zum 14. 11. 1933 wurde mein Mann, ein Invalide mit 70% Steinstaublunge, gewaltsam von sechs SA.-Männern aus der Wohnung geholt. Mein Mann ... war unpolitisch und betätigte sich nicht an Wahlen. Meine Hilferufe aus dem Fenster hinderten die SA.-Männer nicht, meinen Mann gewaltsam aus dem Zimmer zu ziehen. Als wir die Straße betraten, erklärte ein SA.-Mann:
,Unser Auto ist weg, wir müssen zu Fuß gehen.' Wir wurden zum SA.-Heim geführt und dem dortigen Führer mit dem Vermerk übergeben:
'Wir haben den Landesverräter gebracht.'
Ich machte aufmerksam auf den kranken und gebrechlichen Zustand meines Mannes, wurde aber aus dem Zimmer geführt, um bei den Mißhandlungen meines Mannes nicht zugegen zu sein. Nach den Aussagen meines Mannes wurde ihm erklärt, er müsse vom Erdboden verschwinden.
Vier SA.-Männer legten meinen Mann auf einen Tisch, von zwei wurde er mit einem Gummiknüppel derart auf die Gesäßteile geschlagen, daß blutunterlaufene Striemen aufzuweisen waren. Nach dieser gräßlichen Mißhandlung wurde mein Mann mit den Worten auf die Straße gebracht:
'Jetzt geh, du bist fertig, du Landesverräter.' ... Auf dem Wege wurden wir von SA.-Männern mit den Worten:
,Ihr Landesverräter' verfolgt.
Seit jener Nacht verschlimmerte sich der Zustand meines Mannes; er starb nach einigen
Monaten."

Oder auch diesen Bericht:

"Vor der Wahl im November 1933 kam der politische Leiter und damalige zweite Bürgermeister meines Wohnortes zu mir in mein Sattler- und Tapeziergeschäft und forderte mich auf, zur Wahl zu gehen, andernfalls würde ich mein Haus, mein Geschäft, meine Ehre und mein Recht verlieren. ... Der Wahlsonntag brachte mir dann ... nachts vollständig zertrümmerte Fenster. Es flogen kiloschwere Steine in meine Behausung, sodaß meine Frau und ich, namentlich aber die Kinder in großer Lebensgefahr waren. Hernach wurde noch mein Anwesen mit einer sechs bis acht Meter langen und einen halben Meter hohen Inschrift versehen:
,Hier wohnt der Volksverräter ...hier ist kein Zutritt.'
Wer dann noch zu mir ins Geschäft kam, wurde teils von SA., SS. und der Polizei angehalten, was er in diesem Hause gekauft hätte. Somit wurde mein früher sehr gutgehendes und beliebtes Geschäft vollständig stillgelegt, und der Ruin war die selbstverständliche Folge. ..."

Mag in ausgesprochenen Großstadtregionen, bei jener 1933er „Wahl" ähnliches so noch nicht nachweisbar sein, machen doch die vorzitierten Meldungen deutlich, dass seitens des Naziregime die Verwendung von Lynchjustiz durchaus zu beobachten war.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt hätte die WTG-Organiation gewarnt sein können. Es gab ja auch später noch „Volkszählungen" (genannt „Wahlen") im Naziregime
Die Zeugen standen somit vor der Entscheidungsfrage, etwas taktischer zu agieren oder den Kurs der offenen Provokation ihrer Gegner fortzusetzen.
Sie entschieden sich mehrheitlich für letzteres, mit den bekannten Folgewirkungen.

Nun ist man bei Berichten aus dem Naziregime, mittlerweile Schlimmes gewohnt. Erinnert sei aber auch daran, dass selbst in den USA es zu Zeiten des zweiten Weltkriegs, zu Fällen der Lynchjustiz gegenüber den Zeugen Jehovas kam.
Oder auch ein Blick ins Nachbarland Frankreich zu der Zeit,
Namentlich die Gegend des Elsaßes (ein Albert Schweitzer in ihr auch geboren) erlebte eine vielfach wechselvolle Geschichte. Mal politisch zu Deutschland gehörend, aber in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg eben nicht mehr. Das solch wechselvolle Geschichtsverhältnisse die Zeugen begünstigen, braucht niemand zu verwundern. Und so wies das Elsaß von jeher besonders starke regionale Bibelforscherkonzentrationen auf. Man vergleiche nur das Buch der Frau Simone Liebster „Allein vor dem Löwen" als ein Beispiel dafür.
In Zitierung der Deutschsprachigen, in Straßburg erschienenen Zeitung „Der Republikaner", erwähnt selbst das „Goldene Zeitalter" mal solch einen dortigen Konflikt.
Zwar Vordergründig mit dem Wahlthema nichts zu tun habend, was ja keineswegs bedeutete, das Thema Wahlen wäre das einzige Konfliktfeld. Sicher gibt es deren noch einige mehr.
Die Zitierung des „Der Republikaner" (Nr. 273/1933) durch das GZ ist wohl lediglich dem Umstand zuzuschreiben, das in jenem Konflikt das genannte Blatt sich auf Seiten der Zeugen Jehovas schlug.

Als Überschrift titelte jenes Blatt:

„Klerikaler Scheiterhaufen-Fimmel, um eine Veranstaltung der Bibelforscher"

Und da das ganze sich in einer politisch zu Frankreich gehörenden Region abspielte, braucht man sich nicht zu wundern, das dortige Veranstaltungen mit dem sogenannten „Photodrama der Schöpfung" Ausgangspunkt der Auseinandersetzungen wurden.
Der Zeitungsbericht kündet nun davon, in einigen Ortschaften sei jene Veranstaltung konfliktlos abgelaufen, wohl mit einer Ausnahme Straßburg betreffend;

„Kam es in Straßburg zu Tumultszenen, deren Urheber fanatisierte klerikale Gruppen waren, die den Vortrag der Ernsten Bibelforscher zu sabotieren versuchten und sogar eine polizeiliche Intervention veranlassten."

Genanntes Blatt kommentiert weiter:

„Wir haben mit den Ideen, welche die Bibelforscher propagieren, nichts gemein. Desto freier und unabhängiger sind wir, um aufs energischste die gegen das klerikale Kesseltreiben zu protestieren.
Was sich die Kleriker Presse in dieser Sache herausnimmt ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit."

Und weiter im Zeitungskommentar:

„Wir sind nicht reif zur klerikalen Diktatur! Wir bedauern, dass den Klerikalen die Wahrheit unangenehm ist aber sie müssen sich ein für allemal mit der Tatsache abfinden, dass das 20. Jahrhundert selbst im Elsass die Errichtung von Scheiterhaufen nicht mehr erträgt!"

Die Anlässe der Konflikte mögen in der Tat sehr unterschiedlich sein. Ob indes, die Geisteshaltung der deutschen Nazis und der Elsässer Klerikalen wirklich so „unterschiedlich" ist, darf wohl in Frage gezogen werden.
Im Falle der Elsässer Klerikalen bekamen die WTG-Hörigen von Außenstehenden Hilfestellungen.
Unter den Rahmenbedingungen des Naziregimes indes, gab es solch eine Hilfe nicht.

Mission Made in Papsttum
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 19. November 2013 01:13
Im Zeitspiegel
In einem Meinungsvotum gelesen

„Bei Mission denke man an vielleicht aufdringliche, aber eigentliche friedliche Zeitgenossen wie die "Wachturm"-Verteiler von den Zeugen Jehovas. Das katholische Mission ganz anders abläuft: gewalttätig verläuft, das belegte ... mit Passagen über Papst Pius XII und "katholische Schlachtfeste in Kroation oder 'das Reich Gottes'". In Kroatien wurden ab 1941 Serben und die serbisch-orthodoxe Kirche grausam ermordet. Die Greuel waren so bestialisch, dass sogar der Sicherheitsdienst der SS protestierte. Deschner schilderte sie im Detail - für zwei Besucherinnen zu deutlich: sie verließen den Saal."

http://hpd.de/node/17208
Einerseits wäre anzumerken, ergänzend zu diesem Zitat, vieles im Leben ist auch von Zeit und äußeren Umständen abhängig.
Dann darf auch an die Jugoslawienkriege nach 1945 erinnert werden. Auch da zeigte sich abgrundtiefer Hass. Also keinesfalls „nur" die Zeit vor 1945.
Auch die da zu Vergleichszwecken bemühten vermeintlich friedlichen
„Wachtturm"-Verteiler, können vom „friedlichen Lamm zum brüllenden Löwen" mutieren. Siehe als Beispiel nur
Sie wollen keine „Lispelheilige"
(und anderes mehr). Und ohne den Flankenschutz der SS hätte auch die Catholica in Kroatien nicht so wüten können wie sie es Tat. Man muss auch die Jahreszahlen mit beachten, wo sich das so abspielte. In den gleichen Jahren schritt auch in den USA der Mob des Ku Klux Klan und verwandtem, zu außergesetzlicher Lynchjustiz, in deren Gefolge dort einige Zeugen Jehovas im buchstäblichen Sinne geteert und gefedert, oder „Rizinuskuren" gewaltsam unterzogen wurden, und anderes mehr. Das alles spielte sich - es sei nochmals ausdrücklich wiederholt, in den ach so „freiheitlichen" USA ab ...

„Osservatore Romano"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 23. November 2013 00:25
Im Zeitspiegel
Auch der „Osservatore Romano", die Zeitung des Herrn Papstes, gibt laut „Freiburger Zeitung" vom 22. 11. 1933 ihren „Senf" dazu, dass nunmehr erst im Jahre 1933 die USA diplomatische Beziehungen mit der Sowjetunion aufgenommen haben. Besagte Sowjetunion bestand aber schon seit Ende des ersten Weltkrieges. Sonderliche „Eile" was die Aufnahme diplomatischer Beziehungen anbelangt, hatte man seitens der USA wohl nicht.
Möglicherweise hätte man jenen Schritt noch länger hinausgezögert, hätte man in USA-Politikerkreisen, sich nicht mittlerweile auch ein Bild davon gemacht, was sich in Hitlerdeutschland so abspielte.
Da man in den USA auch keinerlei Skrupel gehabt hat bzw. noch hat, fallweise auch mit Diktaturen „ins Bett zu gehen", stellte sich wohl die Frage der Neubewertung der Diktaturen. Offenbar hat es Hitlerdeutschland dabei geschafft, als besonders abschreckendes Beispiel, einen der vorderen Plätze zu belegen, und damit dem bisherigen Buhman Sowjetunion die Chance einzuräumen, nunmehr seitens der USA, etwas milder bewertet zu werden.
Darüber indes pflegten die salbungsvollen Sprücheklopfer im Vatikan, ihrerseits nicht weiter zu reflektieren.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=22b&year=1933&month=11&project=3&anzahl=10

Neben der Italienischen Ausgabe jenes Blattes, gibt es noch einige in anderen Sprachen. Eine allerdings habe ich „vermisst". Eine Ausgabe in lateinischer Sprache. Daher passt der nachfolgende Kommentar ja überhaupt nicht auf jenes Blatt.

Wirklich schade!

Im Zeitspiegel
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 28. November 2013 05:31
Ein Fragwürdiges „Menetekel"
In der Zeit von 1927 bis etwa 1936 gab es auch eine Zeitschrift namens „Menetekel" herausgegeben von einem gleichnamigem „Menetekel-Verlag" in Nassau/Lahn.
Der Untertitel jener Zeitschrift wechselte dann mehrmals. So lautete er etwa im Jahrgang 1927: „Die Stimme eines Wächters".
Noch aufschlußreicher ist vielleicht jener Untertitel, welcher für den 4. Jg. 1930 verwandt wurde:
„Monatsschrift für Erforschung der Prophetie, für Sammlung der Zeichen der Zeit und Verfolgung der Zwangsläufigkeit des Weltgeschehens nach dem vorbedachten Plan Gottes".
Als Schriftleiter jenes Blattes zeichnete ein Herr Friedrich Emde.
Ideologisch war jenes Blatt der sogenannten Brüderbewegung zuzuordnen. Die war zwar auch nicht einheitlich, in ihr gab es die Strömungen der „Offenen" und der „Geschlossenen" Brüder (Fremdbezeichnung). Namentlich die „Geschlossenen" gerieten dann auch noch in Konflikt mit dem Naziregime. Das aber im Gegensatz zu den Zeugen Jehovas, keinesfalls von Anfang an.
Was das Naziregime in ihrem Falle besonders zu bemängeln hatte, war ihre eher dezentrale Organisationsform. Die Nazis liebten es halt, am liebsten es nur mit einem strammen Nazibischof zu tun zu haben, der dann für seinen gesamten Laden zuständig sei. Da sich mit vielerlei örtlichen Gemeinden, zwar der gleichen Richtung, aber eben nicht einen strammen Führer-Bischof aufweisend, auseinandersetzen zu müssen, das war ihnen zu mühselig. Und weil es ihnen dieses war, zogen sie es vor, auch im Falle der Brüderbewegung, dann ihre Rasenmähermethode zur Anwendung zu bringen. Und die hieß in solchen Fällen schlicht und einfach: Verbot.
Nach dem dann jenes Verbot eingetreten war, schien erst mal guter Rat teuer. Er wurde aber letztendlich doch gefunden. Dazu das Zitat aus der Wikipedia:
„Am 13. April 1937 wurden die „geschlossenen" Brüdergemeinden von den Nationalsozialisten verboten, da man ihnen aufgrund ihrer starken Betonung der Absonderung von der Welt eine staatsfeindliche (und damit antinationalsozialistische) Haltung unterstellte (was auf die meisten aber nicht zutraf). Bereits im Mai 1937 konnte sich der größte Teil der „geschlossenen Brüder" mit Erlaubnis der Behörden als Bund freikirchlicher Christen (BfC) neu organisieren. Diesem Bund, zu dessen Statuten ausdrücklich das Bekenntnis zum nationalsozialistischen Staat gehörte, traten im November 1937 auch die „offenen Brüder" bei. 1942 vereinigte sich der BfC mit dem Bund der Baptisten zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG)."

de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCderbewegung#Deutschland
Was nun die Zwangsvereinigung mit den Baptisten anbelangt, so mischten die neuen politischen Verhältnisse nach 1945, auch diesbezüglich die Karten neu. Was die Zeit nach 1945 anbelangt, die hier jetzt nicht Thema ist, kann man auch den Artikel der Wikipedia vergleichen.
Der Name des Friedrich Emde wurde bereits genannt. In einem empfehlenswerten Buch von Daniel Heinz (im Jahre 2011 erschienen) mit dem Titel „Freikirchen und Juden im Dritten Reich" kommt dieser adventistische Autor auch auf den genannten Friedrich Emde mit zu sprechen.
So bescheinigt er Herrn Emde eine aus heutiger Sicht durchaus zwiespältige Haltung zur sogenannten „Judenfrage" die nicht allzuweit von der entfernt war, welche die Nazis praktizierten. Lediglich das Emde mehr auf „religiöse Aspekte" abstellte (beispielhaft S. 281 der Ausführungen von Heinz).
Nun habe ich die Ausführungen von Herrn Heinz ja bereits als interessant eingestuft, und kann nur jedem empfehlen, wenn es ihm die Zeit und sonstige Umstände ermöglichen sie sich mal selber anzusehen.
Das Buch von Daniel Heinz gibt es auch (Auszugsweise) in der Google-Buchsuche. Aber wie dort allgemein üblich, mit Lücken, die zum Teil relevant sein können, worüber man sich im klaren sein muss, wählt man nur diesen Weg.
Gleichwohl ist es nicht meine Absicht, an dieser Stelle den Herrn Daniel Heinz einfach nur zu wiederholen. Ich möchte da eher andere Akzente setzen, beruhend auf einer Einsichtnahme der Jahrgänge 1927 - 1931 des „Menetekel".
Unangenehm berührt hat mich da schon mal die Ausgabe des „Menetekel" vom 15. 8. 1928, welche die antisemitische Hetzschrift (das „Evangelium" der Nazis) „Protokolle der Weisen von Zion" abhandelt. Und hätte man einen Nazi zeitgenössisch befragt zu diesem Artikel. „Ist da was daran zu bemängeln an diesen Ausführungen", so hätte dessen Antwort wohl bloß aus dem Kurzsatz „Nein" bestanden.
Charakteristisch der Satz auf Seite 120:
„So dürfen wir also wohl in der jüdischen Freimaurerei die Wiege des antichristlichen Weltreiches und des Antichristen selbst vermuten. Wer mehr hierüber zu wissen wünscht bestelle bei uns „Protokolle ..." etc.

Ein weiteres „Schluckauf" verursacht bei mir dann die im Jahrgang 1929 (S. 91f.) enthaltene Rezension zu dem Antikriegsbuch von Remarque „Im Westen nichts Neues". Zwar von einem externen Verfasser geschrieben, gleichwohl musste ja Herr Emde als Schriftleiter, sein Okay dazu geben.
Und jener Rezensent „zerreißt" dann Remarque nach allen Regeln (seiner) Kunst. Weshalb ist er so mißgestimmt? Eben weil er erkannt hat. Was immer man zum Stil von Remarque berechtigt oder unberechtigt vorbringt, ist doch eher nebensächlich. Hauptsächlich ist Remarques Kriegsgegnerschaft. Und indem diese dem Rezensenten, grundsätzlich „gegen den Strich geht", spricht in Sonderheit dieser Umstand Bände!
So meinte jener Rezensent beispielhaft mit dem Argument „punkten" zu können:
„Es ist ja leider, Gott sei's geklagt, so Sitte geworden und gehört fast zum guten Ton in Deutschland, daß der Deutsche immer nur sein eigenes Nest beschmutzt."

Als dann der Nazi Goebbels, einige Zeit später eine Filmaufführung auf der Basis des Buches von Remarque, mittels weißer Mäuse, Medienträchtig sabotieren ließ, kann man sich unschwer den Kommentar jenes Rezensenten dazu vorstellen. Der dürfte wohl in dem Ausruf bestanden haben: „Wohlgetan, Goebbels".
Siehe dazu auch
Mysnip.87163

Noch einmal, im gleichen Jahrgang (S. 126f.) kam via eines weiteren Rezensenten, jenes Blatt auf „Im Westen nichts Neues" zu sprechen.
Jener zweite Rezensent, versucht es dann eher mit der „vornehmen Sprache". Er bescheinigt dem Remarque mit seiner Darstellung „Parteiisch" zu sein, wähnt aber nur eine „objektive Betrachtung" sei bei dem Thema (seiner Meinung) nach zulässig.
Wohl kaum dürfte Remarque selber, seine Parteilichkeit bestritten haben. Wenn jener Herr diese aber nicht zulassen will, dann bleibt schon die Frage übrig, wie eine Ersetzung parteiischer Kriegsgegnerschaft, durch eine vermeintlich „objektive" wohl in der Praxis aussieht. Glücklicherweise hat jener Rezensent es aber dem zeitgenössischen Leser jenes Blattes erspart, diese seine Kritik in weiteren Verästelungen darzustellen. Er hätte dann nämlich das Verfahren auch erheblich abkürzen können, indem er einfach ausgeführt hatte:
„Für weiteres, siehe das Programm der NSDAP".
Zu den weiteren zitierenswerten Besonderheiten, gehört dann wohl auch jener Text im „Menetekel" im Jahrgang 1931 (S. 103f).
Da hatte es sich also schon bis zur „Menetekel"-Redaktion durchgesprochen.
Die bisher als „Ernste Bibelforscher" bekannten, haben sich neuerdings einen anderen Namen zugelegt. Die Art indes, wie die „Mentekel"-Redaktion diese Namensveränderung ihrer Leserschaft präsentierte, ist wohl geeignet noch heute Kopfschütteln hervorzurufen, und der Redaktion es abzusprechen, sich ernsthaft mit dem in Frage stehenden Umstand beschäftigt zu haben, wenn sie dann ihrer Leserschaft, auch dieses mitteilte:
„Alte Feinde unter neuer Firma.
Die Religionsgemeinschaft der „Ernsten Bibelforscher" hat einen neuen Namen angenommen. Sie heißt jetzt „Internationale Bibelstudenten-Gesellschaft". Ihre Zentrale, von der auch das „Goldene Zeitalter" herausgegeben wird, führt jetzt die Firma
„Bibelhaus Magdeburg", Wachtturmstraße."

Namentlich wer mit dem Background eines Kenners der Zeugen Jehovas-Geschichte, sich mit dem „Menetekel" näher beschäftigt, dem wird da noch so einiges merkwürdig aufstoßen.
Dazu zähle ich auch dieses:
Im Jahrgang 1931 des „Menetekel" gibt es auch einen in drei Teile gesplitteten Artikel (S.39f, S. 55f, S. 68f.)
Sein Titel: „Gottes Wort über Ägypten" nach Johannes Walther".

Da bekommt also der famose „Johannes Walther" (alias Walter Küppers") berüchtigt-bekannt auch durch sein Endzeitdatum 1912, in diesem Blatt eine Wiederauferstehung.
Zu Küppers („Walther") siehe unter anderem
Kriegsprediger
Noch verwunderter reibt man sich die Augen, liest man im Jahre 1929 in jenem Blatt nachfolgendes Inserat:
„Zuversichtliches über die Zeit seit Adam" (Vorsteher)
64 S. Mk -50
Die Ausführungen werden manchen Widerspruch erwecken, besonders die Berechn. d. Hl. Jahres v. Adam an. Immerhin lernen Sie sie kennen. Sie finden auch viel Anregendes."

Da will also Vorsteher seinen 1926-Schrott den er nun „vornehm in „manchem Widerspruch" umtituliert, just zu jener Zeit, via das Blattes „Menetekel" weiter unter die Leute bringen!

Nicht damit genug, gab es in der Ausgabe vom 15. 1. 1930 eine wortwörtliche Wiederholung jenes Vorsteher-Inserates.
In trauter Nachbarschaft zu jenem Vorsteher-Schinken, gibt es in diesem Blatt, in dergleichen Ausgabe vom 15. 1. 1930 noch ein weiteres Buch-Inserat-Angebot. Und zwar dieses: Hado, „Rom, die größte Geheimmacht der Welt"
Es ist zur Genüge bekannt, dieses Buch ist die Umarbeitung des Balzereits-Opus „Die größte Geheimmacht der Welt".
Indem auch dieser Schinken nun, im „Menetekel" offeriert wird, lässt das wohl tief blicken. Sehr tief!

Ein Rückblick
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. November 2013 06:15
Im Zeitspiegel
Am 6. 12 1963 brachte in Ostdeutschland des Blatt „Neues Deutschland" den nachfolgenden Bericht. Als Überschrift war gewählt worden:
„Kann ein Wissender glauben?"

Und berichtet wurde über eine  „Konferenz über „Moderne Naturwissenschaft und Atheismus"
Als Detail gibt es dann die Ausführung:
„Kann ein wissenschaftlich gebildeter Mensch glauben? Gibt es neben der wissenschaftlichen Erkenntnis auch eine religiöse Erkenntnis? Ist ein Mensch mit hoher Moral immer auch ein gläubiger Mensch? Diese Probleme standen am Donnerstag im Mittelpunkt einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz über „Moderne Naturwissenschaft und Atheismus", zu der das Institut für Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität Jena in- und ausländische Gelehrte eingeladen hatte. Prof. Dr. Georg Mende betonte in seiner kurzen Eröffnungsrede, daß es sich um die erste Konferenz dieser Art in der DDR handele."

Weiter ist dann von einem „neugegründeten „Lehrstuhls für wissenschaftlichen Atheismus" unter Leitung des Professor Klohr an der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität in Jena die Rede, der am 5. 12. 1963 gegründet worden war.
Ein Kernsatz der verschiedenen Referenten dabei auch: „daß ein Mensch mit einer guten moralischen Haltung nicht unbedingt ein religiöser Mensch sein müsse."
Diesem genannten zeitlichen Kontext ist dann auch zuzuordnen, dass im November 1963, die erste Ausgabe einer damals neuen Zeitschrift mit dem Titel
„Atheistische Forschungen
Mitteilungsblatt des zentralen Arbeitskreises der DDR „Wissenschaftlicher Atheismus"
Hrsg. Institut für Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität
Verantwortlich Prof. Dr. Olof Klohr"
 
erschien.
Schon mit der Ausgabe Nr. 8 vom Dezember 1965 war dann für jenes Blatt Schluss.
Es gab zwar noch unter dem Titel „Religionssoziologie
Internationale Forschungsberichte" in den Jahren 1966 - 1968 ein Nachfolgeblatt, welches es aber in diesen zwei Jahren gerade mal auf magere fünf Ausgaben brachte. Dann war auch damit Schluss.
Anfänglich erschien eine dichtere Erscheinungsweise durchaus im Bereich des möglichen.
Der November-Ausgabe 1963 folgte die vom Dezember 1963. Dann wurden die Intervalle schon mal größer. Die Nr. 3 ist vom März 1964 datiert.
Im Dezember 1964 war man bei der Nr. 6 angelangt, und für 1965 brachte man es gar mal noch auf zwei Ausgaben.
Bezogen auf das Thema Zeugen Jehovas ist vielleicht die Kurznotiz in der Ausgabe vom Oktober 1964 aufschlußreich. Selbige notierte ein in der Sowjetunion (Russischsprachig) 127 Seiten umfassendes Büchlein von E. Bartoschewitsch und E.
Borrissoglebski, mir dem Titel: „Sie erwarten das Weltende", welches 1963 in Moskau erschien. Allerdings ohne auf seinen Inhalt irgendwie näher einzugehen.
Das ganze Unternehmen ist ohnehin der Rubrik zuzuordnen, der DDR-Staat ermöglichte - zeitweilig - einigen ihre universitäre „Futterkrippe" etwas auszuweiten. Wie sich das Interesse der SED-Apparatschicks an dieser thematischen Ausweitung dann merklich abkühlte, kühlten sich auch die Chancen zum weiteren Ausnutzen der staatlichen Futterkrippe, für deren zeitweilige Nutznießer deutlich ab. Wo es dann nichts mehr sonderlich zu verdienen gab, erlahmte auch das Interesse der Akteure zusehends.
Es ist das alte Lied. Jene Akteure hätten sich ja gerne als Beerber der auch in Ostdeutschland vorhandenen theologischen Fakultäten gesehen. Wie dann die Ost-CDU im Interesse ihrer eigenen Klientel das Ultimatum stellte, entweder die oder wir, und die SED-Apparatschicks auch treu diesem Ultimatum stattgaben, war auch das Ende dieses einst im November 1963 begonnenen Unternehmens in Sicht.
Klohr selber wurde dann als „Parteisoldat" an die Seefahrtsschule in Warnemünde-Wustrow (dann aber klammheimlich, ohne Pressemeldungen) beordert, wo er dann zukünftige Seefahrtsoffiziere „Nachhilfeunterricht" in Sachen Atheismus geben konnte, (sofern diese das nicht ohnehin vordem schon waren). Was denn theoretische Auseinandersetzungen in Sachen Atheismus, für die Klientel der zukünftigen Seefahrtsoffiziere für einen Nutzen haben sollte, ist ohnehin schwer nachvollziehbar, ergo eine typische Verlegenheitslösung.
Immerhin meinte man in der Jenaer „Glanzzeit" noch über 8 hauptamtliche Mitarbeiter an genannten Lehrstuhl verfügt zu haben.
Auch redete man davon:  „Im gegenwärtig bestehenden Arbeitskreis für Atheismus sind ca. 40 Mitarbeiter erfaßt."
Der hätte aber nur dann einen Sinn gehabt, hätte er es erreichen können, die theologischen Fakultäten in Ostdeutschland „abzuwickeln", was jedoch zu keinem Zeitpunkt in dem Bereich des Möglichen lag.
Und so dümpelte man denn so vor sich hin, bis zu dem Zeitpunkt der Schassung von Klohr, auch für die anderen Akteure der Postenwechsel angesagt war. Ganz ließ der Ostdeutsche Staat sie zwar nicht fallen, sie bekamen durchaus neue Posten zugeschanzt. Die jedoch hatten mit den Ursprungsintentionen nur noch wenig zu tun.
Wie dann jenes „Ende mit Schrecken" so noch nicht eingetreten war, also in der Anfangsphase des Unternehmens, konnte man in der ersten Ausgabe vom November 1963 auch dieses lesen:
„Der Arbeitsgruppe „Christliche Sekten in der DDR" gehören zur Zeit 5 Mitglieder an. Bisher liegen zwei Jahresarbeiten von Studenten über die Rolle und den Einfluß der Sekten in den Kreisen Jena und Meiningen vor.
Innerhalb dieser Darlegung wurden insbesondere die Auffassungen der Neuapostolischen Kirche, der größten Sekte in der DDR, ausführlich behandelt. Dabei zeigte sich daß die Auseinandersetzung mit der Ideologie der wichtigsten Sekten in der DDR bisher völlig unterlassen wurde.
Bei der Vielzahl der vorhandenen Sekten muß eine Orientierung auf diejenigen erfolgen, deren Wirksamkeit eine Untersuchung rechtfertigt. Dabei werden folgende Sekten in Betracht gezogen.
1. Neuapostolische Kirche
2. Methodisten
3. Baptisten
4. Evangelisch-Johannische Gemeinde
5. Siebten-Tags-Adventisten
6. Pfingstgemeinschaft
7. Zeugen Jehovas
8. Anthroposophie und spiritistische Gruppen
9. Hirt und Herde
10. Darbysten
11. Mormonen"

Da in dieser Aufzählung auch die Zeugen Jehovas mit vorkamen, wäre noch anzumerken.
Es wäre in der Tat weitaus sinnvoller gewesen, hätte jener skizzierte Kreis, schon damals jenes Thema weiter aufgenommen.
Stattdessen überließ der Ostdeutsche Staat den Mielke'schen Stasi-Mannen die alleinige Federführung beim Zeugen Jehovas-Thema, und stellte Optionen, wie die etwa von Jena aufs Abstellgleis.
In der Dezember-Ausgabe 1963 des genannten Blattes gab es auch eine Auseinandersetzung, die mehr indirekt, auch eine Relevanz beim Zeugen Jehovas-Thema gehabt haben hätte können.
Man las bezüglich des Buches „Obrigkeit" von Otto Dibelius dazu:
„Nach Dibelius rührt das ganze Unglück einer solchen christlichen Staatsauffassung, von Luther her, der den griechischen Urtext dieses Briefes Paulus an die Römer allzu frei mit „genialer Selbstherrlichkeit" übersetzte, indem an Stelle „höherer Gewalten" einfach „Obrigkeit schrieb. Dadurch sei das Luthertum obrigkeitsfromm geworden.
Diese Schrift, die erneut darauf abzielt, den kalten Krieg zu schüren und das Verhältnis der evangelischen Christen gegenüber unserem sozialistischen Staat zu verschlechtern, erhält ihre Kritik nicht nur von marxistischer Seite."

Die Obrigkeits-Schrift des Dibelius hatte ihre indirekten Auswirkungen dann durchaus im Zeugen Jehovas Bereich.
Die WTG seit 1929 der Rutherford'schen Obrigkeitslehre huldigend, sich selbst als „Höhere Obrigkeit" titulierend, wurde das ganze, angesichts der zugespitzten Dibelius-Thesen, der sich gar dazu verstieg zu postulieren. Die Verkehrsvorschriften westlicher Staaten könne er wohl respektieren. Die des Ostdeutschen Staates hingegen nicht. Wenn auch das Dibelius-Beispiel Verkehrsvorschriften für die WTG nicht relevant war, so doch der „Geist" der aus den Dibelius-Ausführungen sprach, der auch für die WTG Relevanz hatte. Indem nun dieser ganze Komplex, via Dibelius im besonderen zeitgenössisch thematisiert wurde, kam auch die WTG nicht länger umhin zu sehen, wie sie denn bei diesem Thema „die Kurve" bekomme.
Siehe zum Thema auch die
1963er Jahresdatei
Da man von der Konzeption her, durchaus fallweise den Blick mit auf Nachbarländer richtete, mag jene die Tschechoslowakei betreffende Referierung in der Ausgabe vom Juni 1965 noch mit (kommentarlos) zitiert werden:
Dort schrieb ein Michal Kolosik aus Bratislava über die Verhältnisse in seinem Land:
„Die modernen religiösen Sekten
Die einzige verfassungsmäßige Forderung besteht darin, daß der Glaube die Menschen nicht daran hindern darf, „die Bürgerpflicht, die ihnen vom Gesetz auferlegt ist, zu erfüllen"
Verfassung der CSSR, Artikel 32, Abs. 2
Nur die Ablehnung dieser Pflichten hat manche Sekten außerhalb des Gesetzes gestellt, z. B. Nazarener, Blaues Kreuz, Zeugen Jehovas, Pfingstbewegung, Wahre Kirche Christi, Freie Christen. Aber auch bei diesen nicht zugelassenen Sekten erfolgt die Ahndung durch das Gesetz nur im Falle der Verletzung der Staatsnormen aber niemals wegen ihres Glaubens oder ihrer Überzeugung."

Ab etwa Mitte der 1970er Jahre gab es dann von diesem Kreis noch eine unter weitgehender Ausschaltung der Öffentlichkeit herausgegebene Schriftenreihe über sogenannten „Wissenschaftlichen Atheismus". Letztere sollte man aber sachgerechter in „Staatsfrommheit Made in DDR" umbenennen. Alles in hochgestochenen Vokabeln formuliert, wie beispielsweise der Begriff „Realer Sozialismus".
Kritiker können es sich nicht versagen, zu diesem Begriff dann noch auf eine Zigarettensorte in Ostdeutschland (ohne Filter) namens „Real" hinzuweisen. Und so manchem drängte sich da der Slogan auf: „Siehst du die Gräber dort im Tal? - Das sind die Raucher von 'Real'"
Praxisbezug konnte man diesem Selbstbelobhudlungsunternehmen, ohnehin weitgehend absprechen.
Der tatsächliche „Praxisbezug" sah dann wohl so aus wie im Falle des in dieser Schriftenreihe mit vertretenen H. Dressler.
Den beförderte dann sein weiterer Weg dahin, angehende Theologiestudenten an den staatlichen Universitäten, Lehrunterricht in „Marxismus-Leninismus" zu erteilen.

Immerhin zum faktischen Ende der DDR machte jener Kreis nochmals dergestalt von sich reden, dass ein von ihm herausgegebenes „Handbuch" über die religiöse Szene in Ostdeutschland, just an jener Hochschule in Warnemünde/Wustrow als „Verlag" herausgegeben wurde.
Erneut feststellbar: Eine typische Verlegenheitslösung. Denn zum einen hatte die Thematik einer Seefahrtsschule mit Religionsfragen, nur wenig bis keine Beziehung. Zum anderen entsprach die Aufmachung jenes „Handbuches" im Hektographierverfahren, kaum dem, was man auch ansonsten in Ostdeutschen Verlagen, von der Aufmachung her, zu produzieren pflegte. Immerhin wenn man noch Inhalte rüberbringen wollte, dann mag das halbwegs akzeptabel gewesen sein.
Jenes „Handbuch" der Herren Muentz Wachowitz behandelte in der Tat mit das Zeugen Jehovas-Thema, was dann für Ostdeutsche Verhältnisse ein „halber Quantensprung" war.
Betitelt als „Forschungsbericht 31" gab es an jener Seefahrtsschule schon mal im Jahre 1984, innerhalb der Serie des „Wissenschaftlichen Atheismus" eine Ausarbeitung von Wolfgang Kaul, der da quasi der dortige thematische Mann war, sieht man von Klohr dem mehr Aushängeschild nach außen mal ab, eine Ausarbeitung:
„Kirchen und Religionsgemeinschaften in der DDR. Eine Dokumentation".
Die Zeugen Jehovas indes, kommen in jener 1984er Ausarbeitung faktisch nicht mit vor, sieht man von der durch Balzereit mit gegründeten Splittergruppe der „Freistehender Christen" mal ab, die zwar mit erwähnt wird, aber schon mal keine weitere Beschreibung erhält.
Einen „dicken Hals" kann man aus heutiger Sicht bekommen, liest man als vorgebliche „Zweckbestimmung" in dieser Schrift auch, sie solle

„den Lehrkräften des Marxistisch-Leninistischen Grundlagenstudiums Sachinformationen vermitteln."

Als wenn ausgerechnet diese Herrschaften nach solcherlei „Sachinformationen" nachfragen würden. Aber das Thema Verlegenheitslösung wurde ja bereits angesprochen.
Immerhin müht sich Kaul, eine gedrängte Übersicht über die religiöse Szene in Ostdeutschland zu geben. Die andernorts beliebte Sortierung in „Freikirchen" und „Sekten" wird man dort vergeblich suchen, und das ist auch gut so. Generell verwendet er für dieses Segment den Begriff „kleinere Religionsgemeinschaften", welcher in der Tat sachgerechter ist. Etwa 40 an der Zahl soll es von denen in Ostdeutschland gegeben haben.
„Einige von ihnen haben die Zulassung für die gesamte Republik, andere für ausgewählte Bezirke beantragt. Ihre Anzahl verändert sich hin und wieder, weil es sowohl Fusionen als auch Aufspaltungen geben kann. Zu Beginn der achtziger Jahre kann mit etwa 0,2 Mio Gläubigen gerechnet werden, ihre Anzahl ist relativ konstant."

An die Adresse der vermeintlichen „Großkirchen" gibt es die Aussage:
„Kirchliche Verlautbarungen operieren nach wie vor mit Mitgliederzahlen, die nicht den Prozeß der fortschreitenden "Säkularisierung", der Entkirchlichung, des Zerfalls religiöser Denk- und Verhaltensweisen bei der Mehrzahl der Menschen berücksichtigen."

Das wird dann an die Adresse der katholischen Kirche weiter zu dem Vorhalt spezifiziert:
„Die katholische Kirche gibt seit vielen Jahren etwa 1,2 bis 1,3 Mio Katholiken in der DDR an. Das entspricht etwa den Ergebnissen der Volkszählung von 1964. Dabei wird der allgemeine Säkularisierungsprozeß offensichtlich übersehen."

Auch aus heutiger Sicht noch als interessant einzustufen, sind die weiteren Zahlenangaben die Kaul über die religiöse Szene außerhalb der „Großkirchen" benennt. Einige relevante Zahlenangaben, die wie gesagt, nur das Ostdeutsche Territorium beinhalten, seien nachstehend mal aus dieser Studie zitiert.
Größtes Segment ist da vielleicht die „Evangelisch-methodistische Kirche" in Ostdeutschland die mit etwa 37.000 beziffert wird.
Die „Baptisten" („Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden") werden mit 22.000 genannt.
Was nun solche Gruppen wie „Altlutheraner" anbelangt, werden für die 11.000 bemüht. Die in Kontext zu diesen auch stehende „Evangelisch-lutherische Freikirche" sollen es auf 4.000 bringen.
Was Gruppen wie „Bund Freier Evangelischer Gemeinden" anbelangt (heutzutage auch durch Webseiten wie „Jesus.de" bekannt), werden die auf

„1.200 Vollmitglieder sowie 2.000 nichtgetaufte Freunde" beziffert.
Die „Altkatholiken" brächten es nach dieser Darstellung auf 1.200.
Die „Herrnhuter Brüdergemeinde" wird mit 1.200, die „Mennoniten" mit 300 und die „Quäker" mit etwa 250 - 300 beziffert, von denen aber nicht alle auch „Vollmitglieder" seien. Also unter Mitzählung des Sympathisanten-Umfelds.
Die heutige „Neuapostolische Kirche" (90.000) ging bekanntlich aus einer „Katholisch-apostolischen Kirche" hervor. „Sie sollen 5.000 Mitglieder haben, die aber in der Regel einer evangelischen Landeskirche angehören."
Das aus der „Neuapostolischen Kirche" abgesplitterte „Apostelamt Juda" wird mit 1.200 genannt. Eine weitere Absplitterung das „Apostelamt Jesu Christi" mit 14.000.
Und der auch diesem Milieu zuzuordnende „Reformiert-Apostolische Gemeindebund" mit 3.000.
Die „Siebenten-Tags-Adventisten" würden es auf 10.500 bringen, und die „Mormonen" („Kirche Jesu Christ der Heiligen der letzten Tage") auf 4.500.
Mit erwähnt werden die nur regional in Ostdeutschland vertretenen „Lorenzianer" mit 4.500, und die „Christliche Gemeinschaft Hirt und Herde" mit 7.000.
Bei letzterer besonders bemerkenswert, sie war in der Nazizeit auch verboten, konnte es aber erreichen, 1951 vom Ostdeutschen Staat erneut staatlich anerkannt zu werden.
Als zwei weitere Gruppierung seien noch genannt die „Christengemeinschaft" mit 5.000 und die „Evangelisch-Johannische Kirche" (Weißenberger) mit 3.500.
Alle genannten Gruppierungen pflegen ja heutzutage, wenn sie denn mal sie betreffende Zahlen nennen, diese dann auf Gesamt-Deutschland zu beziehen. Will man einen Überblick haben, wie ihr Ostdeutscher Anteil aussieht, dann empfehlen sich in der Tat diese Angaben von Kaul.

Exkurs:
Ein Kontrast-Zitat aus demselben Zeitraum, dann aber nicht aus dem Osten, sondern aus Westberlin. In der Zeitschrift „Stimme des Freidenkers", Ausgabe April 1960 (ein Vorläufer des heutigen „Diesseits") konnte man folgende Replik lesen:
„Im Organ der katholischen Lehrerschaft Deutschlands „Der katholische Erzieher" ... schreibt N. Rybucki über den an Westberliner Schulen angelaufenen Lebens- und Religionskunde-Unterricht des Deutschen Freidenker-Verbandes das seien 90.000 DM für konfessionellen Atheismus.
In der Westberliner Schule kann man seit Oktober 1959 an dem Lebens- und Religionskunde-Unterricht des Deutschen Freidenkerverbandes teilnehmen. Dieser Verband trat mit der Behauptung auf, 3.000 Kinder (die Zahl der Kinder in Berlin, die nicht an einem Religionsunterricht teilnehmen) wünschten diesen Unterricht und sicherte sich mit diesem Argument 90.000 DM aus dem Etat.
90.000 DM für konfessionellen Atheismus gegen die 4,15 Millionen, die für die gleiche Zeit beide christliche Kirchen in Westberlin für konfessionellen Theismus erhalten, das ist die Wahrheit. Merkt N. Rybucki denn nicht, daß er infolge seiner Entrüstung über diese geldliche Zuwendung im „Sumpf des Materialismus" steht?"

Diese Kontroverse verdeutlicht auch, wo immer die vermeintlichen „Großkirchen" mit ihren gerade mal 9 % der Deutschen, die wöchentlich ihre Gottesdienstlichen Veranstaltungen noch besuchen (eine Zahl aus dem Jahre 2013). Wo immer dieser auf tönernen Füßen stehende Koloß die Chance wittert, mit „Hauen und Stechen" seinen Alleinvertretungsanspruch durchzuboxen, man auch nicht zimperlich ist, das dann so zu praktizieren.
Jene die den Westberliner „Freidenkern" damals, besagten Lebenskundeunterricht zubilligten, taten es sicherlich nicht um der „Freidenker" willen, sondern um jenen 3.000 Schulkindern, in der Zeit, wo andere in Religion indoktriniert wurden, auch ein Unterrichtsangebot zu machen. Kalkül lieber einen Lebenskundeunterricht, als eine Verwahrlosung in Form schulloser Zeit. Jedenfalls ist der Fakt erstmal gegeben, das 3.000 Westberliner Schulkinder, zu der Zeit durch den traditionellen Religions-Verdummungs-Unterricht, gar nicht mehr erreicht werden konnten!

In einem weiteren Exkurs sei dann noch etwas auf den zum Ende der DDR dort gegründeten Freidenker-Verband eingegangen. Jene „Eintagsfliege" alsbald aufgrund übergeordneter politischer Konstellationen, ihr künstliches Leben wieder aushauchend, bot allerdings dem bereits skizzierten Kreis um Klohr, zeitweilig eine neue Chance zur vermeintlichen Selbstdarstellung.
Ein in der Sache dazu unverfänglicher Kommentar publizierte die Zeitschrift der Westberliner „Freidenker", namens „diesseits" in ihrer Ausgabe Nr. 3/1989.
Schon in Heft 4/1988 dieses Blattes, stellte man einmal ernüchtert aber auch zutreffend fest:
„Der schwindenden Bedeutung christlicher Kirchen geht ein Bedeutungsverlust des organisierten Atheismus einher."

Nun also diese neue Kreation am Ostdeutschen Himmel. Ein neuer „Lichtblick"? Wohl eher weniger.
Der Kommentator Klaus Sühl stellt denn auch schon mal einleitend fest: „Was ist passiert, daß die SED nach mehr als 42 Jahren ihre Meinung ändert und rechtzeitig zum 40. Geburtstag der DDR-Staatengründung den Aufbau einer Freidenkerorganisation propagiert?"
Und diese frühere SED-Politik beschreibt er zutreffend auch so:
Das Fazit der SED hieß dann auch knapp und unmißverständlich, man sei  „gegen die Gründung von Freidenkerorganisationen, statt die Zeit mit überflüssigem und schädlichen Aktivitäten zu vergeuden, (solle man) sich als SED-Mitglied in den Dienst des Aufbaus unserer Heimat zu stellen."

Ganz so „überflüssig" wie das Beispiel der Zeugen Jehovas dann belegt, waren solcherlei Fragen wohl nicht.
Allein das Ziel des (brüchigen) Burgfriedens mit der Kirche hatte für die SED-Apparatschicks größeres Gewicht. Folglich rangierte das Zeugen Jehovas-Thema unter „ferner liefen". Zudem hatte der SED-Staat ohnehin das Terrorinstrumenarium Staatssicherheit, als die dafür „geeignetere" Variante auserkoren.
Bezüglich der inneren und zunehmenden Widersprüche im SED-Staat stellt Sühl weiter fest:
„Absurderweise hat sich in der DDR die evangelische Kirche, eigentlich nicht gerade ein Hort des Fortschritt und der Veränderung und sicherlich keine besonders Staatskritische Einrichtung, in diesem Zusammenhang zu einem bedeutsamen Faktor entwickelt. Nicht, daß sie sich an die Spitze einer Bewegung gesetzt hätte, die die traditionellen Ideale des Sozialismus oder des demokratischen Humanismus einforderte. Gruppen, die nicht einmal von der Staatssicherheit umstandslos zu „Staatsfeinden" erklärt werden konnten, suchten und fanden - mangels anderer Alternativen - in der Kirche ein Dach, daß ihnen, wenn nicht Schutz und Geborgenheit, so doch zumindest ein vorübergehendes Unterstellen ermöglichte.
Die Kirche nahm sich dieser Schutzsuchenden vorläufig an, mit zunehmenden Bauchschmerzen, wie man hört, d
enn viele der neuen Schafe suchten nicht die Nähe zu Gott oder zur Christenheit, sondern lediglich einen ungestörten Versammlungs- und Kommunikationsraum."

Dem suchte nun der SED-Staat dergestalt gegenzusteuern:
„Es gilt die Kirchen von der Aufgabe zu entlasten, Oppositionelle jeder Glaubensrichtung zu betreuen und zudem dafür Sorge zu tragen, daß der Kreis der Unzufriedenen zumindest nicht größer wird."

Das Scheitern dieser Scheinaufgabe, bedeutete zugleich auch das „Mitbegrabenwerden" ihrer Akteure.
Siehe auch:
Parsimony.Thread4764

Im Zeitspiegel

www.diesseits.de/panorama/rezensionen/lesebuch/1385852400/scientology-zwischen-genialitaet-wahnsinn
Lourdes
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 10. Dezember 2013 19:32
Im Zeitspiegel
Die Religionsindustrie meinte wieder mal ein Event feier zu müssen.
Gesagt getan, und so wurde denn laut „Freiburger Zeitung" vom 10. 12. 1933, vom Herrn Papst höchstpersönlich, eine „Seherin von Lourdes" „heiligesprochen.
„Passenderweise", erwies ein Prinz Christian von Sachsen, diesem Spektakulum auch seine Reverenz.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=11&day=10r&year=1933&month=12&project=3&anzahl=28

Ebenfalls „passenderweise" gab es im Anschluss daran, die getätigte Ansprache des Herrn Papstes, auch noch in der Zeitung des Herrn Papstes, zum nachlesen.
Täuscht mich nicht alles, wird selbige aber in der Regel in italienischer Sprache gedruckt.
Mit so einer profanen Sprache indes, hält ein Herr Papst sich nicht auf. Da schien es wohl „angebrachter" besagte Ansprache in lateinischer Sprache zu drucken.
Vermutlich hat sich der Herr Papst aus Traditionsgründen der lateinischen Sprache bedient.
Oder sollte es etwa ähnlich wie in diesem Zitat gewesen sein?

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=11b&year=1933&month=12&project=3&anzahl=10

Aggressive Werbemethoden
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. Dezember 2013 02:46
Im Zeitspiegel
Aggressive Werbemethoden
Sowohl die „Zeitschrift für das gesamte Familienrecht" des Jahrganges 1963 (S. 186f.) als auch die „Neue Juristischen Wochenschrift" des gleichen Jahres (S. 1170f.) berichteten über einen Gerichtsfall, welcher sich durch mehrere Gerichtsinstanzen hindurch zog.
Zu den äußeren Rahmenbedingungen:
Der Inhaber eines Strickereibetriebes, nebst einigen seiner näheren Angehörigen, wurde etwa im Jahre 1953 Zeuge Jehovas.
Jener Betrieb bildete zugleich (wohl überwiegend) weibliche Lehrlinge aus.
Die Agitation des Firmeninhabers, nebst Angehörigen im Sinne der Zeugen Jehovas, an die Adresse der Lehrlinge, nahm schon mal größere Ausmaße an.
Die Rede ist auch davon, dabei - was ja nicht sonderlich verwundert - es seien auch herabsetzende Äußerungen in Sachen katholischer Kirche erfolgt. Zitat aus der NJW:
„Daß nach den getroffenen Feststellungen einem Lehrmädchen, das sich mit dem Gedanken eines Austritts aus der katholischen Kirche trug und deswegen ernste Auseinandersetzungen mit seiner verwitweten Mutter hatte, sogar das Angebot gemacht wurde, sie könne bei den Angehörigen des Lehrherrn bleiben, wenn sie aus religiösen Gründen Schwierigkeiten mit ihrer Mutter bekommen sollte."

Weiter ist davon die Rede, sowohl während, als auch nach der Arbeitszeit, erfolgten diese Beeinflussungsversuche. Auch von Mitnahme der Lehrmädchen in Versammlungen der Zeugen Jehovas ist die Rede.
Die Gegenreaktion bestand nun darin, dass bereits im Jahre 1955, die übergeordnete Handwerkskammer, diesem Betrieb das Recht zur Ausbildung von Lehrlingen entzog.
Dagegen suchte nun der Firmeninhaber - mit wechselndem Erfolg - auf der juristischen Schiene zu klagen.
Da nun mehrere Gerichtsinstanzen mit dem Fall befasst wurden, ergab deren Bewertung unter anderem:;

„Einzelne (Lehrmädchen) sind dadurch in ernstliche Zweifel an der Richtigkeit ihres Glaubens geraten, die bei einem Lehrmädchen so stark wurden, daß es nach seiner Aussage mit Sicherheit aus der katholischen Kirche ausgetreten wäre. Wenn seine Mutter dem nicht entgegengetreten wäre."

Diese Gemengelage wurde dann auch Gerichtlicherseits als „Missbrauch" eingestuft, wobei die akzeptierte Religionsfreiheit des Firmeninhabers als Zeuge Jehovas, indes seinem tatsächlichen Verhalten gegenübergestellt wurde.
Und diese Bewertung ergab zu seinen Ungunsten, sein Verhalten entspreche einer nicht hinnehmbaren Intoleranz.
Besagter Firmeninhaber wollte es aber dennoch weiter „wissen" und suchte eine Gerichtsinstanz durch die andere hindurch, noch sein vermeintliches Recht zu erstreiten.
Offenbar ist er aber mit seinem Rechtsstreit letztendlich doch gescheitert.
Allenfalls durfte er sich dann wohl über die für ihn damit verbundene Kostenlawine „erfreuen".

Ein Stimmungsbild aus Bundesdeutschen Gerichtssälen des Jahre 1963
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 26. Dezember 2013 01:11
Im Zeitspiegel
Sind ein Baumaschinist und auch ein Maurer (die handelnden Hauptakteure in einem Bericht) dazu berufen, die staatliche Gesetzgebung umkrempeln zu können? In deren eigener Sichtweise - vielleicht. In der Sichtweise der staatlich Berufenen Gesetzesausleger wohl kaum.
Letztendlich ist auch dieses Beispiel ein Mosaiksteinchen im Gesamtgefüge des WTG-Anspruches Staat im Staate sein zu wollen.
Der fragliche Bericht erzählt; einleitend wird notiert:
„Mit welcher Berechtigung entzog sich ein junger Baumaschinist aus Gribbohm, Familienvater von zwei Kindern, dem zivilen Ersatz-Wehrdienst wegen seiner Uneinsichtigkeit und seiner Unbelehrbarkeit? (Daher) verurteilte das Itzehoer Schöffengericht den jungen Mann zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung."

Weiter wird berichtet:  „Der junge Angeklagte war wegen seiner Glaubensüberzeugung - er ist Zeuge Jehovas - als Kriegsdienstverweigerer anerkannt. Als er seine Einberufung zum zivilen Ersatzdienst im Auguste-Viktoria-Stift in Bad Lippspringe erhielt, weigerte er sich. „Und warum?" fragte der Schöffenrichter.

Bis Mai war ich bereit, zivilen Ersatzdienst zu leisten. Aber dann kam die Bundestagsdebatte, wo die Frauendienstpflicht abgelehnt wurde. Warum ist der Pflegedienst den Frauen machen, Kriegsdienst und bei Männern nicht?" wollte der Angeklagte wissen.
Mit sehr viel Geduld machte dem hartnäckigen Ersatzdienstverweigerer das Gericht klar, daß das Gesetz nun einmal bestehe, auch vom höchsten Gericht anerkannt sei und er sich danach zu richten habe, wie wir einem Bericht der „Norddeutschen Rundschau" vom 30. Dezember 1963 entnehmen.

„Bekennen Sie sich zur Gemeinschaft in der Bundesrepublik?" fragte der Vorsitzende und meinte auf die bejahende Antwort:
„Überlegen Sie, Ihre Kameraden setzen sich notfalls mit Leib und Leben ein, um Sie zu schützen und opfern eineinhalb Jahre für die Ausbildung. Dann müssen Sie zu Ihrem pflegerischen Vorbereitungsdienst auch bereit sein."

Gerade seiner Glaubenseinstellung nach müsse er sich doch zum Helfen verpflichtet fühlen.

„Helfen schon, aber keinen organisierten Liebesdienst, der Ersatz für Kriegsdienst ist". „Wehrdienst" berichtigte ihn der Richter.

"Die Organisation muß in einem modernen Staatsgefüge sein" setzte der Richter den Dialog fort und meinte, wer nicht bereit sei, die bestehenden Gesetze zu befolgen, müsse die Konsequenzen ziehen.
„Sie könnten dann aber in ein Land geraten, wo die Organisation viel straffer und die Einschränkung der persönlichen Freiheit Sie viel härter treffen wird!" gab der Vorsitzende zu bedenken.
Er legte dem jungen Mann auch nahe, bloß nicht Märtyrer zu spielen.
„Das bringt nichts ein!"

Als der Richter dann noch auf seinen geleisteten Berufseid hinwies, konterte der Unbelehrbare:

„Auch ich habe meinen Eid geleistet, Jehova treu zu dienen."

Und nochmals baute der Richter Brücken und fragte, ob er sich dem Gesetz beugen und künftig Kranke pflegen zu wolle.

Auch (ein) zweiter Angehörige der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas - ein junger Maurer aus dem Raum Horst, der ob seiner hartnäckigen Einstellung als Gesetzesbrecher zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde - blieb dabei, daß er Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen.
„Was ist Ihre letzte Erklärung?" fragte der Richter:

„Die Freundschaft mit Gott bringt Feindschaft mit der Welt. Ich werde auch weiterhin nein sagen und keinen Ersatzdienst leisten" war das letzte Wort des Angeklagten, der sich noch mit einem Bibelzitat verteidigte.

Der Staatsanwalt wies in seinem Plädoyer darauf hin, daß es für einen normalen Staatsbürger nicht zu begreifen sei, warum man nicht auch organisiert helfen könne.
Das Gericht habe sich alle erdenkliche Mühe gegeben. Nun bliebe ihm nichts anderes übrig, als eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten zu beantragen, die der Angeklagte auch verbüßen müsse.
Das Gericht erkannte entsprechend an.
„Wir achten jede andere Einstellung, aber ein Staat muß auf in Innehaltung seiner Gesetze achten."

Entnommen der Zeitschrift „Konfessionskundliche Berichte für Schleswig-Holstein" Ausgabe Februar 1964

Siehe auch:
Zivildienst
Dort weitere Verlinkungen

http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019135.html

Wieder mal: das Thema Waldorf
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. Dezember 2013 23:45
Im Zeitspiegel
„Nicht nur die Waldorfschule ist eindeutig immer noch ganz und gar von Steiners abstrusem Weltbild geprägt, sondern dieses bestimmt ebenso die anthroposophische Medizin und die biologisch-dynamische Landwirtschaft. In keinem der drei Praxisfelder hat sich grundlegend etwas geändert. Moderne, wissenschaftliche Erkenntnisse werden weiterhin ignoriert."

Zum Weiterlesen:
hpd.de/node/17401

„Mormon will die Welt erobern"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 17. Dezember 2013 23:41
Im Zeitspiegel
So der Titel es Artikels in der „Freiburger Zeitung" vom 17. 12. 1933.
Bemängelt werden deren missonarische Anstrengungen auch im „alten Europa", während der eigene Weltherrschaftsanspruch in den USA selber, noch nicht Realität sei.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=09&day=17r&year=1933&month=12&project=3&anzahl=27
Reichstagsbrandprozeß
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 24. Dezember 2013 06:35
Im Zeitspiegel
Das Urteil im Reichtagsbrandprozeß
(„Freiburger Zeitung", 24. 12.1933)
Marius van der Lubbe zum Tode verurteilt, 1934 dann auch hingerichtet.
Namentlich einige kommunistische Funktionäre wurden in dieses Verfahren als Mitangeklagte, einbezogen.
Jedoch sah sich das urteilende Reichsgericht, sehr zum Missfallen der Nazis, genötigt, deren formale Freisprechung im Urteil zu verkünden.
Siehe auch die Überschrift in der Ausgabe vom 27. 12. 1933 „Ein glattes Fehlurteil" usw.

Das wiederum hinderte die Nazis nicht daran, sie dennoch in ein KZ zu verschleppen.
Namentlich die theoretischen Freisprüche wurden auf internationaler Ebene, als moralische Niederlage der Nazis gedeutet.
Eine Folge dann, die Installierung sogenannter „Sondergerichte" in Sonderheit für den Bereich politischer Prozesse im Naziregime. Vertrauen in eine unabhängige Justiz hatten die Nazis nicht mehr. Deshalb die Installierung eines Sondergerichtswesen, bestückt mit den Nazi hörigen Kreaturen.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=24r&year=1933&month=12&project=3&anzahl=26

http://de.wikipedia.org/wiki/Marinus_van_der_Lubbe

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=27a&year=1933&month=12&project=3&anzahl=8

Zeitspiegel 7

Zeitspiegel 8

ZurIndexseite