Annotationen zu den Zeugen Jehovas

"Stasiopfer"

Es ist bekannt, dass das DDR-Buch von 1970 zu den Zeugen Jehovas, schon etliche unangenehm berührt hat. Beispielsweise sein zynischer Ton und einiges mehr. Auch ist bekannt, dass die WTG-Apologeten (Y. und Co) besonders die Verfasserfrage hochzuspielen versuchten. Im Dezember 2000 gab es nun ein Dementi zu registrieren. Ausgelöst durch eine Kontroverse im InfoLink-Diskussionsforum. Da meint einer nun, er habe nie unter dem Pseudonym "Stasiopfer" gepostet. Diese Postings liegen in der Tat schon länger zurück. Und es ist auch zu registrieren, dass nachdem ich auf meiner Webseite den gesamten Komplex offensiv angegangen bin, sie nicht mehr wiederholt wurden. Also es ist zu konzedieren, dass vielleicht ein Lernprozess stattgefunden hat. Dennoch kann ich es mir nicht verkneifen anzumerken, dass mich jenes Dementi keineswegs überzeugt hat. So seien denn nachstehend noch mal die seinerzeitigen Postings in Sachen "Stasiopfer" dokumentiert:

InfoLink Diskussionsforum

Re: Notizen zum Fall W.
Von: Teufel im Detail
Datum: 13 Feb 1999
Uhrzeit: 16: 56: 53

Kommentar
"W. kommt diesbezüglich auch auf die Stasidokumentation aus der ehemaligen DDR zu sprechen. Diese Feststellung über die tatsächlichen Urheber ist sachgerecht."

Herausgeber dieser Stasidokumentation war Manfred Gebhard, der in diesem Forum unter dem Namen ... teilnimmt. Das ihm die Beteiligung an dieser Verhetzung peinlich ist, ist verständlich, bescheinigt ihm Detlev G. doch "selektive Quellenauswahl" und "entstellte Zitate".

Re: Teufel im Detail
Von:
Datum: 13 Feb 1999
Uhrzeit: 19: 15: 06

Kommentar
G. hat damit nur ausgesprochen, was Gebhard selbst schon zu DDR-Zeiten als Kommentar an die Adresse jener gesagt hat, die dafür zuständig waren. Allerdings nicht auf dem offenen Markt sondern in internen Stellungnahmen, adressiert an DDR-Behörden. M. G.

Re: Mennoniten und andere
Von: ...
Datum: 28 Mar 1999
Uhrzeit: 12:27:36

Kommentar
Hajo schreibt:

"Es stellt sich mir die Frage, ob man überhaupt zu einer genauen Schilderung und Analyse historischer Sachverhalte dieses Thema betreffend kommen kann, wenn man die Theologie der Zeugen Jehovas nicht mit berücksichtigt."

Genau dies ist der springende Punkt - den ich auch Dr. G., Y. und anderen dieser Art vorwerfe.

Bekannt ist, dass die Bibelforscher im Ersten Weltkrieg sehr wohl Wehrdienst absolvierten. Die Verweigerung des Wehrdienstes durch Jehovas Zeugen steht unter dem grundsätzlichen Anspruch das Jesus laut der Bibel gesagt habe: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt". Sie sieht sich in der Kontinuität zu jenen Strömungen im Urchristentum, die mit gleicher Begründung Aktivitäten für den weltlichen Staat verneinten und als Alternative faktisch auf das "Jenseits" orientierten. Man kann diese Tendenz im Ansatz schon bei Russell belegen.

Zur Zeit Russells waren noch nicht alle potentiellen Konflikte in allen Facetten in Erscheinung getreten. Aber nüchtern betrachtet sind bei ihm schon die Wurzeln erkennbar, die den späteren Konflikten zugrunde lagen. Etwa wenn er schrieb: "Obgleich die bestehenden Gewalten, die Obrigkeiten dieser Welt 'von Gott verordnet', oder vorgesehen waren, damit die Menschheit unter ihnen die nötige Erfahrung mache, so soll die Kirche, die Herauswahl, die im kommenden Königreich eine Stelle erstrebt, weder Ehrenstellen noch Vorteile in den Reichen dieser Welt begehren, noch den Regierungen widerstehen. Sie sind Mitbürger und Erben des himmlischen Reiches (Eph. 2:19), und als solche beanspruchen se unter den Reichen dieser Welt nur solche Rechte und Freiheiten, wie sie Fremdlingen zugestanden werden. Ihre Aufgabe ist nicht, der Welt beizustehen ihre jetzige Lage zu verbessern, noch auch mit ihren jetzigen Angelegenheiten irgend etwas zu tun zu haben. Das zu versuchen, hieße nur Kraft verschwenden."

Russell verstarb 1916. Bis zu seinem Tode waren die USA noch nicht in den Ersten Weltkrieg eingetreten. Ihm blieb es somit erspart, die Konsequenzen seiner Position auch in einer Krisensituation weiter definieren zu müssen. Diese Last traf seinen Nachfolger Rutherford, der dafür prompt im Zuchthaus landete. In der Ära Rutherford liegt auch das Emporkommen des Nationalsozialismus, der solche Positionen einer weit schärferen Belastungsprobe unterwarf.

Ein anderes Veranschaulichungsbeispiel stellt die vormalige Sowjetunion dar, in der ursprünglich liberale Ansätze, zunehmend außer Kraft gesetzt wurden. So wurde dort im Jahre 1925 das Recht auf Kriegsdienstverweigerung auf solche Bürger beschränkt, die durch Geburt oder Erziehung Mitglieder von Familien sind, die zu Religionsgemeinschaften gehören, deren Lehren gegenwärtig und vor 1917 den Militärdienst verbieten. Dies war der theoretische Grundsatz, der in der Praxis aber schon bald ausgehebelt wurde. So warf man diesen "Sekten" vor, dass sich in ihren Reihen auch solche befänden, die nur wegen des Wehrdienstprivilegs sich ihnen angeschlossen hätten. Noch gravierender war der Vorwurf, dass Mitglieder derselben Religionsgemeinschaften (zum Beispiel der Baptisten, der Evangelisten) in Amerika und anderen Ländern sich aktiv an der Organisierung des Krieges gegen die Sowjetunion beteiligten, häufig selbst in den Interventionsarmeen anzutreffen waren.

Es war offensichtlich, dass man das Verhalten der betreffenden Religionsgemeinschaften, einer besonders kritischen Lupenbetrachtung unterwarf, um das Entgegenkommen in der Wehrdienstfrage endgültig ad acta zu legen, was dann im Zweiten Weltkrieg auch geschah. Aber schon davor wurde äußerst penibel alles aufgelistet, was man meinte als Gegenargument zu haben. Im Falle der Mennoniten in der Sowjetunion ist bekannt, dass viele von ihnen sich genötigt sahen, erneut auszuwandern.

Die Hintergründe dafür kann man auch aus einem zeitgenössischen Bericht von Scheinmann entnehmen. Er polemisierte, das dieses 'religiöse Gewissen' der Mennoniten seinerzeit in der Krim sie nicht gehindert hat, Spezialabteilungen zur Unterstützung der Wrangelarmee gegen die Rote Armee zu bilden.

Weiter führt er aus: "In dem (im Archiv des Wrangelschen Hauptquartiers aufgefundenen) politischen Bericht des Chefs des Nachrichtendienstes beim Stab der Weißen in der Krim vom 12. Januar 1919 lesen wir: 'Nach den Erklärungen eines angesehenen hiesigen Deutschen stehen die deutschen Kolonisten in der Krim der freiwilligen Armee (so hieß die südrussische weiße Armee) mit voller Loyalität gegenüber. Die überwiegende Mehrheit der Kolonisten sind wohlhabende Gutsbesitzer, und als solche sehen sie die einzige mögliche Rettung vor Anarchie, Plünderung usw. in der Freiwilligenarmee."'

Der abschließend bissige Kommentar von Scheinmann dazu lautet: "Die Frage, warum die Mennoniten - Kulaken und Grundbesitzer - den Weißen so bereitwillig halfen, wird hier ganz klar: weil diese die Herrschaft und das Privateigentum der Ausbeuter verteidigen. Das ließ die mennonitischen Kulaken ihre religiösen Skrupel, die ihnen den Waffengebrauch verbieten, ganz 'vergessen'. Sie erinnerten sich daran erst wieder nach dem Siege der Sowjetmacht."

So sind denn auch in der Gegenwart noch etliche Staaten bekannt, die sich in der Frage einer möglichen Wehrdienstverweigerung schwer tun und aus dieser Sachlage Konflikte weiter vorprogrammiert sind. Beispielsweise äußerte der kubanische Staats- und Parteichef Fidel Castro: "Sie (die Zeugen Jehovas) geraten in Konflikt zu den patriotischen Symbolen, zur Schule, zur Gesundheit, zur Verteidigung des Landes und zu vielen andern Dingen. Wenn sie uns dann mit einer Predigt kommen, die sich gegen den Militärdienst wendet, sind wir sehr betroffen."

Damit ist das Grundsatzdilemma angesprochen. Liberale Staaten tolerieren in gewissem Umfang Wehrdienstverweigerung, verlangen aber oftmals einen "Ersatzdienst" dafür. Sollte auch dieser verweigert werden, beginnt sich die Spirale des staatlichen Nichtverstehen Wollens, vielfach von neuem zu drehen. Organisationen, die Partner des Staates sein möchten, beispielsweise als "Körperschaft des öffentlichen Rechts", müssen sich dieser Erkenntnis in besonderem Maße stellen. Schon allein das Ansinnen einen solchen Status erlangen zu wollen, verdeutlicht, wie weit man sich von früheren Positionen bereits entfernt hat. Der Versuch "beides" zugleich haben zu wollen: Öffentliche Anerkennung und moralisches Vorbild sein zu wollen; erweist sich als ein Spagat, bei dem man sich fragen muss, ob er auf Dauer "durchhaltbar" ist?

Oder ob er nicht letztendlich dokumentiert, was auch bei anderen religiösen Wehrdienstverweigerern feststellbar war (beispielsweise insbesondere bei den Mennoniten). Auf Dauer werden diese Positionen nicht durchgehalten. Bezüglich der Mennoniten wurde bereits festgestellt, dass sie im laufe ihrer Geschichte zwei ehemals fundamentale Grundsätze aufgegeben haben. Nämlich die Verweigerung der Übernahme öffentlicher Ämter und die Wehrlosigkeit.

Diese Entwicklung trat nicht "konfliktlos" ein. Im Gegenteil. Dollinger spricht davon, das sie eine der schwersten Krisen in der Geschichte des Mennonitentums darstellte. Dieser Konflikt "endigte durchweg mit dem vollen Sieg der neuen Staatsidee, mit der unfreiwilligen Trennung von einem alten Privileg. Da, wo man sich in die neue Lage nicht schicken zu können glaubte, half nur die Auswanderung." Aber selbst in diesen mennonitischen Emigrationsländern, sahen sie sich oftmals nach einer gewissen Zeit vor die gleichen Probleme gestellt. So hob in Russland z.B. der Zar Alexander II. (1855-1881) das den mennonitischen Kolonisten gewährte Privileg der Befreiung vom Waffendienst auf.

Das hatte zur Folge, dass eine große Anzahl von Mennoniten nach den USA und Kanada abwandern mussten. Selbst für Holland, wo die Mennoniten relativ zahlreich vertreten sind, wurde im Jahre 1910 festgestellt, dass die Wehrlosigkeit dort jetzt "ganz in Wegfall gekommen ist, und auch in Deutschland, seitdem es während der Freiheitskämpfe 1813 stark erschüttert wurde, immer mehr in Wegfall kommt."

Dibelius bemerkt bezüglich der Mennoniten: Man hat die Mennoniten in Deutschland, seit man sie duldete, von der Militärpflicht befreit. Napoleon machte im Jahre 1806 diesem Vorrecht für die Rheinbundstaaten ein Ende. Und die Mennoniten fügten sich. Sie fügten sich abermals, als sie durch die Kabinettsorder vom 3. März 1868 auch in Preußen zum Heeresdienst herangezogen wurden. Allerdings erlaubte man ihnen, auch als Krankenwärter, Schreiber oder Trainfahrer zu dienen. Auch in den meisten außerpreußischen Staaten hielt man es so. Von diesem Recht machten wenige Gebrauch. Den Dienst verweigern - das tat keiner.

Als der Weltkrieg kam, stellten sich alle dem Vaterland zur Verfügung. Von 20.000 deutschen Mennoniten sind 400 gefallen. Der Grundsatz der Wehrlosigkeit ist nicht aufgegeben. Aber zum Konflikt mit der Staatsgewalt hat er nicht geführt."

Über die Hitlerregimezeit wurde bezüglich der Mennoniten berichtet: "Anfang 1938, also nach der Flut der Sektenverbote (in Deutschland), wies ihr Vorsitzender öffentlich darauf hin, dass durch die neue Verfassung der Gemeinde vom 11. Juni 1934 (also rechtzeitig vor der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht), dass Prinzip der Wehrlosigkeit völlig aufgegeben worden sei, und das die deutschen Mennoniten ihrem Heeresdienst ohne Einschränkung leisteten." Gewürzt" wurde das noch mit der Erklärung:

"Von Anbeginn der national-sozialistischen Bewegung stehen Mennoniten in großer Zahl, darunter alte und älteste Kämpfer, tatkräftig und opferbereit in vorderster Front. Sehr viele bekleiden innerhalb der Partei verantwortungsvolle Ämter. Wir sind in der Lage, dies mit Namen zu belegen. Allen ist der Dienst für unseren Führer eine hohe Ehrenpflicht, die sie mit Begeisterung erfüllen. Unsere mennonitische Jugend strömte sofort nach der Machtübernahme spontan in die Formationen der NSDAP."

Eine andere historische Friedenskirche mit dem zeitweiligen Grundsatz der Wehrdienstverweigerung stellt die "Religiöse Gesellschaft der Freunde" dar, landläufig auch als "Quäker" bekannt. Auch sie sah sich im Ersten Weltkrieg vor die gleiche Belastungsprobe gestellt. Über ihr Stammland, England, wird berichtet, dass ihr Verhalten dort nicht "einheitlich" war: "In England gaben einige Freunde nach 1914 ihre Überzeugung zugunsten der Befürwortung eines 'Kreuzzuges gegen Deutschland' auf und traten in die Armee ein, obgleich sie die Gelegenheit hatten, beim Roten Kreuz, in Quäkerorganisationen oder bei der Heeressanitätstruppe zu dienen."

Es wird geschätzt, das dort in dieser Zeit, zirka 32% der wehrpflichtigen Quäker dieser nachkamen. Auch die relativ neue Religionsgemeinschaft der Bibelforscher, sah sich im Ersten Weltkrieg der Belastungsprobe ausgesetzt, was tun oder nicht tun? Damals hieß ihr geistlicher Leiter noch Russell, den von Rutherford eingeführten straffen Zentralismus gab es damals noch nicht in dieser Form, obwohl erste Ansätze dazu schon vorhanden waren. Man hatte ja bekanntlich dem Jahre 1914 entgegengefiebert. Die landläufige Vorstellung der damaligen Bibelforscher war, das zu jener Zeit der "Kampf zwischen Kapital und Arbeit" einem neuen Höhepunkt zusteuern würde. Das es dann eine "Ende mit Schrecken" - aber kein "Schrecken ohne Ende" geben würde.

So konnte man beispielsweise im "Wachtturm" vom September 1914 lesen: "An die lieben Wachtturmleser. Der Krieg ist plötzlich über die Welt hereingebrochen. 'lieben Leser des Wachtturms und der Schriftstudien von Bruder Russell haben diese Trübsal vorhergesehen und erwartet. Aus diesem Grunde müssen wir im Geiste frohlocken, aufsehen und unsere Häupter emporheben, von ganzem Herzen 'unseres Leibes' Errettung erwartend, nämlich das Ende der Laufbahn der letzten Glieder der Herauswahl im Fleische und ihre Verwandlung zur geistigen Stufe des Daseins mit neuem unverweslichen, herrlichen Leibern, gleichgestaltet dem Leibe der Herrlichkeit Christ! Jesu, unseres Herrn."

Die anvisierte "Entrückung" aus den irdischen Trübsalen ließ auf sich warten. Statt dessen traten (nicht eingeplanter Weise), die irdischen Militärbehörden mit ganz konkreten Aufforderungen auch an die Bibelforscher heran. Man weiß aus dem Zweiten Weltkrieg, dass die Bibelforscher ihre Art von Antwort darauf gegeben haben. Aber wie verhielt es sich im Ersten Weltkrieg? Eine relativ eindeutige Antwort gab die deutsche Bibelforscherleitung, indem sie im "Wachtturm" vom Dezember 1914 schrieb:

"In solchen Zeiten, wie sie jetzt sind, empfinden wir eine herzliche Teilnahme mit den obrigkeitlichen Gewalten, sintemal diese von Gott verordnet sind. Wir erinnern uns der Worte des Apostel Paulus: 'Ich ermahne nun vor allen Dingen, das Flehen, Gebete, Fürbitten getan werden für alle Menschen für Könige und alle, die in Hoheit sind, auf das wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst. Denn dieses ist gut und angenehm vor unserm Heiland-Gott, welcher will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen."'

Gezeichnet war diese Stellungnahme mit "Watch Tower" vom 15. Oktober 1914. Mit anderen Worten. Es handelte sich um eine Stellungnahme, die bereits im amerikanischen "Wachtturm" abgedruckt war und die in der deutschen Ausgabe in Übersetzung, nachgedruckt wurde. Wer aus dieser Stellungnahme eine Befürwortung der Wehrdienstverweigerung in der konkreten Situation herauslesen will, dem muss man allerdings sagen, dass er eine merkwürdige Art hat, historische Dokumente zu "studieren".

Und so konnte man denn schon in der Februarausgabe 1915 des "Wachtturms" lesen: "Wir würden uns freuen, die genauen Adressen aller zum Militär einberufenen Brüder zu erhalten und auch über jeder Adressenveränderung unterrichtet zu werden - zum Zwecke der Übersendung des Wachtturms, sowie auch persönlicher Briefe von Seiten der Geschwister."

Im April 1915 konnte man lesen: "Wie uns mitgeteilt wird, werden immer mehr Brüder zum Militär eingezogen. Auch unsere lieben Brüder Koetitz … und Dwenger sind ausgehoben und können jeden Tag einberufen werden."

Im Juni 1915 konnte man dann einen veröffentlichten Leserbrief von Ewald Vorsteher lesen: "Herzlichen Dank für die schöne Sendung, besonders für den schönen Brief: 'An die Brüder im Felde.' Es war dies für mich ein besonderer Trost, da ich mich in der letzten Zeit sehr verlassen fühlte."

Im Juli konnte man in der eigens eingerichteten Rubrik "Von unserer Brüderschaft im Felde" lesen: "Seitdem so viele unserer Brüder zum Militärdienst eingezogen worden sind (über 200 an der Zahl), haben wir es nicht unterlassen, soweit es in unseren schwachen Kräften stand, die lieben Brüder durch besondere Briefe und Druckschriften zu ermuntern und zu erfreuen. Wir erhielten bereits eine Menge Briefe und Karten. Folgende liebe Brüder senden herzliche Grüße." In der dann folgenden Auflistung kann man unter anderem die Namen lesen: R. Basan, H. Dwenger, F. Balzereit, B. Buchholz, C. Labuszewski, W. Müller, E. Vorsteher, H. Vollrath.

Im September 1915 vermeldet der "Wachtturm" dann:
"Neben herrlichen Grüßen der vielen unserer Brüder im Felde möchten wir den lieben Geschwistern auch die Nachricht zukommen lassen, dass unser lieber Bruder Max Nitzsche aus Reichenbach, Vogtland, am 15. Juli bei einem Sturmangriff in Russland gefallen ist. Wenn uns solche Botschaft dem Fleische nach auch schmerzt, so freun wir uns doch in der Hoffnung, dass sich 1. Kor. 15: 51, 52 an dem Bruder erfüllt hat".

Liest man nun die angegebene Bibelstelle nach, so ergibt sich der Sinn, dass damit suggeriert wurde, das Opfer wäre bei seinem Tode sofort wieder zu "Unvergänglichkeit" "auferweckt" worden!

Ende der Zwanziger Jahre wurde die neue Obrigkeitslehre eingeführt, die da besagte, dass sich Römer 13 in erster Linie auf die "Höheren Obrigkeiten" bezöge. Und das waren in dieser Lesart, Jehova und seine sichtbaren "Vertreter" auf Erden. In dem Kontext dieser Lehre wäre ein Antrag "Körperschaft des öffentlichen Rechts" werden zu wollen - einfach unvorstellbar gewesen!

Die Geschichte der Zeugen Jehovas ist noch nicht an Ihrem Endpunkt angelangt. Die weltliche Säkulargeschichte auch noch nicht. Niemand weiß, was für Belastungssituationen vielleicht in der Zukunft noch bevorstehen mögen. Man weiß aber sehr wohl, dass die Mennoniten beispielsweise, auch mal konsequente Wehrdienstverweigerer waren. Man weiß, wie ausgeführt, dass der Ruhm von gestern wie Schnee in der Sonne zu zerschmelzen vermag, wenn die Führungsclique einer Religionsgemeinschaft vor der eigenen Existenzfrage steht!
Manfred Gebhard

An M. Gebhard ...
Von: Entstasifizierung
Datum: 28. Mar 1999
Uhrzeit: 12: 51:52

Kommentar
Herr Gebhard, schreiben Sie Ihre langen Beiträge in diesem Forum eigentlich selbst, oder lassen Sie sie so wie früher von anderen STASI-Spitzeln ausformulieren?

Würde mich mal interessieren. Schließlich sind sie ja weder Historiker noch sonst irgendein Wissenschaftler.

mfg STASI-Opfer

Re: An Stasi-Opfer
Von: ...
Datum: 28 Mar 1999
Uhrzeit: 14: 59: 26

Kommentar
An Stasi-Opfer. Ihre gereizte Reaktion, nimmt bezeichnenderweise zum eigentlichen Kern meiner Ausführungen nicht Stellung. Falls Sie meinen - nur Sie seien Stasiopfer - nun ich will Ihnen Ihre Illusion nicht rauben.

Es bleibt Ihnen auch unbenommen, sich in der weiteren Illusion zu wiegen, ich hätte die genannten Texte in diesem Forum nicht selbst verfasst.

Meine Antwort darauf habe ich schon mit der vorgenannten Vokabel gegeben - Illusion!

Re: STASI Manfred
Von: STASI Opfer
Datum: 28 Mar 1999
Uhrzeit: 15: 15:02

Kommentar
Sehr geehrter Herr Gebhard,
Ihre gereizte Reaktion, nimmt bezeichnenderweise zu meiner eigentlichen Frage nicht Stellung. Wo habe ich bitteschön behauptet nur ich sei ein STASI-Opfer?

Meine Frage, ob Sie Ihre Texte hier selbst verfassen, ist nicht so weit her geholt: schließlich verstecken Sie sich immer hinter der Schutzbehauptung, das Urania-Buch sei gar nicht von Ihnen, sondern von der STASI verfaßt. Und tatsächlich waren Sie zu keinem Zeitpunkt eine Kapazität, sondern ein von der STASI angeheuerter Strohmann.

Keine Antwort ist in diesem Fall wohl auch eine Antwort.

Nicht besonders Hochachtungsvoll Eines Ihrer Opfer

Re: STASI Manfred
Von: Hajo
Datum: 28 Mar 1999
Uhrzeit: 16: 24:01

Kommentar
An ein armes Stasiopfer.
Können Sie in diesem Forum auch einen diskutablen Diskussionsbeitrag abgeben, oder sind Sie nur zu verbalen Attacken fähig? Es wäre ein minimales Zeichen von Anstand, würden Sie Ihren armseligen Worten auch noch die Herkunft, sprich Adresse beifügen, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat. Ich glaube, Sie sind kein Stasiopfer eher WTG-Opfer
Hajo

Re: Die Progressiven von gestern
Von: ...
Datum: 28 Mar 1999
Uhrzeit: 18:01:24

Kommentar
An Stasi-Opfer
Wenn ich Sie recht verstehe wünschen Sie eine Diskussion über das unselige Uraniabuch. Bitte sagen Sie mir, wo hier im Forum ich es verteidigt hätte? Wo bitte in den Jahren nach 1975 haben sie auch nur eine Zeile Publizistik von mir in der DDR oder sonstwo gelesen? Sie werden mir letztere nicht nachweisen können - auch nicht in dem Stasiblatt "Christliche Verantwortung." Ich habe meine Konsequenzen aus diesem Irrweg gezogen.

Der tatsächliche Gebhard hat sich erst im Jahre 1997 erstmals wieder öffentlich publizistisch zu Wort gemeldet und zwar mit dem Aufsatz "Dr. Hans Jonak von Freyenwald. Ein faschistischer Apologet gegen die Zeugen Jehovas" in der Zeitschrift "Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung" (Heft 1/1997). Zu dem dort gesagten stehe ich allerdings. Das hat nicht irgendwer geschrieben, dass hat der tatsächliche Gebhard geschrieben.

Ich wäre nicht uninteressiert, Ihre Kritik an diesem Aufsatz kennen zu lernen. Das setzt natürlich voraus, dass Sie ihn selbst kennen. Wenn Sie ihn nicht kennen sollten, bin ich bereit Ihnen eine Kopie davon zuzusenden, vorausgesetzt, Sie teilen mir Ihre Anschrift mit. Meine eMail ist ja bekannt.

Ende 1998 erschien das Buch von Hans Hesse (Hrsg.). Darin verbreitete sich auch der Herr W. über meine Person. Seine dortigen Ausführungen waren für mich der Anlass, mich erneut zu Wort zu melden. Und zwar in der Form, dass ich an den herausgebenden Verlag ein Aufforderungsschreiben richtete. Ich schrieb darin:

"Ihr obiger Autor, in obigem Beitrag beliebt auf Seite 361, 362 (besonders aber auf Seite 362ff.) auch meine Person zu zitieren, insbesondere auch unter Verwendung eines Schreibens von mir vom 2. Januar 1985. In seiner Anmerkungsnummer 41 (S. 376) fügt er noch hinzu, dass sich eine Fotokopie in seinem Besitz befände.

Mich erreichten in letzter Zeit aus anderen Quellen, Meldungen dergestalt, die das Gerücht kolportierten, ich hätte gegenüber der Wachtturmgesellschaft einen 'Widerruf' des unseligen Uraniabuches vorgenommen. Dies ist in dieser Gerüchtsform nicht der Fall. Herr W. hat es unterlassen, die Herkunft seiner Information zu verifizieren. Offenbar stammt sie aus dem Bundesarchiv in dessen Besitz sich jetzt die Aktenbestände der früheren DDR-Behörden befinden.

In anderen Staaten ist es gängige Praxis, solche neu eingegangenen Akten in den Archiven einer siebzigjährigen Sperrfrist zu unterwerfen. Offenbar hat man das im Falle der DDR-Akten (aus politischen Gründen) außer Kraft gesetzt. Im übrigen habe ich meine Akten selbst mal mir im Bundesarchiv angesehen und meine damit leben zu können, ggf. zitiert zu werden.

Ich stelle zu obigem Sachverhalt fest:
1) Meine Kritik am Uraniabuch, zu der ich stehe, ist gegenüber einer DDR-Behörde - nicht jedoch gegenüber den Zeugen Jehovas, respektive der Wachtturmgesellschaft - erfolgt. Ich fordere Sie hiermit auf - falls es mal zu einer Neuauflage Ihres Buches kommen sollte - das Sie diesen Punkt präzisieren.
2) Ich habe mir das zitierte Schreiben jetzt aus meinen Akten herausgesucht. Danach ergibt sich der Sachverhalt, das sein Hauptenor gegen eine verlogene "Antikommunismus"argumentation" gerichtet war. D i e s e s Schreiben nimmt jedoch n i c h t primär zu dem Hauptthema ihres Buches die Zeit 33-45 betreffend Stellung. Insofern ist es auch nicht korrekt zitiert.

Ich bestreite allerdings nicht, dass die DDR-Argumentation, die Zeit 33-45 betreffend gleichfalls verlogen ist und das ich mich an anderer Stelle dazu auch schon zu DDR-Zeiten kritisch geäußert habe. Ich lege weiter Wert auf die Feststellung, das ich nach wie vor den Zeugen Jehovas, respektive der Wachtturmgesellschaft, kritisch gegenüberstehe.

In Ihrem Buch zitiert ein anderer Autor (zwar nicht gerade "begeistert" aber immerhin er zitiert) auch die SPD-Politikerin Renate Rennebach, die zu einer von der Zeugen Jehovas-Leitung derzeit flächendeckend durchgeführten "Public Relation" Aktion sinngemäß anmerkt, dass damit die Zeugen Jehovas zugleich sich einen "Freibrief" für alles ausstellen, was sie in der Gegenwart tun und lassen.

So "vergessen" wie man es darzustellen beliebt, sind ihre Opfer in der NS-Zeit keineswegs. Das einschlägige Buch von G. ist in der Regel allen ernstzunehmenden Wissenschaftlern der Gegenwart bekannt. Stimmen wie die von Y. werden "bis zum Erbrechen vermerktet". Ich kann die Zeugen Jehovas daran zwar nicht hindern, lege jedoch Wert darauf festzustellen, dass meine Kritik an der DDR-Darstellung (die für die Zeugen Jehovas-Leitung offenbar ein gefundenes "Fressen" ist), ganz im Sinne der oben zitierten R. Rennebach keinesfalls mit einem "Freibrief" für alles was die gegenwärtige Zeugen Jehovas-Leitung tut und lässt "identisch" ist.

In dem zitierten Privatbrief wird auch Herr Dieter Pape genannt. Ich bin kein "Freund" des Herrn Pape. Aber ich frage Sie, respektive Ihren Autor. Haben Sie von Herrn Pape die "Erlaubnis" bekommen, einen an Ihn gerichteten Privatbrief öffentlich zu zitieren? Im allgemeinen machen Archive darauf aufmerksam, dass Persönlichkeitsrechte gewahrt werden müssen. Es gibt Desweiteren auch die Möglichkeit Sachverhalte darzulegen, ohne diese Persönlichkeitsrechte direkt tangieren zu müssen. Auf jeden Fall, und das betone ich abschließend nochmals, empfinde ich den Hinweise von W., er hätte eine Kopie meines Schreibens, ohne hinzuzufügen, woher er sie hat - als Provokation."

Der Verlag bestätigte mir den Eingang dieses Schreibens und teilte mit, dass er letzteres an den Herausgeber, Herrn Hesse weitergeleitet habe. Letzterer oder auch der Herr W. erachteten es indes nicht für notwendig, darauf zu antworten. So habe ich denn nunmehr selbst die Chance wahrgenommen, via des Forums hier darzustellen, dass ich durchaus nicht die Absicht habe, mich auf die kalte Art von der WTG vereinnahmen zu lassen.

Das weitere dürfte Ihnen via Forum selbst bekannt sein. Vielleicht noch ein Wort zu dem Vorwurf, dass ich auf keine universitäre Ausbildung verweisen kann:

Die Progressiven von gestern - die Konservativen von heute!
Wer oder was war Russell?
Vereinfacht gesagt: Ein Laienprediger. Eine der damals anerkannten theologischen Hochschulen hatte er nicht absolviert. Dennoch glaubte er sich berufen, mit einer bestimmten Verkündigung in Erscheinung treten können und zu müssen. Er brachte es schließlich sogar zum verfassen von sechs voluminösen Bänden (den sogenannten "Schriftstudien"). Sicher, er schrieb höchstwahrscheinlich nicht alles selbst von Hand. In einer älteren Publikation ist er mit seinem Sekretär Menta Sturegon abgebildet, dem er seine Texte diktierte. Aber man wird davon ausgehen dürfen, dass er die Texte als solches dennoch selbst entwarf.

Russell wurde auch angefeindet. Er machte sich keine Freunde damit, dass er beispielsweise die konventionelle Höllenlehre verwarf. Einige besonders spitzfindige meinten einen Dreh gefunden zu haben, wie man ihn diskreditieren könnte. Zur konventionellen Predigerausbildung, gehörten auch die klassischen Sprachen, in der der ursprüngliche Bibeltext mal verfasst worden war. Und Russell tappte in die Falle. In die Enge getrieben musste er zugeben, dass es mit seinen Griechisch-Kenntnissen nicht allzuweit her war.

Auch wenn sich seine Gegner begierig auf diesen Aspekt stürzten und ihn weidlich ausschlachteten, vermochten sie dennoch nicht, damit die von Russell begründete Bewegung zu stoppen. Für die waren ganz andere Thesen und Elemente elementar. Aber nicht Spitzfindigkeiten darüber wie bestimmte griechische Worte korrekt zu übersetzen seien.

Reminiszenz Nr. 2:
Der Schriftsteller Gerhard Hauptmann verfasste mal unter anderem auch den Roman "Der Narr in Christo. Emanuel Quint". Ein Buch, dass sehr zu empfehlen ist, enthält es doch querschnittsartig auch eine "Geschichte der frühen Bibelforscher", obwohl letztere darin selbstredend nicht genannt und im engeren Sinne gemeint sind. Eine Szene daraus, sei vielleicht noch nachstehend in diesem Zusammenhang zitiert:

"Aber als der einfältige und zerlumpte Mensch nicht aufhörte zu reden und seine Stimme mehr und mehr über den ganzen Marktplatz erschallen ließ, da entsetzten sich viele über den unerhörten Frevel des Landstreichers, der gleichsam das Heiligste in den Schmutz der Gasse zog, liefen aufs Amt und zeigten es an.

(Da) äußerte jener Pfarrer den Wunsch, den Verrückten zu sehen. Der Geistliche war ein Mann von Schrot und Korn, herkulisch gebaut mit einem Luthergesicht, dessen lutherisches Wesen nur durch den pechschwarzen, geölten Scheitel und durch listige schwarze Augen beeinträchtigt wurde. Er liebte die außerkirlichen Schwärmer nicht. 'Was bringen die Sekten' sagte er immer. 'Spaltung, Verführung, Ärgernis.!'

Jetzt erhob sich der Pfarrer in seiner ganzen Länge und Breite vom Stuhl, auf dem er gesessen hatte, sah Emanuel scharf an und sagte mit Ernst und Gewicht: 'Bete und arbeite, heißt es, mein lieber Sohn. Gott hat die Menschen in Stände geteilt. Er hat einem jeden Stand seine Last und jedem Stand sein Gutes gegeben. Er hat einen jeden Menschen nach seinem Stand und seinem Bildungsgrad in ein Amt gesetzt. Das meinige ist, ein berufener Diener Gottes zu sein. Nun, als ein berufener Diener Gottes sage ich dir, dass du verführst und auf Irrwegen bist.

Nachdem er diese Worte alle mit der sicheren Technik des Kanzelredners gesprochen hatte, schien er einige Augenblicke auf Antwort zu warten. Aber der Zurechtgewiesene, der, ohne einen Gemütsanteil zu verraten, zugehört hatte, bewahrte ein sinnendes Stillschweigen."

Reminiszenz Nr. 3:
Jehovas Zeugen belieben, beispielsweise die Berliner Orientalistin Dr. Gabriele Y., als "Kapazität" zur Unterstützung ihrer Thesen, die Zeit 1933-45 vorzuführen. Y. kann darauf verweisen, mal ein universitäres Studium an der Freien Universität Berlin absolviert zu haben. Letzteres oder vergleichbares kann ich nicht. Nicht zuletzt auch, weil die Stasi mich als aufmüpfig einschätzte und in den letzten Jahren diesbezüglich "sonderbehandelte". Aber zufällig wohne ich in der gleichen Stadt wie Y. und zwar in Berlin. Diese Stadt hat gegenüber vielen Kleinstädten, den aus meiner Interessenlage enormen Vorteil, über bedeutende wissenschaftliche Bibliotheken usw. zu verfügen.

Ich antworte Y. darauf nur: Nicht verblichene Titel zählen letztendlich, sondern tatsächliches Wissen.
Und der reale Wissenstand von Y. in Sachen Zeugen Jehovas, kann mir, mit Verlaub gesagt, nur ein müdes, gequältes Lächeln abringen - bestenfalls!

Re: Die Progressiven von gestern
Von: STASI-Opfer
Datum: 28 Mar 1999
Uhrzeit: 19:52:43

Kommentar
Herr Gebhard,
nein, ich wünsche keine Diskussion über Ihr unseliges Urania-Buch, das nicht unseliger ist, als die Desinformation, die Sie hier verzapfen. Meine Frage, die Sie immer noch nicht beantwortet haben, lautete, ob Sie Ihre ellenlangen Ergüsse hier im Forum selbst aus dem Ärmel schütteln, oder ob Sie wieder einmal der Strohmann für irgendwelche Ghostwriter sind.

Warum schreiben Sie keine Antwort? Sie können ruhig lügen - ich würde es nicht merken.

Aber ich möchte festhalten, daß sie weder Historiker noch sonst irgendein Wissenschaftler sind. Sie sind ein ungebildeter Ex-ZJ - Bildung war ja bei STASI und WTG gleich verpönt - der sich von der STASI kaufen ließ. Insofern bin ich skeptisch, daß all die wohlformulierten Zeilen hier aus Ihrem Keyboard stammen. Wofür wurden Sie eigentlich ausgeschlossen? Hat die STASI Sie erpreßt?

Widerliche Wendehälse, die mit der STASI gemeinsame Sache gemacht haben und jetzt die Mär vom nicht Angepaßten, der Sanktionen zu erleiden hatte singen sind mir ein Greuel.

Ebenso zum Kotzen finde ich Ihren weinerlichen Ruf nach der Sperrfrist der Akten. Haben Sie sich bei der Zusammenarbeit mit der Stasi an irgendwelche Sperrfristen geschweige denn sonstige legale Grenzen gehalten?

Die alten Zeiten sind vorbei. Als Wendehals sollten Sie Ihren Hals schon ganz umdrehen …

Eines Ihrer Opfer Jetzt nach

Re: Die Progressiven von gestern
Von: ...
28 Mar 1999
Uhrzeit: 21:43:57

Kommentar
An Stasi-Opfer
Was Sie als Desinformation bezeichnen, bewerte ich anders. Aber damit dürfte klar sein, dass wir nicht die gleiche Sprache sprechen.

Ihre Unterstellung von irgendwelchen Ghostwritern, weise ich für die Gegenwart mit Entschiedenheit zurück.

Im übrigen wurde ich nicht ausgeschlossen, sondern habe von mir aus die Verbindungen zu den ZJ gekappt. Äußerer Anlass war die 1967 neu aufgekommene 1975-Verkündigung. Die Ursachen liegen selbstredend tiefer.

Ihre Tonlage lässt es mir angezeigt lassen, auf eine weitere Diskussion mit Ihrer Person, meinerseits keinen Wert zu legen.

Re: Gebhard/ Stasi-Opfer/ etc …
Von: Thomas
Datum: 29. Mar 1999
Uhrzeit: 12:53:59

Kommentar
Die Beiträge von Manfred Gebhard finde ich sehr gut und informativ. Leider auch ziemlich lang, was den ein oder anderen dann auch überfordert, sollte man doch die Aussagen auch nachprüfen.

Der Meinung von Hajo kann ich nur zustimmen. Wenn das liebe Stasi-opfer keinen Namen hat (fühlst du dich verfolgt?) dann ist dieses Forum sicher nicht der Ort um sich mit Manfred Gebhard auseinanderzusetzen. Ich freue mich auch, wenn ich meinen Diskussionspartner ein wenig kenne, sei es nur ein ständiges Pseudonym.

Zu der Frage um die eMail-Adresse: Das war für meine Begriffe mehr als deutlich wenn diese im Absender steht. Auch kennzeichnet Herr Gebhard seine Beiträge hier immer so das man sie ihm zuordnen kann, durch Absender oder Unterschrift. Eine Diskussion mit ihm ist durchaus möglich, was man nicht von allen Teilnehmern hier sagen kann.
Thomas

Re: Die Progressiven von gestern
Von: STASI-Opfer
Datum: 30 Mar 1999
Uhrzeit: 20:53:07

Kommentar
Herr Gebhard,
ich hoffe doch sehr, daß wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Mir ist auch klar, daß Sie keine weitere Diskussion über Ihre unrühmliche Vergangenheit, die sich bis in die Gegenwart zieht, wünschen. Schließlich wollen Sie hier im Forum den Experten spielen - aber Sie kochen nur Ihre alten STASI-Geschichten wieder auf.

Ihr Artikel über Jonak von Freyenwald ist mir bekannt. Er ist in meinen Augen, der verzweifelte Versuch, das Ruder herumzureissen. Sozusagen der Versuch der Wiedergutmachung.

Meine Frage, ob Sie Ihre Artikel hier selbst verfaßt haben, haben Sie immer noch nicht beantwortet. Nur zurückgewiesen haben Sie. das spricht für sich

STASI-Opfer

Re: Die Progressiven von gestern
Von: ...
Datum: 31 Mar 1999
Uhrzeit: 04: 31:37

Kommentar
An vermeintliches Stasi-Opfer.
Ich beantworte Ihre Frage nochmal: Jonak-Artikel selbst verfasst, Artikel im Forum selbst verfasst. Reicht Ihnen das nun? Im übrigen schliesse ich mich der Forderung von Hajo an: Belieben Sie endlich mal etwas über Ihre Person und Ihren Hintergrund im Detail mitzuteilen.

Vermeintliches Stasi-Opfer
Von: ...
Datum: 31 Mar 1999
Uhrzeit: 15:08:54

Kommentar
An: Vermeintliches Stasi-Opfer

Zur Klärung der Begrifflichkeit. Sie nennen sich Stasi-Opfer. Gegenüber Hajo machten Sie die Anmerkung, dass wenn er in ihrer Lage wäre und die Erfahrungen gemacht hätte, die Sie gemacht haben …

Sind aber bisher nicht bereit diese Erfahrungen etwas näher im Detail zu beschreiben. Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie das mit tatsächlichem bürgerlichen Namen und mit ihrer tatsächlichen Adresse tun müssen. Aber was man doch wohl verlangen kann ist, dass Sie mal einen Überblick über das Erlebtes geben, damit man sich ein konkreteres Bild machen kann.

Aber ich habe das Gefühl - auch daran sind Sie nicht interessiert. Es geht ihnen primär um einen Aufhänger für Ihren Frust, weil Ihnen das in meinen Beiträgen gesagte von der Tendenz her grundsätzlich nicht passt. Sie haben das ja auch schon deutlich genug erklärt, indem Sie von "Desinformation" reden, zugleich aber nicht in substanzieller Art diese vermeintliche "Desinformation" beschreiben. Ich habe mich daher entschlossen, Sie nicht mehr als Stasi-Opfer anzureden, sondern nunmehr nur noch als vermeintliches Stasi-Opfer.

Ich bin aber bereit, diese Einschränkung wieder zurückzunehmen, wenn Sie in einer nachvollziehbaren Art und Weise Ihre diesbezüglichen Erfahrungen einmal im Detail darlegen. Es bleibt Ihnen völlig freigestellt, in welcher Form sie das gegebenenfalls tun. Sie können es selbstredend über das Forum tun, damit auch die anderen sich ein eigenes Bild machen können. Sie können es auch per Email an mich richten. Sie können es auch - meinetwegen - auch per anonymen Brief tun. Meine diesbezügliche Anschrift wäre:

Manfred Gebhard, Postfach 540138, 10042 Berlin. Sie haben damit die freie Auswahl.

Ein tatsächliches Stasi-Opfer ist in meinen Augen der Horst Kühn; dessen Fall ich selbst kürzlich zitiert habe. Haben Sie auch Erfahrungen in dieser Dimension gemacht? Weder Hajo noch Researcher und andere, die hier im Forum auch mitdiskutieren, und die DDR-Wirklichkeit auch am eigenen Leibe erfahren haben, bedienen sich eines so herausgehobenen Namens. Da Sie jedoch wert darauf legen, unbedingt als Stasi-Opfer angeredet werden zu wollen, muss man ja wohl schlussfolgern, dass Ihnen besonders Schlimmes widerfahren ist.

Wollen Sie meinen Kommentar zu Ihrer Person noch wissen? Da Sie belieben, keine Details über Ihre Person mitzuteilen, muss ich notgedrungen mit Hypothesen arbeiten. Sie machten mal die als Diffamierung meiner Person gedachte Anmerkung: "Sie sind ein ungebildeter Ex-Z] - Bildung war ja bei Stasi und WTG gleich verpönt." Meines Erachtens kann man daraus eine Art Außenseiterposition herauslesen.

Meine These dazu: Waren Sie vielleicht gar selbst nie ZJ, beschäftigen sich aber doch beruflich auch mit dieser Thematik???

Für den Fall, dass diese Hypothese zutreffend sein sollte - Sie müssten es bestätigen. Ich weiß es nicht. Für diesen Fall, sage ich Ihnen den nachfolgenden Kommentar auf den Kopf zu.

Im DejaNews-Forum konnte man kürzlich einen makabren Fall zur Kenntnis nehmen. Da gab es einen Diplomtheologen, der sich berufen fühlte, dem Vorbild von Rolf Nobel nachzueifern. Mit anderen Worten: Er schlich sich mit falscher Identität bei den ZJ ein, mit der Zielstellung, Insiderwissen, zwecks Diskreditierung der ZJ zu gewinnen. Die "Qualität" seiner Erkenntnisse wird schlaglichtartig schon dadurch beleuchtet, dass er die ZJ-Zeitschrift "Der Wachtturm" als "Wachmann" benennt.

Geradezu hahnebüchend wirkt seine Schlussempfehlung: "Schlagen Sie ein gemeinsam aufgesagtes Vaterunser vor, bevor sie weiterdiskutieren...... Dann würden sich die Sektenmitglieder sofort abwenden, denn sie dürfen unter keinen Umständen mit Weltlichen gemeinsam beten."

Ein weiterer Kommentar über diesen geistigen Tiefflieger ist eigentlich überflüssig. Sie legten mit einer gewissen Hartnäckigkeit besonderen Wert darauf zu erkunden, ob ich meine Publizistik der Gegenwart wohl auch wirklich selbst verfasst habe. Meines Erachtens waren meine Antworten darauf eindeutig. Sie jedoch - scheinbar etwas begriffsstutzig - wollten es nicht verstanden haben. Haben Sie es jetzt wenigsten verstanden?

Ich will aber noch einen weiteren Kommentar zu Ihrer Person abgeben. Und zwar in der Form einer öffentlichen Anfrage an Sie:

Was haben Sie zu den kürzlichen Aktivitäten des Stasi-Gestapo-007Verschnittes zu sagen? Selbst ein Albert Anonym raffte sich , wenn auch spät, noch zu einer Distanzierung davon auf. Sie hingegen schweigen dazu?!

Mit Ihrem Schweigen identifizieren Sie sich zugleich damit.

Nobel, der Diplomtheologe und Ihre Person, sind offenbar vom gleichen Kaliber!

Ich fordere Sie hiermit auf, falls die vorstehend genannte Charakteristik nicht zutreffend sein. sollte - unter Darlegung von Details - eine Gegendarstellung zu erbringen.
M. G.

An vermeintlichen Manfred Gebhard
Von: STASI-Opfer
Datum: 01. Apr 1999
Uhrzeit: 17:14:19

Kommentar
Zitat: Ich fordere Sie hiermit auf, falls die vorstehend genannte Charakteristik nicht zutreffend sein sollte - unter Darlegung von Details - eine Gegendarstellung zu erbringen.

Das war STASI-Jargon pur. Ihre Absichten sind mir durchaus bewußt: Sie wollen mich zu unüberlegten Äußerungen bewegen, um auf diesem Wege Rückschlüsse auf meine Person ziehen zu können - so wie Sie und Ihresgleichen es bei anonymen Leserbriefen zu tun pflegten und scheinbar auch noch tun. Den Diskussionsteilnehmern würde ich meine Geschichte liebens gern erzählen, wenn ich nicht auch Sie damit versorgen würde. Und auf eines können Sie Gift nehmen: Ich werde Ihnen ganz bestimmt keinen Brief schicken - auch keinen anonymen.

Sie versuchen auch geschickt von Ihrer Person abzulenken: mich interessieren die von Ihnen aufgeführten Personen kein Stück. Über den hirnkranken Geheimdienst brauche ich gar nichts zu sagen.

Ich stelle fest: Sie haben sich kein Stück geändert. Wahrscheinlich lassen Sie - sofern Sie Ihre Texte hier selbst schreiben - sie zumindest von Ihren alten STASI-Kumpanen gegenlesen.

Denn das ist es, was für Sie den Osten mit dem Westen verbindet: die Denunziation von Personen.

Wenn ich sehe, wie dankbar Ihr Gedankengut hier angenommen wird dreht sich mir der Magen um.

Sie sind nur ein frustrierter Ex-ZJ, der den Historiker spielt, aber in Wirklichkeit sein Wissen nicht durch ein Universitätsstudium gewonnen hat, sondern die Informationen herunterbetet, die ihm die STASI vorgekaut hat.

Sind Sie nach der Vereinigung eigentlich arbeitslos gewesen oder konnten Sie gleich in Ihrem alten Betätigungsfeld des Denunzierens übergangslos weitermachen?

Re: An vermeintlichen Manfred Gebhard
Von: ...
Datum: 01 Apr 1999
Uhrzeit: 20:08:39

Kommentar
An: Vermeintliches Stasi-Opfer
Offenbar sitzen Ihre Vorbehalte tief. Das ist offensichtlich. Höchstwahrscheinlich wird jedes Wort von mir, von Ihnen in emotional besonders bewegter Weise aufgefasst. Zu einer nüchternen Bewertung sind Sie offenbar nicht willens und fähig.

Dennoch muss ich Ihnen darauf sagen: Das Sie wiederum falsche Behauptungen aufstellen. Erstens schreibe ich keine anonymen Leserbriefe. Zweitens sind meine Beiträge hier im Forum bislang immer eindeutig gezeichnet gewesen: Entweder als .... Oder auch als Drahbeck. Ich habe keinen Grund auch letzteres zu verhehlen.

Sie haben offenbar genügend Gründe Ihre Biographie zu verhehlen, und fühlen sich nicht einmal in der Lage sie in anonymer Form darzustellen.

Drittens habe ich keine Stasi-Kumpane und meine Texte werden auch von niemand gegengelesen.

Offensichtlich ist es doch nun angezeigt, noch etwas zum Thema Uraniabuch zu sagen. Dies nicht aus dem Grunde, weil ich Sie damit "überzeugen" wollte (das dürfte bei Ihnen ohnehin vergebliche Liebesmüh sein). Sondern damit auch die anderen sich ein Bild über die Zusammenhänge machen können.

1967 trennte ich mich von den ZJ. Es war - und ist mir noch heute - ein Bedürfnis, die diesbezüglichen Erfahrungen aufzuarbeiten. Ich habe hier im Forum, wenn ich mich recht erinnere war es wohl bei Gaby, mal gelesen, dass auch sie anderen den Rat gab, die Erfahrungen der ZJ-Zeit gegebenenfalls auch mal in schriftlicher Ausarbeitung abzufassen. Nun diesen Rat habe ich mir selber im Jahre 1967 gegeben.

Ich hatte auch einigen Zeugen Jehovas, meine damaligen Gedanken, weshalb ich mich zum Bruch mit der ZJ-Organisation entschlossen habe, zugestellt. Übrigens habe ich eine dieser damaligen Ausarbeitungen in meiner Stasiakte in der Gauckbehörde wieder gefunden. Sie ist offenbar durch einen IM mit dem Stasinamen "Boxer", in deren Hände gelangt. Das der "Boxer" mal IM war, hätte ich zum damaligen Zeitpunkt für völlig unmöglich gehalten. So kann man sich halt täuschen. Damit wusste nun auch die Stasi über meinen Bruch mit den ZJ Bescheid.

Heute kenne ich einige Zusammenhänge, die ich damals noch nicht kannte. Einer dieser Fakten ist, dass die Stasi auch ein eigenes Art "Kirchenpolitisches Institut" betrieb mit dem Decknamen "Institut Wandlitz". In diesem illustren "Institut" waren einige zu DDR-Zeiten schon als staatskonform bekannte Theologen tätig. Stellvertretend für andere nenne ich den Namen des Theologieprofessors Herbert Trebs. Was ich damals auch nicht wusste, war, dass ein gewisser Herr Dieter Pape, alias IM Wilhelm gleichfalls in bzw. für dieses "Institut" tätig war.

Ich würde Ihnen mal empfehlen, bei Ihren Aversionen gegen das Uraniabuch auch mal diesem Herrn mit zu bedenken. Sie hätten dann höchstwahrscheinlich einen in vielfacher Hinsicht kompetenteren "Ansprechpartner".

Die Stasi schickte mir, nach meinem Bruch mit den ZJ den Pape ins Haus. Er seinerseits gab mir die bis dahin erschienenen Ausgaben der Zeitschrift "Christliche Verantwortung" und wollte meine Meinung dazu wissen. Vorher kannte ich dieses Blatt nicht. Meine Meinung war: Es ist ein Käseblatt und vermag keinen Zeugen Jehovas zu überzeugen. Just zu diesem Zeitpunkt erlitt ich einen berufsbedingten längeren Arbeitsausfall.

Nach der Krankernhausentlassung bekam ich ärztlicherseits noch eine gewisse Schonfrist zugebilligt, bevor man mich wieder gesund schrieb. Diese Zeit hatte ich genutzt um ein eigenes Manuskript zu verfassen. In gewisser Hinsicht verstand ich es als "Konkurrenz" zur "Christlichen Verantwortung". Naiv wie ich damals war, gab ich es beim damaligen Union-Verlag ab. Von der Lektorin bekam ich bloß die lapidare Mitteilung, man hätte das Manuskript weitergeleitet. Kein Wort darüber wie und wohin.

Das Rätsel löste sich bald dergestalt, dass ich eine Aufforderung bekam im Ministerium für Kultur, Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel vorzusprechen. Der dortige Beamte las mir eine Erklärung vor, sinngemäß der Art, man würde mir empfehlen doch bei der "Christlichen Verantwortung" mitzuarbeiten. Damit war das Manuskript abgelehnt.

Die nachfolgende Phase gebe ich am besten mal mit den Worten von G. wieder: Er schrieb in der 3. Auflage (S. 20) seines Buches:

"Der Dokumentation lag ursprünglich ein Manuskript des Herausgebers zugrunde, dass jener Ende der 60er Jahre nach seiner Trennung von den Zeugen Jehovas verfasst hatte. Gegenüber dem Staatssekretariat für Kirchenfragen in der DDR distanzierte sich der Herausgeber, der an der Abfassung selbst nicht mehr beteiligt war, nachdrücklich von deren Überzeichnungen und Verfälschungen und bezeichnete es als einen Fehler, dass er in Unkenntnis des Ergebnisses mit der Nennung seines Namens einverstanden erklärt hatte."

Zeitlich ungefähr gleich mit der Manuskriptablehnung durch das Ministerium für Kultur, hatte die Stasi auch direkten Kontakt mit mir aufgenommen. Man hat mich faktisch überrumpelt. Die Kraft schon damals eindeutig nein zu sagen hatte ich damals nicht. Das sei selbstkritisch eingeräumt. Dafür darf ich auch heute noch dafür den Prügelknaben spielen - das wäre die andere Seite der Medaille.

Mit dem Pape und seinem "Christliche Verantwortung"-Aushängeschild Willy Müller, habe ich mich schon bald überworfen. Ab 1972 habe ich es abgelehnt, weitere Beiträge für die "Christliche Verantwortung" zu schreiben. Die Stasi hatte mich allerdings auch damit geködert, dass ich eine eigene Vervielfältigung namens "Gespräche und Kommentare" herausgeben konnte. Die erschien noch bis Anfang 1976. Erst kürzlich (1999) hat sie die Deutsche Bibliothek auch mal bibliographisch angezeigt.

Der Stasi passten meine Beiträge zusehends nicht. Sie war ja praktisch der Oberzensor. Im Jahre 1976 spitzte sich die Situation dergestalt zu, dass die Stasi eine geplante Ausgabe der "Gespräche und Kommentare" durch den Pape vollkommen umschreiben lies. Das war mir zu starker Tobak und ich habe das als Anlass genommen, meinen Bruch mit der Stasi zu erklären.

Seit jenem Zeitpunkt (1976) hatte ich weder zur Stasi noch zur "Christlichen Verantwortung" weitere Kontakte. Anfang der 80er Jahre versuchte die Stasi erneut mich anzuzwerben - ergebnislos. Ich bin in die Gegenoffensive gegangen, indem ich via Staatssekretariat für Kirchenfragen, letzteres mit einem immer schärfer werdenden Schriftsatz eindeckte und mir versuchte auf diese Art eine Rückendeckung zu schaffen.

Nachdem ich 1975/76 mich von den genannten Vereinen distanziert hatte, habe ich begonnen, eigene autodidaktische Studien zu betreiben. Selbstredend nebenberuflich. Beruflich bin ich seit eh und jeh in einem handwerklichen Beruf tätig.

Ich muss Ihre Angriffe gegen meine Person auch so verstehen, dass sie dass, was ich hier im Forum bisher gesagt haben, als aus Ihrer Sicht als identisch mit dem Uraniabuch bewerten. Ich vermag diese Einschätzung nicht zu teilen.

Ob es nun "identisch" ist oder nicht - das ist für mich nicht die Frage. Fakt ist das ich zudem hier im Forum gesagtem stehe. Und ich scheue mich nicht, gegebenenfalls auch mit ihnen noch die Klinge zu kreuzen, wenn sie mal in substanzieller Art und Weise zu meinen Beiträgen Stellung nehmen würden was sie bisher nicht getan haben.

Wenn Sie aber Ihre einzige Art der Antwort nur darin sehen können, Behauptungen aufzustellen, die ich als unwahr zurückweisen muss, dann will ich Ihnen zum Abschluss noch mit einem Zitat antworten.

Sie geben vor, meinen Jonakartikel auch gelesen zu haben. Wenn dem so sein sollte, dann müsste Ihnen der Berner Protokolleprozeß eigentlich auch ein Begriff sein. Ich antworte darauf mit einem Zitat, das zwar in meinem Artikel nicht enthalten ist, dessen Kenntnis ich aber selbstredend bei den entsprechenden Studien gewonnen habe. In der Zeitschrift "Jüdische Rundschau" vom 5. 1935 wurde notiert:

"Zu Beginn der Nachmittagsverhandlung teilte der Experte Universitätsprofessor Dr. Baumgarten mit, er habe von einem gewissen Weinbrenner aus Straßburg einen Brief erhalten, indem er und seine gutachterlichen Aussagen schwer beschimpft werden. Er würde diesen Brief einfach unter den Tisch geworfen haben, wolle aber nicht den Verdacht aufkommen lassen, als ob 'Freimaurer' dahingewirkt hätten, dass dieser 'wichtige Brief' verschwinde. Der Briefschreiber sei ein törichter oder gewissenloser Mensch. In Zukunft aber lehne er es ab, sich mit jedem Dummkopf, der ihn brieflich angreife, zu befassen."

Re: Kleiner Nachtrag
Von: ...
Datum: 03 Apr 1999
Uhrzeit: 08: 31:23

Kommentar
Ich meine durchaus zu wissen, mit wem ich es bei dem vermeintlichen Stasi-Opfer zu tun hatte.
Es gibt da so ein bestimmtes Kinderlied: "Alle Vögel sind schon wieder da.
Amsel, Drossel, Fink und Star."
Man braucht bloß einen der genannten Vogelnamen etwas zu variieren und man ist am Ziel angelangt

"Saubermänner"
Von: ...
Datum:03 Apr 1999
Uhrzeit: 19:52:17

Kommentar
An die "Saubermänner" der Kirche

In der deutschen Geschichte der Zeugen Jehovas und ihrem publizistischem Niederschlag, ragen aus meiner Sicht besonders zwei Bücher heraus. Das eine wäre, dass 1936 in dem katholischen Germaniaverlag erschienene Buch von Dr. Hans Jonak von Freyenwald. Es ist repräsentativ für die Nazizeit. Das zweite von der DDR-Staatssicherheit verfasste Buch erschien 1970 im Uraniaverlag. Es ist repräsentativ für die DDR-Zeit.

Nach 1945 ist in der evangelischen Kirche in Verbindung mit deren Beurteilung der kleineren Religionsgemeinschaften besonders ein Mann in namhafter Weise bekannt geworden und zwar Kurt Hutten. Sein Buch "Seher, Grübler, Enthusiasten" war lange Jahre das Standardbuch auf diesem Gebiet. Es wäre allerdings ein Trugschluss zu meinen, das Hutten erst nach 1945 in Erscheinung getreten sei. Mitnichten.

Hutten gehörte im Jahre 1933 auch den berüchtigten "Deutschen Christen" an, hat sich aber gegen Jahresende 1933, zusammen mit einigen anderen Pfarrern wieder von ihnen getrennt. Auch publizistisch war er schon damals aktiv. Ich nenne nur stellvertretend sein Buch über den vermeintlichen "Kulturbolschewismus". Wer sich mal mit dieser These auseinandergesetzt hat, dem wird die Nähe dieser These zum Nazismus nicht entgangen sein.

Hutten schrieb nicht nur Bücher, nein er war zugleich auch Zeitschriftenredakteur. Eine der von ihm gegründeten Zeitschriften existiert noch bis in die Gegenwart. Und zwar der "Materialdienst". Heutiger Herausgeber dieser Zeitschrift ist die evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.

Ich fand es bemerkenswert im "Materialdienst" vom 16. 4. 1937 aus der Feder von Hutten auch eine Stellungnahme zum Jonak-Buch vorzufinden. Darüber hinaus referierte Hutten darin auch zeitgenössische Stellungnahmen zu den Zeugen Jehovas aus der SS-Zeitschrift "Das Schwarze Korps".

Zur seinerzeitigen Konzeption des "Materialdienstes" gehörte es, Stellungnahmen ohne eigenen Kommentar zu zitieren. Lediglich durch das, was erwähnt und weggelassen wurde, lässt sich die eigene redaktionelle Meinung ergründen.

Immerhin hatte der Herausgeber Kurt Hutten, auch etlicher Beiträge für das "Calwer Kirchenlexikon" von 1937 geliefert. Seine dortigen Beiträge machen deutlich, dass er ein Kind seiner Zeit war; inklusive der nazistischen Antisemitismusrezeption. So war es Hutten vorbehalten, darin über das Stichwort "Judenfrage" zu referieren. Man konnte von ihm darin auch die Sätze lesen:

"Eine weitere Verschärfung der J(udenfrage) auf politischem Gebiet brachte die Tatsache, dass sich das Weltjudentum in zahlreichen Querverbindungen über die Länder, Völker und Kontinente hinweg organisierte. Es entstanden mächtige jüdische Weltbünde, deren Zielsetzung letztlich politischer Art ist, und die denn auch in der internationalen Politik vielfach eine ebenso dunkle wie verhängnisvolle Rolle spielten … Angesichts der weitverzweigten Tätigkeit innerhalb dieser Organisationen lässt sich der Eindruck des politischen Antisemitismus verstehen, dass das Weltjudentum einer Riesenspinne gleich über allen Staaten sitzt, nach einheitlichen, unheimlichen Plan aus verborgenen Hintergründen seine Netze und Fallen stellt und die Geschicke der Völker in die Hand zu bekommen sucht, um sie im Sinn des jüdischen Weltherrschaftsplans zu lenken." ("Calwer Kirchenlexikon" Band 1, Stuttgart 1937 S. 982.)

In diesem Zusammenhang wäre auch noch auf den instruktiven Aufsatz "Das andere Gesicht der Evangelischen Kirche" von Klaus Morfeldt hinzuweisen. In: "Wege ohne Dogma" Nr. 12/1993. Morfeldts Kernsatz lautet:

"Hutten und seine Mitstreiter kämpften also genau für das, wogegen der Theologe Karl Barth mobil machte, wodurch er dann zum Führer der Bekennenden Kirche wurde." (S. 264). Nach Meier gehörte Kurt Hutten bis September 1933 den Deutschen Christen" an - hat sich dann aber mit ihnen überworfen. Um so bezeichnender sind jene zitierten Äußerungen, weil Hutten ja zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu den "Deutschen Christen" gehörte. (Vgl. Meier, Kurt "Die deutschen Christen", Halle/S. 1965 S. 45; sowie; Meier, Kurt "Der evangelische Kirchenkampf" Band 1, Halle/S. 1976 S. 446.)

Auch die Stellungnahme von Hutten im "Materialdienst" über das Buch von Jonak, enthält nur solche Passagen, mit der sowohl Jonak als auch die Nazis leben konnten ohne sich brüskiert zu fühlen.

Etwa, wenn er äußert: "Über die politischen Ziele der E(rnsten) B (ibelforscher) schreibt Dr. v. Freyenwald in 'Die Zeugen Jehovas', dass eine Verbindung zu Judentum, Marxismus und Freimaurerei besteht. Das Judentum spielt denn auch eine entsprechende Rolle in dem Weltherrschaftsplan der Sekte. 'Wie auf den Gebieten der Religion und der Staatspolitik eine vollendete Harmonie der Bibelforscher mit dem Judentum besteht, so herrscht dieses stille Einvernehmen auch mit dem klassenkämpferischen Marxismus. Russell und Rutherford predigen den Klassenkampf ganz ebenso wie der Jude Karl Marx."' ("Materialdienst" 16. 4, 1937 Sp. 62.)

Dieses Statement in der Sache mit dem des Nazi"philosophen" Rosenberg identisch, der in seinen "Mitteilungen zur weltanschaulichen Lage" gleichfalls verkünden lies, dass die Bibelforscher "vermittelst der Bibel die Völker für die jüdische Weltherrschaft (d. h. Bolschewismus) sturmreif machen." Er meint weiter, unter offensichtlicher Anspielung auf Jonak behaupten zu können:

"Man mache sich weiterhin die Tatsache klar, dass es heute gelungen ist, die direkte Verbindungslinie zwischen Ernsten Bibelforschern einerseits, Marxismus und Freimaurertum andererseits einwandfrei nachzuweisen." (Vgl. Zipfel, Friedrich "Kirchenkampf in Deutschland", Berlin 1965 S. 368, 371.)

Abgesehen davon, dass dieses Zitat etliche Überzeichnungen enthält, so hat es doch einen substantiellen Kern. Der Marxismus wollte Veränderungen hervorrufen und ist damit gescheitert. Auch die Bibelforscher (respektive Zeugen Jehovas) lehrten bzw. lehren, dass die bestehende Weltordnung von Ungerechtigkeiten geprägt ist. Während der Marxismus den Klassenkampf bemühte, orientieren die Zeugen Jehovas auf das "göttliche Eingreifen."

Beide stellen also direkt bzw. indirekt den Status quo in Frage und ziehen sich damit die vehemente Feindschaft jener zu, die Veränderungen der bestehenden Verhältnisse ablehnen, bzw. darüber hinausgehend den Blick zurückwerfen und vergangene Verhältnisse neu wieder herstellen möchten.

Auch die Kirchen hatten sich in ihrer großen Mehrheit auf die Seite der etablierten Mächte gestellt. Ein reelles Verständnis für die in der Bibelforscherkritik enthaltenen gesellschaftskritischen Akzente, war bei ihnen auf der institutionellen Ebene nicht zu verzeichnen. Dies schlägt sich auch in den kirchlichen Reaktionen auf primär von politischer Seite initiierter Bibelforscherkritik nieder. Partielle Zustimmung, zurückhaltende Kommentierung oder bestenfalls Schweigen - das war die Antwort der Kirchen darauf.

1970 erschien dann in der DDR im Uraniaverlag Leipzig das schon genannte Buch über die Zeugen Jehovas. Im "Materialdienst der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen" kennzeichnete Reimer dieses Buch 1972 als eine Propagandaschrift. Als die Antwort der DDR auf die "Wühlarbeit" der Zeugen Jehovas. (Vgl. "Materialdienst der EZW" 1992 S. 86.)

Der seinerzeitige Präsident der EKU-Kirchenkanzlei in der DDR wählte dazu die Vokabel vom "Steckbrief einer Religionsgemeinschaft" und das diese "Dokumentation", sofern sie denn eine solche sei, wachsam zu benutzen sei. (Vgl. "Die Zeichen der Zeit" Nr. 6/1974. Darin: Pietz, Reinhold "Steckbrief einer Religionsgemeinschaft".)

In der von Pietz gleichzeitig redigierten innerkirchlichen Periodika "Sektenkundliche Mitteilungen" wurde er deutlicher. Er schreibt dort: "Angesichts der Fülle des verarbeiteten Aktenmaterials steht es außer Frage, dass Gebhard wesentliche Hilfe erhalten hat."

Er merkt weiter an, das "oft einseitig zitiert und dann nicht überzeugend interpretiert (wird). Natürlich liegt der Antikommunismus, den das Buch bei den Zeugen Jehovas anprangert, wirklich in schroffster Form vor … Aber diese Tendenz steht bei ihnen in einem größeren Zusammenhang, nämlich im Horizont des Glaubens, dass alle 'politischen, kommerziellen und religiösen Bestrebungen' dies oft ausgesprochene Dogma der Sekte bei Gebhard nicht gefunden! Parteiisch wirkt auch die Darstellung der Schicksale von Jehovas Zeugen im Dritten Reich.... Die Achtung vor den Blutopfern (einer zugegebenermaßen schlechten Sache!) und das Streben nach historischer Gerechtigkeit hätten es geboten erscheinen lassen sollen, dass deswegen nicht etwa die ganz anderen Beispiele eines heroischen Widerstandes und mannhaft ertragener Leiden verschwiegen oder verkleinert werden."

Demgegenüber wirkt es doch etwas merkwürdig, wenn die in Freiburg/Br. erscheinende katholische Zeitschrift "Lebendige Seelsorge" im Jahre 1971 nur relativ moderate Vokabeln über diese Buch verwandte. Pietz lebte in der DDR und musste darauf achten, dass bei dem was er sagte, ihm das DDR Regime nicht daraus einen Strick drehte. (Vgl. Krone, Tina; Schult, Reinhard "Seid untertan der Obrigkeit. Originaldokumente der Stasi-Kirchenabteilung XX/4" Berlin 1992. Auch wenn Pietz darin nicht namentlich genannt wird, so ist doch aus einigen denunziatorischen Dossiers ersichtlich, das Denunzianten ihn bei der Stasi anschwärzten.)

Die "Lebendige Seelsorge" hingegen erschien in der freiheitlichen Bundesrepublik Deutschland. Es hätte durchaus in ihrer redaktionellen Freiheit gelegen, einen totalen Zerriss dazu zu publizieren. Statt dessen schrieb man nur: "Die Zeugen Jehovas wecken immer wieder durch die Kompromisslosigkeit, mit der sie diktatorischen Regimen gegenübertreten, Bewunderung; dennoch fällt es schwer, an dieser Sekte sympathische Züge zu entdecken."

Das Uraniabuch enthält dann für die "Lebendige Seelsorge" unvergleichlich mehr Material als bisher irgendwo über diese Sekte zu finden war. Die Kritik an der Gesamtkonzeption erschöpft sich in der Feststellung: "Man muss den Leser aber darauf aufmerksam machen, dass es sich nicht um eine tendenzfreie Darstellung handelt. Auch steht nicht so sehr die religiöse Seite im Blickpunkt … Nicht gerecht wird vermutlich der Herausgeber den Zeugen Jehovas bei der-Darstellung ihres Verhältnisses zum Hitlerfaschismus." ("Lebendige Seelsorge" 1971 S. 301).

Re: "Stasi-Manfred Saubermann Gebhard"
Von: STASI-Opfer
Datum: 04. Apr 1999
Uhrzeit: 15:12:01

Kommentar
"In der deutschen Geschichte der Zeugen Jehovas und ihrem publizistischem Niederschlag, ragen aus meiner Sicht besonders zwei Bücher heraus. Das eine wäre, dass 1936 in dem katholischen Germaniaverlag erschienene Buch von Dr. Hans Jonak von Freyenwald. Es ist repräsentativ für die Nazizeit. Das zweite von der DDR-Staatssicherheit verfasste Buch erschien 1970 im Uraniaverlag. Es ist repräsentativ für die DDR-Zeit."

Damit ist Manfred Gebhard (Herausgeber des Urania-Buches) der Jonak von Freyenwald der DDR. Während der Theologe Jonak von Freyenwald gemeinsame Sache mit den Nazis machte, macht der ehemalige ZJ Manfred Gebhard gemeinsame Sache mit einer anderen Verbrecherorganisation: der STASI.

Und er war ein dankbarerer Mitarbeiter als er hier glauben machen will …

STASI-Opfer
Re: Kleiner Nachtrag
Von: STASI-Opfer
Datum: 04 Apr 1999
Uhrzeit: 15:18:46

Kommentar
Jetzt ist es erwiesen: zusammen mit den anderen STASI-Schnüfflern haben Sie meine Mitteilungen hier im Board untersucht.

Ich verstehe Ihren Nachtrag als Warnung. Ich warne Sie auch. Ich habe meine Geschichte niedergeschrieben und an sicherem Ort verwahrt. Dort wird sie aber nicht bleiben wenn mir etwas zustossen sollte. Da hängen Sie auch mit drin und nicht alles steht in den Gauck-Akten …

Ich beende hiermit den Dialog mit Ihnen. Einmal reicht. Kommen Sie mir nicht zu nahe.

Re: Kleiner Nachtrag an Stasiopfer
Von: Hajo
Datum: 04 Apr 1999
Uhrzeit: 15:57:19

Kommentar
Sie schrieben:
"Jetzt ist es erwiesen: zusammen mit den anderen STASI-Schnüfflern haben Sie meine Mitteilungen hier im Board untersucht.

Ich verstehe Ihren Nachtrag als Warnung. Ich warne Sie auch. Ich habe meine Geschichte niedergeschrieben und an sicherem Ort verwahrt. Dort wird sie aber nicht bleiben wenn mir etwas zustossen sollte. Da hängen Sie auch mit drin und nicht alles steht in den Gauck-Akten …"

Warum sind Sie so erbost? Weil ihre Identität bekannt geworden ist? Wer ein reines Gewissen hat, kann seine Vergangenheit auch offenlegen. Sie sind meiner Meinung nach unehrlich und feige. Vielleicht leiden Sie auch unter Verfolgungswahn. Wäre es nicht einfacher, ihre Geschichte zu veröffentlichen, als sie an sicherem Ort (wie Sie sagen) zu verwahren? Da Sie zu einem offenen Dialog weder bereit noch fähig sind, sollten Sie lieber nicht in einem Forum mitdiskutieren.
Grüße von einem Stasi- und WTG Opfer

Re: Kleiner Nachtrag
Von: ...
Datum: 04 Apr 1999
Uhrzeit: 18:49:18

Kommentar
An vermeintliches Stasi-Opfer

Ich nehme Ihr Angebot "Ich beende den Dialog mit Ihnen" durchaus an, sofern es nicht nur eine billige Floskel ist, sondern ernst gemeint ist. Das ich mich Ihren Wertungen nicht anschließe, dürfte dabei allerdings klar sein. Ich hatte auch mal das Kinderlied zitiert: "Alle Vögel sind schon wieder da. Amsel, Drossel, F... und Star." Pardon jetzt habe ich doch tatsächlich statt "Fink" F... geschrieben.

Sie unterstellen: "Jetzt ist es erwiesen: zusammen mit anderen Stasi-Schnüfflern haben Sie meine Mitteilungen hier im Board untersucht."

Dem widerspreche ich, Herr Dr. Andreas F.... Könnten Sie sich vielleicht vorstellen, dass ich die Zeitschrift "Materialdienst" ständig lese? Könnten Sie sich vielleicht vorstellen, dass ich auch Ihre dortigen Beiträge zur Kenntnis nehme. Auch registriere, dass Sie dort ebenfalls aufmerksam das Internet beobachten? Könnten Sie sich vielleicht vorstellen, dass Ihre Fragestellungen in dem hiesigen fragwürdigen "Dialog", Ihrer Betonung bestimmter Aspekte usw. durchaus gewisse Schlussfolgerungen ermöglichen?

Ich bedaure, dass dieser "Dialog" so endet. Ich möchte Sie nur noch abschließend darauf aufmerksam machen, dass Jonak kein Theologe, sondern Verwaltungsjurist war. Indem auch Sie das verwechseln, ist es für mich ein Signal dass Sie offenbar diesbezüglich etwas überfordert sind. Dies sei nicht unbedingt als Vorwurf verstanden. Wenn man neben den Zeugen Jehovas, noch vielerlei andere Themen mit bearbeitet, kann man zwangsläufig nicht in allen Details sattelfest sein.

Zweierlei Maß
Von: ...
Datum: 09 Apr 1999
Uhrzeit: 18:36:32

Kommentar
In der neuesten Ausgabe des Materialdienstes" (4/1999 S. 115) kommt Dr. Andreas F... auch auf den B.-Artikel über die Pape's zu sprechen, denn bekanntlich Jehovas Zeugen für so "bedeutsam" hielten, um ihn hier im Forum zugleich in vierfacher Ausführung zu platzieren. Als Kommentar dazu schrieb F... unter anderem:

"Seit den 60-er Jahren berichtet er (Pape) kritisch über die WTG; er ist Autor des vielfach aufgelegten Buches 'Ich war Zeuge Jehovas'. Sein Sohn ist Klaus-Dieter Pape, geb. 1961. Er hat katholische Theologie studiert und arbeitet ebenfalls über die WTG: So hat er einige Jahre in Tübingen die Zeitschrift 'Aus christlicher Verantwortung' herausgegeben und unlängst das Buch "Die Angstmacher. Wer (ver)-führt die Zeugen Jehovas' vorgelegt.

Erwähnenswert ist schließlich der Bruder Günther Papes, Dieter Pape (geb. 1928). Er lebte während der deutschen Teilung in der DDR und war maßgeblicher Mitarbeiter der DDR-Publikationsreihe 'Christliche Verantwortung' (CV), die sich kritisch mit den Lehren der WTG auseinandergesetzt hat. Was wir damals nur vermuten konnten, ist heute zu belegen: Das Ministerium für Staatssicherheit hatte dabei alle Fäden in der Hand. Das MfS war der eigentliche Herausgeber der Zeitschrift, Dieter Pape war inoffizieller Mitarbeiter der Stasi und wurde unter dem Decknamen 'Wilhelm' geführt. Seine Familie hat er über diese Zusammenhänge nicht informiert.

Erst als verschiedene Akten aus der Gauck-Behörde auftauchten und auch der MD der EZW (vgl. 1995, S. 121ff) auf die Problematik hinwies, hat sich Dieter Pape alias IM 'Wilhelm' seinen Westverwandten offenbart. Das war 1996.

Bis hierher ist die Geschichte verworren genug. Was macht B. daraus? Den 'Kreuzzug' der Familie Pape. Abgesehen davon, daß sich der Kirchenhistoriker mit dem Wort 'Kreuzzug' vergriffen hat, leuchtet nicht ein, was die Sippenhaft soll: Will man Pape Junior vorhalten, was sein Onkel zu verantworten hat? Will man Pape Senior verurteilen, weil sich sein Bruder zur Mitarbeit bei der Stasi hat drängen lassen? Ist nicht überhaupt der von B. in den Blick genommene Aspekt der familiären Verflechtung problematisch? … Vielleicht ist der vorliegende Beitrag als Solidaritätsadresse an die WTG gedacht. … Vielleicht sucht B. auch nur ein neues Thema, um seine (mitunter ausgesprochen aggressive) Ablehnung der großen Kirchen formulieren zu können. …

Es gab zu DDR-Zeiten Stasiagenten unter Ex-Zeugen Jehovas und unter aktiven Zeugen Jehovas, wie es in den Landeskirchen Stasispitzel und (viele!) aufrechte Persönlichkeiten gab. B. hat in seinen zahlreichen Veröffentlichungen diese vielfältigen Haltungen, Brüche,

Handlungsstrategien oft genug auf die Formel reduziert, die Kirchen haben mit der Stasi gekungelt. … Was an B. so befremdet, ist seine Ideologie der Sauberkeit: Als könne man allezeit sündlos durchs Leben wandeln.

In der Geschichte der Familie Pape spiegelt sich unser Jahrhundert wider: Die Großeltern von der Gestapo wegen Tätigkeit für die WTG verhaftet, die Söhne trennen sich von den Zeugen Jehovas, einer landet erneut in einem totalitären System, läßt sich im Zuchthaus - warum auch immer - zur Stasi-Mitarbeit verführen, verschweigt das den anderen, diese wiederum stellen zu wenig Fragen, sie solidarisieren sich wiederholt mit ihren Verwandten und merken zu spät, daß sie getäuscht wurden. Das ist, weiß Gott, Stoff zum Schreiben! - wohl aber eher fürs epische oder dramatische Fach."

Flott formuliert, Herr Dr. F...! Wirklich, flott formuliert! Nur meine ich aus meiner Sicht einige kleine Akzentverschiebungen vornehmen zu sollen.

Um erst einmal das Gemeinsame hervorzuheben. Bezüglich Ihrer Einschätzung von B. stimme ich Ihnen zu. Der Mann ist in der Tat vom Hass zerfressen. Ich habe einiges von B. gelesen und meine mich diesem Urteil anschließen zu können. Ich schließe mich auch der Einschätzung an, das auch B., die Liebedienerei gegenüber der WTG für sich als neuen Geschäftszweig entdeckt hat.

Gerade dieser Tage habe ich von der ZJ-Firma Buchhandlung Mindt wieder eine neue Prospektsendung erhalten. Darin wird auch ein neues Elaborat von B. angekündigt. Das Geld ist mit allerdings zu schade, um es für diesen Herrn etwa auszugeben. Das mag kaufen wer will - ich nicht. Übrigens wurde in der gleichen Prospektsendung auch für Mai ein Buch von Gabriele Y. über die Zeugen Jehovas vorangekündigt. Auch sie dürfte ihren Ruf ein undifferenzierter Lobhudler zu sein, höchstwahrscheinlich auch in diesem Fall wieder "alle Ehre" machen.

Auch Ihre Ausführungen zu Klaus-Dieter Pape sind nicht uninteressant. Sein Buch habe ich selbstredend gelesen und meine ihm auch in etlichem beipflichten zu können. Das, was ich nicht unterschreiben kann, halte ich nicht für so bedeutsam, um darüber irgendwelche Worte jetzt hier verlieren zu müssen.

Nun beginnt es aber langsam kritisch zu werden. Sie schreiben zu Recht, dass die "Christliche Verantwortung" ein Stasiblatt war. Sie unterschlagen aber dezent, dass dieses Stasiblatt in Kontinuität ab 1993 von Klaus-Dieter Pape herausgegeben wurde. Das es zwischenzeitlich eingestellt wurde, dürfte man dabei auch als "nicht ganz freiwillig" einschätzen können.

Als Klaus-Dieter Pape im Jahre 1993 die erste Ausgabe von dem lediglich geringfügig modifizierten Titel "Aus christlicher Verantwortung" herausgab, schrieb er darin auch den Satz: "Christliche Verantwortung war nicht nur in der DDR eine gefragte und hilfreiche Publikation über Jahrzehnte hinweg, die auch von kirchlicher Seite sehr geschätzt wurde. … Dieses Anliegen der Christlichen Verantwortung wird von ACV als Erbe gerne angenommen und weitergeführt."

Stichwort Erbe: In der Tat, die ACV war sich nicht zu schade über die von ihr vorbeschriebene ideologische Kontinuität, auch das materielle Erbe der Stasi-CV mit zu übernehmen, mit der Einschränkung: Soweit dies möglich war. In einem Punkt aber war es offensichtlich möglich. So konnte man schon in der zweiten Nummer der "Aus Christlicher Verantwortung" auf der Seite 28 in der Rubrik Literatur, die sie bei uns beziehen können, auch das berüchtigte DDR-Buch über die Zeugen Jehovas, offeriert vorfinden.

Ein kleiner Fehler ist dabei dem Pape-Clan allerdings unterlaufen. Er nannte eine Preisforderung, die mit der des Freistühler-Verlages, der sich an die gesetzlich vorgeschriebene Buchpreisbindung hält, nicht identisch ist. Durch die Forderung des überhöhten Buchpreises, ist es für mich klar, dass es sich dabei um überzählige Exemplare des Uraniabuches handelt, mit der die Stasi, die "Christliche Verantwortung" reichlich versorgt hatte.

Auch Ihre Anmerkungen zu dem IM Wilhelm bedürfen der Präzisierung. Sie behaupten, erst 1996 hätte er sich seinen Westverwandten offenbart. Merkwürdig, ich habe da durchaus etwas anderes in Erinnerung. Der IM Wilhelm war faktisch zu DDR-Zeiten mein "Lieblingsfeind" geworden. Ich erinnere mich da an eine Begebenheit (man mag sie als Zufall oder auch als gelenkten Zufall ansehen). Jedenfalls befand ich mich, in der für mich peinlichen Situation, dem IM Wilhelm, zu dem ich alle Kontakte abgebrochen hatte und habe, im Katalogsaal der Berliner Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu begegnen.

Das war Anfang der 80-er Jahre. Er suchte nach bestimmten Titeln, die sein Bruder an seinem Wohnort vergeblich gesucht hatte. Der IM Wilhelm hat mich bei der Gelegenheit auch dazu überrumpelt, mir doch mal seine pompöse Stasiresidenz in der Berliner Albrechtstr. 16 anzusehen. Ein "Katzensprung" von der UB entfernt. Natürlich stand dort nicht Stasiresidenz dran, sondern "Christliche Verantwortung". Schweigend habe ich mir diese Führung durch die Räumlichkeiten über mich ergehen lassen. Im Gedächtnis haftend geblieben ist mir auch noch jener stolze Hinweis auf eine an einer Wand prangende Skulptur, die er von seinem Bruder bei einem dortigen Besuch als Gastgeschenk erhalten habe.

Der Ex-ZJ Norbert P. aus F., stand beispielsweise in brieflichem Kontakt mit Herrn Günther Pape. Er scheint überhaupt diesbezüglich ein kontaktfreudiger Mensch zu sein, denn er hatte auch Kontakt mit dem Herrn Hartmann, der wie er ja schon verlauten ließ, seine "Erkenntnisse" demnächst auch als "Lex P." zu gestalten denkt. Also P. pflegte auch eine umfangreiche Korrespondenz mit dem Pape, der ihm bei dieser Gelegenheit auch Kopien von Schreiben zukommen ließ, die seinerzeit Manfred Gebhard an das Staatssekretariat für Kirchenfragen der DDR richtete.

Die von ihm vorgenommene Auswahl lässt eindeutig erkennen, dass sie in der Richtung einer potentiellen Diskreditierung ausgewählt war. Bliebe noch die Frage zu klären, woher dieser Dokumentenhandel. Auf welchen Wegen wurde er möglich. Ich habe durchaus eine Antwort darauf. Auch das Staatssekretariat für Kirchenfragen war eine Stasizentrale. Insbesondere der dortige Ansprechpartner Hauptabteilungsleiter Heinrich, aber auch seine Hofschranze, waren erwiesenermaßen Offiziere der Staatssicherheit im besonderen Einsatz, wie man das nach der Wende eindeutig weiß. Es war also für die Stasi ein leichtes, dass was man lancieren wollte, auch entsprechend weiter zu leiten. Wie vorstehend beschrieben fanden sich auch in Westdeutschland dafür Multiplikatoren!

Bei Ihren Ausführungen über den IM Wilhelm halte ich es für besonders bemerkenswert, dass Sie auch nicht mit dem Bruchteil einer Silbe auf das Stasikircheninstitut "Wandlitz" zu sprechen kommen und auf die Rolle, die der IM Wilhelm in diesem Zusammenhang spielt. Es könnte ja auch Ihre Legende tangieren, dass der IM Wilhelm bezüglich des Uraniabuches ein "Saubermann" sei. Ich könnte in einen Lachkrampf verfallen, angesichts solcher Thesen.

Aber lassen wir das waschen dreckiger Wäsche. Die Problemlage liegt meines Erachtens auf einer ganz anderen Ebene. So wie die Zeugen Jehovas borniert von sich eingenommen sind, so sind Sie in gleicher Weise borniert eingenommen von ihrem materiellen Brötchengeber.

Registrieren Sie nun, dass da jemand nicht das "Loblied" der Kirchen singt, schlagen bei Ihnen die Alarmglocken an. Eine detaillierte Gegenargumentation halten Sie ja ohnehin nicht für nötig. Es bewahrheitet sich auch bei Ihnen der alte Erfahrungsgrundsatz: Wenn zwei das gleiche tun - so sei es doch nicht dasselbe. Wer im Dienst der Kirchen steht, über dessen Schattenseiten deckt man großzügig den Mantel des Vergebens.

Wer jedoch nicht im Dienste der Kirchen steht, den gilt es um jeden Preis zu diskreditieren. Nun denn - nur weiter so!

Zum Abschluss noch einen schönen Gruß - an Babylon die Grosse!

"Heim und Welt"
Von: Drahbeck
Datum: 29 Apr 1999
Uhrzeit: 15:13:07

Kommentar
Ich gehöre nicht zu denen, die ständige Leser oder gar Abonnenten der Zeitschrift "Heim und Welt" sind. Gerade unter den Zeugen Jehovas soll es ja einen beträchtlichen Prozentsatz davon geben, auf die das zutrifft. Würden sie über Nacht zu dem praktizierten Entschluss gelangen, dieses Blatt nicht mehr anzurühren, hätte der herausgebende Verlag einen spürbaren Absatzrückgang zu registrieren.

Aber auch in meiner "Kaufhalle um die Ecke" ist dieses Blatt gelegentlich vorhanden. Wenn es sich so ergibt, nehme ich es auch mal mit, weil ich weiß, garantiert im Annoncenteil dort einiges von den Zeugen Jehovas vorzufinden. So auch in der Ausgabe vom 29. April 99, die mal als willkürliches Beispiel genannt sei. Es ist im Prinzip nur eine Stichprobe. Wer sich aber die Mühe machen würde, dieses Blatt ständig auszuwerten, der könnte aber auch erkennen, dass diese Stichprobe schon fast repräsentativere Charakter hat.

Zweierlei muss man meines Erachtens noch unterscheiden. 1. Die redaktionell verantworteten Inhalte und 2. Die Kleinanzeigen (mitunter auch Großanzeigen), die darin abgedruckt sind.

Zum redaktionellen Teil. Vielleicht ein paar Überschriften von der Seite 2 und 3; "Queen Elizabeth Geburtstagsfeier in Korea; Prinzessin Caroline immer drei Schritte voraus; Prinzessin Margaret Ihre Karibik-Villa wird versteigert; Prinzessin Alexandra Lächeln für Notleidende; Konstantin von Griechenland Stolzer Opa; König Carl Gustaf: Seine Aktien steigen; Prinz William: notgedrungen jetzt Rechtshänder; Juliana der Niederlande: keine Blumen zum 90. Geburtstag".

Angesichts dieser Lektüre bin ich erst mal "restlos bedient" und erspare es mir den weiteren redaktionellen Inhalt darzustellen. Aber eine ständige Rubrik möchte ich noch erwähnen und zwar die auf der Seite 58: "Astro Kummer. Astrologin Jeanne Phillipi gibt Ihnen Ratschläge." Ausgeführt wird, dass diese "Ratschläge" auf dieser Seite abgedruckt würden. Auch bemerkenswert der Schlusssatz: "Eine Antwort finden Sie auf dieser Seite, oder Sie erhalten einen Beratungsvorschlag. Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß weitergehende Einzelberatungen bei Frau Phillippi ab 100 Mark kosten."

Eindeutig auch der Annoncenteil. Beispielsweise: "Maria Duval, die größte Seherin der Welt 'Ich schenke Ihnen einen echten Talisman, der Ihr Leben total verändern kann." Oder wenn da beispielsweise offeriert wird: "Altägyptische weiße Magie, Jenseitskontakte, sofortiges telefonisches Kartenlegen; Die Hexe von Hamburg; Tarot-Kartenlegen, Jenseitskontakte, Lebenshilfe; Echte Magie in allen Lebensbereichen, Zukunftsprognosen, Wahrsagen, Kartenlegen, Astrologie, Hellseher, Magier Voodoomeister" usw.

In der Rubrik "Lebensglück" (also Kontakt bzw. Heiratsinserate) habe ich , wann ich richtig gezählt habe, zirka sieben Inserate registriert, die sich eindeutig als Zeugen Jehovas outen und solche Kontakte in ebendemselben Kreis suchen.

Bemerkenswert fand ich auch noch das den Zeugen Jehovas zuzuordnende Inserat: "Wir nehmen in unseren Pflegeheim noch Glaubensbrüder u. Glaubensschwestern (Z. J.) auf. Außerdem: Neueröffnung! Betreutes Wohnen…"

Ich will nicht unterstellen, dass die Leitung der Zeugen Jehovas über die Inserate in diesem Blatt besonders "glücklich" ist. Bekannt ist ja dass letztere Spiritismus und ähnliches ablehnt. Angesichts dessen fragt man sich aber doch: Warum inserieren Jehovas Zeugen gerade in diesem Blatt? Sicherlich hat sich das geschichtlich so "eingespielt". Dennoch muss die Anmerkung gestattet sein:

Sage mir mit wem du umgehst - und ich sage Dir wer Du bist!

Meines Erachtens hat eine andere der kleineren Religionsgemeinschaften das Problem eleganter gelöst. Ich meine die Religionsgemeinschaft der "Siebenten-Tags-Adventisten". Zu deren Zeitschrift "Adventecho" (vergleichbar etwa mit dem "Wachtturm"), gibt es außerhalb der redaktionellen Verantwortung, auch noch ein Anzeigenblatt als Beilage. In ihm inserieren Adventisten für Adventisten in allen möglichen kommerziellen Bereichen. Versicherungs- und Autoverkäufer, Geldmakler, Anbieter von bestimmten Lebensmitteln usw. usf. sind dort ebenso vertreten, wie die obligaten Buchanpreisungen des Advent-Verlages.

Man kann natürlich kritisch hinterfragen, ob solches "schmoren im eigenen Saft", wirklich der "Weisheit letzter Schluss" ist. Indes die Lösung der Zeugen Jehovas sich zwischen Astrologen und Jenseitsakrobaten wohl zu fühlen, ist es ganz sicher auch nicht!

Re: "Heim und Welt"
Von: Stasiopfer
Datum: 29 Apr 1999
Uhrzeit: 15:24:36

Kommentar
Drahbeck, ist das Ihr neuer IM Name?

Wie aus den Akten der Gauckbehörde hervorgeht waren Sie ein Mitarbeiter der Stasi. Sagen Sie mal schämen Sie sich gar nicht? Sich von einer Religionsgemeinschaft loszusagen bzw. sich kritisch damit auseinanderzusetzen ist eins, aber aktiv zu schnüffeln und denunzieren überschreitet die Grenze des Anstandes

Mit Ihrer Vergangenheit sollten Sie lieber Zuhaus im Kämmerlein sitzen und sich schämen.
Stasiopfer

"Heim und Welt" an Stasi-Opfer
Von: Focus
Datum: 29. Apr 1999
Uhrzeit: 16:25:15

Kommentar
Langsam langsam guter Mann,
warum so bös?

Wenn Ihnen der Stil von Herrn Drahbeck nicht gefällt, wundert es mich, daß sie so gewaltig darunter rutschen.

Ihr Beitrag jedenfalls hat mich nur abgestoßen, der von Herrn Drahbeck enthielt für mich zumindest neue Informationen
Gruß Focus

Re: Gerhard B.
Von: ...
Datum: 31. Mai 1999
Uhrzeit: 16:39:08

Kommentar
Gut herausgearbeitet, der Widerspruch zwischen "Gemeindegläubigkeit" und wissenschaftlichen Erkenntnissen. An dieser Problemlage ist schon ein Albert Schweitzer gescheitert. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse "Geschichte der Leben Jesu-Forschung", konnte die Kirche nicht verkraften. Er "löste" sein Problem, indem er als gestandener Theologe, noch ein Zusatzstudium aufnahm und Arzt wurde. Selbst als Missionsarzt wollte man ihn Kirchlicherseits nicht haben. Er konnte diese Stellung nur bekommen, indem er ausdrücklich die Erklärung abgab, über seine wissenschaftlichen Erkenntnisse im Missionsgebiet in keiner Weise zu reden.

B. ist zur ZJ-Thematik über die Enquete-Kommission gekommen, der er mit angehörte. Das Privileg der Theologieprofessoren ist immerhin, dass sie nicht von der Kirche besoldet werden; es also im Ernstfall auch auf einen Konflikt ankommen lassen können. Sicherlich ist die kirchliche Binnenstruktur mit den vielen "Weltanschauungsbeauftragten" etwas was auch zur Kritik herausfordern kann. Vor drei Jahrzehnten gab es diesen kirchlichen Berufsstand so noch nicht. Er kam auf mit der Diskussion um sogenannte "Jugendsekten" Anfang der siebziger Jahre.

Wenn ich B. zum Teil auch verstehen kann; so muss ich ihm andererseits jedoch Unsensibilität gegenüber Aussteigern aus totalitären Gruppierungen vorhalten. Den Aspekt der totalitären Struktur, hat er in keiner Weise reflektiert. Diesbezüglich trennt mich ein tiefer Graben von ihm, aber auch von Y., G. und andere, denen ich den gleichen Vorwurf machen muss.

Re: Gerhard B.
Von: Stasiopfer
Datum: 02 Jun 1999
Uhrzeit: 13:38:29

Kommentar
Sagen Sie mal Herr Gebhard,

wie lautete IHR IM-Name? Von Ihrem Kollegen "Wilhelm" ist er ja schon bekannt!
Man kennt halt seine "Papenheimer".

Es kommt halt alles heraus. Für Sie war die Wiedervereinigung auch eine persönliche Katastrophe. Konnten nicht mehr im Staatsdienst betätigen.
Entrüstet
Stasiopfer

Re: Gegenfrage
Von: ...
Datum: 02 Jun 1999
Uhrzeit: 19:13:12

Kommentar
An das vermeintliche …
Wie heißen den die IM in der Theologischen Sektion der Universität Halle/S?
Die analogen Namen von der Sektion Theologie der Berliner Humboldt-Universität sind ja auch bereits bekannt.

Re: B. und F.
Von: ...
Datum: 04 Jun 1999
Uhrzeit: 19:46:24

Kommentar
Bekanntlich gehört der Dr. F... von der EZW nicht gerade zu meinen "Freunden". Ob es ihm recht ist oder nicht - diese Frage ist für mich von untergeordneter Bedeutung - möchte ich doch noch eine weitere Anmerkung zu ihm, respektive zu dem, was er vortrug, machen.

In der jüngsten Ausgabe des "Materialdienstes" (6/99) berichtet er über den Besuch einer von den Zeugen Jehovas initiierten Veranstaltung die am 30. 3. 99 im Willy-Brandt-Saal des Berliner Rathauses Schöneberg stattfand. Zwei Referenten traten dort auf. Der ZJ-Rechtsanwalt D. und der sattsam bekannte Prof. B.

F... merkte an, dass es strengstens untersagt war, von der Veranstaltung eine Tonaufzeichnung zu machen. Er rezipiert seine Wiedergabe nach seinen handschriftlichen Notizen. Zu D. kann ich mich kurz fassen. D. wiederholte nur das, was er bereits auf der Veranstaltung des Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen ausgesagt hatte. Ich hatte das seinerzeit hier kommentiert. Derzeit ist es noch (bemerkenswert) auf dem Forum des Thomas Pape nachlesbar. Der dort auch mal eingestellte Beitrag in Sachen Paul Balzereit wurde aber von Pape schleunigst wieder gelöscht. Nun, er kann sicher sein, ohne aktuellen Anlass, werde ich sein Forum nicht mehr mit weiteren Beiträgen von mir belästigen.

Zu B.: Nach der Darstellung von F. bestand wohl ein wesentlicher Kern seiner Aussage, in einer unterstellten Kumpanei zwischen dem Stasiblatt "Christliche Verantwortung" und den seinerzeitigen DDR-Kirchen. Dazu hätte ich allerdings auch etwas zu sagen.

Erstens unterstelle ich B., dass er die "Christliche Verantwortung" überhaupt nicht im Detail kennt. Er plappert nur wie ein Papagei das nach, was ihm der ZJ Waldemar H. diesbezüglich ins Ohr geflüstert hat. B. möge - wenn er Lust dazu hat - sich mit mir in ein Streitgespräch einlassen. Ich habe alle 264 Ausgaben der "Christlichen Verantwortung" eingesehen. Ob B. das auch hat, bezweifle ich.

Ich habe es auch auf mich genommen, nachdem ich seit den 80-er Jahren von deren Versandliste gestrichen wurde, mir die weiteren Ausgaben in der Deutschen Bücherei in Leipzig anzusehen. Eine andere Möglichkeit, als diesen aufwendigen Weg dazu, hatte ich nicht. Den entgegen der Meinung von F..., befand ich mich seit den 80-er Jahren in realer Opposition zum DDR-Staat. Ich nehme für mich auch in Anspruch, kein "Lobsänger" der "Christlichen Verantwortung" zu sein.

Wenn es etwas an ihr zu kritisieren gibt - und es gibt diesbezüglich vieles - dann wird das auch mein offenes Ohr finden. dennoch meine ich mir das Statement erlauben zu können, dass die angebliche Kumpanei zwischen der "Christlichen Verantwortung" und den DDR-Kirchen nur in den Vorstellungen von B. und H. existiert - nicht aber in der Praxis.

Mag sich F..., mit dieser Feststellung auch bestätigt sehen, so soll er mir doch, auch diesmal nicht ungeschoren davon kommen. F... schreibt in seinem Text auch:

"Dieser Befund wiegt um so schwerer, als die Stasi immer wieder versucht hat, junge Theologen in der DDR für die Arbeit der CV zu interessieren. Diese Bemühungen wurden forciert, wenn jemand eine wissenschaftliche Arbeit zum Themenkreis Jehovas Zeugen geschrieben hat. Sie haben jedoch in keinem einzigen Fall gefruchtet, wie selbst die Stasi resignierend feststellt. Für die Sektion Theologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg kann ich bezeugen, dass wir von dem zuständigen Dozenten, Helmut Obst, ausdrücklich vor der CV gewarnt wurden."

F... gibt damit indirekt zu, wer immer, auch in Theologenkreisen begann, sich mit den Zeugen Jehovas näher zu befassen, der musste damit rechnen, dass die Stasi sich für ihn interessierte. Mehr noch. F... nennt auch den Namen seines Doktorvaters. Auch wenn F... nur über "Jakob Lorbeer" ein Thema außerhalb der ZJ behandelte, so sieht es bei seinem Doktorvater schon erheblich anders aus.

Letzterer, veröffentlichte zu DDR-Zeiten ein seinerzeit durchaus beachtetes Buch über kleinere Religionsgemeinschaften. In der ersten Auflage waren die Zeugen Jehovas darin nicht mit behandelt worden. Dann aber o Wunder (jedenfalls für DDR-Verhältnisse) gab es sogar noch eine zweite Auflage davon. Und noch größeres Wunder, darin wurden auch die Zeugen Jehovas mit behandelt!

Ich unterstelle Obst nicht, dass er dies etwa im CV-Stil getan hätte. Mitnichten. Aber was ich unterstelle basiert auf gewissen für mich eindeutigen Indizien. F... redet in seinem Text nur von jungen Theologen, denen sich die Stasi in Sachen Zeugen Jehovas näherte. Das Wort "junge" sollte er lieber ersatzlos streichen!

06. 12. 2000

Exkurs:

Zu den Episoden der Deutsch-deutschen Geschichte gehört dann wohl, dass es da zwei Bücher gibt, welche den gleichen Titel und „fast") den gleichen Autorennamen tragen. Lediglich das eines (dasjenige welches in Ostdeutschland erschien) noch die zusätzliche Angabe enthielt „Bearbeitet von Dieter Pape". Just auch diese Angabe, gab es ja in der Westausgabe jenes Buches nicht.

Mehr noch, man kann von zwei prinzipiell inhaltlich unterschiedlichen Büchern des „Ich war Zeuge Jehovas" der Pape’s sprechen. Auch wenn dieser Sachverhalt, WTG-seitig geflissentlich ignoriert wird.

Jenes Buch erschien zwar im Jahre 1961 erstmals, gleichwohl hatte es einen Vorlauf. Und zu der Zeit jenes Vorlaufs, bestand die Ostberliner Mauer noch nicht. Somit hatten auch die Gebrüder Pape in dieser Vorlaufzeit noch leichtere Kontaktmöglichkeiten untereinander, als etwa nach dem 13. 8. 1961.

Namentlich der im Westen lebende Günther Pape, wurde nach einer Angabe von Herrn Hirch auch wie folgt belehrt:

„Da Günther Pape durch seine Bekanntschaft zu ... Ernst Haensli, einem Jesuiten-Pater aus dem Berchmannskolleg, alle Unterstützung - sowohl finanzieller als auch juristischer Natur - erwarten und für sich sichern konnte.  Günther Pape bekam immer mehr Angst "zwischen zwei Feuern" zu stehen.  Er musste sich entscheiden.  Dies hat er offensichtlich zugunsten des im Westen mächtigeren Kampfesgenossen, der katholischen Kirche, getan.

In der BRD war durch die Kontakte der Jesuiten schnell ein katholischer Verlag gefunden, der die Buchherausgabe vornehmen wollte."

Dafür war dann allerdings ein Preis fällig. Den formuliert Hirch so:

„Der Vorgesetzte des Jesuiten-Paters Haensli bestand auf einem Buch

mit "rein katholischem Einschlag". 

Es wurde die dezidierte Forderung gestellt, dass Günther Pape die katholische Kirche als einzig wahre Kirche darstellen und er eine antikommunistische Haltung propagieren solle.  Dies lehnte Günther Pape vorerst ab. So kam es, dass das Buchprojekt zunächst auf Eis gelegt wurde und die katholische Kirche sich der Veröffentlichung eines anderen Buchprojektes widmete. Es war das Buch von Wilhelm Schnell, einem ehemaligen Wachtturm-Mitarbeiter aus der Zentrale der Zeugen Jehovas in New York. 

Das geplante Buch Günther Papes wurde in Westdeutschland verlegt, nachdem die Forderungen der katholischen Kirche erfüllt wurden."

[Einfügung. Es erscheint wohl eher fraglich, ob Herr Hirch das 1958 erstmals erschienene Buch von Schnell: „Dreissig Jahre Sklave des Wachtturms" selbst je gelesen hat. Sonst hätte er wohl den „William" nicht in „Wilhelm" Schnell umgetauft. Ist zwar auf dem äußeren Buchumschlag der Vorname nur abgekürzt angegeben, so hätte schon das aufschlagen der ersten Buchseite völlig ausgereicht, um dort den Vornamen voll ausgeschrieben vorzufinden.]

 

Nun gab es also, nach 1958 weitere Kontakte der Gebrüder untereinander. Weiter in der Zitierung der Hirch’schen Interpretation dazu:

„Nach eigenen Aussagen Günther Papes wollte das MfS ihn bei einem Besuch in Berlin zu einer Mitarbeit zwingen. Zu einem mit seinem Bruder Dieter und Mitarbeitern des Staatssekretariats für Kultur vereinbarten Treffen wurde er offenbar vom Geheimdienst verschleppt, verhört und unter Druck gesetzt. Er wurde beschuldigt für den BND (Bundesnachrichtendienst) zu arbeiten. Nach seinen eigenen Angaben habe er sich seinerzeit mit allem Nachdruck gegen diese Unterstellungen gewehrt."

Hirch meint dazu werten zu können (ob zu Recht oder nicht, sei mal völlig dahingestellt):

„Dies wirkte auf die Mitarbeiter des MfS nicht unbedingt glaubwürdig, hatten sie doch in den Verhaltensweisen für Ihre eigenen Mitarbeiter klare Verhaltensregeln festgelegt. Dieter Pape beispielsweise wurde die Instruktion gegeben, sollte er im Westen zu einer Zusammenarbeit mit dem MfS verdächtigt werden, sollte er sich auf folgende Weise zur Wehr setzen: "Direkte

Vorwürfe in Richtung einer Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit lehnen Sie energisch und bestimmt ab, wobei Sie sich weitere Beschuldigungen verbitten."

(Nochmals festgehalten. Also auch nach der Angabe von Hirch, erhielt der im Osten lebende Dieter Pape diese Anweisung. Daraus kann keinesfalls eine erweiterte Sippenhaft, auch auf den Günther Pape (im Westen) rechtmäßig abgeleitet werden.

Weiter in der Zitierung via Hirch:

„Günther Pape erklärte dem Geheimdienst, dass maßgebliche Leute in der BRD von seinem Besuch in der DDR wüßten. Nach dieser von ihm berichteten Erfahrung sah er sich wohl darin bestätigt, tatsächlich "zwischen zwei Feuern" zu sitzen. Wieder zu Hause angekommen unterrichtete er sofort den Jesuiten-Pater Haensli, der auch umgehend seine eigenen guten Kontakte zum BND (mit Sitz wie die jesuitische Hochschule ebenfalls in Pullach bei München) nutzte und über die ihm berichtete Entführung Günther Papes den westdeutschen Geheimdienst informierte."

Dieses vorskizzierte Zwielicht sollte in späteren Jahren dann noch die WTG-Apologeten dazu inspirieren, den im Westen lebenden Günther Pape zu bezichtigen „Stasiagent" zu sein. Das ging dann gar soweit, das Pape (West) von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen - zeitweilig - vom Opfer des MfS zum „Begünstigten" des MfS umgestuft wurde. Indes genannte Behörde musste in der Sache letztendlich zurückrudern.

Dazu gab es dann noch eine gerichtliche Auseinandersetzung.

Im Ergebnis selbiger stellt genannte Bundesbehörde in einem internen Schreiben vom 28. 5. 2004 (nach Abschluss dieser gerichtlichen Auseinandersetzung fest):

„Nunmehr ist der Rechtsstreit mit gerichtlichem Einstellungsbeschluss vom 15. April 2004 beendet worden. ... Mit der Beendigung des Rechtsstreites war ein Abgehen von der bisherigen Haltung der Behörde verbunden, wonach die streitgegenständlichen Unterlagen zu Herrn (Günther) Pape als Mitarbeiterunterlagen anzusehen seien. ... Die Beendigung des Prozesses erfolgte auf Anregung des Gerichtes in der Weise, dass die Behörde (zur Vermeidung eines Prozessverlustes) ihren Bescheid über die Beurteilung der Unterlagen (nebst Kostenbescheid) aufgehoben hat, verbunden mit einer Klagerücknahme Herrn Papes. Die ehemals streitgegenständlichen Unterlagen können somit nicht mehr als Mitarbeiterunterlagen behandelt werden."

Weiterer Exkurs:

Vom Sohn des im Westen (damals) lebenden Günter Pape, dem Klaus-Dieter Pape gibt es auch eine Stellungnahme zu den beiden Varianten des Pape’schen „Ich war Zeuge Jehovas". Veröffentlicht in der Nr. 1/1995 der von der EZW hrsg. Zeitschrift „Materialdienst".

K.D. Pape hält nun auf Grund vorangegangener Beiträge zu dieser Thematik, dem „Materialdienst" vor, unreflektiert und tendenziös im Sinne der WTG-Apologetik bei diesem Thema mitzuschwimmen.

Aus besagter Stellungnahme sei im nachfolgenden - unkommentiert - noch jene Abschnitte zitiert, die eben auf diese beiden „Ich war ..." Bücher Bezug nehmen:

Zu den Behauptungen über die Ost-Überarbeitung des Buches meines Vaters Günther Pape, »Ich war Zeuge Jehovas«, (soll) folgendes gesagt werden. Auch hier hat der »Materialdienst« die Sprache und Sicht der WTG benützt. Denn die WTG behauptet, daß Günther Pape Mitarbeiter von CV und des MfS gewesen sei und daß das Buch nur „aufgrund der Protektion des Staatssicherheitsdienstes gedruckt und verlegt wurde". Gegen diese und andere Beschuldigungen hat Günther Pape Klage erhoben. Ich möchte daher nur ganz kurz erläutern, wie die Ost-Ausgabe zustande kam.

Mein Onkel, Dieter Pape, wurde am 24.6. 1952 wegen illegaler Tätigkeit für die verbotene WTG verhaftet und am 8. 10. 1952 zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach einer Amnestie wurde er im November 1956 entlassen. 1959/60 hatte mein Vater eine erste Fassung des Manuskriptes seines Buches »Ich war Zeuge Jehovas« fertig. Eine Durchschrift schickte er seinem Bruder nach Ost-Berlin, den er seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Dies war als Hilfe für ihn gedacht, um seine Probleme mit Glaubenszweifeln im Zusammenhang mit seiner Hafterfahrung zu überwinden. Mein Onkel antwortete mit der Frage, ob man dieses Buch nicht einem DDR-Verlag anbieten sollte. Mein Vater stimmte grundsätzlich zu, das Manuskript war aber noch nicht für eine Veröffentlichung überarbeitet. Im April 1960 lag das Manuskript dem Union-Verlag vor. Vor allem wegen einer Passage, die nach Verlagsmeinung gegen den Kommunismus ausgelegt werden könnte, wurde es dort nicht angenommen.

Mein Onkel arbeitete das Manuskript nun um. So kam es im Dezember 1960 beim Deutschen Zentralverlag heraus. Erst Monate später bekam mein Vater ein Exemplar zugesandt. Da darin nichts grundsätzlich Falsches stand, hat er nicht öffentlich reklamiert. Im »Materialdienst« liest man nun folgendes: „Federführend war das MfS auch bei der Herausgabe der DDR-Auflage von Günther Papes bekanntem Buch >lch war Zeuge lehovas< (Ost-Berlin 1961). Am 3. Mai 1960 schlägt die Stasi diese Edition vor."

Hier wird der Anschein erweckt, als ob die Intention in Absprache mit dem Verfasser von der Stasi ausgeht. Fünf Tage vorher, am 28.4. 1960, erhielt mein Onkel einen Brief vom Union-Verlag, worin noch über eine Lektorierung nachgedacht wurde. Wenn nun die Veröffentlichung in einem Verlag in der DDR gleichbedeutend ist mit einer „Federführung durch die Stasi", würde dies bedeuten, daß jedes Buch, das in der DDR erschien, unter „federführender Herausgabe des MfS" erschienen ist. Was die Stasi mit dem Buch dann getan hat, dafür ist der Verfasser nicht verantwortlich. Mein Vater hatte keinerlei Einfluß darauf, daß jeder inhaftierte ZJ dieses Buch lesen mußte. Was ist aber daran „bedrückend", wie es im »Materialdienst« heißt? Durch die Original-Ausgabe des Buches meines Vaters konnte nachweislich vielen Menschen geholfen werden ... War es moralisch wirklich so verwerflich, daß ZJ in Haft durch das Lesen der Ost-Bearbeitung des Buches zum Nachdenken kamen und dadurch von der WTG frei wurden? (Es gab gar keine Ost-Ausgabe, denn der Verlag wollte dies gar nicht.) jeder ZJ, der das Buch gelesen hatte, konnte doch selbst entscheiden, ob er weiter ZJ bleiben wollte oder nicht. Daß die WTG aber die ZJ - heute immer noch - in vielerlei Dingen bewußt in Unwissenheit hält, das ist doch eigentlich der Skandal. Bei der ganzen Darstellung im »Materialdienst« wird nur durch die Stasibrille geschaut, keine andere relevante Quelle wird bei den Ausführungen über die ZJ und die CV benutzt. Es wäre ja wohl nur fair gewesen, die beteiligten Personen zu der Problematik zu befragen, bevor man so einseitige Behauptungen aufstellt. Gefährliche Mißverständnisse, die daraus entstehen können, sehe ich in diesem Beitrag als gegeben an. Es gibt dadurch keine Objektivität. Die Beurteilung der Stasi, selbst deren Meinungen, werden als nicht zu hinterfragende Wahrheiten angesehen. Vor allem wagt der »Materialdienst« eine ganz neue Beurteilung der WTG. An keiner Stelle wird gefragt, was und wieviel Leid die WTG unter die ZJ und ihre Familien gebracht hat und millionenfach immer noch bringt. Aber dies ist die einzige Motivation, warum CV entstanden ist, warum mein Vater sein Buch geschrieben hat ... Inhaltlich und formal gab es an CV sicher Kritikpunkte. Daher hat mein Vater nie eine Zeile für CV geschrieben, im Gegensatz zu manchem westlichen Kollegen. Aber unter den oben beschriebenen Bedingungen konnte es kaum anders laufen. Das bestreitet außer der WTG niemand. Die hätte es gern gesehen, wenn es CV nicht gegeben hätte."

Ein weiterer Nachtrag:

In Heft 4/1995 dergleichen Zeitschrift, gab es auf die Ausführungen von K.D. Pape eine weitere Entgegnung verfasst von Falko S....

Was ist ihr Merkmal? S... arbeitet namentlich die Tragik des formalen CV-Gründers Willy Müller heraus. Das da eine tragische Ausgangslage im Ostdeutschen Stasistaat bestand, ist erst mal unzweifelhaft. Dann bezeichnet er besagtem Müller, unter Stasi-Anleitung als den „langjährigen Leiter" der CV.

In dieser Generalität widerspreche ich S... schon mal. Bereits im Jahre 1970 wurde Müller von der Stasi unsanft abgesetzt. Darüber auch umfänglich zu referieren war in S... Konzept offenbar nicht opportun.

Er begnügt sich mit der Feststellung, die Stasi wähnte, aufgrund des Alters von Müllers sei die Sicherung der Konspiration nicht mehr gewährleistet.

Las man in der Nach Müller-Phase plausible (für Außenstehende plausible) Gründe weshalb denn nun Müller unfreiwillig von dem Betheleinbrecher Karlheinz Simdorn, alias „Wolfgang Daum" abgelöst wurde? Entweder habe ich was übersehen, oder ich habe eben nichts gesehen.

Und auch S... macht da nicht gerade „schlauer". Der Fall Daum scheint überhaupt nicht bis in seinen Gesichtskreis gelangt zu sein.

Besagte CV bestand nach Müllers Absetzung noch weitere 23 Jahre. Da sind wohl die fünf Müller-Jahre eher ein Klacks dagegen. Und schon in diesen fünf Jahren konnte Müller keinesfalls so agieren, wie er es denn vielleicht gerne hätte, würde er unter freiheitlichen Rahmenbedingungen gelebt haben. Die Leine der Stasi, bei den von ihr „Geführten" konnte zwar lang sein, manchmal aber auch recht kurz. Schon Müller durfte auch dieses auskosten.

S... „schießt" sich in seiner Entgegnung namentlich auf den Fall Müller ein.

Merkwürdig nur, über seinen damaligen Vorgesetzten an der Universität Halle/S. und dessen Zeugen Jehovas-Kapitel in der zweiten Auflage seines Buchs „Apostel und Propheten der Neuzeit", (in der ersten Auflage gab es dieses Kapitel ja noch nicht, dass es in der zweiten Auflage dann noch kam, ist unter DDR-Verhältnissen durchaus als ein Politikum zu bewerten, bei dem machtvolle Kreise, vor dem Erscheinen, erst mal ihren „Begünstigungsdaumen" nach unten zu richten hatten); darüber weis S... schon mal nichts zu referieren.

Hält also S... dem Müller seine Stasi-Zwangslage unter die Nase, dann nehme ich mir mal die Freiheit darauf hinzuweisen, dass man auch die Frage stellen kann, ob denn so mancher „Saubermann" mit Professoren-Titel auch ein tatsächlicher Saubermann ist.

Auch in letzteren Falle billige ich durchaus Zwangslagen zu.

Weder Müller noch genannter Professor ahnten zu ihrer Aktivzeit. Eines Tages wird es keine DDR mehr geben.

Dafür aber „Klugscheisser" auch vom Typus S....

In einem anderen, im Jahre vom gleichen Verfasser publizierten Beitrag zum Zeugen Jehovas-Thema, ist er nicht so eng auf die kritischen Aspekte der Publizistik zu DDR-Zeiten in Sachen Zeugen Jehovas fixiert, als dies in dem hier bewerteten Zeitschriftenaufsatz der Fall ist. Daher ist auch zu seinem 2001er Votum eine konziliantere Einschätzung möglich.

Nochmals zusammengefasst, in seinen Zeitschriftenartikel-Ausführungen stellt S... besagten Müller in ein schiefes Licht (zurecht oder nicht, sei völlig dahingestellt). Indes zum weiter oben angerissenen Pape-Thema weis er seinerseits nicht substanzielles mitzuteilen. Somit bleibt unterm Strich, die Interpretation von Pape, letztendlich unbestritten.

Um noch den mit angesprochenen Fall Müller etwas zu vertiefen:

Meines Erachtens tut man Müller unrecht, stellt man ihn nur als "billigen" Stasiknecht dar.

Zu seiner Biographie gehört dann wohl auch, die in seinen ersten DDR-Gerichtsverfahren angeordnete Vermögenseinziehung. Im konkreten bedeutete das für ihn die Beschlagnahmung seines unter vielen Mühen erbauten Hauses in den 1920er Jahren.

Das hat ihn tief getroffen. Er bekam diesen Vermögensverlust auch in späteren Jahren, nie ersetzt.

Hält man Müller spätere finanzielle Zuwendungen seitens der Stasi vor, ist darauf zu antworten.

Er musste seine Berufstätigkeit noch über das 65 Lebensjahr hinaus fortsetzen, um finanziell halbwegs über die Runden zu kommen. Ursächlich auch seine Verhaftungsjahre, die gleichbedeutend mit dem Nichterwerb von Rentenansprüchen für diese Jahre waren.

Zahlte ihm die Stasi also in späteren Jahren etwas, dann war dass an die Bedingung geknüpft, er möge doch seine Berufstätigkeit nun endlich aufgeben, um sich dafür vermehrt der CV-Tätigkeit widmen zu können.

Wer all diese Aspekte unter den Tisch fallen lässt, liefert nur ein Zerrbild.

Weitaus gravierender indes scheint mir der Einfluss seiner damaligen Lebensgefährtin zu sein. Die lernte ich dann ja bei einem Besuch in Gera auch mal kennen.

Im Jahre 2003 habe ich meine diesbezüglichen Eindrücke schon mal so zusammengefasst (Dort mehr zum Textende des Disputes)

http://www.bechhaus.de/forum/messages/688/143.html?1063915114

(Detailzitat):

Lieber J..., Deine in etlichen Variationen schon mal hier vorgetragene Argumentation gegen die Aufklärer, erinnert mich schon an jene Parabel, wie sie Maxim Gorki in seinem Roman „Nachtasyl" mit erwähnte:
„Ich kannte einen Menschen, der glaubte an das Land der Gerechten. … Er war arm und es ging ihm schlecht und wie's ihm schon gar zu schwer fiel, dass ihm nichts weiter übrigblieb, als sich hinzulegen und zu sterben - da verlor er noch immer nicht den Mut, sondern lächelte öfters vor sich hin und meinte: Hat nichts zu sagen - ich trag's! Noch ein Weilchen wart ich, dann werf ich dieses Leben ganz von mir und geh in das Land der Gerechten. … Seine einzige Freude war es - dieses Land der Gerechten."

Diese Parabel findet ihre Fortsetzung in der Feststellung, dass ein Gelehrter alle seine Bücher und Pläne durchforstet, aber nirgends das anvisierte „Reich der Gerechten" finden kann. Die Geschichte geht weiter mit den Worten: „Der Mensch - will ihm nicht glauben. … Es muss drauf sein, sagt er. … Such nur genauer! Sonst sind ja, sagt er, all deine Bücher und Pläne 'nen Pfifferling wert, wenn das Land der Gerechten nicht drin verzeichnet ist. … Mein Gelehrter fühlt sich beleidigt. Meine Pläne, sagt er, sind ganz richtig und ein Land der Gerechten gibt's überhaupt nirgends. - Na, da wurde nun der andere ganz wütend. Was? Sagt er - da hab ich nun gelebt und gelebt, geduldet und geduldet und immer geglaubt, es gebe solch ein Land! Und nach deinen Plänen gibt es keins! Das ist Raub …"

Die Geschichte endet damit, dass der Gläubige die Ernüchterung nicht verkraften konnte und seinen Frust in Aggressivität abreagierte und ein bitteres Ende fand.


Es werden Deinerseits Forderungen gestellt, die da in etwa dem vergleichbar sind. Ein Vergnügungsparkbesucher sucht an der Losbude das große Glück. Er will unbedingt den „großen Gewinn". Er ist auch bereit dazu einiges zu investieren. Leider erweisen sich die von ihm gekauften Lose aber immer als Nieten.

Wie nun „weiter mit dem großen Glück"? Er kann es immer wieder aufs neue versuchen; auf die Gefahr hin, sich faktisch dafür zu verausgaben (und dennoch nicht das ersehnte Ziel zu erreichen). Oder er kann auch die „Notbremse" ziehen und sich sagen. Dafür gebe ich kein weiteres Geld mehr aus, was wahrscheinlich das klügere wäre.

Deine Argumentation lässt sich kurz zusammen fassen. Es ist die Forderung nach einer Ersatzorganisation für die ZJ. Fordern kann man viel. Ein Arbeitsloser kann beispielsweise fordern. Ich möchte ein Auto Marke Mercedes, weil dass zu mir passen würde. Er wird es wohl vom Arbeitsamt kaum bekommen; dieweil seine Forderung völlig unrealistisch ist.

Wenn Du dann mal die von Dir gesuchte Ersatzorganisation gefunden hast, könntest Du ja mal verlautbaren, wie es Dir da so ergeht. Ob es Dir Spaß macht, dem dortigen Prediger monatlich den obligaten Zehnten Deines Einkommens zu überreichen. Ob Du wirklich alle dogmatischen „Kröten" die zu schlucken dort als obligatorisch angesehen wird, tatsächlich zu schlucken in der Lage bist.

Die Frage nach einer Ersatz-ZJ-Organisation stellt sich nicht erst seit heute. Sie stellte sich schon in den Tagen, wo an einen J... überhaupt noch nicht zu denken war.
Einige dieser Ersatzangebote sind mir durchaus im Detail bekannt. Bekannt ist mir aber auch, dass keine dieser für einen größeren Kreis „akzeptabel" wäre. Sofern sie denn überhaupt noch „existieren", und sofern sie denn überhaupt noch „Nachwuchs" haben, setzt der sich bestenfalls aus den eigenen Kindern, und vielleicht ein paar „Eingeheiratete" und ähnliches zusammen. Das Ziel ein Auffangbecken zu sein für von der WTG kommende - hat nicht eine erreicht.

Aber vielleicht schafft J... das, was andere zuvor nicht schafften?
Fordern kann man viel. Wenn J... diesbezüglich Glück haben sollte, darf sich wohl demnächst auch der genannte Arbeitslose auf seinen Mercedes freuen....

11. September 2003 - 03:30 Uhr:

K... hat meines Erachtens gut herausgearbeitet, was für etliche der Kern des Problems ist.
Die vermeintliche „Nestwärme" a la Zeugen Jehovas (für die in der Praxis ein hoher Preis gezahlt werden musste) wird vermisst.

J...s Argumentation hat einen Haken. Vielleicht nicht so bewusst - aber de facto - erteilt er der WTG einen „Freifahrtschein". Macht mal weiter so wie gehabt, denn die bösen Aufklärer bieten ja kein „Komplettangebot" an. Im Gegenteil etliche Aufklärer halten persönlich nicht mehr allzuviel von konventioneller Religiosität. Es gibt auch andere Beispiele, so wie es auch „die" Aufklärer nicht gibt.

„und ein geordnetes christliches Leben wieder führen können? „ so die Forderung von J.... Was heisst das in der Praxis? Wieder eine Organisation. Wieder dreimal wöchentliche Zusammenkünfte? Was soll da in den Zusammenkünften gemacht werden? Wachtturmstudium??? Wohl kaum. Oder doch? Oder ein „Ersatz-Wachtturm" mit vielleicht etwas milderen Bibelauslegungen?
Sofern das erst neu geschaffen werden soll, hat es aus meiner Sicht keine Lebens- und Überlebenschance.

Zugriff auf bereits bestehende „Angebote". Was für „Angebote" gibt es denn da? Nun zum Beispiel die Zeitschrift „Tagesanbruch". Dabei handelt es sich um eine historische von der WTG abgesplitterte Gruppe.
In meiner Sicht „stockkonservativ". Werbekraft gleich null.
Beispiel zwei Zeitschrift „Christliche Warte" (Kirchlengern, Westfalen) Ähnlich Einschätzung wie vorher. Beide erscheinen vierteljährlich. Reicht das aus für „wöchentliche Zusammenkünfte". Es ist ein totgeborenes Kind was der J... da favorisiert. Typisches Zeichen von Wunschdenken.

Da ist es schon erheblich realistischer, der Suchende schließt sich einer bereits bestehenden Kirche/Gemeinschaft an. Das kostet in der Regel den Preis. Zu deren Bedingungen ...

Noch eins. In der ehemaligen „DDR" waren die Zeugen bekanntlich nicht gut gelitten. Dortige spezifische Kirchenpolitik war es, die Zeugen so möglich, die dortigen Reste von WTG-Splittergruppen (Raum Dresden, Magdeburg) „schmackhaft" zu machen. Es war ein kräftigst von der CV favorisiertes Angebot - ohne Nachfrage.

Weil gerade die CV genannt wurde. Die hätte ja selbst auch versuchen können, eine Ersatzorganisation werden zu wollen. Vereinzelte Ansätze dazu gab es. Wurde nichts daraus. Man entschied sich da mehr oder weniger klar. Interessegeleitete Kritik an der WTG und das war es dann.

In der alten Bundesrepublik wäre insbesondere Herr Twisselmann prädestiniert gewesen, eine „Ersatzorganisation" aufzuziehen, die in ihren Thesen (man sehe sich das erste Twisselmann-Buch an) durchaus dem J... vielleicht sogar zusagen könnte. Auch das ist de facto ein totgeborenes Kind.

Die WTG weiß das alles auch nur zu gut. Deshalb kann sie sich es auch leisten, die umfängliche Kritik nach dem Helmut Kohl-Motto „aussitzen" zu behandeln.
Der Illusionär J... wird ihr das weiterhin begünstigen. Das Leben wird nicht von Wunschdenken, sondern von harten Realitäten bestimmt.

11. September 2003 - 07:21 Uhr:

Ergänzend vielleicht noch. Twisselmann; der Name wurde schon genannt. Sein erstes Buch erschien erstmals 1961 (danach noch weitere, überarbeitete Auflagen). Ich beschränke mich jetzt bewusst auf die erste Auflage. Irgendwo habe ich bei ihm gelesen (kann die Passage jetzt aber nicht auf Anhieb seitenmäßig belegen), dass er 1958 wohl, an einer „Pfingstversammlung" der „Christlichen Warte" (Kirchlengern) teilnahm. Und die Leutchen sagten ihm, dem damals enthusiastischen Twisselmann, auf dem Kopf zu. Das mit den die Zeugen Jehovas missionieren - das klappt nicht. Das sagen wir Dir aus Erfahrung.

Immerhin fand er dort einen jüngeren Ansprechpartner namens Horst B.... Und jetzt Zitat Twisselmann:

„Doch mir fehlt die Zeit, ein Manuskript zu schreiben. Denn ich bin (damals) selbständig und kann mir keinen Achtstundentag erlauben. So wurde in Verbindung mit Horst B... die Herausgabe einer ersten Aufklärungsschrift ermöglicht: 'Sind die Bibel und deine Kirche in Übereinstimmung?'"

Im Buchanhang wird dann ausdrücklich mit Adressenangabe diese Schrift beworben. Ebenfalls mit beworben wurde darin aus dem Verlag „Christliche Warte" als Verwandtes Schrifttum: Otto Sadlack „Weltende - Weltwende". (Sadlack hatte zusammen mit seinem Bruder schon in den zwanziger Jahren die erste größere Oppositionsschrift gegen die WTG veröffentlicht. War also für den damals jungen Twisselmann, schon ein „alter Hase").

Vergleicht man spätere Twisselmann-Auflagen, ergibt sich unzweideutig, die anfängliche Zusammenarbeit mit der „Christlichen Warte" blieb eine Episode. Faktisch haben sich die Wege später getrennt. Auch wurde aus dem Selbständigen Twisselmann, später dann noch ein „Pfarrer Twisselmann".

Der „Christlichen Warte" warf der seinerzeitige EZW-Referent H.D.Reimer, gar mal vor, ins antikirchliche Fahrwasser abgedriftet zu sein (in der Nach-Sadlack-Zeit). Schon auch daraus ergibt sich, dass für einen Pfarrer Twisselmann, dass kein dauerhafter Partner sein konnte.

Dann vielleicht noch eine persönliche Reminiszenz. In den ersten Jahren meiner Nach-WTG-Zeit, bekam ich auch Kontakt mit einem Pfarrer, der zugleich eine Predigerschule leitete, die bereits Berufstätige zum Pfarrer ausbildet. Meinerseits wurden die da indirekt angebotenen Perspektiven, ich könnte doch einen ähnlichen Weg einschlagen, strikt abgelehnt. Wie man sieht. Twisselmann hat sie angenommen. Und wer weiß, vielleicht wird eines Tages noch versucht, auch einen J... in ähnlicher Weise zu kaufen. Wundern würde es mich nicht.

Dann noch ein Zitat aus Twisselmann:
„Manches persönliche Erlebnis mit dieser religiösen Diktatur … könnte ich hier berichten … Doch möchte ich auf eine Veröffentlichung mancher mir bekannten Tatsachen verzichten … (weil) ich fürchten muß, ein Bekanntwerden aller Tatsachen über einstige und jetzige Zustände … kommt schließlich dem Unglauben zugute."


Offensichtlich treibt eine ähnliche Befürchtung auch J... um. Dazu sage ich aber ebenso klar und deutlich. Wie er es in der Glaubensfrage hält, ist und bleibt seine rein persönliche Angelegenheit. Es wäre auch seine private Angelegenheit, sollte er einen ähnlichen Weg wie Twisselmann dereinst mal einschlagen. Was er jedoch nicht verhindern kann ist dies. Das andere in dieser Frage eine andere Entscheidung getroffen haben und diese Entscheidung allen J...'s zum trotz weiter durchführen werden.

Der Twisselmann'sche Skrupel, um der Erhaltung des Glaubens willen, auf gewisse Veröffentlichungen zu verzichten. Diese Prämisse habe ich schon früher abgelehnt und werde es auch weiterhin tun. Egal ob dies nun den Gläubigen gefällt oder nicht gefällt. Und im pluralistischen Internet ist es auch den Gläubigen nicht möglich, das zu verhindern.

12. September 2003 - 08:03 Uhr:

J... fragt: „Was ist das eigentliche Ziel eines bekennenden Christen?"
Diese Frage kann ich persönlich in der Tat so nicht beantworten, da ich mich nicht mehr als solcher verstehe, und aus diesem Sachverhalt, glaube ich, auch noch nie einen Hehl gemacht habe.

Gleichwohl ist das nicht „alles" was ich dazu zu sagen hätte. Es ist in der Tat feststellbar, dass es solche gibt, mit Zeugen Jehovas-Vergangenheit, die nach einer Zwischenstufe des „Noch Christ sein Wollens" jetzt an dem persönlichen Individualpunkt angelangt sind, auch dieses „noch Christ sein Wollen" nunmehr aufgegeben zu haben. Mehr noch. Einige versuchen sich gar, zumindest zeitweise als aggressive „Missionare" ihrer neuen Auffassung. Da habe in der Tat auch ich meine Vorbehalte.

Für mich ist auch das „Christ sein" eine akzeptable Lebensform, die ich nicht aus Prinzip bekämpfe. Ich habe lediglich gewisse Vorbehalte dagegen. Kann sie der andere nicht akzeptieren, gilt für mich „Status quo". Jeder mag nach seiner Fasson selig werden. Sandra etwa erwähnte, dass die „Nestwärme" in einigen christlichen Kreisen doch positiv zu werten sei.
In diesem Punkt werde ich ihr nicht widersprechen. Zugleich aber doch wieder (wenn gewünscht), auf meine Vorbehalte dazu hinweisen. Nehmen wir doch mal ganz konkret unseren J.... Er verlautbarte da mal, wie es ihm ergangen wahr. Er fühlte ich als treuer Zeuge Jehovas. In einem Gespräch in seiner Studiengruppe machte er - keinesfalls mit Bedacht - eine etwas kritisch akzentuierte Frage. Ohne das Zeugen Jehovas-sein generell oder prinzipiell in Frage zu stellen. Und die Folge, dieser doch wohl als unachtsam zu wertenden Äußerung. Die „Nestwärme" schlug schlagartig in ihr Gegenteil um. Erst war die Ehefrau des Studienleiters „wie von der Tarantel gestochen"; dann erteilte ihm der Studienleiter gar noch ganz offizielles Hausverbot. Mir scheint, J... hat diese Erfahrung bis heute noch nicht so recht verarbeitet.
Kann man da noch von „Nestwärme" reden, wenn ein unachtsames Wort schon solche Konsequenzen haben kann? Ich bezweifle eher den Charakter dieser vermeintlichen „Nestwärme". Es ist eine künstlich zur Schau gestellte, aber keine echte.

Sehe ich mir den WTG-Funktionär Rutherford beispielsweise mal näher an. Insbesondere seinen Machtkampf zu Beginn seiner Laufbahn als WTG-Präsident. Oder wie er später auch noch mit Kritikern, etwa Olin R. Moyle, umgesprungen ist. Dann sage ich glashart. Alles tönerne Fassade. Diese „Religion der Liebe". Ein winziger Kieselstein reicht schon aus, einen Scherbenhaufen daraus zu verursachen.

J... fragt weiter nach dem Ziel der Aufklärer, die da nicht mehr das erklärte Ziel haben, Zitat: „die Menschen zu GOTT, auf dem Rechten Weg zu führen." Da muss ich allerdings rückfragen. Wieso muss dass der rechte Weg sein? Er ist vielleicht einer von möglichen Wegen. Aber ob er der absolut rechte ist? Da habe ich so meine Zweifel. Für mich, stellt sich beispielsweise auch die Frage der intellektuellen Redlichkeit. Stichwort ZJ-Endzeitlehren. Ein einziges Lügendesaster. Aber eines mit Konsequenzen. Welche zum Beispiel mag nun rückgefragt werden? Nun Antwort. Zum Beispiel. Die Verhöhnung der WTG jener, die in einer früheren Phase ihrer Geschichte in der Frage Wehrersatzdienst (der ja jetzt erlaubt ist) die Variante Gefängnis "wählten". Es ließen sich noch etliche Beispiele mehr nennen. Auf Hitlerdeutschland und die „DDR" oder Malawi usw. muss man dabei keineswegs zu sprechen kommen. Es sei nur das Stichwort Blut genannt. Es gibt mit Sicherheit noch mehr.

Es gibt Menschen, die gestalten und engagieren ihren Lebensweg primär religiös. Dann gibt es Menschen (man muss sich nur umschauen in der Welt), deren Lebensweg ist primär politisch geprägt. Trifft für die Zeugen in der Regel nicht zu. Aber die Bevölkerung besteht ja nicht nur aus Zeugen. Ich persönlich gehöre keiner politischen Partei an und werde dies auch zukünftig so halten. Gleichwohl ist das Zeugendogma „keine Politik", für mich keines mehr. Es gibt auch politisch gewertet, genug Gründe, gegen de WTG Front zu machen „mit allen Kanonen", so sie denn zur Verfügung stehen sollten.

Noch eins. Auch nunmehrige Nichtchristen werten das Christentum. Einer Wertung möchte ich mich dabei persönlich besonders anschließen, und damit sei diese Betrachtung meinerseits beendet. Die Wertung, die einmal Ludwig Feuerbach formulierte. Weiteres kann man dazu dem nachfolgendem Link entnehmen:
Feuerbach

13. September 2003 - 13:20 Uhr:

Ich denke mal, meine Antwort an J... kann diesmal kürzer ausfallen.
Für ihn ist es offenbar nicht vorstellbar, auch als Nichtchrist ein sinnvolles Leben führen zu können. Das Christ sein, erklärt er zum Dogma.
Gegen Dogmen anzukämpfen ist so gut wie aussichtlos. Nun denn, mag er und Geistesverwandte es so halten, ich werde sie nicht daran hindern ihren Weg zu gehen, so wie ich den meinigen gehe. Beide Wege sind in der Tat unterschiedlich. Dies offenbart sich als kleines Beispiel auch daran, dass J... schon nach ganz kurzer Zeit, nach dem Beginn seiner „Internet-Ära" sofort von Infolink wieder zurückgezogen hat; dieweil er dort nicht die von ihm Gesuchten Geistesverwandten fand. Hier und an ähnlichen Orten glaubt er sie gefunden zu haben. Jeder mag nach seiner Fasson selig werden.

Unbeschadet der Fluktuation (etliche Namen verschwinden wieder, so wie sie einst gekommen), scheint mir aber doch die „Ex-ZJ-Szene" derart aufgeteilt zu sein, dass die J...'s die Minderheit und die „Anti-J...'s" a la Infolink vielleicht doch die Mehrheit bilden.
Das was J... vorschwebt mag für eine aktive Minderheit, gegenüber einer passiven Mehrheit, durchaus relatives Gewicht haben. Nun so mag er denn seinen Weg gehen. Andere die auch schon eine „Gemeindegründung" dieser Art versuchten, etwa Erich Brüning mit „Exodus", waren nicht sonderlich erfolgreich. Aus meiner Sicht würde ich ihm lediglich den einen Rat geben. Sich möglichst auch in organisatorischer Hinsicht einer ihm vielleicht „relativ" liegenden Gemeinschaft fest anzuschließen. Als Einzelkämpfer bewerte ich die Chancen für sein „Programm" und dessen Umsetzung eher skeptisch.

13. September 2003 - 16:10 Uhr

J...'s "Perspektivplan" ist für mich persönlich in der Tat das, was um Gerd zu zitieren, "das Kühlschrankangebot für einen Eskimo" ist.

Nun mag es ja vielleicht auch Eskimos geben, die sich einen Kühlschrank aufschwatzen lassen. Aber auch nur vielleicht ..
Ich gehöre mit zu denen, die von Kindheit an in den ZJ-Glauben hineingewachsen sind - allerdings habe ich dann später bekanntermaßen noch einen anderen Weg eingeschlagen.
In der Phase des Bruches mit der WTG hatte auch ich die "symbolischen schlaflosen Nächte". Das ist mir damals sicherlich auch nicht leichtgefallen. An Internet und ähnliches war damals erst recht nicht zu denken. Nun kam vielleicht in meinem Falle das DDR-spezifische (daher nicht verallgemeinbare) Faktum des CV-Kontaktes hinzu. Und schon nach kurzer Zeit auch dort die Ernüchterung. Wenn ich da an den CV-Gründer Müller denke (und speziell an seine Lebensgefährtin); dann sage ich mir rückblickend: Eigentlich, eigentlich, hätten die auch "J..." heissen können. Der Vergleich hinkt. Vom Alter her schon. Müller bereits im hohen Rentneralter. J... das glatte Gegenteil davon. Aber ihre Intention, speziell der angedeuteten Lebensgefährtin des Müller, war schon ähnlich, als im vorliegenden Fall.

Bleibend in Erinnerung geblieben ist mir jene Auseinandersetzung. Kritik an den Endzeitlehren meinerseits (was mein formaler Absprungsgrund von der WTG war) und die Fassungslosigkeit der besagten Gertrud darüber. Dann, so ihre Argumentation, könne man ja überhaupt nichts mehr glauben. Und das könne und dürfe nicht sein. Und um das ganze noch zu unterstreichen, ist sie dann in einen Weinkrampf verfallen. Da ist man dann ziemlich machtlos; und sagt sich. Lieber beiße ich mir auf die Zunge, als mich mit der noch einmal in substanzieller Weise (außer allgemeinen Plattheiten) zu unterhalten.

Hat die Gertrud mit ihren Weinkrampf nun mich "bekehrt"? Wohl kaum. Meine Kritik bestand und besteht weiter. Nur eben dass ich es vermied, dieser Person noch mal persönlich zu begegnen. Ich bin dann meinen Weg weiter gegangen. Und der hieß. Anstatt mir die Weinkrämpfe hysterischer Weibsbilder anzuhören, verwende ich liebe meine Zeit dafür mich in wissenschaftlichen Bibliotheken weiter sachkundig zu machen. Letzteres kann natürlich nicht verallgemeinert werden. Nicht jeder wohnt in einer Großstadt und hat diesbezüglich optimale Möglichkeiten. Nicht jeder auch dort, hätte auch das Interesse dafür. Das ist unbestritten. Jedenfalls meine ich, durch meinen eingeschlagenen Weg nicht unbedingt, nach weltlichen Maßstäben, "dümmer" geworden zu sein.


Unter anderem habe ich diesergestalt auch eine Meinung zu den Pfingstkirchen. Wenn morgen eine Diktatur ausbrechen sollte. Und der Diktaturstaat verlangt von mir. Jeder m u s s einer christlichen Kirche oder Gemeinschaft angehören. Die einzige Wahl die dem einzelnen noch überlassen bleibt ist zu wählen, welche.
Wenn dieses Sandkastenspiel eintreten würde; und ich wäre genötigt mich zu entscheiden.
Die Pfingstler würde ich auf keinen Fall nehmen. Höchstens eine möglichst liberale Kirche: und das auch nur dann, wenn es wirklich nicht anders ginge.

Abschließend auch meinerseits noch die Anmerkung; dass auch ich der Meinung bin. Gegnerschaft ist nicht mit "Feindschaft" identisch.

Exkurs. Noch ein thematisch ähnlich gelagerter Disput:

In Sachen CV

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 20. August 2008 15:14

In einer Wortmeldung bei Infolink notiert
„Dass die Zeitschrift [„Christliche Veranwortung" abgekürzt CV] unter der Ägide der Stasi stand, dürfte wohl nicht umstritten sein."
Da komme ich dann nicht umhin, auch noch meinen „Senf" noch dazu zu geben.
Der Poster nahm bezug auf einen ihm eher wohl zufällig zu Gesicht gekommenen Artikel jener Zeitschrift (im fraglichen Zeitraum auch Online zugänglich), der es auch in den Artikelbestand von Infolink gebracht hatte.
Nur, eine Quellenangabe, etwa der Art. „Entnommen aus CV ..." habe ich jedenfalls dort nicht registriert.
Dieser Aspekt sei aber in der Tat nicht überbetont.
Ergo muss ja jenem Poster der Ursprung jenes Artikels aus einer anderen Quelle geläufig sein, die er aber nicht nennt ...
Dann noch zum „Kern" der Sache.
Es gibt vielerlei „Totschlagkeulen".
Eine namentlich von Alt-Bundesrepublikanern (weniger von solchen aus der vormaligen DDR) benutzte, und äußerst beliebte, ist ohne Frage die Stasi der DDR.

Da hätte ich doch mal eine zynische Rückfrage (diese Frage könnte sich übrigens auch der ZJ-Wikipedia Mitarbeiter „Osch" „hinterm Spiegel klemmen").
Ob er denn schon mal bei Einschmuggelversuch von WTG-Literatur in die vormalige DDR, eine Beschlagnahmung seines Privat-PKW erdulden musste, oder ähnliches.
Um Missverständnisse zu vermeiden. Solche Fälle gab es tatsächlich!

Wehn es in dieser Art als Westler persönlich hart getroffen haben sollte, für den habe ich vollstes Verständnis, sollte er noch heute Blut und Galle über die Stasi ausgießen.

Nur merkwürdig. Irgendwie hat es dann wohl Herr „Osch" versäumt, seine diesbezügliche Trauma-Erfahrung mal im Detail mitzuteilen. Ich habe sie jedenfalls bis heute noch nicht registriert.
Verständnis hätte ich auch für jene, die innerhalb der DDR die harte Hand der Stasi kennenlernten. Vielleicht in der Zeugen-Sache in DDR-Gefängnissen einsitzen müssten, die es dann später in den Westen verschlagen, und die heute „Abrechnung" halten. Auch für diese Bedauerswerten hätte ich durchaus Verständnis.

Sollte sich aber dieser Umstand des in DDR-Gefängnissen einsitzen müssens, auf der Basis Wehrdienst/Wehrersatzdienstverweigerung ergeben haben, könnte mein Bedauern nur jenen Anteil der erlittenenen Strafe umfassen, der über jenem liegt, den er zur gleichen Zeit, bei gleicher Verhaltensweise, auch unter Bundesrepublikanischen Verhältnissen hätte erdulden müssen.

Und dann gibt es dabei durchaus noch zwei wichtige Jahreszahlen zu benennen:
1965 und 1985.
1965 fand die letzte Verhaftungswelle von Zeugen Jehovas in der DDR, im Stile des seit 1950 bestehenden Verbotes statt.
Danach gab es das nicht mehr.
Was es in der Tat auch noch danach gab, waren Geldstrafen, zum Teil empfindlicher Art. Selbige sollen auch keineswegs verschwiegen oder bagatellisiert werden.

Indes erlaube ich mir mal die Anmerkung.
Der Altbundesrepubli9kanische Zeugen Jehovas Albert Grandath (darüber berichtet das Jahrbuch der Europäischen Menschenrechtskommission) führte seinen Wehrdienst-Ersatzdienstverweigerungsfall, bis vor jenem Strassburger Gerichtshof. Da konnte er nicht gleich „hinmarschieren". Davor waren erst mal alle Stufen der deutschen Justiz zu durchlaufen. Und ohne anwaltliche Unterstützung (ich glaube in dem Falle sogar solcher welche auch einen Professorentitel auf ihrer Visitenkarte anzugeben pflegen), lief da schon mal gar nichts.
Nun haben zwar Anwälte gewisse Kostenregelungen. Aber auch das pfeifen die „Spatzen von den Dächern". Ein Prof. Dr. jur wird es wohl kaum für'n Appel und einem Ei getan haben.
Nach meiner Einschätzung hat Herr Grandath, die so angefallenen nicht geringen Kosten, aus seiner eigenen privaten Tasche bezahlen müssen. Zudem blieb ein WTG-günstiger Präzendenzfall aus.

Herr Grandath mag diesbezüglich die Spitze des Eisberges darstellen. Indes die darunter liegende Pyramide, war keinesfalls „klein".

Ich erlaube mir dieses Beispiel durchaus in den Kontext zu jenen Geldstrafen zu setzen, welche die DDR verhängte.

Dann noch das Jahr 1985. Just in jenem Jahre, wurde mit Absegnung von Honecker, die Belangung von Zeugen Jehovas in der Wehrdienst-Angelegenheit, klammheimlich eingestellt. Sie wurden „einfach" „planmäßig" von den Wehrdienstbehörden nunmehr vergessen.

Und dann war übrigens 1965 auch das Gründungsjahr der CV.
Ich kann in dem Umstand, dass man nun vom Stalinistischen Terror auf eine Anti-Agitation umschaltete, im Prinzip nichts grundsätzlich Verwerfliches erkennen.

Das Anti-Agitation mag Schwächen aufweisen. Unbestritten. Das aber ist dann Angelegenheit einer konkreten Detail-Auseinandersetrzung am konkreten Beispiel.

Und dann noch dieses.
Das Literatur- und Zeitschriftenwesen in der DDR war strengen Reglementierungen unterworfen. Das fing mit der „Lizensierung" an, setzte sich über Vorgegebene , oftmals streng llimitierte Auflagen"höhen" fort.
Namentlich die Kirchen ächzten und stöhnten unter diesem Druck.
Außerhalb der engeren kirchlichen Publizistik, lies dass DDR-Regime zum Thema Religion nur 3 (in Worten drei) Zeitschriften zu.
Für den katholischen Bereich die „begegnung"
Für den evangelischen Bereich den „Standpunkt" (respektive seine zwei Vorläuferblätter „Glaube und Gewissen" und „Evangelisches Pfarrerblatt")
Beide eben genannten Zeitschrften waren öffentlich erhältlich. Sowohl über den Postzeitungsvertrieb als auch Zeitungskioske.

Das dritte (eben nicht öffentlich erhältliche) Blatt war die „Christliche Verantwortung" für den Zeugen Jehovas-Bereich.

Aufgrund des Aktenstudiums (etwa via ehemaliges Staatssekretariat für Kirchenfragen der DDR und andere Behörden). Akten die heute im Bundesarchiv verwahrt werden, steht einwandfrei fest. Alle drei genannten Blätter wurden vom DDR-Staat finanziell ausgehalten. Ihre erwirtschafteten Eigenmittel deckten keineswegs den tatsächlichen Kostenumfang.

Wer sich auf Grund des Umstandes, dass auch die CV vom DDR-Staat finanziell ausgehalten wurde, echauffiert, der möge das bitte im gleichem Umfange auch bezüglich der „begegnung" und des „Standpunktes" tun. Macht er jenes eben nicht, offenbart er zumindest seine Unobjektivität.

Und dann noch dieses. Die Stasi der DDR mag vieles auf dem „Kerbholz" haben. Darüber kann es keinen Zweifel geben.

Auch die CIA mit ihren Geheimgefägnissen und ihren Kindnäppigungen von vormaligen DDR-Bürgern, auf offener Strasse, und anderes mehr, ist alles andere als ein „Unschuldsengel" wer sich über die Stasi echaiffiert und die CIA ungeschoren lässt in seinem Urteil, der offenbart zwar wie Propaganda wirken kann, auch bei ihm.

Sachgerecht ist er jedenfalls nicht!

Re: In Sachen CV

geschrieben von: Maxi

Datum: 20. August 2008 18:54

Pukt 1: Wer freiwillig Mitarbeiter bei CV war, ist einem gemeinem Stasi-Spitzel gleichzusetzten!
Punkt 2: Wehrdienstvereigerung in der DDR zu verharmlosen und mit Verweigerung in der BRD zu vergleichen ist unsachlich! Denn in der DDR wurden nicht nur die Verweigerer mit Gefängnis bestraft, sondern auch die Angehörigen
diskriminiert ( es gab genügend Fälle, wo die Frauen zur Scheidung aufgefordert wurden! Kein Häftling durfte sein Kind, wenn es in der Haftzeit geboren wurde sehen und andere natürlich auch nicht! Auch nach 20 Jahren sind das immer noch Fakten und sollten nicht verklärt werden.

Re: In Sachen CV

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 20. August 2008 19:50

Zu Punkt 2 erstmal
Sie unterstellen Dinge, die so nicht gesagt wurden.
Das Strafmaß in Wehrdienstangelegenheiten in der DDR war in der Tat rigoroser
Ich verlinke nochmal ein Tondokument

Ersatzdienst.1967.mp3

 
dessen Aussagen mal sachlich kommentiert, mich interessieren würden, was Sie dazu sagen.
Das sind Aussagen Bundesdeutscher Politiker

Zu Punkt1
Gemäß Ihrer Logik wäre dann auch Herr Wolf, Gründer von Infolink „einem Spitzel gleichzusetzen", da seine damalige Wirksamkeit auf ähnliches hinauslief, der WTG Abbruch zu tun. Der Unterschied bestände allenfalls in dem Umstand. Er tat das nicht im staatlichen Interesse.

Und was wissen Sie denn über die „Freiwilligkeit". Ein in ihrer Lesart „Freiwilliger" hat schon ab 1972 wieder die Segel gestrichen. Schön, ab 1967 dort, mit freiwilligem Halbzwang, zumindest Überrumpelung dort, und genügend mitbekommen um „bedient" zu sein...

Zwei andere muss man dann wohl auch noch nennen.
Den Herrn Dieter Pape. Der hatte in der Tat auch in der Zeugen Jehovas-Angelegenheit, DDR-Gefängnisse schon mal von innen kennen gelernt

Dann gab es da noch einen Herrn „Wolfgang Daum". Das war sein Zweitname schon. Der erste Name lautete auf Simdorn, und in solcher Eigenschaft ist er dann auch als Einbrecher ins Westberliner Bethel in die Geschichte eingegangen.
Über diese seine „Heldentat" sprach er jedenfalls bis 1972 nie

Und sie ist mir auch erst durch die Bücher von D. usw. bekannt geworden.
Herr D. aber, schrieb sein Buch erst nach dem Ende der DDR.
Das Daum eine verkrachte Existenz war, konnte damals schon ein Blinder mit dem Krückstock sehen. Insofern habe ich selbigen auch nicht zu verteidigen.
Allenfalls wäre in der Tat zu fragen, wie denn so wohl seine Motivation bezüglich seiner Westberliner „Heldentat" war

Insgesamt ist mir Ihr Urteil zu Holzschnittsartig.
Das Leben ist differenzierter und weist erheblich mehr Nuancen auf, die in ihrem Posting nicht zum Tragen kommen.

Kennen Sie die Broschüre von Herrn Gursky?
Ich würde ihnen deren Lektüre in diesem Kontext durchaus empfehlen

Gursky

Re: In Sachen CV

geschrieben von: Maxi

Datum: 21. August 2008 10:47

Danke für die Antwort, ( die mich benachteilgt in den zwei Diktaturen Wachtturmgesellschaft und DDR) natürlich nicht befriedigt! Bei aller individuellen
Lebenssituationsbetrachtung gab es für wahrheitsliebende Menschen keinen Grund mit der Stasi freiwillig zusammenzuarbeiten. Denn Zusammenarbeit hat immer die psychische und/oder physische Beeinträchtigung der Bespitzelten in Kauf genommen. Die Eigentliche Arbeit von CV bewerte ich nicht negativ, denn die Aufklärung über und gegen die Wachtturmorganisation war gut, nur die "Paten"
gefallen mir nicht! Danke auch für den Hinweis auf die Broschüre des Herrn Gursky

Re: In Sachen CV

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 21. August 2008 11:26

Also für meine Person kann ich dazu nur sagen.
Man erlebt es ja auch heute noch, wer denn sein „Damaskuserlebnis" mit der WTG hinter sich hat, steckt dass nur selten weg als „wäre nie etwas gewesen. Als könnte man so mir nichts dir nichts zur Tagesordnung übergehen".

Das war auch bei mir so.
Ich konnte mir den Staat nicht aussuchen, wo ich zu leben hatte.
Und meine Art der Bewältigung des WTG-Traumas war halt zu schreiben. Ein Buch,
Ich konnte auch an dem Umstand nichts ändern, dass eben das Verlagsangebot in der DDR klein war [80 Verlage insgesamt hatte jener Staat. Davon zwei konfessionell (Evangelische Verlagsanstalt und für die Katholiken der St. Benno Verlag)]

Zu meinen Entscheidungen gehörte auch.
Kirchlicher Anschlusss nunmehr? Nein danke! Ich verzichte; und das grundsätzlich.
Ergo blieb nur noch ein Verlag übrig der theoretisch in Betracht kam. Der Union-Verlag (der Ost-CDU). Dem hatte ich dann mein Manuskript eingereicht. Es wurde nicht angenommen, dass wäre auch noch hinzuzufügen.

Aber auf dem direkten Wege erfolgte die Zurückweisung nicht. Der Union-Verlag hüllte sich in permanentes Schweigen.
Er hatte seinerseits dieses Manuskript an die Zensurbehörde der DDR weitergeleitet. Die nannte sich zwar nicht so, war es aber.
Ihrer offizieller Name:
Ministerium für Kultur Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel.
Zu der erhielt ich dann eine Vorladung.
Und mündlich vorgetragen, wurde die Manuskriptablehnung mitgeteilt, inklusive Manuskript-Rückgabe.
Das war's dann.

„Aktenkundig" war ich auf jeden Fall erst mal. Und das dann eines Tages der Herr Dieter Pape bei mir auftauchte (den ich vorher nicht persönlich kannte) wunderte mich in dem Kontext eigentlich nicht. Der war schon etwas früher aufgetaucht, als besagter Ablehnungstermin.

Und der hat sich keinesfalls als hauptamtlicher MfS-Mitarbeiter vorgestellt, sondern als Alibi bemüht, an der Humboldt-Universität zu studieren. Und damit sagte er noch nicht mal was falsches. Er sagte eben nur die halbe Wahrheit.
Pape erwarb sehr wohl an genannter Universität den Abschluss eines Diplom-Historikers.

Der gab mir dann unter anderem die bis dato erschienenen CV-Ausgaben, die ich vorher auch nicht kannte.
Und bei dem Ablehnungstermin im Ministerium für Kultur wurde eben auch zum Ausdruck gebracht.
Ein Erstlingswerk sei halt sehr selten schon Publikationsreif. Man würde mir doch dringend empfehlen, erst mal bei der „Christlichen Verantwortung" mitzuarbeiten ...

Tja und wie ist das heute? Da surft einer im Internet und entdeckt etwa Infolink. Trauma-Erfahrungen mit der WTG hat er vielleicht auch schon hinter sich. Ergo, meldet er sich halt im dortigen Forum an.

Und was war denn in meinem Fall (außer Zeit und Umständen) so wesentlich anders?
Ich wüsste nicht was.
Die CV bestand schon seit Ende 1965.
Meine geschilderten Erfahrungen datieren auf 1967.
Ergo habe ich an der CV-Gründung als solches, keinerlei Aktie.
Auch wer sich heute etwa in genannten Foren anmeldet, hat an denen als solches auch keine Gründungsaktie.

Man sollte die Dinge durchaus nüchtern sehen. Dieses nüchtern sehen ist allerdings, nicht selten zu vermissen.

Re: In Sachen CV

geschrieben von: Gerd B.

Datum: 24. August 2008 17:10

Ich hatte die CV-Blätter jahrelang bezogen, ich glaube, ich bekam sie kostenlos zugesandt, weil ich Mitarbeiter beim "Bruderdienst" bin.

Wie man auch heute noch in den Scans von Manfred ersehen kann, waren die Inhalte ziemlich objektiv. Ich kannte den Herausgeber vor der Pape-Zeit (Henry W.) persönlich. Er war früher in der Theaterszene tätig und da öffnete sich einmal versehentlich die Falltüre auf der Bühne und Henry stürzte hinab und war danach invalid, ein Pflegefall. Da wurde ihm angeboten sich mit der Herausgabe des "CV" zu befassen. Er gab mir gegenüber zu, dass ihn auch die religiöse Seite interessierte. Er war geborener Bremer, als sein Vater starb, ließen ihn die Behörden leicht ausreisen zum Begräbnis, bei dieser Gelegenheit fuhr er mit seinem Lada auch zu einer Ex-ZJ-Begegnung in den Schwarzwald, die ich damals organisierte.

Wir waren etwas mißtrauisch ihm gegenüber und waren dann ziemlich überrascht, dass er nicht nur die WTG-Szene genau kannte, sondern sich auch in der Bibel zurechtfand. Ich bat ihn auch einmal, ob er bereit wäre das Abschlußgebet zu sprechen. Er tat dies und überraschte nicht nur formulierungsmäßig sondern auch inhaltlich.

Bei diesem Treffen fragte ich ihn auch, warum im CV immer so "sozialistische Propagandasätze" eingebaut sind. Er sagte mir, das ist allgemeine DDR-Gepflogenheit, ohne solche Sätze bekämen sie kein Papier und Druckfarbe und eine Druckerei, die das auch druckte. Er musste auch immer alle Manuskripte vor dem Druck in Berlin einer bestimmten Behörde vorlegen.

Der Mitschreiber - ich glaube "IN" - besuchte oft unsere Begegnungen mit seiner Frau, gläubige Leute Reinhard I., er saß als ZJ etwa 10 Jahre lang im Gefängnis im sog. "Roten Ochsen" in Halle.

Soweit meine Eindrücke über CV.

Re: In Sachen CV

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 24. August 2008 18:04

Vielleicht eine kleine Detailkorrektur zum Votum von Gerd:
Nichts wesentliches, aber doch zur Vermeidung von Missverständnissen angeführt,

Zitat:
„Herausgeber vor der Pape-Zeit (Henry W.) Persönlich"

Von einer „Vor Pape-Zeit" kann man so nicht reden.
Liest man die bereits verlinkte Studie von Gursky genau, ist aus ihr auch entnehmbar. Pape war der eigentliche Inspirator, der dann aufgrund seiner Verbindungen auch durchsetzen konnte, dass das CV-Projekt gestartet wurde.

In der ersten Redaktionsphase unter Willy Müller, übte er schon entscheidenden Einfluss aus.
Das setzte sich in der zweiten Phase „Wolfgang Daum" alias Karlheinz Simdorn fort.
Zu beiden Vorgenannten Redaktionsphasen kann ich noch begrenzt mitreden, da ich sie teilweise miterlebte.

Offenbar wurde Daum dann auch eines Tages „kalt abserviert". Das habe ich nicht mehr selbst miterlebt. Entnehme aber diesbezügliche Details sowohl der CV als auch dem Buch von Hirch.

Und dann setzte die dritte von Gerd genannte Redaktionsphase ein. Die des Henry Werner Struck, der seinen Familiennnamen nie in der CV nannte und so den Eindruck erweckte, für diejenigen, die nicht eingeweiht waren. Er hiesse „Henry Werner".
Den habe ich nie kennen gelernt; habe auch meinerseits darauf keinen Wert gelegt. Die CV war zu der Zeit für mich schon „gestorben". In diese Phase fiel dann auch, dass man mich von der Versandliste der CV gestrichen hatte, weil ich in internen Schreiben an DDR-Behörden, durchaus deutliche Zerrisse der CV mit formuliert hatte.
Ich hatte sie mir zwar weiterhin angesehen. Konnte dies aber nur durch Direktanreisen zur Deutschen Bücherei Leipzig im dortigen Lesesaal realisieren.

Nun bin ich mit Sicherheit nicht „nur" wegen der CV nach Leipzig gefahren. Aber habe sie eben nebst anderem dort auch zur Einsichtnahme bestellt.

Zu dem „anderen" gehörten übrigens auch der WT und Erwachet!.
Das war die einzigste DDR-Bibliothek die ihn führte. Gesperrt war er nicht.
Gesperrte Literatur bekam man in der Deutschen Bücherei nur in einem separaten Lesesaal zur Einsichtnahme, sofern die Prozedur der vorangehenden Erlaubnisbewilligung positiv abgeschlossen sein sollte. Traf in Sonderheit für faschistische Literatur zu, Aber eben nicht „nur" diese.

Und da erinnere ich mich. Ich saß im Zeitschriftenlesesaal beim Lesen des WT und Erwachet. Und hinter mir ein anderer Leser. Der war nun ganz erstaunt was ich da so lese. Wollte auch unbedingt die Signatur selbigen wissen. Da Gespräche im Lesesaal um der Ruhe für die anderen willen, tabu sind, gab es auch keine weitere Unterhaltung diesbezüglich. Ob der die sich dann auch bestellt hat, kann ich nicht beantworten.

Zurückkehrend zur CV. Es ist richtig. In der DDR gab es faktische Zensur. Auch sämtliche CV-Ausgaben mussten vor Drucklegung, bei der Zensurstelle eingereicht werden (die sich zwar nicht so nannte - Ministerium für Kultur - es aber faktisch war).
Insofern setzte da schon mal im Vorfeld (und das keineswegs „nur" bei der CV) die selbstverordnete Selbstzensur der Redaktionen ein, um eventuellen Konfrontationen mit der Zensurbehörde schon mal aus dem Wege zu gehen.

Da ich zum Fall Henry Werner Struck nicht mehr sagen kann, als wie das, was in der einschlägigen Literatur lesbar, vielleicht noch der Hinweis. Im Internet gibt es eine Studie über die Zeugen Jehovas in Gera von Katja Eichler. Und selbiger kann man auch entnehmen, dass Frau Eichler Herrn Struck offenbar auch nach dem Ende der DDR nochmals in Sachen CV interviewt hat.

Dann noch der Hinweis. Derzeit ist die CV bis zur Nr. 237 eingescannt.
Ende nächsten Monats (aus Zeitgründen nicht eher), nehme ich mir dann die Nr. 238 vor.
Zu dieser Ausgabe, und das werde ich im Vorwort auch ausdrücklich festhalten, ist festzustellen, dass sie eine offensichtliche Falschmeldung publiziert hat bezüglich Herrn Kelsey. Diese CV-Ausgabe behauptete allen Ernstes, Kelsey hätte einen Gemeinschaftsentzug bekommen.
Wie man zu dieser Entenmeldung kam, ist für mich nicht nachvollziehbar. Offenbar wurde da irgendwelche unbegründete Gerüchte für bare Münze genommen.

Es gab noch weitere CV-Ausgaben. Meines Wissens hat sich die CV nie für ihre Falschmeldung entschuldigt und sie offiziell korrigiert. Die Verantwortung dafür trägt besagter Herr Struck.
Das ist nach meiner Einschätzung der gravierendste Fall in der gesamten CV-Geschichte. Eine Falschmeldung dieser fragwürdigen „Qualität" gab es nach meinem Überblick, weder davor, noch danach.

 

Katholischer Stasikeulenschwinger

Noch nicht Enttarnt

 

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