Harry Bachman


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 04. August 2001 15:38:34:

In dem Hirch-Buch "Zersetzung einer Religionsgemeinschaft", wird in dem Abschnitt, der dem Stasifunktionär Riedel gewidmet ist, auch der Fall zweier Stasi-IM aus den Bereich der Zeugen Jehovas im Raum Zwickau angesprochen. Einmal der Fall Joachim Schrödl (Stasiname IM Günther, geb. am 26. 01. 1930) dem Vernehmen nach, heute noch Ältester der Zeugen Jehovas in der dortigen Gemeinde Zwickau-Planitz. Dies kann nur so interpretiert werden, dass seitens der Zeugen Jehovas, ihm sein damaliger (nicht unbeträchtlicher) Sündenfall im Auftrag der Stasi, wieder vergeben wurde.

Der zweite zu nennende ist der IM Harry Bachmann (Stasiname IMB Kreutzer, geb. am 26. 4. 1926) dem Vernehmen nach, zwischenzeitlich verstorben.
Beide Genannte spielten eine Schlüsselrolle bei der Zerschlagung einer sogenannten "Königreichs-Dienstschule", in der der auch nicht unbekannte Martin Jahn als Unterweiser im Auftrage der WTG fungierte.

Zu Bachmann schreibt H. (S. 70; Anmerkung Nr. 56):
"IMB 'Kreutzer' war der IMB 'Quermann' alias Harry Bachmann. ... Er arbeitete von März 1966 bis Ende 1989 für das MfS. Kurz nach dem Verrat der Königreichsdienstschule erhielt er am 12. 2. 1980 anlässlich des 30. Jahrestages der Bildung des MfS eine Sachprämie in Form einer Bankschleifmaschine mit allen Zusatzgeräten vom VEB Galvanotechnik Leipzig durch das MfS überreicht. In der Begründung für diese Auszeichnung heißt es:
'Der IM arbeitet seit 1966 mit dem MfS auf der Basis der pol.-ideologischen Überzeugung zusammen. Der IM ist innerhalb der verbotenen Organisation Zeugen Jehovas integriert und hat sich dort in eine Vertrauensstellung gebracht und nimmt eine einflussreiche Position ein. In der bisherigen Zusammenarbeit zeigte der IM viel Eigeninitiative und realisiert die ihm übertragenen Aufgaben. Durch seine Arbeit konnten wertvolle Informationen im Rahmen der pol.op. Bearbeitung des OV Thurm realisiert werden und gezielte Differenzierungsmaßnahmen eingeleitet werden."

Nicht so bei H. angesprochen ist indes der nicht unbedeutende Fakt, dass Bachmann einen selbständigen Handwerksbetrieb zur Ausführung von Klempnerarbeiten führte. In seinem Angestelltenstamm sind durchaus weitere Zeugen Jehovas bekannt. Namentlich bekannt ist zumindest der Fall eines, der zwei Jahre lang bei ihm beruflich tätig war.

Leute aus der alten Bundesrepublik vermögen es meines Erachtens durchaus nicht, immer richtig zu würdigen, was es bedeutete, unter DDR-Verhältnissen als selbstständiger Unternehmer, der zugleich weitere Angestellte beschäftigte, zu agieren. In der "DDR" gab es einige Verstaatlichungswellen und die Übriggebliebenen waren staatlicherseits durchaus nicht immer "wohlgelitten". Gerade bei diesen Übriggebliebenen ist in hohem Maße nachweisbar, dass sie "Rückendeckung" durch Mitgliedschaft in einer Blockpartei (Ost-CDU, LDPD, DBD, NDPD usw. suchten). Die Klientel der Blockparteien setzte sich in sehr hohem Maße gerade aus jenen Genannten zusammen. Ein selbstständiger Unternehmer, unter DDR-Bedingungen, der nicht einer solchen Blockpartei angehörte, aber doch noch weiter als Unternehmer wirken durfte, war in noch höherem Maße ein "exotischer Vogel". Schon zu DDR-Zeiten bestand der Verdacht, dass solche sich eine Art "anderweitige" Unterstützung erkauft haben, um zu überleben.

Die Frage muss auch im Nachhinein noch gestellt werden können: Was ist für Jehovas Zeugen, respektive WTG, eigentlich das "kleinere Übel"? Das einer mit politischen Blockparteien, Made in DDR kooperiert, oder wenn er glaubt dies aus "Glaubensgründen" nicht tun zu können, als "Ersatz" dafür mit der Stasi kungelt?

Zitat aus einer Korrespondenz, die dieser Replik zugrunde liegt:
"Ich kann's noch immer nicht fassen, dass Brüder meiner ehemaligen Zeugen-Jehovas Versammlung für die Stasi gearbeitet haben. Da war wohl nichts mit 'Standhaft trotz Verfolgung.' Unsereins ist in den Knast gewandert und die haben Judasgeld kassiert. Und der Schrödl ist heute immer noch angesehener Ältester in Zwickau Planitz Süd. Er hat seine Verfehlungen nicht gebeichtet oder bereut. ... Noch zu Bachmann. Ihm wurde 1991 wegen erheblichen Alkoholmißbrauchs sämtliche Dienstämter entzogen. An der Rechtskomiteeversammlung habe ich derzeit teilgenommen. Sein Amt als 'Sekretär' wurde auf seinen Wunsch mir übertragen. Letzes Jahr ist er verstorben. Seine Klempnerfirma ist inzwischen auch pleite, sein Adoptivsohn, der die Firma 1992 übernommen hatte ist heute arbeitslos."




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