Re: Leuchter-Report


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 26. Juni 2001 16:39:13:

Als Antwort auf: B..., Leuchter der WTG geschrieben von Prometeus am 26. Juni 2001 11:13:13:

Prometeus kam auch auf den sogenannten "Leuchter-Report" zu sprechen. Jener Herr Leuchter reiste vom Neonazi Zündel bezahlt, am 25. Februar 1988 in das vormalige Konzentrationslager Auschwitz. Ziel seiner Mission, Erstellung eines Pseudo"gutachtens", dass es angeblich dort keine fabrikmäßig durchgeführte Vergasungen gegeben haben soll. Diese spektakuläre Aktion hatte allein den Zweck, den verurteilten Neonazi Zündel vermeinlicherweise zu "entlasten". Die Sache entwickelte sich zum hochgradigen Skandal.

Wenn ich auch meinerseits diesen Vorgang mit anspreche, dann aus einem bestimmten Grund. In den siebziger Jahren erhielt ich mal (vorübergehend) Post aus Schweden. Absender: Ditlieb Felderer. Nun muß ich bekennen, dass es um meine Fremdsprachen"kenntnisse" nicht gut bestellt ist. Immerhin soviel war aus den hektographierten (in englischer Sprache verfaßten) Anhandlungen des Felderer ersichtlich: Offenbar kontra Zeugen Jehovas orientiert. Weil mir diese Zusendungen nichts besonderes bedeuteten, habe ich sie auch nicht dauerhaft aufbewahrt. Jedenfalls der Name Felderer wurde mir dadurch durchaus zum Begriff.

Im Bestand der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, habe ich mir mal ein englischsprachiges Buch angesehen, dass mir vom Titel her sehr interessant erschien. Dieweil es auf George Orwell's berühmten Roman "1984" bezug nahm. An anderer Stelle habe ich mich zu "1984" schon mal detaillierter geäußert (Man vergleiche dazu den Link am Ende dieser Replik). Dieses Buch von Gary und Heather Botting trug den Titel "The Orwellian World of Jehovah's Witnesses".

Nun habe ich die beiden Namen genannt, um die es mir im noch zu benennenden Kontext geht. Felderer und Botting. Die Zeitschrift "Dachauer Hefte" veröffentlichte im Jahre 1991 einen Aufsatz von Georg Wellers "Der 'Leuchter-Bericht' über die Gaskamern von Auschwitz". In genau diesem Aufsatz tauchen die Namen Felderer und Botting als weitere Kronzeugen für Zündel mit auf. Diesen Sachverhalt kann ich nicht übersehen. Ich kommentiere ihn dahingehend, dass auch Ex-ZJ keineswegs "immun" für nazistische Rattenfänger sind. Ich muss das so deutlich ausprechen. Sehe ich mir bei Amazon die Verkaufszahlen des Machwerke des Robin de Ruiter an (den man ja in diesem Zusammenhang auch nennen kann), dann wird mir mit Verlaub gesagt "schlecht". Sehe ich mir die Kids-Leverkusen Webseite der Frau Birlenberg an (jetzt bei tripod gehostet), dann wird mir auch dort (partiell) schlecht; namentlich durch die dortige Propgagierung des Robin de Ruiter.

Ich fasse zusammen. Kritik an B... empfinde ich auch als notwendig und ich habe meinen Teil diesbezüglich schon dazu beigetragen. Aber ich kann dabei Felderer und Botting (und andere) nicht aus dieser Kritik entlassen, wenn ich registrieren muss, dass auch die sich als Werkzeuge von Neonazis mißbrauchen ließen. Zum besseren Verständnis des vorhergesagten sei nachstehend noch der entsprechende Absatz aus den "Dachauer Heften" zitiert:

"Im Januar 1985 wurde im kanadischen Toronto ein Strafverfahren gegen einen gewissen Ernst Zündel eröffnet. Die Anklage gegen den Einwanderer westdeutscher Herkunft lautete auf Herstellung und Verbreitung von Falschinformationen hinsichtlich des unter dem Nazi-Regime begangenen Völkermords an den Juden. Der Prozeß, der sich über insgesamt acht Wochen hinzog, war auf Initiative von Mme. Sabine Citron, einer Überlebenden von Auschwitz und Bergen-Belsen und Gründerin der 'Canadian Holocauste Remembrance Association', angestrengt worden.

Im Verlauf der Verhandlung wurden zahlreiche Zeugen der Verteidigung gehört, unter ihnen ein gewisser Ditlieb Felderer, schwedischer Staatsbürger, ehemaliger 'Zeuge Jehovas', laut ärztlichem Gutachten geistesgestört, sowie ein gewisser 'Prof. Botting', ehemaliger 'Zeuge Jehovas', der seine Ideen über das 'Verbrechen des Denkens' ausbreitete, der unsägliche Robert Faurisson und ein revisionistischer amerikanischer Chemiker, der zu Protokoll gab, daß es 'physisch unmöglich' wäre, Personen nach dem laut Augenzeugenberichten von SS-Angehörigen und Deportierten beschriebenen Verfahren massenhaft zu töten. Dies unter wortwörtlicher Wiederholung der Pseudo-Argumente Faurissons.

Am 25. März 1985 erklärte das Gericht Zündel der Verbreitung von antisemitischen 'Falschinformationen' für schuldig und verurteilte ihn zu 15 Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Zündel kündigte an, er würde gegen dieses Urteil Berufung einlegen. Im Januar 1988 ordnete der Appellationsgerichtshof von Ontario ein Zusatzverfahren an, das am 18. Januar 1988 eröffnet wurde. Die Sorge um den Ausgang dieses neuen Prozesses ließ Faurisson auf die Idee kommen, einen 'amerikanischen Spezialisten für Gaskammern', in denen zum Tode verurteilte Straftäter durch Blausäure hingerichtet werden, mit einer Untersuchung zu beauftragen.

Der Name dieses Spezialisten lautet Fred Leuchter Jr. Auf Zündels Kosten reiste er am 25. Februar 1988 nach Auschwitz …"

1984

 


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