Wohin geht die Reise?


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 18. August 2002 19:34:05:

Wohin geht die Reise?
Es wurde in einem Diskussionsbeitrag einmal die Frage gestellt. Warum eigentlich Kritik der WTG, noch dazu in umfänglicher Form? Der Fragesteller meinte weiter, dass er aus eigenem Erleben schon genug Kritikpunkte an der WTG kenne. Was er jedoch vor allem brauche wäre eine Alternative.

Da wird es in der Tat kritisch. Alternativen die für Zeugen Jehovas akzeptabel wären sind in der Tat dünn gesät. Da gibt es nichts zu beschönigen. Was beispielsweise historische Gruppen anbelangt, die teilweise noch bis in die Gegenwart existent sind, etwa die "Tagesanbruch Bibelstudien Vereinigung" oder die sich um die Zeitschrift "Christliche Warte" scharenden Kreise anbelangt, so hat man festzustellen, dass die in der Regel für die Zeugen Jehovas nicht sonderlich "attraktiv" sind. Kaum einer der den Absprung von der WTG getätigt, schließt sich dort an.

Diese Problemlage ist mir übrigens auch schon aus der früheren DDR bekannt. Bekanntermaßen waren dort die Zeugen Jehovas nicht sonderlich "gut gelitten". In "Engelszungen" versuchte nun das dortige Blatt "Christliche Verantwortung", jene historischen Gruppen, wie sie etwa im Magdeburger, Dresdner und Leipziger Raum noch bestanden, oder besser sollte man vielleicht sagen, vegetierten. In Engelszungen versuchte nun die CV diese Gruppen als "Alternative" zu verkaufen, mit der Zielstellung, möglichst viele Zeugen Jehovas dorthin zu verpflanzen. Und das Ergebnis? Das Ergebnis bescheinigten noch zu DDR-Zeiten Müntz/Wachowitz als glatten Fehlschlag.

Mir war dieses voraussehbare Ergebnis schon damals klar. Allerdings war meine Meinung da nicht gefragt. Das sagen hatten in der DDR andere.
Kehren wir zur Gegenwart zurück. Selbst die etablierte Zeitschrift "Brücke zum Menschen" vermeidet es, sich dergestalt zu profilieren, dass da ein Versuch unternommen würde, eine konkrete "Auffangorganisation" mit allem Drum und Dran zu installieren. Genannte Zeitschrift ist sich sehr wohl bewusst, dass dies, angesichts ihres nur vierteljährlichen Erscheinens (im Gegensatz zu den vier monatlichen Ausgaben von ZJ-Zeitschriften) ein hoffnungsloses Unterfangen wäre. Bestenfalls versucht man dort einzelne individuell anzusprechen, so es sich ergibt. Dies war es dann aber auch schon. Und von festgefügten Organisationsformen ist man auch dort weit entfernt.

Man hat dem eingangs zitierten Fragesteller also dergestalt zu antworten. Das dies letztendlich auch eine Machtfrage ist. Und dieser Machtpoker ist bis heute eindeutig zugunsten der WTG entschieden. Es bringt überhaupt nichts, nur Wünsche zu äußern, aber die "materiell-technische" Umsetzungsmöglichkeiten dabei außer Acht zu lassen.

Dies wäre der eine Aspekt. Der andere ist der. Wer über die WTG "gestolpert" ist, scheitert in der Regel an ihren Totalitätsansprüchen, als grobem Überbegriff. Aber ansonsten ist das individuelle Spektrum der dort "Gescheiterten" ziemlich gros. Gering indes erscheint mir jedoch die Gruppe jener zu sein, die ein "ideologisches Hühnchen" mit der WTG zu "rupfen" haben. Vielleicht gehöre ich aber dieser speziellen Gruppe an. Lehne ich ihre Endzeitthesen ab, ergeben sich für mich durchaus weitergehende Konsequenzen. Nicht nur die WTG, ihr Stammbaum ist schon faul.

Das bringt nun wieder die in Rage, die unbedingt am Stammbaum festhalten wollen. Wenn sie es denn wollen, dann müssen sie eben auch Pionierleistungen für diese Zielstellung vollbringen. Auch materielle Aspekte gehören wesentlich dazu. Weil das aber nicht im nötigen Umfange möglich ist, kämpfen sie letztendlich an verlorener Front. Ich sehe nicht unbedingt die "Alternative" darin eine Konkurrenzorganisation mit allem Drum und Dran aufzuziehen. Es wäre aus meiner Sicht schon viel erreicht, gelänge es, eben auch durch massive Kritik an der WTG-Ideologie, gewisse Wandlungen zu erreichen, ohne dass die Organisation der Zeugen Jehovas als solche "aufhören" würde zu bestehen. Die wird nach menschlichem Ermessen auch noch übermorgen bestehen. Es fragt sich nur in welcher Form.

Der Einzelne hat wie aus vorstehendem ersichtlich, nur begrenzte Möglichkeiten. Ich für meinen Teil sehe jedoch die Aufgabe darin der WTG ideologisch, nichts, aber auch gar nichts zu ersparen. Wer sich der Illusion der Konkurrenzorganisation hingeben will, mag es tun. Er ist das für die WTG auch einer jener geworden, die sie nicht mehr ernst zu nehmen braucht.




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