Re: Im "Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise - GZ 15. 1. 1923

 
Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 18. Januar 2008 07:09:03:

Als Antwort auf: Re: Im "Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise - GZ 1. 1. 1923 geschrieben von Drahbeck am 07. Januar 2008 05:45:00:

Bezüglich ihrer schon im Zeitschriftentitel zum Ausdruck kommenden Grundsatzdoktrin, glaubt die Redaktion des „Goldenen Zeitalters" wieder einmal „fündig" geworden zu sein.
„Ein Vorgeschmack von paradiesischen Zuständen" titelt man in der Ausgabe vom 15. 1. 1923 (Ausgabe Magdeburg erst am 1. 7. 1923).
Diesmal hat es den GZ-Schreibern das sogenannte „Kaisertal" in Kalifornien angetan. Selbiges soll einmal eine Wüstengegend gewesen sein. „Stilgerecht" wird dem Leser vor Augen geführt:

„Unter ihnen - annähernd 4000 Fuß tiefer, also unter dem Meeresspiegel liegend - befindet sich in tiefer Einsamkeit ein tellerförmiges, ungefähr 160 km großes Becken. Die halbtropische Sonne brennt auf die trostlose Sandwüste dieses Landstriches und erzeugt eine so furchtbare Hitze, daß außer einigem verkrüppelten Strauchwerk keine andere Vegetation gedeihen kann. Die Winde fegen den Sand zu Dünen zusammen, in denen sich eine gewisse Krötenart vorfindet. Ein anderes Tier kann in dieser unwirtlichen Gegend nicht existieren. Sogar die Präriewölfe beginnen, wenn sie sich hierher verirren, ein Schreckensgeheul auszustoßen; ihr Instinkt warnt sie vor dieser schauerlichen, großen Einöde. Es ist ein grauenhaft sang- und klangloser Ort des Schweigens.

Dieses Land betretend, überlegt der müde Wandersmann bei sich selbst: Warum diese große Wüste? Weshalb schuf Gott eine so grauenvolle Stätte? Was trägt sie zu seinem Schöpfer-Ruhme bei? Und vor allen Dingen, was nützt sie dem Menschen?"

Wie man unschwer erraten kann, will es die GZ-Redaktion doch nicht bei der zuletzt zitierten kritischen Rückfrage belassen. Und wie man weiter unschwer erraten kann, muss in deren Sicht irgendeine „biblische Prophezeiung" herhalten.

Und welches tatächliches „Wunder". Da haben sich Initiativreiche Menschen dieser einst trostlosen Gegend angenommen. Offenbar sogar erfolgreich angenommen, wofür denn auch die Sätze stehen:

„Zwanzig Jahre später:
Wieder stellen wir uns auf denselben Bergrücken. Ein wundervoller Anblick entzückt das Auge. Einem weißen Bande gleich schlängelt sich quer durch das Tal hin eine schöne, neue Straße, die links und rechts mit hohen Bäumen geschmückt ist. Die grünen Äste schaukeln in dem linden Zephir und wie Fächer schwingen die Zweige in jubelnder Freude. Die Feldlerche, der Hänfling mit vielen anderen lieblichen Sängern stimmen fröhlich in Gottes Lob ein. Nicht mehr ist es ein Land des Schweigens und des Todes. Viehherden, Pferde, Ziegen und Schafe weiden friedlich auf den saftigen, grünen Kleewiesen.

Ergriffen von diesem entzückenden Bilde, fährt man in ganz modernen Wagen auf der Straße in eiligem Tempo dahin, bis zu einem mit Komfort ausgestatteten Hotel im Zentrum dieses Tales, wo noch vor kaum zwanzig Jahren nicht einmal ein Präriewolf leben konnte. In unserem Absteigequartier finden wir Kalt- und Warmwasserleitung und Bad vor, überhaupt alles, was zu einem modernen Hotelbetrieb gehört. Im geräumigen Pavillon finden Konzerte statt. Süße Musikklänge klingen durch balsamische Lüfte, und das alles an einem Orte, wo noch vor kurzer Zeit Stille und Öde dem Wanderer Grauen einflößte."

Das alles könnte man ja noch als relativ interessanten Bericht zur Kenntnis nehmen; aber ganz so einfach „zur Tagesordnung" übergehen, mag den das GZ doch nicht. Dafür steht dann auch ein von ihm herausgestellter Satz wie der:

„In Ihrem Hotelzimmer finden Sie eine Bibel auf dem Tisch und in ihr können Sie die vor Jahrtausenden durch den Propheten Gottes geschriebenen Worte lesen: "Das verwüstete Land soll bebaut werden, statt daß es eine Wüste war ...
Ist es nicht wunderbar, wie vor 2500 Jahren heilige Propheten dieses alles in Visionen sahen?"

Letztere Aussage ist eigentlich so überflüssig wie ein Kropf. Aber offenbar nicht in der Sicht der Bibelforscher/Zeugen Jehovas. Da gab es mal in den 1950er Jahren in den Kinos einen Film „Die Wüste blüht". Wenn der ein finanzieller Kassenrenner war, dann nicht zuletzt auch deshalb, weil Zeugen Jehovas (und Geistesverwandte) in Scharen in diesem Film strömten.

Der „Staunen"-Berichte sind noch mehr in dieser GZ-Ausgabe. Da wird dann wieder mal die bekannte Technik-Euphorie bemüht, um sie mit dem Satz zu „würzen":

„Wahrlich, die religiösen Schreiber der Vergangenheit konnten sich solche Wunder nicht vorstellen. Und doch sind diese Dinge die Erfüllung so mancher Prophezeiung."

Und weiter:
„Wie kann der ehrfürchtige Bibelleser im Hinblick auf solche Erfindungen neben anderen Erfüllungen der Prophezeiung bezweifeln, daß wir wirklich im Dämmerlicht des Goldenen Zeitalters leben, das ja wunderbar im Worte Gottes geschildert ist?"

Leider muss dass GZ dann aber doch beklagen:
„ Die Mehrheit des Volkes ist dieser großen Tatsache gegenüber blind."

O welcher Schreck! mag man dazu nur sagen. Der wird noch größer durch den Umstand, dass die spätere WTG selber in das Lager dieser „Blinden" übergewechselt ist, denn von Technikeuphorie, vermeintlicherweise in der Bibel „vorhergesagt". will sie heute auch nichts mehr wissen!

Tja mag man dann abschließend wohl nur sagen. Da war wohl das „Goldene Zeitalter" nicht einmal das Papier wert, auf dem es mal gedruckt wurde!

 

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