Re: Tagebuch eines Toten - Allein

Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von + am 23. Dezember 2007 00:33:

Als Antwort auf: Re: Tagebuch eines Toten - Gott ist Tot geschrieben von + am 22. Dezember 2007 00:05:

Mutter – Niemand war ein besserer Mensch als sie.
Mutter starb an Gram.

Ich bin so endlos müde und fühle mich so endlos allein.
Alle meine Kameraden sind Tod.
Meine Brüder sind Tod, meine Eltern sind Tod.

Und sogar mein Gott hat mich verlassen.
Man fühlt seine eigene Schwachheit nie so sehr, als wenn man allein ist.

Wenn ich in der Armee Satans gedient haben soll, wessen Diener schickten mir dann die Briefe „An die Brüder im Felde“?
Wessen Knecht sagte mir der Kriegsdienst sei meine erste Christen Pflicht?
Der heilige Frieden entpuppte sich als Kriegshandwerk.

Jetzt wo der Krieg verloren ist, tun die Pfaffen so als ginge es sie nichts mehr an.
Die Pfaffen die es so trefflich verstanden unsere Mordlust zu wecken, gleich wie viel sie von Frieden redeten.

Wie lange noch müssen wir in der Fremde weilen?
Der Krieg ist meine einzige Heimat, meine Kameraden meine einzige Familie.
Wir sind alle zu Greisen geworden.
Uns, die der Tod vergessen hat, denen es nicht vergönnt ist zu sterben.

Im Morgengrauen macht unser Zugführer Lt. Becker, übrigens ein ganzer Prachtkerl, mit Füs. Wilhelm Rottenborn und mir eine Streifpatrouille nach rechts über I-Werk nach dem Laufée-Wald.
Viele tote Franzosen liegen zwischen den zerfetzten Baumstämmen.
Rrrrrrr!
Wir werfen uns zu Boden und spielen Toter Mann.
Ein tieffliegender frz. Flieger streicht über uns hinweg; er sieht uns aber nicht.
Rechts von unserem Rgt. finden wir die Paderborner 158er. - Heute ist's wieder sehr heiß.
Der Durst wird quälend.
Vfw. Jendges meint verdrossen:

„Großer Gott, lass' Abend werden; Morgen wird's von selber!“

Uffz. Fischer antwortet bitter:

„Und ich bin immer froh, wenn die eklige Nacht herum ist.
Achtung! Köpfe weg!
Der „Schangel“ schmeißt wieder Minen.“

Nur ununterbrochenes Donnern, Krachen und Mg-Geknatter ist zu vernehmen.
Bei uns kommen Verwundete mit blutdurchtränkten Verbänden vorbei und erzählen von schwerem Kampfe und von Dickicht und Hindernissen im Herbebois.
Artillerie, welche Stellungswechsel vollzieht, rückt von Romagne nach vorn.
Da vorn in der Kampflinie scheint es bös herzugehen!
Das Gebet von Jendges ist erhört worden.
Der Abend kommt.
Wieder senkt sich eine lebendige Nacht auf das zertrümmerte Schlachtfeld.

Es fing ganz ruhig an.
Die Ruhe dauerte etwa bis 10.00 und machte mich nervöser als ein Budenzauber.
Dann setzte feindliches Granatfeuer ein, das sich bis zum Trommelfeuer steigerte und bis etwa 05.30 anhielt.
Dann ließ das Feuer nach, und die feindliche Infanterie stürmte gegen unsere Stellung vor.
Als unserer Kp.-Führer Herr Leutnant Schlamp die Kp. alarmieren wollte, war schon die Hälfte der Komp. (was nicht durch Trommelfeuer tot war) gefangen genommen.
Die Franzosen waren nur noch etwa 50 m entfernt.
Lt. Schlamp, sein Bursche Elsässer und Melder ... konnten sich nur retten, indem sie sich nach links zum 3. Zug zurückzogen; hier wollte Lt. Schlamp den Graben durch Sandsäcke abdämmen und sich mit dem Gewehr in der Hand verteidigen.
Aber dies hatte keinen Zweck, weil von der ganzen Komp. nur noch etwa 10 Mann übrig waren.
Die feindliche Artillerie schoss sehr genau und immer noch auf unseren Graben, in dem sich der Rest der Komp. befand, kaum 50 m vor die eigene Infanterie.
Diese ging Schritt für Schritt von rechts aufrollend vor, schließlich war sie nur noch 15 m von uns entfernt, und der Rest der Komp. war gezwungen den Komp.-Abschnitt aufzugeben und sich durch den Verbindungsweg nach der 2. Stellung zurückzuziehen, weil die Komp. links mit der 8. Komp. auch keinen Anschluss hatte.
Hier waren es noch 10 Mann, die sich zurückziehen konnten.
Diese 10 Mann kamen kriechend bis zur Hälfte auf dem Wege nach dem 2. Graben.
Hier verfehlten sie den Weg, weil er an dieser Stelle ganz zerschossen war.
So lagen sie nun zwischen Freund und Feind im beiderseitigen Granatfeuer.

Wir hören mit der nächtlichen Schanzarbeit auf.
Jetzt kriegen wir „Zunder“, denn eine feindliche Mg-Garbe streicht über uns hinweg.
Meist schießt der Franzmann zu hoch.
Die Sonne brütet.
Wenn nur der entsetzliche Durst nicht wäre.
Engelbrecht, Naendorf, Heuer, Fiedler und ich teilen uns kameradschaftlich eine Stange Kautabak.
Am späten Abend wird unser II. Btl. vom I.Btl. abgelöst. - Ablösung in vorderer Linie!
Worauf könnte ein Infanterist sich wohl mehr freuen!
Heraus aus dem Granatenhagel und dem Minenfeuer - Aber hier in der Hölle von Verdun ist es anders.
Da möchte man bleiben, wo man liegt.
Denn hier im Trichter ist es immer besser als im Eisenhagel. Km für Km ohne Deckung im freien Gelände zurückzulegen, von einer Sperrfeuerlinie durch die andere.
Gerade wie ein Stück gehetztes Wild.
Und das Ziel Bilder von Elend und sterbend faulenden Fleisch der Verwundeten - Nun geht die Ablösung vor sich.
Um Mitternacht kraxeln wir los.
In der Damloup-Schlucht erhalten wir das erste Sperrfeuer.
An der Weinberghöhe wird der 2. Sperrfeuerriegel durchrannt.
Mehrere Leute werden verwundet.

„Sanitäter!“

Wir hetzen weiter – nur nicht stehen bleiben!
Endloses Trichterfeld.
Kurz vor dem Dorfe Dieppe 3. und hinter Dieppe 4. Sperrfeuerriegel!
Im Laufschritt immer durch!
Die Dörfer in diesem Abschnitte wie Vaux, Dieppe, Mogeville usw. verschwinden langsam aber sicher unter den feindlichen Granaten.
Gegen 3.00 morgens gelangen wir nach dem Dorfe Gincrey.

Wieder wird ein Mann neben uns, Füsilier Pohl, übel verwundet, Christinecke verbindet ihn.
Ich werfe inzwischen wegen der vielen Steinsplitter, die von links kommen, eine Sandsackbarrikade auf.
Meine Mütze wird mir vom Kopf geschlagen, ich ersetze sie durch einen franz. Stahlhelm.
Dann lasse ich den Pohl fortschaffen.
Im Graben sind nur noch Christinecke, ein Mann und ich.
Während ersterer mit äußerster Anstrengung schaffte, um die Grabensohle tiefer zu legen, platzt über uns eine Granate.
Ich fühle einen saftigen Schlag gegen den linken Unterschenkel und siedende Hitze drin.
Ich werfe mich lang über und neben Christinecke.
Gleich darauf (es ist 10.30 nachts) gibt's wieder eine riesige Detonation.
Sprengstücke schlagen mir gegen Helm und Hosenboden, der ganze Graben stürzt ein.
Christinecke wird verwundet und der letzte Mann verschüttet und brüllt.
Ich bin durch Qualm und den Lärm wie von Sinnen und springe etwa 20 Schritt rechts.
Dort wird mir in der besseren Luft klarer um den Kopf.
Von meinem Hosenboden steigt eine leuchtende Schwefelwolke auf. Nach einigen Augenblicken höre ich Rufe:
„Herr Lt., Herr Lt!“
Es ist Gefr. Meier, der mit einem Befehl unterwegs gewesen war.
Er reißt mich hoch und jagt mich gegen meinen Willen ins Dorf.
Dort irre ich in dem bis zur Unkenntlichkeit zerschossenen Trümmermeer umher, und suche vergeblich den Eingang zum Keller des Btls. Stabes, der musste verschüttet sein.

Im Verbandskeller werden bei mir 4 Granatsplitter festgestellt und ich werde verbunden.
Dort sehe ich üble Bilder.
Gefr. Kobar von meiner Kp. liegt tot da.
Nach einiger Zeit kommt Dr. Fränkel aus Dieppe, der in seiner ruhigen sachlichen Art sofort Ordnung und Ruhe schafft.
Gegen Mitternacht wird Vfw. Pauke, 1.Kp., den ich noch vom Zwinin her kenne, angebracht, in einem bejammernswerten Zustande.
Er ist blutüberströmt, hat eine riesige Schädelwunde, beide Augen sind ihm weggeschossen.
Mit seinen Händen muss er immer nach dem Kopf gefasst haben, denn sie sind gleichfalls blutüberströmt wie Fleischerfäuste.
Er fragt den Arzt, ob er, wenn auch nur mit einem Auge, seine Kinder sehen würde.
Dr. Fränkel macht eine Lichtprobe, er sieht nichts mehr.
Bald darauf verfällt er in Krämpfe und erhält 2 Spritzen Morphium.
Auch ein Franzose ist da, sein linker Oberarm ist zerschmettert.
Er gehört wie die anderen Gefangenen des Dorf Damloup zum R.I. 142.
Er erzählt in hastigen Worten, dass er 2 Kinder habe, einen Knaben und ein Mädchen und fragt Dr. Fränkel, ob es ihm vergönnt sein würde, sie wiederzusehen.

Immer diese Frage nach den Kindern.

Albertchen

– ich habe nicht einmal ein Bild von ihm.

Beim Umherirren stoße ich auf Chrstinecke, der an der rechten Hand verwundet ist.
Wir suchen gemeinsam nach dem Verbandskeller.
Dabei müssen wir die Gasmasken aufsetzen, weil wieder ein Segen von Gasgranaten ins Dorf fällt.
Ich beobachtete einen Sanitäter wie er mit einem Hammer seine Koppel bearbeitete.
Nur mit viel mühe und Fantasie konnte man noch die Inschrift "Gott mit uns" lesen. er hatte mit dem Hammer solange auf das Koppelschloss eingedroschen bis die Schrift nicht mehr zu lesen war...
Während ich, an den Reste einer Mauer gelehnt, einen Augenblick verschnaufe, findet sich auch ein Mann meiner Kp. namens Pallasch ein, der jammernd ausruft:

„Oh mein Gott, wäre ich doch lieber gestorben!“

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Erwachet 22. 4.1996

Seite 5

Die christlichen Kirchen verstehen es ausgezeichnet, die Mordlust zu wecken…

Erwachet 22. 4.1976

Seite 22 Warum sie Terror verbreiten

…ganz gleich, wieviel die Geistlichen von Frieden reden.


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