Re: Tagebuch eines Toten - Befördert


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von + am 13. Dezember 2007 00:01:

Als Antwort auf: Re: Tagebuch eines Toten - Hurra! geschrieben von + am 12. Dezember 2007 00:02:

Es wird dunkel, wir gehen mit unserem Btl. vor nach der Höhe.
Es geht einigermaßen gut, aber im Tal vor der Höhe geraten wir ins Sperrfeuer.
Alles ist zersprengt.
Einer weiß vom anderen nichts.
Jeder, der noch kann, trachtet nach vorn zu kommen.
Ich springe von einem Granatloch ins andere.
Überall liegen Tote und Verwundete.

Ich finde schon Kameraden drin und springe, froh, wohl nun endlich aufatmen zu können, ebenfalls hinein.
Aber was dann kam, war die Hölle.
Wir lagen eng aneinandergepresst im Graben, den Tornister über den Kopf gehalten.
Denn, ununterbrochen fauchen franz. Granaten auf uns hernieder.

Viele Kameraden fielen, wurden verwundet, verschüttet.
Jeden Augenblick schrie einer, der getroffen, auf, Krachen, schreien, stöhnen, unheimlich; und bei jeder der herabsausenden Granaten dachte jeder, jetzt bin ich dran.
So liegen wir die ganze lange Nacht und den noch längeren ganzen Tag.
An Essen dachte in diesen 20 Stunden niemand, der sie erlebte.
Endlich wird es wieder dunkel.
Ich benutze die Gelegenheit, stürze nach vorn und grabe mich dort in ein Granatloch ein.
Hier schießen die Franzosen nicht so sehr.

Wenn wir eine Nachricht eines Gefallenen Soldaten an die Angehörigen in die Heimat schickten schrieben wir „er starb sofort und litt nicht“.
Aber das stimmt nicht.
Wir sterben auch ohne getroffen worden zu sein und nicht alle getroffenen sterben sofort.
Das Schreien und Stöhnen verstummt die ganze Nacht nicht.
Am schlimmsten sind die, die nach ihrer Mutter rufen.
Mutter, Mutter, Mutter.
Völlig erschöpft falle ich in der Nacht trotz der Schreie und des Donners der Kanonen in den Schlaf.

Für die Komp. schon Ersatz, etwa 30 Mann, eingetroffen.
Der neue Ersatz hatte exerzieren, sonst war kein Dienst.
Bekamen noch mal 80 Mann Ersatz und Gasschutzmasken.
Bei heiterem Wetter fand im Waldlager Brieulles eine Besichtigung durch Herrn Gen.Maj. v. Wichmann statt.
Er hielt eine kurze Ansprache an das II. Btl. und wies darin auf die Bedeutung der Höhe TM hin und ermahnte das Btl. den alten Traditionen des Regiments treu auszuharren.
Ich wurde zum Feldwebel Leutnant befördert.
Für meinen Einsatz in den ersten Reihen der Schlachtfront.

Um 07.30 marschierte die Komp. mit Sturmgepäck ausgerüstet in die neue Stellung am TM.
Dort löste sie die 5./IR 35 ab.
Der 1. und der 3. Zug der Komp. verblieb in der 2. Linie, während der 2. Zug in die vorderste Linie zur Verstärkung der 5. + 7.Komp. vorrückte.
Die Nacht verlief ruhig, so dass noch während der Nacht am Ausbau der Kampf- und Laufgräben gearbeitet werden konnte.
Am Morgen erkannte man, dass es in der neuen Stellung noch manches zu tun gab.
Vor allem mussten Kampfgraben und Laufgraben vertieft werden, da sie von der Höhe 304 aus vom Feinde stellenweise flankiert werden konnte.

Von 12.00 - 01.00 fand ein Feuerüberfall durch den Feind statt, bei dem die Komp. erfreulicherweise keine Verluste zu verzeichnen hatte.
Im übrigen verlief der Tag ohne Störung.
Die Nacht wurde dazu benutzt, die beiden genannten Gräben um je ½ m zu vertiefen.
Der Tag verlief ruhig.
Tagsüber fand mehrmaliges Beschießen der 2. Stellung durch die Franzosen statt.
Einige Granaten schlugen im Graben und auf der Deckung ein, doch war kein Verlust zu beklagen.

Herzlichen Dank für ein „Paketchen mit Butter und Zucker"
Ich halte das Paket in den Händen als wäre es unwirklich.
Etwas was von Zuhaus bekommen...
Heimat –
Ich danke euch recht herzlich für die Mühe die ihr euch durch Übersendung des lieben Wachtturms und der herzlichen Briefe nach dem Felde an meine oft wechselnden Adressen, bald hierhin und bald dorthin macht.
Der Brief wurde mir von Boppard, wo ich im Lazarett war, hierher nachgesandt.
Mitten in dem „Toben der Nationen“ im Schützengraben,

)

Ferner danke ich Euch innigst für die Übermittlung der Nachricht von dem Ableben unseres lieben Bruders Basan.
Ihr schreibt dass er sofort Tod war und nicht leiden musste.

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Wachtturm August 1915

Seite 126

Auf den Kongressen wird den deutschen Soldaten mit besonderer Teilnahme gedacht.

Wachtturm Juni 1917

Herausgegeben 1930
Seite 279

Wachtturm 15. 1.1994

Seite 6

…heute wie damals…

 


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