Re: Zitat WACHTTURM:


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von kohle am 10. Dezember 2007 00:59:

Als Antwort auf: Re: Zitat WACHTTURM: geschrieben von X am 08. Dezember 2007 19:56:27:

Hallo x,
>ich dachte mir so, diese Musik hörst du sicher nicht. Kann mich aber irren.
>Also, in Verbindung mit der Band Tool las ich etwas (keine Beurteilung des Links meinerseits), daß Ähnlichkeit >mit deiner Auffassung von Leid und Schmerz hat. Du schreibst:
>>Als zweifelnder Abhängiger muss ich vieles ertragen und leiden bis zur Schmerzgrenze (und dann?).<
Vergleiche:
>http://www.postpla.net/philosophie-gedanken/lachrymology.14255.html

>Zitat aus dem Link:
>ich denke schon, dass diese theorie von lachrymology stimmt. es ist doch klar, dass man die freude nicht schätzen kann, wenn man noch nie das gegenteil erfahren hat. wobei man trotzdem meist in den momenten der freude diese als selbstverständlich annimmt. wenn dann das leid kommt kann man sich erst wieder vorstellen wie schön doch die freude war.

Das ist Freud und Leid als Hamsterrad der Dualität. So kennen wir es und suchen psychische Unterstützung, Freud zu erleben und Leid zu verschieben, z.B. auf Satan. Ein andauerndes Wechselspiel, welches das Rad der Gegensätze in Gang hält. Wir genießen kurzzeitig Freude, um dann mit unserer ständigen inneren Änderung wieder in ein Konglomerat aus Langeweile, Gleichgültigkeit, Sorgen, Bitternis und Angst, also kurzum Leid einzutauchen. Das ist das Ying-Yang des ständigen Werden und Vergehens. Ich beschränke mich auf psychisches Leid, nicht auf körperlichen Schmerz.

Religion dient mir nicht dazu, mein psychisches Wohlbefinden zu stabilisieren. Das ist bestenfalls die Folge einer seelischen Entwicklung. Diese Entwicklung erfolgt erst, wenn der Wechsel von (weltlichem) Leid und Freud ausschwingen. Dabei entstehen weltliche Entzugserscheinungen, die ebenfalls als Leid erfahren bzw. ertragen werden. Dieses Leid wird jedoch nicht durch äußere, weltliche, reflektierte Freude kompensiert. Das Ausschwingen, Wenigerwerden an Leid und Freud schafft Raum für eine höhere Schwingung, die als durchgehende Liebe empfunden wird. Diese Liebe wiederum gibt Kraft, die Entzugserscheinungen der charakterlichen Begierden und Ängste zu ertragen. Es war wohl Johannes der dazu sinngemäß sagte: „Ich (mein irdischer Magnetismus) muss weniger werden. Der andere in mir (Diese durchstrahlende Liebe, der „Christus“ in mir) muss wachsen. Ich bin nicht würdig, ihm die Schnürsenkel zu binden. Das ist der Kampf um die Erlösung, welchen die Hindus in ihrer heiligen Schrift, der Bhagavad-Gita beschreiben. In der Bibel steht auch nichts anderes. Doch wir müssen es innerlich erkennen. Und dazu ist oft psychisches, weltliches Leid bis zur Unerträglichkeit erforderlich. So habe ich es erfahren. Deshalb finde ich auch nicht, dass die leidvollen Jahre eines JZ-Zweiflers verlorene Lebenszeit sind. Nein, im Gegenteil. Im Gegensatz zu der wechselhaften Weltfreude ist die spirituelle Freude ewig. Diese Wahrheit steigt nur übers Herz auf. Diese innerste Gewissheit übersteigt jegliches gedankliches Wissen. Unser Wissen beschreibt daher den Glauben als ein Fürwahrhalten. Unser Denkistrument kann nicht anders. Aus der innersten Gewissheit steigt jedoch Glauben als lebendiger Kraftstrom auf.

>Ich hoffe, du bist mir wegen meines Bezuges auf dein Alter nicht böse (Alter spielte und spielt für mich keine Rolle).

Nein

>Stimmte die Rechnung? :-)

Ja, in 4 Monaten.
>Parsimony.23939
---
>Zur Rhetorik und zum WT.

>Solche Rhetorik kreist über dem Haupt eines armen Sünders natürlich wie ein Schwert .... und er schweigt .... zunächst. Als Außenstehender kann ich darüber lachen.<

>Und das ist gut so, Eingeschlossenen jedoch, ist oft zum Weinen.

Das kann m.E. auch zur weltlichen Grenzerfahrung psychischen Leids führen, zumindest ist diese würgende Enge ein Schritt dahin. Der heilige(nde) Geist wird hin und wieder mit Feuer verglichen. Dieses Feuer brennt in unseren Nerven, wenn wir uns den eigenen Grenzen nähern. Unser Charakter brennt, wird geläutert.

>Deinem Glauben nach ist die Wachtturmgesellschaft nicht unredlich. Glaube läßt sich nicht beweisen, die Unredlichkeit der WTG schon.

Gott lässt sich auch nicht beweisen. Gut und böse schon. Für die weltliche Bühne genügt das. Auf spiritueller Ebene gibt es Gott (nicht als Vorstellung) aber kein gut und böse. Die Menschen in der WTG sind ebenso fehlerhaft wie du und ich. Das ist für mich Fakt. Aber ich unterstelle weder Boshaftigkeit noch Tugend. Das menschliche Denken in gut und böse macht jeden zum Opfer und Täter. Du sagst, die WTG sei unredlich. Die WTG sagt vielleicht, du seist in Satans Fängen. Beide Ansichten sind für mich reine Selbstbestätigung.


>Kommen wir noch mal auf Abs.13 Seite 10 des WT zurück:
>WT "Jesus Christus betonte diese Notwendigkeit mit den Worten: ,Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus' (Johannes 17:3). Die Wendung, ,Erkenntnis in sich aufnehmen' hat eine viel tiefere Bedeutung als das Verb ,erkennen'. ..."
>In der Luther-Bibel steht in Joh. 17:3:
>"Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus erkennen."
>Du hattest in deiner Bibel nicht nachgesehen. War eigentlich auch nicht notwendig, da die Neue Welt Übersetzung der Heiligen Schrift, also die von der Wachtturmgesellschaft herausgegebene Bibelübersetzung, im Wachtturm zitiert wurde. Vielleicht hättest du aber bei Kontrolle diesen Unterschied bemerkt:
>NWÜ: "Erkenntnis in sich aufnehmen"
>Lu: "erkennen"
>Der WT führt zur Untermauerung seiner Interpretation, des Intellekts wegen, ein biblisches Wörterbuch an (Vine's Expository Dictionary).
>Absatz 13 im WT hebt subtil den Vorteil der eigenen Bibelübersetzung hervor und zeigt, daß es nicht genügt Jesus zu erkennen, sondern fortgesetzt Erkenntnis notwendig ist. Diese fortgesetzte Erkenntnis (ein Prozess) vermittelt dann der treue und verständige Sklave (das Wort kommt im heutigen Text vor), die Führung der Zeugen Jehovas.

Diese Unterscheidung sagt mir zum wiederholten mal, dass hinter der WTG ein klarer Geist steht. Es ist eine universelle Wahrheit, die hier angedeutet wird, um den Text der Luther-Bibel näherzubringen.

Ich tausche das Wort Erkenntnis mit Heilmittel (Medizin). Das Aufnehmen (Einnehmen) des Heilmittels setzt dessen (Er)Kenntnis voraus. Erst wenn mir mein leidvoller Zustand bewusst ist und die Sehnsucht nach Heilung wächst, werden ich mich überwinden, die bittere Medizin zu schlucken. Ins Spirituelle übertragen geschieht dies in jenem gegebenen Moment, wenn ich den Vorhang meiner eigenen Behinderungen zerreisse. In der griechischen Mythologie entspricht das dem Anblick der schaurigen Medusa. Die Esoterik spricht vom Blick in den schwarzen Abgrund.

Zunächst erkenne ich meine Unwürdigkeit, meine Hochstapelei. Das geschieht in Demut und ist ( Selbst)erkenntnis. Die Gleichwertigkeit mit allen Geschöpfen und Schöpfungen wird bewusst, Einheitsbewusstsein. Das Aufnehmen der Erkenntnis bedeutet das Ertragen des eigenen Anblicks und das Aufnehmen des Heilmittels. Welchen Heilmittels? Die christlichen Mythen sprechen von Jesus Christus:“Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, ....“ Es wird auch von den heiligen Speisen gesprochen, die gereicht werden. Erst mit dem Aufnehmen dieser inneren Kräfte aus der Erkenntnis kann die Persönlichkeit an Jehova übergeben werden. Es ist der Kreuzweg der Persönlichkeit nach Golgatha. Andere Religionen erzählen eigene Geschichten zu diesem Mysterium. Und JZ haben recht, dass diese Erkenntnisaufnahme ein ununterbrochener Entwicklungsgang des Gläubigen ist. Interessant auch, dass dieser Prozess durch den treuen und verständigen Sklaven, sogar Führung der ZJ genannt, vermittelt wird. Nach meiner Lesart geht es um die spirituelle, nicht um die organisatorische Führung . Jeder treue und verständige, bekennende Gläubige (Sklave Jehovas) trägt diese erweckte Kraft ohne Worte aus. In den gemeinsamen Treffen bündelt sich diese Kraft gleichgesinnter festgläubiger. Es ist eine nichtpersönliche geistige Kraft aus dem Herzen der Gruppeneinheit. Hiezu fällt mir auch Jesus ein, wenn er sagt:“ Wo zwei oder mehr von euch sind, da bin ich unter euch.“ Es ist die Kraft des Christus, die in uns freiwerden kann. Das wissen die geistigen Führer dieses Vereins.

Ich denke, der Weg in der WTG führt irgendwann für jeden zur Entlarvung der eigenen Persönlichkeit. Wird der Sprung in den Absprung überwunden, so bleibt der Gläubige in einem neuen Bewusstsein in dieser Gemeinschaft. Wenn nicht, dann wird die innere Spannung so stark, dass er Gläubige geht. Auch dieses Gehen ist ein Weitergehen, lediglich auf einem anderen, neuen Weg. Wir müssen unseren Weg, unsere innere Aufgabe SELBST erkennen, sei es innerhalb der WTG oder außerhalb. Das Ziel ist Selbst-Erkenntnis und Überwindung in dieser Erkenntniskraft (Erkenntnisaufnahme).


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WACHTTURM 1.August 2001 Seiten: 11,12
>Unser Wahrnehmungsvermögen durch Gebrauch üben
>18 Vergessen wir nicht, daß wir unser Wahrnehmungsvermögen "durch Gebrauch" üben können zur Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht. Mit anderen Worten: Wir sollten lernen, jedesmal, wenn wir vor einer Entscheidung stehen, unser Denkvermögen zu gebrauchen, um zu erkennen, welche biblischen Grundsätze eine Rolle spielen und wie sie angewandt werden sollten. Entwickeln wir die Gewohnheit, in biblischen Veröffentlichungen nachzuforschen, die der "treue und verständige Sklave" zur Verfügung stellt! (Matthäus 24:45). Wir können uns natürlich von reifen Christen helfen lassen. Nichtsdestoweniger werden sich unsere eigenen Anstrengungen, uns eingehend mit Gottes Wort zu befassen, verbunden mit der an Jehova gerichteten Bitte um seine Anleitung und seinen Geist, auf lange Sicht wirklich lohnen (Epheser 3:14-19).

Auf die von Jehova gerichteten Bitte erhalten wir immer Antwort. Sie ist in den heiligen Speisen enthalten, welche uns die treuen und verständigen Sklaven UNPERSÖNLICH zur Verfügung stellen. Diese Kraft führt uns zu Menschen (reife Christen?) und in Situationen, die uns helfen. Wird diese innere Führung gespürt und befolgt, dann erübrigt jedes Dogma und jede Lehre. Die Gemeinschaft der Gruppe ist jedoch weiterhin der Quell der Kraft, weil wir auch mit den festen (heiligen) Speisen noch wanken.


>18.Was meinte Paulus mit den Worten "durch Gebrauch", als er vom Üben des Wahrnehmungsvermögens sprach?
19 Wir üben unser Wahrnehmungsvermögen nach und nach, "damit wir nicht mehr Unmündige seien, die wie von Wellen umhergeworfen und von jedem Wind der Lehre hierhin und dorthin getrieben werden durch das Trugspiel der Menschen, durch List im Ersinnen von Irrtum" (Epheser 4:14) Dann können wir, gestützt auf die Erkenntnis und das Verständnis dessen, was für Gott annehmbar ist, weise Entscheidungen treffen, seien es größere oder kleinere, Entscheidungen, die nützlich für uns sind, erbauend für unsere Mitanbeter und vor allem unserem himmlischen Vater wohlgefällig (Sprüche 27:11). Welch ein Segen und Schutz das doch in der gegenwärtigen kritischen Zeit ist!

Das ist für mich alles richtig, und ich freue mich, die Dinge einmal von dieser Seite aus zu betrachten. Das Üben des Wahrnehmungsvermögens geht mit einem Wachsen des Unterscheidungsvermögens vom Spirituellen und Irdischen einher. Mit den heiligen Speisen der Erkenntnis wächst der Christus, die Wahrheit in Fleisch und Blut heran. Dazu gehört jedoch nicht nur die Aufnahme der Erkenntnis sondern auch deren Weitergabe, das Umsetzen der Erkenntnis im Denken, Wollen und Handeln. Das ist sehr schwierig. Denn das Licht des Christus soll unseren Verstand erleuchten. In vielen, vielen Fällen spiegelt sich das Licht jedoch auf dem Weg dorthin und bleibt im Unterbewusstsein stecken. Das führt dann zu eigenartigen psychischen Reaktionen wie, Spiritismus, Überschattung, Fanatismus.

>19. Welche Segnungen können uns zuteil werden, wenn wir unser Wahrnehmungsvermögen fortgesetzt üben?
>Können wir es erklären?
>Welche Fähigkeit benötigen wir, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können?
>Weshalb ist es unweise, auf Prominente zu sehen oder uns auf unsere Gefühle zu verlassen, wenn wir zwischen >Recht und Unrecht zu unterscheiden haben?
>Warum sollten wir bei Entscheidungen sicher sein, was für Gott annehmbar ist, und wie ist uns das möglich?
>Was bedeutet es, unser "Wahrnehmungsvermögen zu üben"?

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>Steven Hassan Seite: 104,105
>Die Gruppe hat den Anspruch, alle Antworten auf alle Probleme und Situationen bereitzuhalten. Ein Anhänger braucht nicht selbst zu denken: Die Doktrin übernimmt das Denken für ihn.

Das ist für mich nicht richtig. Herr Hassan kennt nicht die innere Speisung aus der Selbsterkenntnis. Bis zu dieser Erkenntnis gilt das Gesetz und das Doktrin. Ab diesem großen Umkehrgeschehen steigen die entscheidenden Antworten und Gedanken aus dem Anhänger selbst auf.


>Eine totalitäre Sekte hat typischerweise ihre eigene Sondersprache, also spezielle Wörter und Ausdrücke, die mit bestimmten, von der Dogmatik vorgegebenen Begriffsinhalten besetzt sind. Man spricht hier auch von einer Manipulation der Sprache. Da die Sprache die Symbole bereitstellt, die wir zum Denken verwenden, unterstützt die Kontrolle über bestimmte Sprachelemente die Kontrolle über das Denken.
Parsimony.22574

Sprache ist Magie. Wenn mich deren Manipulation zur Selbsterkenntnis führt, dann wäre es für mich ok. Eine bedeutendere Frage wäre für mich „Was führt(e) mich zu Jehovas Zeugen?“.
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>"Können wir es erklären" ist eine Zusammenfassung des WT-Studienartikels und bildet den Abschluß jeder Sonntagszusammenkunft der ZJ.
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>PS.
>kohle, meine Frau fragt, in welcher Verbindung die "Pilze" zum "Kohlenkeller" stehen, züchtest du Champignons? >;-)
>Übrigens, uns gefallen sie.

Hahaha hat schon einmal jemand gefragt. Mit Internetprogrammierung wie Html kenne ich mich überhaupt nicht aus. Beepworld bot damals verschiedene Designs zu den HPs an. Diese gefiel mir am besten.

X und Frau,
möglicherweise liest sich das alles utopisch und exotisch, weil wir normalerweise solche Zusammenhänge nicht (mehr) wahrnehmen. Einem gewöhnlichen Kirchenchristen können solche Texte das dogmatisierte Herz abwürgen. Ich vermute, mit eurer Abwendung vom Dogma ist euer Einatem für diese Betrachtungen frei geblieben/geworden. Das Lösen von Fesseln bringt auch innere Freiheit, denke ich.

Alles gute

kohlchen

schon wieder 01.00Uhr



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