Re: Tagebuch eines Toten - Gewissensbisse


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von + am 10. Dezember 2007 00:04:

Als Antwort auf: Re: Tagebuch eines Toten - Groschen geschrieben von + am 09. Dezember

2007 00:04:

Schickt mir zwei Päckchen ...Tabak für meine Pfeife, den kann man hier nicht mehr haben.
Was von zu Hause kommt, schmeckt doch immer besser.
Wie ich las, dass Ihr am Wurstmachen seid, hab' ich gleich Appetit bekommen und habe mir in Gedanken so eine schöne gebratene Pfanne Leberwurst vorgestellt.
Hier geben sich Versorgungsengpässe und Wucher die Hand.

Früh morgens vor Sonnenaufgang gehen wir in Stellung.
Wir bauen an unserem Munitionsstollen.

Darin beschäftigt, erhalten wir Feuer von schwerster franz. Artillerie.
Der Graben sieht schrecklich aus; verschiedene Verschüttungen sind geschehen.
U.a. ist ein mind. 4 m tiefer Stollen eingeschossen, verschüttet und hat 4 Mann unter sich begraben.
Aber i.a. sind die Verluste nicht so schwer wie man angesichts der schweren Beschießung meinen sollte.
Das gilt wohl auch für unseren Einsatz.
Wir verbrauchen hier in kürzester Zeit mehr Munition als die gesamten Unkosten des Buren-Krieges zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich beobachte am Rgts.gef.st. das Schießen eines 15 cm Langrohrgeschützes.
Tags darauf gehen wir wieder auf Höhe 304 in Stellung. Die Franzosen bearbeiten uns wieder mit Gewehrgranaten und Minen.
Ich muss heute noch von gestern nachtragen, wo mich solch eine Gewehrgranate verwundete.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kamerad und ich hausen in unserem angefangenen Stollen, der erst 3 Stufen hatte.
Wir hockten auf der untersten.
Gerade war ich ein wenig eingeschlafen.
Da schreckt mich ein heller Blitz auf:
„Es ist was auf die Granatwerfer-Eisenplatte gefallen“, denke ich gerade,
da kollert die Gewehrgranate schon auf die oberste Stufe unseres Stollens.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mir fährt es durch den Kopf: schnell das Ding hinauswerfen, aber dann...
Das Ding liegt auf der obersten Stufe, wir sitzen auf der untersten, der dritten.
Ich schrie meinem Kameraden zu: „Vorsicht!“ und ducke mich, so tief ich nur kann.
Das alles nur Momentssache.
Da kracht die Gewehrgranate und ich taumle aus dem Stollen, kann nicht hören, was die Kameraden mir draußen zurufen.
Ich denke, ich habe mein Gehör verloren.

Erst viel später fange ich wieder an zu hören.
Wie sich nun herausstellte, war ich an der Hüfte leicht verwundet, mein Kamerad

jedoch schwer an der Hand und am Kopf.
Der hatte schon fester geschlafen und sich nicht so tief geduckt wie ich.
Heute schießen sie wieder mit den Dingern in unsere Nähe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Jagdkdo. kann nur kalt verpflegt werden, da der Weg zu weit und vom Feinde vollständig einzusehen ist.
Die Komp. verbleibt in der Stellung.
Die Stellung ist nur trassiert und es wird am Ausbau derselben fest gearbeitet.
Die Kp. ist jedoch für den Falle eines feindlichen Durchbruchs zu schwach besetzt und die Vorzeichen eines feindl. Angriffs verdichten sich.
Das Rgt. 118 wird weiter vorgezogen. 6./118 besetzt die Hagen-Stellung im Herbebois.
Nachts wird die Kp. vorgezogen und kommt als Unterstützungs-Kp. in den Magdeburger-Graben rechts und links der Kegelbahn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Tage lebhaftes Zerstörungsfeuer auf die vorderen Gräben.
Die Kp. hat wie durch ein Wunder keine Verluste.
Von einem Kameraden bekam ich ein halb versenktes Schriftstudien Buch das er in einem Graben fand.
Es war Französisch.
Wie kann ich den Herrn verherrlichen wenn ich einen wahren Christen einen geheiligten auf der anderen Frontseite – so wie ich - töte?
Wir Bemühen uns selbst unter solch schrecklichen Umständen das Licht hochzuhalten und den Herrn zu verherrlichen.
Wenn der Krieg in beträchtlichem Maße diese Lektion beibringt, dann wird er nicht vergeblich gewesen sein?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum lässt Gott den Krieg zu?
Deutet die Schrift an dass Gott den Krieg veranlasst?
Gott mag es einerlei sein wie wir sterben.
Aber wie kann man die Lehren Jesu und der Apostel hinsichtlich des Krieges verstehen,

selbst wenn ich die Anweisungen Gottes an die Juden und dem Segen

vergleiche den er auf ihre Kriege legte.
Gibt Gott seinen Kindern in bezug auf den Krieg besondere Anweisungen,

oder unterstehen wir nicht unseren Obrigkeitlichen Gewalten?
Ein jeder vom Volk Gottes ist ein Kreuzesstreiter.
Und der Franzose dessen Buch ich in den Händen halte?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Jahr 1915 ist das Jahr der Erwartung für den großen Segen Gottes gewesen,

der auf die Menschheit zu kommen beginnen sollte.
Heute schreibt der Wachtturm dass der Weltkrieg versteckte Segnungen gebracht haben soll.

Melanie, es gibt Momente da fällt es mir schwer das zu glauben.

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Wachtturm September 1919 Seite 144

 

Erwachet 22. 6.1977

Seite 23 Ich war evangelischer Pastor

Der Priester entgegnete beruhigend, wenn er Gewissensbisse habe, seine Waffen zu gebrauchen, könne er sie ja von ihm segnen lassen, um sein Gewissen zu beruhigen… Als ich das hörte, wurde meine Abneigung gegen die Kirche noch größer.



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