Re: "GEMEINSCHAFTSENTZUG"


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von X am 29. September 2007 21:55:

Als Antwort auf: Re: "GEMEINSCHAFTSENTZUG" geschrieben von X am 28. September 2007 23:00:

Zitate:
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Brücke zum Menschen 1990/I 101/102 S.38/39

(2)

BzM: ,Könnt ihr noch etwas über die Folgen im familiären Bereich sagen?'

Michael: ,Meine Frau ist Zeugin geblieben. Über religiöse Dinge sprach sie mit mir gar nicht mehr. Ich konnte mich mit niemandem mehr über Glaubensfragen unterhalten, und ich fürchtete meine Ehe würde darüber zerbrechen.'

Gerhard: ,Auch meine Frau ist weiterhin Zeugin Jehovas. Auch sie hielt sich an die Regeln der Wachtturm-Organisation, die verlangen, die ,geistige Gemeinschaft' abzubrechen, sobald einer der Partner kein Zeuge Jehovas mehr ist. Da sie vorher die einzige war, mit der ich über die mich bedrückenden Fragen und Probleme sprechen konnte, traf mich das natürlich sehr. Was mir ebenfalls sehr zusetzte, war die Reaktion meiner Kinder, vor allem meiner älteren Tochter. Sie brachte fast panikartig zum Ausdruck, ich müsse nun bald ,in Harmagedon umkommen'. Damit bin ich schwer fertig geworden.'

BzM: ,Hat sich die familiäre Situation im Laufe der Zeit geändert?'

Michael: Wir haben als Ehepartner versucht, uns zu arrangieren, wobei ich sehr viele Kompromisse eingegangen, jedem Gespräch aus dem Weg gegangen bin. Ich hatte dann später andere Leute, mit denen ich über meine Probleme, über Glauben und ähnliche Dinge sprechen konnte. Aber das hat eineinhalb Jahre gedauert, bis ich mich mit der Situation abfinden konnte, daß diese Ehe nun anders ist, daß wir uns über viele Dinge gar nicht mehr unterhalten können.'

Gerhard: ,Heute werden wir besser damit fertig als am Anfang, denke ich. Es ist schon so, daß ein Teil der Ehe, vielleicht sogar der wichtigste, nicht mehr existiert.
Die schon beschriebene unterbrochene Kommunikation auf einigen Gebieten ist ein sehr massiver Eingriff der WT-Organisation in das Familienleben. Es ist nach meiner Beobachtung immer problematisch, wenn ein Partner ZJ bleibt, weil er/sie dann nicht mehr in der Lage ist, aufgrund des Befehls der Führung der Zeugen an einem Teil des Denkens, des Fühlens, ja des Lebens des anderen teilzuhaben. Ganz automatisch ist der EX-ZJ gezwungen, Gemeinschaft außerhalb der Ehe zu suchen, damit solche elementaren menschlichen Bedürfnisse befriedigt werden. Um nicht mißverstanden: Dies muß nicht zum Ehebruch führen.
Und ich bin auch nicht der Meinung, Eheleute sollten immer, sozusagen symbiotisch, aneinander kleben und keine anderen Freundschaften haben. Aber es ist schon höchst problematisch, wenn in einer Ehe Gespräch und Anteilnahme (hier in Teibereichen) nicht mehr möglich sind, aus welchen Gründen auch immer.'

BzM: ,Glaubt ihr, daß sich am Verhalten eurer Familienangehörigen in Zukunft etwas ändern wird?'

Michael: ,Wenn du Glauben im biblischen Sinne meinst, dann schon: Ich möchte hier etwas erzählen, was sehr außergewöhnlich ist: Ich habe in einem Traum gesehen, wie sich meine Frau zu Jesus Christus bekehrt hat. Das war in einer Situation, in der es mir sehr schlecht ging und ich wenig Hoffnung gehabt habe. Ich glaube fest daran, daß Gott mir diesen Traum geschenkt hat zur Tröstung. Und ich habe ihn nochmals gesehen - das war auch in einer Situation, in der ich für meine Frau gebetet hatte. Und ich weiß von vielen Mitchristen, die für meine Frau kämpfen am Thron Gottes, die für sie beten und für sie ringen, auch für meine ganze Familie. Und ich habe den Glauben von Gott geschenkt bekommen, daß sich etwas ändern wird. Ich achte auch auf kleine Anzeichen. Ich bin Gott sehr dankbar, daß sich manche Situation schon verändert hat aufgrund von Gebet.'

Gerhard: ,Bis heute ist es so, daß meine Frau den großen Wunsch hat - und auch mit Abstrichen meine Kinder - weiter Zeugin zu bleiben, weil für sie dies das Wichtigste in ihrem Leben ist. Aber sie ist schon immer etwas offener gewesen als die ZJ im Durchschnitt. Ich kann mir, langfristig gesehen, schon vorstellen, daß meine Familienangehörigen eines Tages keine ZJ mehr sein können. Dies gilt für die Kinder mehr als für meine Frau.' ...

Teil 18


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