Re: Gefühle im Rollstuhl


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von kohle am 20. September 2007 18:00:48:

Als Antwort auf: Re: Gefühle im Rollstuhl geschrieben von + am 20. September 2007 10:43:27:

Hallo KreuzPlus,

>Es funktioniert nicht wenn man seinen „normalen“, gesunden Erfahrungshorizont mit den Reaktionen und Erlebnisberichten von Sektenmitgliedern vergleicht.

Ja stimmt. Das sind verschiedene Welten. Und trotzdem Plus, auch diese Grenzen sind durchlässig. Aber nur, wenn ich das verbindende zwischen ihnen suche – und nicht das trennende. Das geht jedoch schon über das normale hinaus, ist aber nicht ungesund ... für mich nicht. Den Gegensätzen, die dem normalen, gesunden Menschenverstand unüberbrückbar erscheinen, liegt eine Wahrheit zugrunde. Sie lässt sich nicht formulieren, Worte sind nur Verpackung dafür. Doch diese Wahrheit ist empfindbar und sie verbindet alles in dieser Welt, vom kleinsten Atom bis hin zu unseren Vorstellungen von Gut und Böse. Viele Menschen malen diese unaussprechliche Ursubstanz als Gottesbild aus.

>Vor ein paar Tagen wurde hier von Kindern Berichtet die ihren Eltern jegliche Unteilsfähigkeit absprachen in welche Schule die Kinder geschickt werden sollten.
>Es ging darum das sich diese beiden Kinder weigerten in eine Scientology-Schule geschickt zu werden.

Nur die Kinder können wissen, was ihrer Seele gut tut. Jede Sekte, ob katholisch oder sonstwie mixt in ihrer Church eine eigene Magie. Nur das Gemüt kann feststellen, welche Speise es assimilieren kann und will.

>So etwas kann man nicht mit einem Erfahrungshorizont einer Katholischen-Schule vergleichen.

Weshalb nicht? Ich verweigerte mit 14 Jahren gegen den Willen meiner katholischen Erzieher den Kirchenglauben. Das war 1960. Und glaub mir, das war mit heftigsten Ängsten verbunden.


>Dein gesundes Zusammenspiel von Herz und Verstand kannst Du nicht mehr mit dem zerstörten Zusammenspiel von Herz und Verstand eines Sektenmitgliedes vergleichen.

Ich glaube nicht, dass Sektenmitglieder ein gestörtes Verhältnis zwischen Herz und Verstand haben. Herz und Verstand spielen anders miteinander, ja. Und individuell ist natürlich jeder Mensch anders ausgeprägt.

>Dies wäre so wie wenn Du einem Menschen deren Beine verkümmert sind auf die gesundheitlichen Schäden eines permanenten Fahrens im Rollstuhls hinweist (Bandscheiben, Übergewicht) und sagst das das Laufen auf zwei gesunden Beinen wesendlich Gesundheitsfördernd ist.

Das gilt nur für Sektenmitglieder, die abhängig sind. Wenn sie damit zufrieden sind, warum soll ich sie zu meinem Glück missionieren? Wozu überhaupt andere missionieren? Weil ich es besser weiß als sie? Warum mit anderen Menschen diskutieren? Weshalb nicht nur austauschen? Vielleicht ist da ja ein Fünkchen Wahrheit, das lediglich nicht in mein Konzept passt. Sowas kostet natürlich Bescheidenheit und Überwindung der Angst, den eigenen Standpunkt zu verlieren.

>Gerade Zeugen Jehovas Produzieren bewusst Emotionale-Licht-Aha-Erlebnise.
Diese Charismatischen-Gott-Erlebnis-Momente werden von diesen Sekten bewusst Instrumentalisiert.
Charakterentwicklung zusammen mit Wonnegefühlen, Träumen und Gemütsverfassungen werden eingesetzt um Sektenmitglieder zu Disziplinieren.

Das kann gut sein, ich hör ja auch so einiges. Aber ich höre es nur von Ehemaligen. Sie sind jetzt Outsider. Die Insider empfinden das nicht so. Es ist müßig, einen Insider beurteilen zu wollen. Ehemaligen haben die Verbindung nicht mehr, sie ist abgerissen.

>Ob das „Spüren mit dem Herzen = Intuition“ wie Du es nennst eines Sektenmitgliedes jemals wieder heilt kann man nicht sagen.

Wer beim Spüren mit dem Herzen ins Feuer gefasst hat, der will sich nicht wieder die Finger verbrennen. Wer beim Spüren mit dem Herzen vom Licht berührt wird, der kann nicht genug davon bekommen. Für mich gilt das. Ob es für dich und Jehovas Zeugen gilt, das kann ich höchstens vermuten.


>Die Dogmen-Magie von Religionslehrern drängt ihre Mitgleider, sich an ihre Sektengesetze, Sektengebote und Sektenkonditionen zu halten. Durch solche Übungen und Methoden soll sich den Gläubigen der Wahrnehmungssinn im Herzen verschließen.

Ich schrieb nicht „verschließen“, sondern das Gegenteil davon. Nur so als Statement, lassen wir es stehen.

>Sie sollen einzig Mitgliederwerben, Spenden und kostenlos ihre Zeit und Kraft dem Sektenkonzern widmen.

Wenn das „sollen“ zum „wollen“ wird, dann ist es doch ok? Du kannst Insidern natürlich den eigenen Willen absprechen. Doch damit kommst du ihnen keinen Schritt näher, es bleibt nur Resignation.


>So etwas kann nur nachvollziehen, wer ähnliches erlebt hat.

>>> „Ist es nicht schon schlimm genug, dass viele dieser Leute andere missionieren wollen? Willst du gegenmissionieren? Nee, lass es, denn du verstehst diese Menschen nicht. Und wenn du sie vielleicht einmal verstehst, dann lässt du sie ihren Weg gehen.“ <<<

>Es ist zwar nicht Ratsam sich der Gefahr der missionierenden Sekten auszusetzen aber ich muss Dir hier, bei allem Respekt, jegliche Unteilsfähigkeit absprachen.

Ja ok.

>Als Unbeteiligter genauso wie als Eingeschlossenes Sektenmitglied.
>Wer dieser Indoktrination der Sekten einmal entkommen ist verstehst diese Menschen Sehrwohl und will Sektenmitgliedern aus Überzeugung aus ihren Irrgarten-Weg helfen.

>Ich halte das für eine falsche Schlussfolgerung. Solch ein Mensch wird wahrscheinlich die Zweifelnden verstehen. Er kann aber nicht die verstehen, die bereits einen Schritt weitergegangen sind als er. Denn dann wäre er nicht gegangen.
Den gleichen Fehler machen Missionierer auch.

>An einem Punkt beginnt ein ehemaliges Sektenmitglied vielleicht mit gierigen Nachforschungen, um soviel wie möglich über seine Gruppe herauszufinden und auf JEDE seiner Fragen eine befriedigende Antwort zu finden.
>Dies ist ein SEHR positiver therapeutischer Schritt.

Ja, durchaus und sicher nicht einfach.

>Oft ist das WICHTIGSTE Anliegen des Ehemaligen, die zurückgebliebenen Freunde zu retten.
Sektenmitglieder bedauern beim Austritt gewöhnlich am meisten, den Kontakt zu Menschen zu verlieren, die sie in der Gruppe kennengelernt haben und an denen ihnen etwas liegt.
>Es wird besonders schwierig, wenn der Ehemalige Sektenanhänger erkennen muß, daß die vermeintliche Freundschaften an die Bedingungen der Mitgliedschaft geknüpft waren, obwohl echte Gefühle investiert wurden.
>Einem EX-Mitglied können die Fesseln der Bewußtseinskontrolle sehr schnel klar werden, wenn sein engster Freund in der Gruppe ihn nur dann treffen will, wenn er ein anderes Mitglied mitbringen kann.

Zur totalen Kontrolle. Sie ist erforderlich, um die Magie aus dem Zentrum einer Gemeinschaft nicht verfliegen oder versickern zu lassen. Die Bedenken, die du ansprichst, entstehen real. Der spirituelle Weg in einer Sekte besteht darin, diese Bedenken zu überwinden. Solche bei jedem Menschen auftauchenden Widerstände werden in den Amtskirchen als Satan nach außen projiziert. In einer Sekte, wie du es beschreibst, wirst du selbst mit diesen deinen Widerständen konfrontiert. Das ist der Weg der Selbstüberwindung. So könnte es ein Insider sehen.

...
>Deine gesunden Glücksgefühle und Dein ehrliches Herz-Empfinden ist schön und normal.
>Du diskutierst hier jedoch mit Menschen deren Herz durch Sektiererische-Religionsorganisationen vergewaltigt wurde.

Ja, auf dem Boden dieser Zerstörung kann jedoch etwas neues, schönes und eigenes wachsen. Danach denke ich sehen wir uns doch alle, nach unantastbarer Liebe.


>Deren gesunde Gefühle durch zur Schau gestellte Mitglieder-Aquirierungswerke zersetzt wurden.
>Bleib so wie Du bist – Bleib Gesund

ja danke schön, Plus

zum Schluss noch ein Gedicht von mir zum Thema Selbstverwirklichung. Es ist schon ein paar Jahre alt.

Engelstimmen

Sie nannten es Liebe
um zwanzig nach zwölf
Es blitzten die Triebe
Ich wurde hergestellt

Tage danach
Um dreiviertel eins
Ich bewege mich grad
als ein Engel erscheint

„Ich bin die Seele
gefangen im All
die vieles durchlebte
Jahrtausende alt“

Mein Herz war klein
Zwei Zentimeter breit
Ich ließ ihn rein
denn er tat mir leid

Ich hab ihm versprochen
lieb zu sein
Mein Herz blieb offen
denn er sollte frei sein

Monate darauf
um fünf vor zwei
kroch ich aus dem Bauch
mit Riesengeschrei

Grelle Lichter
rissen meine Augen auf
Zu fremden Gesichtern
sah ich hinauf

Ich lag in einen Kasten
unter dem Räder sich drehn
Damit mich Leute begaffen
die ich nicht versteh

Ich wurde drei und
zwei Tage danach
Als aus meinem Mund
die Seele sprach

Da lachten die Tanten
„ach isser nich prächtig“
er will uns was sagen
doch versteht´s keiner richtig

Sie füllten meine Gedanken
mit Bildern die sie sehn
Doch meiner Seele Verlangen
konnte keiner verstehn

Ich war schon vier
und sang sehr gerne
Mit dem Engel in mir
das Lied der Sterne

Von dem Gesang angetan
konnten sie es nicht erwarten
die Tanten meldeten mich an
im Stadt-Kindergarten

Hinterm verschlossenen Gartentor
stand ich im großen Kinderchor
betäubt von lauten Gesängen
Mein Engel ließ die Flügel hängen

Nie vergess ich jenes Jahr
als ich fünf geworden war
Sie schleppten mich Wurm
In ein Haus mit´nem Riesenturm

Sie zeigten auf ein Lattengerüst
Zu dem ich kniend reden müsst
Da sagte meine Seele mir
Dies Kreuz ist tot, ich leb in Dir

Ich war sechs, der Verstand erwachte
Weil meine Seele ihm soviel sagte
Doch kaum hatte ich dies laut gedacht
hat man mich in die Schule gebracht

Dahin ging ich überhaupt nicht gerne
Es war die reinste Lernkaserne
Der Lehrer begann mich zu zwingen
nicht mit meinem Engel zu singen

In der Schulbank hab ich gesessen
Meine Augen wurden leerer
Den Engel hab ich vergessen
wegen dieser blöden Lehrer

Ich war schon älter als sechzehn
und wollt von zu Hause weggehn
Da kam ein uniformierter Herr
und schickte mich zum Militär

Er legte ´ne Knarre in meine Hand
So damit verteidigst Du Dein Vaterland
Doch in meines Vaters Heimatland
sind Waffen völlig unbekannt

Mein Engel hatte mir erzählt
Dort gibt es keinen Schießbefehl
Weil dort nur eine Liebe zählt
die auf Erden völlig fehlt

Zwanzig Jahre war ich alt
und stand in einem Plakatewald
Einem sollt ich meine Stimme geben
Für den Frieden und ein besseres Leben

Ich sag Euch warum ich nicht wählte
Denn jedem dieser Bilder fehlte
die Ehrlichkeit meines Engelgesichts
mit dem strahlenden Augenlicht

Ihm hab ich meine Stimme geweiht
für die Zukunft und in Ewigkeit
Sein Schweigen ist mir näher
als politisches Gezeter

Manchmal im Sturm der Gedanken
hab ich ihn nicht mehr verstanden
wochenlang musste ich lauschen
dann hörte ich sein Flügelrauschen

Nun setz ich mich auf seine Schwingen
damit sie mich nach Hause bringen
Unter seinen Krallen
ist die alte Erde zerfallen

Er bringt mich heim in jene Stadt,
die von Freien erschaffen ward
Seine Fittiche hüten diese Welt
unter dem neuen Himmelszelt

Er lehrt die Menschen mit Herz und Verstand
zu schmieden den Rohling im Lebensbrand
zum Schlüssel für die goldenen Türen,
die in das neue Lichtreich führen

Sein Blick umfaßt jede Sphäre
Seine Fänge das Gewürm
Seine Flügel alle Meere
Seine Wacht ist unser Schirm

Kohle 2003


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Für dein Leben in dir und außerhalb von dir



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