Re: "GEMEINSCHAFTSENTZUG"


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von X am 18. September 2007 22:42:

Als Antwort auf: Re: "GEMEINSCHAFTSENTZUG" geschrieben von X am 17. September 2007 21:11:

Zitate:
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Brücke zum Menschen 1990/I 101/102 S.34,35

IV.

Ich möchte nun eine Alternative zur ZJ-fundamentalistischen ,Gemeinschaftsentzugs' -Praxis darstellen.

Beginnen wir mit einem kleinen Exkurs:

Es würde bedeuten, einer ähnlichen Feindbildfixierung verhaftet zu bleiben, nicht zu versuchen, das Anliegen - weniger der Führung als der einzelnen Zeugen Jehovas - zu verstehen.

Von oben angedeuteten unmittelbar psychischen Interessen des einzelnen ausgehend, will ich nach den gesellschaftlichen Gründen für einen Fundamentalismus dieser Spielart fragen.

Aus meiner Sicht geben die Fundamentalisten auf wichtige Fragen, die sie aufwerfen, problematische Antworten.

Wenn wir aufgreifen, daß der Fundamentalismus eine versuchte Antwort auf die als krisenhaft empfundene Moderne sei, gilt es festzustellen, daß einerseits viele Errungenschaften eben dieser Moderne für uns alle unverzichtbar geworden sind:

Profitieren nicht auch die ZJ z.B. von dem Verständnis der Menschenrechte (die ihnen selber allerdings, von ihrer Führung zum Teil verweigert werden)?

Andererseits wird uns zunehmend die Problematik unserer modernen Gesellschaft deutlich.

Anscheinend setzt sich weltweit das individualistische Prinzip des (wirtschaftlichen) ,Kampfes aller gegen alle' und die einseitige Betonung des Leistungsprinzips, des ,Überlebens des Tüchtigen', durch.

Die Menschen scheinen hilflos dem Zwang ausgesetzt zu sein, sich entweder dem steuerungslosen Prozeß anzupassen oder - in letzter Konsequenz - unterzugehen.

Gerade am Beispiel der ZJ wird deutlich, daß der Fundamentalismus dagegen - auf eine oft sicher sehr gebrochene und inkonsequente Weise - den Menschen eine Grundlage für das Leben zu geben VERSPRICHT (die unfehlbare Bibel oder die Autorität der ,göttlich geleiteten Führung') und in seiner gemeinschaftsausbildenden Funktion gegen einen verabsolutierten Individualismus dem loyalen Anhänger Geborgenheit vermitteln möchte.

Einem Geschichtsprozeß, den immer mehr Menschen ohnmächtig in seiner möglicherweise selbstzerstörerischen Eigendynamik erfahren, wird eine sinnvolle und hoffnungsgewährende Sicht der Zukunft entgegengestellt.

Teil 12


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