Warum man Zeugen Jehovas nicht aufklären kan

Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Andre am 16. September 2007 18:53:52:

Einen interessanten Gedanken habe ich kürzlich gelesen (es ging zwar um die CO2 Hysterie und den Klimawandel aber der Kerngedanke betrifft alle) und möchte ihn hier kurz wiedergeben, da er ganz gut zeigt, wieso ZJ nur sehr schwer von der Falschheit ihrer Religion zu überzeugen sind und auch wieso wir alle manipulierbar sind und auch manipuliert werden (egal von welcher Seite):

Der menschlichen Logik im Alltagsdenken liegen Fehler zugrunde, die verstanden werden müssen, um ihnen nicht immer wieder zu erliegen. Daran hat die Sozialwissenschaft in den letzten 50 Jahren intensiv gearbeitet, teils um die Fehler zu überwinden, mehrheitlich aber, um zahlungsfähigen Auftraggebern ihre Nutzung zu empfehlen. Erst kürzlich hat die Studie eines Dr. Norbert Schwarz, und Kollegen vom Institut für Social Research an der Universität in Ann Arbor (USA) (letzte Ausgabe der Zeitschrift Advances in Experimental Social Psychology Vol 39) auf diese Fehler verwiesen. Darauf hat Sandy Szwarc am 10.9.2007 im Internet aufmerksam gemacht. Das Ergebnis der Studie lautete sinngemäß:

Wenn die Leute bereits eine Strategie haben, wie sie mit der (durch Überwindung der Fehlinformation) veränderten Aufgabenstellung umgehen können, kann die Aufklärung gelingen; fehlt eine solche, dann werden weiterhin sogar mit mehr Gefallen daran das Falsche tun. Aber auch, wenn es sich dabei nicht um ein komplexes Vorgehen handelt, führen stärkere Überzeugungsversuche kaum zum Erfolg, sondern erreichen oft das Gegenteil. Das geschieht vor allem, wenn dabei - wie meistens vorgeschlagen wird - möglichst wenig Druck ausgeübt wird. Leute zu ermuntern, "das Gegenteil zu bedenken", in dem man z.B. fragt: "Gibt es Gründe, warum Ihre ursprüngliche Annahme falsch sein könnte?" Ironischerweise werden Menschen je mehr man sie bewegen will, auch anders zu denken, umso mehr von ihrer ursprünglichen Annahme überzeugt. Die Strategie "das Gegenteil in Betracht zu ziehen" führt zum gegenteiligen Effekt, weil es das zweite Moment in dieser Verlegenheit übersieht: Die metakognitive Erfahrung, die das Denken begleitet.

Es zeigt sich, daß wir in der Regel nicht unserem angestrengten Denken unter Abwägung aller möglichen Gründe folgen, sondern mehr dem vertrauen, was uns scheinbar intuitiv in den Sinn kommt und an das wir uns - ohne viel nachzudenken - erinnern. Das sind weniger Tatsachen, sondern das, was wir oft gehört haben (Kommentar: Kein Wunder also, dass in den Zusammenkünften der ZJ so viel wiederholt wird). Dabei erinnern wir uns meistens nicht, wo und von wem wir es gehört haben. Aber je öfter wir etwas von verschiedenen Seiten hören, desto vertrauter und glaubwürdiger erscheint es uns. Wenn wir der falschen Behauptung wiederholt begegnen, bildet sich das wage Gefühl "Das habe ich früher schon gehört". Diese Vertrautheit verstärkt die Bereitschaft die Behauptung als wahr hinzunehmen.

Aufklärer, die das nicht berücksichtigen, scheitern. Dagegen hilft das mehrmalige Wiederholen der Kritik wenig. Es verstärkt den Mythos noch. Diese Mechanismen hatte schon Allport und Lepkin im Zusammenhang mit der Planung der alliierten Kriegs- und Umerziehungspropaganda erforscht. Ein Dr. A. Sandberg berichtete kürzlich über einen solchen Fall. Ein Freund machte sich auf Grund von Medienberichten über ein bestimmtes Gesundheitsrisiko Sorgen. Nachdem er mit ihm ruhig und ausführlich alle medizinischen Gründe für die Unbedenklichkeit durch gegangen war, war der Freund schließlich ängstlicher als zuvor. Die vermehrte Aufmerksamkeit auf die angeblich gefährliche Situation hatte ihn nur weiter verunsichert.

Es ist offensichtlich viel leichter Sorgen und Verunsicherung auszustreuen, als die Leute von wissenschaftlichen Fakten zu überzeugen, die dem entgegenstehen. Diese Einsicht eröffnet Manipulationsmöglichkeiten. Wer immer mit einer neuen Verunsicherung auf den Markt kommt, weiß, daß er, wenn er sie nur verbreiten kann, damit Erfolg hat. Wenn so etwas Aufmerksamkeit findet, entsteht schnell der Eindruck, daß die Bedrohung wirklich besteht. Ausgewogene Informationen haben dagegen kaum mehr eine Chance und werden in der Regel nicht geglaubt. Wenn man die Leute auf etwas Bedrohliches hinweist, dann stößt man auf Zustimmung, wenn man ihnen zeigt, daß es nicht bedrohlich ist, dann ist man von Vertretern finsterer Machenschaften bezahlt. Diesen Tatbestand nutzen Machtgruppen, die das Verhalten ihrer Mitmenschen in ihrem Sinne ändern wollen, die z.B. erreichen wollen, daß die anderen "bescheidener" leben. Hier sind die Priester der neuen Ökoreligion zu suchen, die Grünen sind lediglich ihre fanatisierten Gläubigen.

Warum bestärken Aufklärer, wenn sie versuchen, keinen Druck auszuüben und stattdessen Informationen herbeizuschaffen, welche die geglaubten Annahmen widerlegen, den Glauben in ihrem Gegenüber eher noch? Der Grund liegt in Vorlieben und Abneigungen, die unserem Denken vorgeschaltet sind. Es hat sich in vielen sozialpsychologischen Experimenten bestätigt, daß Leute, die einer ursprünglichen Vermutung nicht unmittelbar zustimmen, fast nur noch Argumente aufnehmen, die ihre Abneigung bestätigen - oder umgekehrt, wenn sie die Vermutung unmittelbar eingesehen haben, alles versuchen, diese bestätigt zu finden. Das geschieht auch dann, wenn das Vermutete die Leute kaum betrifft.

Zur Ablehnung einer nicht genehmen Meinung genügt ein Fall, bei dem die Vermutung nicht so ganz überzeugt. Während man zu ihrer Bestätigung niemals genug Beispiele aufführen kann. Peter Wason kam schon 1960 in einer Studie zu dem Schluß: "Die Ergebnisse zeigen, daß sehr wenige junge Erwachsene spontan das, was sie glauben, hinterfragen. Hierzu wäre die Bereitschaft nötig, eigene Hypothesen zu falsifizieren und so intuitive Annahmen, die einem das Gefühl der Sicherheit vermitteln, zu überprüfen". Er meint, "wissenschaftliche Methoden ließen sich zwar lehren, aber die Bereitschaft, rational zu denken, ist offensichtlich von anderen Faktoren als der Intelligenz abhängig".

Die Verhärtung des Glaubens wird durch Gruppendenken noch verstärkt. Sogar Wissenschaftler und von Beruf kritische Leute unterliegen der Macht des "Konsens". Unterschwellig herrscht das Argument: Wenn viele Leute etwas glauben, dann muß etwas dran sein. Weil man das, was viele glauben, natürlich öfters zu hören bekommt, wird der Inhalt des Konsenses ständig verstärkt. Das Ganze funktioniert auch umgekehrt. Wenn man etwas öfters zu hören bekommt, stellt es sich einem als eine Art Gruppenkonsens dar. Daß noch so absurde Annahmen an Plausibilität gewinnen, nur weil sie häufig in der öffentlichen Diskussion erscheinen, hat die Studie Availability Cascades and Risk Regulation von Timur Kuran and Cass R. Sunstein in Stanford Law Review April 1999 dargelegt. Konsumenten, Professionelle und Politiker bestätigten Informationen, weil sie von anderen geglaubt zu werden schienen, und nicht, weil sie Bescheid "wußten".

Die gleiche Tendenz liegt dem Zuschauer-Effekt zugrunde. Leute sehen in einer Gruppe einen Unfall oder hören eine offensichtlich falsche Behauptung, greifen aber nicht ein. Sie sehen sich um und fragen sich, warum greift denn keiner ein? Während sie die Antwort in sich selbst hören könnten. Jedes Schweigen, wird als Bestätigung verbucht.

Und was wäre die Antwort? Angst natürlich. Offensichtlich stecken in uns noch instinktive Gefühlsströme, die dem rationalen Denken vorgelagert sind. Wir erwarten Bedrohungen, weil sie "natürlich" sind. Mögliche Bedrohungen setzen uns in Alarmbereitschaft, die einmal überlebensnotwendig war. Dazu vermeiden wir als ehemalige Herdentiere, uns zu exponieren. Sicherheit und Schutz finden wir in erster Linie in der Gruppe. Nur wer diese "unbewußten", instinktartigen Reaktionen in sich wahr und ernst nimmt und bereit ist, sich ihnen und der damit verbundenen Angst bewußt zu stellen und damit umzugehen, ist lernfähig. Jede wirklich neue Erkenntnis zerstört eine gewohnte Geborgenheit, in die man sich als Gruppenwesen eingerichtet hat und wirkt unbewußt existenzbedrohlich, selbst wenn sie es bei vernünftiger Betrachtung offensichtlich nicht ist.

Eine Erkenntnis, die nicht bevor sie wahrgenommen wird, dieses Gefühl der Verunsicherung auslöst, ist keine, sondern allenfalls eine "belanglose" Information. Dem entspricht ein weiteres Prinzipien der Propaganda das meist Goebbels unterstellten wird: Wenn man eine Lüge erzählt, muß sie groß genug sein (oder "neue", jedenfalls außerhalb des bisherigen Erfahrungshorizonts des Betroffenen). Die Lüge ist ferner nur aufrecht zu erhalten, wenn der die lügende Macht die Menschen wenigstens eine gewisse Zeit gegen die politischen, wirtschaftlichen oder militärischen Folgen der Lüge abschirmt. Dabei ist es für die Lüge überlebenswichtig, Dissidenten ins Abseits zu rücken, was am besten geschieht, in dem man die Gläubigen gegen sie zu mobilisiert. (Kommentar: Die WTG verfolgt durch den rigiden Ausschluss von Kritikern und den Kontaktverbobt genau die gleiche Strategie)

Die Wirkung so genannter "Instinktresiduen" wurde, seit der Soziologe und Wirtschaftler Vilfredo Pareto (1848-1923) zum ersten Mal auf sie aufmerksam gemacht hatte, intensiv zu Propagandazwecken erforscht. Mit ihr wird heute Politik gemacht. Dabei ist es äußert wichtig in den Menschen ein "Optimum des Bedrohtfühlens" zu erzeugen, weil Angst am ehesten die verborgenen Instinkte anspricht. Daher ist es heute kaum möglich Nachrichten zu hören, in denen nicht Bedrohungen beschworen und vor irgendwelchen Bösewichtern gewarnt wird. Dabei werden die angeblichen Bedrohungen stets maßlos übertrieben, als hinge die Existenz des Einzelnen, der Menschheit oder des Planeten von ihnen ab.

Das Ganze funktioniert allerdings auch nur, wenn die Menschen ein reales, aber nicht vernünftig realisiertes Gefühl des Bedrohtseins empfinden, etwa die verdrängte Angst vor sozialem Abstieg. Menschen, die sich im Grunde sicher fühlen, fallen seltener auf "Angsttrompeter" herein. Wie aber den Menschen die Existenzangst nehmen? Eine der Voraussetzungen wäre die existentielle Vereinzelung zu überwinden, die die Mainstream-Kultur schürt.

Man sieht: Aufklärungsarbeit schadet oft mehr als sie nützt. Es gibt um uns zwei Arten von Menschen. Die Mehrheit ist gutwillig aber schlecht informierte, und einige Gutinformierte sind übelwollend und benutzen die Mehrheit für ihre Zwecke. Wie will Otto Normalverbraucher herausfinden, wer zu welcher Art zählt? Frühere Zeiten, das Christentum z.B., hatte mit seiner Art Gottvertrauen ein gutes Mittel, um die existenzielle Angst, die jeder Erkenntnis vorausgeht, wenigstens subjektiv zu mildern. Aber auch das wurde oft mißbraucht, so daß es heute kaum mehr greift. Wahrscheinlich führt aus der Situation nur heraus, sich und anderen zu helfen, sich diese existentielle Angst bewußt zu machen und sich ihr zu stellen. Solche Hilfe schafft Vertrauen, setzt aber die innigste Verbindung zwischen Menschen voraus - und das in einer Zeit, wo selbst Ehen immer seltener funktionieren sollen.

(Quelle: Dr. Böttiger, "Der Spatz im Gebälk", [URL]www.spatzseite.de[/URL]; Hervorhebungen und Kommentare von mir)


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