Re: "GEMEINSCHAFTSENTZUG"


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von X am 07. September 2007 22:46:

Als Antwort auf: Re: "GEMEINSCHAFTSENTZUG" geschrieben von X am 06. September 2007 22:19:

Zitate:
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Psalm 78:38,39

Er aber war barmherzig;
er deckte das Vergehen jeweils zu und verderbte nicht,
Und er wandte oftmals seinen Zorn ab,
Und er erweckte nicht seinen ganzen Grimm.
Und ständig gedachte er, daß sie Fleisch waren ..."

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Brücke zum Menschen 1990/I 101/102 S.25,26

Vorübergehend eine barmherzigere Verfahrensweise

Im Unterschied zu früher muß eine eventuelle Berufung gegen einen Gemeinschaftsentzug nicht mehr bei ,der Gesellschaft' sondern bei der Ältestenschaft der auschließenden Versammlung eingelegt werden.

Es ist dann ein Komitee aus drei anderen Ältesten zu berufen, dessen Entscheidung endgültig ist (S.179).

1974 stellt einen Einschnitt in der Entwicklung dar.

Raymond Franz berichtet in seinem Buch
,Der Gewissenskonflikt' auf S.296:

,Im Jahre 1974 hatte ich von der leitenden Körperschaft den Auftrag erhalten, mehrere Artikel über den Umgang mit Ausgeschlossenen zu schreiben ....Durch diese - von der leitenden Körperschaft genehmigten - Artikel wurde die bis dahin geübte Praxis stark abgemildert. Die Zeugen wurden aufgefordert, im Umgang mit Ausgeschlossenen barmherziger zu sein; besonders entschärft wurden die strengen Anweisungen für das Verhalten gegenüber ausgeschlossenen Familienangehörigen.'

Ich denke, der Stolz des Schöpfers dieser Neuregelung verführte Raymond Franz zu einer etwas zu optimistischen Sicht, aber es ist richtig, daß eine Tendenz zur Liberalisierung unverkennbar ist.

Der fragliche WT-Artikel erschien in Deutsch in der Ausgabe vom 1.November 1974.

Seine Hauptleistung bestand darin, die Ex-Zeugen in ZWEI Gruppen einzuteilen:

in diejenigen, die den ,Betrügern und Antichristen' aus 2.Joh. 9-11 entsprechen und die übrigen.

Zur ersten Gruppe gehören all diejenigen, die weiterhin auf der Richtigkeit ihrer abweichenden Haltung bestehen oder ihr ,unrechtes Handeln' verteidigen.

Für sie trifft nach wie vor der völlige Abbruch der Gemeinschaft einschließlich der Grußverweigerung zu, auch wenn es sich um Verwandte handelt (S.657/22-25, S.663/23).

Wer also nicht bereit war, ein gewisses Maß an Konformität gegenüber der WTG zu zeigen, kam nicht in den Genuß der ,barmherzigeren' Verfahrensweise.

Wer dagegen der WT-Interpretation von 2.Joh. nicht entsprach, also nicht zu den Betrügern und Antichristen' gerechnet wurde, für den galt:

Ihm konnte die ,allgemein übliche Höflichkeit und Rüchksichtnahme' erwiesen werden (S.656/20).

Solchen Menschen durfte in bestimmten Situationen auch praktische Hilfe geleiste werden (S.659/5 u.6), ebenso konnten sie durch Älteste ,ermuntert
werden, ,umzukehren'
(S.660/9).

Normale verwandtschaftliche Beziehungen, mit Ausnahme ,geistiger Gemeinschaft' waren nun möglich (S.663/21).

Hier sprach in der Tat ein neuer Geist aus den Spalten des WT, wenngleich sich nicht allzuviel an der Diskriminierung der Ex-Zeugen änderte.

Dafür sorgten schon manche Warnungen, nicht zu weit zu gehen, einmal in dem Artikel selbst und auch sonst.

Z.B. sei ein ,Fragekasten' im deutschen ,Königreichsdienst' vom November 1974, S.4, angeführt, dem man anzumerken scheint, daß ihm die ganze liberalere Linie nicht so recht paßt.

Im letzten Absatz heißt es:

,Wie im ,Wachtturm' vom 1.November 1974, S.657 gezeigt wird, könnte ein Christ eine Person grüßen, der die Gemeinschaft entzogen worden ist und die nicht denjenigen gleicht, die in 2.Joh. 9-11 beschrieben werden, doch er sollte bestimmt nicht weitergehen, als sie zum Beispiel mit ,Guten Tag' zu grüßen.'

Hier zeigen sich die engen Grenzen, die der veränderten Verfahrensweise gesetzt sind.

Teil 3
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Steven Hassan S.194

"Eine rechtmäßig handelnde Organisation würde niemals den Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern zu verhindern suchen."


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