Re: 8. 7. 1957 (Vor fünfzig Jahren)


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 08. Juli 2007 06:41:04:

Als Antwort auf: Re: 22. 6. 1957 (Vor fünfzig Jahren) geschrieben von Drahbeck am 01. Juli 2007 05:30:20:

Das 1989er ZJ-Jahrbuch etwa notierte:
„Franz Desch war von Mauthausen aus dem nicht weit davon entfernten Konzentrationslager Gusen überstellt worden. Dort war es ihm sogar möglich, mit einem SS-Wachebeamten die Bibel zu studieren. Wie groß waren die Fortschritte? Nun, man stelle sich die Freude vor, als sich die beiden Jahre danach auf einem Kongreß als Brüder begegneten."

Mögen solche Fälle auch nicht die Regel gewesen sein, so gab es sie aber offenbar.

Nachstendes Foto nebst Begleittext, kann man in der "Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 7. 1957 vorfinden. Es ist Teil einer Bildcollage die sogenannte "Gileadschule" betreffend.
http://www.manfred-gebhard.de/Marschall.jpg

In dem (nichts ins deutsche übersetzte) Buch des Marley Cole "Triumphant Kingdom" (S. 161f.) wird gleichfalls auf den Fall des Friedrich Marschall bezug genommen. Nach Cole entstammt die Familie der Danziger Gegend. Die Schwester kam im Krieg um. Der Vater verschwand nach selbigem auf Nimmerwiedersehen in Sibirien. Die Mutter musste nach 1945 das Vertriebenenschicksal erleiden und ist offenbar so in die Frankfurter Gegend verschlagen worden. Ihr Sohn Friedrich, als Mitglied der SS geriet 1944 in Gefangenschaft, die mit unterschiedlichen Stationen bis Mai 1947 dauern sollte. Nach der Freilassung zog selbiger auch nach Frankfurt. 1953 heiratete er eine Zeugin Jehovas, die bereits für die WTG im Pionierdienst tätig war. Wie man der Herausstellung seiner Person in der genannten "Erwachet!"-Ausgabe entnehmen kann, erschien den WTG-Apparatschicks die "Beförderung" eines früheren SS-Angehörigen in den WTG-"Missionsarszustand" offenbar opportun.

Diese geschilderten biographischen Details (abgesehen von der nicht verallgemeinerungsfähigen SS-Mitgliedschaft) sind nicht untypisch für die Klientel der "ersten Generation", welche nach 1945 in Deutschland von den Zeugen Jehovas angeworben werden konnte.


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