Re: Andere Länder, andere Sitten (Gesetze)


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 18. März 2002 18:34:46:

Als Antwort auf: Andere Länder, andere Sitten (Gesetze) geschrieben von Bauer am 18. März 2002 15:37:07:

Zu Ostblockzeiten, war ja Ungarn, nebst Polen, als relativ liberal bekannt, auch auf dem Sektor Kirchenpolitik. Gleichwohl gab es auch dort harte Auseinandersetzungen, für die der Name Kardinal Mindszenty in den Anfangsjahren nach 1945 steht.

In der deutschsprachigen "Budapester Rundschau" verkündete der seinerzeitige ungarische Staatssekretär für Kirchenfragen, Imre Miklos, im Jahre 1974 (Nr. 36 vom 9. 11. 74), dass der ungarische Staat die Kirchen jährlich mit fast 70 Millionen Forint bezuschusse (wie gesagt: zu kommunistischen Zeiten). Um so auch ihr Wohlverhalten zu erkaufen. Letzteres sagte er zwar so nicht, ist aber faktisch so.

Sandor Palotay, seinerzeitiger Präsident des Rates der Freikirchen in Ungarn, und gleichzeitiger Verfasser des Buches "Tevedesek Utjan A 'Jehova Tanui'" (Budapest 1977). Den Titel deutet der richtig, wer das als eine Schrift über die Zeugen Jehovas einschätzt!
Palotay bezifferte in der "Budapester Rundschau" Nr. 19/1975, die Gesamtzahl der den Freikirchen zugerechneten in Ungarn, auf circa 44-45 000 Mitglieder.

Da ich schon mal die "Budapester Rundschau" zitiere, vielleicht auch noch die Ausgabe Nr. 16/1977. Darin wird mitgeteilt, dass der ungarische Staat, die circa 4 000 Mitglieder zählenden "Christgläubigen Nazarener", just (erst) 1977 staatlich anerkannt hatte. Jene "späte" Anerkennung basierte nicht zuletzt auf dem Problem, dass auch diese Religionsgemeinschaft Wehrdienst verweigert. Man fand einen "Königsweg" dergestalt dass sie, Zitat: "anstelle Waffenausbildung und -dienst gesundheitliche, technische oder andere militärische Aufgaben verrichten."

Damit auch ja nicht zuviele in den Genuss dieses "Privilegs" kamen, vereinbarte man weiter, dass die Nazarener den Mitgliedern, die sich im Wehrdienstalter befanden, ausdrücklich "eine mit den Unterschriften von drei Kirchendienern versehene Bescheinigung geben" müssen.

Die genannten Zahlen verdeutlichen, dass christliche Kreise außerhalb der "Großkirchen", auch in Ungarn als numerisch klein eingeschätzt werden müssen. Das man ihnen demzufolge auch heute keine besonderen finanziellen Privilegien, wie in einigen anderen Ländern, zugestehen will.

Die Zeugen Jehovas, mit ihren derzeit rund 20 000 in Ungarn, dürften da wohl inzwischen etliche der anderen Freikirchen numerisch überflügelt haben.
Das der ungarische Staat eine geforderte Subvention in "Einzelfällen" jetzt verweigert, kann ich nur begrüßen. Der Kirche-Staat-Filzstaat Deutschland ist diesbezüglich wahrlich kein zu empfehlendes Vorbild.


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