Und in dem Moment ...

Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 05. Juni 2007 05:36:35:

Man sagte ihr :
„Mach dir keine Sorgen, du wirst deine Mutter bald wiedersehen. 1975 kommt das Paradies, und wenn du dabei bist, hast du die Hoffnung, dass du deine Mutter in der neuen Ordnung wiedersiehst."

Beide Eltern haben sozusagen in einer Lebenskrise zu den Zeugen Jehovas gefunden.

Kurz vor dem vermeintlichen Weltuntergang sind ihre Eltern nach Deutschland ausgewandert.

Natürlich erwarteten sie das Ende der Welt, und es gab viele, die deswegen sogar ihre Grundstücke und Häuser einfach so verschenkten.
Im Königreichssaal, so nennt man den Versammlungssaal der Zeugen Jehovas, wurde angesichts dieser Zukunftsaussichten immer wieder gepredigt, man sollte nicht so viele Kinder in die Welt setzen. Das ist übrigens auch ein Grund, warum wir eine Kleinfamilie mit zwei Kindern blieben. Da das Ende ja angeblich nahe war, sei es klüger, die Kinder dann in der neuen Ordnung, also im Paradies auf Erden zu bekommen, hieß es. ...

Aber das Leben sollte weitergehen. Und auch 1975, als man das Ende und Klein-Katja erwartete, ließen sich meine Eltern wegen der Endzeit-Prophezeiung nicht aus der Ruhe bringen."

Dies sind so einige Sätze die man in dem Buch der Katja Giammona „... Hätte aber die Liebe nicht", zu lesen bekommt. Zwar in Deutschland selbige aufgewachsen. Aber wie vermerkt Eltern italienischer Abstammung habend.

Weiter geht es mit der auch nicht verwundernden Aussage:
„Wir sollten als Familie sehr vorbildlich sein und uns strikt an die Regeln halten. Es war echt hart. Immer adrett gekleidet sein, alles perfekt, kein Kaugummi im Mund, kein Nagellack, keine Jeans, keine Weihnachtsfeiern, kein Geburtstag, kein Silvester, kein Ostern - alles heidnische Feste, hieß es. Man sollte kein Studium anstreben, geschweige denn eine Karriere in der Berufswelt. Nein, man sollte bescheiden sein, demütig und klein und man sollte wissen, dass sowieso das Ende aller Dinge bevorsteht.

Meine Eltern sprachen kein Wort Deutsch und auch Jahre später beherrschten sie es immer noch nicht gut, denn ihr Umgang in Wolfsburg beschränkte sich auf die Arbeit mit Landsleuten und den Kontakt mit der italienischen Gemeinde.

Obwohl die Familie anfänglich sich im Sog der Zeugen befand, nabelten sie sich später doch von ihnen ab. Ein Umstand, welcher wohl doch als nicht „Standard" bezeichnet werden kann. Immerhin ist es diesen Umstand wohl zuzuschreiben, dass „Klein-Katja", um ihre eigene Vokabel zu verwenden, später noch ihren Weg machen konnte, der in ihrem Fall in Richtung Schauspielerei ging. Ob selbiges auch so gekommen wäre, wäre diese Familie bei den Zeugen verblieben, darf wohl mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Wie nun ging der Austritt dieser Familie vonstatten? Folgt man dem Bericht, so war es wohl der Familienvater, der hier den entscheidenden Part spielte. Aber wie kam selbiger dazu? Dazu liest man:

„Es summierten sich aber immer mehr kritische Einsichten, so dass auch dementsprechende Zweifel wuchsen. Es war zwar verboten, kritische Briefe und Bücher zu lesen. Aber es lagen immer wieder diese Briefe von ausgetretenen Zeugen Jehovas in unserem Briefkasten, und mein Vater zog sich zurück, um sie zu lesen. So bekam er immer mehr Zweifel und geriet in eine Glaubenskrise, die wir zunächst gar nicht bemerkten. Lange ahnten wir nichts von seinen Gedanken. ...

Und schließlich kam der Höhepunkt, als der jüngere Bruder meiner Mutter, ebenfalls ein Zeuge Jehovas, aus der Gemeinschaft herausgeschmissen und verbannt wurde, weil er mit einer Katholikin zusammenlebt, ohne mit ihr verheiratet zu sein....

Ich erinnere mich, dass mein Onkel plötzlich vor unserer Türe stand und hereinkommen wollte, nachdem er bei den Zeugen Jehovas rausgeflogen war. Er gehörte schließlich zur Familie, doch es wurde von uns allen verlangt, den Kontakt abzubrechen und nicht mehr mit ihm zu reden.
Meine Mutter durfte ihm die Tür nicht öffnen. Er weinte bitterlich, und meine Mutter musste ihren eigenen Bruder um den sie sich sorgte und der unsere Nähe brauchte, ignorieren.

Und in dem Moment ist mein Vater, sizilianisch wie er ist, explodiert und hat geschrien: „Wenn das ein Gott ist! Gott ist auch barmherzig! Wo steht in der Bibel geschrieben, man soll den eigenen Bruder nicht die Tür öffnen? Was ist das für ein Gott?"

So hatte ich meinen Vater vorher nicht gekannt. Er selber hatte die Zeugen Jehovas ja immer verteidigt. Doch das war der Augenblick, in dem mein Vater gesagt hat: „Das ist nicht Gott! Gott kann so etwas nicht verlangen. So etwas ist kein Gott, sondern ein Teufel! Gott kann doch nicht verlangen, dass man dem eigenen Bruder nicht die Tür aufmacht, wenn er anklopft!"

Und das war auch der Punkt, an dem er gesagt hat: „Ich trete aus! Diese Unbarmherzigkeit reicht mir. Gott ist Liebe! Kommt, wir treten aus!"

Und weiter geht es im Bericht mit der Aussage:
Meine Mutter hat auch ihre Kämpfe gehabt, aber mehr im Stillen. Und ihr ging es vor allem darum de Bibel verstehen zu wollen. Hauptsächlich wegen meiner Mutter haben wir, nachdem wir ausgetreten waren, überhaupt nach neuen religiösen Inhalten gesucht. Für meinen Vater war klar: „Raus aus allen Religionen, wir sollten nichts mehr suchen." Meine Mutter hingegen sagte: „Lass uns hier und da hineinschauen. Lass uns recherchieren." Mein Vater meinte mit seiner Aussage: „Jehova ist tot, den gab es nie!" Meine Mutter aber hatte immer wieder neue Ideen, wo wir nach einer Antwort suchen könnten.

Im weiteren Verlauf des Buches erfährt man dann noch. In Italien gäbe es ja - de jure - gar keine Möglichkeit aus der katholischen Kirche auszutreten. Wer denn irgendwann mal in deren Registern verzeichnet sei, gelte auch weiterhin als „katholisch", auch dann wenn sein eigener Lebensweg inzwischen ganz andere Bahnen eingeschlagen hat. Es wurde schon angedeutet, die Familie war was das Thema Religion anbelangte, völlig hin und her gerissen. Der Vater hatte von selbiger „die Schnauze endgültig voll", und die Mutter war mit immer neuen Suchexperimenten beschäftigt. Um des lieben Familienfriedens willen, musste der Rest der Familie dann mehr oder weniger der Mutter folgen.

Nach einigen ernüchternden Erfahrungen - unter anderem bei den Mormonen - pendelte sich als „Kompromiss des kleinsten Nenners" es sich so ein, dass die gesamte Familie heute - de jure - wieder katholisch ist.

Da im hiesigem Kontext nur die Zeugen Jehovas bezüglichen Aspekte interessieren, mag ihr weiterer Werdegang in Richtung Schauspielerei übersprungen werden. Wenn es näher interessiert, kann es im Buch selber nachlesen.

Im Anhang des Buches findet man denn noch einige Adressen. Unter anderem die: „Kirche in Not/Ostpriesterhilfe"

Jene katholischen Kreise denen offenbar daran gelegen ist die „Konvertitin" zu präsentieren, versäumen es nicht, wie eben zitiert, auch für sich Reklame zu machen. Auf welchem „Level" denn sich ihre Konvertitin befindet, mag vielleicht die kommentarlos wiedergegebene Seite 147 dieses Buches verdeutlichen.
http://www.manfred-gebhard.de/Giammona147.jpg

Dann möchte ich wohl zum Abschluss dieses Berichtes nur einen Kurzsatz als Kommentar sagen:

Geschichten, die das Leben schrieb!


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