Re: Heute vor 90 Jahren

(II)


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 31. Oktober 2006 04:42:53:

Als Antwort auf: Heute vor 90 Jahren ( I) geschrieben von Drahbeck am 31. Oktober 2006 04:10:27:

Was ihn wesentlich mit motivierte

Es wurde mit erwähnt, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt, auch Russell über die maßen beeindruckt hat. Offenbar nicht nur ihn. Auch seinem de facto Nachfolger Rutherford.
Zu welchen Thesen der fähig war, macht auch seine nachfolgende Aussage in einer vom Januar 1920 datierten Schrift deutlich, betitelt: "Kann man mit den Toten reden? Die Bibel gegen den Spiritismus". Diese Frühschriften zu zitieren ist eine undankbare Aufgabe. Es gab da mehrere Ausgaben, die unter anderem in der Seitenzählung, aber auch stilistisch differieren. Deshalb sei ausdrücklich das zitierte Exemplar nachgewiesen.
Im Exemplar der Deutschen Bücherei zu Leipzig (1922 A 2377) liest man auf Seite 76. die nachfolgende ergötzliche Erkenntnis:

"Sie (die Engel) bestehen aus feinstem Gas, das durch Elektrizität zusammen gehalten wird."

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Auch auf Seite 89 in genannter Schrift findet sich eine ähnliche Aussage:
Da wird dann auf eine Publikation mit dem Titel "World's Problem" verwiesen, welche aussagt :

"Nach ihrem eigenen Aussagen sind diese Geister (jetzt offenbar auf "Dämonen" bezogen) aus dem vermittelst Elektrizität zusammengehaltenen feinstem Gas gebildet."
Eine diese Aussage wiederlegende These gibt es in dieser Rutherford-Schrift aber nicht. Ergo hat er sie doch wohl auch seinem Weltbild zugrundegelegt.

Seine Nachfolger waren dann wohl über Thesen dieser Art dann doch nicht mehr länger "entzückt", wofür auch die (verleumderische) Behauptung im "Trost" vom 1. 2. 1944 (S. 6) spricht:
"In einer Abhandlung über Geistgeschöpfe schrieb J. F. Rutherford. Was den geistigen Leib betrifft, so hat es Gott nicht für gut befunden, dem Menschen zu offenbaren, aus welchem Stoff dieser gebildet ist."

Verleumderische Aussage deshalb, weil es "Trost" unterlässt nachzuweisen, in welcher seiner Publikationen denn nun Rutherford diesem (faktischen) Widerruf vorgenommen habe.
Da dürfte man sich sehr wahrscheinlich auf irgendeinen dubiosen "Man hat geglaubt" berufen, wie auch im Falle der Pyramidentheorie. Das man selbst dieser "Man hat geglaubt" gewesen, wird dann "dezent" unter den Teppich gekehrt.
Wer mit solchen "Erkenntnisse" zu brillieren vermag, bei dem ist man über weiteres dieser Art dann auch nicht mehr verwundert.
Auch in Rutherford's „Harfe Gottes" findet man ellenlange Ausführungen in dem Sinne.
Aber auch schon im berühmt-berüchtigten Band 7 der „Schriftstudien", gibt es ein Elaborat, dass wohl eine Art „Lobgesang" darauf darstellen soll. Er sei einmal nachstehend im Wortlaut dokumentiert (Band 7 (Ausgabe 1925) S. 106f.)

Hiob schildert ferner in prophetischen Worten die Errungenschaften heutiger Zeiten, die Dampfmaschine - feststehend und sich bewegend,- auf Eisenbahnzügen und zur See.

Das Folgende ist eine verbesserte und freie, zum Teil umschreibende Übersetzung von Hiob 40:10 bis 41:25, mit eingefügten Bemerkungen aus der Feder eines Nachfolgers Pastor Russells:

„Sieh doch einen mit großer Hitze (der feststehenden Dampfmaschine), den ich mit dir gemacht habe; er wird Futter verzehren ) (Torf, Holz, Kohle) wie das Vieh. Siehe doch, seine Kraft ist in seinen Lenden (Kesselplatten), und seine Stärke innerhalb der in einem Kreis gebogenen Teile (Kesselwände) seines Bauches, Sein Schwanz (Schornstein - gegenüber dem Futterende, Brennmaterial) wird aufrecht stehen wie eine Ceder; die Verbindung, Kuppelung, seiner Sprungteile - Sehnen seiner Schenkel - (Verbindungsstangen) wird zusammen geschmolzen, verflochten. Seine Knochen sind Röhren von Kupfer, seine Gebeine (Stangen des Kesselrostes) sind wie zusammen gehämmerte Eisenstangen. Er ist der Größte, der Erstling der Wege von Kraft. Er, der ihn gemacht hat, (der Herr) hat ihm sein Schwert (Wort) beschafft, sich ihm zu nähern, (ihn zu offenbaren). (Jes. 27:1,2) Er wird unter dünnem Schutz (Dampfmantel) ruhen, innerhalb eines Verstecks von faserigem Rohr (feinfaseriger Flachs) und Lehm (Mörtel). Die Weiden des Tales (die Bäume zu seinem Häupten) werden ihn umgeben. Siehe (wie eine Pumpmaschine) wird er sich einen überflutenden Strom schlucken und achtet es nicht groß (Luthers Übersetzung); er läßt das Volk wohlgemut sein und vertrauen (daß ihre Keller trocken bleiben werden), wenn auch Wasser in sein Becken durch Fallen und mit einer durchlöcherten Schnauze aufsaugen.

„Du wirst den Levithan (die Lokomotive) mit dem Angelhaken (automatische Kupplung) ausdehnen, verlängern, oder mit einer Schlinge (Kuppelbolzen), mit der du seine Zunge (Kuppelverbindung) sich senken lassen wirst, Willst du nicht einen Ring (Kolben) in seine Nase (Zylinder) legen oder seine Kinnbacken (Zylinderenden) mit einem Stabe (Zylinderstange) durchbohren? Wird er viel Flehens an dich richten (entgleisen)? Oder wird er dir sanfte Worte geben (wenn er einen schrillen Ton mit der Dampfpfeife von sich gibt)? Wird er einen Bund mit dir machen, daß du ihn zum ewigen Knechte nehmest (ohne Reparaturen)? Wirst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel (ihn nach deinem Willen pfeifen lassen)? Oder wirst du ihn binden (zum Sklaven machen) für deine Mägdlein (sodaß du sie zu einem Festmahl oder zu einer Versammlung Führen kannst)? Gesellschaften - Luther - (von Aktionären) werden ihn verhandeln (das, Einkommen, das er abwirft);
sie werden ihn unter Kaufleuten verteilen, (Ps. 74:14)

Du wirst seine Haut mit zugespitzten Eisen (Eisenbolzen) füllen, und seinen Kopf mit einer Kajüte von Fischern (einem verdeckten Raum, ähnlich wie die Kojen oder Kabinen auf Fischereifahrzeugen), Lege deine Hand an ihn, gedenke des Kampfes (der innerhalb des Kessels tobt) und du wirst keine weiteren Fragen stellen. Siehe, da sein Vertrauen (Kessel) betrogen wird (nicht ordentlich mit Wasser versorgt), wird nicht seine mächtige Form auseinander gerissen (durch eine Explosion)? Es ist niemand so kühn, daß er ihn aufreize (seine allerhöchste Geschwindigkeit zu entwickeln), und niemand, der sich vor ihn stellen dürfte (um überfahren zu werden). Wer wird sich mit ihm messen und die gleiche Ausdauer haben (ihn auf dem Geleise überholen)? Niemand unter dem ganzen Himmel, ausgenommen (einer wie) er selbst.

„Nicht will ich mit Stillschweigen übergehen seine Glieder, auch nicht die Ursache seiner Kraftfülle, auch nicht die Schönheit seines Baues. Wer kann die Oberfläche seines Gewandes aufdecken? Wer kann in das Doppelte seines Schildes (die überhängenden Teile der Kesselplatten) eindringen? Wer kann die Pforten seines Schildes (der Kesselenden) aufbrechen? Der Kreis seiner Zähne (Reihen von Bolzen) ist schrecklich. Seine Kraft hängt ab von Reihen von Schildern (Zahl und Stärke von Platten) / festverschlossen mit einem Siegel (mit Werg verstopft). Sie werden sich eins aus andere fügen, und seine Luft (Dampf) soll zwischen ihnen entweichen. Eins wird an das andere hängen. Sie werden zusammengeschweißt, sodaß sie nicht voneinander getrennt werden können. Bei seinem Riesen (wenn er aus seinem Zylinder faucht) wird Licht ausstrahlen, eine Flut von Licht, welche die Massen von Dämpfen durchdringt; und seine Augen (Kopflaternen der Lokomotive) werden wie die Augenwimpern der Morgenröte sein (wie Lichtstrahlen von der aufgehenden Sonne). Aus seinem flachen (Feuertür) werden flammende Fackeln hervorspringen, und (aus dem Rauchfang) werden glühende Funken hervorsprühen. Aus seinen Nüstern (Zylindern) wird Dampf hervorkommen wie aus einem siedenden Topf oder Kessel.

Sein Einatmen (Luftzug) wird brennende Kohlen anfachen, und eine Flamme wird aus seinen Rachen fahren. In seinem Halse wohnt Stärke, und die Einöde wird vor Freude hüpfen (eine blühende Ortschaft werden) in seiner Gegenwart, Die trennbaren Teile seines Leibes werden miteinander verbunden; alle werden an ihm befestigt; nichts wird schwankend sein. Sein Herz wird hart gemacht ähnlich wie ein Stein und wird fest sein wie ein Grundfelsen. Wenn er mit voller Geschwindigkeit geht, werden die Stärksten und Mutigsten fürchten, daß sie infolge von Unfällen sich selbst verlieren. Wenn Trockenheit ihn erhöht (oder ihn wild macht) so wird er keine Kraft haben zu widerstehen; indem die gebogene Wölbung (Feuerraum) fortgerissen wird, und ebenso die Rüstung. Er wird Eisen achten für Stroh und Erz für faules Holz. Der Bogenschütze kann ihn nicht in die Flucht jagen; Wurfgeschosse (des Krieges) verwandeln sich ihm in Stoppeln. Der (Schläge eines) Hammers wird wie Stoppeln geachtet; er wird frohlocken über das Stochern des Heizers. Gehauene (oder gekerbte) Bauhölzer (Schwellen) sind unter ihm; er wird einen Erddamm (oder Graben) auf dem Schlamm ausbreiten. Er wird (als eine Schiffsmaschine) die Tiefe (tiefe Stellen) wie einen Topf sieden machen (um seine Schraubenflügel). Er wird die See wie kochende Salbe erscheinen lassen. Er wird einen Pfad hinter sich leuchten lassen; man könnte glauben, daß die Tiefe sich grau färbt. (Ps. 194:26; Jes. 27:1). Auf der Erde ist keiner ihm gleich - gleich ihm, der so geschaffen ist, daß er nichts fürchten kann. Er kann alles, was hoch ist, übersehen (durch sein Werk kontrollieren); er ist in der Tat König über alles, was sich an Macht vorstellen läßt."

Um das Maß an „heiliger Einfalt" voll zu machen, wird im gleichen Band 7 (S. 117f.) auch noch das Bibelbuch Nahum für die Ausdeutung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts bemüht. Dazu liest man:

„Nahum, der nächste der heiligen Propheten, weissagte, nachdem er am Schlusse des ersten Kapitels das Kommen des Königs mit seiner guten Botschaft des Friedens für die sündenbeladene Erde prophezeit hatte, von einer in weiter Ferne liegenden Erfindung, die um die Zeit, wann das Königreich errichtet ist, eine alltägliche Erfahrung für die Menschheit geworden ist. Er beschreibt einen Eisenbahnzug in voller Fahrt (nicht ein Automobil, wie einige glauben), und wenn wir uns die Mühe nehmen, uns an Stelle des Propheten zu versetzen, so können wir genau sehen, was er in seiner Vision sah, und was er auf so interessante Weise beschrieben hat. Zuerst steht der Prophet da und sieht die Lokomotive auf sich zukommen und sagt dann: „Die Schilde sind gerötet (das Ding, das diesem großen Helden voraufgeht - die Kopflaterne - scheint hell), die tapferen Männer (der Zugführer und der Heizer) sind in Karmesin gekleidet (wenn die Flammen des Kesselfeuers am Abend den Standplatz der Lokomotivführer erleuchten, indem der Heizer die Tür öffnet, um Kohlen auf das Feuer zu werfen), die Wagen (die Eisenbahnwaggons) glänzen von Stahl (ihnen) voran fährt die Lokomotive, die zur Nachtzeit wie Stahl erglänzt) am Tage seines Rüstens."

Dann versetzt der Prophet sich im Geiste in das Innere des Zuges und blickt zum Fenster hinaus, wobei sich ihm der Anblick bietet, daß "die Lanzen werden geschwungen (die Telegraphenpfosten längs der Gleise scheinen auf und ab zu tanzen.) Die Wagen rasen auf den Straßen (eine Eisenbahn ist nur eine kunstvoll hergestellte Straße oder Weg über Land), sie rasseln (Luthers Übersetzung - sehr bezeichnend für Eisenbahnzüge in voller Fahrt). Ihr Aussehen ist wie Fackeln. (ein Eisenbahnzug bei Nacht in voller Fahrt sieht wie eine sich schnell bewegende riesige Fackel aus), wie Blitze fahren sie dahin." Des Weiteren sieht der Prophet im Geiste den Schaffner, der die Fahrkarten einsammelt, und sagt: "Er gedenkt seiner Edlen (der Schaffner verwendet fast seine ganze Zeit darauf, seine Passagiere zu kontrollieren und über die Zahl der Passagiere Buch zu führen etc.); sie straucheln auf ihren Wegen (versuchen, in einem schnell fahrenden Zuge zu gehen); sie eilen zu ihrer Mauer (zur nächsten Stadt oder Ortschaft); und das Schutzdach (der Bahnhof, die Station) wird aufgerichtet (der Gepäckmeister, Expreßmann, Postwagen, Hotelomnibus, neue Passagiere, die auf den Zug warten, und Freunde, die ankommende Passagiere abholen wollen, sie alle warten dort auf den einlaufenden Zug.) Die Türe an den Strömen sind geöffnet (die Türen der Bahnwagen werden geöffnet, und die Passagiere strömen heraus."

Einige wesentliche Aussagen noch mal als Faksimilie.
("Schriftstudien" Band 7 (Ausgabe 1925). Dort die Seiten 106-108 und 117).
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Vergleicht man jene Passage in der „Harfe Gottes" in welcher der wissenschaftlich-technische Fortschritt verherrlicht wird, so fällt schon mal auf, dass sie über weite Strecken mit jener Aufzählung identisch ist, welche man schon im Band 7 der „Schriftstudien" (S. 366) zu lesen bekam. Also sonderlich „angestrengt" hat der Herr Rutherford sich da wohl nicht, wenn er in der „Harfe Gottes" lediglich noch mal das abschrieb, was er zuvor im Band sieben hatte schreiben lassen.
Eben auf der Seite 366 dieses Buches liest man schon:

Einige der Herrlichkeiten des neuen "Tages", seit 1874 entdeckt, sind eine Menge großartiger Erfindungen usw. wie: Additionsmaschinen, Aluminium, Antiseptische Chirurgie, Automatische Bahnkuppelung, Automatische Pflüge, Automobile, Celluloid, Drahtlose Telegraphie, Dynamit, Eisenbahnsignale, Elektrische Eisenbahnen, Elektrisches Schweißen, Erntemaschinen, Eskalatoren, Feuerlose Kochapparate, Filme, Gasmaschinen, Induktions-Motoren, Kassaregistrierapparate, Korrespondenzschulen, Künstliche Farben, Leuchtgas, Luftschiffe, Nordpol, Panamakanal, Pasteursche Schutzimpfung, Radium, Radio, Rahm-Separatoren, Rauchloses Pulver, Riesenhohe Geschäftsgebäude, Röntgen-Strahlen, Schreibmaschinen, Schuhnähmaschinen, Setzmaschinen, Sprechmaschinen, Streichholzmaschinen, Südpol, Telephon, Untergrundbahn, Unterseebote, Vakuum-Teppichreiniger, Zweiräder, usw; vor allen Dingen aber die Enthüllung des göttlichen Planes der Zeitalter.

Immerhin muss man einräumen, dass die Auflistung in der "Harfe Gottes" (S.206, Ausgabe 1922, S 230 Ausgabe Bern; S. 220 Ausgabe Magdeburg 1929) noch ausführlicher ist. Da tauchen weitere Positionen auf, welche Band 7 der "Schriftstudien" noch nicht mit nannte, als da wären:
Celluloid präzisiert Rutherford jetzt als "bewegliche Bilder".
"Dunkelstes Afrika" nannte Band 7 so noch nicht.
Pikant, der Stacheldraht taucht erst bei Rutherford mit auf. Ansonsten gleichen sich die Aufzählungen weitgehend.

Die Ausgabe Magdeburg 1929 muss man wohl gesondert bewerten. Einmal fehlt in ihr der ominöse Stacheldraht. Zum anderen weiß sie mit zusätzlichen aufzuwarten, was in den vorangegangenen Auflagen noch nicht mit enthalten war, als da wären Rolltreppen und Fernsehen!

Diese Technikeuphorie fand nicht „im stillen Kämmerlein" nur statt. Mag man in den Käuferschichten des Band 7 der „Schriftstudien" auch im wesentlichen nur die eigentlichen WTG-Anhänger sehen; so findet man parallele Aussagen auch in den für das breite Publikum bestimmten Werbeschriften. So etwa auch in der 1923 erschienenen Rutherford-Broschüre;
„Die Welt in Not - Warum? Das Heilmittel".
Auch darin wird der Leser belehrt:

„Es ist interessant zu wissen, wie der Herr vor vielen Jahrhunderten durch seinen Propheten Nahum einen fahrenden Eisenbahnzug schildert, mit der Bemerkung, dass dies zu einer bestimmten Zeit eintreffen werde. Auch diese Prophezeiung hat sich erfüllt. Siehe Nahum 2: 3 - 6.
In Band VII der Schriftstudien „Das vollendete Geheimnis" wird die symbolische Sprache Nahums erklärt, selbst das erschüttern und stoßen fehlt nicht, ebenso wenig die Fahrkartenkontrolle, das aussteigen usw.
Von dem heute bei den Nationen in Gebrauch gekommen Luftfahrzeugen weissagte der Prophet schon vor Jahrtausenden. Ebenso die drahtlose Telegraphie, die rings um den ganzen Erdkreis ihre Botschaften aussendet verkündet Gottes Prophet vor langer Zeit."

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Passend begegnet man dieser „heiligen Einfalt" auch in dem speziell für Kinder gedachten Buch des W. E. Van Amburgh aus dem Jahre 1924 „Der Weg zum Paradiese", zu der Rutherford eigens ein Vorwort schrieb.
Man ist bei seiner Lektüre denn auch keinswegs mehr erstaunt zu vernehmen, dass die große Pyramide zu Gizeh in Ägypten, vorgeblich von

„Sem, der Sohn Noahs, ein treuer Diener Gottes, (der) mit dem Bau der Pyramide beauftragt worden war", stammen soll.
Wahrscheinlich stammen solcher Art „Erkenntnisse" aus demgleichen Kaffeesatz-Grund, der schon die erstaunliche „Erkenntnis" über die „Beschaffenheit der Engel" zutage förderte.

Die schon geschilderte Technikeuphorie lässt man sich selbstredend auch nicht entgehen. Sie wird lediglich noch mit einer speziellen Variante „angereichert" die da sein sollte:
„Die Fürsten werden leicht ihre Anweisungen in alle Teile der Erde senden können. Wir können uns vorstellen, dass alle Völker, wenn zum Beispiel Abraham einige allgemeine Belehrungen zu geben haben wird, aufmerksam seinen Worten lauschen werden, ganz als ob sie in einen Saal von einer Rednertribüne aus zu ihnen reden würden.
Wenn jemand wünschen würde, Jerusalem zu besuchen und die Fürsten von Angesicht zu sehen, oder die Fürsten andere Erdteile besuchen wollen, werden vollkommene Fahrzeuge, vielleicht Aeroplane bereit sein, in denen man in kürzester Zeit von allen Teilen Erde nach Jerusalem oder umgekehrt gelangen kann."

Noch 1925 kann man als einem wesentlichen Charakteristikum, dieser Technik-Euphorie begegnen. Etwa wenn man in der 1925 erschienenen fünften Auflage des „Photo-Dramas der Schöpfung in Wort und Bild" liest (S. 180):
„Jeder weiß das innerhalb der vergangenen Jahrtausende die Buchdruckerkunst auf jedem Gebiete der Anlass einer größeren Entwicklung der Erkenntnis gewesen ist, als es während der vorhergehenden neununfünfzig Jahrhunderte möglich war. Jeder weiß, das Telegraphie, Telephon, elektrische Bahnen, Dampfschiffe, Automobile usw. , wie wir sie heute haben, vor 100 Jahren unbekannt waren.
Aber obgleich wir wissen das dies wahr ist, scheint es doch der aufwachsenden Generation fast unverständlich. Diese Dinge sind so allmählich gekommen, dass nur wenige erkennen, dass sie Vorboten des großen Tausendjahrtages des messianischen Königreiches sind unter welchen der Fluch völlig entfernt und anstatt dessen der lang verheißen Segen Gottes überströmend auf die Menschheit ausgegossen wird."

Auch in der Rutherford-Broschüre aus dem Jahre 1926 „Die Wiederkunft unseres Herrn" begegnet man der Technikeuphorie. Charakteristikum dieser Schrift ist noch (was sich kurze Zeit später noch ändern sollte), dass man die „Endzeit" im Einklang mit Russell, 1799 beginnen lässt und die „geistige Wiederkunft Christi für 1874" terminiert. In dieses Korsett wurde dann noch die Technikeuphorie hineingepresst, etwa in der Aussage:

„Die Volksschule deren Gegner das Papsttum immer gewesen ist, wurde zu einem Mittel der Erziehung und der zunehmenden Erkenntnis aller Stände. Auf der ganzen Erde wurden Gymnasien und Universitäten errichtet, mit der wachsenden Erkenntnis auf allen Gebieten folgten zahlreiche Erfindungen, so dass die Menschheit heute viel Zeit und arbeitssparende Maßnahmen u. a. m. besitzt. ... Im Jahre 1831 wurde die erste mit Dampf getriebenen Lokomotive erfunden. ... Wenn heut Urahn würden auferstehn, und Radio hören, Flugschiff fliegen sehen, so möchten vor Erstaunen Sie vergehn, wenn nicht die Bibel sie es ließ verstehen, dass alle diese Wunder nur geschehen weil Christ Königreichherrschaft nun bricht an."

Einen zeitgenössischen Eindruck kann man auch dem von der WTG (in Englisch 1908 und Deutsch 1912) veröffentlichten "Beröer Handbuch zum Bibelunterricht" entnehmen. Seine Konzeption bestand insbesondere in der inhaltlichen Zusammenfassung aller bis dahin getätigten WTG-Aussagen. Und so liest man etwa auf S. 247, 248, die Endzeit habe 1799 begonnen. Und in Heranzerrung der dazu vermeintlich "passenden" Bibelstelle, wird das ehrfürchtig lauschende Publikum wie folgt belehrt:
"Das erste Dampfschiff fuhr 1807, die erste Dampf-Lokomotive 1831, der erste Telegraph wurde 1844 in Betrieb genommen.
Sir Isaak Newton wurde von Voltaire dafür, daß er aus dieser Prophezeiung folgerte, daß demnächst die Menschen 50 engl. Meilen in der Stunde reisen würden, als ein "kindisch närrischer Greis" bezeichnet."

Nun mag es in der Tat so sein, wie die Zitierung von Voltaire auch veranschaulicht, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt auch noch bei einigen anderen bewirkten, dass sie vor Staunen den Mund nicht mehr schließen konnten.

Indes muss die Frage gestattet sein, wer sich im Rückblick als der eigentlich "kindisch-närrische Greis" erwiesen hat.

Selbst bei Aspekten, wo man es auf den ersten Blick nicht vermuten würde, kann man dieser Technikeuphorie (eingebaut ins Gesamtkonzept) begegnen. Ein solches Beispiel ist die 1918 erschienene WTG-Broschüre „Die Bibel gegen die Evolutionstheorie".

Nun dass die Evolutionstheorie auch seitens der Bibelforscher abgelehnt wird, war zu erwarten. Insofern verwundert ein solcher Broschürentitel keineswegs. Das „Staunen" kommt dann erst bei den Details.
Die Broschüre ist so konzipiert, dass sie die Wiedergabe eines fiktiven Gespräches zwischen einem presbyterianischen Christen und einem WTG-Anhänger darstellen soll. Und da belehrt der Bibelforscher seinem Gesprächspartner etwa auch wie folgt:

„Im Einklang mit der Bibel halte ich dafür, dass die wunderbare Zunahme des Wissens nicht ein Resultat der Evolution ist, sondern das Ergebnis göttlichen Einwirkung zur Jetztzeit, dass es einer der Eigentümlichkeiten dieses „Tages seine Zurüstung" ist, an dem sich alles vorbereitet für das Tausendjährige Reich. Wenn die Lehre von der Fortentwicklung richtig wäre, so würde diese Zunahme an Wissen während der Vergangenheit eine allmähliche gewesen und nicht eine plötzliche, wie sie jetzt gegen den Schluss der Geschichte des Menschengeschlechts, in diesem Jahrhundert und besonders während der letzten 50 Jahre uns vor Augen tritt. Auch möchte ich die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass die „Zunahme an Wissen", dass „Hin und Herrennen" der verflossenen 60 Jahre begleitete und demselben folgte. Zu „Seiner Zeit" hat es dem Herrn gefallen, die Aufmerksamkeit des Menschen auf die Kraft des Dampfes und der Elektrizität zu richten und ihm Weisheit zu geben, sich dieselben dienstbar zu machen."

Und weiter ins Detail gehend belehrt er:
„Die ganze Welt scheint hin und her zu rennen, genauso wie es dem Propheten vor 2400 Jahren geoffenbart wurde. Wir selbst „rennen" in in diesen Augenblick mit einer Geschwindigkeit von 50 (engl.) Meilen die Stunde und der Zug ist gedrängt voll und wir wissen, dass andere Züge in ähnlicher Weise mit Menschen belastet nach den verschiedensten Richtungen dahineilen. Man wundert sich das so viel „Hin und Herrennen" ist, und es nimmt jedes Jahr zu. Und merken Sie mein Freund dass die Eisenbahn das Dampfschiff und die elektrische Bahn die dieses „Hin und Herrennen" gestatten, diesem Jahrhundert angehören. Bedenken sie ferner dass Sie und ich jetzt seit den letzten 25 Jahren wahrscheinlich mehr Meilen Landes gereist sind als ihre und meine Vorfahren in dem Zeitraum von 6000 Jahren bis auf Adam zusammengenommen."

Weiter diesen Faden spinnend wird reflektiert:
„Während vieler Jahrhunderte hatte Wasser in Tropfen gekocht und Kesseldeckel hatten gerasselt, ehe Watts Sinn auf die Beobachtung des Dampfes gelenkt wurde und ihn zum Nachdenken darüber brachte, auf welche Weise die Kraft nutzbar angewendet werden könnte. Ähnlich einfach waren die ersten Gedanken betraf solcher mechanischen Erfindungen die von dem Dampf und später von der elektrischen Kraft weiteren Gebrauch machten. Ohne jene einfachen Gedanken zu denen wie ich glaube die göttliche Vorsehung zu „seiner bestimmten Zeit" führte, möchten diese großen Faktoren des Erwachens unseres Jahrhunderts noch jahrhundertelang unbeachtet geblieben sein, wie in den vergangenen Jahrhunderten."

Es ist allerdings so, dass man glaubt diese Entwicklung nicht uneingeschränkt begrüßen zu können. Das kommt dann in der Aussage zum Ausdruck:

„Trotzdem kann man sich der Tatsache nicht verschließen, dass im Gegensatz zu allen Erwartungen, die man betreffs des Fortschritts hegte, diese vorher nie geträumten Segnungen und Annehmlichkeiten unserer Zeit augenscheinlich nicht dazu angetan sind, zur Förderung von Glückseligkeit und Zufriedenheit unter den Volksmassen beizutragen. Im Gegenteil, es ist wahrzunehmen, daß, je mehr und größer die Segnungen sind deren man sich erfreut, desto größer im allgemeinen in den nicht erneuerten Herzen die Unzufriedenheit ist."

Diese Unzufriedenheit, so meint man, würde sich potenzieren und zu gewaltigen gesellschaftlichen Verwerfungen führen. Der „große Zampano" (der Begriff kommt so nicht in der Broschüre vor, ist aber in der Substanz gemeint), solle und müsse dann alles richten, was da so schief gelaufen ist und noch läuft

„Knusper, knusper Mäuschen, wer knappert da denn an mein Häuschen ..." Generationen von Kinder lassen sich immer wieder von Märchen in ihrem Bann ziehen. Ein Märchen für Erwachsene lieferte offenbar diese Religionsorganisation

„Triefend-ungenießbar" auch jene Passage zum Thema im Rutherford-Buch „Leben" indem er ausführt (S. 20) daß
„Gott den Propheten Daniel vorher weissagen (ließ), daß zu jener Zeit sowohl ein großes Hinundherrennen als auch eine Zunahme des Wissens sein würde. (Daniel 12:4,10) Daß wir heute in dieser Zeit leben, ist gewiß. Es ist kaum nötig, sie auf diese Tatsachen aufmerksam zu machen, weil Sie wohl wissen, daß man von den raschen Verkehrsmitteln unserer Zeit in den Tagen Ihrer Jugend nicht einmal geträumt hat."

Dieser Aussage mag man ja noch teilweise zustimmen. Dann aber geht es weiter, und dass ist der „eigentliche Hammer" mit der Aussage:

„Gewiß sind die Leute, die diese raschen Verkehrsmittel handhaben oder herstellen, keineswegs so weise wie Salomo, warum aber führten Salomo und andere Leute seiner Zeit diese wundervollen raschen Verkehrsmittel nicht ein? Die einzige Antwort darauf ist, daß damals Gottes bestimmte Zeit hierfür noch nicht gekommen war."

Wenn das die „einzige Antwort" sein soll, dann kann derjenige der das so postulierte, einem eigentlich leid tun. Zumindest ist sie ein Ausdruck hochgradiger ideologischer Verblendung und namentlich von Wunschdenken der ewig Gestrigen (oder in anderer Lesart jener, welche in einer „Klappsmühle" als dem ihnen angemessenen Aufenthaltsort, weiter besser aufgehoben wären.) Offenbar war das aber nicht der Fall. Solche Typen dürften die Menschheit als Religionsorganisations-Leiter „beglücken".

Wie sie denn prinzipiell im Nebel herumstochern, macht auch die nachfolgende Aussage aus Band 7 (S. 166f.) deutlich:
„Ein Brief von einem im Bethel arbeitenden Bruder, kurz nach dem Tode Bruder Russells geschrieben, lautet: "Vor etwa drei Monaten stellte ich bei Tisch verschiedene Fragen, die letzte war wie folgt:

"Da ich sehe, daß die jüdische Zeit der Drangsal nicht vor dem Jahr 73 nach Chr. endete, wie ich mich durch Forschen in Geschichtswerken völlig überzeugt habe, so frage ich, was sollten wir dann in dem Paralleljahre 1918 erwarten?" Bruder Russell fragte dann drei gut in biblischen Fragen beschlagene Brüder, was sie darüber dächten, und alle drei antworteten, sie wüßten es nicht, aber sie wären bereit, abzuwarten und aufzupassen. Als Bruder Russell mich dann fragte, sagte ich:

"Da im Jahre 73 nach Chr., der vollständige Umsturz des nominellen fleischlichen Israel in Palästina stattfand, so sollten wir nach meinem Dafürhalten in dem Paralleljahre 1918 den völligen Umsturz des nominellen geistlichen Israels erwarten, das heißt den Fall Babylons (Off. 18)"

Bruder Russell erwiderte; "Ganz genau, das ist genau das, was man daraus schließen sollte."

Eine Untersuchung über einen „Evangelisten" aus dem Bereich Evangelische Kirche (Heukelbach) von Holm-Dieter Roch, kam schon in der Titelwahl zu einem durchaus eindeutigen Ergebnis, wenn es dem „Untersuchungsgegenstand" bescheinigte „Naive Frömmigkeit der Gegenwart" zu repräsentieren. Nun ist Heukelbach wohl in Deutschland ansässig; Russell hingegen in den USA. Diesen geographischen Unterschied kann man eigentlich „vergessen". Tut man es, kann man wohl sagen. Beide waren und sind auf ihre spezifische Art, Vertreter „naiver Frömmigkeit". Ob die da produzierte „Scheiße" nun lila-braun oder eben braun-lila letztendlich ist, kann als bedeutungslos eingestuft werden.

Welchen Hintergrund die Technikeuphorie zunehmend anzunehmen begann, lässt sich auch an dem Detailaspekt der Radio-Euphorie ablesen. Schon Russell hatte mit seinem "Photo-Drama der Schöpfung" einen "Verkaufsschlager" gehabt, lockte dieses doch so manchen in die Vortragssäle der WTG, der unter anderen Umständen sich dorthin wohl eher weniger "verirrt" hätte.

Einige Beispiele der Technikeuphorie aus dem "Photo-Drama der Schöpfung".

http://www.manfred-gebhard.de/Photodrama181b.jpg

http://www.manfred-gebhard.de/Photodrama184.jpg

http://www.manfred-gebhard.de/Photodrama190.jpg

http://www.manfred-gebhard.de/Photodrama181.jpg

http://www.manfred-gebhard.de/Photodrama180.jpg
http://www.manfred-gebhard.de/Photodrama183b.jpg

http://www.manfred-gebhard.de/Photodrama182.jpg

Dem wollte nun auch Rutherford nicht nachstehen, und als faktischer "Medienprofi" sagte ihm sein Instinkt. Das (damals neu aufgekommene) Radio gelte es zu nutzen. Selbige Erkenntnis sollte auch einem gewissen Goebbels in Hitlerdeutschland, einige wenige Jahre danach, noch motivieren.

Allerdings, Rutherford war ohne Zweifel, etwas schneller als Goebbels.
Und so lässt er denn in der 1927 erschienenen WTG-Broschüre "Freiheit für die Völker", voll euphorisiert wissen:
"Niemand war jemals imstande zu erklären, was Radio ist. Es ist eine unsichtbare Kraft, durch die die menschliche Stimme durch die Luft getragen wird und anderen in weiter Entfernung Nachricht bringt: was es aber eigentlich ist kann niemand sagen. Sicher aber ist, dass Gott das Radio bereitgehalten hat, welches er in seinen, vor vielen Jahrhunderten lösen Propheten aufgezeichneten Worte vorausgesagt hat (Hiob 38: 35). Daher musste auch im Verlauf der Entfaltung seines Planes die bestimmte Zeit kommen, dass Radio zu gebrauchen. Diese Zeit ist nun herbei gekommen, und Gott will es zum Segen der Menschheit benutzen."

Der vermeintliche Gott, der das alles wusste und "vorhersagte" erwies sich in der Praxis indes als ein ganz gewöhnlicher "Beamter". Im Falle Rutherford der von der National Broadcasting Company. Den galt es offenbar erst mal gefügig zu machen, was scheinbar auch gelang (wahrscheinlich versprach auch der sich ein Geschäft davon. Und wenn Amis irgendwo ein Geschäft wittern, dann ist natürlich vieles möglich). In der genannten WTG-Broschüre wird seine Überrumplung wie folgt beschrieben:
"Eine andere Frage wurde ihn (Aylesworth, Präsident der National Broadcasting Company) vorgelegt: "Wenn sie überzeugt wären, das erhabene Gott der Welt alles in kurzem seinen Plan zur Segnung aller Nationen und Familien der Erde in Wirksamkeit treten lassen wird, durch den er ihnen Frieden, Wohlergehen, Leben und Glückseligkeit verschaffen will, und überzeugt werden, dass der große Schöpfer wünscht, dass diese Botschaft durch das Radio verkündigt werde, würden sie anordnen, dass sie durch Rundfunk hinausgehe?"
Die Antwort lautete zustimmend und führte zu einem Angebot des Präsidenten der National Broadcasting Company, den Vortrag des Präsidenten der internationalen Bibelforscher- Vereinigung durch seine Radiostationen auszusenden."

Mit welcher Borniertheit diese Thesen verfochten wurde, macht auch eine Passage aus dem Rutherford-Buch „Versöhnung" deutlich (S. 60). Bekanntlich bezog Rutherford auch das Radio in seine diesbezüglichen Theorien mit ein.
Etwaige Kritiker daran, meint er jedoch mit den Worten „abkanzeln" zu können:
„Eins der Mittel, dieses wunderbare Werk hinauszuführen, ist das Radio, dass der Herr jetzt aufkommen ließ. Törichte Menschen die sich in ihrer Einbildung selbst für sehr weise halten, zögern nicht, zu behaupten dass das Radio das Ergebnis des Scharfsinns und der Genialität der Menschen wäre. Diese Erklärung ist nicht wahr. Vor dreitausend Jahren hat Gott vorhergesagt, dass eine Zeit kommen werde und wo er die Botschaft aussenden werde gleich dem Blitz und nichts würde im Stande sein sie aufzuhalten."

Ein Beispiel im Zusammenhang mit der Rutherford'schen Radio-Euphorie kann man auch seinem Buch "Regierung" entnehmen, wo er sich dazu (S. 225) wie folgt verbreitete:

"Seit 1918 hat der Herr das Radio für welches er ein von Grundlegung der Erde Vorsorge getroffen hat in Tätigkeit gesetzt. Durch das Radio ist die frohe Botschaft vom Königreich alle Nationen der Erde verkündigt worden. Gewiss bedienen sich auch selbstische Interessengruppen unter der Leitung Satans des Radios. Diese selbstischen Interessengruppen bemühen sich nun, den Gebrauch des Radios für die weite Verbreitung der Wahrheit zu verhindern. Jehova wird die Benutzung des Radios genau in dem Maße ermöglichen, wie es in dienlich erscheint. Er könne verändern dass der Feind sich störend ein einmischt, aber er lässt es zu, und er hat seinen guten Grund hierfür."

Fehlt blos noch als Ergänzung der "Weisheitssatz":
"Wenn der Hahn kräht auf dem Mist – ändert sich das Wetter, oder es bleibt so wie es ist".

Des einen Freud, des anderen Leid. Die verschlafene religiöse Konkurrenz, hatte die Entwicklung, welche sich da anbahnte, wohl anfänglich noch gar nicht mal so richtig mitbekommen. Als sie dann jedoch aus ihrem Schlaf erwacht, hieß für sie zunehmend die Parole. Diesen Rutherford wieder aus dem Radio zu vertreiben. Und rückblickend muss man sagen. Es gelang ihnen auch. Noch schien die Frage des Money (wer denn zahlungskräftiger und williger ist) dem Rutherford noch manch weiteren Radioauftritt zu ermöglichen. Offenbar hatten aber auch in der Frage, die anderen den längerem Atem. Und so gab es denn auch das skurrile Rückzugsgefecht, dass namentlich in Amerika, vereinzelt auch in der Schweiz, den Bewohnern per Grammophon oder sogar Lautsprecherwagen, Rutherford-Schallplatten an den Haustüren vorgespielt wurden. Dieser "Spuk" sollte sich allerdings in der Zeit nach Ende des zweiten Weltkrieges als weitgehend überholt erweisen.

Der neue Mann indes (N. H. Knorr) hatte wieder einen Einfall. Und so wurden denn zu Beginn seiner "Amtszeit", die aktiven Zeugen Jehovas (keinesfalls nur deren "Pioniere") gar verpflichtet (moralisch verpflichtet) 60 Stunden monatlich im Verkauf von WTG-Publikationen zu verbringen. Vom "Verkauf" redetete man in der offiziellen Sprachversion selbstredend nicht. Das war dann eben eine "gottesdienstliche Tätigkeit". Auch das mit der 60-Stunden-Quote ließ sich je länger je mehr, in dieser Rigorosität nicht aufrecht erhalten. Glaubten die Nazis mit ihren "Blockwarten", "alles im Griff" zu haben, so ist wohl auch die WTG-Organisation von einer solchen Geisteshaltung nicht weit entfernt!

Zu nennen ist beim Thema Technik-Euphorie auch die 1928 erschienene Rutherford-Broschüre "Die letzten Tage", welche schon durch ein entsprechendes Titelbild diesem Aspekt zum Ausdruck bringt.
http://www.manfred-gebhard.de/letzteTage.jpg

An Details liest man auch in dieser Broschüre:

"Warum also kam diese wunderbaren Erfindungen nicht zu seiner Zeit (Großvaters) ans Tageslicht? Warum ist die Entwicklung dieser wunderbaren Verkehrsmittel im kurzen Zeitraum der letzten fünfzig Jahre vor sich gegangen? Können Sie sich den Grund dafür denken? Sicherlich besitzen die Menschen unserer Zeit nicht größere Weisheit, als die Männer der Vergangenheit. Wie also ist dies alles erklären. In den Worten des Profeten Gottes, ... finden wie die Antwort nämlich:
Wir leben jetzt in der Zeit des Endes! Als einen Beweis dafür dass wir die „letzten Tage" oder die Zeit des Endes erreicht haben, nennt der Profet zum Beispiel das hin und her rennen und die Mehrung der Erkenntnis. Wohlverstanden, er sagte nicht dass die Klugheit der Menschen zunehmen würde sondern dass sie die vermehrte Erkenntnis erhalten würden, die Gott lange zuvor vorgesehen hat....
In Wahrheit aber hat Gott schon vor dreitausend Jahren durch seinen Profeten diesen drahtlosen Verkehr vorausgesagt. Es steht geschrieben: „Kannst du Blitze entsenden, dass sie hinfahren, dass sie zu dir sagen: „Hier sind wir?" (Hiob 38: 35). ... Trug nicht das, was wir die Kraft des Blitzes nennen (elektrische Kraft) die Botschaft zu ihnen?
Auch das Luftschiff hat Gott durch seinen Propheten schon vor Jahrtausenden vorausgesagt: „Wer sind diese, die wie eine Wolke geflogen kommen ungleich den Tauben zu ihren Schlägen?" - Jesaja 60:8
Der Profet Daniel, ... bestätigte, dass diese schnellen Verkehrsmittel, die Verständigungsmöglichkeiten auf weite Entfernungen hin und auch das Zunehmen der Erkenntnis Beweise dafür sind, dass wir uns in der Zeit des Endes oder in den „letzten Tagen" befinden.
http://www.manfred-gebhard.de/letzteTage2.jpg

Wer nun meinen sollte, irgendwann, würde diese Technik-Euphorieblase schon noch platzen, der müsste im Falle der WTG-Organisation allerdings ziemlich lange warten. Noch in dem 1928 erstmals erschienen Rutherford-Buch „Schöpfung" (S. 320; Ausgabe 1929 S. 304) begegnet man dieser Aufzählung. Vergleicht man sie mit den Aufzählungen in davor liegenden WTG-Publikationen, drängt sich eher der Eindruck auf, dass einzelne Positionen noch neu und zusätzlich in diese Auflistung mit aufgenommen wurden.
http://www.manfred-gebhard.de/Schoepfung.320.jpg

Der evangelische Theologe Rudolf Bultmann (eines der „roten Tücher" für die „evangelikalen Stiere"), erteilte dieser Geisteshaltung einmal eine eindeutige Absage, mit seinem Programm der sogenannten „Entmythologisierung". Hier aber in der WTG-Religion, feiert indes jene von Bultmann „überwunden" geglaubte Geisteshaltung fröhlich'sten Urstand.

Fortsetzung Parsimony.19647


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