Re: Speise zur rechten Zeit – 1873 - Ja, aber!


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 22. Oktober 2006 16:16:22:

Als Antwort auf: Re: Speise zur rechten Zeit – 1873 - Ja, aber! geschrieben von German am 22. Oktober 2006 15:38:54:

Zu einem Detail der Doppelfrage möchte ich meinerseits wie folgt Stellung nehmen.
"Gefälschte Wachttürme in der NS.-Zeit"????

Das wäre wieder allem sonstigem Erfahrungshorizont.
In Polen soll es gemäß Herrn Hirch solche Fälle zu kommunistischen Zeiten gegeben haben.
Auch dem sowjetischen KGB wird ähnliches nachgesagt.
Aber das NS-Regime. Bis zum Beweis des Gegenteils. Nein, nein und nochmals nein!

"Gefälschte Wachttürme" würde doch implizieren, dass man den Zeugen im NS-Regime eine begrenzte Lebenschance zubilligte. Genau darum mühten sich auch die Balzereit und Dollinger; allerdings ergebnislos.
Die Rasenmäherpolitik des NS-Regimes war zu solchen Differenzierungen in den ersten Jahren überhaupt nicht fähig.

Eine andere Frage wären die "Splittergruppen" der Zeugen, die es schon in der Weimarer Republikzeit, teilweise mit eigenen Publikationen gab.
Zwei wären da besonders zu nennen
"Botschafter für den Haushalt des Glaubens" Hrsg. von Friedrich Bösenberg. Etwa zur Zeit des ersten Weltkrieges gegründet. Der konnte sich (mit Modifizierzungen) bis Ende 1939 halten (25. Jg. 1939 Nr. 6; offenbar die letzte Ausgabe)

Zu nennen auch die "Aussicht" (in der zwei Vorläuferzeitschriften aus der Schweiz und Deutschland aufgingen ("Die Aussicht in die Neue Zeit" (etwa ab 1902) und "Beiträge zum Schriftverständnis" (etwa ab 1910). Zusammengefasst etwa ab 1922 als "Die Aussicht". Dieses Blatt konnte sich ebenfalls bis etwa 1940 halten. Das Heft 1940 Nr. 2 ist offenbar das letzte davon Erschienene.

Hinzufügen muss man aber auch ausdrücklich. Um diese Zeit (nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges) mussten auch noch eine ganze Batterie anderer religiöser Zeitschriften aus dem Bereich die Grosskirchen, gezwungermaßen ihr Erscheinen einstellen. Das es dabei auch genannte Bibelforscher-Blätter mit traf, lag in der Natur der Sache.

Immerhin belegt das Schicksal der beiden genannten Blätter. Mit einer etwas geschmeidigeren Politik hätte es (vielleicht) auch für die Zeugen in der NS-Zeit noch eine Chance gegeben, wenn man denn ernsthaft wollte.

Genau dieser ernsthafte Wille war allerdings, jenseits des großen Teiches, eben
n i c h t
vorhanden.


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