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Geschrieben von Th. R am 21. November 2001 18:01:24: Als Antwort auf: Re: Noch in unserer Generation geschrieben von Xaver am 21. November 2001 13:46:44: Wenn sich Prophezeiungen nicht erfüllen Wer sich näher mit dem Phänomen auseinandersetzt, wird dabei unweigerlich auf die Arbeiten von Leon Festinger und seine 'Theorie der Kognitiven Dissonanz' stoßen [Festinger, 1978]. Ein soziologisches Experiment PROPHEZEIUNG VON PLANETEN CLARION AN DIE STADT: FLIEHT VOR DER FLUT. SIE WIRD AM 21. DEZEMBER ÜBER UNS HEREINBRECHEN. NACHRICHT VOM WELTRAUM AN BÜRGERIN Unter dieser Überschrift erfuhren die Leser der Zeitung 'Lake City Herald' im September von der Hausfrau, Marian Keech, die seit neun Monaten Nachrichten von Außerirdischen bekam. Bis zum September hatte sich um Frau Keech bereits eine Gruppe von Anhängern geschart, unter ihnen auch der Mediziner Dr. Armstrong, aus einer College-Stadt in einem nahegelegenen Staat, und seine Ehefrau. Unter den Studenten warb er weitere Anhänger, so daß es zwei Gruppen in zwei Städten gab. Als der 21 Dezember näherkam, kündigten einige der Anhänger ihre Jobs, andere verschenkten ihre ganze Habe. Fast alle aus der Gruppe verkündigten ihren Glauben in der Öffentlichkeit. Dr. Armstrong verlor im Dezember seine Stelle im Krankenhaus und erregte damit weites Aufsehen. Die Gruppe hatte aber kein Interesse ihre Botschaft zu verbreiten und lehnte Gespräche mit der Presse und Medien ab. In der Woche vor dem großen Tag klingelte im Haus von Frau Keech unuterbrochen das Telefon, Besucher kamen beständig um Aufklärung zu erfahren oder sich sogar der Gruppe anzushließen. Reporter wurden kalt abgewiesen, während man Besucher freundlich umsorgte, aber nur sporadisch versuchte ihnen die Überzeugungen zu erklären. Frau Keech erhielt am abend die Nachricht, daß um Mitternacht ein Besucher käme, der die Gruppe zu einer fliegenden Untertasse begleiten würde. Mit dieser würde sie vor der Flut in Sicherheit gebracht werden. Die Gruppe traf dann alle Vorbereitungen für den großen Zeitpunkt, verteilte Passwörter und entfernten alle metallenen Gegenstände von sich, da dies in dem UFO zu Gefährdungen führen könnte. Die Zahnfüllungen allerdings blieben verschont. In den letzten zehn Minuten versammelte sich die Gruppe im Wohnzimmer. Sie saßen rum und hatten nichts zu tun. Sie schauten auf die Uhren, die auch noch unterschiedliche Zeit anzeigten. Frau Keech betonte nochmal ihre Überzeugung kurz vor Mitternacht. Die Zeit ging vorbei. Erstaunlicherweise gab es erstmal keine Reaktion in der Gruppe. Alle schwiegen. nach und nach wurde die Atmosphäre unbequemer, so daß Dr. Armstrong und Frau Keech ihre Überzeugung nochmal wiederholten. Die Vorhersagen und Nachrichten wurden nochmal überprüft. Um 4.00 Uhr morgens brach Frau Keech in Heulen aus. Die Gruppe verlor ihre Gelassenheit. Um 4.30 Uhr sprachen die meisten in der Gruppe offen über den Fehlschlag. Um 4.45 Uhr bat Frau Keech um die Aufmerksamkeit der Gruppe, um ihnen eine neue Nachricht mitzuteilen. Sie erklärte dann mit vielen Sätzen, daß Gott unter diesen Menschen gewirkt hat, und durch zwei der Menschen gesprochen habe. Die Kraft und das Licht das den Raum erfüllt, wird die ganze Erde erfüllen. Dadurch daß Gott durch zwei in dem Raum gesprochen hat, bekundete er was er uns zu tun gedenkt. Ihre Erklärungen wurden enthusiatisch aufgenommen. Die angemessene und elegante Erklärung löste das Unbehagen auf. Die Gruppe hatte durch ihren Glauben die Welt vor der Flut gerettet. Aufgrund einer weiteren Nachricht, die Frau Keech erhielt, sollte die Erklärung für die Rettung bekannt gemacht werden. Man suchte danach den Kontakt zu Reportern, und versuchte mit großer Hingabe, weiter Besucher als Anhänger zu gewinnen. Die zweite Gruppe von Anhängern, die Studenten um Dr. Armstrong, waren zumeist in den Weihnachtsferien. Isoliert von den anderen, zeigten sie ein ganz anderes Verhalten. Sie verwarfen ihre Überzeugung. In der zweiten Gruppe gabe es keine Versuche, die Nachricht weiterzuverbreiten oder neue Anhänger zu gewinnen. Festinger und seine Mitarbeiter zeigten mit ihrer Studie, daß der Fehlschlag einer Vorhersage oft den gegenteiligen Effekt hat, was man als Beobachter normalerweise erwarten würde. Die Sekte löst sich nicht etwa auf, sondern sucht verstärkt neue Anhänger zu gewinnen. Einige Mitglieder scheinen einen noch festeren Glauben an ihre Überzeugungen gewonnen zu haben. Festinger bemerkt dazu [Festinger & Schlachter, 1989]: Jemanden mit Überzeugungen kann man schwer ändern. Wenn man ihm sagt, man sei anderer Meinung, wird er sich von einem abwenden. Wenn man ihm Fakten oder Zahlen nennt, wird er die Quelle anzweifeln. Wenn man an seine Logik appeliert, wird er den entscheidenden Punkt nicht sehen. Wir haben alle schon erlebt, wie fruchtlos es ist, jemanden eine starke Überzeugung auszureden, besonders wenn der Überzeugte einiges in seinen Glauben investiert hat. Wir sind mit den einfallsreichen Abwehrmechanismen vertraut, mit denen Menschen ihre Überzeugungen schützen und sie durch die verheerendsten Angriffe retten. Angenommen jemand glaubt etwas von ganzem Herzen und er habe weiter aufgrund seiner Überzeugung unwiderrufliche Schritte unternommen. Man lege ihm Beweise, eindeutige und unleugbare Beweise vor, daß seine Überzeugung falsch ist. Was wird passieren? Die Person wird oft daraus nicht nur unerschütterlich, sondern noch mehr überzeugt von der Wahrheit seines Glaubens hervorgehen. Tatsächlich wird er vielleicht noch leidenschaftlicher als vorher Leute von seinen Ansichten zu überzeugen und sie zu bekehren suchen. Wie kann auf klare Beweise so eine Antwort kommen? Fünf Bedingungen bilden den Rahmen in dem solches Verhalten auftreten kann: 1. Tabelle: Einige WT-Schriften, die auf das Jahr 1975 hinweisen Wachtturm 15.11.68, S.691
Sollten wir aufgrund dieses Studiums annehmen, dass im Herbst 1975 die Schlacht von
Harmagedon vorüber sein und die langersehnte Tausendjahrherrschaft Christi beginnen wird?
Vielleicht; wir wollen aber abwarten und sehen inwieweit die siebente 1000 Jahr Periode
der Menscheitsgeschichte mit der sabbatähnlichen Tausendjahrherrschaft Christi
zusammenfällt. ... Der Unterschied mag höchstens einige Wochen oder Monate, keinesfalls
Jahre ausmachen Weiter Aussagen die 1975 als Ende der 6000 Jahr Periode nennen, finden sich im Awake
(8.10.66, S.19), Watchtower (15.10.66, S.19 - 1.5.67, S.262 - 1.5.68, S.271) und im
Königreichsdient-englisch (March 1968, S.4 - June 1969 S.3). Die Artikel im Erwachet und
Wachtturm erschienen auf Deutsch jeweils drei Monate später. Der deutsche
Königreichsdienst hat nicht immer den gleichen Inhalt wie der englische. Die Prophezeiung
blieb nicht ohne Wirkung. Es interessierten sich zwar nicht mehr Menschen für ein
Bibelstudium (Das Verhältnis zu Zahl der Verkündiger blieb konstant), aber es ließen
sich dreimal mehr Interessierte taufen, im Jahre 1975 nahezu 300.000 Menschen. Zeugen
Jehovas verkauften ihre Häuser und kündigten ihre Job's, wie die Mitglieder der
UFO-Sekte kurz vor dem erwarteten Termin (Tabelle 2). Tabelle:Im Königreichdienst werden Brüder gelobt, die ihre Häuser verkauften! In der
Ausgabe Juni 69 bezeichnet man ein Hochschulstudium als unweise und sehr gefährlich(!) -
und lobte diejenigen, die nicht studierten. Königreichsdienst (englisch), May 1974 Yes,
the end of this system is so very near! Is that not reason to increase our activity? In
this regard we can learn something from a runner who puts on a final burst of speed near
the finish of a race. Reports are heard of brothers selling their homes and property and
planning to finish out the rest of their days in this old system in the pioneer service.
Certainly this is a fine way to spend the short time remaining before the wicked world's
end.-1 John 2:17.
Tabelle:Nach dem Fehlschlag werden in der WT-Literatur die einfachen ZJ als Schuldige
hingestellt! Wachtturm 1.1.76, S.3 Heißt das, daß die Menschheit nun bereits 6000 Jahre
innerhalb der Zeitspanne von 7000 Jahren gelebt hat, die Gott als seinen großen 'Ruhetag'
'segnete und heiligte'? Bedeutet es, daß Christi Tausendjahrherrschaft - die letzten 1000
Jahre dieses 'Ruhetages' - vom September 1975 an zu zählen ist? (1.Mose 1:27,31; 2:2,3;
Offb. 20:1-6). Nein, das ist nicht der Fall. ...Der Bericht läßt erkennen, daß zwischen
der Erschaffung Adams und der Erschaffung Evas, seiner Frau, Zeit verstrich. ... Ob dabei
Wochen, Monate oder Jahre vergingen, wissen wir nicht. Man vergleiche die Aussage vom 15.11.68 (Der Unterschied mag höchstens einige Wochen
oder Monate, keinesfalls Jahre ausmachen) mit der vom 1.1.76 (Ob dabei Wochen, Monate oder
Jahre vergingen, wissen wir nicht.) Es kommt eigentlich noch schlimmer. Die WTG-Literatur
warnt vor falschen Propheten und bezeichnet gleichzeitig die Zeugen Jehovas als Propheten
Gottes - siehe Tabelle 4. Tabelle:Man sieht sich als Propheten. Was ein falscher Prophet ist, weiß man auch.
Wachtturm 1.7.72, S.389 Dieser 'Prophet' war kein einzelner Mensch, sondern eine
Körperschaft von Männern und Frauen. Es war die kleine Gruppe der Fußstapfennachfolger
Jesu Christi, die damals als Internationale Bibelforscher bekannt waren. Heute sind sie
als christliche Zeugen Jehovas bekannt.
20 Doch der Prophet, der sich vermessen wird, in meinem Namen ein Wort zu reden, das ich ihm nicht geboten habe zu reden, oder der im Namen anderer Götter reden wird: Selbiger Prophet soll sterben. 21 Und wenn du in deinem Herzen sprichst: Wie sollen wir das Wort erkennen, das Jahwe nicht geredet hat? 22 Wenn der Prophet im Namen Jahwes redet, und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, welches Jahwe nicht geredet hat; mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet; du sollst dich nicht vor ihm fürchten. Selbst Jahre danach hat man aus dem letzten Fehlschlag offenbar noch nichts gelernt. In der WTG-Literatur tauchen nochmal Daten auf, die zumindest festschreiben, daß Das Ende der Welt noch vor dem Jahr 2000 kommen wird. Siehe Tabelle 5. Tabelle:Mit dem Wachstum um 1975 war man wohl so zufrieden, daß man die Masche danach
abgeschwächt nochmal versuchte. Aus den Fehlern nichts gelernt. Wachtturm 15.1.81, S.31
Und falls das böse System dieser Welt bis zur Jahrhundertwende bestehenbleiben würde -
was aber in Anbetracht der Entwicklung der Weltverhältnisse und in Anbetracht der
Erfüllung biblischer Prophezeiungen höchst unwahrscheinlich ist -, wären immer noch
einige von der Generation, die den Ersten Weltkrieg erlebt hat, am Leben. Es ist für einen Außenstehenden schon schwer zu begreifen, wie diejenigen unter den Zeugen Jehovas, die diese Fakten kennen, nicht nur weiterhin an ihrer Überzeugung festhalten sondern auch noch andere davon zu überzeugen suchen. Die Arbeiten von Festinger bieten einem wenigstens einen Erklärungsansatz, die psychologische Seite des Verhaltens dieser Menschen nachzuvollziehen. Ansonsten müßte man sie für hartgesottene Betrüger halten. Den Eindruck hat man von den meisten 'einfachen' Zeugen Jehovas eigentlich nicht. Leider haben sie ihren Glauben nicht gründlich grprüft, sondern sind Menschen gefolgt. Literatur
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