Mitteilungsblatt der deutschen Verbreitungsstelle des W.T.


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 24. Mai 2006 07:46:38:

Offenbar hatten sich Himmlers Pläne, die besonders prägnant in seinem „Bibelforscher-Schreiben" vom 21. 7. 1944 zum Ausdruck kamen, gleichwohl schon Vorläufer-Aktionen hatten und in der Aussage gipfelten, „dereinst" die Bibelforscher zur Pazifizierung des russischen Volkes einzusetzen.
Siehe dazu auch:
Himmlerbrief

Offenbar hatten sich diese Pläne auch schon bis zur Leitung der Untergrundorganisation der deutschen Zeugen Jehovas, herumgesprochen. Ein markantes Dokument dazu ist insbesondere das „Mitteilungsblatt der deutschen Verbreitungsstelle des W.T." vom März 1943, dass in einem einleitenden Beitrag "Neue finstere Pläne der Nazi gegen Jehovas Zeugen??" einige Reflektionen dazu anstellt.

Sollte es zur praktischen Realisierung jener Himmler'schen Pläne kommen, würde das ja wohl auch bedeuten, dass auch die in Betracht kommenden Zeugen Jehovas von einer gigantischen Umsiedlungsaktion betroffen wären. Das Diktatoren diesbezüglich keinerlei Skrupel haben, sollte nur relativ wenige Jahre später (1951), das Beispiel der Sowjetunion zeigen, wo die dortigen Zeugen Jehovas einer Zwangsumsiedlung nach Sibirien unterworfen wurden. Ähnliches hätte wohl auch Himmler noch praktiziert, hätten die äußeren Rahmenbedingungen, die Umsetzung seiner Pläne noch gestattet.

Genanntes „Mitteilungsblatt" nimmt nun ausführlich zu diesen (damals noch im Status der „Sandkastenspiele" befindlichen) Plänen Stellung. Und sieht man es recht, glaubte man sogar, diesen Widrigkeiten eine gewisse für die Organisationsinteressen der Zeugen-Organisation „positive" Note abgewinnen zu können. Jedenfalls ist der Tenor doch wohl der. Käme es zur Realisation dieser Pläne, das ganze als „Gottes Willen" hinzunehmen.

Herausragend in jenem „Mitteilungsblatt" auch die Rubrik „Fragenbeantwortung".
Das Thema der christlichen Auferstehungs-Erwartung aufnehmend, tönt man, doch ja keine falschen Erwartungen zu wecken. Namentlich sollte man jenen, die nicht bereit sind, sich für die Zeugenorganisation zu verausgaben, nicht diese Hoffnung erwecken. Also der drohende Zeigefinger! Nur wenn du uns zu Willen bist, gäbe es diese „Hoffnung".

Die Frage, was ist Kriegsarbeit? schneidet eine weitere Fragenbeantwortung an. Eine gewisse Doppelzüngigkeit der Macher jenes „Mitteilungsblattes" kann man dabei nicht übersehen. War doch für einige der Ihrigen selbst schon Angorakaninchenpflege als Arbeitsauftrag unter KZ-Bedingungen „Kriegsarbeit", die sie verweigerten. Auch begann zum Erscheinungstermin jenes „Mitteilungsblattes" schon massiv die Nazipolitik, Zeugen Jehovas etwa als Haushaltshilfen bei Nazioffizieren und anderes mehr einzusetzen. Wenn denn schon Angorakanichenpflege „Kriegsarbeit" sei, dann sind eben genannte „Dienstleistungen" auch eine Begünstigung solcher. Man hätte sich gewünscht, dass jenes „Mitteilungsblatt" auch diese Aspekte mit angesprochen hätte. Insgesamt bleibt der fade Beigeschmack zurück; dass einerseits das „Mitteilungsblatt" in der Frage was „Kriegsarbeit" sei, vor Überspitzungen warnt. Andererseits aber wohl kaum als echt „konsequent" bezeichnet werden kann. Und wenn es doch als „konsequent" angesehen werden soll, dann doch wohl nur im Sinne der "Radikalinski".

Das die Radikalinski-Doktrin vorherrscht macht auch der nachfolgende (durchaus im Kontext zum eben gesagten) stehende Beitrag „Das rote 'K'" ebenfalls deutlich. Bezüglich weiterer Details dazu, empfiehlt es sich jenes „Mitteilungsblatt" ohnehin einmal selbst zu lesen.

„Zwei Fragen zur selben Sache". Auch ein durchaus interessant zu nennender Beitrag in jener Ausgabe. Macht er doch zugleich den eigentlichen ideologischen Bankrott deutlich.
Zitat:

„Seit Jahrzehnten machen wir die Erfahrung, dass eine private Prophezeiung die andere jagt, die Kette ist nie abgerissen, aber nicht eine einzige davon ist bis jetzt eingetroffen, sondern alle sind fehlgeschlagen, wie es ja auch gar nicht anders sein konnte. Und keine der privaten Auslegungen hat jemandem etwas genützt."

Einerseits ist auch für die zeitgenössischen Zeugen Jehovas das „prophezeien" ein Grundbedürfnis. Andererseits kommen die Macher des „Mitteilungsblattes" nicht umhin zuzugeben, dass eben dieses vermeintliche Grundbedürfnis, zugleich ihre Achillesferse ist und auch weiterhin sein wird.

Ihre Strategie daher, offenbare Falscherwartungen in die Schranken zu verweisen und ex cathedra für sich in Anspruch zu nehmen. Nur jene „Prophezeiungen" die von „ganz oben" kämen, seien zulässig. Findet der einzelne in seinen bedrückenden Rahmenbedingungen „Stoff" für ähnliches, sei das schon nicht mehr erlaubt. Man übt sich also in der Quadratur des Kreises. Und weil dieses eben nicht aufgeht, aufgehen kann, ist man noch heute am „üben!"

Göbbels berüchtigte Rede im Berliner „Sportpalast" („Wollt ihr den totalen Krieg ...") ist auch willkommenes Beweismaterial für die Verunsicherten, um sie noch mehr zu verunsichern. Das alles mit einer Zielstellung; sie in die enge WTG-Hürde hineinzutreiben.

Man muss es wohl so sehen. Die Macher jenes „Mitteilungsblattes" lebten unter den Nazibedingungen im Untergrund. Sie waren selber Gehetzte. Viel zu verlieren im buchstäblichen Sinne, hatten sie ohnehin nicht mehr. Sie machten sich daher alle WTG-Radikalinski-Forderungen zu eigen, ja verschärften sie noch. Und Hauptnenner jener Radikalinski-Forderungen ist eben die freiwillige Selbstaufgabe des eigenen Ichs, zugunsten des Moloch „Organisation". Das war offenbar auch das verklärte Ziel, dem die Macher jenes „Mitteilungsblattes" und verwandtem zufieberten.

Ihr Fieberwahn erwies sie als betrogene Betrüger. In Vergangenheit und Gegenwart.
Details zu genanntem „Mitteilungsblatt" und verwandtem kann man sich jetzt in der ergänzten Datei
Mitteilungsblatt ...
selber ansehen.




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