RTL-Sendung gesucht


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 21. April 2006 06:27:43:

Im vorangegangenen Posting (17506)
wurde unter anderem die Einleitung zur Sendung erwähnt, dass da Meiser aus massiv eingegangenen Briefen zitierte, welche schon eine Vorverurteilung aussprachen, bevor die Sendung überhaupt ausgestrahlt wurde. Wie er weiter unter anderem erwähnte. Man habe auch schon weitere Sendungen zum Religionsthema gemacht, unter anderem auch zum Thema Zeugen Jehovas. In der Tat mehrere sogar zu dem Thema (bzw. auch als Thema innerhalb einer Sendung).

In einem in dem Buch "Talk auf allen Kanälen" abgedruckten Rückblick auf seine Sendereihe, geht Meiser auf die Zeugen Jehovas bezüglichen Sendungen nicht sonderlich ein. Es liegt ja in der Konzeption solcher Sendungen, das ihre Thematik "quer beet" ist. Immerhin kommt er in ein paar Sätzen auch auf die "Sekten-Sendungen" mit zu sprechen, wenn er schreibt:

"Sehr erfolgreich und offensichtlich auch gut - den keiner der Kritiker wagte, auch nur ein Wort zu sagen - waren Sendungen über die Zeugen Jehovas, die neuapostolische Kirche, die Scientologen oder um die zwielichtige Organisation "Fiat Lux" mit ihrer Heilsbringerin Uriella an der Spitze. Ihr Mann Icordo, die Reinkarnation von Johann Strauss Vater, der nicht die Tonart des Walzers "An der schönen blauen Donau" kannte, und viele andere "Gläubige" in cremeweißen Flanellanzügen begleiteten die in weiße Spitzengewänder und mit überdimensionalen Kreuzen behängte Uriella. Mit gen Himmel geöffneten Händen beantwortete sie die Fragen, assistiert von Icordo. Kritiker wurden als Lügner abgetan - übrigens eine immer wieder gern geübte Praxis bei allen Sektensendungen.

Ich gebe zu, ich konnte diese Dame aus dem schweizerisch-deutschen Grenzgebiet nicht ernst nehmen. Ich habe sie vorgeführt. Diese Dame, die ihr eigenes Badewasser vor der Kameras eines WDR-Teams mit küchenüblichen Holzlöffeln rührte und anderweitig malträtierte, weil es so heilsam und heilend wirkte. Nach der Sendung überreichte sie mir zwei Ampullen mit gelblich-grünlichem (Bade?-) Wasser. "Mein Wasser wird Sie, lieber Herr Meiser, heilen, wenn sie von Krebs oder AIDS befallen sind!" Volksverdummung der höchsten Güteklasse.

Und also luden wir die Dame und ihr Gefolge ein zweites Mal ein. Eine Sendung, die mit einem Eklat endete. Uriella und ihr ehrerbietig folgender Walzer-Gemahl verließen ganz ungöttlich wutentbrannt das Studio. Eine Kamera folgte ihnen bis nach draußen an das bereitstehende Fahrzeug, das die beiden Herrschaften zum Flughafen bringen sollte. Uriella verhüllte wie mancher Angeklagte vor Gericht vor den Kameras mit einer Stola ihr Gesicht. Und wieder hatte Michael Kohlhas seinen Auftritt: "Das Verhüllen hilft bei dem Gesicht auch nicht mehr!"

Tut mir leid, das war viel zu viel des Guten. Wenn ich auch zu dem Vorwurf stehe: "Diese Frau ist vorgeführt worden". Richtig, und wir haben das ganz bewusst gemacht. Nach allen uns vorliegenden Informationen, nach Aussagen der wenigen Aussteiger, nach Auswertung so manchen Gerichtsverfahrens blieb uns einfach nichts anderes übrig ..."

Eine Zeugen Jehovas spezifische Sendung von Meiser brachte es gar zu trauriger Berühmtheit, indem die WTG schon im Vorfeld sich mühte, via einstweiliger gerichtlicher Anordnungen, ihre Ausstrahlung zu verhindern, was ihr letztendlich aber nicht gelang.
Nachdem sie mit ihrem Anliegen in der ersten Gerichtsinstanz nicht zum Zuge kam, versuchte sie es dann noch mit einer Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Köln,. welches am 16. 9. 1997 darüber erneut zu entscheiden hatte.

Aus einem diesbezüglichen Bericht in der juristischen Literatur sei dazu einmal zitiert:
Auf ihrer Internetseite hatte RTL am 16 und 17. 1. 1997 eine Vorankündigung jener Sendung eingestellt.
"Dienstag, 21. 1. 1997, 16.00 Uhr
Hans Meiser, Thema: 'Zeugen Jehovas'

Im dazugehörigen Begleittext hatte RTL geschrieben:
"Die Führer, die sogenannte 'Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas', erheben den Anspruch, ein eigenes theokratisch organisiertes Volk mit 'richtiger Regierung, richtigen Gesetzen und richtigen Bürgern' zu repräsentieren. Das Verhalten wird von klein auf reglementiert (Kindergarten, Schule, Beruf, Freizeit, Geburtstage und Feste wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten als heidnische Gebräuche abgelehnt. Sogar gewisse Sportarten und selbst das Kindersingen sowie Bastelarbeiten der Kinder im Kindergarten sind verboten. Die Mitgliedschaft in Parteien, Gewerkschaften, Verbänden oder Vereinen ist nicht gestattet. Jehovas Zeugen sind angewiesen, sich von der Politik fernzuhalten, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Bundeswehr oder Zivildienst werden als Einrichtung abgelehnt! Selbst Bluttransfusionen im Notfall sind verboten und werden als unbiblisch bezeichnet. Über ihre Erfahrungen berichten heute ehemalige Zeugen Jehovas."

Auch Ralph Klein kommt in seiner Zeugen Jehovas bezüglichen Studie auf diesen Vorfall zu sprechen. Letzterer schreibt:

"Das Landgericht verurteilte die Sendeanstalt zunächst zur Unterlassung folgender Äußerungen:
"Kindersingen und Bastelarbeiten sind für Kinder von Zeugen Jehovas verboten." "Die Mitgliedschaft in..., Gewerkschaften, Verbänden oder Vereinen ist nicht gestattet."
Die Gemeinschaft ging gegen dieses Urteil vor dem Oberlandesgericht Köln in Berufung, da ihr diese Unterlassungsverpflichtungen offensichtlich nicht weit genug gingen und beantragte eine weitergehende einstweilige Verfügung. Doch die Berufung wurde von dem Gericht ... zurückgewiesen. ...
Zum anderen würde es sich bei den beanstandeten Äußerungen um subjektive, sich der Beweisbarkeit entziehende Auffassungen der Sendeanstalt handeln. Es würden keine Informationen oder Fakten mit geliefert, diese Äußerungen auf die Wahrheit zu überprüfen. Insoweit könne jeder Leser der Internetseite selbst entscheiden, ob er den Äußerungen folgen wolle oder nicht. Eine unzulässige Schmähkritik, die nur auf die Diffamierung der Zeugen Jehovas ausgerichtet sei, liege nicht vor.
Die Sendung wurde dann ohne die vom Landgericht beanstandeten Äußerungen ausgestrahlt."

In einem Bericht in der juristischen Literatur liest man dazu noch ergänzend:
"Die Kläger machen geltend, sie seien ... von den gerügten Behauptungen betroffen. Die von ihnen beanstandeten Äußerungen des Beklagten seien unwahr. Kindersingen und Bastelarbeiten im Kindergarten seien nicht verboten, vielmehr würden Eltern, die Zeugen Jehovas seien, angeregt, die Entwicklung ihrer Kinder auch durch diese Tätigkeiten zu fördern. Die Mitgliedschaft in Gewerkschaften, Verbänden oder Vereinigungen sei nicht verboten. Die Entscheidung darüber, ob der einzelne Zeuge Jehovas Mitglied in einer Organisation sein möchte, sei in dessen eigene Verantwortung gestellt. Feuerwehr, Rotes Kreuz oder Zivildienst würden als Einrichtungen nicht abgelehnt. Die Zeugen Jehovas seien im allgemeinen bereit, Dienste für die Gesellschaft zu leisten, und es gebe viele Zeugen Jehovas, die in einer dieser Einrichtungen tätig seien.

Das Landgericht hat die Beklagten zur Unterlassung folgender Äußerungen über den Kläger zu verurteilt:
"Kindersingen und Bastelarbeiten im Kindergarten sind für Kinder von Zeugen Jehovas verboten."
"Die Mitgliedschaft in … Gewerkschaften, Verbänden oder Vereinen ist nicht gestattet."

Im übrigen hat es den Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung zurückgewiesen ... Der weitergehende Antrag des Klägers sei unbegründet, da es sich um eine von dem Recht der freien Meinungsäußerung gedeckte Wertung handele, die die Grenzen der Zulässigkeit nicht überschreite. Die hiergegen gerichtete Berufung der Kläger blieb ohne Erfolg."

Nun muss ich noch anmerken. Ansonsten ist "RTL" nicht unbedingt mein "Standardsender". Ohne besondere Hinweise auf ganz spezifische Sendungen, frequentiere ich ihn eher weniger. So ist mir auch vorstehend genannte Sendung entgangen. Sollte jemand einen Mitschnitt davon haben, wäre ich sehr gerne, zur eigenen Meinungsbildung daran interessiert!


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