Die sieben Nachbarn – dritte Antwort – Punkt zwei: „Öffentliche Gerichtsfälle“

Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von + am 20. April 2006 23:52:37:

Als Antwort auf: Re: Die sieben Nachbarn – zweite Antwort – Punkt eins: „Was ist widernatürlicher?“ geschrieben von Marion am 20. April 2006 17:54:35:

Hallo Marion!

>>>Alles was ich mache ist klar und eindeutig für mich wie es biblisch begründet ist und nicht was die Meinung von Menschen auch wenn sie sich Ältesten nennen. Jetzt sind wir einen Schritt weiter.

Aber es ging mir um keines der Angesprochenen Themen.
Sondern ich wollte damit den Widersinn der Angewandten Rechtskomiteepraxis verdeutlichen.
Wobei das eigentlich Verbotene gerade deswegen erst recht reizvoll sein kann ;-)

Fälle in der vorangegangenen Art gibt es tausende.
Ich teile in den seltensten Fällen die Ansicht einer Mitschuld des Ausgeschlossenen
oder dass auch nur einer der Ausgeschlossenen VOR GOTT rechtskräftig verurteilt ist.

In der Rechtsprechung kennt man den Begriff „Verfahrensfehler“.
Urteile können aufgehoben werden wenn Verfahrensfehler vorliegen.

Die Wachtturm Gesellschaft maßt sich heute schon an über ihre Brüder zu richten.

Mehrfach schon habe ich das Bild verwand das wir
die kleinen Schäfchen
an den Stufen des Tempels Jehovas stehen
und versuchen unseren Gott annehmbare Anbetung darzubringen,
während roter Weihrauch,
den unser König - die Wachtturm Gesellschaft – seinen Götzen opfert,
uns den Atem raubt.

Ob wir es nun billigen oder nicht:
Wenn wir einem Ausgeschlossenen nicht die Hand reichen beteiligen wir uns an seiner Steinigung.
Wenn wir ihn jedoch „normal“ behandeln werden wir selber zu den Aussätzigen.

Ich sprach in meinem Schlusssatz von dem vergleichbaren Handeln des Sanhedrins.

Sowohl im Geist als auch in der Methode entspricht die Verfahrensweise der Wachtturm-Gesellschaft bei Gemeinschaftsentzügen weit eher derjenigen der Religionsführer, die in der jüdischen Nation an der Macht waren, als dem, was Jesus und seine Apostel gesagt hatten.

Das hat oftmals tragische Auswirkungen.

Dies verurteilte Jesus und seine Apostel.
Deswegen kam es zu einer Revolutionären Neuerung.
Weg von dem Tribunalen hin zu einem neuen Verfahren.

• Punkt zwei: „Öffentliche Gerichtsfälle“

Wenn es um Verurteilungen geht berufen wir uns gerne auf Matthäus 18:15-17
Wie soll demnach ein Fall behandelt werden?

1. (Matthäus 18:15) . . .Überdies, wenn dein Bruder eine Sünde begeht, so gehe hin, lege seinen Fehler zwischen dir und ihm allein offen dar. Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.
Täter und Opfer untereinander.

2. (Matthäus 18:16) . . .Wenn er aber nicht hört, nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache aus dem Mund von zwei oder drei Zeugen festgestellt werde.
Wenn hier von zwei oder drei Zeugen die Rede ist dann ist dies nicht gleichbedeutend mit drei Ältesten.

3. (Matthäus 18:17) . . .Wenn er nicht auf sie hört, sprich zu der Versammlung. Wenn er auch nicht auf die Versammlung hört, so sei er für dich ebenso wie ein Mensch von den Nationen und wie ein Steuereinnehmer.
Und hierum geht es mir.

Hier wurde also eine Straftat begangen.
Was war so anders an den neuen Verfahren das Jesus einführte?

Jesus sprach eben nicht mehr davon dass das Gesetzeswerk der Juden jeden Handgriff verurteilte.
Und das Öffentlich - vor der Versammlung Fehltritte behandelt werden sollten.

In einem Artikel mit der Überschrift „‚Eine Zeit zum Reden‘ Wann?“
erklärt der Wachtturm vom 1.September 1987 den offiziellen Standpunkt,
nach dem ein Zeuge selbst dann verpflichtet ist,
Vergehen eines anderen Mitglieds gegen die Regeln der Organisation,
die „zum Gemeinschaftsentzug führen“, aufzudecken,
wenn er damit bestehende Normen,
selbst einen Eid oder die Vertraulichkeit verletzt
wie im Falle eines Arztes,
einer Krankenschwester,
eines Rechtsanwaltes
oder jemandes anderen, der in vertrauliche Aufzeichnungen oder Mitteilungen eingeweiht ist.

Dem Übertreter ist der Rat zu geben, das Vergehen den Ältesten zu beichten.

Tut er das nicht,
dann, so heißt es,
fordere die Loyalität gegenüber Gott von dem Zeugen,
der von dem Vergehen weiß,
dass er die Sache den Ältesten denunziert.

Nur auf einem Gebiet wird die Vertraulichkeit als sakrosankt angesehen:
wenn es die eigenen Angelegenheiten der Organisation
und die Rechtskomiteesitzungen von Ältesten betrifft.

Obwohl es nicht selten vorkommt, dass die Frauen von Ältesten von besprochenen Fällen trotzdem Kenntnis erhalten.

So unglaublich es klingen mag:
Weniger als vier Jahre, nachdem diese Richtlinie festgelegt worden war,
veröffentlichte die Zeitschrift Erwachet! vom 8.März 1991 (Seite 7)
eine Aufstellung der „Rechte des Patienten“, darunter auch das folgende:

6. Vertraulichkeit hinsichtlich aller Mitteilungen und Unterlagen in Verbindung mit einer Behandlung.

Wie wir gesehen haben,
heben die Richtlinien der Organisation dieses Recht auf,
wenn es mit der Vorschrift in Konflikt gerät,
jeder Zeuge, der vom Vergehen eines anderen gegen die Regeln wisse,
müsse dies,
auch als Arzt oder Krankenschwester, aufdecken.

Ein Artikel von Dr. Gerald L. Bullock aus Plano in Texas,
der in der Zeitschrift Medical Economics vom 19.August 1985 veröffentlicht wurde,
macht deutlich, dass sich Zeugen tatsächlich gezwungen sehen,
trotz der ernsten Folgen als Informanten gegenüber Ältesten aufzutreten.

Wohlgemerkt - Folgen - nicht gerade für sich selbst - sondern für andere.

Dr. Bullock berichtet, er habe eine junge Zeugin eingestellt,
die seit Jahren eine Patientin und mit seiner Familie befreundet war.
Er bezeichnet „Toni“ (das ist nicht ihr wirklicher, sondern ein Deckname) als gute und gutgelaunte Mitarbeiterin.

Alles war in Ordnung, bis eine andere Zeugin (die er „Linda“ nennt und die „Toni“ bekannt war)
in seine Praxis kam.

Sie behauptete, sie sei nach einem Barbesuch in Houston, Texas,
von mehreren Männern vergewaltigt worden
und habe sich eine Gonorrhöe zugezogen.

Sie war schon bei einem anderen Arzt gewesen
und wollte nun einen weiteren Abstrich machen lassen,
um zu sehen, ob die Krankheit weg sei.

Er empfand es als unangebracht, ihre Behauptung, sie sei vergewaltigt worden,
in Zweifel zu ziehen,
und nahm nur den Abstrich vor,
der ergab, dass sie keine Infektion mehr hatte.

Eine Woche danach rief ihn Linda an und teilte ihm verärgert mit,
man habe ihr die Gemeinschaft entzogen
und sie werde jetzt von der eigenen Familie gemieden.

Sie drohte ihm einen Prozess an und sagte, sie sei sicher,
dass Toni die Information aus Dr. Bullocks Praxisaufzeichnungen entnommen
und den Ältesten hinterbracht habe.

Dr. Bullock stellt fest:

Ich war wie vor den Kopf geschlagen.
Ich konnte nicht glauben, dass Toni über eine Patientin Geschwätz verbreitete.
Ich hatte lang und breit mit ihr über die Schweigepflicht gesprochen, ehe ich sie einstellte.
Und in meinen Arbeitsverträgen steht,
dass die Strafe für das Verletzen der Schweigepflicht die fristlose Kündigung ist.
Als ich Toni zur Rede stellte, war ich noch fassungsloser, als sie offen zugab,
tatsächlich die Geschichte weiter getragen zu haben.

Sie erklärte, in ihrer Glaubensgemeinschaft werde von jedem Mitglied erwartet,
dass es den Kirchenältesten jedes andere Mitglied melde,
das ihre Lehren und Zuchtmaßnahmen missachte.

Als sie in Lindas Karteikarte wegen der Abrechnung
und der Versicherungsdaten nachgesehen
und dabei gelesen habe, was Linda mir erzählt hatte,
habe sie einige Zeit gebraucht, um zu entscheiden,
wem gegenüber sie in erster Linie loyal zu sein habe.

Schließlich habe sie die Geschichte den Ältesten hinterbracht.

Man sollte festhalten, dass sie bei ihren Überlegungen,
wem gegenüber sie sich loyal zu verhalten habe,
nicht etwa auf den Gedanken kam,
sie habe gegenüber ihrem Arbeitgeber und Bekannten die Verpflichtung,
ihn davon in Kenntnis zu setzen,
was sie mit den Daten aus seinen Praxisaufzeichnungen zu tun beabsichtigte.

Aufgrund ihrer Schulung als Zeugin sah sie das wohl nicht als wesentlich in Bezug auf Loyalität an.

Dr. Bullock fährt fort:

Schließlich und endlich hatte es sich nicht um gedankenloses Geschwätz gehandelt.
Damit wäre ich allerdings leichter fertig geworden als mit der Tatsache,
dass eine Angestellte und Bekannte, der ich vertraut hatte,
so etwas in voller Abwägung des Schadens für eine Patientin von uns
und für mich getan hatte.

Und doch empfand ich Lindas Geschichte der öffentlichen Denunziation als beinahe unglaublich.

Alle Zeugen, die ich kannte, schienen so liebenswürdig zu sein.

Ich konnte nicht glauben,
dass ihre Religion ein solches Weitererzählen von Dingen
und eine derartig rücksichtslose Vergeltung für Abtrünnige verlangte.

Ich rief einen leitenden Ältesten der Kirche an,
der seit dem Besuch der High School ein Freund war.

Er bestätigte mir das alles.

Er erklärte mir, die Kirchenältesten hätten erst gar nicht versucht,
den Wahrheitsgehalt von Lindas Vergewaltigungsgeschichte abzuwägen.
Sie war, so wie sie es sahen, irgendwohin gegangen,
wo sie nicht hätte hingehen dürfen;
sie habe etwas getan, was sie nicht hätte tun dürfen.

Und sie habe sich eine Krankheit zugezogen, die sie sich nicht hätte zuziehen dürfen.

Dafür hätte sie als Strafe einen „Gemeinschaftsentzug“ zu tragen
und werde nur wieder aufgenommen,
wenn sie die Ältesten von ihrer aufrichtigen Reue überzeugen könne.

Die Kirche habe sogar angeordnet,
sie müsse die gemeinsame Wohnung der Familie verlassen,
bis sie den Anforderungen für eine Absolution entspreche.

Zu Beginn des Anrufs war ich nur ärgerlich.

Doch jetzt, als der Älteste seine Ausführung beendet hatte,
war ich richtig wütend.
Ich fragte ihn, ob er sich klarmache, was seine Religionsgemeinschaft mir,
einem schuldlosen Unbeteiligten, angetan habe.

Er sagte, es täte ihm leid, aber wie Toni glaube er,
die Lehren seiner Kirche hätten Vorrang vor allen anderen Überlegungen.

Wie Toni fühlten sich er
und die anderen Ältesten anscheinend in keiner Weise moralisch verpflichtet,
den Arzt darüber zu informieren,
dass sie vertrauliche Daten von seiner Angestellten erhalten hatten
oder welchen Gebrauch sie von solchen gesetzlich geschützten Daten machen wollten.

Ihre Schulung als Zeugen ließ sie einfach nicht in solchen Kategorien denken.

Auf den Rat seines Rechtsanwaltes hin hielt es Dr. Bullock für unumgänglich,
Toni zu entlassen.

Er machte ihr nicht nur klar, warum das geschehen müsse,
er ließ auch ganz bewusst nicht zu, dass an ihrer Handlungsweise die Freundschaft zerbrach.

Er entschuldigte sich bei Linda und erklärte ihr, was passiert war.

Sie versprach ihm, ihn nicht zu verklagen,
da sie erkannte, dass ihn persönlich keine Schuld traf.

Dr. Bullock praktiziert inzwischen in einer anderen Stadt,
aber er sagt, er sei immer noch ein wenig „kopfscheu.“

Er schreibt,
„unsere ganzen teuren Berufshaftpflichtversicherungen gegen ärztliche Kunstfehler
sind keinen roten Heller wert, wenn ein Patient,
der auf diese Weise zum Opfer gemacht wird, vor Gericht geht und gewinnt“,
weil ein Bruch der ärztlichen Schweigepflicht nicht von ihnen abgedeckt werde.

Er hat nun eine Unternehmer-Police,
die eine hohe Personalhaftpflicht für seine Angestellten einschließt.
Allen neuen Angestellten wird die Geschichte von „Toni“ und „Linda“ erzählt,
und wenn sie nicht zusichern können,
dass ihre Glaubensansichten sie nicht dazu verpflichten,
die ärztliche Schweigepflicht zu brechen, stellt er sie nicht ein.

Als Grundlage für die nachdrückliche Forderung,
die Zeugen hätten die Ältesten selbst dann über Vergehen von Mitzeugen zu informieren,
wenn sie damit den Vertrauensschutz verletzen,
führt der vorhin genannte Wachtturm eine Vorkehrung im mosaischen Gesetz nach 3.Mose 5:1 an:
„Falls nun eine Seele sündigt,
indem sie eine öffentliche Verfluchung gehört hat,
und der Betreffende ist Zeuge
oder er hat es gesehen oder hat es erfahren,
dann soll er sich, wenn er es nicht berichtet, für sein Vergehen verantworten.“

Der Artikel (Wachtturm, 1.September 1987, Seite 13) kommt dann zu folgenden Schlüssen:

Das erlegt dem einzelnen Zeugen sicherlich eine große Last auf,
und der Verfasser des Artikels bemüht sich, in jedem,
der die Sünden von Mitzeugen nicht den von der Organisation ernannten Ältesten berichtet,
ein ebenso schweres Schuldgefühl zu erzeugen.
Man betont, die Reinheit der Versammlung
als alles bestimmender Faktor rechtfertige die bestehende Haltung.

Doch was „Reinheit“ ist, legen die Vorschriften der Organisation für die Zeugen fest,
egal ob die Bibel zu einer Sache etwas sagt oder nicht.
Und das Verfahren, „anderen [zu] helfen, rein zu bleiben“,
wird ebenfalls von der Organisation mit ihren Verfahrensregeln vorgeschrieben.
Das ist es, was in dem Beharren darauf, alle Mitglieder ständen unter
„Eid, die Versammlung rein zu erhalten“, so sehr Schlimmes ahnen lässt.
Der Wachtturm-Artikel führt zur Rechtfertigung,
warum der Vertrauensschutz verletzt werden darf,
den Fall einer unverheirateten Zeugin an,
die in einem Krankenhaus einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lässt.

Regeln die in die hunderten gehen können.

Ein Zeuge, der bei einem Steuerberater arbeitet
und aus Rechnungen ersehen hat, dass ein anderer Zeuge, der Unternehmer ist,
ein Dach auf einer Kirche errichtet oder dort eine Alarmanlage installiert hat,
könnte es als seine Pflicht ansehen, die Sache den Ältesten zu berichten.

Jemand, der anstelle von Wehrübungen
die Zuteilung für eine Arbeit in einem Altersheim angenommen
oder der auf einer Militärbasis Insektenvertilgungsmittel gestreut hat,
könnte angeklagt werden;
oder auch eine Frau, die mit Bettenmachen in einer Kaserne Geld verdient.

Jemand, der „unter Eid“ steht, könnte meinen, er müsse den Ältesten berichten,
dass ein Mitzeuge sage, er könne nicht an die Lehre glauben,
das Königreich bestehe seit dem Jahre 1914
oder Christus sei heute nur der Mittler für etwa 8.000 Menschen.

In dem Artikel wird zwar gesagt,
„Christen [seien] nicht verpflichtet, das mosaische Gesetz zu halten“,
man muss sich aber fragen,
wie man dieses besondere Gesetz denn heute auf Christen strenger anwenden kann,
als es der Verfasser des Artikels darstellt.

Die Unterscheidung zwischen „Gesetz“ und „Grundsatz“ wird zu einer reinen Frage der Bezeichnung.

Tatsache ist, dass Christen nicht bloß „nicht verpflichtet“ sind,
das mosaische Gesetz zu halten sie stehen überhaupt nicht darunter,
weder teilweise noch sonst wie.

Wir stehen ganz unter der liebenden Güte Gottes.

In dem Artikel wird nicht allein der „Grundsatz“, der hinter dieser Vorschrift steht,
angewandt (Römer 6:14; Galater 5:4, 18) der dem Interesse von Recht und Gerechtigkeit dient,
es wird vielmehr das Gesetz „nach dem Buchstaben“ angewandt,
und dies im Gegensatz zur Lehre der Apostel:

Jetzt aber sind wir von dem GESETZ entbunden,
weil wir dem gestorben sind, wodurch wir festgehalten wurden,
damit wir Sklaven seien in einem neuen Sinne, durch den Geist,
und nicht im alten Sinne, durch das geschriebene Recht.
(Römer 7:6)

Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.
(2.Korinther 3:6, Herder)

Die Anwendung im Wachtturm spiegelt eher die Haltung ‚Zurück zum Judentum‘
mit der Bemühung, Christen dazu zu bekehren, das Gesetz zu befolgen,
der Paulus so nachdrücklich entgegengewirkt hat, wider,
als dass sie dem Geist Christi entspricht.

Der Apostel warnt davor,
das Befolgen des Gesetzes bringe Christen unter eine „Verfluchung“:
genau die, auf die der Wachtturm-Artikel hinweist,
wenn er jedem, der nicht die dargelegte Richtlinie unterstützt, Schuld zuzuweisen sucht.
(Apostelgeschichte 15:5; Galater 3:1-5, 10-13).

Der Artikel bezieht sich sogar auf 5.Mose 27:26, wo zu lesen ist:
„Verflucht ist, wer die Worte dieses Gesetzes nicht in Kraft erhält, indem er sie tut.“

Um das zu erreichen, geht der Artikel sogar noch hinter das zurück, was im Gesetz Moses steht.

Zuerst wird gesagt, in 3.Mose 5:1 gehe es um folgenden Rechtsfall:
Ein Unrecht sei begangen worden und das Opfer fordere nun Zeugen auf,
eine Aussage zu machen, wobei es eine Verfluchung auf den Übeltäter herabruft.

In einer Fußnote wird die folgende, etwas abweichende Erklärung angeführt:

In dem Werk Biblischer Commentar über das Alte Testament, herausgegeben von Carl Friedr. Keil und Franz Delitzsch (1870), heißt es, die Vergehung oder Sünde würde darin bestehen, „dass jemand der um das Verbrechen eines anderen wusste, sei es dass er dasselbe gesehen oder auf andere Weise in gewisse Erfahrung gebracht hatte, mithin von Gericht als Zeuge zur Ueberführung des Verbrechers aufzutreten befähigt war, dies nicht tat und was er gesehen oder erfahren hatte nicht anzeigte, wenn er bei der öffentlichen Verhandlung über das Verbrechen die feierliche Adjuration [die besagte „Verfluchung“] des Richters hörte, durch welche alle Anwesenden, die um die Sache wußten, veranlaßt werden sollten, als Zeugen aufzutreten.“
(Wachtturm, 1.September 1987, Seite 13)

In Israel als eigenständiger Nation dienten Dorf- oder Stadtälteste als Gericht.
Sie behandelten nicht nur Vergehen oder Verbrechen,
sondern auch Zivilrechtsfälle, darunter alle möglichen Streitfälle zwischen Einzelpersonen.

Diese Fälle wurden in der ÖFFENTLICHKEIT am Stadttor geprüft.
(5.Mose 16:18; 21:19; Ruth 4:1)

Wenn Zeugen aufgefordert wurden, in einem speziellen Fall auszusagen,
geschah dies öffentlich,
und der Aufruf wurde möglicherweise von einer „feierlichen Adjuration“
oder, wie die Neue-Welt-Übersetzung sich ausdrückt,
einer „öffentlichen Verfluchung“ begleitet,
bei der die Zeugen verpflichtet wurden, auszusagen,
und zwar in direkter Gegenüberstellung.
(Vergleiche Sprüche 29:24; Matthäus 26:62, 63)

Eines der genauer beschriebenen Beispiele für eine Anhörung vor Stadtältesten
ist in Ruth 4:1-12 zu finden.

Es handelt von Boas, einem nahen Verwandten des verstorbenen Elimelech.
Boas möchte gerne als „Rückkäufer“ des Nachlasses des Toten auftreten.
Als Konsequenz wäre er zur Heirat mit der Moabiterin Ruth verpflichtet.
Er geht zum Stadttor und wartet, bis ein anderer Mann, der der nächste Verwandte ist
(und somit das Erstrecht als „Rückkäufer“ hat), daherkommt.
Boas holt zehn Älteste der Stadt zusammen,
die Angelegenheit wird vor ihnen und der versammelten Menge geregelt,
und er erhält das angestrebte Recht.
Er ruft alle, die Ältesten und die zusammengekommenen Menschen, an und sagt:

„Ihr seid heute Zeugen.“

Die sehr offene Art, in der die Dinge damals behandelt wurden,
entspricht nicht im geringsten der heimlichtuerischen Weise,
in der das von der Wachtturm-Gesellschaft eingesetzte Kirchengerichtswesen vorgeht.

Man hört praktisch nie von öffentlichen Aufrufen an Zeugen;
rechtliche Anhörungen finden im geheimen statt;
Darüber zu reden führt für sich alleine schon zu einer Verurteilung,
so ungefähr das einzige, was jemals öffentlich ist, ist eine kurze Bekanntmachung,
jemand sei ausgeschlossen oder gehöre nicht mehr zu den Zeugen.

Warum wendet die Organisation den „Grundsatz“,
der hinter dem Gesetz steht,
so selektiv an und benutzt ihn nur,
um den Mitgliedern die Last der Verantwortung aufzuerlegen,
über Vergehen von Mitverbundenen Bericht zu erstatten,
ignoriert dabei aber den eindeutigen Grundsatz

der Öffentlichkeit

bei der Behandlung von Rechtsfällen durch die von ihr ernannten Vertreter?

Einsichten über die Heilige Schrift stellt dazu fest:
„Auch war die Aufmerksamkeit, die ein Gerichtsverfahren am Tor erregte,
für die Richter ein Ansporn,
während des Verfahrens und beim Fällen des Urteils sorgfältig und gerecht zu sein“
(Band I, Seite 877).

Daher ist der Verfasser des Wachtturm-Artikels auch schnell bei der Hand,
die Sache umzudrehen
und aus der Reaktion auf eine öffentliche Aufforderung an Zeugen einen Bericht zu machen,
den man von sich aus den Ältesten über ein Vergehen gibt.

Die Ausführungen degradieren Nichtälteste zu Informanten oder Denunzianten
und behalten jedes eigene Urteil, was in einer Situation zu unternehmen sei,
den Ältesten vor.

Obwohl die Mitzeugen zuerst an den Übeltäter herantreten
und ihm dringend raten sollten, zu den Ältesten zu gehen,
geschieht das in der Praxis nur sehr selten.

In der überwältigenden Mehrzahl der Fälle übergeht man diesen Schritt
und erstattet den Ältesten Bericht.

Und das bedeutet, dass, wie man so sagt, nun „der Teufel los ist“
und die Mühlen der Organisationsjustiz zu mahlen beginnen.

Die eigentliche Absicht, die man mit den Ausführungen im Wachtturm verfolgt,
ist offensichtlich, den Zeugen jede Entscheidungsfreiheit in der Sache zu nehmen
und ihnen jedes Recht auf ein eigenes Urteil darüber,
ob die Fehlhandlungen eines anderen vor ein Rechtskomitee kommen sollten, abzusprechen.
Man möchte ausschließen, dass einzelne sich von Mitgefühl
oder einer ähnlichen Empfindung bei der Frage leiten lassen,
ob sie eine Sache vertraulich behandeln oder nicht.
Man versucht gleichfalls, jede persönliche Bemühung, einem Übeltäter zu helfen,
ohne gleich den ernannten Ältesten Bericht zu erstatten,
als respektlos gegenüber Gott darzustellen.

Keine Frage, mit dem mosaischen Gesetz war die Verantwortung verbunden,
über bestimmte schwere Vergehen und Verbrechen schlimmster Art offen zu reden
bei Gotteslästerung; bei dem Versuch, Mitisraeliten zum Götzendienst zu verleiten;
beim Vergießen von Blut Unschuldiger;
und wenn jemand falsche oder trügerische Prophezeiungen äußerte.
(3.Mose 24:10-14; 5.Mose 13:6-11; 17:2-7; 21:1-9; Sacharja 13:2-6).
Generell mussten diejenigen, die von solchen Verbrechen wussten,
nicht nur als Zeugen auftreten, sie mussten auch bei der Hinrichtung als erste Steine werfen.

Doch nirgendwo finden wir im Gesetz Moses eine solch weitgesteckte Aussage,
dass jeder Israelit verpflichtet sei,
„irgendeine schwerwiegende Verfehlung, die er beobachtet hatte, den Richtern zu melden.“

Wie wir gesehen haben, handeln die Vorschriften einschließlich der aus 3.Mose 5:1
in den meisten Fällen von der Reaktion auf eine Vorladung
oder Adjuration zur Aussage und nicht davon, dass ein Israelit von sich aus Bericht erstattete.

Die Idee,
Gottes Gesetz habe jeden Israeliten dazu verpflichtet,
wegen jeden Vergehens, das ein Mitisraelit vielleicht beging,
sogleich zu den Stadtältesten zu laufen,
wo die Sache dann am Stadttor bekannt gemacht wurde das ist etwas,
das der Verfasser des Wachtturms in die Bibel hineingelesen hat.

Natürlich durfte jemand, dessen Rechte verletzt und dem Unrecht getan wurde,
zu den Ältesten am Tor gehen und Anklage erheben.

Doch selbst dann war das Opfer nicht verpflichtet,
anderen Personen von dem Vergehen zu berichten,
wenn die beiden die Sache unter sich ausmachen konnten.

Ein bemerkenswertes Beispiel dafür,
wie jemand trotz offensichtlich überzeugender Beweise für ein schweres Vergehen schwieg,
ist der Fall Josephs, des Pflegevaters Jesu.

Joseph glaubte ernsthaft, die Frau, mit der er verlobt war,
habe das Gesetz über Ehebruch verletzt.

Die eindeutige Tatsache, dass sie noch vor der Hochzeit schwanger war,
war wohl der beste Beweis dafür.

Und doch fühlte sich Joseph NICHT VERPFLICHTET,
sie bei den Ältesten oder Priestern als Richtern anzuzeigen.
Weil er sie nicht „der öffentlichen Schande aussetzen“ wollte,
beabsichtigte er, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Lehnte er damit verächtlich einen „Eid“ gegenüber Gott ab,
der ihm gebot, die Sache zu melden?
Bewies er damit einen groben Mangel an Interesse an der „Reinheit der Versammlung“?
Die Bibel nennt lobend seinen Beweggrund:
Er habe so gehandelt, weil er „gerecht“ war
(rechtschaffen, Zürcher Bibel; ein anständiger Mann, Die Gute Nachricht).
Gott tadelte Joseph nicht für seine mitfühlende Absicht;
(Matthäus 1:19)

Er klärte das Missverständnis auf und versicherte ihn der Keuschheit Marias.
(Matthäus 1:20-24).

Wohlgemerkt – dies alles noch unter dem alten Gesetz Mose.

Ebenso machte Gottes Sohn deutlich,
dass nicht alle Vergehen vor Richter gebracht werden mussten.
Er sprach dabei Umstände an, unter denen ein Übeltäter dies vermeiden könnte,
indem er sich noch mit dem Ankläger einigte,
wenn dieser schon auf dem Weg zu den Richtern sei, um ihn zu verklagen.
(Matthäus 5:23-25)

Demgemäß forderte er die Personen, denen Unrecht zugefügt worden war, auf,
den ersten Schritt zu tun und die Sache nicht einem Richtergremium zu melden,
sondern auf den Übeltäter zuzugehen und sich zu bemühen,
ihn das Unrecht erkennen zu lassen.

Er sagte: „Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurück gewonnen“
Wie wir eingangs in Matthäus 18:15-18 gesehen hatten.

ohne Intervention Dritter - einschließlich Ältester.

Nur für den Fall, dass das fehlschlüge, sollte er noch „einen oder zwei“ weitere Personen zu Hilfe bitten.
Es wird nichts davon gesagt, dass dies „Älteste“ sein müssten.

Und erst wenn diese weitere Bemühung keinen Erfolg habe,
sollte die böse Handlungsweise des Übeltäters vor die Versammlung gebracht werden.

Jesus verurteilte nachdrücklich die Rigidität als Unrecht,
die man typischerweise dort findet,
wo man meint, Gott durch Beharren auf Gesetzen dienen zu müssen.

Er zeigte, dass das Gesetz dem Menschen dienen und keine ermüdende Last darstellen sollte.
Es sollte ihn nicht daran hindern, Mitgefühl zu zeigen.
Zu Personen, die Anklagen vorbrachten, sagte er,
„der Sabbat [sei] um der Menschen willen geschaffen worden
und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“
(Markus 2:27, Zürcher Bibel.)

Er erinnerte Menschen, die sich buchstabengetreu an religiöse Gesetze halten wollten, daran,
wie David die Stiftshütte betrat
und dort Laibe der heiligen „Schaubrote“ als Speise für seine Männer erhielt;
Brote, „die zu essen ihm und seinen Begleitern nicht erlaubt war,
sondern nur den Priestern.“
(1.Samuel 21:1-6; Matthäus 12:1-4, Herder).

Weder bezeichnete er David wegen seiner Handlungsweise als jemanden,
der ‚unter Gottes Verfluchung komme‘,
noch sagte er, der Priester sei bei dieser Gelegenheit nachlässig gegenüber einem „Eid“ gewesen
und habe nicht für die Reinheit der Versammlung gesorgt,
weil er David nicht angeklagt habe.

Entsprechend lobte er auch nicht die Handlungsweise des Edomiters Doeg,
der die Sache Saul, dem Haupt der Nation, denn auch prompt meldete,
was dazu führte, dass über 85 Priester zum Tode verurteilt
und die Menschen in ihrer Stadt niedergemetzelt wurden.
(1.Samuel 21:7; 22:9-19)

Stattdessen benutzte Jesus den Bericht als Grundlage,
um zu den Ältesten zu sagen:
„Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt:
‚Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer‘,
dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt.“
(Matthäus 12:7, NJB)

Als Christen, die vom „Gesetz entbunden“
und nicht mehr Sklaven „im alten Sinne,
durch das geschriebene Recht“, sind,
können wir uns vom Vorbild Christi,
vom Gesetz des Glaubens und dem königlichen Gesetz der Liebe leiten lassen,
wenn wir auf diesem Gebiet Entscheidungen treffen.

Wir haben die Zusage der Apostel, dass der,
der „den anderen liebt, das Gesetz erfüllt [hat]“;
und nicht nur die Gebote über Ehebruch, Mord, Diebstahl oder Habgier,
sondern „was es sonst noch an Geboten geben mag,
werden ja in diesem einen Wort zusammengefasst:

‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!‘

Die Liebe fügt dem Nächsten nichts Böses zu.
So ist die Liebe die Vollendung des Gesetzes.“

Wir können in Freiheit unser Urteilsvermögen gebrauchen,
um zu entscheiden, welche Vorgehensweise für den Übeltäter und für andere,
die vielleicht betroffen sind sich am besten auswirkt.

Sicher gibt es im Leben Dinge, die so gravierend sind, dass wir uns bewogen fühlen,
sie anderen mitzuteilen
ein Unrecht ist schreiend groß oder kann möglicherweise einen ernsten Schaden bewirken.

Wir sind jedoch nicht durch starre Regeln gefesselt,
die uns unter „Eid“ stellen und automatisch verpflichten,
die Übertretungen anderer aufzudecken.

Wir werden ermuntert, ‚einander offen unsere Sünden zu bekennen‘,
nicht einem Kirchengericht.

Jedem von uns,
nicht bloß Männern, die durch eine Organisation ernannt sind,
wird der dringende Rat gegeben,
alles Menschenmögliche daranzusetzen,
denen zu helfen und sie wiederzugewinnen,
die von der Wahrheit abgewichen und dem Irrtum verfallen sind.

Und wir müssen dies mit einer barmherzigen Einstellung gegenüber dem einzelnen tun,
auch wenn wir die Vergehen selbst verabscheuen.

Die rigide Vorgehensweise wirkt letzten Endes einer Hilfe für Menschen,
die in Fehlverhalten abgleiten, entgegen.

Wer eine schwere Sünde begeht, ist sich vielleicht völlig bewusst, dass er Hilfe braucht,
um keine weiteren schlechten Handlungen zu begehen.

Doch als Zeuge Jehovas kann man nicht einmal zu einem Freund in der Versammlung gehen,
um über eine Sünde zu sprechen,
weil man nicht sicher sein kann, dass das, was man dem Freund sagt,
unter vier Augen bleibt.

Bibelstellen, in denen es heißt, dass man ‚vertraulich Gesprochenes nicht aufdecken‘ soll,
werden als in diesem Fall unzutreffend bezeichnet, und die Feststellung,
(Sprüche 25:9)Führe deine eigene Rechtssache mit deinem Mitmenschen,
und offenbare nicht das vertrauliche Gespräch eines anderen
(siehe auch Sprüche 15:22)

„ein wahrer Gefährte liebt allezeit und ist ein Bruder, der für die Zeit der Bedrängnis geboren ist“,
wird hier ebenfalls gegenstands- und bedeutungslos.
(Sprüche 17:17)

Selbst wenn der Sünder sich durch Christus im Gebet an Gott gewandt
und um Vergebung gebeten hat, genügt das nicht, um Stillschweigen zu rechtfertigen.

Wenn es sich um eine Sünde handelt,
die die Organisation als „schwere Verfehlung“ bezeichnet,
müssen deren Vertreter davon unterrichtet werden,
und das Kirchengericht hat zu entscheiden,
ob etwas unternommen werden soll oder nicht.

Man macht uns glauben, dass wir keine Liebe zeigten,
wenn wir es unterließen,
Mitverbundene, die wegen persönlicher Vergehen ‚nicht zur Obrigkeit‘ gegangen sind,
zu melden.

Getreu unseres Jahrestextes:
„Wir müssen Gott dem Herrscher mehr gehorchen als den Menschen“

Doch jeder der im geheimen Ausgeschlossen wurde ist aufgrund „Verfahrensfehler“ zu unrecht Verurteilt.
Alle Verhandlungen die im geheimen unter Ausschluss der ganzen Gemeinde abgewickelt wurden sind schlussendlich unwirksam.

>>>Ich glaube auch, dass Satan sich hier eins ins Fäustchen lacht.<<<

Ein Grund dem Ankläger unserer Brüder zu Beweisen das wir ein Zeuge für Jehova und kein Zeuge für Menschen sind.
www.stern.de/politik/panorama/:Tschernobyl-Videos-Sarkophag/559781.html


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